ein Blik auf die Geschichte Berlins. Begünstigt von den Prätendenten,
welche nach dem Tode des großen Waldemar nach der verwaisten Marlgrafenfrone
buhlten, hatte es sich unter den Wittel8bachern während *
der mannigfachen Umtriebe, welche Karls IV. Politik im Lande verursachte,
und dann später in den Zeiten, als die Procope die verpfändete
Mark weniger regierten als aussogen, daran gewöhnt, auf eigenen“
Füßen zu stehen. So erscheint Berlin als tributpflichtige, im übrigen
fast freie Nepublik, und zwar von 1320-- 1442, wobei allerdings zu
berücsichtigen bleibt, daß diese Selbständigkeit zu den einzelnen Zeiten
eine verschieden große war. Erst Friedrich I]. bereitete 1442 diesen
Träumen einer selbständigen Handelsrepublik, welche dem Rathe und
den Bürgern vorgeschwebt hatte und deren völlige Erreichung ihnen die
Wirren am Aufange des 15. Jahrhundert8 als nahe bevorstehend in
Aussicht stellten, ein jähes Ende. =- Mit dieser Unterwerfung, welche
ihr Gegenstü> in dem Siege Friedrich I. über den märkischen Adel
findet, beginnt eine neue Aera der volkswirthschaftlichen Entwickelung
Berlins und der Mark. Der seit über 120 Jahren fehlende Staatsgedanke
hatte in der Mark zu einem sc<rankenlosen laisger faire
laisser aller geführt, in welchem die Städte über das platte Land
gesiegt hatten und zu demselben in scharfen Gegensaß getreten waren.
Dem verarmten, durch die Noth auf sein Schwert angewiesenen Adel
standen veiche Städte mit Hansepolitik und egoistischen Jnteressen gegenüber.
Stadt und Land, diese beiden feindlihen Mächte, wieder zu
nähern, war damals die soziale Frage, von deren Lösung das weitere
Geschi> der Mark abhing. Hier die erfolgreichsten Schritte gethan zu
haben, ist das Verdienst der ersten beiden Hohenzollern.
Friedrich 1. bändigte die Raublust des Adels und brachte ihn
dadurch zur Anerkennung seiner jeden Unterthan schützenden Fürstenmacht.
Das Brechen der elenden Raubnester war aber der geringere Theil
der Aufgabe, den größeren bewältigte sein Sohn, welcher die Städte
bezwang und sie, indem er ihnen den Traum einer egoistisc<en Selbstständigkeit
gründlich verscheunchte, an den Gedanken gewöhnte, sich nur
als Glieder eines größeren Gesammtwesens zu betrachten.
Mit der Unterwerfung Berlins hatte jene selbstische Hansepolitik
abgewirthschaftet, welche bis dahin jede Handlung der Stadt beeinflußt
hatte und von welcher die besprochenen Handels8zölle den deutlichen
Beweis liefern.
Druck von E. S. Mittler und Sohn in Berlin, Kochstraße 69. 70.
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