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Periodical volume

Full text: Berliner Gartenbrief Issue 2015,11

Pflanzenschutzamt Berlin
Berliner Gartenbrief Nr. 11 Einsatz von Bodennützlingen gegen Dickmaulrüssler
Besonders in Gärten mit zahlreichen immergrünen Gewächsen, wie z.B. Rhododendron, Kirschlorbeer, Eibe, Efeu und Spindelstrauch findet man in diesem Jahr bereits frische Blattschäden durch buchtenförmigen Fraß an Blatträndern und Nadeln. Die recht derben dunklen Käfer können zwar nicht fliegen, sind aber gute Läufer und Kletterer, sodass sie auch auf Terrassen und Balkone zuwandern. Die Blattschäden sind insgesamt eher eine optische Beeinträchtigung, die Pflanzen nehmen keinen ernsthaften Schaden. Ein ernst zunehmendes Problem ist die Fraßtätigkeit der Larven. Die Käfer legen ihre Eier am Wurzelhals der Wirtspflanzen ab. Sofort nach dem Schlupf beginnen die Larven zunächst an feinen Wurzeln zu fressen. Je älter sie werden, umso größer sind die Schäden an gröberen Wurzelteilen, am Wurzelhals und der unteren Stammbasis. Gehölze lassen trotz guter Versorgung die Blätter hängen. Durch eine derartige „Entwurzelung“ lassen sich Rosetten von Steinbrechpflanzen (Saxifraga) einfach vom Boden abheben. Die Larven höhlen auch Rhizome und Knollen aus wie z. B. von Begonien. Diese Schäden machen deutlich, dass eine Bekämpfung der Larvenstadien besonders wichtig ist, auch um den Entwicklungszyklus zu unterbre- Blattschaden an Rhododendron chen. Der letzte milde Winter und die frühzeitig hohen Temperaturen im April haben die Käfer zeitig aktiv werden lassen. Vielerorts wurden auch schon die sehr kleinen kugeligen Eier in obere Bodenschichten abgelegt, so dass jetzt mit den geschlüpften Engerlingen ähnlichen Larven gerechnet werden muss. Eine gute Möglichkeit der Bekämpfung ist der Einsatz „nützlicher“ Nematoden (Fadenwürmer) gegen die Larven im Boden. Hierbei kommen folgende Nematodenarten zum Einsatz: Heterorhabditis bacteriophora und Steinernema carpocapsae Diese Fadenwürmer werden im Gießverfahren ausgebracht, sie dringen im Boden in die Dickmaulrüsslerlarven ein und bringen sie zum Absterben. Diese Nematoden sind für Menschen und Haustiere völlig ungefährlich. Die notwendigen Bodentemperaturen von mindestens 12 °C sind weitgehend erreicht. Der Einsatz der Nematoden kann beginnen.
Dickmaulrüsslerlarve

vom 02.06.2015

Eine Bestellung der Nützlinge ist im Fachhandel oder im Internet für Flächen zwischen 10 und 100 m² möglich. Umgehend nach Erhalt sollten sie ausgebracht werden: dafür werden sie in Wasser gegeben und unter häufigem Umrühren mit der Gießkanne ausgebracht. Der Boden muss feucht sein und ohne Staunässe in den nächsten zwei Wochen feucht bleiben. Die Ausbringung sollte bei bedecktem Himmel erfolgen. Danach die Flächen wässern, um an Pflanzen anhaftende Nematoden in den Boden zu spülen.
Gefurchter Dickmaulrüssler

Pflanzenschutzamt Berlin, Mohriner Allee 137, 12347 Berlin E-Mail: pflanzenschutzamt@senstadtum.berlin.de Internet: www.stadtentwicklung.berlin.de/pflanzenschutz

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Bildnachweis:© Pflanzenschutzamt Berlin

