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Erläuterungsbericht

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PARKLANDSCHAFT & URBANE LANDWIRTSCHAFT GATOW Prolog Die Parklandschaft Gatow befindet sich im Spannungfeld von Stadt und Land, von städtischer Peripherie und Landwirtschaft, von Kultur und Natur. Die unterschiedlichen Nutzungsansprüche von Wohnen, Erholung, Wirtschaft, Landwirtschaft und Naturschutz spiegeln sich auch in unterschiedlichen Landschaftsbildern wieder, die sich zu neuartigen Ansichten zusammenfügen. Ansprüche an ökologische und ästhetische Kleinteiligkeit stehen im Konflikt mit einer wirtschaftlichen Nutung von großen Flächeneinheiten. Darin besteht das Unwirtliche als auch das Faszinierende der Peripherie: Im Zusammentreffen von unterschiedlichen Ansprüchen und den daraus entstehenden Landschaftsbildern, die auf den ersten Blick befremdlich wirken können, im Idealfall jedoch zu etwas Neuem, zu einer gelungenen Synthese führen. Der land- und forstwirtschaftlich genutzte Raum hat eine eigene Ästhetik, die sich stark an den technischen Anforderungen der Feldbestellung orientiert sowie durch historische Gemarkungsgrenzen und Eigentumsverhältnisse bestimmt wird. Im topographisch bewegten Gelände spielt der Einfluss des Reliefs eine wichtige Rolle. In der Neuzeit kommen die ökologische Anforderungen des Umweltschutzes und das Bestreben, die Kulturlandschaft zu bewahren, hinzu. „Bewusste Gestaltung“ der offenen Landschaft spielt jedoch eine untergeordnete Rolle. Ausnahmen, wie Peter Joseph Lennes „Plan von Sanssouci und dessen Umgebung“, bestätigen die Regel. Anders verhält es sich mit den Freiflächen der urbanen Landschaft. In der Stadt spielt – neben der obligatorischen Funktionalität - die Ästhetik und Gestaltung der Grünflächen eine große Rolle. Stadtgrün ist zum großen Teil Abbild und Symbol der Natur und wird nicht durch die wirtschaftliche Nutzung von Naturressourcen geformt. Die Grünflächen in der Peripherie liegen im Mittelfeld zwischen ästhetischer Gestaltung (Urban Design) und dem historisch-funktionalen Landschaftsbild der offenen Landschaft, da sie eine Mischung aus beiden Bereichen darstellen. Während eckige, trapezförmige Flächenzuschnitte und damit gerade Gehölzränder typisch für eine vorwiegend landwirtschaftlich genutzte Landschaft sind, treten in einer kulturell überformten, städtischen oder stadtnahen Parklandschaft auch gestaltete Flächeneinheiten, Gehölzflächen und Baumgruppen mit gerundeten Rändern auf. Dieser Kontrast zwischen den ökonomischen Anforderungen einer landwirtschaftlichen Nutzung und der Ästhetik des Englischen Landschaftsgartens soll auch in unserem Konzept zum Ausdruck kommen. Einige Gartenhistoriker führen die Anordnung und Formensprache der Baumpflanzungen im Englischen Landschaftsgarten auf die in der Entstehungszeit in England verbreitete Schafbeweidung zurück, die ein Aufwachsen von flächigem Hochwald unterband. Es trifft sich gut, das das Flächenmanagement durch Schafe für Parklandschaften in der urbanen Peripherie wieder aktuell geworden ist. Während der öffentliche Raum in der Innenstadt hauptsächlich durch das öffentliche Straßennetz mit seinen Gehwegen bereitgestellt wird, ist die Peripherie oft durch private, gewerbliche und sondergenutzte Parzellen und Gebiete, die umzäunt sind und sich dem Nutzungsdruck entziehen, aber auch von Straßen ohne Gehwege vielfach zerschnitten. Die so enstehenden Restflächen, die häufig größer sind als ein städtischer Block, sind damit für die Öffentlichkeit oft schwer erreichbar. In der offenen Landschaft wiederum ist die Benutzbarkeit für die Öffentlichkeit hergestellt, da sich eine Umzäunung aufgrund des geringen Nutzungsdrucks und der größeren Flächen nicht lohnt. Hier erschließen Feldwege die landwirtschaftlichen Flächen, Waldwege die Forste. Die städtische Peripherie besitzt also eine wichtige Verbindungsfunktion zwischen städtischen und ländlichen öffentlichen Raum. Die Betretbarkeit, Durchlässigkeit und Erreichbarkeit des peripheren Raumes muss hergestellt und verbessert werden.

