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Full text: 50 und älter in Marzahn-Hellersdorf ... Issue 2015

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2010

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

- eine Sozialstudie -

Erarbeitet im Auftrag des Bezirksamtes Marzahn-Hellersdorf,
Abteilung Gesundheit und Soziales

durch das

Sozialwissenschaftliche Forschungszentrum Berlin-Brandenburg e.V.

Berlin, Mai 2016

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Steuerungsgruppe:

Dipl.-phil. Dagmar Pohle
Bezirksstadträtin für Gesundheit und Soziales (Leiterin)
Dipl.-Soziologin Marion Augustin
Dipl.-Verwaltungswirtin Beate Grasnick
Herr Dipl.-Rehab.-Päd. Herbert Höhne
Herr Dipl.-Lehrer Gerard Juraschek
Frau Hannah Karrmann
sowie die Autoren

Wissenschaftliche Projektleitung:

Dr. habil. pol. Hanna Haupt

Wissenschaftliche Projektassistenz:

Dipl.-Soziologe Eckart Maaß

Logistische Vorbereitung und Durchführung
der empirischen Befragung:
Projektgruppe „Sozialanalysen Marzahn-Hellersdorf“
Leitung Dipl.-Soziologin Heidrun Schmidtke
Autoren:

Dr. habil. pol. Hanna Haupt
Dr. phil. Thomas Hanf
Dr. oec. Reinhard Liebscher
Dipl.-Soziologin Heidrun Schmidtke

(Kapitel 2, 3, 4, 11)
(Kapitel 5, 10)
(Kapitel 6, 7)
(Kapitel 8, 9)

Layout, tabellarische und
graphische Gestaltung:

Heidemarie Wille

Bildnachweis:

Marzahn-Hellersdorf links, 26 Jg., Juni 2016, S. 5

Redaktionsschluss:

18.05.2016

Studie im Auftrag des
Bezirksamtes Marzahn-Hellersdorf, Abteilung Gesundheit und Soziales
durch das
Sozialwissenschaftliche Forschungszentrum Berlin-Brandenburg e.V.
Neue Schönholzer Straße 17b
13187 Berlin
Telefon:
030/498 874 19
0178/673 77 94
E-Mail:
post@sfz-ev.de
Home:
www.sfz-ev.de

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Liebe Marzahn-Hellersdorfer Bürgerinnen und Bürger,

bereits zum vierten Mal in Folge wird zum Ende einer Legislaturperiode der Bezirksverordnetenversammlung und
des Bezirksamtes Marzahn-Hellersdorf eine aktuelle Sozialstudie vorgelegt, die die soziale Lage, gesundheitliche
Situation und Versorgung sowie die individuellen Einstellungen, Lebensmaßstäbe und sozialen Erwartungen und
Sorgen der ab 50 Jahre alten Menschen in Marzahn-Hellersdorf empirisch erhebt. In Auswertung des
Datenmaterials aus der Befragung von 10.000 Probandinnen und Probanden dieser Altersgruppe im Jahr 2015
ließen sich wieder aktuelle Handlungsschwerpunkte und Handlungsempfehlungen an Bezirkspolitik und
Bezirksverwaltung ableiten, die Grundlage für die Fortschreibung der bezirklichen Altenplanung für die
Legislaturperiode 2016 bis 2021 sein werden.
Mit der aktuellen Studie liegen umfangreiche Befunde des demographischen Wandels, der Bevölkerungsprognose
und der soziostrukturellen Veränderungen vor,
die Handlungsnotwendigkeiten und Handlungsansätze
bezirklicher Kommunalpolitik und kommunaler Altenplanung als einer ressortübergreifenden Aufgabe im
zeitlichen Verlauf zeigen und deutlich machen, welchen Einfluss gesellschaftliche Veränderungen und
bundesgesetzliche Regelungen auf die Lebenswirklichkeit der Altersgruppe 50 Jahre und älter nehmen.
Die Studie legt ihren Schwerpunkt auf die Analyse der aktuellen Situation in den Themenfeldern „Erwerbssituation“, „Einkommenssituation“, „Wohnverhältnisse“, „Gesundheitliche Situation und Versorgung“, „Freizeit und
Ehrenamt“, „Soziale Kontakte in familialen und außerfamilialen Netzen“, „Nachbarschaftsbeziehungen und soziale Unterstützung“ sowie „Bürgerschaftliches Engagement einschließlich des Ehrenamtes und Bürgerbeteiligung“. Sie hinterfragt vor dem Hintergrund des demographischen Wandels im Bezirk und einschneidender sozialer Entwicklungen, welche Veränderungen in den untersuchten Themenfeldern mit Blick auf die Zielgruppe seit
dem Jahr 2000 zu verzeichnen sind, zeigt entsprechende Handlungsnotwendigkeiten für Bezirkspolitik und alle
Ressorts der Bezirksverwaltung, externe Partnerinnen und Partner im bezirklichen Netzwerk im Alter, Wohnungsunternehmen sowie weitere Dienstleisterinnen und Dienstleister auf, deren Angebote sich an die Altersgruppe 50 Jahre und älter richten.
Für die bezirkliche Seniorenpolitik ergeben sich für die neue Legislaturperiode 2016 bis 2021 demnach primär
besondere Anforderungen aus dem anhaltenden differenzierten Anwachsen der älteren Bevölkerung, dem sinkenden Rentenniveau als wesentlicher Grundlage der materiellen Alterssicherung, den erwerbsbedingten Veränderungen des intergenerativen Zusammenhalts der Familien, dem Bedürfniswandel von Seniorinnen und Senioren bezüglich des selbstbestimmten Wohnens bis ins hohe Alter sowie hinsichtlich generationenübergreifender und, wo erforderlich, wohnortnaher Angebote für gesellschaftliche Teilhabe.

Die Handlungsempfehlungen der Sozialstudie 2015 werden zeitnah in die Fortschreibung der bezirklichen Altenplanung einfließen und damit die Arbeit des Beirates zur Umsetzung der Altenplanung sowie der drei Interessenverbünde im bezirklichen Netzwerk im Alter in der neuen Legislaturperiode wirksam unterstützen. Darüber hinaus werden alle Studienergebnisse im Juli 2016 auf den Seiten des Bezirksamtes Marzahn-Hellersdorf im Internet veröffentlicht und damit einer breiten Fachöffentlichkeit sowie interessierten Bürgerinnen und Bürgern zugänglich sein.
Ich danke dem Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrum Berlin-Brandenburg e.V., seinen Mitarbeiterinnen
und Mitarbeitern sowie weiteren Mitgliedern der begleitenden Steuerungsgruppe für die geleistete Arbeit.
Berlin, Marzahn-Hellersdorf, im Juni 2016

Dagmar Pohle
Stellvertretende Bezirksbürgermeisterin und
Bezirksstadträtin für Gesundheit und Soziales

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Inhaltsverzeichnis
1.

Vorwort

2.