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Im Herbst sollte die Behandlung wiederholt werden, bei sehr stark befallenen Flächen auch in den nächsten zwei Jahren jeweils im Frühjahr und Spätsommer. Ambitionierte Haus- und Kleingärtner können zusätzlich den Käferbefall reduzieren. Die Anwendung chemischer Pflanzenschutzmittel ist wenig erfolgversprechend. Da die Käfer dämmerungs- und nachtaktiv sind, können sie nach Sonnenuntergang abgeklopft und aufgesammelt werden. Unter Wirtspflanzen abgelegte Holzbretter oder große Rindenteile dienen als Tagesverstecke. Im Handel werden mit Nematoden-Gel versehene Fangbrettchen angeboten. Die Nematoden dringen in die sich unter dem Brett versteckenden Käfer ein und töten sie ab. Große Bedeutung kommt auch den vorbeugenden Maßnahmen zu. Eine genaue Kontrolle zugekaufter Ware, auch in Containern, ist wichtig, um frühzeitig die Larven festzustellen. Sie sind gelblich-weiß mit einer braunen Kopfkapsel, beinlos und bauchseits gekrümmt. Sie werden 8-10 mm groß. Von Nematoden befallene Larven nehmen eine braune Farbe an.

Langbeinige schwarze Läuse am Stamm alter Tannen
Baum-, Stamm-, Rindenläuse an Nadelgehölzen sorgen immer wieder für Aufregung, wenn ihre großen Kolonien nicht nur die Pflanzen, sondern auch Terrasse und Auto mit dem für Harz gehaltenen Honigtau beschmutzen. Zusätzlich störend sind die sich auf den Honigtaubelägen ansiedelnden Rußtaupilze. Sie beeinträchtigen das Aussehen der Pflanzen und können zum vorzeitigen Nadelabwurf durch Lichtentzug führen. Die starke Honigtauproduktion lockt außerdem Ameisen an. Die zuckerhaltigen Ausscheidungen werden aber auch von Honigbienen gesammelt und bilden die Grundlage für den Wald-, auch Tannenhonig. Die zur Familie Lachnidae gehörenden, dunkel gefärbten, auffallend bis zu 5 mm großen Tiere, werden häufig zunächst für Käfer gehalten. Ihr bevorzugter Aufenthaltsort an Stamm, Ästen und Zweigen ihrer Wirtspflanzen hat zu ihrem deutschen Namen geführt. Der Saftentzug, der durch das Besaugen der Zweige entsteht, ist in der Regel nicht so groß, dass eine Bekämpfung gerechtfertigt wäre. Cinara pilicornis Rindenläuse sind meist auf eine bestimmte Wirtspflanzengattung spezialisiert. An Fichten findet man häufig die Art Cinara pilicornis. Der durch sie verursachte Schaden ist meist gering und rechtfertigt nur selten eine Bekämpfung. Schizolachnus pineti tritt an Kiefern auf und besiedelt die Nadeln, die fleckig werden und abfallen können. An der Coloradotanne, Abies concolor, ist in den letzten Jahren vor allem die aus Nordamerika eingeschleppte Art Cinara curvipes auffällig. Nicht selten werden diese Läuse mit getopften Weihnachtsbäumen in den Garten eingeschleppt.

Cinara curvipes

Flug der Kirschfruchtfliege beginnt Sobald die Süßkirschen sich intensiv gelb färben, beginnen die Kirschfruchtliegen mit der Eiablage in die Früchte. Deshalb sollten jetzt Gelbtafeln in den Bäumen angebracht werden. Je Meter Baumhöhe sollte eine Falle aufgehängt werden. Hängen Sie die Leimfallen möglichst frei in die Sonne, nicht von Blättern abgedeckt. Der Befall wird hierdurch aber nur begrenzt eingeschränkt.

Kirschfruchtfliege

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Um den Befall durch Kirschfruchtfliegen so gering wie möglich zu halten, sollten alle Kirschen abgeerntet werden. Fallen madige Früchte alljährlich auf den Boden, kommt es im Laufe der Jahre zu einem enormen Anstieg des Befalls. Der Schädling überdauert als Puppe im Boden. Deshalb kann auch ein Auslegen von Vlies oder Tüchern unter dem Baum kurz vor der Reife hilfreich sein. Befallene Früchte fallen auf die Unterlage und können nach Ende der Ernte gezielt eingesammelt und entsorgt werden. Empfehlenswert ist das Abdecken der Baumscheibe mit Vlies oder engmaschigen Gemüseschutznetzen auch zur Zeit der beginnenden Fruchtbildung, um den Fliegenschlupf aus dem Boden zu unterbinden.

