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Wildtiere unter uns

Full text: Umwelt Issue 2016,1 Wildtiere unter uns

1/2016

DOSSIER WILDTIERE < umwelt 1/2016

umwelt
Natürliche Ressourcen in der Schweiz

Wildtiere unter uns
Dossier: 	 Allianz für Wildtiere > Falknerei für Flugsicherheit > Waldschnepfe > Biber
	
> Jagdbanngebiete > Wanderrouten der Fauna > Mit dem Wildhüter unterwegs
Weitere	 Holzbauten wachsen in die Höhe > BAFU-Fotowettbewerb: Der Boden im Fokus
Themen: 	 > Aufbruch zu neuen Ufern > Moderne Güterwagen schonen die Ohren
	

umwelt 1/2016 > EDITORIAL

Das Land mit den Wildtieren teilen
Vor 150 Jahren gab es in der Schweiz keine Rothirsche,
Steinböcke und Wildschweine mehr. Die Biber und
sämtliche Grossraubtiere waren ausgerottet. Der Fischotter und die Greifvögel wurden als Schädlinge wahrgenommen, und auch ihnen ging es an den Kragen. Bloss
noch einige wenige Gämsen und Rehe versteckten sich
zu jener Zeit in unzugänglichen Tobeln. Nur ein paar Jahrzehnte
nach der Französischen Revolution und der Abschaffung der
Feudalsysteme kamen wegen der grossflächigen Abholzung und
Übernutzung der Wälder sowie der freiheitlichen Volksjagd
in der neuen Schweiz also keine grossen Wildtiere mehr vor.
Doch 125 Jahre später sah alles anders aus … Was war geschehen? Dank dem Engagement des Bundes wurde es möglich,
diese massive Biodiversitätskrise in der Schweiz zu überwinden.
Griffige eidgenössische Gesetze zum Schutze des Waldes und
der Wildtiere wurden in Kraft gesetzt. Diese regelten den Schutz
der Waldfläche, jagdliche Schonzeiten für Muttertiere und ihre
Jungen. Es wurden Jagdbanngebiete für den Wiederaufbau der
geschundenen Wildbestände ausgeschieden, und staatlich besoldete Wildhüter wurden engagiert, die das Tun und Lassen der
Jäger und der Bevölkerung überwachten.
Heute haben wir hierzulande wieder gute Bestände aller 5 einheimischen Wildhuftierarten: Reh, Gämse, Rothirsch, Steinbock
und Wildschwein. Luchs und Wolf – und manchmal sogar
der Bär! – leben wieder unter und auch mit uns. Allerdings hat
sich unser Land in den letzten 150 Jahren stark verändert. Die
wilden Tiere kehren zurück in ein anderes Land als das, ­welches
sie ehemals verlassen haben: Heute ist die kleine Schweiz dicht
­besiedelt und durch Strassen und Bahnstrecken zerschnitten;
viele Nutzungsinteressen sind unter einen Hut zu bringen. Dies
führt zwangsläufig zu ­Kon­flikten mit den Bedürfnissen
der grossen und raumbean­spruch­en­den Säugetiere und Vögel. Und
wie bereits vor 150 Jahren ist die Gesellschaft wiederum gefordert.
Im Zentrum steht unsere Bereitschaft, den Lebensraum Schweiz
mit den Wildtieren zu teilen. Toleranz und Kompromissbereitschaft sind nötig. Mit Verständnis und gutem Willen ist dies zu
schaffen.

Franziska Schwarz, Vizedirektorin BAFU
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umwelt 1/2016

Dossier Wildtiere
4 	 «Wir brauchen eine breite Allianz für die Wildtiere»
Gespräch mit Reinhard Schnidrig, Sektionschef Wildtiere und
Waldbiodiversität im BAFU
8 	 Flugs mehr Sicherheit in der Luftfahrt
Falken können Flugunfälle verhüten.

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11	 Die Vogelfänger
Auf Waldschnepfenpirsch im Jura
____	 Gefragter Hundetrainer
Jagdhunde mit Wildsaudiplom
18	 Nagen für die Artenvielfalt
Der Biber belebt unsere Gewässer.

25
	

22	 Naturschutz mit Weitsicht
Alte Jagdbanngebiete mit neuen Zielen
____	 Lücken im Verkehrsnetz der Fauna
Rege genutzte Wildtierbrücken
28	 Luna lebt stationär, Lola migriert
Kantonsübergreifendes Hirschmanagement
32	 Durch Stadt und Land
Wildhüter in der verstädterten Schweiz

Wildtierbrücke Nennikofen, zVg

Weitere Themen
39	 Grenzenloses Bauen mit Holz
Gelockerte Brandschutzvorschriften
42	 Der Weg in eine kohlenstoffarme Ära
ETH-Studie zur Reduktion der CO 2-Emissionen

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45	 Den Wald auf den Wandel vorbereiten
Das Parlament ergänzt das Waldgesetz
____	 Blende auf für den Boden
Der Boden im Fokus
50	 Ein Meilenstein auf dem Weg zu naturnahen Flüssen
Gesamtplanung der zu renaturierenden Fliessgewässer
54	 Die alten Klötze haben ausgebremst
Neue Güterwagen verursachen weniger Schienenlärm

Kurt Bart, Fotowettbewerb

Herausgeber: Bundesamt für Umwelt BAFU • 3003 Bern • +41 58 462 99 11 • www.bafu.admin.ch • info@bafu.admin.ch
Gratisabo: umweltabo@bafu.admin.ch • Das Magazin im Internet: www.bafu.admin.ch/magazine2016-1

Titelbild:
Röhrender Hirsch während der Brunft


Bild: Keystone

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61__ Impressum
62__ Intern

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umwelt 1/2016 > DOSSIER WILDTIERE

Reinhard Schnidrig
Für seine Dissertation in
Wildtierbiologie befasste sich
Reinhard Schnidrig mit den
Auswirkungen des Freizeitbetriebs in den Alpen auf
Gämsen. Die Arbeit lieferte
Grundlagen für die Errichtung
von Wildruhezonen. Die Be­
geisterung für Wildtiere und
die Lust, draussen zu sein,
hätten ihn zum Forscher gemacht, sagt er. Sein heutiger
Beruf bringt es leider mit sich,
dass er mehr im Büro als im
Freien anzutreffen ist – ausser
während der Jagdzeit.
Bild: Flurin Bertschinger/Ex-Press/BAFU;
Stefan Huwiler/naturfoto (Gämsen)

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DOSSIER WILDTIERE < umwelt 1/2016

WILDTIERE, JAGD UND SCHUTZ

«Wir brauchen eine
breite Allianz für die Wildtiere»
Interview mit Reinhard Schnidrig, Chef der Sektion Wildtiere und Waldbiodiversität im BAFU,
über Jagd und Wildtierschutz im Wandel der Zeit. Interview: Hansjakob Baumgartner

umwelt: Herr Schnidrig, was sagt Ihnen der Name
Johann Coaz?
Reinhard Schnidrig: Der Bündner Johann Coaz
war eine eindrückliche Persönlichkeit. Förster,
Geologe, Alpinist. 1875 wurde er vom Bundesrat
zum ersten eidgenössischen Forstinspektor und
zugleich Jagdinspektor ernannt. Er war damals
schon über 70-jährig, und er blieb bis ins Alter
von 92 Jahren im Amt. Seine Tätigkeit fiel in die
Zeit der Biodiversitätskrise des 19. Jahrhunderts.
Biodiversitätskrise? Damals war die Natur doch noch
heil?

Keineswegs. Man hatte die Wälder grossflächig abgeholzt, und das, was davon übrig geblieben war,
durch Beweidung aufgelichtet. In der Folge kam
es zu verheerenden Hochwasserkatastrophen. Mit
dem Wald war auch der Lebensraum der wilden
Huftiere geschrumpft und degradiert.
Hinzu kam, dass die Schweiz in der Zeit der Helvetik das feudale Jagdrecht abgeschafft hatte, ohne
wirksame Regeln für eine nachhaltige Volksjagd
einzuführen. In der Folge wurden Hirsch, Reh,
Steinbock und Wildschwein ausgerottet, von der
Gämse gab es bloss noch kleine Restbestände.
Später verschwanden auch die Grossraubtiere,
denen die natürliche Beute fehlte. Ihnen blieben
nur noch die Nutztiere, was den Hass der Berg­
bevölkerung auf sie zusätzlich befeuerte.
Und was tat Johann Coaz?

Er setzte das 1876 in Kraft getretene erste eidgenössische Waldgesetz auf nationaler Ebene um.
Dieses beendete den Raubbau und brachte die
Wende in der Waldentwicklung. Damit verbesserte sich der Lebensraum für die Wildtiere. Fast
gleichzeitig mit dem Waldgesetz trat das erste
eidgenössische Jagdgesetz in Kraft.

Was brachte dieses Gesetz?

Mit ein paar einfachen Regeln wurde der Jagddruck stark reduziert: Schonzeiten wurden festgelegt, der Abschuss von Gämsgeissen, die Kitze
führen, untersagt. Bei Reh und Hirsch kamen
alle weiblichen Tiere unter Schutz.
Zudem wurden eidgenössische Jagdbanngebiete errichtet, in denen das Wild total geschützt
war. Man wählte dazu Gebiete aus, die noch
Restbestände von Gämsen beherbergten – und
an denen niemand ein grosses Nutzungsinteresse
hatte. Darum haben wir heute noch ein Netz von
Wildtierschutzgebieten, die relativ unberührt
sind und so einen hohen Naturwert aufweisen.
Zur Bewachung der Banngebiete stellte der Bund
Wildhüter an.
Wurde damit das Problem gelöst?

Die Erfolge stellten sich rasch ein. Die Gäms­
bestände erholten sich, Hirsch und Reh kehrten
zurück und breiteten sich aus. Der Steinbock
wurde wieder angesiedelt.
Es fehlten aber immer noch die Grossraubtiere
Luchs, Bär und Wolf.

Richtig. Das Jagdgesetz unterschied zwischen nützlichen und schädlichen Arten. Nützlinge w
­ aren
willkommen, Schadwild verdiente hingegen keine
Schonung. Bär, Wolf, Luchs, Fischotter und Graureiher zu schützen, wäre niemandem in den Sinn
gekommen. Im Gegenteil, ihre Aus­rottung wurde
teilweise sogar mit Prämien gefördert.
Dennoch wirkte sich das erste Jagdgesetz langfristig auch auf die Grossraubtiere positiv aus.
Gegen Ende des 20. Jahrhunderts erreichten die
Huftierbestände ein historisches Rekordniveau.
Zum Teil überstiegen sie gar die Kapazität des
Lebensraums – zum Beispiel im Engadin, wo

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umwelt 1/2016 > DOSSIER WILDTIERE

in strengen Wintern Hunderte von Hirschen
verhungerten. Die Beutebasis für Grossraubtiere
war wieder intakt. Damit waren die ökologischen
Voraussetzungen für die Wiederansiedlung des
Luchses und die natürliche Rückkehr des Wolfs
erfüllt.
Und die gesellschaftlichen?

Das Nützlings-Schädlings-Denken hielt sich bis
Mitte des 20. Jahrhunderts. Auch die Revision
des Jagdgesetzes im Jahr 1962 war davon noch
beeinflusst. Doch in den 1960er- und 1970erJahren änderte sich die Haltung des Menschen
gegenüber der Tierwelt. Es war die Zeit, als die
Umweltverschmutzung in Form von stinkender
Luft und schäumenden Gewässern wahrnehmbar
geworden war und der Naturschutzgedanke an
Bedeutung gewann. Im neuen Denken löste sich
die starre Einteilung der Fauna in nützliche und
schädliche Arten auf, allen Tieren wurde ein
Eigenwert attestiert.
Internationale Naturschutzkonventionen wurden verabschiedet, als erste 1971 die RamsarKonvention zum Schutz der Lebensräume von
Wasservögeln. Die Schweiz war daran massgeblich
beteiligt. Bereits 10 Jahre zuvor war der WWF
gegründet worden. In der Folge stieg auch die
Akzeptanz für Grossraubtiere. 1971 wurden hierzulande die ersten Luchse ausgesetzt.

Während ein Drittel aller einheimischen Tierarten
mehr oder weniger akut gefährdet ist, halten
sich manche Säugetiere – Huftiere, Grossraubtiere,
Biber – wacker. Woran liegt das?

Abgesehen von der intensiv genutzten Agrarlandschaft sowie dem Gewässersystem hat sich
der Lebensraum für die Wildtiere, besonders im
Wald, positiv entwickelt. Für Reh, Hirsch, Gämse
und Steinbock ist das aufgelockerte Wald-WeideMosaik, das die moderne Schweiz namentlich in
den Voralpen, den Alpen und im Jura bietet, ideal.
Grossraubtiere profitieren vom hohen Beuteangebot. Und Arten wie dem Biber, dessen Ausrottung
allein auf direkte Verfolgung zurückzuführen
war, kommt der Jagdschutz zugute.
Spezialisten, die an bestimmte Lebensräume
gebunden sind, sowie Arten der traditionellen
Kulturlandschaft im Unterland haben hingegen
Mühe.
Die Kehrseite der positiven Entwicklung bei manchen
Wildtieren ist, dass sie heute vorwiegend als Problem

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wahrgenommen werden. Sind Sie hauptamtlich als
Konfliktmanager tätig?

Hinter meiner Arbeit stehen verschiedene Aufträge: der Auftrag zum Schutz und zur Förderung
von Arten, die dies brauchen; der Auftrag, die
Nutzung des Wildes, insbesondere durch die Jagd,
nachhaltig zu gestalten; und daneben halt auch
der Auftrag, bei Wildtieren, die dem Menschen in
die Quere kommen, die Schäden am Wald, in der
Landwirtschaft, an Infrastrukturen oder – im Fall
der Grossraubtiere – an Kleinvieh anrichten, das
Problem auf pragmatische Art zu lösen.
Von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird
vor allem Letzteres, zumal die Problemlösung
manchmal eben auch darin besteht, dass einzelne
Tiere getötet werden müssen.
Reden wir vom Teil Ihrer Tätigkeit, der weniger beachtet wird. Wo besteht vorrangig Handlungsbedarf beim
Schutz der Wildtiere und ihrer Lebensräume?

Viele Tiere leiden unter der flächendeckenden
Freizeitnutzung der Landschaft. Es gibt immer
weniger ruhige Räume. Der Winter stellt für die
Tierwelt hohe Anforderungen ans Überleben.
Manche Arten schaffen das nur dank einer speziellen Strategie, die darauf abzielt, Energie zu sparen,
sich möglichst wenig zu bewegen. Wenn ihnen
der Ruheraum fehlt, das Schlafzimmer und die
gute Stube, in die niemand reintrampelt, haben
sie grosse Probleme.
Und was lässt sich dagegen tun?

Wir müssen Räume bestimmen, die allein den
Tieren gehören, aus denen sich der Mensch fernhält oder die er nur auf fixen Routen begeht. In
dieser Sache passiert derzeit viel. Jedes Jahr werden neue Wildruhezonen errichtet. Wegleitungen
gewährleisten, dass dieses Instrument sachgerecht
angewendet wird. Das heisst, dass man die Zonen
am richtigen Ort ausscheidet oder dass nicht zu
viele Routen für Skitourengänger durch die gros­
sen Wildtierschutzgebiete geführt werden.
Zudem müssen wir die Sporttreibenden für das
Problem sensibilisieren. Denn sie sind sich oft
gar nicht bewusst, dass sie sich im Lebensraum
von Wildtieren bewegen und diese stören – man
begegnet den Tieren ja meist nicht. Ich verweise
hier auf die gemeinsam mit dem Schweizer AlpenClub (SAC) lancierte Kampagne «Respektiere deine
Grenzen», die mit einfachen Botschaften Regeln
für naturverträglichen Schneesport bekannt
macht.

DOSSIER WILDTIERE < umwelt 1/2016

Werden die Botschaften gehört?

Ja. Die Kampagne wurde verschiedentlich evaluiert.
Dabei kam heraus, dass die meisten Adressaten die
Regeln kennen und gewillt sind, sie zu beherzigen.
Auch Umfragen bei Wildhütern bestätigen dies.
Erfreulich ist zudem, dass in immer mehr Regionen
die Verantwortungsträger mit im Boot sind, auch
der Tourismus. Betreiber von Transportanlagen
machen mit bei der Ausscheidung von Ruhezonen
und sorgen gar mit Kontrollen dafür, dass diese
nicht befahren werden.
Um welche Säugetier- und Vogelarten muss sich Ihre
Sektion mit speziellem Effort kümmern?

Das sind einmal die Arten, die aufgrund landschaftlicher Tendenzen unter Druck geraten, wie zum
Beispiel der Kiebitz und der Feldhase, die wegen
der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung ihrer
Lebensräume aus der offenen Landschaft des Mittellandes praktisch verschwunden sind. Oder Tiere
des Gewässerraums, wie der Fischotter, der dabei
ist, in die Schweiz zurückzukehren. Wir müssen
dafür sorgen, dass er auch bleiben kann. Sind
unsere verbauten und elektrizitätswirtschaftlich
intensiv genutzten Gewässer noch fischreich genug
für ihn? Was lässt sich tun, um die Fischbestände
zu fördern?
Bei rund 50 Vogelarten hat sich gezeigt, dass sie
spezielle Förderung brauchen. Bei ihnen reichen
die bestehenden Instrumente des Naturschutzes
– Gebietsschutz, ökologischer Ausgleich im Landwirtschaftsgebiet, Artenschutz durch Jagdverbote
– nicht aus, um ihr Überleben bei uns zu sichern.
Für sie entwickeln wir Aktionspläne mit gezielten
Massnahmen. Zum Beispiel für das Auerhuhn, das
ruhige, nach seinen Bedürfnissen gepflegte Wälder
benötigt; für den Flussuferläufer, der auf Kiesbänke
an Fliessgewässern angewiesen ist, die zur Brutzeit
nicht begangen werden; oder für den Mittelspecht,
der Eichenwälder zum Leben braucht.
Und schliesslich müssen wir uns um die Schweizer Verantwortungsarten kümmern.

Zu unseren Verantwortungsarten gehört auch der
Luchs. Er lebt bei uns in zwei Populationen, einer
in den Alpen und einer im Jura. Es geht ihm relativ
gut, so gut, dass immer wieder Problemdiskus­
sionen aufkommen. Allerdings besiedelt er in der
Schweiz noch nicht alle geeigneten Lebensräume,
und schon gar nicht in den ganzen Alpen. Doch
der Luchs braucht den gesamten Alpenraum, damit ein Bestand entstehen kann, der gross genug
ist für eine langfristig gesicherte Existenz. Hier
müssen wir unsere Verantwortung wahrnehmen
und durch Umsiedlung von Tieren die Ausbreitung
über den ganzen Alpenbogen fördern.
Sie werden wohl kaum wie Johann Coaz bis ins Alter
von 92 Jahren im Amt bleiben, aber ein paar Jahre
bleiben Ihnen noch. Was möchten Sie in dieser Zeit
bewegen?

Der Umgang mit Wildtieren ist immer noch geprägt
von Konflikten zwischen verschiedenen betroffenen Kreisen: Jagd, Naturschutz, Landschaftsschutz,
Wald- und Landwirtschaft, Freizeitnutzung. Ich
möchte dazu beitragen, diese unnötigen und
unergiebigen Konflikte aus der Welt zu schaffen.
Wir brauchen eine breite Allianz für die Wildtiere.
Denn letztlich haben alle dasselbe Ziel: vielfältige
Lebensräume in einer schönen Landschaft mit
gesicherten und – wo dies sinnvoll ist – auch
nachhaltig nutzbaren Wildtierbeständen.

Weiterführende Links zum Artikel:
www.bafu.admin.ch/magazin2016-1-01

Verantwortungsarten?

Der Begriff basiert auf dem international abgesprochenen Grundsatz, dass sich jedes Land
vorrangig um die Arten und ihre Lebensräume
kümmern soll, die innerhalb der Landesgrenzen
ihre Verbreitungszentren haben. Bei uns sind das
hauptsächlich alpine Arten, wie die Alpenbraunelle oder der Schneesperling. Einige sind bei uns
keineswegs selten. Wir müssen gewährleisten, dass
dies so bleibt.

KONTAKT
Reinhard Schnidrig
Sektionschef Wildtiere und Waldbiodiversität
BAFU
+41 58 463 03 07
reinhard.schnidrig@bafu.admin.ch

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umwelt 1/2016 > DOSSIER WILDTIERE

FALKNEREI

Flugs mehr Sicherheit
in der Luftfahrt
Die älteste Abhandlung über Vögel stammt aus fürstlicher Feder: Friedrich II. von Hohenstaufen
(1194 – 1250) verfasste auf Lateinisch das Traktat «Über die Kunst, mit Vögeln zu jagen», das lange Zeit
in der Zoologie als Standardwerk galt. Heute ist die Beizjagd eine Sonderdisziplin des Waidwerks,
die in der Schweiz nur noch wenige Spezialisten beherrschen. Im Einsatz für eine erhöhte Flugsicherheit
könnte ihnen eine neue Aufgabe erwachsen. Text: Lucienne Rey

Kann sein, dass sie noch zu hoch ist – und nicht
trocken ist sie derzeit obendrein. Das mag erklären, wieso sie nach nur wenigen Runden gleich
den nächsten Nussbaum anfliegt und dort sitzen
bleibt. Bei der «Sie», von der hier die Rede ist,
handelt es sich um ein Wanderfalkenweibchen
mit offiziellem Auftrag: Es fliegt im Rahmen eines
Pilotprojektes, das klären soll, ob Greifvögel, die
zur Beizjagd abgerichtet wurden, Möwen, Krähen
und Graureiher vom Flugplatz Buochs (NW) vertreiben könnten.
Daniel Kleger, Präsident der Schweizer FalknerVereinigung, engagiert sich für den Versuch. Mehrmals ist er bereits mit seinem Falkenweibchen von
Schönenwerd (SO) nach Buochs gefahren, früh am
Morgen, wenn sich viele Vögel auf dem Rollfeld
tummeln. Ihnen soll der Schreck in die Glieder
fahren, wenn sie sehen, wie ein Artgenosse vom
Falken geschlagen und verzehrt wird – ein drastisches Erlebnis, das sie zumindest für eine gewisse
Zeit vom Flugplatz fernhalten dürfte.
Verschiedentlich hat das erfahrene Weibchen
schon eine Krähe erwischt. Doch an diesem Spätsommertag ist es nicht in Stimmung. Womöglich
ist es noch nicht hungrig genug, weshalb seine
Jagdmotivation zu wenig ausgeprägt ist – das
meint der Falkner, wenn er davon spricht, der
Vogel sei «zu hoch». Und «noch nicht trocken» ist
ein Falke, wenn die Mauser in vollem Gang ist,
was man daran erkennt, dass in den Kielen der
frisch nachgewachsenen Federn nach wie vor Blut
zu sehen ist.

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Gedränge im Luftraum
Flugzeuge und Vögel teilen sich den Luftraum. Das
geht nicht ohne Konflikte, stösst doch gelegentlich
ein gefiederter Flugkünstler mit einer Maschine
zusammen. «Im Jahr 2014 hatten wir etwa ein
Dutzend Kollisionen mit Vögeln», berichtet Pascal
Risi, zuständig für den Ground Service am Flugplatz ­Buochs. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) schätzt, dass die sogenannten
Vogelschläge allein in der zivilen Aviatik weltweit
jährliche Kosten von über einer Milliarde Euro
verursachen. Zum Ausmass der Schäden, die in
der Schweiz anfallen, gibt es keine Zahlen.
Für den Vogel endet ein solcher Zusammenprall
tödlich. Doch auch die Flugsicherheit des Menschen
ist gefährdet. Während Propellerflugzeuge relativ
unempfindlich sind, kommt es bei Düsenjets rasch
zu brenzligen Situationen: Die Schaufeln im Innern der Triebwerke verbiegen sich leicht, zudem
können die Düsen verstopfen. Genau deswegen
mussten sich die Verantwortlichen des Flugplatzes
Buochs etwas einfallen lassen. Seit Mai 2015 testet
hier nämlich die Pilatus Flugzeugwerke AG ihren
neuen Business-Jet PC-24.
«Ein Abschuss der Vögel war kein Thema», erzählt
Pascal Risi. Zum einen, weil es sich bei Möwen
und Graureihern um geschützte Tiere handelt, die
nicht ohne Weiteres gejagt werden dürfen. Zum
andern aber auch, weil ein solches Verfahren nicht
besonders effektiv wäre, wie Martin Baumann von
der Sektion Wildtiere und Waldbiodiversität im
BAFU erklärt: «Die getöteten Vögel würden rasch

DOSSIER WILDTIERE< umwelt 1/2016

Daniel Kleger
ist Revierförster und Leiter
des Forstbetriebs Werderamt (SO). In seiner Freizeit
geht er seit bald 30 Jahren
auf die Beizjagd. Daneben
betreibt er eine Pflegestation
für ­verunglückte Greifvögel,
züchtet Falken und bildet
zukünftige Greifvogel- und
Eulenhalter aus. Auf seinem
Handschuh sitzt ein Wanderfalke, im Hintergrund sind
fliegende Graureiher zu sehen.
Bilder: Markus Forte/Ex-Press/BAFU;
Damian Hurschler (Graureiher)

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umwelt 1/2016 > DOSSIER WILDTIERE

durch Neuankömmlinge ersetzt, denn das reiche
Futterangebot in der unmittelbaren Umgebung ist
allzu verlockend.» An den Flugplatz grenzt Landwirtschaftsland, und wenn Wiesen gemäht und Felder
umgebrochen werden, lassen sich Mäuse und andere
Kleintiere gut fangen.
«Auf Militärflugplätzen in Spanien wurden bei der
Vergrämung von Vögeln mit Falken gute Erfahrungen
gemacht», weiss Pascal Risi. Und so suchten die Verantwortlichen des Flugplatzes an einem runden Tisch mit
dem BAFU, dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL),
der kantonalen Jagdverwaltung Nidwalden und Daniel
Kleger gemeinsam nach einer Lösung.
Unterschiedliche Verhaltensmuster
Nicht alle Vögel sind für die Flugsicherheit gleich
problematisch. Krähen etwa seien clever, hat Pascal
Risi beobachtet. In der Regel würden sie die startenden Flugzeuge meiden. Möwen reagieren anders.
Sie fliegen in Schwärmen, und wenn sie vom Boden
aufgescheucht werden, pflegen sie an Ort zu kreisen
und sich unberechenbar den Fliegern zu nähern.
Graureiher wiederum halten sich oft auf der Piste
auf, wo sie mit ihrem dezent gefärbten Gefieder nur
schlecht zu erkennen sind und ihrer Grösse wegen
ein Risiko für eine besonders folgenschwere Kollision
darstellen.
So gilt es, den unterschiedlichen Eigenheiten der
­Vögel Rechnung zu tragen – auch jenen der Jagd­
falken. Ein gut abgerichteter Beizvogel schlägt nämlich
nur die Beute, auf die er trainiert ist. In der Schweiz
sind das in der Regel Krähen.
Mit Blick auf die Vergrämungsaktionen in Buochs
heisst das aber, dass eigens ein Beizvogel auf Möwen
und andere unerwünschte gefiederte Gäste des Flugplatzes ausgebildet werden muss. Denn würde sich ein
auf Krähen trainierter Falke damit begnügen, harmlos
im Schwarm der Möwen mitzufliegen, verlöre er für
diese rasch seinen Schrecken. Oder um es mit den
Worten von Daniel Kleger auszudrücken: «Nur ein
letales Ereignis hat einen Effekt.»
Sobald feststeht, dass das Vergrämungsprojekt weitergeführt wird, soll ein solcher «Präventionsvogel»
abgerichtet werden, der alle grösseren Vögel angreift,
welche die Sicherheit des Betriebs auf dem Flugplatz
Buochs gefährden. Daniel Kleger schätzt, dass dafür
zwei bis drei Monate intensive Schulung erforderlich
wären.
Mit der Grundausbildung des Präventionsvogels ist
es aber noch nicht getan. Es braucht ein regelmässiges
Training, das heisst mehrmals wöchentlich, damit der
Falke Kraft, Fitness und Geschicklichkeit entwickelt
und bewahrt. Auch ist von allen Beteiligten viel Flexi­

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bilität gefordert: Der Falkner sollte möglichst rasch
aufgeboten werden können, wenn gerade zahlreiche
Vögel den Flugplatz bevölkern – und der kantonale
Jagdverwalter muss ebenso schnell sein Placet erteilen. Pascal Risi lobt die unkomplizierte Zusammenarbeit, ohne die sich der Pilotversuch kaum erfolgreich
durchführen liesse.
Auf das Gedächtnis setzen
Freilich sind in Buochs keine täglichen Vergrämungsaktionen mit dem Beizvogel vorgesehen.
Vielmehr setzt man auf die Beobachtungsgabe und
das Gedächtnis der Vögel. Haben sie erst einmal
begriffen, dass der todbringende Beutegreifer aus
dem Fahrzeug der Airport Buochs AG startet, kann
schon das Erscheinen des Gefährts reichen, um sie in
die Flucht zu schlagen. Der Präventionsvogel müsste
dann nur noch gelegentlich angefordert werden,
um die Erinnerung aufzufrischen – und stünde
anderswo für Einsätze zur Verfügung, wo Vögel
unerwünscht sind.
Ob die Beizjagd auch auf grösseren nationalen
Flughäfen zur erhöhten Flugsicherheit beitragen
könnte, bleibt abzusehen. Ohnehin stehen diesen
mehr Möglichkeiten zur Verhütung von Vogelschlägen offen als dem Flugplatz Buochs: Sie besitzen
im weiteren Umkreis der Pisten grosse Flächen, wo
sie die Landschaftspflege nach ihren Bedürfnissen
gestalten können. So belassen sie das Gras auf einer
Mindesthöhe von 15 bis 20 Zentimetern, damit sich
die kleinen Wirbeltiere gut verstecken können und
das Nahrungsangebot für grössere Vögel nicht zu
verführerisch ist.
In Genf Cointrin beugen ausserdem Drainagen der
Staunässe auf dem Gelände vor, damit sich Möwen
nicht allzu heimisch fühlen. Und auf dem Gelände
des Flughafens Zürich werden künstliche Fuchsbauten angelegt und Wieselnester eingerichtet: Ihre
Bewohner sind geschickte Mäusejäger und sollen
verhindern, dass der Tisch für grössere Vögel allzu
üppig gedeckt ist.
Einmal mehr gilt: Die Natur vermag die Technik
oftmals am wirksamsten zu unterstützen.

