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Periodical volume

Full text: Berliner Gartenbrief Issue 2016,8

Pflanzenschutzamt Berlin
Berliner Gartenbrief Nr. 08

vom 18.05.2016

Wetterbedingte Trockenheit beheben
Die seit Frühjahrsbeginn äußerst geringen Niederschläge führten zu extremer Bodentrockenheit. Im
Mai war es zudem häufig sehr windig, was eine zusätzliche Austrocknung brachte. Besonders im
Nordosten Berlins und Brandenburgs zeigt sich in diesem wie in den letzten Jahren ein anhaltendes
Feuchtedefizit im Boden. Kommt es doch zu Niederschlägen, handelt es sich meist um Gewittergüsse, die nicht an Ort und Stelle in den Boden sickern, sondern oberflächlich abfließen. Das heißt für alle, die ihre Pflanzen gesund und vital erhalten wollen: intensiv wässern, also ordentlich ins Wassergeld zu „investieren“. Nicht nur Welke ist zu befürchten, auch eine äußerst schlechte Nährstoffaufnahme trotz guter Düngung geht damit einher. Dieser Nährstoffmangel kann sich insbesondere bei
Obst und Gemüse später in einer schlechten Fruchtqualität zeigen. So führt ein Mangel an Kalium
und Kalzium bei Äpfeln zur sogenannten Stippigkeit. Bormangel an Birnen bewirkt Steinfrüchtigkeit
und Kalziummangel an Tomaten führt zur Blütenendfäule. Es ist deshalb dringend geraten, jetzt und
in späteren trockenen Witterungsabschnitten ausreichend zusätzlich zu wässern.
Nicht täglich ein bisschen, sondern in größeren, der Witterung angepassten Zeitabständen
gründlich (durchdringend) und bedarfsgerecht wässern!
Bei häufigen und kurzen Wässerungsvorgängen besteht die Gefahr, dass sich feine Faserwurzeln nur
in einer geringen Tiefe bilden. Tritt dann eine Trockenphase ein, sterben diese relativ schnell ab und
die Wasserversorgung der Pflanze bricht zu zusammen. Ein Welken und Vertrocknen der Pflanze ist
die Folge.
Eine regelmäßige Bewässerung, besonders bei leichten Böden (sandige Böden), verursacht einen
Nährstofftransport in tiefere Bodenschichten. Dies ist für eine kontinuierliche Nährstoffversorgung der
Pflanzen wichtig.
Zudem sind Gehölze unter Trockenstress besonders attraktiv für Borken- und Splintkäfer.
Durch Trockenheit begünstigte Typische Schadsymptome:

Stippigkeit des Apfels

Steinfrüchtigkeit der
Birne

Pflanzenschutzamt Berlin, Mohriner Allee 137, 12347 Berlin
E-Mail: pflanzenschutzamt@senstadtum.berlin.de
Internet: www.stadtentwicklung.berlin.de/pflanzenschutz

Blütenendfäule an
Tomate

Borkenkäferbefall
hinter der Rinde

Weitergabe bitte nur im Original.

Bildnachweis:© Pflanzenschutzamt Berlin

Pflanzenschutzamt Berlin, Berliner Gartenbrief Nr. 06-2016

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Blattschäden durch gefräßige Larven an Lilien
Auf den Blättern verschiedener Liliengewächse wie Kaiserkrone, Tigerlilie
oder auch Schachbrettblume fallen
einzelne rote Käfer auf. Diese Lilienhähnchen gehören zu den Blattkäfern
und verursachen als schmutzigbraune
Larven enorme Schäden an den Lilien. Günstig ist es jetzt die in den
kühlen Morgenstunden bewegungsarmen Käfer von den Pflanzen in ein Käfer und Larvenschaden
Gefäß abzuklopfen. Große Schäden
entstehen an den Pflanzen durch die vom eigenen Kot umgebenen Larven. Eine Anwendung von
Pflanzenschutzmitteln gegen beißende Insekten ist im Allgemeinen nicht notwendig.
Kranke Rosen
Nach dem vergleichsweise milden Winter 2015/2016 behielten viele Rosen eine Vielzahl alter Blätter,
mit allen Krankheitssymptomen des vergangenen Jahres. Insbesondere Sternrußtau und Rosenrost
blieben so an anfälligen Sorten erhalten. Mit dem anfänglich kühlen und regenreichen Start ins Frühjahr wurden dann von diesen Infektionsherden aus zahlreiche Sporen gebildet, die alsbald für Neuinfektionen sorgten. In einigen Gärten ist es in den vergangenen Tagen mit Zunahme der Wärme nun
zu schlagartigem Ausbruch der Krankheiten gekommen, zum Teil sogar mit deutlichem Blattfall.
Schützende Spritzbehandlungen mit hierfür zugelassenen Pflanzenschutzmitteln sind jetzt nur sinnvoll, um die Krankheiten an weiterer Ausbreitung zu hindern. Eine „Gesundung“ befallener Blätter ist
nicht möglich. Ein aktuell starker Befall sollte jedoch später im Herbst Anlass sein, alle sichtbar befallenen Blätter von der Rose zu entfernen.