Gelbtafel im Süßkirschbaum

Pflaumensägewespe lässt kleine unreife Früchte fallen
Unter zahlreichen Pflaumen- und Mirabellenbäumen „rieseln“ derzeit kleine grüne Früchte mit einem kleinen Bohrloch, aus dem schwärzlicher feuchter Kot quillt. Gelegentlich findet man in den Früchten, die noch am Baum hängen, die weißlich bis bräunliche Larve der Pflaumensägewespe, der ein unangenehmer Wanzengeruch anhaftet. Das Schadbild der Sägewespe wird leicht mit dem, welches die später auftretende erste Generation des Pflaumenwicklers verursacht, verwechselt. Pflaumensägewespen sind kleine unscheinbare Insekten, die ihre Eier zur Blütezeit der Pflaumen an die Kelchblätter ablegen. Die frisch geschlüpfte Larve bohrt sich in die junge Frucht ein und frisst sie aus. Anschließend verlässt sie die Frucht durch ein zweites größeres Bohrloch. Dieser Vorgang wiederholt sich mehrmals. Eine Larve kann bis zu 6 Früchte zerstören. Nach Beendigung der Fraßaktivität verkriechen sich die Larven im Boden, um dort die Zeit bis zur Verpuppung im nächsten Frühjahr geschützt zu überdauern.
Schadbild der Pflaumensägewespe

Im Berliner Raum tritt die Pflaumensägewespe relativ stark und regelmäßig auf. 80 bis 100%iger Ausfall ist nicht selten. Aufgrund der Witterungsverhältnisse während der Blüte und des unterschiedlichen Blühverlaufes der einzelnen Sorten kann die Befallsstärke jedoch erheblich schwanken. Die kleinen Insekten sind gegenüber Witterungseinflüssen sehr empfindlich, so dass sich der Hauptflug und damit die Eiablage auf schöne Witterungsabschnitte konzentriert. Sorten, die zu einem solchen Zeitpunkt in Vollblüte stehen, werden daher verstärkt befallen. Eine Bekämpfung ist im Haus- und Kleingarten schwierig. Spritzbehandlungen gegen die Wespen müssten zur Blütezeit erfolgen, was zu Problemen mit dem Bienenschutz führen würde. Deshalb kann versucht werden, deutlich vor der Blüte die Baumscheibe mit Vlies, Folie oder engmaschigen Gemüseschutznetzen abzudecken, um die aus dem Boden schlüpfenden Insekten nicht zu den Früchten gelangen zu lassen. Der Einsatz von weißen beleimten Tafeln in der Blütezeit der Bäumen dient vorwiegend der Überwachung der Flugintensität, weniger der Bekämpfung der Wespen.

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Zeitige Reduzierung der Rhododendronzikade

Knospensterben am Rhododendron

Gelbgrüne Larven blattunterseits

Erste Larven dieses Schädlings findet man unmittelbar nach der Blüte an der Unterseite der neuen Blätter. Besonders bei Zunahme abgestorbener dunkler Rhododendronknospen (Knospensterben) können jetzt kurzfristig beleimte Gelbtafeln in die Sträucher gehängt werden. Bewegt man die Zweige einmal täglich, springen die Zikadenlarven auf und bleiben auf der Gelbtafel haften. Da die Gelbtafeln jedoch nicht nur Schädlinge sondern auch den einen oder anderen Nützling anlocken, sollten diese nur für wenige Tage in den Sträuchern erhalten bleiben. Der Einsatz von Insektiziden kann hierdurch eingeschränkt werden. Bekämpfungsmaßnahmen im Sommer gegen die erwachsenen Zikaden sind wenig sinnvoll, da die Eiablage in die Blütenknospen bereits erfolgt ist.

Pflaumenwicklerbekämpfung
Der Flug der 1.Schädlingsgeneration ist in vollem Gang. Die 2.Generation wird ab Mitte Juli erwartet. Im Klein- und Hausgarten sind derzeit keine Pflanzenschutzmittel zugelassen, so dass nur der rechtzeitige Einsatz spezieller Schlupfwespen in Betracht kommt. Wer diese Maßnahme plant, sollte alsbald bei Spezialfirmen diese Nützlinge bestellen:

Eine Bestellung dieser Nützlinge kann beispielsweise ab sofort erfolgen über: www.nuetzlinge-shop.de www.biologische-beratung.de http://www.gruenteam-versand.de/Trichogramma-Schlupfwespen-gegen-Apfel-undPflaumenwickler http://www.re-natur.de/online-shop/biologischer-pflanzenschutz/raupen-/obstmaden/trichogramma-obst-schlupfwespen-gegen-schadschmetterlinge-im-obst.html

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