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Periodical volume

Full text: Berliner Gartenbrief Issue 2016,7

Pflanzenschutzamt Berlin
Berliner Gartenbrief Nr. 07

vom 04.05.2016

Wildkräuter oder Unkräuter - eine Frage der Funktion

Blühende Wiese mit Blumenzwiebeln
und Wildkräuter

Biene auf einer Löwenzahnblüte

Wildkräuter attraktiv im Frühling

Der milde Winter hat mit dazu beigetragen, dass besonders die mehrjährigen und herbstkeimenden
Arten reich blühen und dem noch kalten Wetter trotzen. Stadtweit sind die violetten Bestände der
Kleinen Taubnessel, gelbe Wiesen des Löwenzahns durchsetzt mit filigranem Schaumkraut, Gänseblümchen und Vogelmiere bzw. blauem Gundermann erkennbar. Hummel-und Bienen-Arten nutzen
diese reiche Frühjahrsblüte intensiv. Damit haben diese Wildkräuter zum jetzigen Zeitpunkt einen
sehr hohen Zierwert im Stadtgrün und Nutzen bei den Imkern.
Jeder Gärtner weiß aber, dass sich die benannten Wildkräuter in Gärten und Anlagen im Gegensatz zu den gärtnerischen Bepflanzungen in den nächsten Wochen unter trocknen und heißen Bedingungen wesentlich besser behaupten
werden. Sie produzieren nach dieser wunderbaren Blüte viele Samen, um ihre
Ausbreitung zu sichern. Der Sameneintrag durch verblühte Wildkräuter auf Kulturflächen ist unbedingt einzuschränken. Im Laufe des Jahres werden die Wildkräuter im Beet zur Konkurrenz der Kultur (Unkraut), auf Wegen und an Straßenrändern kann
es zusätzlich Probleme mit der Verkehrssicherungspflicht geben, z.B. begrenzte Nutzung von
Samenbildung am
Löwenzahn
Wegen, eingeschränkte Einsicht an Kreuzungen
und Qualitätsverluste durch Schäden am Belag.
Nach dem Blühen haben die Wildkräuter ihre Funktion zur Versorgung von Bienen und Hummeln und anderen blütenbesuchenden Insekten verloren. Rechtzeitiges Mähen verhindert den Sameneintrag
auf Flächen mit Gemüse, Stauden und im Rasen. Auch Ausstechen Werkzeug zur mechanischen
Beseitigung von Unkräutern
und Herausziehen mit geeigneten Werkzeugen kann zeitnah durchgeführt werden. Dem Etablieren von Unkräutern kann durch die Verwendung von wasserdurchlässigem Vlies (Unkrautvlies) bei Neupflanzungen gut entgegengewirkt werden. Über mehrere Jahre verhindert Vlies ein Anwachsen der Wurzelunkräuter.
Da das Vlies ein tiefes Einwurzeln verhindert, können auflaufende Unkräuter einfacher entfernt werden. Werden Flächen mit Wurzelunkräutern gründlich mit Vliesbahnen abgedeckt, stirbt das Unkraut
aufgrund Lichtmangel nicht nur ab, sondern wird
auch an der Ausbreitung gehindert.

Gehölzpflanzung mit Vlies

Rosenpflanzung mit
Vlies

Wildkräuter, die sich auf Wegen ausgesamt haben
und besonders zwischen Kleinsteinpflaster langfristig Probleme bereiten, sollten jetzt als Jungpflanzen rechtzeitig mechanisch oder auch thermisch

Pflanzenschutzamt Berlin, Mohriner Allee 137, 12347 Berlin
E-Mail: pflanzenschutzamt@senstadtum.berlin.de
Internet: www.stadtentwicklung.berlin.de/pflanzenschutz

Weitergabe bitte nur im Original.