Rosenrost, Sporenlager an Rinde und Blattunterseite

Sternrußtau, Befallsbeginn und absterbendes Blatt

Auch die typischen Rosenschädlinge, wie verschiedene Blattwespen und andere Insektenlarven, haben an den frischen Rosenblättern bereits deutlich gefressen.

Symptome der Rosenrollblattwespe und andere Rosenblattwespen, typische Blattwespenlarve

Weitergabe bitte nur im Original.

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Durch andere Insektenlarven verursachte Schäden

Typisches Schadbild

Rosenwickler

Kleiner Frostspanner

Erdbeeren vor Grauschimmelinfektionen schützen
Kühles regenreiches Wetter während der Erdbeerblüte sorgt
nicht selten für umfangreiche Grauschimmelinfektionen.
Diese zeigen sich später sowohl an unreifen als auch an reifen Früchten. Unreife grüne Früchte zeigen in der Nähe der
Kelchblätter braune Flecken. Reifende Früchte werden
weichfaul und lassen hier den typischen grauen Pilzrasen
erkennen.
Um die Erdbeerblüten jetzt vor Infektionen zu schützen,
kann Stroh, Mulchfolie oder anderes Material (auch Holzwolle ist geeignet) auf den Boden zwischen die Erdbeerreihen
zwischen Grauschimmelfäule an
gelegt werden. Die Sporen der Grauschimmelfäule befinden Strohmulch
Erdbeerreihen
Erdbeerfrüchten
sich sowohl an alten abgestorbenen Blättern als auch in
oberen Bodenschichten.
Das in den letzten Jahren zunehmend „in Mode“ kommene Hochbeet
kann auch hier hilfreich sein. Erdbeerpflanzen können an den Rand
dieses Beetes gesetzt werden. Die
Früchte hängen dann frei und berühren keine Erde. Sollen nur wenige
Erdbeerpflanzen zum Naschen angebaut werden, sind auch Pflanzungen in Balkonkästen oder Ampeln
sinnvoll.

Weitergabe bitte nur im Original.

Pflanzenschutzamt Berlin, Berliner Gartenbrief Nr. 06-2016

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Buchtenfraß an diversen Pflanzenarten
Dickmaulrüßler (verschiedene Arten)
fressen jetzt an Blättern von Stauden
(Pfingstrosen, Bergenien, Farnen…), an
Gehölzen wie z. B. Kirschen, Liguster,
Rhododendron und besonders gern an
Pflanzen in Containern auf Terrassen
und Balkonen. Die Fraßschäden an den
Blättern sind auffällig, wirken sich aber
nicht negativ auf die Vitalität aus. Dagegen ist starker Larvenfraß von DickBuchtenfraß durch Dickmaulrüssler
an Zierkirschen
maulrüsslern im Wurzelbereich problematisch, weil neben der Reduktion der
Wurzeln pflanzenkrankmachende Pilze
in die Pflanzen eindringen. Deshalb ist
es jetzt wichtig, wo der Buchtenfraß auf- Zerstörung der Rinde und der
tritt, den Zustand der Pflanzen weiter zu Wurzeln durch Larvenfraß von
beobachten. Tritt ein Wachstumstop auf, Dickmaulrüsslern
oder Welkeerscheinungen, sogar Absterben von Pflanzenorganen, kann davon ausgegangen werden, dass an den Wurzeln gefressen wird.
Dickmaulrüssler fressen an
Über die dann notwendigen Maßnahmen können Sie sich weiter inPfingstrosen
formieren, unter:
http://www.stadtentwicklung.berlin.de/pflanzenschutz/merkblaetter/de/download/dickmaulruessler.pdf
Apfelmehltau – starke Primärinfektionen - Mehltauschnitt
Bereits jetzt sind vor allem an
den mehltauempfindlichen Apfelsorten die typischen Symptome erkennbar, teilweise trocknen
schon Triebe unter dem starken
Befall zurück. Die gegenwärtige
Witterung begünstigt diesen
Pilzbefall. Um die Weiterverbreitung im Baum einzugrenzen, ist
das Herausschneiden der befallenen Triebe jetzt empfehlens- Apfelmehltau am Frühjahrstrieb
wert (Mehltauschnitt).

Apfelmehltauinfektion an Blüten und erstem Laub

Verrieseln an Johannisbeeren
Besonders an frühblühenden Johannisbeeren ist erkennbar,
dass junge unentwickelte Beeren abgestoßen werden bzw. sich
nicht entwickeln (Verrieseln). Nur wenige Früchte werden bis
zur Ernte übrig bleiben. Ursachen dafür sind die kalten Tage
Ende April. Eine gleichmäßige Blütenentwicklung und Bestäubung war nicht möglich. Sollte diese Erscheinung wiederholt
auftreten, ist ein Sortenwechsel empfehlenswert.

Reduzierte Fruchtentwicklung an Johannisbeere durch Verrieseln
Weitergabe bitte nur im Original.
        
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