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Boulevard der Stars Berlin-Mitte

Eingeladener kooperativer Realisierungswettbewerb

Ausschreibung

Kooperativer Realisierungswettbewerb Boulevard der Stars Ausschreibung

Berlin, Februar 2009

Wettbewerbsdurchführung Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Abteilung Städtebau und Projekte Referat II D Patrick Weiss Brückenstraße 6 10179 Berlin-Mitte Wettbewerbsausschreibung Patrick Weiss, II D2 Milena Feustel Digitale Bearbeitung Milena Feustel Druck sprint out, Berlin

Inhaltsverzeichnis
Anlass und Ziel .....................................................................................................................7 Teil 1 1.1 1.2 1.3 1.4 1.5 1.6 1.7 1.8 1.9 1.10 1.11 1.12 1.13 1.14 1.15 1.16 1.17 1.18 Teil 2 2.1 2.2 2.3 2.4 2.5 2.6 2.7 Teil 3 3.1 3.2 3.3 3.4 3.5 3.5.1 3.5.2 3.5.3 3.6 3.7 Teil 4 4.1 4.2 4.3 4.4. 4.5 Verfahren 9

Auslober, Auftraggeber, Wettbewerbsdurchführung ...............................................9 Art des Verfahrens ..................................................................................................9 Grundsätze und Richtlinien .....................................................................................9 Wettbewerbsteilnehmer.........................................................................................10 Preisgericht und Vorprüfung..................................................................................10 Ausgabe der Wettbewerbsunterlagen ...................................................................12 Abgabe der Wettbewerbsarbeiten.........................................................................12 Rückfragen ............................................................................................................13 Verzeichnis der Wettbewerbsunterlagen...............................................................14 Geforderte Leistungen...........................................................................................14 Beurteilungsverfahren und Vorprüfung .................................................................16 Bearbeitungshonorar und Preise...........................................................................16 Weitere Bearbeitung..............................................................................................17 Eigentum und Urheberrecht ..................................................................................17 Verfassererklärung ................................................................................................18 Bekanntgabe des Ergebnisses / Ausstellung der Arbeiten ...................................18 Haftung und Rückgabe..........................................................................................18 Zusammenfassung der Termine ...........................................................................18 Situation und Planungsvorgaben ..........................................................................19 Lage und Kennzeichnung des Wettbewerbsgebietes ...........................................19 Historische Entwicklung des Standortes bis 1989.................................................22 Städtebauliche Rahmenbedingungen ...................................................................24 Deutsche Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen ....................................34 Die Internationalen Filmfestspiele Berlin ...............................................................36 Das Wettbewerbsgebiet ........................................................................................37 Planungsrecht .......................................................................................................44 Wettbewerbsaufgabe ............................................................................................45 Allgemeine Zielsetzung .........................................................................................45 Boulevard der Stars...............................................................................................45 Temporäre Berlinale-Werbung ..............................................................................48 Informationssystem für Kulturforum und andere kulturelle Einrichtungen.............48 Freiraumgestaltung/ Ausstattungselemente..........................................................49 Aussagen zum gesamten Straßenraum................................................................49 Mittelstreifen ..........................................................................................................49 Seitliche Gehwege ................................................................................................50 Stufenkonzept für Straßenbahn ............................................................................51 Realisierung, Kostenrahmen, Wirtschaftlichkeit ....................................................51 Anhang ..................................................................................................................53 Der Hollywood Walk of Fame................................................................................53 Fotodokumentation................................................................................................55 Werbeanlagen der Firma Wall...............................................................................64 Digitale Anlagen ....................................................................................................67 Verfassererklärung ................................................................................................68

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Anlass und Ziel
Nur wenige Meter vom Potsdamer Platz entfernt, zwischen der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen und dem Sitz der Internationalen Filmfestspiele Berlin, soll in der Potsdamer Straße der Boulevard der Stars entstehen, dessen Gestaltung Gegenstand des Wettbewerbs ist. Der Boulevard der Stars soll jene Persönlichkeiten ehren, die sich durch herausragende Leistungen um Film und Fernsehen im deutschsprachigen Raum in Vergangenheit und Gegenwart verdient gemacht haben. Dazu gehören neben Schauspielern ebenso Produzenten, Regisseure und Autoren wie Kameraleute, Filmarchitekten, Komponisten, etc. Der Boulevard der Stars ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein über viele Jahre wachsendes und im Prozess befindliches Kunstwerk. Jahr für Jahr sollen ca. 10 bis12 Film- und Fernsehschaffende gewürdigt werden. Gesucht wird also ein serielles Konzept, das über eine lange Zeit auf die wichtigsten Gewerke von Film und Fernsehen anwendbar bleibt. Ein erster Abschnitt des Boulevards der Stars soll bereits im Februar 2010 im Rahmen der 60. Berlinale eingeweiht werden. Bei der Konzeptfindung ist zu berücksichtigen, dass später einmal eine Straßenbahn auf dem Mittelstreifen der Potsdamer Straße fahren wird. Der Boulevard der Stars soll mehr werden als ein sichtbares Bindeglied zwischen der deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen mit seinen Partnern im Filmhaus auf der einen und den Internationalen Filmfestspielen (Berlinale) auf der anderen Straßenseite als herausragenden Institutionen der Filmkunst in Berlin. Hier soll mehr entstehen als eine spektakuläre Attraktion an einem der belebtesten Plätze im „Neuen Berlin“. Der Boulevard der Stars ist geplant als ein Ort der Würdigung und Erinnerung an jene Künstler und Pioniere der Technik, die mit bewegten Bildern unser Weltbild und unsere Träume prägen. Für die inhaltliche Ausgestaltung dieser Ehrung wie auch die Weiterentwicklung dieses „wachsenden Denkmals“ sieht sich die Boulevard der Stars – gemeinnützige GmbH zuständig. In dieser haben sich die Initiatoren der Idee und neue Unterstützer als Gesellschafter formiert und mit dem Land Berlin eine kontinuierliche Partnerschaft vereinbart. Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass die kulturellen Einrichtungen im Umfeld – insbesondere die im Kulturforum ansässigen Museen und die Philharmonie – in der Potsdamer Straße auf ihre Veranstaltungen hinweisen wollen.

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Boulevard der Stars, Teil 1 Verfahren

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Teil 1 Verfahren 1.1 Auslober, rung Auftraggeber, Wettbewerbsdurchfüh-

Auslober Land Berlin, vertreten durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Auftraggeber Bezirksamt Mitte von Berlin in Zusammenarbeit mit der Boulevard der Stars gGmbH. Koordination und Durchführung des Wettbewerbs Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Abteilung Städtebau und Projekte Referat II D Brückenstraße 6 10179 Berlin Patrick Weiss, II D 2 Tel.: +49 (0)30/ 9025-2016 Fax: +49 (0)30/ 9025-2533 e-mail: patrick.weiss@senstadt.berlin.de

1.2

Art des Verfahrens

Eingeladener kooperativer Realisierungswettbewerb nach 2.4 GRW 1995 mit sieben Teilnehmern. Dem Wettbewerb war ein Teilnehmerauswahlverfahren vorgeschaltet. Die Wettbewerbssprache ist Deutsch. Das Verfahren ist – abgesehen vom Zwischenkolloquium – anonym.

1.3

Grundsätze und Richtlinien

Dem Wettbewerb liegen die Grundsätze und Richtlinien für Wettbewerbe auf den Gebieten der Raumplanung, des Städtebaus und des Bauwesens (GRW 1995 in der Fassung vom 22.12.2003) zugrunde, soweit nachstehend nichts anderes ausgeführt ist. Bei der Vorbereitung der Ausschreibung hat die Architektenkammer Berlin entsprechend den Regelungen der GRW beratend mitgewirkt. Der Wettbewerb wird bei der Architektenkammer Berlin unter der RegistrierNr. B-2009- 02/ GRW geführt. Einverständnis Jeder Teilnehmer, Preisrichter, Sachverständige, Vorprüfer und Gast erklärt sich durch seine Beteiligung bzw. Mitwirkung am Verfahren mit den vorliegenden Teilnahmebedingungen einverstanden. Verlautbarungen jeder Art über Inhalt und Ablauf vor und während der Laufzeit des Wettbewerbsverfahrens, einschließlich der Veröffentlichung der Wettbewerbsergebnisse, dürfen nur vom oder in Abstimmung mit dem Auslober bzw. der mit der Durchführung beauftragten Senatsverwaltung für Stadtentwicklung abgegeben werden.

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Datenschutz Jeder Teilnehmer, Preisrichter, Sachverständige, Vorprüfer, Gast und Auftragnehmer willigt durch seine Beteiligung bzw. Mitwirkung am Verfahren ein, dass seine personenbezogenen Daten im Zusammenhang mit o.g. Wettbewerb bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in Form einer automatisierten Datei geführt werden. Diese Einwilligung ist auf der Verfasser- bzw. auf der Zustimmungserklärung zu bestätigen. Eingetragen werden Name, Anschrift, Telefon, Bankverbindung, Beauftragung im Wettbewerb, Berufsbezeichnung. Nach Abschluss des Verfahrens können auf Wunsch diese Daten gelöscht werden (durch Vermerk auf der Verfassererklärung). Gemäß § 6 des novellierten Datenschutzgesetzes ist die Einwilligung der Betroffenen notwendig, da eine spezielle Rechtsgrundlage für die Führung dieser Datei fehlt.

1.4

Wettbewerbsteilnehmer

Im Auswahlverfahren wurden aus 60 Bewerbungen folgende Teilnehmer bzw. Arbeitsgemeinschaften ausgewählt: • • • • • • • C+S Associati, I-Treviso OKRA, NL-Utrecht GRAFT mit ART+COM AG, Berlin Luna.lichtarchitektur, Karlsruhe mit Dietz.Joppien und Roland Stratmann, Berlin Heri & Salli, A-Wien HÄFNER/JIMENEZ mit Bertron.Schwarz und Christopher Bauder, Berlin Purpur.Architektur mit Matthias Drieschner, A–Graz und Topotek 1, Berlin

1.5

Preisgericht und Vorprüfung
Gabriele Kiefer Landschaftsarchitektin, Berlin Regula Lüscher Architektin, Senatsbaudirektorin Melanie Rönnfeld Designerin, Berlin Thorsten Goldberg Bildender Künstler, Berlin Kristin Feireiss Architekturkuratorin, Berlin

Fachpreisrichter

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Stellvertretende Fachpreisrichter

Andreas Schulz Lichtplaner, Berlin/Bonn Timo Hermann Landschaftsarchitekt, Berlin

Sachpreisrichter

Georgia Tornow Boulevard der Stars gGmbH, Geschäftsführerin Dr. Rainer Rother Deutsche Kinemathek Museum für Film und Fernsehen, Künstlerischer Direktor Ephraim Gothe Bezirksamt Mitte von Berlin, Stadtrat für Stadtentwicklung N.N. Senatskanzlei – Kultur

Stellvertretende Sachpreisrichter

Fred Breinersdorfer/ Ingrid Rexrodt Boulevard der Stars gGmbH Dieter Kosslick, Intendant / Thomas Hailer, Programm Manager Internationale Filmfestspiele Berlin Heinz Biedermann Bezirksamt Mitte von Berlin, Straßen- und Grünflächenamt Manfred Kühne Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Abteilungsleiter Städtebau und Projekte

Sachverständige

Dr. Paul Klimpel Deutsche Kinemathek Museum für Film und Fernsehen, Verwaltungsdirektor Peter Ostendorff Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Wettbewerbe und Auswahlverfahren

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Claudia Reich-Schilcher Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Architekturwerkstatt Michael Steinfurth Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Kostenprüfung Sven Scholtysik Wall AG Thorsten Rullmann, Lichtplaner Mechtild Kronenberg Stiftung Preussischer Kulturbesitz, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit Katrin E. Neumann Senatskanzlei – Kultur Kunst im öffentlichen Raum Gäste Peter Kever Architektenkammer Berlin Martin Schönfeld Büro für Kunst im öffentlichen Raum des BBK Berlin Gero Gandert Initiator des Boulevard der Stars

Vorprüfer

N.N.

1.6

Ausgabe der Wettbewerbsunterlagen

Die Auslobungsunterlagen werden den Teilnehmern am 25.02.2009 zugesandt.

