Path:
Periodical volume

Full text: Grünes Blatt Berlin Issue 2016,3

Pflanzenschutzamt Berlin
Grünes Blatt Berlin 03-2016
vom 07.04.2016

Fachinformation Pflanzenschutz für den Dienstleistungsgartenbau

Abb. 1-2:Spitzahorn in der Blüte, Kastanie im Austrieb

Allgemein
Mit den milden Temperaturen des vergangenen Wochenendes sowie Anfang dieser Woche hat die
Natur einen deutlichen Schub bekommen. So sind viele Großgehölze (Acer, Aesculus, Carpinus etc.)
in der Blüte und bereits stark im Austrieb vorangeschritten. Sträucher wie z.B. Bauernjasmin (Philadelphus) oder Schneebeere (Symphoricarpos) haben ihr Blattwerk bereits nahezu komplett ausgebildet. Der weitere Fortschritt des Austriebs hat sich jedoch aufgrund der fallenden Temperaturen der
letzten Tage etwas verzögert. Mit Blick auf die Wettervoraussagen ist in den kommenden Tagen
kaum mit nennenswerten Niederschlägen zu rechnen. Daher sollte auf eine ausreichende Bodenfeuchte in den Garten- und Parkanlagen geachtet werden.
Borkenkäfer

Abb. 3-5: Ungleicher Holzbohrer (li.), Kleiner Holzbohrer (mitte), Bohrmehl (re.)

An warmen und sonnigen Standorten waren die ersten Borkenkäfer wie Ungleicher Holzbohrer (Xyleborus dispar) und der Kleine Holzbohrer (Xyleborus saxeseni) in den vergangenen Tagen bereits im
Flug. Diese besiedeln zur Eiablage besonders gestresste Gehölze (z.B. frisch gepflanzte oder unter
Trockenheit leidende Gehölze). Auffällige Symptome sind neben Absterbeerscheinungen kleine Bohrlöcher und feines Bohrmehl. Eine optimale Wasser- und Nährstoffversorgung sind neben dem
richtigen Standort die besten Maßnahmen zum vorbeugenden Pflanzenschutz. Anhaltende
Trockenheit und Wärme fördert das Auftreten von Borkenkäfern.
Pflanzenschutzamt Berlin, Mohriner Allee 137, 12347 Berlin
E-Mail: pflanzenschutzamt@senstadtum.berlin.de
Internet: www.stadtentwicklung.berlin.de/pflanzenschutz

Weitergabe bitte nur im Original.

Bildnachweis:© Pflanzenschutzamt Berlin

Pflanzenschutzamt Berlin, Grünes Blatt Berlin 03-2016 vom 07.04.2016

Seite 2 von 6

Eichenprozessionsspinner
Anfang dieser Woche sind die ersten Raupen des Eichenprozessionsspinners (Thaumetopoea processionae) am Standort Mohriner Allee geschlüpft.
Für etwaige chemische Bekämpfungsmaßnahmen sollte
der Austrieb des Laubes so weit vorangeschritten sein,
dass ausreichend Blattmasse (min. 2/3) vorhanden ist.
Der Austrieb der Eichen im Stadtgebiet ist abhängig
vom Standort. Erst wenn die Bäume eine ausreichende
Blattmasse (min. 2/3 Blattmasse) entwickelt haben,
kann, wenn erforderlich, mit den Behandlungen gegen
Abb. 6: Frisch geschlüpfte Raupen des Eichenprozessionsspinners
die Raupen begonnen werden.
Für chemische Bekämpfungsmaßnahmen aus Gründen des Gesundheitsschutzes sind nach BiozidRecht die Präparate Foray ES und Dipel ES (Wirkstoff beider Präparate: Bacillus thuringiensis) bis
30.04.2017 vorläufig zugelassen. Neem Protect (Wirkstoff: Azadirachtin) ist als Biozid noch bis
30.04.2016 verkehrsfähig. Weitere Informationen hierzu auf der Internetseite des Bundesamtes für
Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit (BAuA): http://www.baua.de
Weitere Informationen zum Eichenprozessionsspinner in Berlin finden Sie auf unserer Internetseite:
http://www.stadtentwicklung.berlin.de/pflanzenschutz/eps/index.shtml
Buchsbaumpflanzungen kontrollieren

Abbildung 7-10: Schadbilder durch Volutella buxi (links), Cylindrocladium buxicola (mitte), Buchsbaumzünsler
(rechts), Spinnmilben (rechts unten)

Viele bekannte Krankheiten und Schädlinge des Buchsbaums
überdauern im Winter am Gehölz. Um die Schädigungen in der
kommenden Saison zu reduzieren, sollte daher zum jetzigen Zeitpunkt auf einen möglichen Befall von Schaderregern wie Buchsbaumzünsler, Spinnmilben, Buchsbaumblattfloh, aber auch gefürchtete Pilzkrankheiten kontrolliert werden, um dann die geeigneten Maßnahmen einzuleiten. Weiterführende Hinweise finden
Sie im Merkblatt: „Buchsbaum“ des Pflanzenschutzamtes Berlin
unter folgendem Link
http://www.stadtentwicklung.berlin.de/pflanzenschutz/merkblaetter/de/download/buchsbaum.pdf
Weitergabe bitte nur im Original.