Die ab 50-Jährigen im Bezirk Marzahn-Hellersdorf - ein Sozialporträt

2.1

Die soziodemographische Entwicklung der ab 50-Jährigen innerhalb der
Einwohnerschaft von Marzahn-Hellersdorf von 2000 bis 2015
Einwohnerentwicklung
Altersstruktur der ab 50-Jährigen
Geschlechterstruktur der ab 50-Jährigen
Wandel des Familienstandes
Entwicklung der Haushaltsstrukturen von 2000 bis 2014/2015 in Marzahn-Hellersdorf
insgesamt und bei ab 50-Jährigen

2.1.1
2.1.2
2.1.3
2.1.4
2.1.5

4
11
11
12
15
16
19
22

2.2

Die sozialräumliche Verteilung der ab 50-Jährigen im Bezirk Marzahn-Hellersdorf 2014

24

2.3

Bevölkerungsprognose 2015 bis 2030 für Marzahn-Hellersdorf unter besonderer
Berücksichtigung der prognostizierten Entwicklung der ab 50-Jährigen

28

2.4
2.4.1
2.4.2
2.4.3
2.4.4

Soziostrukturelle Differenzierung der ab 50-Jährigen innerhalb der Einwohnerschaft
des Bezirkes
Berufliche Qualifikation der Bevölkerung und der ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf
Entwicklung der Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung und der ab 50-Jährigen in
Marzahn-Hellersdorf
Erwerbstätige nach der Stellung im Beruf
Die Einkommensentwicklung der Bevölkerung und der ab 50-Jährigen in MarzahnHellersdorf

38
39
41
44
46

2.5

Fazit

49

2.6

Handlungsempfehlungen

52

3.

Erwerbsbeteiligung der 50-Jährigen und Älteren in Marzahn-Hellersdorf 2015

55

3.1
3.1.1
3.1.2
3.1.3

Erwerbsbeteiligung der 50- bis unter 65-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf 2015
Erwerbsbeteiligung der 50- bis unter 65-Jährigen
Qualifikation und Erwerbsbeteiligung
Stellung der 50- bis unter 65-jährigen Erwerbstätigen im Beruf

56
57
64
67

3.2

Arbeitslosigkeit von ab 50-Jährigen: Entwicklung - individuelle Erfahrungen Zukunftsorientierungen
Entwicklung der Arbeitslosigkeit von ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf
Arbeitslosigkeit im Erwerbsverlauf von 50- bis unter 65-Jährigen - Gesamtdauer der
Arbeitslosigkeit - Strukturen und Zukunftsorientierungen

3.2.1
3.2.2

69
69
73

3.3

Erwerbsaustritt und Übergang in den Ruhestand

79

3.4

Fazit

86

3.5

Handlungsempfehlungen

88

1

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

4.

Einkommenssituation und Armutsrisiko von ab 50-Jährigen in
Marzahn-Hellersdorf

91

4.1

Selbstbewertung der Einkommenssituation durch ab 50-Jährige

91

4.2

Die Einkommensquellen der ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf 2015

94

4.3
4.3.1
4.3.2

Individuelles Nettoeinkommen
Struktur der individuellen Nettoeinkommen
Renten als wichtigste Alterseinkommen

100
100
107

4.4

Haushaltsnettoeinkommen

118

4.5

Verteilung von Armut und Reichtum von ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf

133

4.6

Fazit

140

4.7

Handlungsempfehlungen

143

5.

Wohnen

146

5.1

Wohnsituation

146

5.2

Wohnkosten

155

5.3

Wohndauer

163

5.4

Bewertung der Wohnung und des Wohnumfeldes

167

5.5

Wohnmobilität

177

5.6

Bewertung der Wohnung für künftigen Bedarf

189

5.7

Handlungsstrategien für senioren- und bedarfsgerechtes Wohnen

195

5.8

Fazit

217

5.9

Handlungsempfehlungen

222

6

Selbsteinschätzung des Gesundheitszustandes - gesunde Lebensweise und
Bewertung der gesundheitlichen Versorgung

226

6.1

Aspekte des Gesundheitsverhaltens

226

6.2

Zufriedenheit mit der gesundheitlichen Betreuung

232

6.3

Erreichbarkeit gesundheitsbezogener Versorgungseinrichtungen

237

6.4
6.4.1
6.4.2
6.4.3
6.4.4

Hilfebedarfe und -potenziale im Krankheitsfall
Verständigung des Arztes
Betreuung bei ernster Erkrankung
Hilfebedarf bei der Alltagsbewältigung
Hilfepotenziale für Pflegende

241
241
244
246
247

6.5

Fazit

251

6.6

Handlungsempfehlungen

253

7.

Freizeit und Freizeitbedürfnisse der ab 50-Jährigen

256

7.1

Freizeit und soziale Einbindung

256

7.2

Freizeitinhalte

260

7.3

Freizeitorte

265

2

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

7.4

Freizeitangebote in Marzahn-Hellersdorf und deren Bewertung

267

7.5

Freizeitmanagement und Freizeitkosten

277

7.6

Generationsübergreifende und interkulturelle Freizeitaktivitäten

282

7.7

Informationsquellen über Freizeit- und Veranstaltungsangebote im Bezirk

284

7.8

Bildung als Freizeitinhalt

286

7.9

Sport - allein und in Gemeinschaft

292

7.10

Defizite für die Freizeitgestaltung

295

7.11

Fazit

296

7.12

Handlungsempfehlungen

299

8.

Bürgerschaftliches Engagement von ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf

301

8.1

Niveau des bürgerschaftlichen Engagements 2015 und im Zeitverlauf

301

8.2

Zielgruppen des bürgerschaftlichen Engagements

306

8.3

Bereiche und Tätigkeitsfelder des bürgerschaftlichen Engagements

307

8.4

Mitgliedschaften

309

8.5

Bürgerbeteiligung

313

8.6

Interesse an Politik

317

8.7

Handlungsempfehlungen

319

9.

Soziale Beziehungen

321

9.1

Soziale Beziehungen

321

9.2

Soziale Unterstützungspotenziale

327

9.3

Nachbarschaftsbeziehungen

333

9.4

Öffentliche Beratungsangebote als spezifische Form der sozialen Kontakte

345

9.5

Mobilität als Voraussetzung für soziale Kontakte und Beziehungen

352

9.6

Handlungsempfehlungen

362

10.

Einstellungen, Wertungen, Erwartungen

364

10.1

Werte

364

10.2

Lebenszufriedenheit

367

10.3

Zufriedenheit mit einzelnen Lebensbereichen

370

10.4

Sorgen der Bevölkerung

383

10.5

Fazit

391

11.

Zum methodischen Herangehen

392

Tabellenverzeichnis

397

Abbildungsverzeichnis

405

Abkürzungsverzeichnis

417

3

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

1.

