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Periodical volume

Full text: Berliner Gartenbrief Issue 2016,19

Pflanzenschutzamt Berlin
Berliner Gartenbrief Nr. 19

vom 25.10.2016

Unkraut jäten – jetzt sinnvoll
Der Regen in den letzten Tagen und der noch warme Boden regen viele Samenunkräuter an, weiter
zu wachsen, zu blühen und zu samen. Deshalb sollten Samenunkräuter jetzt auf jeden Fall noch entfernt werden. In milden Wintern wachsen diese Unkräuter ununterbrochen. Die bekannte Vogelmiere
keimt bereits ab 2 °C, bildet jährlich bis zu 15 000 Samen und die Keimfähigkeit der Samen im Boden
kann bis zu 50 Jahren anhalten.
Diese Überlebensstrategie kann
unter milden Witterungsbedingungen während der Wintermonate den Garten vollständig begrünen. Den Beeten mit Blumenzwiebeln, Erdbeeren u.a. werden
damit wertvolle Nährstoffe entzogen. Diese Unkräuter sollten nicht
über den Kompost entsorgt werden.
Blühende Vogelmiere in
Erdbeeren

Tulpenbeet mit Vogelmiere im
Frühjahr

Gemüseernte – was tun mit den „Resten“?
Das meiste ist bereits von
den Beeten abgeerntet. Nun
kommt die Zeit des Aufräumens und die Vorbereitung
für das neue Jahr. Deshalb
ist es jetzt sehr wichtig, unter
dem Gesichtspunkt gesunder Gemüsegarten 2017, die
Beete so vorzubereiten, dass
Krankheiten nicht überdauVerfaulte Tomaten und Kohlblätter auf
Gesunde Kohlwurzel zum
ern. Alle vertrockneten Restdem Gemüsebeet
Kompostieren
früchte, Blätter müssen vom
Beet entfernt werden. Auch Wurzelstrünke von Kohl-Arten und Salaten können – sofern sie gesund waren – über den Kompost beseitigt
werden.
Dagegen müssen welke, faulige Pflanzen und Früchte in den Biokomposter oder auch Hausmüll. Faule, matschige Pflanzenteile sind meist
mit bakteriellen oder auch pilzlichen Erregern infiziert, diese können
im Boden während der Wintermonate überleben und Pflanzen im
neuen Jahr besiedeln und krank machen. Diese Pathogene sind oftmals nicht spezifisch, sodass sie sich auf unterschiedlichen PflanzenVerpilzter Porree im Gemüselager muss ausgeputzt werden arten ausbreiten werden. Besonders Hochbeete, Frühbeetkästen und
der Gewächshausboden müssen besonders gut abgeräumt werden.
Trocken eingelagertes Erntegut von Wurzelgemüse, Kartoffeln und auch Kürbis kann frostfrei über
Wochen gelagert werden. Eine regelmäßige Kontrolle des Lagers ist unbedingt empfehlenswert, um
verschimmeltes, fauliges Gemüse schnellstmöglich entfernen zu können. Diese Pflanzenteile sind
nicht über den Kompost zu entsorgen, weil auch hieran bakterielle und pilzliche Krankheitserreger
überdauern.

Pflanzenschutzamt Berlin, Mohriner Allee 137, 12347 Berlin
E-Mail: pflanzenschutzamt@senstadtum.berlin.de
Internet: www.stadtentwicklung.berlin.de/pflanzenschutz

Weitergabe bitte nur im Original.
Bildnachweis:© Pflanzenschutzamt Berlin

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Zu überwinternde Kräuter ausputzen
Kräuter wie Minze-Arten, Schnittlauch,
Salbei und Lavendel sind in den letzten
Wochen von pilzlichen Erregern und von
Insekten wie Blattläuse und Zikaden besiedelt worden. Auch Majoranblätter zeigen Saugschäden durch Zikaden. Minzeblätter fallen ab, blattunterseits sind orangebraune Flecken durch Rostpilze erkennbar. Im Salbei und auch am Laven- Minze befallen mit
del ist ein Triebsterben möglich. Ursache Rostpilz
dafür ist der Grauschimmelpilz.
Sollen die Kräuter überwintert werden, ist
es jetzt unbedingt notwendig, befallene
Pflanzenteile zu entfernen. Die Kräuter
sind nach dem Schneiden trocken und
luftig aufzustellen. Empfindliche Arten
müssen auch vor Frost geschützt werden.
Die Pflanzen sollten möglichst im Ballen
trocken stehen, aber auch nicht austrockSchnittlauch befallen
nen.