Pflanzenschutzamt Berlin, Grünes Blatt Berlin 03-2016 vom 07.04.2016

Seite 3 von 6

Wacholderrost
Mit zunehmenden Temperaturen der nächsten Wochen dürfte – bei ausreichender Feuchtigkeit - mit
dem Aufquellen des Wacholderrostes zu rechnen sein. Auffällig ist der Pilz besonders durch seine
gelblich-orangene Färbung an den typischen spindelförmigen Verdickungen der Triebe. An Wacholdern an denen der Pilz bereits mehrere Jahre zu Gange ist, sind häufig Absterbeerscheinungen der
Triebe zusätzlich erkennbar.
Einzige Bekämpfungsmöglichkeit besteht in der Entfernung befallener Triebe und Äste durch Schnitt
bis ins gesunde Holz, wenngleich an stark befallenen Wacholdern häufig die Rodung des gesamten
Gehölzes die bessere Maßnahme ist, da viele Wacholderarten nach deutlichen Schnittmaßnahmen
sich nur sehr langsam wieder begrünen.
Da der Wacholderrost mit seinem Sporenflug nachfolgend Birnen infiziert und dort im Frühsommer zu
orangefarbenen Blattflecken (Birnengitterrost) führt, ist eine Entfernung befallener Wacholderäste
noch vor dem Sporenflug gerade in Gärten und deren Umgebung sinnvoll, in denen Birnen in unmittelbarer Umgebung stehen.

Abb. 11-13: Aufquellen der Sporenlager, Abgestorbene Triebe durch Wacholderrost, Sporenlager kurz vor dem Aufquellen

Weitere Informationen zum Wacholderrost – auch hinsichtlich der Anfälligkeit verschiedener Wacholderarten und -sorten – entnehmen Sie bitte
auch unserem aktualisierten Merkblatt zum Birnengitterrost/ Wacholderrost unter folgendem Link:
http://www.stadtentwicklung.berlin.de/pflanzenschutz/merkblaetter/de/pilzlich.shtml

Weitergabe bitte nur im Original.

Pflanzenschutzamt Berlin, Grünes Blatt Berlin 03-2016 vom 07.04.2016

Seite 4 von 6

Sitka-Fichtenläuse
Im vergangenen Jahr waren je nach
Standort im Frühsommer deutliche
Schäden an Fichten durch die Sitkafichtenlaus syn. Fichtenröhrenlaus
feststellbar. Insbesondere an solchen
Bäumen, an denen im vergangenen
Jahr bereits Schädigungen erkennbar
waren, sollte das Vorhandensein der
Sitka-Fichtenlaus überprüft werden.
Bei Verdacht kann mittels einer Klopfprobe (heller DIN A4 Karton in den
unteren, benadelten Zweigbereich
halten und kräftig auf den Zweig klopfen) festgestellt werden, ob und wenn
ja, wieviel Läuse vorhanden sind. Fallen mehr als 4 bis 6 Läuse auf das
Papier, so kann im Haus- und Kleingartenbereich der Anfangsbefall durch
eine Austriebsspritzung mit einem
Ölpräparat reduziert werden.

Biologie: Die zu der Gruppe der großen Blattläuse zählende Fichtenröhrenlaus oder Sitkafichtenlaus (Elatobium abientum syn. Liosomaphis abietina) ist ca. 1,5 – 2 mm groß und durch die auffälligen roten
Augen gut erkennbar. Virgines sind das ganze Jahr über fortpflanzungsfähig. Ungeflügelte können im Mittel 12, geflügelte im Mittel 4
Junglarven erzeugen. Diese sind bei 16 ° C nach 18 Tagen erwachsen
und nach weiteren 3 Tagen fortpflanzungsfähig. Meist bricht eine
Population während der Sommermonate durch Nahrungsmangel
und aufgrund von Fraßfeinden (z.B. Marienkäfer) zusammen.
Vorkommen: Blaufichte (Picea pungens), Sitkafichte (Picea sitchensis), Omorikafichte (Picea omorica), Gemeine Fichte bzw. Rottanne
(Picea abies)
Überwinterung: Sowohl als ungeflügelte Laus als auch im Eistadium.
Mit einer Massenvermehrung ist besonders nach milden Wintern zu
rechnen mit Temperaturen über -14° C.
Schaden: Saugschäden überwiegend an den Unterseiten der Altnadeln, wodurch diese zunächst gelb- oder braunfleckig werden.
Schadbild beginnt meist an den unteren, inneren Zweigpartien und
schreitet von innen nach außen sowie von unten nach oben fort.

