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Full text: Glassbrenners Berlinisch / Gebhardt, Heinz (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

VI. Wortschaß 
Die große Zahl der Belege, die bisher zu den einzelnen Abschnitten 
beigebracht werden konnten, zeigte schon Glaßbrenners Bedeutung für 
die sprachgeschichtliche Beurteilung des Berliner Wortschatzes. Zum 
Schlusse unserer Untersuchungen folge nun nod) eine lexikographische Zu- 
sammenstellung von einigen besonders bemerkenswerten Wörtern aus 
Glaßbrenners Schriften, die für die Sprachgeschichte Berlins bedeutsam 
scheinen, sei es, daß es sich um Ausdrücke handelt, die heute schon ge- 
schwunden sind !), um Fremdwörter, um allgemein volkssprachliche Wen- 
dungen oder endlich um hochdeutsche Wörter, für deren Verbreitung ihre 
Verwendung in Berlin von großem Wert war. ?) 
A. 
Aasknochen (Schw.?) Bwit. 111, 26, Brendicke s. v. -- Lasch S. 201, Schlesw. Holst. 
Wb.: Nasknok(en) Schw., Rhein. Wb.: Aasknoaken Schw. 
abknuhtschen (küssen) Bwit. XXV, 35, Brendicke: abknuutschen „herzen und drücken“ 
R. B. Wb. |. v., Lasch S. 1568, 238 -- D. Wb. V, 15292: ein Kind knutschen, 
C. Viebig, Das tägliche Brot, Bn. 1901 1, 76: Wie de aussiehst -- ganz ab= 
jeknutscht! -- P. O. Höcker, Das glückliche Eiland, Bln. 1919, S. 56: J< muß 
Maminka nod) ordentlich „abknutschen“. 
abwackeln (fortgehen) Bwit. VI], 11, Frischbier, Pr. Wb. I1, 452: abwaggeln und 
abwackeln wackelnd abgehen, Kluge s. v. 
Aki (Fertigkeit) Du hast noch keenen rechten Aki bei 't Verkoofen, Bwit, V, 28, vgl. 
frz. avoir de l'acquis (fam.) etwas los haben, J. Lauff, Frau Aleit, Bln. 1906, 
S. 26: Ein Kerl muß Du werden . . . denn Du hast mehr Aki dazu wie alle die 
Hammels. 
alle werden (aufhören, sterben) Bwit. XXV, 26, N. Bl. Guckbild., 18, R. B. Wb, |. v. 
alle „davon wirste doch nich alle", d i. das schadet Dir nicht, Hetzel S. 8. 
Amorspiel s. Spiele (S. 104 f.) 
angeben (prahlen) Bwit. X1V, 12, Brendicke [. v. anjeben ?== Späße machen, A. Goetze, 
Frühnenhochdeutsches Glossar (19202): sich angeben = sich hinstellen, rühmen ; 
sich melden lassen. . 
anjehen (anfangen) Bwit. XV], 12 X«, 4, Brendicke 8, R. B. Wb. |. v., Lübben- 
Walter [. v. angän beginnen, anfangen. 
anstehen (zusagen, gefallen) Kann ick Ihnen anstehen, oder haben Sie schonst ein Ver- 
hältniß? Bwit. IX, 28, D. Wb. 1, 481. 
auskraßen (weglaufen) Bwit. 1, 23 VI t, 11, 35 XI11, 24, 32 XXIX, 14, N. Bl. Guck- 
bild., 39, Brendicke, R. B. Wb. s. v., Frischbier; pldt. utkrage kratzend abziehen, 
sich aus dem Staube machen. Bruns, Sachsen, abkratzen, ausreißen, D. Wb. 1,897. 
Aexsche (Axt) Bwit. 111, 16, R. B. Wb. F Axe f. Axt, Frischbier Pr. Wb. 1, 47, Ax, 
Nx, Ex f., Schiller-Lübben 1, 756, Lübben-Walter: exe, exene f., Shlesw. Holst. 
Wb. Ax (egs) f. „Axt“, plur. Nren. 
2) A. Lasch, Die Berliner Volkssprache, in Brandenburgia XX (1911/12) S. 
127 ff; S. 129. 
2) Wenn A. Lasch (S. 147) bei Glaßbrenner oder in den jüngeren Auflagen des 
R. B. eine ganze Menge unberlinischer Wörter nachweisen will, müssen wir doch nach 
genauer Durchsiht der Glaßbrennerschen Schriften diese Behauptung einschränken. Die 
von G. gebrauchten Wörter sind auch bei andern berlinischen Schriftstellern und in den 
Wörterbüchern, die sich nicht nur auf S. stüßen, bezeugt, und der Gebrauch eines Wor- 
tes in Berlin gibt ihm auch Heimatrecht. 
8) Schw. = Schimpfwort, Rda. == Redensar!t. 
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