Publication:
2019
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365792
Path:
Pflanzenschutzam t Berlin
Berliner Gartenbrief Nr. 07-2019

vom 21.05.2019

Pflanzenläuse haben sehr gute Entwicklungsbedingungen
Die Witterungsbedingungen -trocken und kühl verschaffen allen Pflanzenläusen einen Vorteil
im Vergleich zu ihren Gegenspielern, die erst unter höheren Temperaturbedingungen aktiver werden. So werden wir wahrscheinlich noch bis zum
Juli überall diverse Blattlaus-, Woll-, Schildlausund auch Galllaus-Arten
finden. Sofern die Nie-

Verkrüppelter Trieb nach Blattlausbefall an
Oregano

derschläge weiter ausbleiben, ist an stark be- Starker Blattlausbefall an
siedelten Pflanzen mit Freilandhibiskus
auffallender Honigtaubildung zu rechnen. Dies kann dazu führen, dass sich aufgrund der Ansiedlung mit Rußpilzen auf der klebrigen
Oberfläche der Blätter und Nadeln ein schwarzer Belag
entwickeln wird.
Durchaus kommen an einer Pflanzenart unterschiedliche
Laus-Arten vor. So kann man am Apfel neben SchildlausArten die Mehlige und Grüne Apfelblattlaus, Apfelgraslaus,
die Blutlaus und unterschiedliche Apfelfaltenlaus-Arten fin- Gallen nach Befall durch Läuse an Goldulme
den. Auch an Kräutern ist jetzt ein überdurchschnittlicher
Blattlausbefall vorhanden. Da die wärmeliebenden Kräuter
in den letzten Tagen wenig gewachsen sind, hat dieser Befall zur Folge, dass die Pflanzen deformierte Erscheinungen zeigen. Auch hier kommen sehr unterschiedliche Arten
vor, nicht allein über die Farbe kann eine Blattlausbestimmung erfolgen.
Blasen- und Gallaus-Arten sind an unterschiedlichen Gehölzen vorhanden. Auffallend z.Zt sind Blattgallen durch
Tetraneurum ulmi an Ulmen und nach wie vor Blasen an
Blättern von Johannisbeeren durch Läuse.
Meist kann ein starker Befall im Garten geduldet werden. Blutläuse an Apfeltrieb
An Kulturen, wo ganze Pflanzen durch den Befall deformiert und verkrüppelt werden, ist der Befall abzuschneiden oder auch abzuwaschen. Mittel auf Kaliseifenbasis können das Abwaschen der Läuse unterstützen. Im Ausnahmefall können Insektizide
Anwendung finden. Der Handel bietet für das richtige Einsatzgebiet bestimmte Mittel nach Beratung
an. Vor der Anwendung sind die Gebrauchsanleitungen zu lesen und die Hinweise dringend zu berücksichtigen.
Starker Blattlausbefall wird von Ameisen gepflegt und genutzt (Berliner Gartenbrief Nr. 06-2019).

Pflanzenschutzamt Berlin, Mohriner Allee 137, 12347 Berlin
Weitergabe bitte nur im Original.
E-Mail: pflanzenschutzamt@senuvk.berlin.de
Internet: www.berlin.de/senuvk/pflanzenschutz
Bildnachweis:© Pflanzenschutzamt Berlin

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Apfelwickler
Gefördert durch die hohen Temperaturen hat der Flug des Apfelwicklers begonnen. Die Eiablagen erfolgen in den nächsten Tagen und
Wochen, bevorzugt an windstillen, trockenen Abenden über 15 °C.
Mit Obstmadenfallen (Pheromonfallen) kann der spezielle Flughöhepunkt des Schädlings im eigenen Garten ermittelt werden. Die Fallen
dienen nur der Kontrolle, eine wirkungsvolle Bekämpfung ist hiermit
nicht möglich. Erfahrungen zeigen, dass bei 10 gefangenen Faltern
in der Woche bzw. stark ansteigenden Fangzahlen Gegenmaßnahmen empfehlenswert sind.
Für den Freizeitgarten ist das bewährte Apfelwickler-GranulosevirusPräparat (Handelsname „Madex Max“, „Carpovirusine“) zugelassen Vom Wickler befallener Apfel
(Stand Mai 2019). Es wirkt als reines Fraßgift über den Verdauungstrakt der Larven. Sofern eine Behandlung geplant ist, sollte man sich jetzt bemühen, das Mittel zu beschaffen, da es nicht überall im
Handel vorhanden ist.
Über den geeigneten Bekämpfungszeitpunkt informieren wir speziell.

