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Periodical volume

Full text: Grünes Blatt Berlin Issue 2016,7

Pflanzenschutzamt Berlin
Grünes Blatt Berlin 07-2016
Fachinformation Pflanzenschutz für den Dienstleistungsgartenbau

vom 25.07.2016

Blühende Gehölze im Stadtgebiet

Abb. 1:Catalpa bignonioides – Trompetenbaum

Abb. 2: Kolreuteria paniculata – Blasenbaum Abb. 3: Castanea sativa – Esskastanie

Die Witterung der letzten Wochen war sehr wechselhaft. Von Temperaturen bis weit über 30°C, intensiver Sonneneinstrahlung und Wind bis hin zu schwül-warmer Gewitterluft und eher kühlen Sommertagen war alles dabei. Ausreichende Niederschläge fehlten jedoch,
auch wenn örtlich sehr unterschiedlich verteilt in Menge und Stärke
Niederschläge fielen – mal Sprühregen, mal Starkregen – reichen
sie nicht aus.
Der fehlende Niederschlag zeigt sich deutlich in den Trockenheitssymptomen an Gehölzen, Straßenbäumen und besonders auf Rasenflächen.

Abb. 4: vertrocknete Rasenfläche

Pflanzenschutzamt Berlin, Mohriner Allee 137, 12347 Berlin
E-Mail: pflanzenschutzamt@senstadtum.berlin.de
Internet: www.stadtentwicklung.berlin.de/pflanzenschutz

Abb. 5: Trockenschaden in der Krone
Weitergabe bitte nur im Original.

Bildnachweis:© Pflanzenschutzamt Berlin

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Trockenschäden
Verstärkt sind Trockenschäden an Gehölzen erkennbar. Sie äußern sich neben einer vorzeitigen Laubverbräunung und/oder –abwurf auch mit einem Absterben einzelner Äste (Totholzbildung) und Kronenpartien. Besonders frisch gepflanzte Gehölze sind mit ihrem noch unzureichend ausgebildeten Wurzelwerk noch nicht in der Lage aus tieferen Bodenschichten Wasser aufzunehmen (Abb. 6). Daher sind
diese noch stark von Oberflächenwasser (Regen und zusätzlicher Bewässerung) abhängig.

Abb. 6: Trockenschaden an jungen Hainbuchen

Abb. 7: Trockenschaden an Eibe durch Regenschattenstandort

Besonders Gehölze im Regenschatten von Bäumen, Großgehölzen, Baukörpern oder auf abschüssigem Gelände, leiden verstärkt unter Trockenstress und sollten zusätzliche Wassergaben erhalten
(Abb. 7). Berücksichtigt werden muß auch Konkurrenzbewuchs wie Rasen, Stauden, Bodendecker
und Wild- /Unkräuter. Diese nehmen viel Oberflächenwasser auf, sodass trotz vermeintlich ausreichender Bewässerung tiefere Bodenschichten nicht genügend durchfeuchtet sind. Die Bodenfeuchte
sollte stets manuell z.B. mittels Spaten überprüft werden.
Hitzeschäden
Die hohen Temperaturen mit > 35° Celsius des letzten Juni-Wochenendes haben an zahlreichen Kulturen Brennschäden und Verkochungen am Blattgewebe verursacht. Gerade auf der Südseite der Gehölze, die der Sonne ungeschützt ausgesetzt sind, werden klassische Brennschäden festgestellt. Diese zeigen sich anhand bräunlichen bis gelblichen Verfärbungen des Blattwerks (Abb. 8 u. 9).

Weitergabe bitte nur imAbb.
Original.
Abb. 8: Brennschäden an Hainbuchenhecke
9: Brennschäden an Bergahorn

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Allgemeine Situation bei vielen Stadtbäumen
Zur Zeit sind Bäume auffällig, die in diesem Frühjahr noch zaghaft
austrieben, anschließend welk wurden und danach gänzlich abgestorben sind.
Bei genauerer Betrachtung lassen sich an diesen zum Teil Pathogene wie z.B. Hallimasch sowie andere holzzersetzende Pilze
und/oder Borkenkäfer feststellen. Teilweise sind jedoch auch keine offenkundigen Pathogene erkennbar.
Die eigentliche Ursache dürfte in der Schwächung der Gehölze
durch die vergangenen Jahre mit ihren langen Trockenperioden
und z.T. heißen Sommerphasen sein, wodurch die Gehölze vielfach ihre Reserven aufgebraucht haben. Dementsprechend anfällig sind diese dann auch gegenüber Schwächeparasiten.
Insbesondere bei flachwurzelnden Baumarten wie Birken
(Abb. 10) und Ebereschen ist eine Zunahme absterbender Bäume
im Stadtgebiet auffällig.

Abb. 10: Absterbende Birke

Borkenkäfer
Der Witterungsverlauf im letzten, sowie diesen Jahres hat die Entwicklung von Borkenkäfern äußerst
begünstigt. Sie treten in bzw. nach warmen / heißen Trockenphasen bevorzugt auf. Vor allem
geschwächte und gestresste Gehölze und Neupflanzungen in der Nähe von Altbäumen und in
Waldrandlagen sind dann häufig von einem Befall betroffen.