1.7

Abgabe der Wettbewerbsarbeiten

Die Arbeiten sind am 04.05.2009 von 14.00 bis 17:00 Uhr bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung - II D -, Brückenstraße 6, 10179 Berlin, Raum 4.026 abzugeben oder am selben Tag oder davor liegend per Post- oder Kurierdienst einzureichen. Die Wettbewerbsarbeiten sind zur Wahrung der Anonymität in verschlossenem Zustand ohne Absender oder sonstigen Hinweis auf den Verfasser, aber mit der Kennzahl und dem Vermerk „Boulevard der Stars“ ein-

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zureichen. Bei Zustellung durch Post- oder Kurierdienst ist der Empfänger als Absender anzugeben. Bei Einreichung durch Post- oder Kurierdienst ist eine Kopie des Aufgabebeleges in gleicher anonymisierter Weise wie die Arbeit selbst, mit der Kennziffer versehen, an den Auslober nachzusenden. Bei Einlieferung durch Post- oder Kurierdienst (porto- und zustellungsfrei für den Empfänger) gilt die Einlieferungsfrist als erfüllt, wenn der Aufgabestempel das Datum des 04.05.2009 oder eines davor liegenden Tages trägt. Der Verfasser trägt die Verantwortung, dass die geforderten Leistungen am 3. Werktag nach Abgabedatum vorliegen. Der Verfasser selbst ist für die Lesbarkeit des Aufgabestempels auf der Sendung verantwortlich. Verspätet eingegangene Arbeiten, deren Aufgabestempel/Aufgabebeleg fehlt, unleserlich oder unvollständig ist oder dessen Richtigkeit angezweifelt wird, werden vorbehaltlich des späteren Nachweises zeitgerechter Einlieferung, den der Teilnehmer zu erbringen hat, mitbeurteilt. Kennzeichnung der Arbeiten Die Wettbewerbsarbeiten sind in allen Stücken nur durch eine gleichlautende Kennzahl zu bezeichnen. Sie ist aus sechs arabischen Ziffern zu bilden und in einer Größe von 1 cm Höhe und 4 cm Breite auf jedem Blatt, Schriftstück und Modell in der rechten oberen Ecke anzubringen. Der Wettbewerbsverfasser hat die Verfassererklärung (siehe 1.15) mit seiner Anschrift in einem verschlossenen und undurchsichtigen Umschlag mit der gleichen Kennzahl abzugeben, mit der er seine Wettwerbsarbeit gekennzeichnet hat. Dieser Umschlag ist gleichzeitig mit der Wettbewerbsarbeit abzugeben.

1.8

Rückfragen

Rückfragen zur Auslobung können schriftlich per E-Mail gestellt werden und müssen bis zum 01.04.2009 unter dem Kennwort „Wettbewerb Boulevard der Stars“ bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung unter der Adresse patrick.weiss@senstadt.berlin.de eingegangen sein. Bei den Rückfragen ist auf die entsprechenden Teilziffern der Ausschreibung, auf die sie sich beziehen, Bezug zu nehmen. Die schriftlichen Rückfragen werden im Rahmen des Protokolls des Zwischenkolloquiums beantwortet. Zwischenkolloquium In der Mitte der Bearbeitungszeit, am 30.3.2009, wird mit den Teilnehmern und dem Preisgericht ein Kolloquium abgehalten, bei dem (lt. 2.4.4 GRW) ein Meinungsaustausch über die Wettbewerbsaufgabe und mögliche Lösungen stattfindet. Dabei sind die Teilnehmer verpflichtet, ihre bis dahin erarbeiteten Zwischenergebnisse dem Preisgericht offen zu legen. Dieses findet in Einzelgesprächen mit dem Preisgericht statt.

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Zum Zwischenkolloquium werden aussagefähige zeichnerische Darstellungen in Papierform erwartet, die es erlauben, den Entwurfsansatz der jeweiligen Verfasser zu erkennen und zu beurteilen. Für die Präsentation stehen zwei Kappa-Leichtschaumplatten 125 x 230 cm zur Verfügung. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, anhand einer PowerpointPräsentation digitale Abbildungen vorzustellen. Hierzu stellt der Auslober Laptop (.ppt-Version 2000) und Beamer zur Verfügung. Änderungen der Wettbewerbsaufgabe sind bis zur Übersendung des Protokolls des Zwischenkolloquiums zulässig. Die schriftliche Beantwortung der Rückfragen und das Protokoll des Zwischenkolloquiums sind Bestandteil der Auslobung. Sie sollen den Teilnehmern bis zum 06.04.2009 per E-Mail zugestellt werden.

1.9

Verzeichnis der Wettbewerbsunterlagen

Unterlagen des Wettbewerbs sind: die vorliegende Ausschreibung und die im Folgenden aufgeführten Planunterlagen auf CD-ROM. Informationspläne Lagepläne und Schnitte als Vektorgrafik / Pixel-Datei Hinweis: Die Pläne können in Details vom realisierten Tiefbau abweichen. Arbeitspläne Lageplan und Schnitt als Vektorgrafik Hinweis Jeder Teilnehmer des Wettbewerbes verpflichtet sich, die vorliegenden digitalisierten Daten und Pläne nur für die Beteiligung am Wettbewerb zu nutzen. Daten, die im Rahmen der Bearbeitung als Zwischenprodukte anfallen und nicht an den Auslober abgegeben werden, sind nach Abschluss des Wettbewerbes zu löschen.

1.10 Geforderte Leistungen
Von den Teilnehmern werden folgende Leistungen erwartet: 1. Standort-Konzept M 1: 250 mit Darstellung der Gesamtsituation 2. Entwicklungskonzept M 1: 250 mit Darstellung der Erstinstallation und der sukzessiven Erweiterung 3. Konzept für den Boulevard der Stars unter Berücksichtigung der Straßenbahn im Mittelstreifen (Alternativkonzept als zusätzlicher Plan zu 1. und 2., sofern die Straßenbahn nicht von vornherein berücksichtigt wird) 4. Grundriss Entwurf Einzelelement M 1: 5 bzw. 1: 1 5. Zum Verständnis des Entwurfs erforderliche Schnitte 6. Ggf. freie Darstellungen 7. Modell in geeignetem Maßstab

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8. Prüfpläne mit Angabe der notwendigen Maße 9. Erläuterungsbericht (maximal 3 Seiten) mit Begründung des vorgeschlagenen Entwurfskonzepts, Beschreibung der Konstruktion und Materialien sowie Überlegungen, wie das Konzept später über das heutige Wettbewerbsgebiet hinaus erweitert werden könnte, ggf. mit Skizzen 10. Kostenschätzung (Formblatt siehe Anlage) 11. Verzeichnis der eingereichten Unterlagen 12. Verfassererklärung (Formblatt siehe Anhang) Es wird die Entwicklung eines produktionsfähigen Prototypen erwartet. Die geforderten zeichnerischen Leistungen sind in Papierform zu erbringen und zusätzlich als Datei einzureichen. Für die Präsentation der Wettbewerbsarbeit stehen 4 KappaLeichtschaumplatten 125 (B) x 230 cm (H) zur Verfügung. Die vom Auslober zur Verfügung gestellten Arbeitspläne sind ein Angebot, den Wettbewerbsbeitrag darzustellen; sie müssen von den Verfassern nicht verwendet werden. Um die Arbeiten jedoch gegebenenfalls bei einer späteren Ausstellung in Wechselrahmen präsentieren zu können, sollte kein größeres Blattformat als 1,20 m x 0,90 m gewählt werden. Jeder Teilnehmer darf nur eine Arbeit ohne Variante einreichen. Zusätzlich geforderte Leistungen in digitaler Form Zusätzlich sind folgende Leistungen in digitaler Form auf CD-ROM zu erbringen (für Vorprüfung, Ergebnisprotokoll und Veröffentlichung): - die Präsentationspläne als Windows-kompatible .tif-Dateien in einer Aufl ösung von bevorzugt 300 dpi, - die Präsentationspläne als .pdf-Datei(en) mit eingebundenen Pixeldarstellungen in einer Auflösung von bevorzugt 300 dpi, - den Prüfplan als Windows-kompatible .dxf-Datei (AutoCAD 2000 oder tiefer) oder .pln-Datei (ArchiCad 8.1 oder tiefer), - das ausgefüllte/ergänzte Formblatt (Kostenermittlung) als Windowskompatible .xls-Datei (MS Excel) Hinweise zu den geforderten digitalen Leistungen „Offene“ Dateien aus Layout-Programmen (z.B. InDesign, QuarkExpress, Illustrator etc.) können nicht berücksichtigt werden. Bildmaterial, das nicht im genannten Windows-kompatiblen .tif-Format vorliegt, kann nicht berücksichtigt werden. Die CD-ROM selbst trägt als Titel nur die sechsstellige Kennzahl, mit der auch die schriftlichen Pläne gekennzeichnet werden (z.B. 123456). Die einzelnen Dateien auf der CD-ROM müssen wie folgt benannt werden: Der erste Teil des Dateinamens ist die sechsstellige Kennzahl, danach folgt ein Unterstrich und anschließend der eigentliche Dateititel, gefolgt von der Formatangabe, z.B. „tif“. Beispiele: - Lageplan: 123456_lageplan.tif - Grundrisszeichnung: 123456_grundriss.tif - Ansichten: 123456_ansicht_01.tif

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- Präsentationsplan: 123456_praesentationsplan_01.pdf In den Dateinamen dürfen keine Leer- und Sonderzeichen vorkommen. Die CD-ROM ist für Windows-kompatiblen PC zu erstellen. MacintoshFormate können grundsätzlich nicht verwendet werden.

1.11 Beurteilungsverfahren und Vorprüfung
Die eingereichten Arbeiten werden mit Hilfe des nachfolgenden Kriterienkataloges vorgeprüft: - Leitidee, Gesamtkonzept für das Wettbewerbsgebiet - Gesamtinstallation und Einzelelemente des Boulevard der Stars - Gestaltqualität und Signifikanz - inhaltliche Schlüssigkeit - Funktionalität der Installation - Integration temporäre Berlinale-Werbung - Freiraumgestaltung - Verbindungs- und Aufenthaltsfunktion für Fußgänger - Wahrung der Sichtbeziehungen - Einhaltung der Festpunkte des Straßenraums - Informationssystem - Vereinbarkeit mit der Straßenbahnplanung - Schlüssigkeit eines Stufenkonzepts - Realisierung in Abschnitten - Einhaltung des Kostenrahmens - Aufwand für Betrieb und Unterhaltung Bei der Erfüllung dieser Aufgabe können die Sachverständigen zur Unterstützung der Vorprüfer hinzugezogen werden. Die Entwürfe werden auch einer Prüfung der Kostenschätzung unterzogen. Dem Preisgericht werden die Ergebnisse der Vorprüfung als Entscheidungshilfe zur Verfügung gestellt, die Beurteilung der Arbeiten bleibt dem Preisgericht vorbehalten.

1.12

Bearbeitungshonorar und Preise

Die Wettbewerbssumme (GRW 4.1) ist auf der Basis der HOAI in Verbindung mit der GRW 1995 ermittelt. Die Wettbewerbssumme in Höhe von 42.000 Euro wird jeweils zur Hälfte als Bearbeitungshonorar und als Preissumme ausgeschüttet. Als Bearbeitungshonorar stehen insgesamt 21.000 Euro zur Verfügung. Jeder Teilnehmer erhält, sofern er eine der Auslobung entsprechende Arbeit einreicht, ein Bearbeitungshonorar von 3.000 Euro. Für Preise stehen insgesamt 21.000 Euro zur Verfügung. Vorgesehen ist folgende Aufteilung: 1. Preis 2. Preis 3. Preis 10.500 Euro 6.300 Euro 4.200 Euro

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Über die Preise hinaus ist eine Kostenerstattung nicht vorgesehen. Die Preise werden nach Entscheidung des Preisgerichts unter Ausschluss des Rechtsweges zugeteilt. Das Preisgericht kann einstimmig eine andere Verteilung beschließen oder Preisgruppen bilden. Die Mehrwertsteuer von derzeit 19 % ist in den genannten Beträgen nicht enthalten und wird inländischen Teilnehmern zusätzlich ausgezahlt.

1.13 Weitere Bearbeitung
Das Preisgericht gibt eine schriftliche Empfehlung für die weitere Bearbeitung der Wettbewerbsaufgabe. Der Bauherr wird unter Würdigung der Empfehlungen des Preisgerichts dem ersten Preisträger die weitere Bearbeitung der Aufgabe mindestens mit den Leistungsphasen 2 und 3 nach § 55 bzw. §56 HOAI (für die Elemente zur Ehrung der Film- und Fernsehschaffenden zusätzlich Leistungsphase 5) übertragen, sofern kein wichtiger Grund einer Beauftragung entgegensteht, insbesondere soweit und sobald die dem Wettbewerb zugrunde liegende Aufgabe realisiert werden soll (GRW 7.1). Voraussetzung ist, dass die Ausführung der ausgewählten Arbeit im Kostenrahmen möglich ist. Im Falle einer weiteren Bearbeitung werden durch den Wettbewerb bereits erbrachte Leistungen des Wettbewerbsteilnehmers bis zur Höhe des zuerkannten Preises nicht erneut vergütet, wenn der Wettbewerbsentwurf in seinen wesentlichen Teilen unverändert der weiteren Bearbeitung zugrunde gelegt wird (GRW 7.2). Architekten und Landschaftsarchitekten, die nicht Mitglieder der Berliner Architektenkammer sind, werden gemäß § 6 Architekten- und Baukammergesetz verpflichtet, sich bei Auftragserteilung im Verzeichnis auswärtiger Architekten der Berliner Kammer eintragen zu lassen. Bei Bedarf wird die Hinzuziehung eines Kontaktbüros empfohlen. Der Bauherr wird den mit der Erstinstallation beauftragten Preisträger bei der Realisierung zusätzlicher Elemente bzw. weiterer Bauabschnitte beteiligen. Die Art der Beauftragung und Honorierung ist in Abhängigkeit von dem Konzept zu regeln (Erbringung von Entwurfs- oder Beratungsleistungen, Gewährung von Verwertungsrechten).