Vorwort

Die soziodemografische und soziostrukturelle Entwicklung sowie die sozialen Veränderungen der Einwohnerschaft stellen in Marzahn-Hellersdorf wie bundesweit die Kommunen vor neue Herausforderungen an die Gestaltung der öffentlichen Rahmenbedingungen für ein selbstbestimmtes und würdevolles
Leben der Bürgerinnen und Bürger bis ins hohe Alter. Um diesen Erfordernissen gerecht zu werden, legt
die Abteilung Gesundheit und Soziales des Bezirksamtes Marzahn-Hellersdorf seit der Bezirksfusion im
Jahre 2000 der bezirklichen Altenplanung in jeder Legislaturperiode auch die Ergebnisse einer Bürgerbefragung mit dem Titel „50 und älter in Marzahn-Hellersdorf“ zu Grunde.
Auf diesem Wege wurden 2015 die ab 50-Jährigen aus Marzahn-Hellersdorf nunmehr zum vierten Male
bürgernah mit ihrer Lebenssituation, ihren Erfahrungen, ihren Erwartungen an die bezirkliche Seniorenpolitik und ihren individuellen Handlungsstrategien zur Alltagsbewältigung und zur selbstbestimmten
Gestaltung ihres Alters in die bedarfs- und zukunftsorientierte Altenplanung einbezogen.
Die auf der Grundlage der Befragungsergebnisse erarbeitete Sozialstudie wendet sich folgenden
Schwerpunkten zu:
Einleitend wird ein Sozialproträt der ab 50-Jährigen als Teil der Einwohnerschaft von MarzahnHellersdorf in seiner längerfristigen und aktuellen Entwicklung präsentiert. Dieses zweite Kapitel zeigt
sowohl das quantitative Anwachsen dieser Gruppe seit der Bezirksgründung 2001 und die Vorausberechnung ihrer Entwicklung bis 2030 als auch die Zunahme der ethnischen Vielfalt der Zielgruppe und
der sich vollziehenden Singularisierung und Feminisierung ab dem 75. Lebensjahr auf. Darüber hinaus
wird auf die grundsätzliche Umschichtung der Qualifikationsstruktur, die Zunahme des Anteils mit migrationsbedingten Schwierigkeiten am Arbeitsmarkt, den Anstieg des Anteils an Arbeiterinnen und Arbeitern in der Zielgruppe, den über Jahre währenden Ausschluss von Langzeitarbeitslosen aus dem Erwerbsleben sowie die Verfestigung der Einkommenslage zwischen 10 und 15 Prozent der Haushalte von
ab 50-Jährigen unterhalb der Armutsrisikoschwelle aufmerksam gemacht. Diese Entwicklungen vertiefen
die soziale Ungleichheit im Bezirk und bestärken die Gefahr der Abkoppelung der sozial belasteten Betroffenen von der in differenzierter Weise an der Wohlstandsentwicklung teilnehmenden Mehrheit.
Das dritte Kapitel ist der Analyse der Erwerbsbeteiligung, der Arbeitslosigkeit und dem Übergang künftiger Senioren in den Ruhestand gewidmet. Es wird nachgewiesen, dass die erwerbsfähigen künftigen
Senioren mehrheitlich erwerbstätig sind, aber auch 11 Prozent zu den Arbeitslosen - vor allem Langzeitarbeitslosen - zählen und andere bereits aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind. Als Haupthindernis
des Abbaus der Langzeitarbeitslosigkeit bei ab 50-Jährigen bestätigen sich vor allem fehlende berufliche
Qualifikation und migrationsbedingte Integrationsschwierigkeiten am Arbeitsmarkt. Großen Wert legen
die ab 50-jährigen Bürgerinnen und Bürger auf die individuelle Entscheidung über den Wechsel in den
Ruhestand und wollen mehrheitlich einen Erwerbsaustritt unterhalb der Regelaltersgrenze anstreben.
Das vierte Kapitel dient der Analyse der Einkommenssituation von ab 50-Jährigen sowie der Verteilung
von Armut und Reichtum unter ihnen in Marzahn-Hellersdorf im Jahre 2015. Die Verteilung der durchschnittlichen individuellen Nettoeinkommen nach soziostrukturellen Merkmalen und nach sozialräumlichen Kriterien zeigt nicht nur die soziale Ungleichheit zwischen den verschiedenen Gruppen, sondern
zugleich die Polarisierung zwischen den Bezirksregionen der Großsiedlungen von Marzahn und Hellersdorf einerseits und dem Siedlungsgebieten andererseits.

4

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Die Spreizung der äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommen der ab 50-Jährigen in MarzahnHellersdorf macht insbesondere auf die gravierenden Unterschiede zwischen den Haushalten mit und
ohne Migrationshintergrund, von Vollzeiterwerbstätigen und Arbeitslosen sowie zwischen 50- bis unter
65-Jährigen und Seniorenhaushalten aufmerksam. Die Einkommensposition der Haushalte wird nicht
nur durch das monatlich fließende Haushaltsnettoeinkommen bestimmt, sondern auch durch Vermögen
bzw. zu bedienende Kredite beeinflusst.
Im fünften Kapitel - Wohnen - werden Veränderungen in den Bedingungen des Wohnens und des
Wohnumfeldes sowie deren Bewertung durch die ab 50-Jährigen untersucht. Die Wohnbedingungen
haben sich insgesamt im Durchschnitt für die künftigen und aktuellen Seniorinnen und Senioren verbessert. Das ist einer der Gründe für die hohe Verbundenheit der Bewohnerinnen und Bewohner mit ihrem
Stadtbezirk. Die Bewertungen des Wohnumfeldes haben sich in einigen Hinsichten ebenfalls positiv
entwickelt, allerdings ist auch eine Verschlechterung der Zufriedenheit mit der öffentlichen Sicherheit
und der Tätigkeit der öffentlichen Verwaltung festzustellen. Insgesamt muss konstatiert werden, dass
die Gefahr einer weiteren Zunahme ungleicher Bedingungen in sozialräumlicher, in sozialer Hinsicht
sowie im Altersverlauf nicht kleiner geworden ist. Es wird daher künftig noch mehr als bisher darauf zu
achten sein, dass für das Alter angemessene und annähernd ausgeglichene Wohnbedingungen gewährleistet werden können. Mehrheitlich wollen Seniorinnen und Senioren auch künftig in der eigenen
Wohnung verbleiben, selbst dann, wenn gesundheitliche Einschränkungen einen Hilfe- und Betreuungsbedarf begründen. Um in einem solchen Fall bedarfsgerechte Wohnbedingungen herzustellen, werden
rechtzeitig umfangreiche Informationen zu Wohnraumanpassungen, aber auch zu Angeboten des Service-Wohnens benötigt.
Das sechste Kapitel hat die Gesundheit als eines der zentralen Momente des individuellen Lebens und
Wohlfühlens zum Gegenstand. Wird der eigene Gesundheitszustand als gut befunden steigt die allgemeine Lebenszufriedenheit deutlich. Auch die diesjährigen Daten zeigen, dass ein großer Teil der älteren
Bevölkerung selbst aktiv etwas für die eigene Gesundheit unternimmt.
Hinsichtlich der Hilfe bei der Bewältigung von Alltagsproblemen für ältere Bürgerinnen und Bürger und
der Betreuung bei ernster Erkrankung wird über den Zeitverlauf der vergangenen 20 Jahre der hohe
Anteil der familialen Betreuungspotenziale deutlich.
Für den Zeitraum von 20 Jahren belegen die Ergebnisse von SFZ-Untersuchungen1 den hohen Wert und
den Anteil der familialen Hilfepotenziale für ältere Bürgerinnen und Bürger sowohl bei der Bewältigung
von Alltagsproblemen als auch bei der Betreuung im Falle einer ernsten Erkrankung.
Wenn ältere Erwerbstätige in ihrer Freizeit pflegerisch wirken, sind es häufiger diejenigen, die in Teilzeit
beschäftigt sind. Das Hilfepotenzial für Pflegende beschränkt sich im Wesentlichen auf familiale Netzwerke, die Lebenspartner und ambulante Hilfsdienste.