Bildnachweis:© Pflanzenschutzamt Berlin

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entfernt werden, da ihre Wurzeln noch nicht vollständig entwickelt sind. Zur mechanischen und thermischen Behandlung von Unkräutern im Freizeitgarten bieten verschiedenen Firmen auch technische
Lösungen an.
Unkrautbekämpfung ohne Chemie
Auf Nichtkulturland, also Flächen die nicht gärtnerisch bewirtschaftet werden (z.B. Wege, versiegelte
Flächen), ist der Einsatz von Unkrautbekämpfungsmitteln und aller Produkte, die Unkraut abtöten, inklusive der sogenannten Hausmittel, verboten.
Fruchtschäden an Pflaumen zu erwarten, Pflaumensägewespe oder Taschenkrankheit
Die meisten Pflaumenbäume begannen mit der Blüte vor gut zwei Wochen. Sowohl zu Beginn der Blüte als auch in der letzten Woche gab es
erhebliche Niederschläge. Diese könnten in einigen Fällen zur Infektion
durch die Narren- oder Taschenkrankheit geführt haben. Aus der Praxis
ist bekannt, dass besonders noch unbefruchtete Blüten befallen werden.
Die typischen Symptome an den Früchten findet man jedoch erst deutlich
später. Solche deformierten Früchte sollten alsbald aus der Krone entfernt
und entsorgt werden. Sofern die Kronen der Bäume sehr dicht geworden
sind, ist auch ein Auslichten hilfreich, um in den nächsten Jahren Niederschläge rascher abtrocknen zu lassen und dadurch die Infektionsgefahr
deutlich herabzusetzen.
durch Taschenkrankheit
deformierte Früchte

Larve der Pflaumensägewespe in junger Frucht

Herrscht zur Blütezeit weitgehend windstilles, trockenes und warmes Wetter, kommt die Pflaumensägewespe zum „Zug“. Starker Befall tritt häufig
bei frühblühenden Mirabellen auf. Doch wegen des weitgehend kühlen,
windigen und nassen Wetters sind die zarten Sägewespen im Berliner
Raum bisher kaum geflogen.
Eine Bekämpfung ist ohnehin schwierig, da zur Zeit der Obstblüte keine
bienengefährlichen Insektizide eingesetzt werden dürfen.
Diese ca. 1 cm langen schwarzen Insekten mit gelblichen Beinen haben
keine für diese Insektenfamilie sonst typische „Wespentaille“. Sie legen ihre Eier an die Unterseite der Kelchblattzipfel der Blüten. Die nach wenigen
Tagen schlüpfenden Larven bohren sich in die gerade entstehende Frucht
ein. Sie fressen im Innern und wandern dann auf benachbarte Früchte. So
kann eine einzelne Larve ganze Blütenbüschel zerstören. Die noch recht
kleinen Früchte werden vom Baum abgestoßen. Sie weisen kleine
schwarze Bohrlöcher auf, aus denen dunkler feuchter Kot quillt, der recht
herb riecht. Ausgewachsene Larven lassen sich zu Boden fallen und verpuppen sich ca. 10 cm tief im Boden.

Birnen droht bei Regen Birnengitterrost

Aufgequollener Wacholderrost

Befall auf Birnenblättern
Weitergabe bitte nur im Original.

