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Periodical volume

Full text: Ecke Issue 2016,6

ecke

nr. 6 – oktober 2016

turmstraße

Anne Boissel

Seite 3: Moabiter Kiezfest Seite 8: Verschwinden bald die Spielhallen aus dem Straßenbild?
Seite 9: Der neue Turm-Palast im Brüder-Grimm-Haus Seite 10 : Krawall in der Wallstraße

Zeitung für das »Aktive Zentrum« und Sanierungsgebiet Turmstraße. Erscheint achtmal im Jahr kostenlos.
Herausgeber: Bezirksamt Mitte von Berlin, Stadtentwicklungsamt, Fachbereich Stadtplanung

Ch. Eckelt

Termine

Ch. Eckelt

Stadtteilladen, Krefelder Straße 1a:

Sprechstunde des KoSP (Prozesssteuerer
im Aktiven Zentrum Turmstraße):
Di, 9.30–12 Uhr, Do 15.30–18 Uhr
Sprechstunde des Geschäftsstraßenmanagements (die raumplaner):
Di 16–19 Uhr, Fr 8–10 Uhr
Öffentliche Mieterberatung (für Mieter
in Milieuschutzgebieten): Mo 16–18 Uhr,
Do 10–12 Uhr
Sprechstunde der Stadtteilvertretung:
Mo 17–18 Uhr

Ch. Eckelt

Bilderrätsel: Gewinner gesucht!

Auch in diesem Jahr wurde das Fest von einem breiten Team organisiert und getragen, mit dem Verein Frecher Spatz e.V. als offiziellem
Veranstalter, dem Netzwerk Engagement und Nachbarschaft »Misch
Mit!«, den Gewerbetreibenden der »TIM« (Turmstraßen-Initiative
Moabit), den Kreativen von »ArTminius21« sowie dem Geschäftsstraßenmanagement für die Turmstraße (die raumplaner). Ein solches Fest auf die Beine zu stellen, ist ein enormer Kraftakt. Die große
positive Resonanz zeigt, dass er sich lohnt.
us

Plötzlich ging es ganz schnell

Plenum der Stadtteilvertretung

Das nächste öffentliche Plenum der STV Turmstraße finden am Montag, dem 24. Oktober
von 19 bis 22 Uhr statt. Ort: Stadtteilladen,
Krefelder Straße 1a.
Mehr Informationen zur Stadtteilvertretung
und ihren Arbeitsgruppen findet man im
­Internet unter www.stv-turmstrasse.de

Welche Ecke?
Wo wurde dieses Foto aufgenommen? Wer weiß, wo sich dieser Ort genau befindet, schicke die
Lösung bitte mit genauer Absenderadresse an die Redaktion: Ecke Turmstraße c/o Ulrike Steglich,
Elisabethkirchstraße 21, 10115 Berlin, oder per Mail an ecketurm@gmx.net. Einsendeschluss ist
Montag, der 24. Oktober. Unter den richtigen Einsendungen verlosen wir einen Büchergutschein
der Dorotheenstädtischen Buchhandlung im Wert von 20 Euro. Unsere letzte Rätselecke zeigte ein
Schild vor der Ottostraße 18. Gewonnen hat Dave Kremzow, der auch wusste, warum man dort
nicht rückwärts einparken soll: »Im Parterre befinden sich behindertengerechte Wohnungen,
darum sollte man dort besondere Rücksicht nehmen.« Herzlichen Glückwunsch! Der Preis wird
per Post zugesandt.

Mieterberatung für
Milieuschutzgebiete
Seit Anfang Oktober gibt es eine öffentliche
Mieterberatung für alle Anwohner in den
beiden neuen Moabiter Milieuschutzgebieten. Dabei handelt es sich um das Erhaltungsgebiet Waldstraße (zwischen Berlichingen-, Siemens-, Bremer Straße und
­Alt-Moabit) und das Gebiet Birkenstraße
(zwischen Bremer, Quitzow-, Lehrter,
Rathenower und Turmstraße).
Nach einer Ausschreibung hat der Bezirk
das Büro »Mieterberatung Prenzlauer Berg«
beauftragt. Dieses bietet ab sofort zweimal
pro Woche Sprechstunden im Stadtteilladen
Krefelder Straße 1a an. Außerdem wird es
ein Faltbatt mit genaueren Informationen
zum Milieuschutz und zum Beratungsangebot an alle Haushalte in den Milieuschutz­
gebieten verteilen.

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Mieterberatung im Stadtteilladen Krefelder
Straße 1a (nur für Milieuschutzgebiete)
Mo 16–18 Uhr, Do 10–12 Uhr
Kontakt: Telefon (030) 44 33 81,
E-Mail: team-moabit@mieterberatungpb.de
www. mieterberatungpb.de

Ecke Turmstraße

Die nächste »Ecke Turmstraße« erscheint
Anfang November. Redaktionsschluss ist
­Freitag, der 21. Oktober.
Sämtliche Ausgaben sind ­abrufbar unter:
www.turmstrasse.de/­oeffentlichkeitsarbeit /
stadtteilzeitung.html

Runder Tisch Gentrifizierung

Jeden 2. Dienstag im Monat, 19–21 Uhr,
­Treffpunkt: Kontaktstelle PflegeEngagement,
Lübecker Straße 19. Alle interessierten Mieter
sind herzlich eingeladen!
Mehr unter www.wem-gehoert-moabit.de.
Dort finden sich auch die Protokolle der bis­
herigen Runden Tische.

Stadtteilplenum QM Moabit-West

Das Plenum, organisiert vom Moabiter Ratschlag e.V. und dem QM Moabit West, tagt
jeden dritten Dienstag im Monat im Stadtschloss Moabit, Rostocker Straße 32b.
Mehr unter Telefon (030) 39 90 71 95 oder
www.moabitwest.de

Impressum
Herausgeber: Bezirksamt Mitte von Berlin,
Stadtentwicklungsamt
Redaktion: Christof Schaffelder,
Ulrike Steglich
Redaktionsadresse:
»Ecke Turmstraße«, c/o Ulrike Steglich,
Elisabethkirchstraße 21, 10115 Berlin
Tel (030) 283 31 27, ecketurm@gmx.net
Fotos: Christoph Eckelt, eckelt@bildmitte.de
Entwurf und Gestaltung:
capa, Anke Fesel, www.capadesign.de
Druck: BVZ Berliner Zeitungsdruck GmbH,
www.berliner-zeitungsdruck.de
V.i.S.d.P.: Ulrike Steglich
Für den Inhalt der Zeitung zeichnet nicht
der Herausgeber, sondern die Redaktion
verantwortlich.

Gelegenheit. Und weil gleichzeitig der Berliner Wahlkampf-Endspurt
lief, suchten natürlich auch die Kandidaten der Parteien hier den
Kontakt zu den Wählern.