1

Sozialwissenschaftliches Forschungszentrum Berlin-Brandenburg e.V (SFZ):
Altenreport Marzahn 1995, Berlin 1995,
SFZ: 50 und älter in Hellersdorf und Marzahn 2000, Berlin 2001,
SFZ: 50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2005, Berlin 2005,
SFZ: 50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2010, Berlin 2011,
SFZ: 50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015, Berlin 2016.

5

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Das siebente Kapitel zielt auf die aktuelle Analyse der Freizeit, Freizeitbedürfnisse und der Freizeitgestaltung von ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf. Freizeit besitzt für alle Menschen einen hohen
Wert, sowohl für die Regeneration und das körperliche wie gesundheitliche Wohlbefinden als auch für
eine individuell entsprechende kulturelle wie psychische Lebensqualität.
Die Freizeitkontakte zeigen eine Verfestigung der Konzentration auf die Familie, Freunde und Bekannte
und den damit verbundenen Rückzug ins Private. Hier sind in den letzten 10 Jahren kaum Veränderungen sichtbar. Es ist eine über Jahre gleichbleibend starke Familienorientierung auf die partnerschaftlich
verbrachte Freizeit und die Kontakte zu Kindern und Enkeln festzustellen.
Mit dem Alter steigt die Teilnahme an Veranstaltungen in Seniorenfreizeitstätten, bei den Hochbetagten
aber auch die Einsamkeit. Damit wird die Tatsache unterstrichen, dass die Freizeit ausschließlich allein
zu verbringen nur im Interesse weniger Menschen liegt. Vielmehr wird ein solcher Mangel an sozialen
Kontakten von den Betroffenen eher als eine defizitäre Lebenssituation erlebt und eine positive Veränderung gewünscht.
Das achte Kapitel gibt Auskunft über die Bereitschaft und die Teilnahme von ab 50-Jährigen in MarzahnHellersdorf zum und am bürgerschaftlichen Engagement. Das bürgerschaftliche Engagement ist im Handeln vieler Frauen und Männer ab 50 Jahre im Bezirk fest verankert und hat in den letzten Jahren auch
verstärkt einen Platz in der bezirklichen Seniorenpolitik eingenommen. Es gibt bereits viele Engagierte
unter der Zielgruppe und beachtenswert ist, dass jeder Vierte sich vorstellen kann, sich für Kinder, Jugendliche oder Seniorinnen und Senioren zu engagieren. Als Bereiche der freiwilligen oder ehrenamtlichen Tätigkeit sind der Garten, Bildung/Weiterbildung, Umwelt, Tierschutz und der Sport zu nennen.
Über Bürgerbeteiligungen eröffnen sich für Bürgerinnen und Bürger verschiedene Möglichkeiten einer
Einflussnahme auf das lokalpolitische Geschehen. Am bekanntesten haben sich dabei Stadtteilfeste,
Bürgergespräche und -befragungen sowie Einwohnerversammlungen herausgestellt. Über das Interesse
an allgemeiner Politik lautet der Befund, dass die Hälfte der Zielgruppe sich dafür interessiert, aber das
Interesse für die Bezirkspolitik sich auf ein Drittel reduziert.
Die Analyse der sozialen Beziehungen (neuntes Kapitel) ergab, dass die überwiegende Mehrheit der
Frauen und Männer ab 50 Jahre in Marzahn-Hellersdorf sozial gut eingebunden ist. Sie kann auf ein stabiles Netzwerk von Unterstützerinnen und Unterstützern im Fall von Krankheit oder Hilfen im Alltag
setzen. Der Unterstützer/-innenkreis stammt vorrangig aus dem familiären Umfeld wie (Ehe-)Partner
und Partnerin sowie Kindern und bestätigt erneut die hohe Erwartungshaltung an die Familie einerseits,
aber auch die Zuverlässigkeit der familiären Netzwerke andererseits. Weitere soziale Unterstützung
bietet das vielfältige Netz von Pflegedienstleistern im Bezirk, aber auch die Nachbarschaftsverhältnisse
geraten zunehmend als eine Ressource in den Blick der sozialen Netzwerke.
Ca. ein Fünftel der Zielgruppe hat im öffentlichen Raum Kontakt zu ausländischen Mitbürgerinnen und
Mitbürgern. Über solche Kontakte wird mehrheitlich positiv berichtet und auch Bereitschaft zur Unterstützung von Integration angezeigt.
Die Inanspruchnahme von Beratungsangeboten als Teil der sozialen Beziehungen zwischen Personen
und der Öffentlichkeit ist stark durch die sozialen Belastungen von nicht Wenigen der ab 50-Jährigen
geprägt. Wer über geringe soziale und finanzielle Ressourcen verfügt ist auch weniger in der Lage, ge-

