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Full text: Berliner Gartenbrief (Rights reserved) Ausgabe 2013,26 (Rights reserved)

Pflanzenschutzamt Berlin Berliner Gartenbrief Nr. 26 Einsatz von Bodennützlingen gegen Dickmaulrüssler Buchtenförmiger Fraß an den Blatträndern zahlreicher Gehölze ist ein sicherer Hinweis auf die Fraßtätigkeit von Rüsselkäfern. Besonders der gefurchte Dickmaulrüssler verursacht auffällige Schäden u.a. an Rhododendron, Kirschlorbeer, Eibe, Efeu und Spindelstrauch. Die filigraneren Blattrandschäden an Flieder und Liguster entstehen durch verwandte Rüsselkäfer. Die Blattschäden sind insgesamt eher eine optische Beeinträchtigung, die Pflanzen nehmen keinen ernsthaften Schaden. Die Käfer können zwar nicht fliegen, sind aber gute Läufer und Kletterer, sodass sie auch auf Terrassen und Balkonen zuwandern. Blattschaden an Rhododendron Ein ernst zunehmendes Problem ist die Fraßtätigkeit der Larven. Die Käfer legen ihre Eier am Wurzelhals der Wirtspflanzen ab. Sofort nach dem Schlupf beginnen die Larven zunächst an feinen Wurzeln zu fressen. Je älter sie werden, umso größer sind die Schäden an gröberen Wurzelteilen, am Wurzelhals und der unteren Stammbasis. Gehölze lassen trotz guter Versorgung die Blätter hängen. Durch eine derartige „Entwurzelung“ lassen sich Rosetten von Steinbrechpflanzen (Saxifraga) einfach vom Boden abheben. Die Larven höhlen auch Rhizome und Knollen aus wie z. B. von Begonien. Diese Schäden machen deutlich, dass eine Bekämpfung der Larvenstadien besonders wichtig ist, auch um den Entwicklungszyklus zu unterbrechen. Eine bei richtiger Anwendung zuverlässige Bekämpfungsmöglichkeit ist seit Jahren der Einsatz von Nematoden (Heterorhabditis bacteriophora und Steinernema carpocapsae). Diese Fadenwürmer werden im Gießverfahren ausgebracht, sie dringen im Boden in die Dickmaulrüsslerlarven ein und bringen sie zum Absterben. Diese Nematoden sind für Menschen und Haustiere völlig ungefährlich. Zurzeit herrschen optimale Bedingungen für den Einsatz. Die nächste Generation Käferlarven ist vorhanden und die Bodentemperatur liegt über 12°C. Die Nematoden können im Fachhandel oder im Internet für Flächen zwischen 10 und 100 m² Dickmaulrüsslerlarve bestellt werden. Umgehend nach Erhalt sollten sie ausgebracht werden: dafür werden sie in Wasser gegeben und unter häufigem Umrühren mit der Gießkanne ausgebracht. Der Boden muss feucht sein und ohne Staunässe in den nächsten zwei Wochen feucht bleiben. Die Ausbringung sollte bei bedecktem Himmel erfolgen. Danach die Flächen wässern, um an Pflanzen anhaftende Nematoden in den Boden zu spülen. Im nächsten Frühjahr (Bodentemperatur über 12°C ab etwa Mitte April bis Ende Mai) sollte die Behandlung wiederholt werden, bei sehr stark befallenen Flächen auch in den nächsten zwei Jahren jeweils im Frühjahr und Spätsommer. Ambitionierte Haus- und Kleingärtner können zusätzlich den Käferbefall reduzieren. Die Anwendung chemischer Pflanzenschutzmittel ist wenig erfolgversprechend. Da die Käfer dämmerungs- und nachtaktiv sind, können sie nach Sonnenuntergang abgeklopft und aufgesammelt werden. Unter Wirtspflanzen abgelegte Holzbretter oder große Rindenteile dienen als Tagesverstecke. Gefurchter Dickmaulrüssler Pflanzenschutzamt Berlin, Mohriner Allee 137, 12347 Berlin E-Mail: pflanzenschutzamt@senstadtum.berlin.de Internet: www.stadtentwicklung.berlin.de/pflanzenschutz Bildnachweis:© Pflanzenschutzamt Berlin Die Weitergabe an Dritte, auch auszugsweise, ist nicht gestattet. vom 21.08.2013 Pflanzenschutzamt Berlin Seite 2 von 2 Im Handel werden mit Nematoden-Gel versehene Fangbrettchen angeboten. Die Nematoden dringen in die sich unter dem Brett versteckenden Käfer ein und töten sie ab. Große Bedeutung kommt auch den vorbeugenden Maßnahmen zu. Eine genaue Kontrolle zugekaufter Ware, auch in Containern, ist wichtig, um frühzeitig die Larven festzustellen. Sie sind gelblich-weiß mit einer braunen Kopfkapsel, beinlos und bauchseits gekrümmt. Sie werden 8-10 mm groß. Von Nematoden befallene Larven nehmen eine braune Farbe an. Ungebetene Gäste an Birken Dort, wo hohe alte Birken in unmittelbarer Nähe des Hauses stehen, kann es derzeit zur Belästigung durch Birkenwanzen kommen. Erwachsene Wanzen sind ca. 5-6 mm lang, breitoval und braun gefärbt. Auf Druck wird aus den Stinkdrüsen ein unangenehm herber Geruch abgegeben. Die kleineren Wanzenlarven saugen vorzugsweise an den Fruchtständen bzw. Blütenkätzchen der Birken. Ältere Wanzen saugen auch an den Blättern der Birke. Pflanzenschäden entstehen durch den Befall nicht. Insofern können Birkenwanzen nicht zu den Pflanzenschädlingen gerechnet werden, sie sind Lästlinge für die Anwohner. Da Birken in diesem Birkenwanze Jahr vielerorts einen sehr starken Samenansatz haben, bieten sie den Tieren ein üppiges Nahrungsangebot. Durch Wind werden die Tiere aus der Baumkrone geweht und sind anschließend im Garten oder auf Terrassen wiederzufinden. Die Wanzen überwintern als erwachsene Tiere in leeren Fruchtständen, in der Bodenstreu von Birken und Erlen. Im zeitigen Frühjahr werden die Birken wieder neu besiedelt. Die Eiablage erfolgt dann von April bis Juli. Kühle Nächte führen dazu, dass die Tiere an tagsüber erwärmten Hauswänden, Balkonen oder in Wohnungen Unterschlupf suchen. Um den Wanzen ein zu intensives Einwandern in die Wohnungen zu verwehren, können Gazefenster eingesetzt werden. Es ist nicht damit zu rechnen, dass in jedem Jahr eine derartige Invasion durch Birkenwanzen erfolgt.
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