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Periodical volume

Full text: Berliner Gartenbrief Issue 2016,11

Pflanzenschutzamt Berlin
Berliner Gartenbrief Nr. 11

vom 29.06.2016

Fruchtmonilia Kirschen
Die ersten Süßkirschen sind reif. Doch leider haben die
wiederholten Niederschläge sortenweise zum Platzen der Früchte
und damit zu Infektionen durch die Monilia-Fruchtfäule geführt.
Auch für den Freizeitgärtner stehen zwar zugelassene
Pflanzenschutzmittel gegen Monilia-Fruchtfäule zur Verfügung. Es
handelt sich u.a. um ‚Teldor‘ und ‚Monizin-Obst-Pilzfrei‘. Ob
allerdings der Einsatz noch lohnt, muß im Einzelfall entschieden
werden. Die vorgeschriebene Wartezeit der Präparate beträgt 3
Tage bei Kirschen.

Verbranntes und vertrocknetes Pflanzengewebe

Hitzeschäden an Himbeeren, Astern, Kapuzienerkresse und Thuja

Das vergangene Wochenende hat vielerorts zu deutlich sichtbaren Hitzeschäden geführt. Trotz guter
Zusatzbewässerung besonders in den Gärten kam es an weichen Triebspitzen, jungen Blättern und
weichen Früchten zu regelrechten Verkochungen des pflanzlichen Gewebes.
Auffällig ist dies derzeit an Beerenobst, Stauden, Hortensien,
Gemüse und anderen krautigen Pflanzen.
Überkopfbewässerung mit kaltem Wasser in den Mittagsstunden verschärft die Schäden.
Zu den rekordverdächtigen Höchsttemperaturen kam eine
hohe Ozonbelastung hinzu. So zeigen sich besonders an
Thujahecken auf der sonnenabgewandten Nordseite der
Pflanzung gelbe Flecken. Diese Pflanzenteile verfärben sich
aufgrund des hohen Gehaltes an Ozon, da das Gewebe in
diesem Bereich besonders empfindlich ist.
Schäden durch unsachgemäße Bewässerung Pflanzen in Gefäßen und Kübeln haben besonders wegen der
Hitze im Wurzelraum Probleme. Feuchte und sehr warme
rung
Substrate begünstigen das Absterben der Feinwurzeln. Dies hat zur Folge, dass nicht ausreichend
Nährstoffe und Wasser von den Pflanzen aufgenommen werden können. Im Ergebnis werden ältere
Blätter zunehmend gelb und fallen ab. Besonders auffällig wird dies am Oleander und an der Engelstrompete. Exponierte Standorte auf Terrassen und Balkonen verschärfen die schwierigen Standort-

Pflanzenschutzamt Berlin, Mohriner Allee 137, 12347 Berlin
E-Mail: pflanzenschutzamt@senstadtum.berlin.de
Internet: www.stadtentwicklung.berlin.de/pflanzenschutz

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Bildnachweis:© Pflanzenschutzamt Berlin

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bedingungen, weil sich Bodenbelege extrem aufheizen können und bis in den Abend hinein große
Hitze abstrahlen.
Wenn auch die eine oder andere Pflanze ein Opfer dieses Sommers sein wird, so kann man auf die
große Regenerationsfähigkeit von Stauden und Gehölzen vertrauen. Dabei sollten jetzt folgende
Pflegemaßnahmen im Vordergrund stehen:

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ausgewogene Bodenfeuchtigkeit (viel hilft nicht viel: geschädigte Wurzeln können nicht so viel Wasser
aufnehmen, brauchen aber weiterhin Luft im Boden, um nicht abzusterben)
Rückschnitt abgestorbener Stauden, um pilzlichen Sekundärinfektionen vorzubeugen
keine Überkopfbewässerung, weil nasses Pflanzengewebe die Ausbreitung von Blatt- und Stängelälchen und pilzlichen Schaderregern fördert
akribisches Ausputzen verkochter, matschiger Beerenfrüchte (s.u.)
auch wenn man es gerne täte: nicht mehr düngen! Trotz Hitzeschaden müssen die Pflanzen zur Ruhe
kommen, um ausgereift den Winter gut zu überstehen.

