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Full text: Grünes Blatt Berlin (Rights reserved) Ausgabe 2022,1 (Rights reserved)

Pflanzenschutzamt Berlin Grünes Blatt Berlin 01-2022 Fachinformation Pflanzenschutz für den Dienstleistungsgartenbau vom 27.01.2022 Kalendarisch ist Winter und er ist sicher noch lange nicht vorbei, aber zur Zeit herrschen eher milde Temperaturen mit einen ständigen leichten Feuchtigkeit vor. So soll es vorerst noch bleiben. Dort wo ein Winterschutz für empfindliche Pflanzen vorhanden ist, sollte er für die jetzige Periode nicht zu dicht sein, damit darunter keine Fäulnis entstehen kann. Abb. 1: schützende Schneedecke für Bodendecker Abb. 2: Blatteinrollungen als Reaktion auf Frost Bei klarem und sonnigen Wetter kann es im Februar jedoch immer zu Schäden durch die Sonne und kalte Nächte kommen. Besonders im Herbst gepflanzte, größere Gehölze kommen mit einem Schutz vor der Sonne besser durch diese frostige Zeit. Sehr gut eignet sich grünes Schattenleinen. Es wird auf Lattengerüste gespannt und in südlicher Himmelsrichtung vor den Pflanzen aufgestellt. Die empfindliche Rinde von Jungbäumen, die der Wintersonne ausgesetzt sind, kann noch mit Schilfrohrmatten geschützt werden. Für einen Anstrich müssen Temperaturen über 0 °C herrschen. Abb. 3: Schattenleinen für Buchsbaum Pflanzenschutzamt Berlin, Mohriner Allee 137, 12347 Berlin E-Mail: pflanzenschutzamt@senuvk.berlin.de Internet: www.berlin.de/pflanzenschutzamt Abb. 4: Stammschutz für Bäume aus Schilfrohrmatten Weitergabe bitte nur im Original. Bildnachweis:© Pflanzenschutzamt Berlin Pflanzenschutzamt Berlin, Grünes Blatt Berlin 01-2022 vom 27.01.2022 Abb. 5: falscher Frostriss am Spitzahorn Seite 2 von 4 Abb. 6: Falscher Frostriss an Ahorn massiv Frostrisse Nach tiefen Temperaturen können Risse im Holzkörper von Bäumen, häufig über den ganzen Stamm verteilt sichtbar werden. Die Risse können bis in den Kronenansatz hinein auftreten. Hierbei handelt es sich um Frostrisse. Diese können entstehen, wenn die Gehölze nach einem milden Spätherbst (lange Vegetationsperiode, gute Wasserversorgung) noch nicht genügend für den Winter ausgereift waren und der Wassergehalt im Holz noch zu hoch war. Kommt es dann zu einem Wintereinbruch mit starken Frösten kann das im Holzkörper zu Spannungen führen, die eine radiale Rissbildung, oft entlang der Markstrahlen, zur Folge haben. Mit ansteigenden Temperaturen verschließen sich diese Risse und werden im Laufe der Vegetationsperiode durch Wundkallus überwallt. Diese Überwallung kann jedoch häufig während der nachfolgenden Wintermonate wieder aufreißen, sodass es mit den Jahren zur Ausbildung sog. Frostleisten kommt. Davon sind in der Regel vorwiegend Hartlaubhölzer wie Eiche, Esche und Ulme etc. betroffen. Solche Risse können jedoch auch als sog. falsche Frostrisse (Abb. 5 u. Abb. 6) auftreten. Auslöser sind Verletzungen im Holzkörper wie z.B. alte Astungswunden. An diesen Stellen liegt der Wassergehalt über dem des umgebenden Holzes, sodass sich dort in Folge starker Fröste Spannungen aufbauen, die eine Rissbildung verursachen. Auch diese Risse verschließen sich im Laufe der Vegetationsperiode wieder (Abb. 4). Oftmals weisen Bäume mit solchen Rissen dann im Frühjahr einen deutlichen Saftfluß auf. Meist sind die Auswirkungen solcher Risse im Stamm auf die Vitalität des Baumes eher von geringer Bedeutung. Dadurch kann sich jedoch die Baumstatik erheblich verändern. Besonders akut ist dies der Fall, wenn der Riss durch den gesamten Holzkörper ragt (Abb.5). Dann ist dringender Handlungsbedarf gefordert. Weitergabe bitte nur im Original! Pflanzenschutzamt Berlin, Grünes Blatt Berlin 01-2022 vom 27.01.2022 Seite 3 von 4 Ablösende Borke durch Frost In Folge tiefer Fröste kann es auch in diesem Winter zu Auffälligkeiten am Stamm von grobborkigen Baumarten, allen voran dem Bergahorn kommen. Hier führt durch Frost gefrierendes Wasser in den Borkenschuppen dazu, dass diese sich auffällig stark vom Stamm löst (Abb. 7) und sich die Borke nur am Stammgrund finden lässt. Davon sind jedoch keine ernsthaften Folgeschäden zu befürchten. Die dann sichtbare neue hellbraune Borke dunkelt im Lauf des Jahres nach. Abb. 7: abgelöste Borkenschuppen an Bergahorn Abb. 9: starke Blattschäden durch Salz Abb. 8: Blattrandnekrosen am Ahorn im August Schäden durch den Winterdienst: Die Ursache für Blattrandnekrosen (Abb. 8 u. Abb. 9) und Absterbeerscheinungen an Gehölzen wird häufig jetzt im Winter durch die Anwendung von Auftaumitteln gelegt. Auf Privatgrundstücken und Gehwegen ist nur die Anwendung von abstumpfenden Mitteln (z.B. Sand, Sägespäne, Splitt) gestattet. Die Verwendung von Auftaumitteln auf Privatgrundstücken und Gehwegen ist in Berlin hingegen verboten (Abb. 10). Weitere Informationen zum Winterdienst unter: https://www.berlin.de/umwelt/themen/natur-pflanzen-artenschutz/artikel.164455.php Abb. 10: Unerlaubter Einsatz von Auftaumitteln auf Gehwegen Weitergabe bitte nur im Original! Pflanzenschutzamt Berlin, Grünes Blatt Berlin 01-2022 vom 27.01.2022 Seite 4 von 4 Winterpilze Bei Baumkontrollen im Winter können Auffälligkeiten an Starkästen und im Kronenbereich ohne störendes Laub entdeckt werden, u.a. Fruchtkörper von Winterpilzen. Aktuell sind Zitterlinge Tremella sp. (Abb. 11) sowohl an Stubben als auch an toten Ästen von Laubgehölzen durch ihre leuchtend gelbe Farbe auffällig. Als rein saprobiontisch aktive Pilze zählen diese zu den typischen Nachfolgebesiedlern bereits abgestorbenen Holzes. Neben diesen tritt momentan auch die Rotpustel Nectria cinnabarina (Abb. 12) an schwächelnden Gehölzen auf. Diese zählt zu den Schwächeparasiten kann in ihrer Vitalität beeinträchtigte junge Gehölze zum Absterben bringen. Sofern diese an einzelnen Ästen oder Trieben auftritt kann durch Schnitt bis ins gesunde Holz der weiteren Ausbreitung im Gehölz entgegengewirkt werden. Abb. 11: goldgelber Zitterling (Tremella mesenterica) vergesellschaftet mit dem Rindensprengerpilz (Vuilleminia comedens) an abgestorbenem Eichenast Abb. 12: Rotpustelpilz an einem Erlensämling Weitergabe bitte nur im Original!
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