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Full text: Gartenkulturpfad Neukölln

Ga

rtenkulturpfad

Neukölln

Grußwort der Präsidentin der Deutschen
Gartenbau-Gesellschaft 1822 e.V., Gräfin
Sonja Bernadotte
Liebe Freunde des Gartenkulturpfades,

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als Präsidentin der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft
halte ich es für sehr wichtig, neben der kompetenten
Wissensvermittlung die gartenkulturelle Dimension zu
vermitteln. Als Kulturformen durch den Menschen entwickelt, stehen insbesondere öffentliche Gärten und
Parks immer wieder im Focus von kommunalen Sparzwängen.
Neben dem Angebot für Besucher und Gäste werden
dabei die Funktions- und Entwicklungszusammenhänge
der Menschen ignoriert. Gärten und Parks als Orte der
Begegnung von Menschen sind für ein gedeihliches
Miteinander deshalb unverzichtbar.
Mit dem Projekt Gartenkulturpfad Neukölln ist es dem
Förderverein der August-Heyn-Gartenarbeitsschule e.V.
zusammen mit dem Kulturnetzwerk Neukölln e.V. und
dem Natur- und Grünflächenamt in vorbildlicher Weise
gelungen, Perlen der Gartenkultur sichtbar und systematisch erlebbar zu machen. Gewissermaßen nebenher leisten Sie damit eine besondere Form von Sozialarbeit für
über 300.000 Einwohner aus mehr als 160 Nationalitäten.

Stellvertretend für viele Beteiligte möchte ich Frau
Kuschnerow für die gute Zusammenarbeit meinen herzlichen Dank sagen und wünsche allen Nutzern weiterhin
viel Freude an der Gartenkultur.
Ihre

Gräfin Sonja Bernadotte
Präsidentin der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft 1822 e.V.

Grußwort

Inhaltsverzeichnis

Gartenkulturpfad Neukölln
Städtisches Grün gewinnt unter ökonomischen, gesundheitlichen und sozialen Aspekten immer mehr an
Bedeutung. In einem grünen Umfeld zu wohnen ist
Ausdruck von Lebensqualität und wird damit ein wichtiger Standortfaktor. Pflanzen regulieren das Kleinklima
und verbessern die Luftqualität, sie machen Städte
attraktiv für Investoren, Bürger und Touristen. Auch bieten Grünflächen Freiraum und Spielmöglichkeiten für
Kinder und Erholungsraum für Erwachsene. Häufig sind
öffentliche Grünanlagen für die Menschen die einzige
Möglichkeit Natur zu erleben und sich in Natur zu bewegen.
Dass Berlin-Neukölln eine lebendige Kunst- und Kulturszene sein Eigen nennt, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Jetzt bietet Ihnen der Gartenkulturpfad
Erkundungsrouten durch das „Grüne Neukölln“. Und
davon gibt es viel; kulturhistorisch, städte- und gartenbaulich interessantes Grün (1.997ha). Angefangen im
Neuköllner Norden mit dem Volkspark Hasenheide, der
im Stil eines englischen Landschaftsparks angelegt
wurde, über die neobarocke Anlage des Körnerparks, den
naturphilosophischen Comeniusgarten, der seinen
Besuchern das Wirken des Johann Amos Comenius

Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .6

näherbringt, bis hin zu eiszeitlichen Pfuhlen im Süden
Neuköllns gibt eine unglaubliche Fülle gärtnerischer
Kleinode zu entdecken.
Wir wünschen dem Gartenkulturpfad Neukölln viel
Erfolg, Liebe zum Neuköllner Grün zu wecken. Und den
Besucherinnen und Besuchern viel Entspannung und
Freude bei den Erkundungsrouten.

Route 1 „Rixdorf“ . . . . . . . . . . . . . . . . .7
Hermannplatz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .7
Volkspark Hasenheide . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .8
Neuer Garnisonsfriedhof . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .10
Türkischer Friedhof . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .12
Schillerpromenade . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .14
Lessing- & Thomashöhe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .15
Körnerpark . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .16
Richardplatz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .18
Comeniusgarten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .20
Landwehr- & Neuköllner Schiffahrtskanal . . . . . . . .22

Heinz Buschkowsy
Bezirksbürgermeister
von Berlin Neukölln

Route 2 „Köllnische Heide“ . . . . . . . . . .24
Thomas Blesing
Bezirksstadtrat
für Bauwesen

Köllnische Heide . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .24
Heidekampgraben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .25
Herbert-Krause-Park . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .26
Kleingartenanlage „Volksgarten“ . . . . . . . . . . . . . .28
Von der Schulenburg Park . . . . . . . . . . . . . . . . . . .29

Wolfgang Schimmang
Bezirksstadtrat für Schule,
Bildung, Kultur und Sport

Neuköllner Naturdenkmale . . . . . . . . . . .31
Route 3 „Britz“ . . . . . . . . . . . . . . . . . .32
4

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August-Heyn-Gartenarbeitsschule . . . . . . . . . . . . .32
Hufeisensiedlung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .34
Britzer Pfuhle und Findlinge . . . . . . . . . . . . . . . . .36
Das Gut Britz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .38
Kolonie „Am Marienfelder Weg” . . . . . . . . . . . . . . .42
Britzer Mühle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .43

Route 4 „Der Britzer Garten“ . . . . . . . . .44
Route 5 „Rudow“ . . . . . . . . . . . . . . . . .48
Rudower Fließ & Meskengraben . . . . . . . . . . . . . . .48
Dörferblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .50
Frauenviertel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .51
Pfuhle in Rudow . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .53
Friedhöfe in Rudow . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .54
Rudower Höhe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .54
Alt-Rudow . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .55

Schlaglichter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .57
Neuköllner Museum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .58
Teltowkanal . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .59
Britz-Buckow-Rudow-Grünzug . . . . . . . . . . . . . . . .60
Rudower Wäldchen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .60
Alt-Buckow . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .61

Einführung
Die Idee
Am Anfang stand die Idee der Deutschen GartenbauGesellschaft 1822 e.V., „Garten, Mensch, Natur und
Umwelt miteinander in Einklang zu bringen und deutlich
zu machen, wie wichtig Gärten und Parks für die
Lebensqualität der Menschen sind [...].
Zu dessen Umsetzung braucht es die Beteiligung aller
am Garten und Gärtnern Interessierten, deren EinzelEngagements miteinander zu vernetzen und im Verbund
öffentlich zu machen. Damit weitere Aktivitäten zu
initiieren, ist das Ziel des 'Gartenkulturpfades'.
Gleichzeitig aber soll diese Verknüpfung privater und
öffentlicher grüner Oasen in Städten und Gemeinden zu
einem 'Gartenkulturpfad' auch ganz neue Dimensionen
gärtnerischen Informationsaustausches schaffen.
In einer Kommune (kleine oder größere Stadt, ländliche
Gemeinde) bereits vorhandene gartenbauliche Angebote
und Initiativen werden zu einem Gartenkulturpfad vor
Ort miteinander verknüpft.
Damit werden sie einem breiten Publikum (lokale und
regionale Bevölkerung, Gäste und Touristen aus dem Inund Ausland etc.) im Verbund bekannt und zugänglich.“
(Auszüge aus dem Internet-Auftritt der Deutsche
Gartenbau-Gesellschaft 1822 e.V.)

Die Realisierung in Berlin Neukölln

Route 1 „Rixdorf“

Bei der Recherche nach geeigneten Stationen für den
Gartenkulturpfad Neukölln wurde schnell klar, dass Neukölln viel zu groß ist und zu viele Facetten bietet, um
sich auf ausschließlich eine Route zu beschränken. So
wurden fünf Rundgänge durch das grüne Neukölln entwickelt, aufgeteilt nach den Neuköllner Stadtgebieten.
Herzlichen Dank an das Rechercheteam, das jede Route
auf Begehbarkeit und Bewältigbarkeit erwandert hat.
Route 1 führt 10 km durch das lebendige innerstädtische, interkulturelle Neukölln mit seinen Künstlerkiezen
und Parks.
Route 2 führt 5 km durch Wohn-, Park- und Kleingartenanlagen aus der Zeit der Weimarer Republik. Diese Route
bietet zudem die Gelegenheit, die gärtnerische Ausbildungsstätte des Bezirks zu besichtigen.
Route 3 führt 7 km durch den Ortsteil Britz, der architektonische Highlights wie das Schloss Britz und die
Gartenstadt Hufeisensiedlung zu bieten hat. Außerdem
lohnt sich ein Abstecher in die August–Heyn-Gartenarbeitsschule Neukölln.
Route 4 stellt den Britzer Garten (das BUGA-Gelände
von 1985) mit dem Freilandlabor Britz vor.
Route 5 zeigt ca. 12 km des fast ländlichen Rudows.
Waldstücke, Wiesen und Pfuhle sind hier ebenso zu entdecken, wie der historische Dorfkern Rudow mit der Alten Dorfschule Rudow, die heute ein Kulturzentrum ist.

Länge: ca. 10 km
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Hermannplatz

Er ist gleichsam Eingangstor nach Neukölln, dessen
Grenzmark genau entlang der westlichen Gebäudekante
des Kaufhauses „Karstadt“ verläuft.
Keimzelle dieses Platzes war eine Pferdewechselstation
am Fuß der Rollberge (heute Hermann-/Ecke Karl-MarxStraße), wo zwei Verkehrsachsen sich kreuzen. 1737
baute man an eben diese Stelle das neue Wirtshaus „Rollkrug“, das diesem Verkehrsknotenpunkt seinen ersten
Namen gab: „Platz am Rollkrug“.
Es brauchte noch ein Jahrhundert, ehe sich hier urbanes
Ambiente entwickelte. Voraussetzung dafür war der Ausbau der Nahverkehrs: 1854 fuhr hier die erste Pferdebuslinie, 1899 die erste elektrische Straßenbahn und 1926
die erste Untergrundbahn. Für Letztere wurde ein
Etagenbahnhof gebaut, der heute unter Denkmalschutz
steht.
In den 1980ern erhielt der „Hermannplatz“ (wie er seit
1885 heißt) sein heutiges Gesicht: statt Straßenbahngleisen sieht man auf der Mittelinsel die Bronzeplastik
von Joachim Schmettau „Tanzendes Paar“ – eine Hommage an das einstige Vergnügungsviertel Rixdorf und
seine Hymne „In Rixdorf is Musike“.
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Volkspark Hasenheide

Ein paar Schritte südlich des Hermannplatzes liegt die
„Hasenheide“ – Neuköllns größte Grünanlage, die teils
gleichzeitig, teils sukzessive als Weideland, Jagdgehege,
militärischer Übungsplatz, Vergnügungsmeile und
Turnplatz diente. Überdies ist sie ein Ort für Erholung in
freier Natur mit eigener Geschichte auch als
Landschaftsgarten.
„Hasenhaide“ hieß das 105 ha große, ehemalige
Weideland ab 1678, da der Große Kurfürst hier Hasen für
seine Jagd hatte einhegen lassen. Benachbart dem
„Tempelhofer Feld“, das seit 1722 als Exerzierfeld diente, wurde die Hasenheide temporär in die militärische
Nutzung einbezogen. Ab 1764 allerdings, nachdem erste
Parzellen der Hasenheide in Erbpacht vergeben waren,
zog hier anderes Leben ein: Zunächst eröffnete man
bloß „Tabagien" (so hießen Wirtshäuser, in denen
geraucht werden durfte, da sie vor den Toren der Stadt
lagen); später jedoch, als der Nahverkehr ausgebaut und
die „Hasenheide“ mit dem Pferdebus erreichbar war, entwickelte sie sich zum Vergnügungspark. Jetzt kamen
Ausflügler in Scharen, fliegende Händler, Gaukler,
Musiker folgten und bald gab es auch Tanzplätze unter
Bäumen, Schießbuden und Pferdekarussells. Östlich der
„Hasenheide“ siedelten sich Brauereien an, die in improvisierten Biergärten ausschenkten. Überregionale
Bedeutung indes erlangte die „Hasenheide“ nicht allein
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dank sinnlichen Vergnügens und lockerer Sitten, sondern
auch aufgrund nationalpolitisch motivierter Körperertüchtigung. 1811 ließ Friedrich Ludwig Jahn (17781852) hier den ersten Turnplatz Deutschlands eröffnen.
An den Ästen einer Eiche soll der „Turnvater" die Jugend
Reckübungen gelehrt haben. So heißt es. Der
„Turnerbewegung“ folgte die „Turnfehde" und ihr das
Turnverbot im März 1819. Wer jetzt noch turnte, turnte
illegal. Die Turngeräte wurden abgerissen, und es entstand wieder ein Schießplatz. Jahn selbst, der als
Demagoge angeklagt und mit Festungshaft belegt worden war, wurde 1840 rehabilitiert und nach seinem Tod
sogar öffentlich geehrt: Zum 50. Geburtstag seines
Turnplatzes legte man den Grundstein für das JahnDenkmal. Das bronzene Standbild von Erdmann Encke
wurde 1872 eingeweiht und steht am nördlichen
Eingang des Parks. Jene legendäre Eiche an der
Fontanestraße/Ecke Karlsgartenstraße, die anfangs als
Reck-Ersatz hatte herhalten müssen, taufte man „JahnEiche". Heute ist dieser ca. 500 Jahre alte Baum
geschütztes Naturdenkmal.
1925 wurde die „Hasenheide“ offiziell zum „Volkspark",
dessen heutige Gestalt im Prinzip auf die Anlage von
Stadtgartendirektor Joseph Pertls aus den 1930ern
zurückgeht, später (1948-53) jedoch durch den
Gartenamtsleiter Kurt Pöthig noch einmal verändert
wurde: Im westlichen Teil entstand ein aus Trümmern
aufgeschütteter Berg – die „Rixdorfer Höhe“. Hier stand

ab 1955 die „Trümmerfrau“, das Sandstein-Denkmal der
Bildhauerin Katharina Singer (1986 an den Eingang
Graefestraße versetzt). Ungefähr gleich alt ist das
Naturtheater mit seinen 1100 Sitzplätzen, das abends
zum Freilicht-Kino wird. Direkt daneben finden kleine
Besucher den nach Motiven von „1001 Nacht“ gestalteten Spielplatz. Gespielt wird allemal im Volkspark, auch
von den Großen: Fußball, Volleyball, Musik. Und wem
das alles zuviel wird, der geht in den Rosengarten oder
Rhododendronhain oder an den Teich, der zu Beginn der
1990er angelegt wurde. Übrigens ein Tiergehege gibt es
auch wieder, jedoch mit Dammwild, Schafen und Pfauen
drin statt Hasen, und die werden gehegt, nicht gejagt.