Hohe Temperaturen verkürzen bei einigen Gehölzen die Blütezeit (Gartenhibiskus, Sommerflieder),
starker Sonnenschein lässt die Blütenfarben verblassen (Hortensien, Fingerkraut).

Wicklerbefall an Johannis- und Stachelbeeren

Heckenwickler : Schadbild an Blättern und Früchten, Larve und Falter (li Männchen re Weibchen)

Vereinzelt treten an Johannisbeeren und Stachelbeeren zusammengesponnene Blätter an den
Triebspitzen auf. Mitunter zeigen kleine Früchte dieser Sträucher faulende Früchte mit deutlichem
Bohrloch. Verursacher ist ein Kleinschmetterling aus der Gruppe der Wickler. Wahrscheinlich handelt
es sich um den Heckenwickler Archips rosana. Die Bekämpfung ist schwierig, da gegen die sich in
die Früchte einbohrenden Larven behandelt werden müßte. Die Wartezeiten evtl. Mittel sind jedoch
zu lang für eine solche Behandlung. Deshalb sollten alle deformierten Triebspitzen mit den noch
enthaltenen Wicklerraupen rechtzeitig entfernt werden, bevor sich die Räupchen in die Früchte
einbohren können.

Maulwurfgrille oder Wühlmaus
Im Garten welken während trockener Perioden
gesamte Jungbäume bzw. Sträucher, teilweise
sterben sie ab. In Gemüsebeeten wachsen junge
Bohnen, Kohlrabis auch Salat nur spärlich, welken
oder sterben ebenfalls. In den Beeten sind Gänge
erkennbar, beim Betreten sinkt man teilweise ein.
Diese Gänge entstehen nach der Wühltätigkeit
kurz unter der Oberfläche durch Wühlmäuse
(Schermäuse) oder auch durch die Maulwurfsgrille
Wühlmausgänge
Maulwurfsgrille - Werre
(Werre), die in einigen Teilen von Berlin verbreitet
ist. Eine genaue Zuordnung der Schäden ist erforderlich, um die richtigen Bekämpfungsmaßnahmen
durchführen zu können. Informationen auch unter:

Weitergabe bitte nur im Original.

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http://stadtentwicklung.berlin.de/pflanzenschutz/merkblaetter/de/download/wuehlmausbekaempfung.p
df
Mauswurfgrillen können mittels insektenpathogener Nematoden eingedämmt werden. Die Schäden
durch Wühlmäuse (Schermäuse) lassen sich durch das Wegfangen mit speziellen Fallen oder auch
durch die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln eingrenzen. Dabei sind unbedingt die Gebrauchsanleitungen einzuhalten.

Verschiedene auffällige Blattläuse mit Gegenspielern

Schwebfliegenlarve

räuberische Gallmückenlarven an Blattläusen
Blattläuse an Bohne und Oleander

Marienkäferlarve

Inzwischen sind die Blattläuse von ihren Gegenspielern an den meisten Kulturen aufgefressen
worden. Problematisch sind noch Schwarze Bohnenlaus, Mehlige Kohlblattlaus, Gelbe Oleanderlaus
oder spezifische Salbeiläuse. Jetzt ist es ratsam beim Herausputzen verkrüppelter Blätter die Larven
unserer „fleißigen Helfer“ wie Marienkäfer, Räuberische Gallmücken oder der Schwebfliegen zu
erhalten. Sollte noch ein sehr starker Befall an Blattläusen festzustellen sein, ist es empfehlesnwert,
diese zu zerdrücken bzw. die Kolonien mit Wasser abzuspülen.
Kohlschädlinge