Weiterführende Links zum Artikel:
www.bafu.admin.ch/magazin2016-1-02
KONTAKT
Martin Baumann
Sektion Wildtiere und Waldbiodiversität
BAFU
+41 58 464 78 33
martin.baumann@bafu.admin.ch

DOSSIER WILDTIERE < umwelt 1/2016

WALDSCHNEPFE

Die Vogelfänger
Welche Faktoren haben Einfluss auf den Waldschnepfenbestand in der Schweiz: der Mensch, die
natürlichen Feinde, die Veränderung der Wälder? Dieser Frage geht ein BAFU-Forschungsprojekt nach,
für das Vogelschützer und Jäger partnerschaftlich zusammenarbeiten. Um Antworten zu erhalten,
müssen auch ein paar Schnepfen gefangen werden – was keine einfache Sache ist.
Text: Hansjakob Baumgartner; Bearbeitung: Jean-Luc Brülhart
Wildtierbiologie erfordert Ausdauer und Frustrationstoleranz. Eine Stunde hat der Biologe Vincent Rocheteau
gebraucht, um die Netze um die Pfütze zu spannen.
Assistiert wurde er vom Neuenburger Schnepfenjäger
Henri-Armand Meister. Waldschnepfen suchen gerne
Wasserstellen auf, um sich zu putzen und auf dem
feuchten Boden nach Fressbarem zu suchen.
Wir befinden uns in einem Wald unweit von La Brévine (NE). Es beginnt zu dämmern. Die Fangchancen
sind intakt. Ein vor Ort gefundenes Federchen beweist:
Kürzlich war eine Schnepfe da.
Eine Amsel zetert, ein Sperlingskauz ruft. Sonst passiert nichts. Nach eineinhalb Stunden wird die Übung
abgebrochen.
Erlebnisreiche, aber erfolglose Fangnacht
Ortswechsel in ein Weidegebiet unterhalb des Creux-duVan (NE). Nachts gehen Waldschnepfen oft ins Freie auf
Futtersuche. Vincent Rocheteau leuchtet das Gelände
mit einem Handscheinwerfer aus. Das Schnepfenauge
würde das Licht gut sichtbar reflektieren, der Vogel
selbst bewegungslos auf dem Boden verharren, erklärt
er. Im Verlauf der nächsten Stunde erscheinen Rehe,
Füchse, Hasen und ein Wildschwein im Lichtkegel, aber
keine Schnepfe. Doch der Biologe gibt nicht auf. Und
tatsächlich: Um Mitternacht entdeckt er einen runden
Lichtfleck in der Vegetation. Adrenalinschub. Behutsam rückt er vor. Kurz vor dem Ziel endet auch dieser
Versuch – das Vogelauge hat sich als Wassertropfen
auf einem Pflanzenblatt geoutet.
Vincent Rocheteau nimmt es gelassen. Seit Juni 2015
war er im Neuenburger Jura auf Schnepfenpirsch.
Bis Mitte August erwischte er 7 Vögel. Hinzu kamen
5  Küken, die 2  Schnepfenjäger mithilfe speziell ausgebildeter Hunde fingen.Die Vögel wurden beringt und
danach wieder freigelassen. Die Prozedur erfolgte im
Rahmen eines vom BAFU unterstützten Forschungsprojektes (siehe Kasten). 2015 ging es primär darum,
Fangmethoden zu testen. Namentlich die Weibchen

sind extrem schwer zu behändigen. Für das Projekt
sollen aber einige mit Sendern ausgerüstet werden.
Und für bestimmte Fragestellungen braucht es Federproben, wofür ebenfalls Fänge nötig sind.
Die Waldschnepfe steht in der Schweiz auf der Roten
Liste der gefährdeten Arten, Kategorie «verletzlich». Im
Mittelland ist sie verschwunden, bloss im westlichen
Jura und in den Voralpen kann sie sich noch halten.
Im Tessin sowie in der Romandie wird sie immer
noch bejagt. Zwischen 1000 und 2500 Vögel werden
jährlich in der Schweiz erlegt. Zum Vergleich: Pro
Jahr werden in ganz Europa 4 Millionen Schnepfen
geschossen.
Streit um Schnepfenjagd
Ist die Jagd in der Schweiz noch zu verantworten? Nein,
meinen manche Vogelschützer. Doch, entgegnen die
Jäger, denn erlegt würden bei uns fast ausschliesslich

Das Forschungsprojekt
nb. In der Deutschschweiz ist die Waldschnepfe geschützt, in der Westschweiz, im Berner Jura und im
Tessin wird sie hingegen im Herbst noch bejagt (Änderung des Jagdgesetzes von 1962). Allerdings sind die
Faktoren, welche die Brutpopulationen bedrohen, nicht
genau bekannt. Fest steht, dass die Bestände zumindest
in einzelnen Kantonen, in denen die Art geschützt ist,
weiterhin rückläufig sind.
Mit dem Ziel, Massnahmen zur Erhaltung der Brut­
bestände zu entwickeln und – sofern mit diesem Ziel
vereinbar – eine nachhaltige jagdliche Nutzung der Art zu
ermöglichen, hat das BAFU ein Forschungsprojekt lanciert.
Es soll die wissenschaftlichen Grundlagen schaffen, die zur
Erfüllung der auf den ersten Blick widersprüchlichen Ziele
nötig sind.

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umwelt 1/2016 > DOSSIER WILDTIERE

François Estoppey
Die Waldschnepfe sei sein
Totemvogel, sagt der Biologe François Estoppey.
Vieles, was man heute über
die Lebensweise dieser
Vogelart in der Schweiz
weiss, ist seiner nebenamtlichen Forschungstätigkeit
zu verdanken. Seit seiner
Pensionierung als Gymna­
siallehrer hat er noch mehr
Zeit dafür – sowie für sein
zweites Hobby, die Natur­
fotografie.

Henri-Armand
Meister
ist Mitbeg ründer der Asso­cia­tion suisse des bécassiers
(ASB) und passionierter
Waldschnepfenjäger. Auf
seinen Pirschgängen durch
die Neuenburger Jurawälder
be­gleiten ihn jeweils seine
Hunde Hope und Jeepsy. Der
ehemalige Lehrer ist heute
als freier Publizist tätig. Zum
Ausgleich trainiert er die
japanische Sportart Iaid , die
«Kunst des Schwertziehens».
Bilder: Valérie Anex; Michel Muriset
(Waldschnepfe)

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DOSSIER WILDTIERE < umwelt 1/2016

ziehende Vögel aus Nordeuropa und Russland.
Deren Populationen sind nach Einschätzungen der
interna­tionalen Naturschutzorganisation IUCN nicht
gefährdet. Die bei uns brütenden Vögel seien hingegen längst in ihr Winterquartier im Mittelmeerraum
abgeflogen, wenn die Jagd beginne.
Es gibt indessen Hinweise darauf, dass sich zu
Beginn der Jagdzeit noch einzelne einheimische
Brutvögel in der Schweiz aufhalten. So konnte
der Ornithologe und Schnepfenkenner François
­Estoppey bei 4  Männchen, die er in den Westschweizer Voralpen gefangen und mit Sendern ausgerüstet
hatte, den Zeitpunkt des herbstlichen Wegzugs
bestimmen. Dieser lag zwischen dem 10. und dem
27. Oktober. Im Kanton Neuenburg wird die Schnepfenjagd offiziell am 16. September eröffnet, doch
warten die Jäger freiwillig zu bis Anfang Oktober. In
den übrigen Westschweizer Kantonen und im Tessin
beginnt sie zwischen dem 1. und dem 25. Oktober.
Aufgrund der Befunde seiner Studie plädiert
F rançois Estoppey für eine Verschiebung des
­
Jagdbeginns auf Ende Oktober. Bei den von ihm
fest­gestellten Abflugterminen handle es sich bloss
um ein punktuelles Ergebnis, das in einem ausserordentlich milden Herbst erbracht worden sei und
sich deshalb nicht verallgemeinern lasse, hält HenriArmand Meister dagegen.
Herkunftsbestimmung mittels Isotopen
Werden in der Schweiz auch einhei­mische Schnepfen erlegt, und wenn ja, wie viele? Diese Fragen zu
klären, ist eines der Ziele des Forschungsprojekts.
Dabei kommt die Isotopenmethode zur Anwendung: Sie basiert auf dem Verhältnis der Atome
Wasserstoff (H), Stickstoff (N) und Kohlenstoff (C)
zu ihren Isotopen 2H beziehungsweise 13C und 15N
in den Federn der Vögel. «Je nach Region sind diese
Verhältnisse in der Umwelt, in der Nahrungskette
und damit auch in den Federn der Schnepfen unterschiedlich», erklärt Projektleiter Yves Gonseth vom
Schweizer Zentrum für die Kartografie der ­Fauna
(SZKF) in Neuenburg.
Neuenburger Jäger haben bereits in den Jahren
2012 bis 2014 erlegten Schnepfen Federn entnommen. Die Resultate der von einem Berliner Labor
durchgeführten Analysen lagen bei Redaktionsschluss von umwelt 1/2016 noch nicht vor. Zu deren
Interpretation braucht es zudem Referenzgrössen
von Proben hierzulande geschlüpfter Vögel. «Je nach
Ergebnis wird man den Jagdbeginn in der Schweiz
eventuell anpassen müssen», meint der Biologe
Nicolas Bourquin, der das BAFU in der Projekt­
begleitgruppe vertritt.

Unklarheit über Rückgangsursachen
Weiter soll das BAFU-Projekt Grundlagen für Förderungsmassnahmen erbringen. Um einer Art wirksam
helfen zu können, muss bekannt sein, wo ihr Problem
liegt. Leidet die Waldschnepfe an den Veränderungen
der Wälder, die immer dunkler werden? Sind es die
Störungen durch die Menschen? Ist der Druck durch
natürliche Feinde – Fuchs, Wildschwein – zu gross
geworden?
Eine Analyse der Landschaftsentwicklung von
Gebieten, in denen die Waldschnepfe seit 1970 als
Brutvogel nachgewiesen wurde, könnte bei einigen
Fragen weiterhelfen. Was hat sich an Orten verändert,
die in diesem Zeitraum verwaist sind – im Vergleich
zu jenen, an denen die Art heute noch brütet? «Der
Fokus richtet sich auf die Waldzusammensetzung
und -struktur sowie auf die Bodenverhältnisse», sagt
Kurt Bollmann von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), der
diesen Projektteil bearbeitet. Ist der Wald dichter
geworden, sind Lichtungen eingewachsen, wurden
Feuchtbio­tope trockengelegt?
Durch Besenderung brütender Weibchen soll in
Erfahrung gebracht werden, wie die Vögel ihren
­Lebensraum nutzen und was dieser alles bieten muss,
damit sie sich erfolgreich fortpflanzen können.
Handeln, bevor man alles weiss
Mit konkreten Fördermassnahmen muss aber nicht
gewartet werden, bis alle Ergebnisse vorliegen. Auch
mit dem bereits vorhandenen Expertenwissen lässt
sich zumindest versuchsweise schon einiges tun.
Die Art brütet in weiten, nicht zu dichten Wäldern
mit feuchten Böden, die reich sind an Regenwürmern, ihren wichtigsten Beutetieren. Lichtungen,
unterholzreiche Partien und Flächen mit üppiger
Krautschicht sind wichtige Elemente ihres Lebensraums. Gezielte Holzschläge, die Wiedervernässung
drainierter Flächen oder die Beruhigung des Lebensraums etwa durch Sperren von Waldwegen, könnten
ihr das Leben erleichtern. Wenn Jäger und Ornithologen dafür zusammenspannen, lässt sich für den
Schnepfen­bestand in der Schweiz mehr erreichen
als über ein Jagdverbot.
Weiterführende Links zum Artikel:
www.bafu.admin.ch/magazin2016-1-03
KONTAKT
Nicolas Bourquin
Sektion Wildtiere und Waldbiodiversität
BAFU
+41 58 462 80 13
nicolas.bourquin@bafu.admin.ch

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umwelt 1/2016 > DOSSIER WILDTIERE

WILDSCHWEIN

Gefragter Hundetrainer
Damit die Schäden im Kulturland im Rahmen bleiben, müssen Wildschweine bejagt werden. Doch die traditionelle
Ansitzjagd auf die cleveren Tiere ist äusserst zeitaufwendig. Mit Stöberhunden geht es effizienter – und schonender
für das Wild. Die Hunde müssen aber sorgfältig dafür ausgebildet werden. Text: Nicolas Gattlen

«Haben Sie Angst vor Hunden? Nein? Also bitte, treten
Sie ein.» Daniel Gerber öffnet das Metalltor und führt
den Besucher über den Hof, den ein Dutzend Hunde
frequentieren. Ein paar neugierige beschnüffeln die
Hosen des Gastes, verlieren aber rasch das Interesse.
Daniel Gerber tritt in sein Arbeitszimmer. An der
Wand hängen Trophäen einer 35-jährigen Jägerkarriere, unter dem Tisch lümmeln 5 oder 6 Hunde. «So,
raus mit euch!», befiehlt der Chef. 2 dürfen bleiben,
die etwas ältere Dame Jade von Uhlengrund und
­Vicky, ein Deutscher Wachtelhund mit nur 3 Beinen.
Ein Autounfall? «Nein, ein Wildschwein hat ihn erwischt. Wahrscheinlich war’s eine Bache. Sie hat ihm
bei einer Drückjagd den Oberschenkel zermalmt.»
Weibliche Schweine wehren sich vehement, wenn
sie ihre Frischlinge verteidigen.
Respekt vor der Wildsau
Der damalige Besitzer wollte den Hund nach dem
Unfall einschläfern lassen, Daniel Gerber nahm
das verletzte Tier bei sich auf. «Eine Wildsau kann
einen Hund auch töten», erklärt er. Sie habe einen
ungemein kräftigen Biss. Männliche Tiere – Keiler –
verfügten über messerscharfe Zähne. Gefährlich seien
nicht unbedingt die grossen, 90 bis 100 Kilogramm
schweren Tiere, sondern die agileren mittelgrossen
und insbesondere die frisch- und altverletzten, weil
sie nicht mehr gut flüchten könnten und unberechenbar reagierten. «Deshalb ist es wichtig, dass die
Stöberhunde den Umgang mit dem Schwarzwild von
Grund auf erlernen. Sie dürfen nicht zu ungestüm
ans Werk gehen und schon gar nicht die gestellten
Tiere verletzen. Andererseits sollen sie auch nicht zu
zögerlich agieren, sonst bleiben die Sauen einfach im
Unterholz liegen.» Aufgabe der Hunde sei es, die aufgespürten Wildschweine «auf die Läufe zu bringen»
und in Bewegung zu halten. Das erfordere Ausdauer,
Jagdpassion, Mut und eben auch: Köpfchen.

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Daniel Gerbers Hunde sind gut geschult. Davon
zeugen die zahlreichen Zertifikate an den Bürowänden, ausgestellt vom deutschen Bundesland
Sachsen-Anhalt. Jago von der Schweinegrube etwa
hat mit Erfolg die «Brauchbarkeitsprüfung für
Jagdhunde» im Saugatter bestanden. Zuvor hatte
er mehrmals zusammen mit Daniel Gerber im
Gatter (siehe Kasten Seite 17) trainiert. Jago lernte
die Wehrhaftigkeit der Wildschweine kennen und
sein eigenes Verhalten anzupassen, lernte, wie er
die Sauen zu stellen hat, wie er sie aus dornigen
Büschen bekommt und auf Trab hält.
Alle 20 Stöberhunde aus Daniel Gerbers Meute
haben diese Trainings absolviert. Dafür musste
der Besitzer mit seinen Tieren weite Reisen nach
Deutschland oder Frankreich in Kauf nehmen,
denn entsprechende Möglichkeiten gab es bislang
in der Schweiz nicht: Die Ausbildung an lebenden
Wildschweinen war nicht erlaubt.
Schwarzwild-Gewöhnungsgatter
Das aber soll sich nun ändern. Auf Anregung aus
Landwirtschaftskreisen hat das BAFU im Jahr 2012
die eidgenössische Jagdverordnung um einen Passus erweitert, wonach die Kantone zur Sicherung
einer tierschutzgerechten Jagd die Ausbildung
von Hunden für die Wildschweinjagd zu regeln
haben. Schwarzwild-Gewöhnungsgatter sind dazu
unabdingbar – und inzwischen auch rechtlich
zulässig: Eine Revision der Tierschutzverordnung
2014 erlaubt neu die Ausbildung von Jagdhunden
an lebenden Wildschweinen und legt die Grundsätze dazu fest. Zurzeit wird auch die gemäss
Tierschutzverordnung notwendige Ausbildung
der Gattermeister im Auftrag des BAFU konzipiert.
Eine Arbeitsgruppe der Jagd- und Fischereiverwalterkonferenz (JFK) – des Zusammenschlusses
der kantonalen Jagdverwalter – prüft derzeit, wo

DOSSIER WILDTIERE < umwelt 1/2016

Daniel Gerber
An durchschnittlich 60 Tagen
pro Jahr geht der Landwirt
und Jäger Daniel Gerber mit
seinen Hunden auf die Wildsaujagd. Da bleibt keine Zeit
für andere Hobbys: Die Arbeit
auf seinem Landwirtschaftsbetrieb mit Ackerbau und
Grünlandnutzung, Schafen,
Rinder n, Mutterkühen sowie
Pferden sei abwechslungsreich genug, findet er. Auf
dem Foto hat er die beiden
Schwarzwildhunde «Danug»,
einen Westsibirischen Laika,
(links) und «Jamiro», einen
Deutschen Wachtelhund, bei
sich.
Bilder: Markus Forte, Ex-press/BAFU;
Fotolia (Wildschweine)

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umwelt 1/2016 > DOSSIER WILDTIERE

ein erstes Gatter errichtet werden kann. Interesse zeigen
etwa die Kantone Zürich und Aargau. Beide Kantone
verbuchten in den letzten Jahren massive Wildschweinschäden in der Landwirtschaft – 500 000 Fran­
ken
jährlich sind es im Kanton Aargau.

warf. Sie sah sich nicht mehr in der Lage, für die von
Wildschweinen angerichteten Schäden aufzukommen:
Bis zu 25 Prozent des jährlichen Jahrespachtzinses müssen Gesellschaften im Aargau dafür bezahlen.
Inzwischen sind die beiden Jagdreviere an eine andere
Gesellschaft vergeben worden: Die Jagd auf Wild­schweine
mag nervenzehrend sein, sie ist aber auch interessant.
Daniel Gerber ist Mitglied der neu gegründeten Jagd­
gesellschaft. Als Landwirt in Olsberg hatte er selber
immer wieder Schäden zu beklagen, vor allem in Weizen- und Maisfeldern. Dieses Jahr aber konnte er eine
reiche Weizenernte einfahren, und auch der Mais steht
an diesem glühend heissen Augusttag ohne Verluste
im Feld. «Die Drückjagd mit unseren Hunden scheint
Wirkung zu zeigen», freut sich der Landwirt, der auch
bei anderen Jagdgesellschaften ein wachsendes Interesse an ausgebildeten Schwarzwildhunden feststellt.
Rund 80 Anfragen hat er dieses Jahr schon erhalten,
etwa 50 Mal will er während der Jagdsaison 2015/16 mit
seiner Meute ausrücken. Je nach Grösse des Jagdgebiets
nimmt er zwischen 6 und 15 Hunde mit, rund 30 Franken
verlangt er pro Hund und Tag. «Die Jagd mit Hunden ist
sehr effizient und damit auch schonender für das Wild»,
erklärt Daniel Gerber

Cleveres Schwarzwild
Die natürlicherweise tagaktiven Wildschweine haben
sich dem Menschen angepasst und ihre Aktivitäten weitgehend in die Nacht verlegt. Entsprechend aufwendig ist
die Jagd: Bis zu 50 Stunden muss ein Jäger im Kanton
Aargau durchschnittlich ansitzen, bis ihm eine Wildsau
vor die Büchse läuft und erlegt werden kann. Die scheuen
Tiere haben einen ausgezeichneten Geruchssinn, und
sie hören sehr gut. Bereits das Klicken beim Einrasten
des Gewehrverschlusses oder beim Entsichern der Waffe
veranlasst sie zum Rückzug.
Hinzu kommt, dass das Schwarzwild lernfähig ist.
Wenn eine Bache an einem Ort schlechte Erfahrungen
gemacht hat, meidet sie diese Stelle für längere Zeit. Und
weil Wildschweine – ausgenommen die älteren, allein
lebenden Keiler – immer in der Rotte unterwegs sind,
das heisst in Gruppen mit 2 bis 3 Bachen und mehreren
Jungtieren, entsteht ein kollektives Wissen. Forscher
glauben, dass die starke soziale Struktur einer der Hauptgründe dafür ist, dass Wildschweine so schwierig zu
erlegen sind. Derart schwierig, dass beispielsweise die
Jagdgesellschaft Berg, welche die Reviere Olsberg Nord
und Rheinfelden West im Kanton Aargau bewirtschaftete, im Frühjahr 2013 entnervt ihre Flinten ins Korn

Effiziente Regulation in Naturvorranggebieten
Roman Eyholzer, Jagdverwalter im Kanton Freiburg, hat
am südlichen Ufer des Neuenburgersees ein besonderes
Problem zu managen: Die Wildschweine fressen hier
nachts in den ufernahen Mais- und Kartoffelfeldern

JAGDSTATISTIK 2014: ANZAHL ERLEGTER TIERE IN DER SCHWEIZ

Wildschweine
5802

VÖGEL

Rehe
40 575

HUFTIERE

Haubentaucher
132

Waldschnepfen
2064
Blässhühner
569
Gämsen
12 129

Entenvögel
6243

Rabenvögel
12 874

Hühnervögel
1000

Ringeltauben
595

Haustauben
3988
Kormorane
1199

Hirsche
10 715

RAUBTIERE

Feldhasen
1740

Füchse
24 093

DIVERSE SÄUGETIERE
Schneehasen
1181

Dachse
2483

Steinmarder
1217
Baummarder
138

16

Türkentauben
271

Alpenmurmeltiere
6445

Quelle: Eidg. Jagdstatistik, BAFU

DOSSIER WILDTIERE < umwelt 1/2016

und ziehen sich tagsüber in die Schilfgürtel oder Uferwälder zurück, wo die Allesfresser auch Vogeleier und
junge ­Vögel verspeisen. Nur wenn die Vegetation in den
Feldern höher ist als 70 Zentimeter, verbringen die Sauen
auch den Tag gern im Feld, wie ein Forschungsprojekt mit­
10 GPS-besenderten Wildschweinen dokumentiert.
In den Äckern entlang des Seeufers verursacht das
Schwarzwild Schäden von 40 000 bis 50 000 Fran­ken pro
Jahr. Obwohl sich am Ufer des Neuenburgersees Wasserund Zugvogelschutzgebiete von internationaler Bedeutung
befänden, könne nicht auf die Reduktion der Wildschweinbestände verzichtet werden, erklärt der Freiburger Jagdverwalter. «Die Jagd aber stört die Wasservögel und kann
sensible Vogelarten vertreiben. Deshalb sollte sie möglichst
effizient sein. Wie ein kurzes, heftiges Gewitter.»
Zweimal hatte man es ohne spezialisierte Hunde versucht, einmal gänzlich erfolglos, einmal kam eine einzige
Sau zur Strecke. Also begab sich Roman Eyholzer im
Januar 2012 mit 5 Hundeführern und ihren 9 Schwarzwildhunden auf eine bewilligte Drückjagd in den ausgedehnten Schilfgebieten bei Portalban. Ulrich Bärtschi, ein
erfahrener Berner Hundeführer, hatte die Aufgabe, mit
seinen 4 Kollegen und ihren erfahrenen Stöberhunden die
Schwarzwildrotten in den riesigen Riedgebieten zu finden
und aus dem unwegsamen Schilf zu treiben. «Das Stöbern
im dichten Schilf, in den scharfrandigen Seggen und auf
den teils schwimmenden Böden war extrem anstrengend
für die Hunde», erinnert er sich. «Am Ende des Tages aber
waren 28 Wildsauen erlegt.»
Mit dabei war auch der Ornithologe Michel Antoniazza
von der «Association de la Grande Cariçaie», die für die
­Betreuung der Naturschutzgebiete entlang des Südufers
des Neuenburgersees zuständig ist. Er beobachtete das Verhalten der Wasservögel. Wie haben diese auf das «Gewitter»
­reagiert? «Die Schüsse haben sie aufgeschreckt, doch nach
kurzer Zeit liessen sich die meisten von ihnen wieder im
Gebiet nieder», bilanziert Michel Antoniazza. «Einzig die
sensibleren Arten wie Reiherente, Tafelente und Kolben­
ente sind in den folgenden Tagen nicht zurückgekehrt,
einige Tiere scheinen gar den See verlassen zu haben.»
Schliesslich aber ermöglichte die kleine Jagdtruppe,
dass am Südufer des Neuenburgersees an einem einzigen
Tag gleich viele Wildsauen erlegt werden konnten wie
während 5 Monaten im ganzen Rest des Kantons. «Die
Vögel werden nun nicht mehr länger gestört, und auch
die verbleibenden Wildschweine können ohne weiteren
Jagddruck im Schutzgebiet leben», erklärt Roman Eyholzer.
«Ohne die sehr guten, am Schwarzwild ausgebildeten und
im Umgang mit diesem erfahrenen Hunde wäre dies nicht
möglich gewesen.»
Weiterführende Links zum Artikel:
www.bafu.admin.ch/magazin2016-1-04

Ausbildung im Schwarzwild­
Gewöhnungsgatter
nig. Schwarzwild-Gewöhnungsgatter sind für die
Ausbildung und Selektion von spezialisierten Jagdhunden unerlässlich. Im Gatter erkennt man, welche
Hunde dazu geeignet sind, die Wildschweine zu jagen,
ohne sie zu verletzen oder sich selber zu gefährden.
Gemäss der revidierten Jagdschutzverordnung dürfen nur noch solche Hunde für Schwarzwildjagden
eingesetzt werden.
Wie die Ausbildung der Hunde im SchwarzwildGewöhnungsgatter erfolgen soll, hält die Arbeits­
gemeinschaft für das Jagdhundewesen (AGJ) in einem
Musterreglement fest. Dieses lehnt sich an entsprechende Reglemente aus seit Jahren bestehenden deutschen
Gattern an. Zuerst gilt es, die Junghunde an den Geruch
und den Anblick von Frischlingen zu gewöhnen; Hund
und Schwarzwild sind durch ein Gitter voneinander
getrennt.
Danach setzt man einen einzelnen Junghund in
einem kleineren Gatter auf Sicht und kurze Distanz
auf mehrere Wildschweine an, die vor dem Hund
davonlaufen, ohne sich ihm zu stellen. Der Hund lernt
mit Unterstützung seines Meisters, den Tieren zu fol­gen. Sein Jagdtrieb wird gefördert. Hunde, welche die
Sauen zu stark bedrängen oder sie gar zu packen ver­
suchen, werden auf Wildschweine angesetzt, die sich
nicht mehr ohne Weiteres vom Hund treiben lassen,
sondern sich gegen diesen wenden – ohne bösartig
zu sein. Der Hund lernt, dass Wildschweine wehrhaft
sind und dass er besser Distanz hält. Gleichzeitig soll er
zeigen, dass er sich nicht vom Wildschwein abwendet,
sondern dieses auf Distanz hartnäckig verbellt.
Schliesslich folgt der Einsatz in einem grösseren
Gatter mit dichtem Unterwuchs. Der Hund muss nun
mit der Nase selbstständig Wildschweine aufspüren,
diese im Unterwuchs verbellen und verfolgen, ohne sich­
ihnen zu stark anzunähern. Schafft er diese Prüfung,
wird er für die Jagd zugelassen.