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Konzept Aufgrund der begrenzten wirtschaftlichen Mittel und der stark abgestuften Nutzungsintensität in der Peripherie setzen wir auf ein pragmatisches Konzept, das mit den bestehenden Strukturen arbeitet, vorhandene Qualitäten stärkt und sie hinsichtlich einer höheren funktionalen, ökologischen und ästhetischen Vielfalt behutsam ergänzt und bereichert. Auf bereits vorhandenen Wegetrassen durchzieht ein System von asphaltierten Hauptwegen und einfachen Feldwegen die Parklandschaft und verbessert die Durchlässigkeit der städtischen Peripherie für die Öffentlichkeit. Es definiert langgestreckte Raumabschnitte, die zwischen den Richtungen der angrenzen Siedlungsbereiche, des historischen Flugplatzes und der Hauptstraße in Form der Potsdamer Chaussee vermitteln. Es entsteht eine Schichtung aus in West-Ost-Richtung verlaufenden, ineinander verschränkten Raumsequenzen unterschiedlicher Nutzungsintensität. Sie differenzieren die Parklandschaft Gatow von Süden nach Norden von einer offenen Landschaft zu kleinteiligeren Flächen mit einzelnen Baumgruppen, von einem kulturell geformten Raum zu einer landwirtschaftlich bis naturnah geprägten Landschaft. Die beiden Landebahnen des historischen Flugplatzes werden als Nutzungsspuren in der Parklandschaft fortgeführt. Sie markieren die Nahtstelle zwischen dem Schwerpunkt „extensiver Park“ im Süden und der „extensiven Parklandschaft“ im Norden. Im Süden überwiegt eine siedlungsnahe Parknutzung, während im Norden die urbane Landwirtschaft und Naturschutzgesichtspunkte im Vordergrund stehen. Die Pflege und Bewirtschaftung soll jedoch in beiden Bereichen von Landwirten übernommen werden. Der Raum zwischen der neuen Siedlung „Landstadt Gatow“ und dem historischen Flughafen mit dem Luftwaffenmuseum bleibt frei von Bäumen und wird lediglich von den Feldern der beiden Landebahnen belegt, die im Park als Nutzungsspuren sichtbar sind. Die Dimensionen des historischen Flughafens bleiben weiterhin ablesbar, indem der deutliche Kontrast zwischen neuer Siedlung und der freien Landschaft verstärkt und inszeniert wird. Nutzungs- und Pflegekonzept Die südliche Landebahn wird als Liegewiese mehrmals jährlich gemäht und stellt damit einen kleinen, siedlungsnah gelegenen Abschnitt des Parks dar, der relativ intensiv gepflegt wird. Die südliche Landebahn kann auch als temporäres Aktionsfeld dienen. Sie verbindet die noch im Originalzustand erhaltene Landebahn im Bereich des Luftwaffenmuseums mit dem Anger der Landstadt Gatow. Die sich hier darbietenden Sichtbeziehungen zur Innenstadt, zum Teufelsberg, Grunewaldturm und in die weitere Landschaft der Umgebung verorten die Parklandschaft im gesamtstädtischen Kontext. Der Sportplatz dockt als intensiv genutzte Freizeitfläche an den Anger und an die Achse der Leonardo-daVinci-Straße an. Die übrigen Bereiche im südlichen Parkbereich werden als mehrschürigen Wiesen gepflegt. Mit diesem Konzept schließen siedlungsnahe Freizeitflächen direkt an die Wohnbereiche an, ohne eine kostenintensive neue Zonierung zu etablieren, zumal der Nutzungsdruck im Bereich der Einzel-, Doppel- und Reihenhäuser geringer ist als in der Nähe eines Gebiets mit Mehrfamilienhäusern. Die Nutzungsspur der nördlichen Landebahn soll zukünftig dem Ackerbau vorbehalten sein und wird in Fruchtfolge bewirtschaftet. Vorstellbar ist beispielsweise der Anbau von Roggen, Raps oder Sonnenblumen. Durch die unmittelbare Gegenüberstellung von Landwirtschaft und Flugplatz wird die landschaftsprägende Kraft der beiden so unterschiedlichen Nutzungen offensichtlich. Die nördliche Landebahn bildet die Nahtstelle zwischen überwiegender Erholungsnutzung im Süden und der überwiegenden landwirtschaftlichen und ökologischen Flächenwidmung im Norden der Parklandschaft.