6

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

zielt für sich und die Familie nach Hilfen und Unterstützungsleistungen zu suchen. Das Kapitel gibt des
Weiteren Auskunft zur räumlichen und digitalen Mobilität.
Bewertungen der Lebens- und Wohnbedingungen und Sorgen, die die Menschen ab 50 Jahre bewegen,
stehen im Mittelpunkt der Analysen des zehnten Kapitels - Einstellungen, Wertungen, Erwartungen. Es
zeigt sich, dass die künftigen und aktuellen Seniorinnen und Senioren des Bezirkes insgesamt zufriedener mit ihrem Leben sind als noch vor fünf Jahren. Diese gewachsene Zufriedenheit kommt auch in der
Bewertung verschiedener Lebensbereiche vor allem im privaten Bereich der zwischenmenschlichen
Beziehungen und im nahen Wohnumfeld - wenn auch mit Einschränkungen - zum Ausdruck. Die eigenen
Zukunftsaussichten sind vielfach von Optimismus bestimmt, für einen größeren Teil der ab 50-Jährigen
dagegen etwas eingetrübt. Für Viele bleibt die Zukunft ungewiss. Dabei kommen soziale Faktoren zur
Geltung. Die Ungleichheit in den Lebensbedingungen schlägt sich sichtbar in den Bewertungen derselben und in ihren sozialen Erwartungen an die künftigen Lebensbedingungen nieder. Das wird ebenfalls
anhand der Sorgen der ab 50-Jährigen deutlich. Die Sorgen haben vor allem in finanzieller Hinsicht insgesamt etwas abgenommen, aber grade künftige Rentnerinnen und Rentner, die in ihrem Arbeitsleben
von häufiger und anhaltender Arbeitslosigkeit oder niedrigem Einkommen betroffen sind oder waren,
haben allen Grund, sich Sorge zu machen.
Die Studie „50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015“ wurde im Auftrag des Bezirksamtes MarzahnHellersdorf, Abteilung Gesundheit und Soziales und mit Unterstützung durch das Jobcenter MarzahnHellersdorf vom Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrum Berlin-Brandenburg e.V. (SFZ) durchgeführt. Der Studie wurden die Ergebnisse einer standardisierten Briefbefragung von 10.000 ab
50-jährigen Bürgerinnen und Bürgern des Bezirkes Marzahn-Hellersdorf zu Grunde gelegt, die von Ende
Juni bis Mitte September 2015 erfolgte. Dabei konnten 1.656 Probandinnen und Probanden für die Teilnahme an der Studie gewonnen werden, darunter 54 Prozent Frauen. Von ihnen waren 54 Prozent künftige Senioren im Alter von 50 bis unter 65 Jahren, 26 Prozent junge Alte im Alter von 65 bis unter 75
Jahren, 17 Prozent fortgeschrittene Ältere von 75 bis unter 85 Jahren und 4 Prozent Hochbetagte von 85
Jahren und älter. 6 Prozent der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer verwiesen auf einen Migrationshintergrund. Schwerbehinderte Menschen waren mit einem Anteil von 22 Prozent in der befragten
Klientel vertreten.
Um der interessierten Leserschaft die soziodemographische uns soziale Struktur der Befragungsteilnehmerinnen und -teilnehmer vorzustellen, gibt die Tabelle 1.1 weitere Auskünfte zur Qualifikationsstruktur, zum Erwerbsstatus, zur Haushaltsstruktur, zum Familientyp sowie zur sozialräumlichen Verteilung
der Probandinnen und Probanden und weist den Anteil von schwerbehinderten und pflegebedürftigen
Menschen aus.
Die Studie bemüht sich um eine sozialräumlich differenzierte Aufbereitung der Ergebnisse.

7

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 1.1:

Der Bezirk Marzahn-Hellersdorf und seine Bezirksregionen
BR 1
Marzahn-Nord

BR 2
Marzahn-Mitte

BR 4
Hellersdorf-Nord
BR 5
Hellersdorf-Ost

BR 3
Marzahn-Süd
BR 6
Hellersdorf-Süd

BR 7
Biesdorf

BR 9
Mahlsdorf
BR 8
Kaulsdorf

Gestaltet nach: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Lebensweltlich orientierte Räume im Bezirk Marzahn-Hellersdorf,
Berlin 2010

Methodische Hinweise:
Wenn nicht ausdrücklich ausgewiesen, resultieren alle Aussagen der Studie aus den Ergebnissen der
Befragung „50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015“. Alle in der Studie verwandten Formulierungen
zur Darstellung von Auskünften der Befragten beziehen sich auf die ab 50-jährigen Befragungsteilnehmerinnen und -teilnehmer aus Marzahn-Hellersdorf bzw. auf nach sozio-strukturellen Merkmalen ausgewählte Gruppen von ihnen und sind in der „Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015
(gew.)“ dokumentiert. In den graphischen und tabellarischen Auswertungen auftretende minimale Differenzen entstehen aus Rundungen. Die grauen Unterlegungen in den Tabellen weisen auf hervorgehobene Ergebnisse im Text hin.
Unser Dank gilt allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern an der Befragung, die mit ihren Aussagen Einblick in ihre Lebenssituation und ihre weitere Lebensplanung gewährten. Für fachliche Begleitung, förderliche Kritik, vielseitige Unterstützung danken wir der Abteilung Gesundheit und Soziales des Bezirksamtes Marzahn-Hellersdorf und den im Bezirk tätigen Akteuren auf dem Gebiet der öffentlichen Seniorenarbeit.

8

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 1.1:

Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der SFZ-Befragung „50 und älter in MarzahnHellersdorf 2015“
insgesamt 1.656 auswertbare Datensätze

sozio-strukturelle Merkmale

insgesamt

insgesamt
Geschlecht
weiblich
männlich
Migrationshintergrund
ja
nein
Altersphasen
künftige Senioren: 50 b.u. 65 Jahre
junge Alte: 65 b.u. 75 Jahre
fortgeschrittene Ältere: 75 b.u. 85 Jahre
Hochbetagte: 85 Jahre und älter
berufliche Qualifikation
ohne Abschluss
Facharbeiter
Fachschulabschluss
Hochschulabschluss
ohne Antwort
Erwerbsstatus
Erwerbstätigkeit - Vollzeit
Erwerbstätigkeit - Teilzeit
Arbeitslose
geringfügig Beschäftigte
Nichterwerbstätige
Haushaltsgröße
1 Person
2 Personen
3 Personen
4 und mehr Personen
ohne Antwort
Familientyp
Alleinlebende
Alleinerziehende
mit Partner/Partnerin
mit Partner/Partnerin und Kind/ern
ohne Antwort
Schwerbehindertenausweis
ja
nein
ohne Antwort
Pflegebedürftigkeit
ja
nein
ohne Antwort

Frauen
in Prozent

Männer

100

9

54
46

100

6
94

7
93

5
95

54
26
17
4

51
25
20
4

58
26
13
3

10
52
16
21
2

12
52
17
17
2

8
51
14
26
1

34
6
6
2
52

27
8
6
2
56

41
3
6
3
47

29
61
7
3
0

33
57
7
2
0

23
66
7
3
1

32
2
59
6
1

37
2
54
5
1

26
1
65
7
1

22
76
1

23
76
1

22
77
2

5
93
3

6
92
2

4
93
3

100

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Fortsetzung Tabelle 1.1
Bezirksregion
BR 1 Marzahn-Nord
BR 2 Marzahn-Mitte
BR 3 Marzahn-Süd
BR 4 Hellersdorf-Nord
BR 5 Hellersdorf-Ost
BR 6 Hellersdorf-Süd
BR 7 Biesdorf
BR 8 Kaulsdorf
BR 9 Mahlsdorf

10
15
14
12
6
11
12
7
13

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

10

11
16
13
13
7
12
10
6
12

9
15
15
10
5
10
14
7
15

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

2.