KONTAKT
Martin Baumann
Sektion Wildtiere und Waldbiodiversität
BAFU
+41 58 464 78 33
martin.baumann@bafu.admin.ch

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umwelt 1/2016 > DOSSIER WILDTIERE

Peter Bänteli
Mit dem Biber ist Peter Bänteli,
Revierförster im Zürcher Weinland, seit Jahren vertraut. «Ich
finde es schön, ihm ein Waldstück
zu seiner Nutzung zu überlassen», sagt er. «Holz hat’s auf
jeden Fall genug für ihn.» In der
Freizeit mag er es sportlich: Im
Winter besteigt er mit Schneeschuhen Gipfel und kurvt auf dem
Snowboard ins Tal, im Sommer
fährt er auf seinem Bike durch die
Gegend.
Bilder: Flurin Bertschinger/Ex-press/BAFU;
Christof Angst (Biber)

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DOSSIER WILDTIERE < umwelt 1/2016

BIBER

Nagen für die Artenvielfalt
Auch wenn er gelegentlich für Ärger sorgt: Die Rückkehr des Bibers in unsere Gewässerlandschaft ist eine
Erfolgsgeschichte des Artenschutzes – für den Nager selbst, aber auch für die zahlreichen Tiere und Pflanzen,
die er als Landschaftsgestalter fördert. Text: Hansjakob Baumgartner

Dass Peter Bäntelis Försterherz anfänglich
blutete, ist begreiflich. Der rund 70-jährige,
sorgfältig gepflegte Eschenbestand wäre demnächst hiebreif geworden und hätte wertvolles
Holz geliefert. Doch vor der Motorsäge kam der
Biber. Er staute den Schüepbach, der im Wehriwald bei Andelfingen (ZH) der Thur zufliesst,
und setzte ein rund 2 Hektaren grosses Waldstück unter Wasser. Seither serbeln die Eschen.
Einige tragen noch eine schüttere Krone, die
meisten sind bloss noch ein Baumgerippe.
Bei der Ortsbesichtigung Anfang September
2015 ist der Boden wieder trocken. Aber das
ist eine Ausnahmesituation. Der sehnlichst
erwartete Regen nach dem Hitzesommer ist
immer noch nicht gefallen. Der Schüepbach ist
zu einem Rinnsal verkommen. Doch oberhalb
des Biberdamms hat es immer noch genug
Wasser, um den Eingang zum Wohnbau des
Nagers zu verbergen.
Waldwildnis
Trotz Trockenheit sind die Auswirkungen der
Biberaktivität auf das Waldbild gut sichtbar.
Seit dem Absterben des Kronendachs kommt
wieder Licht auf den Boden. Seggen und
Sumpf-Vergissmeinnicht schiessen ins Kraut,
Traubenkirschen wachsen zu einer neuen
Strauchschicht heran. Flächen mit umgebrochener Erde zeugen davon, dass sich Wildschweine gerne in diesem Dickicht aufhalten.
Es sei spannend zu verfolgen, wie sich dieser
Waldlebensraum unter dem Einfluss des Bibers
entwickeln wird, meint Peter Bänteli.
Als Förster wird er keinen Einfluss mehr
nehmen. Denn seit 2014 ist der Wehriwald
ein Naturwaldreservat. Die Waldeigentüme­rin – die Gemeinde Andelfingen – verpflichtete sich, 50 Jahre lang auf die forstliche Nut-

zung zu verzichten. Peter Bänteli trauert zwar
dem wertvollen Eschenbestand immer noch
ein wenig nach. «Andererseits gefällt mir, was
das Nagetier alles fertigbringt», sagt er.
Ökosystem-Ingenieur
In der Tat: Der Biber kann, was ausser dem
Menschen sonst kein Tier vermag – die Gewässerlandschaften gestalten. Und er tut dies
nicht nur zu seinem eigenen Vorteil: Wo er
sich ans Werk macht, entstehen Lebensnischen
für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten.
Mit seinen Dämmen erweitert er die Wasserfläche, lässt Buchten, neue Flachufer und
Verlandungszonen entstehen. Durch seine
Holzschläge strukturiert er das Ufergehölz,
lichtet ganze Waldstücke aus, schafft ein
­Mosaik unterschiedlicher Stadien der Wald­
entwicklung. Dabei hinterlässt er auch Moder­­
holz, das von Käfern und anderen Insekten
besiedelt wird.
Dass er damit die Biodiversität effizient fördert, belegen viele Untersuchungen zur Vegetation sowie zur Amphibien-, Fisch-, Insektenund Wasservogelfauna von Bibergewässern.
In wissenschaftlichen Publikationen wurde
der Nager denn auch schon als «ÖkosystemIngenieur» bezeichnet.
Evolutionsfaktor
Es gibt sogar die Theorie, dass manche Arten in
ihrer heutigen Form nur dank des Bibers überhaupt existieren. Denn als vor rund 15 Mil­lionen Jahren die ersten Vertreter der Gattung
Castor auftraten, mussten sie ihren Lebensraum selbst schaffen. Biber brauchen Bäche,
die gemächlich fliessen und auch bei geringer
Wasserführung mindestens einen halben
Meter tief sind. Nur so können sie bequem

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umwelt 1/2016 > DOSSIER WILDTIERE

schwimmen, Gehölze als Nahrungsvorrat für den
Winter transportieren, bei Gefahr untertauchen
und am Ufer einen Bau graben, dessen Eingang
stets unter Wasser liegt, der Wohnraum aber
trocken bleibt.
Solche Gewässer waren schon damals rar.
Fliessgewässer sind natürlicherweise geprägt
vom Wechsel zwischen Hoch- und Niedrigwasser.
Während der Schneeschmelze und nach heftigen
Regenfällen schwellen sie an und fliessen zügig,
bei Trockenheit führen sie nur wenig oder gar
kein Wasser.
Der Auftritt des Bibers bewirkte, dass in den
Flusstälern grossflächig Biotope entstanden, die
vorher nur punktuell existiert hatten – Teiche,
langsam fliessende Bäche, Sümpfe, Rodungsflächen im Auenwald. Der Nager wurde damit
zu einem Evolutionsfaktor: Manche Arten der
Gewässerflora und -fauna passten sich den von
ihm geprägten Landschaften an, wandelten sich,
erfanden sich neu.
Als der Biber Anfang des 20. Jahrhunderts in
Europa weitgehend ausgerottet war, gerieten
auch seine Begleiter in Bedrängnis. Dank seiner
Rückkehr geht es mit ihnen nun mancherorts
wieder aufwärts. So ist zum Beispiel der zeitweilig
ausgestorbene Schwarzstorch mithilfe des Bibers
nach Deutschland zurückgekehrt. Im Baltikum
profitierte der Vogel vom üppigen Angebot an
Insektenlarven und Fischen in den sich ausdehnenden Bibergebieten. Der Populationsanstieg
führte zu seiner Ausbreitung westwärts, wo er
wiederum in Bibergewässern geeignete Brut­
gebiete fand.
Geburtshelfer für Waldreservate
In Waldreservaten kann der Biber sein Potenzial als Landschaftsgestalter und Biodiversitätsförderer voll entfalten. Der Gewinn für die
Natur übersteigt die Kosten bei Weitem. Für das
5,46 Hektaren grosse Reservat Wehriwald zahlte
der Kanton Zürich der Waldeigentümerin eine
einmalige Entschädigungssumme von bloss
22 500 Franken. Der Verlust durch den Nutzungsverzicht war damit gedeckt.
Das Beispiel könnte Schule machen. Derzeit
sind rund 60 000 Hektaren oder annähernd
5 Prozent der Waldfläche der Schweiz als Reservate ausgewiesen. Bis zum Jahr 2030 sollen es
10 Prozent sein. «Wo immer Biber einen Waldbach besiedeln, ist es naheliegend, das betroffene

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Waldstück als Reservat auszuscheiden», sagt
Caroline Nienhuis von der Sektion Wildtiere
und Waldbiodiversität im BAFU.
Der auenreiche Kanton Aargau hat kürzlich
einen Beschluss für das Vorgehen bei Frassschäden durch Biber im Wald gefasst. «Wird
Wald durch Dammbauten vernässt, streben wir
eine Reservatslösung an», sagt Christian T
­ esini,
Biberverantwortlicher des Kantons. Fällen
die Tiere bloss Bäume, bietet der Kanton dem
Waldeigentümer eine pauschale Entschädigung
für 10 Jahre an, mit der Auflage, dass in einem
50 Meter breiten Streifen entlang des Gewässers die Nutzung beschränkt wird: So dürfen
insbesondere Weichhölzer weder gefällt noch
entfernt werden.
Spektakuläres Comeback
Der Biber hat in der Schweiz eine bemerkenswerte Karriere von einer ausgestorbenen Art zum
überaus erfolgreichen Mitglied der Fauna hinter
sich. 1957 wurden die ersten Tiere ausgesetzt.
Heute leben schätzungsweise 2800 Biber in der
Schweiz, 1200 mehr als vor 10 Jahren.
Die Kehrseite dieser Erfolgsgeschichte des
Artenschutzes ist, dass der Nager mehr und
mehr auch als Schadtier wahrgenommen wird.
Gräbt er beispielsweise seinen Bau in die Uferböschung, kann er den Weg entlang des Bachs
zum Einsturz bringen. Für Menschen zu Fuss,
auf Pferden oder auf Fahrrädern besteht dann
Unfallgefahr. Der Wegeigentümer kann für die
Folgen haftbar gemacht werden. Das Problem
stellt sich vielerorts: Drei Viertel der Fliessgewässer des Mittellandes sind ein- oder beidseitig von
Fahrwegen gesäumt.
Auch wenn ein Biber am falschen Ort staut,
sind die Folgen zuweilen ärgerlich. Der Grundwasserspiegel im Umland steigt an, angrenzendes
Kulturland versumpft und lässt sich ackerbaulich nicht mehr nutzen. Letzteres passiert auch,
wenn Drainageröhren aus flachem Agrarland
in den gestauten Bach münden. Es kommt zu
einem Rückstau. Einsickernde Sedimente verstopfen die Röhren, was zur Vernässung von
Wiesen und Äckern führt.
«Der Biber muss weg», heisst es dann nicht
selten. Doch die Art ist in der Schweiz geschützt.
Dies gilt auch für ihre Lebensräume: Burgen oder
Dämme dürfen nur mit einer Ausnahmebewilligung der zuständigen Behörde entfernt werden.

DOSSIER WILDTIERE < umwelt 1/2016

Zwar ist der Schutz nicht absolut. Verursachen
einzelne Individuen grosse Schäden, gefährden
sie Siedlungen oder im öffentlichen Interesse
stehende Bauten und Anlagen, können sie gemäss
Jagdverordnung eingefangen und abgeschossen
werden.
Doch die Ruhe, die danach einkehrt, ist meist
vorübergehend: Bald wird der nächste Biber an
derselben Stelle graben oder stauen. Dasselbe
gilt, wenn ein Damm entfernt wird. Manchmal
reichen wenige Nächte für einen Neubau.
Technische Konfliktlösungen
In bestimmten Fällen bieten sich technische
Lösungen an:
•	 Wo Biber nicht graben dürfen, können sie mit
einem auf die Uferböschung gelegten Gitter
oder Steinschlagnetz daran gehindert werden.
Bietet man ihnen zugleich einen Kunstbau
an, sind sie dennoch in der Lage, das fragliche
Gewässer zu besiedeln.
•	 Um den Nager an unerwünschter Stautätigkeit zu hindern, gibt es einen Trick: Durch
den Damm wird ein Rohr verlegt, in dem das
Wasser abfliessen kann. Wichtig ist, dass das
Rohr lang genug ist. Liegt der Eingang zu nahe
am Damm, wird der Biber ihn verstopfen – so
wie er das bei Lecks natürlicherweise tut. Das
Fliessgeräusch alarmiert ihn und weist ihn
zur undichten Stelle. Hört er nichts, weil der
Rohreinlauf weit genug vom Damm entfernt
ist, unterbleibt die Reparaturtätigkeit.
•	 Ein angepasstes Drainagesystem kann das
Problem der Wiedervernässung entwässerter
Böden lösen. Anstatt in den Bach wird das
Drainagewasser in uferparallel angelegte Sam­
melleitungen geführt. Diese leiten es bis zu
einer Stelle ab, wo das Gefälle so gross ist, dass
es dem Bach übergeben werden kann. Gemäss
einer Erhebung des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) aus dem Jahr 2008 werden heute
18 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche
künstlich entwässert. Viele Drainagen sind alt
und in einem schlechten Zustand. Bei nötigen
Sanierungen sollte in bestehenden oder potenziellen Bibergewässern eine solche Lösung
zumindest geprüft werden.
Fehlender Gewässerraum
Letztlich haben alle Probleme mit Bibern eine
gemeinsame Ursache: fehlender Gewässerraum.

Mehr als 90 Prozent der Konflikte mit Bibern
stellen sich in einem bloss 10 Meter breiten
Uferbereich entlang der Bäche. Für Wege ist die
Einsturzgefahr bereits ab einem Uferabstand von
5 Metern weitgehend gebannt. Nur äusserst selten
graben die Tiere weiter landeinwärts.
Auch die Vernässung des Umlandes durch die
Stautätigkeit betrifft meist nur geringe Flächen.
Ausser in sehr flachem Gelände beschränkt sie
sich auf einen 10 bis 20 Meter breiten Ufer­streifen.
Mit anderen Worten: Wo Fliessgewässern genug
Raum zugestanden wird, ist das Zusammenleben
mit Bibern problemlos.
Seit 2011 schreibt das Gewässerschutzgesetz
einen minimalen Gewässerraum für Bäche und
Flüsse vor – dies nicht nur aus ökologischen
Gründen, sondern auch um Hochwasserereignissen vorzubeugen. Dabei sollen einerseits die
heute bereits bestehenden Pufferstreifen entlang
der Ufer erweitert werden. Hierzu braucht es
schweizweit rund 20 000 Hektaren, hauptsächlich
im Landwirtschaftsgebiet. Die betroffenen Böden
gehen der Landwirtschaft aber nicht verloren. Extensive Grünlandnutzung bleibt möglich. Zudem
gelten die Uferstreifen als beitragsberechtigte
Biodiversitätsförderflächen.
Als Kulturland nicht mehr nutzbar werden
hingegen die Flächen sein, die in den kommenden 80 Jahren für die Revitalisierung eingeengter Bäche und Flüsse benötigt werden. Es sind
schätzungsweise 2000 Hektaren oder knapp
0,2 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche
der Schweiz.
Einen guten Teil davon wird der Biber zu wahren Ballungsräumen der Biodiversität aufwerten.
Weiterführende Links zum Artikel:
www.bafu.admin.ch/magazin2016-1-05

KONTAKTE
Caroline Nienhuis
Sektion Wildtiere und Waldbiodiversität
BAFU
+41 58 464 78 49
caroline.nienhuis@bafu.admin.ch
Hugo Aschwanden
Sektionschef Revitalisierung und
Gewässerbewirtschaftung
BAFU
+41 58 464 76 70
hugo.aschwanden@bafu.admin.ch

21

umwelt 1/2016 > DOSSIER WILDTIERE

WILDTIERSCHUTZGEBIETE

Naturschutz mit Weitsicht
Vor 140 Jahren wurden die ersten eidgenössischen Jagdbanngebiete errichtet. Heute existieren
42 Gebiete von nationaler Bedeutung, in denen der Schutz der Fauna Vorrang hat. Dass es auch in
der vom Menschen geprägten Schweiz noch Wildnis für die Tierwelt gibt, ist das Ergebnis eines
weitsichtigen und integralen Naturverständnisses. Text: Urs Fitze

12 junge Bartgeier aus einem internationalen Zuchtprogramm wurden in den Jahren 2010 bis 2014 im
Jagdbanngebiet Graue Hörner im St. Galler Cal­fei­
sental ausgewildert. Es handelte sich um die ersten
Aussetzungen auf der Alpennordseite im Rahmen
des Wiederansiedlungsprogramms für den einst als
Lämmergeier oder gar Kinderräuber verunglimpften
Vogel, der Anfang des 20. Jahrhunderts aus den Alpen
verschwunden war.
Die Aasfresser machten hier ihre ersten Flugversuche und gewöhnten sich rasch an das Leben in
Freiheit. «Wir haben das Gebiet insbesondere wegen
seines Wildreichtums und der guten naturräumlichen
Voraussetzungen ausgesucht», erklärt Daniel Hegglin
von der federführenden Stiftung Pro Bartgeier. Die
Erfahrungen seien positiv. «Es geht, soweit wir das
feststellen können, allen Bartgeiern gut. Wir rechnen damit, dass es schon in einigen Jahren erstmals
Nachwuchs in der Region geben wird.»
Abgeschiedene Gebirgslandschaft
Die Bartgeier haben den neuen Lebensraum ebenso
selbstverständlich angenommen wie die Steinböcke,
die 1911 im selben Gebiet freigelassen worden waren
– zwecks Wiederansiedlung der in den Schweizer
­Alpen gleichfalls komplett ausgerotteten Huftierart. Im Bereich der Grauen Hörner hatte sich ein
Restbestand von Gämsen gehalten. Dies und die Abgeschiedenheit dieser Gebirgslandschaft hatten die
kantonalen St. Galler Behörden 1901 dazu bewogen,
hier ein Jagdbanngebiet zu begründen.
Sie waren dazu gesetzlich verpflichtet: Aufgrund
des 1875 verabschiedeten Jagdgesetzes waren die gros­sen Gebirgskantone gehalten, je 3 solche Gebiete
auszuscheiden. Für Kantone mittlerer Grösse waren

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2 vorgeschrieben, in kleinen Kantonen beschränkte
man sich auf eines.
3 Wildhüter bewachten das ausgesetzte Steinwild
im Jagdbanngebiet Graue Hörner. Der Wert eines
Steinbocks überstieg ihr Jahresgehalt. Die Ansiedlung
gelang. Nach und nach kehrten aus dem benachbarten Österreich auch die Hirsche zurück. Doch es sollte
bis in die späten 1960er-Jahre dauern, bis sich eine
sich selbst erhaltende Population etablieren konnte. Heute besiedeln im Sommer rund 250 Hirsche,
400 Gämsen und 250 Steinböcke das 55,5 Quadratkilometer grosse Jagdbanngebiet. An den Talhängen
halten sich auch ein paar Rehe auf. Von den hiesigen
Huftieren fehlt nur das Wildschwein: Ihm ist das
Klima im Winter mit den enormen Schneemengen
zu rau.
Mittlerweile ist auch schon ein Wolf aufgekreuzt.
Er stammt aus dem nahe gelegenen Calandagebiet
(GR), wo sich ein Paar 2012 erstmals fortpflanzte und
ein Rudel bildete, das seither jedes Jahr Nachwuchs
hat. Wolf und Wild gewöhnten sich rasch aneinander: Gämsen und Steinböcke bleiben stets in der
Nähe rettender Felswände, die Hirsche weichen in
benachbarte Täler aus. «Zu einer Bedrohung für die
Huftierbestände wird der Wolf nicht werden», schätzt
der zuständige Wildhüter Rolf Wildhaber.
Geringe Alpnutzung
Die Urtümlichkeit der Grauen Hörner lässt ihn an die
Wildnis der kanadischen Rocky Mountains denken.
Tatsächlich ist das Banngebiet nur gerade an einer
Stelle, im Calfeisental, durch eine für den normalen Verkehr gesperrte Alpstrasse erschlossen. Hier
produziert die letzte Alpsennin im Tal einen viel
gerühmten Käse. Alle anderen Alpen werden nur

DOSSIER WILDTIERE < umwelt 1/2016

Daniel Hegglin
ist Wildtierbiologe im Zürcher
Büro für Stadtökologie und Wildtierforschung SWILD. ­Beruflich
ist er auch in den Alpen unter­
wegs und ortet besenderte
Bartgeier mit einem Peil­gerät.
In der Freizeit tauscht er ge­
le­gentlich den Feldstecher
gegen eine Tau­cherbrille und
beobachtet die Unterwasser­
fauna der Schwei­zer Seen. Das
Foto im Hintergrund zeigt ­die
Landschaft im Jagdbann­gebiet
Graue Hörner (SG).
Bilder: Markus Forte/Ex-Press/BAFU;
Markus P. Staehli/wildphoto.ch (Montage)

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umwelt 1/2016 > DOSSIER WILDTIERE

noch mit Rindern, Mutterkühen und – in stark
sinkender Zahl – mit Schafen bestossen.
«Nutzvieh und wilde Huftiere tun sich nicht
weiter weh», sagt Rolf Wildhaber. «Es kommt vor,
dass Rinder und Hirsche praktisch Seite an Seite
grasen und einander mit erstaunlicher Konsequenz ignorieren.»
Während der Wolf dem Rindvieh nur selten
gefährlich wird, sind die Schafe in Gefahr. Es ist
denn auch schon zu Angriffen auf unbewachte
Herden gekommen. Für einige Alpsennen gab
dies angesichts ihrer für eine dauernde Behirtung
zu kleinen Herden den Ausschlag, neue Wege
zu gehen. Das heisst, zusammen mit anderen
Schafhaltern grössere, bewachte Herden zu bilden oder die Bestossung von Weiden in Lagen ab
2200 Metern über Meer aufzugeben – was aus
Sicht der Artenvielfalt wünschenswert ist.
Wilderei kommt im Jagdbanngebiet seit Jahrzehnten nur noch ganz selten vor. Die Jäger
respektieren die Grenzen. Der einzige Mensch,
der in diesem Jagdbanngebiet zur Waffe greifen
darf, ist der Wildhüter. Dann geht es meistens
darum, verletzte, kranke oder sehr schwache Tiere
von ihren Leiden zu erlösen. Weiter wird dafür
gesorgt, dass sich ansteckende Krankheiten wie
Gämsblindheit oder Moderhinke – eine Klauen­
erkrankung bei Wiederkäuern – nicht weiter
ausbreiten. Vereinzelt macht der Wildhüter am
Rande des Jagdbanngebietes auch mal einen
Vergrämungsabschuss, um Wildschaden in den
Weiden der umliegenden Landwirtschaftsbetriebe
zu verhindern.
Ungestörte Winterruhe
Im Winter wird es ganz still. Es gibt nur eine
offizielle Skitourenroute, die das Jagdbanngebiet
streift. Steinböcke harren in den steilsten, süd­
exponierten Wänden aus, wo schon bei 30 Zen­timetern Neuschnee Lawinen niedergehen. Auf
den abgeräumten Felsstücken halten sie dann
nach den letzten vertrockneten Grashalmen
Ausschau. Die Hirsche verlassen grösstenteils das
Jagdbanngebiet und sammeln sich in milderen
Tieflagen. Die Tiere, die bleiben, halten sich auf
ausgesetzten Kreten auf, wo der Wind den Schnee
verbläst. Ihr Stoffkreislauf ist im Schongang. S
­ ie
überleben mit einem Drittel der gewohnten Nahrungsmenge.
Ihren ursprünglichen Zweck, den Wiederaufbau der Huftierbestände, haben die Schweizer
Jagdbanngebiete mittlerweile erfüllt. Heute
bilden sie Refugien, «in denen die Wildtiere ein

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ganzes Leben verbringen dürfen, ohne vom
Menschen gestört oder bejagt zu werden», sagt
Rolf Wildhaber.
Bestrebungen, den strikten Schutz aufzuweichen, wurde 1991 mit einer Revision der Verordnung über die eidgenössischen Jagdbanngebiete
ein Riegel geschoben. Dabei wurde nicht nur der
integrale Schutz vor Bejagung bestätigt. Wer im
Winter auf Tourenskis oder mit Schneeschuhen
unterwegs ist, muss sich heute strikt an die zulässigen Routen halten.
Vorranggebiete für Fauna und Flora
Einem Vorstoss aus dem Parlament folgend, ist
im Rahmen einer Gesetzes- und Verordnungsrevision eine Umbenennung der Jagdbann­gebiete
in «Wildtierschutzgebiete» geplant. «Der neue
Name soll dem Wandel vom ursprünglich
alleinigen Schutz vor jagdlichen Eingriffen –
dem Bann der Jagd – zum heutigen integralen
Schutzverständnis Rechnung tragen», erklärt
­Sabine Herzog, stellvertretende Chefin der Sektion Wildtiere und Waldbiodiversität im BAFU. Im
Mittelpunkt soll nebst dem Jagdverbot und der
Vermeidung von Störungen durch Freizeitakti­
vitäten auch die Absicht stehen, das Potenzial
dieser wilden, abgelegenen Landschaften für
die Artenförderung auszuschöpfen. Denn diese
beherbergen zahlreiche sogenannt prioritäre
Tier- und Pflanzenarten, deren Schutz und
Förderung aufgrund ihrer Seltenheit oder der
Verantwortung der Schweiz für sie Vorrang hat.
Zurzeit existieren hierzulande 42 Wildtierschutzgebiete von nationaler Bedeutung. Sie bedecken zusammen 3,5 Prozent der Landesfläche.
Dass die Schweiz heute über diese Naturwerte
verfüge, sei eine «Erfolgsgeschichte des Naturschutzes, zu verdanken der Weitsicht derjenigen,
die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
erkannt haben, dass es Grenzen gibt, die der
Mensch in der Natur zu respektieren hat», sagt
Sabine Herzog.
Weiterführende Links zum Artikel:
www.bafu.admin.ch/magazin2016-1-06

KONTAKT
Sabine Herzog
Sektion Wildtiere und Waldbiodiversität
BAFU
+41 58 463 03 40
sabine.herzog@bafu.admin.ch

DOSSIER WILDTIERE < umwelt 1/2016

WILDTIERVERKEHR

Lücken im Verkehrsnetz
der Fauna
Auch Tiere haben Mobilitätsbedürfnisse. Überregionale Wildtierkorridore bilden ihr Verkehrsnetz,
das allerdings ziemlich viele Lücken aufweist. Der Bau von Wildtierquerungen soll helfen, diese zu
schliessen. Text: Peter Bader
Am frühen Morgen des 26. August 2013 konnte
die Polizei die Hirschkuh befreien. Sie war zuvor
wohl während mehrerer Stunden auf der Autobahn A1 umhergeirrt. Auf der Höhe von Oensingen (SO) gelang es den Beamten, das verängstigte
Tier durch ein Tor im Autobahnzaun zu lotsen
und so in die Freiheit zu führen.
Dass solche Autobahnüberquerungen von
Wildtieren für alle Verkehrsteilnehmenden unfallfrei enden, ist keineswegs selbstverständlich.
Jährlich sterben in der Schweiz zwischen 350 und
450 Hirsche im Strassenverkehr. Kollisionen sind
auch für die Automobilistinnen und Automobilisten nicht ungefährlich.
Staus im Wildtierverkehr
Die Problematik hat sich in den vergangenen
Jahren laufend verschärft, denn die Zahl der
Hirsche auf Wanderschaft nimmt zu. Tiere aus
dem wachsenden Bestand in den Voralpen ziehen Richtung nördlicher Jura, wo noch kaum
Art­genossen leben. Autobahnen blockieren den
Weg dahin. So kommt es zu Staus im Wildtierver­kehr – zum Beispiel zwischen Kestenholz und
Niederbuchsiten (SO). An den Zäunen der A1
endet die Fernwanderroute, die von den Voralpen nördlich des Brienzersees via Emmental
und Oberaargau (BE) an den Fuss des Solothurner
Juras führt.
Strassen und Schienen sind nicht das einzige
Hindernis, das die Mobilität der Wildtiere hierzulande zusehends einschränkt. Die Ausdehnung
des Siedlungsgebietes verschärft die Situation
zusätzlich. Eine gute Vernetzung der geeigneten
Lebensräume wäre für den Hirsch aber unerlässlich, damit mögliche Habitate, die derzeit von
ihm noch unbesiedelt sind, kolonisiert werden
können. «Als typischer Fernwanderer mit ausge-

prägten saisonalen Wanderungen ist der Hirsch
auf solche Verkehrswege angewiesen», bemerkt
Thomas Gerner von der BAFU-Sektion Wildtiere
und Waldbiodiversität.
Nationalstrassennetz der Fauna
Ein nationales Inventar erfasst 304 Wildtierkorridore von überregionaler Bedeutung. Sie
bilden sozusagen das Nationalstrassennetz der
Wildtiere. Doch nur ein Viertel dieser Korridore
ist heute noch ungehindert benutzbar. Im Jahr
2003 entschieden das Bundesamt für Strassen
­(ASTRA) und das BAFU, 40 Korridore, die von
Natio­nalstrassen unterbrochen sind, mit dem
Bau von Wildtierpassagen zu sanieren. Durch
Bauwerke, welche das Hindernis überwindbar
machen, sollen die bestehenden Lücken geschlossen werden. Im Juni 2014 wurde letztmals
Zwischenbilanz gezogen. Dabei stellte man fest,
«dass bei einem Fünftel dieser Wildtierkorridore
die Lücken bereits wieder geschlossen waren oder
die nötigen Massnahmen in der Realisierungsphase sind», wie Adrien ­Zeender von der Sektion
Landschafts­management im BAFU festhält.
Mehr als ein Drittel der Sanierungsvorhaben
befindet sich zudem in der Projektierungsphase.
Andererseits sind 17 Vorhaben noch gar nicht
erst gestartet. «Wir freuen uns natürlich über
die Fortschritte, wünschen uns aber auch, dass es
noch schneller vorangeht», sagt Adrien Zeender.
«Entscheidend ist die richtige Lage»
Gelungene Wildtierübergänge gibt es viele.
Einer davon befindet sich bei Riemberg (SO) und
führt über die A5 zwischen Biel und Solothurn.
Er wurde 2002 gleichzeitig mit dem Autobahn­
abschnitt für rund 5 Millionen Franken gebaut
und ist seither für Hirsche, Wildschweine, Rehe

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umwelt 1/2016 > DOSSIER WILDTIERE

Mark Struch
war früher in einem Büro für
Wildtierbiologie tätig, ehe er
seine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Amt für
Wald, Jagd und Fischerei des
Kantons Solothurn antrat.
Er ist passionierter Jäger –
und Akkordeonspieler mit
Vor­liebe für Tango. Auf dem
Foto präsentiert er eine Karte
mit Wildtierwanderrouten.
Das Bild im Hintergrund zeigt
einen Rehbock.
Bilder: Markus Forte/Ex-Press/BAFU;
Roman Schmid (Rehbock)