Schneeballblattkäfer
Neben starkem Läusebefall sind auch in diesem Jahr die Schäden durch die Larven des
Schneeballblattkäfers deutlich zu sehen. Besonders an Gewöhnlichem Schneeball (Viburnum opulus)
sind die Blätter skelettiert. Die Larven stehen kurz vor der Verpuppung, sie zeigen die typische Färbung mit dunklen Warzen. Nach der Verpuppung im Boden schlüpfen die unscheinbar hellbraunen,
nur 5 mm großen Käfer. Sie sind sehr scheu, ihr Blatt- und Blütenfraß ist unbedeutend. Die Weibchen
legen im Herbst an den einjährigen verholzenden Triebspitzen ihre Eier ab.

Larven des Schneeballblattkäfers

Fraßschäden der Larven

Eigelege

Sofern es die Gehölzgröße zulässt, sollten jetzt die mit Larven befallenen Blätter abgesammelt und
vernichtet werden. Zusätzlich reduziert ein Rückschnitt der einjährigen Triebspitzen im Herbst den
Befallsdruck, weil dort die Blattkäferweibchen ihre Eier ablegen. Das ist an perlschnurartigen Gelegen
zu erkennen, die in zuvor genagte Löcher plaziert und mit Holzspänen verschlossen werden. Der
Rückschnitt hat keine Auswirkung auf die Blühfreude im nächsten Jahr, Knospen werden am
vorjährigen Holz angelegt.
Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die
Larven des Schneeballblattkäfers von solitär lebenden
Faltenwespen gesammelt werden. In hohle Stängel oder in
vorhandene Holzbohrgänge verbracht dienen sie als Futter für
die Wespenlarven. So ist es unter Berücksichtigung dieses
ökologischen Zusammenhangs durchaus vertretbar, dass auch
hier ein mäßiger Befall toleriert werden kann, denn die Schneebälle regenerieren sich im Allgemeinen mit dem Johannitrieb
wieder recht gut.
Schneeballblattkäferlarven
für Faltenwespenlarven

als

Futter
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Echter Mehltau an vielen Kulturen auf dem Vormarsch
Echter Mehltau an Apfel, Rosen,
diversen Stauden und auch an
Kräutern kann die Pflanzenentwicklung mindern. Ein dauerhafter Blattbefall durch diesen Pilz
führt
zum
Absterben
des
Gewebes. Trockenwarmes Wetter
mit Taubildung durch Tag/Nachttemperaturschwankungen
ist für die Entwicklung Echter
Mehltaupilze ideal.

Befall durch Echten Mehltau am Apfel

Echter Mehltau an Salbei

Sie benötigen im Gegensatz zu
den meisten anderen Blattpilzen
zum Auskeimen kein tropfbares
Wasser. Ganz im Gegenteil: Nässe bewirkt Schäden an den
Sporen, sie platzen auf.

Diese Pilzgruppe ist sehr wirtsspezifisch, jede Pflanzengattung hat meist ihren eigenen Echten Mehltau. Der Pilz ist nicht wirtswechselnd und überwintert an Knospen und Stängeln oder die Sporen werden mit dem Wind verdriftet. Echter Mehltau kann durch Pflanzenstärkungsmittel, Brühen und
Jauchen bei regelmäßiger Anwendung ganz gut unterdrückt werden. Dabei wird die Blattoberseite der
Blätter gefestigt bzw. auch der ph-Wert verändert, sodass die Sporen beim Keimen und Einwachsen
behindert werden. Vor der Behandlung sollten sehr stark befallene Pflanzenteile entfernt werden.
https://www.berlin.de/senuvk/pflanzenschutz/merkblaetter/de/download/pflanzenbruehen.pdf