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Heute führen zwei Eingänge vom Columbiadamm aus auf
den Friedhof. Durch den rechts des Schwimmbades liegenden Zugang gelangt man auf den parkähnlichen Teil,
dessen zahlreiche Kriegerdenkmäler und Gräberfelder
preußisch-deutsche Militärgeschichte widerspiegeln von
den antinapoleonischen Befreiungskriegen, über die
Kolonialkriege bis zum Ende des II. Weltkrieges. Rechts
des Weges, an der Grenzmauer zum Schwimmbad, liegt
der „Afrikastein“ – zu Ehren der sieben Freiwilligen, die
bei der Niederschlagung des Aufstandes gegen die deutsche Kolonialherrschaft 1904-07 in Namibia (DeutschSüdwestafrika) den Tod fanden. Die Errichtung eines
Mahnmals für den Genozid an 60.000 Nama und Herero
ist geplant.
Auf den südlichen Feldern sind die Gefallenen der
Feldzüge 1864 gegen Österreich, 1866 gegen Dänemark
und 1870/71 gegen Frankreich bestattet.
Vor der Feierhalle steht das „Lucknerkreuz“ aus rotem
Sandstein aus dem Jahre 1874, das vermutlich an das
alte Kreuz des Dennewitz-Friedhofs erinnern soll.
Lässt man Feierhalle und Gräberfelder hinter sich, so
betritt man den Alleequartiersfriedhof, auf dem
Zivilisten begraben sind und der weiterhin belegt wird.
Außer einigen gut erhaltenen Erbbegräbnisstellen ist
das Ehrengrab des Schriftstellers und Zeichners Bruno
Fuchs erwähnenswert, dessen Lust am Spiel auch auf
dem Grabstein zum Ausdruck kommt.

Neuer Garnisonsfriedhof

Am Columbiadamm, südlich der Hasenheide zwischen
Freibad und Flughafen Tempelhof, liegen der „Friedhof
Columbiadamm“ (ehedem „Neuer Garnisonsfriedhof“)
und der „Islamische Friedhof“ (früher „Türkischer
Friedhof“).
Der „Neue Garnisionsfriedhof“ wurde dem „DennewitzFriedhof“ angegliedert und 1861 eröffnet. Letzterer
trägt seinen Namen wegen der Opfer der Schlachten bei
Großbeeren und Dennewitz gegen zurückweichende
napoleonische Truppen. 1836 wurde der sog. DennewitzFriedhof mit einem Tor und einem Weg versehen, 1839
legte man die ersten Reihengräber an und 1843 eine
Friedhofsmauer, die zum Teil auf der Südostseite noch
im Original erhalten ist, sowie eine kleine Gedenkhalle
aus rotem Backstein (entworfen von Karl Friedrich
Schinkel unter Mitwirkung Friedrich Wilhelms IV.).
In den „Neuen Garnisonsfriedhof“ gelangte man ehedem
von Westen aus: Ein rötlich-gelber Backsteinbau mit
Arkadenbögen bildete den Eingang, an welchen sich die
1861 gebaute Feierhalle im Süden und ein Verwalterhaus
im Norden anschlossen. Die Gesamtfläche wurde mehrmals stark erweitert (v.a. 1918 für den „Heldenfriedhof“
für deutsche und gegnerische Gefallene des I. Weltkrieges), verlor jedoch wegen des Ausbaus des Flughafens
Tempelhof 1938 wiederum an Fläche, weswegen die
Hälfte der Toten umgebettet werden musste.
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Türkischer Friedhof

Gewissermaßen eingebettet in den „Neuen Garnisonsfriedhof“ liegt der „Islamische Friedhof“, dessen prächtige, im maurischen Stil errichtete Pforte einst auf einer
Achse mit der Gedenkstätte für die Gefallenen der
Befreiungskriege gelegen hatte. Diese Pforte war – wie
auch das Gelände – ein Geschenk König Willhelms I. und
Zeichen preußisch-türkischer Freundschaft. Sie musste
1938 der Erweiterung des Flughafens Tempelhof weichen.
Der neue Zugang, Columbiadamm 128, zwischen den beiden Eingängen zum Garnisonsfriedhof, ist nurmehr mit
einem schlichten schmiedeeisernen Tor versehen.
Dieser Friedhof war die erste islamische Begräbnisstätte
Mitteleuropas, und ihre Anfänge reichen ins Jahr 1798
zurück, in dem der osmanische Gesandte in Preußen, Ali
Aziz Efendi, auf der „Tempelhofer Feldmark“ (heute
Kreuzberg) nach islamischem Ritus beerdigt wurde. Als
dieser Begräbnisort einer Kaserne weichen musste,
schenkte Wilhelm I. dem osmanischen Staat Gelände,
um die Gebeine der (inzwischen) fünf toten Muslime auf
diesem, nunmehr osmanischen Hoheitsgebiet zu begraben. Im folgenden Jahr, 1867, entwarf der Kgl.
Baumeister Gustav Voigtel für sie eine ornamentierte
Grabsäule, deren Spitze eine goldene Mondsichel ziert.
Ehemals in der Mitte des Friedhofs und allein wegen der
Höhe herausragend, wurde sie 1888 umgesetzt und steht
jetzt, eher unauffällig, neben der 2005 fertiggestellten
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„Türk Sehitlik Camii“ (Türkische Märtyrer-Moschee).
Seinen Namen erhielt dieses islamische Gebetshaus nach
dem Friedhof: „Türk Sehitlik“ bzw. „Türkische Kriegsgräberstätte zu Berlin“. So hieß er nach 1918, da türkische
Soldaten, die während des I. Weltkriegs an der Seite der
sog. Mittelmächte (Deutschland, Österreich) gekämpft
hatten, hier bestattet wurden. „Sehit“ (arab: Shahid)
heißt „Märtyrer“ oder „Zeuge des Islam“, womit üblicherweise die im Kampf für den Islam Gefallenen gemeint sind; in der Türkei jedoch tragen diesen Titel auch
Tote, die im Krieg fürs Vaterland, also für irdische
Belange ihr Leben ließen.
Von der kleinen Moschee aus den 1920er Jahren – vordem das Wachhaus des Geistlichen und Friedhofspflegers
Hafiz Schükri Bey, das 1983-85 zum Gebetshaus mit
Kuppel und Minarett umgebaut worden war – ist heute
nichts mehr zu finden.
Der Baustil der jetzigen, der Sehitlik-Moschee ist an die
klassisch osmanische Architektur angelehnt. Ihre Kuppel
ist ungefähr 17 m hoch und ihre beiden Minarette messen 33 m Höhe. Für das Interieur wurden – abweichend
von der Klassik – Keramik und Marmor kombiniert. Sie ist
die größte Moschee in Berlin (1500 Menschen finden
Platz) und gilt als die schönste Deutschlands. Muslime
aller Nationalitäten halten hier Andachtszeremonien für
ihre Verstorbenen; die Toten allerdings müssen wegen
Auslastung dieses Friedhofs auf andere Begräbnisstätten
überführt werden.

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Schillerpromenade

Den Columbiadamm entlang nach Osten, über die
Fontanestraße, die in die „Schillerpromenade“ mündet,
erreicht man ein als Nobelviertel konzipiertes Ensemble,
das sich gegenüber dem Arbeiterquartier „Rollberg“ nicht
nur optisch abheben, sondern vor allem Bewohner anderen Zuschnitts anziehen sollte. Projektinitiative und -realisierung gehen auf Hermann Boddin zurück, Rixdorfs
Gemeindevorsteher von 1874-1907 (ab 1899 Bürgermeister). Um 1900 wurde das Straßenraster mit der 50 m breiten Schillerpromenade und dem runden Herrfurthplatz in
seiner jetzigen Form festgelegt.

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Erste Musterhäuser hatte eine der Terraingesellschaften
vor der Jahrhundertwende noch (an der Hermann-/Ecke
Herrfurthstraße) errichten lassen. Der Straßen- und
Mietshausbau im großen Stil setzte dann ab 1905 ein.
Die prächtigen Häuserfassaden zur Straße hin, platanengesäumte Bürgersteige, die Schillerpromenade mit breitem Gehweg, Parkbänken, Blumenrondells und englischem Rasen auf dem Mittelstreifen verliehen dem
Viertel einen präsentablen Charakter und großbürgerliches Flair. Die 1914 in der Leinestraße fertiggestellte
Baugewerkschule bildet einen Abschluss in zweierlei
Hinsicht: Zum einen war damit die Bebauung weitgehend beendet, zum anderen hatte die Genezarethkirche
auf dem Herrfurthplatz damit einen südlichen Gegenpart, mithin die Schillerpromenade eine architektonische Schlussnote.
Da dieses Wohngebiet sowohl die Bombardements im
Krieg als auch die „Kahlschlagsanierung“ der 1960er
Jahre nahezu unbeschadet überstanden hat und seit
1996 qua „Erhaltungsverordnung“ geschützt ist, bietet
sich dem Betrachter heute das fast gleiche Bild wie zu
Kaisers Zeiten – bis auf den Turm der Genezarethkirche,
dessen Spitze zweimal gekappt wurde: 1939/1940 kürzte man den ursprünglich 62 m hohen Turm wegen des
Flugverkehrs zunächst auf 38 m, dann während und
wegen der Berlin-Blockade auf 21,7 m.

Lessinghöhe & Thomashöhe

Das sind zwei grüne Hügel auf Neuköllns Rollbergen.
Letztere, die Rollberge, sind Ablagerungen, die die letzte Eiszeit zurückgelassen hat. Bis Mitte des 18. Jhs.
waren die wenig ergiebigen Böden dieser kleinen Berge
von Rixdorfer Bauern landwirtschaftlich genutzt worden.
Im Zuge der Industrialisierung jedoch konnten die
Grundbesitzer sie an Bergbaubetriebe verkaufen, die
hier Kies und Sand abbauten. So wurden die Rollberge
innerhalb von nur zwei Jahrzehnten merklich abgetragen und später bebaut, z.B. mit der sog. Rollbergsiedlung für Arbeiterfamilien, deren Bewohner südöstlich
davon Schrebergärten anlegten.
Als nach dem Krieg Raum für die Trümmer bombardierter Häuser gebraucht wurde, nutzte man diese Kleingartenkolonien und häufte hier den Schutt zu zwei Hügeln
auf. In den 1950er Jahren legten „Notstandskräfte“ auf
einem dieser Hügel den Park „Thomashöhe“ an. Der Park
„Lessinghöhe“ folgte. Beides sind heute grüne Oasen im
Kiez mit Spazierwegen zwischen Bäumen sowie Liegeund Spielwiesen. Gemeinsam mit den dicht beieinander
liegenden Friedhöfen, die sich westlich anschließen, bilden sie einen breiten Grüngürtel rechts und links der
Hermannstraße. Und südlich der grünen Hügel schließt
sich der in einer ehemaligen Kiesgrube liegende neobarock gestaltete Körnerpark an.
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Körnerpark