Moabit feierte …
… am 10. September rund um das Rathaus
sein Kiezfest
Das Wetter war im wahrsten Wortsinn blendend – ein so heißer Spätsommertag, dass sicher viele tagsüber doch noch einmal den Badesee
vorzogen. Dennoch war das Moabiter Kiezfest ein großer Erfolg, immer mehr Menschen kamen im Laufe des Nachmittags, und in den
frühen Abendstunden mussten noch zusätzliche Bänke und Tische
vor dem Rathaus aufgestellt werden.
An zahlreichen Ständen entlang der Bremer, Arminius- und Jonasstraße präsentierten sich lokale Initiativen, Vereine, Institutionen,
Gewerbetreibende und Kreative. Die Kickertische waren ebenso beliebt wie die Glücksrad-Tombola, es gab Schneckenradrennen, Feuerwehr-Artistik und vieles mehr. Viel Interesse fanden auch die Planungen für Moabit, die auf Informationstafeln zu sehen waren – die Mitarbeiter des Bezirksamts, des Büros KoSP und Stadtteilvertreter
waren als Gesprächspartner vielbeschäftigt. Gleich zwei Bühnen
wurden nonstop mit einem umfangreichen Kulturprogramm bespielt,
von Qi Gong- und Taekwon-Do-Darbietungen über musikalische Auftritte unterschiedlichster Genres und Kulturen bis hin zu Akrobatik.
Gewerbetreibende aus dem Kiez kamen ebenso zu Wort wie lokale
Initiativen, u.a. »Moabit hilft«. Und auch wenn nicht mehr Hunderte
Menschen vor dem LaGeSo in der Turmstraße warten müssen, so gehörten die Flüchtlinge doch ganz selbstverständlich zum Fest, war
ihre derzeitige Situation ein Thema. Was wiederum daran erinnerte,
mit welch großer Hilfsbereitschaft und mit wie viel ehrenamtlichen
Engagement sich viele Moabiter kümmerten und immer noch kümmern.
Und nach Einbruch der Dunkelheit gab es noch einen krönenden Abschluss: das Freiluft-Minikino (siehe S. 11).
Obwohl das Moabiter Kiezfest erst seit wenigen Jahren stattfindet,
hat es sich doch schon als feste Größe und lokales Highlight etabliert
und wächst von Jahr zu Jahr. Das Besondere daran ist seine lokale und
soziale Verwurzelung, die sich auch in der kunterbunten Mischung
des Publikums ausdrückt: Ein echter Querschnitt der Moabiter Bevölkerung. Der Kiezcharakter ist unübersehbar: Wenn man möglichst
viele Bekannte oder Akteure aus dem Gebiet an nur einem Nachmittag treffen will, ohne sich vorher zu verabreden, ist dies die ideale

Erneuerung der Gehwege entlang der Turmstraße
hat begonnen
Die Planungen für den Umbau der Gehwege entlang der Turmstraße
waren fertig und den Bürgern vorgestellt, vor über zwei Jahren –
2014 – sollte es bereits losgehen. Doch dann lag alles auf Eis, aus diversen Gründen.
Nun aber ging alles plötzlich ganz schnell. Selbst das Büro KoSP als
Prozesssteuerer im Gebiet und Planungsbeteiligter erfuhr erst wenige Tage vor Einrichtung der Baustelle, dass es nun aber endlich losgeht. Es blieb nicht mal mehr Zeit, Anwohner und Gewerbetreibende
rechtzeitig mit Aushängen darauf vorzubereiten. Das wird jedoch
besser: Das Geschäftsstraßenmanagement wird jetzt zwischen Gewerbetreibenden und Bauleitung vermitteln.
Seit Ende September laufen die Arbeiten. Die Gesamtmaßnahme
umfasst die Erneuerung der Gehwege links und rechts der Turm­
straße im Abschnitt zwischen Oldenburger und Gotzkowskystraße /
Waldstraße und erfolgt in vier Bauabschnitten.
Der erste Bauabschnitt ist der Gehweg nördlich der Turmstraße zwischen Oldenburger und Emdener Straße. Darauf folgt der Abschnitt
Emdener bis Waldstraße. Danach geht es im 3. und 4. Bauabschnitt
auf der Südseite der Turmstraße zwischen Gotzkowskystraße und
­Ottostraße weiter.
Begonnen wird jeweils mit dem Unterstreifen der Gehwege (zur
Fahrbahn hin), denn hier werden auch Leitungsarbeiten vorgenommen. Ist hier die Decke wieder geschlossen, wird der Gehwegstreifen
bis zur Häuserfront erneuert. Zu dem schrittweisen Vorgehen hat
man sich entschlossen, damit die Belastungen der unmittelbar betroffenen Anwohner und Gewerbetreibenden möglichst gering gehalten werden und möglichst wenige Stellplätze wegfallen.
Für den ersten Abschnitt ist eine Bauzeit von ca. sechs Wochen geplant. Die Gesamtmaßnahme soll bis zum kommenden Frühjahr abgeschlossen sein. Das ist allerdings auch davon abhängig, ob sich
möglicherweise noch unerwartete Probleme bei den Leitungsarbeiten ergeben. Und natürlich auch von der Witterung: Zwischen Oktober und Frühjahr liegt bekanntlich der Winter.
us
Bauausführende Firma ist die M. Hajek Straßen- und Tiefbau GmbH.
Ansprechpartner bei Fragen u.ä. ist der Bauleiter Herr Jänke,
Telefon (0173) 639 87 95.
Eine ausführliche schriftliche Information für Anrainer über die Baumaßnahmen erfolgt demnächst.

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Studentenwohnungen für Kleinanleger liegen voll
im Trend

für eine 20-qm-Bude, das sind knapp 6.500 Euro/qm – gut 40% mehr
als beim Vorgänger. Offensichtlich lassen sich in diesem Marktsegment phantastische Gewinne erzielen.
Die Zielgruppe »Studenten« sollte man jedoch nicht allzu genau
nehmen. Anders als bei öffentlich geförderten Wohnheimen wie des
Studentenwerks gibt es bei privaten Projekten keine Beschränkungen
der Nutzergruppe. Streng genommen handelt es sich also um möblierte »Mikro-Apartments«. Für die Vermarktung an Kleinanleger
eignet sich die Behauptung von Studentenwohnungen hervorragend.
Denn das spricht die Elterngeneration an, in der derzeit viele um ihre
Alterssicherung besorgt sind und nach vermeintlich sicheren Anlageformen im »Betongold« suchen. Zudem wird eine sozial stabile Bewohnerschaft suggeriert, die den Eigentümern wenige Probleme bereitet. Die Frage ist allerdings, ob in zwei oder drei Jahren, wenn die
jetzt geplanten Apartments auf den Markt gehen, die Nachfragen
noch so groß ist wie jetzt – oder ob sich hier nicht eine Blase bildet:
Einige der jetzt als Studentenapartments angebotenen Investments
könnten sich dann zu Hartz-IV-Ghettos entwickeln. 
cs

Leitlinien zur Bürgerbeteiligung
Das ehemalige Stadtbad Wedding in der Gerichtstraße wird abgerissen. Der neue Eigentümer des Grundstücks, die Lambert-Unternehmensgruppe aus Regensburg, möchte an der Stelle des ehemaligen
Schwimmbades ein privates Studentenwohnheim errichten.
Erfahrungen in diesem Geschäft hat sie, und genügend Eigenkapital
dürfte sie auch mitbringen: Die Lambert-Gruppe entwickelte zuletzt
das »Studio B« in der Nähe des Alexanderplatzes mit rund 400
Apartments von rund 20 Quadratmetern, die sie inzwischen nach eigenen Angaben schon komplett als Eigentumswohnungen verkauft
hat. Dabei wurde den Kapitalanlegern »Inflationsschutz, riesige
Nachfrage, 4,9 % Rendite« versprochen. Eine möblierte 24-Quadratmeter-Wohnung sollte eine Netto-Mieteinnahme von 470 Euro im
Monat abwerfen, also fast 20 Euro pro Quadratmeter. Dazu kommen
Neben-, Verwaltungs- und Instandhaltungskosten, die Warmmiete
müsste deshalb deutlich mehr als 600 Euro im Monat kosten.
Diese Angabe stammen aus einer Werbebroschüre vom Frühjahr
2014, inzwischen sind die Mieten für solche Wohnformen sogar noch
in die Höhe gegangen: Private Studentenwohnheime wie etwa »THE
FIZZ« in der Köpenicker Straße verlangen auch schon mal 700 Euro
für 20 Quadratmeter im Monat und haben dennoch keinerlei Vermietungsprobleme. Deshalb ist es kein Wunder, dass gegenwärtig in
Mitte überall Projekte für möblierte »Mikro-Wohnungen« entstehen
und meist schon vor Fertigstellung an Kleinanleger verkauft sind.
So wird derzeit unweit des Bahnhofs Gesundbrunnen auf dem ehemaligen Hertha-Gelände (»Plumpe«) der »Campus Viva Berlin«
­fertig gestellt. Die rund 400 Apartments sind schon verkauft, 20
Quadratmeter kosteten dabei etwa 90.000 Euro, also 4.500 Euro/qm.
Das Nachfolgeprojekt »Campus Viva Berlin II« soll im Sommer 2018
bereit stehen, verlangt werden dabei allerdings schon 129.000 Euro