1.14 Eigentum und Urheberrecht
Die eingereichten Unterlagen der Wettbewerbsarbeiten werden Eigentum des Auslobers. Das Urheberrecht und das Recht der Veröffentlichung der Entwürfe bleiben dem Verfasser erhalten. Der Auslober ist berechtigt, die zur Beurteilung zugelassenen Arbeiten nach Abschluss des Wettbewerbs ohne weitere Vergütung zu dokumentieren, auszustellen und (auch über Dritte) zu veröffentlichen. Die Namen der Verfasser werden dabei genannt.

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1.15 Verfassererklärung
Durch ihre Unterschrift in der Verfassererklärung (siehe Anhang) versichern die Wettbewerbsteilnehmer, dass sie die geistigen Urheber der Wettbewerbsarbeiten, gemäß den Wettbewerbsbedingungen teilnahmeberechtigt, mit einer Beauftragung zur weiteren Bearbeitung einverstanden und zur fach- und termingerechten Durchführung in der Lage sind. Die Verfassererklärung liegt als Formular der Auslobung bei (siehe Anhang).

1.16 Bekanntgabe des Ergebnisses / Ausstellung der Arbeiten
Das Ergebnis des Wettbewerbs wird den Teilnehmern unmittelbar nach der Entscheidung des Preisgerichts sowie später durch Übersendung des Preisgerichtsprotokolls mitgeteilt. Der Öffentlichkeit wird das Ergebnis über die Presse sowie unter www.stadtentwicklungberlin.de/aktuell/wettbewerbe bekanntgegeben. Die zur Beurteilung zugelassenen Wettbewerbsarbeiten werden mit den Namen der Verfasser, der Mitarbeiter und Sonderfachleute und dem Preisgerichtsprotokoll öffentlich ausgestellt. Eröffnung, Ort und Dauer der Ausstellung werden den Wettbewerbsteilnehmern und der Presse bekanntgegeben.

1.17

Haftung und Rückgabe

Für die Beschädigung oder den Verlust der eingereichten Arbeiten haftet der Auslober nur im Fall nachweisbar schuldhaften Verhaltens (GRW 6.5). Die nicht prämierten Arbeiten von in Berlin ansässigen Teilnehmern können zu einem Zeitpunkt, der ihnen rechtzeitig mitgeteilt wird, bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung - II D - abgeholt werden. Sind diese Arbeiten, trotz einer Erinnerung 13 Wochen nach dem genannten Termin nicht abgeholt worden, so geht der Auslober davon aus, dass die betreffenden Teilnehmer das Eigentum an ihren Arbeiten aufgegeben haben und wird dann mit diesen Arbeiten nach seinem Belieben verfahren. Im Übrigen erfolgt die Rücksendung der nicht prämierten Arbeiten von Teilnehmern, die nicht in Berlin ansässig sind, nur dann, wenn die Arbeiten in transportgerechter und wieder verwendbarer Verpackung eingereicht wurden.

1.18 Zusammenfassung der Termine
Ausgabe der Wettbewerbsunterlagen .................................... 25.02.2009 Zwischenkolloquium ............................................................... 30.03.2009 Schriftliche Rückfragen bis ..................................................... 01.04.2009 Protokoll Zwischenkolloquium/ Rückfragenbeantwortung ...... 06.04.2009 Abgabe der Arbeiten ............................................................... 04.05.2009 Sitzung des Preisgerichts ....................................................... 28.05.2009 Ausstellung der Arbeiten ...................................................... im Juni 2009

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Teil 2 Situation und Planungsvorgaben 2.1 tes Lage und Kennzeichnung des Wettbewerbsgebie-

Lage im Stadtraum Das Wettbewerbsgebiet liegt im Bereich Potsdamer Platz, der zwischen dem historischen Zentrum und dem Alexanderplatz in Mitte sowie der City West um den Breitscheidplatz an der ehemaligen Trennungslinie zwischen dem West- und dem Ostteil Berlins eine „Neue Mitte“ bildet. Kleinräumlich wird das Wettbewerbsgebiet von dem DaimlerChryslerAreal und dem Sony-Center flankiert. Die Doppelplatzanlage des Potsdamer- und Leipziger Platzes im Osten sowie das Kulturforum im Westen bilden die Endpunkte. Das Wettbewerbsgebiet liegt im Bezirk Mitte.

Kulturforum

Potsdamer Straße

Potsdamer Platz

Leipziger Platz

Übersicht Umgebung Wettbewerbsgebiet

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Wettbewerbsgebiet Wettbewerbsgebiet sind der Mittelstreifen der Potsdamer Straße und die Gehwege in dem Abschnitt zwischen der Kreuzung mit Ben-GurionStraße/ Eichhornstraße im Westen und der Alten Potsdamer Straße, bzw. bis zu der S-Bahn Station am Potsdamer Platz im Osten. Auf längere Sicht bestehen Überlegungen, den „Boulevard der Stars“ in die angrenzenden Straßen hinein zu erweitern, sobald die Flächenpotentiale im Wettbewerbsgebiet erschöpft sind.

Abgrenzung des Wettbewerbsgebietes

Eigentum Der Mittelstreifen sowie die Gehwegflächen stehen als öffentliches Straßenland im Eigentum des Landes Berlin. Die angrenzenden Freiflächen der Sony-Plaza und des DaimlerChrysler-Areals befinden sich in privatem Eigentum. Ebenfalls in privatem Eigentum befinden sich die Gehwegflächen unter den aus der Straßenflucht auskragenden Gebäudeteilen der Hochhäuser Potsdamer Platz 1 und 2.

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2.2

Historische Entwicklung des Standortes bis 1989

Die aus Berlin, Cölln und Friedrichswerder bestehende kurfürstliche und später königliche Residenzstadt erfährt während des 18. Jahrhunderts in westlicher Richtung mit der Dorotheen- und der Friedrichstadt wesentliche Erweiterungen und wird durch eine neue Stadtmauer eingefasst. Am Rande dieser barocken Stadterweiterung entstehen mit dem Pariser Platz als Carée, dem Leipziger Platz Oktogon und dem Belle Alliance Platz / Mehringplatz als Rondell drei repräsentative Plätze.

Leipziger Platz 1734

Potsdamer / Leipziger Platz um 1888

Der Leipziger Platz wird 1732-1738 unter Friedrich Wilhelm I. nach Plänen von Philipp Gerlach als innenliegender achteckiger Vorplatz zum Potsdamer (Stadt-) Tor angelegt und bald mit prächtigen Stadtpalais umbaut. Der davor befindliche spätere Potsdamer Platz liegt noch außerhalb der Stadtgrenze und erst mit der allmählichen Ausweitung der Stadt erfolgt 1823/24 nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel eine Neuformulierung der Torsituation. Mit der Errichtung des Potsdamer Bahnhofs im Jahre 1838 gewinnt der Potsdamer Platz weiter an Bedeutung. 1867 wird die ausgediente Stadtmauer entfernt und es entsteht eine Doppelplatzanlage. Der Leipziger Platz entwickelt sich zu einer der ersten Geschäftsadressen der Stadt, wozu das Kaufhaus Wertheim als größtes Kaufhaus Europas wesentlich beiträgt. Mit der Zeit hat sich die Bedeutung der beiden Plätze zu Gunsten des Potsdamer Platzes verschoben. Er wächst zum belebtesten und verkehrsreichsten Platz, auf dem 1924 die erste Ampelanlage Europas errichtet wird und steht als Symbol für die Begriffe der Metropole und Großstadt, die durch Hektik und quirlige Lebendigkeit rund um die Uhr gekennzeichnet sind.

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Potsdamer Platz um 1928

Ummittelbar westlich des Potsdamer Platzes beginnen 1938 die Abrisse für die geplante Nord-Süd-Achse der Speerschen Reichshauptstadtplanung. Die Achse soll durch dicht bebaute Stadtviertel in Tiergarten und Schöneberg geschlagen werden. In dem im heutigen Kulturforum liegenden Abschnitt der Achse soll der „Runde Platz“ entstehen, an dem das „Haus des Fremdenverkehrs“ bereits weitgehend fertiggestellt wird. Bei einer Vollendung der Planung wäre der Potsdamer Platz zwar erhalten geblieben, hätte aber im Schatten der megalomanen Achse gelegen.

Speerplanung 1942

Potsdamer / Leipziger Platz 1940

Potsdamer / Leipziger Platz 1953

Potsdamer / Leipziger Platz 1989

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Nach den Zerstörungen im 2. Weltkrieg sind der Potsdamer und Leipziger Platz zunächst ein wichtiger Verknüpfungspunkt zwischen Ost und West, der 1961 mit der Teilung der Stadt aber abrupt gekappt wird. Im östlichen Teil fallen die Bauten, die den Krieg noch überlebt haben, den Grenzanlagen der Berliner Mauer zum Opfer. Im Westteil orientieren sich die Wiederaufbauplanungen am Leitbild der offenen Stadtlandschaft im Verständnis der Nachkriegsmoderne, die den historischen Stadtgrundriss negiert. Schon im Wettbewerb Hauptstadt Berlin von 1957/58 als Kulturstandort vorgesehen, entwickelt sich das Kulturforum nach der Teilung zu einem Zentrum hochrangiger kultureller Einrichtungen und mit den Bauten der Neuen Nationalgalerie von Mies van der Rohe sowie der Philharmonie und der Staatsbibliothek von Hans Scharoun auch als Sammlung herausragender Architektur. Städtebaulich wird das Kulturforum aber – bis heute – nicht zu einem Abschluss gebracht. Der Bereich östlich des Kulturforums verbleibt im Schatten der Berliner Mauer trotz intensiver Planungsdebatten bis zur Wiedervereinigung im Zustand einer großflächigen Stadtbrache mit vereinzelten baulichen Relikten.

2.3

Städtebauliche Rahmenbedingungen

Städtebauliches Gesamtkonzept Erst nach der Wiedervereinigung Deutschlands gelingt es, das Gebiet um den Potsdamer Platz als neues innerstädtisches Quartier wieder aufzubauen und die Verbindung zwischen dem historischen Zentrum und der City West wieder herzustellen. Als Geschäftszentrum mit den Niederlassungen großer Firmen, vielseitigen Einkaufsmöglichkeiten und Freizeitangeboten und nicht zuletzt durch die Inszenierung der größten europäischen Baustelle als „Schaustelle“ in den 90-er Jahren steht dieser Stadtbereich wie kein zweiter für das „Neue Berlin“. Das Planungsgebiet Potsdamer Platz umfasst fünf Teilbereiche, von denen das DaimlerChrysler-Areal, das Sony-Center und das LennéDreieck/Beisheim-Center bereits fertig gestellt sind. Der Bereich Leipziger Platz ist auch fast fertig bis auf das ehemalige Deutsche Reisebüro, AvD Automobilclub von Deutschland und das ehemalige Wertheim-Areal. Von der Bebauung östlich des Tilla-Durieux-Parkes fehlt noch die Kopfbebauung am U-Bahnhof Mendelssohn-Bartholdy-Park.

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Städtebauliches Konzept Potsdamer - Leipziger Platz von Hilmer und Sattler

Das städtebauliche Gesamtkonzept beruht auf einem Entwurf von Hilmer und Sattler, der aus dem 1991 durchgeführten Wettbewerb zur Neugestaltung des Areals als Sieger hervorgegangen ist. Leitidee des Entwurfs von Hilmer und Sattler ist im Gegensatz zum amerikanischen Stadtmodell der Hochhausagglomerationen die Vorstellung von der kompakten, räumlich komplexen europäischen Stadt. Der Entwurf ist durch einen spannungsvollen Wechsel von stadträumlicher Offenheit und Kompaktheit gekennzeichnet. Für die Bebauung wird eine regelmäßige Parzellenstruktur für Blockkörper mit 50 x 50 m Grundfläche entwickelt, aus denen sich ein kleinteiliges Erschließungsraster ergibt. Zwei signifikante Raumfolgen prägen das städtebauliche Konzept. Zum einen die beiden sich vom Potsdamer Platz zum Landwehrkanal bzw. zum Kemperplatz hin entwickelnden Freiräume, die eine durchgängige Freiraumverbindung vom Gleisdreieck zum Tiergarten herstellen. Die zweite Sequenz großer Räume bilden der Leipziger- und Potsdamer Platz und die neuangelegte Potsdamer Straße (das Wettbewerbsgebiet des vorliegenden Wettbewerbs), die in den offenen Raum des Kulturforums führt. Hiermit wird, als Ersatz für die alte Potsdamer Straße, in neuer Form wieder eine wichtige Ost-West-Verbindung hergestellt. Die alte Potsdamer Straße hatte nicht nur eine wichtige innerstädtische Verknüpfungsfunktion, sondern war als Teil der Reichsstraße 1 von Aachen nach Königsberg von überregionaler

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Bedeutung. Die ursprüngliche Verbindung konnte nicht mehr hergestellt werden, da durch die Verkehrsplanung der Nachkriegszeit und die Planungen für das Kulturforums bedingt, die Staatsbibliothek von Scharoun direkt auf der Trasse der damaligen Potsdamer Straße gebaut wurde.