Diese Parkanlage liegt in einer stillgelegten Kiesgrube
und daher 5 bis 7 m tiefer als das umliegende Gelände.
Ihr Besitzer, Franz Körner (1838-1911), der hier einen
Garten angelegt und Sonnenblumen gezüchtet hatte,
vermachte das Gelände der Stadt Rixdorf mit der
Auflage, dass der künftige Park seinen Namen trage. Im
Jahre des Erbfalls, 1912, wurde mit der Gestaltung des
Parks begonnen.
Am Rande bemerkt: Im selben Jahr entdeckte man bei
Erdarbeiten an der Grenze ebendieses Gartens (Jonas-/
Ecke Selckestraße) das „Reitergrab von Neukölln“ aus
dem 5. oder 6. Jh. – ein archäologisch seltenes und
wertvolles Zeugnis aus der Zeit der Völkerwanderung,
das sich im „Museum für Vor- und Frühgeschichte“ in
Charlottenburg befindet.
Zwischen 1912 und 1914 wurde aus Körners Garten ein
schlossähnlicher Park im Stil des Neubarock geschaffen:
Die Aufteilung streng axial, an der Stirnseite der Hauptachse Balustraden und eine in die Stützmauer eingelassene Orangerie mit vorgelagerter Terrasse, ihr gegenüber
eine Kaskadenanlage mit Fontänenbecken und mittig,
zwischen diesen beiden Polen, ein von schmalen Wasserkanälen eingefasstes Rasenmedaillon. Die Stützmauern
der Längsseiten sind mit hohen Arkadenwänden und
monumentalen Steintreppen geschmückt. Schaut man
von der Terrasse aus in den Park, so mag der Blick auf
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die vier Plastiken des Bildhauers Kube fallen: „Die vier
Jahreszeiten“. Linker Hand bzw. zwischen der nördlichen
Arkadenmauer und Bäumen versteckt liegt ein
Blumengarten.
Während die Parkanlage die Kriegszeit weitgehend unbeschadet überstanden hatte, zeigte sie in den 1960er
Jahren zusehends Verfallserscheinungen. Nach und nach
mussten aus Sicherheitsgründen Teile des Parks gesperrt
werden. Der Gedanke sogar, das Gelände aufzufüllen,
war im Spiel, wurde jedoch wegen der Qualität der
Anlage und des hervorragenden Baumbestandes wieder
verworfen.
So begannen 1977 Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten, die 2003 erst zum Abschluss kamen. Die
Anlage, deren Entwurf vermutlich auf die Gartenarchitekten Küllenberg und Halbritter zurückgeht, wurde
nach historischem Vorbild rekonstruiert und im Jahre
2004 mit der offiziellen Denkmalschutz-Plakette des
Landes Berlin ausgezeichnet.
Blickfang des Parks bildet heute während der Sommermonate wieder das zentrale Wasserbecken mit seiner
hochsprudelnden Fontäne und die in fünf Stufen aufsteigende Kaskade, deren Becken wiederum mit jeweils
einem kleinen Springbrunnen ausgestattet sind. Links
und rechts dieses mehrteiligen Brunnens finden die
Gäste Liegewiesen. Entlang der Spazierwege stehen
Bänke und auf der großen Terrasse vor der Orangerie
Strandstühle. Sie, die Terrasse, ist auch Bühne für die

alljährliche, kostenlose Konzertreihe: „Sommer im Park“,
in deren Verlauf Klassik, Jazz u.a. geboten werden und
auch außergewöhnliche Musikgruppen auftreten.
Überdies betreibt das Neuköllner Kulturamt in der Orangerie eine engagierte Galerie, die Arbeiten von Künstlern aus dem In- und Ausland im Wechsel präsentiert.
Der großzügige, langgestreckte Ausstellungsraum mit
hoher Fensterfront und Ausblick auf den Park bildet den
geeigneten Rahmen für Skulpturen und Installationen.
Die Ausstellung renommierter Künstler indes ist nicht
alleiniger Schwerpunkt der Galerie, sondern auch Workshops und Kunstprojekte für Kinder und Jugendliche.

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Rixdorf – Richardplatz

Der historische Kern Neuköllns liegt in dem Stadtteil,
der heute (noch) „Rixdorf“ heißt. Die Besiedlung dieser
Gegend reicht – wie archäologische Funde zeigen – bis
in die Steinzeit zurück. Der erste urkundliche Beleg
indes findet sich erst im Mittelalter als der Johanniterorden „Richardsdorp“ gegründet hat (1360).
Das silberne Kreuz der Johanniter ist im Wappen von
Rixdorf geblieben, das Dorf selbst wurde 1435 an die
Doppelstadt Berlin-Cölln verkauft.
Am Richardplatz ist die Struktur dieses Dorfes noch
heute sichtbar: Kirche (15. Jh.), Schmiede (1624), Krug

(1685) und einige Gehöfte. Von der spätmittelalterlichen, einschiffigen Feldsteinkirche hatte die Verheerung
des 30jährigen Krieges nurmehr die spätgotische
Sockelzone des Kirchenschiffes und den dreiseitigen
Chorabschluss übrig gelassen. Sie wurde wieder aufgebaut, danach mehrmals verändert, zuletzt 1939-41 als
man auch die Sakristei aus Fachwerk hinzufügte. Das
Gotteshaus ist seit 1884 Eigentum der böhmisch-lutherischen Gemeinde und bekam 1912 ihren heutigen
Namen „Bethlehemskirche“.
„Ein Wohnhaus [...] unter Ziegeldach neben der bereits
vorhandenen kleinen Schmiede von 20 Fuß [6,28m]
Breite, 15 Fuß [4,71m] Tiefe mitten im Dorfe” – so eine
Beschreibung der Dorfschmiede im Jahre 1802. Die
eigentliche, die „kleine Schmiede“ steht heute nicht
mehr, aber das zugehörige Wohnhaus ist noch da,
bekannt als „Frauentreffpunkt Schmiede“, und auch den
Dorfkrug gibt es noch.
Die genannten Gebäude sind denkmalgeschützt und
ebenso das „Böhmische Dorf“, das wenige Schritte vom
Richardplatz entfernt zu finden ist: Nach mehreren
Verfolgungswellen hatten „Böhmische Brüder“ Zuflucht
auch in der Mark Brandenburg gesucht; und Friedrich
Wilhelm I., der Soldatenkönig, gewährte 18 Familien
nicht nur Asyl, er ließ für die Glaubensflüchtlinge sogar
ein eigenes Dorf errichten. 1737 wurden neun Doppelhäuser inklusive Inventar schlüsselfertig übergeben.
1748-51 bauten die böhmischen Kolonisten 20 Büdner-

häuser dazu, 1751 erhielten sie einen eigenen Friedhof,
den „Böhmischen Gottesacker“, und bald folgten Schulhaus (1753) und Betsaal (1761). Seit 1849 allerdings
hat das Dorf ein anderes Gesicht: Die wegen einer
Feuersbrunst zerstörten Häuser und Scheunen, ehedem
mit dem Giebel zur Straße gebaut, wurden nun traufständig errichtet. Ein Haus lediglich, Richardstraße
80/81, zeigt die ursprüngliche Bauweise mit dem Giebel
zur Straße.
Aus dem alten Richardsdorf war zwischenzeitlich „Rieksdorf“ (Lageplan 1738) und 1797 „Deutsch-Rixdorf“
geworden, aus der Kolonistensiedlung ebenfalls 1797
„Böhmisch-Rixdorf“. Beide Gemeinden hatten eine je
eigene Verwaltung, und im „Böhmischen Dorf“ sprach
man bis ca. 1830 tschechisch. 1874 erst wurden die beiden Dörfer zusammengelegt. 1899 erhielt „Rixdorf“
Stadtrecht und 1903 ein eigenes Wappen, in dem auch
den böhmischen Glaubensflüchtlingen Rechnung getragen wurde, symbolisiert durch den Abendmahlskelch.

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Comeniusgarten

„Nun, wie kann es gelingen, ein neues Paradies zu pflanzen?” fragte Johann Amos Comenius (1592-1670), der
Universalgelehrte, der die Welt als Garten und das Leben
als Schule verstand. Die Antwort liefert er in seinem
Werk, das hier gestalterisch interpretiert ist: Ein Teich
mit schilfbewachsenem Ufersaum, eine ungemähte
Wiese, Büsche, Wildkräuter symbolisieren die von Gott
geschaffene „erste Natur”; kontrastierend dazu sind geometrisch beschnittene Hecken, im Rasen ein rundes
Wasserbecken aus Stein, ein gepfropfter Obstbaum und
gemauerte Hochbeete zu sehen: Die „zweite Natur”, von
Menschenhand kultiviert.

Wie die Landschaft, so wird der Mensch geformt, beginnend in der „Schule des vorgeburtlichen Werdens”,
endend in der „Schule des Todes”. Für die erste Schule
(der nonverbale Dialog zwischen der Schwangeren und
ihrem ungeborenen Kind) steht ein Walnussbaum am
Karl-Marx-Platz, für die letzte der „Böhmische Gottesacker” in der Kirchhofstraße. Beide Schulen sind außerhalb des Comeniusgartens angesiedelt wie auch die
„Mutterschul” (Spielplatz), die „Schule des Berufs”
(Böhmisches Dorf) und die „Greisenschul” (Seniorentagesstätte). Innerhalb des 7000 qm großen Gartengeländes sind „Gemeine Schul” bis „Akademie” zu finden,
beginnend mit dem „Veilchenbeet“, der ersten Grundschulklasse.
„Alles fließe aus eigenem Antrieb, Gewalt sei fern den
Dingen”, ein Prinzip, das Comenius' Philosophie durchzieht und auch für die Menschenbildung gilt. Kinder sollen nicht gezwungen, sondern angezogen werden wie
vom Duft der Veilchen. „Rosenhain”, „Wiesenteppich”,
„Irrgarten”, „Arzneigärtlein” und „Seelenparadies” folgen. Jeder Bereich ist Sinnbild einer Klasse und symbolisiert zugleich mehr: So ist der „Irrgarten” sowohl Name
für die 4. Klasse der Grundschule als auch Sinnbild für
die Irrungen und Wirrungen gewisser Lebensphasen, und
nicht zuletzt steht er für den philosophischen Zweifel.
Im „Seelenparadies” genannten Pavillon wiederum, der
letzten Grundschulklasse, findet der Verwirrte innere
Ruhe und seine eigene Mitte, zugleich ist er Erinnerung

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an den Mystiker Comenius, der Gewissheit in der
Zwiesprache mit Jesus fand. Zwischen Pavillon und
„Lateinschule” steht Comenius mit leeren Händen im
zerrissenen Gewand eines Flüchtlings. Die Bronzestatue
hat der tschechische Bildhauer, Josef Vajce, geschaffen,
gestiftet wurde sie von der „Tschechischen und
Slowakischen Föderativen Republik“ zum 400. Geburtstag des gelehrten Friedensmannes aus Böhmen und aufgestellt zur Eröffnung des Gartens im Jahre 1995.
Die „Lateinschule” verweist auf Comenius' Schriften
„Welt in Bildern” und „Schule als Spiel”, umgesetzt
durch eine Galerie an der Begrenzungsmauer mit Bildern
von Kindern gemalt, und eine Theaterbühne. Ihr folgt
die „Akademie”, dargestellt durch ein dreieckiges
Podest, auf dem Teleskop, Mikroskop, Spiegel stehen –
Instrumente, die sowohl als technische Geräte wie als
Mittel im übertragenen Sinne aufzufassen sind: Der
Geist, in dem sich die Dinge spiegeln und der erkennt;
die Zunge, die interpretiert und Erkanntes vermittelt; die
Hand, die bildet und Erkanntes verwirklicht. Das Dreieck,
das diese Instrumente trägt, ist Symbol für das Auge
Gottes – Anfang und
Ende
auch
dieses
Gartens, dessen Eingang
hier an der Richardstr.
35 ist, wo der erste Blick
des Besuchers auf diese
letzte Station fällt.

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Unser Weg führt weiter an der Sportstätte „Lohmühlenplatz“ vorbei, folgt dann dem unteren Bogen des Landwehrkanals nach links ans Maybachufer. Dienstags und
freitags erlebt man hier am Nachmittag sehr lebendige
Wochenmärkte, auf denen eine Vielfalt an Obst, Gemüse,
Fisch, Fleisch und Gewürzen angeboten wird. Wer indes
Ruhe und Beschaulichkeit sucht, mag seinen Spaziergang auf einen anderen Tag legen. An der Friedelstraße
jedenfalls verlässt der Flaneur die Uferpromenade, um
ins Künstlerviertel einzubiegen.
Berlin – einst die Stadt mit der zweithöchsten Zahl an
Binnenhäfen Deutschlands – baute Wasserstraßen und
Hafenkapazitäten bis zum II. Weltkrieg kontinuierlich
aus. 1850 bereits war der Landwehrkanal (nach Plänen
von Peter Joseph Lenné) zur Entlastung der Spree gebaut worden. 1902-05 wurde der „Rixdorfer Stichkanal“
ausgehoben, der den Landwehrkanal mit der damaligen
Rixdorfer Gasanstalt verband. 1912-14 erfolgte der
Durchstich zum (1906 eröffneten) Teltowkanal: Das eben
ist unser „Neuköllner Schiffahrtskanal“.
Nachdem der Lastverkehr weitgehend auf Straße und
Schiene verlagert war, verloren die Kanäle allmählich
ihre Bedeutung als Transportwege und wurden zu historischen Zeugen dieser einst gewerblichen Nutzung.
Heute schätzen wir sie als bauliche Denkmale, deren
Ufer dem nördlichen Neukölln dieses von Grün geprägte
Bild verleihen.

Landwehrkanal & Neuköllner
Schiffahrtskanal

Folgt man dem empfohlenen Pfad, so gelangt man ans
Weigandufer und spaziert nordwärts den grünen, beschaulichen Uferweg am „Neuköllner Schiffahrtskanal“
entlang bis zu dessen Mündung in den Landwehrkanal.
Unterwegs – und zwar unter der Wildenbruchbrücke – ist
eine touristisch eher ungewöhnliche Sehenswürdigkeit
zu bestaunen: Eine stillgelegte Toilettenanlage, die
einst die schönste Neuköllns gewesen sein soll. Heutzutage ist sie Ausstellungsraum und nur während der „48
Stunden Neukölln“ für Publikum geöffnet, wenn Künstler
hier ihre Werke präsentieren.
Weiter nördlich trifft man auf eine ornamentierte
Bogenbrücke aus dem Jahr 1920 – die Lohmühlenbrükke, die Wim Wenders im „Himmel über Berlin“ zu einer
Szene inspirierte: Engel vor dem Betonwall.
Kurz nach der Brücke mündet der „Neuköllner
Schiffahrtskanal“ in den Landwehrkanal. Hier liegt nicht
nur der Grenzpunkt dreier Bezirke: Kreuzberg, Neukölln,
Treptow, auch die Wasserfläche bildet ein Dreieck.
Manchmal lassen sich Schwäne blicken. Ansonsten sieht
man auf dieser Wasserstraße hauptsächlich Ausflugsschiffe, Sport- und Ruderboote und manchmal sogar
Flöße. Übrigens bietet der Schifffahrtskanal auch
Anglerplätze, die ergiebigsten allerdings sollen am
Britzer Hafensteg sein, also südlich dieses Pfades.

