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Periodical volume

Full text: Naturbewusstsein ... Issue 4.2015

Naturbewusstsein 2015
Bevölkerungsumfrage zu Natur und biologischer Vielfalt

Impressum
Herausgeber
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB)
Referat Öffentlichkeitsarbeit · 11055 Berlin
E-Mail: service@bmub.bund.de · Internet: www.bmub.bund.de
Bundesamt für Naturschutz (BfN)
Fachgebiet: I 2.2 – Naturschutz und Gesellschaft
Konstantinstraße 110 · 53179 Bonn
E-Mail: I2-Abteilung@bfn.de · Internet: www.bfn.de
Redaktion
Dr. Jonna Küchler-Krischun, Mira Nürnberg (BMUB, Referat N I 1), Dr. Christiane Schell (BfN, Abteilung I 2),
Prof. Dr. Karl-Heinz Erdmann (BfN, Fachgebiet: I 2.2), Andreas Wilhelm Mues (BfN, Fachgebiet: I 2.2)
Konzept und Projektbearbeitung
Projektleitung:
Dr. Christoph Schleer (SINUS-Institut)
Dr. Fritz Reusswig (Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung)
Projektteam:
Dr. Marc Calmbach und Tamina Hipp (SINUS-Institut)
In Zusammenarbeit mit:
Sociotrend GmbH (Unterstützung bei den statistischen Analysen)
Ipsos GmbH (Durchführung der Erhebung)
Unter fachlicher Begleitung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz,
Bau und Reaktorsicherheit (BMUB, Dr. Jonna Küchler-Krischun)
sowie des Bundesamtes für Naturschutz (BfN, Andreas Wilhelm Mues)
Förderkennzeichen dieser Studie
3514 82 3400
F+E-Vorhaben
Gestaltung
A Vitamin Kreativagentur GmbH, Berlin
www.avitamin.de
Druck
Silber Druck oHG, Niestetal
Bildnachweise
Titelseite: Bild „Storchensafari2“ von Klaus Günther, Bleckede
Seite 4: BMUB/Harald Franzen
Seite 6: Photothek/Ute Grabowsky
Stand
April 2016
1. Auflage
5.000 Exemplare
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Publikationsversand der Bundesregierung
Postfach 48 10 09 · 18132 Rostock
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Hinweis
Diese Publikation ist Teil der Öffentlichkeitsarbeit des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit.
Sie wird kostenlos abgegeben und ist nicht zum Verkauf bestimmt. Gedruckt auf Recyclingpapier.

Naturbewusstsein 2015 > Inhaltsverzeichnis

Inhalt
Vorworte  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .4
Zusammenfassung und Empfehlungen  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .8
1	Einführung .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .17
	

1.1	 Zielsetzung und Konzept .17
1.2	 Vorstellung der Sinus-Milieus  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .18
1.3	 Erläuterungen zur Broschüre  .22

2	Agrarlandschaften .24
	

2.1	Assoziationen zu Agrarlandschaften .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .24
2.2	Wahrgenommene Änderungen und Schutzgüter  .26
2.3	 Produktionsmethoden, Landwirtschaftspolitik und Gentechnik .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .31

3 	 Stadtnatur .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .42
	

3.1	 Stadtnatur: Verständnis und Bedeutsamkeit  .43
3.2 Z
 ugänglichkeit und Nutzungshäufigkeit von Stadtnatur,
Zufriedenheit mit innerstädtischer Natur  .48
3.3	 Gesellschaftliche Bedeutung von Stadtnatur .50
3.4	 Persönliche Bedeutung von Stadtnatur .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .54

4 	 Erneuerbare Energien und Landschaft  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .56
	

4.1	Energiewende .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .56
4.2	 Akzeptanz landschafts­verändernder Maßnahmen .59

5 	 Allgemeine Einstellungen zu Natur und Naturschutz  .61
	

5.1	 Persönliche Bedeutung von Natur .61
5.2	 Wahrnehmung von Naturgefährdung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
63
5.3	 Nachhaltige Nutzung und Schutz der Natur .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .65

6 	 Biologische Vielfalt .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .70
	

6.1	
6.2	
6.3	
6.4	

Bewusstsein für biologische Vielfalt: Gesamtindikator .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .71
Teilindikator: Wissen .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .72
Teilindikator: Einstellung .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .74
Teilindikator: Verhaltens­bereitschaft .78

Literatur  .80
Abbildungsverzeichnis .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .83
Tabellenverzeichnis  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .85
Grundauszählung  . 87
Fußnotenverzeichnis  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .102

3

Naturbewusstsein 2015 > Vorwort

Vorwort

Dr. Barbara Hendricks

Liebe Leserin, lieber Leser,
die Naturbewusstseinsstudie 2015 sendet ausgesprochen starke Signale der Bürgerinnen und Bürger in
Richtung Agrarpolitik. Natur- und Tierschutzfragen
in der Landwirtschaft spielen für einen Großteil der
Bevölkerung eine wichtige Rolle. 92 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, dass Landwirtinnen
und Landwirte die Auswirkungen ihres Tuns auf die
Natur stärker berücksichtigen sollen. Einer deutlichen
Mehrheit von 93 Prozent der Bürgerinnen und Bürger
ist es wichtig, dass bei der Lebensmittelproduktion
das Wohl der Tiere berücksichtigt wird. Dass unser
Umgang mit Nutztieren noch deutlich zu wünschen
übrig lässt, steht meines Erachtens außer Frage.
Tierhaltung geschieht zu häufig auf dicht gedrängtem Raum und beeinträchtigt den Naturhaushalt
erheblich – hier ist dringend eine Umkehr im Denken und Handeln erforderlich. Dass die Politik hier
stärker regulierend eingreifen sollte, dafür belegen
die Studienergebnisse einen starken Rückhalt in der
Bevölkerung.
Hochinteressant finde ich auch die Ergebnisse zum
Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft – ein
sehr aktuelles Thema. Auf Basis der vorliegenden
Befunde wird deutlich, dass sich in Deutschland eine
breite Mehrheit gegen Gentechnik positioniert. 79 Prozent sprechen sich gegen den Einsatz von gentechnisch
veränderten Futtermitteln aus, und 76 Prozent halten
es für wichtig, dass der Einsatz gentechnisch veränder-

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ter Organismen in der Landwirtschaft grundsätzlich
verboten wird. Der Ausbau des Konsums regionaler
Produkte sowie der Biolandwirtschaft wird dagegen
stark befürwortet. Diese Zahlen sprechen für eine
deutliche Haltung der Gesellschaft und bilden eine
gute Grundlage für Verbote jeglichen Einsatzes von
Gentechnik in der Lebensmittelproduktion.
Die Studie zeigt mit ihren Ergebnissen deutlich, wie
sich die Bürgerinnen und Bürger eine Landwirtschaft
vorstellen, die naturverträglich und ethisch vertretbar
ist. Etwa drei von vier Befragten wären dafür sogar
bereit, höhere Kosten in Kauf zu nehmen. Dies belegt
meiner Meinung nach, dass wir als Gesellschaft hier
zu einem Wandel bereit sind. Die Ergebnisse sind auch
Rückendeckung für die Umsetzung meiner „Naturschutz-Offensive 2020“; diese fordert eine deutliche
Änderung der Subventionspolitik und verstärkte
Anstrengungen für eine naturverträgliche Landbewirtschaftung. Denn die Landwirtschaft wird als
Hauptverursacherin des Rückgangs der biologischen
Vielfalt gesehen.
Für mich als Bundesumwelt- und Bundesbauministerin sind die Ergebnisse der Studie zur Stadtnatur
besonders wichtig, weil hier zwei Politikbereiche
zusammen kommen, die in meinem Ministerium
vereint sind. Durch die Naturbewusstseinsstudie 2015
erfahren wir erstmals in repräsentativ verlässlicher

Naturbewusstsein 2015 > Vorwort

Form, wie wichtig den Bürgerinnen und Bürgern
Naturräume innerhalb der Stadt sind. Das wird auch
Eingang in die aktuellen Diskussionen zum Thema
„Grün in der Stadt“ finden.
94 Prozent der Befragten sind der Meinung, Natur
sollte möglichst in allen Teilen der Stadt zugänglich
sein. Stadtnatur wird für einen Großteil der Menschen
mit Lebensqualität, Gesundheit, Erholung und Bewegung in Verbindung gebracht. Dabei ist es besonders
interessant, dass gerade die Einkommensschwächsten
und ältere Menschen das Angebot von städtischem
Naturraum überdurchschnittlich häufig nutzen.
Diese Menschen haben häufig weder das Privileg, ein
„Häuschen im Grünen“ zu besitzen, noch im Urlaub
„ins Grüne fahren“ zu können. Daher sind sie sehr viel
stärker auf städtische Naturangebote angewiesen.
Ein weiteres interessantes Ergebnis ist, dass die Bevölkerung über den Erholungs- und Freizeitwert von
Stadtnatur hinaus erkannt hat, dass städtische Naturräume wichtige Lebensräume für Tiere und Pflanzen
bilden und dem Klimaschutz und der Klimaanpassung dienen. Die Studie macht deutlich: Erhalt und
Förderung von Stadtnatur muss sowohl aus Gründen
des Natur- und Klimaschutzes als auch zur Sicherung
der Lebensqualität und der sozialen Gerechtigkeit eine
der Prioritäten der Stadtentwicklung werden.
Eine Erkenntnis der diesjährigen Studie eröffnet für
mich konkreten Handlungsbedarf: Die Zahlen spiegeln einen deutlichen Generationenunterschied im
Naturbewusstsein wider – bis zu 20 Prozentpunkte.
Die Gruppe der 18- bis 29-Jährigen scheint im Durchschnitt Naturschutzbelange anders wahrzunehmen
als die ältere Generation. Was bedeutet dieses Ergebnis
für gesamtgesellschaftliche Ziele wie Naturschutz
und das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung?
Wie kann für eine Generation, die in einem digitalisierten, technologisierten und verstädterten Zeitalter
aufwächst, Natur zielgruppengerecht und modern
erfahrbar gemacht werden? Gemeinsam und im
Austausch mit der jüngeren Generation möchten wir
darauf einen genaueren Blick werfen. Wir möchten
Jugendliche und junge Erwachsene mit ihren Ideen
zum Schutz der Natur aktiv einbeziehen und mit ihnen ins Gespräch kommen, denn der Naturschutz lebt
von gesellschaftlicher Zustimmung und Engagement
– und dafür sind alle Altersgruppen wichtig.

Mit der vorliegenden Naturbewusstseinsstudie 2015
halten Sie zum vierten Mal eine repräsentative, alle
zwei Jahre durchgeführte Umfrage zum gesellschaftlichen Bewusstsein über Natur, Naturschutz und biologische Vielfalt in den Händen. Die Naturbewusstseinsstudie wird gemeinsam vom Bundesministerium
für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit
(BMUB) sowie dem Bundesamt für Naturschutz (BfN)
herausgegeben.
Mit der Befragung von rund 2.000 zufällig ausgewählten Personen aus allen Teilen Deutschlands liefert die
Studie repräsentative und aussagekräftige Informationen, die sowohl für die Politik als auch für Unternehmen, für Wissenschaft und Naturschutzverbände von
großem Nutzen sind. Auf nationaler Ebene unterrichtet die Studie über den Stand des gesellschaftlichen
Bewusstseins für biologische Vielfalt – ein Ziel der
Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt. Auf
internationaler Ebene belegt sie für Deutschland die
Fortschritte bei der Umsetzung des Artikels 13 des
Übereinkommens der Vereinten Nationen über die
biologische Vielfalt; in dem Artikel geht es um Aufklärung und Bewusstseinsbildung.
In jeder neuen Naturbewusstseinsstudie werden
zusätzlich zu gleichbleibenden Fragen, die für die
Beobachtung zeitlicher Entwicklungen wichtig sind,
jeweils zwei neue Schwerpunkte aufgenommen, um
Raum für aktuelle Fragestellungen der Naturschutzpolitik zu haben. In der neuen Studie wurden erstmals
die Themen Stadtnatur und Agrarlandschaften
aufgenommen. Beides sind Themen, die auch eine
wichtige Rolle in der aktuellen „Naturschutz-Offensive 2020“ des BMUB spielen.
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre!

Dr. Barbara Hendricks
Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz,
Bau und Reaktorsicherheit

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Naturbewusstsein 2015 > Vorwort

Vorwort

Prof. Dr. Beate Jessel

Befragt über sein Verhältnis zur Natur, sagte Herr K.: „Ich würde gern mitunter aus dem Haus tretend ein
paar Bäume sehen. Besonders da sie durch ihr der Tages- und Jahreszeit entsprechendes Andersaussehen
einen so besonderen Grad von Realität erreichen. Auch verwirrt es uns in den Städten mit der Zeit, immer
nur Gebrauchsgegenstände zu sehen, Häuser und Bahnen, die unbewohnt leer, unbenutzt sinnlos wären.
Unsere eigentümliche Gesellschaftsordnung lässt uns ja auch die Menschen zu solchen Gebrauchsgegenständen zählen, und da haben Bäume wenigstens für mich, der ich kein Schreiner bin, etwas beruhigend
Selbständiges, von mir Absehendes, und ich hoffe sogar, sie haben selbst für die Schreiner einiges an sich,
was nicht verwertet werden kann.“ „Warum fahren Sie, wenn Sie Bäume sehen wollen, nicht einfach
manch­mal ins Freie?“ fragte man ihn. Herr K. antwortete erstaunt: „Ich habe gesagt, ich möchte sie
sehen aus dem Hause tretend.“
B. Brecht: Herr K. und die Natur

Liebe Leserin, lieber Leser,
das obige Zitat drückt meines Erachtens ganz wunderbar aus, was viele von uns bewegt, wenn sie an ihre
persönliche Naturbeziehung denken – insbesondere,
da die meisten Menschen ein Leben in der Stadt oder
in deren Umfeld führen. Die vorliegende Naturbewusstseinsstudie 2015 belegt die Bedeutung, die Menschen dem städtischen Naturerleben im unmittelbaren eigenen Lebensumfeld beimessen, mit handfesten
Zahlen. Bürgerinnen und Bürger in Deutschland wur­
den unter anderem danach gefragt, was denn Natur
in der Stadt für sie konkret bedeutet. Darauf antworteten 43 Prozent ganz spontan „Bäume“ – das ist die

6

zweithäufigste Assoziation zum Thema Stadtnatur
und somit ein „Schulterschluss“ mit dem oben zitierten Herrn K. Übertroffen wird die Nennung nur von
„Parks und öffentlichen Grünanlagen“ (63 Prozent der
Befragten). Stadtnatur ist den Menschen in Deutschland ein hohes Gut, 61 Prozent der Deutschen finden
es „sehr wichtig“, dass Natur möglichst in allen Teilen
einer Stadt zugänglich ist, weitere 33 Prozent finden
es „eher wichtig“. Weiterhin wurde nach der Bedeutung von allgemeinen Funktionen wie auch nach
der persönlichen Bedeutung von Stadtnatur gefragt.
Dabei zeigt sich, dass Stadtnatur auf übergeordneter

Naturbewusstsein 2015 > Vorwort

Ebene sowohl für das Wohlbefinden der hier lebenden
Menschen wie auch als Lebensraum für Tiere und
Pflanzen hohe Bedeutung beigemessen bekommt. In
persönlicher Hinsicht überwiegt bei den Befragten die
Rolle des Stadtgrüns für die eigene Lebensqualität, als
Raum für Erholung und Entspannung und in Bezug
auf die Gesundheit.
In der Naturbewusstseinsstudie 2015 wurde weiterhin zum ersten Mal detailliert untersucht, wie die
Bevölkerung in Deutschland die heimische Land­
wirtschaft und die Agrarlandschaften wahrnimmt.
Die Befragten äußerten großes Unbehagen gegenüber
der industrialisierten landwirtschaftlichen Produktion, insbesondere zum Einsatz chemischer Schädlings- und Unkrautbekämpfung sowie gentechnisch
veränderter Pflanzen. Zu vielen abgefragten agrarpolitischen Positionen haben die Menschen eine klare
Meinung. Beispielsweise befürwortet die Mehrheit
der Befragten ein zweigleisiges Vorgehen, das sowohl
strengere Regeln und Gesetze zum Schutz der Natur
als auch die finanzielle Förderung einer naturverträglichen Landwirtschaft umfasst.
Mit Blick auf die Agrarlandschaften äußert eine
Mehrheit der Deutschen, dass zahlreiche als typisch
empfundene Bestandteile, wie etwa Wildpflanzen
und Ackerwildkräuter, Bienen oder Schmetterlinge,
in den letzten zehn Jahren zurückgegangen sind. Es
sind allerdings vor allem die Älteren, die diese Veränderungen beobachten. Hier deutet sich an, dass den
jüngeren Generationen der Vergleich mit der Vielfalt
früherer Jahrzehnte fehlt und deshalb ein Rückgang
bei der Artenvielfalt als weniger gravierend wahrgenommen wird als von älteren Generationen.
Für besonders bemerkenswert halte ich zudem, dass
die aktuelle Naturbewusstseinsstudie 2015 durch
die Wahl der beschriebenen Schwerpunktthemen
„Stadtnatur“ und „Agrarlandschaften“ einen Unterschied im Naturbewusstsein zwischen den Menschen
in der Stadt und auf dem Land zu Tage gefördert hat,
der bisher nicht in dieser Deutlichkeit beobachtet
werden konnte. Die Landbevölkerung zeigt insgesamt
betrachtet eine höhere Sensibilisierung für den
fort­­schreitenden Verlust der biologischen Vielfalt in
den Agrarlandschaften und eine stärkere Überzeugung für eine naturnähere Landwirtschaft als Städte­
rinnen und Städter – sicherlich aufgrund ihrer Alltags­
erfahrung, die Menschen in den (Groß-)Städten in
dieser Form verschlossen bleibt. Parallel dazu zeigt

sich, dass mit steigender Bevölkerungszahl eines Ortes
„Stadtnatur“ als Naturerfahrungsraum immer größere
Bedeutung erlangt und eine wesentliche Form der
Interaktion mit Natur darstellt. Jedoch steigt die
Wertschätzung nicht in gleichem Maße! Insbesondere
in Großstädten mit über 500.000 Einwohnerinnen
und Einwohnern wird den Funktionen von Stadt­
natur sowohl grundsätzlich weniger Wichtigkeit als
auch weniger persönliche Bedeutung beigemessen
als in kleineren Städten. Diese Ergebnisse regen zum
Nachdenken an, insbesondere hinsichtlich der Faktoren, die zum Aufbau einer positiven Mensch-NaturBeziehung beitragen, welche als wichtige Basis für
eine Naturschutzorientierung gilt.
Abschließend möchte ich auf die Studienergebnisse
zur Umsetzung der Energiewende in Deutschland
hinweisen. Die Energiewende ist ein nationales
Großprojekt, das mit umfangreichen landschaftlichen und technischen Veränderungen einhergeht.
Schon in den früheren Naturbewusstseinsstudien
konnte gezeigt werden, dass die Bürgerinnen und
Bürger grundsätzlich hinter der Energiewende stehen.
Nachdem die Akzeptanz 2013 leicht auf 56 Prozent gesunken war, belegt die Naturbewusstseinsstudie 2015
wieder einen Anstieg auf 61 Prozent. Die Mehrheit der
Deutschen steht einer überwiegenden Versorgung mit
erneuerbaren Energien also grundsätzlich positiv gegenüber. Aus Naturschutzsicht hat der weitere Ausbau
allerdings unbedingt naturverträglich zu erfolgen,
nicht zuletzt damit diese hohe Akzeptanz erhalten
bleibt. Dazu gehört, dass Belange des Natur- und
Landschaftsschutzes bei den Planungen ernst genommen werden sowie frühzeitig und schlüssig in die
Entscheidungsfindung einfließen. Die betroffene Bevölkerung ist im Zuge transparenter Verfahren nicht
nur über die Konsequenzen der Maßnahmen für das
Landschaftsbild wie auch für den Arten- und Biotopschutz aufzuklären, sondern nach Möglichkeit aktiv
zu beteiligen. Dafür, wie solche Informations- und Beteiligungsprozesse zielgruppengerichtet ausgestaltet
werden können, vermag die Naturbewusstseinsstudie
zahlreiche Ansätze zu vermitteln.

Prof. Dr. Beate Jessel
Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz

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Naturbewusstsein 2015 > Zusammenfassung und Empfehlungen

Zusammenfassung und Empfehlungen
Agrarlandschaften
Das Thema Agrarlandschaften bildet zum ersten
Mal einen Schwerpunkt innerhalb der Naturbewusstseinsstudien. Untersucht wurde, wie die Menschen
in Deutschland Agrarlandschaften wahrnehmen und
welche Form der Landwirtschaft sie sich wünschen.
Die geäußerte Einschätzung der Bevölkerung, ob
ausgewählte natürliche Bestandteile der Agrarlandschaften in den letzten zehn Jahren eher zu- oder
abgenommen haben, oder ob sie gleich geblieben
sind, variiert. So gibt die Mehrheit etwa bei Bienen
und Wildpflanzen an, einen Rückgang bemerkt zu
haben. Bei Grünland und Vögeln wird hingegen eher
die Wahrnehmung einer Konstanz geäußert – was
im Widerspruch zu den vorliegenden Fakten steht
(vergleiche unter anderem BfN 2014 und Sudfeldt
et al. 2013). Ob die Abnahme von Bestandteilen der
Agrarlandschaft zur Kenntnis genommen wird oder
nicht, hängt sehr stark vom Alter ab: Es sind stets die
50- bis 65-Jährigen, die eine Abnahme am häufigsten,
und stets die unter 30-Jährigen, die dies am seltensten
äußern. Ähnliches zeigt sich bei der Frage nach dem
Schutzgutcharakter der Agrarlandschaftsbestandteile. Zwar herrscht grundsätzlich eine hohe Zustimmung – so geben im Bevölkerungsdurchschnitt
beispielsweise 65 Prozent an, dass sie es für sehr
wichtig halten, Vögel zu schützen. Aber auch hier ist
es durchgängig vor allem die Altersgruppe der 50- bis
65-Jährigen, die sich sehr deutlich für einen Schutz
ausspricht (Beispiel Vögel, Kategorie „sehr wichtig“:
73 Prozent), im Gegensatz zu den unter 30-Jährigen
(Vögel, Kategorie „sehr wichtig“: 54 Prozent). Frauen
betonen die Wichtigkeit des Schutzes der abgefragten
Agrarlandschaftsbestandteile zudem durchgängig
stärker als Männer, und auch bei Personen mit einem
mittleren Bildungsniveau lässt sich gegenüber Personen mit formal niedriger oder höherer Bildung eine
stärkere Sensibilisierung für die Schutzwürdigkeit
feststellen.
Die abgefragten Einstellungen zum Einfluss der Landwirtschaft auf die Natur und die biologische Vielfalt
geben sehr deutlich das Unbehagen der Bevölkerung
gegenüber der industrialisierten landwirtschaft­
lichen Produktion wieder. Am kritischsten wird die
chemische Schädlings- und Unkrautbekämpfung
gesehen: Im Bevölkerungsdurchschnitt sind 66 Pro­
zent der Meinung, dass entsprechende Verfahren der
Natur und der biologischen Vielfalt stark schaden,
weitere 25 Prozent sind tendenziell dieser Meinung.

8

In der Rangreihe der wahrgenommenen Gefährdung
folgen die kritische Sicht auf gentechnisch veränderte
Pflanzen (schaden stark: 45 Prozent, schaden etwas:
31 Prozent) und auf die Verwendung von Kunstdünger
(schadet stark: 35 Prozent, schadet etwas: 39 Prozent).
Dass auch die Ausbringung von herkömmlichem
Mist und Gülle eine Belastung des Naturhaushaltes
darstellen kann, wird von weniger Menschen benannt
(schadet stark: 13 Prozent, schadet etwas: 22 Prozent).
In der Einschätzung des Gefahren­potenzials ist in den
meisten Fällen das Alter der Befragten ein wichtiger
Faktor: Beispielsweise finden in der Altersgruppe der
50- bis 65-Jährigen 70 Prozent, dass die chemische
Schädlings- und Unkrautbekämpfung der Natur und
der biologischen Vielfalt stark schadet, aber nur 59
Prozent der unter 30-Jährigen sind dieser Meinung.
In der Naturbewusstseinsstudie 2015 bezieht die
Bevölkerung zu vielen abgefragten agrarpolitischen
Bereichen eine sehr klare Position. So spricht sich
beispielsweise eine große Mehrheit von 93 Prozent
dafür aus, dass bei der Haltung von Nutztieren deren
Wohl berücksichtigt werden muss (sehr wichtig:
65 Prozent, eher wichtig: 28 Prozent). Dass die Landwirtschaft bei Entscheidungen die Auswirkungen
ihres Handelns auf die Natur mit bedenkt, finden
64 Prozent sehr wichtig, weitere 28 Prozent zumindest
eher wichtig. Den Ausbau der Biolandwirtschaft befürworten 84 Prozent (sehr wichtig: 46 Prozent, eher
wichtig: 38 Prozent). Auch in diesem Fragenfeld spielt
das Alter eine Rolle. So halten beispielsweise nur
57 Prozent der unter 30-Jährigen die Beachtung des
Tierwohles für sehr wichtig, jedoch 74 Prozent der
50- bis 65-Jährigen. Bei einer Reihe agrarpolitischer
Aussagen nehmen Frauen zudem nennenswert häufiger eine naturschutznähere Position ein als Männer.
Weiterhin wurde die Bevölkerung nach ihrem Zu­
spruch zu konkreten agrarpolitischen Maßnahmen
befragt, die auf mehr Naturschutz in der Landwirtschaft abzielen. Obwohl 65 Prozent der Bevölkerung
voll und ganz oder tendenziell der Meinung sind, dass
mehr Naturschutz in der Landwirtschaft Nahrungsmittel deutlich teurer machen würde, und obwohl das
Kostenargument auch bei der Abfrage der politischen
Maßnahmen noch einmal in Erinnerung gerufen
wurde, belegt die vorliegende Studie für entsprechende
Maßnahmen einen hohen Rückhalt in der Bevölkerung. Konkret wird dabei die Unterstützung einer
Doppelstrategie deutlich: Die Mehrheit der Befragten
befürwortet sowohl strengere Regeln und Gesetze
zum Schutz der Natur (befürworte ich voll und ganz:

Naturbewusstsein 2015 > Zusammenfassung und Empfehlungen

45 Prozent, befürworte ich eher: 38 Prozent) als auch
die finanzielle Förderung einer naturverträglicheren
Landwirtschaft durch den Staat (befürworte ich voll
und ganz: 30 Prozent, befürworte ich eher: 44 Prozent).
Bei Frauen fällt die Zustimmung zu beiden Maßnahmentypen stärker aus als im Bevölkerungsdurchschnitt, unter 30-Jährige sind unterdurchschnittlich
häufig für strengere Regeln und Gesetze, formal
niedrig Gebildete unterdurchschnittlich häufig für
eine finanzielle Förderung. Einwohnerinnen und Einwohner von großen Großstädten (Einwohnerzahl: über
500.000) vertreten beide Maßnahmen mit weniger
Nachdruck, Bürgerinnen und Bürger kleinerer Gemeinden hingegen mit deutlich größerer Vehemenz,
insbesondere strengere Regeln und Gesetze.
Wie schon in den vorherigen Naturbewusstseinsstudien gezeigt werden konnte, ist in der Bevölkerung
eine hohe Ablehnung von Gentechnik in der Land­
wirtschaft vorhanden. Die aktuelle Naturbewusstseinsstudie liefert hierzu detailliertere Ergebnisse:
79 Prozent lehnen es voll und ganz oder zumindest
tendenziell ab, dass Nutztiere mit gentechnisch
veränderter Nahrung gefüttert werden, und 76 Prozent halten es für sehr wichtig oder zumindest eher
wichtig, dass gentechnisch veränderte Organismen
in der Landwirtschaft verboten werden. Allerdings
hat die Ablehnung gegenüber den vorherigen Studien
leicht abgenommen: 2009 haben sich noch 87 Prozent
der Bürgerinnen und Bürger für ein solches Verbot
ausgesprochen. Zudem zeigt die vorliegende Studie
in der jüngeren Generation der 18- bis 29-Jährigen
eine geringere Skepsis gegenüber Gentechnik als in
anderen Altersgruppen: 34 Prozent dieser Altersklasse
stimmen beispielsweise voll und ganz oder zumindest
eher zu, dass sie kein Problem damit hätten, gentechnisch veränderte Nahrung zu sich zu nehmen. Im
Bevölkerungsdurchschnitt geben dies nur 25 Prozent
an, in der Gruppe der über 65-Jährigen sogar nur
17 Prozent, und damit um die Hälfte weniger Menschen als in der jüngsten Befragungsgruppe. Männer
sehen den Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft zudem etwas weniger kritisch als Frauen.
In allen abgefragten Fragebereichen zum Thema
Agrarlandschaften lässt sich ein bedeutender Effekt
der Ortsgröße feststellen: Bewohnerinnen und Bewohner von kleineren Städten und Dörfern nehmen den
Verlust von Bestandteilen der Agrarlandschaften stärker wahr als die Bewohnerinnen und Bewohner von
großen Großstädten, sie schätzen die Schutzwürdigkeit
von Agrarlandschaftselementen höher ein, sind gegenüber den Verfahren der Landwirtschaft kritischer eingestellt, unterstützen die abgefragten agrarpolitischen
Maßnahmen für eine naturnähere Landwirtschaft mit
größerem Nachdruck und sehen auch den Einsatz von

Gentechnik in der Landwirtschaft mit größerer Skepsis. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen,
dass es einen grundlegenden Zusammenhang zwischen den Variablen Alter, Bildung und Ortsgröße gibt,
der in der Naturbewusstseinsstudie 2015 in den neuen
Themenfeldern „Agrarlandschaften“ und „Stadtnatur“
(siehe unten) zu Tage tritt: In kleineren Städten ist die
Altersgruppe der 50- bis 65-Jährigen in der Stichprobe
deutlich überrepräsentiert, in großen Großstädten ist
sie hingegen unterrepräsentiert. Ebenso verhält es sich
bei der Gruppe mit mittleren Bildungsabschlüssen: In
kleineren Städten ist sie überrepräsentiert, in großen
Großstädten unterrepräsentiert (siehe hierzu Kapitel 2
und Kapitel 3).

Empfehlungen:
Der grundsätzlich starke Rückhalt in der Bevölke­
rung für eine naturverträgliche Landwirtschaft
stellt einen gut begründeten Ausgangspunkt
für die konsequente Umsetzung entsprechender
agrarpolitischer Maßnahmen dar. Er ist ein starkes
Argument für die zügige Umsetzung der Naturschutz-Offensive 2020 des Bundesumweltministeriums (BMUB 2015 a), in der die Überprüfung der
EU-Agrarpolitik und die Förderung einer naturverträglicheren Landwirtschaft konkret thematisiert
werden. Für eine Politik, die mit konsequenter
Gesetzgebung und naturschutzorientierter Subventionierung den Agrarsektor in die Verantwortung nimmt, besteht ein hoher Rückhalt in der
Bevölkerung. Nur so kann eine naturverträglichere
Landwirtschaft entstehen, die das Tierwohl sichert,
die Biolandwirtschaft ausbaut und in der die biologische Vielfalt nachhaltig genutzt wird.
Die geäußerte Ablehnung der Gentechnik in der
Landwirtschaft durch die Bevölkerung gibt Anlass,
im Rahmen des politischen Handelns – neben dem
Vorsorgeprinzip gegenüber möglichen Risiken
und Beeinträchtigungen – das Risiko- und Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung stärker
zu beachten, auch auf EU- und internationaler
Ebene. Politik und Verbände haben die Aufgabe,
weiterhin den gesellschaftlichen Diskurs zum
Thema Gentechnik voranzutreiben und sachlich zu
informieren. Dabei wäre es erstrebenswert, nicht
nur naturwissenschaftliche Fakten in den Vordergrund zu stellen, sondern auch soziologische und
ökonomische Aspekte transparent zu machen. Vor
allem für die jüngere Generation, die einem Einsatz
von Gentechnik und dem Konsum gentechnisch
veränderter Lebensmittel weniger skeptisch gegenübersteht, ist es von großer Bedeutung, die ökologischen wie gesellschaftlichen Vor- und Nachteile

9

Naturbewusstsein 2015 > Zusammenfassung und Empfehlungen

der Gentechnik zu kennen und auch zu wissen,
wer von dieser Technologie profitiert und wer die
Lasten trägt.
Des Weiteren sollte in Zukunft noch stärker der
Zusammenhang zwischen Flächenschutz und
Tierwohl in den Vordergrund gerückt werden:
Grünlanderhaltung und eine artgerechte Tierhaltung gehen Hand in Hand.
Aber auch die Verbraucherinnen und Verbraucher
sind stärker in die Verantwortung zu nehmen.
Politik und Verbände können deutlicher aufzeigen, wie die sehr große Handlungsbereitschaft der
Verbraucherinnen und Verbraucher sowie ihre positiven Einstellungen zum Naturschutz in Einklang
mit ihrem tatsächlichen Handeln gebracht werden
können. Um den Bruch zwischen Einstellung und
Handeln zu verringern, ist es von großer Bedeutung, dass staatliche und nichtstaatliche Akteure
mit gutem Beispiel vorangehen und Impulse für
Alternativen zum herkömmlichen Konsum setzen.
Ein naturverträglicher Konsum kann darüber hinaus gefördert werden, indem Akteure der Lebensmittelindustrie sowie Discounter und Supermärkte
gezielt für den potenziell sehr großen Markt der
naturverträglichen Produkte sensibilisiert und bei
der Umgestaltung ihres Unternehmens beziehungsweise ihrer Produktpalette unterstützt werden.
Auch darf der Wunsch nach einer naturverträglicheren Landwirtschaft nicht auf Deutschland
beschränkt bleiben. Vielmehr ist gezielter darüber
zu informieren, dass Landwirtschaft und Konsum
auf lokaler wie globaler Ebene Fragen sozialer Ge­
rechtigkeit aufwerfen, die nicht nur Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland betreffen,
sondern natürliche Ressourcen global beanspruchen und schädigen sowie postkoloniale Strukturen stärken. Unter anderem ist hierbei die Überproduktion und Exportorientierung der nationalen
Fleischindustrie kritisch zu beleuchten.
Die Ergebnisse der Naturbewusstseinsstudie 2015
zeigen deutlich, welche Zielgruppen in Zukunft
vermehrt in den Fokus genommen werden sollten,
wenn es um die Sensibilisierung für die agrarwirtschaftlich bedingte Abnahme der biologischen
Vielfalt und die Sicherung und Stärkung von Naturräumen in Agrarlandschaften geht.
Der Generation der unter 30-Jährigen muss dabei
noch deutlich mehr Beachtung seitens der Natur­
schutzkommunikation geschenkt werden als

10

bisher. Mit Bezug auf die Aussage „Nur was man
kennt, das schützt man“ ist auf Basis der Studien­
ergebnisse davon auszugehen, dass den unter
30-Jährigen der Vergleich zu früheren Zeiten fehlt,
Veränderungen in den Agrarlandschaften seltener
bemerkt werden und somit weniger Bewusstsein
für die Notwendigkeit des Schutzes der biologischen Vielfalt in Agrarlandschaften ausgebildet
wurde. Auch die unkritischere Einstellung der
unter 30-Jährigen hinsichtlich des Status quo der
agrarindustriellen Produktion, beispielsweise
des Tierwohls oder des Einsatzes von Pestiziden,
stimmt nachdenklich.
Weiterhin sind die unterschiedlichen Einschätzungen der Stadt- und Landbevölkerung ausgesprochen auffällig, wobei davon ausgegangen
werden kann, dass die Landbevölkerung durch die
alltägliche Konfrontation mit der Agrarwirtschaft
„aus Erfahrung spricht“ und Einwohnerinnen und
Einwohner besonders von großen Großstädten ihre
Einstellungen auf Basis ihrer räumlichen und persönlichen Distanz zu Agrarlandschaften entwickelt
haben und entsprechend äußern.
Sowohl bei den unter 30-Jährigen als auch den
Bewohnerinnen und Bewohnern der großen Großstädte ist eine ausgeprägtere Distanz zur Natur
festzustellen. Für beide Gruppen sind fokussierte
und intensivere Informations- und Bildungsprogramme empfehlenswert, um die Zusammenhänge
zwischen Agrarproduktion und Naturschädigung
transparent zu machen, um persönliche Handlungsfähigkeit, beispielsweise durch das Einkaufsverhalten, zu stärken und um eine politische
Meinungsbildung zu einer naturverträglicheren
Ausrichtung der Agrarwirtschaft zu befördern.
Auch die grundsätzliche Förderung einer guten
Mensch-Natur-Beziehung durch frühe, positive
Naturerfahrungen ist sowohl bei Jüngeren als auch
bei Stadtbewohnerinnen und -bewohnern eine
naheliegende Empfehlung, damit für den Verlust
der biologischen Vielfalt und die Wichtigkeit der
Erhaltung der Natur ein Bewusstsein wachsen
kann. Einen guten Ansatz können hier beispielsweise generationenübergreifende Projekte bieten,
welche das Wissen und die Lebenserfahrung älterer
Menschen einbinden.

Naturbewusstsein 2015 > Zusammenfassung und Empfehlungen

Stadtnatur
Ein weiterer Bereich, der in der Naturbewusstseinsstudie 2015 erstmals intensiver betrachtet wurde, ist das
Thema Stadtnatur. Die offene Abfrage zum Thema
Stadtnatur, das heißt, was die Menschen in Deutschland unter Natur in der Stadt spontan verstehen,
macht deutlich: Stadtnatur wird vor allem räumlich
verstanden, 82 Prozent der Bevölkerung denken an
Parks und öffentliche Grünräume, 43 Prozent nennen
Gewässer, 37 Prozent Gärten. Vegetation stellt ebenfalls einen wichtigen Aspekt dar: 65 Prozent der
Be­völkerung hat selbige vor Augen, wobei Bäume
einen Großteil der Nennungen darstellen (43 Prozent).
Leistungen von Stadtnatur, die ein erfülltes, sprich
„gutes menschliches Leben“ befördern, werden
deutlich häufiger konkret genannt als bei der offenen
Abfrage zum Thema Agrarlandschaften. So denken
23 Prozent bei Stadtnatur spontan an Orte für Sport
und Bewegung, 17 Prozent nennen Lebensqualität und
Erholung und sieben Prozent Freizeitangebote im
weiteren Sinne. Ein gewisses Verständnis der Bevölkerung für darüber hinausgehende Ökosystemleistungen in der Stadt kommt darin zum Ausdruck, dass
sechs Prozent den Schutzgutcharakter der Stadtnatur
spontan assoziieren.
Bei der Bewertung der Wichtigkeit von ausgewählten
Bestandteilen der Stadtnatur zeigt sich im Einklang
mit den spontanen Assoziationen, dass die höchste
Bedeutung öffentlichen Parkanlagen (sehr wichtig:
80 Prozent, eher wichtig: 17 Prozent), Bäumen und
Pflanzen am Straßenrand (sehr wichtig: 70 Prozent,
eher wichtig: 24 Prozent) und Gewässern (sehr wichtig: 60 Prozent, eher wichtig: 33 Prozent) zukommt.
Die Bewertung einzelner Elemente von Stadtnatur
als „wichtig“ wird von Frauen, Menschen mit formal
mittlerem Bildungsniveau und Personen im Alter
zwischen 50 und 65 Jahren häufiger geäußert als
im Bevölkerungsdurchschnitt. Im Gegensatz dazu
bewerten Männer und Personen im Alter zwischen
18 und 29 Jahren die abgefragten Stadtnaturelemente
unterdurchschnittlich häufig als „wichtig“. Vergleichbar mit den Befunden zum Thema Agrarlandschaften
weist zudem die Ortsgröße einen Zusammenhang
zum Antwortverhalten auf: In Großstädten mit über
500.000 Einwohnerinnen und Einwohnern wird der
Natur in der Stadt zwar auch große Bedeutung beigemessen, im Vergleich zu anderen Ortsgrößen jedoch
von einem etwas geringeren Anteil der Personen (Beispiel „Wichtigkeit von Bäumen und Pflanzen am Straßenrand“: Einwohnerzahl über 500.000: 63 Prozent in
der Antwortkategorie „sehr wichtig“, Einwohnerzahl
100.000 bis 500.000: 77 Prozent in der Antwortkategorie „sehr wichtig“, Bevölkerungsdurchschnitt:
71 Prozent).

Stadtbrachen, also Orte spontaner und offener Naturentwicklung, treffen in der Naturbewusstseinsstudie 2015 auf Zuspruch: Die Mehrheit von 69 Prozent der
Bevölkerung befürwortet sich selbst überlassene Flächen
in der Stadt (voll und ganz dafür: 25 Prozent, eher
dafür: 44 Prozent). Es muss jedoch auch zur Kenntnis
genommen werden, dass 30 Prozent entsprechenden
Flächen in der Stadt ablehnend gegenüberstehen (eher
nicht dafür: 24 Prozent, gar nicht dafür: sechs Prozent).
Die Zugänglichkeit von Stadtnatur stellt sich als
wichtiges Anliegen der Menschen in Deutschland
heraus: 61 Prozent finden dies „sehr wichtig“, weitere
33 Prozent „eher wichtig“. Die hohe Bedeutsamkeit
der Zugänglichkeit wird dabei von Frauen, Personen, die 50 Jahre und älter sind, sowie Menschen mit
mittlerem Bildungsabschluss häufiger benannt als
im Bevölkerungsdurchschnitt. Personen, die jünger
als 30 Jahre sind, Männer und formal höher Gebildete
vertreten diese Position hingegen weniger stark. Im
Milieuvergleich zeigt sich, dass in den sozialen Milieus
der Hedonisten und Prekären weniger großer Wert
auf die Zugänglichkeit von innerstädtischer Natur
gelegt wird, während dies für Liberal-Intellektuelle
überdurchschnittlich häufig der Fall ist (sehr wichtig:
Hedonisten: 53 Prozent, Prekäre: 51 Prozent, Liberal-Intellektuelle: 75 Prozent).
Auch eine hohe Zufriedenheit mit dem Angebot
von Stadtnatur lässt sich ausmachen: Vier von fünf
Deutschen sind mit dem „grünen Angebot“ in ihrer
Stadt zufrieden (sehr zufrieden: 34 Prozent, eher zufrieden: 46 Prozent). Die hohe Zufriedenheit ist bei über
65-Jährigen stärker ausgeprägt als bei unter 30-Jährigen und bei Frauen stärker als bei Männern.
Die Nutzungshäufigkeit der Stadtnatur ist als hoch
zu bezeichnen: Neun Prozent der Bevölkerung geben
an, sie täglich zu nutzen, 30 Prozent mehrmals in
der Woche, weitere 34 Prozent zumindest mehrmals
im Monat. Ältere Personen über 65 Jahre, Frauen,
formal höher Gebildete und Menschen mit niedrigem
Einkommen nutzen das innerstädtische Naturangebot häufiger als der Bevölkerungsdurchschnitt, unter
30-Jährige und Personen im Alter von 50 bis 65 Jahren
sowie Männer hingegen weniger. Stadtnatur wird zudem mit steigender Größe des Ortes deutlich häufiger
aufgesucht. Beispielsweise nutzen in Wohnorten mit
20.000 bis 500.000 Einwohnerinnen und Einwohnern
38 Prozent die Natur in der Stadt täglich oder mehrmals in der Woche, in Städten mit mehr als 500.000
Einwohnerinnen und Einwohnern sind es 47 Prozent.
Die Fragen zur gesellschaftlichen Bedeutung von
Stadtnatur machen deutlich, dass die Menschen in
Deutschland Stadtnatur vor allem für das Wohlbe-

11

Naturbewusstsein 2015 > Zusammenfassung und Empfehlungen

finden der Bevölkerung für relevant halten (sehr
wichtig: 72 Prozent), gefolgt von der Bedeutung als
Lebensraum für Tiere und Pflanzen sowie für das
äußere Erscheinungsbild der Stadt (sehr wichtig:
jeweils 68 Prozent). Die ökonomische Bedeutung von
Stadtnatur als Argument für den Marktwert von
Grundstücken und Gebäuden findet weniger starken
Anklang (sehr wichtig: 41 Prozent). Mit Ausnahme des
ökonomischen Argumentes stimmen Personen mit
mittleren Bildungsabschlüssen, im Alter zwischen 50
und 65 Jahren und Frauen den abgefragten Funktionen von Stadtnatur stärker zu als der Durchschnitt,
Männer und unter 30-Jährige hingegen weniger stark.
Auch hier spielt wieder die Ortsgröße eine Rolle: In
Großstädten mit über 500.000 Einwohnerinnen und
Einwohnern wird die Wichtigkeit aller abgefragten
Funktionen von Stadtnatur am niedrigsten eingestuft. In den Lebenswelten der Sozialökologischen
und Liberal-Intellektuellen wird den verschiedenen
Funktionen von Stadtnatur die höchste Bedeutung
zugemessen, in den Lebenswelten der Prekären und
Hedonisten hingegen die niedrigste.
Die Ergebnisse der Studie zeigen darüber hinaus
die hohe persönliche Bedeutung, die Natur in der
Stadt für die Bürgerinnen und Bürger hat. So geben
92 Prozent an, dass Stadtnatur als Raum für Erholung
und Entspannung ihnen persönlich sehr wichtig oder
zumindest eher wichtig ist, und 91 Prozent betonen
die Rolle der Stadtnatur für ihre eigene Lebensqualität und ihre Gesundheit. Frauen, Personen mit
formal mittlerem Bildungsniveau und über 50-Jährige
schreiben der Natur in der Stadt zumeist eine höhere
persönliche Bedeutung zu als Männer, unter 30-Jährige und Personen mit formal niedrigem oder hohem
Bildungsniveau. Der Einfluss der Ortsgröße ist ebenfalls erkennbar: In Großstädten mit mehr als 500.000
Einwohnerinnen und Einwohnern wird der Natur in
der Stadt in allen abgefragten persönlichen Belangen
geringere Wertschätzung zuteil als in mittelgroßen
Städten (20.000 bis 100.000 Einwohnerinnen und
Einwohner).
Auch zeigen sich in der Wertschätzung von Stadtnatur große Unterschiede zwischen den verschiedenen
gesell­schaftlichen Milieus. In den sozial besser gestellten Milieus, wie etwa bei den Sozialökologischen oder
den Liberal-Intellektuellen, hat Stadtnatur beispielsweise eine sehr hohe Bedeutung für die Lebensqualität (sehr wichtig: 74 Prozent beziehungsweise 82 Prozent). In den sozial benachteiligten Milieus hingegen
wird Stadtnatur eine deutlich geringere Bedeutung
beigemessen: Im Prekären Milieu geben lediglich
49 Prozent an, dass Stadtnatur eine sehr wichtige
Rolle für die eigene Lebensqualität spielt, im Hedonistischen Milieu sogar nur 44 Prozent.

