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Full text: Grünes Blatt Berlin (Rights reserved) Issue 2020,6 (Rights reserved)

Pflanzenschutzamt Berlin Grünes Blatt Berlin 06-2020 Fachinformation Pflanzenschutz für den Dienstleistungsgartenbau vom 07.08.2020 Der Witterungsverlauf im Juli mit kühlen bis kalten Nächten hat nicht nur zu Wachstumsstockungen geführt, sondern schon einen Hauch von Spätsommer gebracht. Die Tage werden spürbar kürzer, das Licht hat sich verändert und bedingt durch die Trockenheit ist schon hier und da ein leichter Farbumschlag in der Blattfarbe feststellbar. Blattfall im Stadtgebiet Die Auswirkungen der Witterung in den letzten Wochen sind deutlich zu sehen. Lange Trockenheit im Frühjahr und nur geringe Niederschläge in den Folgemonaten, dann immer wieder stark böige Winde haben zu hohe Transpirationsraten der Pflanzen geführt. An vielen Stellen im Stadtgebiet sind die Folgen sichtbar: Trockenschäden in Form von welkendem Blattwerk, Gelbfärbung von Blättern im gesamten Kronenbereich, vorzeitiger Laubabwurf, trockenen Rasenflächen. Neben braunen Blatträndern und gelben, welken oder braunen Blättern sowie vorzeitigem Blattfall, reagieren die Bäume auf wiederholte Trockenphasen mit sichtbaren Wuchsdepressionen und Absterbeerscheinungen. Und sehr häufig ist ein Befall mit Borkenkäfern die Folge. Abb. 1: Trockenschäden und Vergreisen der Krone Abb. 2: Trockenschaden in der Platanenkrone Bei Wassermangel reduzieren die Gehölze ihre Verdunstungsoberfläche, lassen die Blätter hängen oder stellen sie wie ein Schiffchen auf. Die nächste Stufe ist einen Teil der Blattmasse abzuwerfen. Einige Baumarten, wie Robinie, Platane, Linde bekommen gelbe Blätter, die im Kronenbereich verteilt sind und anschließend abfallen. Eichen werfen zur Reduktion der Verdunstungsfläche sog. Absprünge (grüne, dünne Zweige, meist der Zuwachs der letzten 2 bis 3 Jahre, mit einer glatten Trennschicht) ab. Die restlichen, noch grünen Blätter können die Bäume mit der zur Verfügung stehenden Wassermenge noch versorgen. Pflanzenschutzamt Berlin, Mohriner Allee 137, 12347 Berlin E-Mail: pflanzenschutzamt@senuvk.berlin.de Internet: www.berlin.de/senuvk/pflanzenschutz Weitergabe bitte nur im Original. Bildnachweis:© Pflanzenschutzamt Berlin Pflanzenschutzamt Berlin, Grünes Blatt Berlin 06-2020 vom 07.08.2020 Seite 2 von 6 Wassermanagement gefragt Vielfach wird der Wasserbedarf von Pflanzungen und Gehölzbeständen unterschätzt. Neben den ersten Anzeichen – graue Rasenflächen im Bereich von Gehölzen – sollte immer der Spaten oder die Schüppe zur Überprüfung der Bodenfeuchte benutzt werden. Um weiteren Stress für Pflanzungen zu vermeiden ist bei empfindlichen Pflanzungen, Neupflanzungen und wertvollen Gehölzen stets auf eine ausreichende Bodenfeuchtigkeit zu achten. Siehe auch: Bewässerungsempfehlung für Stadtbäume Trockenheit begünstigt den Befall mit Schild-, Wollsackschild- und Napfschildläusen Es lohnt sich genauer hinzuschauen! Abb. 3: ein vermeintlicher Trockenschaden an Cotoneasterpflanzung Nicht nur, aber besonders in geschützten Innenhofbereichen können sich Schildlausarten und ihre Verwandten leicht und unbemerkt ausbreiten. Erst wenn die Pflanzen verkahlen oder trockene Triebe bekommen werden sie i.d.R. gründlicher kontrolliert und dabei fallen die Schildlaus-Arten auf. Schildläuse treten an unterschiedlichen Pflanzenarten (u.a. Efeu, Hortensien, Euonymus, Ilex, Taxus), die gern für Innenhofbepflanzungen verwendet werden, auf. Abb. 4: absterbender Trieb Abb. 5: starker Besatz an Napfschildläuse Weitergabe bitte nur im Original! Pflanzenschutzamt Berlin, Grünes Blatt Berlin 06-2020 vom 07.08.2020 Abb. 6: Wollige Napfschildlaus, Hortensie Abb. 7: Wollsackschildlauseier, Ilex Seite 3 von 6 Abb. 8: Wollsackschildlaus am Ilex Stark befallene