Path:
Periodical volume

Full text: Grünes Blatt Berlin Issue 2016,4

Pflanzenschutzamt Berlin
Grünes Blatt Berlin 04-2016
vom 29.04.2016

Fachinformation Pflanzenschutz für den Dienstleistungsgartenbau

Zu Beginn des Monats gab es einige warme Tage, sogar bis 22 °C. Ab 06.04. fielen die Tagestemperaturen und das Tagesmaximum lag i. d. Regel um 13 °C, seit dem letzten Wochenende jedoch nur
noch um 9 °C. Gleiches gilt für die Nachttemperaturen, die sich um 0 °C bewegen. Die z. T. ergiebigen Niederschläge haben zwar für eine gute Durchfeuchtung der Böden gesorgt, jedoch auch für sehr
gute Infektionsbedingungen einiger Pilzerkrankungen.

Abb. 1: blühende Forsythia

Abb. 2: blühende Felsenbirne

Die kühle Witterung hat für sehr lange Blühperioden vieler Frühjahrsblüher geführt, u. a. weisen Traubenhyazinthen, Forsythien und auch Felsenbirnen eine sehr lange Blütezeit auf. Der Austrieb vieler
Gehölze und Stauden war bislang eher verhalten und langsam. Dies wird sich mit steigenden Temperaturen und der Erwärmung der Böden ändern. Viele Insekten, Nützlinge wie Schädlinge werden erst
mit der Wärme wieder mobil.

Kastanienminiermotte
Die Kastanien sind je nach Standort gut ausgetrieben und schieben ihre Kerzen. Trotz der kühlen
Temperaturen fliegen die ersten Kastanienminiermotten.

Pflanzenschutzamt Berlin, Mohriner Allee 137, 12347 Berlin
E-Mail: pflanzenschutzamt@senstadtum.berlin.de
Internet: www.stadtentwicklung.berlin.de/pflanzenschutz

Weitergabe bitte nur im Original.

Bildnachweis:© Pflanzenschutzamt Berlin

Pflanzenschutzamt Berlin, Grünes Blatt Berlin 04-2016 vom 29.04.2016

Seite 2 von 6

Eichenprozessionsspinner
Die Entwicklung der Raupen ist bei den kühlen Temperaturen sehr langsam voran geschritten. Noch
befinden sie sich im 1. Larvenstadium. Weitere Informationen zum EPS unter:
http://www.stadtentwicklung.berlin.de/pflanzenschutz/eps/index.shtml

Abb. 3: 1 Larvenstadium EPS

Abb. 4: Wollläuse an Kiefer

Abb. 5: unter der Wachswolle

Wollläuse an Kiefern
Besonders an frisch gepflanzten, größeren Kiefern sind häufig kleine, weißliche „Wattebäusche“ erkennbar. Es handelt sich um einen Befall durch Kiefernwollläuse. Bei näherer Betrachtung (Lupe)
sind unter der weißen Wachswolle Eier erkennbar. Die schlüpfenden Larven besiedeln die Jungtriebe,
saugen an den Trieben und können zu Zuwachsverlusten führen. Je nach Witterung sind 3 oder mehr
Generationen pro Jahr möglich. Je nach Stärke des Auftretens ist eine Reduzierung der Kiefernwollläuse zu empfehlen. Bitte die Beratung der Pflanzenschutzdienste in Anspruch nehmen.
Ilexminierfliege
Am Ilex können weiße, blasige Flecken sog. Platzminen festgestellt werden. Die Platzminen der
Ilexminierfliege sind um diese Jahreszeit meist noch geschlossen. Im Inneren frißt die Larve und gegen das Licht kann sie oder die Puppe und ggf. Kotkrümmel in der Platzmine erkannt werden. Der
Schaden für das Gehölz ist zwar gering, aber bei weiterer Ausbreitung findet eine optische Beein-

Abb. 6 : Platzminen Ilexminierfliege

Abb. 7: geöffnete Platzminen
Weitergabe bitte nur im Original.