12

Empfehlungen:
Die große Bedeutung, die Stadtnatur für Menschen
hat, kann als Motivation dafür gesehen werden,
diese zu erhalten und weiter auszubauen. Neben
„typischen“ Elementen wie Stadtparks und Straßenbäumen sollten auch andere Ausformungen
wie Fassaden- und Dachbegrünungen vermehrt in
den Fokus rücken und ihre große Bedeutung für
das Wohlbefinden der Stadtbewohnerinnen und
Stadtbewohner anerkannt werden. Die vorliegenden Ergebnisse stützen entsprechende stadtplanerische Überlegungen und Maßnahmen sowie
die Honorierung und Förderung naturschutzorientierter gärtnerischer Arbeiten in der Stadt. In
diesem Zusammenhang sollten zur Förderung des
Naturbewusstseins in der Stadt auch Projekte wie
Urban Gardening und interkulturelle Gärten noch
stärkere Unterstützung finden.
Die Befunde der Naturbewusstseinsstudie 2015
bilden einen starken Rückhalt für die Naturschutz-Offensive 2020 des Bundesumweltministeriums, die unter anderem die Verbesserung der
Erhaltung und Erlebbarkeit der biologischen
Vielfalt in Städten und Kommunen zum Ziel hat.
Dass Stadtbrachen die Bevölkerung polarisieren
können, sollte bei Planungen stets mitgedacht
werden. Es ist daher sinnvoll, die Bevölkerung in
entsprechenden Fällen von Anfang an einzubinden
und ihre Wünsche und Bedenken ernst zu nehmen.
Ein besonderes Augenmerk sollte darauf liegen, den
Mehrwert von Stadtbrachen für Mensch und Natur
herauszustellen.
Die geäußerte Wertschätzung, aber auch die beobachteten Schichteneffekte machen deutlich, dass
Stadtnatur ein großes Potenzial für die Förderung
erfüllender, wertschätzender Mensch-Natur-Be­
ziehungen besitzt. Hierzu braucht es jedoch vor
allem für sozial schwächere Schichten sowie die
jüngeren Generationen niedrigschwellige Angebote, die ihnen die Begegnung mit Natur in der Stadt
ermöglichen. Ein möglicher Schwerpunkt könnte
darauf gelegt werden, den persönlichen Nutzen,
den ein Aufenthalt in der (Stadt-)Natur mit sich
bringt, zu verdeutlichen. Für sozial benachteiligte
Menschen kann dies etwa der kostenlose Erholungs- und Gesundheitseffekt mit der Familie und
mit Freunden sein, für die Generation der unter
30-Jährigen die Abwechslung, die Natur zum hektischen, von Technik geprägten Alltag bieten kann,
sowie die Möglichkeiten zu Sport und Bewegung.
Die Ergebnisse der Naturbewusstseinsstudie 2015

Naturbewusstsein 2015 > Zusammenfassung und Empfehlungen

belegen zudem, dass der Fokus entsprechender
Maßnahmen zunächst auf die Bewohnerinnen und
Bewohner der Großstädte gelegt werden sollte, die
in vielen Fragefeldern negativ vom Bevölkerungsdurchschnitt abweichen.

Energiewende
Nach einem leichten Rückgang der Werte in 2013
belegen die Ergebnisse der Naturbewusstseinsstudie
2015 wieder eine gestiegene Zustimmung zur Ener­
giewende: 61 Prozent der Bürgerinnen und Bürger
halten dieses gesellschaftliche Großprojekt hin zu
einer überwiegenden Versorgung aus erneuerbaren
Energien für richtig (2013: 56 Prozent, 2011: 63 Prozent). Die Gruppe derjenigen, die der Energiewende
unentschieden gegenüberstehen, ist mit 29 Prozent
Anteil an der Gesamtbevölkerung nahezu stabil zur
vorhergehenden Erhebung (2013: 30 Prozent, 2011:
26 Prozent). Die Gruppe der Energiewende-Gegner
bleibt mit sieben Prozent auch in 2015 eine Minder­
heit (2013: zehn Prozent, 2011: sechs Prozent).

im Meer und auf dem Land sowie durch Photovoltaikanlagen am deutlichsten unterstützt oder zumindest
akzeptiert, die Zustimmung hierfür bewegt sich insgesamt zwischen 80 und 74 Prozent. Im Mittelfeld rangiert die Zustimmung zur Ausweitung des Anbaus von
Energiepflanzen und zu Biogasanlagen (Antwortkategorie „das finde ich gut“ und „das würde ich akzeptieren“: Zustimmung zwischen 61 und 67 Prozent). Eine
Zunahme des Holzeinschlages in Wäldern (26 Prozent
Zustimmung beziehungsweise Akzeptanz) sowie der
weitere Ausbau des Hochspannungsnetzes (37 Prozent)
bleiben die unbeliebtesten möglichen Ausprägungen
einer Veränderung der Energiewirtschaft.
Ein höherer Bildungsgrad geht mit einer stärkeren
Befürwortung des Ausbaus von Windenergie und
Solaranlagen einher. In Gemeinden mit maximal
20.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist der
Anteil derjenigen, die eine mögliche Zunahme von
Windkraft auf dem Land unterstützen, deutlich unterrepräsentiert (Durchschnitt: 28 Prozent, Kleinstadt
mit 5.000 bis 20.000 Einwohnerinnen und Einwohnern: 20 Prozent, Dorf mit unter 5.000 Einwohnerinnen und Einwohnern: 13 Prozent).

Empfehlungen:
Nach wie vor zeigen sich erhebliche Unterschiede zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen Milieus.
Es sind vor allem die sozial besser Gestellten, die die
Energie­wende unterstützen, bei den gesellschaftlich
schlechter Situierten fällt die Zustimmung geringer
aus. Jedoch konnte die Energiewende gerade in der
letztgenannten Bevölkerungsgruppe zahlreiche neue
Unterstützerinnen und Unterstützer wieder- und
neugewinnen. Beispielsweise befanden im Milieu der
Prekären 2013 nur 33 Prozent die Energiewende für
richtig, 2015 stieg der Anteil auf 48 Prozent und liegt
damit wieder auf dem Niveau von 2011 (47 Prozent).
Das Milieu der Hedo­nisten zeigt mit einer Zustimmung von 51 Prozent im Jahr 2015 im Vergleich zu
den vorhergehenden Erhebungen einen nennenswerten Zuwachs (2011 und 2013: jeweils 45 Prozent).
Bemerkenswert ist auch, dass die Energiewende im
sozial gehobenen und naturschutzorientierten Milieu
der Sozialökologischen mit 74 Prozent zwar nach wie
vor mehrheitlich unterstützt wird, bei Betrachtung
des zeitlichen Verlaufs jedoch eine Abschwächung
eingetreten ist (Befürwortung in 2013: 81 Prozent, in
2011: 84 Prozent).
Die Zustimmung zu konkreten Maßnahmen der
Energiewende zeigt ähnliche Verteilungsmuster wie
in den vorhergehenden Erhebungen. Nach wie vor
werden der Ausbau und die damit einhergehende Veränderung der Landschaft durch Windenergieanlagen

Neben den anhaltenden ökonomischen Diskussionen um die Energiewende sollte in Zukunft
auch ihre gesellschaftliche Dimension vermehrt
einbezogen werden. Die Umwandlung des Energiesystems sollte verstärkt mit der Frage nach
sozialer Gerechtigkeit zusammengedacht werden,
und Bürgerinnen und Bürger sollten als Mit-Ge­
staltende und Partizipierende der Energiewende
verstanden werden: Gerade für die Angehörigen
weniger privilegierter Schichten stellt die Energiewende nach wie vor eine Kostenfrage dar, und auch
die konkrete Umsetzung von Maßnahmen vor Ort
kann ein Spannungsfeld darstellen, mit dem transparent umzugehen ist.
Weiterhin sind Bürgerinnen und Bürger ausführlich über die Zusammenhänge zwischen Naturschutz und Energiewende sowie über die Möglichkeiten und Chancen eines naturverträglichen
Ausbaus aufzuklären. Die Umsetzung der Energiewende ist ohne Zweifel im Sinne des Naturschutzes,
jedoch ist nicht jede Maßnahme in jedem Fall und
um jeden Preis angebracht. So sieht auch die Natur­
schutz-Offensive 2020 des Bundesumweltministeriums ausdrücklich vor, dass die Auswahl von
Standorten für Anlagen erneuerbarer Energie­
gewinnung im Sinne der Naturverträglichkeit
gesteuert wird.

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Naturbewusstsein 2015 > Zusammenfassung und Empfehlungen

Naturbeziehung und grundsätzliche
Naturschutzeinstellungen
Wie schon in den Vorgängerstudien gezeigt, wird der
persönlichen Naturbeziehung von einem Großteil
der Bevölkerung eine hohe Bedeutung beigemessen:
In der aktuellen Studie geben 94 Prozent an, dass die
Natur zu einem guten Leben dazu gehört (voll und
ganz: 69 Prozent, eher: 25 Prozent). 92 Prozent äußern,
dass es ihnen bei der Erziehung ihrer Kinder wichtig
ist oder wäre, diesen die Natur nahe zu bringen (voll
und ganz: 59 Prozent, eher: 33 Prozent), und 90 Prozent sagen, dass es sie glücklich macht, in der Natur
zu sein (voll und ganz: 55 Prozent, eher: 35 Prozent).
Allerdings zeigen sich – wenn auch auf hohem Niveau
– dennoch Unterschiede in einzelnen Bevölkerungsgruppen. So schätzen ältere Personen und Frauen ein
Leben in und mit der Natur im Allgemeinen stärker
als jüngere Personen und Männer. Zudem äußern
auch Personen mit formal mittlerem Bildungsniveau eine etwas stärkere Naturverbundenheit. Große
Unterschiede in der Bedeutung, die der Natur für das
eigene Leben und Wohlbefinden beigemessen wird,
finden sich bei einem Blick auf die verschiedenen
sozialen Milieus. Beispielsweise stimmen in den sozial
benachteiligten Milieus der Prekären und Hedonisten
jeweils nur die Hälfte der Menschen voll und ganz zu,
dass Natur zu einem guten Leben dazugehört. In allen
anderen Lebenswelten ist dies bei jeweils deutlich
mehr als der Hälfte der Fall (zwischen 62 und 86
Prozent).
Interessanterweise wird mit den Daten der vorliegenden Naturbewusstseinsstudie auch deutlich, dass
die Stärke der persönlichen Naturbeziehung durch
den jahreszeitlichen Wandel beeinflusst wird. In
den Naturbewusstseinsstudien 2015 und 2009, die
im Sommer durchgeführt wurden, lässt sich eine
deutlich stärkere Naturbeziehung feststellen als in
den „Winterumfragen“ 2011 und 2013. Dieser Effekt
konnte bei anderen abgefragten Themenfeldern nicht
in dieser Form festgestellt werden.
Für die Gefährdung der Natur besitzt die Bevölke­
rung in Deutschland ein Bewusstsein: 83 Prozent
ärgern sich darüber, dass viele Menschen zu sorglos
mit der Natur umgehen (voll und ganz: 47 Prozent,
eher: 36 Prozent). Frauen, Menschen ab 50 und Personen mit mittleren Bildungsabschlüssen stört dies
mehr als Männer und Personen zwischen 18 und
29 Jahren. 65 Prozent fürchten, dass es für folgende
Generationen kaum noch intakte Natur geben wird
(voll und ganz: 22 Prozent, eher: 43 Prozent), und
49 Prozent fühlen sich durch die Zerstörung der
Natur im eigenen Land bedroht (voll und ganz: zwölf

14

Prozent, eher: 37 Prozent). Dass die Menschen sich
über die Naturzerstörung zu viele Gedanken machen, finden hingegen nur 22 Prozent (voll und ganz:
sieben Prozent, eher: 15 Prozent). Allerdings beziehen Männer diese Position häufiger als Frauen und
Personen im Alter zwischen 18 und 29 Jahren häufiger
als andere Altersgruppen. Aus der Perspektive der
gesellschaftlichen Milieus wird deutlich, dass sozial
weniger gut situierte Personenkreise häufiger voll und
ganz oder zumindest eher der Meinung sind, dass sich
die Menschen zu viele Gedanken über die Zerstörung
der Natur machen (Hedonisten: 35 Prozent, Prekäre:
36 Prozent).
Hohen Zuspruch erhält der Schutz der Natur:
93 Prozent der Bevölkerung sind voll und ganz oder
zumindest eher der Meinung, dass es die Pflicht
des Menschen ist, die Natur zu schützen, und 86
Prozent vertreten die Ansicht, dass der Naturschutz
in Deutschland eine wichtige politische Aufgabe
darstellt (voll und ganz: 45 Prozent, eher: 41 Prozent).
Dem steht jedoch gegenüber, dass 44 Prozent voll
und ganz oder zumindest eher meinen, dass man als
Einzelperson keinen großen Beitrag zum Schutz der
Natur leisten kann, und nur 24 Prozent halten sich
persönlich voll und ganz dafür verantwortlich, die
Natur zu erhalten (eher verantwortlich: weitere
47 Prozent). Die wahrgenommene persönliche Verantwortlichkeit hängt dabei auch maßgeblich vom
Alter ab: 29 Prozent der 50- bis 65-Jährigen stimmen
der Aussage voll und ganz zu, während nur 19 Prozent
der unter 30-Jährigen diese Position einnehmen. Auch
ist die jüngste Befragungsgruppe signifikant weniger
der Ansicht, dass der Naturschutz in Deutschland
eine wichtige politische Aufgabe darstellt (79 Prozent
im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt von 86
Prozent).
Aussagen zur nachhaltigen Nutzung der Natur
werden wie in den vorhergehenden Umfragen von
der Bevölkerung mit hoher Zustimmung unterstützt:
Zwischen 56 und 62 Prozent stimmen den entsprechenden Inhalten voll und ganz zu, weitere 31 bis 35
Prozent stimmen jeweils eher zu. Hierunter fallen
Aussagen, die eine Naturnutzung im Sinne des dauerhaften Erhalts der Tier- und Pflanzenarten sowie der
Eigenart und Schönheit von Natur und Landschaft
betonen, die Nutzungsmöglichkeiten für künftige
Generationen im Auge behalten oder eine Rücksichtnahme auf Menschen in ärmeren Ländern adressieren. Die Prinzipien einer nachhaltigen Nutzung der
Natur werden von Frauen, Menschen mit mittlerem
Bildungsniveau und im Alter zwischen 50 und 65
Jahren stärker unterstützt als im Bevölkerungsdurchschnitt, weniger stark hingegen von Männern und
Personen zwischen 18 und 29 Jahren.

Naturbewusstsein 2015 > Zusammenfassung und Empfehlungen

Empfehlungen:
Die Ergebnisse der Naturbewusstseinsstudie
lassen den Schluss zu, dass die Äußerung positiver Einstellungen und Meinungen zu Natur und
Naturschutz eine gesellschaftliche Norm darstellt.
Dies kann in der Naturschutzkommunikation
genutzt werden. Allerdings ist hier dringend der
ausgeprägte Bruch zwischen unterschiedlichen
gesellschaftlichen Gruppen zu beachten. Gut
situierte Milieus weisen bereits ein sehr hohes
Naturbewusstsein auf, müssen aber noch stärker
für ihren eigenen ressourcenintensiven Lebensstil und die damit einhergehende Verantwortung
sensibilisiert werden. Das heißt – kurz gesagt – an
diese Milieus können auch stärkere Forderungen
gestellt werden. Die sozial benachteiligten Milieus verfügen über ein weniger stark ausgeprägtes
Naturbewusstsein und sollten darin unterstützt
werden, über Naturkontakte eine wertschätzende
Beziehung zur Natur aufzubauen.
Obwohl der Naturschutz als menschliche Pflicht
betrachtet und als wichtige politische Aufgabe
wahrgenommen wird, sehen sich Bürgerinnen und
Bürger jedoch oft nicht selbst in der Lage, aktiv
zu werden. Umweltbildung, Verbandsarbeit, aber
auch die Politik könnten es sich daher zur Aufgabe
machen, in Zukunft noch viel stärker konkrete
Handlungsoptionen – auch niedrigschwellige –
aufzuzeigen und zu verbreiten. Weiterhin sollten
Verbände und Politik vermehrt darauf hinarbeiten,
naturschutzorientierte und innovative Netzwerke,
die gegebenenfalls noch am Anfang ihrer Entwicklung stehen, gezielter zu fördern, beispielsweise
indem neue Medien genutzt und mit entsprechenden Gruppen öffentlichkeitswirksame Aktivitäten
geplant werden.

Biologische Vielfalt
Um der Abnahme der biologischen Vielfalt auf internationaler Ebene entgegenzuwirken, wurde 1992 auf
dem Weltgipfel in Rio de Janeiro das Übereinkommen
über die biologische Vielfalt (Convention on Biological
Diversity, CBD) vereinbart. Die nationale Umsetzung
dieses Übereinkommens findet in Deutschland im
Rahmen der Nationalen Strategie zur biologischen
Vielfalt (NBS) statt. Für das gesellschaftliche Bewusstsein über biologische Vielfalt wurde darin das Ziel
formuliert, dass „im Jahre 2015 […] für mindestens
75 Prozent der Bevölkerung die Erhaltung der biologischen Vielfalt zu den prioritären gesellschaftlichen

Aufgaben [zählt]“ (BMU 2007, S. 60ff). Das Erreichen
dieses Zieles wird mittels des Indikators „Bewusstsein
für biologische Vielfalt“ gemessen, der im zweijährigen Abstand seit 2009 durch die Naturbewusstseinsstudien ermittelt wird. Dieser erfasst den Anteil der
Bevölkerung, der dem Erhalt der biologischen Vielfalt
eine hohe gesellschaftliche Relevanz beimisst und
die notwendigen Bedingungen in den drei Teilkomponenten (Wissen, Einstellung und Verhaltensbereitschaft) erfüllt. Da die Höhe des Gesamtindikators
dem Prozentanteil an Personen entspricht, die die
Anforderungen in allen drei Teilbereichen (Wissen,
Einstellung, Verhalten) erfüllen, liegt der Wert des
Gesamtindikators grundsätzlich unterhalb des Wertes
des geringsten Teilindikators. Einzelne Teilindikatoren können von Personen zu einem deutlich höheren
Grad erfüllt werden.
Die aktuellen Messwerte belegen, dass im Jahr 2015
24 Prozent der Bevölkerung die Bedingungen des
Indikators erfüllen. Seit Erhebungsbeginn hat sich
dabei keine statistisch signifikante Verbesserung
ergeben, die Messwertschwankungen seit 2009 liegen
im Bereich von maximal drei Prozentpunkten. Das
Bewusstsein für biologische Vielfalt in Deutschland
ist damit auch im Jahr 2015 noch sehr weit vom formulierten Zielwert entfernt.
Der Wissensindikator für sich betrachtet liegt seit
2009 zwar relativ stabil bei 40 bis 42 Prozent (2015:
41 Prozent), jedoch zeigt sich in der Bevölkerungsgruppe derjenigen, die angeben zu wissen, was der
Begriff „Biologische Vielfalt“ bedeutet, 2015 eine
Einschränkung des Begriffsverständnisses. Die
Gruppengröße dieser „Begriffskenner“ schwankt seit
Erhebungsbeginn 2009 zwischen 40 und 44 Prozent
der Gesamtbevölkerung (2015: 42 Prozent). Innerhalb
dieser Gruppe, jedoch nicht nennenswert darüber
hinaus, konnte zwischen 2009 und 2013 eine Erweiterung des Begriffsverständnisses beobachtet werden,
in dem Sinne, dass biologische Vielfalt neben Artenvielfalt auch die Vielfalt von Ökosystemen und die
genetische Vielfalt innerhalb einer Art umfasst. Im
Jahr 2015 ist das Wissen um den Teilaspekt Artenvielfalt gegenüber 2013 um sieben Prozentpunkte gefallen
und wird nur noch von 88 Prozent der „Begriffskenner“ richtig zugeordnet. Das Wissen um biologische
Vielfalt als Vielfalt der Ökosysteme ist von 70 Prozent
in 2013 auf 54 Prozent in 2015 abgefallen und das Wissen um die genetische Vielfalt von 41 Prozent in 2013
auf 30 Prozent in 2015. Bei jüngeren Personen unter
30 Jahren, formal höher Gebildeten und Personen mit
hohem Haushaltsnettoeinkommen ist dabei ein größeres Wissen um die Ausprägungen der biologischen
Vielfalt zu verzeichnen. Gesellschaftlich gehobene Milieus zeigen in der Regel ein deutlich höheres Wissen

15

Naturbewusstsein 2015 > Zusammenfassung und Empfehlungen

um biologische Vielfalt als gesellschaftlich schlechter
situierte Milieus.
Auch der Teilindikator „Einstellungen“ bleibt mit einem aktuellen Messwert von 53 Prozent im Vergleich
zu den vorhergehenden Erhebungen relativ unverändert (2009 und 2013: 54 Prozent, 2011: 51 Prozent).
Auch hier gilt: Gesellschaftlich gehobene Milieus
zeigen zumeist ausgeprägtere Einstellungen hinsichtlich der Bedrohung und der gesellschaftlichen sowie
der persönlichen Bedeutung von biologischer Vielfalt
als die gesellschaftlich benachteiligten Milieus.
Erfreuliches zeigt sich beim Teilindikator „Verhalten“:
Die Bereitschaft, selbst zum Erhalt der biologischen
Vielfalt beizutragen, ist seit der letzten Erhebung um
neun Prozentpunkte gestiegen (2013: 50 Prozent, 2015:
59 Prozent). Damit liegt in Deutschland vor allem für
niedrigschwellige Handlungsoptionen, wie etwa regionales Obst und Gemüse zu kaufen oder eine Petition
für den Erhalt der biologischen Vielfalt zu unterschreiben, eine große Handlungsbereitschaft vor.
Ob man bereit ist, selbst einen Beitrag zum Erhalt
der biologischen Vielfalt zu leisten, hängt vom Alter,
aber auch vom Grad der Formalbildung ab. So sind
beispielsweise 64 Prozent der 50- bis 65-Jährigen „sehr
bereit“, beim Einkaufen Obst und Gemüse aus ihrer
Region zu bevorzugen, wohingegen dies nur 47 Prozent
der 18- bis 29-Jährigen angeben. 22 Prozent der formal
hoch Gebildeten sind „sehr bereit“, einen Brief an die
Regierung oder die zuständige Behörde zu schreiben,
um auf den Schutz der biologischen Vielfalt hinzuweisen. Unter den formal niedrig Gebildeten können sich
dies nur 13 Prozent vorstellen. Weiterhin zeigt sich,
dass Frauen in vielen Feldern eine größere Handlungsbereitschaft signalisieren als Männer.
Auch für die Verhaltensbereitschaft gilt aus der Perspektive der sozialen Milieus: Gesellschaftlich besser
situierte Personenkreise äußern in der Regel eine
größere Verhaltensbereitschaft als sozial schwächer
gestellte Gruppen.

Empfehlungen:
Die Befunde zum Gesellschaftsindikator „Biologische Vielfalt“ lassen im Einklang mit den Erkenntnissen der sozialwissenschaftlichen Grundlagenforschung den Schluss zu, dass nicht vorrangig
das Wissen der Bevölkerung über den Begriff der
biologischen Vielfalt entscheidend ist, sondern
insbesondere die weitere Förderung der Verhal­
tensbereitschaft in den Fokus gerückt werden
sollte. Im Gegensatz zum Teilindikator Wissen
lassen sich hier positive Werte verzeichnen, und
dies ist der wesentliche Faktor, der die Etablierung
einer naturverträglicheren Gesellschaft möglich
erscheinen lässt.
Des Weiteren ist vermehrt anzuerkennen, dass
die geäußerten Einstellungen oft noch nicht im
Einklang mit dem tatsächlichen Handeln stehen.
Um diesen Bruch in Zukunft zu minimieren, gilt
es, konkrete, einfach umsetzbare Handlungsopti­
onen aufzuzeigen. Auch die negativen Folgen, die
eine Schädigung der biologischen Vielfalt für das
eigene Leben und die eigene Region nach sich zieht,
sollten verstärkt kommuniziert werden – nicht um
Besorgnis zu erzeugen, die nur die Handlungsfähigkeit beeinträchtigen würde, sondern um mora­
lische Fragen von Verursachern und Leidtragen­
den der Naturzerstörung transparent zu machen
und um hierzu einen gesellschaftlichen Diskurs zu
befördern.
Eine zielgruppenspezifische Kommunikation ist
auch hier von großer Bedeutung. Gut situierten
Milieus kann eine Vorreiterrolle zugeschrieben
werden, die sie aber auch ihrer gesellschaftlichen
Verantwortung bewusst machen sollte. In diesem
Rahmen sollte der Anstoß einer Suffizienzdebat­
te – die Frage, was wirklich nötig ist für ein gutes
Leben und welcher Lebensstil aus einer Nachhaltigkeits- und Gerechtigkeitsperspektive vertretbar
ist – nicht gescheut werden. Für sozial benachteiligte Schichten bleibt die Förderung einer positiven
Naturbeziehung eine zentrale Empfehlung, um eine
Basis für eine verstärkte Handlungsbereitschaft
zum Schutz der biologischen Vielfalt zu fördern.
 

16

Naturbewusstsein 2015 > Einführung

1 Einführung
Die Naturbewusstseinsstudie 2015 ist eine repräsentative Bevölkerungsbefragung zur Einstellung der
Deutschen zu Natur und biologischer Vielfalt. Sie
ist die vierte Studie dieser Reihe, die im Auftrag des
Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau
und Reaktorsicherheit (BMUB) und des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) seit 2009 im zweijährigen
Abstand durchgeführt wird. Die Studie gibt Aufschluss darüber, was die Bevölkerung unter Natur
versteht, wie sie Natur wahrnimmt und erlebt, sich für
ihren Erhalt einsetzt und wie sie aktuelle Fragen der
Naturschutzpolitik bewertet. Als Monitoring gesellschaftlicher Trends stellt die Studie der Öffentlichkeit
ein kontinuierliches Feedback zum Naturbewusstsein
der Bevölkerung Deutschlands bereit. Darüber hinaus
gibt sie allen, die sich beruflich oder ehrenamtlich für
Naturschutz engagieren, Hinweise für daran anknüpfende Konzepte und Strategien.
Die bisherigen Naturbewusstseinsstudien stießen
auf großes öffentliches Interesse und belegen den
hohen Rückhalt der Bevölkerung für Fragen des
Naturschutzes und der biologischen Vielfalt. Damit
daraus jedoch auch gesellschaftliche Veränderungen
erwachsen können, etwa indem Nachhaltigkeit und
Naturverträglichkeit im Alltag wie selbstverständlich
gelebt und umgesetzt werden, müssen die Ziele des
Naturschutzes stärker als bisher in der Lebenswelt
der Bevölkerung, bei politischen Entscheidungen wie
auch in den etablierten Strukturen des Produzierens,
Handelns und Konsumierens berücksichtigt werden
und aktive Unterstützung erfahren. Die Naturschutzpolitik und die Naturschutzakteure in Verbänden,
Gemeinden oder staatlichen Institutionen können
hierzu einen wesentlichen Beitrag leisten, beispielsweise durch Informations-, Kommunikations- und
Bildungsmaßnahmen. Nicht zuletzt aufgrund der
nach wie vor bestehenden Divergenzen zwischen
geäußerten Absichten und tatsächlichem Alltagsverhalten braucht es fundierte Kenntnisse etwa über
Werthaltungen, Verhaltensmotive und Lebensstile
der Bevölkerung: Hierzu trägt auch die vorliegende
Naturbewusstseinsstudie 2015 bei.
Die Grundgesamtheit der vorliegenden Studie bildet
die deutschsprachige Wohnbevölkerung ab 18 Jahren.
In der computerunterstützten Face-to-Face-Befragung (CAPI) wurden im Mai und Juni 2015 insgesamt
2.054 Personen interviewt. Die Konzeption der Studie
erfolgte durch die SINUS Markt- und Sozialforschung
GmbH in enger Abstimmung mit den Auftraggebern.
Die Datenerhebung wurde von der Ipsos GmbH

durchgeführt. Die Auswertung und Interpretation
der Daten erfolgte gemeinsam durch SINUS, Dr. Fritz
Reusswig vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) sowie BMUB und BfN. Eine Experten-Arbeitsgruppe hat das Projektteam beratend
begleitet, dazu gehören: Dr. Jan Barkmann (Universität Göttingen), Prof. Dr. Ulrich Gebhard (Universität
Hamburg), Dr. Astrid Häger (Universität Berlin), Rieke
Hansen (Universität München), Prof. Dr. Wolfgang
Schumacher (Universität Bonn), Prof. Dr. Volker
Stocké (Universität Kassel) und Peter Werner (Institut
Wohnen und Umwelt – IWU).
Ein wissenschaftlicher Abschlussbericht mit vertiefenden Analysen der Befragungsergebnisse ist
für Sommer 2016 vorgesehen. Nach Abschluss des
Forschungsprojektes wird der Datensatz wie bei den
Vorgängerstudien als SPSS-Datei der wissenschaftlichen Forschungsgemeinde über das Datenarchiv für
die Sozialwissenschaften beim GESIS-Leibniz-Institut
zur Verfügung gestellt.
Diese Broschüre sowie die Vorgängerstudien und
die jeweiligen Vertiefungsberichte lassen sich auf
der Website des BfN herunterladen (www.bfn.de/
naturbewusstsein.html). Die Basisdatenbroschüre in
englischer Fassung ist ab Juni 2016 unter www.bfn.de/
nature-awareness-study.html abrufbar.

1.1 Zielsetzung und Konzept
Die Naturbewusstseinsstudie ist als Instrument zum
kontinuierlichen, im Zweijahresrhythmus durchgeführten Monitoring des Bewusstseins für Natur, Naturschutz und biologische Vielfalt in der Bevölkerung
angelegt. Mit dem Ziel, fundierte Hinweise und Strategien für den Erfolg und die Akzeptanz von Naturschutzpolitik, Kommunikations- und Bildungsarbeit
zu liefern, soll die Befragung aktuelle und empirisch
abgesicherte Daten zur Verfügung stellen. Die Studie
ist aufgrund ihrer Stichprobengröße und der Zufalls­
auswahl der Befragten in ihrer Aussagekraft für ganz
Deutschland repräsentativ.
Die Naturbewusstseinsstudie setzt sich einerseits aus
einem Grundgerüst an gleichbleibenden Fragestellungen zusammen, um gesellschaftliche Trends im Naturbewusstsein aufzudecken. Andererseits fokussiert
jede Studie neue Themenbereiche, die an aktuellen
Diskussionen und naturschutzpolitischen Aufgabenbereichen anknüpfen.

17

Naturbewusstsein 2015 > Einführung

Aus den Vorgängerstudien wurden folgende Themenfelder übernommen:
›› M
 ensch-Natur-Verhältnis / persönliche Naturbedeutung,
›› Bewertung der Naturgefährdung,
›› Einstellungen zu Schutz und Nutzung der Natur,
›› A kzeptanz der Energiewende und Bewertung von
Landschaftsveränderungen im Zuge der Energiewende und
›› Wissen, Einstellungen und Handlungsbereitschaften im Zusammenhang mit dem Verlust beziehungsweise der Erhaltung der biologischen Vielfalt.
Die ersten drei Themenfelder umfassen den Kern des
gesellschaftlichen Naturbewusstseins. Diesen Kern
gilt es in seinen Inhalten, Ausprägungen und Veränderungen milieuspezifisch und im Zeitverlauf
abzubilden. Das vierte Themenfeld beleuchtet die Einstellungen der Bevölkerung zu den Auswirkungen der
Energiewende auf die Natur und das Landschaftsbild.
Dieser Schwerpunktbereich wurde erstmals in der
Naturbewusstseinsstudie 2011 untersucht. Da die Diskussionen rund um die Frage, wie Politik, Wirtschaft
und Gesellschaft die Energiewende voranbringen
können, nicht abreißen und auch den Naturschutz
unmittelbar betreffen, wurde dieser Bereich auch
2013 und 2015 fortgeführt.
Der Themenkomplex der biologischen Vielfalt gehört
zum festen Bestandteil jeder Naturbewusstseinsstudie. Er misst das gesellschaftliche Bewusstsein für
den Wert der biologischen Vielfalt und damit den
sogenannten Gesellschaftsindikator der Nationalen
Strategie, dessen regelmäßige Berichterstattung vorgeschrieben ist.
Neu in der Naturbewusstseinsstudie 2015 sind die
Themenfelder
›› Agrarlandschaften und
›› Stadtnatur.
Die Nutzung unserer Agrarlandschaften verändert
sich ständig. Klimawandel, Energiewende oder sich
ändernde Marktbedingungen für landwirtschaftliche
Produkte sind wesentliche Triebkräfte dieser Entwicklung. Umso wichtiger ist es, dem Naturschutz in
der Agrarlandschaft größere Beachtung zu widmen.
Allzu häufig stehen sich die Ziele der wirtschaftlichen
Landnutzung auf der einen und die Ziele des Schutzes
von Tier- und Pflanzenarten und deren Lebensräumen auf der anderen Seite scheinbar unvereinbar
gegenüber. Die vorliegende Studie präsentiert Ergebnisse dazu, wie die Deutschen die Entwicklung von
Vögeln, Wildpflanzen, Wiesen, Weiden und anderen

18

Bestandteilen landwirtschaftlich genutzter Flächen
einschätzen und bewerten. Wie viel Wert legen sie
auf den Erhalt der Vielfalt von Agrarlandschaften?
Wie beurteilen sie den Einsatz der Gentechnik in der
Landwirtschaft und inwiefern würden sie zugunsten
des Naturschutzes eine finanzielle Förderung der
Landwirtschaft befürworten, selbst dann, wenn diese
durch Steuergelder bezahlt würde?
Die Tatsache, dass städtisches Grün die Lebensqualität
beeinflusst, ist keine Neuigkeit; Menschen, die sich
Zeit dafür nehmen, kennen die beruhigende Wirkung
eines Spaziergangs durch einen Park. Aber städtische
Grünflächen bieten gestressten Großstädterinnen und
Großstädtern weit mehr als Erholung: Sie verbessern
unter anderem die Luftqualität und begünstigen das
Stadtklima, da sie hohe Temperaturen regulieren.
Darüber hinaus bieten sie Tieren und Pflanzen einen
wichtigen Lebensraum. Doch wie sieht das die allgemeine Bevölkerung? Wie wichtig ist ihr Stadtnatur?
Welche Bedeutung misst sie Grünflächen bei? Und
wie häufig sucht sie das Angebot an städtischer Natur
eigentlich auf? In der Naturbewusstseinsstudie 2015
wird diesen Fragen erstmals nachgegangen.

1.2 Vorstellung der Sinus-Milieus
Soziodemographische Merkmale wie Alter, Schulbildung und Geschlecht reichen nicht aus, um individuelle Einstellungen, Handlungsmuster und Zugangsweisen zur Natur zu erklären. Wie Menschen Natur
erfahren, empfinden und nutzen, hängt in mindestens ebenso großem Maße von ihren Lebensstilen und
Wertorientierungen ab.
Der soziokulturelle Ansatz des Gesellschaftsmodells
der Sinus-Milieus wird deshalb seit 2009 in das Forschungsdesign der Naturbewusstseinsstudie integriert.
Durch die Auswertung nach Milieuzugehörigkeit der
Befragten wird die soziodemographische Analyse um
Lebensstil und Wertekomponenten ergänzt.
Die Zielgruppenbestimmung des Sinus-Instituts
orientiert sich an der Lebensweltanalyse unserer Gesellschaft. Im Unterschied zu traditionellen Schichtungs- und Lifestyle-Modellen handelt es sich um eine
soziokulturelle Klassifikation. Grundlegende Werte,
die Lebensstil und Lebensziele bestimmen, werden
ebenso berücksichtigt wie Alltagseinstellungen zu
Arbeit, Familie, Freizeit und Konsum. Sinus-Milieus
rücken damit den Menschen und das gesamte Bezugssystem seiner Lebenswelt ganzheitlich ins Blickfeld.
Abbildung 1 zeigt die Sinus-Milieus in Deutschland
2015. Die Verortung der Milieus erfolgt in einer

Naturbewusstsein 2015 > Einführung

Leistung, Familie, Sicherheit, Ordnung, Selbstverwirklichung, Partizipation, Autonomie), sondern auch
Alltagseinstellungen und Lebensziele.

Ebene, die von zwei Achsen aufgespannt wird, der
soziokulturellen Grundorientierung und der sozialen
Lage. Die soziale Lage beschreibt die Stellung in der
Gesellschaft, welche mit Bildung, Einkommen und
Berufsprestige einhergeht und an das Vorhandensein
von ökonomischem, kulturellem, sozialem und symbolischem Kapital gekoppelt ist. Je höher ein Milieu
in dieser Graphik angesiedelt ist, desto gehobener ist
seine soziale Schicht1; je weiter rechts es positioniert
ist, desto moderner im soziokulturellen Sinn ist seine
Grundorientierung. Allerdings sind die Grenzen
zwischen den Milieus fließend. Es liegt in der Natur
der sozialen Wirklichkeit, dass Lebenswelten nicht
so (scheinbar) exakt – etwa nach Einkommen oder
Schulabschluss – eingrenzbar sind wie soziale Schichten. Dieses Phänomen wird als Unschärferelation der
Alltagswirklichkeit bezeichnet. Dabei handelt es sich
um einen grundlegenden Bestandteil des Milieu-Konzepts: Zwischen den verschiedenen Milieus gibt es
Berührungspunkte und Übergänge.

Grundorientierungen bestimmen maßgeblich die
Lebens- und Denkweisen in unserer Gesellschaft:
Für die Generation der 1950er-Jahre waren vor allem
traditionelle, pflicht- und ordnungsbasierte Werte­
strukturen wichtig (Festhalten & Bewahren). Im
darauffolgenden Jahrzehnt prägten zunehmend
Lebensstandard, Status und Besitz das gesellschaftliche Leben (Haben & Genießen). In den 1970er-Jahren
avancierten Selbstverwirklichung, Emanzipation und
Authentizität zu neuen gesellschaftlichen Leitbildern
(Sein & Verändern). Mit den 1980er- und 1990er-Jahren rückten Genuss, Entscheidungsvielfalt, Beschleunigung und Pragmatismus in den Mittelpunkt des
gesellschaftlichen Werterepertoires (Machen & Erleben). Seit der Jahrtausendwende ist ein beschleunigter
gesellschaftlicher Wandel zu erkennen. Komplexitäten und Unsicherheiten (zum Beispiel im Kontext
von Digitalisierung und Globalisierung) nehmen zu
und stellen neue Herausforderungen dar, denen durch
verschiedene Wege der Neuorientierung, wie zum Beispiel Exploration, Refokussierung oder Bildung neuer
Synthesen, begegnet wird (Grenzen überwinden).

Als wissenschaftlich fundiertes Modell spiegeln die
Sinus-Milieus die soziokulturellen Veränderungen in
unserer Gesellschaft wider. In Form einer Verdichtung der jeweils prägenden Werte zu entsprechenden
Grundorientierungen illustriert die horizontale Achse
den Wertewandel in Deutschland seit den 1950er-Jahren. Zur Grundorientierung gehören aber nicht nur
Werte im engeren Sinne (wie zum Beispiel Pflicht,

Im Folgenden werden die Sinus-Milieus über kurze
Steckbriefe beispielhaft vorgestellt.

Abbildung 1: Die Sinus-Milieus in Deutschland 2015

Oberschicht /
Obere
Mittelschicht

Soziale Lage und Grundorientierung

KonservativEtablierte
10 %

Mittlere
Mittelschicht

Traditionelle
13 %

Performer
8%
Expeditive
8%

Sozialökologische
7%

Bürgerliche Mitte
13 %

AdaptivPragmatische
10 %

Hedonisten
15 %

Soziale Lage

Untere Mittelschicht /
Unterschicht

LiberalIntellektuelle
7%

Prekäre
9%

Grundorientierung
Festhalten Bewahren Haben & Genießen

Tradition

Sein & Verändern

Modernisierung / Individualisierung

Machen & Erleben Grenzen überwinden

Neuorientierung

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Naturbewusstsein 2015 > Einführung

Sozial gehobene Milieus
Das Konservativ-etablierte Milieu repräsentiert das
klassische Establishment. Die Bewahrung bewährter
Traditionen und Lebensformen ist den Milieuangehörigen ein zentrales Anliegen. Postmoderne Beliebigkeit und hedonistische Erlebnisorientierung lehnen
sie hingegen ab. Das Selbstbild der KonservativEtablierten ist das einer verantwortungsbewussten
gesellschaftlichen Elite. Leistung gepaart mit dem
Postulat der Eigenverantwortung ist ihr handlungsleitendes Credo. Dabei interessieren sie sich sehr für
Gesellschaft, Politik und Kirche, sind vergleichsweise
stark sozial engagiert und fordern Mitspracherechte
ein. Viele erheben Anspruch auf gesellschaftliche
Meinungsführerschaft.
Soziodemographische Merkmale
›› M
 ilieu mittleren bis höheren Alters: Schwerpunkt
40 bis 70 Jahre, Ø 51 Jahre
›› Mittlere bis höhere Bildungsabschlüsse, 30 Prozent
haben einen akademischen Bildungsabschluss
(Gesamt: 14 Prozent)
›› Häufig verheiratet, mit Kindern im Haushalt
›› Leitende und qualifizierte Angestellte, gehobene
Beamtinnen und Beamte; gut situiert, gehobene
Einkommen
Das Liberal-intellektuelle Milieu ist die aufgeklärte
Bildungselite mit liberaler, weltoffener Grundhaltung,
postmateriellen Wurzeln und dem Wunsch nach
einem selbstbestimmten Leben. Das Weltbild dieses
meist sehr gut situierten Milieus gründet auf globalem
Denken und auf Distanz zu Ideologien jeder Art. Man
nimmt die Zunahme an Komplexität in einer globalen
Welt als Herausforderung wahr und bejaht den kulturellen Pluralismus. Typisch ist das Bedürfnis nach
intellektueller Anregung durch Kunst, Musik oder
Kultur. Liberal-Intellektuelle akzeptieren die Leistungsgesellschaft, sehen sich aber auch in der Pflicht,
nach einer besseren und gerechteren Welt zu streben.
Soziodemographische Merkmale
›› M
 ittlere Altersgruppen: Schwerpunkt 40 bis
60 Jahre, Ø 46 Jahre
›› Hohe Formalbildung; höchster Anteil an akademischen Abschlüssen im Milieuvergleich
›› Häufig verheiratet, mit Kindern im Haushalt
›› Ü berproportional häufig voll oder Teilzeit berufstätig; überdurchschnittlich viele Selbständige,
zudem viele qualifizierte und leitende Angestellte;
hohe Haushaltsnettoeinkommen
Die Performer haben eine wettbewerbsorientierte
Grundhaltung in allen Lebensbereichen (Job, Freizeit,

20

Sport). Man möchte Herausforderungen bestehen und
unter den Besten sein. Das Weltbild der Performer ist
geprägt von neoliberalen Überzeugungen; sie setzen
auf Effizienzorientierung, globales Denken, kosmopolitischen Lebensstil, auf die Freiheit der Märkte und
Deregulierung. Ihr Leistungsbegriff ist konsequent
individualisiert, ihr Ich-Vertrauen hoch. Die Angehörigen dieses Milieus haben eine Macher-Mentalität,
sehen sich als smart, dynamisch und visionär. Die
neuen Medien sind ganz selbstverständlich in die
alltägliche Lebensführung integriert. Distanz besteht
zu Bequemlichkeit, Zufriedensein aus Prinzip, zu
Dogmen und Ideologien.
Soziodemographische Merkmale
›› Altersschwerpunkt 30 bis 50 Jahre; Ø 42 Jahre
›› Männer leicht überrepräsentiert
›› Hoher Anteil Lediger; Paare ohne und mit (kleineren) Kindern
›› Häufig höhere Bildungsabschlüsse mit Studium
›› Höchster Anteil voll Berufstätiger im Milieuvergleich; viele arbeiten in qualifizierten und leitenden Positionen, zudem viele Selbständige; hohe
Haushaltsnettoeinkommen
Das Expeditive Milieu ist ein sehr junges Milieu,
das sich als postmoderne Avantgarde versteht. Seine
Angehörigen lehnen äußere Zwänge, tradierte Rollen
und Routinen ab. Sie sind auf der Flucht vor dem
Mainstream. Genügsamkeit, Kleingeisterei, bürgerliche Konventionen und ideologische Korsetts sind
nicht ihre Sache. Vielmehr möchte man Grenzen
durchbrechen und Neues erleben. Viele Expeditive
weisen unkonventionelle Karrieren (zum Beispiel
in der Kreativbranche) und Patchwork-Biografien
auf. Auf der Suche nach Bewegung, Innovation und
Inspiration führt man ein mental und geographisch
mobiles Leben, bevorzugt in urbanen Nischen.
Soziodemographische Merkmale
›› J üngstes Milieu: Zwei Drittel sind unter 30 Jahren;
Ø 29 Jahre
›› Viele Ledige und Singles ohne eigene Kinder; viele
leben noch im Haushalt der Eltern
›› Hohe Formalbildung; überdurchschnittlich viele
mit Abiturabschluss
›› Ü berdurchschnittlicher Anteil an Schülern und
Schülerinnen, Studierenden und Azubis; viele sind
noch nie berufstätig gewesen; überdurchschnittliche Haushaltseinkommen (gut situierte Elternhäuser); bei Berufstätigen mittlere bis gehobene
Einkommen

Naturbewusstsein 2015 > Einführung

Milieus der Mitte
Das Milieu der Bürgerlichen Mitte repräsentiert den
bodenständigen Mainstream der Gesellschaft. Man
strebt nach einem harmonischen Leben in geordneten Verhältnissen. Lebensmittelpunkt ist die Familie
und das Eingebundensein in die lokale Nahwelt mit
einem dichten Netzwerk aus Freunden, Nachbarn und
Verwandten. Viele Milieuangehörige treibt die Furcht
vor sozialem Abstieg um, wie auch die Angst, technologisch, sozial und finanziell nicht mehr mitzukommen und den Anforderungen einer globalisierten Welt
auf Dauer nicht gerecht zu werden. Ihr Selbstbild ist
das der Mitte der Gesellschaft. Man sieht sich als Otto-Normalverbraucher und Rückgrat der Gesellschaft.
Soziodemographische Merkmale
›› M
 ittlere Altersgruppe und Ältere ab 40 Jahren;
Ø 51 Jahre
›› Qualifizierte mittlere Bildungsabschlüsse; geringer
Akademikeranteil
›› Hoher Anteil Verheirateter im Milieuvergleich;
oft ältere Kinder im Haushalt, aber auch „Empty
Nester“
›› Leicht überrepräsentiert in den ostdeutschen Bundesländern
›› Ü berwiegend berufstätig; einfache/mittlere
Angestellte, Facharbeiter und Facharbeiterinnen;
26 Prozent sind bereits im Ruhestand; mittlere
Einkommensklassen
Das Adaptiv-pragmatische Milieu verkörpert die gut
ausgebildete, teilweise überangepasste, zielstrebige
und unideologische junge Mitte der Gesellschaft.
Typisch für dieses Milieu ist ein Spagat zwischen
Leistungs- und Familienorientierung, zwischen Erlebnis- und Sicherheitsbedürfnis und auch zwischen
Autonomie und Verwurzelung. Dabei zeigen sie ein
stark funktionales, utilitaristisches Denken, sind benefit- statt risikoorientiert und identifizieren sich mit
der Leistungs- und Wettbewerbsgesellschaft. Extreme
sind nicht Sache der Adaptiv-Pragmatischen. Zwar
möchten sie sich das Leben so angenehm wie möglich
gestalten und sich leisten können, was ihnen gefällt,
dabei bleiben sie aber flexibel und realistisch.
Soziodemographische Merkmale
›› A
 ltersschwerpunkt unter 50 Jahren; Ø 38 Jahre
›› Die Hälfte ist verheiratet, häufig noch ohne Kinder
oder mit kleinen Kindern
›› Mittlere bis gehobene Bildungsabschlüsse (Mittlere
Reife, Abitur) oder noch in Ausbildung
›› Einfache, mittlere und qualifizierte Angestellte
sowie Facharbeiter und Facharbeiterinnen; überdurchschnittlich viele Teilzeit-Beschäftigte oder

noch in Ausbildung; mittlere bis gehobene Einkommensklassen (häufig Doppelverdiener)
Im Sozialökologischen Milieu sind Wachstums- und
Globalisierungsskepsis fest verankert. Im Weltbild
der Sozialökologischen dominieren Idealismus und
Sendungsbewusstsein. Viele sehen sich als Gewissen
der Gesellschaft, als Träger globaler Verantwortung
und schonungslose Kritiker von Missständen. Ihr
Konsumhandeln ist dem Prinzip der Nachhaltigkeit
verpflichtet. Man bemüht sich generell um einen konsequent ökologischen Lebensstil im privaten Alltag
bei Themen wie Ernährung, Wohnen, Energie und
Mobilität, steht aber Technik nicht per se feindlich
gegenüber und akzeptiert zum Beispiel innovative
Technologien zur Lösung von Umweltproblemen.
Soziodemographische Merkmale
››
››
››
››
››