DaimlerChrysler-Areal Die insgesamt 340.000 Quadratmeter umfassende Nutzfläche des 70.000 Quadratmeter großen DaimlerChrysler-Areals besteht zur Hälfte aus Büros, zu 30 Prozent aus Kultureinrichtungen, Handel und Gastronomie und zu 20 Prozent aus Wohnungen. 10.000 Menschen wohnen und arbeiten hier, als erstes Unternehmen hat die debis-Zentrale 1997 ihre Arbeit aufgenommen. Das 90 Meter hohe debis-Gebäude mit dem berühmten grünen Würfel bildet den Höhenakzent im Süden am Landwehrkanal, am Potsdamer Platz sind es die beiden Hochhäuser der Architekten Hans Kollhoff und Renzo Piano. Im Rückgriff auf das historische Straßennetz entstand auf dem Areal ein vielfältiges Gefüge aus 19 Baublöcken, das von unterschiedlichen Architekten gestaltet wurde, der historischen Kern um das Weinhaus Huth wurde integriert. Die Investitionssumme betrug ca. 2 Mrd Euro. Der neue Eigentümer (die schwedische SEB-Bankgruppe) erwarb das DaimlerChrysler-Areal 2007. Da sich das Projekt unter der Bezeichnung DaimlerChrysler-Areal als Marke etabliert hat, wird dieser Begriff hier weiter verwendet.

Blick auf das DaimlerChrysler-Areal vom Süden

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Aus einem 1992 auf Grundlage des Konzepts von Hilmer und Sattler ausgelobten Realisierungswettbewerb gingen die Architekten Renzo Piano und Christoph Kohlbecker als Sieger hervor. Nach ihrem aus dem Wettbewerbsentwurf entwickelten Masterplan bildet eine Piazza, der heutige Marlene-Dietrich-Platz, den Mittelpunkt des Gebietes. Um sie herum gruppieren sich Hotels, eine Spielbank und ein Musicaltheater, Bürogebäude und Wohnungen. Die Piazza ist auch Endpunkt der „Alten Potsdamer Straße“.

Blick in die Alte Potsdamer Straße und auf das Musicaltheater am Marlene-Dietrich-Platz

Ein neues, mit dem Verständnis von öffentlichem Raum im Entwurf von Hilmer und Sattler nicht zu vereinbarendes, aber von Anfang an von den Besuchern sehr gut angenommenes Element bildet die Mall der „Potsdamer Platz-Arcaden“, die auf drei Ebenen ein konzentriertes Angebot an Einzelhandel und Gastronomie enthält. Die einzelnen Gebäude bzw. Blöcke im DaimlerChrysler-Areal wurden von verschiedenen Architekten realisiert. Für die das Wettbewerbsgebiet begrenzenden Gebäude sind dies Hans Kollhoff (Potsdamer Platz 1 / Potsdamer Straße 1), Lauber & Wöhr (Potsdamer Straße 3 und 5), Rafael Moneo (Potsdamer Straße 7) sowie im weiteren Renzo Piano, Arata Isozaki und Richard Rogers.

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Gebäude und Architekten des DaimlerChrysler-Areals

Sony-Center Die nördliche Grenze des Wettbewerbsgebietes bildet das Sony-Center. Der Komplex erstreckt sich auf einem 26.500 Quadratmeter großen dreieckigen Grundstück zwischen Bellevuestraße und Potsdamer Straße und umfasst die Sony-Europa-Zentrale, den 103 Meter hohen Turm der DBZentrale, Wohnungen, Büros, ein Multiplex-Kino und Räumlichkeiten für Unterhaltung und Gastronomie. Das Sony-Center beherbergt auch Berlins Kino-Zentrum: Mit der Film- und Fernsehakademie, der Stiftung Arsenal – Institut für Film und Medienkunst e.V. und dem Kino Arsenal wurden drei bedeutenden Berliner Einrichtungen zum Filmhaus zusammengefasst. Markanter Mittelpunkt und eine herausragende Ingenieursleistung ist das öffentliche Forum, über der die ovale Stahlseil- und Stabskonstruktion zu schweben scheint. Die von Helmut Jahn entworfene Dach-Konstruktion kommt gänzlich ohne Mast aus, an den umstehenden Gebäuden sind mit einem Ring-Anker Stahlseile befestigt, die das zeltartige Dach mit den Gewebebahnen tragen. High Tech kam auch beim Bau

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der "Esplanade Residenz" zum Einsatz: Der 1300 Tonnen schwere, denkmalgeschützte Kaisersaal des ehemaligen Luxushotels Esplanade wurde 1996 wegen der Verbreiterung der Potsdamer Straße um 70 Meter verschoben. Das Investitionsvolumen betrug ca. 750 Mio. Euro. Ein Konsortium aus deutschen und US-Investoren (bestehend aus der US-Investmentbank Morgan Stanley, dem Düsseldorfer Immobilien-Dienstleister Corpus Sireo und dem US-Unternehmen The John Buck Company) erwarb im April 2008 das Areal. Ähnlich wie beim DaimlerChrysler-Areal hat sich der Begriff „Sony-Center“ als Marke etabliert und wird so weiter verwendet.

Luftbild Sony Center, am rechten Bildrand die Potsdamer Straße Der in einem Realisierungswettbewerb im August 1992 prämierte Entwurf von Helmut Jahn stellt in vielen Punkten eine Abkehr vom städtebaulichen Entwurf des Büros Hilmer und Sattler dar. Im Kontrast zum ursprünglichen Konzept ist hier die Konzentration auf ein zentrales überdachtes Forum bestimmend. Auch die Gebäudehöhe geht über die im Grundlagenentwurf vorgesehenen 35 m hinaus. Sie liegt durchgängig bei 39 m, das Hochhaus am Potsdamer Platz hat eine Höhe von 103 m, (die Höhe des korrespondierenden Kollhoff-Hochhauses wurde später angepasst), die Dachkonstruktion der zentralen Halle 70 m. Die Einzelbauten präsentieren sich durch einheitliche Fassadengestaltung und die Anordnung um ein gemeinsames Zentrum als Teile des Ensembles. Der Bebauungsplan II-164 für dieses Areal wurde am 10. Januar 1996 festgesetzt. Das Sony-Projekt ist in der Zeit von 1996-2000 verwirklicht worden.

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Übersichtsplan Sony Center
(1) Sony Professional Center (2) Sony, Sanofi-Synthelabo (3) DeutscheBahn (4) Filmhaus ZOON.COM, webfreetv.com, Billy Wilder´s (5) Sony Style Store, CineStar IMAX, CineStar Original, Alex, Forum Appartements (6) Lindenbräu (7) Sony Music, Corroboree, Le Comptoir (8) Café Josty, Kaisersaal, Esplanade Residence, (9) Passarelle

Die Einzelbauten präsentieren sich durch einheitliche Fassadengestaltung und die Anordnung um ein gemeinsames Zentrum als Teil des Ensembles. Die Sony-Plaza, eine lichtdurchflutete überdachte Arena, bildet den Mittelpunkt des Sony-Centers am Potsdamer Platz. Sie wurde von dem amerikanischen Landschaftsarchitekt Peter Walker gestaltet. Frei von der Formalität eines abgeschlossenen Raumes finden bei natürlicher Belüftung öffentliche Ereignisse und Events auf einer 4.000 m² großen Fläche statt, die sich durch ihr vielfältiges Design vom Duktus der in Berlin üblichen, eher ruhigen Gestaltung des öffentlichen Raums unterscheidet. Daneben gibt es ein breites Angebot an gastronomischen Einrichtungen. Die intensive Frequentierung zeigt, dass die Sony-Plaza auch unter Alltagsbedingungen ein außerordentlicher Anziehungspunkt ist.

Sony Plaza

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Kulturforum Das Berliner Kulturforum liegt direkt am Potsdamer Platz und gehört mit seinen Museen, Konzerthäusern, Bibliotheken und Instituten zu den kulturellen Highlights der Stadt. Das Kulturforum ist ein seit den 60-er Jahren gewachsenes international renommiertes Gebäudeensemble, zu dem unter anderem die weltbekannte Philharmonie und der Kammermusiksaal, die Neue Nationalgalerie und die Neue Staatsbibliothek gehören.

Luftbild Kulturforum

Zum Forum gehören die folgenden Bauten, die sich auf einem ca. 20 ha großen Areal befinden:
St. Matthäus-Kirche (1), Architekt: Stüler Philharmonie (2), Architekt: Scharoun Neue Nationalgalerie (3), Architekt: Mies v.d. Rohe Gemäldegalerie (4), Architekten: Hilmer und Sattler Kupferstichkabinett (5), Architekten: Gutbrod/Hilmer und Sattler Kunstgewerbemuseum (6), Architekt: Gutbrod Neue Staatsbibliothek (7), Architekt: Scharoun Kammermusiksaal (8), Architekt Wisniewski Musikinstrumentenmuseum (9), Architekt: Scharoun Wissenschaftszentrum (10), Architekt: Stirling Villen aus der Gründerzeit: Villa Gontard, Stauffenbergstr. 41 und Parey Villa, Sigismundstr. 4a.

Städtebaulich und landschaftlich steht das Kulturforum für die radikale Alternative der 50-er und 60-er Jahre zum großstädtischen Berlin des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Nach 1945 wurde das Leitbild der Stadtlandschaft neu definiert. Es verstand sich auch als ästhetischer Protest gegen die Monumentalität der NS-Bauten. Die Absage an Axialität und Parallelität und an die vorstädtischen bürgerlichen Eigentums- und Bebauungsformen, Haustypen, Dichte, Platzgestaltung und Landschaftsarchitektur wurde zuerst durch die Idee der „Stadtlandschaft“ von Hans Scharoun und seinem Kollektiv unmittelbar nach dem Kriegsende (1946) für ganz Berlin formuliert ( Kollektivplan). Scharoun sah eine Transformation des „steinernen Berlin“ in eine offene Stadtlandschaft vor. Diese radikale Überplanung und der damit zum Ausdruck kommende Neuanfang sind nur verständlich, wenn man sich die ausgeglühte Berliner Trümmerlandschaft nach dem Zweiten Weltkrieg vor Augen führt. Aus heutiger Sicht stellt sich die Frage, ob das Kulturforum -

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Ensemble auf der Grundlage der Scharounschen Idee weiterentwickelt werden sollte. Die Kontroverse liegt in der Kombination aus herausragenden Einzelarchitekturen und den undefinierten und schlecht vernetzten Freiräumen, die aufgrund vieler Abweichungen vom Scharounschen Masterplan unspezifiziert und isoliert wirken. Mit der Öffnung der Mauer und der Wiedervereinigung Berlins änderte sich die Situation im Bereich des Kulturforums grundlegend. Die hoch verdichtete Bebauung des Potsdamer/Leipziger Platzes, die Neuorientierung im Bereich des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) zum Verkehrsknoten Potsdamer Platz und der Straßenplanung im Bereich der Innenstadt, sowie die neue Einbindung des Kulturforums in eine Raumabfolge zwischen der gründerzeitlichen City West und der baulichen Struktur der historischen Mitte änderten das Bezugssystem für das Kulturforum entscheidend. 1996 nahm die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die Arbeit am Planwerk Innenstadt auf, welches auch den Bereich des Kulturforums einschließt. In der "Planungswerkstatt Kulturforum" wurden Vorschläge für die zukünftige Entwicklung des wieder in das Stadtzentrum gerückten Ortes entwickelt. Das Freihalten der Mitte und eine behutsame Nachverdichtung an den Rändern, das Herausnehmen von überflüssigen Straßen und Parkplätzen und die Beibehaltung der Sichtbeziehungen zwischen den architektonischen Solitären wurden als städtebauliche Grundsätze erarbeitet. Alle Parkplätze sollten unterirdisch bereitgestellt werden. Die Innenfläche des Kulturforums war als ein "grüner Teppich" geplant, dessen räumliche Struktur – zusätzlich zu den landschatsarchitektonischen Maßnahmen – durch kleinere Follies oder Skulpturen als Kunstgarten ergänzt werden sollte. Entsprechend den veränderten Besucherströmen sollte die Philharmonie zusätzlich einen östlichen Eingang erhalten. Scharouns architektonischer Entwurf der Philharmonie setzte keinen hierarchischen Bezug auf einen Haupteingang, sondern ermöglicht mehrere gleichwertige Eingänge in das Gebäude.

Christoph und Donata Valentien, Weßling, 1. Preis beim landschaftsplanerischen Ideen- und Realisierungswettbewerb 1998

1997 lobte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung den landschaftsplanerischen Ideen- und Realisierungswettbewerb Kulturforum aus. Der

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1. Preis ging an die Landschaftsarchitekten: Valentien + Valentien, Weßling in Zusammenarbeit mit den Architekten Hilmer & Sattler, München. Da aufgrund der fehlenden Mittel und politischen Konsensus 1998 nur ein Teil des Konzeptes von Hilmer & Sattler und Valentien + Valentien auf dem Kulturforum umgesetzt werden konnte, bestehen nach wie vor Defizite im Erscheinungsbild und im Serviceangebot. Um das Kulturforum aus seiner derzeitigen städteräumlichen Isolation zu befreien, müsste es mit dem umliegenden Tiergarten und dem Potsdamer Platz fußgängerfreundlich vernetzt werden. Hierzu könnte ein Zugang zur Staatsbibliothek vom Marlene-Dietrich-Platz, die Neugestaltung des Zugangs zur Philharmonie und zum Kammermusiksaal aus Richtung Osten sowie die landschaftsarchitektonische Verbesserung der Übergänge des Kulturforums zum südlichen Tiergarten beitragen. Der Masterplan von 2005 sieht die Ergänzung mit weiteren kulturellen Nutzungen sowie besonderen Wohnformen, Büros, erdgeschossigen Galerien, Läden, Restaurants und Cafés, welche in ihrer baulichen Form wie in ihrer Höhe den vorhanden Kulturbauten untergeordnet werden, vor.

