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die modernen Toiletten selbst zu bezahlen —
Direktor Schorz strich den Passus, so daß das
Theater auch hierfür zu sorgen hatte. Sofort
ordnete sein Kompagnon Frankreicher an, daß Lore
tägliche Wagengelder zu erhalten habe. Schorz
schickte ihr einen herrlichen Brillantring. Zwei
Stunden später kam derselbe Theaterdiener und
brachte eine Perlenbrosche von Frankreicher.
In der Tonart ging es weiter. Und beide hofften
auf die Premiere, denn von dem Erfolge hatte
Lore ihre Geneigtheit abhängig gemacht.
Die Premiere kam und gestaltete sich
zum glänzendsten Siege der erprobten Truppe
des Kosmopolitantheaters, wie ein begeisterter
Rezensent sich ausquetschte. Alle Kritiker waren
sich darüber einig, daß dieser Erfolg hauptsächlich
der Kunst und den Reizen der Debutantin,
Fräulein Lori Bros — diesen Theaternamen hatte
sie gewählt — zu danken sei. „Die neue Revue,“
schrieb einer, „besteht aus fünf Kleidungs-, viel-
mehr Entkleidungsphasen des Fräulein Bros. Im
ersten Bild zeigt sie sich als elegante Mondäne
in hochgeschlossener Toilette. Man ist gespannt,
welche Reize die kostbare Hülle birgt. Im zweiten
läßt ein durchsichtiger Gazeschleier bereits ahnen,
was für Delikatessen dem Publikum bestimmt
sind. Man erwartet mit Ungeduld das dritte Bild.
Hier folgt die erste Enthüllung -- von oben.