Breites Altersspektrum: 30 bis 60 Jahre; Ø 50 Jahre
Frauen überrepräsentiert
Hoher Anteil Geschiedener
Hohe Formalbildung
Höchster Anteil an Teilzeit-Beschäftigten im
Milieuvergleich; viele qualifizierte Angestellte und
höhere Beamte, auch kleine Selbständige sowie
Freiberufler und Freiberuflerinnen; mittlere Einkommensklasse

Milieus der unteren Mitte / Unterschicht
Das Traditionelle Milieu repräsentiert die Sicherheit
und Ordnung liebende Kriegs- und Nachkriegsgeneration. Ihr Weltbild ist von Konformität und
traditionellen Moralvorstellungen sowie von hierarchisch-autoritären Strukturen geprägt; häufig werden
Sittenverfall und Überfremdung kritisiert. Bescheidenheit und Anpassung an die Notwendigkeiten ist
handlungsleitend; man hat keine hochgesteckten
Ziele. Vielmehr hält man sich an Routinen, pflegt
Rituale und Bräuche. Dementsprechend besteht ein
großes Unbehagen gegenüber Wandel und Veränderung und wenig Bereitschaft, sich auf Neues oder
Fremdes einzulassen.
Soziodemographische Merkmale
›› D
 as älteste Milieu: Schwerpunkt im Alterssegment
60+; Ø 68 Jahre
›› Hoher Frauenanteil sowie viele Rentner und Rentnerinnen und Verwitwete
›› Meist niedrige Formalbildung (Grundschule /
Hauptschule)
›› Kleine bis mittlere Einkommen
Das Prekäre Milieu ist die teilhabe- und orientierungssuchende soziale Unterschicht. Die ausgeprägten

21

Naturbewusstsein 2015 > Einführung

konsum-materialistischen Wünsche der Prekären
(sich etwas leisten können) werden durch die Herausforderungen der Alltagsbewältigung konterkariert.
Man muss zusehen, die Anforderungen des Berufs
und der Familie in den Griff zu bekommen, den Job
zu behalten, nicht (noch weiter) sozial abzustürzen.
In diesem Milieu besteht eine große Sehnsucht nach
gesellschaftlicher Zugehörigkeit. Man sieht sich ohne
eigene Schuld von der Gesellschaft benachteiligt,
als Opfer des globalen Wandels und der politischen
Reformen. Die Erfahrung von Benachteiligung und
Ausgeschlossenheit führt oft zu Verbitterung, doch
Protestbereitschaft ist kaum vorhanden.
Soziodemographische Merkmale
›› M
 ittlere Altersgruppen und Ältere, Schwerpunkt in
der Alterskohorte 50+; Ø 54 Jahre
›› Ü berdurchschnittlich viele Alleinlebende und
Verwitwete; höchster Anteil an Geschiedenen im
Milieuvergleich
›› Meist niedrige Bildungsabschlüsse (Hauptschule
mit oder ohne Lehre)
›› Etwa zwei Drittel sind nicht erwerbstätig (Rentnerinnen, Rentner und Arbeitslose); überdurchschnittlich viele Arbeiter und Arbeiterinnen beziehungsweise Facharbeiter und Facharbeiterinnen; niedrige
Haushaltsnettoeinkommen
Das Hedonistische Milieu kennzeichnet eine starke
Spaß- und Erlebnisorientierung. Im hedonistischen
Weltbild herrscht eine distanzierte Haltung gegenüber
den Regeln und Anforderungen der Leistungsgesellschaft. Hedonisten sind überzeugt, dass das Leben
mehr zu bieten hat als nur Arbeit. Man lebt im Hier
und Jetzt, macht sich möglichst wenig Gedanken über
die Zukunft und lässt sich treiben. Ihre Lebensstrategie ist ichbezogen, man möchte möglichst keine
einschränkenden Verpflichtungen oder Stress und
ohne allzu große Anstrengungen das Beste für sich
herausholen. Typisch für Hedonisten ist ihre große
Veränderungs-, Lebens- und Experimentierfreude,
dabei besteht nur geringe Frustrationstoleranz und
Verzichtsbereitschaft.
Soziodemographische Merkmale
›› J üngere Altersgruppen: bis 40 Jahre; Ø 38 Jahre
›› Hoher Anteil an Ledigen (mit und ohne Partner
oder Partnerin im Haushalt); nur die Hälfte hat
Kinder
›› Kein deutlicher Schwerpunkt im Niveau der
Formalbildung
›› Einfache und mittlere Angestellte, Arbeiter und
Arbeiterinnen beziehungsweise Facharbeiter und
Facharbeiterinnen; leicht überdurchschnittliche

22

Arbeitslosenquote
›› Ü
 berdurchschnittlicher Anteil an Schülern und
Schülerinnen, Studierenden und Azubis; Einkommensverteilung wie in der Grundgesamtheit

1.3 Erläuterungen zur Broschüre
Nachfolgend werden die Ergebnisse der Naturbewusstseinsstudie 2015 vorgestellt. Die neuen Themenfelder (Kapitel 2: „Agrarlandschaften“ und Kapitel 3:
„Stadtnatur“) sind dabei ausführlicher beschrieben
als Themenfelder, die bereits in den Vorgängerstudien
behandelt und diskutiert wurden. Zentrale Befunde
sind in Diagrammen und Tabellen abgebildet. Bei
Fragestellungen mit einer mehrstufigen Antwortskala
sind alle Antwortkategorien dargestellt. Dabei handelt
es sich überwiegend um vierstufige Skalen: Die ersten
beiden Kategorien geben den Grad der Zustimmung
an (zum Beispiel „trifft voll und ganz zu“, „trifft eher
zu“), die letzten beiden Stufen bilden den Grad der
Ablehnung ab („trifft eher nicht zu“, „trifft überhaupt
nicht zu“). Gegebenenfalls wird die Kategorie „weiß
nicht/keine Angabe“ aufgeführt – diese Kategorie
wurde jedoch nicht offen zur Auswahl angeboten,
sondern von den Interviewerinnen und Interviewern
notiert, wenn Befragte eine Frage oder Aussage nicht
beurteilen konnten oder wollten.
Die angegebenen Prozentwerte wurden aus Gründen
der Lesbarkeit und Verständlichkeit auf ganze Zahlen
gerundet. Wenn die Summe der Werte in allen Antwortkategorien einer Frage dabei mehr oder weniger
als 100 Prozent ergab, wurde eine Anpassung bis
maximal 1,4 Prozentpunkte bei der Kategorie „weiß
nicht/keine Angabe“ vorgenommen. In sehr seltenen
Fällen reichte dieses Vorgehen nicht aus, hier wurde
zusätzlich der höchste Wert geringfügig angepasst.
Die erhobenen Daten wurden nach Unterschieden
im Antwortverhalten verschiedener Bevölkerungsgruppen analysiert. Berücksichtigt wurden dabei die
folgenden soziodemographischen Merkmale: formales
Bildungsniveau (niedrig, mittel, hoch)2, Geschlecht,
Alter (18 bis 29 Jahre, 30 bis 49 Jahre, 50 bis 65 Jahre,
66 Jahre und älter) und Haushaltsnettoeinkommen
(bis 999 Euro, 1.000 bis 1.999 Euro, 2.000 bis 3.499 Euro,
ab 3.500 Euro). Für eine Auswertung nach Milieuzugehörigkeit wurden die Sinus-Milieus, wie in Kapitel 1.2
beschrieben, in die Erhebung integriert. Signifikante
Unterschiede sind im Fließtext erläutert. Zusätzlich
wurden besonders interessante Verteilungen graphisch in Abbildungen oder Tabellen aufbereitet.
Zur Prüfung auf Signifikanz von Differenzierungen
wurden etablierte Testverfahren der empirischen

Naturbewusstsein 2015 > Einführung

Sozialforschung herangezogen. Unterschiede im
Antwortverhalten von Bevölkerungsgruppen wurden
mittels Chi-Quadrat-Test untersucht (vergleiche
Sedlmeier 2013, Eid et al. 2013 oder Janssen und Laatz
2010). Diesem liegt ein für sozialwissenschaftliche
Zwecke übliches Konfidenzintervall von 95 Prozent
(über- beziehungsweise unterrepräsentiert) beziehungsweise 99 Prozent (stark über- beziehungsweise
unterrepräsentiert) zu Grunde. Demnach werden
Merkmale als überrepräsentiert (überdurchschnittlich)
beziehungsweise unterrepräsentiert (unterdurchschnittlich) in der Stichprobe interpretiert, wenn
dies mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens
95 Prozent (Signifikanzniveau von p < .05) gesagt
werden kann. Als stark überrepräsentiert beziehungsweise stark unterrepräsentiert werden Merkmale
betrachtet, wenn eine Wahrscheinlichkeit von 99
Pro­zent (Signifikanzniveau von p < .01) angesetzt
werden kann. In den Abbildungen und Tabellen sind
die Über- und Unterrepräsentanzen farbig markiert
und in der Legende erläutert. Bei Zeitreihen, also bei
Fragestellungen, die sich in jeder Studie wiederholen,
wurde die Signifikanz der temporalen Veränderung
mittels parametrischer (t-tests) und nicht-parametrischer Testverfahren (Mann-Whitney-Test) überprüft.
Der Grad der Zustimmung ebenso wie die Häufigkeit
des Auftretens eines Merkmals in einer Subgruppe
wurden – wie oben beschrieben – farbig markiert und
in der Legende erklärt. Zusätzlich wurden auch die
Ziffern farblich angepasst: Bei überrepräsentierten
Werten und Zustimmungen (zum Beispiel „trifft voll
und ganz zu“, „trifft eher zu“) sind die Ziffern schwarz
gehalten, bei unterrepräsentierten Werten und Ablehnungen („trifft eher nicht zu“, „trifft überhaupt nicht

zu“) sind die Ziffern weiß markiert. Damit können
auch bei einem Ausdruck in schwarz-weiß alle Einfärbungen voneinander unterschieden werden.
Bei den Milieugraphiken werden die Überschneidungsflächen zwischen zwei Milieus in der Farbe desjenigen Milieus markiert, das den höheren Prozentwert der darzustellenden Antwortkategorie aufweist.
Ein Überblick über das Antwortverhalten der Gesamtbevölkerung lässt sich aus der Grundauszählung im
Anhang entnehmen. Es sind dort alle Fragestellungen
in der Reihenfolge, wie sie im Fragebogen angeordnet
waren, in Tabellenform aufgeführt.
Wie bereits in der Naturbewusstseinsstudie 2013
wurde auch in der vorliegenden Studie bei der Ergebnisinterpretation der Effekt der sozialen Erwünschtheit untersucht. Dieses in der Einstellungs- und
Verhaltensforschung bekannte Phänomen beschreibt
Verzerrungen beim Antwortverhalten: Um durch
wahrheitsgetreue Antworten soziale Ablehnung zu
vermeiden, entwickeln die Befragten eine Vermutung darüber, was gesellschaftlich erwartet wird und
reagieren entsprechend. Um die Tendenz zu sozial erwünschtem Antwortverhalten zu bestimmen, wurde
die Skala zur sozialen Erwünschtheit nach Winkler et
al. (2006) herangezogen.
Aus Platzgründen wird die Analyse des Effektes der
sozialen Erwünschtheit ebenso wie weitere vertiefende Analysen im wissenschaftlichen Abschlussbericht
dargestellt. Dieser fokussiert ausgewählte Themenbereiche und kann im Sommer 2016 wie die anderen
Materialien unter der Internetadresse www.bfn.de/
naturbewusstsein.html heruntergeladen werden.

23

Naturbewusstsein 2015 > Agrarlandschaften

2 Agrarlandschaften
In modernen, stark urbanisierten Industrie- und
Dienstleistungsgesellschaften ist die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe kontinuierlich im Rückgang
begriffen. Immer weniger Beschäftigte arbeiten in
einem Sektor, der einmal die Arbeits- und Lebenswelt
der überwiegenden Mehrheit der Menschen prägte.
Zugleich finden eine immer stärkere Konzentration
der Betriebe und eine Intensivierung der Produktion
statt. Wenn heute das Thema Landschaft in den Medien und in der Werbung Verwendung findet, dann werden uns mehrheitlich die schönen und erholsamen,
vielleicht auch die wilden Seiten der Kulturlandschaft
präsentiert, aber kaum die hoch produktive Flächennutzung, die vorrangig der Nahrungs- und Futtermittelproduktion dient. Und selbst dann, wenn es
ausdrücklich um Landwirtschaft geht, werden Bilder
von glücklichen Kühen, saftigen Weiden und adretten
Bauernhöfen vermittelt, nicht aber ein Eindruck von
den agrarindustriellen Komplexen, die unsere landwirtschaftliche Produktion heute zu einem Großteil
prägen.
Ausgeräumte Bördelandschaften, Monokulturen oder
die großen Stallanlagen der Massentierhaltungsbetriebe zeigen ein anderes Gesicht. Gehen wir der Frage
nach, was die treibenden gesellschaftlichen Kräfte
sind, die zu diesen Agrarlandschaften geführt haben,
sind – neben der stark von den Vorgaben der Euro­
päischen Union (EU) geprägten Agrarpolitik und
dem Preisdruck des Handels – auch die Präferenzen
be­ziehungsweise die Akzeptanz der Verbraucherinnen
und Verbraucher zu nennen: Das Kaufverhalten im
Supermarkt, aber auch politisches Handeln entscheidet mit darüber, wie unsere Agrarlandschaften
aus­sehen, wie funktionstüchtig sie sind und wie groß
die biologische Vielfalt in ihnen ist. In Deutschland
müssen Lebensmittel aber scheinbar vor allem eins
sein: billig. Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel ist
bekannt für seinen harten Wettbewerb um niedrige
Preise. Genau dieser Preisdruck macht es aber der
Landwirtschaft oft schwer oder gar unmöglich, sich
für naturfreundlichere Produkte und Produktionsmethoden zu entscheiden.
Das sind ungünstige Rahmenbedingungen für eine
nachhaltige und naturbewusste Landwirtschaft.
Zwar hat der Marktanteil an Bio-Lebensmitteln (zertifiziert nach den Regeln des deutschen beziehungsweise europäischen Bio-Labels) am Gesamtmarkt
zugenommen. Noch immer aber gelten Bio-Lebensmittel als unangemessen teuer, wie nicht zuletzt auch
die Naturbewusstseinsstudie 2013 gezeigt hat.

24

Hinzu kommt, dass es einige Hürden gibt, die es
der Landwirtschaft schwer machen, naturnäher zu
produzieren. Einige Beispiele: Der Pflanzenanbau
für Bioenergie ist – trotz der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) von 2014 – oft profitabler
als die Nahrungsmittelproduktion. Die Bodenpreise
sind vor allem nach der Finanzkrise 2007/08 deutlich
gestiegen, weil unter anderem vermehrt außerlandwirtschaftliche Investoren Land als Anlageobjekt
sehen. Das erhöht die Renditeerwartung und damit
den Kostendruck der landwirtschaftlichen Produktion. Die Umstellung auf Methoden und Verfahren der
biologischen Landwirtschaft stellt die Höfe vor technische, organisatorische und auch finanzielle Herausforderungen. Trotz einiger Reformansätze steht die
Europäische Agrarpolitik mit ihren Anreizen (unter
anderem Subventionen) einer naturfreundlichen
Landwirtschaft vielfach noch immer entgegen.
Schon in der Naturbewusstseinsstudie 2013 wurden
Agrarlandschaften und landwirtschaftliche Produktionsmethoden thematisiert. In der vorliegenden Studie
bildet dieses Thema nun einen Schwerpunkt und wird
systematisch mit folgenden Fragen weiter vertieft:
Wie nehmen die Deutschen hiesige Agrarlandschaften
wahr? Hat es ihrer Meinung nach im Bestand dieser
Agrarlandschaften wahrnehmbare Änderungen in
den letzten zehn Jahren gegeben? Gehören naturnahe
Landschaftsbestandteile wie Hecken, Säume oder
Blühstreifen in der Wahrnehmung der Bevölkerung
überhaupt zur Agrarlandschaft? Was denken sie über
die verschiedenen landwirtschaftlichen Produktionsmethoden und ihre Auswirkungen auf Natur
und Gesellschaft? Wie stehen sie zu gentechnisch
veränderten Organismen? Schließlich: Sollen in der
Landwirtschaft verstärkt Leistungen für den Naturschutz ergriffen werden, und wenn ja, wer soll dafür
bezahlen?

2.1 Assoziationen zu Agrarlandschaften
Um zu verstehen, wie die Deutschen Agrarlandschaften wahrnehmen, wurden die Befragten zunächst um
freie Äußerung gebeten, was ihnen ganz spontan zu
den Agrarlandschaften in Deutschland einfällt.
Bei Agrarlandschaften wird zuvorderst an Agrar­
flächen wie Felder und Äcker, Wiesen und Weiden
sowie Monokulturen gedacht.

Naturbewusstsein 2015 > Agrarlandschaften

Nutztieren werden „Wildtiere“ (insbesondere Vögel,
Insekten und Schmetterlinge) nur selten – von sechs
Prozent der Befragten – genannt.

Die Erhebung freier Assoziationen zu landwirtschaftlich genutzten Gebieten in Deutschland lässt erkennen,
dass Ökosystemleistungen der Natur, die auf menschliches Eigeninteresse, ökonomische Aspekte und die
Sicherung der Lebensgrundlagen abzielen, die überwiegende Mehrheit der Nennungen bilden: 62 Prozent der
Befragten denken bei dem Begriff „Agrarlandschaften“
spontan an „Agrarflächen“ (vergleiche im Folgenden
Abbildung 2). Vor allem Felder und Äcker (genannt
von 32 Prozent der Befragten), aber auch Wiesen und
Weiden (26 Prozent) sowie Monokulturen (14 Prozent)
werden in dieser Kategorie genannt.3 Nach den Agrarflächen steht die Kategorie „Nutzpflanzen“ mit 51 Prozent der Nennungen an zweiter Stelle. Hier dominiert
das Getreide (29 Prozent), gefolgt von Mais (20 Prozent),
Gemüse/Salat (17 Prozent), Raps (15 Prozent) und Obst
(14 Prozent). An die Kartoffel denken sieben Prozent, an
Wein oder Weinanbau vier Prozent.

Vergleichbar häufig wie Nutztiere kommen den
Befragten spontan die „Agrarbetriebe“ selbst in den
Sinn (34 Prozent) – einschließlich der Höfe, Gebäude
und Stallungen sowie der Gerätschaften und landwirtschaftlichen Maschinen. An die „stoffliche Seite“ der
landwirtschaftlichen Produktion denken 22 Prozent der
Befragten: Schädlingsbekämpfungsmittel (neun Prozent), Dünger (sechs Prozent) sowie Gülle/Jauche/Mist
(sechs Prozent) werden hier am häufigsten erwähnt.
20 Prozent der Befragten nannten Assoziationen aus
der Kategorie „sonstige Vegetation und Grünräume“.
Gemeint sind damit vor allem Wälder (sieben Prozent),
Bäume (fünf Prozent), Blumenfelder (vier Prozent),
Pflanzen (vier Prozent) sowie Hecken/Sträucher/
Büsche (drei Prozent). Mit Blick auf die allgemeine
Beliebtheit von Bäumen, Alleen oder Ackerwildkräutern fällt die relativ schwache Ausprägung dieser
Kategorie auf: Wie in nachfolgendem Kapitelabschnitt
aufgezeigt, ist den meisten Befragten der Schutz dieser
Agrarlandschaftselemente besonders wichtig. Trotzdem bringt sie nur ein Fünftel spontan mit dem Begriff
Agrarlandschaften in Verbindung. Noch seltener
wer­den Gewässer wie Bäche, Flüsse, Seen, Teiche,
Tümpel oder Sümpfe genannt (insgesamt acht Prozent).

Während die Hälfte der Befragten Agrarlandschaften
mit Nutzpflanzen assoziiert, denkt fast ein Drittel
(auch) an „Nutztiere“ (32 Prozent nennen Begriffe
dieser Kategorie). Zuvorderst wird dabei an Großvieh
wie Kühe und Rinder (elf Prozent), aber auch Mittelvieh, nämlich Schweine, Schafe und Ziegen (fünf
Prozent) sowie Kleinvieh (Kaninchen, Geflügel: vier
Prozent) gedacht; abstraktere Begriffe wie Viehzucht
oder Nutztiere nennen 13 Prozent. Vier Prozent
denken in diesem Zusammenhang auch an die
Massentier- oder Käfighaltung. Im Gegensatz zu den

Abbildung 2: Assoziationen zu Agrarlandschaften, Nennungen sortiert nach Kategorien
Ich möchte gerne von Ihnen wissen, was Ihnen ganz spontan zu den landwirtschaftlich genutzten Gebieten in Deutschland,
also unseren Agrarlandschaften, einfällt. Bitte nennen Sie mir so viele Begriffe, wie Ihnen in den Sinn kommen (offene Frage).
70

62

60

51

50
40

34

30

32
22

20
10

20

15

12

10

9

8

8

6

6

3

3

ns

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Ag

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Nu

Ag

ra

pf

rfl

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he

n

0

Angaben in Prozent

25

Naturbewusstsein 2015 > Agrarlandschaften

15 Prozent der Nennungen beziehen sich auf „Lebens­
mittel“. Hier ist auffällig, dass sechs Prozent der
Nennungen in dieser Kategorie auf einem abstrakten
Niveau (Begriffe wie Lebensmittel oder Ernährung)
bleiben; gesunde Lebensmittel und Bio-Qualität der
Lebensmittel nennen hingegen nur drei Prozent der
Befragten und regionale Lebensmittel nur ein Pro­zent.
Als „Schutzgut“ wird die aktuelle Agrarlandschaft von
neun Prozent der Befragten ins Spiel gebracht. Dabei
kommt fünf Prozent der Befragten der Naturschutz
in den Sinn, zwei Prozent der Tierschutz. Von der
Größenordnung her vergleichbar ist die Kategorie
„Alternative Energien“: Insgesamt acht Prozent der
Befragten erwähnen sie, wobei Biogasanlagen (vier
Prozent) und Windenergieanlagen (drei Prozent) vor
den Solaranlagen (ein Prozent) liegen. „Gentechnik
beziehungsweise Genmanipulation“ wird von sechs
Prozent der befragten Personen erwähnt. „Schöne
Landschaften“, „Naturerbe“ und „Dörfer“ werden
insgesamt nur von drei Prozent spontan mit den
deutschen Agrarlandschaften in Verbindung gebracht.
Ebenso selten fällt die Assoziation „Lebensqualität“
(drei Prozent).
Stattdessen ruft der Begriff Agrarlandschaften auch
einige explizit „negative Assoziationen“ hervor
(insgesamt zwölf Prozent der Nennungen). Jedoch
ist es weniger der Geruch beziehungsweise Gestank
(ein Prozent), der negativ auffällt, als vielmehr die
Naturzerstörung und -verschandelung durch die
Landwirtschaft (sechs Prozent). Vereinzelt wird auch
an Gewässerbelastung (ein Prozent), den Mangel an
ökologischer Bewirtschaftung (ein Prozent), den Artenschwund im Agrarraum (ein Prozent), an Konsum/
Geldmacherei (ein Prozent) und an Lebensmittelskandale/Antibiotika/BSE (ein Prozent) gedacht. Es fällt
zudem auf, dass das Thema Agrarlandschaften auch
Assoziationen zum Bereich „Politik und Ökonomie“
(zehn Prozent) weckt, insbesondere zu Subventionen
(vier Prozent) und zur Flurbereinigung/Bodenreform
(zwei Prozent).
Werden neben den explizit auch die implizit negativen
oder zumindest ambivalenten Kommentare (zum Beispiel Massentier- und Käfighaltung, Genmanipulation) berücksichtigt, kann eine gewisse Diskrepanz zwischen Ist- und Soll-Vorstellung der Agrarlandschaften
vermutet werden – etwa im Wunsch nach „gesunden“
und biologisch angebauten Lebensmitteln und der
Kritik an vorherrschenden landwirtschaftlichen Methoden. Dies wird im Laufe des Kapitels gezeigt.

26

2.2 Wahrgenommene Änderungen
und Schutzgüter
Dieser Abschnitt geht der Frage nach, welche Änderungen die Bevölkerung in der Agrarlandschaft in
den letzten zehn Jahren wahrgenommen hat und für
wie wichtig der Schutz bestimmter Bestandteile der
Agrarlandschaft gehalten wird.
Zwei Drittel der Bevölkerung in Deutschland glau­
ben, dass der Bestand an Bienen zurückgegangen ist.
Bei fünf der insgesamt zehn abgefragten Bestandteile
von Agrarlandschaften (siehe Abbildung 3) sind die
Deutschen häufiger der Ansicht, dass diese in den
letzten zehn Jahren abgenommen haben, als dass sie
gleich geblieben sind. Das gilt für Bienen (wahrgenommene Abnahme: 66 Prozent der Befragten),
Schmetterlinge (Abnahme: 55 Prozent), Wildpflanzen
und Ackerwildkräuter (Abnahme: 47 Prozent), Säume
und Blühstreifen (Abnahme: 45 Prozent) sowie
Frösche und Kröten (Abnahme: 44 Prozent). Bei
folgenden Bestandteilen überwiegt indes die Wahrnehmung der Konstanz: Bäche und Tümpel (gleich
geblieben: 44 Prozent), Grünland (gleich geblieben: ­​
45 Prozent), Alleen (gleich geblieben: 46 Prozent),
Vögel (gleich geblieben: 43 Prozent) sowie Bäume,
Hecken und Sträucher (gleich geblieben: 49 Prozent).
Dass der Bestand der vorgegebenen Agrarlandschaftsbestandteile zugenommen hat, glauben jeweils nur
wenige Deutsche (siehe Abbildung 3).
Warum nehmen die Deutschen insbesondere den
Rückgang der Bienen wahr? Wie die Roten Listen belegen (Westrich et al. 2011), sind insbesondere bei den
Wildbienen objektiv starke Rückgänge zu verzeichnen. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass die Befragten
bei Abgabe ihrer Einschätzung weniger die mehreren
hundert Wildbienenarten Deutschlands vor Augen
hatten, sondern die Gefährdung der Honigbiene: Hier
spielt zum einen sicher die massenmediale Berichterstattung zum Thema Bienensterben eine große Rolle.
Darin wird neben dem Einsatz von Pestiziden in der
Landwirtschaft auch der Klimawandel verantwortlich
gemacht. Zum anderen dürfte sich niederschlagen,
dass die Imkerei eine relativ weit verbreitete Freizeitbeschäftigung darstellt (der Deutsche Imkerbund
zählte 2014 rund 100.000 Aktive), was durch Alltagskommunikation – etwa beim Honigdirektverkauf
– auch eine gewisse Multiplikatorwirkung erzielen
dürfte. Demgegenüber fehlen solche Multiplikatorund Medieneffekte beispielsweise beim wichtigen
Naturschutzthema Grünland weitgehend. Obwohl
die aktuelle Gefährdung sowie der notwendige Schutz
von Grünland als wichtiger Baustein des Biodiversitätsschutzes in Fachkreisen bekannt ist (vergleiche

Naturbewusstsein 2015 > Agrarlandschaften

letzten zehn Jahren wahr, 40 Prozent haben einen
Rückgang bemerkt – womit sie auch richtig liegen:
In den vergangenen 25 Jahren nahmen 27 Prozent
der in Deutschland brütenden Vogelarten mehr oder
weniger stark ab (vergleiche BfN 2015 und Sudfeldt et
al. 2013). Gerade im Agrarland ist die Bestandssituation vieler Vogelarten kritisch. Aufgrund der intensiven
landwirtschaftlichen Nutzung geht der Bestand an
Vögeln, die auf Äckern, Wiesen oder Weiden brüten,
nach wie vor zurück (vergleiche BMUB 2014).4

BfN 2014), schlägt sich dies kaum in der Berichterstattung der Massenmedien nieder. Die Grünlandfläche
in Deutschland hat sich zudem zwischen den Jahren
2003 und 2012 um gut fünf Prozent verringert (vergleiche BfN 2014, S. 10), aber 56 Prozent der Deutschen
sind der Meinung, sie wäre konstant geblieben oder
gar gewachsen. Dem stehen 41 Prozent der Befragten
gegenüber, die den Rückgang der Grünlandflächen
bemerkt haben. Ähnliches ist in Bezug auf den Rückgang der Bestandszahlen bei den Vögeln zu beobachten: 55 Prozent der Deutschen nehmen eine Konstanz
beziehungsweise eine Zunahme an Vögeln in den

Abbildung 3: Einschätzung der Entwicklung von Bestandteilen der Agrarlandschaften
Wie schätzen Sie die Entwicklung der folgenden Bestandteile von landwirtschaftlich genutzten Gebieten in den letzten
10 Jahren ein?
Bienen

8

Schmetterlinge

8

Wildpflanzen und Ackerwildkräuter

11

Säume und Blühstreifen, also sich selbst überlassene
Flächen zwischen Äckern oder zwischen Äckern und Wegen

11

Frösche und Kröten

11

Bäche und Tümpel

9

22
22

4

66

5

55

32

6

47

36

45 9

40

38

4

7

44

44

4

43

Grünland wie Wiesen und Weiden

11

45

41

3

Alleen, also Straßen und Wege, die auf beiden Seiten
von Bäumen umsäumt sind

10

46

41

3

Vögel

12

40

5

Bäume, Hecken und Sträucher

14
0

43

10

49
20

hat eher zugenommen

hat eher abgenommen

ist etwa gleichgeblieben

weiß nicht/kann ich nicht beurteilen

30

40

1

36
50

60

70

80

90

100

Angaben in Prozent

27

Naturbewusstsein 2015 > Agrarlandschaften

Ob die Abnahme von verschiedenen Bestandteilen
der Agrarlandschaften wahrgenommen wird, hängt
maßgeblich vom Alter ab, weniger von der Bildung.

leben: In kleineren Orten wird die Abnahme wesentlich häufiger bemerkt als in größeren Städten. Die
Abnahme von Bienen etwa wird von Bewohnerinnen
und Bewohnern großer Großstädte mit einer Einwohnerzahl von mindestens 500.0006 „nur“ von 60 Pro­zent
wahrgenommen, in Kleinstädten (Einwohnerzahl:
5.000 bis 20.000) und auf dem Dorf (Einwohnerzahl:
unter 5.000) sind es hingegen 74 Prozent beziehungsweise 80 Prozent, die eine rückläufige Entwicklung
konstatieren. Ähnlich verhält es sich, wenn in den
Blick genommen wird, wo die Befragten aufgewachsen sind: Personen, die auf dem Land groß geworden
sind, nehmen die Abnahme von Bestandteilen der
Agrarlandschaft stärker wahr als Personen, die in
größeren Städten aufgewachsen sind. Beispielsweise
nehmen 52 Prozent der Personen, die auf dem Dorf
(Einwohnerzahl: unter 5.000) groß geworden sind, den
Verlust von Grünland wahr, während dies nur 38 Prozent derjenigen bemerken, die in einer Großstadt mit
über 500.000 Einwohnerinnen und Einwohnern aufgewachsen sind. Diese Ergebnisse machen deutlich,
dass ein gewisses Maß an direkter Naturerfahrung,
wie es auf dem Dorf und in kleineren Städten noch
eher möglich ist, die Sensibilität für Landschaftsveränderungen erhöht.

Wie lassen sich diese Diskrepanzen zwischen Exper­
tenbeobachtungen und Laienwahrnehmung erklären?
Es liegt zunächst die Vermutung nahe, dass insbesondere die formal besser Gebildeten in ihrer Alltagswahrnehmung stärker für Naturschutzthemen sensibilisiert sind, da sie häufiger die Berichterstattung
hierzu verfolgen. Die Ergebnisse dieser Studie stützen
die Vermutung eines Bildungseffekts allerdings nur
sehr bedingt. Ein niedriges formales Bildungsniveau
geht zwar einher mit einer unterdurchschnittlichen
Wahrnehmung des Rückgangs bei Schmetterlingen,
Säumen und Blühstreifen, Bächen und Tümpeln
sowie Fröschen und Kröten. Aber weder beim Thema
Bienen noch bei den Themen Grünland, Wildpflanzen
oder Vögel spielt das Bildungsniveau für die Alltagswahrnehmung eine Rolle.5 Die entscheiden­de soziodemographische Variable ist vielmehr das Alter, die
in beeindruckender Deutlichkeit zu Tage tritt: Es sind
stets die 50- bis 65-Jährigen, die unter den abgefragten
Bestandteilen der Agrarlandschaften den Rückgang
am stärksten bemerken und die unter 30-Jährigen, die
ihn am wenigsten wahrnehmen (siehe hierzu Tabelle 1).

Für die Bevölkerung in Deutschland hat der
Schutz der Natur in Agrarlandschaften einen hohen
Stellenwert.

Auf dem Dorf und in Kleinstädten werden die
Änderungen in der Agrarlandschaft sensibler
wahrgenommen als in Großstädten.

Bei der Wahrnehmung, dass bestimmte Bestandteile
der Agrarlandschaften ab- oder zugenommen haben,
handelt es sich zunächst um eine Feststellung. Erst in
Verbindung mit dem wahrgenommenen Schutzgut-

Ob der Rückgang der abgefragten Bestandteile von
Agrarlandschaften wahrgenommen wird, ist auch abhängig von der Größe des Ortes, in dem die Befrag­ten

Tabelle 1: Einschätzung der Entwicklung von Bestandteilen der Agrarlandschaften nach Geschlecht, Alter und Bildung
Wie schätzen Sie die Entwicklung der folgenden Bestandteile der landwirtschaftlich genutzten Gebiete in den letzten
10 Jahren ein?
Antwortkategorie:
hat eher abgenommen

Geschlecht

Alter (Jahre)

Bildung

Angaben in Prozent

Ø

M

W

bis 29

30 bis
49

50 bis
65

über
65

Bienen

66

66

66

57

64

73

68

64

68

66

Schmetterlinge

55

54

57

49

54

61

55

52

57

57

niedrig mittel

hoch

Wildpflanzen und Ackerwildkräuter

47

48

45

37

44

57

46

45

50

46

Säume und Blühstreifen

45

46

44

39

43

53

41

41

49

44

Frösche und Kröten

44

45

42

36

41

49

46

41

46

45

Bäche und Tümpel

43

41

44

40

40

48

42

40

46

43

Alleen

41

41

41

30

40

51

39

40

46

38

Grünland wie Wiesen und Weiden

41

41

40

33

40

46

40

41

42

39

Vögel

40

42

39

34

38

45

44

39

41

42

Bäume, Hecken und Sträucher

36

36

35

29

35

41

35

37

37

32

stark überrepräsentiert

28

Durchschnitt

überrepräsentiert

unterrepräsentiert

stark unterrepräsentiert

Naturbewusstsein 2015 > Agrarlandschaften

Abbildung 4: Wichtigkeit von ausgewählten Bestandteilen der Agrarlandschaften
Wie wichtig finden Sie es, dass folgende Bestandteile von landwirtschaftlich genutzten Gebieten geschützt werden?
71

Bienen

21

65

Vögel

26

60

Grünland wie Wiesen und Weiden

Bäume, Hecken und Sträucher

56

Schmetterlinge

56

Bäche und Tümpel

55

34

Säume und Blühstreifen, also sich selbst überlassene
Flächen zwischen Äckern oder zwischen Äckern und Wegen

44

38

eher nicht wichtig

eher wichtig

überhaupt nicht wichtig

charakter kann daraus eine Motivation werden, sich
für mehr Naturschutz einzusetzen. Daher zielt die
nächste Frage darauf ab, wie wichtig die Bevölkerung
den Schutz der einzelnen Agrarlandschaftsbestandteile einstuft.
Die hier ausgewählten und präsentierten Bestandteile
von Agarlandschaften werden von nur wenigen Deutschen als eher oder überhaupt nicht wichtig eingestuft
(siehe Abbildung 4). Sehr wichtig sind für sie die Bienen
(71 Prozent), gefolgt von den Vögeln (65 Prozent),
dem Grünland (60 Prozent), Bäumen, Hecken und
Sträuchern (56 Prozent), Schmetterlingen (56 Prozent),
Bächen und Tümpeln (55 Prozent), Wildpflanzen und
Ackerwildkräutern (49 Prozent), Alleen (46 Prozent),
Fröschen und Kröten (45 Prozent) sowie Säumen und
Blühstreifen (44 Prozent).

8 12

35

45

sehr wichtig

10 2 3

34

Frösche und Kröten

20

8 11

29

46

10

7 1

34

Alleen, also Straßen und Wege, die auf beiden Seiten
von Bäumen umsäumt sind

0

7 11

32

49

Wildpflanzen und Ackerwildkräuter

6 2

11

39

30

40

50

60

weiß nicht/keine Angabe

13

15

70

80

32

2

42

14

22

90

100

Angaben in Prozent

Betrachten wir die Rangfolge der abgefragten Bestandteile der Agrarlandschaften, die als abnehmend wahrgenommen werden, und vergleichen sie mit der Rangfolge der Bestandteile, deren Schutz als sehr wichtig
erachtet wird, dann zeigt sich: Es gibt Landschaftsbestandteile, die in beiden Rangfolgen in etwa „gleichauf“
liegen. Das gilt für die Bienen, für Bäche und Tümpel
sowie für Alleen. Hier decken sich gleichsam die
wahrgenommene Abnahme und die Einstufung als
schützenswertes Gut. Doch es gibt auch Landschaftsbestandteile, die zwar als besonders schützenswert
eingestuft werden, deren Abnahme in den letzten zehn
Jahren aber eher weniger ausgeprägt wahrgenommen
wurde. Hierzu zählen die Vögel, das Grünland sowie
Bäume, Hecken und Sträucher. Umgekehrt gibt es
auch Landschaftsbestandteile, die relativ hoch in der
Rangfolge der wahrgenommenen Abnahme rangieren,
die aber in der Reihe der Schutzgüter einen niedrigeren Rang einnehmen. Dazu zählen Wildpflanzen und

29

Naturbewusstsein 2015 > Agrarlandschaften

Prozent aller Befragten Bäume, Hecken und Sträucher
besonders schützenswert. Auf dem Dorf (Einwohner­
zahl: unter 5.000) teilen diese Haltung wesentlich
mehr Menschen, nämlich 79 Prozent, wohingegen in
Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnerinnen
und Einwohnern weniger als die Hälfte (47 Prozent)
dieser Meinung ist. Damit bleibt festzuhalten, dass
in Großstädten mit über 500.000 Einwohnerinnen
und Einwohnern nicht nur ein Wahrnehmungs-,
sondern auch ein Wertschätzungsdefizit gegenüber
naturnahen Bestandteilen der Agrarlandschaften
besteht. Dabei sei angemerkt, dass in der Stichprobe
die Altersgruppe der 50- bis 65-Jährigen in kleineren
Städten deutlich überrepräsentiert ist (Anteil der
50- bis 65-Jährigen in Deutschland in Orten mit einer
Einwohnerzahl unter 100.000: 43 Prozent; Anteil der
Gesamtbevölkerung in Orten unter 100.000: 34 Prozent), in Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist sie hingegen unterrepräsentiert (Anteil der 50- bis 65-Jährigen in Orten
mit einer Einwohnerzahl über 500.000: 28 Prozent;
Anteil der Gesamtbevölkerung in Orten über 500.000:
36 Prozent).8 Ähnlich verhält es sich bei Personen mit
mittleren Bildungsabschlüssen: In kleineren Städten
sind sie überrepräsentiert (Anteil an Personen mit
mittlerer Bildung in Deutschland in Orten mit einer
Einwohnerzahl unter 100.000: 43 Prozent; Anteil der
Gesamtbevölkerung: 34 Prozent), in Großstädten
mit mehr als 500.000 Einwohnerinnen und Einwohnern sind sie hingegen unterrepräsentiert (Anteil an
Personen mit mittlerer Bildung in Orten mit einer
Einwohnerzahl über 500.000: 30 Prozent; Anteil der
Gesamtbevölkerung: 36 Prozent). 9 Dies mag teilweise
erklären, warum der wahrgenommene Rückgang der
verschiedenen Agrarlandschaftsbestandteile eben-

Ackerwildkräuter, Säume und Blühstreifen, Frösche
und Kröten sowie ansatzweise auch Schmetterlinge.
Im Rahmen der Naturschutzkommunikation sollte im
jeweils entsprechenden Fall daher entweder stärker
auf die Realität des Verlustes hingewiesen werden oder
stärker auf die Schutzwürdigkeit.
Ein Blick auf die Soziodemographie der Befragten
zeigt, dass Frauen dem Schutzgutcharakter der
Landschaftsbestandteile eine durchgängig höhere
Bedeutung zuschreiben als Männer und dass diese
Einschätzung mit steigendem Alter zunimmt – allerdings nur bis zur Altersgruppe der 50- bis 65-Jährigen.
Auch hier geht ein mittleres Bildungsniveau mit einer
überdurchschnittlichen Relevanzeinschätzung
einher. Befragte mit einer niedrigen Formalbildung
schreiben vielen Landschaftsbestandteilen eine
unterdurchschnittliche Bedeutung zu. Überraschenderweise trifft das bei den Themen Bienen sowie
Wildpflanzen und Ackerwildkräuter auch auf die
Gutgebildeten zu (siehe Tabelle 2). Allerdings relativiert sich das Bild, wenn die zweite Zustimmungsstufe
hinzugezählt wird: Nahezu genauso häufig wie der
Bevölkerungsdurchschnitt erachten die Gutgebildeten
den Schutz von Bienen (92 Prozent; Bevölkerungsdurchschnitt: 92 Prozent) sowie von Wildpflanzen
und Ackerwildkräutern (83 Prozent; Bevölkerungsdurchschnitt: 84 Prozent) als sehr oder eher wichtig.7
Differenziert nach Ortsgrößen offenbaren die Befun­
de, dass die Bewohnerinnen und Bewohner von
kleineren Städten und insbesondere von Dörfern die
Bedeutung der Agrarlandschaftsbestandteile durchweg höher einstufen als Menschen, die in Großstädten leben. Beispielsweise finden im Durchschnitt 56

Tabelle 2: Wichtigkeit von schützenswerten Bestandteilen der Agrarlandschaften nach Alter, Geschlecht und Bildung
Wie wichtig finden Sie es, dass folgende Bestandteile von landwirtschaftlich genutzten Gebieten geschützt werden?
Antwortkategorie:
sehr wichtig

Durchschnitt

Angaben in Prozent

Ø

M

W

Alter (Jahre)
bis 29

30 bis
49

50 bis
65

Bildung
über
65

niedrig mittel

hoch

Bienen

71

67

75

59

71

78

70

68

77

67

Vögel

65

63

68

54

63

73

68

61

73

63

Grünland wie Wiesen und Weiden

60

56

63

46

60

66

62

59

62

58

Schmetterlinge

56

51

62

43

55

64

59

52

64

54

Bäume, Hecken und Sträucher

56

52

60

44

55

63

59

53

63

53

Bäche und Tümpel

55

52

58

45

52

64

56

50

61

55

Wildpflanzen und Ackerwildkräuter

49

47

52

35

48

58

50

48

55

44

Alleen

46

42

48

33

42

53

52

41

53

42

Frösche und Kröten

45

42

48

37

44

51

46

42

50

43

Säume und Blühstreifen

44

41

46

35

41

51

47

41

48

43

stark überrepräsentiert

30

Geschlecht

überrepräsentiert

unterrepräsentiert

stark unterrepräsentiert

Naturbewusstsein 2015 > Agrarlandschaften

Abbildung 5: Wichtigkeit von schützenswerten Bestandteilen der Agrarlandschaften nach Milieus
Wie wichtig finden Sie es, dass folgende Bestandteile von landwirtschaftlich genutzten Gebieten geschützt werden?
sehr wichtig

Oberschicht /
Obere
Mittelschicht

Bienen

KonservativEtablierte
74 %

Mittlere
Mittelschicht

Traditionelle
72 %

Performer
65 %
Expeditive
66 %

Sozialökologische
90 %
AdaptivPragmatische
79 %

Bürgerliche Mitte
71 %

Hedonisten
57 %

Soziale Lage

Untere Mittelschicht /
Unterschicht

LiberalIntellektuelle
82 %

Prekäre
63 %
Durchschnitt = 71 %
Grundorientierung
Festhalten Bewahren Haben & Genießen

Tradition

stark überrepräsentiert

Sein & Verändern

Modernisierung / Individualisierung

unterrepräsentiert

so wie die Relevanzeinschätzung derselben in der
Altersgruppe der 50- bis 65-Jährigen und bei Personen
mit mittleren Bildungsabschlüssen besonders stark
ausgeprägt ist.
Ein Blick auf die verschiedenen sozialen Milieus in
Deutschland zeigt: In der Sozialökologischen und
Liberal-intellektuellen Lebenswelt wird der Schutzgutcharakter der Landschaftsbestandteile insgesamt
am stärksten betont. Wie die Vorgängererhebungen
der Naturbewusstseinsstudien gezeigt haben, halten
sich die Angehörigen dieser Milieus sehr gerne und
viel in der Natur auf. Dies erklärt wahrscheinlich
auch, warum in beiden Milieus das Wissen um die
Abnahme verschiedener Agrarlandschaftsbestandteile am weitesten verbreitet ist. Bei den Adaptiv-Pragmatischen fällt auf, dass sie den Bestand von Bienen
überdurchschnittlich häufig als besonders schützenswert erachten (siehe Abbildung 5). Durchweg am niedrigsten wird der Schutzgutcharakter dagegen in den
Milieus der Prekären und Hedonisten eingeschätzt.
Zurückzuführen ist dies auf ihre vergleichsweise ge­
ringe Naturverbundenheit.

Machen & Erleben Grenzen überwinden

Neuorientierung

stark unterrepräsentiert

durchschnittlich

2.3 P
 roduktionsmethoden, Landwirtschaftspolitik und Gentechnik
Im Folgenden wird dargestellt, wie sich nach Meinung
der Bevölkerung verschiedene Anbau- und Verfahrensmethoden der landwirtschaftlichen Produktion auf
die Natur und die biologische Vielfalt auswirken. Anschließend wird beleuchtet, wie die Bevölkerung zum
Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft steht.
Schließlich wird aufgezeigt, wie ausgewählte Handlungsmöglichkeiten der Agrarpolitik bewertet werden.
Die chemische Schädlings- und Unkrautbekämp­
fung wird mit Abstand am häufigsten als besonders
schädlich eingestuft.
Als besonders kritisch schätzen die meisten Deutschen die chemische Schädlings- und Unkrautbekämpfung ein (siehe Abbildung 6): 66 Prozent halten
sie für sehr schädlich, 25 Prozent für etwas schädlich,
sieben Prozent für wenig schädlich, und zwei Prozent

31

Naturbewusstsein 2015 > Agrarlandschaften

Abbildung 6: Einschätzung von Auswirkungen landwirtschaftlicher Anbau- und Verfahrensmethoden auf Natur
und biologische Vielfalt
Meinen Sie, dass die jeweiligen Verfahren und Maßnahmen der Natur und der biologischen Vielfalt stark schaden, etwas
schaden, wenig schaden oder überhaupt nicht schaden?
Chemische Schädlings- und Unkrautbekämpfung

66

Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen

45

Kunstdünger

15

39

30

4 5

52

19

20

36

10

4

Anbau von nur einer Pflanzenart auf
großflächigen Gebieten

27

34

22

12

5

Die Umwandlung von Wiesen und Weiden
in Ackerflächen

25

37

22

12

4

Düngung mit Mist und Gülle

22

13
0

schadet stark

schadet wenig

schadet etwas

schadet überhaupt nicht

gehen davon aus, dass damit überhaupt kein Schaden
für Natur und biologische Vielfalt verbunden ist.
An zweiter Stelle rangiert der Anbau von gentechnisch
veränderten Pflanzen (schadet stark: 45 Prozent), ge­
folgt vom Ausbringen von Kunstdünger (35 Prozent),
dem wiederholten Anbau der gleichen Pflanzenart
auf derselben Fläche (30 Prozent), dem Anbau von nur
einer Pflanzenart auf großer Fläche (27 Prozent) sowie
der Umwandlung von Wiesen und Weiden in Ackerflächen (25 Prozent). Bei allen genannten Maßnahmen
bilden die beiden Kategorien „schadet stark“ und
„schadet etwas“ die deutliche Mehrheit. Als letztes
Verfahren wurde in die Befragung die Düngung mit
Mist und Gülle eingebracht. Hier antworteten nur
13 Pro­zent mit „schadet stark“, 22 Prozent mit „scha­
det etwas“, 25 Prozent mit „schadet wenig“ und 37 Prozent mit „schadet überhaupt nicht“. Die Bevölkerung
schreibt der Düngung mit natürlichen Substanzen
im Rahmen der abgefragten Maßnahmen somit das
geringste Gefahrenpotenzial zu – obwohl die mit der
Massentierhaltung anfallende enorme Menge an Mist
und insbesondere Gülle für den Naturhaushalt in einigen Regionen Deutschlands ein gravierendes Problem
darstellt (vergleiche Schießl et al. 2015).