Masterplan, Stand Senatsbeschluss vom 26. April 2005, Blick von Osten, Fotomontage

Des Weiteren ist es notwendig, den Zielkonflikt zwischen fließendem Verkehr, Parkplätzen und dem Anspruch der Fußgänger zu lösen. Dazu wird vorgeschlagen, auf den größten Teil der oberirdischen Parkplätze, sowie auf die Scharounstraße zugunsten eines zusammenhängenden Freiraumes zu verzichten. Die aktuellen Vorschläge zum Masterplan umfassen mehrere Veränderungen im Straßennetz und in der Abwicklung des ÖPNV und des ruhenden Verkehrs. Zur Beschlussfassung über den Masterplan zur Weiterentwicklung des Kulturforums siehe: http://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/staedtebauprojekte/kulturforum/downloads/beschlussvorlage_kulturforum.pdf Zurzeit wird die Aktualisierung des prämierten Entwurfes von Valentien + Valentien, unter Berücksichtungen des Masterplanes, in Rahmen einer gutachterlichen Überarbeitung untersucht. Außerdem soll zur Gestaltung des „T4“-Grundstücks in der Tiergartenstraße 4 ein künstlerischer Wettbewerb in absehbarer Zeit stattfinden. Dort stand das Haus, wo in der

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NS-Zeit unter der Bezeichnung „Aktion T4“ ganz unterschiedliche Menschen, denen gemeinsam war, dass sie gemäß der NS-Rassen- und Volksgemeinschaftsideologie als minderwertig oder unerwünscht galten zum Tode verurteilt wurden. Das Areal soll sowohl ein Gedenk- als auch ein Dokumentationsort werden.

2.4 Deutsche Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen
Der Ort Die Deutsche Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen befindet sich am Potsdamer Platz, im Sony-Center. Ebenfalls am Potsdamer Platz, direkt gegenüber dem Filmhaus und mit ihm eng verbunden: die Internationalen Filmfestspiele Berlin. Alljährlich richtet die Deutsche Kinemathek während der Berlinale gemeinsam mit den Internationalen Filmfestspielen die „Retrospektive“ aus. Das Filmhaus Das Filmhaus im Sony-Center am Potsdamer Platz vereinigt unter einem Dach lauter „Verbündete“ der Deutschen Kinemathek: - die Deutsche Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen. Im Jahr 2000 wurde das Filmmuseum eröffnet, 2006 erweiterte sich die Sammlung um Exponate zur Fernsehgeschichte und somit beherbergt das Filmhaus heute die beiden ständigen Ausstellungen. Ein umfangreiches Filmarchiv, zahlreiche Sammlungen aus Nachlässen von Stars wie Marlene Dietrich und Heinz Rühmann und Deutschlands bedeutendste Sammlung an Drehbüchern sowie Manuskripte von herausragenden Fernsehautoren wie Wolfgang Menge und Herbert Reinecker zählen zu den „Schätzen“ des Museums. Die Bibliothek besitzt eine umfangreiche Sammlung an Literatur zu Film, Fernsehen und Medien. - die Deutsche Film- und Fernsehakademie, deren Absolventen auch den Nachwuchs für das Kino und das Fernsehen stellen und die programmatische Arbeit der Deutschen Kinemathek als „junge, kritische Masse“ begleiten; - das Internationale Forum des Jungen Films, jedes Jahr während der Berlinale eine große Bühne für Regisseure, Schauspieler, Autoren und Kameraleute aus aller Welt; - die Arsenal – Institut für Film und Medienkunst e.V. mit zwei perfekt ausgestatteten Programmkinos (Arsenal).

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Das Filmhaus im Sony-Center in der Potsdamer Straße 2

„Bilder des Films“ im Filmhaus

Seit Januar 2004 wird die Stiftung Deutsche Kinemathek als nationale Einrichtung ausschließlich von der Bundesrepublik Deutschland finanziert.

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2.5

Die Internationalen Filmfestspiele Berlin

Die Internationalen Filmfestspiele Berlin (Berlinale) sind ein jährlich in Berlin stattfindendes Filmfestival und gelten als eines der weltweit bedeutendsten Ereignisse der Filmbranche. Die im Wettbewerb erfolgreichen Filme werden von einer internationalen Jury mit dem begehrten Goldenen und Silbernen Bären ausgezeichnet. Jedes Jahr ist Berlin für zwei Wochen im Februar ganz auf Berlinale eingestellt: In 14 Spielstätten werden ca. 400 Filme zu den sieben Sektionen: Wettbewerb, Panorama, Forum, Generation, Perspektive Deutsches Kino, Berlinale Shorts und Retrospektive gezeigt.

Berlinale Palast im Februar 2008

Der Sitz der Internationalen Filmfestspielen befindet sich gegenüber dem Filmhaus in der Potsdamer Straße 5. Die in die Berlinale integrierte Filmmesse European Film Market (EFM), hat sich zu einem der wichtigsten Business-Events in der internationalen Filmbranche entwickelt. Berlinale und EFM, Festival und Filmmarkt, bilden gemeinsam ein einzigartiges Netzwerk formeller und informeller Verbindungen. Weitere wesentliche Aktivitäten sind der Berlinale Talent Campus, der ein breites Netzwerk kreativer Partner ermöglicht und der von der Kulturstiftung des Bundes initiierte World Cinema Fund (WCF), dessen Ziel die Unterstützung der Filmgeschäfte in strukturell benachteiligten Ländern ist.

Stars der Berlinale und der begehrte Preis der Berlinale: der Goldene Bär

Künstler aus aller Welt zieht es nach Berlin. Eine differenzierte Kinolandschaft, eine kritische Öffentlichkeit und ein vielschichtiges Publikum

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zeichnen die Stadt aus. Nicht zuletzt hat Berlin die Fantasie zahlloser Filmemacher beschäftigt: immer wieder diente die Stadt als Kulisse großer Leinwandszenarien - nicht selten avancierte sie zur heimlichen Protagonistin. Die Internationalen Filmfestspiele Berlin sind nicht nur ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Stadt, sondern selbst ein ganzjähriger Geschäftsbetrieb.

2.6

Das Wettbewerbsgebiet

Potsdamer Straße Die Potsdamer Straße ist eine der wichtigen Arterien der Stadt, die in Verlängerung der Leipziger Straße das Zentrum mit dem Westen Berlins verbindet. Die Potsdamer Straße im Bereich des Wettbewerbsgebietes ist nach dem Konzept von Hilmer und Sattler als ein großzügiger Boulevard mit 3spurigen Fahrbahnen in beiden Fahrtrichtungen, einem 12 m breitem Mittelstreifen, und einer 4-reihigen Lindenbaumreihe, (ähnlich dem Kurfürstendamm und Unter den Linden) angelegt. Die Bäume sind jedoch noch zu klein um den Raum angemessen zu gliedern und zu prägen.

Schematische Darstellung des Straßenprofils Potsdamer Straße

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Die Potsdamer Straße hat im Bereich des Wettbewerbsgebietes ein Straßenraumprofil von 51,5 m, das folgendermaßen symmetrisch gliedert ist: Gehweg Nord (Sony) 10,60 m Nordfahrbahn 9,00 m Mittelstreifen 12,30 m Südfahrbahn 9,00 m Gehweg Süd (DaimlerChrysler) 10,60 m

Mittelstreifen: Der Mittelstreifen ist ca. 312 m lang. Im östlichen Teil (am Potsdamer Platz) verläuft die Markierung der ehemaligen Berliner Mauer mittels Steinpflaster (Foto p02.jpg). Des Weiteren befinden sich dort 2 große Lichtmasten, ausgestattet mit Gebäudeflutern (Fotos p02.jpg, 04.jpg, 06.jpg), 9 Gullydeckel und 2 Revisionsschächte, eingefasst mit GranitKleinpflaster (Foto 11.jpg) und eine fest eingebaute Litfasssäule (Modell City Light Säule) der Firma Wall AG (Foto 12.jpg). Eine weitere Litfasssäule befindet vor der Kreuzung mit Ben-Gurion-Straße (Foto 37.jpg). Hierzu besteht ein langfristiger Vertrag zwischen der Firma Wall AG und der Stadt Berlin. Im weiterem Verlauf nach Westen befinden sich 12 fest eingebaute Sitzbänke (Modell Mayo 296 der Firma Escofet (Fotos 13.jpg und 14.jpg), welche mit Granit-Kleinpflaster eingefasst sind. 2 Baumreihen aus 31 Linden (Fotos 16.jpg und 17.jpg) und 22 Straßenleuchten Syfayette der Firma Siteco (Foto 12.jpg) markieren den Mittelstreifen nach Norden und nach Süden zu den Fahrbahnen. Die Promenadenbefestigung (wassergebundene Decke) besteht aus 3 cm Tennedeckschicht, 0,5 cm Diabassand und 10 cm Tragschicht und ist eingefasst mit einem Granitbord (Typ H 15x30 cm, hell zweischichtig). Der Baumbereich ist 2 m breit und hat 5% Gefälle, die Baumscheiben sind 2,25x4,00 m groß und nicht sichtbar aufgrund der Betonkastensteine (80x250 cm),die als verdeckte Baumscheibeneinfassung eingesetzt wurden.

Schemaschnitt Mittelstreifen Potsdamer Straße

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Schemagrundriss Mittelstreifen Potsdamer Straße

Die beiden Fahrbahnen weisen eine Asphaltdecke auf und sind dreistreifig aufgeteilt, wovon der äußere Streifen jeweils als Busstreifen, (bzw. als Rechtsabbiegespur zur Ben-Gurion-Straße) ausgewiesen ist. Vor den Kreuzungen ist eine Fahrbahnaufweitung in den Mittelstreifen für eine Linksabbiegespur in die Eichhornstraße und eine in die Ebertstraße angelegt.

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Der Mittelstreifen wird während der Berlinale temporär für Werbezwecke in Anspruch genommen. Dort werden 21 Berlinale-Vitrinen für Werbeplakate mit der Größe 120x175cm und 2 Berlinale Board für Plakate mit der Größe 370x260cm aufgestellt. Der Vertrag mit der Firma Wall AG besteht bis 2025. Siehe dazu auch Teil 3.3.und Teil 4.3 der Auslobung.

Mittelstreifen während der Berlinale 2009

Leitungen, unterirdische Verkehrsanlagen Unterhalb des Mittelstreifens befinden sich in einer Tiefenlage von 50 cm Lehrrohrleitungen, sowie Tunnelbauten für die S- und U-Bahn (siehe Planunterlagen). Teile des Tunnels einer geplanten U-Bahn von Alexanderplatz in die City-West (U-3) sind als Vorhaltungsbauwerk bereits im Zuge des Baus der Bahnanlagen unter dem Potsdamer Platz mit errichtet worden. Eine Treppenanlage wird die Verbindung zwischen Mittelstreifen, bzw. Haltestelle der Straßenbahn und der U-Bahnstation gewährleisten. Die Tunnelanlagen liegen im Bereich des Potsdamer Platzes und des Einmündungsbereichs der Potsdamer Straße unmittelbar unter den Platzbzw. Fahrbahnflächen und weisen hier eine minimale Überdeckung von teilweise nur 30 cm auf. Nach Westen hin erreicht der Tunnel der geplanten U-3 eine größere Tiefe und hat am westlichen Ende des Wettbewerbsgebietes bereits eine Überdeckung von ca. 6,4 m.

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Mittelstreifen mit Straßenbahn Mittelfristig ist der Bau einer Straßenbahn vom Alexanderplatz zum Kulturforum geplant. Die Planung von 2001 sieht eine Haltestelle Potsdamer Platz im Mittelstreifen der Potsdamer Straße vor. Nach dieser Planung ist der anschließenden Abschnitt zum Potsdamer Platz hin befestigt, während der Abschnitt zum Kulturforum hin als Rasengleis ausgebildet ist. Diese Gestaltung der Oberfläche ist aber noch disponabel.

Schemaschnitt Straßenbahn im Haltestellenbereich

Schemaschnitt Straßenbahn mit Rasengleis

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Schema Straßenbahntrasse, Planungstand 2001

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Gehwegbereiche Die beiden Gehwegbereiche, weisen folgende Aufteilung und Ausstattung auf (Fahrbahn → Gebäude): • Granitbord 18x30 cm • Sicherheitsstreifen 1 m Breite mit Mosaikpflaster Granit 5x5 cm • Radweg 1,5 m Breite mit zweischichtigen, rot eingefärbten Gehwegplatten 35x35x5 cm aus Beton mit ungeschliffener Oberfläche, diagonal verlegt • Baumstreifen 2,5 m Breite mit Mosaikpflaster Granit 5x5 cm. Die Baumscheiben (4x2,5 m) sind mit Großpflastersteinen eingefasst. • Gehbahn 3,5 m Breite mit zweischichtigen grauen Gehwegplatten 35x35x5 cm aus Beton mit geschliffener Oberfläche, diagonal verlegt. An den Querungspunkten der einmündenden Straßen sind Sinusrillenplatten als Orientierungshilfe für Blinde und Sehbehinderte vorhanden. • Oberstreifen 2,10 m Breite mit Mosaikpflaster Granit 5x5 cm. In den Oberstreifen sind Streifen bzw. Felder aus Edelstahl eingefügt, die einen Bezug zur Oberflächengestaltung der Sony-Plaza herstellen. Östlich des mittleren Fußgängerübergangs bzw. der Einmündung der Varian-Fry-Straße erfordern beidseitig angeordnete Bushaltestellen sowie, daran anschließend, die Arkadierung der Hochhäuser Potsdamer Platz 1 und 2 ein Abweichen von diesem Regelprofil der Gehwegbereiche.