Pflanzenteile werden zurückgeschnitten und entfernt. Die Bedingungen für die Pflanzen in Bezug auf die Wasser- und Nährstoffversorgung sind so optimal wie möglich zu gestalteten, da schlecht versorgte Pflanzen bevorzugt befallen werden. Eine Bekämpfung mit Pflanzenschutzmitteln kann im Einzelfall erfragt werden, dass es sich bei solchen Bepflanzungen meist um Flächen der Allgemeinheit (§17 PflaSchG) handelt und die Präparate eine entsprechende Genehmigung des BVL (Bundesamt für Verbrauchschutz und Lebensmittelsicherheit) benötigen. Kastanienminiermotte Der Flug der zweiten Generation der Kastanienminiermotte befindet sich auf dem Höhepunkt. Viele Kastanien, die an oder auf Flächen stehen, auf denen im Herbst das Laub gut gesammelt werden kann, zeigen bislang kaum Symptome. Anders hingegen solche Kastanienstandorte, die eine Unterpflanzung aufweisen, auf denen nur schwer oder gar nicht das Laub gesammelt werden kann. Hier ist bereits im unteren Bereich der Krone ein Teil der Blätter (Abb. 10) braun. Die Ergebnisse aus der Fallenüberwachung (Abb. 9) belegen eindeutig, dass ein gründliches Entsorgen des Kastanienlaubes die Anzahl Kastanienminiermotten der ersten Generation stark mindern und somit es der Kastanie ermöglicht bis in den August hinein grünes Laub aufzuweisen Abb. 10: stark befallenes Kastanienblatt Abb. 9: Vergleich des Flugverlaufes der Kastanienminiermotte auf geräumten und ungeräumten Flächen, 2020 Weitergabe bitte nur im Original! Pflanzenschutzamt Berlin, Grünes Blatt Berlin 06-2020 vom 07.08.2020 Seite 4 von 6 Echte Mehltaupilze an Rosen und anderen Gehölzen: Warme und sonnige Witterung begünstigt die Ausbreitung der Echten Mehltaupilze. Diese Pilze werden auch als „Schönwetterpilze“ bezeichnet, da sie sich besonders bei trockener und stark sonniger Witterung ausbreiten. Diese Pilze sind jeweils wirtsspezifisch. So kommt der Echte Mehltau an der Eiche auch nur auf Eichenblättern vor, der Echte Mehltau an Rosen nur auf Rosenblättern (Abb. 11) und der Echte Mehltau an Ahorn nur auf Ahornblättern (Abb. 12). Abb. 11: Echter Mehltau an Rose Abb. 12: Echter Mehltau an Feldahorn Während auf Bäumen und vielen anderen Gehölzarten in der Regel keine Bekämpfung durchgeführt wird, sollten empfindlichere Gehölze, Zierpflanzen, Stauden und Sommerblumen rechtzeitig geschützt werden. Beim Auftreten der ersten Symptome können Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen. Im Haus- und Kleingartenbereich stehen einige Präparate zur Verfügung. Auf Flächen der Allgemeinheit (§17 PflSchG) bitte die Beratung der Pflanzenschutzdienste in Anspruch nehmen. Wer ohne Pflanzenschutzmittel seine Pflanzen gesund erhalten möchte, hat die Möglichkeit Pflanzenstärkungsmittel einzusetzen. Diese müssen jedoch bereits frühzeitig und lange vor dem Auftreten der ersten Symptome, am besten mit dem Austrieb, ausgebracht werden. Ein guter, der Pflanze angepasster Standort mit ausreichend Nährstoffen und Wassergaben stabilisiert die Pflanzenbestände und macht sie pilzlichen Erregern gegenüber widerstandfähiger. Blattfleckenerreger Die Temperaturunterschiede zwischen Tag- und Nachttemperaturen im Juli haben bereits frühzeitig zu einer guten Taubildung. Dies hat günstige Infektionsbedingungen für Blattfleckenerreger ergeben, denn diese benötigen über einen bestimmten Zeitraum eine ausreichende Blattfeuchtigkeit. Bei der Bewässerung von Pflanzenbeständen sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass die Pflanzen möglichst trocken in die Nacht gehen. Vorbeugend sollte in sehr dichten Beständen für einen luftigen Stand gesorgt werden. Verwelkte, abgestorbene Blätter, Blüten und Triebe sind rasch zu entfernen. Ebenso am Boden liegendes Laub. Entomosporium - Blattbräune an Crataegus Am Rotdorn sind bereits die ersten dunkel besprenkelten Blätter sichtbar. Dies