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Periodical volume

Full text: Grünes Blatt Berlin Issue 2016,5

Pflanzenschutzamt Berlin
Grünes Blatt Berlin 05-2016
Fachinformation Pflanzenschutz für den Dienstleistungsgartenbau

vom 25.05.2016

Die Witterung in den letzten 4 Wochen war sehr trocken, windig und sehr sonnig. Nach den kühlen
Temperaturen Ende April lagen sie in der ersten Maiwoche knapp unter 20 °C um dann mit dem
Himmelfahrtswochenende auf sommerliche 25 °C zu steigen. Die Eisheiligen (11.05. bis 15.05.) waren in unserer Region nicht besonders ausgeprägt, brachten jedoch einen Temperatursturz von 25 °C
auf 13°C am Tag und 6 °C in der Nacht zur „Kalten Sophie“ (15.05.). Nach einem durchwachsenen
Wochenstart, blieb auch die letzte Woche ohne nennenswerte Niederschläge, jedoch mit Sonne und
warmen Temperaturen.
Zunächst hatte die kühle Witterung für einen verhaltenen Austrieb gesorgt, so dass die Blütezeit vieler
Gehölze sehr lang war. Die anschließende Wärme hat den Austrieb beschleunigt und zur Vollblüte
beigetragen. Auffällig ist der überaus üppige Blüten- u. Samenansatz vieler Gehölze.

Abb. 1: Samenkapsel der Pappel

Abb. 2: Aufplatzen der Samenkapsel, wollige Samen

Wind, Sonne und fehlende Niederschläge haben bereits zur Austrocknung der Pflanzflächen und Böden geführt. Auch in diesem Frühsommer muß das besondere Augenmerk auf der optimalen Wasserversorgung liegen. Bewässerungsanlagen helfen zwar, aber sich ausschließlich darauf zu verlassen bringt häufig Probleme mit sich.
Selbst wenn eine Bewässerungsanlage mit Messfühlern versehen ist, sind Schwierigkeiten in der optimalen Wasserversorgung nicht selten. Unterschiedliche Witterungslagen (Wind, Sonne, Temperatur), Standorteigenschaften (u.a. Wärme-, Sonnenrückstrahlung durch Gebäude, Hangneigung,
Windschneisen), Bodenart (Sand-, Lehmboden), die Jahreszeit und die Art des Pflanzenwuchses
(Größe, Alter) beeinflussen den Wasserbedarf derart, dass das gärtnerische Auge bzw. die gärtnerische Hand zur Überprüfung der ausreichenden Bodenfeuchtigkeit notwendig wird.

Pflanzenschutzamt Berlin, Mohriner Allee 137, 12347 Berlin
E-Mail: pflanzenschutzamt@senstadtum.berlin.de
Internet: www.stadtentwicklung.berlin.de/pflanzenschutz

Weitergabe bitte nur im Original.

Bildnachweis:© Pflanzenschutzamt Berlin

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Abb. 3: braune Rasenfläche, 19.05.2016, grün sind nur die Kräuter mit tieferen Wurzeln

Grundsätzlich gilt:
 Wasser dorthin bringen, wo es gebraucht wird - an die Wurzeln nicht auf die Blätter
 feuchter Boden nimmt das Wasser leichter auf als ein ausgetrockneter
 langsam gießen, so dass trockener Boden das Wasser aufnehmen kann, ggf. den Gießvorgang mehrmals wiederholen, das eine ausreichende Wassermenge vom Boden aufgenommen werden kann
 zwischen den Bewässerungsgängen die Erde abtrocknen lassen
 Kontrolle der Bodenfeuchtigkeit immer, aber besonders bei
o hohen Temperaturen, starkem Wind, intensiver Sonneneinstrahlung
o Neupflanzungen
o Immergrünen Gehölzen
o Großbäumen
Nicht täglich ein bisschen, sondern in größeren, der Witterung angepassten, Zeitabständen
gründlich (durchdringend) und bedarfsgerecht wässern!
Bei häufigen und kurzen Wässerungsvorgängen besteht die Gefahr, dass sich feine Faserwurzeln nur
in einer geringen Tiefe bilden. Tritt dann eine Trockenphase ein, sterben diese relativ schnell ab und
die Wasserversorgung der Pflanze bricht zu zusammen. Ein Welken und Vertrocknen der Pflanze ist
die Folge.
Eine regelmäßige Bewässerung, besonders bei leichten Böden (sandige Böden), verursacht einen
Nährstofftransport in tiefere Bodenschichten. Dies muss bei der Düngung beachtet werden.