Sporenlager auf der Blattunterseite

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Die Infektion junger Birnenblätter erfolgt durch die Sporen des wirtswechselnden Wachholderrostes.
Zahlreiche Wacholderarten, insbesondere der Sadebaum (Juniperus sabina) und der Chinesische
Wacholder (J. chinensis) zeigen während feuchter Wetterlagen an ihren spindelförmig verdickten
Zweigen zahlreiche orangefarbene kleine Zäpfchen, die sich nach Niederschlägen zu gallertartigen
Gebilden auswachsen. Die dort gebildeten Sommersporen werden über 500 m und mehr mit dem
Wind verfrachtet. Sie infizieren zunächst optisch unbemerkt junge Birnenblätter. Erst im Juni werden
erste orangefarbene Flecken auf den Blättern der Birnen sichtbar.
Besonders die Regenfälle in der 15. Und 17. Kalenderwoche haben die Sporenbildung am Wacholder
stark ausgelöst. Um den Befall an den Birnen zu reduzieren, sollten frisch austreibende Birnbäume
durch Spritzbeläge zugelassener Pflanzenschutzmittel bis in den Mai hinein durch wiederholte Behandlungen geschützt werden (siehe auch Berliner Gartenbrief Nr. 5).
Kräuselkrankheit deutlich sichtbar
Die wiederholt recht kühle und niederschlagsreiche Witterung dieses Frühjahres hat vielerorts zu intensiven Infektionen durch die Kräuselkrankheit geführt. Dabei ist im Vergleich deutlich sichtbar, wie
anfällig einzelne Sorten sind. Zudem kann genau beobachtet werden, wer seine Pfirsichbäume und
Nektarinen zur Zeit des Knospenschwellens mit zugelassenen Fungiziden behandelt hat.

Starkbefall Pfirsich unbehandelt

von links nach rechts: behandelte Nektarine, robuster Pfirsich, resistenter Pfirsich

Pockenmilben stark „gestartet“

Schadbild Birnenpockenmilbe

Detailaufnahme Befall an Birne und Apfel

Nach dem weitgehend milden Winter war eine gute Überwinterung vor allem der in den Knospen gut
geschützten Gall- oder Pockenmilben absehbar. Doch wie stark sich der Befall nun konkret zeigt,
überrascht doch. Besonders an Birnen fällt an Jungbäumen und schwach wüchsigen Sorten ein beWeitergabe bitte nur im Original.

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merkenswert starker Befall auf. Diese Birnenpockenmilben zeigen sich in diesem Jahr auch vereinzelt
an Apfelblättern. Spritzbehandlungen sind zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr sinnvoll. Die befallenen
Birnen sollten aber im nächsten Frühjahr für eine Austriebsspritzung mit Rapsöl- oder Schwefelpräparaten vorgemerkt werden.

Angefressene und verkrüppelte Blätter am Kernobst
Apfelbäume beginnen mit der Blüte. Birnbäume haben fast abgeblüht. Viele Triebspitzen sind nicht
unversehrt, teils angefressen, teils verkrüppelt. Verantwortlich sind kleine Räupchen von Knospenwickler und Frostspanner, aber auch frisch geschlüpfte Blattsauger. Gegenmaßnahmen sind jetzt
kaum notwendig, da in der Regel genügend intakte Triebspitzen verbleiben.

Abbildung von links nach rechts: Befall durch Knospenwickler, Frostspanner und Blattsauger

Reduzierter Fruchtansatz zu befürchten
Kritisch zu bewerten ist der Befruchtungsgrad der Obstblüte. Die teils frostigen Temperaturen in den
Nächten der 17. Kalenderwoche haben vereinzelt Blütenfrost verursacht. Auch tagsüber stiegen die
Temperaturen kaum über 10°C, so dass insbesondere die Honigbienen kaum unterwegs waren. Die
gut „bepelzten“ Hummeln und einige Wildbienen haben aber wohl für ein Minimum an Befruchtung
gesorgt.
Die Johannisbeeren haben ebenfalls intensiv geblüht. Unzureichende Befruchtung bewirkt später ein
„Verrieseln“ einzelner Früchte.
Welke an Mandelbäumchen
Wie zu erwarten, hat die Monilia-Spitzendürre an frühblühenden
Zierkirschen und vor allem an den Mandelbäumchen zu intensiver
Zweigwelke geführt. Sobald das vollständige Ausmaß der Infektionen abgeschätzt werden kann, sollte beherzt zurückgeschnitten
werden, damit in der verbleibenden Vegetationszeit gesunde Neutriebe gebildet werden können. Hier bildet sich bis zum Herbst auch
ein guter Blütenansatz für das Folgejahr.

Weitergabe bitte nur im Original.
        
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