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Direkt an die Nutzungsspur der nördlichen Landebahn anschließend, ziehen sich Parzellen mit extensiver landwirtschaftlicher Nutzung und unterschiedlichem Pflegemanagement orthogonal in Richtung Norden. Es wird ein Nutzungsmuster aufgenommen, das außerhalb des Gebiets im Bereich der Gatower Feldflur bereits vorhanden ist, dort jedoch mit höherer Intensität und auf größeren Flächeneinheiten. Die Nutzung der Parzellen besteht in meist zweischürigen Wiesen sowie Weiden, die je nach Bedarf innerhalb des Raumgerüstes in Anspruch genommen werden können. Die südlichsten Raumsequenzen, südlich der ehemaligen Deponiefläche außerhalb potentiell belasteter Bereiche, können dabei zunächst agrarisch genutzt bleiben, als Getreideflächen oder Grünland. Sollte diese Nutzung entfallen, kann sich in den Feldern eine Sukzessionsvegetation entwickeln. Dabei soll durch ein Pflegekonzept (zeitweise Beweidung, Umpflügen o.ä.) sichergestellt werden, dass die offene, landschaftliche Weite erhalten bleibt. Im Laufe der Zeit lassen sich in die Parzellen kleinteiligere Nutzungen einfügen (beispielsweise Grabeland, community gardens und Kleingärten in einer Mischung aus Gemüse- und Obstanbau. Der Parzellenzuschnitt kann durch Teilung oder Zusammenlegung an die jeweilige Nutzungen angepasst werden. Zwischen den Parzellen der Wiesen und Weiden liegen Streifen von Hochstaudenfluren, die nur ca. alle drei Jahre gemäht werden. Der Anteil an Hochstaudenfluren nimmt von Süden nach Norden zu. Die Hochstaudenfluren stellen Lebens- und Rückzugräume für die vielen seltenen Vogelarten, Reptilien und anderen Tierarten dar, falls diese durch die landwirtschaftliche Nutzung gestört werden. Mit der geplanten Verteilung der Wiesen, Weiden und Flächen mit Hochstaudenfluren werden die Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen des B-Plans umgesetzt. Bäume Der Waldsaum entlang der älteren Siedlungsbereiche und der Potsdamer Chaussee wird verdichtet und geschlossen. Die Parklandschaft Gatow erhält somit im Nordwesten, Norden und Nordosten einen geschlossenen Rahmen mit einem Baumbestand, der sich mit den vorhandenen Waldflächen der Umgebung verbindet. Die Baumarten bestehen an den Rändern überwiegend aus den Leitarten der potentiell natürlichen Vegetation verschiedener Sukzessionsstadien, also Eichen, Kiefern und Birken. Mit den Baumpflanzungen werden die Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen des B-Plans umgesetzt. Ein regelmäßiges Pflanzraster besetzend, liegen einzelnen Baumhaine und Baumgruppen auch außerhalb des waldartigen Rahmens - vor allem im nördlichen Teil der Parklandschaft. Nach Süden hin werden diese Baumpflanzungen immer aufgelockerter, bilden kleine Baumgruppen oder Einzelbäume am Übergang zur offenen Landschaft des mittleren und südlichen Parkbereiches. Hier werden in Ergänzung der potentiell natürlichen Vegetation vermehrt Rotbuchen und Hainbuchen gepflanzt – als Reminiszenz an den Englischen Landschaftsgarten und das Gartenreich Potsdam, das nur wenig weiter südlich entlang der Havel beginnt. Anders als im Landschaftgarten besteht jede Baumgruppe aus jeweils nur einer Art – Vielfalt entsteht durch das Nebeneinander von Baumgruppen unterschiedlicher Arten. Der damit verbundene Verfremdungseffekt verstärkt die visuelle Ungewöhnlichkeit der urbanen Landschaft in der Peripherie. Besondere Orte Eingangsplätze Wo sich wichtige Wegeachsen der Parklandschaft kreuzen oder in den Siedlungsbereich übergehen, befinden sich Eingangsplätze aus wassergebundener Decke und verschiedenen, nutzungskonformen Belägen. Sie bilden siedlungsnahe Bewegungs- und Aufenthaltsflächen und können jeweils einem anderen Freiraum-Thema gewidmet werden. Sie verstehen sich als Vorhalteflächen für intensive Nutzungen, die in Zukunft die Parklandschaft ergänzen können, im Zentrum der Parklandschaft aber eher als Fremdkörper wirken würden. Am östlichen Ende des Angers der Landstadt liegt der Aussichts-Platz mit verschiedenen Sitzgelegenheiten, südlich davon, ein kleiner Sport-Platz, der die Angebote des vorhandenen Sportfeldes mit informellen Freizeitsportarten ergänzt (z.B. Streetball,

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Skateboard). Am westlichen Ende des wichtigen Hauptweges in der Fortsetzung des Groß-Glienicker Wegs liegt der „Platz am historischen Weg“. Im Osten der Parklandschaft liegen ein Grill-Platz, ein baumüberstandener Park-Platz und im Norden am Wall des Schießübungsstandes ein Picknick-Platz.