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Route 2 „Köllnische Heide“
Länge: ca. 5 km

Start: S-Bhf Köllnische Heide

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Köllnische Heide

Die erste Station dieser Route trägt einen Flurnamen,
der auf die um 1200 gegründete Stadt Cölln zurückweist,
die sich 1307 mit Berlin zur Doppelstadt vereinigt und
später, im Jahre 1920, mit anderen Einzelstädten zu
Groß-Berlin zusammengeschlossen hat. Dieses ehemalige Wald- und Wiesengebiet links bzw. südlich der Spree
wurde im Laufe der Industrialisierung zunehmend
bebaut. Ab 1896 bereits war die Görlitzer Bahn durch
Vorort und Heideland gefahren, 1920 dann wurde der
Bahnhof „Köllnische Heide“ eröffnet – eine Haltestelle
mit Empfangsgebäude in reduziertem „Jugendstil“, entworfen von Architekt Carl Cornelius.
Nachdem Strecke und Station in Folge des Streiks der
Reichsbahnarbeiter 1980 stillgelegt worden waren, hatten Vandalen freien Zugang und das Bahnhofsgebäude
verwahrloste entsprechend. Neun Jahre lang war der
Betrieb bereits stillgelegt, als mit dem Wiederaufbau
einer Teilstrecke begonnen wurde, wobei die „Köllnische
Heide“ als Endbahnhof geplant war. Von den politischen
Ereignissen im November 1989 eingeholt, musste das
Projekt neu koordiniert werden. Das verfallene Bahnhofsgebäude wurde von Grund auf saniert und der
Betrieb modernisiert. Seit 1993 ist der nunmehr denkmalgeschützte Bahnhof „Köllnische Heide“ wieder geöffnet.

Heidekampgraben

Nicht weit vom S-Bahnhof entfernt verläuft der
Heidekampgraben, auch „Hedekampsche“ oder „Kuhgraben“ genannt. Das Gewässer im Graben, das die Bezirke
Treptow und Neukölln trennt, wurde nach dem Krieg zum
Grenzfluss zwischen Ost und West. Nach dem Bau der
Mauer entfaltete sich hier üppige Spontanvegetation,
die den Graben zur „grünen Wand“ werden ließ.
Anfang der 1980er Jahre wurde entlang des westlichen
Ufers ein Spazierweg angelegt und nach der Wiedervereinigung dieser Grenzstreifen vegetativ rekultiviert:
Gehölzflächen sind ausgelichtet, so dass der Wasserlauf
des Grabens wieder sichtbar ist, an dessen Ufern man
Bäume, Sträucher, wilde Kräuter und Blumen findet.
Ruhezonen sowie Spielbereiche sind angelegt worden
und die beiden Bezirke durch zahlreiche Holzbrücken
wieder miteinander verbunden.
Eine besondere Attraktion ist der vom Freilandlabor Britz
entwickelte Naturerkundungspfad. Zehn Infostationen
bieten kleinen und großen Forschern Einblick in Naturphänomene, in ökologische Zusammenhänge und den
Lebensraum von Pflanzen und Tieren am Heidekampgraben. Kinderworkshops offerieren zudem die Möglichkeit,
bei Naturschutzarbeiten mitzuhelfen. Wer gern läuft
oder radelt, kann sich auf den Mauerweg freuen, von
dem seit 2006 weitere Abschnitte fertiggestellt worden
sind. Das gesamte ehemalige Westberlin werden Rad24

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fahrer oder Wanderer umrunden können. (Innerhalb
Neuköllns entlang des Britzer Verbindungskanals, des
Heidekampgrabens bis zum Rudower Wäldchen.) Und wer
den insgesamt 160 km langen Weg nicht am Stück zurücklegen will, mag zunächst die Strecke am Heidekampgraben wählen, die als eine der schönsten gilt, und bei
der Gelegenheit am „Grenzübergang Sonnenallee“ anhalten, an den eine doppelte Pflastersteinreihe mit einer
Tafel der Geschichtsmeile „Berliner Mauer“ erinnert.

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Taufe des Platzes an der Karl-Marx-Straße auf den
Namen „Platz der Stadt Hof“.
An der Grenze zum Ausbildungszentrum liegen zwei ökologisch wertvolle Langgraswiesen. Zu den Raritäten im
Ausbildungszentrum selber gehören u.a. mehrere Maulbeerbäume, ein ungefähr 6 m hoher Pagodenhartriegel
und ein Kuchenbaum, dessen Laub an feuchten
Herbsttagen nach frisch gebackenem Lebkuchen duftet.
Die im Laufe der Jahre geschaffenen Pflanzungen haben
durch ihre Gliederung in Pflanzengesellschaften den
Charakter eines Arboretums. Hier können Auszubildende
und Besucher die jahreszeitlichen Veränderungen beobachten und dokumentieren. Besonders hervorzuheben
ist der von vielfältigen japanischen Bäumen und
Sträuchern umgebene kleine Teich.
Des Weiteren findet man ein Staudenbeet, einen Heidegarten, einen kleinen Rhododendronhain, diverse Steingärten und Trockenbeete sowie ein Koniferenwäldchen.
Durch den Verzicht auf Pestizide und den Erhalt von
Wildkrautbeständen sind der Herbert-Krause-Park und
das Ausbildungszentrum Rückzugsgebiete seltener
Vögel, Schmetterlinge und anderer Tiere.
Besucher aus Schulen, Kindertagesstätten oder interessierte Privatpersonen kommen gern hierher, um sich zu
informieren und an der Pflanzenpracht zu erfreuen.

Herbert-Krause-Park &
Ausbildungszentrum des NGA Neukölln
Das Ausbildungszentrum des Naturschutz und Grünflächenamtes Neukölln (NGA) wurde 1985 auf dem Gelände
der ehemaligen Bezirksgärtnerei gegründet, zu dem auch
das angrenzende Areal gehörte, auf dem Auszubildende
des NGA im Laufe eines mehrjährigen Projektes einen
Park planten und verwirklichten. Im Jahr 2002 wurde er
eröffnet – der „Herbert-Krause-Park“, benannt nach dem
ehemaligen Leiter des Naturschutz und Grünflächenamtes.
Man erreicht die Parkanlage auf der Nordseite von der
Jupiterstraße aus und südlich über die HeinrichSchlusnus-Straße. Die Treppen, Gehwege und Beeteinfassungen bestehen aus diversen Natursteinen. Gesäumt
wird sie von einer Vielzahl attraktiver Gehölze. Im
Frühling blühen Spiersträucher, Zieräpfel, Flieder und
Forsythien. Doch auch während der drei übrigen
Jahreszeiten bietet die Anlage mit ihren Rotbuchen,
Hainbuchen, Blumeneschen, Ahornen und Gleditschien
ein malerisches Bild. Die große Rasenfläche und zwei
Parkbänke laden bei schönem Wetter zum Verweilen ein.
Und in der Mitte des Parks findet man einen 40 t schweren Naturstein – den „Saale-Stein“, auf dessen Oberseite
der Verlauf dieses Flusses eingemeißelt ist. Er ist ein
Geschenk von Neuköllns Partnerstadt Hof anlässlich der
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Kleingartenanlage „Volksgarten“

Volksgarten ist nicht gleich Volksgarten, weder hinsichtlich des Ursprungs noch der Gestaltung und Funktion.
Handelt es sich im einen Fall um eine Einrichtung für die
Bedürfnisse eines Feudal- oder Landesherrn – wie beispielsweise der Hasenheide, die später dem Publikum
geöffnet und zum Volksgarten oder -park wird, so im
anderen um eine soziale Maßnahme zur Milderung der
Armut. Bereits 1904 wurden in Berlin die ersten dieser
Armengärten auf dem Dienstacker einer Försterei gegründet. So eigentlich in Schwung kam die Kleingartenbewegung jedoch erst durch die forcierte Industrialisierung.
Nach der Devise „Gärten statt Geld“ sollte Eigenversor-

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gung ermöglicht und Müßiggang vermieden werden.
Nachdem die Bodenspekulation der Gründerzeit diese
Bewegung kurzzeitig zum Erliegen gebracht hatte, erfuhren die Laubenkolonien dank der Wohnungsnot neuen
Aufschwung insbesondere in Berlin, wo das „Rote Kreuz“
und die „Arbeiterbewegung“ in diesem Sinne aktiv waren.
Hier, in diesen „Rotkreuzgärten“ und „Arbeitergärten“
wurde nicht bloß gegärtnert, sondern mitunter auch
gewohnt, und es soll so toll zugegangen sein, dass sie
braven Bürgern und Polizei zum Ärgernis wurden. Man
reagierte mit Verordnungen, um Regelmaß und Sauberkeit
in diese Oasen zu bringen. Mit Erfolg: dafür standen
„Gartenzwergidylle“ und „Laubenpieper“ über lange Zeit
als Inbegriff deutscher Spießigkeit.
Mittlerweile hat der Kleingarten wieder an Reputation
gewonnen: Entspannung auf eigener Parzelle zu genießen
ist nicht mehr Indiz für Engstirnigkeit. Überdies bieten
sie die Möglichkeit für ökologischen Anbau im Kleinen.
Spaziergänger dürfen partizipieren, indem sie durch die
Anlagen wandeln und Blicke über Gartenzäune werfen.

Von der Schulenburg Park

Diese Grünanlage, benannt nach Rudolf Wilhelm Graf von
der Schulenburg (1860-1930), war ehedem sumpfiges,
für eine Bebauung ungeeignetes Gelände. Bereits zur
Zeit der Weimarer Republik hatte Gartenbaudirektor
Ottokar Wagler die architektonische Struktur entworfen,
die heute noch sichtbar ist. Das Zentrum des Parks indes
wurde erst später gestaltet und mehrmals erneuert. Im
Blickfeld stehen hier Wasserbecken und Jugendstilbrunnen. Letzterer – ein Denkmal von und für Ernst Moritz
Geyger (1861-1941) – war kurz vor dem I. Weltkrieg von
der Stadt Neukölln in Auftrag gegeben worden, wobei
der künftige Standort noch unbestimmt geblieben war.

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1918 hatte der Bildhauer das Gipsmodell fertiggestellt.
„Symbol des Waldesdomes“ nannte er sein Werk. Die turbulenten politischen Ereignisse jedoch sowie die wirtschaftlichen Probleme verhinderten die Vollendung des
Geplanten. Gipsmodell und Formteile Geygers fanden
keine Beachtung und landeten vorderhand in einem
Straßenreinigungsdepot.
1934 erst wurde dem Künstler wieder Beachtung geschenkt und für sein Kunstwerk ein Standort gewählt –
der Schulenburgpark, in dessen Zentrum nun ein Wasserbecken gebaut wurde mit Lunette (Möndchen) für
Geygers Werk: Ein Kalksteinbrunnen mit 16 wasserspendenden Putten und einem Ensemble aus Hirsch, Reh und

Kitz aus Bronze. 1935 wurde er eingeweiht, inszeniert in
einer Märchenkulisse – daher sein Name „Märchenbrunnen“. Während des II. Weltkrieges kamen die Bronzefiguren abhanden und auch der Brunnen selbst hat die
Bombardements nicht unbeschadet überlebt. In den
1950er Jahren wurde die Anlage zwar restauriert, jedoch
ohne die Putten. 1970 entschloss man sich zu einer
Erneuerung mit verändertem Wasserbild: Stehende
Fontänen, angebracht am oberen Brunnenboden, statt
Putten und Schale; und das ehemalige bronzene Ensemble aus Tieren ersetzte man durch Kalksteinplastiken der
Bildhauerin Szelinsky-Singer mit Märchenmotiven aus
„Brüderchen und Schwesterchen“ und „Aschenputtel“.

Das Brunnen-Sanierungsprogramm im Jahre 2001
erlaubte, das historische Erscheinungsbild wieder herzustellen. Fehlende Elemente wie die Natursteinschalen
wurden rekonstruiert; an Stelle der einstigen Bronzeputten sind nun die der Künstlerin Anna Bogouchevskaia
zu sehen mit Motiven aus frei erfundenen Szenen; und
die Wassertechnik des seit 1980 „trockenen Brunnens“
wurde erneuert.
Jetzt ist er wieder Blickfang, der „Märchenbrunnen“ an
der südlichen Schmalseite des rechteckigen Bassins, in
dessen Wasser sich die alten Platanen spiegeln.