Kohlschabe als kleiner Falter, Larve und Puppe an den Blattunterseiten

Bereits Ende Mai kam es in vielen Regionen zum erstaunlich starken Flug der ca. 10 Millimeter großen Kohlschabe, auch Kohlmotte Plutella xylostella genannt. Das in den vergangenen Jahren kaum
auffällige Insekt hat offenbar in diesem Jahr gute Entwicklungsbedingungen gefunden. Die ab Ende
Mai besonders an Kopfkohl, aber auch an Radies und Rettich abgelegten Eier sind Anfang Juni geschlüpft und zeigen sich zurzeit als kleine Räupchen blattunterseits. In den nächsten Tagen beginnen
die Larven sich unter einem zarten Gespinst zu verpuppen. Auffällig sind zahlreiche kleine Löcher im
Blatt oder auch nur „Schabespuren“ auf der Blattunterseite. Soweit die hellgrünen Larven oder die
silbrig-weiß eingesponnenen Puppen gefunden werden, sollten sie entfernt werden. Die recht kleinen
Motten können in warmen Sommern noch zwei weitere Faltergenerationen ausbilden.
Ebenfalls am Kohl entdeckt man etwas größere walzenförmige hellgrüne Raupen, die deutlich umfangreichere Löcher in die Blätter fressen. Hier handelt es sich um Larven der Gemüse- oder KohWeitergabe bitte nur im Original.

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leule, typischer Nachfalter. Auch diese Raupen, rechtzeitig entdeckt, entfernt man am besten durch
Absammeln.
Bereits als auffälliger weißer Tagfalter zeigen sich in nächster Zeit wahrscheinlich der Kohlweißlinge.
Der Große Kohlweißling legt seine Eier an die Kohlpflanzen in kleinen Gruppen. Deshalb beginnen
die schlüpfenden Räupchen auch anfangs „gesellig“ von der Eiablage aus zu fressen.
Mitunter findet man auch deutlich mit kleinen Löchern versehene Kohlblätter. Dafür sind die kleinen
Kohlerdflöhe verantwortlich.
Als typischer Kohlschädling gesellt sich in der Folge auch die Kohlmottenschildlaus dazu. Vereinzelt hat diese „Weiße Fliegen-Art“ auch schon an Kopf-und Grünkohl begonnen, ihre Eier kreisförmig
auf die Unterseiten der Blätter abzulegen. Eine Bekämpfung mit Pflanzenschutzmitteln ist im Freizeitgarten leider nicht mehr möglich (siehe nächster Abschnitt).
Wer im eigenen Garten Kohlgewächse anbauen will, sollte sich auf diese typischen Schädlinge einstellen und künftig den Einsatz spezieller engmaschiger Schutznetze einplanen. Unkräuter, wie z.B.
Schöllkraut, auf die sich die Mottenschildläuse zurückziehen, sollten aus dem Garten entfernt werden.
Überblick aktueller Kohlschädlinge

Kohleule, Larve und Falter

Kohlweißling, Larve und
Falter

Kohlerdfloh

Kohlmottenschildlaus, unten
Eiablage

Zulassungsänderung für Thiacloprid-Präparate
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat die Zulassung des Pflanzenschutzmittels ‚Bayer Garten Schädlingsfrei Calypso Perfekt AF‘ mit dem Wirkstoff Thiacloprid aufgrund von Neubewertungen der Rückstandshöchstmengen geändert. Für das Präparat gilt ab sofort:
Die Anwendung in Grünkohl ist nicht mehr zulässig.
Das bedeutet für die Bekämpfung der Kohlmottenschildlaus an Grünkohl, nur mechanische Bekämpfungsmethoden sind noch möglich, also rechtzeitiges Auflegen von Gemüseschutznetzen und Abspülen befallener Pflanzen mit Wasser vor dem Verzehr.
Apfelwicklerbekämpfung
Trotz des bislang schwachen Fluges dieses Schädlings muss auch in diesem Jahr wieder mit deutlichem Fruchtbefall gerechnet werden. Wer Wert
auf weitgehend madenfreies Obst legt, sollte mögliche Behandlungen jetzt
und ggf. Ende Juli wiederholen (siehe auch GB-Nr. 10).
Larve des Apfelwicklers

Hinweis in eigener Sache: Videotext Pflanzenschutz auf neuer Seite

Neue rbb Videotextseite 187

Aktuelle territorialbezogene Pflanzenschutzinformationen über Obstgehölze,
Gemüse, Zierpflanzen und Gehölze werden wöchentlich neu durch die Pflanzenschutzdienste Berlin und Brandenburg im rbb Videotext auf der Seite 187
veröffentlicht.
Weitergabe bitte nur im Original.
        
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