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Periodical volume

Full text: Berliner Gartenbrief Issue 2015,16

Pflanzenschutzamt Berlin
Berliner Gartenbrief Nr. 16 vom 11.08.2015

Das außergewöhnliche Hochsommerwetter mit rekordverdächtigen Höchsttemperaturen knapp unter 40 °C und Tropennächten, die kaum fühlbare Abkühlung bringen, sind für Mensch und Tier eine große Belastung. Allerdings können die Zwei-, Vier- und Sechsbeiner aktiv versuchen, schattige Plätzchen aufzusuchen. Diese Möglichkeit bleibt den Pflanzen verwehrt, sie müssen Hitze, Trockenheit und Wind „vor Ort“ ertragen. Deshalb ist es wichtig, gerade jetzt die Gartenpflege den Witterungsbedingungen anzupassen: gießen möglichst in den frühen Morgenstunden nicht die Blätter benetzen, Tropfen wirken wie Brenngläser alle 2-3 Tage intensiv wässern, damit Wasser tief in den Boden eindringen kann; täglich wenig Wasser verdunstet schnell wieder bei sehr trockenem Boden mehrmals in Abständen gießen, damit das Wasser einsickern kann und nicht oberflächlich abläuft Bewässerungsanlagen nicht blind vertrauen, Funktionalität überprüfen nach dem Gießen prüfen, ob das ausreichend Wasser tief genug in den Boden eingedrungen ist nach dem Gießen freie Bodenfläche oberflächlich grubbern, durch die unterbrochene Kapillarität verringert sich die Verdunstung dünn aufgebrachtes Mulchmaterial (Rasenschnitt oder Häcksel) verringert die Verdunstung Stauden- und Gehölzrückschnitt möglichst verschieben, weil vorher beschattete Partien verbrennen, wenn sie plötzlich frei stehen Rasenschnitthöhe nicht unter 5-6 cm Kübelpflanzen ggf. zweimal am Tag mit temperiertem Wasser gießen, dabei darauf achten, dass sie nicht „ersaufen“, ggf. die (dunkle) Kübelaußenwand mit Leinen etc. schattieren, damit die Wurzeln nicht verkochen frisches Wasser in der (katzensicheren) Vogeltränke anbieten Und wer bei einem Blick vor die Haustür einen neu gepflanzten Straßenbaum entdeckt, kann ihm über die schwierige Phase der ersten fünf Jahre helfen: Einmal die Woche 100 Liter = 10 Eimer Wasser gießen, dabei auf einen intakten Gießrand achten. Das kostet nur 50 Cent, ein neuer Straßenbaum aber 1000,- €!

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Pflanzenschutzamt Berlin, Mohriner Allee 137, 12347 Berlin E-Mail: pflanzenschutzamt@senstadtum.berlin.de Internet: www.stadtentwicklung.berlin.de/pflanzenschutz

Weitergabe bitte nur im Original. Bildnachweis:© Pflanzenschutzamt Berlin

Pflanzenschutzamt Berlin, Berliner Gartenbrief Nr. 16-2015

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Aktuelle Auffälligkeiten am Wein Der Wein fühlt sich unter gegenwärtigen Witterungsbedingungen sehr wohl und hat an vielen Standorten bisher kaum Schadprobleme. Derzeit auffällig sind pockige Blätter mit konzentriert filzigem Belag auf der Unterseite, platzende Früchte mit weiß-mehligem Belag und Blätter mit Chlorosen oder roten Nekrosen.

Filzgallmilben am Wein – pockige Erhebungen blattoberseits

Filzgallmilben am Wein – Haarfilz blattunterseits

Die pockigen Blätter mit Haarfilz blattunterseits sind die Ergebnisse der Saugtätigkeit von Gallmilben beginnend mit dem Austrieb. Teilweise verfärben sich die Pocken noch rotbraun. Es kann ein mittelstarker Befall toleriert werden, da Raubmilben diese Gallmilben fressen. Die Blätter können am Weinstock verbleiben. Bei sehr starkem Befall ist im kommenden Frühjahr eine Austriebsspritzung zu empfehlen, da die Tiere in den Blattknospen überwintern (siehe Gartenbrief Nr. 3- 2015). Bei platzenden Früchten mit weißlichem Belag, der auch auf den Blättern blattoberseits wie -unterseits und auf den Stängeln festzustellen ist, handelt es sich um den Echten Mehltau. Er wurde in den letzten Wochen begünstigt durch aufeinanderfolgende warme, trockene Tage und relativ kühle Aufgeplatzte Früchte durch Nächte mit hoher Luftfeuchtigkeit. Echter Mehltau am Wein Echten Mehltau Beschädigte Trauben sind zu entfernen, um einen Fäulnisprozess zu vermeiden. Eine Bekämpfung mit Fungiziden ist zum derzeitigen Zeitpunkt nicht empfehlenswert. An Weinstöcken mit stärkerem Befall sind vorbeugende Maßnahmen in der nächsten Saison besonders zu berücksichtigen. An unempfindlichen Sorten ist der Befall kaum erkennbar. Chlorose, auch genannt Gelbsucht, am Wein und großflächige Blattverfärbungen haben ihre Ursachen häufig aufgrund fehlender bzw. unausgewogener Versorgung mit Kalium, Stickstoff und Eisen oder ein zu hoher Kalkge-halt und auch nichtoptimale Bodenverhältnisse. Diese Veränderungen können auch sortenspezifisch auftreten. Versorgung und Standort sollte kritisch betrachtet werden, um richtige Maßnahmen zu finden.

