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Periodical volume

Full text: Berliner Gartenbrief Issue 2015,17

Pflanzenschutzamt Berlin
Berliner Gartenbrief Nr. 17
Geschädigte Tomatenfrüchte

vom 25.08.2015

Blütenendfäule

Grünkragen

geplatzte Tomaten

Tomaten sind zwar sonne- und wärmeliebende Pflanzen, aber auch sie leiden unter den extremen Witterungsbedingungen der letzten Wochen. Eine optimale Wasserversorgung war kaum möglich, ebenso keine ausgeglichene Nährstoffversorgung. Die Blütenendfäule, eine nichtparasitäre Krankheit, ist auf die Störung des Calcium-Stoffwechsels der Pflanzen zurückzuführen. Unten an den Früchten bildet sich eine deutlich schwarz verfärbte Stelle. Sobald Temperatur und Bodenfeuchte jetzt wieder ausgeglichener werden, reifen die Früchte normal aus. Calziummangel tritt auch an Äpfeln und Quitten auf: Die sortenabhängige Stippigkeit wurde unter Witterungsbedingungen der letzten Wochen begünstigt. Auch die Ausbildung von Grünkragen an Tomatenfrüchten ist der heißen Witterung geschuldet. Durch die schnelle Erwärmung kommt es zu Störungen während der Reife. Begünstigt wird diese Schädigung bei Kaliummangel. Die Grünkragenbildung ist zudem typisch für bestimmte Tomatensorten. Unter weniger extremen Witterungsbedingungen verliert sich die Grünkragenbildung. Geplatzte Früchte mit tiefen Rissen, häufig auch vom Fruchtstiel ausgehend, haben ihre Ursache in der intensiven Bewässerung nach Trockenheit. Die Platzfestigkeit einzelner Sorten ist sehr unterschiedlich. Verbranntes und vertrocknetes Pflanzengewebe Die vor zwei Monaten in unserem Gartenbrief Nr. 12-15 gemachten Aussagen zur Bodentrockenheit haben sich in den letzten Wochen weiter verschärft. Bis zum heutigen Tag hat es weniger als die Hälfte der durchschnittlichen Jahresniederschläge gegeben, und es sind schon fast acht Monate verstrichen! Die wenigen mm Anfang der Woche haben im Berliner Raum nur die oberen Bodenzentimeter leicht befeuchtet. Besonders deutlich zeigen viele Straßenbäume das Niederschlagsdefizit: Blattfall wie im Herbst. Aber auch Pflanzen im Freizeitgarten lassen die Blätter fallen. Ursache ist neben zu wenig und/oder falschem Gießen auch die hohe Sonnenintensität und die ungewöhnlich heißen Tage über rund drei Wochen sowie der Wind.

Hitzeschaden an Astern

Pflanzenschutzamt Berlin, Mohriner Allee 137, 12347 Berlin E-Mail: pflanzenschutzamt@senstadtum.berlin.de Internet: www.stadtentwicklung.berlin.de/pflanzenschutz

Weitergabe bitte nur im Original. Bildnachweis:© Pflanzenschutzamt Berlin

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An Rhododendron, Rosen u. a. zeigen sich Verbrennungen auf den Blättern. Beerenobst und Äpfel verkochen auf der Sonnenseite. Überkopfbewässerung mit kaltem Wasser in den Mittagsstunden verschärft die Schäden. Zu den rekordverdächtigen Höchsttemperaturen kam eine hohe Ozonbelastung hinzu. An Lebensbaumhecken zeigen sich besonders auf der sonnenabgewandten Nordseite der Pflanzung gelbe Flecken. Diese Pflanzenteile verfärben sich aufgrund des hohen Gehaltes an Ozon, da das Gewebe in diesem Bereich besonders empfindlich ist. Pflanzen in Gefäßen und Kübeln haben besonders wegen der Hitze im Wurzelraum Probleme. Feuchte und sehr warme Substrate begünstigen das Absterben der Feinwurzeln. Dies hat zur Folge, dass nicht ausreichend Nährstoffe und Wasser von den Pflanzen aufgenommen werden können. Im Ergebnis werden ältere Blätter zunehmend gelb und fallen ab. Besonders auffällig wird dies am Oleander und an der Engelstrompete. Exponierte Standorte auf Terrassen und Balkonen verschärfen die schwierigen Standortbedingungen, weil sich Bodenbelege extrem aufheizen können und bis in den Abend hinein große Hitze abstrahlen.