Neuköllner Naturdenkmale
Um charakteristische Landschaftselemente oder Einzelschöpfungen der Natur der Nachwelt zu erhalten, genießen sie den Schutzstatus eines Naturdenkmals. Im südlichen Moränengebiet Neuköllns sind darunter häufig
Relikte der Eiszeit: „Findlinge“ und „Toteis-Löcher“ mit
Umgebung.
„Findlinge“ oder „erratische Blöcke“ (erratica: umherirrend, unstet) sind Gesteinsblöcke, die von Gletschern
mitgeschleppt wurden und daher in einem Gebiet zu finden sind, aus dem sie geologisch nicht stammen.
Pfuhle wiederum entstehen aus konserviertem „Toteis“:
Weicht ein Gletscher zurück, kann dessen Ausläufer zerfallen und einzelne Eisblöcke im Gletschervorfeld
zurücklassen. Diese isolierten Eisbrocken werden von
Sedimenten, die das Schmelzwasser des aktiven
Gletschers mit sich führt, umlagert, überdeckt und
schmelzen dadurch zunächst nicht. Taut das „Toteis“,
kann das Wasser nicht mehr abfließen und bildet so eine
wassergefüllte Hohlform in der Landschaft – sog.
Toteislöcher. Diese Gewässer ohne Zu- und Abfluss nennt
man Kolke, Sölle (pl. auch: Sollen) oder Pfuhle.
Sofern sie nicht mit Grund- oder Oberflächenwasser
(Regen) versorgt werden, trocknen sie aus. Ihre
Verlandung indes wurde nicht selten durch agrokulturelle Einflüsse verhindert. Ackerbau setzte bereits in der
Jungsteinzeit ein, wurde in der Bronzezeit intensiviert
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und spielt seitdem bis ins Hochmittelalter für die
Entwicklung von Feldpfuhlen eine bedeutende Rolle:
Durch mechanische Bodenlockerung werden Gänge der
Regenwürmer zerstört und ihre Population beeinträchtigt, mithin die Kontinuität großer Bodenporen eingeschränkt, folglich sickert weniger Regenwasser in den
Boden, sondern fließt ab in die Senke und verbessert die
Wasserversorgung eines Pfuhls. Beispiel eines solchen
Entwicklungstyps ist der „Lolopfuhl“ in Rudow, der im
Spätsommer meist austrocknet.
Andere Gründe, aber dieselben Folgen lassen sich bei
Dorfpfuhlen ausmachen: sei es, dass man sie als Wasserreservoir brauchte oder gewerblich nutzte (Flachsverarbeitung, Tuchfärberei), man verhinderte ihre Verlandung
durch aktiven Eingriff. Eindrucksvolles Beispiel ist der anthropogen überformte „Hufeisenteich“ in Britz, der bereits im 1. Jh. Zentrum einer germanischen Siedlung war.
Hatten Landwirtschaft und handwerkliche Industrie über
Jahrhunderte zur Erhaltung der Pfuhle beigetragen, so
sorgten sie im 20. Jh. wesentlich für ihre Beseitigung:
Diese „Löcher in der Landschaft“ wurden wegen neuer
Agrartechnik oder Bebauungsplänen zunehmend störender Bestandteil des Ackerlandes bzw. Siedlungsraumes
und daher teils als Müllgrube genutzt, teils mit Erde verfüllt. So existieren von ursprünglich 200 Neuköllner
Pfuhlen heute noch 30. Um sie zu erhalten, werden sie
geschützt und Maßnahmen getroffen, um ihre Verlandung oder Trockenlegung zu verhindern.

Route 3 „Britz“
Länge: ca. 7 km

Start: U-Bhf Parchimer Allee
2

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August-Heyn-Gartenarbeitsschule

„Wir aber [...] suchen, wohl bedenkend, daß der Mensch
sein ganzes Leben lang lernen soll, den Schulgarten“
schreibt der Feuilletonist Friedrich Tietz in seinen 1854
publizierten „Bunten Erinnerungen“. Das ist kein Hinweis auf die versteckt in einem Park liegende „August-

Heyn-Gartenarbeitsschule“ an der Fritz-Reuter-Allee,
weist aber darauf hin, dass solche Einrichtungen – seien
es Schulgärten, Gartenschulen oder Gartenarbeitsschulen – in Berlin auf eine lange Tradition zurückblicken
und auf ein wechselhaftes Schicksal: Den ersten Berliner
Schulgarten hat Johann Julius Hecker (1707-68)
gegründet. Ein Prediger und Schulinspektor, der u.a.
Comenius‘ ganzheitliche Pädagogik studiert hatte und in
der Folge nicht nur einen neuen Schultyp – die Realschule – ins Leben rief, sondern auch neue Methoden
anwandte. Dazu gehörte das Projekt „Schulgarten“. Die
Unterstützung Friedrichs des Großen für dieses Vorhaben
hatte Hecker nicht zuletzt mit dem Versprechen erreicht,
den Schülern auch die Anlage und Pflege von
Maulbeerplantagen für den Seidenbau beizubringen.
Dieser erste Schulgarten war ein Kind der Aufklärung
und des Merkantilismus. Beides war Ende des 18. Jhs.
nicht mehr angesagt. Heckers Schulgarten verkam,
genauer: Er entwickelte sich zu einer Art „Epikuräischer
Gartenschule“ oder in Tietz‘ Worten: „Der Schulgarten
war das Amüsements-Alpha und Omega der Berliner
Mittelklasse“. Und das war nicht seine letzte
Bestimmung: 1827 soll sich gar eine „curiose Colonie“
hier angesiedelt und ein „Reich des Uebermuths“
gegründet haben. Es existierte einen Sommer lang.
Danach scheint dieser besondere Schulgarten endgültig
verschwunden zu sein, nicht aber die Idee im
Allgemeinen.

Um die Jahrhundertwende setzte eine politische
Bewegung ein, die Lebensreform, Naturverbundenheit,
Gemeinschaft, soziales Engagement und vor allem eine
Erziehung verlangte, die Lebensnähe, Selbsttätigkeit,
freies Gespräch, Lernen durch Erleben und Handeln
garantierte. Zu diesen Reformpädagogen zählte auch
August Heyn (1879-1959), Sozialdemokrat und von
1899 bis 1924 Lehrer und Schulleiter in Neukölln. 1915,
im ersten Kriegsjahr, hatte er bereits freiwillige
Schulkolonien gegründet, motiviert vermutlich in erster
Linie durch drohende Lebensmittelknappheit.
Nachdem die erste Republik ausgerufen war und
Sozialdemokraten regierten, hielten die Reformideen der
Kaiserzeit Einzug in die Realpolitik. 1919 beschloss der
Neuköllner Magistrat, sechs Gartenarbeitsschulen einzurichten. Die erste wurde im folgenden Jahr eröffnet –
noch vor der Reichsschulkonferenz, auf der Reformpädagogen ihre Konzepte für „Arbeitsschulen“ vorstellten.
August Heyn war zu diesem Zeitpunkt bereits Leiter der
„Gartenarbeitsschule am Teltowkanal“, und bald folgte
seine Publikation „Die Gartenarbeitsschule“ (1921), in
der seine Vorstellungen über praxisnahe Erziehung dargelegt sind.
Nach dem Anbruch der nationalsozialistischen Ära waren
die Einrichtungen zwar materiell noch vorhanden, die
Ideale jedoch verschwanden bzw. wurden ideologisch
pervertiert.
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Auch nach Kriegsende hatte reformpädagogisches Gedankengut kaum noch Chancen. Wissenschaft zählte und
dementsprechend verwissenschaftlichter Biologieunterricht. Die Ökologie-Bewegung der 1970er erst ließ
August Heyns Arbeitsschulgedanken wieder aufleben. So
wurde die (1958 auf Äckern des ehemaligen Rittergutes
Britz eingerichtete) Gartenarbeitsschule nicht nur nach
ihm benannt, sondern ihre Pädagogik auch von ihm
inspiriert. Hier sind 3,3 ha Platz für Sträucher, Bäume,
Blumen, Kräuter, Gemüse und Getreide, für Wasser- und
Bodentiere, für Vögel, Füchse, Kaninchen, Schafe und
selbstverständlich für junge Menschen, die hier Natur
erleben und praxisorientiert lernen und begreifen.

4 5

Die Hufeisensiedlung

Rationalität, Wirtschaftlichkeit und Sozialrefom mit der
Idee der Gartenstadt zu verschmelzen, war die Idee des
„Neuen Bauens“. Sie wurde in der Großsiedlung „FritzReuter-Stadt“ verwirklicht, einem Bauprojekt, das zur
Zeit der Weimarer Republik vom Architekten Bruno Taut
und Stadtbaurat Martin Wagner (1885-1957) konzipiert
wurde.
Westlich der Allee errichtete die GEHAG mit Taut und
dem Gartenarchitekten Leberecht Migge (1881-1935)
eine Großsiedlung, die nach ihrem zentralen Bauwerk –
einem hufeisenförmigen Wohnblock – benannt wurde

und heute für die Eintragung als Weltkulturerbe der
UNESCO vorgesehen ist – die „Hufeisensiedlung“.
Während der nüchtern gestaltete Außenring des
„Hufeisens“ dieses Gebäude eher wie eine Festung denn
eine Wohnanlage aussehen lässt, verleiht ihm der mit
Balkonen und reichlich Fenstern ausgestattete Innenring etwas Verspieltes und versetzt den Betrachter in
eine scheinbar ländliche Gegend. Der Blick aus dem
Fenster – gleich in welchem Teil dieses Rings eine
Wohnung liegen mag – fällt stets auf Wiese und Teich.
Letzterer ist Teil einer Pfuhlkette, deren Erhalt im
Bebauungsplan für die Fritz-Reuter-Allee berücksichtigt
worden war. Gegenpart dieses ovalen Gewässers am offenen Teil des Hufeisens ist eine rautenförmig verlaufende Straße, die sich an den geschlossenen Bogen des
Hufeisens anschließt: „Hüsung“. So heißt die Straße.
Denn wer hier wohnt, der hat eine Bleibe – „Hüsung“
eben, benannt zu Ehren des in der Weimarer Zeit populären, sozialkritischen Dichters Fritz Reuter (1810-74)
und seines Versepos „Kein Hüsung“, in dem zwei

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35

Liebende an der gutsherrlichen Verweigerung des
Niederlassungsrechts tragisch scheitern. Die Straße
„Hüsung“ umfließt einen Platz, der von einer Holzbank
umrahmt ist; gesäumt wird sie von zweigeschossigen
Wohnhäusern mit Vorgärten, in denen – formal stimmig
– je ein kugeliger Ahorn steht.
Unübersehbar sind die für den Baustil der „Neuen
Sachlichkeit“ charakteristischen und als eigenständig
betrachteten architektonischen Elemente: Farbe und
Kontrast.
Sind die Eingänge des Hufeisens in kräftigem Blau
gehalten, so die Wohnblocks des „Hüsung“ dunkelrot
gestrichen. Und besonders beeindruckend ist die „Rote
Front“ – eine lange Häuserzeile mit ochsenblutroten
Fassaden, die die Grenze dieser Siedlung an der FritzReuter-Allee markiert.
Die „Hufeisensiedlung“ wurde zum Vorbild für andere
Großsiedlungen, und zwar nicht nur in ästhetischer
Hinsicht: Es galt, der enormen Wohnungsnot nach dem
I. Weltkrieg wirksam zu begegnen, also massenhaft und
kostengünstig zugleich zu produzieren und dennoch die
Vision der idealen Stadt zu verwirklichen. Typisierendes
Bauen in industrieller Großproduktion schien die Lösung
zu sein. Dies zu demonstrieren, war das Anliegen des
Stadtbaurats Wagner. Es ist gelungen bis auf den sozialen Aspekt: Eine Arbeitersiedlung, wie vorgesehen, ist
nie daraus geworden; von Anfang an ließen sich mittelständische Bürger und Künstler hier nieder.

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Britzer Pfuhle und Findlinge

„Krugpfuhl mit Umgebung“ ist ein 2125 qm großes
Naturdenkmal, das in einer öffentlichen Grünanlage östlich der Fritz-Reuter-Allee liegt. Westlich dieser Allee
findet man die berühmte Hufeisensiedlung, an deren
„Glücksstelle“ der siedlungsgeschichtlich eindrucksvolle
Hufeisenteich liegt. Es handelt sich bei diesem kleinen
Gewässer um einen geologisch jungen, erst im Subboreal
entstandenen Pfuhl (3800 – 800 v. Chr.). Stratigrafische,
archäologische und pollenanalytische Untersuchungen
erbrachten, dass bereits im 3. Jahrtausend v. Chr. (Jungsteinzeit) westlich des Teiches gesiedelt wurde, südlich
und südwestlich hatte es bronzezeitliche Dörfer und im

1. bis 2. Jh n. Chr. eine Siedlung germanischer Semnonen gegeben. Der Dorfpfuhl diente als Wasserreservoir.
Heute sind seine Ufer z.T. mit Pflastersteinen befestigt.
Unterwasserpflanzen sind zu sehen und ein stabiler
Bestand an Karauschen soll darin leben (d.i. ein karpfenähnlicher Fisch, dessen Lebensraum stehende Gewässer sind und der tagelang ohne Sauerstoff auskommen
kann).
Über die Onkel-Bräsig-Straße, die für ihre japanischen
Zierkirschen bekannt ist, erreicht man den „Fennpfuhl“.
Der Begriff „Fenn“ kommt aus dem Niederdeutschen und
bezeichnet einen morastig-sumpfigen Tümpel. 1935
wurde er entschlammt. Es entstand ein Gewässer mit
Steilböschung, dessen Ufer 50 Jahre später (1984) teilweise wieder abgeflacht und im Süden mit einer
Beobachtungsplattform versehen wurde, um den Zugang
zum Wasser zu ermöglichen. Heute ist dieser Pfuhl von
einem lückenhaften, schmalen Röhrichtgürtel umgeben,
an den sich ein kleiner Gehölzgürtel anschließt. Er zählt
zu den Naturdenkmalen ebenso wie der Findling, der im

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„Ehrenhain“ am Fennpfuhl liegt und als Gedenkstein für
die Opfer beider Weltkriege dient.
Wie der Fennpfuhl ist auch der „Teich Britz“, wie der
ehemalige „Rungiusteich“ seit 1988 heißt, ein denkmalgeschützer Pfuhl. Von besonderem Interesse sind hier
Siedlungsspuren aus dem 9. und 10. Jh., die slawischen
Ursprungs sind. Beim nächsten Gewässer, dem Britzer
„Roetepfuhl“, das zwischen der Mohriner Allee und dem
Massiner Weg liegt, weist schon der Name auf die einst
gewerbliche Nutzung hin. Als „Röthen“ bezeichnete man
im Mittelalter die natürliche Teichrotte zur Flachsfasergewinnung – ein Arbeitsgang, der die Fasern der Pflanze
von ihrem Holz trennt, also den verbindenden „Leim“
(Pektine) auflöst. Man legte den Flachs hierfür mindestens acht Tage in kaltes Wasser. Dieses Verfahren wurde
seit der Eisenzeit angewandt und hatte eine starke
Belastung solcher Gewässers zu Folge. Heute ist der
Britzer Roetepfuhl mit seinen Röhricht- und Unterwasserpflanzen nicht nur für die Fischfauna, sondern auch
als Amphibien-Laichgewässer von Bedeutung und
genießt aus naturgeschichtlichen Gründen sowie wegen
seiner Seltenheit den Schutzstatus eines Naturdenkmals.
Am Rande unseres Pfades liegt der „Große Eckerpfuhl“,
einer der letzten Feldpfuhle in Britz, der noch von
Ackerflächen umgeben ist. Des Weiteren der ganzjährig
wasserführende, kleine „Brandpfuhl" sowie „Kienpfuhl"
und „Papenpfuhl“, die beide durch Baumaßnahmen ihre
ursprünglich runde Form eingebüßt haben.

