Path:
Volume

Full text: Grünes Blatt Berlin (Rights reserved) Issue2021,1 (Rights reserved)

Pflanzenschutzamt Berlin Grünes Blatt Berlin 01-2021 Fachinformation Pflanzenschutz für den Dienstleistungsgartenbau vom 16.02.2021 Der Winter hat uns noch fest im Griff. Seit Anfang Februar herrscht eine sehr frostige, kalte Witterung vor. Die sehr tiefen Nachttemperaturen (bis -18 °C) werden durch eine Schneedecke zwar abgemildert, aber die Sonnenstunden am Tag sind für viele Gehölze problematisch. Das Auftreten von Winterschäden ist zu befürchten. Für die nächste Woche erwarten die Meteorologen auch in unserer Region zweistellige Plusgrade. Dies wird das Austriebsverhalten der Gehölze stark beschleunigen, was bei einem erneuten Kälteeinbruch zu Frostschäden führen kann. Abb. 1: schützende Schneedecke für Bodendecker und Abb. 2: Frühjahrsblüher Abb. 3: Blatteinrollungen als Reaktion auf Frost Frostrisse Es können Risse im Holzkörper von Bäumen, häufig über den ganzen Stamm verteilt sichtbar werden. Die Risse können bis in den Kronenansatz hinein auftreten. Hierbei handelt es sich um Frostrisse. Diese können z.B. entstehen, wenn die Gehölze nach einem milden Spätherbst (lange Vegetationsperiode, gute Wasserversorgung) noch nicht genügend für den Winter ausgereift waren und der Wassergehalt im Holz noch zu hoch war. Kommt es dann zu einem Wintereinbruch mit starken Frösten kann dies im Holzkörper zu Spannungen führen, die eine radiale Rissbildung, oft entlang der Markstrahlen, zur Folge haben. Mit ansteigenden Temperaturen verschließen sich diese Risse und werden im Laufe der Vegetationsperiode durch Wundkallus überwallt. Diese Überwallung kann jedoch häufig während der nachfolgenden Wintermonate wieder aufreißen, sodass es mit den Jahren zur Ausbildung sog. Frostleisten kommt. Hiervon sind in der Regel vorwiegend Hartlaubhölzer wie Eiche, Esche und Ulme etc. betroffen. Pflanzenschutzamt Berlin, Mohriner Allee 137, 12347 Berlin E-Mail: pflanzenschutzamt@senuvk.berlin.de Internet: www.berlin.de/senuvk/pflanzenschutz Weitergabe bitte nur im Original. Bildnachweis:© Pflanzenschutzamt Berlin Pflanzenschutzamt Berlin, Grünes Blatt Berlin 01-2021 vom 16.02.2021 Seite 2 von 4 Solche Risse können jedoch auch als sog. falsche Frostrisse (Abb. 3 u. Abb. 4) auftreten. Auslöser sind Verletzungen im Holzkörper wie z.B. alte Astungswunden o.ä. An diesen Stellen liegt der Wassergehalt über dem des umgebenden Holzes, sodass sich dort in Folge starker Fröste Spannungen aufbauen, die eine Rissbildung verursachen. Auch diese Risse verschließen sich im Laufe der Vegetationsperiode wieder. Oftmals weisen Bäume mit solchen Rissen dann im Frühjahr einen deutlichen Saftfluß auf. Meist sind die Auswirkungen solcher Risse im Stamm auf die Vitalität des Baumes eher von geringer Bedeutung. Dadurch kann sich jedoch die Baumstatik erheblich verändern. Abb. 4: Falscher Frostriss an Ahorn Abb. 5: Rissbildung unterhalb alter Astungswunden Winterschutz: Für einen Winterschutz ist es für empfindliche, immergrüne Gehölze nie zu spät. Sie sind bei diesen Witterungsbedingungen besonders gefährdet. Besonders im Herbst gepflanzte, größere Gehölze kommen mit einem Schutz vor der Sonne besser durch diese frostige Zeit. Sehr gut eignet