Die ab 50-Jährigen im Bezirk Marzahn-Hellersdorf - ein Sozialporträt

Das Sozialporträt will die soziodemographischen und soziostrukturellen Merkmale der Zielgruppe - der
ab 50-Jährigen aus Marzahn-Hellersdorf - vorstellen. Dabei soll diese Gruppe in ihrer sozialen Einbindung in die Einwohnerschaft des Bezirkes insgesamt und im Vergleich mit ihr dargestellt werden. Das
betrifft sowohl die Einwohnerentwicklung in Marzahn-Hellersdorf, den Altersaufbau, die Geschlechterstruktur und den Wandel des Familienstandes sowie die Haushaltsstrukturen als auch die sozialräumliche Verteilung der Bevölkerung insgesamt und insbesondere der künftigen und aktuellen Seniorinnen
und Senioren im Bezirk sowie deren soziostrukturelle Entwicklungen bezüglich der beruflichen Qualifikation, Erwerbsbeteiligung, Stellung im Beruf und Einkommensentwicklung.
Deshalb werden die längerfristige Entwicklung der ab 50-Jährigen von 2000 bis 2015 und die aktuellen
Charakteristika dieser Gruppe im Vergleich mit der Einwohnerschaft beleuchtet. In diesem Zusammenhang werden Übereinstimmungen und Unterschiede in den Entwicklungsverläufen hervorgehoben, die
bisherigen Grundlinien des demographischen Wandels mit der aktuellen Bevölkerungsprognose der
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt in Bezug gesetzt und in ihrer Relevanz für die bezirkliche Sozialplanung erschlossen. Diese Gesamtsicht auf den Bezirk und seine Einwohnerschaft ermöglicht darüber hinaus auch schon die Feststellung wesentlicher sozialer Bedarfe der älteren Generation und markiert damit wichtige Grundlagen für die bezirkliche Sozialplanung.
Da der Bezirk Marzahn-Hellersdorf und seine Einwohnerschaft immanenter Bestandteil der Stadt Berlin
und ihrer Bevölkerung sind, will das Sozialporträt einleitend den Bezirk und die Zielgruppe in diesen
Rahmen einordnen.
2.1

Die soziodemographische Entwicklung der ab 50-Jährigen innerhalb der Einwohnerschaft von
Marzahn-Hellersdorf von 2000 bis 2015

Die Gruppe der ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf steht als Teil der Bevölkerung (2014 = 256.173
Personen) mit ihrem inhaltsreichen Lebensabschnitt im Fokus dieser Analyse. Betrachtet wird eine
35- bis 40-jährige Zeitspanne, die infolge der gestiegenen Lebenserwartung (Marzahn-Hellersdorf 2013:
Frauen = 82,7 Jahre/Männer 77,9 Jahre)2 durch Zuwachs an Gesundheit und Vermeidung von Kriegen für
die überwiegende Mehrheit der Gruppe den Wandel


von der Erwerbsbeteiligung in die Nichterwerbstätigkeit,



von zeitlicher Gebundenheit durch Arbeit und Familie in neue Möglichkeiten der Einbindung in soziale Netzwerke umfasst



und für das höhere Lebensalter auch den Wandel



von der partnerschaftlichen zu einer singulären Lebensform,



von Aktivität, Mobilität, Gesundheit und vielseitigem Engagement zu Veränderungen in der gesundheitlichen Situation, den Wohnbedürfnissen einschließlich eintretender Hilfe- und Pflegebedürftigkeit einschließt.

2

Vgl. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Berechnung für Berlin vorläufig) - SenGezSoz - IA

11

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

All diese Übergänge vollziehen sich individuell verschieden, sodass „das Alter“ als Lebensphase keinen
homogenen, sondern einen individuell fließenden Verlauf nimmt. Um dieser Realität zu entsprechen,
werden in der Analyse folgende Altersphasen unterschieden3:


künftige Senioren - im Alter von 50 bis unter 65 Jahren,



junge Alte - im Alter von 65 bis unter 75 Jahren,



fortgeschrittene Ältere - im Alter von 75 bis unter 85 Jahren und



Hochbetagte - im Alter von 85 Jahren und älter.

Der individuelle Altersverlauf kann einerseits auf Grund körperlicher, geistiger und mentaler Fitness
positiv beeinflusst und andererseits durch Mobilitätseinschränkungen und Eintritt von Pflegebedürftigkeit eingeschränkt werden.
2.1.1

Einwohnerentwicklung

Die Entwicklung der Einwohnerschaft in Marzahn-Hellersdorf war in der Zeit von 2000 bis 2010 von einem Rückgang der Einwohnerzahl und einem Anstieg derselben seit 2010 bis zur Gegenwart gekennzeichnet. Bei Gründung des Bezirkes im Jahre 2000 lebten 261.191 Bürgerinnen und Bürger in MarzahnHellersdorf. Bis zum Jahre 2010 sank die Einwohnerzahl auf 246.225 ab und stieg seitdem bis zum Jahre
2014 auf 256.173 an.
Eine Betrachtung dieser Entwicklung nach Altersgruppen zeigt im Zeitraum von 2000 bis 2014 einen
Rückgang bei den unter 50-Jährigen und einen Anstieg bei den ab 50-Jährigen an. So reduzierte sich der
Kinderanteil (unter 15 Jahren) von 2000 bis 2010 um 3,4 Prozentpunkte und stieg in den letzten 5 Jahren
wieder um 1,5 Prozentpunkte an. Bei den 15- bis unter 50-Jährigen war eine durchgängig rückläufige
Entwicklung zu verzeichnen. Ihr Anteil sank um 15,4 Prozentpunkte. Demgegenüber verzeichneten die
50- bis unter 65-Jährigen eine Zunahme um 9,1 Prozentpunkte, und der Anteil der ab 65-Jährigen wuchs
um 8,2 Prozentpunkte an (vgl. Abbildung 2.1).

3

Die Bezeichnung der Altersphasen wird in der in der Fachliteratur verwandten geschlechtsneutralen Form verwandt.

12

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 2.1:

2000

Entwicklung der Einwohnerschaft - nach Altersgruppen
- Marzahn-Hellersdorf 2000, 2005, 2010, 2014 - in Prozent -

15,6

2005

10,9

2010

12,2

57,7

54,8

0%

20,7

47,4

13,7

2014

17

10%

20%

30%

unter 15 Jahre

13,5

23,8

42,3

16,6

26,1

40%

50%

15 b.u. 50 Jahre

60%
50 b.u. 65 Jahre

9,7

17,9

70%

80%

90%

100%

65 Jahre u.ält.

Für die Jahre 2000 und 2005 berechnet nach: Fachlich abgestimmter Datenpool der Berliner Verwaltung - Stand Februar 2010,
für die Jahre 2010 und 2014 berechnet nach: Asf/Datenbank/Einwohnerregister 2010: Bez 10 BR jährlich

Die Gruppe der ab 50-Jährigen nimmt im Zusammenhang mit der Einwohnerentwicklung einen besonderen Stellenwert ein. Während sich die Einwohnerzahl insgesamt von 2000 bis 2010 um 14.966 Personen verringerte und erst nach 2010 bis 2014 um 9.948 Personen anstieg, wuchs die Gruppe der ab
50-Jährigen in Folge des demographischen Wandels und im Ergebnis von Zuzug seit 2000 kontinuierlich
um 43.103 Personen an. Damit stieg ihr Anteil an der Bevölkerung des Bezirkes von 26,7 Prozent im Jahr
2000 auf 44,0 Prozent im Jahre 2014 an (vgl. Abbildung 2.2).
Abbildung 2.2:

Entwicklung der ab 50-Jährigen - Marzahn-Hellersdorf 2000 bis 2014
- absolut und in Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner -

300.000

Einwohnerinnen und Einwohner insgesamt
261.191
247.572

250.000

256.173

246.225

200.000

150.000

100.000

ab 50-Jährige
84.778
84.778
(34,2
%)

69.627
69.627
(26,7
%)

112.730
112.730
(44,0
%)

99.618
99.618
(40,5
%)

50.000

0
2000

2005
50 b.u. 65 J.