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Das Gut Britz

Das Gut mit Herrenhaus, Park, Wirtschaftsgebäuden und
Brennerei-Schornstein steht nach umfangreicher Restauration dem Publikum seit nunmehr zirka zwei Jahrzehnten wieder offen für Besichtigungen, kulturelle Veranstaltungen und internationale Begegnungen.
Erwähnt wird dieser Adelssitz erstmals 1375 (im Landbuch der Mark Brandenburg von Kaiser Karl IV.) unter
dem Namen „Britzik“ – ein Name slawischen Ursprungs
(breza: Birke), dessen Schreibweise öfter wechselte
(Brytzk, Brietzke, Brietz etc.). Vermutlich jedoch gab es
hier früher schon einen Adelshof, und zwar auf dem

Hügel neben der Kirche; jedenfalls weist eine Münze aus
dem 6. Jh., die bei Bauarbeiten gefunden wurde, auf
frühmittelalterliche Besiedlung hin. Die romanische
Dorfkirche wurde im 13. Jh. erbaut, ihre Glocke im Jahr
1268 gegossen, der barocke Kanzelaltar 1720 gestiftet.
Gutsbesitzer, welche stets zugleich Patronatsherren der
Dorfkirche waren, ließen sie 1766, 1841 und 1888 ausbauen. 1888 wurde sie zudem (nach Entwürfen des
Baumeisters Busse) im Stil der Neogotik verändert, wozu
auch ein neuer Turm mit hoher Spitze gehörte. Sie, die
Spitze, und auch die alte Glocke wurden zerstört, als der
Turm 1943 in Folge eines Bombenangriffs ausbrannte.

Das heutige Herrenhaus, dessen Sockelgeschoss zum Teil
noch erhalten ist, stammt aus dem 15. Jh. Nach einem
Brand baute man das Haus 1547 als Lehmfachwerk wieder auf. Sigismund von Erlach, einer der Besitzer, die der
letzten Erbin der Familie Britzke 1699 folgten, ließ das
Fachwerkgebäude 1705-06 durch ein zweigeschossiges
Steinhaus ersetzen und den Wassergraben, der es umgab, zuschütten. Damit war ein direkter Zugang zum
Garten geschaffen, der zum barocken Park mit gradlinigen Sichtachsen umgestaltet wurde.
1719 ging das Lehen als frei verfügbares Eigentum
(Allodialgut) an Staatsminister Rüdiger von Ilgen. Er
setzte die erste Robinie (Pseudo-Akazie aus Amerika) –

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ein Geschenk von Kurfürst Friedrich III. – in den
Gutspark. Auch die Anpflanzung erster Maulbeerbäume,
und zwar auf dem Kirchhof, geht auf ihn zurück. In
Schwung kamen Maulbeerbaum-Anbau und Seidenproduktion indes erst, nachdem Staatsminister Graf Hertzberg 1753 die Verwaltung des Gutes übernommen hatte.
Und nicht nur sie: während der Hertzberg-Ära wurde aus
diesem eher bescheidenen Gut eine mustergültige
Domäne. Auch das Dorf profitierte durch infrastrukturelle Verbesserungen (Straßen wurden gebaut, 1765 erhielt
Britz seine erste Mühle, 1774 ein Schulhaus). Hertzberg
starb 1795 und wurde im Gruftgewölbe hinter dem Chor
der Kirche bestattet, das er 1766 hatte errichten lassen.

Der hugenottische Seidenhändler Jouanne, 1824-62
Eigentümer des Gutes, ließ den Park um 1840 bis zur
heutigen Fulhamer Allee erweitern und umgestalten: Der
Stil des Barock hatte – bis auf die zentrale Lindenallee
– dem des Biedermeier zu weichen. Das galt auch für das
Interieur des Herrenhauses inkl. der Wandmalereien, die
Chr. Bernhard Rode im Auftrag Hertzbergs ausgeführt
hatte (v.a. Szenen aus der Mythologie und der Landwirtschaft: Ackerbau, Viehzucht, Seidenbau, Gärtnerei, Jagd,
Fischerei). Die Entwürfe dieses Historienmalers sind großenteils im Berliner Kupferstichkabinett zu sehen, und
eines seiner Gemälde ist ins Schloss Britz zurückgekehrt.

Ab 1865 war der Bankier und Fabrikant Wrede Gutsherr.
Unter seiner Ägide löste die Neo-Renaissance den
Biedermeier ab. 1880-83 wurde das Herrenhaus nach
den Plänen Carl Busses zu einem kleinen Schloss umgebaut: Die Frontseite zum Teich erhielt ein neues
Mittelportal mit Balkon, parkseitig fügte man einen
Treppenhausturm hinzu, der das Dach überragt. Fast
sämtliche Wirtschaftsgebäude wurden in massiver
Bauweise errichtet. Außerdem ließ der Spirituosenfabrikant eine Dampf-Brennerei zur Gewinnung von Kartoffelschnaps bauen, von der heute allerdings nur noch der
Schornstein steht.

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Was den Park anging – ab 1890 unter der Regie von
Garteninspektor Nahlop –, so kam die Mode des englischen Landschaftsgartens zum Tragen. Man bevorzugte
geschwungene Wege und liebte exotische Pflanzen: zum
Beispiel eine Ginkgo biloba. Sie ist heute der älteste
Ginkgobaum Berlins, ca. 20 m hoch mit einem Stammumfang von reichlich drei Metern. Ilgens Robinie, die zu
Wredes Zeit 180 Jahre alt war, hatte es sogar auf 5 m
Stammumfang gebracht, allerdings von „Eisenbändern
umspannt, gestützt, sorgfältig gehütet [...], lebt[e] sie
nur noch in Kümmernissen des Alters“. 1952 wurde der
Baum gefällt und 1985 an seine Stelle eine neue Robinie
gesetzt.

1924 übernahm die Stadt Berlin das Gut Britz und ließ
es als Stadtgut bewirtschaften. Das Herrenhaus wurde
vermietet und nach dem Krieg bis 1985 als Kinderheim
genutzt. Unterdessen hatte das Ensemble nicht allein
durch Bombenschäden gelitten, sondern auch durch Eingriffe während der 1950er und 60er Jahre. 1971 erhielt
das Schloss den Status eines Baudenkmals.
Anlässlich der Bundesgartenschau wurde das historische
Erscheinungsbild des Guts-Ensembles von 1883 inklusive Räumlichkeiten und Mobiliar rekonstruiert und wieder
hergestellt. Seit 1988 stehen der Park und mittwochs
auch die historischen Gebäude Besuchern wieder offen.

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Gartenkolonie „Am Marienfelder Weg“

Eines der Kriterien für die Standortwahl des BUGAGeländes war die Entwicklung der angrenzenden
Siedlungsbereiche und Grünflächen. So wurde der BUGAPark zum Kernstück eines „Regionalparks“, d.h. eines
Areals, das Kleingärten, Friedhöfe, Sportplätze und
andere Grünflächen sowie historische Dorfkerne einbezieht und miteinander verbindet. Eine von mehreren
Kleingartenkolonien, die direkt an den „Britzer Garten“
angrenzen, ist die dauerhaft gesicherte „Kolonie am
Marienfelder Weg“, eine Anlage also, deren Nutzung
etwa als Baugelände nicht in Frage kommt. Südlich wird
sie begrenzt von der „Blütenachse“. Überquert man diesen Weg, so gelangt man in die „Kolonie zur
Windmühle“, an deren südöstlichem Ausgang man die
„Stechhan’sche Mühle“ findet, während südwestlich
davon der „Parkfriedhof Neukölln“ liegt.

Britzer Mühle

Wer weiß schon, dass man auch Flügel sprechen lassen
kann? Was sich damit wie signalisieren lässt und vieles
mehr an spezifischem Wissen wird dem Besucher während der Führungen in der Galerie-Holländerwindmühle
im Britzer Garten vermittelt.
Dieser Mühlentyp, den man in Holland entwickelt hat
und dort „bovenkruier“ (Obendreher) nennt, war im 16.
Jh. das modernste, effizienteste und teuerste Modell auf
dem Markt. In Britz leistete man sich sowas erst 1865.
Mühlenmeister Dörfer baute die 20 m hohe Windmühle
und verkaufte sie später an seinen Kollegen Stechan
(daher auch zeitweilig der Name „Stechan'sche Mühle“).
Bis 1936 trieb Windkraft ihr Mahlwerk an, danach ein
Dieselmotor. Im II. Weltkrieg stark beschädigt, wurde
sie 1955 unter Denkmalschutz gestellt und der Mühlenkomplex an eine Pfadfinderorganisation verpachtet.
Dass sich heute ihre Flügel wieder drehen und sogar
Getreide gemahlen wird, ist der Bundesgartenschau
1985 zu danken: Man ließ die Mühle nach Originalvorlagen restaurieren und zwei Jahre später nahm der holländische Müller Leeuw den Betrieb wieder auf. Und
seither kann hier auch das Handwerk eines Windmüllers
wieder erlernt werden. Zudem sind Back-Kurse im
Angebot – und mehr noch: Hier in der „Britzer Mühle“
können Brautpaare sich „vermehlen“ lassen.
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43

Route 4 „Der Britzer Garten“
Kultur kommt von „colere“ und heißt bebauen. Der für
die Bundesgartenschau 1985 (BUGA) angelegte „Britzer
Garten“ ist ein Beispiel gelungener Kultur in diesem
Sinne. Landschaftsarchitekt Wolfgang Miller hat den
87 ha großen Erholungspark entworfen und auf ehedem
landwirtschaftlich genutztem Land angelegt.
Erdreich – hier ausgehoben, dort aufgehäuft – ließ Seen
und kleine Berge entstehen; Bauten und Kunstwerke
sind in die jeweils räumliche Gegebenheit eingebettet

umlaufenden, geschnittenen Eibenhecken; die DahlienArena, in der die „Blume der Azteken“ in allen Farbschattierungen, Größen und Blütenformen blüht; der
Karl-Foerster-Staudengarten mit seinen formal angelegten, farblich unterschiedlich bepflanzten Beeten, seinen
Trocken- und Feuchtbiotopen; und schließlich – im
Ambiente einer Burgruine – der Hexengarten, in dem
u.a. auch Pflanzen wachsen, deren Anbau einst Karl der
Große (748-812) in seiner Landgüterordnung vorgeschrieben hat, und Heilkräuter, die bereits aus den
Rezeptbüchern der Hildegard von Bingen (1098-1179)
bekannt sind.

und die angrenzenden Areale abwechslungsreich modelliert.
An den Eingängen (Mohriner Allee, Tauernallee,
Buckower Damm, Sangerhauser Weg und am Massiner
Weg (wo übrigens kostenlos Rollstühle ausgeliehen werden) findet der Besucher im jahreszeitlichen Wechsel
bepflanzte Blumenbeete.
Im Zentrum des Gartens liegt eine großzügige Seenlandschaft mit Stränden, Buchten, Brücken, drei Aussichtshügeln sowie Quellen, die Bachläufe und Wasserfälle
speisen. Ringsum gruppieren sich Themengärten: Zum
Beispiel der Rosengarten, geometrisch angelegt mit

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Für Kinder ist außerdem hinreichend Gelegenheit zum
Spielen da – nicht nur auf Spielplätzen. Eine Spiellandschaft ist eingerichtet mit Weltkugel in der Mitte, von
der aus man zu nördlichen Gletschern, südwärts in die
Wüste oder in den Bambushain im Osten reisen kann.
Dazwischen ist eine Fels- und Wasserlandschaft; sogar
einen Himmelssteg gibt’s und ein Lehmdorf: „Makunaima“, benannt nach einer lateinamerikanische Philosophie, wonach die Kinder reif und die Erwachsenen kindlich sind. Erstere, die Reifen, bauen hier in den
Sommerferien kleine und große Figuren aus Lehm –
Berlins größter Bär zum Beispiel ist schon fertig.

Das weitläufige Gelände erlaubt ausgedehnte Spaziergänge. Wer lieber fährt, kann bei schönem Wetter die
Museumsbahn für eine knapp einstündige Rundfahrt
nehmen. Auch fachliche Exkursionen sind möglich, angeboten vom „Freilandlabor Britz“.
Tiere sieht man in diesem Garten ebenfalls – domestizierte und wilde: Schafe (Skudden), Ziegen und Esel
leben im Tiergehege, bunte Hühner und farbenprächtige
Pfauen in einer Voliere am Wirtschaftshof, Füchse und
Schwäne dagegen suchen sich eigenmächtig ihre
Domizile.