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Der Bezirk Mitte entwickelt derzeit eigene »Leitlinien zur Bürgerbeteiligung« und hat dazu eine Arbeitsgruppe aus Verwaltung, Politik und
Bürgerschaft gegründet. In einer öffentlichen Bürgerwerkstatt am 25.
November werden Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit haben, ihre
Erfahrungen einzubringen. Außerdem soll ein Online-Dialog eingerichtet werden, an dem man sich beteiligen kann. Die Ergebnisse sollen
dann in einen Entwurf für die Leitlinien einfließen, der schließlich von
der BVV und vom Bezirksamt beschlossen werden soll.
Dazu wurden bereits umfangreiche Vorarbeiten durchgeführt, z.B. eine
50-seitige Broschüre zur »Entwicklung der Bürgerbeteiligungskultur im
Bezirk Mitte«. Man kann sie im Internet herunterladen, genauso wie
die Protokolle der AG-Sitzungen. Allerdings ist die entsprechende Seite
nicht gerade einfach zu finden: www.berlin.de/ba-mitte/politik-undverwaltung/service-und-organisationseinheiten/sozialraumorientierteplanungskoordination/leitlinien-zur-buergerbeteiligung

Kommentar

Die Dichte steigt
Der öffentliche Raum braucht keine soziale Feuerwehr,
sondern verlässliche Aufmerksamkeit – und einen Etat
Der öffentliche Raum ist – trotz Facebook und Google – essentiell für
Städte, das heißt: für die Menschen, die sich darin nach wie vor analog bewegen. Es ist noch gar nicht so lange her, dass die Privatisierung öffentlichen Raumes heiß debattiert wurde: Weil es eben nicht
egal ist, ob ein Platz, eine Straße, ein Park der Stadt gehört oder dem
Investor XY, der dann kraft privater Security-Trupps bestimmt, wer
sich an diesem Ort aufhalten darf und wer nicht. (Versuchen Sie mal,
am Lageso oder auf dem Vorplatz der Spandau Arcaden zu fotogra­
fieren.)
Heute stellen sich noch ganz andere Fragen. Berlin wächst, und damit teilen sich auch immer mehr Menschen den öffentlichen Raum.
Anwohner. Migranten aus Stuttgart, Spanien, England oder Rumä­
nien. Touristen. Kriegs- oder Armutsflüchtlinge, Obdachlose. Man
könnte das soziologisch sicher feiner differenzieren. Unbestritten ist
jedoch, dass der vorhandene öffentliche Raum nicht größer wird, obwohl sich immer mehr Menschen darin bewegen. Physikalisch ausgedrückt: die Dichte steigt.
Dabei gibt es sehr unterschiedliche Interessen und Ansprüche: Touristen erwarten einen möglichst hohen Erlebnisfaktor, Anwohner
wollen einfach ihren Alltag bewältigen, Zuzügler ihr neues Umfeld
kennenlernen. Und dann gibt es jene, die schlicht auf den öffentlichen Raum angewiesen sind: Weil sie keine Wohnung mehr haben
oder aus anderen sozialen Rastern gefallen sind, weil sie Gesellschaft
und Kommunikation brauchen, sich aber keine Café- oder Kneipenbesuche leisten können, oder weil sie als Geflüchtete Orientierung
suchen in der großen Stadt.

Nicht zuletzt: Mit dem Touristengeschäft brummt auch die Dealer­
szene. Inzwischen steht in jedem Reiseführer zur sexy Metropole, wo
die Hotspots sind, wenn man sich mal einen Kick verschaffen will:
Görli, Kotti, RAW … Die Abnehmer sind da und damit auch der
Markt und die Händler.
Der öffentliche Raum ist Arena und zugleich Spiegel der Gesellschaft.
Und weil Berlin eine Stadt voller Kontraste und auch Konflikte ist,
bleibt auch der öffentliche Raum nicht konfliktfrei. Immer dann,
wenn irgendwo eine Situation zu eskalieren droht (ob am Görli, Kotti
oder Alex, am Leo, U-Bahnhof Turmstraße oder an der Köpenicker
Straße) werden ad hoc Interventionsteams beauftragt. Dann tagen
Runde ­Tische; Polizei, Präventionsbeauftragte, Mediatoren und Sozialarbeiter werden losgeschickt, letztere meist mühsam über
unterschied­liche Töpfe finanziert.
Streetworker, Sozialarbeiter und Mediatoren sind aber keine gesellschaftliche Feuerwehr, die man immer mal dann rufen kann, wenn
es gerade brennt. Man sieht es am »Leo«: Geduldige Kontinuität und
Verlässlichkeit erzeugen Vertrauen und Erfolge. Entsteht ein auch
nur kurzzeitiges Vakuum, weil eine »Fördermaßnahme« zu Ende ist
und es auch gerade anderswo brennt, können die nächsten Sozial­
arbeiter wieder von vorn anfangen.
Es reicht nicht, wenn die Bezirke immer wieder hier und da in ihren
ohnehin knappen Etats herumstochern müssen, um die »soziale Feuerwehr« irgendwie zu bezahlen, für zwei oder drei Jahre. Es wäre
wichtig, dass das Land Berlin den öffentlichen Raum als Pflichtauf­
gabe anerkennt und einen verlässlichen, kontinuierlichen Etat für
Sozialarbeit bereithält. Immerhin sprudeln die Steuereinnahmen
auch durch Tourismus im öffentlichen Raums kräftig. Es wäre angebracht, dieses Geld zu reinvestieren: für Befriedung öffentlicher Plätze, für das Kümmern um jene, die auf diesen offenen Raum angewiesen sind, für gestresste Anwohner. Eine Stadt, die mit ihrer Weltoffenheit und Diversität wirbt, hat auch die Pflicht, sich zuverlässig um
die Verträglichkeit im öffentlichen Raum zu kümmern. Dazu gehört
übrigens auch eine nicht kaputtgesparte Polizei – denn es kann nicht
die Aufgabe von Sozialarbeitern sein, sich der Dealerszene entgegenzustellen. 
us

Bildecke

Starker Zuzug nach Mitte
Berlins Einwohnerzahl wächst merklich. Allein im ersten Halbjahr 2016
verzeichnet das Einwohnermelderegister einen Zuwachs von 42.800
Personen – soviel wie im gesamten Jahr 2015. Dazu gehören nicht nur
Flüchtlinge, die meist erst in diesem Jahr von den Melderegistern erfasst
wurden, sondern auch viele neue Zuzügler aus dem europäischen
Raum: So zog es zum Beispiel innerhalb eines Jahres ca. 500 französische Staatsbürger in die deutsche Hauptstadt.
Besonders stark wächst der Bezirk Mitte: seit 2011 um über 40.000
Einwohner, das heißt, um mehr als ein Achtel. Im ersten Halbjahr 2016
kamen ca. 5.000 neue Bewohner hinzu – was den Bezirk vor große
Herausforderungen stellt, insbesondere hinsichtlich der Infrastruktur,
die bereitgestellt werden muss.

Ch. Eckelt

Ch. Eckelt

Möblierte Mikro-Apartments
statt Stadtbad

Im den ehemaligen Schwimmhallen des Stadtbad Wedding fanden bis
zum letzten Jahr viele kulturelle Veranstaltungen statt. Dann musste
das »Stattbad« schließen, weil die Betreiber Brandschutzauflagen nicht
einhielten. Jetzt wird es abgerissen. Dem Antrag, der bereits im Mai
eingegangen ist, kann der Bezirk nicht widersprechen, weil das Stadtbad nicht unter Denkmalschutz steht.

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Die Bänke sind leer. Drei Jahre nach der
feier­lichen Eröffnung des neugestalteten
Leopoldplatzes wird der Aufenthaltsbereich
für die »Szene« kaum noch genutzt. Sie
nimmt den von ihr selbst mitgeplanten Ort
nicht mehr an. Gründe dafür sind die neu
auflebende Drogenszene, enttäuschte Hoffnungen, erlittene Kränkungen und vielleicht
auch Angst vor der eigenen Courage. Hinzu
kommt ein Rückgang an behördlicher Aufmerksamkeit und politischem Handlungswillen, nachdem der Platz aus den NegativSchlagzeilen verschwunden war: Der Leopoldplatz ist sozusagen allmählich auf dem
Dienstweg versandet.