65 b.u. 75 J.

2010
75 b.u. 85 J.

85 J. u.ält.

2014
insge samt

Für die Jahre 2000 und 2005 berechnet nach: Fachlich abgestimmter Datenpool der Berliner Verwaltung - Stand Februar 2010,
für die Jahre 2010 und 2014 berechnet nach: Asf/Datenbank/Einwohnerregister 2010: Bez 10 BR jährlich

13

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Hervorzuheben ist des Weiteren, dass die ethnische Vielfalt der Einwohnerschaft im Bezirk wächst, diese
Entwicklung sich aber überwiegend in der unter 50-jährigen Bevölkerung vollzieht. Insgesamt hat sich im
Zeitraum von 2000 bis 2014 der Anteil der nichtdeutschen Einwohnerinnen und Einwohner in MarzahnHellersdorf von 3,1 Prozent auf 5,9 Prozent im Jahre 2014 bzw. um 7.048 Personen erhöht. Innerhalb
der Gruppe der ab 50-Jährigen wuchs in diesem Zeitraum der Anteil der nichtdeutschen Einwohnerinnen und Einwohner von 887 auf 2.439 Personen bzw. von 1,3 Prozent auf 2,2 Prozent an.
Die Anzahl der deutschen Einwohnerinnen und Einwohner insgesamt im Bezirk sank in diesem Zeitraum
von 253.129 auf 241.123 Personen, d.h. von 96,9 Prozent auf 94,1 Prozent (vgl. Tabelle 2.1).
Tabelle 2.1:
Jahr

Entwicklung der Einwohnerinnen und Einwohner und der ab 50-Jährigen4
- Marzahn Hellersdorf 2000 bis 2014 insgesamt

Deutsche

Nichtdeutsche

Deutsche

absolut
Einwohnerinnen und Einwohner insgesamt

Nichtdeutsche
in Prozent

2000
2005
2010
2014

261.194
247.569
246.225
256.173

253.129
239.216
237.046
241.123

8.002
8.353
9.179
15.050

96,9
96,6
96,3
94,1

3,1
3,4
3,7
5,9

2000
2005
2010
2014

69.629
84.783
99.618
112.730

68.742
83.695
98.245
110.291

ab 50-Jährige
887
1.088
1.373
2.439

98,7
98,7
98,6
97,8

1,3
1,3
1,4
2,2

Berechnet nach: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Einwohnerregister https://www.statistik-berlin-brandenburg.de/datenbank/inhalt-datenbank.asp, Berlin 2015

Im Jahre 2014 waren von den 256.173 Einwohnerinnen und Einwohnern des Bezirkes 241.123 Deutsche
(94,1 Prozent), darunter 86,5 Prozent ohne Migrationshintergrund und 7,6 Prozent mit Migrationshintergrund - vor allem viele Spätaussiedlerinnen und -aussiedler sowie 15.050 Nichtdeutsche (5,9 Prozent). Von den ab 50-jährigen Einwohnerinnen und Einwohnern waren 110.291 Deutsche (97,8 Prozent),
darunter 93,4 Prozent Deutsche ohne Migrationshintergrund und 4,4 Prozent mit Migrationshintergrund
und 2.439 Nichtdeutsche (2,2 Prozent).

4

Für den längerfristigen Vergleich ist auf Grund der Ausweisungen in der amtlichen Statistik von 2000 bis 2005
nur eine Unterscheidung zwischen Deutschen und Nichtdeutschen möglich, ab 2010 wird auch die Gruppe der
Deutschen mit Migrationshintergrund dokumentiert.

14

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

2.1.2

Altersstruktur der ab 50-Jährigen

Die längerfristige Betrachtung der Altersstruktur der ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf will sowohl
auf das differenzierte Anwachsen der einzelnen Altersphasen als auch auf die relative Stabilität in der
Verteilung zwischen denselben aufmerksam machen.
Die zahlenmäßige Vergrößerung der Gruppe der ab 50-Jährigen von 2000 bis 2014 verteilte sich zwischen den Altersphasen unterschiedlich und


zeigte nominal den größten Zuwachs um 22.460 Personen bei den künftigen Senioren. Das entsprach einem Anwachsen um 50,6 Prozentpunkte gegenüber dem Jahre 2000;



vollzog sich bei den jungen Alten mit einem Anstieg um 9.677 Personen, d.h. gegenüber 2000 um
60,7 Prozentpunkte;



verzeichnete bei den fortgeschrittenen Älteren einen Zuwachs von 9.457 Personen bzw. um 144,9
Prozentpunkte. Damit erreichten die fortgeschrittenen Älteren die stärkste prozentuale Zunahme;



betrug bei den Hochbetagten eine Zunahme um 1.507 Personen, das führte gegenüber 2000 zu
einem Anstieg um 53,1 Prozentpunkte (vgl. Abbildung 2.3).

Die Verteilung der ab 50-Jährigen zwischen den Altersphasen lässt für den Zeitraum zwischen 2000 und
2014 quantitative Verschiebungen vor allem bei den künftigen Senioren und den fortgeschrittenen Älteren erkennen. Über die Jahre hinweg verringerte sich der Anteil der künftigen Senioren an den ab
50-Jährigen um -4,4 Prozentpunkte. Der Anteil der jungen Alten kehrte nach einem Anstieg in den Jahren 2005 und 2010 zum Ausgangsniveau zurück. Der Anteil der Hochbetagten ließ nur minimale Veränderungen erkennen (vgl. Abbildung 2.4).
Abbildung 2.3/2.4:

Entwicklung der ab 50-Jährigen nach Altersphasen - Marzahn-Hellersdorf 2000 bis
2014 - absolut und in Prozent - absolut -