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DOSSIER WILDTIERE < umwelt 1/2016

oder Dachse eine wichtige Verbindung zwischen dem
Jura und den grossflächig zusammenhängenden Wäldern rund um den Leuzingerwald im Mittelland. Dass
der Übergang von den Tieren akzeptiert und benutzt
werde, hätten Nachtsichtaufnahmen in den Jahren nach
dem Bau gezeigt, sagt Mark Struch, Wildtierbiologe
und wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Amt für Wald,
Jagd und Fischerei des Kantons Solothurn. Wichtig für
die Akzeptanz der Übergänge seien eine ausreichende
Breite, die im vorliegenden Fall rund 60 Meter beträgt,
und ein durch Hecken in Richtung Fahrbahn sicher­
gestellter Sichtschutz.
«Wildtiere verweilen nicht auf solchen Übergängen,
sondern queren sie zügig», weiss Mark Struch. «Deshalb
darf es darauf auch keine Hindernisse oder gar Feuerstellen geben, wie dies andernorts auf Wildquerungen
auch schon mal der Fall war.» Für den Erfolg solcher
Übergänge sei aber vor allem die richtige Lage entscheidend. Die Bauwerke müssten in der unmittelbaren
Fortsetzung der natürlichen Wanderrouten der Tiere
errichtet werden. Die Brücke bei Riemberg liegt denn
auch auf einem Wildtierkorridor von überregionaler
Bedeutung.
Auf beiden Seiten der Brücke sollte es zudem Leitstrukturen wie etwa Hecken oder Büsche als Orientierungshilfen für die Tiere geben, führt Mark Struch
weiter aus. Und: «Ideal ist es, wenn dies- und jenseits
der Brücken ökologische Ausgleichsflächen wie Buntbrachen, Ackerrandstreifen oder Niederhecken liegen,
die während mehrerer Jahre unverändert bleiben.»
Etliche wichtige Wanderrouten der Fauna verlaufen
durch den Kanton Solothurn. Damit diese für Wildtiere
weiterhin mehr oder weniger durchlässig sind, schied
der Kanton 2007 entsprechende regionale und überregionale Wildtierkorridore ausserhalb der Bauzonen
aus. Diese fanden Eingang in den kantonalen Richtplan.
Auf einem solchen Wildtierkorridor liegt auch der
eingangs erwähnte Solothurner Abschnitt zwischen
Kesten­holz und Niederbuchsiten. Im Rahmen des Ausbaus der Autobahn zwischen Härkingen und Luterbach
auf 6 Spuren soll dort nun ebenfalls eine Wildtierpassage gebaut werden. Betriebsbereit dürfte sie allerdings
frühestens 2020 sein, schätzt Mark Struch.
Vorzeigeprojekt im Seeland
Ein eigentliches Vorzeigeprojekt wurde in den Jahren 1998 bis 2002 zwischen Gals, Gampelen, Ins und
Müntschemier im Kanton Bern realisiert. Die Umfahrungsstrasse H10, welche diese Dörfer von der Verkehrslawine entlasten soll, wurde pünktlich zur Eröffnung
der Landesausstellung Expo.02 fertiggestellt. Die betroffene Gegend war schon vorher von mehreren Verkehrsachsen durchzogen und wird landwirtschaftlich

intensiv genutzt. Mit dem Bau der Umfahrungsstras­se
waren denn auch verschiedene Massnahmen zur Biodi­
versitätsförderung verbunden. Auf einer Fläche von
50 Hektaren entstanden ökologische Ausgleichs- und
Ersatzflächen wie zum Beispiel extensiv genutzte Wiesen, Kleingehölze mit Krautsaum oder Bachläufe mit
vielfältiger Ufervegetation.
Um der Fauna die Querung der H10 und der Bahnlinie
Neuenburg–Bern zu ermöglichen, wurden zwei Tier­
unterführungen und die 85 Meter breite Wildtierbrücke
Islerehölzli gebaut.
Zwischen 2009 und 2013 führten drei private Unternehmen im Auftrag des Kantons eine Erfolgskontrolle
durch. Man habe insgesamt eine «ökologische Bereicherung der intensivst genutzten Kulturlandschaft» erzielt,
sagt Susanne Müller, Biologin und Projektleiterin beim
Tiefbauamt des Kantons Bern. Die Standorte der Leitund Ausgleichsflächen seien richtig gewählt worden,
weshalb insbesondere das Fazit für die Wildtierbrücke
positiv ausfällt: Sie «funktioniert als Querungsbauwerk
für alle grossen Wildtierarten», ist im Schlussbericht
nachzulesen. Mittels Fotofallen wurden Wildschwein,
Reh, Dachs, Fuchs und Feldhase als Nutzer nachgewiesen. Das Bauwerk hat zudem zu einer Aufwertung
des östlich der Verkehrsachsen gelegenen Gebietes
Ziegelmoos-Islere als Lebensraum für den Feldhasen
beigetragen.
«Auch die Wildbrücke selber mit extensiv genutzten
Wiesen, Gebüschgruppen und weiteren Strukturelementen erfüllt eine wichtige Rolle als Lebensraum»,
heisst es weiter im Bericht. Belegt ist dies unter anderem
für die Vogelarten Dorngrasmücke, Schwarzkehlchen
und Grauammer sowie für die Reptilienarten Ringel­
natter, Blindschleiche, Zaun- und Mauereidechse.
Weiterführende Links zum Artikel:
www.bafu.admin.ch/magazin2016-1-07

KONTAKTE
Thomas Gerner
Sektion Wildtiere und Waldbiodiversität
BAFU
+41 58 464 78 48
thomas.gerner@bafu.admin.ch
Adrien Zeender
Sektion Landschaftsmanagement
BAFU
+ 41 58 462 14 64
adrien.zeender@bafu.admin.ch

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umwelt 1/2016 > DOSSIER WILDTIERE

WILDTIERE KENNEN KEINE GRENZEN

Luna lebt stationär,
Lola migriert
Ein Forschungsprojekt zeigt, dass sich das Raumverhalten von Hirschen individuell unter­
scheidet. Einige leben standorttreu, andere pendeln zwischen Sommer- und Wintereinstand.
Weil sie sich dabei nicht um Kantonsgrenzen kümmern, muss die Hirschjagd kantons­
übergreifend geplant werden. Text: Elsbeth Flüeler

Die Rinde der jungen Ulme im Wald bei Broc (FR),
nahe dem historischen Städtchen Greyerz, ist
bis auf Augenhöhe weggeschält. Da hat sich ein
Hirsch betätigt. «Dieser Schaden ist hier wenig
gravierend», sagt Forstingenieur Robert Jenni. Die
Ulme sei in diesem Bestand ein Begleitbaum und
wachse im Unterwuchs. Gleich daneben jedoch
steht eine Fichte. Auch sie weist Schälspuren
auf. «Dieser Baum hingegen sollte unbeschädigt
aufkommen, gross, stark und später geerntet
werden», erklärt der Forstmann. Die Fichte wird
absterben, oder zumindest wird ihr Holz massive
Qualitätsverluste erleiden. Die Schälwunde wird
deshalb als Schaden erfasst.
Lebensraum ist Lebensrecht
Wo der König der Wälder in sein Reich zurückkehrt, klagen die Waldbesitzer über Ertragsverluste, und die Förster fürchten um den Schutzwald. «Wo Lebensraum, da Lebensrecht», meint
dagegen Reinhard Schnidrig, Chef der Sektion
Wildtiere und Waldbiodiversität im BAFU. «Wo
der Hirsch einen Lebensraum findet, in dem die
naturräumlichen Bedingungen und die Ökologie
sein Überleben erlauben, soll er auch bleiben
dürfen.» Reinhard Schnidrig plädiert deshalb
dafür, die Schadensproblematik im Wald auch
unter dem Gesichtspunkt des Lebensraums der
Wildtiere zu betrachten.
So wie dies der Kanton Freiburg mit der Defi­
nition von Toleranzgrenzen vormacht: Schäl­

28

wunden, die der Hirsch an jungen Bäumen
verursacht, werden nicht gezählt. Erfasst werden
nur die Schäden an Zukunftsbäumen, an jenen
Bäumen also, die das Grundgerüst der Wälder
bilden und für den künftigen Waldbestand
wichtig sind.
Der Verbiss zeigt, wie der Pflanzenfresser auf
den Wald einwirkt. Eine beliebte Nahrung bilden die Knospen von Esche, Ulme, Linde und
Fichte. Fressen die Hirsche zu viele davon, kann
sich der Wald nicht verjüngen. «Der Verbiss im
Wald ist ein Fiebermesser», erklärt Reinhard
Schnidrig, «und ein Indikator für das Wald-WildGleichgewicht.»
Ist der Hirschbestand einmal gesichert, braucht
es die Jäger, die ihn dem Lebensraum anpassen.
Allerdings: Die Jagd soll die Hirschpopulationen
regulieren, aber nicht gefährden. Genau hier
liegt das Problem im Fall von Broc. 253 Hirsche
zählten die Wildhüter im Winter 2014/15 im
engeren Umkreis der Gemeinde. Das ist ein hoher Bestand, entsprechend sind die Schäden in
den Wäldern. Zur gleichen Zeit wurden in den
Voralpen der angrenzenden Kantone Bern und
Waadt vergleichsweise wenige Hirsche beobachtet. Wie hoch der gesamte Bestand im weiteren
Umkreis von Broc ist, wissen die Wildhüter nicht.
«Wie viele Tiere soll da der Kanton Freiburg zum
Abschuss freigeben?», fragt sich Walter Schwab,
Vorsteher des Amtes für Wald, Wild und Fischerei (WALDA).

DOSSIER WILDTIERE < umwelt 1/2016

Christian Willisch
arbeitet als Wildtierbiologe im
Berner Ökobüro Wildpunkt. Er lebt
im Emmental (BE). Auf die Jagd geht
er aber immer noch in seinem
Heimatkanton Wallis. Auf dem Foto
trägt er an der rechten Schulter
ein ­Senderhals­band für Hirsche und
in der linken Hand eine Ohr­mar­ken­­
zange.
Bilder: Flurin Bertschinger/Ex-Press/BAFU;
Roland Kieser (Hirsche)

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umwelt 1/2016 > DOSSIER WILDTIERE

Über politische Grenzen hinweg
Anders als Gämse oder Reh wechselt der Hirsch
gerne saisonal sein Einstandsgebiet und wandert grossräumig. Politische oder administrative
Grenzen kennt er dabei nicht. Wie die Wildtiere
generell: Wale durchkreuzen die Weltmeere,
Zugvögel brüten im frischen Norden und überwintern im warmen Süden, Wölfe können bei
ihren Wanderungen mehrere hundert Kilometer
zurücklegen. Dass sie dabei zuweilen Landesgrenzen überschreiten, wissen sie nicht. Daher gibt
es weder eine Schweizer noch eine italienische
Population, sondern einfach eine in den Alpen.
Angesichts der Probleme in den Wäldern
bei Broc untersuchte ein Ökobüro im Auftrag
der Kantone und des BAFU das Raumverhalten
der Hirsche in den westlichen Voralpen der
Kantone Bern, Freiburg und Waadt. 8 Hirsche
– 6 Kühe und 2 Stiere – wurden in den Jahren
2009 bis 2011 gefangen, besendert und erhielten
einen N
­ amen. Danach wurden ihre Wege per
GPS verfolgt.
Die Population und ihr Lebensraum
Schliesslich standen Daten zu 7 Tieren und
ihren Aufenthaltsorten während mindestens
eines Jahres zur Verfügung. Sie bestätigten, was
die Wildhüter aufgrund ihrer Beobachtungen
vermutet hatten: Der Lebensraum des ansässigen Hirschvorkommens erstreckt sich über die
Freiburger Kantonsgrenze hinweg in die Kantone
Waadt und Bern. Er umfasst ein zusammenhängendes Gebiet, das von Spiez (BE) über Broc (FR)
bis nach Villeneuve (VD) am Genfersee reicht.
Die Daten zeigten auch, dass es innerhalb
dieser Population stationäre und migrierende
Individuen gibt. 3 Hirschkühe verhielten sich
standorttreu: Hota blieb in den Waadtländer
­Alpen am Col de la Croix, Rowa im Simmental bei
Boltigen (BE) und Luna in den Wäldern südlich
der Rochers de Naye (VD). Die Hirschkühe Kata,
Zaja und Lola sowie der Stier Scotch hingegen
migrierten.
«Von März bis Mai erweiterten diese 4 Hirsche
ihren Sommerlebensraum Richtung Süden», sagt
Projektleiter Christian Willisch. Kata etablierte
sich südlich von Rossinière (VD), Zaja und Scotch
liessen sich in der Region Château d’Œx (VD) –
Rougemont (VD) – Saanen (BE) nieder, und Lola
zog in den Raum Feutersoey – Lauenen (BE). Hier

30

blieben sie bis Ende August. Ab September bis
November zogen sie in die Wälder von Broc, wo
sie zusammen mit 150 anderen Hirschen die Wintermonate Dezember bis Februar verbrachten.
Die unaufhaltsame Rückkehr
Die Konzentration des Hirschs in diesem Wald­
gebiet ist eine Episode in einer Entwicklung, die
vor mehr als 150 Jahren ihren Anfang nahm.
Mitte des 19. Jahrhunderts war die Art aus der
ganzen Schweiz verschwunden. Um 1870 wanderten die ersten Tiere aus dem österreichischen
Montafon wieder ein. Vom Prättigau (GR) und
vom Schanfigg (GR) her breitete sich der Hirsch
Richtung Westen aus. 1919 erreichte er das Tessin, 1925 wurde er erstmals wieder im Kanton
Schwyz gesichtet. 1961 überschritt er den Brünig
und begann, den Kanton Bern und das Oberwallis
zu besiedeln. Seit den 1990er-Jahren wandern
Hirsche auch aus Frankreich in den Jura ein,
und seit 2006 ist die Art sogar im Fricktal (AG)
wieder heimisch.
Inzwischen leben mehr als 30 000 Individuen
in der Schweiz. Im Kanton Freiburg tauchten
die ersten Tiere 1978 auf. Sie fanden im Greyerzerland einen geeigneten Lebensraum. Saftige
Alpweiden grünen hier bis unter die Gipfel der
Freiburger Voralpen, ausserdem ist die Gegend
vergleichsweise einsam. Der eher ängstliche
Hirsch weiss das zu schätzen. Die Frage aber,
warum genau er sich die Wälder bei Broc als
Wintereinstandsgebiet aussucht, kann Christian
Willisch nicht beantworten.
In Wildräumen denken
Die Studie beweist jedoch: Der Kanton Freiburg
vermag das Problem in Broc nicht im Alleingang
zu lösen. Denn während der Jagdzeit leben die
Tiere, die im Winter die Schäden im Wald anrichten, über die Kantone Freiburg, Bern und Waadt
verteilt. «Die Population», so Walter Schwab,
«lässt sich nur über die Kantonsgrenzen hinweg
steuern.»
Auf der Basis koordinierter und am gleichen
Tag durchgeführter Hirschzählungen sollen in
Zukunft die Abschusszahlen kantonsübergreifend bestimmt werden. Walter Schwab setzt
dabei grosse Hoffnungen auf den Dialog mit allen
betroffenen Parteien aus allen drei Kantonen.
Gleichzeitig gibt er sich vorsichtig. Es gehe in

DOSSIER WILDTIERE < umwelt 1/2016

Hausaufgaben im
internationalen Artenschutz
ef. Auch auf internationaler Ebene hat sich der länderund kontinenteübergreifend abgesprochene Artenschutz
längstens etabliert. Dabei gilt, dass Staaten, in deren Gebieten sich die Verbreitungszentren von geschützten oder
bedrohten Arten befinden, eine besondere Verantwortung für deren Lebensräume übernehmen. Denn Arten
schützt man am erfolgreichsten da, wo sie noch zahlreich
sind. Zudem müssen bei saisonal ziehenden Arten alle
Stationen entlang ihrer Zugrouten in die Schutzplanung
einbezogen werden.
Der Schweiz kommt eine besondere Bedeutung für die
Berg- und Zugvögel Mitteleuropas zu. So leben bei uns zum
Beispiel 15 Prozent des europäischen Bestandes der Ringdrossel, weshalb wir für die Erhaltung dieser Art eine hohe
internationale Verantwortung tragen. Zu den Verantwortungsarten der Schweiz zählt auch der Rotmilan. Auch er
ist durch internationale Konventionen geschützt. Während
die Bestände in Frankreich und Deutschland rückläufig
sind, brütet er hierzulande zurzeit in viel grösserer Zahl
als noch Mitte des 20. Jahrhunderts.
Das älteste internationale Übereinkommen für den
Arten- und Lebensraumschutz ist die 1971 verabschiedete
Ramsar-Konvention. Sie will die Zusammenarbeit der Staaten innerhalb der Einzugsgebiete von Flüssen verstärken
und hat den Schutz der Seen, Flussdeltas, Auen, Moore und
Wattgebiete zum Ziel. Diese Gebiete bilden für viele Vögel
unersetzliche Lebensräume, in ihnen ist die Artenvielfalt
besonders gross. Gleichzeitig gehören sie zu den empfindlichsten und meistgefährdeten Biotopen.
Die Ramsar-Konvention wurde bis heute von 168 Staaten unterzeichnet, darunter im Januar 1976 auch von der
Schweiz. Unser Land ist ein wichtiges Mitglied: Eine halbe
Million Wasservögel überwintern jedes Jahr auf hiesigen
Gewässern. Die meisten von ihnen brüten im Osten und
Norden Europas. Bei einzelnen Arten verbringen über
10 Prozent des gesamten europäischen Bestandes den
Winter hierzulande.
An den Ufern von Genfer-, Neuenburger-, Bieler- und
Bodensee finden sie geeignete und nahrungsreiche Lebensräume. Ebenso im Deltagebiet Bolle di Magadino (TI)
oder am Rhonelauf unterhalb von Genf. Diese Biotope sind
deshalb als Wasservogelreservate von internationaler Bedeutung ausgeschieden und durch die Ramsar-Konvention
geschützt. 10 sind es derzeit in der ganzen Schweiz.

einem ersten Schritt darum, dass sämtliche Beteiligten den Willen bekunden, die Sache gemeinsam anzugehen, sagt er. «Wir haben zwar eine
Population, jedoch drei Kantone, je drei Jagd- und
Waldgesetze und drei Jagdkulturen.»
An den Treffen am Runden Tisch wird auch
Reinhard Schnidrig teilnehmen. Als Vertreter
des Bundes will er dazu beitragen, die Diskus­sion
zu versachlichen und die Lehren aus anderen
Regionen der Schweiz einzubringen. «Wir müssen lernen, in Lebensräumen der Wildtiere zu
denken und zu handeln», ist er überzeugt. Er
kann sich dabei auf seine Erfahrungen stützen,
die er mit den weiträumig herumstreifenden
Tierarten Luchs und Wolf gewonnen hat. Die
Populationen dieser Grossraubtiere werden heute
gemäss den Konzepten Luchs und Wolf des Bundes in 5 Wildräumen betrachtet, die sich teils
über mehrere Kantone erstrecken. Man wolle
die Erfahrungen mit dem wildraumbasierten
Ansatz für den Schutz und das Management von
geschützten Wildtieren, wo sinnvoll, auf die weit
wandernden jagdbaren Tiere übertragen, meint
Reinhard Schnidrig.
Wildtiere mitten unter uns
Bei seiner Expansion beginnt auch der Hirsch,
zunehmend stark von Menschen geprägte Landschaften zu besiedeln. Dabei erweist er sich als
sehr dynamisch und anpassungsfähig. Es ist sogar
eingetroffen, was lange Zeit als unmöglich galt:
Der Hirsch ist ins Mittelland vorgedrungen.
«Manche Wildtiere kommen gut mit den von
Menschen geprägten Lebensräumen zurecht»,
sagt Reinhard Schnidrig. «Die Frage ist: Wie kommen wir Menschen mit ihnen zurecht?»
Weiterführende Links zum Artikel:
www.bafu.admin.ch/magazin2016-1-08

KONTAKT
Reinhard Schnidrig
Sektionschef Wildtiere und Waldbiodiversität
BAFU
+41 58 463 03 07
reinhard.schnidrig@bafu.admin.ch

31

umwelt 1/2016 > DOSSIER WILDTIERE

Steven Diethelm
Bevor Steven Diethelm seine
Stelle als Wildhüter im Kanton
Schwyz antrat, war er in der­
selben Funktion in der Stadt
Zürich tätig. Kinder n und
Er­wachsenen die Natur in ihrer
ganzen Vielfalt und mit ihrem
Zauber näherzubringen, sei
eine der schönsten Aufgaben
seines Berufs, sagt er. In der
Freizeit züchtet er Greifvögel,
bildet einzelne davon für die
Beizjagd aus und betreibt eine
Pflegestation für Greife und
Eulen. Das Bild im Hintergrund
zeigt junge Stadtfüchse vor
ihrem Bau.
Bilder: Flurin Bertschinger/Ex-Press/BAFU;
Patrick Gutenberg/Ex-Press (Stadtfüchse)

32

DOSSIER WILDTIERE < umwelt 1/2016

WILDHÜTER

Durch Stadt und Land
Einst waren sie dazu da, Wildfrevel zu bekämpfen, heute bilden die Wildhüter eine Art Scharnier zwischen
Mensch und Natur. Ihr Tätigkeitsfeld verschiebt sich mehr und mehr in die Siedlungsgebiete. Gefordert sind
nebst Sachkenntnis auch Kommunikationsfähigkeit und psychologisches Geschick. Text: Martin Arnold

«Versuchen Sie festzustellen, ob die Taube verletzt
ist. Wenn nicht, legen Sie sie am besten wieder
auf eine Hecke.» Eine Weile noch berät Wildhüter
Steven Diethelm die Anruferin, dann beendet er
das Gespräch. Telefonate wie dieses ist er sich
gewohnt. An einem Tag im Spätsommer 2015
zählte er deren 70. Die Anrufenden klagen über
Wildtiere, die Blumen abfressen, oder über Füchse
und Dachse, die auf der Wohnstrasse herumstreunen. Sie berichten über im Kompost versteckte Igel
oder – wie in diesem Fall – über verletzte Vögel.
Steven Diethelm gibt bereitwillig Auskunft über
seinen beruflichen Alltag und weiss die absonderlichsten Geschichten zu erzählen. Viele handeln
von Konflikten, die entstehen, wenn urbane Gebiete in die Lebensräume der Wildtiere vordringen
– oder umgekehrt.
25 000 Hektaren misst der Aufsichtskreis des
Schwyzer Wildhüters. Er erstreckt sich von der
Linth am Drei-Kantone-Eck von Schwyz, Glarus
und St. Gallen über das westliche Zürichseeufer
mit den Gemeinden Pfäffikon und Wollerau bis
zur Grenze des Kantons Zürich. Das Gebiet umfasst sowohl die dicht besiedelte Agglomeration
der Linthebene mit 80 000 Einwohnerinnen und
Einwohnern als auch Landwirtschaftsgebiete,
abgelegene Wälder und Bergregionen mit dem
2295 Meter hohen Redertenstock als höchstem
Gipfel.
Beratung im Villenviertel
In Pfäffikon und Wollerau terrassieren Einfami­
lienhäuser die Hänge am Waldrand mit ausladenden Balkonen und verglasten Wänden. Wohnzimmer expandieren in den Garten. Es sind Lounches

mit Möbeln, weissen Kissen und Tischdecken. «Bei
uns tummeln sich Füchse im Garten und ruinieren die Polster. Sie sind doch der Wildhüter, Sie
müssen sofort etwas dagegen tun!» So oder ähnlich
melden sich einige der Anrufer. «Ich versuche
dann, ihnen zu erklären, dass es Natur nicht nur
in den Bergen gibt, sondern auch vor ihrer Haustür. Und dass sie die Füchse förmlich zum Besuch
einladen, wenn sie den Futternapf der Katze neben
die Sträucher und Bäume ihres Gartens stellen»,
berichtet Steven Diethelm.
Verirrte Ente auf dem Balkon
Er verbringt viel Zeit mit Beratungsgesprächen,
gibt hilfreiche Tipps und legt auch mal Hand an,
wenn es darum geht, eine verirrte Ente von einem
Balkon eines Mehrfamilienhauses abzuholen. Ruft
aber – wie schon geschehen – jemand an, weil
ihn das Vogelgezwitscher am frühen Morgen stört,
ist zuweilen etwas psychologisches Gespür nötig.
Viele Menschen hätten ein romantisches Bild
vom Wildhüterberuf, sagt Steven Diethelm. Man
stellt sich einen bärtigen Mann vor, der mutig
einen Wilderer stellt und ihn zur Rechenschaft
zieht oder der – begleitet von seinem Hund und
mit geschultertem Gewehr – gemütlich durch
die Berge streift und mit dem Feldstecher Tiere
beobachtet.
Doch Steven Diethelms Tätigkeit sieht anders
aus. Gerade mal 20 Prozent seiner Arbeitszeit kann
er sich den – wie er sagt – «klassischen» Wild­
hüteraufgaben widmen. Dann ist er in wetterfester
Kleidung und Wanderschuhen in der Natur unterwegs – zum Beispiel im Raum Tierberg, Schiberg
und Zindelenspitz östlich des Wägitalersees; im

33

umwelt 1/2016 > DOSSIER WILDTIERE

Wildhüter/in als Beruf
hjb.Wer den Wildhüterberuf ergreifen will, muss eine abgeschlossene Berufslehre vorweisen können, über ein breites naturkundliches und namentlich
auch wildtierbiologisches Fachwissen verfügen, mit dem fraglichen Gebiet
bestens vertraut, wetterfest und konditionell auf der Höhe sein.
Die Ausbildung beginnt nach der Wahl für eine freie Stelle. Sie erfolgt
berufsbegleitend während 4 Kurswochen verteilt auf 2 Jahre nach einem
gesamtschweizerisch einheitlichen Lehrplan. Nebst dem Besuch der an wech­selnden Orten durchgeführten Grundkurse ist eine individuelle Wissen­s­
aneignung in Form von Fachliteratur, Vorträgen und kantonalen Kursen
erforderlich.
Der 1999 gegründete Schweizerische Wildhüterverband (SWHV) organisiert die Berufsprüfung zum Wildhüter beziehungsweise zur Wildhüterin
mit eidgenössischem Fachausweis nach den Richtlinien des Bundesamtes für
Berufsbildung und Technologie (BBT). Geprüft werden die Fächer Ökologie,
Biologie, Wildtier- und Lebensraummanagement, Recht und Polizei sowie
Organisation und Administration und Technik.

Gebiet des Pragelpasses oder am Fluebrig mit dem
2092 Meter hohen Diethelm, dem er sich wegen
der Namensgleichheit verbunden fühlt.
Die wilde Schönheit dieser Landschaft kontrastiert mit dem zersiedelten Zürichseeufer. Dort
oben tummeln sich Gämsen und Steinböcke,
leben Hirsche und Murmeltiere. Es herrscht
noch Stille, und die Nacht taucht die Wälder in
völlige Dunkelheit. Steven Diethelm zählt die
Wildbestände, prüft, wie es um den Nachwuchs
im Adlerhorst steht, sucht nach einem verletzten
Tier, beurteilt einen Wildschaden im Wald oder
auf einem Feld. Im Frühsommer behändigt er
gelegentlich vermähte Rehkitze, und er hilft
den Jägern, Schutzmassnahmen auf den Wiesen
umzusetzen.
Blick über die Jägerschulter
Im Herbst, wenn die Jägerinnen und Jäger unterwegs sind, überwacht Steven Diethelm die
streng reglementierte Jagd. Er kontrolliert die
getätigten Abschüsse und meldet jeden Abend
die Anzahl und Art der erlegten Tiere der kantonalen Jagdverwaltung, damit diese die Statistiken
nachführen kann. Rund um die Uhr steht er mit
seinem ausgebildeten Diensthund zur Verfügung,
um auf der Jagd durch Schüsse verletzte Tiere
möglichst schnell zu finden und zu erlösen.
In Steven Diethelms Tätigkeitsgebiet gibt es
auch etliche Natur- und Vogelschutzgebiete. Hier

34

wird er bei seiner Aufsichtsarbeit von teilzeitangestellten Reservatsaufsehern unterstützt. Die Naturschutzgebiete sind beliebte Ausflugsziele. «Das
sollen sie auch sein», sagt der Wildhüter. «Doch
müssen die Leute beachten, dass sie in einem
Schutzgebiet unterwegs sind, wo bedrohte Arten
ihre letzten Rückzugsorte und Brutplätze finden.
Dies erfordert Rücksicht. Hier tolerieren wir wenig Übermut und keine Übertretungen. Wenn
nötig, greifen wir auch mal zum Bussenzettel.
Hunde gehören an die Leine, und die Menschen
müssen auf den offiziellen Wegen verbleiben.»
Flexibler Allrounder
Zu Steven Diethelms Aufgaben gehört auch das
Einsammeln und Entsorgen von Tierkadavern.
Manchmal hilft er den Fischereiaufsehern beim
Abfischen von Bächen oder Umsiedeln von Fischen. Er geht gegen Tierquälerei vor oder vertritt
bei der Organisation von Orientierungsläufen
oder Pfadilagern die Interessen der Wildtiere –
vor allem, wenn solche Anlässe im Wald stattfinden. Er wird aber auch gerufen, wenn sich
Wespen an unerwünschten Orten ansiedeln
oder wenn sich Schädlinge breitmachen. «Für
die Schädlingsbekämpfung gibt es Spezialisten,
aber die sind den Leuten nicht so bekannt», sagt
er. Wildhüter sind zu einem Scharnier zwischen
Menschen und der Natur schlechthin geworden.
«Man ist eine öffentliche Person. Die Bevölkerung
kennt uns und ruft uns an, sobald Fragen oder
Probleme mit Tieren auftauchen.»
Berater der Planungs- und Baubehörde
Ein Dauerbrenner in seinem Aufsichtsgebiet ist
das Problem mit dem Wildtierkorridor Ruch­ried
zwischen Siebnen und Schübelbach in der Linth­
ebene, der als SZ 11 im einschlägigen kantonalen
Register verzeichnet ist (siehe auch den Beitrag
«Lücken im Verkehrsnetz der Fauna» auf den
Seiten 25 ff.). Er wird vor allem in harten Wintern von Hirschen genutzt, die im Herbst ihre
Sommereinstände in den schattigen Wäldern
um die Hochebene von Rothenthurm oder des
Wägitals verlassen und zu den sonnigen Hängen
des Buechbergs am Obersee oder des Rickenpasses
im Toggenburg (SG) ziehen.
Auf dem Weg dorthin liegen mehrere Hauptstrassen, dicht besiedeltes Gebiet, der Linthkanal,

DOSSIER WILDTIERE < umwelt 1/2016

eine Eisenbahnlinie und eine Autobahn. Beim
Versuch, diese Hindernisse zu überbrücken, kollidierten schon mehrere Hirsche mit Autos. Um
hier Lösungen zu finden, sind die lokalen Kenntnisse des Wildhüters über den Hirsch und sein
Verhalten gefragt. Steven Diethelm wird dann
zum Berater der Planungs- und Baubehörde.
Am Fuss des Buechbergs besteht noch eine
kleine Feldhasenpopulation. Sie wird jeden
Winter gezählt. Ein Netz von Wegen durchzieht
ihren Lebensraum. «Hier gibt es Velos, Jogger,
Wandernde mit und ohne Hund, Skater, Modell­
flugzeuge, Gleitschirmflieger und HelikopterLandeübungen. Unter diesen Bedingungen ist
es fast unmöglich, eine Feldhasenpopulation ­zu
erhalten», bedauert der Wildhüter.
Im Dschungel der Städte und Siedlungen
Wir fahren vorbei am Wassererlebnispark «Alpa­
mare». Der Verkehr wird dichter und gerät ins
Stocken. Oberhalb von Wollerau öffnet sich uns

der Blick auf Einfamilienhauskaskaden. Er erinnert Steven Diethelm an seine Zeit als Wildhüter
in der Stadt Zürich: «Wildtiere leben auch in den
Städten mehr oder weniger auffällig unter uns»,
sagt er und zeigt auf ein kleines Quartier. «Dort
unten zum Beispiel, mitten in der Siedlung,
trifft man immer wieder auf Rehe und Füchse
in den Gärten. Die Menschen finden die Natur
toll, aber viele wissen nicht mehr, wie sie mit ihr
umgehen sollen.» Deshalb werde eine intensive
Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit immer
wichtiger.
Weiterführende Links zum Artikel:
www.bafu.admin.ch/magazin2016-1-09
KONTAKT
Claudine Winter
Sektion Wildtiere und Waldbiodiversität
BAFU
+41 58 464 70 18
claudine.winter@bafu.admin.ch

StadtWildTiere: Erforschung der urbanen Wildbahn
ma. Die freie Wildbahn endet nicht an der Stadtgrenze. Auch Siedlungsgebiete sind Teil des Lebensraums von Wildtieren. Stadtfüchse sind mittlerweile
ein allgemein bekanntes Phänomen, ebenso Marder
in Wohnquartieren. Doch auch Dachse, gelegentlich
gar Wildschweine und Rehe, tauchen zuweilen in
Wohngebieten auf, und einige Biber haben sich
bei uns in städtischen Gewässern niedergelassen.
Zudem bieten Städte Ersatzbiotope für Fledermäuse
und Vögel, von denen einige Arten wie zum Beispiel
Mauer- und Alpensegler stark profitieren.
Ein wachsender Teil der Bevölkerung lebt in städtischen Agglomerationen. Immer mehr Menschen
er­fahren Natur im Alltag deshalb vorwiegend in
Sied­lungsgebieten.
Hier setzt das von der Zürcher Arbeitsgemeinschaft
für Stadtökologie und Wildtierforschung SWILD
initiierte und vom BAFU unterstützte Projekt Stadt-

WildTiere an. Zur Anwendung kommen dabei die
Methoden von Citizen Science, zu Deutsch «Bürgerwissenschaften». Der Begriff bezeichnet eine Form
der Wissenschaft, bei der Projekte unter Mithilfe
interessierter Laien durchgeführt werden. Diese können ihre Beobachtungen melden und so einen Beitrag
zum Monitoring der Stadtwildpopulationen leisten.
Die Beobachtungen werden auf einer Plattform zusammengeführt und auf Karten dargestellt.
StadtWildTiere soll Bewohnerinnen und Bewohner
von Städten auf die Vielfalt der Fauna in ihrer Wohnund Arbeitswelt aufmerksam machen, Wissenslücken
über das Vorkommen und die Verbreitung von Wildtieren in Städten und Agglomerationen schliessen
sowie Grundlagen für eine gezielte Förderung der
Tierwelt im Siedlungsraum erstellen.
http://stadtwildtiere.ch

35

umwelt4/2014
1/2016> DOSSIER KLIMA
umwelt

ZH
Geologische Messmethoden
75 000 000 Gigatonnen (Gt) Kohlenstoff befinden
sich auf der Erde. Nur ein kleiner Teil (765 Gt)
ist als Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre –
allerdings verursacht dieser in hohem Masse den
Klimawandel. Klimageologen der Eidgenössischen
Technischen Hochschule Zürich (ETHZ) haben
Methoden erarbeitet, wie sich aus Gestein die
Temperaturentwicklung auf der Erde über Jahrhunderte und Jahrtausende herauslesen lässt.
Mit der Messung der sogenannten Sauerstoffisotopenzusammensetzung im Meereskalk können die Forschenden die Temperaturgeschichte
der Erde rekonstruieren. «Das CO2 der Atmosphäre veränderte sich in der Erdgeschichte
langsamer als heute», sagt Klimageologe Helmut
Weissert. Aber die geologische Geschichte des
Kohlenstoffkreislaufs helfe, Zusammenhänge und
das zukünftige Klima besser zu verstehen.