Ein Netzwerk von Akteuren
Die Neugestaltung des Leopoldplatzes war
eine der ersten und vielleicht die bedeutsamste Aufgabe im Aktiven Zentrum und
Sanierungsgebiet Müllerstraße. Der zentrale
Weddinger Stadtplatz wurde zwischen 2010
und 2013 baulich umgestaltet und sollte zugleich sozial befriedet werden. Eine dringend notwendige Intervention, denn der
Leo galt bis dahin öffentlich als ein verkommener Ort, den man besser mied; als
»Schandfleck«, der auf den gesamten Stadtteil ausstrahlte.
»Am schönen alten Leopoldplatz geht Berlin
stinkend im Alkohol unter«, so hatte im Oktober 2009 die BZ drastisch getitelt. Dabei
konnte sie sich auf Anwohner berufen, die
gegen die Zustände auf dem vorderen Platzteil protestiert hatten: mit Demos, Unterschriftensammlungen und bei diversen Bürgerversammlungen. Im Zentrum des Unmuts stand dabei die lokale Trinkerszene,
die sich an diesem Ort ständig und in großen
Gruppen aufhielt und den Platz klar dominierte.
Damals entstand unter großem Engagement
vieler Anwohner am Runden Tisch Leopoldplatz ein neuer Lösungsansatz: Bei der Platz-

6

Ch. Eckelt

Der Leopoldplatz im Rückfall: Es mangelt auch an der
Aufmerksamkeit der Bezirksverwaltung

neugestaltung sollten »Problemgruppen«
nicht verdrängt werden. Vielmehr wurde ge­
meinsam mit ihnen eine Planung entwickelt
und umgesetzt, in der sie auch einen eigenen Aufenthaltsbereich mitgestalteten: mit
Tischtennisplatte, Überdachung, Toilette.
Ebenso wichtig wie die Beteiligung der Anwohner am Runden Tisch war aber auch die
Einrichtung der »Praktikerrunde«, in der
sich Mitarbeiter des Bezirks, der Sanierungsbeauftragten, des Polizeiabschnitts, der BVG,
des Leopoldcenters, des Marktbetreibers, der
Kirchengemeinde und die Sozialarbeiter regelmäßig zusammenfanden. Das vom Bezirk
beauftragte »Soziale Platzmanagement« von
Gangway e.V. mit Sozialarbeitern und einer
Konfliktmediatorin vermittelte dort mehr
als nur die Sichtweise der Szene.
»Es dauerte ungefähr ein Jahr, bis wir im
September 2011 die Runde zusammenhatten«, erzählt die Mediatorin Dr. Franziska
Becker. »Allein mit dem neugebauten Aufenthaltsbereich und der Straßensozialarbeit
wären die Probleme nicht in den Griff zu
bekommen gewesen. Man braucht auch ein
Netzwerk von Akteuren im Umfeld, die sich
zusammen dafür einsetzen, dass die vereinbarten Regeln auch eingehalten werden.«
Heute jedoch trifft sich die lokale Trinker­
szene statt am Leo lieber auf der gegenüberliegenden Seite der Müllerstraße: am Rathaus Wedding und vor dem U-Bahn-Eingang
am Leopold-Center, oder auch etwas weiter
entfernt am »schwarzen Netto« neben dem
S-Bahnhof Wedding. Einige haben sich auch
nach Moabit abgesetzt, in den Kleinen Tiergarten. Auf den vorderen Leopoldplatz ist
die Szene nicht wieder zurückgekehrt, je-

denfalls nicht so stark wie in den Jahren vor
der Platzerneuerung.
Hier sieht man inzwischen ein ganz buntes
Publikum: Studenten der benachbarten
Beuth-Hochschule verweilen auf den langen
Bänken und am Wasserspiel ebenso wie
Flüchtlinge aus dem Heim in der Pank­
straße, Familien, Frauen mit oder ohne
Kopftuch, Anwohner aller Altersklassen und
Herkünfte. Manchmal sind auch kleinere
Gruppen der »klassischen Trinker« darunter
– aber sie dominieren den Platz nicht mehr.

Die Szene verlässt ihren Aufenthaltsbereich
Im Winter 2013 /2014 hatten (wohl überwiegend osteuropäische) Kleindealer den Aufenthaltsbereich entdeckt. Kurz zuvor war
hier anstelle provisorischer Dixi-Klos eine
neue dauerhafte Toilettenanlage der Firma
Ströer aufgestellt worden. Diese war von allen Beteiligten gefordert worden, um dem
unerträglichen Urinieren im öffentlichen
Raum, insbesondere an der Kita auf dem Gelände, ein Ende zu setzen. Auch die Szenegrüppchen selbst hatten eine solche feste
Toilette gewünscht. Das geräumige Bauwerk
wurde jedoch bald auch von Heroinsüchtigen genutzt, die sich hier oft zu mehreren
einschlossen und Heroin (»Folie«) rauchten. Es kam gelegentlich zu Konflikten zwischen Trinkern und Dealern. Als im Frühjahr 2015 das Landeskriminalamt gezielt
Razzien am Aufenthaltsbereich durchführte,
eskalierte die Situation.
Bei einer solchen Razzia wurde nämlich ein
Depot mit Heroinkügelchen auch auf dem
Außengelände des »Trinkraums Knorke«
entdeckt. »Knorke« war ein Projekt, mit

dem engagierte Gemeindemitglieder der
Nazarethkirchengemeinde die Situation auf
dem Leo sehr positiv beeinflusst hatten: Im
Hintergebäude des Gemeindehauses wärmte sich die Szene nicht nur auf – man traf
sich auch dort, es wurde gekocht und man
konnte Sozialarbeiter um Rat fragen. Das
»Knorke« erhielt keine staatliche Unterstützung, die Gemeinde finanzierte lediglich
eine halbe Sozialarbeiterstelle. Praktisch
wurde das Projekt zu einem großen Teil von
der Szene selbst organisiert. Mehrere Jahre
lang ging das auch gut. Doch nach dem Drogenfund kam der Gemeindekirchenrat zu
dem Schluss, dass der weitere Betrieb nicht
mehr verantwortbar sei und der Trinkraum
umgehend geschlossen werden müsse. Für
viele in der Szene war das ein heftiger
Schlag, den sie bis heute noch nicht verarbeitet haben.
Gleichzeitig häuften sich die Razzien am
Aufenthaltsbereich. Mit konzentrierten Repressionskampagnen sollten nach der üblichen Polizeitaktik des LKA die Dealer vom
Ort vertrieben werden. Das klappte nur
kurzfristig – nachhaltig vertrieben wurde lediglich die Trinkerszene. »Wir wurden hier
ständig kontrolliert und kriminalisiert«, begründete ein Szenevertreter am Runden
Tisch den Wegzug. Seitdem halten sich die
Grüppchen an anderen Ecken auf.

Klares Signal wäre notwendig
Zum Jahreswechsel 2015/2016 kam es darüber hinaus zum Trägerwechsel des Sozialen
Platzmanagements am Leo. Das war neu
ausgeschrieben worden, nachdem die Verantwortlichkeit und Finanzierung von der
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung an
den Bezirk Mitte übertragen worden war.
Das neue Sozialarbeiterteam von »Fixpunkt
e.V.« bringt dabei auch Erfahrungen aus dem
Kleinen Tiergarten ein, wo es ein ähnliches
Projekt betreut. Und es kennt sich gut am
Leo aus, weil es dort auch schon zuvor mit
seinem »Präventionsmobil« präsent war.
Das langjährig gewachsene Vertrauensverhältnis ihres Vorgängers konnten sie aber
natürlich nicht auf Anhieb ersetzen.
»Die Szene am Leo hat nicht alle Verbindungen zu dem Aufenthaltsbereich abgebrochen,« sagt der Sozialarbeiter Ralf Köhnlein
von Fixpunkt e.V. »Wenn wir dort besondere
Angebote machen, zum Beispiel zusammen
kochen und Essen ausgeben, dann kommen
auch alle – das ist überhaupt kein Problem.«
Nur im Normalfall kommt eben kaum einer
mehr zum Aufenthaltsbereich. Es ist fast so,
als ob die »Szene« auf ein Signal warten
würde. So ein Signal könnte beispielsweise
eine bauliche Änderung der Toilettenanlage

sein. »Darüber reden wir schon seit Monaten in der Praktikerrunde«, erzählt Ralf
Köhnlein. »Man müsste ja eigentlich nur
­einen Rauchmelder einbauen, der Alarm
schlägt und die Türen öffnet, wenn Rauch
entsteht. Die Firma Ströer als Betreiberin
reagiert aber einfach nicht auf unsere Anfragen.« Ähnliche Probleme mit Heroin-Rauchern gibt es übrigens auch an der StröerToilette am Alexanderplatz.