32

31

35

Wiederholter Anbau der gleichen Pflanzenart
auf derselben Fläche

7 2

25

10

20

25
30

40

50

3

37
60

weiß nicht/keine Angabe

70

80

90

100

Angaben in Prozent

Das Bildungsniveau der Befragten hat kaum einen
Einfluss auf ihr Antwortverhalten, wohl aber ihr Lebensalter (siehe Tabelle 3). Wie bei der Frage nach den
Landschaftsbestandteilen sind die jüngeren Befragten
(unter 30-Jährige) deutlich seltener der Meinung, die
erwähnten landwirtschaftlichen Produktionsmetho­
den würden Natur und biologischer Vielfalt stark
schaden, während es bei den 50- bis 65-Jährigen deutlich mehr sind als im Durchschnitt. Man kann hier die
Vermutung äußern, dass diese Generation – geboren
zwischen 1950 und 1965 – Erfahrungen zum Beispiel
in der oder durch die Umweltschutzbewegung gesammelt hat, die für ihre heutige Haltung prägend sind.10
Wesentlich ist der Einfluss der Ortsgröße: Bei fast
allen abgefragten Verfahrens- und Produktionsmethoden zeigt man sich in kleineren Gemeinden
deutlich kritischer als in Großstädten (siehe Tabelle 4).
Der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen etwa
wird im Durchschnitt von 45 Prozent der Befragten
als stark schädlich bewertet. In Großstädten mit einer
Einwohnerzahl von mindestens 500.000 sind es nur
37 Prozent, die so denken, in Gemeinden mit einer
Einwohnerzahl unter 5.000 hingegen 72 Prozent.

Naturbewusstsein 2015 > Agrarlandschaften

Tabelle 3: E
 inschätzung von Auswirkungen landwirtschaftlicher Anbau- und Verfahrensmethoden auf Natur und
biologische Vielfalt nach Geschlecht, Alter und Bildung
Meinen Sie, dass die jeweiligen Verfahren und Maßnahmen der Natur und der biologischen Vielfalt stark schaden,
etwas schaden, wenig schaden oder überhaupt nicht schaden?
Antwortkategorie:
schadet stark

Durchschnitt

Angaben in Prozent

Ø

M

W

bis 29

30 bis
49

50 bis
65

über
65

Chemische Schädlings- und
Unkrautbekämpfung

66

63

69

59

65

70

67

64

65

69

Anbau von gentechnisch veränderten
Pflanzen

45

41

49

33

43

55

46

45

46

44

Kunstdünger

35

33

38

29

36

38

36

35

35

36

Wiederholter Anbau der gleichen
Pflanzenart auf derselben Fläche

30

30

29

24

26

36

32

28

31

30

Anbau von nur einer Pflanzenart auf
großflächigen Gebieten

27

28

25

20

23

32

31

24

29

27

Die Umwandlung von Wiesen und
Weiden in Ackerflächen

25

25

24

20

24

27

27

23

28

23

Düngung mit Mist und Gülle

13

13

12

10

13

15

11

12

14

11

stark überrepräsentiert

Geschlecht

überrepräsentiert

Alter (Jahre)

unterrepräsentiert

Bildung
niedrig mittel

hoch

stark unterrepräsentiert

Tabelle 4: Einschätzung von Auswirkungen landwirtschaftlicher Anbau- und Verfahrensmethoden auf Natur und
biologische Vielfalt nach Ortsgröße
Meinen Sie, dass die jeweiligen Verfahren und Maßnahmen der Natur und der biologischen Vielfalt stark schaden,
etwas schaden, wenig schaden oder überhaupt nicht schaden?
Antwortkategorie:
schadet stark

Ortsgröße (in 1.000)

Angaben in Prozent

Ø

<5

5-20

20-100

100-500

über 500

Chemische Schädlings- und Unkrautbekämpfung

66

82

59

67

68

63

Anbau von gentechnisch veränderten
Pflanzen

45

72

57

49

46

37

Kunstdünger

35

60

32

43

34

30

Wiederholter Anbau der gleichen
Pflanzenart auf derselben Fläche

30

47

41

29

35

20

Anbau von nur einer Pflanzenart auf
großflächigen Gebieten

27

48

28

31

28

20

Die Umwandlung von Wiesen und
Weiden in Ackerflächen

25

29

27

23

27

23

Düngung mit Mist und Gülle

13

10

25

17

11

9

stark überrepräsentiert

überrepräsentiert

Erwartungsgemäß sind vor allem die Mitglieder des
Sozialökologischen Milieus skeptisch in ihrer Einschätzung landwirtschaftlicher Praktiken, aber
chemische Schädlings- und Unkrautbekämpfung und
Gentechnik werden auch im Liberal-intellektuellen
Milieu überdurchschnittlich häufig als sehr schädlich

unterrepräsentiert

stark unterrepräsentiert

für die Natur bewertet. Für die Hedonisten sind die
landwirtschaftlichen Praktiken hingegen weniger
problembehaftet. Das mag daran liegen, dass sie sich
über mögliche Folgen keine Sorgen machen. Die
Einschätzung von Auswirkungen landwirtschaftlicher Anbau- und Verfahrensmethoden hat aus ihrer

33

Naturbewusstsein 2015 > Agrarlandschaften

Fleischangeboten vereinbar? Zur Beantwortung dieser
Frage sind eingehendere Untersuchungen erforderlich.

Sicht kaum etwas mit den eigenen Lebenszusammen­
hängen zu tun. Dieses spaß- und erlebnisorientierte
Milieu lebt im „Hier und Jetzt“ und macht sich generell wenig Gedanken über die Zukunft.
Fast allen Deutschen ist es wichtig, dass das Wohl der
Tiere bei der Nutztierhaltung beachtet wird.
Befragt nach der Bedeutung ausgewählter Handlungsmöglichkeiten der Agrarpolitik lässt sich fest­
stellen, dass unter den Deutschen ein ethisches Motiv
die stärkste Zustimmung erfährt: 93 Prozent finden es
sehr oder eher wichtig, dass bei der Haltung von Nutztieren das Wohl der Tiere beachtet wird, beispielsweise indem sie Auslauf oder Zugang zu einer Weide
haben. 65 Prozent ist das sogar sehr wichtig. Diese
hohe Zustimmung zum Kriterium des Tierwohls ist
beachtlich. Dennoch muss sie im Kontext der agrar­
wirtschaftlichen Realität von Massentierhaltung
gesehen werden: Es stellt sich die Frage, wie weit die
Wertschätzung des Tierwohls im Alltag tatsächlich
reicht. Offenkundig hat das Tier für eine Mehrheit der
Deutschen ein Recht auf sein Wohlergehen. Wie aber
ist dieses Ergebnis mit der Nachfrage nach billigen

Auf Platz zwei landet die Forderung, die Landwirtschaft solle bei ihren Entscheidungen die Auswirkungen auf die Natur berücksichtigen (sehr wichtig:
64 Prozent, eher wichtig: 28 Prozent). Mit einem
etwas größeren Abstand folgt die Zustimmung zu
den Aussagen, die Pflege der Kulturlandschaft solle
berücksichtigt werden (sehr wichtig: 47 Prozent, eher
wichtig: 43 Prozent), es solle möglichst regionale
Anbau- und Konsumkreisläufe geben (sehr wichtig:
47 Prozent, eher wichtig: 38 Prozent), und die Biolandwirtschaft solle ausgebaut werden (sehr wichtig:
46 Prozent, eher wichtig: 38 Prozent). Dass sich die
Landwirtschaft möglichst an den Wünschen und
Bedürfnissen der Verbraucherinnen und Verbraucher
orientiert, unterstützen 35 Prozent der Befragten
deutlich, weitere 51 Prozent eher. 30 Prozent halten
es für sehr wichtig, dass landwirtschaftliche Flächen
nach Möglichkeit vollständig für die Erzeugung
von Nahrungsmitteln eingesetzt werden, weitere
43 Prozent finden dies eher wichtig. Dem steht

Abbildung 7: Zustimmung zu agrarpolitischen Forderungen
Bitte bewerten Sie, wie wichtig Sie die folgenden Aussagen persönlich finden.
Bei der Haltung von Nutztieren wird das Wohl der Tiere
beachtet, beispielsweise indem sie Auslauf oder Zugang
zu einer Weide haben

65

Die Landwirtschaft berücksichtigt bei Entscheidungen,
welche Auswirkungen ihr Handeln auf die Natur hat, z. B.
für den Erhalt von Böden und sauberem Grundwasser

64

Bei landwirtschaftlichen Tätigkeiten wird die Pflege der
Kulturlandschaft mitberücksichtigt

47

Anbau, Verarbeitung und der Konsum von Lebensmitteln
erfolgen nach Möglichkeit in einer Region

47

Die Biolandwirtschaft wird ausgebaut

46

Die landwirtschaftliche Produktion orientiert sich an den
Wünschen und Bedürfnissen der Verbraucherinnen
und Verbraucher
Alle landwirtschaftlich nutzbaren Flächen werden
nach Möglichkeit vollständig für die Erzeugung
von Nahrungsmitteln eingesetzt

30

Landwirtschaftlich genutzte Gebiete sollen auch
für Erholung und Freizeit geeignet sein

29

sehr wichtig

weniger wichtig

eher wichtig

überhaupt nicht wichtig

10

6 11

43

7 3

38

12 21

38

12

51

40

50

weiß nicht/kann ich
nicht beurteilen

5 3

19

43
30

22
60

22

11 2 1

43

20

6 1

28

35

0

34

28

70

80

5 1
90

100

Angaben in Prozent

Naturbewusstsein 2015 > Agrarlandschaften

Tabelle 5: Zustimmung zu agrarpolitischen Aussagen nach Geschlecht, Alter und Bildung
Bitte bewerten Sie, wie wichtig Sie die folgenden Aussagen persönlich finden.
Antwortkategorie:
sehr wichtig

Durchschnitt

Angaben in Prozent

Ø

M

W

bis 29

30 bis
49

50 bis
65

über
65

Bei der Haltung von Nutztieren wird
das Wohl der Tiere beachtet

65

62

70

57

62

74

68

64

69

64

Die Landwirtschaft berücksichtigt bei
Entscheidungen, welche Auswirkungen ihr Handeln auf die Natur hat

64

63

66

56

63

70

66

62

64

66

Anbau, Verarbeitung und der Konsum
von Lebensmitteln erfolgen nach
Möglichkeit in einer Region

47

43

51

33

47

51

54

46

54

41

Bei landwirtschaftlichen Tätigkeiten
wird die Pflege der Kulturlandschaft
mit berücksichtigt

47

45

50

39

43

53

51

44

48

50

Die Biolandwirtschaft wird ausgebaut

46

42

50

39

43

50

53

44

47

49

Die landwirtschaftliche Produktion
orientiert sich an den Wünschen und
Bedürfnissen der Verbraucher und
Verbraucherinnen

35

36

36

31

35

37

39

36

37

33

Alle landwirtschaftlich nutzbaren
Flächen werden nach Möglichkeit
vollständig für die Erzeugung von
Nahrungsmitteln eingesetzt

30

29

32

23

28

31

38

33

31

25

Landwirtschaftlich genutzte Gebiete
sollen auch für Erholung und Freizeit
geeignet sein

29

27

30

27

30

28

29

26

31

29

stark überrepräsentiert

Geschlecht

überrepräsentiert

gegenüber, dass 29 Prozent es sehr wichtig finden, dass
landwirtschaftlich genutzte Gebiete auch für Freizeit
und Erholung nutzbar sind, weitere 43 Pro­­zent finden
dies eher wichtig.
Erneut ist es die jüngere Generation (vor allem die
unter 30-Jährigen), die den agrarpolitischen Aussagen
eine geringere Bedeutung beimisst. Gleiches gilt für
Männer. Ein klarer Bildungseffekt zeigt sich hingegen
nicht (siehe Tabelle 5). Differenziert nach Ortsgrößen
offenbaren die Befunde, dass Menschen, die in großen
Großstädten (Einwohnerzahl: über 500.000) leben,
den verschiedenen Aussagen eine geringere Bedeutung zusprechen als der Bevölkerungsdurchschnitt.
Am deutlichsten fallen aber die Milieuunterschiede
aus: Während die Sozialökologischen und die Liberal-Intellektuellen fast bei allen Aussagen wesentlich
häufiger als der Durchschnitt mit „sehr wichtig“
ant­worten, fällt die Zustimmung in der Prekären
und Hedonistischen Lebenswelt durchweg unterdurchschnittlich aus. Darüber hinaus fällt auf, dass
die Angehörigen des Sozialökologischen Milieus
besonders kritisch bei der Frage nach der „richtigen“
Haltung von Nutztieren reagieren. Dass dabei auf das

Alter (Jahre)

unterrepräsentiert

Bildung
niedrig mittel

hoch

stark unterrepräsentiert

Wohl der Tiere geachtet wird, ist 82 Prozent der Sozialökologischen „sehr wichtig“, weiteren 17 Prozent ist
es „eher wichtig“. Dieses Ergebnis lässt sich mit dem
von Idealismus und Sendungsbewusstsein geprägten
Weltbild dieses Milieus erklären: Viele Sozialökologische sehen sich als „Gewissen der Gesellschaft“, als
kritische Beobachter und schonungslose Aufklärer
von Missständen.
Fast zwei Drittel der Deutschen glauben, dass mehr
Naturschutz die Nahrungsmittel teurer macht.
Aber können wir uns mehr Naturschutz in der Landwirtschaft überhaupt leisten? Führen die angesprochenen landwirtschaftlichen Maßnahmen und agrarpolitischen Forderungen nicht letztlich zu höheren
Nahrungsmittelpreisen? Und kann es nicht sein, dass
Kunstdünger und chemische Schädlingsbekämpfungsmittel einfach nötig sind, um Ernährungssicherheit zu gewährleisten? Auch diese Fragen wurden in
der vorliegenden Studie gestellt (siehe Abbildung 8).
Die Ergebnisse zeigen: Eine deutliche Mehrheit (beide
Zustimmungsstufen: 65 Prozent) geht davon aus, dass
mehr Naturschutz die Nahrungsmittel teurer macht,

35

Naturbewusstsein 2015 > Agrarlandschaften

Abbildung 8: Einstellung zum Naturschutz in der Landwirtschaft
Wie sehr stimmen Sie den folgenden Aussagen zu? Stimmen Sie den Aussagen voll und ganz zu, eher zu, eher nicht zu oder
stimmen Sie überhaupt nicht zu
Mehr Naturschutz in der Landwirtschaft würde unsere
Nahrungsmittel deutlich teurer machen

21

Kunstdünger und chemische Schädlingsbekämpfungsmittel sind notwendig, um die Bevölkerung
ernähren zu können

44

9

0
stimme voll und ganz zu

stimme eher nicht zu

stimme eher zu

stimme überhaupt nicht zu

vor allem die unter 30-Jährigen (71 Prozent) sind
dieser Meinung. Eher geteilt ist das Bild mit Blick auf
die Auswirkungen des Verzichts auf Kunstdünger und
Chemie auf die Ernährungssicherheit: Der Aussage,
Kunstdünger und chemische Schädlingsbekämpfungsmittel seien für die Ernährungssicherheit der
Bevölkerung notwendig, stimmt die Mehrheit der Befragten nicht zu (beide Stufen: 55 Prozent); 40 Prozent
stimmen dieser Aussage zu – etwas häufiger Männer
(43 Prozent) und die Gruppe der einkommensstärksten Haushalte (Haushaltsnettoeinkommen mindestens 3.500 Euro: 47 Prozent). Am niedrigsten fällt die
Zustimmung zu dieser Aussage in Gemeinden mit
weniger als 5.000 Einwohnerinnen und Einwohnern
aus (beide Zustimmungsstufen: 30 Prozent).

26

31

10

20

4 5

37

30

40

50

18

60

70

weiß nicht/kann ich
nicht beurteilen

80

5

90

100

Angaben in Prozent

Agrarpolitische Instrumente, die auf mehr Natur­
schutz abzielen, finden in der Bevölkerung starken
Zuspruch.
Obwohl die Befragten bei der folgenden Frage explizit
darauf hingewiesen wurden, dass sowohl die finanzielle Förderung des Naturschutzes als auch strengere
Regeln und Gesetze zu einer Mehrbelastung für die
Verbraucherinnen und Verbraucher führen könnten
(vergleiche die konkrete Fragestellung, Abbildung 9),
finden beide Maßnahmentypen eine hohe Zustimmung. Dabei befürworten mehr Befragte den Erlass
strengerer Regeln und Gesetze (befürworte ich voll
und ganz / eher: 83 Prozent) als eine entsprechende
finanzielle Förderung (74 Prozent).

Abbildung 9: Einstellung zu agrarpolitischen Maßnahmen zum Schutz der Natur
Wenn der Staat möchte, dass die Landwirtschaft mehr für den Naturschutz tut, kann er entweder das gewünschte Verhalten
finanziell fördern, also subventionieren, oder strengere Regeln und Gesetze erlassen. Bitte bedenken Sie dabei, dass eine
finanzielle Förderung durch Steuergelder bezahlt wird, während strengere Regeln und Gesetze die Preise für Lebensmittel
erhöhen können, wenn die Landwirtinnen und Landwirte die zusätzlichen Kosten an die Verbraucherinnen und Verbraucher
weitergeben. Inwieweit befürworten Sie eine finanzielle Förderung oder strengere Regeln und Gesetze, damit Landwirtinnen
und Landwirte mehr für den Naturschutz tun?

45

Strengere Regeln und Gesetze

30

Finanzielle Förderung

0

36

38

10

befürworte ich voll und ganz

befürworte ich eher nicht

befürworte ich eher

befürworte ich überhaupt nicht

12

44

20

30

40

50

weiß nicht/kann ich
nicht beurteilen

19

60

70

80

32

5 2

90

100

Angaben in Prozent

Naturbewusstsein 2015 > Agrarlandschaften

Abbildung 10: Einstellung zu agrarpolitischen Maßnahmen zum Schutz der Natur nach Milieus

Inwieweit befürworten Sie strengere Regeln und Gesetze? Befürworte ich voll und ganz (Durchschnitt = 45 %)

KonservativEtablierte
47 %

LiberalIntellektuelle
53 %

Performer
39 %
Expeditive
51 %

Sozialökologische
55 %
AdaptivPragmatische
53 %

Traditionelle
46 %

Bürgerliche Mitte
46 %
Hedonisten
35 %
Prekäre
34 %

Inwieweit befürworten Sie eine finanzielle Förderung? Befürworte ich voll und ganz (Durchschnitt = 30 %)

LiberalIntellektuelle
42 %
KonservativEtablierte
31 %

Performer
25 %
Expeditive
42 %

Sozialökologische
33 %
AdaptivPragmatische
33 %
Traditionelle
27 %

Bürgerliche Mitte
26 %

Hedonisten
28 %
Prekäre
18 %

stark überrepräsentiert

stark unterrepräsentiert

überrepräsentiert

durchschnittlich

Bei Frauen fällt die Zustimmung zu beiden Maßnahmentypen jeweils etwas stärker aus als im Bevölkerungsdurchschnitt (höchste Zustimmungsstufe:
strengere Regeln und Gesetze: 49 Prozent, finanzielle
Förderung: 32 Prozent). Jüngere (unter 30-Jährige)

sind unterdurchschnittlich häufig für strengere
Regeln und Gesetze (höchste Zustimmungsstufe:
38 Prozent), formal niedrig Gebildete unterdurchschnittlich häufig für eine finanzielle Förderung
(25 Prozent). Werden beide Zustimmungsstufen

37

Naturbewusstsein 2015 > Agrarlandschaften

Die Deutschen haben große gesundheitliche
und ethische Bedenken gegen eine gentechnische
Manipulation der Natur.

berücksichtigt, lässt sich feststellen, dass die finanzielle Förderung vor allem von der Gruppe mit dem
höchsten Haushaltsnettoeinkommen (ab 3.500 Euro)
weniger stark befürwortet wird (66 Prozent). Darüber
hinaus fällt erneut die Ortsgröße ins Auge: Während
sich die Bewohnerinnen und Bewohner von Großstädten mit einer Einwohnerzahl von über 500.000
unterdurchschnittlich häufig für eine finanzielle
Förderung (höchste Zustimmungsstufe: 25 Prozent)
und strengere Regeln und Gesetze (37 Prozent)
aussprechen, liegen die Zustimmungswerte in den
kleinen Gemeinden (Einwohnerzahl: unter 5.000)
merklich darüber (höchste Zustimmungsstufe:
finanzielle Förderung: 36 Prozent, strengere Regeln
und Gesetze: 71 Prozent).

79 Prozent der Deutschen lehnen es im Großen und
Ganzen ab, dass Nutztiere mit gentechnisch veränderter Nahrung gefüttert werden, 53 Prozent lehnen
das sogar strikt ab. Dies lässt auf ein Gesundheits- und
Risikobewusstsein der Deutschen schließen, denn
gleichzeitig haben nur sieben Prozent überhaupt kein
Problem damit, gentechnisch veränderte Lebensmittel zu essen (höchste Zustimmungsstufe). 45 Prozent
haben hiermit hingegen große und weitere 28 Prozent
eher Probleme. Anscheinend besteht die Angst davor,
dass sich gentechnisch veränderte Lebensmittel
negativ auf die eigene Gesundheit auswirken – auch
über den „Umweg“ der Fütterung von Nutztieren.11
Neben diesen eher eigennützigen Motiven finden sich
aber auch ethische Bedenken. 75 Prozent stimmen
der Aussage zu, der Mensch habe kein Recht, Pflanzen
und Tiere gezielt gentechnisch zu verändern.

Deutlich sind auch die Milieuunterschiede: Für
strengere Regeln und Gesetze sind am häufigsten
die Sozialökologischen (höchste Zustimmungsstufe:
55 Prozent), die Liberal-Intellektuellen (53 Prozent)
und die Adaptiv-Pragmatischen (53 Prozent), für eine
finanzielle Förderung die Liberal-Intellektuellen
(höchste Zustimmungsstufe: 42 Prozent) und die Expeditiven (42 Prozent). Dass im Milieu der Hedonisten
nur 35 Prozent für strengere Regeln und Gesetze sind,
ist mit ihrer generellen Abneigung gegen Konventionen und Vorschriften zu erklären. Die niedrigen Zustimmungswerte bei den Prekären (siehe Abbildung
10) deuten darauf hin, dass man in dieser Lebenswelt
eine mögliche Mehrbelastung der Verbraucherinnen
und Verbraucher (als Folge agrarpolitischer Entscheidungen) am stärksten befürchtet.

Den Argumenten „Gentechnik als Beitrag zur Bekämp­
fung des Welthungers“ und „Gentechnik als Beitrag zur
Kostensenkung“ wird überwiegend widersprochen.
In der Diskussion um Gentechnik in der Landwirtschaft spielen zwei Argumente eine wichtige Rolle:
Gentechnik als Beitrag zur Bekämpfung des Welthungers und Gentechnik als Beitrag zur Kostensenkung
bei Lebensmitteln. Es zeigt sich, dass die Deutschen
beiden Argumenten überwiegend nicht zustimmen
(siehe Abbildung 11).

Abbildung 11: Einstellungen zum Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft
Bitte bewerten Sie folgende Aussagen zum Thema Gentechnik in der Landwirtschaft. Stimmen Sie den Aussagen voll und
ganz zu, eher zu, eher nicht zu oder stimmen Sie überhaupt nicht zu?
Ich lehne es ab, dass viele unserer Nutztiere mit
gentechnisch veränderter Nahrung gefüttert werden

53

Ich finde, der Mensch hat kein Recht, Pflanzen
und Tiere gezielt gentechnisch zu verändern

48

Wenn durch gentechnische Verfahren in der Landwirtschaft die Lebensmittelpreise sinken, finde ich das gut

10

Ich bin der Meinung, dass Gentechnik in der Landwirtschaft ein wichtiger Baustein bei der Bekämpfung
des Welthungers ist

9

Ich habe kein Problem damit, gentechnisch
veränderte Lebensmittel zu essen

7
0

38

26

stimme voll und ganz zu

stimme eher nicht zu

stimme eher zu

stimme überhaupt nicht zu

27

20

33

18
20

30

28

25

40

50

weiß nicht/kann
ich nicht beurteilen

5 1

16

35

24

10

15

7 2

32

3

29

5

45
60

70

2
80

90

100

Angaben in Prozent

Naturbewusstsein 2015 > Agrarlandschaften

Tabelle 6: Einstellungen zum Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft nach Geschlecht und Alter
Bitte bewerten Sie folgende Aussagen zum Thema Gentechnik in der Landwirtschaft.
Antwortkategorie:
stimme voll und ganz / eher zu

Durchschnitt

Geschlecht

Alter (Jahre)

Angaben in Prozent

Ø

M

W

bis 29

30 bis 49

50 bis 65

über
65

Ich lehne es ab, dass viele unserer
Nutztiere mit gentechnisch veränderter Nahrung gefüttert werden

79

74

83

69

80

82

79

Ich finde, der Mensch hat kein Recht,
Pflanzen und Tiere gezielt gentechnisch zu verändern

75

73

78

67

76

77

79

Ich bin der Meinung, dass Gentechnik
in der Landwirtschaft ein wichtiger
Baustein bei der Bekämpfung des
Welthungers ist

33

36

30

41

35

30

29

Wenn durch gentechnische Verfahren
in der Landwirtschaft die Lebensmittelpreise sinken, finde ich das gut

30

32

27

41

30

25

25

Ich habe kein Problem damit, gentechnisch veränderte Lebensmittel
zu essen

25

29

21

34

27

21

17

stark überrepräsentiert

überrepräsentiert

unterrepräsentiert

stark unterrepräsentiert

Tabelle 7: E
 instellungen zum Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft nach Ortsgröße
Bitte bewerten Sie folgende Aussagen zum Thema Gentechnik in der Landwirtschaft.
Antwortkategorie:
stimme voll und ganz / eher zu

Ortsgröße (in 1.000)

Angaben in Prozent

Ø

<5

5-20

20-100

100-500

über 500

Ich lehne es ab, dass viele unserer
Nutztiere mit gentechnisch veränderter Nahrung gefüttert werden

79

87

81

82

79

74

Ich finde, der Mensch hat kein Recht,
Pflanzen und Tiere gezielt gentechnisch zu verändern

75

82

79

77

77

72

Ich bin der Meinung, dass Gentechnik
in der Landwirtschaft ein wichtiger
Baustein bei der Bekämpfung des
Welthungers ist

33

16

30

33

32

37

Wenn durch gentechnische Verfahren
in der Landwirtschaft die Lebens­
mittelpreise sinken, finde ich das gut

30

5

22

27

31

34

Ich habe kein Problem damit, gentechnisch veränderte Lebensmittel zu essen

25

7

15

21

26

30

stark überrepräsentiert

überrepräsentiert

unterrepräsentiert

stark unterrepräsentiert

39

Naturbewusstsein 2015 > Agrarlandschaften

Im Milieuvergleich haben die Angehörigen des Hedonistischen und des Prekären Milieus am wenigsten
Probleme mit der Gentechnik. Beispielsweise sagt in
beiden Lebenswelten immerhin ein gutes Drittel, kein
Problem damit zu haben, gentechnisch veränderte
Lebensmittel zu essen (siehe Abbildung 12). Wiederum
liegt hier die Vermutung nahe, dass Hedonisten sich
weniger Gedanken über mögliche Folgen der Gentechnik machen. In der Prekären Lebenswelt liegt der
Aufmerksamkeitsfokus stärker auf den aktuellen Herausforderungen, die der eigene Alltag mit sich bringt.
Familiäre Probleme und prekäre Beschäftigungsverhältnisse, gepaart mit existentiellen Zukunftsängsten,
lassen Fragen nach den Folgen von Gentechnik in der
Landwirtschaft in den Hintergrund geraten. Im Gegensatz dazu ist die Ablehnung bei den Angehörigen
des Sozialökologischen und Liberal-intellektuellen
Milieus am stärksten ausgeprägt.

Der Blick auf die Soziodemographie zeigt ein differenzierteres Bild (siehe Tabelle 6)12. Demnach positionieren sich Frauen stärker gegen Gentechnik als
Männer. Sehr bemerkenswert ist, dass die Ablehnung
in der Altersgruppe bis 29 Jahre deutlich geringer
ausfällt: Unter allen Befragten stimmen im Durchschnitt beispielsweise 25 Prozent der Aussage zu, sie
hätten kein Problem damit, gentechnisch veränderte
Lebensmittel zu essen (beide Zustimmungsstufen).
Bei den Jüngeren hingegen sind es 34 Prozent. Bildung
und Einkommen haben keinen nennenswerten Effekt, wohl aber die Ortsgröße. So zeigt sich ein starkes
Gefälle zwischen Großstadt und Land. Beispielsweise
ist die Ablehnung der Fütterung von Nutztieren mit
gentechnisch veränderter Nahrung in Städten mit
mehr als 500.000 Einwohnerinnen und Einwohnern
weniger weit verbreitet – insbesondere im Vergleich
zu den kleinsten Gemeinden (beide Zustimmungsstufen: Einwohnerzahl über 500.000: 74 Prozent, Einwohnerzahl unter 5.000: 87 Prozent). Auch stimmen die
Einwohnerinnen und Einwohner kleinerer Gemeinden den Argumenten für Gentechnik in der Landwirtschaft deutlich seltener zu als Bewohnerinnen
und Bewohner der größeren Städte (siehe Tabelle 7).

Abbildung 12: Einstellungen zum Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft nach Milieus

Oberschicht /
Obere
Mittelschicht

Ich habe kein Problem damit, gentechnisch veränderte Lebensmittel zu essen. stimme voll und ganz zu / stimme eher zu

KonservativEtablierte
21 %

Mittlere
Mittelschicht

Traditionelle
22 %

Performer
27 %
Expeditive
24 %

Sozialökologische
14 %
AdaptivPragmatische
24 %

Bürgerliche Mitte
20 %

Hedonisten
37 %

Soziale Lage

Untere Mittelschicht /
Unterschicht

LiberalIntellektuelle
12 %

Prekäre
34 %
Durchschnitt = 25 %
Grundorientierung
Festhalten Bewahren Haben & Genießen

Tradition

stark überrepräsentiert

40

Sein & Verändern

Modernisierung / Individualisierung

stark unterrepräsentiert

Machen & Erleben Grenzen überwinden

durchschnittlich

Neuorientierung

Naturbewusstsein 2015 > Agrarlandschaften

Abbildung 13: Zustimmung zum Verbot gentechnisch veränderter Organismen in
der Landwirtschaft

Die Ablehnung gegen Gentechnik ist gesunken,
bleibt aber auf hohem Niveau.
Schon in den Jahren 2009 und 2013 wurde danach
gefragt, ob den Deutschen ein Verbot gentechnisch
veränderter Organismen in der Landwirtschaft wichtig ist. 2009 sagten 87 Prozent, das wäre ihnen sehr
oder eher wichtig, 2013 sagten das fast genauso viele,
nämlich 84 Prozent. In der vorliegenden Befragung
fanden es dagegen nur noch 76 Prozent sehr oder eher
wichtig, Gentechnik zu verbieten (siehe Abbildung 13).
Nichtsdestotrotz verbleibt die grundsätzliche Zustim­
mung zu einem Verbot auf hohem Niveau, wobei
mit steigendem Alter sowie bei Frauen eine stärkere
Zustimmung zu verzeichnen ist. In der Gruppe der
Einkommensbezieher ab 3.500 Euro sind die Kritiker
von Gentechnik unterrepräsentiert (siehe Tabelle 8).
Die Differenzierung nach Ortsgrößen zeigt weiter,
dass die Zustimmung zum Verbot in den kleinsten
Gemeinden am stärksten ausgeprägt ist: 72 Prozent
der Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner halten
ein Verbot gentechnisch veränderter Organismen
in der Landwirtschaft für „sehr wichtig“, in großen
Großstädten (Einwohnerzahl: mindestens 500.000)
sagen dies nur 39 Prozent.

Und inwieweit stimmen Sie der folgenden Aussage zu?
„Der Einsatz gentechnisch veränderter Organismen in
der Landwirtschaft wird verboten.“
5 4

sehr wichtig
eher wichtig

15
Angaben in
Prozent

eher nicht wichtig

44

überhaupt nicht
wichtig
weiß nicht/kann ich
nicht beurteilen

32

Tabelle 8: Zustimmung zum Verbot gentechnisch veränderter Organismen in der Landwirtschaft nach
soziodemographischen Merkmalen
Und inwieweit stimmen Sie der folgenden Aussage zu?
Antwortkategorie:
sehr
wichtig
Angaben
in Prozent
Der
Einsatz
gentechnisch veränderter
Organismen in der
Landwirtschaft
wird
verboten

Geschlecht

Alter (Jahre)

Ø

M

W

bis 29

44

40

48

36

stark überrepräsentiert

30 bis 50 bis
49
65

43

Haushaltsnettoeinkommen
(€)

Bildung

über
niedrig mittel hoch
65

47

50

45

45

44

bis
999

52

1.000 2.000 3.500
bis
bis
und
1.999 3.499 mehr

44

43

38

stark unterrepräsentiert

Im Vergleich der Lebenswelten zeigt sich, dass die
Angehörigen des Sozialökologischen Milieus mit
einer überwältigenden Mehrheit von 90 Prozent am
stärksten gegen Gentechnik eingestellt sind (höchste
Zustimmungsstufe alleine betrachtet: 67 Prozent). Die
Prekären und Hedonisten zeigen im Milieuvergleich
zwar die geringste Zustimmung zu einem Verbot von

Gentechnik in der Landwirtschaft, dennoch steht
auch hier die Mehrheit hinter einem Verbot (beide
Zustimmungsstufen: jeweils 69 Prozent; höchste
Zustimmungsstufe: Prekäre: 35 Prozent, Hedonisten:
34 Prozent).

41

Naturbewusstsein 2015 > Stadtnatur

3 Stadtnatur
Auf den ersten Blick scheint es, als wären sie Gegensätze: Stadt und Natur. Dieser Eindruck speist sich aus
der langjährigen Geschichte der gesellschaftlichen
Naturverhältnisse, in der sich die Stadt als funktionaler, raumtypologischer und geistiger Gegenpol zu
Natur und Wildnis einerseits, zu Land und Landwirtschaft andererseits, herausgebildet hat (Vicenzotti
und Trepl 2009): Wo Stadt ist, ist demnach keine oder
kaum Natur mehr, wo Natur ist, kann Stadt nicht
sein. Die Ausbreitung der Lebensform Stadt, die auf
globaler, aber auch europäischer Ebene immer weiter
voranschreitet, geht scheinbar unvermeidlich zu
Lasten der Natur: Wälder werden gerodet, Feuchtgebiete trockengelegt, Agrarflächen müssen weichen,
um städtischen Siedlungs- und Verkehrsflächen Platz
zu machen.
Doch der historisch gewachsene Gegensatz von Stadt
und Natur gerät ins Wanken. Heute zumindest zeigt
sich, dass sich beide Pole verändern, die Grenzen zwischen ihnen unscharf werden. Auf der einen Seite verändert sich „das Land“ durch die Prozesse der Ausbreitung städtischer Siedlungsformen, Funktionen und
Lebensweisen. Neben „richtigen“ Städten entstehen
im Umfeld der Städte vielfach Siedlungsstrukturen,
die weder eindeutig der Stadt noch dem ländlichen
Raum zugeordnet werden können und für die der
Architekt Thomas Sieverts (1997) den anschaulichen
Begriff der „Zwischenstadt“ geprägt hat (vergleiche
auch Vicenzotti 2011).
Auf der anderen Seite ändern sich auch das Erscheinungsbild und die Vorstellung von Städten. Zu den
markantesten Kennzeichen dieses Gestalt- und
Bedeutungswandels gehören die Bedeutungszunahme von städtischen Frei- und Grünflächen und die
Neubewertung von Natur in der Stadt. Das belegen
viele Beispiele:
›› F
 rankfurt am Main besitzt seit 1989 den sogenannten „GrünGürtel“, einen gut 8.000 Hektar großen
Grünraum rund um den Stadtkern, der wichtige
Funktionen für die Mainmetropole besitzt und
kontinuierlich weiterentwickelt wird.
›› B
 erlin besitzt vielfältige Grün- und Freiflächen, die
zusammen über 40 Prozent der Stadtfläche ausmachen. In der Berliner „Strategie Stadtlandschaft“
werden drei Themen verfolgt: „Schöne Stadt“,
„Produktive Landschaft“ und „Urbane Natur“.
In allen dreien werden neue Synthesen zwischen
den vermeintlichen Antipoden „Stadt“ und „Natur“

42

gebildet (vergleiche Kowarik 2012 und Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt 2012).
›› A
 ndernach am Rhein ist mit dem Konzept der
„essbaren Stadt“, das bereits vielerorts in Deutschland seine Anhänger gefunden hat, Vorreiter:
Lebensmittelproduktion mitten in der Stadt, neue
Nutzungsformen für öffentliche Flächen und die
Stadt als „Arche“ zum Schutz von Biodiversität sind
nur einige der Ziele, die die Stadtverwaltung mit
dem Konzept verfolgt.
›› A
 m Beispiel Bonns wird deutlich, dass städtisches
Grün zunehmend auch als Standortfaktor von
Bedeutung ist. Betriebe mit überdurchschnittlich
vielen gut ausgebildeten Angestellten bevorzugen
Standorte mit attraktiven Grünstrukturen (Schäffer und Erdmann 2013).
›› W
 er sich architektonische und städtebauliche Zu­
kunftsentwürfe anschaut, wird feststellen, dass
das Thema „Grün in der Stadt“ schon lange seine
Beschränkung auf gut gepflegte Stadtparks oder
„Straßenbegleitgrün“ verloren hat. Architekten-Modelle neuer Hochhausbauten setzen nicht nur auf ästhetische Qualität und ökonomischen Umgang mit
Ressourcen, sondern betrachten Gebäude übergreifend als Systeme, die Dach- und Fassadenbegrünungen, Algen, die für Energie sorgen, sowie verbindende grüne Bänder im Außenbereich integrieren.
Die Stadt von morgen – sie ist grün (von Borries 2011).
Sie könnte es zumindest sein.13 Bei dem Projekt einer
„Ergrünung“ unserer Städte handelt es sich jedoch
keineswegs um einen Selbstläufer. Dafür stehen die
städtischen Grünbereiche viel zu sehr unter Druck:
Städtische Grünflächenämter müssen vielfach mit
Haushaltskürzungen umgehen, der demographische
Wandel stellt viele Kommunen vor die Frage, wie sie
ihre öffentlichen Güter und Räume noch finanzieren
können, besonders in wachsenden Städten steigt die
Bebauungsdichte und mit ihr der Nutzungsdruck
auf Grün- und Freiflächen. In diesem Spannungsfeld
zwischen Auf- und Abwertung im Rahmen der Prioritätensetzung bewegt sich die Zukunft des städtischen
Grüns, und an den damit angedeuteten Konflikten
entscheidet sich die Frage, ob die Vision der grünen
Stadt, für die es zahlreiche Pläne und auch Engagement gibt, auch nachhaltige Realität werden kann.
Diese Spannungslinien gaben für die vorliegende
Naturbewusstseinsstudie Anlass, die Bevölkerung

Naturbewusstsein 2015 > Stadtnatur

gezielt nach ihren Wahrnehmungen von Stadtgrün zu
befragen. Zunächst war zu klären, was die Menschen
in Deutschland unter „Stadtnatur“ verstehen. Können
städtische Freiflächen unterschiedlichen Typs aus der
Sicht der Befragten überhaupt zur „Natur“ gerechnet
werden? Werden Kleingärten oder Friedhöfe genauso
der Natur zugerechnet wie es bei Wäldern oder Parks
der Fall ist? Und wie sieht es mit dem Zu­gang zu diesen
Typen von Stadtnatur sowie deren Nutzung aus? Nutzen die Bürgerinnen und Bürger die städtische Natur,
die sie fordern, überhaupt? Und wenn sie gewollt
und genutzt werden – wie und wofür? Was fällt den
Menschen zum Thema „Wildnis in der Stadt“ ein, das
heißt, wie halten sie es mit innerstädtischen Frei- und
Brachflächen, die nicht gepflegt oder intensiv genutzt
werden? Werden sie als Fremdkörper im städtischen
Raum empfunden, oder werden sie als eine seiner
möglichen Ausprägungen toleriert – oder sogar als
kreativer Freiraum verstanden?

3.1 S
 tadtnatur: Verständnis und
Bedeutsamkeit
Stadt und Natur: In welchem Verhältnis stehen sie zueinander? Liegt Natur außerhalb der Stadt, muss man
also „aus der Stadt“ fahren, um „in der Natur“ zu sein?
Beziehungsweise welche Elemente und Ausprägungen

des städtischen Raumes werden der Natur zugerechnet? Hier liegt die Frage nahe, was die Deutschen unter Stadtnatur verstehen: „Was ist ‚Natur in der Stadt‘
für Sie?“ Um sich einer Antwort zu nähern, wurden
die Befragten darum gebeten, alle Begriffe und Assoziationen zu nennen, die sie mit Natur in der Stadt in
Verbindung bringen (zu den folgenden Ausführungen
siehe Abbildung 14)14.
„Natur in der Stadt“ wird vorwiegend mit Parks und
öffentlichen Grünräumen verbunden.
82 Prozent der Befragten denken bei Natur in der
Stadt spontan an Begriffe der Kategorie „Parks und
öffentliche Grünräume“. Dabei verbinden 63 Prozent
Parks mit Grünzonen oder Grünanlagen, während
sechs Prozent (auch) an Tierparks oder an den Zoo
denken. Unter die öffentlichen Grünräume fallen
Wiesen (22 Prozent), Wald (19 Prozent), Alleen (elf
Prozent), Straßenbepflanzung (acht Prozent) und
Friedhöfe (sechs Prozent).
Ohne erkennbaren Zusammenhang zu Parks und
öffentlichen Grünräumen nennen knapp zwei Drittel
der Befragten (65 Prozent) Begriffe zur Kategorie
„Vegetation (allgemein)“. Mit Abstand am häufigsten
werden hier Bäume (43 Prozent) genannt, aber auch
an Blumen (23 Prozent), Pflanzen (19 Prozent), Büsche,

Abbildung 14: Assoziationen zur Stadtnatur, Nennungen sortiert nach Kategorien
Was ist Natur in der Stadt für Sie? Bitte nennen Sie mir so viele Begriffe, wie Ihnen in den Sinn kommen (offene Frage).
90

82

80
70

65

60
50
40
30
20
10

43
37
23

22

17

15
7

7

6

3

3

1

Pa

rk
s

un

d
ö
Gr ffen
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Ti
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tu
e
Be
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gr
Er
ün
h
ol
un
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g
an
g
Ge
bä
ud
Fr
en
eiz
eit
an
ge
bo
La
nd
t
w
irt
sc
ha
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Sc
hu
tz
gu
t
St
W
a
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et
te
bi
ld
r/
Ja
Ne
hr
es
ga
ze
tiv
ite
eK
n
om
m
en
ta
re

0

Angaben in Prozent

43

Naturbewusstsein 2015 > Stadtnatur

Sträucher oder Hecken (15 Prozent) und an (Blumen-)
Beete (fünf Prozent) wird gedacht.
Am dritthäufigsten (43 Prozent) kommen den Befragten „Gewässer“, wie Teiche, Seen oder Tümpel
(25 Prozent), Auen, Flüsse oder Bäche (20 Prozent)
sowie Brunnen beziehungsweise Springbrunnen (vier
Prozent) in den Sinn. Den „Gärten“ mit 37 Prozent
Nennungen folgen „Tiere“ mit 22 Prozent Nennungen.
Hier wird zuvorderst an Vögel gedacht (zwölf Prozent),
gefolgt von Insekten (drei Prozent) und wildlebenden
Tieren (zwei Prozent). Mit drei Prozent rangieren die
Insekten noch vor Haustieren wie Hunden (zwei Prozent) und Katzen (ein Prozent).
Ein geringerer Anteil der Befragten verbindet mit
Stadtnatur im weitesten Sinne die „Begrünung um
Gebäude und von Gebäuden“ (15 Prozent). Nennungen, die dieser Kategorie zugeordnet sind, umfassen
vor allem Aspekte der Terrassenbepflanzung (sechs
Prozent). In diesem Kontext werden auch Blumentöpfe (drei Prozent) genannt. Begrünte Dachflächen
(vier Prozent), bepflanzte Hinterhöfe (drei Prozent),
bepflanzte Hauswände (ein Prozent) und bewachsene Häuser (ein Prozent) finden sich ebenfalls in den
Antworten.
Bei „Natur in der Stadt“ wird häufig an Orte für
Sport und Bewegung gedacht.
Kategorien von Stadtnatur, die ein erfülltes, sprich
„gutes menschliches Leben“ befördern, werden
deutlich häufiger konkret genannt als bei der offenen
Abfrage zum Thema Agrarlandschaften. Zudem wird
im Rahmen dieser Äußerungen auch deutlich, dass
Stadtnatur häufig „Kulisse“ für menschliche Aktivitäten darstellt (vergleiche Tessin 2004). 23 Prozent der
Befragten verbinden Natur in der Stadt mit verschiedenen „Orten für Sport und Bewegung“ (siehe hierzu
auch BfN 2008 und Baumgarten et al. 2013), wobei
hier die Vielfalt der Sport- und Bewegungsformen
zum Tragen kommt: Die Nennungen innerhalb dieser
Kategorie reichen von Spielplätzen (acht Prozent),
über Wanderwege (vier Prozent), Spazierwege (vier
Prozent) und Fahrradwege (drei Prozent) bis hin zu
Sportplätzen (drei Prozent), Freibädern (drei Prozent)
und Badeseen (ein Prozent). 17 Prozent der Befragten
assoziieren Natur in der Stadt mit „Lebensqualität und
Erholung“, und sieben Prozent sehen einen Zusammenhang mit „Freizeitangeboten“. So wird an Ausflugsziele (vier Prozent), Biergärten (zwei Prozent) und
an Grillplätze (ein Prozent) gedacht.
Mit sieben Prozent Nennungen weckt der Begriff
Stadtnatur auch Assoziationen zu „Landwirtschaft“:
Felder und Äcker im Stadtgebiet (drei Prozent) werden

44

ebenso wie Obstanbau, landwirtschaftlich genutzte
Flächen, Weiden und brachliegende Felder und Wiesen (je ein Prozent) erwähnt.
Von sechs Prozent der Befragten wird Stadtnatur als
„Schutzgut“ ins Spiel gebracht – etwa durch die Erwähnung von innerstädtischen Naturschutzgebieten
(drei Prozent), „sauberer“ Natur (zwei Prozent) oder
den Verweis auf (schützenswerte) Lebensräume für
Tiere (zwei Prozent).
Auch das Thema „Stadtbild“ wird adressiert (drei
Prozent), wobei hier ein naturnahes Erscheinungsbild
assoziiert wird, was sich vorwiegend in der Äußerung
von „wenigen“ oder „keinen“ Autos widerspiegelt.
Schließlich beschreiben drei Prozent der Befragten
„Wetterphänomene“ im Kontext von Stadtnatur, insbesondere Sonne(nschein). Im Vergleich zu der offenen Frage zu dem Begriff Agrarlandschaften (Kapitel
2) sind negative Kommentare, die sich auf den Begriff
Stadtnatur beziehen, eher randständig: Selbst Unkraut
wird lediglich in einem Prozent der Fälle genannt.
Nachdem die Befragten ihre Assoziationen zu Natur
in der Stadt genannt hatten, wurden sie um eine Einschätzung gebeten, welche Relevanz sie verschiedenen
Bestandteilen innerstädtischer Natur zumessen.
Öffentliche Parkanlagen sind den Deutschen beson­
ders wichtig.
Nur für einen Bruchteil von drei Prozent der Bevölkerung sind öffentliche Parkanlagen „eher nicht wichtig“. Für 80 Prozent sind sie „sehr wichtig“ und für
17 Prozent „eher wichtig“. Das verwundert kaum,
denn hierbei handelt es sich oft um sehr große,
zusammenhängende, weitgehend unbebaute Grünflächen, die in der Regel durch eine Mischung aus
Baum-, Strauch- und Rasenflächen gekennzeichnet
und meist groß genug sind, um der städtischen Fauna
– Insekten, Vögel, Kleinsäuger – einen wahrnehmbaren Lebensraum zu bieten. Parkanlagen dienen der
Erholung und sind damit ein Stück zugängliche und
alltäglich erfahrbare Natur im Stadtkörper.
Als zweitwichtigsten Bestandteil von Natur in der
Stadt sehen die Deutschen Bäume und Pflanzen
am Straßenrand (sehr wichtig: 70 Prozent), von der
Stadtplanung auch als „Straßenbegleitgrün“ bezeichnet. Dass die Menschen dieses Stück Stadtnatur am
zweitwichtigsten bewerten, ist interessant, als es doch
– anders als der Stadtpark – nicht großflächig, sondern punktuell und linear auftritt. Erklären lässt sich
dieser Befund dadurch, dass Straßenbäume bei vielen
vor dem Haus oder in der Nachbarschaft stehen und
gleichwohl für das Stadtbild vielfach prägend sind.