Regelprofil nördlicher Gehwegbereich Potsdamer Straße M 1:100

Die Gehwegbereiche im Wettbewerbsgebiet weisen eine hohe Passantenfrequenz auf, insbesondere im Bereich der Zugänge zur Sony-Plaza

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und der Fußgängerüberquerung zum DaimlerChrysler-Areal. Nach Westen hin nimmt die Passantenfrequenz ab. Darüber hinaus sind die Flächen mit zahlreichen Nutzungen und Ausstattungselementen belegt. Im Schutzstreifen sind Verkehrsschilder, auf jeder Straßenseite je 5 temporäre Werbeanlagen für bedeutsame kulturelle Events, Ampelmasten und (im hierfür aufgeweiteten Bereich) die Wartezonen der BVGBushaltestellen angeordnet. In den Wartezonen auf beiden Seiten der Potsdamer Straße befinden sich je 2 Stadtinformationsanlagen mit Internetanschluss, die s.g. bluespots der Firma Wall AG. Im Baumstreifen befinden sich auf jeder Gehwegseite je 8 Lichtmasten der Straßenbeleuchtung (Straßenansatzleuchten der Firma Siteco, Modell SQ200 mit Planglas, und Ausleger 0,8 m, HST 250W), Fahnenmasten, Telefonsäulen, Schaltkästen und Fahrradständer (Kreuzberger Bügel). In erheblichem Umfang wird der Baumstreifen auch als Abstellfläche für weitere Fahrräder, Motorräder und andere temporäre Nutzungen in Anspruch genommen. Im Oberstreifen finden sich Ausstattungen, die in erster Linie in Zusammenhang mit der Nutzung der Gebäude stehen, wie z.B. Pflanzenbehälter und Werbeträger. Im Bereich der Gebäude Potsdamer Straße 1 und 2 sind von den dort im Erdgeschoss angesiedelten gastronomischen Betrieben Schankbereiche im Freien eingerichtet, die nicht nur den Oberstreifen belegen, sondern teilweise auch in die Gehbahn hineinragen. Der gesamte Gehwegbereich hat ein Seitengefälle von 2,5% zur Fahrbahn. Leitungen, unterirdische Verkehrsanlagen Unterhalb der Gehwegbereiche befinden sich in einer Tiefenlage ab 1 m Leitungstrassen verschiedener Medien (siehe Planunterlagen).

2.7

Planungsrecht

Die Potsdamer Straße ist im koordinierenden Bebauungsplan II-B 5 als Straßenverkehrsfläche ohne weitere Funktionszuweisungen festgesetzt.

Zur Installation der in diesem Wettbewerb zu entwickelnden Elemente ist die Erteilung einer Genehmigung für eine dauerhafte Sondernutzung des Gehweges durch das Bezirksamt Mitte erforderlich. Bei baulichen Maßnahmen im Bereich von Geh- und Radwegen sind die „Ausführungsvorschriften zu § 7 des Berliner Straßengesetzes über Geh- und Radwege“ vom 11. Dezember 1998 zu Grunde zu legen (siehe www.stadtentwicklung.berlin.de/aktuell/wettbewerbe/grundlagen). Insbesondere ist zu beachten, dass Einbauten mit ihrer Oberfläche, die eine ausreichende Rauhigkeit aufweisen muss, genau in der Ebene der Gehund Radwege liegen.

Boulevard der Stars / Teil 3 Wettbewerbsaufgabe

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Teil 3 Wettbewerbsaufgabe 3.1 Allgemeine Zielsetzung
Nur wenige Meter vom Potsdamer Platz entfernt, zwischen der Deutschen Kinemathek – Museum für Film- und Fernsehen und dem Sitz der Internationalen Filmfestspiele Berlin, soll in der Potsdamer Straße der Boulevard der Stars entstehen, dessen Gestaltung Gegenstand des Wettbewerbs ist. Der Boulevard der Stars soll jene Persönlichkeiten ehren, die sich in Vergangenheit und Gegenwart um den deutschen Film und das deutsche Fernsehen verdient gemacht haben. Dazu gehören neben Schauspielern ebenso Produzenten, Regisseure und Autoren wie Kameraleute, Filmarchitekten, Komponisten, etc. Entwurflich mit zu berücksichtigen sind Werbeanlagen, die jedes Jahr während der Berlinale zeitlich begrenzt (Januar/ Februar) installiert werden, um auf dieses Festival hinzuweisen sowie an den Endpunkten ein Informationssystem für die kulturellen Einrichtungen im Umfeld, insbesondere des Kulturforums. Nicht zuletzt soll der Wettbewerb dazu dienen, den Mittelstreifen der Potsdamer Straße in diesem Abschnitt als öffentlichen Raum und Verbindung zwischen dem Potsdamer Platz und dem Kulturforum sowie zwischen dem DaimlerChrysler-Areal und dem Sony-Center zu qualifizieren.

3.2

Boulevard der Stars

Der Boulevard der Stars ist ein kontinuierlich wachsendes Kunstwerk. Gefordert wird demnach ein künstlerisches Konzept, dessen Bestandteile über einen längeren Zeitraum erweiterbar sind. Zunächst ist der Boulevard der Stars in den als Wettbewerbsgebiet definierten Bereichen der Potsdamer Straße lokalisiert. Zur Verfügung stehen die seitlichen Gehwege und bis zum Einbau der Straßenbahntrasse der gesamte Mittelstreifen. Langfristig – wenn die Kapazität des ersten Abschnitts einmal erschöpft sein sollte – könnte er eine Fortsetzung in angrenzenden Seitenstraßen oder der Potsdamer Straße im Kulturforum finden. Im ersten Jahr sind ca. 40 Ehrungen vorgesehen, für die Folgejahre wird angestrebt, jeweils mindestens zehn weitere Ehrungen vorzunehmen. Der Wettbewerb dient dem Ziel, ein künstlerisches Konzept zu entwickeln, das nicht nur für die ersten ca. 40 zu ehrenden Personen gilt. Gesucht wird vielmehr ein serielles Konzept, das über Jahre hinweg angewendet werden kann und sich auf alle Gewerke von Film und Fernsehen übertragen lässt. Die Auswahl der Geehrten wird einmal im Jahr einer unabhängigen Jury obliegen. Beispielhaft – ohne der Jury vorgreifen zu wollen – werden hier lediglich die Namen Max Skladanowsky als Pionier der Frühzeit, Marlene Dietrich als Exilantin und Wim Wenders als herausragender zeitgenössischer Regisseur genannt. Der Boulevard der Stars soll sich deutlich vom Hollywood „Walk of Fame“ und anderen, bereits existierenden „Walks of Fame“ abgrenzen (siehe Anhang 4.1). Folglich sollte sich der künstlerische Entwurf für die Ele-

Boulevard der Stars / Teil 3 Wettbewerbsaufgabe

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mente dezidiert von den bekannten Sternen des Hollywood „Walk of Fame“ unterscheiden und eine innovative Lösung in Form und Gestaltung anbieten.

Die Elemente sollen sich jeweils auf einzelne Personen – lebende wie verstorbene Protagonisten von Film und Fernsehen –beziehen. Der Name des zu Ehrenden sowie seine Lebensdaten sind in die Gestaltung zu integrieren. Des weiteren kann das Gewerk (z.B. Kameramann) berücksichtigt werden. Es ist den Wettbewerbsteilnehmern freigestellt, ob dies durch Schrift oder durch Signets erfolgt. Die Elemente können dreidimensionale Objekte oder bündig in den Boden eingelassene Elemente sein. Da es sich hier um öffentliches Straßenland handelt, ist von „Stolperfallen“, das heißt, von geringfügigen Erhebungen bzw. Vertiefungen im Boden, die von Fußgängern nicht eindeutig wahrgenommen werden, abzusehen. Bei Bodenplatten ist ferner auf eine ausreichende Rauigkeit zur Vermeidung von Rutschgefahr zu achten. Das gewählte Material muss dauerhaft und vandalismusresistent sein. Auch Aspekte der Reinigung und des Unterhalts sind zu beachten. Eine Hierarchisierung der zu Ehrenden durch das Konzept ist unbedingt zu vermeiden. Deshalb liegt es nahe, mit Elementen gleicher Größe zu arbeiten. Darüber hinaus soll die Anordnung der Elemente im öffentlichen Raum nicht getrennt nach Gewerken des Films und Fernsehens erfolgen (also nicht: ein Bereich für die Schauspieler, ein anderer für die Filmarchitekten). Auch unter anderen thematischen Aspekten (z.B. nach Sparten, Epochen) ist eine Cluster-Bildung der Elemente nicht im Sinne des Auslobers. Die Anordnung der Elemente als Muster im Raum unterliegt damit ausschließlich gestalterisch-künstlerischen Kriterien. So wie der Entwurf des Prototyps eines Elements zur Ehrung der Filmund Fernsehschaffenden den Kern der Wettbewerbsaufgabe darstellt, bildet die Summe der seriellen Elemente das Grundgerüst des Boulevard der Stars. Gleichwohl geht der Auslober aus verschiedenen Gründen davon aus, dass dieses Element mit begrenztem technischen und finanziellen Aufwand hergestellt und installiert werden kann. Das betrifft zum einen die später zu erwartende Inanspruchnahme wesentlicher Flächen des Mittelstreifens durch die Straßenbahn. In diesem Fall müssen die Elemente mit geringem Aufwand verlagert werden können, sofern sie überhaupt zunächst dort platziert werden. In den Gehwegbereichen müssen die Elemente für Reparatur- und Wartungsarbeiten an den darunter liegenden Leitungen unkompliziert entfernt werden können. Außerdem ist nur mit unaufwendigen Elementen gewährleistet, das der Boulevard der Stars – finanziert durch privates Sponsoring - Jahr für Jahr weiter wachsen kann. Aus dieser Beschränkung heraus sind die Wettbewerbsteilnehmer aufgefordert, Vorschläge zu entwickeln, wie gezielt mit wenigen zusätzlichen Installationen (Sonderelemente, Terminals etc.) die nachfolgend aufgeführten Ansprüche erfüllt werden können: Der Boulevard der Stars könnte in exponierter Position wie z.B. seinen Enden ein besonderes Element umfassen, das als Zeichen den Sinn der Gesamtinstallation signalisiert und verkörpert. Dieses Element kann in

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der Potsdamer- und Leipziger Straße eine weiträumige Wirkung entfalten, die Wahrnehmbarkeit des Boulevard der Stars unterstreichen und auch eine Leitwirkung zwischen dem Potsdamer Platz und dem Kulturforum erzielen. Zu bedenken ist allerdings, dass im Falle des Baus der Straßenbahn dieser Element bei einem Standort im Trassenbereich verlagert werden müsste. Es sollte deshalb nicht in der Mittelachse angeordnet werden. Es ist auch darauf hinzuweisen, dass die Tragfähigkeit über den Tunnelanlagen am Potsdamer Platz begrenzt ist. Der Boulevard der Stars sollte nicht nur bei Tag, sondern auch bei Dunkelheit, der Zeit der Kinogänger, erlebbar sein. Die Verwendung von Licht ist daher, auch als Medium das dem Film eigen ist, möglich. Auch virtuelle Lösungen sind grundsätzlich zulässig. Wegen des zu erwartenden hohen Betriebs- und Unterhaltungsaufwandes geht der Auslober allerdings davon aus, dass sich der Einsatz dieser Mittel auf wenige Sonderelemente beschränkt und bei den Ehrungselementen keine Verwendung findet. Bei Konzepten, die mit Licht und virtuellen Darstellungen arbeiten, ist dafür Sorge zu tragen, dass Beeinträchtigungen des benachbarten Straßenverkehrs durch Blend- oder Irritationswirkung vermieden werden. Die Deutsche Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen im SonyCenter sowie der Sitz der Internationalen Filmfestspiele Berlin im DaimlerChrysler-Areal bilden den Bezugspunkt für den Boulevard der Stars. Der Bezug vom Boulevard der Stars zu diesen beiden Einrichtungen sollte in der Gesamtinstallation erkennbar sein. Im Idealfall würde der Passant durch den Boulevard der Stars animiert, das Museum für Film und Fernsehen aufzusuchen und dort tief in die Welt des Films einzutauchen. Davon ist im Regelfall jedoch nicht auszugehen. Zwischen den beiden Polen der minimalen Informationen auf den Ehrungselementen (Name, Lebensdaten) und dem breiten Informationsangebot im Museum für Film und Fernsehen soll der Boulevard der Stars daher auf einer mittleren Ebene einen Vermittlungsauftrag als Informations- und Lernort erfüllen, beispielsweise mit weiterführenden Informationen zu den Geehrten, temporären Einspielungen zur Berlinale und zum Museum für Film und Fernsehen etc. An wenigen Orten der Gesamtinstallation konzentriert sollen hierzu Angebote geschaffen werden. Diese sollen die Möglichkeit wechselnder Programmierung bieten und ein generationenübergreifendes Publikum ansprechen. In diesem Sinne sind interaktive Lösungen, die über einen spielerischen Umgang auch ein jüngeres Publikum anziehen, erwünscht. Es ist ein Konzept zu erarbeiten, das das gesamte Wettbewerbsgebiet umfasst. In jedem Fall legt der Auslober großen Wert darauf, dass die Installation bereits in der ersten Ausbaustufe Wirkung entfaltet und als Boulevard der Stars verstanden werden kann. Das Spektrum der Konzepte für die Erstinstallation mit ca. 40 Elementen reicht von Lösungen, welche die gesamte Fläche des Wettbewerbsgebietes von Anfang an einnehmen und in der Folgezeit ein sich verdichtendes Muster ergeben bis zu Konzepten, die von einem Kernbereich ausgehen, der sich sukzessive räumlich ausdehnt.