Kein Ansprechpartner beim
­Ordnungsamt
Mitglied der Praktikerrunde ist auch wieder
Dr. Franziska Becker, die diese maßgeblich
mit aufgebaut hatte. Fünf Jahre später sieht
sie einen deutlichen Rückzug des Bezirks:
»Dem Leopoldplatz fehlt vor allem die Aufmerksamkeit der Bezirksverwaltung. Am
Anfang waren ja das Straßen- und Grünflächenamt und vor allem auch das Ordnungsamt intensiv an den Runden beteiligt. Jetzt
wissen wir noch nicht einmal, wer beim
Ordnungsamt überhaupt unser Ansprechpartner sein könnte.«
Die Stelle des Präventionsbeauftragten im
Bezirk Mitte, der die Praktikerrunde koordiniert, wurde bei der personellen Neu­
besetzung 2015 in der Zuständigkeit neu zugeordnet und ist nicht mehr direkt beim Bezirksbürgermeister angebunden. Franziska
Becker bedauert das. »Der neue Präventionsbeauftragte darf jetzt nicht mehr von
sich aus Kontakt zu den Amtsleitern der Bezirksverwaltung aufnehmen. Er muss sich
an den offiziellen Dienstweg halten. Und der
ist oft lang und beschwerlich.«

Dagegen lobt sie den Polizeiabschnitt 35:
»Die haben kein bisschen nachgelassen in
ihrem Engagement.« In Kreuzberg sind ihre
Erfahrungen genau entgegengesetzt. Dort
ist der Bezirk sehr engagiert dabei, wenn es
darum geht, am Kotti oder im Görlitzer Park
gemeinsam mit unterschiedlichsten Nutzergruppen nach Lösungswegen für die Konflikte zu suchen. Dafür sei aber die Polizei
weit weniger dazu bereit, sich an diesem
Prozess zu beteiligen: »Da gab es bislang
sehr starke Einflussnahmen von der übergeordneten Leitungsebene.«
Am Leopoldplatz scheinen dagegen die bezirklichen Energiereserven aufgebraucht zu
sein. Der Platz wird nicht mehr als Problemzone wahrgenommen – obwohl die Problem­
lagen im Stadtraum wahrlich nicht kleiner
geworden sind. Müssen erst neue Skandalberichte erscheinen, um das zu ändern?
Die könnte es schon bald geben. Auf der anderen Straßenseite verschärfen sich nämlich
die Konflikte, so berichten es auch Anwohner: Dort, auf dem Platz vor dem Jobcenter,
konkurrieren nun Trinkerszene, JobcenterKunden und Migrantengruppen rund um
die staubige Baustelle um die wenigen Sitzgelegenheiten. Im Frühjahr soll hier der
­erste Bauabschnitt des künftigen »Eliseund-Otto-Hampel-Platzes« fertig werden.
Wenn man nicht aufmerksam ist, könnte
sich hier bald Ähnliches abspielen wie auf
dem Leopoldplatz vor seiner Erneuerung.

Christof Schaffelder

Ch. Eckelt

Auf dem
Dienstweg
versandet?

Zu geräumig: Den behindertengerechten Teil der Toilettenanlage am »Aufenthaltsbereich«
­missbrauchen immer wieder Drogenabhängige zum »Folienrauchen«.

7

Von den jetzigen Spielcasinos dürfte
kaum eines übrig bleiben – laut
Gesetz

Ch. Eckelt

Hier könnte ein neuer
­Turmpalast entstehen

Bis April 2017 sollten eigentlich die meisten Spielhallen mit Geldspielgeräten aus dem Straßenbild im Bezirk verschwunden sein.
Denn nun greift ein Berliner Gesetz von 2011, das den Betrieb von
Spielhallen streng reglementiert. Eine Übergangsfrist von fünf Jahren für bereits bestehende Spielhallen ist Ende Juli abgelaufen. Und
damit endeten offiziell auch deren Konzessionen. Zwar haben die
meisten Betreiber neue beantragt. Bis Ende September wird aber
wohl ein Großteil davon versagt, dann müssten sie bis zum Frühjahr
schließen.
In Berlin ist jetzt ein Mindestabstand von 500 Metern zwischen zwei
Hallen mit Geldspielgeräten und von 200 Metern bis zur nächsten
weiterführenden Schule vorgeschrieben. Die Spielhallen verteilen
sich aber nicht gleichmäßig über den Bezirk, sondern konzentrieren
sich vor allem in den Nebenstraßen und den Randbereichen großer
Geschäftsstraßen wie der Turm- oder der Müllerstraße, beispiels­
weise in der Umgebung des Bahnhofs Wedding oder in der Stromstraße. In solchen Ballungen dürfte also laut Gesetz nur jeweils eine
Spielhalle überleben.

Wie der Casino-Boom entstehen konnte
Das Phänomen der Spielcasinos, die in den späten 2000er Jahren wie
Pilze aus dem Boden schossen, gründet zum einen auf der Änderung
der bundesweiten Spielverordnung im Jahr 2005. Diese erleichterte
das Aufstellen von Geldspielautomaten deutlich und bescherte der
Automatenindustrie einen regelrechten Wachstumsboom. Gleich­
zeitig gerieten traditionelle Geschäftsstraßen in die Krise – um die
Jahrtausendwende durch die Konkurrenz unzähliger Shopping-Center und später auch durch den Online-Handel. Mehr und mehr alteingesessene Geschäfte gaben auf. Viele Lebensmittel- und DrogerieDiscounter mittlerer Größenordnung zogen zudem in neue Leichtbauhallen mit angeschlossenem Parkplatz, die damals vielerorts auf
städtischem Brachland errichtet wurden. Deshalb fanden Spielhallenbetreiber vor allem in Stadtteilen mit geringer Kaufkraft ein großes Angebot an leer stehenden Gewerberäumen.
Im Wedding und in Moabit war der Protest vehement: Viele Anwohner sahen die Spielhallen als Signal für den Niedergang ihrer Kieze.
Auf Bürgerversammlungen in den Aktiven Zentren Müller- und
Turm­straße war deren Ausbreitung eines der am häufigsten genannten Probleme.

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Als erstes Bundesland beschloss Berlin im Jahr 2011 schließlich ein
eigenes Spielhallengesetz, das im ersten Schritt die weitere Ausbreitung von Spielhallen verhinderte. Nun, nach dem Ablauf der fünfjährigen Übergangsfrist, beginnt Phase 2, in der auch etliche der vorhandenen Spielhallen schließen sollen.

Nicht nur Ordnungsgelder drohen
Das wollen deren Betreiber natürlich nicht. Insgesamt wurden in
Berlin 498 Anträge auf Weiterbetrieb gestellt, mehr als ein Viertel
davon (nämlich 132) im Bezirk Mitte. Die Gewerbeämter sollten nun
bis Ende September letztlich per Losverfahren bestimmen, welche
(wenigen) von ihnen länger als sechs Monate weitermachen dürfen.
Die übrigen müssen im Frühjahr schließen. Die Bezirke müssen mit
Klagen rechnen, denn es geht um viel Geld: Rund 200 Millionen
Euro Umsatz pro Jahr machte die Branche zuletzt in Berlin, wovon
rund 40 Millionen als Vergnügungssteuer an das Land abgeführt
wurden.
Bisher hat das Land Berlin alle Klagen gegen das Spielhallengesetz
gewonnen. Zuletzt hatte das Amtsgericht Tiergarten bestätigt, dass
das Ordnungsamt beim unerlaubten Betrieb einer Spielhalle nicht
nur Ordnungsgelder verhängen, sondern auch illegal erzieltes Vermögen abschöpfen kann. Im konkreten Fall einer Weddinger Spielhalle musste der Geschäftsführer 1500 Euro Ordnungsgelder zahlen
– und darüber hinaus auch 40.000 Euro entrichten, die das Gericht
als »Verfallssumme« festsetzte.