ist auf den pilzlichen Blattfleckenerreger (Entomosporium mespili) zurückzuführen, der bei starkem Befall den vorzeitigen Blattfall auslösen kann. Weitergabe bitte nur im Original! Pflanzenschutzamt Berlin, Grünes Blatt Berlin 06-2020 vom 07.08.2020 Abb. 13: Blattflecken durch Entomosporium mespili Seite 5 von 6 Abb. 14: Vorzeitiger Blattfall durch den Blattfleckenerreger Zur Zeit des Befallsbeginns erscheinen auf der Blattoberseite zunächst unregelmäßige, kleine purpurfarbene bis schwarze Flecken (Abb. 13). Bei starkem Krankheitsverlauf fließen die Flecken zusammen, so dass die Blattfläche dunkelbraun bis schwarz aussieht. Stark geschädigte Blätter werden im Verlauf des Sommers abgeworfen und die Kronen verkahlen (Abb. 14). Besonders alte und nicht gepflegte Kronen, die ein schnelles Abtrocknen des Blattwerks verhindern, sind davon betroffen. Der Pilz überwintert in infizierten Blättern, grünen Triebteilen und Früchten. Im Frühjahr werden die austreibenden Blätter erneut besiedelt. Ein gründliches Entfernen des Laubes mindert den Infektionsdruck im Frühjahr. Eine Bekämpfung wird nicht empfohlen. Ungräser profitieren von hohen Temperaturen Vielfach wachsen auf Pflanzflächen oder lückigen Rasenflächen jetzt breitblättrige Gräser – Hirse-Arten (Abb. 15 u. Abb. 16). Diese sind ausgesprochen wärmeliebend und können die Pflanzen überwuchern. Abb. 15: Hirse in einer Staudenpflanzung Abb. 16: Mehr Hirse als Zierpflanzen Weitergabe bitte nur im Original! Pflanzenschutzamt Berlin, Grünes Blatt Berlin 06-2020 vom 07.08.2020 Seite 6 von 6 Nicht nur in Rabatten und Beeten kann dies zum Problem werden, sondern auch oder besonders auf Rasenflächen. Ist hier der Anteil an gewünschten Rasengräsern noch höher als der Hirseanteil, kann noch versucht werden die Hirse manuell zu entfernen. Ist der Anteil zu hoch, hilft eigentlich nur ein Umbruch mit anschließender Neueinsaat oder besser Abschälen und Auslegen von Rollrasen. Hirse wächst im Rasen eher sehr flach, deshalb kann sie mit einer Düngung dazu gebracht werden, sich leicht aufzurichten. Somit kann sie anschließend mit einem tiefen Schnitt vor der Blüte (damit sie sich nicht weiter aussamen kann) abgemäht werden. Flaches Vertikutieren vor der Blüte, ohne Bodenverletzung, hilft die Hirsestängel anzuheben. Anschließend kann dann der Rasen ebenfalls mit tiefen Messern geschnitten werden. Regelmäßige Düngungen und Nachsaaten regen die Grasnarbe zu einem dichten Wachstum an, was die Hirse ins Hintertreffen geraten lässt. … und zu guter Letzt – ein bekannter Lästling, der wieder stärker auftritt: Birkenwanzen Die trocken, warme Witterung hat das Auftreten von vielen Wanzen begünstigt. Zum Leidwesen vieler Birkenbesitzer oder Anwohner in Birkennähe leider auch das der Birkenwanzen, die als Lästlinge eingestuft werden. Sie leben bevorzugt auf Birken, kommen aber auch auf anderen Laubbäumen, z.B. Erle und Eberesche, oder unter diesen auf Kräutern vor. Da Birken in diesem Jahr vielerorts einen sehr starken Samenansatz haben, bieten diese den Tieren üppige Nahrung. Warme Sommer und Winter mit langanhaltender Kälte ohne Wärmeperioden begünstigen eine Massenvermehrung. Jüngere Larven saugen an den Fruchtkätzchen und Blüten, ältere besaugen bevorzugt die Blätter. Eine nachhaltige Schädigung der Gehölze erfolgt nicht. Abb. 17: Ausgewachsene Birkenwanze Weitere Informationen unter: http://www.stadtentwicklung.berlin.de/pflanzenschutz/merkblaetter/de/download/birkenwanzen.pdf Aktuell können erste Pilzfruchtkörper, u.a. Röhrlinge gefunden werden. Bei Fragen zur Genießbarkeit steht Ihnen die Pilzberatung des Botanischer Gartens Berlin zur Verfügung. https://www.bgbm.org/de/event/pilzberatung-wieder-vor-ort-im-botanischen-museum Weitergabe bitte nur im Original!
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