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Ob diese jedenfalls etwas verspätete Entdeckung zur Vermehrung der
Kundschaft für die Wehmutter Margareth beigetragen, läßt sich durch
den Nebel der Zeiten nicht mehr erkennen. Jn heutiger erweislich
vorgeschrittener Zeit würde eine entsetzliche Fluth von »Eingesandts« deshalb
die Zeitungen überschwemmen, und die Sache aus den allerverschiedensten
Gesichtspunkten beleuchtet werden. Der junge Georg Welen
würde freilich gegenwärtig den Vortheil haben, bei der Kreis - Ersaß-Commission
mit seinem zweifelhaften Taufschein durchzufommen, das
wäre aber auch der einzige, während derselbe Taufschein ihm bei seiner
Berechtigung als Urwähler, Wahlmann oder Abgeordneter sehr hinderlich
und präjudicirlich werden dürfte! Andere allgemeine gesellschaftliche
Verwickelungen noch gar nicht einmal gerechnet.
Der sonderbare Fall erinnert an einen anderen, nicht weniger
sonderbaren, von dem Küster Theil I., Seite 263, auch aus der Geschichte
der Nicolaikirche, aber aus dem Jahre 1583, erzählt. Es heißt
nämlich dort: »Anno 1583 ist allhier zu Cölln an der Spree in der
Schulen, eine Jungfer 17 Jahr alt, offenbahr geworden, so in Knaben-Kleidung
zwey Jahre in die Schule gangen und des Baccalaurei Famulus
gewesen, auch bey ihm im Bette geschlaffen , welcher an ihr nie
bemerkt, daß sie ein Weibsbild gewesen, ist von Pariss in Frankreich
gewesen, und hat sich züchtig, fromm und stille gehalten, hat ihre
Lection alle Zeit so fleißig gelernet, daß sie nie gestäupet worden.
Derowegen sie auch der Baccalaureus endlich zu einem Bürger an
den freien Tisch gebracht, da ist sie endlich an der Weiber- Arbeit
und daß sie sich immer lieber zu Frauen und Mägden, dann zu Gesellen
und Mannesbilder gehalten, erkannt und vom Rath, in Meinung,
als sollte sie etwa eine Kundschafterin seyn, eingesezet und hernach,
als ihre Unschuld erkannt war, wieder los gelassen worden,
und hat sie die Gräfin von Zollern, weil sie schön ausnähen gekonnt,
zu sich genommen, und hernach des Administratoris zu Halle, Markgraf
Joachim Friedrichs, Gemahl geschenfet.«
Dieser Fall ist schon ungleich bedenklicher als der vorige, weil sich
hier eine Prämeditation des Subjectes vorausseken läßt. Die Nachricht
selbst fand sich in dem 1584 neu aufgesehten Thurmknopfe der
Nicolaikirche, und es muß allerdings bedauert werden, daß: der Verfasser
jener kurzen Notiz nichts Näheres von den Lebensumständen dieser
17jährigen Pariser Jungfer aus Frankreich mitgetheilt, weil wir sonst
gewiß schon längst eine entsprechende historische Novelle besäßen, die
dem dringenden Bedürfniß an Novellen überhaupt abzuhelfen vielleicht