Der Sommer 2015 war heiss – gefährlich heiss
für viele Fischarten. Mit einheimischen, Schatten
spendenden Laubbäumen sollten die Wassertemperaturen des Flüsschens Boiron, das südlich von
Morges in den Genfersee fliesst, gesenkt werden. Messungen zeigen, dass an Stellen mit den
entsprechenden Anpflanzungen das Wasser um
ein bis zwei Grad kühler war. Das Projekt «Climarbres» ist Teil des Waadtländer Plans zur Renaturierung der Fliessgewässer.

Seit Anfang 2015 ist ein Teil des Berner Bremgartenwaldes ein Totalreservat. Die Natur wird dort
in den kommenden 50 Jahren sich selbst überlassen – Bäume werden nur an den Wegrändern und
als Sicherheitsmassnahme gefällt. Im Waldstück
von der Grösse von 30 Fussballfeldern entlang
der Aare zwischen Halenbrücke und Ethologischer
Station der Universität Bern wollen Kanton und
Burgergemeinde Bern seltene Waldgesellschaften, spezielle Orchideenarten, Grasfrösche und
Ringelnattern erhalten sowie die Artenvielfalt fördern. Das Totalreservat im Bremgartenwald ist das
einzige der insgesamt 80 im Kanton Bern, das auf
Stadtboden liegt.

Helmut Weissert, ETH Zürich, +41 44 632 37 15,

Jean-François Rubin, Universität Lausanne,

Stefan Flückiger, Forstmeister, +41 31 328 86 40,

helmut.weissert@erdw.ethz.ch

+41 21 692 41 60, Jean-Francois.Rubin@unil.ch

stefan.flueckiger@bgbern.ch

BE
Urbaner Urwald

VD
Schatten für Flüsse

Vor Ort
CH

SO

ZH

Ernte verschwendet

Wo ist’s lärmig?

Amphibienhochburg

Die Vergeudung von Nahrungsmitteln ist ein wichtiges Thema. Forschende der Eidgenössischen
Technischen Hochschule Zürich (ETHZ) und von
Agroscope haben am Beispiel der Kartoffel berechnet, wie gross die Verluste in der Schweiz sind. Vom
Feld bis zu den Haushalten gehen rund die Hälfte
der Kartoffeln verloren (Speisekartoffel: konventionell 53 Prozent, biologisch 55 Prozent; Verarbeitungskartoffeln für Chips oder Frites: konventionell
46 Prozent, biologisch 41 Prozent). Die Forschenden haben auch ermittelt, wo die Kartoffeln weggeworfen werden: Rund ein Viertel der Ernte landet bei den Produzenten im Abfall. Weitere 12 bis
24 Prozent sortieren Grosshändler aus. Nur 1 bis
3 Prozent fallen im Detailhandel unter den Tisch
und noch einmal 15 Prozent in den Haushalten.

Die Fluglärmkarte der Fachstelle Lärmschutz
des  Kantons Zürich ist auf dem GIS-Browser
maps.zh.ch aufgeschaltet. Neu kann die Lärmbelastung des Flughafens Zürich und des Flugplatzes Dübendorf für jeden Punkt online abgefragt werden. Die Karte zeigt die Lärmkurven und
die Flächen, wo Planungs- oder Immissionsgrenzwerte überschritten werden. Ebenfalls markiert
sind Gebiete, die infolge des Fluglärms über höhere Anforderungen an den Schallschutz für Bauprojekte verfügen.

Christian Willersinn, Agroscope, +41 58 480 32 32,

Dem stark gefährdeten «Glögglifrösch» ist es
wohl in der Lobisei. Neben der Geburtshelferkröte
sind hier auch viele andere Amphibien heimisch
geworden, sodass der Standort in der Gemeinde
Balsthal nun ins Bundesinventar der Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung aufgenommen wird. 2015 konnte ein weiterer Weiher,
80 Meter lang und rund 20 Meter breit, gebaut
werden. An den drei tiefsten Stellen steht das
Wasser permanent, andere werden zeitweise
überrieselt und bieten ökologisch abwechslungsreichen Lebensraum. Ein Pachtvertrag und eine
Vereinbarung im Rahmen des kantonalen Mehrjahresprogramms Natur und Landschaft gewährleisten die nachhaltige Pflege. Die Gesamtkosten
des neuen Weihers beliefen sich auf 190 000 Franken, die der Bund und ein privater Fonds trugen.

christian.willersinn@agroscope.admin.ch

Jonas Lüthy, Amt für Raumplanung, +41 32 627 25 94,

Urs Waldner, Baudirektion Kanton Zürich,
+41 43 259 55 21, urs.waldner@bd.zh.ch

jonas.luethy@bd.so.ch

36

umwelt 1/2015

GR
SG

Weg frei im Stausee

In Wangs und Pfäfers bei Sargans gibt es zwei für
den Erhalt der Biodiversität bedeutende Natur­
schutzprojekte: Die Kiesgrube Feerbach in Wangs
ist ein essenzieller Lebensraum für Grasfrosch,
Erdkröte, Bergmolch und die gefährdete Gelb­
bauchunke. Auch die Trockenmauern der Kultur­
landschaft Porta Romana in Pfäfers sind wichtig
für seltene Tierarten in der sonst intensiv genutz­
ten Landschaft. Mit der finanziellen Unterstützung
des Kantons von jährlich 1,6 Millionen Franken
können bis zu 40 Projekte realisiert werden. Die
beiden Vorhaben in der Region Sarganserland
zeigen beispielhaft die partnerschaftliche Zusam­
menarbeit von Kanton, Gemeinden und privaten
Natur­ und Landschaftsschutzorganisationen.

Flüsse und Bäche füllen Stauseen nicht nur mit
Wasser. Sie führen auch beträchtliche Mengen
Steine und Sand mit. Die Folgen: Das Sediment­
material verringert allmählich das Speichervolu­
men der Stauseen und beeinträchtigt die Strom­
produktion. Unterhalb der Staumauern wiederum
fehlt das Geschiebe, was in vielen Gewässern
ökologisch und wasserbautechnisch negative
Auswirkungen hat. Umleitstollen sorgen dafür,
dass Geschiebe entsprechend dem natürlichen
Haushalt weitergelangt. Forscherinnen und In­
genieure der Versuchsanstalt für Wasserbau,
Hydrologie und Glaziologie (VAW) der ETH Zürich
und des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich (ewz)
testen beim Stausee Solis zwischen Thusis und
Tiefencastel verschiedene Materialien, um solche
Umleitstollen für Umwelt und Wasserkraftnutzung
zu optimieren.

Christian Meienberger, Pro Natura St. Gallen-Appenzell,

Christof Oertli, ewz Kraftwerke Mittelbünden,

www.meteoschweiz.admin.ch/home/mess-und-

+41 71 260 16 65, pronatura-sg@pronatura.ch

+41 58 319 68 10, christof.oertli@ewz.ch

prognosesysteme/bodenstationen.html

Gemeinsam für Naturschutz

BS

VD

CH
Präzisere Warnungen
Nach Abschluss der Modernisierung und Erwei­
terung des nationalen meteorologischen Boden­
messnetzes können Schweizer Meteorologinnen
und Meteorologen mit besseren Wetterdaten ar­
beiten. Das SwissMetNet umfasst nach 10­jähriger
Aufbauzeit insgesamt 260 automatische Mess­
stationen und 1600 Partnermessstationen von
Privaten, Kantonen und anderen Bundesstellen
sowie vom grenznahen Ausland. Mit SwissMetNet
sind auch detailliertere Vorhersagen für Unwet­
ter möglich. In der zentralen Datenbank werden
täglich 100 Millionen Datensätze verarbeitet. Die
Baukosten betrugen 28,1 Millionen Franken.
MeteoSchweiz, +41 58 460 99 99,

BE

Wunsch für Umwelteinsatz

Süsse Kartoffel?

Gestalter Biber

Das Amt für Umwelt und Energie Basel­Stadt und
die Stadtgärtnerei Basel suchen «Green Teams».
Gruppen von Schülerinnen und Schülern aus
einer oder mehreren Klassen können sich einen
Wunsch in ihrem Schulumfeld erfüllen, wenn sie
dafür einen Umwelteinsatz leisten. Das kann zum
Beispiel ein Putzeinsatz sein, das Einrichten eines
Kompostplatzes auf dem Schulhof oder eine res­
sourcenschonende Durchführung des nächsten
Schulfests. Dafür bekommen sie dann etwa einen
Basketballkorb für den Pausenplatz. In einem Ver­
trag zwischen Schülerschaft, Lehrpersonen und
der Verwaltung werden die Abmachungen und ein
Zeitplan verbindlich geregelt.

Aus dem ehemaligen Maisacker «Mühlematte»
bei Ferenbalm soll wieder ein natürlicher Lebens­
raum für Tiere und Pflanzen entstehen. Pro Natura
hat das Gebiet gekauft und sorgt dafür, dass die
benachbarten Gewässer zur künftigen Aue hin
geöffnet und Futterpflanzen für den Biber gesetzt
werden. Den Rest überlässt die Organisation in den
kommenden zehn Jahren dem Nagetier. Seit dem
Start des Projekts werden alle Veränderungen fo­
tografisch festgehalten. Die Kosten – getragen von
Pro Natura, einer privaten Stiftung, diversen Fonds
sowie vom Bund und vom Kanton Bern – belaufen
sich auf 1 Million Franken, inklusive Landkauf und
abgeschlossener Machbarkeitsstudie.

www.aue.bs.ch/abfaelle/schulungsangebote/

Die Anbausaison 2015 war klimatisch extrem: Auf
einen kalten, sehr feuchten Frühling folgte ein äus­
serst heisser und trockener Sommer. Die Klima­
forschung prognostiziert eine Zunahme extremer
Witterungsbedingungen. Es ist deshalb sinnvoll,
die Widerstandsfähigkeit von neuen Kulturen zu
testen. Mitarbeitende von Agroscope, dem Kom­
petenzzentrum des Bundes für landwirtschaftliche
Forschung in Changins, führten im Frühling und
Sommer 2015 Anbauversuche mit Süsskartoffeln
durch, die Hitze besser vertragen, jedoch frostan­
fälliger sind. Mit verschiedenen Recyclingfolien
konnten sie Frostschäden vermindern. Auch die
Erträge der Süsskartoffeln «made in Switzerland»
waren gut. Im Frühling 2016 wollen die Forschen­
den die Versuche wiederholen und hoffen auf ein
kälteres Jahr.

greenteam.html

Brice Dupuis, Agroscope Changins,

Timo Weber, Abfallprävention, +41 61 639 22 53,
greenteam@bs.ch,

Peter Lakerveld, Pro Natura,
+41 79 708 04 90, mittelland@hallobiber.ch

+41 58 460 47 48, brice.dupuis@agroscope.admin.ch

37

nal

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e rn i o

I nt

umwelt 1/2016

«Fundierte Grundlagen für die Politik»

Klimaabkommen: «keine Minimallösung»

Der fünfte globale UN-Bericht über den Zustand der
Umwelt (Global Environment Outlook, GEO) schlug
2012 Alarm. ­Die beobachteten Umweltveränderungen
seien beispiellos in der Geschichte der Menschheit. Der
Bericht, an dem 400 weltweit führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beteiligt waren, hatte
überprüft, inwiefern die globalen Umweltziele bereits
erreicht wurden, und daraus weiteren Handlungsbedarf
abgeleitet. Aus Sicht des BAFU ein erfolgreicher Ansatz:
«Damit erhalten Politikerinnen und andere Entscheidungsträger wissenschaftlich fundierte und verständliche Grundlagen für ihr Handeln», sagt Nicolas Perritaz.
Der nächste Bericht soll Mitte 2018 erscheinen. Er
besteht aus einer globalen Analyse und sechs regionalen
Einschätzungen, einschliesslich der paneuropäischen
Bewertung, die im Juni 2016 anlässlich der Ministerkonferenz «Umwelt für Europa» in Batumi (Georgien)
veröffentlicht wird. In der paneuropäischen Region
(zwischen Azoren, Zentralasien, Arktis und Mittelmeer),
zu der auch die Schweiz gehört, bilden Luftqualität,
Klimawandel, Verlust der biologischen Vielfalt und der
Übergang zu einer umweltverträglichen Wirtschaft die
grössten Umweltprobleme. Der Schweiz, die sich wie
bereits 2012 wissenschaftlich und finanziell an der Erarbeitung des Berichts beteiligen wird, ist es ein Anliegen,
dass die Herangehensweise gleich bleibt: «Politiker und
Entscheidungsträger müssen wissen, inwiefern die globalen Umweltziele bereits umgesetzt wurden, denen sie
zugestimmt haben», erklärt Perritaz.

An der UN-Klimakonferenz in Paris 2015 wurde für die
Zeit nach 2020 ein neues Klimaabkommen verabschiedet,
­wonach alle Staaten alle fünf Jahre ihre Ziele zur Reduk­
tion von Treibhausgasemissionen ankündigen und erläutern müssen. «Bereits während des letzten Jahres hat sich
gezeigt, welch positive Wirkung gleichzeitige Ankündigungen von Klimazielen entfalten», meint Veronika Elgart
vom BAFU. Bis heute haben 150 Staaten Reduktionsziele
bekannt gemacht, welche die Erderwärmung von rund
3,6 auf 2,7 Grad Celsius reduzieren dürften. Das sei ein
wichtiger Schritt, aber längst nicht genug. Das Abkommen
schreibt deshalb auch vor, dass jedes Land seine Leistungen zur Emissionsreduktion stetig verbessern muss. Die
Umsetzung der Reduktionsziele wird zudem verstärkt
kontrolliert. Erstmals legte die Staatengemeinschaft auch
gemeinsame Regeln für die Buchführung über die Ziel­
erreichung fest. Ferner sind Industrieländer verpflichtet
und Entwicklungsländer angehalten, CO2-effiziente und
nachhaltige Investitionen auszulösen.
Ein zentrales Element der Vereinbarung sei ausserdem
die Überwindung der unterschiedlichen Spielregeln, etwa
für die USA und China, die Schweiz und Singapur, betont
Veronika Elgart. Bezüglich der Reduktion von Treibhausgasen sei dies im Rahmen eines ambitionierten Vertrags
gelungen, im Bereich der Finanzierung seien erste Schritte
in diese Richtung gemacht worden. «Das Abkommen von
Paris ist keine Minimallösung, sondern eine gute Basis, ­
um die globale Temperaturerwärmung unter 2 beziehungsweise 1,5 Grad Celsius zu halten.»

Nicolas Perritaz, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Abteilung Internationales, BAFU
+41 58 465 81 40, nicolas.perritaz@bafu.admin.ch; www.unep.org/geo

Veronika Elgart, stv. Sektionschefin Rio-Konventionen, BAFU
+41 58 464 74 83, veronika.elgart@bafu.admin.ch

Wichtige Termine der internationalen Umweltpolitik
22.– 27. Februar 2016
Plenarversammlung der zwischenstaatlichen Plattform zu Biodiversität
und Ökosystemleistungen (IPBES) in
Kuala Lumpur (Malaysia)

38

10.–15. März 2016
7. Sitzung des zwischenstaatlichen
Komitees der Minamata-Konvention
(Quecksilber) in Jordanien

23.– 28. Mai 2016
2. UNO-Umweltversammlung
in Nairobi (Kenia)

HOLZWIRTSCHAFT < umwelt 1/2016

Die neue Jugendherberge in Saas-Fee (VS) ist ein Vorzeigebeispiel für das moderne Bauen
mit dem traditionellen Werkstoff Holz.
Alle Bilder: Schweizer Jugendherbergen/Michel van Grondel, Ruedi Walti

BRANDSCHUTZ BEI HOLZBAUTEN

Grenzenloses Bauen mit Holz
Nach der Liberalisierung der Brandschutzvorschriften sind dem Bauen mit Holz in der Schweiz kaum mehr
Grenzen gesetzt. Mit dem Aktionsplan Holz hat das BAFU massgeblich dazu beigetragen. Text: Peter Bader
Der Vorzeigebau steht am Ortseingang
von Saas-Fee (VS). Pionierarbeit hat man
hier gleich in mehrfacher Hinsicht geleistet: Das «Wellness Hostel 4000» ist
weltweit die erste Jugendherberge mit
Zugang zu einem Fitness- und Wellnessbereich. Das Übernachten in einem der

51 Zweier-, Familien- oder Sechsbettzimmer hat also nicht mehr allzu viel gemein mit der Jugendherberge-­Romantik
von vor 20 Jahren. Aus Umweltsicht ist
das «Wellness Hostel 4000» insofern
besonders interessant, als es das Bauen
mit Holz auf eine neue Stufe hebt. Das

39

umwelt 1/2016 > HOLZWIRTSCHAFT

moderne Gebäude gehört hierzulande
zu den ersten mehrgeschossigen Beherbergungsbauten aus Holz. Unter diese
Kategorie fallen Spitäler, Altersheime
oder eben Hotels.
Dem Bauen mit Holz sind in der
Schweiz inzwischen kaum mehr Grenzen gesetzt. Seit dem 1. Januar 2015
können Holzbauteile nämlich für alle
Gebäudekategorien und Anwendungen
eingesetzt werden. Demnach wären bei
uns dereinst sogar Hochhäuser aus diesem Werkstoff machbar.
Neue Philosophie: «So sicher wie nötig»
Ermöglicht hat dies eine Lockerung
der Brandschutzvorschriften, welche
die Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF) alle 10 Jahre überarbeitet. Bereits die 2005 schweizweit
eingeführten Vorschriften erlaubten die
Realisierung grosser Wohn-, Büro- oder
Schulbauten mit bis zu 6 Geschossen aus
Holz oder in Mischbauweise. Solche sind
heute schon vielerorts zu sehen. Zudem
ist bei den Einfamilienhäusern mittlerweile etwa jeder fünfte Neubau aus Holz
gefertigt. Bei den Mehrfamilienhäusern
hat sich dieser Anteil seit den Regeländerungen von 2005 mehr als verdoppelt
und beträgt derzeit rund 7 Prozent. In
den vergangenen 10 Jahren hätten sich
die Massnahmen zur Qualitätssicherung
beim Brandschutz bewährt, sagt Ernst
Bischofberger, Direktor der Gebäudeversicherung Appenzell Ausserrhoden. Als
VFK-Vorstandsmitglied und Präsident
der Technischen Kommission leitete er
den rund 80-köpfigen Projektausschuss
zur letzten Revision der Brandschutzvorschriften. «Der Brandschutz wird
im Holzbau seit Längerem sehr ernst
genommen», hält er fest. Auch deshalb
erfolgte nun ein weiterer grosser Libe­
ralisierungsschritt.
Eine Grundlage dafür war unter an­
derem das Forschungsprojekt «Wirtschaftliche Optimierung im vorbeugenden Brandschutz» der Eidgenössischen
Technischen Hochschule (ETH) Zürich.
«Ausgehend von dieser Studie haben wir
einen Philosophiewechsel vollzogen»,

40

HOLZWIRTSCHAFT < umwelt 1/2016

Die Lockerung der Brandschutzvorschriften
erschliesst dem Baustoff Holz weitere
Einsatzmöglichkeiten. Möglich sind nun
auch mehrstöckige Beherbergungsbauten
wie die neu eröffnete Jugendherberge in
Saas-Fee (VS).

merkt Ernst Bischofberger an. «Bisher
galt immer: ‹So sicher wie möglich.› Und
nun lautet der Leitsatz: ‹So sicher wie
nötig.› » Demnach lassen auch die neuen
Brandschutzvorschriften keine Kompromisse zu, wenn es um den Schutz von
Menschen geht. Bei den Sachwerten
allerdings nimmt man künftig höhere
Risiken in Kauf. «Wird jedes Einfami­
lienhaus mit grossem Aufwand vor
Feuer geschützt, sind die Gesamtkosten
viel höher, als es mögliche Schäden sein
könnten», führt Ernst Bischofberger aus.
Es sei zwar denkbar, dass die gelockerten
Bestimmungen in Einzelfällen zu leicht
höheren Kosten bei Brandschäden führten, volkswirtschaftlich betrachtet gehe
die Rechnung aber trotzdem auf.

terung. Entscheidend dazu beigetragen
hat ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt der schweizerischen Wald- und
Holzwirtschaft zur Sicherung einer
hohen Brandsicherheit von Holzbauten
und Bauteilen aus Holz. Dieses wird
von Lignum – der Dachorganisation
der Schweizer Wald- und Holzwirtschaft – geleitet und unter anderem
vom Aktionsplan Holz des BAFU massgeblich unterstützt. Weil Holz einer
der wichtigsten natürlichen Rohstoffe
der Schweiz ist, engagiert sich der Bund
seit 2008 mit der Ressourcenpolitik Holz
für eine nachhaltige Bereitstellung und
effiziente Verwertung von Holz aus
Schweizer Wäldern. Mit dem Aktionsplan Holz setzt das BAFU diese Politik
um. Bisher hat das Amt über 100 Projekte
unterstützt. Dabei läuft die zweite Phase
des Aktionsplans noch bis Ende 2016.
Eine wichtige Erkenntnis aus dem
Forschungsprojekt sei, «dass nicht die
Brennbarkeit eines Baustoffes das mass­gebende Kriterium ist», erklärt Bernhard
Furrer, Leiter Technik bei Lignum. Den
grösseren Einfluss auf das Brandver-

Den grösseren Einf luss auf das Brandverhalten hat
die brandschutztechnisch korrekte Ausführung einer
Konstruktion.
Im Rahmen der Anfang 2015 eingeführten Brandschutzvorschriften gelten
nun beispielsweise grössere Flächen
für Brandabschnitte – die im Brandfall
ein Übergreifen des Feuers auf andere
Gebäudeabschnitte verhindern sollen –
oder längere Fluchtwege. Zusätzlich
müssen kleine Gebäude mit zwei Geschossen und einer Grundfläche von
maximal 600 Quadratmetern bezüglich
ihres Brandverhaltens nur noch minimale Feuerwiderstandsanforderungen
erfüllen. Ähnlich liberale Vorgaben
gelten für Einfamilienhäuser.
Aktionsplan Holz fördert Forschung
Vor allem für das Bauen mit Holz sind
diese Änderungen eine wichtige Erleich-

halten habe die brandschutztechnisch
korrekte Ausführung einer Konstruktion. Deshalb stellen die neuen Vorschriften brandschutztechnisch robuste
Holzbauteile mit einem Schutz durch
nicht brennbare Bekleidungen – wie
vorzugsweise Gips – den nicht brennbaren Baustoffen gleich. So lässt sich
beispielsweise ein Treppenhaus aus
Holz realisieren, wenn es entsprechend
bekleidet wird. Zusätzlich gibt es auch
keine Einschränkungen mehr bei der
Gebäudenutzung: Künftig lassen sich
Wohn-, Büro- und Schulhäuser, Industrie- und Gewerbebauten, Beherbergungsbetriebe oder Verkaufsgeschäfte
bis zu einer Gesamthöhe von 30 Metern
in Holzbauweise erstellen.

Mehr Schweizer Holz einsetzen
Beim BAFU stossen die neuen Vorschriften auf ein positives Echo: «Wir sind
überzeugt, dass der Aktionsplan Holz
beim Brandschutz-Forschungsprojekt
seine Mittel bestens investiert hat», sagt
Werner Riegger, Co-Programmleiter des
Aktionsplans Holz. Die neuen Brand­schutzvorschriften würden einen weiteren Boom ökologisch sinnvoller Holzbauten auslösen.
Der Anfang ist mit der Jugendherberge
in Saas-Fee gemacht. Obwohl sie mit
dem «Watt d’Or» des Bundesamts für
Energie für ihre nachhaltige Bau- und
Betriebsweise ausgezeichnet wurde, haftet ihr ein Makel an, besteht sie doch zu
grossen Teilen aus ausländischem Holz.
Werner Riegger überrascht dies wenig.
Die Produktions- und Versorgungsketten
beim Holzbau seien sehr vielfältig und
die Entscheidungen der Bauherren durch
verschiedene Interessen beeinflusst
worden, erläutert er. «Deshalb ist es oft
schwierig zu erreichen, dass vorwiegend Schweizer Holz verwendet wird.»
Hätte man im Fall der Jugendherberge
von Saas-Fee ein halbes Jahr mehr Planungszeit einberechnet, ergänzt Werner
Riegger, wäre das Gebäude heute wohl
aus Schweizer Holz gefertigt. So oder so:
«Im Rahmen des Aktionsplans Holz setzt
das BAFU alles daran, dass künftig mehr
einheimisches Holz verwendet wird.»
Weiterführende Links zum Artikel:
www.bafu.admin.ch/magazin2016-1-10

KONTAKT
Werner Riegger
Sektion Holzwirtschaft und Waldwirtschaft
Co-Programmleitung Aktionsplan Holz
Geschäftsstelle Wald- und Holz­
forschungsfonds (WHFF)
BAFU
+41 58 464 77 85
werner.riegger@bafu.admin.ch

41

umwelt 1/2016 > KLIMASCHUTZ

TIEF GREIFENDE DEKARBONISIERUNG

Der Weg in eine kohlenstoffarme Ära
Ist es in der Schweiz technisch und wirtschaftlich möglich, den CO2-Ausstoss bis 2050 so zu reduzieren, dass sich das Weltklima um höchstens 2 Grad erwärmt? Das BAFU hat die ETH Lausanne mit einer
entsprechenden Studie beauftragt. Der Ökonom Philippe Thalmann ist dieser Frage mit seinem Team
nachgegangen. Im Interview erklärt er, was getan werden muss, damit sich das Ziel erreichen lässt.
Interview: Cornélia Mühlberger de Preux

umwelt: Vor welchem Hintergrund ist
die Studie zur CO2-Reduktion erarbeitet
worden?

Philippe Thalmann: Im Hinblick auf
die UN-Klimakonferenz COP21 Ende
2015 in Paris wurde die internationale
Plattform Deep Decarbonization Pathways
Project (DDPP) geschaffen. Darin haben
sich Forschungsteams mehrerer Länder
zusammengeschlossen, die weltweit für
die meisten Treibhausgasemissionen
verantwortlich sind. Ihre Aufgabe ist es,
Möglichkeiten für eine tief greifende Dekarbonisierung ihres Landes vorzuschlagen und deren Machbarkeit zu prüfen.
Auch die Schweiz hat sich entschieden
mitzumachen, umso mehr, als sie ihre
Kyoto-Verpflichtungen zumindest bezüglich der inländischen Emissionen nicht
einhalten konnte. Deshalb hat das BAFU
die ETH Lausanne beauftragt, konkret
aufzuzeigen, wie unser Land vom Kohlenstoff wegkommen kann.
Tief greifende Dekarbonisierung – was ist
damit gemeint?