Naturbewusstsein 2015 > Stadtnatur

Abbildung 15: Relevanz einzelner Bestandteile von Natur in der Stadt
Wie wichtig finden Sie die folgenden Bestandteile von Natur in der Stadt?
80

Öffentliche Parkanlagen

70

Bäume und Pflanzen am Straßenrand

Gewässer wie Flüsse, Bäche, Seen und Teiche

60

Stadtwälder

58

Flächen, die nicht genutzt werden und
sich selbst überlassen bleiben

20

Landwirtschaftsflächen

19
0

sehr wichtig

eher nicht wichtig

eher wichtig

überhaupt nicht wichtig

Baumpatenschaften erfreuen sich großer Beliebtheit
in den Städten, und Baumfällungen werden oft von
lautstarken Protesten begleitet.
An dritter Stelle werden Gewässer wie Flüsse, Seen
und Teiche genannt (sehr wichtig: 60 Prozent), fast
gleichauf mit Stadtwäldern (58 Prozent). Für manche
Städte sind Flüsse für das Stadtbild und Stadtimage
prägend, oft sind sie Namensbestandteil einer Stadt.
Auch wenn sie im Stadtbild meist sehr „zivilisiert“
erscheinen (also begradigt sind, mit Uferbebauung, mit
Verkehrs­infrastruktur belegt, wirtschaftlich genutzt),
werden sie als Stadtnatur wahrgenommen. Anders als
der Stadtpark liegt der Stadtwald meist am Rand der
Stadt und damit außerhalb der alltäglichen Wahrnehmbarkeit der Bewohnerinnen und Bewohner.

10

7 1

10 1

37

37

20

7

22

5

40

32

20

30

18

30

28

17

36
40

weiß nicht/
keine Angabe

50

60

3

13

37

33

Dachbegrünung und begrünte Gebäudeteile

6 1

34

36

Friedhöfe

51

33

47

Kleingärten

3

24

52

Vorgärten von Häusern

Vorgärten von Häusern (sehr wichtig: 52 Prozent)
und Kleingärten (47 Prozent) gehören ebenfalls zu

17

70

80

90

100

Angaben in Prozent

den Flächen, die etwa die Hälfte der Bevölkerung als
besonders wichtig für Natur in der Stadt bewertet,
wenngleich hier die Antwortkategorien „eher nicht
wichtig“ und „überhaupt nicht wichtig“ im Vergleich
mit den zuvor genannten Bereichen etwas häufiger
genannt werden (siehe Abbildung 15). In der Literatur wird in diesem Zusammenhang häufig auf die
vielfältigen positiven Funktionen von Kleingärten
verwiesen. Als „grüne Oasen und Gegenpole inmitten
von dichter Bebauung und Versiegelung“ (Dietrich
2014, S. 31) wirken sie sich positiv auf die menschliche
Gesundheit und Lebensqualität aus (vergleiche zum
Beispiel Balder 2009).
Friedhöfe werden von 36 Prozent der Befragten als sehr
wichtiger Bestandteil der Stadtnatur eingestuft, Dachund Fassadenbegrünungen folgen mit 33 Prozent.
Im­merhin 20 Prozent erachten sich selbst überlassene
Brachflächen sowie die Landwirtschaftsflächen

45

Naturbewusstsein 2015 > Stadtnatur

Tabelle 9: Relevanz einzelner Bestandteile von Natur in der Stadt nach Geschlecht, Alter und Bildung
Wie wichtig finden Sie die folgenden Bestandteile von Natur in der Stadt?
Antwortkategorie:
sehr wichtig

Durchschnitt

Angaben in Prozent

Ø

Geschlecht
M

W

bis 29

30 bis
49

50 bis
65

Bildung
über
65

niedrig mittel

hoch

Öffentliche Parkanlagen

80

77

84

68

80

87

82

79

85

76

Bäume und Pflanzen am Straßenrand

70

66

75

58

72

76

73

68

78

67

Gewässer wie Flüsse, Bäche, Seen und
Teiche

60

57

64

55

60

68

59

58

67

58

Stadtwälder

58

55

62

53

59

61

59

55

63

59

Vorgärten von Häusern

52

46

59

38

51

59

56

53

58

45

Kleingärten

47

44

52

36

49

52

50

48

50

44

Friedhöfe

36

33

38

16

31

41

50

36

38

31

Dachbegrünung und begrünte
Gebäudeteile

33

32

34

29

31

37

32

31

34

34

Flächen, die nicht genutzt werden

20

19

20

16

19

23

19

19

22

18

Landwirtschaftsflächen

19

19

19

19

21

18

20

20

20

18

stark überrepräsentiert

überrepräsentiert

(19 Prozent) als sehr wichtig, wobei mit 18 Prozent
beziehungsweise 17 Prozent der Antworten in der
Kategorie „überhaupt nicht wichtig“ auch eine gewisse
Ablehnung zum Ausdruck kommt. So sehr Brachflächen von vielen als innerstädtische Freiräume, als ein
Stück „Wildnis“ in der Stadt (siehe hierzu DUH 2013
und 2014) geschätzt werden, so sehr sehen andere
Gruppen womöglich ein Zeichen der Verwahrlosung
oder auch Bedrohung darin – zum Beispiel als „dunkle“
Räume oder unübersichtliche Stellen, die wenig genutzt und daher unsicher erscheinen. Allerdings sollte
hierbei bedacht werden, dass vorgenutzte, brachgefallene Flächen oftmals sogar in geringem Maße „gepflegt“, das heißt beispielsweise einmal im Jahr gemäht
werden. Dass Landwirtschaftsflächen (von denen viele
Stadtgebiete ja erhebliche Anteile umfassen) weniger
häufig als wichtige Teile der Stadtnatur betrachtet
werden, überrascht angesichts des traditionellen
Stadt-Land-Gegensatzes kaum.
Die Betrachtung nach soziodemographischen Merkmalen offenbart, dass Frauen die meisten Teilkomponenten der Stadtnatur häufiger für „sehr wichtig“
halten als Männer. Vergleichsweise gering ist die
Wertschätzung für Stadtnatur bei den jüngsten
Be­­fragten (unter 30-Jährige), während sich eine hohe
Wertschätzung bei den 50- bis 65-Jährigen findet.
Darüber hinaus fällt auf, dass ein mittleres Bildungsniveau mit einer überdurchschnittlich hohen Bewertung einhergeht (siehe Tabelle 9). Wie bereits im
Kapitel Agrarlandschaften angeführt, ist auch hier
davon auszugehen, dass der Ort, in dem die Befragten
leben, eine wichtige Rolle zur Erklärung des Antwort-

46

Alter (Jahre)

unterrepräsentiert

stark unterrepräsentiert

verhaltens spielt: Im Vergleich der Ortsgrößen findet
sich in Großstädten mit über 500.000 Einwohnerinnen und Einwohnern die geringste Wertschätzung
innerstädtischer Naturbestandteile (mit Ausnahme
von Stadtwäldern und Friedhöfen). Beispielsweise
werden dort Bäume und Pflanzen am Straßenrand
von 63 Prozent als „sehr wichtig“ angesehen, in
Gemeinden mit unter 5.000 Einwohnerinnen und
Einwohnern hingegen von 82 Prozent (siehe auch
Tabelle 10). Wiederum sei an dieser Stelle darauf
hingewiesen, dass in Großstädten mit mehr als
500.000 Einwohnerinnen und Einwohnern die 50bis 65-Jährigen ebenso wie Personen mit mittleren
Bildungsabschlüssen unterrepräsentiert sind.
Erwähnenswert ist auch, dass Personen mit einem
Haushaltsnettoeinkommen ab 3.500 Euro Gewässer
überdurchschnittlich häufig für „sehr wichtig“
erachten (68 Prozent, Bevölkerungsdurchschnitt:
60 Prozent), Friedhöfe hingegen unterdurchschnittlich
häufig mit „sehr wichtig“ bewerten (29 Prozent,
Bevölkerungsdurchschnitt: 36 Prozent).
Im Milieuvergleich wird deutlich, dass die spaß- und
szeneorientierten Hedonisten Natur in der Stadt am
wenigsten Bedeutung beimessen. Beispielsweise sind
nur der Hälfte dieses Milieus Gewässer wie Flüsse,
Bäche, Seen und Teiche „sehr wichtig“. Zum Vergleich:
Im Liberal-intellektuellen und Sozialökologischen
Milieu sind es jeweils 70 Prozent.

Naturbewusstsein 2015 > Stadtnatur

Tabelle 10: Relevanz einzelner Bestandteile von Natur in der Stadt nach Ortsgröße
Wie wichtig finden Sie die folgenden Bestandteile von Natur in der Stadt?
Antwortkategorie:
sehr wichtig

Ortsgröße (in 1.000)

Angaben in Prozent

Ø

<5

5-20

20-100

100-500

über 500

Öffentliche Parkanlagen

80

95

83

82

83

75

Bäume und Pflanzen am Straßenrand

70

82

73

73

77

63

Gewässer wie Flüsse, Bäche, Seen und
Teiche

60

71

55

60

65

58

Stadtwälder

58

60

55

57

61

58

Vorgärten von Häusern

52

61

45

61

55

45

Kleingärten

47

57

48

51

51

42

Friedhöfe

36

34

32

39

35

35

Dachbegrünung und begrünte
Gebäudeteile

33

41

30

33

38

27

Flächen, die nicht genutzt werden

20

20

20

23

21

17

Landwirtschaftsflächen

19

22

19

25

18

17

stark überrepräsentiert

überrepräsentiert

Zwei von drei Deutschen sprechen sich für Orte
in der Stadt aus, an denen sich Natur spontan ent­
wickeln kann.
Wie die Frage zur Einschätzung der Bedeutung innerstädtischer Naturbestandteile gezeigt hat, ist die Wertschätzung für Natur in der Stadt auf Flächen, die nicht
mehr genutzt werden, in der Bevölkerung ambivalent
ausgeprägt. Allerdings bedeutet die Ambivalenz in
Bezug auf ungenutzte Flächen nicht, dass die Deutschen gegen Orte in der Stadt sind, die eine spontane
Entwicklung von Natur erlauben und wo die Natur
sich selbst überlassen bleibt. Eine solche Stadtnatur
kann auch bewusst in öffentlichen oder auch privaten
Grünanlagen stattfinden. Im Gegenteil ist die überwiegende Mehrheit „für“ solche Orte, ein Viertel ist
sogar „voll und ganz“ dafür (siehe Abbildung 16).
Angesichts der Tatsache, dass Brachflächen eine hohe
Bedeutung für die Biodiversität in Städten haben
(Hansen et. al. 2012), ist dies ein erfreulicher Befund.
Auf der anderen Seite sind immerhin 30 Prozent der
Befragten eher oder gar nicht für Orte spontaner
Naturentwicklung in der Stadt. Dieses geteilte Bild
bestätigt die Ergebnisse früherer Studien, dass innerstädtische Brachflächen in der Bevölkerung kontrovers bewertet werden (vergleiche Mathey und Rink
2010). Es ist in diesem Zusammenhang zudem darauf
hinzuweisen, dass die Bewertung von Brachflächen in
engem Zusammenhang mit dem Erscheinungsbild der
Flächen sowie der daraus resultierenden potentiellen
Nutzbarkeit steht (siehe hierzu Banse und Mathey
2013, Rink und Arndt 2011, Lafortezza et al. 2008).

unterrepräsentiert

stark unterrepräsentiert

Ein Vergleich der Befürworter innerstädtischer Brachflächen nach soziodemographischen Merkmalen lässt
keine deutlichen Unterschiede hinsichtlich Geschlecht, Alter, Einkommen und Ortsgröße erkennen.
Menschen mit niedriger formaler Bildung sind etwas
weniger häufig dafür, dass es städtische Brachflächen
gibt (voll und ganz dafür / eher dafür: niedrige Formalbildung: 63 Prozent, mittlere und hohe Formalbildung: jeweils 72 Prozent, Bevölkerungsdurchschnitt:
69 Prozent).
Abbildung 16: Einstellung zu Stadtbrachen
Sind Sie dafür, dass es Orte in Ihrer Stadt beziehungsweise
in den Städten in Ihrer Umgebung gibt, wo sich Natur
spontan entwickeln kann beziehungsweise sich selbst
überlassen bleibt?

6 1
25
24
Angaben
in Prozent

voll und ganz dafür
eher dafür
eher nicht dafür
gar nicht dafür

44

weiß nicht/
keine Angabe

47

Naturbewusstsein 2015 > Stadtnatur

Die Milieuperspektive offenbart, dass der Anteil der
Befürworterinnen und Befürworter von Stadtbrachen im Traditionellen Milieu am geringsten ausfällt
(voll und ganz dafür / eher dafür: 59 Prozent). Dies
stützt die bekannte These, dass Brachflächen leicht als
ungepflegt, ja sogar als verwahrlost wahrgenommen
werden, was den traditionellen Ordnungs- und Ästhetikvorstellungen zuwiderläuft. Sozialökologische und
Performer sind überdurchschnittlich häufig positiv
gegenüber Stadtbrachen eingestellt (voll und ganz
dafür / eher dafür: jeweils 76 Prozent).

Abbildung 17: Bedeutung der Zugänglichkeit von
Stadtnatur
Wie wichtig finden Sie es, dass Natur möglichst in allen
Teilen einer Stadt zugänglich ist?

5 1
sehr wichtig
33

Angaben
in Prozent

eher wichtig
eher nicht wichtig

61

weiß nicht/
keine Angabe

3.2 Z
 ugänglichkeit und Nutzungshäufigkeit von Stadtnatur,
Zufriedenheit mit inner­
städtischer Natur

Zugänglichkeit von Stadtnatur ist also für die Bevölkerung ein bedeutendes Thema. Ein Mangel derselben
kann dabei unterschiedliche Formen annehmen: zum
einen das Nicht-Vorhandensein von Stadtnatur, aber
auch die Erreichbarkeit von innerstädtischen Grünflächen vom konkreten Wohnstandort aus.

Nachdem untersucht wurde, was Menschen unter
Stadtnatur verstehen und wie wichtig ihnen deren
einzelne Bestandteile sind, wurde danach gefragt,
wie zugänglich Natur in der Stadt sein sollte, wie
zufrieden Bürgerinnen und Bürger mit dem aktuellen
„Angebot“ – der Verfügbarkeit von Stadtnatur – sind,
und wie häufig sie dieses Angebot nutzen. Bei den
Fragen zur Zufriedenheit und zur Nutzungshäufigkeit
von Natur in der Stadt konnten die Befragten auch
angeben, sich nur selten in einer Stadt aufzuhalten
oder nicht in einer Stadt zu leben. Hingegen wurde
bei allen übrigen Fragen die Meinung aller Befragten berücksichtigt, also auch derjenigen, die nicht in
einer Stadt leben oder sich nur selten dort aufhalten
– in diesen Fällen war auch die Meinung der Landbevölkerung von Interesse. Bei etwaigen Beantwortungsschwierigkeiten konnte nach wie vor auf die
Weiß-Nicht-Kategorie ausgewichen werden.15

Mehr Frauen als Männer und mehr ältere als jüngere
Personen finden die Zugänglichkeit von Natur in der
Stadt „sehr wichtig“. Differenziert nach dem Bildungshintergrund der Befragten zeigt sich, dass Personen
mit mittleren Bildungsabschlüssen die Zugänglichkeit von Stadtnatur häufiger als besonders wichtig
erachten als der Bevölkerungsdurchschnitt. Formal
Hochgebildete betonen hingegen seltener, dass Natur
möglichst in allen Teilen einer Stadt zugänglich sein
sollte (siehe Tabelle 11). Auch die Ortsgröße hat einen
Einfluss auf das Antwortverhalten: 56 Prozent der
Bewohnerinnen und Bewohner von Großstädten mit
einer Einwohnerzahl von mindestens 500.000 schreiben der Zugänglichkeit von Stadtnatur eine sehr hohe
Bedeutung zu. In mittelgroßen Städten (Einwohnerzahl: 20.000 bis 100.000) und in kleineren Gemeinden
(Einwohnerzahl: unter 5.000) sind es wesentlich mehr
(67 Prozent beziehungsweise 70 Prozent).

Die Zugänglichkeit von Stadtnatur ist den
­Deutschen ein wichtiges Anliegen.
61 Prozent der Deutschen finden es „sehr wichtig“, dass
Natur möglichst in allen Teilen einer Stadt zugänglich
ist, weitere 33 Prozent finden das „eher wichtig“. Die

Tabelle 11: Bedeutung der Zugänglichkeit von Stadtnatur nach Geschlecht, Alter und Bildung
Wie wichtig finden Sie es, dass Natur möglichst in allen Teilen einer Stadt zugänglich ist?
Antwortkategorie:
sehr wichtig

Durchschnitt

Angaben in Prozent

Ø

M

W

bis 29

30 bis
49

50 bis
65

über
65

61

56

66

48

59

68

66

stark überrepräsentiert

48

Geschlecht

überrepräsentiert

Alter (Jahre)

stark unterrepräsentiert

Bildung
niedrig mittel
63

66

hoch
54

Naturbewusstsein 2015 > Stadtnatur

Der Milieuvergleich deckt auf, dass Hedonisten und
Prekäre weniger großen Wert auf die Zugänglichkeit
von innerstädtischer Natur legen, während dies für
Liberal-Intellektuelle überdurchschnittlich häufig der
Fall ist (sehr wichtig: Hedonisten: 53 Prozent, Prekäre:
51 Prozent, Liberal-Intellektuelle: 75 Prozent). Wie
aus anderen Studien bekannt (vergleiche Anheier und
Hurrelmann 2014), schätzen Liberal-Intellektuelle
eine Wohnlage, die Wohnqualität mit Natur verbindet. Die Angehörigen dieses Milieus streben zwar nach
(Weiter-)Bildung und Karriere, dabei achten sie aber
auf ein Gleichgewicht zwischen Körper, Geist und
Seele. Die Nähe zur Natur hilft ihnen eine Work-LifeBalance – das aus Sicht der Angehörigen dieser Lebenswelt richtige Maß zwischen Arbeit, Privatleben
und Entspannung – zu finden.

Abbildung 19: Nutzungshäufigkeit von Naturangeboten in der Stadt
Wie häufig suchen Sie bewusst Naturangebote in
Ihrer Stadt auf?

5
13

7

2

täglich
9

Angaben
in Prozent

34

mehrmals in der
Woche
mehrmals im Monat
mehrmals im Jahr
30

seltener oder nie
ich lebe nicht in der
Stadt/ich halte mich
nur selten in einer
Stadt auf
weiß nicht/
keine Angabe

Vier von fünf Deutschen sind mit dem Angebot von
Natur in ihrer Stadt zufrieden.
Ein Drittel der Bevölkerung ist mit dem Angebot von
Natur in ihrer Stadt „sehr zufrieden“, 46 Prozent sind
„eher zufrieden“. „Eher nicht zufrieden“ oder „gar
nicht zufrieden“ sind insgesamt nur zwölf Prozent.
Die uneingeschränkte Zufriedenheit nimmt mit dem
Alter zu („sehr zufrieden“: unter 30-Jährige: 27 Prozent, über 65-Jährige: 39 Prozent). Außerdem ist sie
bei Frauen (37 Prozent) stärker ausgeprägt als bei
Männern (31 Prozent). Die Betrachtung der Ortsgrößen deckt auf, dass die Bewohnerinnen und Bewohner
der kleineren Städte (Einwohnerzahl: 5.000 bis 20.000)
seltener als der Durchschnitt mit dem Naturangebot
in ihrer Stadt „sehr zufrieden“ sind (24 Prozent, Bevölkerungsdurchschnitt: 34 Prozent).16 Im Milieuvergleich sind keine statistisch relevanten Unterschiede
im Antwortverhalten erkennbar.

Abbildung 18: Zufriedenheit mit dem Angebot
von Natur in der Stadt
Wie zufrieden sind Sie mit dem Angebot von Natur
in Ihrer Stadt?

7

1

1

sehr zufrieden
eher zufrieden

11
34
Angaben
in Prozent

46

eher nicht zufrieden
gar nicht zufrieden
ich lebe nicht in der
Stadt/ich halte mich
nur selten in einer
Stadt auf
weiß nicht/
keine Angabe

Innerstädtische Naturangebote werden von den
meisten Deutschen bewusst genutzt.
Einstellungen und grundsätzliche Zufriedenheit mit
dem Angebot an Stadtnatur sind ein Aspekt, aber
werden diese Angebote von der Bevölkerung auch
wirklich genutzt, und wenn ja, wie oft? Um dies näher
zu beleuchten, wurde danach gefragt, wie häufig
innerstädtische Naturangebote bewusst aufgesucht
werden.
Lediglich fünf Prozent der Befragten sagen, sie
würden innerstädtische Naturangebote nie oder nur
selten im Jahr bewusst aufsuchen. 13 Prozent nutzen sie „mehrmals im Jahr“. Dem stehen 73 Prozent
gegenüber, die Naturangebote in der Stadt mehrmals
im Monat oder häufiger nutzen (34 Prozent „mehrmals im Monat“, 30 Prozent „mehrmals in der Woche“,
neun Prozent „täglich“). Stadtnatur wird somit von
einer großen Mehrheit der Bewohnerinnen und Be­
wohner von Städten intensiv genutzt und gehört
damit für viele zur alltäglichen Lebenswelt.
Die soziodemographische Analyse deckt auf, dass
Frauen etwas häufiger als Männer „täglich“ oder
„mehrmals in der Woche“ Naturangebote in ihrer
Stadt aufsuchen (siehe Tabelle 12). Im Vergleich zu formal einfach und mittel Gebildeten nutzen auch Personen mit hohen Bildungsabschlüssen innerstädtische
Naturangebote etwas häufiger (täglich oder mehrmals
in der Woche: niedrige und mittlere Formalbildung:
jeweils 38 Prozent, hohe Formalbildung: 44 Prozent).
Dass formal Hochgebildete gleichzeitig weniger häufig als der Durchschnitt angeben, die Zugänglichkeit
von Stadtnatur sei ihnen sehr wichtig (vergleiche hierzu Tabelle 11), mag daran liegen, dass sie in Stadtteilen
wohnen, die ausreichend Natur bieten.

49

Naturbewusstsein 2015 > Stadtnatur

Den größten Einfluss auf das Aufsuchen städtischer
Naturangebote hat aber das Alter der Befragten:
Mehr als die Hälfte der über 65-Jährigen nutzt die
entsprechenden Angebote mindestens mehrmals in
der Woche. Wahrscheinlich spielt hier die verfügbare
Zeit im Rentenalter eine Rolle, sodass das bewusste
Natur­erleben im Alltag der älteren Generation einen
größeren Raum einnehmen kann. Im Gegensatz dazu
ist die bewusste Nutzung innerstädtischer Naturangebote bei den 50- bis 65-Jährigen wesentlich weniger
verbreitet (täglich / mehrmals in der Woche: 33 Prozent)
– und das, obwohl sie der Zugänglichkeit von Stadtnatur eine vergleichsweise hohe Bedeutung zuschreiben
(vergleiche hierzu Tabelle 11). Wie bei der Bildung
scheint auch hier auf den ersten Blick ein Widerspruch
zu bestehen, allerdings muss eine geringere Nutzungsintensität nicht zwingend mit einer geringeren Wertschätzung einhergehen: Wenn aus beruflichen oder
anderen Gründen „Zeit“ eine knappe Ressource ist,
kann die Wertschätzung für städtische Naturangebote
umso höher ausfallen.

Beitrag zur Erhaltung der Lebensqualität aller Städte­
rinnen und Städter (insbesondere der sozial schwächer
gestellten) und damit auch zur sozialen Integration
dar (vergleiche hierzu auch Claßen et al. 2011).
Dass in mittelgroßen und kleineren Städten seltener
als in Großstädten Naturangebote bewusst aufgesucht
werden, mag damit zusammenhängen, dass die Einwohnerinnen und Einwohner kleinerer Städte oft ohnehin ein durch Grün- und Freiflächen aufgewertetes
Wohnumfeld haben (täglich / mehrmals in der Woche:
Einwohnerzahl zwischen 5.000 und 20.000: 31 Prozent,
Einwohnerzahl zwischen 20.000 und 100.000: 38 Prozent, Einwohnerzahl zwischen 100.000 und 500.000: 38
Prozent, Einwohnerzahl über 500.000: 47 Prozent).
Der Milieuvergleich zeigt, dass Performer am seltensten (mindestens mehrmals in der Woche: 33 Prozent),
Sozialökologische (47 Prozent) und Traditionelle (46
Prozent) hingegen am häufigsten Naturangebote in
ihrer Stadt wahrnehmen.

Interessant ist auch der Befund, dass der Personenkreis mit dem höchsten Haushaltsnettoeinkommen
(ab 3.500 Euro) städtische Natur seltener aufsucht als
einkommensschwächere Haushalte (siehe Tabelle 12).
Vermutlich liegt dies daran, dass einkommensstärkere Haushalte die Möglichkeit besitzen, sich quasi
„am Markt“ mit Natur zu versorgen – also in dem sie
sich zum Beispiel einen Garten oder Urlaubs- und
Wochenendreisen leisten. Diese Befunde decken sich
mit den Ergebnissen von Studien zur Umweltgerechtigkeit in Städten (vergleiche Klimeczek 2014), die eine
Unterausstattung einkommensschwächerer Haushalte mit städtischen Grün- und Frei­f lächen aufzeigen
und gleichzeitig deutlich machen, dass solche Flächen für diese Gruppen eine wichtige Ressource für
ihr Freizeit- und Erholungsverhalten darstellen. Der
Schutz der Stadtnatur hat damit nicht nur ökologische
Bedeutung, sondern stellt auch einen unverzichtbaren

3.3 Gesellschaftliche Bedeutung
von Stadtnatur
Neben der Frage, wie häufig Bürgerinnen und Bürger
Naturangebote in ihrer Stadt aufsuchen, wurde in Erfahrung gebracht, welche gesellschaftliche Bedeutung
Stadtnatur aus Sicht der Bevölkerung Deutschlands
hat. Konkret geht es um die Aufgaben, die Natur in der
Stadt erfüllen kann. Hierfür wurden sechs Antwortmöglichkeiten vorgegeben, die sich auf soziale, ökologische und ökonomische Zusammenhänge beziehen.
Für die Deutschen ist das Wohlbefinden der Men­
schen die wichtigste Aufgabe von Stadtnatur.
An erster Stelle der wichtigsten Aufgaben innerstädtischer Natur steht das Wohlbefinden der Menschen.

Tabelle 12: Nutzungshäufigkeit von Naturangeboten in der Stadt nach Alter, Geschlecht, Bildung und Einkommen
Wie häufig suchen Sie bewusst Naturangebote in Ihrer Stadt auf?
Antwortkategorie:
täglich /
mehrmals
in der
Woche

Geschlecht

Alter (Jahre)

Ø

M

W

bis 29

39

37

42

34

30 bis 50 bis
49
65

Haushaltsnettoeinkommen
(€)

Bildung

über
niedrig mittel hoch
65

bis
999

Angaben
in Prozent

stark überrepräsentiert

50

38

überrepräsentiert

33

55

38

38

unterrepräsentiert

44

48

1.000 2.000 3.500
bis
bis
und
1.999 3.499 mehr

41

41

34

stark unterrepräsentiert

Naturbewusstsein 2015 > Stadtnatur

Abbildung 20: Gesellschaftliche Bedeutung von Stadtnatur
Als nächstes geht es um die Frage, welche Aufgaben Natur in der Stadt erfüllen kann. Wie wichtig ist Natur in der Stadt
für die folgenden Aspekte?
72

… für das Wohlbefinden der darin lebenden Menschen

41

23

… als Lebensraum für Tiere und Pflanzen

68

26

5 1

… für das Aussehen der Stadt (Stadtbild)

68

27

41

62

… für den Klimaschutz und die Klimaanpassung

58

… für das Ansehen der Stadt

41

… für den Marktwert von Grundstücken und Gebäuden
0
sehr wichtig

eher nicht wichtig

eher wichtig

überhaupt nicht wichtig

72 Prozent finden dies „sehr wichtig“, weitere
23 Prozent „eher wichtig“. In Verbindung mit dem
oben berichteten Befund, dass städtische Naturangebote von 73 Prozent der Bevölkerung mindestens
mehrmals im Monat bewusst aufgesucht werden, ist
hier festzuhalten, dass Stadtnatur als essenzieller
Beitrag zur Lebensqualität betrachtet wird. Gestützt
wird dieser Schluss auch mit erneutem Blick auf die
Be­a ntwortung der offenen Frage (im Abschnitt 3.1):
23 Prozent assoziieren Natur in der Stadt spontan
mit Orten für Sport und Bewegung, 17 Prozent der
Nen­nungen beziehen sich explizit auf Lebensqualität
und Erholung und sieben Prozent sehen einen
Zusammenhang mit Freizeitangeboten.
Auch die Lebensraumfunktion von Stadtnatur wird
von vielen Menschen in großer Deutlichkeit als
relevant bewertet: 68 Prozent finden innerstädtische Natur „sehr wichtig“ als Lebensraum für Tiere
und Pflanzen, 26 Prozent finden dies „eher wichtig“.
Genauso häufig wie die Lebensraumfunktion wird der
Beitrag der Natur für das Stadtbild mit „sehr wichtig“
bewertet (68 Prozent). 58 Prozent halten Stadtnatur
zudem für „sehr wichtig“ mit Blick auf das Ansehen
der Stadt (Stadtimage). Die Stadtsoziologie hat in
jüngster Zeit die Bedeutung des Ansehens von Städten
für die Binnen- und Außenkommunikation sowie
die Festigung einer städtischen Identität („Eigenlogik
von Städten“) hervorgehoben (vergleiche Löw 2010

10

20

29

6 12

35

6 1

42
30

40

50

60

keine Angabe/weiß nicht

12
70

80

90

23
100

Angaben in Prozent

und Schäfers 2010). Aus Sicht der hier vorliegenden
Ergebnisse scheint aber das Aussehen der Stadt etwas
wichtiger zu sein als das Ansehen der Stadt.
Für Klimaschutz und Klimaanpassung übernimmt
die Natur in der Stadt für 62 Prozent der Befragten
eine „sehr wichtige“ Rolle, für 29 Prozent eine „eher
wichtige“. Nur sechs Prozent sehen dies als „eher nicht
wichtig“ an, ein Prozent als „überhaupt nicht wichtig“.
Dieser Befund ist sehr bemerkenswert, da erst im Zuge
nationaler Bemühungen (Nationale Anpassungsstrategie an den Klimaschutz, seit 2008) sowie zahlreicher
lokaler Anpassungsstrategien (siehe zum Beispiel
Stadt Karlsruhe Umwelt- und Arbeitsschutz 2013 und
Stadt Bocholt 2014) in den letzten Jahren gutachterlich
herausgearbeitet wurde, dass zum Beispiel städtische
Grün- und Freiflächen oder Dach- und Fassadenbegrünungen die klimatisch bedingte Aufwärmung unserer
Städte dämpfen. Auch können sie zum Wasserrückhalt
bei den ebenfalls häufiger zu erwartenden Starkregen­
ereignissen beitragen (vergleiche Mathey et al. 2011 und
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt
Berlin 2011). Diese Befunde der Naturbewusstseinsstudie 2015 deuten darauf hin, dass die wichtigen und
positiven Funktionen, die Stadtnatur im Zeichen des
Klimawandels erfüllt, in der Bevölkerung mehrheitlich
erkannt werden – vielleicht auch, weil die kühlende und
stressmindernde Funktion städtischen Grüns in heißen
Sommern der direkten Erfahrung zugänglich ist.

51

Naturbewusstsein 2015 > Stadtnatur

Tabelle 13: Gesellschaftliche Bedeutung von Stadtnatur nach Geschlecht, Alter und Bildung
Als nächstes geht es um die Frage, welche Aufgaben Natur in der Stadt erfüllen kann. Wie wichtig ist Natur in der Stadt für die
folgenden Aspekte?
Antwortkategorie:
sehr wichtig

Durchschnitt

Angaben in Prozent

Ø

M

W

bis 29

30 bis
49

50 bis
65

über
65

… für das Wohlbefinden der darin
lebenden Menschen

72

68

76

58

72

81

72

69

78

69

… als Lebensraum für Tiere und
Pflanzen

68

65

71

59

68

74

68

65

75

65

… für das Aussehen der Stadt
(Stadtbild)

68

64

72

53

70

74

70

66

74

64

… für den Klimaschutz und die
Klimaanpassung

62

59

64

52

62

71

59

56

68

63

… für das Ansehen der Stadt

58

55

61

48

56

66

60

56

64

55

… für den Marktwert von Grund­
stücken und Gebäuden

41

41

41

33

41

44

42

40

43

40

stark überrepräsentiert

Geschlecht

überrepräsentiert

Alter (Jahre)

unterrepräsentiert

Bildung
niedrig mittel

hoch

stark unterrepräsentiert

für Immobilien verweisen (zum Beispiel Gruehn 2012;
vergleiche hierzu auch Schäffer und Erdmann 2013).

Relativ weit abgeschlagen auf dem letzten Platz der
Naturaufgaben landet eine rein ökonomische Funktion: 41 Prozent finden Natur in der Stadt „sehr wichtig“ für den Marktwert von Grundstücken und Gebäuden, weitere 42 Prozent bewerten diese Funktion mit
„eher wichtig“. Obwohl die ökonomische Funktion an
letzter Stelle steht, ist die grundsätzliche Zustimmung
zu ihrer Bedeutsamkeit beachtenswert (sehr wichtig /
eher wichtig: 83 Prozent). Gestützt wird dieser Befund
durch Studien, die auf den Zusammenhang zwischen
urbanen Grünräumen und der Zahlungsbereitschaft

Die Betrachtung der soziodemographischen Merkmale offenbart, dass Frauen fast allen aufgeführten
Naturfunktionen – mit Ausnahme der ökonomischen
Funktion – eine höhere Bedeutung beimessen als
Männer. Augenfällig ist auch, dass der Personenkreis bis 29 Jahre die gesellschaftliche Bedeutung
von Stadtnatur wesentlich geringer einstuft als die
Personengruppen ab 30 Jahre. Der Bildungsver-

Tabelle 14: Gesellschaftliche Bedeutung von Stadtnatur nach Ortsgröße
Wie wichtig ist Natur in der Stadt für die folgenden Aspekte?
Antwortkategorie:
sehr wichtig
Angaben in Prozent

Ø

<5

5-20

20-100

100-500

über 500

… für das Wohlbefinden der darin
lebenden Menschen

72

86

77

78

72

67

… als Lebensraum für Tiere und
Pflanzen

68

74

71

71

73

62

… für das Aussehen der Stadt
(Stadtbild)

68

84

71

73

69

63

… für den Klimaschutz und die
Klimaanpassung

62

81

63

63

65

56

… für das Ansehen der Stadt

58

72

64

65

56

53

… für den Marktwert von Grund­
stücken und Gebäuden

41

44

44

47

39

38

stark überrepräsentiert

52

Ortsgröße (in 1.000)

überrepräsentiert

unterrepräsentiert

stark unterrepräsentiert

Naturbewusstsein 2015 > Stadtnatur

gleich zeigt weiter, dass Personen mit einer mittleren Formalbildung innerstädtischer Natur bei allen
genannten Aspekten häufiger eine „sehr wichtige“
Rolle zuschreiben als Personen mit einer einfachen
oder hohen Formalbildung (siehe Tabelle 13). Dass
Personen mit niedrigen Bildungsabschlüssen unterdurchschnittlich häufig der Meinung sind, Stadtnatur
erfülle für Klimaschutz und Klimaanpassung eine
sehr wichtige Funktion, lässt darauf schließen, dass
diese Bevölkerungsgruppe noch nicht ausreichend
für den Zusammenhang zwischen Stadt, Natur und
Klima sensibilisiert ist. Wenig überraschend ist der
Befund, dass Personen mit einem Haushaltsnettoeinkommen ab 3.500 Euro Stadtnatur in Bezug auf den
Marktwert von Grundstücken und Gebäuden häufiger
als der Durchschnitt eine „sehr wichtige“ Funktion
bescheinigen (48 Prozent, Bevölkerungsdurchschnitt:
41 Prozent).
Wie wichtig Natur in der Stadt für die verschiedenen Aspekte angesehen wird, ist nicht zuletzt eine
Frage der Ortsgröße (siehe Tabelle 14): Die Bedeutung
von Stadtnatur wird über alle aufgeführten Aspekte
hinweg von Menschen, die in großen Großstädten
leben, am niedrigsten eingestuft. Zum Beispiel wird
die Bedeutung für den Klimaschutz und die Klimaanpassung in Großstädten mit über 500.000 Einwoh-

nerinnen und Einwohnern von 56 Prozent als „sehr
wichtig“ erachtet, in Städten mit 100.000 bis 500.000
Einwohnerinnen und Einwohnern sind 65 Prozent
dieser Meinung, in den kleinsten Gemeinden (Einwohnerzahl unter 5.000) sogar 81 Prozent.
Im Vergleich der Lebenswelten sind es die Angehörigen des Sozialökologischen und Liberal-intellektuellen Milieus, die den verschiedenen Funktionen von
Stadtnatur die höchste Bedeutung beimessen – bis
auf eine Ausnahme: Geht es um den Marktwert von
Grundstücken und Gebäuden, ist der Anteil derjenigen, die Natur in der Stadt als besonders relevante
Größe wahrnehmen, in der Lebenswelt der Performer
am größten („sehr wichtig“: Performer: 51 Prozent;
Bevölkerungsdurchschnitt: 41 Prozent). Zu erklären
ist dieser Befund mit den marktwirtschaftlichen
Wertvorstellungen dieses Milieus. In der Lebenswelt
der Prekären und Hedonisten wird die Bedeutung der
Natur in der Stadt durchweg unterdurchschnittlich
häufig mit „sehr wichtig“ bewertet.

Abbildung 21: Persönliche Bedeutung von Stadtnatur
Wie wichtig ist Ihnen persönlich Natur in der Stadt …?
… als Raum für Erholung und Entspannung

62

… für Ihre Lebensqualität

62

… in Bezug auf Gesundheit

60

7 1

30

6 12

29

7 11

31

… als Raum für Sport und Bewegung

46

34

… in Bezug auf Naturerfahrung

44

39

15

11

… als Raum für Begegnungen mit anderen Menschen

44

37

16

21

33

… in Bezug auf Verstehen und Lernen
0
sehr wichtig

eher nicht wichtig

eher wichtig

überhaupt nicht wichtig

10

20

20

42
30

40

50

5 1

14

60

weiß nicht/keine Angabe

70

80

41
90

100

Angaben in Prozent

53

Naturbewusstsein 2015 > Stadtnatur

3.4 Persönliche Bedeutung
von Stadtnatur

rung“ und „Begegnungen mit anderen Menschen“
(sehr wichtig: jeweils 44 Prozent). Immerhin jeder
Dritte räumt in Bezug auf „Lernen und Verstehen“ der
Natur in der Stadt eine persönlich hohe Bedeutung
ein (sehr wichtig: 33 Prozent).

Natur in der Stadt übernimmt nicht nur für die Gesellschaft als Ganzes wichtige Funktionen, sie ist auch
persönlich relevant. Daher wurde gefragt, für welchen
Aspekt des persönlichen Lebens innerstädtische Natur
von Bedeutung ist.

Natur in der Stadt ist Frauen wichtiger als Männern.
Nur in puncto „Sport und Bewegung“ besteht kein
signifikanter Unterschied (sehr wichtig: Frauen:
46 Prozent, Männer: 45 Prozent). Der Altersvergleich
zeigt, dass die jüngeren Jahrgänge (unter 30-Jährige)
Stadtnatur in fast allen abgefragten persönlichen
Belangen eine geringere Bedeutung zuschreiben als
ältere Personen, insbesondere als der Personenkreis
ab 50 Jahren. Für Bewegung und sportliche Aktivitäten ist den unter 30-Jährigen städtische Natur indes
wichtiger als älteren Personen – erwartungsgemäß
gilt das vor allem im Vergleich zu den über 65-Jährigen (sehr wichtig: unter 30-Jährige: 50 Prozent, über
65-Jährige: 40 Prozent). Auch die Personengruppe mit
niedriger Formalbildung findet Stadtnatur in Verbindung mit Sport und Bewegung weniger wichtig als der
Durchschnitt (sehr wichtig: niedrige Formalbildung:
40 Prozent, Bevölkerungsdurchschnitt: 46 Prozent).
Auffällig ist, dass Personen mit einem mittleren Bildungsniveau städtischer Natur durchweg eine höhere
persönliche Bedeutung beimessen als Personen mit
einem hohen formalen Bildungsniveau. Darüber
hinaus macht sich erneut die Ortsgröße bemerkbar:
In Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnerinnen
und Einwohnern wird Stadtnatur in allen abgefragten
persönlichen Belangen eine geringere Wertschätzung

In Übereinstimmung mit der hohen Bedeutung, die
Stadtnatur aus Sicht der Befragten für die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner von Städten
hat, wird auch bei der Frage nach der persönlichen
Relevanz der Beitrag zur eigenen Lebensqualität
besonders stark betont (sehr wichtig: 62 Prozent). Es
darf vermutet werden, dass der Begriff Lebensqualität
im Kontext dieser Frage als eine Art „Summenindikator“ gesehen wird, also als die Zusammenfassung
verschiedener Facetten der persönlichen Bedeutung
von Stadtnatur.
Genauso häufig wie die Lebensqualität wird der
Aspekt „Erholung und Entspannung“ und ähnlich
häufig der Aspekt „Gesundheit“ als persönlich „sehr
wichtig“ eingestuft (siehe hierzu auch Rittel et al.
2014). Nur jeweils sieben bis acht Prozent der Befragten finden Stadtnatur hinsichtlich Lebensqualität,
Erholung/Entspannung und Gesundheit „eher nicht
wichtig“ oder „überhaupt nicht wichtig“. An vierter
Stelle der persönlich wichtigsten Aspekte von Stadtnatur rangiert das Thema „Sport und Bewegung“
(sehr wichtig: 46 Prozent), gefolgt von „Naturerfah-

Tabelle 15: Persönliche Bedeutung von Stadtnatur nach Geschlecht, Alter und Bildung
Wie wichtig ist Ihnen persönlich Natur in der Stadt …
Antwortkategorie:
sehr wichtig

Durchschnitt

Angaben in Prozent

Ø

M

W

bis 29

30 bis
49

50 bis
65

über
65

… als Raum für Erholung und
Entspannung

62

56

67

54

61

66

65

59

69

58

… für Ihre Lebensqualität

62

58

66

50

59

68

70

60

65

62

… in Bezug auf Gesundheit

60

55

65

47

58

66

66

58

66

57

… als Raum für Sport und Bewegung

46

45

46

50

46

48

40

40

50

48

… in Bezug auf Naturerfahrung

44

40

48

36

42

50

46

41

48

43

… als Raum für Begegnungen mit
anderen Menschen

44

40

47

38

41

46

50

42

49

40

… in Bezug auf Verstehen und Lernen

33

29

36

28

31

36

34

30

36

33

stark überrepräsentiert

54

Geschlecht

überrepräsentiert

Alter (Jahre)

unterrepräsentiert

Bildung
niedrig mittel

hoch

stark unterrepräsentiert

Naturbewusstsein 2015 > Stadtnatur

Pragmatische: 74 Prozent, Bevölkerungsdurchschnitt:
62 Prozent). Vor dem Hintergrund ihrer pragmatischen Grundhaltung und ihrem Streben, sich das
Leben so unkompliziert wie möglich zu gestalten,
kann vermutet werden, dass sie innerstädtische Natur
einem (aus ihrer Sicht eher zeitraubenden) Ausflug ins
Grüne vorziehen. Bei den Expeditiven fällt auf, dass sie
Natur in der Stadt eine überdurchschnittlich hohe
Bedeutung als Sport- und Bewegungsraum zuschreiben (sehr wichtig: Expeditive: 60 Prozent, Bevölkerungsdurchschnitt: 46 Prozent). In der Prekären und
Hedonistischen Lebenswelt nimmt Stadtnatur im
Vergleich zu allen anderen Milieus eine weniger
wichtige Rolle ein. Besonders sichtbar wird dies bei der
Frage nach der Bedeutung von Stadtnatur für die
eigene Lebensqualität (siehe Abbildung 22).

beigemessen als in mittelgroßen Städten (Einwohnerzahl: 20.000 bis 100.000). Beispielsweise bekunden
56 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner von
Städten mit einer Einwohnerzahl von mindestens
500.000, dass Natur in der Stadt als Raum für Erholung und Entspannung besonders wichtig ist. In
mittelgroßen Städten ist mit 69 Prozent ein deutlich
höherer Anteil dieser Auffassung.
Im Milieuvergleich wird der innerstädtischen Natur
– neben den Angehörigen des Sozialökologischen und
Liberal-intellektuellen Milieus – auch von Angehöri­
gen des Adaptiv-pragmatischen Milieus eine persönlich hohe Bedeutung beigemessen. Stadtnatur schätzen sie insbesondere in ihrer Funktion als Raum für
Erholung und Entspannung (sehr wichtig: Adaptiv-

Abbildung 22: Persönliche Bedeutung von Stadtnatur nach Milieuzugehörigkeit

Oberschicht /
Obere
Mittelschicht

Wie wichtig ist Ihnen persönlich Natur in der Stadt für Ihre Lebensqualität? sehr wichtig

KonservativEtablierte
67 %

Mittlere
Mittelschicht

Traditionelle
64 %

Performer
64 %
Expeditive
61 %

Sozialökologische
74 %
AdaptivPragmatische
70 %

Bürgerliche Mitte
64 %

Hedonisten
44 %

Soziale Lage

Untere Mittelschicht /
Unterschicht

LiberalIntellektuelle
82 %

Prekäre
49 %
Durchschnitt = 62 %
Grundorientierung
Festhalten Bewahren Haben & Genießen

Tradition

stark überrepräsentiert

Sein & Verändern

Modernisierung / Individualisierung

überrepräsentiert

Machen & Erleben Grenzen überwinden

Neuorientierung

stark unterrepräsentiert

durchschnittlich

55

Naturbewusstsein 2015 > Erneuerbare Energien und Landschaft

4 Erneuerbare Energien und Landschaft
4.1 Energiewende

Die Zustimmung zur Energiewende hat wieder
zugenommen.