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3.3

Temporäre Berlinale-Werbung

Jedes Jahr werden anlässlich der Berlinale auf dem Mittelstreifen der Potsdamer Straße zwischen Potsdamer Platz und Neuer Nationalgalerie im Kulturforum Werbetafeln der Firma Wall installiert, mit denen die Passanten und Autofahrer auf das Programm der benachbarten Internationalen Filmfestspiele aufmerksam gemacht werden (siehe Beschreibung unter 4.3). Auch nach der Realisierung des Boulevard der Stars müssen die Werbeanlagen während der Berlinale wieder im vorhandenen Umfang im Wettbewerbsgebiet aufgestellt werden können. Die Standorte der Anlagen können verändert werden, jedoch ist eine gute Wahrnehmbarkeit der Werbeflächen zu gewährleisten. Es ist weiterhin von einer Querausrichtung der Werbeflächen zu den Fahrbahnen und einer gleichmäßigen Verteilung über das Wettbewerbsgebiet auszugehen. Die beiden großen City–Light–Boards im Mittelstreifen sind an den Enden des Wettbewerbsgebietes zum Potsdamer Platz und zum Kulturforum hin anzuordnen. Bei einer Neupositionierung der Werbeanlagen ist die Versorgung mit Strom und für die City-Light-Boards zusätzlich die erforderliche Fundamentierung zu berücksichtigen. Bei den kleinen Werbeanlagen ist von einer künftigen Verwendung der Werbetafeln der neuesten Generation mit Wechseltechnik auszugehen, für deren Aufstellung keine spezielle Fundamentierung mehr erforderlich ist. Für die City-Light-Boards steht anstelle des nach Auffassung des Auslobers nicht mehr zeitgemäßen Berlinale-Modells auch eine neu entwickelte Ausführung der Firma Wall zur Verfügung. Alternativ können die Teilnehmer selbst ein City-Light Board entwerfen, um ggf. eine gestalterisch schlüssige Gesamtlösung gemeinsam mit Sonderelementen des Boulevard der Stars (siehe 3.2) und/ oder dem unter 3.4 beschriebenen Informationssystem zu erreichen Dabei sind die technischen Rahmenbedingungen für die City-LightBoards einzuhalten.

3.4 Informationssystem für Kulturforum und andere kulturelle Einrichtungen
Zusätzlich zu den aufgeführten Ausstattungselementen ist beabsichtigt, ein Informationssystem zu entwickeln, das auf die hochrangigen kulturellen Standorte im Umfeld des Boulevard der Stars, also die Einrichtungen des Kulturforums (Philharmonie, Gemäldegalerie, Neue Nationalgalerie etc.) aber auch z.B. den Martin-Gropius-Bau hinweist und über deren aktuelle Veranstaltungsprogramme informiert. Hierzu können von den Teilnehmern erste Vorschläge erarbeitet werden. Die Art der Informationsvermittlung ist freigestellt. Eine detaillierte Ausarbeitung zu dem Informationssystem ist im Anschluss an diesen Wettbewerb vorgesehen. In dem Sinne, dass die Potsdamer Straße in dem Abschnitt zwischen Potsdamer Platz und Kulturforum ein für den Boulevard der Stars exklusiver, aber gleichwohl vernetzter Raum sein wird, soll sich das Informationssystem in die Gesamtsituation einfügen, aber zugleich deutlich machen, dass es nicht thematischer Bestandteil des Boulevards der Stars ist. Für das Informationssystem der kulturellen Einrichtungen ist im Wettbe-

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werbsgebiet jeweils ein gut wahrnehmbarer Standort am Potsdamer Platz sowie am Kulturforum vorzuschlagen.

3.5

Freiraumgestaltung/ Ausstattungselemente

3.5.1 Aussagen zum gesamten Straßenraum
Den Handlungsrahmen für die Installationen des Boulevard der Stars bilden die vorhandenen Bordsteine des Mittelstreifens und der Gehwege, die in ihrer Lage und Höhe nicht disponibel sind. Die Fahrbahnflächen stehen für gestalterische Interventionen nicht zur Verfügung. Folgende Ausstattungselemente der Potsdamer Straße sind als Festpunkte für die Planung zu betrachten: • die Standorte und Masten der Friedrichstadtleuchten (deren Leuchtenköpfe sollen in absehbarer Zeit ausgetauscht werden); des weiteren die hohen Ansatzleuchten zur Platzbeleuchtung und Gebäudeanleuchtung • die vorhandenen Bäume, die in einem späteren Aufwuchsstadium den Charakter der Potsdamer Straße als Allee prägen sollen; • die Lage der Fußgängerquerungen am Potsdamer Platz, an der Varian-Fry-Straße und an der Ben-Gurion-Straße/ Eichhornstraße einschließlich der Lichtsignalanlagen und der Rillenplatten für Blinde und Sehbehinderte. Am Potsdamer Platz ist der Verlauf der Grenzmauer der Berliner Mauer durch eine doppelte Reihe von großen Pflastersteinen im Boden gekennzeichnet. Eine Überlagerung dieser Geschichtsspur mit dem Boulevard der Stars ist nicht erwünscht. Alle im Rahmen des Wettbewerbsentwurfs vorgenommenen Installationen - des Boulevard der Stars wie auch der übrigen Ausstattungselemente im öffentlichen Raum - sollen nicht zu einer Beeinträchtigung der Sichtbeziehung zwischen Potsdamer Platz und Kulturforum einerseits und DaimlerChrysler-Areal und Sony-Center andererseits führen. Hinsichtlich der zu beachtenden baulichen Standards einschließlich des Aspektes der Barrierefreiheit wird auf die „Ausführungsvorschriften zu § 7 des Berliner Straßengesetzes über Geh- und Radwege“ (siehe www.stadtentwicklung.berlin.de/aktuell/wettbewerbe/grundlagen) verwiesen.

3.5.2 Mittelstreifen
Obwohl der Mittelstreifen der Potsdamer Straße im Jahre 2005 bereits umgestaltet worden ist, weist er trotzdem immer noch ein erhebliches Potential zur funktionalen und gestalterischen Qualifizierung des öffentlichen Raumes auf. Insbesondere bietet er die Chance, die Verknüpfung zwischen dem Potsdamer Platz und dem Kulturforum zu stärken. Hierin liegt einer von verschiedenen notwendigen Ansätzen, der dazu beitragen kann, das Kulturforum aus seiner isolierten Lage zu befreien. Ein als Fußgängerverbindung und mit der Attraktion des Boulevard der Stars aufgewerteter Mittelstreifen könnte zudem der Entlastung der seitlichen

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Gehwege der Potsdamer Straße dienen, die in diesem Brennpunkt des “Neuen Berlin” stark frequentiert sind. Daneben könnte eine Umgestaltung des Mittelstreifens den Komfort der zahlreichen Passanten verbessern, die die Potsdamer Straße in diesem Bereich – nicht nur an den hierfür vorgesehenen Übergängen – überqueren. Der Tennenbelag (wassergebundene Decke) kann durch einen andersartigen Belag ersetzt werden, der einer intensiven Inanspruchnahme zu allen Jahreszeiten besser gerecht wird. In diesem Falle ist eine Anpassung des Entwässerungssystems vorzunehmen. Von einer Höhenmodulierung der Fläche ist abzusehen. Als Festpunkte für die Planung zu betrachten sind die großen im Mittelstreifen installierten Verkehrswegweiser sowie die unterirdische Entrauchungsanlage in der Nähe des Potsdamer Platzes, deren bodenbündige Deckel aufklappbar sein müssen sowie die diversen weiteren im Mittelstreifen vorhandenen Schächte. Der Auslober hält die vorhandenen Bänke hinsichtlich ihrer Gestaltqualität und ihres Zustandes für wert, in die neue Gestaltung des Mittelstreifens übernommen zu werden. Dennoch können die Wettbewerbsteilnehmer zu Gunsten einer auf den Boulevard der Stars abgestimmten Gestaltung hierzu eigene Vorschläge entwickeln. In jedem Fall sind im Mittelstreifen Sitzmöglichkeiten nachzuweisen. Die beiden rotierenden und beleuchteten Litfaßsäulen in den Endbereichen des Mittelstreifens stehen nicht in Zusammenhang mit der temporären Berlinale-Werbung, sondern sind Werbeanlagen im Rahmen eines bis 2014 laufenden Vertrags zwischen der Firma Wall und dem Land Berlin/ dem Bezirksamt Mitte. Im Bereich Potsdamer Platz ist weiterhin ein Standort für eine Litfaßsäule im Mittelstreifen nachzuweisen, während der andere Standort der Litfaßsäule alternativ außerhalb des Wettbewerbsgebietes auf dem Mittelstreifen der Potsdamer Straße jenseits der Kreuzung mit der Ben-Gurion-Straße/ Eichhornstraße positioniert werden kann.

3.5.3 Seitliche Gehwege
Alle Funktionen, die der Gehweg der Potsdamer Straße gegenwärtig wahrnimmt, sollen auch nach der Installation des Boulevard der Stars gewährleistet sein. Insbesondere ist zu berücksichtigen, dass der Radweg auch als solcher deutlich erkennbar bleiben muss. Die vorhandenen Ausstattungselemente wie Licht- und Fahnenmaste, Verkehrsschilder, Fahrradbügel, Schaltkästen, Bus-Wartehallen etc., die für die Funktionalität der Straße erforderlich sind, stehen nicht zur Disposition. Spielraum besteht dagegen bei privaten Nutzungen, die als Sondernutzung des öffentlichen Straßenlandes vom Bezirksamt genehmigt werden müssen. Das Konzept für den Boulevard der Stars sollte den gastronomischen Einrichtungen aber weiterhin das Betreiben von Schankbereichen auf dem Gehweg ermöglichen. Die 12 Werbetafeln vor den Gebäuden, die über im Kulturforum stattfindenden Veranstaltungen informieren, sollen durch das unter Punkt 3.4 beschriebene neue Informationssystem ersetzt werden.

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Unterhalb der Gehwegbereiche befinden sich in einer Tiefenlage ab 1 m Leitungstrassen verschiedener Medien. Diese Leitungen müssen für die Durchführung von Wartungsarbeiten und die Beseitigung von Schadensfällen gut zugänglich bleiben. Eine Überbauung der Leitungstrassen ist deshalb nur möglich, wenn die installierten Elemente leicht aus dem Boden herausnehmbar und wieder einsetzbar sind.

3.6

Stufenkonzept für Straßenbahn

Mittelfristig ist der Einbau einer Straßenbahn vom Alexanderplatz zum Kulturforum geplant. Diese soll über die Rathausstraße, Grunerstraße, Leipziger Straße zur Potsdamer Straße führen und ihre Endhaltestelle vor der Neuen Nationalgalerie haben. Die Planung sieht den Verlauf der Trasse auf dem Mittelstreifen der Potsdamer Straße vor mit einer Haltestelle Potsdamer Platz unmittelbar westlich des Potsdamer Platzes. Der Zeitpunkt des Straßenbahnbaus ist gegenwärtig noch nicht abschließend festgelegt. Als frühest möglicher Zeitpunkt für den Baubeginn am Alexanderplatz wird das Jahr 2013 genannt. Das von den Wettbewerbsteilnehmern zu entwickelnde Konzept muss gewährleisten, dass die Straßenbahnplanung in der vorliegenden Form zu gegebener Zeit realisiert werden kann. Hierzu ist es jedoch nicht erforderlich, dass der Entwurf bereits von vornherein in vollem Umfang die Straßenbahnplanung berücksichtigt. Vielmehr können in einer zeitlichen Stufung die Vorbehaltsflächen der Straßenbahn für den Boulevard der Stars zunächst mit in Anspruch genommen werden. Sobald die Straßenbahntrasse und die Haltestelle im Mittelstreifen realisiert werden, müssen die hier eingebauten Elemente ohne großen technischen und finanziellen Aufwand in andere Flächen des Wettbewerbsgebietes verlagert werden können. Elemente, die in der zweiten Ausbaustufe neben den Straßenbahnschienen verbleiben oder dorthin verlagert werden, sollen möglichst auf Fernwirkung ausgelegt sein, da ein Fußgängerverkehr auf den lediglich 3 m breiten Streifen zwischen Straßenbahntrasse und Fahrbahnen aus Sicherheitsgründen nicht zu vertreten ist. Unter diesem Aspekt ist der Bereich auch nicht als Standort für Terminals o.ä. geeignet. Solche Einrichtungen könnten aber an der Straßenbahnhaltestelle angeordnet werden. Die geforderte Vereinbarkeit des Entwurfs mit der Straßenbahnplanung, sofern sie nicht von vornherein integriert wird, ist von den Wettbewerbsteilnehmern in einem Stufenkonzept nachzuweisen. Das Konzept soll sowohl in der ersten als auch in der zweiten Stufe in sich stimmig und vollständig wirken.