Der ökologische Fussabdruck muss
drastisch verkleinert werden, vor allem
in Bezug auf die fossilen Treib- und
Brennstoffe. Das Ziel lautet, die inländischen CO2-Emissionen von heute
5,1 Tonnen pro Person bis 2050 auf
1 Tonne zu senken – allerdings ohne
Berücksichtigung des Flugverkehrs. Geplant ist ein schrittweises Vorgehen: Bis
2020 sollen die Emissionen gegenüber
1990 um 20 Prozent reduziert werden,
bis 2030 um 30 Prozent und so weiter.

42

In der Schweiz entweichen pro Person
5,1 Tonnen CO2 in
die Atmosphäre. Das
Klimaziel bis zum
Jahr 2050 beträgt
lediglich 1 Tonne.
In gasförmigem
Zustand entspricht
dies dem Inhalt eines
Würfels mit einer
Kantenlänge von
8,2 Metern.

1 Tonne C02

8,2 Meter

Dazu haben wir ein Referenzszenario
erarbeitet, das die wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz bis zu diesem
Datum beschreibt und ausschliesslich
auf bereits getroffenen oder geplanten
Massnahmen aufbaut.
Was genau bezweckt diese Studie, und wie
wurde sie durchgeführt?

Wir wollten klären, wie man die vorhandenen Instrumente stärken kann,
und die Kosten der Massnahmen abschätzen, welche für die angestrebte

ZIELVORGABE
pro Person

Reduzierung des CO2-Ausstosses erforderlich sind. Dabei gingen wir von einem
Modell aus, das die gesamte Schweizer
Wirtschaft darstellt und auch die internationale Komponente einbezieht. Das
kalibrierte Modell arbeitet mit realen
Zahlen und Daten und verfügt über veränderbare Parameter. Im Grunde führten wir einfach mit allen betroffenen
Akteuren Simulationen durch. Dieses
Modell hat allerdings seine Grenzen. So
konnten wir insbesondere weder den
Flugverkehr noch die grauen Emissionen

KLIMASCHUTZ < umwelt 1/2016

«Unsere Analyse zeigt, dass die Schweiz
ihren CO2-Ausstoss drastisch senken kann,
ohne die Wirtschaft zu gefährden.»

Philippe Thalmann, ETH Lausanne

berücksichtigen, die bei der Produktion
von Gütern im Ausland entstehen.
Wie lauten die Ergebnisse?

Welches sind die Stärken und Schwächen
der einzelnen Szenarien?

Das erste Szenario setzt eine Abscheidung und Speicherung von CO2 voraus.
Dieses Verfahren ist allerdings nicht nur
aus technologischer und ökonomischer
Sicht, sondern auch bezüglich seiner gesellschaftlichen Akzeptanz mit einigen
Unsicherheiten behaftet. Das Szenario
einer einheitlichen CO2-Abgabe, die bei
Bedarf mit einer Stromabgabe kombiniert wird, hat zwar seinen Preis. Der
Vorteil liegt aber darin, dass es für alle
Wirtschaftsbranchen Anreize bietet,
die Energieeffizienz zu steigern, fossile
Energien durch Elektrizität zu ersetzen
und das Potenzial der erneuerbaren
Energien voll auszuschöpfen. Alle drei
Szenarien verursachen Kosten für die
Haushalte, aber diese bleiben minim –
ebenso wie die Auswirkungen auf das
Bruttoinlandprodukt.
Wo würden Sie den Hebel ansetzen?

Wir müssen an mehreren Fronten handeln und den Schwerpunkt vor allem
auf die Mobilität legen. Die wichtigste
geplante Massnahme in diesem Bereich
ist die Einführung einer Lenkungsabgabe

auf Treibstoffe. Vorgesehen sind auch
strengere Emissionsgrenzwerte für neu
zugelassene Wagen und ein schrittweiser
Ersatz des herkömmlichen Automobilparks durch Elektrofahrzeuge. Eine
CO2-Abgabe auf Treibstoffe einzuführen,
wird nicht einfach sein, aber daran führt
kein Weg vorbei. Der Benzinpreis müsste
verdoppelt werden. Im Vergleich zur
Entwicklung der Löhne wäre er dann
wieder auf dem Niveau von 1981. Aller­
dings verbrauchen die Autos heute viel
weniger Benzin als damals. Mit dem
neuen Preisniveau würde man sich einer
Internalisierung aller externen Kosten
der Mobilität annähern. Parallel dazu
gilt es, die Sanierung von Gebäuden weiterzuführen und die Energie effizienter
zu nutzen. Am saubersten ist die nicht
gebrauchte Energie. Alles in allem würde

die Dekarbonisierung etwa 1 Prozent
der verfügbaren Haushaltseinkommen
kosten.
Gibt es technologische Innovationen,
die die Dekarbonisierung unterstützen?

Im Bereich der Photovoltaik sind zurzeit
viele Forschungsarbeiten am Laufen.
Analysiert werden ebenfalls der Einsatz
von Wasserstoff in Motoren und die
Möglichkeiten der CO2-Abscheidung. Die
Walliser Zweigstelle der ETH Lausanne
führt dazu sehr interessante Untersuchungen durch. Sie erforscht die CO2Abscheidung nicht bei der Produktion,
sondern in der Atmosphäre, mit dem
Ziel, das eingefangene CO2 wieder in
Energie umzuwandeln. Bei der Suche
nach alternativen Energielösungen gibt
es unzählige Initiativen.

CO2-AUSSTOSS DER SCHWEIZ OHNE DEN GRENZÜBERSCHREITENDEN LUFTVERKEHR
50
45
40
in Millionen Tonnen CO2

Unsere Analyse zeigt, dass die Schweiz ihren CO2-Ausstoss drastisch senken kann,
ohne die Wirtschaft zu gefährden. Drei
mögliche Szenarien wurden simuliert.
Im ersten werden die heutigen Instrumente ab 2021 durch eine umfassende
und einheitliche CO2-Abgabe ersetzt, die
rasch ansteigen muss. Dieses Szenario
geht davon aus, dass Emissionen aus
Gaskraftwerken abgeschieden und gespeichert werden (Carbon Dioxide Capture
and Storage, CCS). Im zweiten Szenario
wird auf CCS verzichtet, dafür verdoppelt
der Bund die CO2-Abgabe im Vergleich
zum ersten Szenario beinahe. Im dritten
Szenario schliesslich wird nicht nur der
CO2-Ausstoss reduziert, sondern durch
die Einführung einer Stromabgabe auch
der Stromverbrauch begrenzt.

35
30
25
20
15
10
5
0

1990

2000

Historische Werte

2010

2020

2030

Dekarbonisierungsszenarien

2040

2050

Referenzszenario
Quelle: ETH Lausannne

43

umwelt 1/2016 > KLIMASCHUTZ

Das Engagement der Schweiz heute und morgen

Berücksichtigt Ihre Studie diese Unter­
suchungen und Entwicklungen?

Wir waren sehr zurückhaltend und
haben technologische Durchbrüche
und die Vorteile der grünen Wirtschaft
nicht in unsere Studie einbezogen. Dabei
müssten technologische Fortschritte, die
durch den Druck zum Energiesparen erfolgen, eigentlich berücksichtigt werden.
Damit könnte sich die leichte Verlang­
samung des Wachstums durchaus in
einen Schub verwandeln.
Wie sehen die Erfolgschancen aus?

Wir haben die Mittel in der Hand, um
die Herausforderungen des Klimawandels zu meistern. Ich vertraue auf das
Potenzial der erneuerbaren Energien.
Wir dürfen nicht vergessen, dass die
Schweiz erst vor einem Jahrhundert
beschlossen hat, ihr Eisenbahnnetz zu
elektrifizieren. Und das ist ihr auch gelungen. Industrie und Haushalte folgten
dem Beispiel, sodass unser Land von der
Kohle wegkommen konnte. Damals hat
dies kein anderes Land derart schnell
und vorbildlich geschafft. Das Gleiche
können wir auch heute tun! Aber wir
müssen schnellstmöglich beginnen.
Je länger wir zuwarten, desto stärker
müssen die Emissionen später reduziert
werden.
Wer sind die Gewinner und wer die Verlierer
der tief greifenden Dekarbonisierung?

Zu den Verlierern gehören zweifellos
die Anbieter fossiler Energien und alle
energieintensiven Industrien, weil die
Energie in einer ersten Phase mehr
kosten wird. Zu den Gewinnern zählen
alle andern – in erster Linie natürlich
das Klima. Wenn alle vorwärtsmachen,
dann dürften sich die Klimarisiken
bei uns und anderswo abschwächen.
Unser Land, das stark von Hochwasser,
Erdrutschen, Gletscherschwund oder
auftauendem Permafrost betroffen
ist, bliebe von etlichen Katastrophen

44

«Seit den 1990er-Jahren engagiert sich die Schweiz national und international klar
für eine Reduktion der Treibhausgasemissionen. Diese Anstrengungen gehen in die
richtige Richtung», sagt José Romero von der BAFU-Abteilung Internationales.
Viele Beschlüsse sind bereits umgesetzt worden. Die Schweiz hat nicht nur das Rahmenübereinkommen der UNO über Klimaänderungen sowie das Kyoto-Protokoll ratifiziert,
sondern auch das CO2-Gesetz und sektorale Massnahmen in den Bereichen Wald, Landwirtschaft und Energie angenommen. International nutzt sie verschiedene Möglichkeiten,
um eine Verminderung der Emissionen in Entwicklungsländern zu unterstützen. Zudem
verfügt sie auf nationaler Ebene seit 2013 über eine Strategie zur Anpassung an den
Klimawandel.
Das CO2-Gesetz sieht folgende Massnahmen vor:
–	 Lenkungsabgabe auf fossile Brennstoffe (Heizöl, Erdgas);
–	 Gebäudeprogramm und kantonale Normen für einen Sektor, der 40 Prozent
aller CO2-Emissionen im Inland verursacht;
–	 Emissionsvorschriften für neue Personenwagen: Diese dürfen im Durchschnitt nicht
mehr als 130 Gramm CO2 pro Kilometer ausstossen. Im Massnahmenpaket zur
Energiestrategie der Schweiz ist ein Wert von 95 Gramm CO2 pro Kilometer vorgesehen;
–	 Verpflichtung für Treibstoffimporteure, die in diesem Sektor verursachten
	CO2-Emissionen teilweise durch inländische Projekte zu kompensieren;
–	Massnahmen in den Bereichen Bildung, Beratung und Kommunikation, um andere
gesetzliche Vorgaben zu verstärken und den freiwilligen Klimaschutz zu fördern;
–	 Technologiefonds: Dieser dient als Bürgschaft für Darlehen an innovative Unternehmen
und fördert Innovationen, welche den Ausstoss an Treibhausgasen und den Ressourcenverbrauch vermindern, den Einsatz von erneuerbaren Energien begünstigen und
die Energieeffizienz erhöhen;
–	 Branchenvereinbarungen mit der Wirtschaft zur Reduktion der CO2-Emissionen.
Im Hinblick auf die Zukunft übernimmt das CO2-Gesetz bis 2020 das Reduktionsziel
von 20 Prozent aus der internationalen Verpf lichtung der Schweiz gemäss dem KyotoProtokoll. «An der Klimakonferenz in Paris Ende 2015 hat die Schweiz zudem angekündigt, ihre Emissionen bis 2030 gegenüber dem Stand von 1990 um 50 Prozent zu
senken. Mindestens 30 Prozent dieser Reduktionen wollen wir durch eine Verstärkung
der bestehenden Massnahmen im Inland erzielen», präzisiert José Romero. Bis 2050
wird eine Reduzierung der Emissionen um 70 bis 85 Prozent angestrebt, wobei der
BAFU-Fachmann ergänzt, dass die Strategie zur Anpassung an den Klimawandel in
Zusammenarbeit mit den Kantonen und Gemeinden selbstverständlich weitergeführt
werde.

verschont. Wenn wir zu Pionieren der
Dekarbonisierung werden, dann hat
dies zudem positive Auswirkungen auf
unsere Industrie und Wirtschaft, denn
wer zuerst handelt, profitiert. Es gäbe
mehr Innovationen, neue Arbeitsplätze,
und wir könnten unsere Technologien
sowie das Know-how ins Ausland verkaufen.

Weiterführende Links zum Artikel:
www.bafu.admin.ch/magazin2016-1-11
KONTAKT
José Romero
Bereich Umwelt-Wissenschaft International
Abteilung Internationales, BAFU
+41 58 462 68 62
jose.romero@bafu.admin.ch

WALD < umwelt 1/2016

WALDGESETZ-REVISION

Den Wald auf den Wandel vorbereiten
Durch den Klimawandel und die Ausbreitung von Schadorganismen sind die Schweizer Wälder erheblichen
­Verän­derungen unterworfen. Damit sie ihre Leistungen auch künftig erbringen können, hat das Parlament in
den ­wesentlichen Punkten Ergänzungen zum Waldgesetz beschlossen. Die Anpassungen fliessen in die
Programmverein­barungen ein, welche der Bund jeweils für eine Dauer von vier Jahren abschliesst. Text: Oliver Graf

Bäume zählen zu den ältesten Organismen der Erde. In einer schnelllebigen Zeit
sind sie für viele Menschen ein Symbol
der Dauerhaftigkeit und Standfestigkeit.
Doch auch im Wald finden Veränderungen statt. Davon zeugen verdorrte Waldföhren im Wallis, die Ausbreitung des
Götterbaums oder das Eindringen von
Schadorganismen. Dazu zählen zum Bei-

spiel die Kastaniengallwespe, der Asia­tische Laubholzbockkäfer oder ein seit
2008 in der Schweiz auftretender Pilz,
der das Eschentriebsterben verursacht.
Ersatz für dürre Föhren
Schon seit mehr als einem Jahrzehnt
sind vor allem an den Südhängen des
Rhonetals immer öfter Baumwipfel zu

beobachten, die anfänglich braun und
mit der Zeit grau und kahl aus den
grünen Flanken herausragen. Beim
Phänomen, das auch grössere Flächen
dominieren kann, handelt es sich nicht
etwa um eine Herbstverfärbung, sondern
um absterbende Föhren. Kantonsweit ist
rund jede dritte Waldföhre betroffen,
schätzt Alban Brigger, der Kreisförster

Der Götterbaum ist eine invasive Art, die zum Schutz der einheimischen Vegetation
Bild: Jan Wunder
verstärkt bekämpft werden muss. 

45

umwelt 1/2016 > WALD

für das Oberwallis. Der Klimawandel
lässt Trockenperioden im Wallis länger
und häufiger auftreten. Dies führt zu
einem Trockenstress, der als eine der
Hauptursachen für das beobachtete Ab­
sterben gilt.
Besonders dort, wo Wälder Siedlungen und Verkehrswege vor Steinschlag,
Murgängen oder Lawinen schützen, sind
punktuelle Pflegeeingriffe nötig. So lässt
Alban Brigger hier vom Borkenkäfer
massiv befallene Bäume räumen, um
die Ausbreitung des Schädlings etwas
einzugrenzen. Längerfristig ist jedoch die
Förderung einer angepassten, vielfältigen
Artenzusammensetzung entscheidend.
In Föhrenwäldern stellt der Revierförster
deshalb vermehrt die trockenheitsresistentere Flaumeiche frei oder schafft
einer Eberesche mehr Platz im aufkommenden Dickicht. Bei Niedergesteln versucht man, den eingebrochenen Föhren­

2016 in Kraft treten. Entsprechend hat
das Parlament die Mittel für die 2016
gestartete und auf vier Jahre ausgelegte
Programmperiode aufgestockt. «Mit
diesen Programmvereinbarungen kauft
der Bund bei den Kantonen Leistungen
ein – so zum Beispiel einen gepflegten
und auf die Auswirkungen des Klimawandels möglichst gut vorbereiteten
Jungwald oder Schutzwald», erläutert
Bruno Röösli.
Auch in anderen Bereichen regeln Programmvereinbarungen die Zusammenarbeit von Bund und Kantonen. Der zweite
gewichtige Bereich, in dem der Bund auf
Veränderungen im Wald eingeht, ist die
Bekämpfung von Schadorganismen.
Aggressiver Götterbaum
Der Götterbaum hat seine Heimat in
China und ziert seit dem 18. Jahrhundert
mitteleuropäische Gärten und Parkan-

Bei der Jungwaldpf lege stellen die Forstdienste heute
Weichen für die Waldgeneration, welche ihre Leistungen in
30, 50 oder 100 Jahren erbringen wird – und zwar unter
den dannzumal herrschenden Klimabedingungen.
bestand oberhalb der BLS-Bahnlinie gar
durch Flaumeichenstecklinge wieder
aufzuforsten.
Mehr Mittel für die Anpassung
Bei der Jungwaldpflege stellen die
Forstdienste heute Weichen für die
Waldgeneration, welche ihre Leistungen in 30, 50 oder 100 Jahren erbringen
wird – und zwar unter den dannzumal
herrschenden Klimabedingungen. Das
Bundesparlament hat die Bedeutung
dieser Massnahmen erkannt. «Im Herbst
2015 haben die eidgenössischen Räte beschlossen, Förderbestimmungen für die
Anpassung an den Klimawandel gesetzlich zu verankern», hält Bruno Röösli,
Chef der Sektion Walderhaltung und
Waldpolitik beim BAFU, fest. Einzelne
Differenzen sollen in der Frühlingssession 2016 bereinigt werden, die Anpassungen könnten in der zweiten Hälfte

46

lagen. Er ist genügsam, wärmeliebend,
äusserst schnellwüchsig, und aus seinen
Wurzeln können neue Triebe hervorschiessen, die in einem Jahr Längen von
über zwei Metern erreichen. Stadtgärtnereien setzten ihn während Jahren gerne
ein, weil Strassensalz ihm wenig anhaben kann. Weibliche Götterbäume produzieren Tausende geflügelter Samen,
die mit dem Wind verfrachtet werden
oder an Fahrzeugen haften bleiben und
so beträchtliche Distanzen überwinden.
Besonders leicht etabliert sich der Baum
auf geologischen Bruchflächen mit freiliegendem Mineralboden.
Ausgehend von gepflanzten Bäumen
verwildert die Art und erobert entlang
von Strassen und Eisenbahnlinien neues
Territorium. Besonders anfällig sind die
Kastanienhaine in der Südschweiz, deren
Bewirtschaftung vielerorts aufgegeben
wurde. Zudem sind die Kastanien durch

Schadinsekten, Pilze, Sommerdürren
und andere Ereignisse geschwächt. An
manchen Stellen im Tessin breitet sich
der Götterbaum denn auch über ganze
Talflanken aus.
Reduzierte Schutzwirkung
Götterbäume verdrängen also einheimische Arten und stellen damit ein
Problem für die Biodiversität dar. Doch
damit nicht genug, wie Jan Wunder,
Forscher an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und
Landschaft (WSL) in Bellinzona, erklärt:
«Gebietsweise leidet ein hoher Prozentsatz der Stämme unter Kernfäule. Solche
Götterbäume sind kurzlebig, weniger
stabil, und es droht ein Verlust der
Schutzwirkung gegen Naturgefahren.»
Der Grund für die Erkrankung ist noch
unklar, doch vermutlich vernachlässigt
der Götterbaum die eigene Pilzabwehr
zugunsten seines enormen Wachstums.
Dies könnte auch die vergleichsweise
kurze Lebenserwartung mit einem
Höchstalter von 50 bis 100 Jahren erklären.
Suche nach Bekämpfungsstrategien
Jan Wunder sucht nach Möglichkeiten
zur Bekämpfung des Götterbaums,
aber dies ist nicht einfach. Kappt man
seinen Stamm, reagiert die verbliebene
Wurzel durch Umschalten auf ein «Notprogramm». Sie steckt fortan alle Kraft
in die Produktion von Stockausschlägen
und Wurzeltrieben, die noch mühsamer
zu bekämpfen sind. Im Rahmen eines
Projektes von BAFU und WSL haben Jan
Wunder und sein Team Götterbäume
nach einer von Martin Ziegler im Kanton
Zug entwickelten Methode «geringelt».
Bei diesem Verfahren werden Rinde und
äusserste Holzschicht in drei stammumfassenden Kerben entfernt. Die Wurzel
soll durch die unverletzten, innenliegenden Holzschichten weiterhin Wasser
und Nährstoffe in die Krone schicken
und damit gewissermassen im Normalbetrieb funktionieren. Umgekehrt wird
jedoch der Transport der Photosynthese­
produkte aus der Krone zurück in die
Wurzel unterbrochen, denn dazu ist

WALD < umwelt 1/2016

nur die dünne Leitschicht unterhalb der
Borke in der Lage. Noch ist es zu früh, die
Methode zu beurteilen; erste Ergebnisse
erwartet Jan Wunder jedoch schon Ende
2016. Diskutiert wird auch die Verwendung von Herbiziden. Allerdings ist
deren Einsatz mit Risiken verbunden
und nur im Siedlungsgebiet sowie unter
fachkundiger Aufsicht möglich. Bis auf
Weiteres wird dem Götterbaum darum
in erster Linie mit Schaufel und Axt zu
Leibe gerückt. Der Kampf gegen einzelne
Bäume ist allerdings noch keine Strategie. Ohne Koordination bleibt alle Mühe
wirkungslos, denn es bringt nichts, hier
einen Baum zu bekämpfen, während
nebenan ein anderer weiterhin seine
Samen in alle Winde streut. Das weiss
auch Marcel Murri, Leiter der Sektion
Walderhaltung in der Waldabteilung
des Kantons Aargau. Er möchte versuchen, den Götterbaumbestand auf dem
felsigen Lägernkamm nahe Wettingen
auszurotten. Das Vorkommen zählt zu
den 90 Standorten, an denen dem Götter­baum auch nördlich der Alpen der
­
Sprung in den Wald gelungen ist.
«Der Kanton hat beschlossen, die invasive Art im Rahmen des Naturschutzprogramms Wald zu bekämpfen», erklärt
Marcel Murri, «denn wir möchten das
Waldreservat nicht gefährden.» Damit
die äusserst mühselige Bekämpfung
nicht vergebens ist, trägt die Gemeinde
Wettingen ebenfalls ihren Teil bei und
dämmt den Götterbaum als flankierende
Massnahme auch im Siedlungsgebiet ein
– ein bedeutender Schritt, sind doch
im Kloster Wettingen zwei mächtige
Exemplare betroffen.
Der Bund konnte die Bekämpfung
von Schadorganismen bisher nur im
Schutzwald finanziell unterstützen.
Ein koordiniertes Vorgehen erfordert
aber auch Massnahmen ausserhalb des
Schutzwaldes, wie das Beispiel zeigt. Das
Parlament hat diese Lücke korrigiert und
das Waldgesetz auch in diesem Punkt
angepasst. Fortan kann der Bund somit
überall dort gegen Waldschäden aktiv
werden, wo Probleme auftreten und
Waldleistungen erheblich gefährdet
sind.

Das mechanische Entfernen der Baum­
rinde mittels ringförmiger Schnitte
unterbricht den Transport der Photosyntheseprodukte von der Krone in die
Bilder: Simon Knüsel, Jan Wunder
Wurzel.

Wissenschaftliche Versuche zur Bekämpfung des Götterbaums durch die Injektion
von Herbiziden im Stammbereich.

Wirtschaftliches Umfeld im Wandel
Der Klimawandel und die Ausbreitung
von Schadorganismen sind nicht die
einzigen Entwicklungen, denen der
Schweizer Wald ausgesetzt ist. Auch das
ökonomische Umfeld verändert sich. Als
Folge der gesunkenen Holzpreise schreiben viele Forstbetriebe seit Jahren rote
Zahlen. Seit Anfang 2015 wirkt sich nun
auch noch die Frankenstärke negativ auf
die Branche aus. Bruno Röösli begrüsst
daher, dass das Parlament die Holznutzung behandelt. Neu steht ein Artikel
zur Holzförderung zur Diskussion, der
es dem Bund ermöglicht, innovative
Projekte in den Bereichen Forschung,
Entwicklung und Wissenstransfer sowie den Absatz von Schweizer Holz
zu unterstützen. Auch beim Bau von
öffentlichen Gebäuden und Anlagen
soll sich der Bund nach Möglichkeit für
die Verwendung von Schweizer Holz
einsetzen.
Positive Impulse verspricht sich der
BAFU-Fachmann zudem vom Entscheid
des Nationalrates, wonach der Bund für
die Anpassung ungenügend befestigter Waldstrassen und den Einsatz von
Seilkrananlagen neu auch ausserhalb
des Schutzwalds Finanzhilfen gewähren
kann. «Damit könnte der Bund Anreize
schaffen, um auch in bisher ungenügend
erschlossenen Wäldern mit hohen Holz­
vorräten eine ökologisch, wirtschaftlich
und sozial nachhaltige Nutzung zu ermöglichen», erklärt Bruno Röösli. «Indem
wir die Voraussetzungen für den Einsatz
von modernen Holzerntemaschinen
verbessern, könnten die Waldleistungen
auch in Zukunft erhalten bleiben.» Der
Ständerat hat sich bisher gegen diese Be­
stimmung ausgesprochen. Die Differenzbereinigung ist für die Frühlingssession
2016 geplant.
Weiterführende Links zum Artikel:
www.bafu.admin.ch/magazin2016-1-12
KONTAKT
Bruno Röösli
Sektionschef Walderhaltung
und Waldpolitik, BAFU
+41 58 463 84 07
bruno.roeoesli@bafu.admin.ch

47

umwelt 1/2016 > FOTOWETTBEWERB

PREISTRÄGERINNEN UND PREISTRÄGER

Blende auf für den Boden
«Den Boden, die knappste nicht erneuer­
bare Ressource der Schweiz, genauer
­betrachten und auf einem Foto festhalten» – so lautete die Aufgabe des
Fotowett­bewerbs zum Abschluss des
Internationalen Jahres des Bodens 2015.
Hier sind die zehn prämierten Bilder.
Zu sehen sind viele Facetten der hohen
Bedeutung der Böden für funktionierende
Ökosysteme. Auch lassen die Aufnahmen die Faszination der Fotografen und
Fotografinnen für die dünne Haut unseres
Planeten erkennen. Eingereicht wurden
über 650 Fotos mit packenden, berührenden und äusserst ästhetischen Sujets.
Als Trägerschaft des Fotowettbewerbs
fungierten die Bundesämter für Landwirtschaft, für Umwelt und für Raumentwicklung sowie die Berufsgruppe Umwelt
des Schweizerischen Ingenieur- und
Architek­tenvereins SIA. 	Die Gewinnerinnen und Gewinner konnten je eine
von Panasonic gesponserte Kamera in
Empfang nehmen.
Text: Flavia Castelberg

1. Platz
Stefan Leisi, Jegenstorf (BE)
Baggerspuren in einem Feld, Jegenstorf

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Jurybegründung: Die eigenwillige Perspektive zeigt dem
Betrachtenden ähnlich einer Lupe, wie der Boden durch
die menschliche Nutzung geformt und geprägt wird.
Ästhe­tisch überzeugt haben die Tiefe der Aufnahme und
die faszinierend herbe Farbkomposition.

Weiterführende Links zum Artikel:
www.bafu.admin.ch/magazin2016-1-13

FOTOWETTBEWERB < umwelt 1/2016

2. Platz
Olivier Scheurer, Mollis (GL)
Die Intensivregen vom Frühling sind schon fast wieder vergessen, Mollis.
Jurybegründung: Der Boden als regulierende Schicht bei Intensivregen tritt
hier auf aussergewöhnliche, ja mythische Eindringlichkeit in Erscheinung.
Unwillkürlich fühlt sich der Betrachtende in den Mikrokosmos Boden versetzt.

3. Platz
Andreas Ricklin, Bazenheid (SG)
Mähidylle bei Alt St. Johann (SG)

Weitere Auszeichnungen

Kurt Bart, Bern
Stadtbauer hat geerntet, Wittigkofen (BE)

Stefan Leisi, Jegenstorf (BE)
Eine Krähe sucht nach Würmern auf
einem frisch gepflügten Feld, Jegenstorf

Simone Erdin, Bonstetten (ZH)
«from day to night»; Felder und Städte nahe
beieinander, Buchs (SG)

Edith Birrer, Luzern
Nadelbaumkeimling auf Baumstrunk,
Goldauer Bergsturzwald (SZ)

Jurybegründung: Das nuancierte
Farbspiel der Grüntöne und die
organischen Strukturen – vom
Mensch gemacht, von der Topographie geprägt – geben dem Bild
eine Leichtigkeit, die den Betrachtenden schier verzaubert.

Sabine Heiniger, Ursenbach (BE)
Boden in einer Pflanzung mit Zwiebeln,
Ursenbach

Alina Schmajew, Dietikon (ZH)
Ruhe vor dem Sturm, ohne Ortsangabe

Carine Ludwig, Courtételle (JU)
Strassenakelei, Courtételle

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umwelt 1/2016 > GEWÄSSERSCHUTZ

STRATEGISCHE GEWÄSSERPLANUNG

Ein Meilenstein
auf dem Weg zu naturnahen Flüssen
Die Umsetzung des revidierten und 2011 in Kraft getretenen Gewässerschutzgesetzes macht Fortschritte.
So haben die Kantone inzwischen alle erforderlichen Grundlagen zur Renaturierung der Fliessgewässer
erarbeitet und ihre strategischen Planungen abgeschlossen. Text: Kaspar Meuli

50

GEWÄSSERSCHUTZ < umwelt 1/2016

Wie der revitalisierte Beverin im Oberengadin
(GR) erhalten zahlreiche Fliessgewässer in
unserer Kulturlandschaft wieder mehr Raum.