sich hierzu grünes Schattenleinen. Es wird auf Lattengerüste gespannt und in südlicher Himmelsrichtung vor den Pflanzen aufgestellt. Die empfindliche Rinde von Jungbäumen, die der Wintersonne ausgesetzt sind, kann noch mit Schilfrohrmatten geschützt werden. Für einen Anstrich müssen Temperaturen über 0 °C herrschen. Abb. 6: Schattenleinen für Buchsbaum Abb. 7: Stammschutz für Bäume aus Schilfrohrmatten Weitergabe bitte nur im Original! Pflanzenschutzamt Berlin, Grünes Blatt Berlin 01-2021 vom 16.02.2021 Seite 3 von 4 Schäden durch den Winterdienst: Die Ursache für Blattrandnekrosen (Abb. 8 u. Abb. 9) und Absterbeerscheinungen an Gehölzen wird häufig jetzt im Winter durch die Anwendung von Auftaumitteln gelegt. Abb. 8: Blattrandnekrosen am Ahorn im August Abb. 9: starke Blattschäden durch Salz Abb. 10: Unerlaubter Einsatz von Auftaumitteln auf Gehwegen Auf Privatgrundstücken und Gehwegen ist nur die Anwendung von abstumpfenden Mitteln (z.B. Sand, Sägespäne, Splitt) gestattet. Die Verwendung von Auftaumitteln auf Privatgrundstücken und Gehwegen ist in Berlin hingegen verboten (Abb. 10). Weitere Informationen zum Winterdienst unter: https://www.berlin.de/umwelt/themen/natur-pflanzen-artenschutz/artikel.164455.php Winterpilze Bei Baumkontrollen im Winter können Auffälligkeiten an Starkästen und im Kronenbereich ohne störendes Laub entdeckt werden, u.a. Fruchtkörper von Winterpilzen. Dazu gehören u.a. der Austernseitling (Pleurotus ostreatus) Abb. 12 und der Samtfußrübling (Flammulina velutipes (Abb. 11 u.13). Abb. 11: Samtfußrübling an Eschenahorn Abb. 12. Austernseitling an Sorbus Weitergabe bitte nur im Original! Pflanzenschutzamt Berlin, Grünes Blatt Berlin 01-2021 vom 16.02.2021 Seite 4 von 4 Beide Pilze treten häufig büschelartig an Stamm und Krone von Laubgehölzen in Erscheinung. Der Austernseitling als typischer Schwächeparasit tritt über Astungswunden und Stammverletzungen in den Baum ein und verursacht eine relativ rasch voranschreitende Weißfäule. In Berlin häufig an Pappel, Linde, Kastanie und Weide. Auch der Samtfußrübling besiedelt den Baum vorrangig über Verletzungen am Stamm und den Wurzeln und verursacht eine Weißfäule von mittlerer Intensität. Bei Auftreten der Fruchtkörper kann es zu Beeinträchtigungen der Bruchsicherheit kommen. Zudem sind aktuell Zitterlinge (Tremella sp., Abb. 14) sowohl an Stubben als auch an toten Ästen von Laubgehölzen durch ihre leuchtend gelbe Farbe auffällig. Als rein saprobiontisch aktive Pilze zählen diese zu den typischen Nachfolgebesiedlern bereits abgestorbenen Holzes. Neben dieAbb. 13: Samtfußrübling an Eiche sen tritt momentan auch die Rotpustel (Nectria cinnabarina, Abb. 15) an schwächelnden Gehölzen auf. Diese zählt zu den Schwächeparasiten kann in ihrer Vitalität beeinträchtigte junge Gehölze zum Absterben bringen. Sofern diese an einzelnen Ästen oder Trieben auftritt kann durch Schnitt bis ins gesunde Holz der weiteren Ausbreitung im Gehölz entgegengewirkt werden. Abb. 14: gold-gelber Zitterling (Tremella mesenterica) vergesellschaftet mit dem Rindensprengerpilz (Vuilleminia comedens) an abgestorbenem Eichenast Abb. 15: Rotpustelpilz an Erlensämling Weitergabe bitte nur im Original!
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.