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Munter und mir untersucht. Wenn man sich hinter dem Bota
nischen Garten nach Wilmersdorf zu bewegt, so ist es der
erste Höhenzug, der muldenförmig aus der Hochebene hervor
springt. Ueber diesen Höhenrücken wird jetzt eine Strasse an
gelegt, durch welche der Boden auf einer Stelle 8 Fuss tief ein
geschnitten wird. Hier hat zuerst Herr Münter eine grosse
Anzahl von Feuerstellen aufgefunden, welche zu beiden Seiten
des Weges liegen. Die Stellen sind mit Steinen ausgelegt, die
eng aneinander passen; sie bilden in der Begel eine flache Mulde.
Dass man es nicht mit Begräbnissstellen zu thun hat, darauf
dürfte der Umstand führen, dass die Steine ausserordentlich
mürbe gebrannt sind, so dass sie in der Hand zerbröckeln.
Ausserdem würden bei der kolossalen Masse von Topfscherben,
wenn es Todtenurnen wären, erfahrungsgemäss sich wenigstens
Partikelchen von Menschenknochen erkennen lassen.
Ausserdem fand sich in der Nähe eine interessante Mühle
aus der Urzeit, nämlich zwei Steine, von denen der obere aus
leichtem, mürbem Granit besteht und ein kleines Loch hat, wäh
rend der andere anscheinend aus härterer Granitmasse ist und
ein grösseres Loch besitzt. Nicht weit von dieser Stelle erstreckt
sich rechtwinkelig gegen die angelegte Strasse ein sehr tiefes
Moor, welches unter dem Namen des „bösen Fenn“ bekannt ist.
Dieses Moor wird jetzt ausgegraben, um die Torfmasse zur
Gartenerde zu verwenden. Der Moorboden ist mit grosser Gewalt
auf beiden Seiten der dort aufgeschütteten Strasse herausgequollen.
In diesem Moor ist in einer Tiefe von 472 Fuss eine grössere
Zahl von Thierknochen von eigenthümlicher Bräune zu Tage
getreten, die zum Theil durchgeschlagen sind.
Herr Virchow: „Nachdem ich schon einmal mit Herrn Münter
die Fundstelle bei Wilmersdorf besucht hatte, begab ich mich
neulich zu der von dem Herrn Vortragenden erwähnten gemein
schaftlichen Untersuchung. Auf dem Wege dahin stiess ich schon
an den letzten Häusern des Dorfes Schöneberg, wo die Strasse
kürzlich verbreitert war, auf eine kohlige Bodenschicht, welche
ausser geschlagenen Feuersteinsplittern zahlreiche, theils gröbere,
theils feinere und geglättete Thonscherben von unzweifelhaft
alter Beschaffenheit enthielt. Der Umstand, dass an einer Stelle
Spuren eines modernen Ziegelofens sichtbar waren, liess den
Gegensatz der alten Scherben um so deutlicher hervortreten.
Ich bemerke, dass der Weg, den ich meine, nicht der hinter
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