Bild: BAFU, Abteilung Wasser

Unter den rund 200 Fachleuten, die sich
im November 2015 zu einer Renaturierungstagung im Solothurner Seminarzentrum «Landhaus» trafen, war man
sich einig: Auf dem Weg zu naturnahen
Flüssen und Bächen hat die Schweiz einen wichtigen Meilenstein erreicht. In
der Zwischenzeit haben die Kantone ihre
strategischen Planungen abgeschlossen,
welche als Grundlage für die konkreten
Umsetzungsprojekte dienen. Damit liegt
nun erstmals eine umfassende Bestandsaufnahme aller Gewässerabschnitte und

Klimawandels zurecht, wenn sie sich in
einem möglichst natürlichen Zustand
befinden. «Dafür brauchen sie genügend
Platz und eine gute Wasserqualität», sagt
Stephan Müller, Leiter der Abteilung
Wasser beim BAFU. «Deshalb müssen
wir die Gewässer resilienter, das heisst
widerstandsfähiger machen.» Das heutige Gesetz legte den Grundstein dafür.
Volksinitiative sorgte für politischen Druck
Eine ökologische Aufwertung der Gewässer verlangte auch die 2006 eingereichte
Volksinitiative «Lebendiges Wasser»,
die sich eine Revitalisierung sämtlicher
Schweizer Gewässer zum Ziel setzte. Als
das Parlament bei den Beratungen zur
Revision des GSchG nach zähem Ringen

Die gross angelegte ökologische Aufwertung der
Schweizer Gewässer erfolgt parallel an zwei Fronten
und mit unterschiedlichen Zeithorizonten.
Wasserkraftanlagen vor, die ökologisch
aufgewertet werden sollen.
Ein positives Fazit zieht auch das
BAFU. «Die Kantone haben ausgezeichnete Arbeit geleistet», sagt Rémy Estoppey,
Chef der Sektion Sanierung Wasserkraft.
«Der Sanierungsbedarf ist jetzt bekannt,
und wir wissen, wo Massnahmen nötig
sind.» Und Hugo Aschwanden, der als
Sektionschef für die Revitalisierungen
verantwortlich ist, erklärt: «Aus den
kantonalen Planungen geht hervor, dass
sich in der Schweiz tatsächlich genügend
Flüsse und Bäche ökologisch sinnvoll
revitalisieren lassen, wie dies politisch
gefordert wird.»
Nun kann es also im grossen Stil los­
gehen mit der Umsetzung des geänderten und 2011 in Kraft getretenen Gewässerschutzgesetzes (GSchG). Das Ziel dabei
ist klar: Die Schweizer Fliessgewässer
und Seeufer sollen wieder naturnaher
werden und ihre vielfältigen Funktionen
erfüllen können – von der Förderung
der Biodiversität über den Hochwasserschutz bis hin zu ihrer Bedeutung als
Naherholungsgebiete. Zudem kommen
die Gewässer besser mit den Folgen des

auf den Kompromiss einschwenkte,
Fliessgewässer mit einer verbindlichen
Gesamtlänge von 4000 Kilometern naturnah auszugestalten, zogen die Ini­
tianten ihr Begehren schliesslich zurück.
Ausgangspunkt der neuen Gewässerschutzpolitik war der schlechte Zustand
vieler Schweizer Gewässer. Fast ein
Viertel aller Flussstrecken und Bachläufe
sind künstlich verbaut, durch menschliche Eingriffe stark beeinträchtigt oder
in Betonröhren gelegt. Im intensiv genutzten Mittelland hat man seit dem
19. Jahrhundert sogar 40 Prozent der
Fliessgewässer naturfremd verbaut. Für
die aquatischen Lebensgemeinschaften

Frist
Finanzierung

Kosten

von Tieren und Pflanzen stellen die
negativen Folgen der Stromproduktion
durch Wasserkraftwerke eine zusätz­
liche Belastung dar.
So weit die bekannten Fakten – doch
wo genau sollen die Massnahmen zur
ökologischen Aufwertung von Flüssen
und Bächen ansetzen? Gemäss GSchG
mussten die Kantone bis Ende 2014
Antworten auf diese Frage liefern. Das
BAFU hat die Informationen aus den entsprechenden strategischen Planungen
ausgewertet und im November 2015 im
Bericht «Renaturierung der Schweizer
Gewässer: Die Sanierungspläne der Kan­tone ab 2015» publiziert. Die Zusammenstellung dokumentiert einerseits
den Handlungsbedarf bei Kraftwerken.
Darunter fallen Massnahmen für eine
bessere Fischgängigkeit, zur Minderung
des Schwall-Sunk-Betriebs sowie zur
Sanierung des vielerorts gestörten Geschiebehaushalts. Andererseits zeigen
die Planungen auf, wo die Prioritäten
bei der Revitalisierung von verbauten
Flüssen und Bächen ­liegen.
Die Renaturierung als Langzeitaufgabe
Die gross angelegte ökologische Aufwer­
tung der Schweizer Gewässer erfolgt
also parallel an zwei Fronten und mit
unterschiedlichen Zeithorizonten. Noch
wird es Jahrzehnte dauern, bis die Auf­
lagen des neuen GSchG erfüllt sind, doch
dank der strategischen Planungen durch
die Kantone sind die Ausmasse dieser
Herkulesaufgabe nun klar. Bei zahlreichen Projekten in der ganzen Schweiz
zeichnet sich bereits heute ab, wie die
Verantwortlichen solche Sanierungen
und Revitalisierungen anpacken können.

Sanierung der Wasserkraftwerke

Revitalisierung von 4000 Kilometer
Fliessgewässern

2030
Die Stromkunden bezahlen
einen Zuschlag von 0,1 Rappen
pro Kilowattstunde auf die Übertragungskosten der Hochspannungsnetze.
50 Millionen Franken pro Jahr

2090
Bundesbeiträge aus allgemeinen
Steuermitteln

40 Millionen Franken pro Jahr

51

umwelt 1/2016 > GEWÄSSERSCHUTZ

FISCHWANDERHINDERNISSE MIT SANIERUNGSPFLICHT
= Fischaufstieg
= Fischabstieg
rot = sanierungspflichtig
weiss = bereits saniert
oder unproblematisch

Quelle: BAFU

Die Beseitigung von Fischwanderhindernissen etwa ist nicht erst seit dem
Inkrafttreten des GSchG ein Thema.
Doch viele in der Vergangenheit gebaute
Fischtreppen funktionieren nicht, weil
sie beispielsweise zu klein dimensioniert
sind, wie Erhebungen der Kantone
gezeigt haben. Mittlerweile existieren
allerdings bewährte technische Lösungen – vor allem für den Fischaufstieg.
Das BAFU hat in den vergangenen Jahren
bereits 40 Sanierungsprojekte beurteilt,
von denen gegenwärtig 10 realisiert
werden.
Erfolgreiche Sanierungsprojekte
Seit Kurzem fertiggestellt ist zum Beispiel
eine solche Anlage zur Verbesserung der
Fischwanderung beim Aare-Kraftwerk
Rüchlig in Aarau. Auslöser war der

52

Neubau eines Kraftwerks als Ersatz für
eine bestehende Anlage. Das kleinere
Werk des aus zwei Teilen bestehenden
Komplexes weist nun auch einen Fischabstieg mit einem Feinrechen und einer
Öffnung im Wehr auf. Das Hauptwerk
hat die Kraftwerkbesitzerin Axpo mit
horizontalachsigen, fischfreundlichen
Kaplanturbinen ausgerüstet. Dank dieser
Lösung sterben beim Abstieg markant
weniger Fische, wie Erfahrungen aus
dem Ausland belegen.
Beim Kraftwerk Amsteg (UR) zeigt sich,
wie die Betreiber Massnahmen zur Verminderung der Abflussschwankungen
unterhalb von Speicherkraftwerken umsetzen können. Die Anlage im Besitz der
Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) erfuhr in den 1990er-Jahren einen Umbau
und verfügt seither über einen Speicher-

stollen mit Regulierkraftwerk und über
Regulierschütze zur Schwalldämpfung.
Nun will man das schnelle An- und
Absteigen des Wassers zusätzlich durch
eine Optimierung des Betriebs abschwächen. Im Wesentlichen geschieht dies
durch eine neue Steuerungssoftware, die
ab Mitte 2016 zum Einsatz kommt.
Wesentlich mehr Aufwand müssen
die Kraftwerke Oberhasli zur Sanierung
der Schwall-Sunk-Problematik in einer
ihrer Anlagen in Innertkirchen (BE) betreiben. Seit 2013 sind an der Hasliaare
ein ­Beruhigungsbecken und ein Speicherstollen im Bau, die eine dosierte
Rückgabe des turbinierten Wassers in
den Fluss ermöglichen sollen. Dadurch
erhalten die Wassertiere mehr Zeit, um
sich vor dem ansteigenden Wasser in
Sicherheit zu bringen. Die neue Anlage

GEWÄSSERSCHUTZ < umwelt 1/2016

nimmt ihren ordentlichen Betrieb im
Sommer 2016 auf.
Auch bei der Reaktivierung des Geschiebehaushalts zeigen erste Projekte,
wie sich die Bestimmungen des GSchG
konkret realisieren lassen. Wo Staumauern, Wehre oder andere Hindernisse den
natürlichen Geschiebetrieb in Flüssen
und Bächen behindern oder vollständig unterbinden, fehlen flussabwärts
Kies und Sand auf der Gewässersohle.
Dadurch geht wichtiger Lebensraum
für Tiere und Pflanzen verloren. Dieses Problem tritt auch beim Kraftwerk
Montsalvens des Energieunternehmens
Groupe E in der Nähe von Bulle (FR) auf.
Als Ersatz für das von der Staumauer
zurückgehaltene Geschiebe erfolgen im
Jaunbach nun zweimal pro Jahr künst-­
liche Kiesschüttungen mittels Lastwagen. Eine bei anderen Kraftwerken
bereits praktizierte Möglichkeit zur
Reaktivierung des Geschiebehaushalts
sind künstlich ausgelöste Hochwasser.
Nach Abschluss der kantonalen Planungen liegt der Ball für die ökologische
Sanierung der Wasserkraftnutzung nun
bei den Kraftwerkgesellschaften. Sie
müssen entsprechende Projekte erarbeiten, die sowohl von den Kantonen
als auch vom BAFU geprüft werden. Ein
wichtiger Aspekt bei der Beurteilung
solcher Vorhaben ist das optimale Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen.
«Die finanziellen Mittel sind so einzu-

setzen, dass sie jeweils den grössten
ökologischen Nutzen erbringen», betont
Rémy Estoppey. «Gefragt sind dabei
verhältnismässige Lösungen und keine
Luxusvarianten.»
Stark verbaute Mittellandgewässer
Noch nicht überall klar ist die Auswahl
der bis 2090 zu revitalisierenden Gewässerabschnitte. In ihren Planungen haben
die Kantone das Potenzial von Flüssen
und Bächen für eine Aufwertung analysiert und Abschnitte mit hohem und
mittlerem ökologischem Nutzen festgelegt. «Wir sind erst am Hochfahren des
Programms», erklärt Hugo Aschwanden,
«noch werden die Fördermittel des Bundes nicht vollständig ausgeschöpft.»
Wie die Planungen der Kantone be­
stätigen, sind die Fliessgewässer im
Mittelland und in den tiefer gelegenen
Alpentälern am stärksten verbaut. Die
meisten alpinen Gewässer befinden sich
hingegen noch in einem naturnahen
Zustand. Doch auch in den Bergen gibt
es Potenzial für ökologische Aufwertungen. So gestaltete etwa ein 2013 in Bever
(GR) realisiertes Revitalisierungsprojekt
den Mündungsbereich des Flusses Beverin (Bild Seite 50) wieder natürlicher,
dynamisierte den Inn und stellte die
Vernetzung zwischen dem kanalisierten Inn und zwei Auengebieten von
nationaler Bedeutung erneut her. Dazu
musste man unter anderem die Dämme

Erhebliche ökologische Defizite
•	 2075 durch Wasserkraftanlagen verursachte Hindernisse beeinträchtigen
schweizweit die Fischwanderung wesentlich.
•	 13 814 km der Fliessgewässer weisen stark verbaute Ufer und Flusssohlen auf.
Sanierungsbedürftig sind:
•	 970 Fischwanderhindernisse von Wasserkraftanlagen;
•	 102 Wasserkraftwerke, die übermässige Abflussschwankungen verursachen;
•	 493 Wasserkraftwerke und weitere Anlagen, die zu Geschiebedefiziten führen.
Ermittelte Revitalisierungsstrecken:
•	 3471 Kilometer Gewässer mit hohem Nutzen für Natur und Landschaft;
•	 6141 Kilometer Gewässer mit mittlerem Nutzen für Natur und Landschaft.

entlang des Inns auf einer Länge von
mehreren hundert Metern abbrechen.
Bei der Verwirklichung des Projektes galt
es, verschiedenste Interessen unter einen
Hut zu bringen: vom Hochwasserschutz
über die Erschliessung durch Zufahrten
und Leitungssysteme bis zu den Ansprüchen der Landwirtschaft.
Die Landbeschaffung als Knacknuss
Bei Revitalisierungsprojekten prallen
immer wieder unterschiedliche Ansprüche aufeinander. «Es zeigt sich, dass die
Schwierigkeiten bei der Umsetzung vor
allem die Landbeschaffung betreffen»,
sagt Hugo Aschwanden. Innovative Lösungen für den Erwerb und Abtausch
von Land gehören denn auch zu den
vorrangigen Faktoren, welche nach den
Erfahrungen des BAFU die Realisierung
eines Projektes begünstigen. Zusätzliche Erfolgskriterien sind Synergien mit
dem Hochwasserschutz, bestehende
Strukturen – wie beispielsweise ein
kantonaler Renaturierungsfonds – und
die speditive Verankerung der strategischen Planungen in der kantonalen
Richtplanung. Hugo Aschwanden be­
tont aber auch die Bedeutung einer
breiten Akzeptanz und Mitarbeit auf
lokaler Ebene. «Es sind vor allem engagierte Menschen und Organisationen
vor Ort in den betroffenen Gemeinden,
die einer Revitalisierung zum Erfolg
verhelfen.»

Weiterführende Links zum Artikel:
www.bafu.admin.ch/magazin2016-1-14
KONTAKTE
Hugo Aschwanden
Sektionschef Revitalisierung und
Gewässerbewirtschaftung, BAFU
+41 58 464 76 70
hugo.aschwanden@bafu.admin.ch
Rémy Estoppey
Sektionschef Sanierung Wasserkraft
BAFU
+41 58 462 68 78
remy.estoppey@bafu.admin.ch

53

umwelt 1/2016 > LÄRMSCHUTZ

LÄRMSANIERUNG DES BAHNGÜTERVERKEHRS

Die alten Klötze haben ausgebremst
Per Ende 2015 waren alle 9500 hiesigen Güterwagons mit leiseren Bremsen ausgestattet. Beim aus­
ländischen Rollmaterial läuft die Sanierungsfrist noch bis 2020. An weiteren Lärmoptimierungen
bei Schienen oder Schwellen wird derzeit geforscht. Doch die erwartete Zunahme des Bahngüterverkehrs
in den nächsten 15 Jahren könnte bisherige Erfolge wieder zunichtemachen. Text: Stefan Hartmann
Die baldige Eröffnung des NEAT-Basis­
tunnels durch den Gotthard gibt dem
Bahngüterverkehr in der Schweiz zusätzlichen Schub und wird die Alpentäler
zumindest teilweise von den luftverschmutzenden Lastwagentransporten
entlasten. Doch auch die an sich positive
Umweltbilanz des Schienenverkehrs hat
einen Makel – nämlich die nach wie vor
hohen Lärm­emissionen der Güterzüge.
Langjährige Bemühungen zielen darauf
ab, den Lärm auf dem inländischen
Schienennetz bis 2020 zu halbieren. Im
Zentrum der Bemühungen steht dabei

54

die Sanierung lärmiger Bremsbeläge. Bereits Mitte 2015 war mit der Umrüstung
der rund 9500 Schweizer Güterwagons
auf leisere Bremssohlen ein wichtiges
Zwischenziel erreicht. Die alten Bremsklötze aus Grauguss sind mittlerweile
alle durch modernere Kunststoffsohlen
ersetzt worden. Diese Erneuerung kostete
im Zeitraum von 2000 bis 2015 insgesamt
230 Millionen Franken und ist vom Bund
finanziert worden.
Alte Güterwagen mit Grauguss-Bremsklötzen erzeugen bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h in 7,5 Metern Entfer-

nung eine Lärmbelastung von 92 Dezibel
(dBA). Bei Verbundstoff-Bremssohlen
werden 81 dBA erreicht, was den Auflagen des Bundes von maximal 83 dBA
entspricht. Bei Güterwagen der neuen
Generation mit Scheibenbremsen
werden nur noch 75 bis 78 dBA angezeigt, was verglichen mit VerbundstoffBremssohlen einer Halbierung der
Schall­energie gleichkommt.
Altes Rollmaterial wird denn auch
laufend durch moderne Wagons ersetzt.
So beschaffen private Gütertransportunternehmen wie der Marktführer Hupac

LÄRMSCHUTZ < umwelt 1/2016

Klotzbremsen aus Metall (links und Mitte) erzeugen durch ihren Druck auf die Radlaufflächen Un­
ebenheiten, was den erheblichen Schienenlärm von herkömmlichen Güterwagen verursacht. Scheiben­
bremsen (rechts) sind eine ohrenschonende Alternative, da sie die Metallräder nicht aufrauen.


mit seinen 4800 eigenen Güterwagen
inzwischen auch Rollmaterial mit Scheibenbremsen, die bei den Personenzügen
längst Standard sind.
Ausländische Wagen lärmen mehr
Währenddessen überwiegen im internationalen, länderquerenden Güterverkehr
nach wie vor die klassischen Graugusssohlen, obwohl Deutschland und die
Niederlande ebenfalls grosse Anstrengungen zur Umrüstung ihrer Wagons
unternehmen. Steht man irgendwo
entlang einer Transitstrecke auf dem
Bahnsteig und es donnert eine 600 Meter
lange Güterzugkomposition vorbei,
so sind einzelne lautere Wagen gut
herauszuhören. Dabei handelt es sich
um ausländische Güterwagen mit alten
Grauguss-Bremsklötzen, zu denen auch
Zisternen-, Container- und Taschenwagen für den Transport von LKW-Sattelanhängern zählen. Das laute Geräusch auf
den Schienen entsteht durch das Einwirken der Klötze auf die Radflächen, wobei

Bilder: Hupac, Aarau, und Ferriere Cattaneo SA, Giubiasco (rechts)

die dadurch verursachten Unebenheiten
zu übermässigem Schienenlärm führen.
Insbesondere aus diesem Grund sind
die Ohren der ursprünglich 265 000 vom
Eisenbahnlärm stark betroffenen Men-

bereits 2006 Emissionsgrenzwerte für
neue Güterwagen eingeführt. Damit werden die Transportbetreiber im Jahr 2020
über genügend neue Fahrzeuge verfügen,
die in der Schweiz verkehren können.

Bis 2020 sollten schätzungsweise 40 000 zusätzliche
Personen vor Bahnlärm geschützt sein. 
schen in der Schweiz noch nicht ausreichend entlastet. Bis heute kommen
Schallschutzwände, lärmabweisende
Fenster und leisere Bremsbeläge erst
knapp zwei Dritteln von ihnen zu­
gute. Bis 2020 sollten schätzungsweise
40 000 zusätzliche Personen geschützt
sein. Auf diesen Zeitpunkt hin werden
die alten Graugusssohlen nämlich auch
bei ausländischen Wagen verboten.
Verfügen diese bis dann nicht über den
Schweizer Standard mit leiseren Verbundstoffsohlen, dürfen sie das Land
nicht passieren. Die EU-Kommission hat

Moderne Wagons mit besseren
Drehgestellen
Fernziel ist die Umstellung von Verbundstoffsohlen auf leise Scheibenbremsen,
was freilich mehr kostet. Deshalb hilft
der Bund mit, diesen Prozess durch
Investitionshilfen zu beschleunigen. Es
handelt sich dabei um eine der Massnahmen, die das Parlament im September
2013 mit der Revision des Bundesgesetzes über die Lärmsanierung der Eisenbahn (BGLE) beschlossen hat. Damit will
der Bund die Lärmemissionen der Bahn
nicht nur auf dem Ausbreitungsweg,

55

umwelt 1/2016 > LÄRMSCHUTZ

sondern auch durch die Förderung von
leiserem Rollmaterial und einer lärmarmen Infra­struktur reduzieren.
Ersetzt ein privater Cargobetreiber
die modernen Kunststoffsohlen seiner
Güter­
wagen heute durch lärmarme
Scheibenbremsen, so übernimmt der
Bund maximal 50 Prozent der Differenzkosten für die Neubeschaffung
des Drehgestells mitsamt den Rädern.
Die Drehgestelle sind das «Herz» eines
Güterwagons, denn hier entsteht der
Lärm sowohl durch die Räder als auch
durch die Federung. Die Umstellung
der Drehgestelle von Stahl- auf Gummifedern ist daher eine weitere wichtige
Lärmschutzmassnahme. Das Gewicht
eines voll beladenen Güterwagons kann
bis zu 90 Tonnen betragen, sodass die
Federn einiges aushalten müssen. Ver­

titionen in modernes Rollmaterial mit
leisen Scheibenbremsen zurückhalten.
Bahninfrastruktur im Fokus
der Lärm­forschung
Mit der Umrüstung der Schweizer Güterwagenflotte auf Kunststoff-Brems­sohlen
und der Festlegung von Emissionsgrenzwerten für bestehende Güter­
wagen
ab 2020 wird es entlang der Schiene
weniger laut. Dies hat zur Folge, dass
die Konstruktion der Infrastruktur als
Lärmquelle zunehmend an Bedeutung
gewinnt. Zum sogenannten Eisenbahn­
oberbau zählen der Schienen- und
Schwellentyp, die Schienenbefestigungen und die Schienenzwischenlagen.
Über solche Lärmquellen ist heute noch
zu wenig bekannt. Die Frage, wie sich die
Infrastruktur lärmtechnisch optimieren

Für den Zeitraum von 2016 bis 2025 hat der Bund
Investitionshilfen von ­30 Millionen Franken budgetiert.
Mit dieser Summe lassen sich etwa 500 neue, besonders
lärmarme Güterwagons beschaffen.
besserte Drehgestelle sind zudem nicht
starr, sondern passen sich dem Schienenverlauf an und liegen daher besser im
Gleisbogen. Dies vermindert einerseits
den Schienenverschleiss und reduziert
andererseits den Fahrlärm und die Traktionsenergie der Lokomotive.
Für den Zeitraum von 2016 bis 2025
hat der Bund Investitionshilfen von­
30 Millionen Franken budgetiert. Mit
dieser Summe lassen sich etwa 500 neue,
besonders lärmarme Güterwagons beschaffen. «Damit wollen wir die Hürde
für Investitionen der Transportunternehmen in neue Drehgestelle möglichst
niedrig halten», sagt Fredy Fischer vom
BAFU. Solche Fördermassnahmen durch
die öffentliche Hand sind insofern sinnvoll, als die seit Monaten tiefen Preise für
Erdölprodukte kräftig auf die Margen der
Cargounternehmen drücken. Weil der
Strassentransport ein starker Konkurrent
ist, würden sie sich ansonsten mit Inves-

56

lässt, ist Gegenstand der Forschung. Ebenfalls zu wenig weiss man zudem über
die damit verbundenen Betriebskosten.
«Bei der Eingrenzung des Eisenbahnlärms
bestehen noch etliche Forschungslücken,
welche Grundlagenforschung und Feldversuche in verschiedenen Bereichen
erfordern», erläutert Fredy Fischer. Solche
Abklärungen erscheinen umso wich­
tiger, als die Angebotserweiterungen
der Bahn in den nächsten 15 Jahren die
bisherigen Erfolge bei der Lärmminderung zu kompensieren drohen.
Für die Erforschung des Eisenbahnlärms stellt der Bund bis 2025 insgesamt
20 Millionen Franken zur Verfügung.
So arbeitet etwa die Abteilung Akustik
des Forschungsinstituts Empa in Dübendorf gemeinsam mit den Technischen
Universitäten (TU) Berlin und München
an einem Modell zur Berechnung der
Schallentstehung durch die Interaktion
von Wagenmaterial und Infrastruktur.

Ziel dabei ist die Entwicklung eines
Simulationsmodells für lärmarme Gleiskonstruktionen – ein Bereich, in dem
auch die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) tätig sind.
Forschung zu den Lebenszykluskosten
Überdies sind bessere Kenntnisse der Lebenszykluskosten erwünscht. Der springende Punkt ist dabei die im Vergleich
zur direkten Konkurrenz auf der Strasse
sehr lange Lebensdauer des Rollmaterials: Während die Zugmaschine eines
Lastwagens bereits nach 5 bis 6 Jahren
ersetzt wird, steht ein Bahngüterwagen
durchschnittlich 35 Jahre in Betrieb.
Die Transporteure müssen folglich
ganz anders rechnen. Was kosten in
dieser Zeitspanne Wartung und Unterhalt der Drehgestelle mit modernen
Kunststoffohlen sowie der Radersatz?
Kunststoffsohlen sind zwar besser als
Graugussklötze, aber sie schleifen die
Laufflächen der Räder ebenfalls mechanisch ab, was zu höheren Kosten bei
deren Unterhalt führt. «So wichtig die
Umrüstung von lauten Graugussklötzen
auf leisere Verbundstoffsohlen für die
Zukunft des Schienengüterverkehrs
auch sein mag, so ist sie doch mit hohen
Ersatz- und Betriebsmehrkosten verbunden», hält Irmtraut Tonndorf von Hupac
fest. Jüngste Berechnungen der TU Berlin
zeigen, dass Scheibenbremsen bei hohen
Laufleistungen wirtschaftlicher sind als
Verbundstoffsohlen. Nicht zu unterschätzen ist zudem der Lärm durch die
Zugfahrzeuge. Je leiser die Güterwagons
sind, umso mehr fallen die Lokomotiven
ins Gewicht. Hier besteht insbesondere
für die SBB noch Handlungsbedarf, denn
die meisten Zugmaschinen auf dem
Schweizer Schienennetz gehören ihr.
Weiterführende Links zum Artikel:
www.bafu.admin.ch/magazin2015-1-15
KONTAKT
Fredy Fischer
Sektion Eisenbahnlärm
BAFU
+41 58 462 68 93
fredy.fischer@bafu.admin.ch

umwelt 1/2016

Wasser verstehen

Kinder an die Swise-Tagung

Das neue Lehrmittel «WASSERverstehen» (in:
«Hy­drologischer Atlas der Schweiz») vermittelt
wichtige hydrologische Inhalte für den Geografie­
unterricht der Sekundarstufe II. Das erste Modul
«Hydrologische Extremereignisse» besteht aus
den in sich geschlossenen Themen «Starknie­
derschlag», «Hochwasser», «Umgang mit Hoch­
wasser» und «Niedrigwasser». Die gedruckten
Themenblätter und das elektronische Lehrmittel
(E-Book) ergänzen sich und können flexibel im
Unterricht eingesetzt werden. Ausgehend von
einer zentralen und leitenden Problemstellung
formulieren die Schülerinnen und Schüler mithilfe
der bereitgestellten Materialien und ihrem Vorwis­
sen eigene Hypothesen. Anhand von gesichertem
Grundlagen- und Forschungswissen können sie
diese überprüfen und analytisch vertiefen. Die ge­
wonnenen Erkenntnisse werden an einem anderen
Sachverhalt angewendet und weiterentwickelt. Für
Lehrkräfte steht ein didaktischer Begleitkommen­
tar zur Verfügung. Das Lernangebot wurde von der
Universität Bern im Auftrag des BAFU konzipiert.

Swise (Swiss Science Education – Naturwissen­
schaftliche Bildung Schweiz) wurde von mehreren
deutschschweizerischen Bildungsinstitutionen
gemeinsam initiiert. Die Swise-Tagung hat sich in
den letzten sieben Jahren als wichtige Plattform
für Austausch und Weiterbildung im Bereich des
naturwissenschaftlich-technischen Unterrichts
etabliert. Sie wird für ihren hohen Praxisbe­
zug geschätzt. Die nächste Tagung findet am
Samstag, 5. März 2016, an der Pädagogischen
Hochschule Thurgau in Kreuzlingen statt. Das
Programm umfasst neben zwei Hauptvorträgen
stufenspezifische praktische Ateliers zu natur­
wissenschaftlich-technischen Themen und einen
grossen Lehrmittel- und Ideenmarkt. Erstmals ist
während des Anlasses auch eine Kindertagung
vorgesehen, an welcher der Nachwuchs der
Tagungsteilnehmenden an themenbezogenen
Problemen herumtüfteln kann.

Das erste Modul «Hydrologische Extremereignisse»
kann für CHF 18.– beim hep Verlag bestellt werden;
www.wasserverstehen.ch

Bildung
Kostenlose Umweltberatung
«Littering», «Fledermäuse» oder «Leben am Bach»:
Lehrpersonen aus dem Kanton Luzern erhalten
für Projektwochen oder -tage zu Umweltthemen
individuelle Beratung. Tipps und Anregungen gibt
es dabei zu inhaltlichen wie methodischen Fragen.
Die Beratung bei den Vorbereitungen ist kostenlos,
weitergehende Unterstützung im Unterricht wird
gegebenenfalls in Rechnung gestellt. Das Bera­
tungsangebot kann auch von ausserkantonalen
Schulen in Anspruch genommen werden, ist dann
aber kostenpflichtig.