Abb. 14-16: Saugschäden an Nadeln, Schadbild an Blaufichte, Sitkalaus mit auffälligen roten Augen im Detail

Weitere Informationen unter:
http://www.stadtentwicklung.berlin.de/pflanzenschutz/merkblaetter/index.shtml#stadtgruen

Weitergabe bitte nur im Original.

Pflanzenschutzamt Berlin, Grünes Blatt Berlin 03-2016 vom 07.04.2016

Seite 5 von 6

Brandkrustenpilz
Aktuell können frische Fruchtkörper des Brandkrustenpilzes Kretzschmaria deusta syn. Ustulina
deusta an befallenen Bäumen festgestellt werden.
Bei Baumkontrollen zum jetzigen Zeitpunkt sollte daher gezielt auf die eher unauffälligen und noch
weichen Fruchtkörper geachtet werden. Diese sind zunächst fast reinweiß und befinden sich häufig
zwischen den Stammanläufen. Mit zunehmender Dauer verdunkeln sie sich über Creme- bis Grautöne zu den typischen schwarzen, festen krustenartigen Gebilden, die dem Pilz seinen Namen geben.

Abb. 17: Brandkrustenpilz im Detail

Abb. 18: Frische Fruchtkörper des Brandkrustenpilz

Der Brandkrustenpilz zählt zu den aggressiven, wurzelbürtigen Pilzen, die eine rasche und umfangreiche Moderfäule in den Wurzeln und unteren Stammbereich erzeugt.
Befallene Bäume können trotz vital erscheinender Krone eine erhebliche Beeinträchtigung der Standund Bruchsicherheit erfahren. Daher sollten diese Bäume einer genaueren Untersuchung unterzogen
werden. Das Wirtsspektrum des Pilzes ist breit gefächert und umfasst u.a. typische Straßen- und
Parkbaumgattungen wie Ahorn, Linde, Rosskastanie, Buche oder Platane.
Rasenflächen regenerieren
Bei Rasenflächen, die schlecht durch
die Wintermonate gekommen sind, sollten die nächsten Wochen je nach Witterungsverlauf genutzt werden, um diese
durch entsprechende Maßnahmen für
die Saison vorzubereiten. Hierbei sollte
der alte Rasenfilz durch Vertikutieren
entfernt werden. Dies verringert einerseits Neuinfektionen mit Pilzkrankheiten, zum anderen bekommt die Graspflanze wieder mehr Sauerstoff an die
Wurzel, wodurch die Widerstandskraft
der Pflanze gegenüber Schadorganismen und Wildkräuter erhöht wird.
Abb. 19: Vermooste Rasenfläche nach dem Winter

Weitergabe bitte nur im Original.

Pflanzenschutzamt Berlin, Grünes Blatt Berlin 03-2016 vom 07.04.2016

Seite 6 von 6

Auch unerwünschte Konkurrenten des Rasens um Wasser und Nährstoffe wie Moose, Algen und
Wildkräuter werden hierbei reduziert.
Eine verdichtete Grasnarbe kann zusätzlich durch Aerifizieren belüftete werden. Hierzu eignen sich je
nach Größe der Rasenfläche spezielle Aerifiziergeräte die mittels sog. Hohlspoons ca. 10 cm tiefe
Löcher in Boden stechen. Kleinere Flächen können mittels einer Grabe- oder Heugabel belüftet werden. Bei dieser Maßnahme wird auch der Bildung von Hexenringen vorgebeugt, bzw. das Myzel bestehender Hexenringe, welche die Wasseraufnahme des Rasens deutlich beeinträchtigen, durchstochen.
Anschließend sollte der Rasen besandet werden. Hierzu eignet sich gewaschener Quarzsand mit einem hohen Fein- und Mittelsandanteil. Dies führt allgemein zu einer verbesserten Bodenstruktur,
welche die Rasenwurzeln anregt in tiefere Bodenschichten vorzudringen.
Bei kleineren Ausfallstellen im Rasen lohnt es sich die obere Schicht zu entfernen und mit sandigem
Substrat und Rasensaat (ca. 25-30 g/m2 Regenrationsmischung) wieder nachzusäen. Um bestmögliche Anwuchsergebnisse zu erzielen, sollte die Nachsaat die ersten 3-4 Wochen stets feucht gehalten
werden. Bei größeren Ausfallstellen bietet sich auch die Verlegung von Fertigrasen an.
Abhängig vom weiteren Witterungsverlauf sollte nach dem Rasenschnitt der Rasen eine Düngergabe
erhalten. Durch eine optimierte Nährstoffversorgung wird das Risiko von Pilzkrankheiten im Rasen
deutlich reduziert und eine gesunde, dichte Grasnarbe kann hierdurch entstehen.

Weitergabe bitte nur im Original.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.