Gewerberaum wieder nachgefragt
Viele befürchten, dass anstelle der Spielcasinos jetzt Wettbüros in die
Läden einziehen werden. Das wird aber zumindest in den Sanierungsgebieten Turm- und Müllerstraße schwer gemacht. Denn neue
Gewerbemietverträge und Nutzungsänderungen benötigen hier einer sanierungsrechtliche Genehmigung nach § 144 BauGB, die im
Falle von Wettbüros auch durchaus versagt wird.
Außerhalb der Sanierungsgebiete gibt es diese Möglichkeit zwar
nicht. Aber anders als noch vor wenigen Jahren, ist Gewerberaum
auch in den einstigen Problemzonen der Innenstadt wieder sehr gefragt – es gibt also Alternativen für die Vermieter. Insbesondere im
Dienstleistungsbereich sind viele Unternehmen auf der Suche nach
Räumen.
cs

Aufgabe: Wie kann man das Brüder-GrimmHaus in der Turmstraße 75 – ein enorm verschachtelter, verbauter ehemaliger Schulbau
– zu einem modernen, offenen Bildungs- und
Kulturzentrum umbauen? Das Gebäude
steht dabei nicht leer, sondern wird von zahlreichen Institutionen und Vereinen genutzt,
deren Raumbedarf und Interessen einbezogen werden sollen, ebenso wie die Wünsche
und Ideen der Bürger. Finden Sie eine neue
Raum- und Nutzungsstruktur, die allen gerecht wird. Berücksichtigen Sie dabei außerdem notwendige Auflagen wie Brandschutz
und Fluchtwege, zudem Kostenaspekte und
denkmalpflegerische Belange.
Dieser Aufgabe stellt sich der Bezirk seit
mehr als zwei Jahren, ebenso wie die mit
dem Umgestaltungsprozess beauftragten
Büros »Stattbau« und »die baupiloten«. Etliche Moabiter verfolgen den Prozess mit
Interesse oder beteiligen sich aktiv daran.
Nach vielen wichtigen Arbeitsschritten und
Beteiligungsverfahren (Untersuchungen und
Analysen, hausinterne und öffentliche
Workshops, mehrere Sitzungen mit einem

eigens gegründeten Beirat zur Begleitung
des Verfahrens) präsentierten die beauftragten Büros im September nun erste Entwurfsskizzen. Zum Moabiter Kiezfest waren die
Vorschläge in der Arminius-Markthalle ausgestellt, danach bis Ende September im
Stadtteilladen. Besucher konnten sich informieren und per Zettel ein Votum abgeben,
welche der drei Varianten sie favorisieren,
außerdem konnten zusätzliche Anmerkungen gemacht werden. Das Echo war beachtlich: Allein an den zwei Tagen der Ausstellung in der Markthalle wurden ca. 150 Zettel
abgegeben.
Am 13. September wurden die Entwürfe, die
auf den Wünschen und Ideen der Nutzer
und der Bürger basierten, auf einer öffentlichen Beiratssitzung vorgestellt und diskutiert.
Variante 1 (»Foyer mit Saal«) schlägt ein
großzügiges Foyer auf der linken Gebäudeseite vor, der durch einen zusätzlichen
multifunktionalen Saal nach Belieben erweitert werden kann. Eine Terrasse öffnet
sich von der Rückseite des Vorderhauses in
den Hof. Ein nicht mehr benötigtes Treppenhaus könnte zu einem durchgehenden
Turm mit Sichtbalkonen umgebaut werden
– für Kunst, oder auch für Klettern.
Variante 2 (»Foyer mit Clubkeller«) ist der
ersten nicht unähnlich. Hier befände sich
das Foyer auf der rechten Gebäudeseite, ein
Erweiterungssaal wäre hier baulich jedoch
nicht möglich. Auch hier gibt es den »Turm«
und eine Terrasse. Zusätzlich gäbe es einen
»Clubkeller« – eine Idee, die es schon bei
Umbau-Planungen aus den 1950er Jahren
gab.
Mit der Variante 3 (»Agora mit Kunstklammer«) wird ein in der Gebäudefront zentral
angeordnetes, hohes Foyer vorgeschlagen,
Ch. Eckelt

Clubkeller,
Agora, Raum
für Kunst

Bis April aus
dem Stadtbild
­verschwunden?

das sich über zwei Etagen erstreckt. Rechts
davon könnte ein Raum für temporäre Nutzungen entstehen. Im Erd- und im Dachgeschoss würden – mit einem Aufzug verbunden – Räume für die »Galerie Nord« geschaffen.
Der Wunsch nach einem einladenden öffentlichen, multifunktionalen Eingangsund Aufenthaltsbereich war bei den meisten
der Beteiligten Konsens – das heißt aber
auch, dass gerade die »Galerie Nord« des
Kunstvereins Tiergarten e.V., die derzeit wesentlich die Straßenfront des Hauses prägt,
Veränderungen erfahren wird. Hier bietet
die Variante 3 eine interessante Alternative.
Doch nicht nur bei der Galerie fand dieser
Vorschlag Sympathie: Mit deutlicher Stimmenmehrheit wurde sie auch von den meisten anderen Beteiligten favorisiert.
Es handelt sich dabei aber längst noch nicht
um einen festen architektonischen Plan,
sondern um eine Ideenskizze, auf dessen Basis weiter gearbeitet werden kann. Die öffentliche Beiratssitzung diente dazu, die
Meinung aller Interessierten zu erfragen.
Und es gab viele Anregungen und Wünsche:
beispielsweise die Forderung, dass alle Bereiche des Hauses barrierefrei zugänglich
sein müssen. (Das sagte die Architektin Susanne Hofmann vom Büro »baupiloten« zu.)
Und ob man die Variante 3 nicht mit dem
Clubkeller verbinden könnte. Und auch die
Terrasse zum Hof hätten viele gern.
Deutlich wurde auch, dass die Kommunikation in diesem Prozess nicht immer einfach
ist. Hier – so Constance Cremer von »Stattbau« – wäre auch die Stadtteilvertretung als
Kommunikator und Multiplikator gefragt.
(Die bereits entstandenen Konflikte waren
Thema in unserer letzten Ausgabe.)
»Es ist ein langer Prozess«, sagten die zuständige Stadträtin Sabine Weißler und auch
Michael Weiß, Leiter des Amts für Weiterbildung und Kultur. Um ein so vielseitig genutztes Haus zur Zufriedenheit aller
Beteiligten umzubauen, braucht es Geduld
und Gespräche. Und dann wird auch über
Kostenfaktoren und denkmalpflegerische
Belange zu reden sein.
Einen äußerst charmanten Vorschlag hatte
indes die Künstlerin Anne Boissel: Die prägnanten Buchstaben, die einst ein inzwischen abgerissenes Moabiter Kino auf dem
Schultheiss-Areal krönten, könnten dem altneuen Kulturzentrum einen vertrauten wie
neuen Namen geben: »Turmpalast«. 
us
Die Entwürfe sind einsehbar unter
www.turmstrasse.de.