5. März 2016, PH Thurgau, Kosten: CHF 160.–, inkl. Verpflegung (in einzelnen Kantonen werden die Kosten vom
Kanton oder von der Gemeinde übernommen); Infos und
Anmeldung: www.phtg.ch/index.php?id=1564

Umweltberatung Luzern, umsicht@ublu.ch,
http://ublu.ch/angebot/umweltprojekte-schulen

Lernen in der Natur

Welt der Vögel
Für Schülerinnen und Schüler der
3. bis 6. Klasse sowie für Ferien­
pass- und Jugendgruppen in
diesem Alterssegment bietet die
Vogelwarte Sempach einen Arbeits­halbtag «Naturlabor» an. In Zweierbis Vierergruppen erledigen sie
verschiedene Forschungsaufträge
unter Anleitung einer Fachperson
der Vogelwarte. Alternativ dazu
können sich Schulklassen ab der
5. Primarstufe für einen Besuch der
interaktiven Erlebnisausstellung mit
einer rund 30-minütigen Einführung
anmelden.
www.vogelwarte.ch/de/besuch/schulklassen.html, +41 41 462 97 00

Neues vom Leitfaden

Neues vom Online-Leitfaden von
Amnesty International, Helvetas
und Greenpeace: Die Anleitung für
Berufsfachschülerinnen oder
Maturanden zum Verfassen selbstständiger und interdisziplinärer
Arbeiten existiert jetzt auch in
Französisch. Zudem engagiert sich
Greenpeace verstärkt in diesem
Bereich. So sollen sich Jugendli­
che nun auch längerfristig Projekten widmen können, bei denen sie
betreut werden.
http://learning-for-the-planet.org

Papier aus Dung

Im Zoo Zürich gibt es während des
Sommerhalbjahres eine FreiluftPapierfabrik beim Elefantenpark. Dort
können Schulklassen der Mittel- und
Oberstufe aus Elefantendung Papier
herstellen und es zum Gebrauch mit
nach Hause nehmen. Der ganze
Workshop dauert 3 Stun­den; er
vermittelt auch Infos zur Beschaffen­
heit von Papier sowie Tipps zum
sorgsamen Papierverbrauch.

www.zoo.ch > Schule, schule@zoo.ch

Blumenwiesen, Amphibien, Fliess­gewässer oder Grossraubtiere: Das
sind 3 von insgesamt 8 Themen, die
Pro Natura für ein dreistündiges
Animationsprogramm anbietet.
Lehrkräfte können dazu eine Fach­person engagieren, die Kindern der
1. bis 6. Primarstufe draussen in der
Natur das gewählte Thema gemäss
geltenden Lehrplänen näherbringt –
und zwar wenn möglich unter
Einbezug aller Sinne. Den Ort können
die Lehrkräfte selber bestimmen.
CHF 150.– (max. 25 Teilnehmende, inkl.
Unterrichtsmaterial); +41 61 317 92 43,
suleika.debelle@pronatura.ch,
www.pronatura.ch/
lehrpersonen-unsere-themen

57

umwelt 1/2016

Recht
Kälber-Iglus gefährden Grundwasser
Ein St. Galler Landwirt muss den Boden eines mobilen Laufstalls so nachrüsten, dass Gülle und Abwasser nicht versickern.
2010 reichte ein Landwirt bei der Gemeinde Muolen
(SG) ein Baugesuch für die Erweiterung seiner Ställe
ein. Unter anderem wollte er drei Reihen mit je neun
Kälber-Iglus aufstellen, die zwischen 120 und 150 Meter
von einem Bach entfernt stehen sollten. Das kanto­
nale Amt für Umwelt und Energie (AFU) stimmte dem
Vorhaben unter der Auflage zu, dass die Iglus über
einen flüssigkeitsdichten Boden verfügen und so weder
Gülle noch Abwasser ins Erdreich gelangt. Das Abwas­ser aus dem Liege- und Auslaufbereich, so das AFU
weiter, müsse vollständig in die Güllegrube eingeleitet
werden. Die dagegen erhobenen Beschwerden des Landwirts bei den kantonalen Instanzen blieben erfolglos,
worauf er an das Bundesgericht gelangte.
Die Richter in Lausanne stützen die Entscheide der
Vorinstanzen. Artikel 6 des Gewässerschutzgesetzes
verbiete das Einbringen oder Versickern von Stoffen, die
Wasser verunreinigen können. In einer Stellungnahme
hatte des BAFU dargelegt, dass die kantonalen Behörden im Rahmen ihres Ermessensspielraums gehandelt
­hätten. Die von BAFU und Bundesamt für Landwirt­
schaft (BLW) herausgegebene Vollzugshilfe «Baulicher
Umweltschutz in der Landwirtschaft» verlange dichte
Bodenplatten bei Anbauten des Hauptstalls. Diese
­Regelung gelte auch für Kälber-Iglus. Ausserdem wiesen
zwei vom Bundesgericht beauftragte Experten darauf
hin, dass auf den betroffenen Parzellen von einem
teilweise erheblichen Nährstoffüberschuss auszugehen
sei und mit grosser Wahrscheinlichkeit Nährstoffe ins
Grundwasser gelangen könnten. Das Risiko einer Grundwasserbelastung sei ähnlich hoch einzuschätzen wie für
die umliegenden intensiv genutzten Parzellen, welche
ebenfalls überdüngt seien.
Das Bundesgericht kam insgesamt zum Schluss,
dass die derzeitige Nutzung des St. Galler Landwirts
gegen das Gewässerschutzgesetz verstosse und dass auf
der fraglichen Parzelle das Versickern der tierischen
Ausscheidungen zu einer Überdüngung führe. Die von
den kantonalen Behörden verfügten Massnahmen seien
geeignet, eine Gewässerverunreinigung zu verhindern.
Simona Weber, Abteilung Recht, BAFU, +41 58 465 31 81,
recht@bafu.admin.ch; Bundesgericht: Urteil 1C_62/2014 vom 15.6.2015

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Publikationen
Sämtliche BAFU-Publikationen sind elektronisch verfügbar und lassen
sich als PDF kostenlos herunterladen unter:
www.bafu.admin.ch/publikationen
Einzelne Veröffentlichungen sind zudem in gedruckter Form erhältlich
und können bestellt werden bei:
BBL, Vertrieb Bundespublikationen, CH-3003 Bern
Tel.: +41 58 465 50 50, Fax +41 58 465 50 58
E-Mail: verkauf.zivil@bbl.admin.ch
www.bundespublikationen.admin.ch
(bitte Bestellnummer angeben)
Eine Bestellkarte ist in diesem Magazin eingeheftet.
Ein Newsletter oder RSS-Feed für alle Neuerscheinungen kann auf der
BAFU-Website unter www.bafu.admin.ch/newsletter abonniert werden.
Schlüssel zu den bibliografischen Angaben:

Titel. Untertitel. Erscheinungsjahr. Herausgeber (wenn nicht oder nicht nur
BAFU). Anzahl Seiten; erhältliche Sprachen; Preis (sofern gedruckte Ausgabe);
Bezug und Bestellnummer (sofern gedruckte Ausgabe); Link für den Download

umwelt 12016

Altlasten

Hydrologie

Altlastenbearbeitung auf Kurs. Stand der Untersuchung, Überwachung und Sanierung. 2015. 52 S.; D, F; Bezug der gedruckten Ausgabe: www.bundespublikationen.admin.ch, Bestellnummer
810.200.018d; Download: www.bafu.admin.ch/uz-1516-d
Die Altlastenbearbeitung ist hierzulande eine der grössten Nachsorgeaufgaben im Bereich des Umweltschutzes. Gestützt auf die systematische Erfassung durch die Fachstellen sämtlicher Kantone und des
Bundes gibt es schweizweit rund 38 000 belastete Standorte. Aufgrund
der bisherigen Erhebungen ist insgesamt mit ungefähr 4000 Altlasten zu
rechnen, von denen eine mögliche Gefahr für die relevanten Schutzgüter
ausgeht. Wenn Abfälle im Boden und im Untergrund das Grundwasser,
Oberflächengewässer, die Bodenqualität oder die Raumluft bedrohen,
drängen sich Sanierungen auf.

Hydrologisches Jahrbuch der Schweiz 2014. Abfluss, Wasserstand und Wasserqualität der Schweizer Gewässer. 2015. 36 S.;
D, F, I, E; Bezug der gedruckten Ausgabe:
www.bundespublikationen.admin.ch, Bestellnummer 810.200.020d;
Download: www.bafu.admin.ch/uz-1511-d
Das Jahrbuch gibt einen Überblick über das hydrologische Geschehen
auf nationaler Ebene. Es zeigt die Entwicklung der Wasserstände und
Abflussmengen von Seen, Fliessgewässern und Grundwasser auf und
enthält Angaben zu Wassertemperaturen sowie zu physikalischen und
chemischen Eigenschaften der wichtigsten Fliessgewässer der Schweiz.
Die meisten Daten stammen aus Erhebungen des BAFU.

Biodiversität
Aktionsplan für den Doubs. Vorgehen und Massnahmenkatalog.
2015. 114 S.; F; keine gedruckte Ausgabe;
Download: www.bafu.admin.ch/ud-1096-f

Biotechnologie
Sicherheitsmassnahmen für Gewächshäuser. Vollzugshilfe für
den Betrieb von Gewächshäusern mit einschliessungspflichtigen
Organismen. 2015. 56 S.; D, F, I; keine gedruckte Ausgabe; Download:
www.bafu.admin.ch/uv-1517-d
Diese Publikation richtet sich an die Vollzugsbehörden sowie an Betreiber
und Verwender von Gewächshäusern (Glashäuser und Klimakammern),
die als geschlossene Systeme gestaltet sein müssen, damit in ihnen
mit einschliessungspflichtigen Organismen umgegangen werden darf.
Die Vollzugshilfe beinhaltet praktische Empfehlungen zu den organisatorischen, technischen und baulichen Sicherheitsmassnahmen, die für
den Umgang mit diesen Organismen erforderlich sind, und zwar für den
Bau, den Betrieb und den Unterhalt sowie für den Abbau.

Boden
Boden und Bauen. Stand der Technik und Praktiken. 2015.
114 S.; D, F; Bezug der gedruckten Ausgabe:
www.bundespublikationen.admin.ch, Bestellnummer
810.300.133d; Download: www.bafu.admin.ch/uw-1508-d
Diese Publikation soll den Stand der Technik für den Bodenschutz auf
Baustellen festhalten. Die geltende Umweltgesetzgebung schützt alle
Böden vor Belastungen, unabhängig von ihrer Nutzung, ihren Eigenschaften und den Klimazonen. Der heute praktizierte Bodenschutz auf
Baustellen ist vorwiegend aus dem Schutz der guten Ackerflächen im
Schweizer Mittelland hervorgegangen. Daher ging der Auftrag unter
anderem dahin, auch Baustellen in Wald-, Alpen- und Berggebieten
sowie im Siedlungsbereich zu berücksichtigen. In Bezug auf landwirtschaftliche Flächen wird die Sonderstellung der Fruchtfolgeflächen (FFF)
verdeutlicht.

Luft
NABEL – Luftbelastung 2014. Messresultate des Nationalen Beo­b­a­ chtungsnetzes für Luftfremdstoffe (NABEL). 2015. Hrsg. BAFU
und Eidg. Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa). 132 S.; D,
F; keine gedruckte Ausgabe; Download: www.bafu.admin.ch/uz-1515-d
Der Bericht dokumentiert anhand von Messresultaten des Nationalen
Beobachtungsnetzes für Luftfremdstoffe (NABEL) den Zustand der Luft in
der Schweiz. Er zeigt die Entwicklung der Luftverschmutzung seit Beginn
der 1980er-Jahre und präsentiert ausführlich die Messwerte des Jahres
2014. Die Luftbelastung 2014 kann wie folgt charakterisiert werden: Bei
den Schadstoffen Ozon, lungengängiger Feinstaub (PM10) und Stickstoffdioxid wurden die Immissionsgrenzwerte teilweise überschritten.
An den NABEL-Stationen werden die Grenzwerte für Schwefeldioxid,
Kohlenmonoxid, Staubniederschlag und die Schwermetalle eingehalten.
Die Entwicklung der Luftbelastung in den letzten 25 Jahren zeigt eine
deutliche Verbesserung.

Wald
Jahrbuch Wald und Holz 2015. Waldressourcen, Holznutzung,
Holzverarbeitung, Handel. 2015. 162 S.; D, F; Bezug der gedruckten
Aus­gabe: www.bundespublikationen.admin.ch, Bestellnummer
810.200.021d; Download: www.bafu.admin.ch/uz-1520-d
Das Jahrbuch informiert ausführlich über die Wald­ressourcen, die Holznutzung, die Leistungen und Produkte des Waldes, die Zertifizierung,
die Holzverarbeitung und den Handel mit Holz und Holzprodukten der
Schweiz. Die meisten Daten stammen aus Erhe­bungen des Bundes­
amtes für Statistik (BFS) und des BAFU.

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umwelt 1/2016
1/2016 > DOSSIER WILDTIERE
umwelt

Tipps

Geformte Landschaft

Rosamund McFarlane

Die besten Naturbilder
Seit über 50 Jahren führt das Natural History
Museum in London den renommierten Wett­
bewerb «Wildlife Photographer of the Year»
durch. 2015 wurden rund 42 000 Fotografien
aus über 96 Ländern eingereicht. In einer
Sonderausstellung zeigt das Naturhistorische
Museum Basel noch bis zum 3. April 2016 die
besten 100 Bilder, unter anderem auch von
zwei Schweizern.
www.nmb.bs.ch, +41 61 266 55 00

Mit Waldrappen über die Alpen fliegen oder
die Störche der eigenen Gemeinde auf ihrem
langen Weg nach Afrika begleiten: Mit der kos­
tenlosen App «Animal Tracker» (für iPhone und
iPad) lassen sich die Reisen von besenderten
Vögeln nahezu in Echtzeit verfolgen.

Mein Auto
ist dein Auto
Die kostenlose App «sharoo» ist ein Portal für
das Teilen von Privatautos. Damit lassen sich
Fahrzeuge in unmittelbarer Nähe finden und
mieten (für iPhone, iPad und iPod touch).

60

www.biosphaere.ch/de/beispielseiten/themenwege/
geopfad-escholzmatt, +41 41 485 88 50

Wenn die Erde bebt

Das BAFU hat die von den Kantonen erhobe­
nen Fischereidaten auf einer neu konzipierten
Website veröffentlicht (auch für Mobilgeräte).
Sie bietet neben den Fangdaten auch Anga­
ben zu Besatz, Patenten, Fischsterben und
Importen. Daten und Grafiken lassen sich
individuell abfragen und gestalten. Überdies
werden ausgewählte Fischarten und Fische­
reithemen detailliert vorgestellt.

Der Schweizerische Erdbebendienst (SED) an
der ETH Zürich hat nach 10 Jahren intensiver
Forschung ein neues Erdbebengefährdungs­
modell erstellt. Dieses bestätigt: Erdbeben
sind eine ernst zu nehmende Gefahr für die
Schweiz. Daneben gibt es beim SED zwei wei­
tere Novitäten: Eine Karte veranschaulicht, mit
welchen Erdbebenauswirkungen an einem Ort
in einem bestimmten Zeitintervall zu rechnen
ist. Die andere bildet ab, wie oft sich Erdbeben
ab einer bestimmten Magnitude ereignen. Alle
Produkte lassen sich in einem interaktiven
Webtool erkunden.

www.fischereistatistik.ch

www.seismo.ethz.ch/index

Neue Fischereistatistik

Mit den Vögeln
fliegen

Auf einem dreistündigen, beschilderten Rund­
gang erhalten Interessierte Einblick in die
Geologie und Geomorphologie des Emmentals
in der Umgebung von Escholzmatt (LU). Unter­
wegs erklären vier Schautafeln Alpenfaltung,
Geologie, Molasse, Eiszeiten und Landschafts­
formen. Ausgehend vom Bahnhof Escholzmatt
führt der Weg über Rundhöcker, durch eine
Schmelzwasserrinne sowie über eine Vereb­
nungsfläche und ermöglicht Betrachtungen
einer Landschaft, die von Gletschern und
Flüssen geformt wurde.

Hilfe beim Gärtnern
Die App «Der Gemüse-Gärtner» (für iPhone
und iPad) enthält Tipps für den Anbau von
Gemüse und Kräutern auf dem Balkon, auf
der Terrasse oder im eigenen Garten. Die
Informationen und Ratschläge bezüglich
Aussaat, Anbau, Boden oder Dünger eignen
sich sowohl für Anbauanfänger als auch für
fortgeschrittene Gärtnerinnen, die ihr Wissen
erweitern oder neue Sorten testen wollen.
Die kostenlose Version der App beinhaltet
9 Gemüse- und 9 Kräutersorten.

Essbare Wildpflanzen
Nicht nur für Survival-Trips: Die App «Ess­
bare Wildpflanzen» (für iPhone und iPad,
CHF 11.–) ist eine Bestimmungshilfe für
die 200 wichtigsten essbaren Wildpflanzen
Mitteleuropas. Neben Pflanzenporträts mit
Angaben zu Erntezeit und Verwendung in
der Küche gibt es auch Informationen über
Inhaltsstoffe und Heilwirkungen.

DOSSIER WILDTIERE < umwelt
umwelt 1/2016
1/2016

Alles was Recht ist
Nachhaltig feiern

Schräge Vögel
Rohrdommel, Ziegenmelker oder Wiedehopf:
Der deutsche Ornithologe Uwe Westphal und
der Naturmaler Christopher Schmidt widmen
sich in ihrem Buch 40 heimischen Vogelarten
mit teilweise ungewöhnlichen Namen. Aber
auch sonst sind die Tiere aussergewöhnlich:
Die Autoren thematisieren etwa deren spezi­
elle Brutstrategien und Balzrituale oder den
Hintergrund ihrer körperlichen Anpassungen.
«Schräge Vögel», Uwe Westphal, Christopher
Schmidt, pala-verlag, 2015, ISBN: 978-3-89566342-0, € 19.90, www.pala-verlag.de

Vom 27. bis 29. Mai 2016 wird in der Innen­
stadt von Basel wieder nachhaltig gefeiert: Am
eco.festival präsentieren sich zahlreiche Aus­
steller sowie Umwelt- und Nachhaltigkeitsor­
ganisationen; der Eintritt ist frei. Nebst etlichen
Veranstaltungen findet am 27. Mai auch der
11. Schweizer Nachhaltigkeitskongress unter
dem Titel «Welternährung und die Schweiz»
im Basler Schauspielhaus statt. Ernährung ist
eines der wichtigsten Umweltthemen über­
haupt, und die Rolle der Schweiz dabei soll
kontrovers diskutiert werden. Referentinnen
und Referenten aus dem In- und Ausland sowie
diverse Workshops beleuchten das Thema aus
verschiedenen Blickwinkeln.

Alt Bundesrichter Heinz Aemisegger hat die
Rechtsprechung des Bundesgerichts im Bau-,
Planungs- und Umweltrecht der letzten Jahre
in einem Buch zusammengefasst. Knapp die
Hälfte der Fälle betreffen das Umweltschutz­
gesetz (USG), das Waldgesetz (WaG), das
Gewässerschutzgesetz (GSchG) oder das Na­
tur- und Heimatschutzgesetz (NHG). Die Urteile
werden vorgestellt und diskutiert; entstanden
ist eine für die Praxis und den Vollzug hilfrei­
che Übersicht. Das Buch richtet sich vorab an
Juristinnen und Juristen sowie an Behörden.
«Aktuelle Rechtsprechung des Bundesgerichts im
Bau-, Planungs- und Umweltrecht», Heinz Aemisegger, Schweizerische Vereinigung für Landesplanung
(VLP-ASPAN), 2015, ISBN: 978-3-033-05039-6,
CHF 48.–, www.vlp-aspan.ch

www.eco.ch, +41 61 205 10 50

Höchster Baum?
Jahr des Gartens
Von April bis Oktober 2016 finden in der ganzen
Schweiz Veranstaltungen im Rahmen der na­
tionalen Kampagne «Gartenjahr 2016 – Raum
für Begegnungen» statt. Sie sollen auf die
Bedeutung von Gärten und anderen Freiräumen
für die Lebensqualität in den Städten aufmerk­
sam machen. Die Website bietet einen laufend
aktualisierten Überblick über die Anlässe.
www.gartenjahr2016.ch, info@gartenjahr2016.ch

Mitarbeitende der Eidgenössischen For­
schungsanstalt für Wald, Schnee und Land­
schaft (WSL) haben am Unterrothorn (VS) eine
zähe, 11 Zentimeter hohe Arve auf 2765 m ü. M.
gefunden. Ist das der höchstgelegene Baum der
Schweiz? Wer Bäume kennt, die in noch grös­
serer Höhe wachsen, kann diese ins Logbuch
des Schweizerischen Landesforstinventars
(LFI) eintragen.
www.lfi.ch/resultate/meldungen/hohefundorte.php,
urs-beat.braendli@wsl.ch, +41 44 739 23 43

umwelt /environnement gratis abonnieren /nachbestellen/Adressänderungen
umwelt, NZZ Fachmedien AG, Leserservice, Fürstenlandstrasse 122, 9001 St. Gallen, +41 71 272 71 32, umweltabo@bafu.admin.ch, www.bafu.admin.ch/magazin

Impressum 1/16 Februar 2016 | Das Magazin umwelt des BAFU erscheint viermal jährlich und kann kostenlos abonniert werden; ISSN 1424-7186. | Herausgeber:
Bundesamt für Umwelt BAFU. Das BAFU ist ein Amt des Eidg. Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) | Projektoberleitung: Bruno Oberle,­
Thomas Göttin | Konzept, Redaktion, Produktion, Marketing: Jean-Luc Brülhart (Gesamtleitung), Charlotte Schläpfer (Stellvertretung), Reinhard Schnidrig, Claudine Winter
und Hansjakob Baumgartner (Dossier «Wildtiere»), Beat Jordi (Weitere Themen), Peter Bader und This Rutishauser, textatelier.ch (Rubriken), Joël Käser und Sven de Gasparo
(online), Cornélia Mühlberger de Preux (Redaktorin Romandie), Valérie Fries (Redaktionssekretariat) | ­
Externe journalistische Mitarbeit: Martin Arnold, Peter Bader,
Hansjakob Baumgartner, Urs Fitze, Elsbeth Flüeler, Nicolas Gattlen, Oliver Graf, Stefan Hartmann, Kaspar Meuli, Cornélia Mühlberger de Preux, Lucienne Rey; Jacqueline
­Dougoud (Lektorat, Korrektorat Dossier und Weitere Themen), Chantal Frey (Lektorat, Korrektorat Rubriken), Irene Bisang (Übersetzungen) | Visuelle Umsetzung: Arbeits­
gemeinschaft Atelier Ruth Schürmann, Luzern | Redaktionsschluss: 11. Dezember 2015 | Redak­tionsadresse: BAFU, Kommunikation, Redaktion umwelt, 3003 Bern,
Tel. +41 58 463 ­03 34, Fax +41 58 462 70 54, magazin@bafu.admin.ch | Sprachen: Deutsch, Französisch; Italienisch (nur Dossier) aus­schliesslich im Internet | Online:
Der Inhalt des ­Magazins (ohne Rubriken) ist abrufbar unter www.bafu.admin.ch/magazin. | Auflage dieser Ausgabe: 51 000 Expl. Deutsch, 19 000 Expl. Französisch | 
Papier: Refutura, rezykliert aus 100 % Altpapier, FSC-zertifiziert mit Blauem ­
Engel, VOC-arm gedruckt | Druck und Versand: Swissprinters AG, 4800 Zofingen,
www.swissprinters.ch | Copyright: Nachdruck der Texte und Grafiken erwünscht, mit Quellenangabe und Beleg­ex­ emplar an die Redaktion.

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umwelt 1/2016

Intern
10 Jahre BAFU
Am 1. Januar 2006 ist aus dem Zusammenschluss des Bundesamts für U
­ mwelt, Wald und Landschaft (BUWAL)
und grossen Teilen des Bundesamts für Wasser und Geologie (BWG) das Bundesamt für Umwelt (BAFU)
hervorgegangen. Wir haben 5 Themen für einen kleinen Rückblick ausgewählt und sagen, wo in diesen
Bereichen die zukünftigen Herausforderungen liegen.

Aufweitung des Linthkanals bei Mollis (GL)


Bild: Markus Forte/Ex-Press/BAFU

Renaturierung
Die Situation der Flüsse und Bäche in
der Schweiz ist besorgniserregend. Über
weite Strecken wurden diese Gewässer
künstlich verbaut und sind kaum noch
in ihrem ursprünglichen natürlichen
Zustand. Die im vergangenen Jahrzehnt
entwickelte neue Schweizer Gewässerschutzpolitik will dies ändern. So
sollen unter anderem 4000 Kilometer
Fliess­gewässer renaturiert werden, da
naturnahe Gewässer eine wichtige Rolle
für den Erhalt der biologischen Vielfalt
spielen und sie überdies besser mit den
Folgen des Klimawandels (z. B. Hochwasser) fertig werden.

62

Naturwaldreservat Langholz, Rothrist (AG)
Bild: Emanuel Ammon/Aura/BAFU


Schneekanonen in Andermatt (UR)
Bild: Markus Forte/Ex-Press/BAFU


Biologische Vielfalt
Die biologische Vielfalt nimmt global
und in der Schweiz wegen der intensiven Nutzung von Natur und Umwelt
ab. Der Bundesrat hat 2012 die Strategie
Biodiversität verabschiedet und einen
Aktionsplan in Auftrag gegeben. Dank
der Revision des Gewässerschutzgesetzes
begann die Sanierung der Wasserkraft
– ein wichtiger Beitrag zur aquatischen
Biodiversität –, in der Waldpolitik
erfolgte ein erhöhtes Engagement zugunsten der Waldbiodiversität, und
die Inventare der schützenswerten
Biotope wurden weiterentwickelt. Für
die Zukunft gilt es die gute Basis weiterzuentwickeln, insbesondere durch eine
bessere Vernetzung der Lebensräume,
welche die natürliche Dynamik fördert.
Zur Vernetzung gehört auch, Lebensbereiche wie Wohnen und Arbeiten
(Siedlung) oder Ernährung (im Rahmen
der Agrarpolitik 2014–2017) stärker
einzubeziehen.

Klima
Vor rund 10 Jahren wurde auch das Bewusstsein für die Klimapolitik geschärft.
In der Schweiz setzte sich damit die Erkenntnis durch, dass Freiwilligkeit allein
nicht genügt, um die Treibhausgase zu
reduzieren; in der Folge wurde eine CO2Abgabe auf fossile Brennstoffe erhoben.
Mit der Totalrevision des CO2-Gesetzes
2013 gab das Parlament nicht nur ein
ambitiöses Ziel von 20 Prozent Inlandreduktion gegenüber 1990 vor, sondern
erweiterte auch das Instrumentarium.
Die nächste Phase nach 2020 beinhaltet
die Konsolidierung und punktuelle Verbesserung der Energiestrategie.

umwelt 1/2016

Vizedirektor Gérard P­ offet
verlässt das BAFU

Auffangzaun für Murgänge

Zinkgewinnung aus Elektrofilterasche





Bild: Flurin Bertschinger/Ex-Press/BAFU

Naturgefahren
Die grösste Herausforderung im Bereich
Naturgefahren ist der Weg hin zu einem integralen Risikomanagement.
In den letzten 10 Jahren hat das BAFU
gemeinsam mit allen relevanten Akteuren massgebliche Anstrengungen
zur Verbesserung von Vorhersage und
Warnung unternommen. Ferner werden heute Schutzmassnahmen robust
und überlastbar ausgelegt. Kommende
Herausforderungen stellen neben den
Auswirkungen des Klimawandels vor
allem die Siedlungsentwicklung und
damit das steigende Schadenspotenzial
dar. Nur eine vorausschauende, risiko­
basierte Raumplanung und natur­ge­fahrengerechtes Bauen können gewährleisten, dass die Risiken nicht zunehmen und sich die Schäden im Rahmen
halten.

Bild: Emanuel Ammon/AURA/BAFU

Ressourceneffizienz / Grüne Wirtschaft
Der Ressourcenverbrauch ist auf ein
naturverträgliches Mass zu reduzieren,
denn wir haben nur diese eine Erde.
Um eine solche Generationenaufgabe
wirkungsvoll voranzutreiben, braucht
es ein Zusammenspiel von Wirtschaft,
Wissenschaft und Gesellschaft. Das
BAFU setzte und setzt dabei auf die
Sensibilisierung und den Dialog (z. B.
betreffend Planetary Boundaries, Foodwaste oder nachhaltige Finanzmärkte)
sowie auf konkrete Massnahmen (Um­
welttechnologieförderung, Effizienzsteigerung bei Abfallanlagen).
Ein internationales Engagement der
Schweiz (UNEP, OECD usw.) ist ebenso
wichtig wie die Weiterentwicklung
und Modernisierung der inlän­dischen
Umweltpolitik.

«Nach fast 25 Jahren im
Dienst der Umwelt sehe
ich die Zeit gekommen,
ein neues Kapitel als
Selbstständiger aufzuschlagen», begründet
der bald 60-jährige
Gérard Poffet seinen
Wunsch, das BAFU auf Ende März 2016
zu verlassen. Der gebürtige Freibur­
ger ist seit Januar 2006 Vizedirektor
beim BAFU und in dieser Funktion
mit der Leitung der technischen Umweltbereiche betraut. Dazu zählen die
Abfallentsorgung, die Altlasten, die
Luftreinhaltung, der Schutz vor Lärm
und nicht ionisierender Strahlung,
die Biotechnologie und chemische Produkte sowie wirtschaftliche Aspekte
und die Umweltforschung.
Gérard Poffet absolvierte ein Hochschulstudium in Ökonomie, Erziehungswissenschaften und Sport und
war danach Assistent am Lausanner
Hochschulinstitut für öffentliche Verwaltung (HöV). Auf die anschliessende
Lehrtätigkeit am Collège Saint-Michel
in Freiburg folgten ein Doktorat in
Volks- und Regionalwirtschaft sowie
sechs Jahre Unterrichtsarbeit und die
Leitung eines Entwicklungsprojektes
in Afrika.
Nach der Rückkehr aus Afrika stand
Gérard Poffet der Sektion Förderungsmassnahmen der Eidgenössischen
Forstdirektion im damaligen Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft
(BUWAL) vor. Ab 1996 war er Leiter
des Direktionsstabes und wurde im
Januar 2001 zum Vizedirektor des Bundesamts ernannt. Am 1. Januar 2006
ist aus dem BUWAL und Teilen des
Bundesamts für Wasser und Geologie
(BWG) das BAFU entstanden.

63

umwelt 4/2014 > DOSSIER KLIMA

Edelmetalle aus Abfall, Bild: ZAR

> Vorschau
Innovationen leisten einen wichtigen Beitrag bei der
Reduktion von Ressourcenverbrauch und Umweltbe­
lastungen. Sowohl technische Neuerungen als auch
soziale und institutionelle Innovationen, die sich in der
Gesellschaft und am Markt durchsetzen, sind gefragt.
Das Dossier der Ausgabe 2/2016 von umwelt be­leuch­
tet die wichtige Rolle des Staates und vor allem des
BAFU bei der Entwicklung und Markteinführung von
Umweltinnovationen. Für die verschiedenen Um­
weltbereiche wird gezeigt, wie Innovationen sowohl
zur Lösung von Problemen als auch zum kommer­
ziellen Erfolg von Unternehmen beitragen – und damit
Ökonomie und Ökologie in Einklang bringen.

> Die Artikel dieses Heftes – ausser den Rubriken – sind
auch im Internet verfügbar, mit weiterführenden Links und
Literaturangaben: www.bafu.admin.ch/magazin2016-1
64
        
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