Die 2011 von der Bundesregierung eingeleitete
Energiewende ist ein politisches Großprojekt. Für
den Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung
Globale Umweltveränderungen (WBGU 2011) geht es
als „große Transformation“ mit einer tiefgreifenden
Umgestaltung unserer Gesellschaft mit weitreichenden Implikationen einher. Lokale Proteste gegen
einzelne Projekte der Energiewende – etwa den
Ausbau der Windenergie, des Stromnetzes oder von
Biomasseanbau – haben jedoch zugenommen.
Hauptgründe für lokale Proteste sind – neben der
Sorge um den Wertverlust der eigenen Immobilie –
die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes, die
damit verbundene Angst vor dem Verlust an „Heimat“,
befürchtete Gesundheitsgefährdungen (zum Beispiel
durch Lärm, Elektrosmog oder Infraschall) sowie die
Sorge um den Naturhaushalt und den Artenschutz
(zum Beispiel Vögel und Fledermäuse im Falle von
Windkraftanlagen; vergleiche Becker et al. 2014
und Devine-Wright 2011). In der Fachwelt werden
in diesem Zusammenhang mehr beziehungsweise
frühzeitigere Bürgerpartizipation bei Planungsverfahren, finanzielle Beteiligung an den Erträgen und
insgesamt eine bessere Koordination der Raum- und
Fachplanungen empfohlen (vergleiche BfN und BBSR
2011, BHU 2014 und Demuth et al. 2014). Daher stellt
sich auch im Rahmen der Naturbewusstseinsstudie
2015 die Frage, wie es um die Akzeptanz der Energiewende in Deutschland bestellt ist. Interessant ist dabei
auch, wie sich die Akzeptanz der Energiewende im
zeitlichen Verlauf darstellt.

Der Rückgang der Zustimmung zur Energiewende
zwischen 2011 und 2013 von 63 Prozent auf 56 Prozent wurde in der Naturbewusstseinsstudie 2013 auf
die in den Jahren 2012/13 aufgekommene öffentliche
Debatte um die Finanzierbarkeit der Energiewende,
speziell die Kosten der EEG-(Erneuerbare-EnergienGesetz)Förderung zurückgeführt. Die Befragung 2015
fand nach der Reform des EEG im Jahr 2014 statt, die
ausdrücklich eine Kostendämpfung zum Ziel hatte.
Der erneute Anstieg der Zustimmung auf heute 61
Prozent scheint anzudeuten, dass diese Reform zwar
nicht ganz zu dem Ausgangswert von 63 Prozent (2011)
zurückgeführt hat, wohl aber den Akzeptanzverlust
des Jahres 2013 größtenteils wettmachen konnte. Auch
der Rückgang der „nein“-Stimmen von zehn Prozent in
2013 auf heute sieben Prozent deutet in diese Richtung.
Allerdings können auch andere Faktoren (zum Beispiel
die in Teilen wahrgenommene Bürgerbeteiligung an
Planung und/oder finanziellem Ertrag) zum jüngsten
Anstieg der allgemeinen Akzeptanz beigetragen haben.
Hier wären weitergehende Studien zu den genaueren
Gründen von Akzeptanz oder Ablehnung erforderlich.
Frauen stimmen der Energiewende häufiger zu als
Männer (Männer: 58 Prozent, Frauen: 65 Prozent)
und höher Gebildete häufiger als formal niedriger
Gebildete (niedrig: 55 Prozent, mittel: 66 Prozent,
hoch: 65 Prozent). Nennenswerte Alters- und Ortsgrößeneffekte bestehen nicht. Interessant ist aber der
Blick auf die Milieuschwerpunkte. Es fällt auf, dass die

Abbildung 23: Zustimmung zur Energiewende im Zeitvergleich
Halten Sie die Energiewende – hin zu einer überwiegenden Versorgung aus erneuerbaren Energien – für richtig?

61

2015

56

2013

0

56

10

20

30

unentschieden

7 3

30

63

2011

ja

29

10

26
40

50

60
nein

70

80

4

6 5
90

100
weiß nicht

Angaben in Prozent

Naturbewusstsein 2015 > Erneuerbare Energien und Landschaft

Abbildung 24: Zustimmung zur Energiewende nach Milieus

2015

Halten Sie die Energiewende – hin zu einer überwiegenden Versorgung
aus erneuerbaren Energien – für richtig? Ja.
LiberalIntellektuelle
78 %

KonservativEtablierte
69 %

Traditionelle
50 %

Performer
61 %

Sozialökologische
74%
Bürgerliche Mitte
59 %

Expeditive
75 %

AdaptivPragmatische
70 %

Hedonisten
51 %
Prekäre
48 %
Durchschnitt = 61 %

2013 (Durchschnitt = 56 %)
LiberalIntellektuelle
72 %

KonservativEtablierte
66 %

Traditionelle
45 %

Sozialökologische
81 %
Bürgerliche Mitte
53 %

Performer
65 %
AdaptivPragmatische
63 %

Expeditive
69 %

Hedonisten
45 %

Prekäre
33 %

stark überrepräsentiert

stark unterrepräsentiert

überrepräsentiert

durchschnittlich

2011 (Durchschnitt = 63 %)

KonservativEtablierte
72 %

Traditionelle
61 %

LiberalIntellektuelle
83 %
Sozialökologische
84%
Bürgerliche Mitte
62 %

Prekäre
47 %

Performer
61 %

AdaptivPragmatische
70 %

Expeditive
72 %

Hedonisten
45 %

stark überrepräsentiert

stark unterrepräsentiert

überrepräsentiert

durchschnittlich

57

Naturbewusstsein 2015 > Erneuerbare Energien und Landschaft

sung“ des Ausbaus erneuerbarer Energien erschien,
könnte es gerade auch die Reform selbst gewesen
sein, die die Akzeptanz der Energiewende in Teilen
dieses Milieus gemindert haben mag. Auf der anderen
Seite konnte die Energiewende gerade bei denjenigen
Milieus Boden gutmachen, die 2013 deutlich unterdurchschnittlich zugestimmt hatten (2013: Traditionelle: 45 Prozent, Hedonisten: 45 Prozent, Prekäre:
33 Prozent). Insbesondere bei den Prekären hat sich
die Sicht auf die Energiewende deutlich verbessert:
Ihre Zustimmung zur Energiewende – sie ist nach
wie vor unterdurchschnittlich – stieg von 33 Prozent
in 2013 auf 48 Prozent in 2015, sie liegt damit einen
Prozentpunkt über dem ersten Messwert von 2011.
Dieses Verlaufs­muster könnte als weiteres Indiz dafür
gesehen werden, dass die Kostendebatte im Vorfeld
der Reform von 2014 ursächlich für den Akzeptanzverlust im Jahr 2013 gewesen ist.

„Trägermilieus“ der Energiewende – also diejenigen
Milieus, die überdurchschnittlich häufig die Energie­
wende richtig finden – wie bereits 2013 vor allem im
gehobenen sozialen Raum zu finden sind: bei den
Konservativ-Etablierten (69 Prozent), den Sozialökologischen (74 Prozent), den Expeditiven (75 Prozent) und
den Liberal-Intellektuellen (78 Prozent). Die Adaptiv-Pragmatischen haben mit 70 Prozent Zustimmung
ihr Niveau von 2011 erreicht. Die Performer, die 2013
noch leicht überdurchschnittlich der Energiewende
zustimmten, liegen 2015 mit einer Zustimmung von
61 Prozent im Durchschnitt aller Befragten. Eine
erwähnenswerte Entwicklung ist, dass die Sozialökologischen zwar weiterhin überdurchschnittlich häufig
für die Energiewende sind, aber ihre Zustimmung mit
74 Prozent im Zeitablauf merklich gesunken ist (2013:
81 Prozent, 2011: 84 Prozent). Es scheint, als habe die
Energiewende bei den Sozialökologischen – immerhin
einem Kernmilieu von Umwelt- und Naturschutz –
etwas an Zugkraft verloren. Über die Gründe dieser
Entwicklung kann nur spekuliert werden. Angesichts
der Kritik an der EEG-Reform 2014, die vielen Umwelt- und Naturschutzverbänden als eine „Ausbrem-

Verlässt man die Ebene grundsätzlicher Zustimmung
oder Ablehnung der Energiewende und betrachtet die
einzelnen Maßnahmen und technologischen Umsetzungsmöglichkeiten, wird ein detaillierteres Bild

Abbildung 25: Akzeptanz landschaftsverändernder Maßnahmen zur Erzeugung erneuerbarer Energien
Wenn wir künftig mehr erneuerbare Energien nutzen wollen, wird das zu Veränderungen unserer Landschaft führen.
Wie bewerten Sie die mögliche Zunahme…?
von Windenergieanlagen im Meer,
an Nord- und Ostseeküste

38

der Fläche außerhalb von Siedlungen,
auf der Solaranlagen (Photovoltaik) errichtet werden

29

von Windenergieanlagen auf dem Land

28

49

46

22

der Fläche, auf der Raps angebaut wird

des Holzeinschlages in Wäldern

6

der Zahl der Hochspannungsleitungen

4
0

42

das finde ich gut

das würde mir nicht gefallen

das würde ich akzeptieren

das lehne ich ab

20

40

6 1

10 2

12

3

8

4

30

40
30

51

23

33
10

16

24

50

20

6 2

21

43

15

der Zahl der Biogasanlagen

12

19

45

18

der Fläche, auf der Mais angebaut wird

58

42

50

60

weiß nicht/keine Angabe

2

23
70

80

90

100

Angaben in Prozent

Naturbewusstsein 2015 > Erneuerbare Energien und Landschaft

Tabelle 16: Akzeptanz landschaftsveränderender Maßnahmen zur Erzeugung erneuerbarer Energien nach Geschlecht,
Alter und Bildung
Antwortkategorie:
das finde ich gut

Durchschnitt

Angaben in Prozent

Ø

M

W

bis 29

30 bis
49

50 bis
65

über
65

von Windenergieanlagen an Nordund Ostseeküste

38

38

38

42

40

37

34

35

38

42

der Fläche außerhalb von Siedlungen,
auf der Solaranlagen errichtet werden

29

28

29

31

30

26

28

26

27

34

von Windenergieanlagen auf dem
Land

28

27

29

33

29

25

28

28

24

33

der Fläche, auf der Raps angebaut
wird

22

21

22

24

23

19

21

21

21

23

der Fläche, auf der Mais angebaut
wird

18

18

19

23

19

12

21

18

17

20

der Zahl von Biogasanlagen

15

16

14

16

15

13

16

14

14

17

des Holzeinschlages in Wäldern

6

6

7

5

7

5

6

5

7

7

der Zahl der Hochspannungs­
leitungen

4

4

4

5

5

2

3

4

3

5

stark überrepräsentiert

Geschlecht

überrepräsentiert

sichtbar (siehe Abbildung 25). Hintergrund der jeweiligen Frage ist dabei stets, dass die abgefragten Optionen
zu Veränderungen in der Landschaft führen.

4.2 A kzeptanz landschafts­
verändernder Maßnahmen
Windkraft und Flächenphotovoltaikanlagen finden
weitreichende Akzeptanz in der Bevölkerung.
Die höchste Unterstützung („das finde ich gut“) und
eine sehr hohe Akzeptanz („das würde ich akzeptieren“) erfahren Windenergieanlagen im Meer („Offshore-Windkraft“, Unterstützung: 38 Prozent, Akzeptanz:
42 Prozent), gefolgt von Flächenphotovoltaikanlagen
(Unterstützung: 29 Prozent, Akzeptanz: 49 Prozent)
und Windenergieanlagen auf dem Land („OnshoreWindkraft“, Unterstützung: 28 Prozent, Akzeptanz:
46 Prozent). Damit verharrt die Zustimmung von
Offshore-Windanlagen auf dem Wert von 2013 (Unterstützung: 38 Prozent, Akzeptanz: 44 Prozent), die
Unterstützung von Onshore-Windkraft verhält sich
vergleichbar (2013: Unterstützung: 26 Prozent, Akzeptanz: 48 Prozent). Entsprechendes gilt für die Unterstützung von Flächenphotovoltaikanlagen (2013:
Unterstützung: 27 Prozent, Akzeptanz: 50 Prozent).

Alter (Jahre)

unterrepräsentiert

Bildung
niedrig mittel

hoch

stark unterrepräsentiert

Sowohl Raps- (Unterstützung: 22 Prozent, Akzeptanz:
45 Prozent) als auch Maisanbau (Unterstützung: 18
Prozent, Akzeptanz: 43 Prozent) für Energiezwecke
befinden sich im Mittelfeld der Zustimmung. Im Vergleich zur Studie 2013 zeigt sich eine etwas stärkere
Unterstützung des Rapsanbaus, die durch eine leicht
gesunkene Anzahl an Akzeptanz-Äußerungen wieder
kompensiert wird (2013: Unterstützung: 18 Prozent,
Akzeptanz: 46 Prozent). Die Zustimmung zum Mais­
anbau ist vergleichbar zum letzten Erhebungszeitpunkt (2013: Unterstützung: 17 Prozent, Akzeptanz:
43 Prozent). Eine mögliche Zunahme von Biogasanlagen im Zuge des Ausbaus der erneuerbaren Energien
wird 2015 von 15 Prozent der Befragten unterstützt,
weitere 50 Prozent äußern Akzeptanz. Im Vergleich zu
2013 ist die Zustimmung für Biogasanlagen insgesamt
leicht gestiegen (2013: Unterstützung: 16 Prozent,
Akzeptanz: 45 Prozent).
Der Holzeinschlag in Wäldern sowie der Ausbau von
Hochspannungsleitungen sind 2015 – wie schon
2013 – die am wenigsten populären Landschaftsveränderungen im Zuge des Ausbaus der erneuer­
baren Energien. Nur sechs Prozent unterstützen den
Holzeinschlag in Wäldern, weitere 20 Prozent würden
ihn akzeptieren, wobei die Akzeptanz in Bezug auf die
vorhergehende Erhebung merklich gesunken ist (2013:
Unterstützung: fünf Prozent, Akzeptanz: 26 Prozent).
Einen weiteren Ausbau des Hochspannungsnetzes unterstützen in 2015 nur vier Prozent der Befragten, wei-

59

Naturbewusstsein 2015 > Erneuerbare Energien und Landschaft

tere 33 Prozent würden ihn akzeptieren. Auch hier lag
die Akzeptanz in 2013 mit 39 Prozent deutlich höher;
die Unterstützung lag damals bei fünf Prozent.
Zwischen Frauen und Männern gibt es bei der
Be­wertung der genannten Maßnahmen keine
signifikanten Unterschiede. Auch das Lebensalter
spielt eher eine untergeordnete Rolle. Nennenswert
ist, dass der Maisanbau ebenso wie die Onshore-­
Windkraft bei den unter 30-Jährigen häufiger
Zuspruch erfährt als im Bevölkerungsdurchschnitt
(siehe Tabelle 16). Womöglich ist die jüngere Genera­
tion schon etwas stärker als ältere Personen an die
damit verbundenen Landschaftsveränderungen
gewöhnt. Die Bildung spielt indes eine größere Rolle:
Menschen mit höherer Formalbildung finden die
meisten der genannten Optionen, insbesondere die
Offshore- und Onshore-Windkraft sowie die Flächenphotovoltaikanlagen, häufiger gut als Menschen
mit niedriger und mittlerer Formalbildung. In
Gemeinden mit maximal 20.000 Einwohnerinnen

60

und Einwohnern ist der Anteil derjenigen, die eine
mögliche Zunahme von Onshore-Windkraft gut­
heißen, vergleichsweise niedrig (Durchschnitt: 28
Prozent, Einwohnerzahl zwischen 5.000 und 20.000:
20 Prozent, Einwohnerzahl unter 5.000: 13 Prozent).
Inwiefern landschaftsverändernde Maßnahmen
zur Erzeugung erneuerbarer Energien befürwortet
werden, ist auch eine Frage der Milieuzugehörigkeit:
Traditionelle, Prekäre und Hedonisten unterstützen
Offshore- und Onshore-Windkraft seltener als der
Durchschnitt. Expeditive hingegen haben eine signifikant höhere Zustimmung zur Windkraft – gleich ob
an Land (40 Prozent „das finde ich gut“) oder auf See
(53 Prozent). Bei den Sozialökologischen fällt auf, dass
ihre Zustimmung zum Rapsanbau ebenso verhalten
ausfällt wie im Milieu der Prekären (jeweils 14 Prozent
„das finde ich gut“). Flächenphotovoltaikanlagen finden besonders im Milieu der Adaptiv-Pragmatischen
hohen Anklang (39 Prozent „das finde ich gut“).

Naturbewusstsein 2015 > Allgemeine Einstellungen zu Natur und Naturschutz

5 Allgemeine Einstellungen zu Natur und Naturschutz
Dieses Kapitel behandelt eine Kernfrage der Naturbewusstseinsstudie: Welche Beziehung zur Natur hat die
Bevölkerung, und wie steht es um den Naturschutz?
Zunächst geht es darum, wie wichtig Natur für das
Leben der Menschen ist, für ihre Gesundheit und ihr
Wohlbefinden. Im Zentrum stehen dabei weniger
die semantischen Gehalte von „Natur“ für die Bevölkerung, also die Frage, was genau unter diesem
Begriff verstanden wird. Es wird vielmehr danach
gefragt, wie sich die Menschen zur Natur ins Verhältnis setzen, also etwa ob sie zur Vorstellung eines
guten Lebens hinzugehört, ob es sie glücklich macht,
in der Natur zu sein, oder ob sie sich mit Natur und
Landschaft der eigenen Region verbunden fühlen.
Dem Naturbild der Bevölkerung soll sich also über ihr
Naturverhältnis genähert werden. Ausdrücklich wird
auch danach gefragt, ob die Natur einem fremd bleibt
und der Aufenthalt in ihr womöglich als unangenehm
empfunden wird.

Schließlich nimmt dieses Kapitel noch das „Mandat“
des Naturschutzes in den Blick: Wie stark soll Naturschutz in die Nutzung von Natur eingreifen? Ist es
vielleicht so, dass in Deutschland bereits genug getan
wird, um die Natur zu schützen? Und selbst wenn es
die grundsätzliche Notwendigkeit weiteren Naturschutzes gibt, muss dieser sich in wirtschaftlichen
Krisenzeiten aufs Notwendige konzen­trieren und
eventuell sogar mit weniger Geld auskommen? Oder
sollten wir eher mehr statt weniger Geld in die Hand
nehmen – etwa aufgrund der gefährdeten Tier- und
Pflanzenarten in Deutschland –, den Naturschutz also
weiter ausbauen?

Eine weitere wichtige Frage dieses Kapitels ist, ob und
wie stark das Anliegen des Naturschutzes in der Be­
völkerung verankert ist. Damit Naturschutz als politische Aufgabe gesehen wird, die bestenfalls sogar unterstützt wird, muss die Bedrohung der Natur durch
den Menschen wahrgenommen und als handlungsrelevant bewertet werden. Aus diesem Grund wurde
auch im Jahr 2015 die Frage gestellt, ob die Menschen
die Naturzerstörung und den sorglosen Umgang mit
Natur als etwas Bedrohliches empfinden – oder ob sie
der Ansicht sind, die Gesellschaft mache sich zu viele
Gedanken um die Zerstörung der Natur.

Natur spielt für die Menschen in Deutschland auch
im Jahr 2015 eine wichtige und vielfältige Rolle. Für
94 Prozent der Bürgerinnen und Bürger gehört Natur
zu einem guten Leben dazu (beide Zustimmungsstufen). Je 92 Prozent schätzen ihre Vielfalt und verbinden Natur mit Gesundheit und Erholung. Darüber
hinaus sagen 90 Prozent, es mache sie glücklich, in
der Natur zu sein. Auch bei der Kindererziehung
wird der Natur ein hoher Stellenwert eingeräumt.
So finden es 92 Prozent wichtig, Kindern die Natur
nahe zu bringen. Demgegenüber stehen nur wenige
Deutsche, die sich nicht für das Thema Natur interessieren (16 Prozent), sich nicht wohl in ihr fühlen (zwölf
Prozent) oder Natur als etwas Fremdes wahrnehmen
(acht Prozent).

Wenn klar ist, ob und in welchem Ausmaß Natur als
bedroht wahrgenommen wird, muss gefragt werden,
inwiefern sich die Gesellschaft zum Schutz der Natur
verpflichtet fühlt. So ist es durchaus denkbar, dass die
Naturzerstörung als negative, aber unvermeidliche
Nebenfolge ihrer wirtschaftlichen Nutzung von
Menschen in Kauf genommen wird – sozusagen als
notwendiges Übel. Hat der Mensch das Recht, die
Natur zu seinem Nutzen zu verändern, und muss
ihre Beeinträchtigung oder gar Zerstörung notfalls
in Kauf genommen werden? Oder besteht – mit oder
ohne Zugeständnis eines solchen Rechts – die Pflicht,
Natur vor den negativen Auswirkungen menschlicher
Nutzung zu schützen? Und wenn eine solche Pflicht
besteht, betrifft sie auch jede Bürgerin und jeden
Bürger? Oder ist davon auszugehen, dass einzelne
Menschen ohnehin keinen großen Beitrag zum
Naturschutz erbringen können?

5.1 Persönliche Bedeutung von Natur
Für die Bevölkerung Deutschlands gehört Natur zu
einem guten Leben dazu.

Die Deutschen wollen viel Zeit in der Natur ver­
bringen.
Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung versucht,
so oft wie möglich in der Natur zu sein (85 Prozent).
Dabei zeigt sich eine starke Hinwendung zur eigenen
Region: 85 Prozent fühlen sich mit Natur und Landschaft in der eigenen Region eng verbunden, 49 Pro­zent
stimmen dieser Aussage sogar voll und ganz zu. Viele
Deutsche haben zudem eine Vorliebe für unberührte
Natur, denn 54 Prozent gefällt Natur umso besser, je
wilder sie sich darstellt (höchste Zustimmungsstufe:
15 Prozent).

61

Naturbewusstsein 2015 > Allgemeine Einstellungen zu Natur und Naturschutz

Abbildung 26: Persönliche Bedeutung von Natur

69

Zu einem guten Leben gehört die Natur dazu

62

An der Natur schätze ich ihre Vielfalt

51

30

6 11

Natur bedeutet für mich Gesundheit und Erholung

59

33

6 11

In meiner Erziehung ist oder wäre es mir wichtig,
meinen Kindern die Natur nahe zu bringen

59

33

6 11

55

Es macht mich glücklich, in der Natur zu sein
Ich fühle mich mit Natur und Landschaft in
meiner Region eng verbunden

11

In der Natur fühle ich mich nicht wohl

6

6

trifft voll und ganz zu

trifft eher nicht zu

trifft eher zu

trifft überhaupt nicht zu

Frauen und Ältere schreiben der Natur eine größere
Bedeutung zu als Männer und Jüngere.
Wie bereits in den Vorgängerstudien festgestellt, bestätigen die Befunde der aktuellen Erhebung, dass sich
Frauen der Natur stärker verbunden fühlen als Männer.
Beispielsweise stimmen 86 Prozent der Männer, aber
94 Prozent der Frauen der Aussage zu, dass es sie voll
und ganz oder zumindest eher glücklich macht, in der
Natur zu sein. Noch deutlicher als die Geschlechterunterschiede fallen die Altersunterschiede aus. Besonders
augenfällig sind die Unterschiede bei der Naturverbundenheit mit der eigenen Region. Während 71 Prozent
der unter 30-Jährigen auf eine enge Verbun­denheit mit
Natur und Landschaft in der eigenen Re­gion verweisen,
sagen dies bei den über 65-Jährigen 91 Prozent – eine
Differenz von 20 Prozentpunkten.

11

22

6 13

6

3
14

3 5
0

5

10

5
20

30

40

50

21

13

39 35

39

5

12

40

15

Ich interessiere mich nicht für das Thema Natur

Natur ist für mich etwas Fremdes

36

45

Je wilder die Natur, desto besser gefällt sie mir

9 1

35

49

Ich versuche, so oft wie möglich in der Natur zu sein

62

25

2

9 2

62

75

78
60

70

80

90

100

weiß nicht/keine Angabe
Angaben in Prozent

Im Vergleich dazu fallen die Bildungseffekte wesentlich geringer aus. Wiederum zeigen sich die größten
Unterschiede bei der Naturverbundenheit mit der
eigenen Region. Interessanterweise sind hier aber
nicht die Gutgebildeten überrepräsentiert, sondern
Personen mit einem mittleren Bildungsgrad. Gutgebildete müssen berufsbedingt öfter umziehen und
sind im Allgemeinen mobiler. Das könnte ursächlich
sein für eine geringere Verbundenheit mit der Region
und damit auch mit einer geringeren regionalen Na­
turverbundenheit. Darüber hinaus offenbaren die
Befunde, dass die Vorliebe für „wilde“ Natur mit dem
Bildungsniveau zunimmt (vergleiche Tabelle 17).

Naturbewusstsein 2015 > Allgemeine Einstellungen zu Natur und Naturschutz

Die sozialen Milieus in Deutschland unterscheiden
sich zum Teil erheblich in ihrer persönlichen Wert­
schätzung von Natur.

monaten (2011 und 2013). Interessanterweise zeigt
sich im Vergleich der Studien ein deutlicher Effekt
des Erhebungszeitpunktes auf das Antwortverhalten
zu Fragen der persönlichen Naturbeziehung (siehe
Tabelle 18): Die Zustimmung liegt in den Sommermonaten deutlich höher als in den Wintermonaten.
In Kapitel 6, Themenbereich „Persönliche Bedeutung
der biologischen Vielfalt“, gibt es bei zwei Aussagen
zur persönlichen Bedeutung der biologischen Vielfalt
einen ähnlichen Effekt, wenn auch weniger deutlich
(siehe dort). Bei allen anderen Themenbereichen deuten die Daten auf keinen Sommer-Winter-Effekt hin.

Bei den Milieus mit einer ausgeprägten postmateriellen Wertebasis, den Liberal-Intellektuellen und den
Sozialökologischen, verweisen die Befunde auf eine
große Nähe zur Natur. Auch im Konservativ-etablierten Milieu spielt Natur eine wichtige Rolle. Ein
deut­l ich geringeres Gewicht hat Natur in der modernen Unterschicht: im Hedonistischen und Pre­kären
Milieu. Beispielsweise stimmen in beiden Lebenswelten nur die Hälfte der Milieuangehörigen voll und
ganz der Aussage zu, dass die Natur zu einem guten
Leben dazugehört. In allen anderen Lebenswelten
bekunden dies deutlich mehr als die Hälfte der
Befragten (zwischen 62 und 86 Prozent).

5.2 Wahrnehmung von
Naturgefährdung

Jahreszeiten haben einen Einfluss auf die persönli­
che Bedeutung der Natur.

Die überwiegende Mehrheit der Deutschen befürch­
tet, dass es für die kommenden Generationen kaum
noch intakte Natur geben wird.

Mit der Naturbewusstseinsstudie 2015 liegen nun
insgesamt vier Erhebungen zum Naturbewusstsein
in Deutschland vor. Zwei dieser Umfragen wurden
in den Sommermonaten durchgeführt (2009 und
2015), die anderen beiden Studien in den Winter­

Die Hälfte der Bevölkerung fühlt sich durch die
Na­turzerstörung nicht unmittelbar bedroht (beide
Zustimmungsstufen: 49 Prozent). Weit mehr fürchten
allerdings, dass es für die kommenden Generationen

Tabelle 17: Persönliche Bedeutung von Natur nach Geschlecht, Alter und Bildung
Antwortkategorie:
trifft voll und ganz zu / trifft eher zu

Durchschnitt

Geschlecht

Alter (Jahre)

Bildung

Angaben in Prozent

Ø

M

W

bis 29

30 bis
49

50 bis
65

über
65

Zu einem guten Leben gehört die
Natur dazu

94

92

96

86

95

96

97

94

96

93

An der Natur schätze ich ihre Vielfalt

92

91

94

84

93

96

94

92

95

91

Natur bedeutet für mich Gesundheit
und Erholung

92

90

95

81

95

95

95

92

93

92

In meiner Erziehung ist oder wäre
es mir wichtig, meinen Kindern die
Natur nahe zu bringen

92

89

94

86

91

93

94

90

94

91

Es macht mich glücklich, in der Natur
zu sein

90

86

94

79

91

93

93

88

92

89

Ich versuche, so oft wie möglich in
der Natur zu sein

85

81

89

73

85

89

91

83

89

84

Ich fühle mich mit Natur und Landschaft in meiner Region eng verbunden

85

82

88

71

85

89

91

84

91

81

Je wilder die Natur, desto besser
gefällt sie mir

54

55

53

55

57

53

49

50

54

59

Ich interessiere mich nicht für das
Thema Natur

16

16

16

24

15

13

14

17

16

15

In der Natur fühle ich mich nicht wohl

12

13

12

14

12

12

12

13

14

9

Natur ist für mich etwas Fremdes

8

7

7

11

6

8

6

7

8

7

stark überrepräsentiert

überrepräsentiert

unterrepräsentiert

niedrig mittel

hoch

stark unterrepräsentiert

63

Naturbewusstsein 2015 > Allgemeine Einstellungen zu Natur und Naturschutz

Tabelle 18: Persönliche Bedeutung der Natur im Wechsel der Jahreszeiten
(Winterumfragen: 2011 und 2013, Sommerumfragen: 2009 und 2015)
Antwortkategorie:
trifft voll und ganz zu

2009

2011

2013

2015

Zu einem guten Leben gehört die
Natur dazu

61

58

56

69

An der Natur schätze ich ihre Vielfalt

60

50

52

62

Natur bedeutet für mich Gesundheit
und Erholung

60

58

53

59

In meiner Erziehung ist oder wäre
es mir wichtig, meinen Kindern die
Natur nahe zu bringen

53

50

52

59

Es macht mich glücklich, in der Natur
zu sein

52

41

41

55

Ich fühle mich mit Natur und Landschaft in meiner Region eng verbunden

43

38

36

49

Ich versuche, so oft wie möglich in
der Natur zu sein

41

33

31

45

Angaben in Prozent

Nur eine Minderheit der Deutschen verharmlost die
Gefährdung der Natur.

kaum noch intakte Natur geben wird (65 Prozent). Bei
den Gutgebildeten glauben das sogar 70 Prozent.
Offenbar sind viele Deutsche der Ansicht, dass sie das
volle Ausmaß der Folgen von Naturzerstörung selbst
nicht miterleben werden, wohl aber ihre Kinder und
Enkelkinder. Entsprechend groß ist die Zahl derjenigen, die sich darüber ärgert, dass viele Menschen so
sorglos mit der Natur umgehen (83 Prozent). Vor allem
Frauen (87 Prozent) und ältere Personen (50- bis
65-Jährige und über 65-Jährige: jeweils 87 Prozent) sind
entrüstet über den sorglosen Umgang mit der Natur.

Angesichts der großen Verärgerung über die Gefährdung der Natur wundert es nicht, dass nur eine Minderheit die Zerstörung der Natur entdramatisiert: 22
Prozent sind davon überzeugt, dass sich die Menschen
über Naturzerstörung zu viele Gedanken machen
(beide Zustimmungsstufen), 77 Prozent teilen diese
Meinung nicht. Dabei verharmlosen Männer die Naturzerstörung häufiger als Frauen, formal Niedriggebildete häufiger als Höhergebildete und die Jüngeren

Abbildung 27: Wahrnehmung der Gefährdung der Natur
Wie sehr stimmen Sie den folgenden Aussagen zu?
Ich ärgere mich darüber, dass viele Menschen
so sorglos mit der Natur umgehen

47

Ich fürchte, dass es für unsere Kinder und Enkelkinder
kaum noch intakte Natur geben wird

22

Ich fühle mich durch die Zerstörung der
Natur in unserem Land bedroht

0
trifft voll und ganz zu

trifft eher nicht zu

trifft eher zu

trifft überhaupt nicht zu

28

37

7

15
10

13

43

12

Die Menschen machen sich über die Zerstörung
der Natur zu viele Gedanken

64

36

20

30

38

37

5

40

50

5 2

12

70

80

1

1

40
60

31

90

100

weiß nicht/keine Angabe
Angaben in Prozent

Naturbewusstsein 2015 > Allgemeine Einstellungen zu Natur und Naturschutz

Tabelle 19: Wahrnehmung der Gefährdung der Natur nach Geschlecht, Alter und Bildung
Antwortkategorie:
trifft voll und ganz zu / trifft eher zu

Durchschnitt

Geschlecht

Alter (Jahre)

Bildung

Angaben in Prozent

Ø

M

W

bis 29

30 bis
49

50 bis
65

über
65

Ich ärgere mich darüber, dass viele
Menschen so sorglos mit der Natur
umgehen

83

79

87

70

84

87

87

81

87

81

Ich fürchte, dass es für unsere Kinder
und Enkelkinder kaum noch intakte
Natur geben wird

65

66

64

63

65

67

65

65

63

70

Ich fühle mich durch die Zerstörung
der Natur in unserem Land bedroht

49

47

50

46

49

51

48

45

49

53

Die Menschen machen sich über
die Zerstörung der Natur zu viele
Gedanken

22

25

19

29

21

20

20

26

19

21

stark überrepräsentiert

überrepräsentiert

(unter 30-Jährige) häufiger als ältere Personen (siehe
Tabelle 19). Da gerade die jüngere Generation am ehesten dazu neigt, die Naturzerstörung zu verharmlosen,
sollte stärker daran gearbeitet werden, bei den unter
30-Jährigen mehr Problembewusstsein zu schaffen.
Besonders das Sozialökologische Milieu ist für die
Naturzerstörung sensibilisiert.
Wie der Abschnitt zur persönlichen Bedeutung von
Natur gezeigt hat, sind die Sozialökologischen und
Liberal-Intellektuellen der Natur am stärksten verbunden. Daher liegt es nahe, dass die Verärgerung
über einen achtlosen Umgang mit der Natur in diesen
Lebenswelten am weitesten verbreitet ist (Sozialökologische: 96 Prozent, Liberal-Intellektuelle: 92 Prozent,
Bevölkerungsdurchschnitt: 83 Prozent). Weniger verärgert sind die Angehörigen des Prekären und Hedonistischen Milieus (Prekäre: 75 Prozent, Hedonisten:
71 Prozent). In diesen Lebenswelten ist auch die Sorge
um die Gefährdung der Natur am geringsten ausgeprägt: 35 Prozent der Hedonisten und 36 Prozent der
Prekären sind der Meinung, dass sich die Menschen
zu viele Gedanken über die Zerstörung der Natur
machen (Bevölkerungsdurchschnitt: 22 Prozent). Vor
dem Hintergrund eigener Benachteiligungserfahrungen kann vermutet werden, dass Prekäre wie Hedonisten andere Probleme als den Erhalt der Natur als
deutlich dringlicher einstufen.

unterrepräsentiert

niedrig mittel

hoch

stark unterrepräsentiert

5.3 N
 achhaltige Nutzung und Schutz
der Natur
Eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung fühlt sich
persönlich in der Pflicht, die Natur zu erhalten –
aber viele entziehen sich der Verantwortung.
Kaum bestritten wird die Tatsache, dass der Mensch
Teil der Natur ist (beide Zustimmungswerte: 93 Pro­
zent) und es zu seiner Pflicht gehört, die Natur zu
schützen (93 Prozent). Beide Einstellungen verfestigen
sich mit dem Alter (siehe Tabelle 20). Wird jedoch
nach der persönlichen Verantwortung gefragt, fällt
die Zustimmung deutlich geringer aus: 47 Prozent
nehmen sich persönlich „eher“ in die Pflicht, weitere
24 Prozent betonen explizit ihre Eigenverantwortung.
Es sind vor allem die Älteren, die den Erhalt der Natur
zu ihrer persönlichen Angelegenheit machen (höchste Zustimmungsstufe, 50 bis 65-Jährige: 29 Prozent,
unter 30-Jährige: 19 Prozent).
Die Frage, ob einzelne Personen einen Beitrag zum
Naturschutz leisten können, polarisiert die Deut­
schen.
44 Prozent der Deutschen finden voll und ganz oder
zumindest eher, dass einzelne Personen keinen
großen Beitrag zum Schutz der Natur leisten können,
55 Prozent sind vom Gegenteil überzeugt. Betrachtet
man die höchste Zustimmungsstufe, wird deutlich,
dass vor allem formal Niedriggebildete (18 Prozent)
und die unter 30-Jährigen (19 Prozent) der Meinung
sind, dass die eigene Unterstützung keinen Unterschied machen würde (siehe Tabelle 20). Bei der Frage,
ob der Mensch das Recht hat, die Natur zu verändern,

65

Naturbewusstsein 2015 > Allgemeine Einstellungen zu Natur und Naturschutz

Abbildung 28: Einstellungen zum Schutz der Natur
Wie sehr stimmen Sie den folgenden Aussagen zu?
63

Der Mensch ist Teil der Natur

60

Es ist die Pflicht des Menschen, die Natur zu schützen
Ich fühle mich persönlich dafür verantwortlich,
die Natur zu erhalten

Der Mensch hat das Recht, die Natur zu
seinem Nutzen zu verändern

30

trifft voll und ganz zu

trifft eher nicht zu

trifft eher zu

trifft überhaupt nicht zu

6

33

9
0

21

47

14

10

20

6 1

33

24

Ich als Einzelner kann keinen großen Beitrag
zum Schutz der Natur leisten

6 1

30

5
30

40

50

7 1

36

19

1

39

17

2

90

100

60

70

80

weiß nicht/keine Angabe
Angaben in Prozent

Aufgabe gerecht zu werden – ein interessanter Befund,
denn im Jahre 2013 glaubten das deutlich weniger,
nämlich 40 Prozent. Auch der Anteil derer, die der
wirtschaftlichen Entwicklung eine höhere Bedeutung
als der Natur zusprechen, ist merklich gestiegen: 37
Prozent der Deutschen finden, dass die Natur der
wirtschaftlichen Entwicklung nicht im Weg stehen
darf (2013: 32 Prozent). Gerade in Krisenzeiten, so die
Meinung von 65 Prozent der Bevölkerung, müsse der
Naturschutz mit weniger Geld auskommen (2013: 62
Prozent). Die europäischen und globalen Finanz- und
Wirtschaftskrisen der jüngeren Zeit mit den damit
einhergehenden sozialen Folgen für die Bevölkerung

stimmen vor allem Personen mit einem hohen Haushaltsnettoeinkommen „voll und ganz“ oder „eher“ zu
(beide Zustimmungsstufen, Haushaltsnettoeinkommen über 3.500 Euro: 50 Prozent, Bevölkerungsdurchschnitt: 42 Prozent).
Die Hälfte der Bevölkerung ist der Ansicht, in
Deutschland werden ausreichend Anstrengungen
für den Naturschutz unternommen.
Der Schutz der Natur wird von 86 Prozent der Deutschen als wichtige politische Aufgabe gesehen. Dabei
glauben 51 Prozent, dass genug getan wird, um dieser

Tabelle 20: Einstellungen zum Schutz der Natur nach Geschlecht, Alter und Bildung
Antwortkategorie:
trifft voll und ganz zu

Geschlecht

Alter (Jahre)

Bildung

Angaben in Prozent

Ø

M

W

bis 29

30 bis
49

50 bis
65

über
65

Der Mensch ist Teil der Natur

63

60

65

56

59

70

65

61

65

62

Es ist die Pflicht des Menschen, die
Natur zu schützen

60

56

63

48

58

68

62

56

66

57

Ich fühle mich persönlich dafür verantwortlich, die Natur zu erhalten

24

23

24

19

20

29

27

24

24

22

Ich als Einzelner kann keinen großen
Beitrag zum Schutz der Natur leisten

14

15

14

19

14

12

15

18

12

12

Der Mensch hat das Recht, die Natur
zu seinem Nutzen zu verändern

9

9

9

12

9

9

8

10

8

9

stark überrepräsentiert

66

Durchschnitt

überrepräsentiert

unterrepräsentiert

niedrig mittel

hoch

stark unterrepräsentiert

Naturbewusstsein 2015 > Allgemeine Einstellungen zu Natur und Naturschutz

Abbildung 29: Naturschutz im Spannungsfeld von Politik und Wirtschaft
Der Naturschutz in Deutschland ist eine wichtige
politische Aufgabe

45

In wirtschaftlichen Krisenzeiten muss auch der
Naturschutz mit weniger Geld auskommen

41

44

21

In Deutschland wird genug getan, um die
Natur zu schützen

13

Die Natur darf der wirtschaftlichen Entwicklung
nicht im Weg stehen

10

trifft voll und ganz zu

trifft eher nicht zu

trifft eher zu

trifft überhaupt nicht zu

36

26
20

9

5 43
30

40

50

60

17
70

21

7 4

24

38

11
0

11

80

90

4

3
100

weiß nicht/keine Angabe
Angaben in Prozent

wirtschaftlicher Krisen auch der Naturschutz zurückstecken müsse (68 Prozent).

könnten ein Grund dafür sein, warum die wirtschaftliche Entwicklung auch hierzulande von breiten
Teilen der Bevölkerung aktuell eine besonders hohe
Beachtung erfährt.

Die Zustimmung zu den Prinzipien einer nachhal­
tigen Naturnutzung hat sich bei vielen Deutschen
verfestigt.

Die Soziodemographie der Befragten hat an dieser
Stelle insgesamt keinen großen Einfluss auf ihr Antwortverhalten. Im Einzelnen lässt sich feststellen, dass
im jüngsten (unter 30-Jährige) und im formal einfach
gebildeten Teil der Bevölkerung die Auffassung, der
Naturschutz sei eine wichtige politische Aufgabe,
etwas weniger verbreitet ist (beide Zustimmungsstufen: unter 30-Jährige: 79 Prozent, formal Niedriggebildete: 82 Prozent). Dabei meinen vor allem die formal
Niedriggebildeten, dass die Anstrengungen, die in
Deutschland für den Schutz der Natur unternommen
werden, ausreichen (54 Prozent) und dass in Zeiten

Geht es um die grundsätzliche Zustimmung zu den
Prinzipien einer nachhaltigen Naturnutzung, sind
sich die Deutschen – wie schon im Jahre 2013 festgestellt – in hohem Maße einig: Nur ein Bruchteil der
Bevölkerung bestreitet die Bedeutung eines achtsamen und sorgsamen Umgangs mit der Natur (siehe
Abbildung 30). Inwieweit den Prinzipien einer
nachhaltigen Naturnutzung allerdings voll und ganz
zugestimmt wird, hat sich im Zeitvergleich signifikant
verändert: Wesentlich mehr Menschen als noch vor

Tabelle 21: Naturschutz im Spannungsfeld von Politik und Wirtschaft nach Geschlecht, Alter und Bildung
Antwortkategorie:
trifft voll und ganz zu / trifft eher zu

Durchschnitt

Geschlecht

Alter (Jahre)

Bildung

Angaben in Prozent

Ø

M

W

bis 29

30 bis
49

50 bis
65

über
65

Der Naturschutz in Deutschland ist
eine wichtige politische Aufgabe

86

86

86

79

89

86

87

82

88

88

In wirtschaftlichen Krisenzeiten muss
auch der Naturschutz mit weniger
Geld auskommen

65

65

64

61

65

65

67

68

63

63

In Deutschland wird genug getan, um
die Natur zu schützen

51

53

49

55

51

49

50

54

50

48

Die Natur darf der wirtschaftlichen
Entwicklung nicht im Weg stehen

37

40

34

41

35

33

41

40

36

34

stark überrepräsentiert

überrepräsentiert

unterrepräsentiert

niedrig mittel

hoch

stark unterrepräsentiert

67

Naturbewusstsein 2015 > Allgemeine Einstellungen zu Natur und Naturschutz

Abbildung 30: Zustimmung zu den Prinzipien einer nachhaltigen Naturnutzung
Die Natur darf nur so genutzt werden, dass
die Vielfalt der Pflanzen und Tiere sowie ihrer
Lebensräume auf Dauer gesichert ist

62

Wir dürfen die Natur nur so nutzen, dass dies
auch für kommende Generationen im
gleichen Umfang möglich ist

62

Die Natur darf nur so genutzt werden, dass Eigenart und
Schönheit von Natur und Landschaft erhalten bleiben

58

Wir dürfen die Natur nicht auf Kosten der
Menschen in ärmeren Ländern ausbeuten

56
0

trifft voll und ganz zu

trifft eher nicht zu

trifft eher zu

trifft überhaupt nicht zu

10

20

31

5 11

31

6 1

35

6 1

8 12

33

30

40

50

60

70

80

90

100

weiß nicht/keine Angabe
Angaben in Prozent

Im Vergleich zum Durchschnitt der Befragten ist das
Bewusstsein für nachhaltige Naturnutzung bei der
jüngeren Generation (unter 30-Jährige) schwächer
ausgeprägt. Gleiches – aber weniger deutlich – gilt
für Personen mit einem formal niedrigen Bildungsniveau. Überraschenderweise ist die uneingeschränkte Zustimmung zu den Prinzipien einer
nachhaltigen Naturnutzung bei Personen mit einer
mittleren Formalbildung am weitesten verbreitet.
Der Geschlechtervergleich deckt auf, dass diese Prinzipien bei Frauen zudem eine größere Zustimmung
erfahren als bei Männern (siehe Tabelle 22).

zwei Jahren sind vollends davon überzeugt, die Natur
dürfe nur so genutzt werden, dass dies auch für
kommende Generationen im gleichen Umfang
möglich ist (2013: 57 Prozent, 2015: 62 Prozent), die
Vielfalt der Pflanzen und Tiere sowie ihrer Lebensräume auf Dauer gesichert ist (2013: 55 Prozent, 2015:
62 Prozent) und Eigenart wie Schönheit von Natur
und Landschaft erhalten bleiben (2013: 52 Prozent,
2015: 58 Prozent). Auch die Meinung, die Natur dürfe
nicht auf Kosten der Menschen in ärmeren Staaten
ausgebeutet werden, hat sich bei vielen Bürgerinnen
und Bürgern binnen zwei Jahren verfestigt (2013:
49 Prozent, 2015: 56 Prozent).