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Scherben, Base­
ballschläger und
­Macheten
Anwohner wollen Krawalle um ein Lokal
in der Waldstraße 5 nicht länger erdulden
müssen
Den Anwohnern der Waldstraße bot sich am Freitag, dem 9. September ein Bild der Verwüstung. Die Schaufenster des Café Samata waren eingeschlagen, zwischen dem zersplitterten Glas lagen umgekippte Stühle, Tische, Blumentöpfe auf dem Gehweg. Am helllichten
Nachmittag, so berichtete später eine Augenzeugin, habe ein Trupp
von Männern mit den draußen stehenden Tischen und Stühlen die
Schaufenster demoliert. Reizgas wurde gesprüht, das auch in die darüber liegende Wohnung drang. Bei der darauf folgenden Auseinandersetzung der Männer mit Leuten aus dem Lokal flogen Pflastersteine, die Polizei fand bei ihrem Eintreffen auch eine Machete, Messer
und ein Beil vor.
Schon Ende August hatte es in diesem Lokal einen Vorfall gegeben,
bei dem ebenfalls Baselballschläger und Messer im Spiel waren und
Reizgas eingesetzt worden war. Einige Bewohner mussten deshalb
Notquartiere suchen, weil das Gas den Aufenthalt in ihrer Wohnung
unmöglich machte, Anzeige gegen Unbekannt wegen gefährlicher
Körperverletzung wurde erstattet.
Solche Vorfälle hatten die Anwohner der Waldstraße bis Juli 2016
nicht gekannt – doch dann gab es einen neuen Inhaber des Lokals.
Seitdem, so berichten sie, sei es deutlich lauter geworden. »Autos
drehen, teils mit überhöhter Geschwindigkeit, im Wendekreis ihre
Runden und gefährden Passanten. Sie halten oft nur kurz, mitten auf
der Straße vor dem Lokal.«

Ch. Eckelt

Natürlich liegt die Vermutung nahe, dass es hier um keinen Familienzwist geht, sondern um kriminelle Konkurrenzen. Etliche Anwohner jedenfalls sind verunsichert, sorgen sich um ihre Kinder und wollen die Situation zu Recht nicht mehr hinnehmen. In einem öffentlichen Schreiben heißt es:

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Um ihrer Sorge Ausdruck zu verleihen, organisierten sie spontan
eine Demo, an der ca. 60 Menschen teilnahmen. Ausdrücklich wiesen sie darauf hin, dass ihnen dabei die Herkunft der Täter völlig egal
ist. Sie wünschen sich aber, dass die Polizei mehr Präsenz vor Ort
zeigt.
Nicht alle verstehen, dass die Situation längst eskaliert. Es gab, so
berichten Anwohner, auch schon »gutmeinende« Vorschläge aus
dem Quartier, man solle doch das Gespräch mit den Lokal-Inhabern
suchen und quasi selbst Mediation betreiben. Und Lärmprotokolle
für das Umweltamt schreiben. Das geht an der Realität leider völlig
vorbei.
Das sieht auch Karl Bösel, der Präventionsbeauftragte des zuständigen Polizeiabschnitts 33 so. »In beiden Fällen laufen die Ermittlungen. Die Vorkommnisse sind ganz klar eine Sache für die Polizei.«
Auch die Hausverwaltung habe sich bereits an die Polizei gewandt.
Parallel zu den eigentlichen Ermittlungen ist die Polizei außerdem
im Gespräch mit dem Bezirksamt und anderen Akteuren im Gebiet.
»Aber leider können wir nicht jeden Tag dort Beamte postieren.«
Allerdings weist Bösel auch darauf hin, dass natürlich Zeugenaussagen für die Polizei hilfreich sind, und ermutigt die Anwohner dazu.
Es gebe durchaus Möglichkeiten, Zeugen auch zu schützen.
us

Kommentar
Moabit gehört gewiss nicht zu den Kiezen, in denen ständig nach der
Polizei gerufen wird. Aber die Vorfälle in der Waldstraße und die
Kommentare dazu (siehe www.moabitonline.de) und auch die derzeitige Situation im Transitabschnitt des Kleinen Tiergartens zeigen,
wie schmal manchmal der Grat ist zwischen berechtigter Angst und
gefühlter Bedrohung, zwischen einem eher diffusen Unsicherheitsgefühl und harten Fakten.
Die Anwohner der Waldstraße sind weder Angst- noch Wutbürger.
Dass sie jetzt dennoch Angst haben, kann man ihnen weder verdenken noch es wegreden. Dass sie sich nun auch noch gegen RassismusVorwürfe wehren müssen, geht an der Sachlage völlig vorbei. Es ist
ganz sicher nicht Aufgabe der Anwohner, hier irgendwie beschwichtigend »zu vermitteln«. Und es ist ein geradezu zynischer Witz, wenn
empfohlen wird, man solle doch bitte Beschwerden beim Umweltamt mit ordentlich gefertigten Lärmprotokollen einreichen.
Es handelt sich um kriminelle Clans, die hier ihre Revierkämpfe auf
Kosten der Anwohner austragen. Das ist eindeutig eine Sache für die
Polizei. Punkt. Und die nimmt das auch ernst und ermittelt. Doch
auch die Polizei braucht Unterstützung, und dafür braucht es auch
den Mut von Anwohnern zu Aussagen, damit keine rechtsfreien Räume entstehen.
us

Ch. Eckelt

»Hier werden mit Gewalt und ohne Skrupel, ohne Rücksicht auf Kinder, Passanten und Anwohner, auch im öffentlichen Raum Konflikte
ausgetragen und Kollateralschäden an unbeteiligten Passanten billigend in Kauf genommen. In nächster Nähe zum »Café« befinden
sich zwei Schulen, ein Kinderspielplatz, in der Straße sind mehrere
Kitas, deren Eltern mit den Kindern durch die Straße kommen. Mit
EU-Mitteln wurde die Waldstraße gerade aufwendig saniert, Spielplätze neu gestaltet, um die Wohngegend für Familien attraktiver zu
machen. Statt dessen herrschen inzwischen Sorge und Angst.«

Kino, in und für Moabit
Mit einem wunderbaren Highlight meldete sich das »Kino für Moabit« Anfang September aus der Sommerpause zurück: Zum Stadtteilfest am 10.9. hatten die beiden Moabit-Kino-Frauen Maren Dorner
und Nathalie Dimmer die Vitrine vor dem Rathaus Tiergarten in eine
kleine Kinoleinwand verwandelt und präsentierten an diesem und
den drei folgenden spätsommerlichen Abenden nach Einbruch der
Dunkelheit Kurzfilme mit musikalischer Begleitung. Ein geradezu
magisches Straßenkinoerlebnis unter freiem Himmel, kostenlos und
für alle. Plötzlich war der sonst eher triste Raum vor dem Rathaus
wie verzaubert, und viele Passanten blieben spontan stehen, ließen
sich nieder und schauten zu.
»Kino für Moabit« setzt sich für die Filmkultur in einem Kiez ein, in
dem es einst eine große Kinotradition gab. Doch von den vielen fes­ten
Kinosälen (u.a. der »Turmpalast«) blieb kein einziger, das einzige
Kino weit und breit ist der geschätzte Filmrauschpalast in der Lehrter
Straße.
Auch deshalb veranstaltet die Initiative seit fünf Jahren Filmabende
als Wanderkino an unterschiedlichen Moabiter Orten. Alle Veranstaltungen sind nichtkommerziell (der Eintritt ist immer frei), es
geht vielmehr um Nachbarschaft und Kommunikation.
Im September und Oktober präsentierte die engagierte Initiative unter dem Motto »Filme und Filmemacher*innen aus Moabit« vier
Werke an vier unterschiedlichen Orten.
Im September gab es zudem zwei besondere Anlässe zum Feiern: Das
»Kinocafé« feierte seinen inzwischen 5. Geburtstag. Und der von der
Initiative gegründete Verein »Moabiter Filmkultur« ist nun auch
ganz offiziell als gemeinnützig anerkannt (und kann damit auch
Spendenbescheinigungen ausstellen). Natürlich freut sich der Verein
nicht nur über Spenden, sondern auch über neue kino-enthusiastische Mitglieder.
us
Nächstes Moabit-Kino: »Das Institut 21«, Kurzfilme 2004–2009,
13. 10., 19.30 Uhr im »subito«, Waldenser Straße 4
Kontakt: info@kinofuermoabit.de, www.kinofuermoabit.de