3.7

Realisierung, Kostenrahmen, Wirtschaftlichkeit

Die Ausführungen in diesem Kapitel sind von den Wettbewerbsteilnehmern vor dem Hintergrund zu sehen, dass im Jahr 2004 bereits ein erster Wettbewerb für den Boulevard der Stars ausgeschrieben worden war, den das Büro Zaha Hadid mit einem faszinierenden Entwurf gewonnen hat. Leider war dieses Konzept insbesondere unter den Kriterien der Einhaltung des Kostenrahmens und der Verlagerbarkeit auch nach mehreren Überarbeitungen nicht realisierbar. Im vorliegenden Wettbewerb ist

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daher von den nachfolgend beschriebenen Vorgaben auszugehen, die von den Wettbewerbsteilnehmern zu berücksichtigen sind: Ein erster Bauabschnitt des Boulevards der Stars soll bereits im Februar 2010 im Rahmen der 60. Berlinale im Kontext des Jubiläums der Öffentlichkeit präsentiert werden. Um diese ambitionierte Zeitplanung einhalten zu können, erwartet der Auslober von den Wettbewerbsteilnehmern Konzepte, die zwar in gestalterisch-konzeptioneller Hinsicht höchst innovativ und spannend, aber unter dem Gesichtspunkt der technisch- wirtschaftlichen Umsetzung kalkulierbar sind und keine besonderen Risiken in sich tragen. Deswegen sind u.a. nur bereits erprobte und zugelassene Materialien bzw. Herstellungsverfahren anzuwenden. Für die Realisierung wurden Mittel aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ in Höhe von 1.080.00 Euro einschließlich des vom Land Berlin zu tragenden Eigenfinanzierungsanteils in Aussicht gestellt. Hiervon sollen die Erstinstallation der bis zum Sommer 2010 einzuweihenden 40 Ehrungen und die Sonderelemente realisiert sowie der gesamte Freiraum des Wettbewerbsgebietes in seiner Grundsubstanz so hergerichtet werden, dass hier in den Folgejahren ohne umfangreichere Tiefbaumaßnahmen weitere Ehrungen vorgenommen werden können. Bereits zur Fertigstellung eines ersten Bauabschnitts anlässlich der 60. Berlinale im Februar 2010 muss deutlich werden, dass hier der Boulevard der Stars als eine diesen Ort prägende Attraktion entstehen wird, auch wenn bis dahin noch nicht die gesamte Erstinstallation fertig gestellt werden kann. Darüber hinaus ist vorgesehen, dass von der Boulevard der Stars gGmbH. Sponsorenmittel eingeworben werden, mit denen die Installationen für die Ehrung weiterer Protagonisten des Films und Fernsehens in den Folgejahren zunächst im Wettbewerbsgebiet und auf lange Sicht möglicherweise in angrenzenden Bereichen fortgesetzt werden können. Der Kostenrahmen von 1.080.000 Euro für die Erstinstallation im gesamten Wettbewerbsgebiet ist einzuhalten. Darin enthalten sind Honorare, Material- und Herstellungskosten, der Einbau einschließlich aller Nebenkosten sowie die Mehrwertsteuer. Ein Kostensachverständiger wird die einzureichenden Kostenschätzungen der Wettbewerbsteilnehmer überprüfen. Nicht im Kostenrahmen enthalten ist die Entwicklung eines neuen CityLight-Boards für die Berlinale, das wie die bestehenden Werbeanlagen im Eigentum der Firma Wall läge und auch von Wall selbst produziert würde. Für alle Teile der Aufgabenstellung ist darauf zu achten, die Folgekosten für Unterhaltung und ggf. Betrieb gering zu halten.

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Teil 4 Anhang 4.1 Der Hollywood Walk of Fame

Der Walk of Fame in Hollywood existiert dort in zwei unterschiedlichen Formen. Als erster hatte Sid Grauman, der Gründer des „Chinesischen Theaters“, eines im chinesischen Stil errichteten Filmpalastes (heute Mann´s Chinesisches Theater, 6925 Hollywood Boulevard, Block 05), die Idee, prominente Filmschaffende mittels in den Boden eingelassener Gedenkplatten zu ehren. Seit 1927 bis in die heutige Zeit haben vor dem Chinesischen Theater um die 200 Filmstars ihre Hand- und Fußabdrücke in einem Feld aus frischem Beton hinterlassen und sich mit ihrem Namenszug sowie manchmal auch einer Widmung verewigt.

Gregory Peck, Anne Baxter und Sid Grauman am 15. Dezember 1949

Der eigentliche Walk of Fame im öffentlichen Straßenraum Hollywoods knüpft an die Grundidee Sid Graumans an, setzt sie jedoch in anderer Form und in einem wesentlich größerem Umfang um. 1956 genehmigte die Stadtverwaltung die Installation von Bodenplatten in den Maßen von 3 x 3 Fuß, deren Oberfläche aus schwarzem Terrazzo besteht, in die ein Stern aus kontrastierendem rosa Terrazzo eingelassen ist. In Bronze ausgeführt sind die Grenzen der Terrazzoflächen, der jeweilige Name sowie das Emblem, das die Kategorie symbolisiert, in die der Geehrte eingeordnet ist. Es gibt fünf Sparten, die durch folgende Embleme gekennzeichnet werden: Film (Kamera), Rundfunk (Mikrofon), Fernsehen (Fernsehapparat), Tonträger (Plattenspieler) sowie Theater (Masken).

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Die einzelnen Sparten repräsentieren in sich wiederum eine Vielzahl an Berufsgruppen und Tätigkeiten. Der Walk of Fame umfasste zunächst beide Gehwege des Hollywood Boulevard von der Gower Street im Westen bis zur Sycamore Street im Osten und ebenfalls beide Gehwege der Vine Street vom Sunset Boulevard im Süden bis zur Yucca Street im Norden. 1993 erfolgte im Westen eine Erweiterung bis zur LaBrea Street.

Joanne Woodward poliert ihren Stern

1958 wurden in einer Gemeinschaftszeremonie die ersten acht Stars bestimmt, die auf dem neuen Walk of Fame geehrt werden sollten: Preston Foster, Joanne Woodward, Ernest Torrence, Olive Borden, Edward Sedgwick, Louise Fazenda, Ronald Coleman und Burt Lancester. 1993 waren bereits 1670 Persönlichkeiten mit insgesamt 1912 Sternen auf dem Walk of Fame ausgezeichnet (manche der Geehrten sind mit mehreren Platten vertreten, da sie in verschiedenen der fünf Kategorien nominiert worden sind). Monatlich kommen ca. zwei Ehrungen hinzu, so dass der Hollywood Walk of Fame heute auf ungefähr 2.200 Sterne angewachsen sein dürfte. Initiator und Träger des Walk of Fame ist die örtliche Handelskammer. In den letzten Jahren wurden in verschiedenen Städten, darunter Wien, Lodz und München, Walks of Fame zur Ehrung von Persönlichkeiten des Entertainments oder Sports eingerichtet, die jedoch meist keine eigenständige Formsprache entwickeln, sondern die Idee der in Betonplatten abgebildeten Hand- und Fußabdrücke am Chinesischen Theater in Hollywood direkt übernehmen.

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4.2

Fotodokumentation

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4.3

Werbeanlagen der Firma Wall

Werbeanlagen der Firma Wall AG während der Berlinale im Bereich Potsdamer Platz

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Wall – Vitrine „Berlinale

Wall – Vitrine „Avenue“, mobile Ausführung mit 2 Wechslern

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City Light Board mit Wechsler

GOK

Abmessungen:

Breite (Vorderansicht): Höhe Fuß über GOK: Gesamthöhe über GOK: Breite (Seitenansicht): Masse Fuß: Masse Plakatfläche:

3800 mm 2500 mm 5257 mm 700 - 815 mm ca. 320 kg ca. 800 kg

Weitere Informationen unter http://www.wall.de/

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4.4.
4.4.1

Digitale Anlagen
Ausschreibung

Vorliegende Ausschreibung als PDF-Datei mit farbigen Abbildungen in 300dpi Auflösung Ausschreibung_Boulevard_der_Stars.pdf 4.4.2 Arbeitspläne

PDF-Dateien: M 1:2000 Lageplan (Arbeitsplan), M 1:250 M 1:250 CAD-Dateien

Lageplan.pdf Arbeitsplan.pdf Querschnitt.pdf Lageplan.dwg/dxf Arbeitsplan.dwg/dxf Querschnitt.dwg/dxf Oberflächengestaltung_Potsdamerstr.dwg Leitungen_Potsdamerstr.dwg Oberflächengestaltung_Potsdamersplatz.dwg Leitungen_Potsdamerplatz.dwg

68/52 cm 175/60 cm 60/35 cm

4.4.3

Informationspläne Oberflächengestaltung_Potsdamerstr.pdf Leitungen_Potsdamerstr.pdf Oberflächengestaltung_Potsdamersplatz.pdf Leitungen_Potsdamerplatz.pdf Lageplan_strassenbahn.pdf Schnitt1_strassenbahn.pdf Schnitt2_strassenbahn.pdf 175/51 cm 175/51 cm 140/90 cm 140/90 cm 120/30 cm DIN A4 DIN A4

M 1:250 M 1:250 M 1:250 M 1:250 M 1:500 M 1:100 M 1:100 4.4.4 Weitere Planungsunterlagen

Info_leuchte.pdf Info_sitzbank.pdf wall_berlinale.pdf Kulturforum_kommunikationssystem.jpg 4.4.5 Richtlinien im Internet

§ 7 des Berliner Straßengesetzes über Geh- und Radwege“ www.stadtentwicklung.berlin.de/aktuell/wettbewerbe/grundlagen 4.4.6 Formblätter

- Verfassererklärung, siehe Teil 4.5 der Auslobung 4.4.7 Bilddokumentation

- Fotos - Luftbilder

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4.5

Verfassererklärung

Seite 1 von 2

Wettbewerb „Boulevard der Stars“ Kennzahl:

_______________________________________

Verfasser (Architekt / Landschaftsarchitekt / Bauingenieur): ___________________________________________________________ ___________________________________________________________ Mitarbeiter: ___________________________________________________________ ___________________________________________________________ ___________________________________________________________ Büroname: ___________________________________________________________ ___________________________________________________________
Straße PLZ Ort Land Internetadresse

Tel.

Fax

Email

Kammernummer

Eintragungsort/seit

Erklärung Ich / wir erkläre/n mit meiner/unserer Unterschrift, dass ich / wir der / die geistige/n Urheber der Arbeit mit der oben genannten Kennzahl bin / sind und mit den Verfahrensbedingungen gemäß Teil 1 der Ausschreibung einverstanden bin / sind.

______________________
Ort, Datum

________________________ ___________________________
Unterschrift (Verfasser) bevollmächtigter Vertreter*

* bei Juristischen Personen, Partnerschaften und Arbeitsgemeinschaften

Verfasser:

Mitarbeiter:

Büroname:
Straße

___________________________________________________________ ___________________________________________________________ ___________________________________________________________ ___________________________________________________________ ___________________________________________________________ ___________________________________________________________ ___________________________________________________________ ___________________________________________________________
PLZ Ort Land Internetadresse

Tel.

Fax

Email

ggf. Kammernummer

ggf. Eintragungsort/seit

Erklärung Ich / wir erkläre/n mit meiner/unserer Unterschrift, dass ich / wir der / die geistige/n Urheber der Arbeit mit der oben genannten Kennzahl bin / sind und mit den Verfahrensbedingungen gemäß Teil 1 der Ausschreibung einverstanden bin / sind.

______________________
Ort, Datum

________________________ ___________________________
Unterschrift (Verfasser) bevollmächtigter Vertreter*

bei Juristischen Personen, Partnerschaften und Arbeitsgemeinschaften

bei Arbeitsgemeinschaften mit mehr als zwei Verfassern, verwenden Sie bitte diese Seite mehrfach.

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Seite 2 von 2 Wettbewerb „Boulevard der Stars“ Kennzahl: _______________________________________

Sonderfachleute/ Berater Fachgebiet/Büroname/ ___________________________________________________________ ___________________________________________________________ ___________________________________________________________ ___________________________________________________________ ___________________________________________________________ ___________________________________________________________

Ort/ggf. Mitarbeiter:

___________________________________________________________ ___________________________________________________________ ___________________________________________________________ ___________________________________________________________ ___________________________________________________________ ___________________________________________________________ ___________________________________________________________ ___________________________________________________________ ___________________________________________________________ ___________________________________________________________ ___________________________________________________________ ___________________________________________________________ ___________________________________________________________ ___________________________________________________________ ___________________________________________________________ ___________________________________________________________

Federführung der Arbeitsgemeinschaft: _______________________________________

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Ort, Datum

________________________ ___________________________
Unterschrift (Verfasser) bevollmächtigter Vertreter*

* bei Juristischen Personen, Partnerschaften und Arbeitsgemeinschaften
        
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