Tabelle 22: Zustimmung zu den Prinzipien einer nachhaltigen Naturnutzung nach Geschlecht, Alter und Bildung
Antwortkategorie:
trifft voll und ganz zu

Geschlecht

Alter (Jahre)

Bildung

Angaben in Prozent

Ø

M

W

bis 29

30 bis
49

50 bis
65

über
65

Die Natur darf nur so genutzt werden,
dass die Vielfalt der Pflanzen und
Tiere sowie ihrer Lebensräume auf
Dauer gesichert ist

62

59

66

53

60

68

66

61

67

59

Wir dürfen die Natur nur so nutzen, dass dies auch für kommende
Generationen im gleichen Umfang
möglich ist

62

58

66

48

61

69

66

59

66

60

Die Natur darf nur so genutzt werden,
dass Eigenart und Schönheit von Natur und Landschaft erhalten bleiben

58

57

59

52

56

65

57

55

61

57

Wir dürfen die Natur nicht auf Kosten
der Menschen in ärmeren Ländern
ausbeuten

56

52

60

49

55

63

57

56

58

54

stark überrepräsentiert

68

Durchschnitt

überrepräsentiert

unterrepräsentiert

niedrig mittel

hoch

stark unterrepräsentiert

Naturbewusstsein 2015 > Allgemeine Einstellungen zu Natur und Naturschutz

Der Milieuvergleich zeigt: Die Sozialökologischen und
die Liberal-Intellektuellen sprechen sich am stärksten
für die Prinzipien einer nachhaltigen Naturnutzung
aus. Beispielsweise sind in beiden Milieus mehr als
drei Viertel der Befragten der festen Überzeugung, die
Natur sollte nur so genutzt werden, dass die Vielfalt
der Pflanzen und Tiere sowie ihrer Lebensräume auf
Dauer gesichert ist. Im Durchschnitt aller Befragten

bekunden das knapp zwei Drittel und damit deutlich
weniger. In der Detailanalyse fällt auf, dass neben den
Prekären und Hedonisten auch die Performer weniger Besorgnis hinsichtlich der Menschen in ärmeren
Teilen der Welt äußern (höchste Zustimmungsstufe,
Bevölkerungsdurchschnitt: 56 Prozent, Prekäre: 49
Prozent, Hedonisten: 44 Prozent, Performer: 44 Prozent).

69

Naturbewusstsein 2015 > Biologische Vielfalt

6 Biologische Vielfalt
Der Begriff „Biologische Vielfalt“, oder auch Biodiversität, wurde in den 1980er-Jahren von der Wissenschaft geprägt, um dann rasch Eingang in den Natur­
schutz und in den allgemeinen Sprachgebrauch zu
finden. Biologische Vielfalt wird seitdem im Wesentlichen auf drei Ebenen definiert: über die Vielfalt der
Arten, über die Vielfalt an Lebensräumen und Ökosystemen und über die genetische Vielfalt innerhalb
einer Art. Das zentrale politische Dokument, das die
Siche­r ung der Vielfalt des Lebens auf internationaler
Ebene regelt, ist das Übereinkommen der Vereinten
Nationen über die biologische Vielfalt (UN-Biodiversitätskonvention, CBD) aus dem Jahr 1992, das auch von
der Bundesrepublik Deutschland unterzeichnet und
ratifiziert wurde. Weitere internationale Abkommen
zum Schutz der Biodiversität sind unter anderen die
Ramsar-Konvention und das Washingtoner Artenschutzübereinkommen.
Gefährdet beziehungsweise reduziert wird die Vielfalt
des Lebens auf dem Planeten durch eine Fülle von
Prozessen, dazu zählen unter anderem: Änderungen in
der Landnutzung (zum Beispiel Entwaldung oder Umwandlung von Feuchtgebieten in landwirtschaftliche
Nutzfläche), die Ausweitung von Wohn- und Infrastrukturgebieten, eine intensive landwirtschaftliche
Nutzung, die mit hohen Stickstoffeinträgen und Pestizideinsätzen einhergeht, die Einführung neuer Arten
(Neophyten) in empfindliche Ökosysteme und der Klimawandel. All diese Prozesse sind „menschengemacht“,
das heißt an ihrem Ursprung stehen individuelle
Präferenzen, wirtschaftliche Interessen und politische
Entscheidungen. Umgekehrt bedeutet dies aber auch:
Durch eine Änderung von individuellen Präferenzen
und Verhaltensweisen, durch eine andere Art des Wirtschaftens und durch eine veränderte Politik lässt sich
der Verlust der biologischen Vielfalt aufhalten.
Dazu braucht es gesellschaftlichen Rückhalt. Alle
können einen Teil dazu beitragen, dass sich die gesellschaftlichen Prozesse, die sich insgesamt zu „der“
Gefährdung der biologischen Vielfalt durch „den“
Menschen zusammenfügen, ändern: Beispielsweise
durch die Art und Weise, wie über Natur gedacht
wird und wie sie dementsprechend wertgeschätzt
wird, durch das Konsumverhalten, durch unsere Ein­
flussmöglichkeiten sowohl als Arbeitnehmerinnen
und Arbeitnehmer als auch Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in Wirtschaft und
Politik, durch unsere Vorstellung und Mitgestaltung
von guter Politik sowie durch unsere Teilnahme an
der öffentlichen Meinungsbildung.

70

Diese Erkenntnis leitet auch die Naturschutzpolitik.
In diesem Kapitel werden daher empirische Befunde
zur Einstellung der Bevölkerung zum Thema „Biologische Vielfalt“ präsentiert. Zuallererst: Kennen die
Menschen den Begriff der biologischen Vielfalt? Und –
wenn sie bereits davon gehört haben – wissen sie, was
er bedeutet? Gibt es ein Bewusstsein über die weltweite Gefährdung der biologischen Vielfalt, oder hält die
Bevölkerung dies für eine Übertreibung? Schließlich:
Wenn sie den Erhalt der biologischen Vielfalt für ein
wichtiges Anliegen halten, sind die Menschen persönlich auch bereit, etwas dafür zu tun?
Zur Umsetzung des Übereinkommens über die biologische Vielfalt in Deutschland wurde am 7. November
2007 die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt
vom Bundeskabinett beschlossen. Darin wird folgendes
Ziel festgehalten: „Im Jahre 2015 zählt für mindestens
75 Prozent der Bevölkerung die Erhaltung der biologi­
schen Vielfalt zu den prioritären gesellschaftlichen
Aufgaben. Die Bedeutung der biologischen Vielfalt ist
fest im gesellschaftlichen Bewusstsein verankert. Das
Handeln der Menschen richtet sich zunehmend daran
aus und führt zu einem deutlichen Rückgang der Belastung der biologischen Vielfalt (BMU 2007, S. 60f.).“
Das vorliegende Kapitel präsentiert den Indikator
„Bewusstsein für biologische Vielfalt“, der dieses Ziel
messbar macht und den Erfüllungsgrad der Nationalen Strategie anzeigt (siehe Kuckartz und Rädiker
2009). Der Indikator ist Bestandteil des Indikatorensets der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt

Abbildung 31: Teilindikatoren und Gesamtindikator „Bewusstsein für biologische
Vielfalt“

„Wissen“

„Gesamt“
„Einstellung“

„Verhalten“

Naturbewusstsein 2015 > Biologische Vielfalt

der Biodiversität und ihrer Erhaltung äußern und
zudem davon ausgehen, dass die biologische Vielfalt auf der Erde abnimmt.

(Ackermann et al. 2013). Die Daten zu seiner Berechnung werden in regelmäßigen zeitlichen Abständen
durch die Naturbewusstseinsstudie erhoben.

6.1 Bewusstsein für biologische
Vielfalt: Gesamtindikator

›› D
 er Verhaltensindikator gibt an, wie viel Prozent
der Deutschen eine ausreichende Bereitschaft äußern, selbst zur Erhaltung der biologischen Vielfalt
beizutragen.

Der Indikator „Bewusstsein für biologische Vielfalt“
setzt sich aus den Teilbereichen „Wissen“, „Einstellung“ und „Verhalten“ zusammen. Für jeden dieser
drei Teil­bereiche sind Anforderungen definiert, in
denen die Zielvorgaben der Nationalen Strategie zur
biologischen Vielfalt zum Ausdruck kommen. Auf
Grundlage dieser Anforderungen wird für alle drei
Bereiche ein Teilindikator gebildet:

Die Höhe des Gesamtindikators entspricht schließlich
dem Prozentanteil an Personen, die die Anforderungen in allen drei Teilbereichen (Wissen, Einstellung,
Verhalten) erfüllen (siehe Kuckartz und Rädiker 2009).
Diese Konstruktion impliziert, dass der Gesamt­
indikator nicht höher sein kann als der niedrigste
Teilindikator – in der Regel liegt er deutlich darunter
(vergleiche hierzu auch Abbildung 31).17

›› D
 er Wissensindikator gibt an, wie viel Prozent der
Deutschen den Begriff „Biologische Vielfalt“ kennen, einschließlich der Nennung von mindestens
einer Teilkomponente (Vielfalt der Arten, Ökosysteme, Gene).

Ein Viertel der Bevölkerung erfüllt die Anforderun­
gen eines hohen Bewusstseins für die Bedeutung der
biologischen Vielfalt.
41 Prozent der Deutschen kennen den Begriff
„Biologische Vielfalt“ und können ihn erklären
(Wissensindikator), 53 Prozent erfüllen das Einstellungskriterium, sind also ausreichend sensibilisiert

›› D
 er Einstellungsindikator gibt an, wie viel Prozent
der Deutschen eine positive Einstellung gegenüber

Abbildung 32: Gesamtindikator „Bewusstsein für biologische Vielfalt“ nach Sinus-Milieus

Oberschicht /
Obere
Mittelschicht

Gesamtindikator nach Sinus-Milieus

KonservativEtablierte
32 %

Mittlere
Mittelschicht

Traditionelle
14 %

Performer
28 %
Expeditive
35 %

Sozialökologische
37 %
AdaptivPragmatische
24 %

Bürgerliche Mitte
16 %

Hedonisten
15 %

Soziale Lage

Untere Mittelschicht /
Unterschicht

LiberalIntellektuelle
45 %

Prekäre
14 %
Durchschnitt = 24 %
Grundorientierung
Festhalten Bewahren Haben & Genießen

Tradition

stark überrepräsentiert

Sein & Verändern

Modernisierung / Individualisierung

stark unterrepräsentiert

Machen & Erleben Grenzen überwinden

Neuorientierung

durchschnittlich

71

Naturbewusstsein 2015 > Biologische Vielfalt

Tabelle 23: Zeitliche Entwicklung des Indikators „Bewusstsein für biologische Vielfalt“
2009

2011

2013

2015

Teilindikator „Wissen“

42

41

40

41

Teilindikator „Einstellungen“

54

51

54

53

Teilindikator „Verhalten“

50

46

50

59

Gesamtindikator

22

23

25

24

Angaben in Prozent

für die Erhaltung der biologischen Vielfalt, und 59
Prozent äußern ihre Bereitschaft, selbst zum Schutz
der Biodiversität beizutragen. Allerdings erfüllt nur
eine Minderheit von 24 Prozent die Anforderungen in
allen drei Teilbereichen. Häufiger als der Durchschnitt
werden die Anforderungen des Gesamtindikators von
Personen im Alter von 50 bis 65 Jahren (34 Prozent),
Personen mit einer hohen Formalbildung (32 Prozent)
und einem Haushaltsnettoeinkommen ab 3.500 Euro
(31 Prozent) erfüllt. Differenziert nach sozialen Milieus lässt sich feststellen, dass immerhin 45 Prozent
der Liberal-Intellektuellen alle Anforderungen des
Gesamtindikators erfüllen. Auch die Sozialökologi­
schen, Expeditiven und Konservativ-Etablierten
zeig­en überdurchschnittlich häufig ein großes Bewusstsein für die Bedeutung der biologischen Vielfalt,
in den gesellschaftlich schlechter gestellten Milieus
fallen die Werte im Gegenzug deutlich niedriger aus
(siehe Abbildung 32).
Im Vergleich zu den Vorgängererhebungen kann
beim Gesamtindikator kein signifikanter Unterschied
konstatiert werden. Die Abweichungen zwischen den
Jahren 2009 bis 2015 liegen im Bereich von maximal
drei Prozentpunkten (siehe Tabelle 23) und damit im
Bereich der statistischen Fehlertoleranz. Auch ein
Blick auf die Teilindikatoren „Wissen“ und „Einstellungen“ verweist auf keine wesentlichen Änderungen
im Zeitablauf. Interessanterweise gilt das nicht für den
Teilindikator „Verhalten“. Insbesondere im Vergleich
zu 2011 (46 Prozent) ist die individuelle Bereitschaft,
einen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt zu
leisten, deutlich um 13 Prozentpunkte auf 59 Prozent
gestiegen.
Für eine eingehendere Betrachtung der Befragungsergebnisse werden die Befunde zu allen drei Teilindikatoren in den nachfolgenden Abschnitten im Detail
vorgestellt.

72

6.2 Teilindikator: Wissen
Mehr als drei Viertel der Deutschen ist der Begriff
„Biologische Vielfalt“ bekannt – viele wissen aber
nicht, was er bedeutet.
Nur ein geringer Anteil der Bevölkerung (22 Prozent)
hat den Begriff der biologischen Vielfalt noch nie gehört. Dem stehen 36 Prozent gegenüber, die davon gehört haben, aber nicht wissen, was der Begriff bedeutet.
Weitere 42 Prozent geben an, nicht nur davon gehört
zu haben, sondern auch zu wissen, was der Begriff bedeutet. Das Wissen über die inhaltliche Bedeutung von
Biodiversität ist dabei stark von der formalen Bildung
abhängig: 54 Prozent der formal Gutgebildeten, aber
nur 29 Prozent der formal einfach Gebildeten geben an,
die Bedeutung zu kennen. Auffällig ist, dass der Anteil
derjenigen, die behaupten zu wissen, was Biodiversität bedeutet, in der Gruppe der formal Gutgebildeten
gegenüber 2013 um sechs Prozentpunkte gesunken ist,
in der Gruppe mit mittleren Bildungsabschlüssen hingegen ist dieser Anteil gestiegen (2013: 39 Prozent; 2015:
48 Prozent). Auch das Alter der Befragten spielt eine
Rolle: Die Kenntnis über die inhaltliche Bedeutung
nimmt mit dem Alter zu – allerdings nur bis zur Altersgruppe der 50- bis 65-Jährigen (52 Prozent).18 Von den
über 65-Jährigen sagen nur noch 36 Prozent, sie wüssten, was biologische Vielfalt bedeutet. Das Einkommen
ist ebenfalls relevant, denn Personen mit einem hohen
Haushaltsnettoeinkommen (ab 3.500 Euro) geben
überdurchschnittlich häufig an, schon von dem Begriff
gehört und eine Vorstellung von seiner Bedeutung zu
haben (hohes Haushaltsnettoeinkommen: 48 Prozent;
Bevölkerungsdurchschnitt: 42 Prozent).
Gegenüber 2013 zeigen sich keine signifikanten Veränderungen (siehe Abbildung 33): Der Anteil derjenigen,
die behaupten zu wissen, was der Begriff bedeutet, hat
kaum zugenommen. Die Zahl der Personen, die die
Be­deutung nicht kennen, den Begriff aber schon mal
gehört haben, liegt – wie in der Vorgängererhebung –
bei 36 Prozent. Dass sie noch nie von dem Begriff „Biologische Vielfalt“ gehört haben, sagen nur unwesentlich
mehr Personen als noch vor zwei Jahren.

Naturbewusstsein 2015 > Biologische Vielfalt

Abbildung 33: Bekanntheit des Begriffs „Biologische Vielfalt“ im Zeitvergleich
Ist Ihnen der Begriff „Biologische Vielfalt“ bekannt?
„Ich habe davon gehört, und ich
weiß, was der Begriff bedeutet.“
44

42

40

„Ich habe davon gehört, aber ich
weiß nicht, was der Begriff bedeutet.“

42

36

36
30

„Ich habe noch nie
davon gehört.“

29
26

25

22

20

2009

2011

2013

Angaben in Prozent

2015

in der Lebenswelt der Prekären gegenüber 2013 erheblich zugenommen (2013: 24 Prozent, 2015: 36 Prozent).

Gesellschaftlich gehobene Milieus geben häufiger als
der Durchschnitt an, den Begriff der biologischen Vielfalt zu kennen und zu wissen, was er bedeutet. Das gilt
vor allem für die Liberal-Intellektuellen (64 Prozent), die
Sozialökologischen (58 Prozent), die Konservativ-Etablierten (53 Prozent) und die Expeditiven (51 Prozent).
Am seltensten wissen die Traditionellen (29 Prozent)
und die Hedonisten (31 Prozent), was der Begriff bedeutet. Erfreulicherweise hat die Bekanntheit des Begriffs

Unter biologischer Vielfalt verstehen diejenigen, die
mit dem Begriff vertraut sind, vor allem die Vielfalt
von Tier- und Pflanzenarten.
Unabhängig von Geschlecht, Alter, Bildung und
Einkommen verbinden rund neun von zehn Befrag-

Abbildung 34: Verständnis des Begriffs „Biologische Vielfalt“
Können Sie mir bitte sagen, was der Begriff „Biologische Vielfalt“ für Sie bedeutet?
(Offene Frage, Mehrfachnennungen möglich)
Vielfalt von Arten (Tieren und/oder Pflanzen)

88

Vielfalt von Ökosystemen, Lebensräumen

54

Vielfalt von Genen, Erbinformationen, Erbgut

30

Sonstiges

4

weiß nicht/keine Angabe 0
0

10

20

30

Basis: 868 Fälle (nur Befragte, die angeben zu wissen, was "Biologische Vielfalt" bedeutet)

40

50

60

70

80

90

100

Angaben in Prozent

73

Naturbewusstsein 2015 > Biologische Vielfalt

Abbildung: 35: Verständnis des Begriffs „Biologische Vielfalt“ im Zeitvergleich
Können Sie mir bitte sagen, was der Begriff „Biologische Vielfalt“ für Sie bedeutet?
(Offene Frage, Mehrfachnennungen möglich)
Vielfalt von Arten
(Tieren und/oder Pflanzen)

92

96

95

Vielfalt von Ökosystemen,
Lebensräumen

88

68

70
54

Vielfalt von Genen,
Erbinformationen, Erbgut

37

36

41
30

12

2009

2011

2013

2015

ten aus der Gruppe der „Begriffskennerinnen und
Begriffskenner“ mit biologischer Vielfalt die Diversität von Tier- und Pflanzenarten (siehe Abbildung
34).19 Mehr als die Hälfte der Befragten dieser Gruppe
verbindet damit die Vielfalt von Ökosystemen und Lebensräumen. Häufiger wissen das die Jüngeren (unter
30-Jährige: 64 Prozent), Personen mit einer hohen Formalbildung (62 Prozent) und mit einem Haushaltsnettoeinkommen ab 3.500 Euro (61 Prozent). Dass auch
die Vielfalt von Genen, Erbinformationen und Erbgut
eine Teilkomponente von Biodiversität darstellt, ist
dagegen nur 30 Prozent geläufig. Wiederum sind es
die Jüngeren (38 Prozent), Gutgebildeten (38 Prozent)
und die Einkommensbezieherinnen und Einkommensbezieher ab 3.500 Euro (36 Prozent), die hierüber
häufiger Kenntnis besitzen.
Der Zeitvergleich deckt auf, dass das Verständnis um
die inhaltliche Bedeutung der biologischen Vielfalt
unter den Begriffskennerinnen und Begriffskennern
zwischen 2009 und 2013 stark angestiegen ist (siehe
Abbildung 35). 2015 liegen die Werte weiterhin deutlich über den Werten von 2009, aber im Vergleich zu
2013 ist ein Rückgang zu verzeichnen: Der Anteil der
Bevölkerung, der biologische Vielfalt mit der Vielfalt
von Arten verbindet, hat um sieben Prozentpunkte
abgenommen. Ebenso ist der Anteil der Befragten, der
biologische Vielfalt (auch) als eine Vielfalt von Genen
versteht, um elf Prozentpunkte gesunken. Der größte
Rückgang betrifft den Bevölkerungsanteil, der die

74

Angaben in Prozent

biologische Vielfalt (unter anderem) mit der Vielfalt
von Lebensräumen und Ökosystemen gleichsetzt
(16 Prozentpunkte). Diese auffälligen Rückgänge im
Bewusstsein der Bevölkerung machen weiteren Forschungsbedarf zur Klärung der Ursachen deutlich.

6.3 Teilindikator: Einstellung
Im Anschluss an die Wissensfragen wurde allen Befragten eine Definition biologischer Vielfalt vorgelesen, um sie hinsichtlich ihres Wissens und hinsichtlich ihres Verständnisses des Begriffs auf einen
vergleichbaren Stand zu bringen.
Weite Teile der Bevölkerung sind für die Abnahme
der biologischen Vielfalt sensibilisiert.
71 Prozent aller Befragten sind sehr oder eher davon überzeugt, dass die biologische Vielfalt auf der
Erde abnimmt, 20 Prozent sind unentschieden und
sechs Prozent sind eher nicht oder gar nicht davon
überzeugt (siehe Abbildung 36). Gutgebildete und die
Altersgruppe der 50- bis 65-Jährigen sind häufiger für
die Gefährdung der biologischen Vielfalt sensibilisiert
(sehr/eher überzeugt: Gutgebildete: 76 Prozent, 50- bis
65-Jährige: 77 Prozent).
In den bildungsorientierten und naturaffinen Milieus
der Sozialökologischen (sehr/eher überzeugt: 89 Prozent)

Naturbewusstsein 2015 > Biologische Vielfalt

und Liberal-Intellektuellen (84 Prozent) ist das
Problembewusstsein in Bezug auf die Abnahme der
biologischen Vielfalt weiter verbreitet als im Bevölkerungsdurchschnitt (71 Prozent). Aufgrund ihres
generellen Interesses an der Thematik liegt die
Vermutung nahe, dass ihnen Dokumentationen oder
Artikel geläufig sind, die auf die Brisanz des Rückgangs der biologischen Vielfalt aufmerksam machen.
Auch das junge Milieu der Expeditiven ist überdurchschnittlich häufig (78 Prozent) für die Gefährdung der
Biodiversität sensibilisiert. In dem weniger bildungsund informationsorientierten Milieu der Hedonisten
ist das Wissen um die abnehmende Biodiversität am
geringsten ausgeprägt (58 Prozent).

Abbildung 36: Wahrgenommene Abnahme der
biologischen Vielfalt
Inwieweit sind Sie davon überzeugt, dass die biologische
Vielfalt auf der Erde abnimmt? Sind Sie …

5 13
20

26
Angaben
in Prozent

sehr überzeugt
eher überzeugt
unentschieden
eher nicht überzeugt
gar nicht überzeugt

45

weiß nicht/
keine Angabe

Für drei Viertel der Deutschen ist die Erhaltung der
biologischen Vielfalt eine vorrangige gesellschaftli­
che Aufgabe.
Auf die Frage, ob die Erhaltung der biologischen Vielfalt zu den vorrangigen gesellschaftlichen Aufgaben
gehört, antworten 34 Prozent vorbehaltlos mit „ja“,
weitere 40 Prozent mit „eher ja“ (siehe Abbildung 37).
Gegenüber 2013 lässt sich somit ein leichter Zuwachs
verzeichnen (2013: beide Zustimmungsstufen: 71 Pro­
zent). Noch ausgeprägter fällt die Zustimmung bei
Personen ab 50 Jahren (50- bis- 65-Jährige: 78 Prozent,
über 65-Jährige: 77 Prozent) und bei den Gutgebildeten (79 Prozent) aus.

Abbildung 37: Gesellschaftlicher Stellenwert der
Erhaltung der biologischen Vielfalt
Inwieweit halten Sie persönlich die Erhaltung der biologischen
Vielfalt für eine vorrangige gesellschaftliche Aufgabe?
Würden Sie sagen, …
ja, dies ist eine vorrangige
gesellschaftliche Aufgabe

3 11

eher ja

21
Angaben
in Prozent
40

34

teils/teils
eher nein
nein, dies ist keine vorrangige gesellschaftliche
Aufgabe
weiß nicht/keine Angabe

Auch bei dieser Frage gibt es Unterschiede zwischen
den sozialen Milieus: Mit jeweils 85 Prozent Zustimmung sind die Sozialökologischen und Liberal-Intellektuellen am stärksten sensibilisiert. Mehr als die
Hälfte der Sozialökologischen betrachtet den Erhalt
der Biodiversität sogar vorbehaltlos als vorrangige
gesellschaftliche Aufgabe (bei den Liberal-Intellektuellen sind es 44 Prozent). Auch die Konservativ-Etablierten bewerten die Erhaltung der biologischen
Vielfalt überdurchschnittlich häufig als zentrales
gesellschaftliches Anliegen (beide Zustimmungsstufen: 82 Prozent). Das mag daran liegen, dass „Bewahren“ in ihrem Lebenskonzept eine große Rolle spielt.
Im Vergleich dazu ist das Problembewusstsein in den
weniger naturaffinen Milieus der Hedonisten und
Prekären geringer ausgeprägt. Trotzdem sind es in
beiden Milieus jeweils mehr als 60 Prozent, die der
Erhaltung der biologischen Vielfalt uneingeschränkt
oder zumindest eher eine vorrangige gesellschaftliche Aufgabe einräumen (beide Zustimmungsstufen:
Hedonisten: 62 Prozent, Prekäre: 61 Prozent).
Die Erhaltung der biologischen Vielfalt gilt beson­
ders mit Blick auf die nachfolgenden Generationen
und die eigene Lebensqualität als wichtiges gesell­
schaftliches Ziel.
Ein zentrales Argument für den Schutz der biologischen Vielfalt ist die Generationengerechtigkeit: Die
überwältigende Mehrheit von 93 Prozent ist der Auffassung, Biodiversität müsse als Erbe für die künftigen
Generationen erhalten bleiben (beide Zustimmungsstufen, siehe Abbildung 38). In den letzten beiden
Jahren hat sich diese Haltung sogar noch verfestigt:
2013 lag der Wert für die uneingeschränkte Zustimmung bei 58 Prozent, aktuell liegt er bei 65 Prozent.
Darüber hinaus spielen auch die Auswirkungen, die
ein Rückgang der Biodiversität auf das eigene Leben

75

Naturbewusstsein 2015 > Biologische Vielfalt

Überdurchschnittlich häufig sehen sich Frauen (beide
Zustimmungsstufen: 58 Prozent), 50- bis 65-Jährige
(61 Prozent) und formal höher Gebildete (mittlere
Formalbildung: 61 Prozent, hohe Formalbildung: 60
Prozent) persönlich in der Verantwortung. Im Zeitvergleich ist eine leichte Zunahme des Verantwortungsbewusstseins erkennbar (beide Zustimmungsstufen,
2013: 51 Prozent, 2015: 56 Prozent; höchste Zustimmungsstufe, 2013: zwölf Prozent, 2015: 17 Prozent).

haben könnte, eine vordergründige Rolle: 85 Prozent der Befragten stimmen voll und ganz oder eher
der Aussage zu, dass Biodiversität in der Natur ihr
Wohlbefinden und ihre Lebensqualität fördert, und
69 Prozent bekunden, es würde sie persönlich beeinträchtigen, wenn die biologische Vielfalt schwindet.
Letzteres sagen formal Gutgebildete häufiger als
formal einfach Gebildete (beide Zustimmungsstufen,
niedrige Formalbildung: 64 Prozent, hohe Formalbildung: 74 Prozent). Gegenüber 2013 hat sich die
Ansicht, die biologische Vielfalt in der Natur fördere
das eigene Wohlbefinden, weiter verbreitet (beide Zustimmungsstufen, 2013: 75 Prozent, 2015: 85 Prozent;
höchste Zustimmungsstufe, 2013: 28 Prozent, 2015:
44 Prozent). Auch dass der Verlust von Biodiversität zu
einer persönlichen Beeinträchtigung führe, meinen
2015 mehr Menschen als 2013 (beide Zustimmungsstufen, 2013: 58 Prozent, 2015: 69 Prozent; höchste Zustimmungsstufe, 2013: 16 Prozent, 2015: 24 Prozent). 20

Jeweils etwa drei Viertel der Befragten befürworten
die Unterstützung ärmerer Staaten beim Schutz ihrer
heimischen Biodiversität und die Forderung, zur
Erhaltung der biologischen Vielfalt die Umwidmung
von Flächen für Siedlungen, Gewerbe und Verkehrswege zu reduzieren. In beiden Fällen finden sich die
höchsten Zustimmungswerte in der Gruppe der formal Gutgebildeten (beide Zustimmungsstufen:
80 Prozent beziehungsweise 78 Prozent). Gegenüber
der Vorgängererhebung ist der Anteil derjenigen, die
eine Einschränkung der Infrastruktur zum Schutz
der biologischen Vielfalt befürworten, signifikant gestiegen: 2013 sprachen sich 18 Prozent „voll und ganz“
und 45 Prozent „eher“ dafür aus, in der aktuellen Er-

Aber ist die Erhaltung der biologischen Vielfalt „nur“
eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe? Immerhin 56
Prozent sind nicht dieser Meinung, sondern erkennen
an, dass sie dafür auch selbst Verantwortung tragen.

Abbildung 38: Persönliche Bedeutung der biologischen Vielfalt
Ich lese Ihnen nun einige Aussagen zur biologischen Vielfalt vor. Bitte sagen Sie mir jeweils, inwieweit die Aussage
Ihrer Meinung nach zutrifft: voll und ganz, eher, eher nicht oder überhaupt nicht.
Die biologische Vielfalt sollte als Erbe für unsere Kinder
und zukünftige Generationen erhalten bleiben

65

Die biologische Vielfalt in der Natur fördert
mein Wohlbefinden und meine Lebensqualität

44

Ärmere Staaten sollten zum Schutz ihrer biologischen
Vielfalt durch reichere Staaten finanziell unterstützt werden

26

Wenn die biologische Vielfalt schwindet,
beeinträchtigt mich das persönlich

24

Ich fühle mich persönlich für die Erhaltung
der biologischen Vielfalt verantwortlich
8

Viele Berichte über den Rückgang der
biologischen Vielfalt auf der Welt sind übertrieben

7
0

76

trifft eher nicht zu

trifft eher zu

trifft überhaupt nicht zu

15

45

32

45

19
30

40

6 4

10 2

27

38

20

35

21

39

6

29
50

60

weiß nicht/keine Angabe

70

31

5 3

19

47

14

10

11

44

17

Die Ausgaben für die Forschung über die
biologische Vielfalt sollten reduziert werden

trifft voll und ganz zu

41

33

Zur Erhaltung der biologischen Vielfalt sollte der Verbrauch
von Flächen für Siedlungen, Gewerbe und Verkehrswege
reduziert werden

6 1

28

80

7
90

100

Angaben in Prozent

Naturbewusstsein 2015 > Biologische Vielfalt

Abbildung 39: Bereitschaft, aktiv zur Erhaltung der biologischen Vielfalt beizutragen
Ich lese Ihnen nun einige Möglichkeiten vor, was man persönlich tun kann, um die biologische Vielfalt zu schützen.
Inwieweit sind Sie persönlich bereit, …
… sich beim Aufenthalt in der Natur von ausgewiesenen
geschützten Bereichen fernzuhalten?

64

… beim Einkaufen Obst und Gemüse aus Ihrer Region
zu bevorzugen?

58

… eine Unterschriftenliste zum Schutz der biologischen
Vielfalt zu unterzeichnen?

27

… sich über aktuelle Entwicklungen im Bereich
biologische Vielfalt zu informieren?

26

… einen Brief an die Regierung oder die zuständige
Behörde zuschreiben, um auf den notwendigen Schutz
der biologischen Vielfalt hinzuweisen
… für die Pflege und Erhaltung eines Schutzgebietes
zu spenden?

14

… Geld an einen Naturschutzverband zu spenden, der
sich um den Schutz der biologischen Vielfalt bemüht?

14

… in einem Naturschutzverband aktiv mitzuarbeiten,
um die biologische Vielfalt zu schützen?

13
0

weniger bereit

eher bereit

gar nicht bereit

41

hebung sind es 26 Prozent, die dem uneingeschränkt
zustimmen und weitere 47 Prozent, die dem eher zustimmen. Ähnlich verhält es sich mit der Zustimmung
zur Unterstützung ärmerer Staaten beim Schutz ihrer
heimischen Biodiversität (beide Zustimmungsstufen:
2013: 71 Prozent, 2015: 77 Prozent; höchste Zustimmungsstufe: 2013: 23 Prozent, 2015: 33 Prozent).
Wie wichtig den Deutschen der Erhalt von Biodiversität ist, wird auch daran deutlich, dass nur 22 Prozent
der Meinung sind, die Ausgaben für die Erforschung
der biologischen Vielfalt sollten gekürzt werden (nur
acht Prozent sind „voll und ganz“ dieser Meinung).
Auch der Aussage, Berichte über den Rückgang der
biologischen Vielfalt wären übertrieben, stimmen
relativ wenige Menschen „voll und ganz“ (sieben Pro-

40

16

26

33

34
50

60

weiß nicht/keine Angabe

70

80

2

51

21

26

40

9

18

31

29

30

51

21

50

20

5 2

16

43

10

13

46

17

41

12

40

32

… beim Einkaufen einen Ratgeber zu benutzen,
der zum Beispiel über gefährdete Fischarten informiert?

sehr bereit

36

40

… Ihre Freunde und Bekannten auf den Schutz der
biologischen Vielfalt aufmerksam zu machen?

7 21

32

47

… die Marke von Kosmetika oder Drogerie-Artikeln
zu wechseln, wenn Sie erfahren, dass deren Herstellung
die biologische Vielfalt gefährdet?

6 2

28

2

1

18

2

19

1

90

100

Angaben in Prozent

zent) oder „eher“ (19 Prozent) zu. Die überwiegende
Mehrheit ist vom Gegenteil überzeugt. Dennoch sollten diese Sichtweisen ernst genommen werden – vor
allem deswegen, weil sie im Vergleich zu der Vorgängererhebung aktuell etwas häufiger bekundet werden
(beispielsweise waren 2013 17 Prozent der Befragten
voll und ganz oder eher der Meinung, dass die Ausgaben für die Forschung über die biologische Vielfalt
reduziert werden sollten, 2015 sind es 22 Prozent) und
in der jüngeren Generation der unter 30-Jährigen die
weiteste Verbreitung finden (2015 sind 31 Prozent der
unter 30-Jährigen voll und ganz oder eher der Meinung, dass die Ausgaben für die Forschung über die
biologische Vielfalt reduziert werden sollten.)

77

Naturbewusstsein 2015 > Biologische Vielfalt

Die Betrachtung der Milieubefunde offenbart erneut,
dass die Wertschätzung der biologischen Vielfalt in
den Milieus der Sozialökologischen und Liberal-Intellektuellen am höchsten ausfällt. Das zeigt sich vor
allem an ihrer Einstellung, persönlich für den Schutz
der Biodiversität verantwortlich zu sein. In beiden
Milieus ist sie deutlich weiter verbreitet als im Bevölkerungsdurchschnitt (beide Zustimmungsstufen,
Sozialökologische: 72 Prozent, Liberal-Intellektuelle:
66 Prozent, Bevölkerungsdurchschnitt: 56 Prozent).
Auch die Konservativ-Etablierten fühlen sich überdurchschnittlich häufig für die Erhaltung der Biodiversität verantwortlich (beide Zustimmungsstufen:
68 Prozent). Ein schlüssiger Befund, denn ihr Selbstbild entspricht dem einer verantwortungsbewussten
gesellschaftlichen Elite. Leistung gepaart mit dem
Postulat der Eigenverantwortung ist ihr handlungs­
leitendes Credo. Im Prekären, Hedonistischen und
Traditionellen Milieu fühlt sich jeweils weniger als
die Hälfte in der Verantwortung (beide Zustimmungsstufen, Prekäre: 44 Prozent, Hedonisten: 44 Prozent,
Traditionelle: 49 Prozent).

6.4 Teilindikator: Verhaltens­
bereitschaft
Die Deutschen bekunden überwiegend Bereitschaft,
die Erhaltung der biologischen Vielfalt aktiv zu
unterstützen.
Die Bereitschaft, selbst zum Schutz der biologischen
Vielfalt beizutragen, zieht sich durch weite Teile der
Bevölkerung. Das gilt vor allem für Verhaltensweisen,
die mit vergleichsweise geringem Aufwand verbunden
sind: sich von geschützten Bereichen fernhalten, regionale Produkte kaufen, eine Unterschriftenliste zum
Schutz der biologischen Vielfalt unterzeichnen und auf
naturverträgliche Kosmetik-Artikel wechseln. Bei all
diesen Verhaltensweisen bekunden bis zu 92 Prozent,
mindestens aber 80 Prozent der Befragten ihre generelle Bereitwilligkeit (siehe Abbildung 39). Dabei zeigt
die Auswertung nach der uneingeschränkten Bereitschaft, dass die genannten Verhaltensweisen bei Frauen
häufiger als bei Männern und bei älteren Personen (ab
50 Jahren) häufiger als bei den Jüngeren Zustimmung
finden. Im Vergleich dazu spielt der Bildungshintergrund keine große Rolle (siehe Tabelle 24).
Freunde und Bekannte auf den Schutz der Vielfalt
hinzuweisen und sich über aktuelle Entwicklungen im
Bereich biologische Vielfalt zu erkundigen, kommt jeweils für gut drei Viertel in Frage (beide Zustimmungsstufen). Deutliche Mehrheiten gibt es auch für die Bereitschaft, beim Einkauf einen Ratgeber zu nutzen, der

78

zum Beispiel über gefährdete Fischarten informiert (68
Prozent). Diese Bereitwilligkeit, sich selbst und andere
zu informieren, nimmt mit dem Bildungsniveau zu
und ist bei Frauen stärker ausgeprägt als bei Männern
(siehe Tabelle 24).
Immerhin 57 Prozent sind sehr oder eher bereit, für die
Pflege und Erhaltung eines Schutzgebietes zu spenden.
Ähnlich viele können sich vorstellen, einen Naturschutzverband, der sich um den Schutz der biologischen Vielfalt bemüht, finanziell zu unterstützen (54
Prozent). Geschlechtsspezifische Unterschiede sind hier
keine zu finden, die Spendenbereitschaft ist aber bei
älteren Personen (insbesondere hinsichtlich der Pflege
und Erhaltung eines Schutzgebietes) und formal höher
Gebildeten (insbesondere hinsichtlich der Unterstützung eines Naturschutzverbandes) stärker ausgeprägt
(siehe Tabelle 24).
Die vermeintlich aufwendigsten Aktivitäten, die
zugleich die größte Eigeninitiative erfordern, finden
bei weniger als der Hälfte der Befragten Anklang:
Einen Brief an die Regierung zu schreiben, um auf
den notwendigen Schutz der biologischen Vielfalt zu
verweisen, oder in einem Naturschutzverband aktiv
mitzuarbeiten, können sich jeweils 46 Prozent vorstellen. Wiederum sind es vermehrt die formal Gutgebildeten, die hier die größte Bereitschaft aufweisen (siehe
Tabelle 24).
Die Bereitschaft, im Freundeskreis auf den Schutz
der biologischen Vielfalt hinzuweisen und in einem
Naturschutzverband aktiv mitzuarbeiten, ist deut­
lich gestiegen.
2013 bekundeten zwei von drei Deutschen, sie
könnten sich vorstellen, Freunde und Bekannte auf
den Schutz der biologischen Vielfalt aufmerksam zu
machen. In der vorliegenden Untersuchung sagen das
mit 78 Prozent deutlich mehr Menschen. Mit welcher
Ernsthaftigkeit diese Bereitschaft bekundet wird,
zeigt ein Blick auf die oberste Zustimmungsstufe:
Aktuell sind 32 Prozent „sehr bereit“, entsprechende
Informationen an ihren Freundeskreis weiterzugeben.
Noch vor zwei Jahren waren es 21 Prozent. Auch die
Bereitschaft, sich in einem Naturschutzverband zu
engagieren, ist signifikant gestiegen. 2013 kam das
für 36 Prozent in Frage, wobei neun Prozent die
höchste Zustimmungsstufe („sehr bereit“) wählten.
2015 können sich 46 Prozent vorstellen, in einem
Naturschutzverband aktiv zu werden, während 13
Prozent ihre Bereitwilligkeit mit der höchsten Antwortstufe bekräftigen.

Naturbewusstsein 2015 > Biologische Vielfalt

Tabelle 24: Bereitschaft, aktiv zur Erhaltung der biologischen Vielfalt beizutragen nach Geschlecht, Alter und Bildung
Inwieweit sind Sie persönlich bereit, …
Antwortkategorie:
sehr bereit

Durchschnitt

Angaben in Prozent

Ø

M

W

bis 29

30 bis
49

50 bis
65

über
65

…sich beim Aufenthalt in der Natur
von ausgewiesenen geschützten
Bereichen fernzuhalten?

64

59

68

55

60

70

67

63

64

64

…beim Einkaufen Obst und Gemüse
aus Ihrer Region zu bevorzugen?

58

51

64

47

54

64

64

55

62

57

…eine Unterschriftenliste zum Schutz
der biologischen Vielfalt zu unterzeichnen?

47

44

51

44

44

53

48

46

47

48

…die Marke von Kosmetika oder Drogerie-Artikeln zu wechseln, wenn Sie
erfahren, dass deren Herstellung die
biologische Vielfalt gefährdet?

40

37

44

38

36

45

46

39

39

45

…Ihre Freunde und Bekannte auf
den Schutz der biologischen Vielfalt
aufmerksam zu machen?

32

29

35

30

29

35

35

29

34

35

…beim Einkaufen einen Ratgeber
zu benutzen, der zum Beispiel über
gefährdete Fischarten informiert?

27

26

28

24

26

28

30

23

27

33

…sich über aktuelle Entwicklungen
im Bereich biologische Vielfalt zu
informieren?

26

24

29

26

24

30

26

21

26

33

…einen Brief an die Regierung oder
die zuständige Behörde zu schreiben,
um auf den notwendigen Schutz der
biologischen Vielfalt hinzuweisen?

17

18

16

14

17

18

19

13

17

22

…für die Pflege und Erhaltung eines
Schutzgebietes zu spenden?

14

14

14

9

13

17

18

13

13

16

…Geld an einen Naturschutzverband
zu spenden, der sich um den Schutz
der biologischen Vielfalt bemüht?

14

14

14

11

13

16

16

11

14

19

…in einem Naturschutzverband aktiv
mitzuarbeiten, um die biologische
Vielfalt zu schützen?

13

13

12

14

11

14

13

12

12

15

stark überrepräsentiert

Geschlecht

überrepräsentiert

Im Milieu der jungen Trendsetter ist die Bereit­
schaft, sich über Entwicklungen zum Thema
Biodiversität zu informieren und im Freundeskreis
darüber zu berichten, am weitesten verbreitet.
Differenziert nach Milieus lassen sich die Befunde
wie folgt zusammenfassen: Die Bereitschaft, das eigene Handeln an dem Ziel auszurichten, die biologische
Vielfalt zu sichern, ist bei den Angehörigen des Sozialökologischen Milieus und bei allen gesellschaftlich
gehobenen Milieus – mit Ausnahme der Performer –
überdurchschnittlich ausgeprägt. Beispielsweise sind
57 Prozent der Liberal-Intellektuellen, 54 Prozent der
Sozialökologischen, 48 Prozent der Konservativ-Eta-

Alter (Jahre)

unterrepräsentiert

Bildung
niedrig mittel

hoch

stark unterrepräsentiert

blierten und 45 Prozent der Expeditiven uneingeschränkt bereit, Kosmetik- und Drogerie-Artikel zu
meiden, deren Herstellung die biologische Vielfalt
gefährdet. Im Bevölkerungsdurchschnitt geben dies
40 Prozent an, im Milieu der Performer sind es
39 Prozent. Darüber hinaus fällt auf, dass die Offenheit, sich über biologische Vielfalt und ihre Erhaltung
zu informieren (höchste Zustimmungsstufe, Durchschnitt: 26 Prozent) sowie Informationen an Freunde
und Bekannte weiterzugeben (höchste Zustimmungsstufe, Durchschnitt: 32 Prozent), in keinem anderen
Milieu stärker Verbreitung findet als im Milieu der
jungen Trendsetter – den Expeditiven (höchste Zustimmungsstufe, Expeditive: jeweils 42 Prozent).