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Kulturelle Veranstaltungen werden im „Britzer Garten“
das ganze Jahr über angeboten: Zum Saisonauftakt die
Eröffnung der Frühlingsstraße, dann „Tulipan" – das Fest
der Tulpen, die zu Tausenden zwischen Frühblühern und
Obstbäumen beim Licht des Tages oder in einem
Lichtermeer bei Nacht zu bestaunen sind; des Weiteren
die Walpurgisnacht, der „Tag des Chores“ und der
„Klassiksommer“, der nicht nur Klassik, sondern auch
Barock, Romantik und zeitgenössische Musik hören
lässt; das Sommersonnenwendfest mit Höhenfeuerwerk
am Seeufer und schließlich das Luft-, Flug- und
Drachenfest im Herbst.

Route 5 „Rudow“
Länge: ca. 11-12 km Hauptroute sowie
ca. 5-7 km Alternativrouten

Start: U-Bhf Rudow

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2 10

Phosphatverbindungen mit sich. Damit das belastete
Wasser schnell abfließen konnte, wurde das Flussbett
mit Betonschalen versiegelt.
Verändertes Umweltbewußtsein in den 1980er Jahren
lenkte den Blick auch auf dieses Gewässer und man
beschloss den Rückbau: Die Betonschalen wurden bis
auf wenige 100 m im Unterlauf entfernt. Streckenweise
schuf man durch Fließaufweitung die Voraussetzung für
die Entwicklung natürlicher Ufervegetation, und die
Beschattung einiger Uferabschnitte ließ Feuchtbiotope
entstehen. Heute findet man entlang des Fließes
Wiesen, Gebüsch und Bäume, die zur Erholung und
Beobachtung der Natur einladen. Lehrbiotope sind
angelegt und Vogelkundige können hier Mäusebussarde
und Turmfalken entdecken.
Eine weitere Attraktion ist der Mauerweg, der vom
„Rudower Fließ“ nordwärts zum „Heidekampgraben“ und
südwärts zum „Rudower Wäldchen“ führt.
Und noch eine Kleinigkeit für Eisenbahnlieberhaber:
immer am Wasser entlang gelangt man zu einer Eisenbahn-Betonbrücke, die Teil des geplanten Güteraußenrings war – eines ehrgeizigen eisenbahntechnischen
Projektes während der NS-Zeit. Nach 1945 wurde die
Trasse bis auf den Streckenast Grünau – Flughafen
Schönefeld stillgelegt.

Rudower Fließ & Meskengraben

Man nennt sie auch die „Tränendrüse“ Rudows, diese
ehemalige Schmelzwasserrinne, die vom Rudower Dorfkern zur Stadtgrenze am Klein Ziethener Weg fließt.
Früher mündete der „Meskengraben“ in das „Rudower
Fließ“. Er wurde jedoch streckenweise zugeschüttet und
reicht heute nur noch von der Bartschiner bis zur
Neuhofer Straße.
Beide Fließgewässer sind aus Abflussrinnen der
Weichsel-Eiszeit entstanden, also während des Rückgangs der letzten Vereisung Nord-Europas vor rund
18000 Jahren. Dass ihre Ufer einst dauerhafte Feuchtgebiete waren, ist heute noch aus der Straßenbezeichnung „Erlenbruchring“ zu erschließen: Erlen wachsen
nur auf anhaltend feuchten Böden, also in Flussauen,
Brüchen und an Bächen.
Während im Falle des „Meskengrabens“ derzeit mit der
Renaturierung begonnen wird, ist dieser Prozess beim
„Rudower Fließ“ schon weiter gediehen.
Dieser Bach war in der Nachkriegszeit und v.a. in den
1960er Jahren durch mehrere Faktoren denaturiert worden: man verbaute die Ufer und begradigte sie, wodurch
der Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten
reduziert wurde. Hinzu kam, dass das Gewässer als
Vorfluter für das Klärwerk Waßmannsdorf und die nahen
Rieselfelder fungierte. Die Schmutzwassereinleitung
brachte erhebliche Konzentrationen von Stickstoff- und
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3

4

Dörferblick

Dieser 86 m hohe Berg ist in der Nachkriegszeit entstanden und bietet bei klarem Himmel einen hervorragenden
Blick über die Felder bis nach Großziethen, Waßmannsdorf und Schönefeld. Man nennt die Anhöhe daher auch
„Drei Dörfer Blick“; allerdings hieß sie auch lange „Müllberg“, und zwar nicht wegen der Trümmer, aus denen sie
besteht, sondern weil dieses Areal am südöstlichen
Grenzstreifen von 1958 bis 1971 als Mülldeponie für das
umlandlose Westberlin genutzt wurde. Nachdem die
Anlage stillgelegt war, begann in den 1970er Jahren die
Umgestaltung zum Naherholungsgebiet, allerdings verzögert, da die biochemischen Prozesse noch nicht abgeschlossen waren. Auf Grund dieser Schwierigkeit wurde
der „Dörferblick“ nicht durchgängig gärtnerisch gestaltet. Die wuchernde Spontanvegetation verleiht dem
Hügel eigenen Charme und bietet der Tierwelt günstigen
Lebensraum. Insbesondere Ornithologen kommen hier zu
jeder Jahreszeit auf ihre Kosten: Karmingimpel,
Schwarz– und Braunkehlchen, Haubenlerche, Schafstelze, Rohrammer, Steinschmätzer, Flussregenpfeifer, Eisvogel, Neuntöter, Wiesenpieper, Bluthänfling kann man
hier entdecken und im Winter Vogelarten wie die
Kornweihe, den Sperber, Raubwürger, Bergfinken, Berghänfling beobachten.

Das Frauenviertel

1996 wurde auf den sog. Rudower Feldern ein Neubauviertel mit rund 1700 Wohnungen fertig gestellt, in dem
alle 20 Straßen, Plätze und Wege nach bekannten Frauen
aus Politik, Wissenschaft und Kultur benannt sind. Unter
ihnen z.B. die Sozialdemokratin und Frauenrechtlerin
Ottilie Baader (1847-1925); Mathilde Vaerting (18841977), die erste Professorin der Erziehungswissenschaften in Deutschland bis zu ihrer politisch begründeten
Entlassung 1933; oder Helene Weber (1881-1962), die
bereits an der Entwicklung der Weimarer Verfassung
beteiligt gewesen war und nach dem Krieg eine der vier
„Mütter“ des Grundgesetzes wurde. Aufgrund der großen, über die Grenzen Berlins hinausgehenden Beachtung dieses Projekts, folgten eine Wanderausstellung,
die auf 20 Stoffbahnen die Portraits der Frauen zeigt,
sowie die Broschüre „Das Frauenviertel in der Gartenstadt Rudow“, die im Rathaus Neukölln erhältlich ist.
Begrenzt wird das Frauenviertel vom „Nordpark“ einerseits und einem Landschaftspark im Süden andererseits.
Hauptanziehungspunkt des „Nordparks“ ist der mit Liebe
fürs Detail angelegte Themenpark „Robin Hood“: Hier
gibt es ein mittelalterliches Dorf, den „Sherwood Forest“
und selbstverständlich eine Burg, die es zu erobern oder
zu verteidigen gilt. Für Kleinere ist der Märchenspielplatz „Hänsel und Gretel“ mit Schaukeln, einer Rutsche
und einem Karussell eher geeignet. Außerdem bieten ein
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Trampolin, ein Wasserspielplatz und verschiedene
Sportplätze Möglichkeiten, dem Bewegungsdrang seinen
Lauf zu lassen.
Wer eher Lust auf Ruhe in freier Natur hat, mag den Weg
zum „Südpark“ einschlagen und den Anblick weitläufiger
Wiesen, freiwachsender Hecken, einheimischer Gehölze
genießen. Hie und da sind Granitfindlinge platziert. Im
Zentrum steht ein Birkenwäldchen mit einem kleinen
Hexenhaus. Beidseits mit Bäumen bepflanzte Promenadenwege führen durch den Park. Aussichtstürme und
Sichtachsen ermöglichen den Blick ins Brandenburger
Land.

Pfuhle in Rudow

Die äußerst feuchte Rudower Gegend ist reich an
Pfuhlsenken. Sie entwickelten sich jedoch nicht alle
innerhalb derselben Zeitspanne. Beispielhaft seien hier
drei Pfuhle genannt: Die limnologische Entwicklung des
„Röthepfuhls“ setzte bereits um 12000 v. Chr. ein, also
am Ende der Weichsel-Eiszeit. Weit jünger ist der
„Klarpfuhl“, der zwischen 3800 und 800 v. Chr. zum
Gewässer wurde. Und der zuletzt entstandene, nämlich
im Zeitabschnitt von 800 v. Chr. bis 1150 n. Chr., ist der
„Lolopfuhl“.
Die beiden Röthepfuhle finden wir östlich der Waltersdorfer Chaussee und ebenso – quasi dem Südpark gegenüber – den Klarpfuhl, an dessen Ufer seit 1995 Vogelschutz- und Nährgehölze angepflanzt werden. Das frei
zugängliche Landschaftsschutzgebiet „Röthepfuhl mit
Findling“ liegt auf der Höhe des Nordparks. Im Mittelalter ist das Gewässer zur natürlichen Teichrotte bei der
Flachsbearbeitung benutzt worden. Bis 1930 baute man
westlich des Pfuhls Mergel ab (ein Gemenge aus Ton und
fein verteiltem Kalk, mit dem unergiebige Böden gedüngt werden). Heute ist er von einem Gehölzgürtel
umgeben, verfügt über dichte Röhricht- und Unterwasserpflanzenbestände und ist als Amphibien-Laichgewässer von Bedeutung. In seiner Nähe liegen der „Kleine
Röthepfuhl“ oder „Teich Rudow“ und westlich der
„Krumme Katzenpfuhl“, ein eingezäunter Feldpfuhl.
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Wählt man die kürzeste Route, so kommt man an die
„Siedlung an der Waßmannsdorfer Chaussee“, in welcher
der birnenförmige „Lolopfuhl“ zu finden ist. Weiter
nördlich liegen die beiden „Rohrpfuhle“, die beide durch
Einleitungen von Oberflächenwasser vor Austrocknung
geschützt werden. Biegt der Spaziergänger vor dem
Rudower Friedhof in die Deutschtaler Straße oder Am
Espenpfuhl ein, so trifft er auf den „Kattenpfuhl“, an
dem früher der „Meskengraben“ endete. Bei all diesen
Pfuhlsenken handelt es sich entweder um flächenhafte
Naturdenkmale oder Landschaftsschutzgebiete.

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Friedhöfe in Rudow

Entlang der 5. Route liegen drei Friedhöfe: Erstens der
große evangelische „Kirchhof Rudow“ (auch „Friedhof
Rudow“ genannt) am Ostburger Weg 43, der seit 1958
belegt wird. Es handelt sich um einen Parkfriedhof – ein
Typus, dem die Absicht zu Grunde liegt, durch üppige
Vegetation ein Gegengewicht zur Unabänderlichkeit des
Todes zu schaffen. Zweitens der landeseigene, seit 1880
belegte Alleequartiersfriedhof an der Köpenicker Str.
131, der als besonders wertvolles Biotop gilt. Drittens
der kleine, historisch bedeutsame Dorffriedhof „AltRudow“ aus dem 13. Jh. an der Köpenicker Str. 187.
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Alt-Rudow

Rudow ist eine der ältesten Siedlungen der Mark
Brandenburg. Der Ortsname weist auf slawischen
Ursprung (ruda=Erz) und eisenzeitliche Besiedlung hin
(im 8. Jh. v. Chr. setzte in Mitteleuropa der Abbau von
Raseneisenstein zur Erzgewinnung ein). Grabungsfunde
im Umkreis Alt-Rudows jedoch belegen, dass es hier
bereits jungsteinzeitliche Besiedlung gab.
Die Straßendorfanlage Rudows – die heute noch sichtbare H-Form, wobei die Prierosser und Neuköllner Straße
die Senkrechten bilden, und die Köpenicker Straße die
Waagerechte ist – entstand in jener Zeitperiode, als
Slaven im Havel-Spree-Raum siedelten. Schriftliche
Zeugnisse über das Dorf allerdings finden sich erst 1373
und 1375 (unter dem Namen „Rudawe“). Seine Feldsteinkirche, die vermutlich das Zisterzienserkloster
Lehnin bauen ließ, könnte Anfang des 13. Jhs. errichtet
worden sein. Ihre heutige Form erhielt die Kirche 1954.
An historischer Substanz sind nach der Kriegszerstörung
nur noch Feldsteinwände unterhalb des Turmes, die
Spitzbogenpforte, eine Seite des Kirchenschiffs und eine
Grabplatte von 1736 erhalten.
Im Schriftstück des Markgrafen Otto erfahren wir, dass
1373 Beteke Dyreken mit dem Gut Rudow belehnt war.
Im 17. Jh. gehörte das Dorf dem Großen Kurfürsten, der
um 1660 ein Bauerngut (Prierosser Str. 48) an den kurfürstlichen Kunstgärtner Michael Hanff verkaufte, der