Läuse an Ziergehölzen und-pflanzen
Läuse sind zum jetzigen Zeitpunkt an vielen Pflanzen vorhanden (Abb. 4). Typische Symptome sind
u.a. krüppelartig eingekrümmte Blattspitzen. Beim Blick an die Triebe, auf die Blattunterseite bzw. in
die verkrüppelten Blattwickel sind die Läuse auffällig (Abb. 5). Das mechanische Entfernen mittels
Schnitt kann eine Möglichkeit zur Bekämpfung sein, ebenso sorgt das Abspülen mit einem Wasserstrahl, besonders beim Befall an den Trieben für eine Verminderung des Befalls. Sobald die Läusekolonien deutlich sichtbar sind, treten auch Nützlinge wie Marienkäfer (Abb. 6 u. 7), Florfliegen und
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Co. auf und bereinigen einen starken Blattlausbefall auf natürliche Weise, sodass der Einsatz von Insektiziden nicht notwendig ist.

Abb. 6: Marienkäferlarve

Abb. 4 Läusekolonie

Abb. 5: Rosenläuse

Abb. 7: Marienkäfer

Buchenblattlaus
Vereinzelt sind an Buchen auf der Blattunterseite bereits deutlich weiße, watteartige Gebilde sichtbar.
Dies ist die Wachswolle der Buchenblattlaus (Phyllaphis fagi). Bei genauer Betrachtung sind die gelblich-grünen Läuse in der Wachwolle zu erkennen (Abb. 8). Bei älteren Bäumen ist ein Befall absolut
tolerierbar. Bei Jungbäumen hingegen wäre eine Bekämpfung mittels Schnitt oder durch Abzupfen
einzelner befallener Blätter, zum jetzigen Zeitpunkt sinnvoll, um eine weitere Ausbreitung besonders
für das kommende Jahr zu unterbinden.
An Buchenhecken kann ein entsprechender Befall durch Schnitt zum jetzigen Zeitpunkt zur Eindämmung der Tiere beitragen.
Biologie Buchenblatt Phyllaphis fagi

Abb. 8: Befall mit Buchenblattlaus, watteartige Wachswolle
unter der grüne Läuse sitzen (innerhalb des Kreises)

Familie der Borstenläuse
Vorkommen: Rotbuche (Fagus sylvatica) und Sorten,
Eisenholzbaum (Parrotia persica).
Größe: 2,0 – 3,2 mm, gelblich-grün, gut versteckt unter bläulich-weißen Wachsfäden
Eiablage: schwarz ovale Eier, im Herbst an Zweigen
Schlupf: im darauffolgenden Frühjahr
Saugschaden: Besiedelung der Triebe und Blattunterseiten in Kolonien
Generationen: zwei ungeflügelte Generationen, danach geflügelten Tiere (Ausbreitung des Befalls)
Überwinterung: im Eistadium
Symptome: Einrollen der Blätter bzw. Verbräunung
vom Rand und Einrollen; Honigtaubildung; Rußtaupilze
Schaden: Entzug von Assimilaten, dadurch Ansiedlung
von Rußtaupilzen auf dem Honigtau => Herabsetzung
der Photosyntheseleistung

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Weißdornmotte
Tritt die Weißdornmotte unbemerkt über mehrere Jahre in einer Hecke auf, so kann sie zu Ausfällen
führen (Abb. 10). Wird der Befall frühzeitig bemerkt, kann durch ein rechtzeitiges Herausschneiden
der Gespinste und somit der Raupen die weitere Ausbreitung verhindert werden.

Abb. 9: Gespinst der Weißdornmotte im Cotoneaster

Abb. 10. stark geschädigte Weißdornhecke

Biologie Weißdornmotte – Scythropia crataegella
(Linnaeus)

Abb. 11: Raupe im Gespinst

Abb. 12: Deutliches Symptom: Kotkrümmel

Vorkommen: Weißdorn, Cotoneaster, Prunus, Pyrus
Flugzeit: Ende Juni / Anfang Juli
Generationen: eine, in Südeuropa auch zwei möglich
Eiablage: im Sommer
Larven: 12 bis 15 mm lang, rotbraun, Körperhaare weißlich,
relativ lang, Kopf schwarz
Larvenfraß: zunächst geselliger Schabefraß in einem feinen
Gespinst an den Blättern
Überwinterung: im Gespinst
Verpuppung: im Frühjahr im Gespinst
Puppe: 8mm lang, dunkel mit weißlichen Flecken
Falter: Spannweite 14 mm, Vorderflügel silberweiß, aschgrau und braun gebändert
Schaden: Schabefraß, Kotkrümmel, bei unbemerkter Ausbreitung auch komplett abgefressene Hecken möglich
Bekämpfung: Herausschneiden der Gespinste, je nach Stärke des Befalls ist auch eine Pflanzenschutzanwendung möglich (Beratung). Damit die Pflanzen wieder gut durchtreiben
ist eine optimale Nährstoffversorgung notwendig.