Sonnenbrand an Wildrose und Bambus

Ozonschaden an Lebensbaum

Die meisten der bei uns zur Zeit eingehenden Blattproben zeigen Schäden wegen der vorgenannten Gründe, es sind kaum pilzliche oder bakterielle Schaderreger am Werk, sodass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sinnlos wäre. Wenn auch die eine oder andere Pflanze ein Opfer dieses Sommers sein wird, so kann man auf die große Regenerationsfähigkeit von Stauden und Gehölzen vertrauen. Dabei sollten jetzt folgende Pflegemaßnahmen im Vordergrund stehen:      ausgewogene Bodenfeuchtigkeit (viel hilft nicht viel: geschädigte Wurzeln können nicht soviel Wasser aufnehmen, brauchen aber weiterhin Luft im Boden, um nicht abzusterben) Rückschnitt abgestorbener Stauden, um pilzlichen Sekundärinfektionen vorzubeugen keine Überkopfbewässerung, weil nasses Pflanzengewebe die Ausbreitung von Blatt- und Stängelälchen und pilzlichen Schaderregern fördert akribisches Ausputzen verkochter, matschiger Beerenfrüchte (s.u.) auch wenn man es gerne täte: nicht mehr düngen! Trotz Hitzeschaden müssen die Pflanzen zur Ruhe kommen, um ausgereift den Winter gut zu überstehen.

Hohe Temperaturen verkürzen bei einigen Gehölzen die Blütezeit (Gartenhibiskus, Sommerflieder), starker Sonnenschein lässt die Blütenfarben verblassen (Hortensien, Fingerkraut).

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Kirschessigfliegen auf dem Vormarsch In diesem Monat sind die Fangzahlen in den Fallen für die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) merklich gestiegen. An nicht abgeernteten Kirschen und an Brombeeren sind deutlich Befallsspuren zu erkennen: Kleine Löcher in den Früchten und eine Vielzahl von Maden, wenn man die Früchte liegen lässt, einfriert oder kocht. Eindeutiges Unterscheidungsmerkmal zu den üblichen Fruchtfliegen, die nur auf vergammeltes Obst gehen, sind die typischen Flügelzeichnungen der Männchen und die zwei Atemanhänge an den Puppen.

Männliche Kirschessigfliege

Befallene Kirschen

Puppen mit Atemanhängen

Für den Freizeitgartenbau stehen keine Pflanzenschutzmittel zur Verfügung. Daher ist es wichtig, mit Hygienemaßnahmen den Befallsdruck zu reduzieren. In erster Linie zählt dazu das konsequente Abpflücken aller Früchte. Die, die nicht mehr für den Verzehr geeignet sind, sollten in verschlossenen Tüten in den Hausmüll gegeben werden. Damit kann der hohen Vermehrungsrate ein wenig entgegen gewirkt werden. Bei sommerlichen Temperaturen entwickelt sich in nur 14Tagen die nächste Generation. Zum jetzigen Zeitpunkt hat sich die Gesamtpopulation soweit aufgebaut, dass Beerenobst wie Heidelbeeren, Tayberry, herbsttragende Himbeeren und Erdbeeren sowie Brombeeren merklich befallen werden. Kirschessigfliegen gehören zu den Taufliegen, bevorzugen daher eher nicht so trockene, heiße Habitate. Gut gepflegte, d.h. ausgelichtete und gut belüftete Beerenobstbestände ohne stehende Feuchtigkeit werden tendenziell von der Kirschessigfliege gemieden. Kirschessigfliegenfallen können Aufschluss darüber geben, ob und wie stark Befall vorliegt. Smoothiebecher mit Deckel werden rundum mit 5-8 Löchern versehen, Durchmesser 3 mm, die Fangflüssigkeit besteht je zur Hälfte aus Apfelessig und Wasser und einem Tropfen Spüli. Die Männchen sind an den typischen Flügelmalen zu erkennen. Da Männchen und Weibchen im Verhältnis 1:1 auftreten, ist dann von Befall im eigenen Garten auszugehen. Weitere Infos können Sie unserem Merkblatt entnehmen. Samenausbreitung von Wildkräutern jetzt unterbinden Samenausbildung von Wildkräutern jetzt unterbinden, das ist eine wesentliche Voraussetzung zur Dezimierung von Unkrautbewuchs im nächsten Jahr. Wer Wild- bzw. Unkräuter zum Verzehr verwendet, sollte die ungehinderte Ausbreitung vermeiden und sie nur dort dulden, wo sie vorgesehen sind. Blütenstände sind vor der Samenbildung zu entfernen, unkontrolliertes Ausbreiten der Ausläufer lässt sich mit Wurzel- / Rhizomsperren verhindern.
Gänsedistel mit vielen Blüten
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Kirschessigfliegenfalle