79

Naturbewusstsein 2015 > Literatur

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Naturbewusstsein 2015 > Abbildungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis
Abbildung		

Seite

1	

Die Sinus-Milieus in Deutschland 2015	

19

2	

Assoziationen zu Agrarlandschaften, Nennungen sortiert nach Kategorien	

25

3	

Einschätzung der Entwicklung von Bestandteilen der Agrarlandschaften	

27

4	

Wichtigkeit von ausgewählten Bestandteilen der Agrarlandschaften	

29

5	
	

Wichtigkeit von schützenswerten Bestandteilen der Agrarlandschaften
nach Milieus	

31

6	Einschätzung von Auswirkungen landwirtschaftlicher Anbauund Verfahrensmethoden auf Natur und biologische Vielfalt	

32

7	

Zustimmung zu agrarpolitischen Forderungen	

34

8	

Einstellung zum Naturschutz in der Landwirtschaft	

36

9	

Einstellung zu agrarpolitischen Maßnahmen zum Schutz der Natur	

36

10	

Einstellung zu agrarpolitischen Maßnahmen zum Schutz der Natur nach Milieus	

37

11	

Einstellungen zum Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft	

38

12	

Einstellungen zum Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft nach Milieus	

40

13	
	

Zustimmung zum Verbot gentechnisch veränderter Organismen
in der Landwirtschaft	

41

14	

Assoziationen zur Stadtnatur, Nennungen sortiert nach Kategorien	

43

15	

Relevanz einzelner Bestandteile von Natur in der Stadt	

45

16	

Einstellung zu Stadtbrachen	

47

17	Bedeutung der Zugänglichkeit von Stadtnatur	

48

18	

Zufriedenheit mit dem Angebot von Natur in der Stadt	

49

19	

Nutzungshäufigkeit von Naturangeboten in der Stadt	

49

20	

Gesellschaftliche Bedeutung von Stadtnatur	

51

21	

Persönliche Bedeutung von Stadtnatur	

53

22	

Persönliche Bedeutung von Stadtnatur nach Milieuzugehörigkeit	

55

23	

Zustimmung zur Energiewende im Zeitvergleich	

56

24	

Zustimmung zur Energiewende nach Milieus	

57

83

Naturbewusstsein 2015 > Abbildungsverzeichnis

25	
	

Akzeptanz landschaftsverändernder Maßnahmen zur Erzeugung
erneuerbarer Energien 	

58

26	

Persönliche Bedeutung von Natur	

62

27	

Wahrnehmung der Gefährdung der Natur	

64

28	

Einstellungen zum Schutz der Natur	

66

29	

Naturschutz im Spannungsfeld von Politik und Wirtschaft	

67

30	

Zustimmung zu den Prinzipien einer nachhaltigen Naturnutzung	

68

31	

Teilindikatoren und Gesamtindikator „Bewusstsein für biologische Vielfalt“	

70

32	

Gesamtindikator „Bewusstsein für biologische Vielfalt“ nach Sinus-Milieus	

71

33	

Bekanntheit des Begriffs „Biologische Vielfalt“ im Zeitvergleich	

73

34	

Verständnis des Begriffs „Biologische Vielfalt“	

73

35	

Verständnis des Begriffs „Biologische Vielfalt“ im Zeitvergleich	

74

36	

Wahrgenommene Abnahme der biologischen Vielfalt	

75

37	

Gesellschaftlicher Stellenwert der Erhaltung der biologischen Vielfalt	

75

38	

Persönliche Bedeutung der biologischen Vielfalt	

76

39	

Bereitschaft, aktiv zur Erhaltung der biologischen Vielfalt beizutragen	

77

84

Naturbewusstsein 2015 > Tabellenverzeichnis

Tabellenverzeichnis
Tabelle	

	

Seite

1	Einschätzung der Entwicklung von Bestandteilen der Agrarlandschaften
nach Geschlecht, Alter und Bildung	

28

2	
	

30

Wichtigkeit von schützenswerten Bestandteilen der Agrarlandschaften
nach Alter, Geschlecht und Bildung	

3	Einschätzung von Auswirkungen landwirtschaftlicher Anbau- und Verfahrensmethoden
auf Natur und biologische Vielfalt nach Geschlecht, Alter und Bildung 	

33

4	Einschätzung von Auswirkungen landwirtschaftlicher Anbau- und Verfahrensmethoden
auf Natur und biologische Vielfalt nach Ortsgröße	

33

5	

Zustimmung zu agrarpolitischen Aussagen nach Geschlecht, Alter und Bildung	

35

6	
	

Einstellungen zum Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft
nach Geschlecht und Alter	

39

7	

Einstellungen zum Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft nach Ortsgröße	

39

8:	Zustimmung zum Verbot gentechnisch veränderter Organismen
in der Landwirtschaft nach soziodemographischen Merkmalen	

41

9	
	

Relevanz einzelner Bestandteile von Natur in der Stadt
nach Geschlecht, Alter und Bildung	

46

10	

Relevanz einzelner Bestandteile von Natur in der Stadt nach Ortsgröße	

47

11	

Bedeutung der Zugänglichkeit von Stadtnatur nach Geschlecht, Alter und Bildung	

48

12	
	

Nutzungshäufigkeit von Naturangeboten in der Stadt
nach Alter, Geschlecht, Bildung und Einkommen	

50

13	

Gesellschaftliche Bedeutung von Stadtnatur nach Geschlecht, Alter und Bildung	

52

14	

Gesellschaftliche Bedeutung von Stadtnatur nach Ortsgröße	

52

15	

Persönliche Bedeutung von Stadtnatur nach Geschlecht, Alter und Bildung	

54

16	Akzeptanz landschaftsveränderender Maßnahmen zur Erzeugung erneuerbarer Energien
nach Geschlecht, Alter und Bildung	

59

17	

63

Persönliche Bedeutung von Natur nach Geschlecht, Alter und Bildung	

18	Persönliche Bedeutung der Natur im Wechsel der Jahreszeiten	

64

19	

Wahrnehmung der Gefährdung der Natur nach Geschlecht, Alter und Bildung	

65

20	

Einstellungen zum Schutz der Natur nach Geschlecht, Alter und Bildung	

66

85

Naturbewusstsein 2015 > Tabellenverzeichnis

21	
	

Naturschutz im Spannungsfeld von Politik und Wirtschaft
nach Geschlecht, Alter und Bildung	

67

22	
	

Zustimmung zu den Prinzipien einer nachhaltigen Naturnutzung nach
Geschlecht, Alter und Bildung	

68

23	

Zeitliche Entwicklung des Indikators „Bewusstsein für biologische Vielfalt“	

72

24	
	

Bereitschaft, aktiv zur Erhaltung der biologischen Vielfalt beizutragen
nach Geschlecht, Alter und Bildung	

79

86

Naturbewusstsein 2015 > Grundauszählung

Grundauszählung
Kapitel 2: Agrarlandschaften
A2.1 	Ich möchte gerne von Ihnen wissen, was Ihnen ganz spontan zu den landwirtschaftlich genutzten Gebieten
in Deutschland, also unseren Agrarlandschaften, einfällt. Bitte nennen Sie mir so viele Begriffe, wie Ihnen in
den Sinn kommen. (Offene Frage, Mehrfachnennungen möglich) (Abbildung 2)
Angaben in Prozent

Angaben in Prozent

Agrarflächen

62

Politik/ökonomische Situation

10

Nutzpflanzen

51

Schutzgut

9

Agrarbetriebe/Anlagen/Maschinen

34

Gewässer

8

Nutztiere

32

Alternative Energien

8

Dünger/Schädlingsbekämpfung

22

Wildtiere

6

Sonstige Vegetation und Grünräume

20

Gentechnik/Genmanipulation

6

Lebensmittel

15

Schöne Landschaften/Regionen

3

Negative Kommentare

12

Lebensqualität

3

Agrarflächen – Unterkategorien
Angaben in Prozent

Angaben in Prozent

Felder/Äcker

32

Verlust an Anbaufläche/Rückgang/Bebauung

4

Wiesen/Weiden

26

Variationen/wechselnder Anbau

3

Monokulturen/einseitige Bewirtschaftung

14

Brachen/Brachflächen/Wildstreifen

3

Große Anbauflächen/Weitläufigkeit

4

Wegenetz

1

Nutzpflanzen – Unterkategorien
Angaben in Prozent

Angaben in Prozent

Getreide/Getreidefelder

29

Obst/Obstanbau

14

Mais/Maisfelder

20

Kartoffeln/Kartoffelfelder

7

Gemüse-/Salat(-anbau)

17

Wein/Weinanbau

4

Raps/Rapsfelder

15

Agrarbetriebe/Anlagen/Maschinen – Unterkategorien
Angaben in Prozent

Angaben in Prozent

Bauern/Bauernhöfe

15

Bewässerungsanlagen/Bewässerung

1

Nutzfahrzeuge/landwirtschaftliche Maschinen

8

Großgrundbesitz/Gutshöfe/Ländereien

1

(Ökologische) Landwirtschaft

8

Gewächshäuser

1

Ställe/Scheunen/Silos

2

Direktvermarktung/Hofläden

1

Molkerei/Milchwirtschaft

2

Schlachthöfe

1

Forstwirtschaft/Jagd

1

Nutztiere – Unterkategorien
Angaben in Prozent
Viehzucht/Nutztiere

13

Pferde

3

Großvieh (Kühe/Rinder)

11

Bienen

2

Mittelvieh (Schweine/Schafe/Ziegen)

5

Artgerechte Haltung von Tieren/Freilandhaltung

1

Kleinvieh (Kaninchen/Geflügel)

4

Fische/Fischzucht/Fischerei

1

Massentierhaltung/Käfighaltung

4

87

Naturbewusstsein 2015 > Grundauszählung

Dünger/Schädlingsbekämpfung – Unterkategorien
Angaben in Prozent

Angaben in Prozent

Pestizide/Spritzmittel/Schädlingsbekämpfung

9

Überdüngung

4

Dünger/düngen (allg.)

6

Kunstdünger

3

Gülle/Jauche/Mist

6

Sonstige Vegetation und Grünräume – Unterkategorien
Angaben in Prozent

Angaben in Prozent

Wald/Wälder

7

Pflanzen

4

Bäume

5

Hecken/Sträucher/Büsche

3

Blumenfelder/Wildblumen

4

Grün

1

Lebensmittel – Unterkategorien
Angaben in Prozent

Angaben in Prozent

Lebensmittel/Ernährung

6

Fleisch

1

Milch/Milchprodukte

4

Lebensmittel aus der Region

1

Gesunde Lebensmittel/Bio-Qualität

3

Brot/Backwaren/Mehl

1

Eier

1

Frische/hochwertige Produkte

1

Negative Kommentare– Unterkategorien
Angaben in Prozent

Angaben in Prozent

Naturzerstörung/Naturverschandelung

6

Zu starke Nutzung der Flächen

1

Gefährdung/Verunreinigung des Grundwassers

1

Konsum/Geldmacherei

1

Mangel an ökologischer Bewirtschaftung

1

Lebensmittelskandale/Antibiotika/BSE

1

Geruch/Gestank

1

Schmutz/Dreck/verschmutzte Straßen

1

Artenschwund

1

Politik/ökonomische Situation – Unterkategorien
Angaben in Prozent

Angaben in Prozent

Subventionen (Agrarpolitik)

4

Risiken/Ernteausfälle

1

Flurbereinigung/Bodenreform

2

Effizienz/Fortschrittlichkeit

1

Schwerstarbeit/lange Arbeitszeiten

1

Ökonomie/Wirtschaftslandschaft

1

Schutzgut – Unterkategorien
Angaben in Prozent

Angaben in Prozent

Naturschutz

5

Natur

2

Tierschutz

2

Biotope

1

Gewässer – Unterkategorien
Angaben in Prozent

88

Angaben in Prozent

Bäche/Flüsse

5

See/Seen/Teiche/Tümpel

4

Wasser/Gewässer

1

Naturbewusstsein 2015 > Grundauszählung

Alternative Energien – Unterkategorien
Angaben in Prozent

Angaben in Prozent

Biogasanlagen/Biotreibstoff

4

Solaranlagen

1

Windenergieanagen/Windräder

3

Energieanlagen/Energiegewinnung (allg.)

1

Wildtiere – Unterkategorien
Angaben in Prozent

Angaben in Prozent

Wildtiere/einheimische Tiere

3

Insekten/Schmetterlinge

1

Vögel

2

Rehe/Hirsche

1

Schöne Landschaften/Regionen – Unterkategorien
Angaben in Prozent

Angaben in Prozent

Schönheit/schöne Landschaften

1

Kulturlandschaft/Naturerbe/Tradition

1

Ländliche Regionen/Kleinorte/Dörfer

1

Lebensqualität – Unterkategorien
Angaben in Prozent
Urlaub/Freizeit/Erholung

Angaben in Prozent
2

Gesundheit/Wohlbefinden

1

A2.2	Wie schätzen Sie die Entwicklung der folgenden Bestandteile von landwirtschaftlich genutzten Gebieten in
den letzten zehn Jahren ein? Bitte sagen Sie mir jeweils, ob Sie meinen, dass der Bestand eher zugenommen
hat, etwa gleichgeblieben ist oder eher abgenommen hat. (Abbildung 3, Tabelle 1)
hat eher
abgenommen

ist etwa
gleich
geblieben

hat eher
zugenommen

weiß nicht/
keine
Angabe

Bienen

66

22

8

4

Schmetterlinge

55

32

8

5

Wildpflanzen und Ackerwildkräuter

47

36

11

6

Säume und Blühstreifen, also sich selbst überlassene Flächen
zwischen Äckern oder zwischen Äckern und Wegen

45

40

11

4

Frösche und Kröten

44

38

11

7

Bäche und Tümpel

43

44

9

4

Grünland wie Wiesen und Weiden

41

46

10

3

Alleen, also Straßen und Wege, die auf beiden Seiten von
Bäumen umsäumt sind

41

45

11

3

Vögel

40

43

12

5

Bäume, Hecken und Sträucher

36

49

14

1

Angaben in Prozent

89

Naturbewusstsein 2015 > Grundauszählung

A2.3	Wie wichtig finden Sie es, dass folgende Bestandteile von landwirtschaftlich genutzten Gebieten geschützt
werden? Finden Sie dies sehr wichtig, eher wichtig, eher nicht wichtig oder überhaupt nicht wichtig?
(Abbildung 4, Abbildung 5, Tabelle 2)
sehr
wichtig

eher
wichtig

eher nicht
wichtig

überhaupt
nicht
wichtig

weiß nicht/
keine
Angabe

Bienen

71

21

6

2

0

Vögel

65

26

7

1

1

Schmetterlinge

60

32

7

1

0

Grünland wie Wiesen und Weiden

56

29

10

2

3

Bäume, Hecken und Sträucher

56

34

8

1

1

Bäche und Tümpel

55

34

8

1

2

Wildpflanzen und Ackerwildkräuter

49

35

11

3

2

Alleen, also Straßen und Wege, die auf beiden
Seiten von Bäumen umsäumt sind

46

39

13

2

0

Frösche und Kröten

45

34

15

4

2

Säume und Blühstreifen, also sich selbst
überlassene Flächen zwischen Äckern oder
zwischen Äckern und Wegen

44

38

14

2

2

Angaben in Prozent

A2.4	Ich nenne Ihnen jetzt verschiedene Verfahren und Maßnahmen, die in der Landwirtschaft angewendet
werden. Dabei interessiert mich jeweils, wie Sie die Auswirkungen davon auf die Natur und die biologische
Vielfalt einschätzen. Meinen Sie, dass die jeweiligen Verfahren und Maßnahmen der Natur und der biologischen Vielfalt stark schaden, etwas schaden, wenig schaden oder überhaupt nicht schaden? (Abbildung 6,
Tabelle 3, Tabelle 4)
schaden
stark

schaden
etwas

schaden
wenig

schaden
überhaupt
nicht

weiß nicht/
keine
Angabe

Chemische Schädlings- und Unkraut­
bekämpfung

66

25

7

2

0

Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen

45

31

15

4

5

Kunstdünger

35

39

19

5

2

Wiederholter Anbau der gleichen Pflanzenart
auf derselben Fläche

30

36

20

10

4

Anbau von nur einer Pflanzenart auf
großflächigen Gebieten

27

34

22

12

5

Die Umwandlung von Wiesen und Weiden in
Ackerflächen

25

37

22

12

4

Düngung mit Mist und Gülle

13

22

25

37

3

Angaben in Prozent

90

Naturbewusstsein 2015 > Grundauszählung

A2.5	Bitte bewerten Sie, wie wichtig Sie die folgenden Aussagen persönlich finden. Finden Sie die jeweiligen
Aussagen sehr wichtig, eher wichtig, weniger wichtig oder überhaupt nicht wichtig? (Abbildung 7, Tabelle 5)
sehr
wichtig

eher wichtig

weniger
wichtig

überhaupt
nicht
wichtig

weiß nicht/
keine
Angabe

Bei der Haltung von Nutztieren wird das Wohl
der Tiere beachtet, beispielsweise indem sie
Auslauf oder Zugang zu einer Weide haben

65

28

6

1

0

Die Landwirtschaft berücksichtigt bei
Entscheidungen, welche Auswirkungen ihr
Handeln auf die Natur hat, z. B. für den Erhalt
von Böden und sauberem Grundwasser

64

28

6

1

1

Bei landwirtschaftlichen Tätigkeiten wird die
Pflege der Kulturlandschaft mit berücksichtigt

47

38

12

2

1

Anbau, Verarbeitung und der Konsum von
Lebensmitteln erfolgen nach Möglichkeit in
einer Region

47

43

7

0

3

Die Biolandwirtschaft wird ausgebaut

46

38

12

2

2

Die landwirtschaftliche Produktion orientiert
sich an den Wünschen und Bedürfnissen der
Verbraucherinnen und Verbraucher

35

51

11

2

1

Alle landwirtschaftlich nutzbaren Flächen
werden nach Möglichkeit vollständig für die
Erzeugung von Nahrungsmitteln eingesetzt

30

43

19

5

3

Landwirtschaftlich genutzte Gebiete sollen
auch für Erholung und Freizeit geeignet sein

29

43

22

5

1

Angaben in Prozent

A2.6	Wie sehr stimmen Sie den folgenden Aussagen zu? Stimmen Sie den Aussagen voll und ganz zu, eher zu, eher
nicht zu oder stimmen Sie überhaupt nicht zu? (Abbildung 8)
stimme voll
und ganz zu

stimme eher
zu

stimme eher
nicht zu

stimme
überhaupt
nicht zu

weiß nicht/
keine
Angabe

Mehr Naturschutz in der Landwirtschaft
würde unsere Nahrungsmittel deutlich teurer
machen

21

44

26

4

5

Kunstdünger und chemische Schädlingsbekämpfungsmittel sind notwendig, um die
Bevölkerung ernähren zu können

9

31

37

18

5

Angaben in Prozent

A2.7	Bitte bewerten Sie folgende Aussagen zum Thema Gentechnik in der Landwirtschaft. Stimmen Sie den Aussagen voll und ganz zu, eher zu, eher nicht zu oder stimmen Sie überhaupt nicht zu? (Abbildung 11, Abbildung 12, Tabelle 6, Tabelle 7)
stimme voll
und ganz zu

stimme eher
zu

stimme eher
nicht zu

stimme
überhaupt
nicht zu

weiß nicht/
keine
Angabe

Ich lehne es ab, dass viele unserer Nutztiere
mit gentechnisch veränderter Nahrung
gefüttert werden

53

26

15

5

1

Ich finde, der Mensch hat kein Recht,
Pflanzen und Tiere gezielt gentechnisch zu
verändern

48

27

16

7

2

Wenn durch gentechnische Verfahren in
der Landwirtschaft die Lebensmittelpreise
sinken, finde ich das gut

10

20

35

32

3

Ich bin der Meinung, dass Gentechnik in der
Landwirtschaft ein wichtiger Baustein bei der
Bekämpfung des Welthungers ist

9

24

33

29

5

Ich habe kein Problem damit, gentechnisch
veränderte Lebensmittel zu essen

7

18

28

45

2

Angaben in Prozent

91

Naturbewusstsein 2015 > Grundauszählung

A2.8	Sagen Sie mir bitte, ob Sie die folgende Maßnahme für sehr wichtig, eher wichtig, weniger wichtig oder überhaupt nicht wichtig halten. (Abbildung 13, Tabelle 8)
Angaben in Prozent
Der Einsatz gentechnisch veränderter Organismen in der Landwirtschaft wird verboten

sehr
wichtig

eher wichtig

weniger
wichtig

überhaupt
nicht
wichtig

weiß nicht/
keine
Angabe

44

32

15

5

4

A2.9 	Wenn der Staat möchte, dass die Landwirtschaft mehr für den Naturschutz tut, kann er entweder das
gewünschte Verhalten finanziell fördern, also subventionieren, oder strengere Regeln und Gesetze erlassen. Bitte bedenken Sie dabei, dass eine finanzielle Förderung durch Steuergelder bezahlt wird, während
strengere Regeln und Gesetze die Preise für Lebensmittel erhöhen können, wenn die Landwirtinnen und
Landwirte die zusätzlichen Kosten an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergeben.
Inwieweit befürworten Sie eine finanzielle Förderung oder strengere Regeln und Gesetze, damit Landwirtinnen und Landwirte mehr für den Naturschutz tun: Befürworten Sie dies voll und ganz, eher, eher nicht
oder befürworten Sie dies überhaupt nicht? (Abbildung 9, Abbildung 10)
befürworte
ich voll und
ganz

befürworte
ich eher

befürworte
ich eher
nicht

befürworte
ich überhaupt nicht

weiß nicht/
keine
Angabe

Strengere Regeln und Gesetze

45

38

12

3

2

Finanzielle Förderung

30

44

19

5

2

Angaben in Prozent

92

Naturbewusstsein 2015 > Grundauszählung

Kapitel 3: Stadtnatur
A3.1 	Was ist „Natur in der Stadt“ für Sie? Bitte nennen Sie mir so viele Begriffe, wie Ihnen in den Sinn kommen.
(offene Frage, Mehrfachnennungen möglich) (Abbildung 14)
Angaben in Prozent

Angaben in Prozent

1. Parks und öffentliche Grünräume

82

8. Begrünung an Gebäuden

15

2. Vegetation (allgemein)

65

9. Freizeitangebot

7

3. Gewässer

43

10. Landwirtschaft

7

4. Gärten

37

11. Schutzgut

6

5. Orte für Sport und Bewegung

23

12. Stadtbild

3

6. Tiere

22

13. Wetter/Jahreszeiten

3

7. Lebensqualität und Erholung

17

14. Negative Kommentare

1

Parks und öffentliche Grünräume – Unterkategorien
Angaben in Prozent

Angaben in Prozent

Grünzonen/Grünanlagen

63

Tierparks/Zoo

6

Wiesen

22

Friedhöfe

6

Wald

19

Grüne Oasen

1

Alleen

11

Beete/Blumenbeete in öffentlichen Anlagen

1

Straßenbepflanzung

8

Vegetation (allgemein) – Unterkategorien
Angaben in Prozent

Angaben in Prozent

Bäume

43

Beete/Blumenbeete

5

Blumen

23

Grün allgemein

4

Pflanzen/Begrünung

19

Löwenzahn/Mohnblumen/Laub

1

Büsche/Sträucher/Hecken

15

Natur

1

Gewässer – Unterkategorien
Angaben in Prozent

Angaben in Prozent

Teiche/Seen/Tümpel

25

Brunnen/Springbrunnen

4

Auen/Flüsse/Bäche

20

Strände/Deiche

1

Wasser

6

Gärten – Unterkategorien
Angaben in Prozent

Angaben in Prozent

Gärten

22

Kleingärten

6

Vorgärten

11

Schrebergärten

3

Orte für Sport und Bewegung – Unterkategorien
Angaben in Prozent

Angaben in Prozent

Spielplätze

8

Freibäder

3

Wanderwege/Laufstrecke

4

Badeseen/Strandbad

1

Spazierwege/Spaziergänge

4

Baden/schwimmen gehen/Wassersport

1

Fahrradwege

3

Sport

1

Sportplätze

3

Angeln

1

93

Naturbewusstsein 2015 > Grundauszählung

Tiere – Unterkategorien
Angaben in Prozent

Angaben in Prozent

Vögel

12

Tauben

1

Tiere

6

Enten/Gänse

1

Insekten

3

Fische

1

Wildlebende Tiere

2

Katzen

1

Hunde

2

Schmetterlinge

1

Bienen

2

Eichhörnchen

1

Lebensqualität und Erholung – Unterkategorien
Angaben in Prozent

Angaben in Prozent

Erholung/Entspannung/Lebensqualität

9

Gute/frische Luft

4

Bänke/Sitzgelegenheiten/Ruhezonen

4

Ruhe

1

Begrünung an Gebäuden – Unterkategorien
Angaben in Prozent

Angaben in Prozent

Terrassenbepflanzung

6

Bepflanzte Hinterhöfe

3

Begrünte Dachflächen/bepflanzte Dächer

4

Bepflanzte Hauswände

1

Blumenkübel/-töpfe

3

Bewachsene Häuser

1

Freizeitangebot – Unterkategorien
Angaben in Prozent

Angaben in Prozent

Ausflugsziele

4

Picknick

1

Biergärten/Gastronomie im Freien

2

Märkte

1

Grillplätze

1

Landwirtschaft – Unterkategorien
Angaben in Prozent

Angaben in Prozent

Felder/Äcker (im Stadtgebiet)

3

Weiden

1

Obstanbau

1

Brachliegende Felder/Wiesen

1

Landwirtschaftlich genutzte Flächen

1

Schutzgut – Unterkategorien
Angaben in Prozent

Angaben in Prozent

Naturschutzgebiete/Biotope

3

Saubere Natur/Umweltschutz

2

Lebensraum/Ruhezonen für Tiere

2

Stadtbild – Unterkategorien
Angaben in Prozent
Wenig/keine Autos

Angaben in Prozent
1

Sonstiges (naturnahe Bauweise, wenig Industrie)

1

Wetter/Jahreszeiten – Unterkategorien
Angaben in Prozent
Sonne/Sonnenschein

94

Angaben in Prozent
1

Regen

1

Naturbewusstsein 2015 > Grundauszählung

Negative Kommentare– Unterkategorien
Angaben in Prozent
Unkraut

Angaben in Prozent
1

Sonstiges

1

A3.2	Wie wichtig finden Sie die folgenden Bestandteile von Natur in der Stadt? Finden Sie die Bestandteile sehr
wichtig, eher wichtig, eher nicht wichtig oder überhaupt nicht wichtig? (Abbildung 15, Tabelle 9, Tabelle 10)
sehr
wichtig

eher wichtig

eher nicht
wichtig

überhaupt
nicht
wichtig

weiß nicht/
keine
Angabe

Öffentliche Parkanlagen

80

17

3

0

0

Bäume und Pflanzen am Straßenrand

70

24

5

1

0

Gewässer wie Flüsse, Bäche, Seen und Teiche

60

33

6

1

0

Stadtwälder

58

34

7

1

0

Vorgärten von Häusern

52

37

10

1

0

Kleingärten

47

37

13

3

0

Friedhöfe

36

37

20

7

0

Dachbegrünung und begrünte Gebäudeteile

33

40

22

5

0

Flächen, die nicht genutzt werden und sich
selbst überlassen bleiben

20

32

30

18

0

Landwirtschaftsflächen

19

28

36

17

0

Angaben in Prozent

A3.3	Wie wichtig finden Sie es, dass Natur möglichst in allen Teilen einer Stadt zugänglich ist? Finden Sie das sehr
wichtig, eher wichtig, eher nicht wichtig oder überhaupt nicht wichtig? (Abbildung 17, Tabelle 11)
Angaben in Prozent
sehr wichtig

61

eher wichtig

33

eher nicht wichtig

5

überhaupt nicht wichtig

0

weiß nicht/keine Angabe

1

A3.4	Wie zufrieden sind Sie mit dem Angebot von Natur in Ihrer Stadt? Sind Sie damit sehr zufrieden, eher zufrieden, eher nicht zufrieden, gar nicht zufrieden oder leben Sie nicht in einer Stadt? (Abbildung 18)
Angaben in Prozent
sehr zufrieden

34

eher zufrieden

46

eher nicht zufrieden

11

gar nicht zufrieden

1

ich lebe nicht in einer Stadt/ich halte mich nur selten in einer Stadt auf

7

weiß nicht/keine Angabe

1

95

Naturbewusstsein 2015 > Grundauszählung

A3.5	Wie häufig suchen Sie bewusst Naturangebote in Ihrer Stadt auf? Tun Sie dies täglich, mehrmals in der
Woche, mehrmals im Monat, mehrmals im Jahr oder seltener bzw. nie oder leben Sie nicht in einer Stadt?
(Abbildung 19, Tabelle 12)
Angaben in Prozent
täglich

9

mehrmals in der Woche

30

mehrmals im Monat

34

mehrmals im Jahr

13

seltener oder nie

5

ich lebe nicht in einer Stadt/ich halte mich nur selten in einer Stadt auf

7

weiß nicht/keine Angabe

2

A3.6	Sind Sie dafür, dass es Orte in Ihrer Stadt bzw. in den Städten in Ihrer Umgebung gibt, wo sich Natur spontan
entwickeln kann bzw. sich selbst überlassen bleibt? Sind Sie voll und ganz dafür, eher dafür, eher nicht dafür
oder gar nicht dafür? (Abbildung 16)
Angaben in Prozent
voll und ganz dafür

25

eher dafür

44

eher nicht dafür

24

gar nicht dafür

6

weiß nicht/keine Angabe

1

A3.7	Als nächstes geht es um die Frage, welche Aufgaben Natur in der Stadt erfüllen kann. Wie wichtig ist Natur
in der Stadt für die folgenden Aspekte? Ist die Natur in der Stadt dafür sehr wichtig, eher wichtig, eher nicht
wichtig oder überhaupt nicht wichtig? Wie wichtig ist Natur in der Stadt … (Abbildung 20, Tabelle 13, Tabelle
14)
sehr wichtig

eher wichtig

eher nicht
wichtig

überhaupt
nicht
wichtig

weiß nicht/
keine
Angabe

… für das Wohlbefinden der darin lebenden
Menschen

72

23

4

0

1

… als Lebensraum für Tiere und Pflanzen

68

26

5

1

0

… für das Aussehen der Stadt (Stadtbild)

68

27

4

0

1

… für den Klimaschutz und die Klimaanpassung

62

29

6

1

2

… für das Ansehen der Stadt

58

35

6

0

1

… für den Marktwert von Grundstücken und
Gebäuden

41

42

12

2

3

Angaben in Prozent

A3.8	Wie wichtig ist Ihnen persönlich Natur in der Stadt in Bezug auf die folgenden Aspekte? Ist sie Ihnen sehr
wichtig, eher wichtig, eher nicht wichtig oder überhaupt nicht wichtig? Wie wichtig ist Ihnen persönlich
Natur in der Stadt … (Abbildung 21, Abbildung 22, Tabelle 15)
sehr
wichtig

eher wichtig

eher nicht
wichtig

überhaupt
nicht
wichtig

weiß nicht/
keine
Angabe

… als Raum für Erholung und
Entspannung

62

30

7

1

0

… für Ihre Lebensqualität

62

29

6

1

2

… in Bezug auf Gesundheit

60

31

7

1

1

… als Raum für Sport und Bewegung

46

34

14

5

1

… in Bezug auf Naturerfahrung

44

39

15

1

1

… als Raum für Begegnungen mit anderen
Menschen

44

37

16

2

1

… in Bezug auf Verstehen und Lernen

33

42

20

4

1

Angaben in Prozent

96

Naturbewusstsein 2015 > Grundauszählung

Kapitel 4: Erneuerbare Energien und Naturschutz
A4.1 	Kommen wir zu einem anderen Thema. Ich möchte jetzt mit Ihnen über die Energiewende sprechen. Halten
Sie die Energiewende – hin zu einer überwiegenden Versorgung aus erneuerbaren Energien – für richtig?
(Abbildung 23, Abbildung 24)
Angaben in Prozent
ja

61

unentschieden

29

nein

7

weiß nicht/keine Angabe

3

A4.2	Wenn wir künftig mehr erneuerbare Energien nutzen wollen, wird das zu Veränderungen unserer Landschaft
führen. Bitte antworten Sie in folgenden Antwortkategorien: Das finde ich gut, das würde ich akzeptieren,
das würde mir nicht gefallen, das lehne ich ab. Wie bewerten Sie die mögliche Zunahme …? (Abbildung 25,
Tabelle 16)
Das finde
ich gut

Das würde
ich
akzeptieren

Das würde
mir gefallen

das lehne
ich ab

weiß nicht/
keine
Angabe

von Windenergieanlagen im Meer, an Nordund Ostseeküste

38

42

12

6

2

der Fläche außerhalb von Siedlungen, auf der
Solaranlagen (Photovoltaik) errichtet werden

29

49

16

5

1

von Windenergieanlagen auf dem Land

28

46

19

6

2

der Fläche, auf der Raps angebaut wird

22

45

21

10

2

der Fläche, auf der Mais angebaut wird

18

43

24

12

3

der Zahl der Biogasanlagen

15

50

23

8

4

des Holzeinschlages in Wäldern

6

20

42

30

2

der Zahl der Hochspannungsleitungen

4

33

40

23

0

Angaben in Prozent

97

Naturbewusstsein 2015 > Grundauszählung

Kapitel 5: Mensch und Natur – Naturgefährdung, Naturnutzung und Naturschutz
A5.1	Es geht nun um das Thema Natur und welche Rolle Natur in Ihrem Leben spielt. Dazu habe ich hier einige
Aussagen. Bitte sagen Sie mir für jede dieser Aussagen, ob sie Ihrer Meinung nach voll und ganz, eher, eher
nicht oder überhaupt nicht zutrifft. (Abbildung 26, Tabelle 17, Tabelle 18)
trifft voll
und ganz zu

trifft eher
zu

trifft eher
nicht zu

trifft
überhaupt
nicht zu

weiß nicht/
keine
Angabe

Zu einem guten Leben gehört die Natur dazu

69

25

5

1

0

An der Natur schätze ich ihre Vielfalt

62

30

6

1

1

Natur bedeutet für mich Gesundheit und
Erholung

59

33

6

1

1

In meiner Erziehung ist oder wäre es mir
wichtig, meinen Kindern die Natur nahe zu
bringen

59

33

6

1

1

Es macht mich glücklich, in der Natur zu sein

55

35

9

1

0

Ich fühle mich mit Natur und Landschaft in
meiner Region eng verbunden

49

36

12

2

1

Ich versuche, so oft wie möglich in der Natur
zu sein

45

40

13

2

0

Je wilder die Natur, desto besser gefällt sie mir

15

39

35

9

2

Ich interessiere mich nicht für das Thema
Natur

5

11

22

62

0

In der Natur fühle ich mich nicht wohl

6

6

13

75

0

Natur ist für mich etwas Fremdes

3

5

14

78

0

Angaben in Prozent

A5.2	Bitte sagen Sie mir für jede dieser Aussagen, ob sie Ihrer Meinung nach voll und ganz, eher, eher nicht oder
überhaupt nicht zutrifft. (Abbildung 27, Tabelle 19)
trifft voll
und ganz zu

trifft eher
zu

trifft eher
nicht zu

trifft
überhaupt
nicht zu

weiß nicht/
keine
Angabe

Ich ärgere mich darüber, dass viele Menschen
so sorglos mit der Natur umgehen

47

36

13

3

1

Ich fürchte, dass es für unsere Kinder und Enkelkinder kaum noch intakte Natur geben wird

22

43

28

5

2

Ich fühle mich durch die Zerstörung der Natur
in unserem Land bedroht

12

37

38

12

1

Die Menschen machen sich über die Zerstörung
der Natur zu viele Gedanken

7

15

37

40

1

Angaben in Prozent

A5.3	Im Folgenden haben wir einige Aussagen zu Schutz und Nutzung der Natur zusammengestellt. Bitte sagen
Sie mir für jede dieser Aussagen, ob sie Ihrer Meinung nach voll und ganz, eher, eher nicht oder überhaupt
nicht zutrifft. (Abbildung 28, Abbildung 29, Tabelle 20, Tabelle 21)
trifft voll
und ganz zu

trifft eher
zu

trifft eher
nicht zu

trifft
überhaupt
nicht zu

weiß nicht/
keine
Angabe

Der Mensch ist Teil der Natur

63

30

6

1

0

Es ist die Pflicht des Menschen, die Natur zu
schützen

60

33

6

1

0

Ich fühle mich persönlich dafür verantwortlich, die Natur zu erhalten

24

47

21

7

1

Ich als einzelner kann keinen großen Beitrag
zum Schutz der Natur leisten

14

30

36

19

1

Die Natur darf der wirtschaftlichen Entwicklung nicht im Weg stehen

11

26

43

17

3

Der Mensch hat das Recht, die Natur zu seinem Nutzen zu verändern

9

33

39

17

2

Angaben in Prozent

98

Naturbewusstsein 2015 > Grundauszählung

A5.4	Und was ist Ihre Meinung zu folgenden Aussagen? Bitte sagen Sie mir für jede dieser Aussagen, ob sie Ihrer
Meinung nach voll und ganz, eher, eher nicht oder überhaupt nicht zutrifft. (Abbildung 29, Abbildung 30,
Tabelle 21, Tabelle 22)
trifft voll
und ganz zu

trifft eher
zu

trifft eher
nicht zu

trifft
überhaupt
nicht zu

weiß nicht/
keine
Angabe

Die Natur darf nur so genutzt werden, dass
die Vielfalt der Pflanzen und Tiere sowie ihrer
Lebensräume auf Dauer gesichert ist

62

31

5

1

1

Wir dürfen die Natur nur so nutzen, dass dies
auch für kommende Generationen im gleichen
Umfang möglich ist

62

31

6

1

0

Die Natur darf nur so genutzt werden, dass
Eigenart und Schönheit von Natur und Landschaft erhalten bleiben

58

35

6

1

0

Wir dürfen die Natur nicht auf Kosten der
Menschen in ärmeren Ländern ausbeuten

56

33

8

1

2

Der Naturschutz in Deutschland ist eine wichtige politische Aufgabe

45

41

11

2

1

In wirtschaftlichen Krisenzeiten muss auch der
Naturschutz mit weniger Geld auskommen

21

44

24

7

4

In Deutschland wird genug getan, um die
Natur zu schützen

13

38

36

9

4

Angaben in Prozent

99

Naturbewusstsein 2015 > Grundauszählung

Kapitel 6: Biologische Vielfalt
A6.1 	

Ist Ihnen der Begriff „Biologische Vielfalt“ bekannt? (Abbildung 33)

Angaben in Prozent
Ich habe davon gehört, und ich weiß, was der Begriff bedeutet

42

Ich habe davon gehört, aber ich weiß nicht, was der Begriff bedeutet

36

Ich habe noch nie davon gehört

22

A6.2 	
	

Können Sie mir bitte sagen, was der Begriff „Biologische Vielfalt“ für Sie bedeutet?
(Offene Frage, Mehrfachnennungen möglich) (Abbildung 34, Abbildung 35)

Angaben in Prozent
Vielfalt von Arten (Tieren und/oder Pflanzen)

88

Vielfalt von Ökosystemen, Lebensräumen

54

Vielfalt von Genen, Erbinformationen, Erbgut

30

Sonstiges

4

weiß nicht/keine Angabe

0

Basis: 868 Fälle; nur Befragte, die angeben zu wissen, was „Biologische Vielfalt“ bedeutet

A6.3 	Inwieweit sind Sie davon überzeugt, dass die biologische Vielfalt auf der Erde abnimmt? Sind Sie …
(Abbildung 36)
Angaben in Prozent
sehr überzeugt

26

eher überzeugt

45

unentschieden

20

eher nicht überzeugt

5

gar nicht überzeugt

1

weiß nicht/keine Angabe

3

A6.4 	Die Bundesrepublik Deutschland hat sich in internationalen Abkommen zur Erhaltung der biologischen Vielfalt verpflichtet. Inwieweit halten Sie persönlich die Erhaltung der biologischen Vielfalt für eine vorrangige
gesellschaftliche Aufgabe? Würden Sie sagen, … (Abbildung 37)
Angaben in Prozent
ja, dies ist eine vorrangige gesellschaftliche Aufgabe

34

eher ja

40

teils/teils

21

eher nein

3

nein, dies ist keine vorrangige gesellschaftliche Aufgabe

1

weiß nicht/keine Angabe

1

100

Naturbewusstsein 2015 > Grundauszählung

A6.5	Ich lese Ihnen nun einige Möglichkeiten vor, was man persönlich tun kann, um die biologische Vielfalt zu
schützen. Inwieweit sind Sie persönlich bereit, … (Abbildung 39, Tabelle 24)
sehr bereit

eher bereit

weniger
bereit

gar nicht
bereit

weiß nicht/
keine
Angabe

… sich beim Aufenthalt in der Natur von ausgewiesenen geschützten Bereichen fernzuhalten?

64

28

6

2

0

… beim Einkaufen Obst und Gemüse aus Ihrer
Region zu bevorzugen?

58

32

7

2

1

… eine Unterschriftenliste zum Schutz der
biologischen Vielfalt zu unterzeichnen?

47

36

12

4

1

… die Marke von Kosmetika oder DrogerieArtikeln zu wechseln, wenn Sie erfahren,
dass deren Herstellung die biologische Vielfalt gefährdet?

40

40

13

5

2

… Ihre Freunde und Bekannten auf den
Schutz der biologischen Vielfalt aufmerksam
zu machen?

32

46

16

5

1

… beim Einkaufen einen Ratgeber zu benutzen, der zum Beispiel über gefährdete
Fischarten informiert?

27

41

21

9

2

… sich über aktuelle Entwicklungen im Bereich biologische Vielfalt zu informieren?

26

50

18

5

1

… einen Brief an die Regierung oder die
zuständige Behörde zu schreiben, um auf den
notwendigen Schutz der biologischen Vielfalt
hinzuweisen?

17

29

31

21

2

… für die Pflege und Erhaltung eines Schutzgebietes zu spenden?

14

43

26

16

1

… Geld an einen Naturschutzverband zu
spenden, der sich um den Schutz der biologischen Vielfalt bemüht?

14

40

26

18

2

… in einem Naturschutzverband aktiv mitzuarbeiten, um die biologische Vielfalt zu
schützen?

13

33

34

19

1

Angaben in Prozent

A6.6	Ich lese Ihnen nun einige Aussagen zur biologischen Vielfalt vor. Bitte sagen Sie mir jeweils, inwieweit die
Aussage Ihrer Meinung nach zutrifft. (Abbildung 38)
trifft voll
und ganz zu

trifft eher
zu

trifft eher
nicht zu

trifft
überhaupt
nicht zu

weiß nicht/
keine
Angabe

Die biologische Vielfalt sollte als Erbe für
unsere Kinder und zukünftige Generationen
erhalten bleiben

65

28

6

1

0

Die biologische Vielfalt in der Natur fördert
mein Wohlbefinden und meine Lebensqualität

44

41

11

3

1

Ärmere Staaten sollten zum Schutz ihrer
biologischen Vielfalt durch reichere Staaten
finanziell unterstützt werden

33

44

15

5

3

Zur Erhaltung der biologischen Vielfalt sollte
der Verbrauch von Flächen für Siedlungen,
Gewerbe und Verkehrswege reduziert werden

26

47

19

3

5

Wenn die biologische Vielfalt schwindet,
beeinträchtigt mich das persönlich

24

45

21

6

4

Ich fühle mich persönlich für die Erhaltung
der biologischen Vielfalt verantwortlich

17

39

32

10

2

Die Ausgaben für die Forschung über die biologische Vielfalt sollten reduziert werden

8

14

45

27

6

Viele Berichte über den Rückgang der biologischen Vielfalt auf der Welt sind übertrieben

7

19

38

29

7

Angaben in Prozent

101

Naturbewusstsein 2015 > Fußnoten

Fußnotenverzeichnis
Fußnote	

	

Seite

1	Die soziale Schicht beschreibt die Stellung in der Gesellschaft, welche mit Bildung,
Einkommen und Berufsprestige einhergeht. Sie ist gekoppelt an das Vorhandensein von
ökonomischem, kulturellem, sozialem und symbolischem Kapital.	

19

2	Niedrig: Ohne Haupt- / Volksschulabschluss oder Haupt- / Volksschulabschluss oder
Polytechnische Oberschule mit Abschluss 8. oder 9. Klasse, mittel: Mittlere Reife / Realschulabschluss oder Abschluss der Polytechnischen Oberschule 10. Klasse oder Fachschulabschluss, hoch: allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife / Abitur oder Universitäts- / Hochschul- beziehungsweise Fachhochschulstudium.	

22

3	Die Prozentwerte der Kategorien (zum Beispiel „Agrarflächen“) ergeben sich nicht durch
Addition der Unterkategorien (zum Beispiel „Felder und Äcker“, „Wiesen und Weiden“ und
„Monokulturen“ für die Kategorie „Agrarflächen“), da die einzelnen Befragten im freien
Antwortformat Mehrfachnennungen abgeben konnten. Unterkategorien werden exemplarisch im Text genannt und detailliert in der Grundauszählung aufgeführt.	

25

4	Die Bestandsentwicklung einer Auswahl von zehn Vogelarten dient der nationalen Biodi­
versitätsstrategie als Teilindikator zur Beurteilung des Lebensraums „Agrarland“ (Acker­mann et al. 2013). Dieser Teilindikator hatte in den Jahren 2001 bis 2011 einen signifikant
negativen Trend und erreichte 2011 nur 56 Prozent des Zielwertes (vergleiche BMUB 2014).	

27

5	Menschen mit mittleren Bildungsabschlüssen haben eine ausgeprägtere Wahrnehmung
des Rückgangs bei Säumen und Blühstreifen, Bächen und Tümpeln sowie Alleen.	

28

6	Nach einer Begriffsbestimmung der Internationalen Statistikkonferenz von 1887 sind
Großstädte alle Städte mit mindestens 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern (vergleiche hierzu www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/LaenderRegionen/Regionales/
Gemeindeverzeichnis/Administrativ/GrosstaedteEinwohner.html).	28
7	Anders als bei der Bildung führt die Berücksichtigung der zweiten Zustimmungsstufe bei
den soziodemographischen Merkmalen Geschlecht und Alter zu keiner Relativierung der
beschriebenen Befunde.	

30

8	Bei den unter 30-Jährigen sind es 43 Prozent, bei den 30- bis 49-Jährigen 37 Prozent und
bei den über 65-Jährigen 38 Prozent, die in einer Großstadt mit mehr als 500.000 Einwoh­nerinnen und Einwohnern leben.	

30

9	33 Prozent der formal niedrig Gebildeten in Deutschland leben in einer Großstadt mit
mehr als 500.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Bei den formal Hochgebildeten sind
es 47 Prozent.	

30

10	Um dies zu überprüfen, müsste allerdings die Entwicklung der deutschen Landwirtschaft
in den letzten 65 Jahren sowie die (direkte sowie massenmedial vermittelte) Erfahrung
von Landwirtschaft in diesem Zeitraum genauer untersucht werden.	

32

11	Unter „eigene Gesundheit“ darf man hier nicht allein die Gesundheit der befragten Person
verstehen. Es geht auch um die Gesundheit von Familienangehörigen, insbesondere von
Kindern, wie aus anderen Studien bekannt ist (vergleiche Forsa 2015 und GfK Compact
2014).	38

102

Naturbewusstsein 2015 > Fußnoten

12	Zu den Tabellen 6, 7 und der Abbildung 11 (jeweils: Einstellungen zum Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft): Die uneingeschränkten Zustimmungswerte (stimme
voll und ganz zu) für die Items drei bis fünf sind sehr gering. Zum Beispiel stimmen der
Aussage „Ich habe kein Problem damit, gentechnisch veränderte Lebensmittel zu essen“
nur sieben Prozent voll und ganz zu. Das bedeutet, dass die Fallzahl, die für einen Ver­gleich (beispielsweise nach soziodemographischen Merkmalen) zu Grunde liegt, sehr klein
ist. Wenn die Antworten von nur noch wenigen Personen differenziert zum Beispiel nach
dem Alter betrachtet werden sollen (vier Kategorien), ist bei der Interpretation Vorsicht
geboten. Daher wurde in diesem Fall vom üblichen Vorgehen abgewichen, die oberste
Zustimmungsstufe aufzuschlüsseln.	

40

13	Vergleiche hierzu auch die Initiative „Grün in der Stadt“ des Bundesumweltministeriums
(BMUB 2015 sowie www.gruen-in-der-stadt.de)	

42

14	Wie bei der offenen Abfrage von Assoziationen zu Agrarlandschaften (Kapitel 2) ergeben
sich auch hier die Prozentwerte der Kategorien (zum Beispiel „Parks und öffentliche Grünräume“) nicht durch Addition der Unterkategorien (zum Beispiel „Tierparks“, „Wiesen“), da
die einzelnen Befragten im freien Antwortformat Mehrfachnennungen abgeben konnten.
Unterkategorien werden exemplarisch im Text genannt und detailliert in der Grundauszählung aufgeführt.	

43

15	Zudem gilt: Die Antwortkategorie „Ich lebe nicht in einer Stadt / ich halte mich nur selten
in einer Stadt auf“ spiegelt nicht das tatsächliche Verhältnis von Stadtbevölkerung zu
Landbevölkerung wider, da Befragte, die zwar auf dem Land leben, sich aber häufig in der
Stadt aufhalten (beispielsweise aus beruflichen Gründen), diese Antwortkategorie nicht
gewählt haben.	

48

16	Auch in den kleinsten Gemeinden (Einwohnerzahl: unter 5.000) sind die Bewohnerinnen
und Bewohner seltener als im Durchschnitt „sehr zufrieden“ (23 Prozent). Zwangsläufig
fällt hier allerdings der Anteil derjenigen, die angeben, nicht in der Stadt zu leben oder sich
nur selten in einer Stadt aufzuhalten, sehr hoch aus (53 Prozent). Daher ist eine Interpretation des Befundes auf Basis der verbleibenden Fallzahl (n = 42 Personen) nicht zielführend.	

49

17	Eine ausführliche Erklärung der Vorgehensweise und eine umfassende Diskussion der
Daten kann im Vertiefungsbericht zum Indikator „Bewusstsein für biologische Vielfalt“
nachgelesen werden.	

71

18	Wie schon in Kapitel 2 kann hier nur vermutet werden, dass die Alterskohorte der heute
50- bis 65-Jährigen ihr Wissen womöglich aus Ereignissen erworben hat (zum Beispiel im
Zuge der Umweltschutzbewegung), die in den anderen Altersgruppen nicht oder zumindest weniger intensiv wahrgenommen wurden.	

72

19	Personen mit einem Haushaltsnettoeinkommen von unter 1.000 Euro verbinden den
Begriff der biologischen Vielfalt nur unterdurchschnittlich häufig mit der Vielfalt von
Arten (78 Prozent). Allerdings ist dieser Befund mit Vorsicht zu interpretieren, da in dieser
Gruppe nur 54 Personen wissen, was biologische Vielfalt bedeutet.	

74

20	Es ist davon auszugehen, dass die biologische Vielfalt in der Natur aus Sicht der Menschen
im Sommer einen größeren Einfluss auf das Wohlbefinden hat als im Winter. Es liegt also
nahe, dass die gestiegenen Zustimmungswerte (in Bezug auf das Wohlbefinden beziehungsweise die persönliche Beeinträchtigung) zumindest in Teilen darauf zurückzuführen sind, dass die Studie 2013 im Winter durchgeführt wurde, die Studie 2015 hingegen
im Sommer. Vergleichbare Effekte findet man für die Studie 2009 (Sommerumfrage) und
2011 (Winterumfrage), vergleiche hierzu auch Kapitel 5.	

76

103

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