Abb. 11: Bohrlöcher des Großen Waldgärtners

Abb. 12: Brutbild unter der Rinde, in der Mitte der Muttergang

Besonders anfällig sind Gehölze die unter Trockenheit leiden. Hier bohren sich die Käfer zur Paarung
und Eiablage sowohl in die Stämme (Abb. 11) als auch in die Astansatzstellen im unteren
Kronenbereich ein und beeinträchtigen den Wasser- und Assimilatstrom. In der Folge des
Brutgeschäfts der Käfer (Abb. 12) kann
es zu Welkeerscheinungen in der Krone, aber auch zum Absterben des gesamten Baumes kommen.
Erkennungsmerkmale sind Bohrlöcher, Bohrmehl, aber auch Saftfluß an den Stämmen von
Laubgehölzen und Harzfluß an Nadelbäumen (Abb. 13 bis 19).
Eine optimale Wasser- und Nährstoffversorgung sind neben dem richtigen Standort die besten
Maßnahmen im Sinne des vorbeugenden Pflanzenschutzes. Das Auftragen von Stammfarbe als
Weitergabe bitte nur im Original.

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Rindenschutz gegen starke Sonneneinstrahlung hat hingegen keine schützende Wirkung gegenüber
Borkenkäfer.

Abb. 13: Brutbild, Kleiner Ulmensplintkäfer

Abb. 14: Saftfluß an Eiche

Abb. 15: Harzfluß an Thuja

Abb. 16: Harzgänge an Kiefer, Großer Waldgärtner

Flächen, die sich noch im Bau befinden, Neupflanzungen und kurz vor der
Auslieferung stehende Bäume können jedoch einer Insektizid-Behandlung
im Streichverfahren unterzogen werden. Auch auf öffentlich-zugänglichen
Flächen ist es gemäß § 17 PflSchG möglich eine Behandlung durchzuführen. Eine Insektizidbehandlung muss jedoch nach einem möglichen
Anbringen von Stammfarbe erfolgen. Behandlungen im Haus- und
Kleingartenbereich sind nicht zugelassen. Bei entsprechenden Problemen
bitte unsere Beratung in Anspruch nehmen.

Abb. 17: Eichensplintkäfer beim Einbohren

Abb. 18: Ausbohrlöcher
Weitergabe bitte nur im Original.

Abb. 19: Befall in Eichenkrone

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Tab. 1: Im Land Berlin sind folgende Borkenkäfer häufig:
Flugzeit
ab 02 - A 04

Borkenkäfer

Baumarten

Großer Waldgärtner, Tomicus piniperda
Pinus

03 - 04

Kleiner Waldgärtner, Tomicus minor
Thujaborkenkäfer, Phloeosinus aubei

Thuja, Chamaecyparis, Juniperus,
Cupressus, Sequioadendron, Tsuga

Mi 05 - 06
Wacholderborkenkäfer, Phloeosinus thujae
04 - 05
u. 07 - 08
05 - 06
u. 08

Kupferstecher, Pityógenes chalcógraphus Linné

Picea, Pinus, Larix, Douglasie, Abies,
Juniperus

Eichensplintkäfer, Scolytus intricatus

Quercus und andere Laubgehölze

05 – 06
u. M/E 08

Großer Ulmensplintkäfer, Scolytus scolytus

05 – 06
u. 08 - 09

Großer Obstbaumsplintkäfer, Scolytus mali

06
04 - 05
06

Ulmus
Kleiner Ulmensplintkäfer, Scolytus multistriatus

Obstgehölze, Sorbus, Crataegus
Kleiner runzliger Obstbaumsplintkäfer, Scolytus rugulosus
Birkensplintkäfer, Scolytus ratzeburgi

Betula

Ungleicher Holzbohrer, Xyleborus dispar

Laubholz, v.a. Acer

Birnbaumprachtkäfer, Agrilus sinuatus

Crataegus, Pyrus, Sorbus

In Tab. 1 finden Sie eine Übersicht über die im Stadtgebiet am häufigsten vorkommenden Borkenkäfer.
Schäden durch Junikäfer – Amphimallon solstitiale – auf Rasenflächen
2015 war ein ausgesprochenes Flugjahr der Junikäfer (Abb. 20).
Liegt ein Befall durch Larven (Engerlinge) verschiedener Blatthornkäfer vor,
so sind vertrocknete Gräser, Löcher in Rasenflächen und durch Krähen aufgewühlte Rasenflächen die typischen Symptome (Abb. 21 bis 25).
Im Berliner Raum tritt vor allem der Junikäfer auf. Die Engerlinge fressen die
Graswurzeln bis kurz unterhalb der Vegetationskegels ab. Die Pflanzen vertrocknen, die Grasnarbe wird braun und läßt sich leicht vom Untergrund abheben.
Abb. 20: Junikäfer, 14–18mm lang

Abb. 21: Vertrocknete Gräser

Abb. 22: Löcher durch
Vögel bitte
auf nur
Futtersuche
Weitergabe
im Original.