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Viele unserer Problemunkräuter sind ausdauernde Gewächse, die sich über Spross- und Wurzelausläufer vermehren (Stauden). Zusätzlich werden noch Samen gebildet. Lange Trockenperioden werden ohne Probleme überstanden. Im Herbst ziehen diese Arten ein, treiben im Frühjahr gut aus und durch den Samen vermehren sie sich zusätzlich. Deshalb sollten sie jetzt entfernt und besonders ihre Samenbildung unterbunden werden. Ansonsten breiten sie sich im nächsten Jahr problematisch aus. Die Hitze hat dazu geführt, dass die Samenbildung in diesem Jahr sehr reichlich ausfällt, weil alle Blüten ausreifen können. Zusätzlich ist zu beachten, dass die Samen lange im Boden überlebensfähig sind, z.B. Samen der Quecke sind im Boden noch nach 10 Jahren keimfähig.

Riesenbärenklau blühend Sauerampfer blühend

Giersch blühend

Beifuß blühend

Besonders in Gartenbeeten ist die benannte Überlebensstrategie der Staudenunkräuter zu beachten. Nicht nur das Aussamen muss reduziert werden, sondern auch die Wurzelausläufer sind unbedingt auszugraben. Samen- und Blütenstände, aber auch die gerodeten Wurzeln sind nicht über den Kompost zu entsorgen, da sie im Kompost überleben können. Der Aufwand zum Eleminieren älterer Bestände von Staudenunkräutern wie des Ackerschachtelhalms, von Riesenknöterich, Quecke und Giersch ist sehr hoch und muss kontinuierlich wiederholt werden. Auch sind benachbarte Flächen für den Eintrag von Unkräutern mit verantwortlich und es sollten Lösungen für die Eingrenzung der Problembestände gesucht werden. In der Tabelle sind einige Beispiele zur Art und Intensität der Ausbreitung wichtiger Staudenunkräuter benannt. Tabelle: Ausbreitungsart und Intensität von Staudenunkräutern (Beispiele)

Unkraut-Art
Ackerkratzdistel Ackerschachtelhalm Ackerwinde Bärenklau Beifuß Gänsedistel Giersch Große Brennnessel Hahnenfuß Horn-Sauerklee Löwenzahn Quecke Riesenknöterich Sauerampfer Wegerich-Arten

Vermehrungsform Ausläufer (vegetativ) Samen/Pflanze (generativ)
Wurzelausläufer Wurzelausläufer Stängelsprosse Wurzelausläufer Wurzelausläufer Wurzelausläufer Stängelsprosse Wurzelausläufer Wurzelausläufer Wurzelausläufer 1000 bis 5000 Sporen bis zu 500 bis zu 10 000 bis zu 300 6000 bis zu 5 000 bis zu 30 000 bis zu 500 bis zu 100 bis zu 5000 bis zu 50 bis zu 10 000 bis zu 1 500

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