Pflanzenschutzamt Berlin, Grünes Blatt Berlin 04-2016 vom 29.04.2016

Seite 3 von 6

trächtigung statt. Als Gegenmaßnahme sollten zur Minderung des Befalls die Blätter entfernt werden,
bevor die erwachsenen Minierfliegen ausfliegen.
Pseudomonas an Kastanien: aktuelle Situation
Im Berliner Raum sind bislang einige, wenige Einzelbäume (30-40 Exemplare) mit Symptomen auffällig. Die Zahl der auffälligen Bäume nimmt zu. Dies gilt besonders bei Jungbäumen, die in den vergangenen Jahren gepflanzt wurden. Positiv getestete Jungbäume wurden aus phytosanitären Gründen entfernt.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wird von der Neupflanzung von Rosskastanien in größerer Stückzahl,
besonders an Stressstandorten (entlang von Straßen), abgeraten.

Abb. 8: Stammsymptome Pseudomonas

Abb. 9: frischer Saftfluß

Abb. 10: Verfärbung Kambium

Entsprechende Symptome an Rosskastanien wie Saftfluss, schwarze und/oder bronzefarbene Flecken im Stammbereich sowie Risse in der Rinde sind bei der Baumkontrolle zu beachten.
Weitere Informationen zum Erreger und seinen Symptomen entnehmen Sie bitte unserem Merkblatt
unter folgendem Link:
http://www.stadtentwicklung.berlin.de/pflanzenschutz/merkblaetter/de/download/pseudomonas_kastanien.pdf

Saftfluss Platane
Oft sind Platanen auffällig, die im Stammbereich und an stärkeren Ästen Saftfluss aufweisen, in der
Regel gemeinsam mit einer mehr oder minder starken Rissbildung. Die Risse und der damit verbundene Saftfluss sind nicht immer auf eine Himmelsrichtung beschränkt, so wie es von typischen Sonnennekrosen am Stamm auf der Südwestseite bekannt ist.
Die Symptome sind auf unterschiedliche Ursachen zurückzuführen. Die Risse können im Zusammenhang mit Holzdefekten und damit verbundenen Fäulen im Stamminneren liegen, sodass es im Winter
bei tiefen Temperaturen zu sog. falschen Frostrissen kommt, siehe Abb. 11(Linde im Stammquerschnitt mit alten Verletzungen im Inneren).

Weitergabe bitte nur im Original.

Pflanzenschutzamt Berlin, Grünes Blatt Berlin 04-2016 vom 29.04.2016

Abb. 11: Stammquerschnitt Linde, alte Verletzung im Inneren

Seite 4 von 6

Abb. 12: Stammriss an Platane

Ein weiterer Erklärungsansatz liegt in der Kälteschwindung des Holzes, wodurch es zu tangentialradial Rissen im Holzkörper kommt. Die Platane zählt zu den Baumarten, die dafür verstärkt anfällig
ist. Offensichtlich sind es die Standortbedingungen (besonders die Wasserversorgung), die einen bedeutenden Einfluss auf die Ausprägung der Risse haben. Untersuchungen der Beuth Hochschule für
Technik im Berliner Stadtgebiet zeigen auf, dass insbesondere Platanen auf stark versiegelten Standorten eine deutlich verstärkte Rissbildung aufweisen. (BARTE & BALDER, 20141) Im Lauf der Vegetati-

Abb. 13: Stammriss Platane

Abb. 14: Riss und Saftfluß

Abb. 15: Riss an der Astunterseite

onsperiode schließen sich die Risse meist wieder und der Saftfluss stoppt. Je nach Umfang der Rissbildung und Überwallungsreaktion entwickeln sich an diesen Stellen im Lauf der Jahre entsprechende
Leisten.
1

Barte, L.; Balder, H. 2014: Rissbildungen an Platanen: Ursachen und Einflussfaktoren, ProBaum 01/2014, S. 2-5.
Weitergabe bitte nur im Original.