durch Rostpilz - orange
Pusteln

Saugschäden durch Zikaden
an Origano

Abgestorbene Triebe nach Befall durch den Grauschimmelpilz an Lavendel

Walnüsse nach Befall durch die Walnussfruchtfliege waschen!
Schäden durch die Walnussfruchtfliegen konnten auch in diesem Jahr wieder überall in der Stadt festgestellt
werden. Die Früchte sind essbar, wenn
sofort nach der Ernte von den Nüssen
mit warmem Wasser oder auch mit
leichtem Druck z.B. mittels eines Kärchers die fest ansitzende schwarze
Haut entfernt wird. Danach sind die
gewaschenen Nüsse schnell und luftig Gewaschene, gesunde Walnüsse nach Befall durch
zu trocknen.
Walnussfruchtfliege

Mit Walnussfruchtfliege befallene Walnüsse zum Trocknen
nach dem Waschen

Schneckeneier suchen und vernichten
Jetzt sind überall im Garten besonders unter Holz, Mulch aber auch
unter Tontöpfen die weißen kugeligen 2 bis 3 mm großen Eier der
Wegschnecke zu finden. Bei frostfreiem Wetter beginnt bald der
Schlupf der Jungtiere, die sich dann in feuchten Verstecken bis zum
Frühjahr von organischer Substanz wie alten Blättern und Holzteilen
mit Flechten und Algen ernähren und weiterentwickeln werden. Um die
Schneckenpopulation für das nächste Frühjahr zu reduzieren, ist es
jetzt besonders wirksam, die Eigelege der Wegschnecken im Garten
zu finden und zu zerdrücken.
Vielzahl von Eiern der Wegschnecke nach dem Wegräumen von Kübeln

Weitergabe bitte nur im Original.

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Spezielle Schädlinge an Bambus
Bambus-Arten werden immer mehr in der Gartengestaltung genutzt, besonders auch im Kübel auf
Terrassen und Balkonen findet Bambus Verwendung. Auch am Bambus können Schadorganismen
Probleme bereiten, besonders in den ersten Jahren nach der Pflanzung treten bambusspezifische
Schädlinge auf. Deshalb ist es wichtig, nach der Pflanzung über mehrere Monate lang den Bambus
auf Befall zu kontrollieren. In den vergangenen Jahren waren besonders auffällig verschiedene
Spinnmilben-Arten, Bambusblattläuse sowie Schild- und Schmierläuse. An warmen, sonnigen Standorten entwickeln sich diese saugenden Organismen so gut, dass auffällige Schäden an den Halmen
und Blättern erkennbar werden.

Saugschäden der Gemeinen
Spinnmilbe an Bambus

Am Bambus lebende Spinnmilben-Arten
können unterschiedliche Symptome hervorrufen. Übliche Spinnmilben verursachen gleichmäßig über die Blätter verteilte Saugschäden mit Gespinsten. Die
bambusspezifischen Spinnmilben saugen
im Gegensatz dazu fleckartig. Es entstehen abgegrenzte chlorotische Saugflecken blattoberseits, blattunterseits sind Charakteristische Saugmehrere einzelne Minigespinste mit nur schäden durch die Bamwenigen Milben zu finden.
bus-Spinnmilbe

Die typische (hellgrün,
längliche)
Bambus-Blattlaus
ist meist blattunterseits zu finden. Der
abgegebene klebrige Honigtau ist
weiß, mineralisiert
und ist mit Wasser
kaum abwaschbar.
Schmierläuse findet man häufig in
Bambus- Deckelschildlaus
Bambushalm mit
Bambus-Blattlaus
den Blattachseln,
Wollläusen
auch hier kleben
die Pflanzen und Halme. Chlorotische Flecken an den Halmen werden von Deckelschildlaus-Arten
hervorgerufen. Diese zerstören durch Toxine die Zellen, sodass bei starkem Befall sämtliche Halme
absterben können. Es wird keine klebrige Substanz abgegeben.
Bei starkem Befall durch diese beschriebenen Schädlinge sollten zuerst Halme mit auffallenden
Symptomen herausgeschnitten werden. Anschließend ist mehrmals mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln im Abstand von einer Woche zu behandeln. Dabei sind die Gebrauchsanleitungen zu
beachten.

Weitergabe bitte nur im Original.
        
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