Rudower Höhe

Dieser in den 1950er Jahren aufgeschüttete, 70 m hohe
Trümmerberg ist ein beliebtes Ausflugsziel seit er zum
Naherholungsgebiet gestaltet wurde: Rodelbahn,
Skihang, Spielplatz, Aussichtsplattform und Wege zum
Radfahren und Spazierengehen. Am nördlichen Rand der
„Rudower Höhe" liegt das Naturdenkmal „Priesterpfuhl“,
an dessen Ufern Schilf, Böschung und Grauerlen wachsen. Östlich verlief die Hinterlandmauer, wovon noch
rund 450 m im Original zu sehen sind. Diese mit großflächigen Graffiti verschönerten, lückenhafte Reste stehen seit 2001 unter Denkmalschutz.
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U

hier einen Lustgarten anlegte. 1702 kaufte Kurfürst
Friedrich III. das gesamte Dorf mit Gutshof. Laut einer
Urkunde aus demselben Jahr stand das Herrenhaus in
der Dorfstraße (heute Prierosser Straße 59-63); schräg
gegenüber lag der Lustgarten und an der heutigen
Neuköllner Straße 328/334 ein Gemüsegarten (Ackerwöhrde). Während vom Herrenhaus nichts mehr vorhanden ist (das 1770 erbaute wurde 1972 abgerissen), ist
das ehemalige Jagdschloss heute das älteste Wohnhaus
Rudows. Sein präzises Baujahr ist nicht bekannt. Die
Bezeichnung „Jagdschloss“ taucht erstmals 1669 auf.
Der „Berliner Adreßkalender“ von 1704 beschreibt es als
eines der vornehmsten königlichen Lusthäuser. Davon

allerdings ist dem zweigeschossigen Ziegelbau mit trister Fassade und grauem Walmdach nichts mehr anzusehen.
Ein „Krug“ ist bereits 1375 (Landbuch Kaiser Karls IV.)
erwähnt, jedoch ohne Standort. Der heutige Dorfkrug
(Alt Rudow 59) wurde 1802 gebaut, nachdem das vorige
Gebäude wie auch die Küsterei, Amtsschäferei, Schmiede
und mehrere Bauern- und Kossätenhöfe 1799 einer
Feuersbrunst zum Opfer gefallen war.
Der „Bleichteich“ (heute Dorfteich) übrigens war seinerzeit zirka 20 mal größer als heute und reichte bis fast
zum „Rudower Fließ“. Die 15 Rudower Pfuhle waren möglicherweise mit der "Rudower Talrinne" verbunden,
jedenfalls eigneten sich einige dieser Gewässer als
Lebensraum für Fische.
An historischen Gebäuden seien noch das Wohnhaus für
Deputatsarbeiter aus dem 18. Jh. in der Prierosser Str.
50 (Deputat: Lohn in Naturalien), ein um 1820 erbautes
Büdnerhaus mit Hirtenhaus (Alt Rudow 32) sowie zwei
Bauernhäuser aus dem 19. Jh. in der Krokusstraße
genannt.
Sein erstes Schulhaus bekam Rudow 1858, in dem auch
die Poststation untergebracht wurde. Dieser Backsteinbau in der Köpenicker Str. 187 diente später als Gemeindehaus. 1945 wurde es durch eine Bombe beschädigt, die Originalsubstanz ist jedoch noch weitgehend
erhalten. Die zweite Schule, um 1890 im Stil der
Neugotik gebaut, steht in Alt Rudow 60.

Schlaglichter

U
U Hermannplatz
Hasenheide
U Rathaus Neukölln
U
Boddinstr.
U
Leinestr.
SU
Hermannstr.

1
U Karl-Marx-Str.
Sonnenallee
S
S
Köllnische Heide

S
U Neukölln

1

Museum Neukölln

2

Teltowkanal

3

Britz-Buckow-Rudow-Grünzug

4

Rudower Wäldchen

5

Buckower Dorfkirche

U
Grenzallee

2
Blaschkoallee
U

U
Parchimer Allee

3
U
Britz Süd

U
Johannisthaler Str.

Britzer Garten

5

Wutzkyallee
U
Lipschitzallee
U
U
Zwickauer Damm
4

U
Alt-Rudow

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1

Museum Neukölln

Allein schon der Standort dieses Museums in der
Ganghoferstraße ist von historischem Interesse, bildet
das Gebäude doch gemeinsam mit dem noch zu Kaisers
Zeiten erbauten „Stadtbad Neukölln“ und dem Sonnenhof (Atrium), der beide verbindet, ein denkmalgeschütztes Gesamtensemble.
„Naturhistorisches Schulmuseum der Gemeinde Rixdorf“
hatte dieses, 1897 vom Volksschullehrer Emil Fischer
gegründete Museum ursprünglich geheißen. Später nannte man es „Heimatmuseum“; entsprechend bescheiden
war das Anliegen und fielen die Exponate aus. Mitte der
1980er Jahre modernisierte die Einrichtung ihre Konzeption und 2004 ihren Namen in „Museum Neukölln“.

Dieses zweitälteste Regionalmuseum Berlins versteht
sich heute als innovatives, soziales Gedächtnis der
Region, das Stadtteil- und Alltagsgeschichte bearbeitet,
wobei sowohl die soziokulturelle Vielfalt Neuköllns als
auch die Bedeutung Europas als Vision und politische
Realität einfließen.
Sammlungen und Archivbestände bieten Informationen
von der Prähistorie über Mittelalter und Neuzeit bis zur
jüngsten Vergangenheit dieses Bezirks. Themenschwerpunkte wie „Schulgeschichte und Reformpädagogik“,
„Film- und Kinogeschichte“, „Jüdisches Leben in
Neukölln“, „Migranten, Flüchtlinge, Asylbewerber“,
„Geburt und Gebären“, „Kirchengeschichte“, „Widerstand im Dritten Reich“ etc. wurden zusammengestellt.
Wechselnde Jahresausstellungen machen die Besucher
mit den neuesten Forschungsergebnissen bekannt, behandeln Zeitgeistthemen, verbinden Geschichte mit
Gegenwart und werfen zukunftsorientierte Fragen auf.
In Zusammenarbeit mit Künstlern, Mediendesignern und
Theaterpädagogen probiert man neue Formen der
Interaktion mit dem Publikum. Für jüngere Besucher und
Schulklassen werden altersgerechte Führungen angeboten. Spezielle Veranstaltungsreihen, Workshops, Fotoausstellungen, Lesungen, Radtouren und Fußwanderungen zu historischen Stätten runden das Programm ab.
Schließlich soll nicht unerwähnt bleiben, dass diese
engagierte Arbeit mit dem Museumspreis des Europarates 1987 belohnt wurde.

2

Teltowkanal

„Endlich wird niemand leugnen können, daß der Kanal
auch in Britz zur Verschönerung des Landschaftsbildes
und zur allgemeinen Belebung der Gegend wesentlich
beträgt. Noch mehr wird seine Bedeutung für den Ortsund Durchgangsverkehr steigen, wenn erst die von den
zuständigen Behörden genehmigte und bereits angefangene Verlängerung des Rixdorfer Stichkanals bis zum
Britzer Osthafen fertiggestellt sein wird." (Britzer
Wochenschau, 25.6.1911).
Jetzt ist er 100 Jahre alt. Beim ersten Spatenstich im
Jahre 1900 war Kronprinz Wilhelm dabei, eröffnet wurde
der Kanal 1906 von seinem Vater Kaiser Wilhelm II. mit
einer Fahrt auf seiner Yacht „Alexandria“.
Der Teltowkanal verbindet Havel und Spree, bildet strekkenweise die Landesgrenze zwischen Berlin und Brandenburg und durchfließt auch Neukölln. Gemessen wird
gegen die Fließrichtung von West nach Ost: "Tek km
00,00" liegt bei Potsdam, "Tek km 37,83" bei Grünau,
wo der Teltowkanal in die Dahme mündet. Eine 3,5 km
lange Zweiglinie führt vom Britzer Osthafen zur Spree.
Der Kanal, der zum einen als „Vorfluter“, zum anderen
als Transportweg und zeitsparender Entlastungskanal
fungierte, schaffte die Voraussetzungen für die Bebauung und Industrialisierung der südlichen Vororte Berlins.
Überdies war er der erste vollständig elektrifizierte
Kanal der Welt, der sogar für den Bau des Panama-Kanals
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als Vorbild gedient haben soll. Die Treidelloks (spezielle
Elektrolokomotiven, die beidseits des Ufers fuhren)
zogen die Schiffe durch den Kanal. Die Kriegszerstörungen sowie die folgende Teilung der Stadt und der
Mauerbau brachten die Schifffahrt auf dem Teltowkanal
fast zum Erliegen. Nunmehr markierte er die deutschdeutsche Grenze, die schwer durchschaubar teils auf
dem Wasser, teils entlang des rechten oder linken Ufers
verlief.
Heute ist das Gewässer wieder befahrbar und seine Ufer
streckenweise mit Fuß- und Radwegen ausgestattet: z.B.
zwischen Tempelhofer Weg und Späthstraße sowie vom
Britzer Zweigkanal bis zur Rudower Chaussee.

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Britz-Buckow-Rudow-Grünzug

Am 24. April 1840 legte der Gartendirektor Peter Joseph
Lenné den Plan für „die projektierten Schmuck- und
Grenzzüge von Berlin mit nächster Umgebung“ vor.
Damit sollten stadtweit Erholungs- und Grünflächen für
die expandierende Bevölkerung geschaffen werden.
Von Berlin-Mitte ausgehend wurden daher sternförmig
verlaufend Landschaftsparks angelegt. Seine und die
Anlagen seiner Nachfolger Gustav Meyer (Lenné-Schüler,
der ab 1843 für Lenné arbeitete) und Erwin Barth (18901933, bekannt für die Gestaltung von Plätzen zur
Erholung für Arbeiter) prägen bis heute das
Erscheinungsbild Berlins. Dieses Programm wurde von
nachfolgenden Gartendirektoren weitergeführt und
durch die Gartenstadt-Visionäre des „neuen Bauens“
erweitert. Diese Bewegung setzte bereits in der
Kaiserzeit ein, erreichte während der Weimarer Republik
ihren Höhenpunkt und beeinflusste auch in den
Wiederaufbaujahren nach dem II. Weltkrieg die
Konzepte der Stadtplaner.
1926-29 war die Hufeisensiedlung Britz entstanden.
Daran knüpfte sich in den 1950er Jahren die Überlegung, weiter südlich die Großsiedlung Britz-BuckowRudow (BBR) zu bauen. Die Konzeption sah als
Reminiszenz an die Hufeisensiedlung u.a. große
Grünflächen innerhalb dieser Trabantenstadt (der späteren Gropiusstadt) vor sowie als entscheidendes

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Strukturelement einen breiten, über der U-Bahn-Trasse
verlaufenden Grünzug. Parallel zum Siedlungsbau
begann man ab 1965 die Linie 7 von Britz-Süd nach
Rudow zu verlängern. Oberirdisch entstand entlang der
Strecke der sog. BBR-Grünzug, der sich gleichsam als
Rückgrat durch die Gropiusstadt zieht, die Ortsteile
Britz, Buckow und Rudow verbindet und am Rudower
Wäldchen endet.
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Buckower Dorfkirche

Sie wirkt wie eine Wehrkirche, die romanische Dorfkirche
in Buckow. Im 13. Jh. wurde sie als Hallenbau errichtet
mit Holzbalkendecke in Kirchenschiff und Turm. Anlässlich von Renovierungsarbeiten 1908 und 1950 zeigten
sich im Kirchenschiff mittelalterliche Fresken, die noch
in blassen Fragmenten zu erkennen sind – am deutlichsten die Abendmahlsszene im vorderen Teil der Kirche.
Zwei der Turmglocken stammen ebenfalls aus dem
Mittelalter: Die kleine Glocke, die um 1250 gegossen
wurde, und die größere, die genau auf das Jahr 1322
datiert ist. Weitere Glocken sind 1943 einem Luftangriff
zum Opfer gefallen.
Im 16. Jh. hatte man das Erscheinungsbild der Kirche zu
Gunsten des gotischen Stils verändert: Ins flachgedeckte Kirchenschiff resp. Langhaus wurde ein bemaltes Rippengewölbe eingezogen, gestützt mittels dreier Säulen.
Man verbreiterte die schlitzartigen Fensteröffnungen
und öffnete die Südwand, um ein Spitzbogenportal aus
Backstein anzubringen. Dafür musste die klassische OstWest-Orientierung von Altar und Haupteingang aufgegeben werden: Statt durch den Turm im Westen betrat man
die Kirche jetzt durch das Portal im Süden und blickte
auf den Altar an der Nordseite. Heute findet man
Eingang und Altar wieder an korrekter Stelle, da im Zuge
der Restaurierung der Kirche nach dem Krieg einige der
Umbauten wieder beseitigt wurden.

Rudower Wäldchen

Dieses 600 m lange und streckenweise bis zu 100 m breite Wäldchen in Buckow wurde 1872 von Wildmeister
Hugo Luther im Auftrag Kaiser Wilhelms I. angepflanzt.
Seit 1959 ist es als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Sein offizieller Name lautete „Vogelschutzgebiet am
Wildmeisterdamm in Rudow“, inoffiziell nannte man dieses Waldstück an der Zonengrenze „Niemandsland“.
Eigentlich eine eher günstige Bedingung für ein
Landschaftsschutzgebiet. Dennoch ging in den 1960er
und 70er Jahren der Wildbestand ganz, der Vogelbestand
stark zurück. 1986 wurden Maßnahmen zur Rettung dieses Laubwaldes beschlossen und mit Erfolg durchgeführt.
Seit 2006 ist auch die Etappe des „Berliner Mauerwegs“
vom „Rudower Fließ“ bis zum „Rudower Wäldchen“ eröffnet, dieses Landschaftsschutzgebiet also entlang des
ehemaligen Grenzverlaufs zu erreichen.
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