Nochmals Frostschäden

Frostschaden an Erdbeerblüten

Frostschaden an Süßkirsche

Nachden bereits Mitte April örtlich Nachtfröste auftraten, sind am 5.
und am 15. Mai die Tietsttemperaturen nochmals Richtung
erfrorene Blätter an Kiwi
Gefrierpunkt gesunken.
Da der Austrieb empfindlicher Kulturen schon weit vorangeschritten war, sind u.a. an Kiwi und
Samthortensien deutliche Schäden sichtbar. Erdbeerblüten zeigen eine dunkle Mitte, auch der
Kirschenansatz hat je nach Entwicklungsstadium Schaden genommen. Sofern möglich sollte
abgestorbenes Gewebe ausgeputzt werden. Dadurch wird einer Infektion durch Grauschimmel
(Botrytis cinerea) vorgebeugt, die bei kühl-feuchtem Wetter auftreten kann und auch gesunde
Pflanzenteile befällt.

Weitergabe bitte nur im Original.

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Stauden mit Miniergängen auf den Blättern
Geranium, Potentilla (Staudenfingerkraut), Geum (Nelkenwurz), Trollius (Trollblume), Aquilegia (Akelei) und Lathyrus (Staudenwicke) zeigen immer wieder auffällige Miniergänge auf den Blättern. Teils
als flächige Platzmine, mitunter aber auch in bizarren Formen als mehrfach geschwungene Gangmine, es sind die „Kinderstuben“ von Minierfliegen und minierenden Blattwespen. Die Larven fressen
das Blattgewebe zwischen der oberen und unteren Epidermis, ohne diese zu zerstören. Dadurch sind
sie gut gegen Parasitoide und Fressfeinde geschützt. Die Verpuppung
erfolgt noch im Blatt oder erst im Boden. Teilweise wird noch eine zweite Generation gebildet.

Platzminen an Potentilla

Minierer an Lathyrus

Gangminen an Aquilegia

Der Befall reduziert zwar die Assimilationsfläche des Blattes, stellt aber meist nur eine optische Beeinträchtigung dar. Um den Befallsdruck zu mindern, können die Blätter mit den Larven über den Müll
entsorgt werden. Ein Rückschnitt im Sommer – außerhalb von Hitzeperioden – u. a. bei Geranium,
Geum und Potentilla ist sowieso angeraten, um Blattfleckenerreger zu beseitigen. Damit werden ein
gesunder Neuaustrieb und ein zweiter Flor gefördert.

Übrigens…
…was auf den ersten Blick an den Blättern von
Kaiserkronen wie ein Schneckenschaden aussieht, kann auch eine andere Ursache haben.
Löcher, abgefressene Blätter und dunkler Kot,
das können auch Lilienhähnchen hinterlassen.
Zurzeit sind immer noch die auffälligen roten Käfer zu finden, aber auch bereits in großer Anzahl
gesellig fressende Larven. Sie sind auch orangerot, tarnen sich aber höchst effektiv dadurch,
dass sie sich unter ihrem eigenem Kot verhüllt
vor Fressfeinden schützen und so eher wie
Nachtschnecken aussehen. Sie verursachen
massiven Blattfraß an Kaiserkronen, Lilien und
auch Schachbrettblumen. Nach einem Monat
verpuppen sie sich im Boden und bilden noch Käfer und Larven des Lilienhähnchens
eine zweite Generation in diesem Jahr.
Die Käfer können mit etwas Fingerspitzengefühl abgesammelt werden. Hierzu wird ein Gefäß gewählt, das man unter die befallenen Pflanzenteile hält und gleichzeitig von oben die Käfer hinein
klopft oder abfängt (Zweckentfremdete Suppenkellen sind dafür sehr praktisch!). Da die Käfer sich bei
Berührung sofort fallen lassen, gelangen sie sicher in das Gefäß und nicht auf den Boden. Dort sind
sie kaum wiederzufinden, weil sie sich auf den Rücken fallen lassen und ihr schwarzer Bauch sie gut
tarnt. Die Larven lassen sich leicht – mit Handschuhen – von den Blättern abstreifen.
Lilienhähnchen haben übrigens ihren Namen bekommen, weil sie helle, zirpende Töne ausstoßen,
wenn sie festgehalten werden.
Weitergabe bitte nur im Original.
                            
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