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Gespinstmotten
Zur Zeit sind komplett eingesponnene Pfaffenhütchen sowie weitere Gehölze wie Weißdorn oder
Schlehe auffällig – jedoch zum Teil in Auftreten und Intensität unterschiedlich stark im Stadtgebiet
verteilt. Innerhalb der Gespinste fressen die gelben, schwarz gepunkteten und unbehaarten Raupen
gesellig und geschützt. Je nach Intensität des Befalls kann es zum Kahlfraß der Gehölze kommen.
Diese haben im Lauf der Vegetationszeit jedoch noch ausreichend Zeit wieder durchzutreiben und
sich zu regenerieren. Sind die Gespinste erst einmal auffällig, so ist es für eine Bekämpfung zu spät.
Günstig ist es, die Nester mit den Raupen so früh wie möglich heraus zuschneiden und zu vernichten.

Abb. 11: komplett eingesponnenes Pfaffenhütchen

Abb. 13: Gehölze komplett eingesponnen

Abb. 14: Raupen der Euonymus-Gespinstmotte

Wichtig: Immer wieder werden die Gespinste der Gespinstmotten mit den Nestern der Eichenprozessionsspinner verwechselt (Abb. 15 u. 16). Die Tagesnester sehen anders aus und er tritt jedoch nicht an den
genannten Gehölzen auf. Es geht keine gesundheitliche
Gefährdung auf den Menschen von diesen Gespinsten
und den nicht behaarten Raupen aus.

Abb. 15: Tagesnest der Eichenprozessionsspinner

Abb. 16: Tagesnest der Eichenprozessionsspinner

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Fraßschäden durch Raupen und Blattkäfer
Durch die teilweise bereits sommerlichen Temperaturen ist die Natur richtig zum Leben erwacht. Das
frisch ausgetriebene Blattwerk vieler Gehölze dient unterschiedlichen Insekten als Lebensgrundlage –
was sich oftmals zum Leidwesen des Gärtners in Form von Fraßschäden zeigt. Hierbei sind neben
dem typischen Lochfraß durch Spanner- und Eulenraupen auch vielfach Blattkäfer und deren Larven
am Werk u.a. Erlenblattkäfer.

Abb. 17: Fraßschaden an Ulme

Abb. 18: Spannerraupe

Abb. 20: Lochfraß an Traubenkirsche durch die Larve
des Fünfpunktigen Blattkäfers

Abb. 19: Fraß, Erlenblattkäfer

Abb. 21: Fünfpunktiger Blattkäfer

Einzelne auf wenige Blätter beschränkte Fraßschäden sind i.d.R. nicht bekämpfungswürdig. Bei starkem Fraßgeschehen kann ein Schnitt zum richtigen Zeitpunkt eine geeignete Bekämpfung darstellen.
Auch der Einsatz von zugelassenen Pflanzenschutzmitteln kann je nach Kultur, Zeitpunkt und Intensität des Befalls notwendig sein. Nehmen Sie hierzu bitte unsere Beratung in Anspruch.

Schwefelporling Fruchtkörper
Bei Baumkontrollen können jetzt sehr gut neugebildete Fruchtkörper Schwefelporlings Laetiporus
sulphureus entdeckt werden.
Durch seine leuchtend orange-gelbe Farbe sind frische Fruchtkörper des Schwefelporlings sehr auffällig und kaum mit anderen Pilzfruchtkörpern zu verwechseln (Abb. 21 u. 22). Diese treten vorwiegend im Stamm- und Starkastbereich auf. Es handelt sich beim Schwefelporling um einen aggressiven Braunfäule-erreger, der insbesondere an Eiche, Kirsche und Robinie, Weide, aber auch an Pappel in Erscheinung tritt und die Bruchsicherheit der Bäume beeinträchtigen kann. Gelegentlich tritt er
auch an Nadelgehölzen wie Sumpfzypresse, Eibe oder Lärche auf. Mit zunehmendem Alter verlieren
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die Fruchtkörper ihre leuchtende Farbe und bleichen aus, bis sie gegen Mitte/Ende des Sommers
dann irgendwann abfallen. Danach bleiben lediglich weiße Streifen an den Ansatzstellen auf der Borke (Abb. 23), die bei Baumkontrollen im späteren Jahresverlauf ein Hinweis auf die Holzzersetzung
durch diesen Pilz geben können.
Beim Auftreten sollten die Bäume einer genaueren Untersuchung unterzogen werden.

Abb. 21: Schwefelporling, frische Fruchtkörper

Abb. 23: alte Ansatzstellen (Pfeil) an Robinie

Abb. 22: Schwefelporling an Weide

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