Kunstwettbewerb für den Gedenkort Güterbahnhof Moabit entschieden
Seit Jahren hatte sich vor allem die Initiative »Sie waren Nachbarn«
dafür eingesetzt, dass am Güterbahnhof Moabit, von dem aus während
der Nazizeit über 30.000 jüdische Berlinerinnen und Berliner in den
Tod geschickt wurden, endlich ein dauerhafter Gedenkort geschaffen
wird. Unermüdlich installierten sie selbst Transparente und Tafeln, um

an die Geschichte des Orts zu erinnern, immer wieder wurden diese
Schilder mit antisemitischen Parolen beschmiert oder zerstört.
Schließlich lobte die Senatskulturverwaltung einen künstlerischen
­Wettbewerb mit dem Ziel aus, die Erinnerung an diesen größten Berliner Deportationsbahnhof, der heute stadträumlich ein fast vergessener,
unscheinbaren Ort ist, im kollektiven Gedächtnis zu bewahren.
Im August hat das Preisgericht unter neun eingereichten Arbeiten ausgewählt. Den ersten Preis erhielt der Entwurf »Hain« des Kollektivs
raumlabor berlin. Sie schlagen vor, einen Hain aus 24 Waldkiefern zu
pflanzen und die wenigen, noch vorhandenen historischen Reste des
Gleises 69 freizulegen und sorgfältig zu restaurieren. Außerdem sollen
zwei Informationstafeln und eine lange Granitbank installiert werden.
Sollte dieser Entwurf nicht realisiert werden können, wäre der zweite
Preis die Alternative: Katharina Hohmanns Entwurf »Weg – Ort –
Nachbarn«. Die Künstlerin schlägt vor, den Weg von der ehemaligen
Synagoge Levetzowstraße bis zu den Gleisen an der Quitzowstraße an
Laternenmasten mit Metallschildern zu markieren, die ausgestanzt das
Wort »Hier« und einen QM-Code tragen. Der Deportationsort selbst soll
mit einer hohen Mauer umgeben werden, innen als Raum der Ruhe, für
Bildungsprojekte, Konzerte oder ähnliches gestaltet. Die Schlüssel sollen
bei benachbarten Institutionen und Initiativen (z.B. der Theodor-HeussSchule oder dem Verein »Sie waren Nachbarn«) abzuholen sein.
Andrea Zaumseils Arbeit »DER HAIN – nach der Deportation« erhielt
eine Anerkennung.
Die Realisierung obliegt nun dem Bezirksamt Mitte (Amt für Weiterbildung und Kultur) und wird durch Mittel der Lotto-Stiftung Berlin finanziert.
us
Mehr unter www.sie-waren-nachbarn.de
Erzählcafé Moabit
Seit September findet im Stadtschloss Moabit monatlich ein »Erzähl­
café« statt. Bei Kaffee und Kuchen kann man Menschen begegnen,
spannenden Lebensgeschichten zuhören, sich unterhalten und dabei
neue Sichtweisen kennenlernen. Initiiert wurde das Erzählcafé durch
die Zukunftswerkstatt »Älter werden – Neues wagen«. Es richtet sich
an Menschen unterschiedlichsten Alters und jeder Herkunft.
Moderiert wird das Café von Isabel Morgenstern vom Verein »Memory
Biografie- und Schreibwerkstatt e.V.« Beim ersten Treffen im September
waren Christa Kaes und Monika Raasch als Gesprächspartnerinnen
eingeladen.
Die nächsten Termine: Sa, 15.10., und Sa, 19.11., jeweils 15–17 Uhr
Stadtschloss Treff, Rostocker Straße 32b, 10553 Berlin (S-Bhf. Beusselstraße)

»Wecke das Kind in dir«

Lange Spielplatznacht auf dem Otto-Spielplatz
Na gut – lange Nacht ist vielleicht übertrieben, aber immerhin von 17
bis 21 Uhr hält der Otto-Spielplatz am 8. Oktober (im Rahmen der
Langen Nacht der Familien) viele vertraute oder völlig neue Spiele
und andere Attraktionen für Kleine und Große parat. Es warten u.a.
ein außergewöhnlicher Parcours, wundersame Geschichten im LeseTipi der Kurt-Tucholsky-Bibliothek, Balance- und Ratespiele, Kreatives – und ein Lagerfeuer! In der Freiluftküche wird für alle Leckeres
gekocht (selbstverständlich auch direkt Geerntetes aus den Gärten
des Otto-Spielplatzes).
8. Oktober, 17–21 Uhr, Otto-Spielplatz im Ottopark, Alt-Moabit 34.
Der Eintritt ist frei. Die Spielplatznacht ist ein Gemeinschaftsprojekt
des Moabiter Ratschlag e.V., www.familiennacht.de

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Adressen
Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Bauen,
Wirtschaft und Ordnung: Carsten Spallek
Müllerstraße 146/147, 13353 Berlin
(030) 90 18-446 00
baustadtrat@ba-mitte.berlin.de
Stadtentwicklungsamt,
Fachbereich Stadtplanung
Müllerstraße 146, 13353 Berlin
Fachbereichsleiterin: Frau Laduch,
Zimmer 106, (030) 90 18-458 46
stadtplanung@ba-mitte.berlin.de
Vorbereitende Bauleitplanung,
Städtebauförderung
Müllerstraße 146, 13353 Berlin
Sprechzeiten: dienstags, 9.00–12.00 Uhr,
donnerstags, 15.00–18.00 Uhr
stadtplanung@ba-mitte.berlin.de
Gruppenleiter: Stephan Lange
(030) 90 18-436 32
Aktives Zentrum und Sanierungsgebiet
Turmstraße
Zimmer 180 /181
Annett Kufeld (030) 90 18-454 36
annett.kufeld@ba-mitte.berlin.de
Evelyn Möbus (030) 90 18-458 59
evelyn.moebus@ba-mitte.berlin.de
Dirk Kaden (030) 90 18-458 22
dirk.kaden@ba-mitte.berlin.de

Aktuelle Informationen zum Gebiet finden Sie auch auf www.turmstrasse.de
und zur Entwicklung von Moabit auf www.moabitonline.de

Stadtteilvertretung
Krefelder Straße 1a, 10555 Berlin
(030) 23 93 88 28
Öffentliches Plenum an jedem
4. Montag im Monat im ­Stadtteilladen
Krefelder Straße 1a
stv@stv-turmstrasse.de
www.stv-turmstrasse.de
Prozesssteuerung
Koordinationsbüro für Stadtentwicklung
und Projektmanagement – KoSP GmbH
Schwedter Straße 34 A, 10435 Berlin
Gisbert Preuß (030) 33 00 28 32
preuss@kosp-berlin.de
Andreas Wilke (030) 33 00 28 36
wilke@kosp-berlin.de
www.kosp-berlin.de
www.turmstrasse.de
Geschäftsstraßenmanagement
die raumplaner
Kaiser-Friedrich-Straße 90, 10585 Berlin
Sabine Slapa, Georg Thieme,
Jan Abt
(030) 37 59 27 21
gsm@die-raumplaner.de
www.die-raumplaner.de

Stadtteilladen
Krefelder Straße 1a, 10555 Berlin
Sprechstunde KoSP:
Di 9.30–12 Uhr, Do 14–18 Uhr
(030) 23 94 53 39
Sprechstunde Geschäftsstraßen­
management (die raumplaner):
Di 16–19 Uhr, Fr 8–10 Uhr
(030) 23 93 85 08
Sprechstunde Stadtteilvertretung
Mo 17–18 Uhr
Quartiersmanagement Moabit-West
(Beusselstraße) Rostocker Straße 3,
10553 Berlin (030) 39 90 71 95
qm-moabit@stern-berlin.de
www.moabit-west.de
Quartiersmanagement Moabit-Ost
Wilsnacker Straße 34, 10559 Berlin
(030) 93 49 22 25
team@moabit-ost.de
www.moabit-ost.de
Mieterberatung
für Mieter in den Milieuschutzgebieten
Waldstraße und Birkenstraße
Mo 16–18 Uhr, Do 10–12 Uhr
Stadtteilladen Krefelder Straße 10a
        
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