Nekrose an Rotwein durch Kaliummangel

Gelbsucht am Wein

Weitere Informationen zu Schadproblemen am Wein finden Sie in unserer Obstbroschüre: http://www.stadtentwicklung.berlin.de/pflanzenschutz/obst/download/06-Reben_Schadbildbrosch.pdf

Weitergabe bitte nur im Original.

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Blutläuse am Apfel An einigen Apfelsorten z.B. Gloster oder Goldparmäne treten konzentriert an Trieben, Blättern und Stammwunden watteähnliche Gebilde auf, in denen sich rotbraune Läuse befinden. Nach dem Zerdrücken entsteht ein blutfarbiAnschwellungen an Apfeltrieben nach Watteähnliche Ausscheidungen ger Saft (Namensge- Blutlausbefall durch Blutläuse am Apfel bung). Hierbei handelt es sich um BlutlausBefall, der sortenspezifisch sein kann und sich über mehrere Jahre aufbaut. Das Problem eines stärkeren Befalls ist nicht die Honigtauabgabe oder das Ansehen, sondern die Tiere scheiden beim Saugen toxischen Speichel ab, der zu wucherartigen Anschwellungen an Trieben und Schnittstellen führt. Dies kann Wachstumsstörungen zur Folge haben bzw. Astteile sterben ab. Vor Bekämpfungsmaßnahmen sollte geprüft werden, ob Parasiten die Blutläuse dezimieren. Man findet in den Blutlauskolonien schwarze Mumien mit Löchern. Die Larven der Blutlauszehrwespe mindern dauerhaft den Blutlaus-Befall. Sollte sich der Befall ausweiten, sind Blutlaus-Herde herauszuschneiden oder abzupinseln. Sofern das nicht ausreicht, kann ein Insektizid (zugelassen zur Blattlausbekämpfung im Kernobst, z.B. Spruzit) im Sommer angewendet werden. Dabei sind die Wartezeiten und Einsatzbedingungen unbedingt zu beachten und die Angebote einer Beratung zu nutzen.

Parasitierte Blutläuse erhalten!

Mispelwickler Erstmalig ist vereinzelt im Stadtgebiet der Mispelwickler (Ancylis tineana) an Felsenmispel (Cotoneaster sp.) aufgetreten. Die Raupen dieses unscheinbaren Falters verursachen einen Schabefraß an den Blättern, sodass nur noch das Blattgerippe übrig bleibt. Bei starkem Auftreten des Mispelwicklers ist ein Kahlfraß der befallenen Wirtspflanzen möglich. Die nur 10 mm langen Räupchen fallen erst bei genauerem Hinsehen auf, weil sie durch ihre gelblich-braun-grüne Färbung gut getarnt sind. Zuerst sieht man nur das zarte Gespinst. Der Befall tritt lokal eng begrenzt auf, sodass ein frühzeitiges Entfernen der befallenen Triebe durch Schnitt die effektivste Bekämpfungsmöglichkeit darstellt. Anschließend sollten die entnommenen Triebe über den Müll entsorgt werden.
eingesponnener Zweig

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Auffällige Miniergänge auf Staudenblättern

Platzminen auf Staudenfingerkraut

Gangminen auf Kugeldistel

Minen von minierenden Blattwespen

Geranium, Potentilla (Staudenfingerkraut), Geum (Nelkenwurz), Trollius und Staudenwicke zeigen jetzt im Hochsommer immer wieder auffällige Miniergänge auf den Blättern. Teils als flächige Platzmine, mitunter aber auch in bizarren Formen als mehrfach geschwungene Gangmine sind es die „Kinderstuben“ von Minierfliegen und minierenden Blattwespen. Teilweise handelt es sich bereits um die zweite Generation. Die Larven fressen das Blattgewebe zwischen der oberen und unteren Epidermis, ohne diese zu zerstören. Dadurch sind sie gut gegen Parasitoide und Fressfeinde geschützt. Die Verpuppung erfolgt noch im Blatt oder erst im Boden. Der Befall reduziert zwar die Assimilationsfläche des Blattes, stellt aber meist nur eine optische Beeinträchtigung dar. Um den Befallsdruck zu mindern, können die Blätter mit den Larven über den Müll entsorgt werden. Ein Rückschnitt im Sommer – außerhalb von Hitzeperioden – u.a. bei Geranium, Geum und Potentilla ist sowieso angeraten, um Blattfleckenerreger zu beseitigen. Damit werden ein gesunder Neuaustrieb und ein zweiter Flor gefördert.

Lorbeerblattfloh Der Trend zu mediterranen Pflanzen in Haus und Garten hält unvermindert an. Damit verbunden ist auch das Auftreten von Schädlingen, die in Südeuropa heimisch sind und bei uns überdauern können, wenn die Kübelpflanzen frostfrei überwintern. Der Lorbeerblattfloh fällt durch seine mit Wachsbüscheln bedeckten Larven auf. Durch ihre Saugtätigkeit rollen sich die Blattränder des Lorbeers ein und verdicken sich. Es entstehen gelb bis rötlich gefärbte Gallen, in denen die Eiablage erfolgt. Klebriger Honigtau überzieht die Blätter und es siedeln sich schwarze Rußtaupilze an. Der Bestand und vor allem zugekaufte Lorbeerpflanzen sollten akribisch und regelmäßig kontrolliert werden, um bei ersten Anzeichen durch Schnittmaßnahmen den Befall zu beseitigen.

deformierte Blätter durch den Lorbeerblattfloh

Weitergabe bitte nur im Original.
        
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