Lesezeichen An Orten mit hohem historischen oder ökologischen Stellenwert liegen Betonplattformen (6m x 6m, Höhe 0,6m), die „Lesezeichen“ in der Parklandschaft bilden. Sie bilden über die Parklandschaft verstreute Markierungen und weisen in einer pragmatisch wirkenden Landschaft auf versteckte Bedeutungen hin, die vom Besucher entschlüsselt werden müssen. Sie liegen beispielsweise am Schießplatz und Wall, in der Kiesgrube, im Wald, in Biotopstreifen, auf Feld, Landebahn und Sichtachse. Unabhängig von ihrer rätselhaften Wirkung laden die Plattformen zum Beklettern, Schauen und Verweilen ein. Je nach Lage im Wald oder auf dem offenen Feld reagiert der Beton anders auf die Umgebung, bewächst mit Flechten, Moos, Pflanzen und verwittert mit der Zeit auf unterschiedliche Weise. Schießübungsstand Der Schießübungsstand bildet einen besonderen Bereich und eine Zäsur innerhalb des Waldbereiches im Norden. Gleichzeitig fügt er dem vielfältigen Lebensraum einen weiteren ökologischen Baustein hinzu. Er wird gemäß den Festlegungen im B-Plan zurückgebaut. Der Schießübungsstand wird darüber hinaus auf der Südwestseite geöffnet, indem der dortige Wall entfernt wird. Der langgezogene Wall entlang der Südostseite erhält im Bereich der Tunnelwege Einschnitte mit seitlichen Böschungen. Als eines der seltenen topographischen Landschaftselemente im Gebiet wird der Wall durch wenige Treppen und eine Hangrutsche spielerisch erschlossen und erlebbar gemacht. Der Wall wird durch temporäre Schafbeweidung gepflegt und die vorhandenen Frischwiesen zu Trockenrasen entwickelt, wodurch das vorhandene Biotopmosaik weiter ausdifferenziert wird. Einige der Betonbrückenelemente des Schießübungsstandes dienen als Kletterwände, an anderen sind Schaukeln und Kletterseile angebracht. Um das ehemalige Schussfeld herum führt eine Skater- und Rollschuhbahn. Es entsteht eine spielerisch nutzbare LandschaftsSkulptur, die durch den gewollten Verfremdungseffekt zum Verweilen und Nachdenken anregt. Kiesgrube Aufgrund der geringen topographischen Bewegtheit des Geländes erhalten vorhandene Höhenunterschiede ein umso größeres Gewicht. Dies ist in Form der ehemaligen Kiesgrube der Fall, die als bereichernde Störung in der Landschaft erhalten wird. Die Böschungen werden herausgearbeitet und vereinfacht. Die Kiesgrube stellt sich einer Wegeverbindung in den Weg - der Besucher kann wählen, ob er oberhalb der Böschung um sie herum geht oder aber den direkten Weg nimmt und über Treppen auf das untere Geländeniveau herabsteigt. Für die tiefer liegende Fläche schlagen wir einen Hundeauslaufplatz vor. Die Fläche wird mit niedrigen Bodenwellen belegt, was als kleine Herausforderung an die Hunde gern angenommen wird. Parkmöblierung Abgesehen von den Sitzgelegenheiten auf den Eingangsplätzen und der „bespielbaren“ Lesezeichen befinden sich weitere Sitzmöglichkeiten entlang der beiden wichtigsten Ost-West-Wegeverbindungen, die die „Landschaftspromenaden“ innerhalb der Parklandschaft bilden. Es handelt sich um langgezogene Betonquader mit einem Querschnitt von 45cm x 45cm. Sie liegen in der Regel im Bereich der Streifen mit dem Hochstaudenfluren und grenzen damit den Weg von den Biotopflächen ab. Auf der Seite der Hochstaudenfluren werden die Bänke mit Steinschüttungen angeböscht. Entlang der Hauptwege mit den Bänken, von denen aus die Tiere auf den angrenzenden Weiden beobachtet werden können, sollen auch die temporären Tränken und Unterstände angeordnet werden, falls diese für die Haltung der Tiere erforderlich sind.
        
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