Abb. 23: Durch Krähen aufgewühlte Fläche

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Biologie der Käfer

Abb. 24: Schadschwelle erreicht

Vorkommen: auf sandigen, vorwiegend trockenen Wiesen oder gepflegten Rasenflächen
Flugzeit: Mitte Juni (Sonnenwende), nur Männchen schwärmen bei Sonnenuntergang vor Bäumen, Gebäuden
Eiablage: nestweise Ende Juni, unmittelbar nach der Begattung
graben sich weibliche Käfer 6-8 cm tief in den Boden zur Eiablage (ca. 35 bis 40 Eier pro Weibchen) ein
Larvenschlupf: 3 Wochen nach der Eiablage
Larvenentwicklung: bis zum Winter Larvenfraß (L1- L2) an
Graswurzeln, Überwinterung als L2, erst ab nächstem Frühjahr
Fraß durch L3 über die gesamte Vegetation
Verpuppung: im Frühjahr des dritten Jahres in tieferen Bodenschichten
Überwinterung: als Larve (L2 ) im ersten und als Larve (L3) im
zweiten Jahr
Schaden: nestweises Vertrocknen der Grasnarbe, Hauptschäden im zweiten Jahr, Sekundärschäden durch Vögel
Schadschwelle: Sodenquadrat 20 x 20cm = 4 Engerlinge

Abb. 25: Larve des Junikäfer

Bekämpfung:
Als einzige Möglichkeit einen Befall durch Junikäferlarven im Boden zu reduzieren ist der Einsatz von
Nematoden. Diese wirken sicher gegen die Larven der Gartenlaubkäfer (Phyllopertha horticola) und
sind ebenfalls gegen das L1-Stadium der Junikäfer wirksam. D.h. aufgrund der Tatsache, dass die Junikäfer einen zwei-dreijährigen Entwicklungszyklus durchmachen, ist eine Behandlung gegen die Junikäfer nur im Flugjahr sinnvoll (ca. Ende August). Das nächste Flugjahr ist 2017, also wäre auch eine
Behandlung erst 2017 sinnvoll.
Der Einsatz von Nematoden (Heterorhabditis bacteriophora) sollte im August erfolgen (bitte bezüglich
des günstigsten Termins mit Hr. Barth (E-Nema) Kontakt aufnehmen. Die Bodentemperatur (sie sollte
12° C nicht unterschreiten) und eine ausreichende Bodenfeuchtigkeit im Vorfeld ist dabei entscheidend. Weiterhin sollte die Ausbringung in den Abendstunden vorgenommen werden, da das UV-Licht
die Nematoden schädigt.

Weitergabe bitte nur im Original.

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Mondvogel – Phalera bucephala L.,
Es häufen sich die Anfragen, ob die abgebildeten Raupen (Abb. 26 bis 28) Eichenprozessionsspinnerraupen sind. Sind sie nicht! Die Raupen der Eichenprozessionsspinner (Abb. 29) befinden sich noch
in der Verpuppung und der Falterflug wird in den nächsten Tagen beginnen.
Bei diesen, jetzt aktiven Raupen handelt es sich um die Raupen des Mondvogels. Auch sie besitzen
eine Behaarung, die bei Berührung zu allergischen Reaktionen bei empfindlichen Menschen führen
kann. Jedoch nicht vergleichbar mit der Gefährdung durch den Eichenprozessionsspinner.

Abb. 26: Junge Raupen auf Eichenblatt

Abb. 27: erwachsene Raupe

Lebensweise des Mondvogel – Phalera bucephala L.
Vorkommen: Aesculus, Betula, Populus, Quercus, Tilia
Überwinterung: als Puppe
Falterflug: Mai bis Juni
Eiablage: im Juli, ein bis zwei Wochen nach dem Falterschlupf, in 4 bis 5 Tagen können bis 350 Eier (ca.
1mm grünlich), auf der Blattunterseite partieweise in
Platten abgelegt werden
Raupenschlupf: nach ca. 2 Wochen
Raupenfraß: zunächst fressen die jungen Raupen gesellig, sog. Fensterfraß, ältere Raupen fressen auch
das ganze Blatt
Verpuppung: im Herbst, je nach Witterung nach 30
bis 70 Tagen, in Baumnähe im Boden
Schaden: Zuwachsverluste, im Anschluss können Äste vertrocknen. Oftmals treten die Raupen an
Neupflanzungen im ersten oder zweiten Standjahr auf
Bekämpfung: nach Kontrolle der Eiablagen auf der
Blattunterseite, im jungen Raupenstadium

Abb.28: Mondvogel, ältere Raupe am Eichenblatt

Abb. 29: Eichenprozessionsspinnerraupe, L5 ca. Mitte Juni
Weitergabe bitte nur im Original.
        
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