Pflanzenschutzamt Berlin, Grünes Blatt Berlin 04-2016 vom 29.04.2016

Seite 5 von 6

Diplodia-Triebsterben an Kiefer
Im Stadtgebiet sind immer wieder Kiefern (Schwarzkiefer, als auch Märkische Kiefer) mit rötlichbräunlichen Nadelverfärbungen der Triebspitzen auffällig. Häufig ist der Pilz Diplodia pinea syn.
Sphaeropsis sapinea für die Nadelverbräunung verantwortlich. Er gehört zu den wärmeliebenden
Schwäche- und Wundparasiten und kann auch symptomlos als Endophyt an vitalen Bäumen leben.
An abgetöteten Trieben sowie der Nadelbasis toter Nadeln entstehen während der Sommermonate
kleine, runde dunkelbraune bis schwarze Fruchtkörper des Pilzes. Durch die Bildung von Wundperiderm sowie der Aktivierung der Seitenknospen versucht der Baum die Ausbreitung des Krankheitserregers aktiv zu begrenzen.
Empfehlung: Zur Reduktion der Neuinfektion sollten befallene Triebspitzen durch Schnitt entfernt
werden. Ebenfalls sind alte Nadeln, dort wo es möglich ist (z.B. Hausgärten), unter der Bäumen zu
entfernen. Maßnahmen zur Erhöhung der Baumvitalität, wie ausreichende Wasserversorgung, Düngung und Entfernen von Konkurrenzbewuchs im Baumumfeld sollten ebenfalls durchgeführt werden.

Abb. 16: Diplodia-Triebsterben

Abb. 17: betroffene Jahrestriebe

Unkrautbekämpfung auf Wegen und Plätzen
Mit den steigenden Temperaturen sprießt die Vegetation auch dort, wo sie nicht erwünscht ist. Wege,
Pflasterflächen, Einfahrten etc. zählen zum sogenannten Nichtkulturland und eine Anwendung von

Abb. 18: Nichtkulturland, Pflasterfläche mit Aufwuchs

Weitergabe bitte nur im Original.

Pflanzenschutzamt Berlin, Grünes Blatt Berlin 04-2016 vom 29.04.2016

Seite 6 von 6

Pflanzenschutzmitteln ist auf diesen Flächen nicht gestattet bzw. nur mit einer Ausnahmegenehmigung nach § 12 Pflanzenschutzgesetz erlaubt.
Nichtchemische Verfahren zur Beseitigung des Aufwuchses werden als Alternative eingesetzt und
angeboten. Eine ausführliche Zusammenstellung der Verfahren und Methoden finden Sie auf den
Seiten des Pflanzenschutzdienstes Nordrhein-Westfalen:
http://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/pflanzenschutz/genehmigungen/unkrautohnechemie/index.htm

Genehmigungen für § 17 Flächen
Auf der Seite des BVL (Bundesamt für Verbraucherschutz u. Lebensmittelsicherheit) ist die aktuelle
Liste der genehmigten Präparate für die Flächen nach § 17 Pflanzenschutzgesetz verfügbar.
http://www.bvl.bund.de/DE/04_Pflanzenschutzmittel/01_Aufgaben/02_ZulassungPSM/01_ZugelPSM/psm_ZugelPSM_node.
html

Dann bitte auf der rechten Seite unter Links und Dokumente zum 9. Unterpunkt gehen und Sie finden eine sortierbare Excel-Liste.

Bei der Auswahl und Anwendung von Mitteln sind neben dem Schadorganismus (Spalte C) und der
Kultur (Spalte D) unbedingt auch die zusätzlichen Anwendungsbestimmungen (Spalte H, Erläuterungen dazu, siehe auch Tabellenblatt Kodes Anwendungsbestimmungen u. Auflagen) und die Kategorien (Spalten J bis W, siehe dazu Tabellenblatt Kategorien) zu beachten.
Auszug aus den Anwendungsbestimmungen:

SF252

Die Öffentlichkeit ist in geeigneter Weise (z. B. durch das Aufstellen von Warnschildern vor
Ort während und bis mindestens 48 h nach der Anwendung) über den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu informieren.

SF255

Die behandelten Flächen sind für 48 h mit geeigneten Maßnahmen abzusperren.

Weitergabe bitte nur im Original.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.