- in Prozent 4.346
3.244
12.347

100.000
2.689
9.316
2.839
6.525

50.000

15.982

63,6

2000

25.630

60,4

2005

25.391

22,9

25,4

9,4

4,1

11

3,2

12,4

3,3

21.543

15.953

44.312

51.235

58.636

2010

58,9

2014

59,2

25,5

66.772
22,7

14,2

3,9

0
2000

2005
50 b.u. 65 Jahre

65 b.u. 75 Jahre

2010
75 b.u. 85 Jahre

0

2014

20
50 b.u. 65 Jahre

85 Jahre u.ält.

40
65 b.u. 75 Jahre

60
75 b.u. 85 Jahre

80

100

85 Jahre u.ält.

Für die Jahre 2000 und 2005 berechnet nach: Fachlich abgestimmter Datenpool der Berliner Verwaltung - Stand Februar 2010,
für die Jahre 2010 und 2014 berechnet nach: Asf/Datenbank/Einwohnerregister 2010: Bez 10 BR jährlich

Im Jahre 2014 lebten im Bezirk Marzahn-Hellersdorf insgesamt 112.730 ab 50-jährige Bürgerinnen und
Bürger. Die Verteilung der ab 50-Jährigen nach Altersphasen weist die künftigen Senioren mit 66.772
Personen als die größte Gruppe aus. Sie umfasst 59,2 Prozent aller ab 50-Jährigen im Bezirk. Der Frauenanteil bei den künftigen Senioren beträgt 51,5 Prozent. 3,1 Prozent (1.136 Personen) der künftigen
Senioren in Marzahn-Hellersdorf sind Nichtdeutsche.
22,7 Prozent der ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf (25.630 Personen) gehörten zu den jungen Alten, darunter 51,2 Prozent Frauen. Von ihnen insgesamt waren 1,1 Prozent nichtdeutsche Mitbür-

15

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

gerinnen und Mitbürger (270 Personen). Die Gruppe der fortgeschrittenen Älteren zählte im Jahre 2014
in Marzahn-Hellersdorf 15.982 Personen (14,2 Prozent), darunter 58,2 Prozent Frauen. Die Gruppe weist
einen Anteil Nichtdeutscher von 4,3 Prozent aus. Hochbetagte sind unter den ab 50-Jährigen mit
3,9 Prozent (4.346 Personen) vertreten, davon 72,6 Prozent Frauen. In dieser Gruppe beträgt der Anteil
der Nichtdeutschen 1,0 Prozent, das sind 24 Personen (vgl. Abbildungen 2.5 und 2.6).
Abbildung 2.5/2.6:
100

Männer

95
90
85
80
75
70
65
60
55

Altersaufbau der Einwohnerinnen und Einwohner insgesamt und nach ethnischer
Herkunft - Marzahn-Hellersdorf 2014 100

Frauen

95

Hochbe tagte
85 Jahre und älte r

90

fortge schritte ne Älte re
75 b.u. 85 Jahre

80

Männer

Frauen

Hochbe tagte
8 5 Jahre und älte r

85
fortge schritte ne Älte re
7 5 b.u. 85 Jahre

75

junge Alte
65 b.u. 75 Jahre

70
65

künftige
Se niore n
50 b.u. 65
Jahre

60
55

junge Alte
6 5 b.u. 75 Jahre
künftige
Se niore n
5 0 b.u. 65
Jahre

50

50

45

45

40

40

35

35

30

30

25

25

20

20

15

15

10

10

5

5

unte r 1
3000

0
3.000

1.500
Männe r

0

Männe rübe rschuss

1.500
Fraue n

3.000

Fraue nübe rschuss

Auslände r
Auslände rinne n

1500

0

dt.Männe r m. Migrat.hinte rgrund
dt. Fraue n m. Migrat.hinte rgrund

1500

3000

dt.Männe r o. Migrat.hinte rgrund
dt.Fraue n o. Migrat.hinte rgrund

Berechnet nach: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Einwohnerregister https://www.statistik-berlin-brandenburg.de/datenbank/inhalt-datenbank.asp, Berlin 2015

2.1.3

Geschlechterstruktur der ab 50-Jährigen

Die Geschlechterstruktur der Einwohnerschaft von Marzahn-Hellersdorf insgesamt ist trotz lebhafter
Bevölkerungsentwicklungen seit dem Jahr 2000 bis zur Gegenwart relativ stabil geblieben. So lebten im
Jahre 2000 in diesem Bezirk 51,1 Prozent Frauen und 48,9 Prozent Männer; im Jahre 2005 hatte sich die
Geschlechterstruktur um 0,6 Prozent zugunsten der Männer (49,5 Prozent) verschoben. In den folgenden Jahren (2010 = 50,7 Prozent und 2014 = 50,8 Prozent) gab es einen leichten Zuwachs beim Frauenanteil (vgl. Tabelle 2.2).

16

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 2.2:

Geschlechterstruktur der Einwohnerschaft von Marzahn-Hellersdorf insgesamt
- 2000, 2005, 2010, 2014 - absolut und in Prozent -

Jahr

Personen

in Prozent

insgesamt

männlich

weiblich

männlich

weiblich

2000

291.337

142.497

148.840

48,9

51,1

2005

250.413

123.905

126.508

49,5

50,5

2010

246.225

121.334

124.891

49,3

50,7

2014

256.173

125.968

130.205

49,2

50,8

Berechnet nach: Fachlich abgestimmter Datenpool der Berliner Verwaltung für 2000, 2005 - Stand Februar 2010; Asf/Datenbank/Einwohnerregister 2010 und 2014: Bez 10 BR jährlich

Die demographische Entwicklung der ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf hingegen lässt seit 2000 bis
in die Gegenwart strukturelle Veränderungen nach Geschlecht erkennen. Während bei den 50- bis unter
65-Jährigen die Geschlechterstruktur mit der der Einwohnerschaft insgesamt korrespondiert, treten bei
den höheren Altersphasen deutliche Veränderungen derselben hervor. Seit dem Jahre 2000 zeigt sich
bei ab 65-Jährigen in allen Altersphasen infolge der Zunahme der Lebenserwartung sowohl auf Grund
verbesserter Gesundheitsfürsorge und der Verbreitung einer gesunden Lebensweise als auch und im
Besonderen wegen der Nichtbeteiligung an Kriegen seit 1945 ein kontinuierlicher Anstieg des Anteils der
Männer (vgl. Abbildung 2.7).
Abbildung 2.7:
50 b.u. 65 J.
2014
2010
2005
2000
65 b.u. 75 J.
2014
2010
2005
2000
75 b.u. 85 J.
2014
2010
2005
2000
85 J. u.ält.
2014
2010
2005
2000

Veränderung der Geschlechterstruktur von ab 50-Jährigen nach Altersphasen
- Marzahn-Hellersdorf von 2000 bis 2014 - in Prozent 49

51

49

51

51

49

51

49

49

51

47

53

46

54

40

60

42

58

40

60

35

65

28

72

27

73

23

77

22

78

20

0

10

80

20

30

40

50
Männer

60

70

80

90

100

Frauen

Berechnet nach: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Einwohnerregister https://www.statistik-berlin-brandenburg.de/datenbank/inhalt-datenbank.asp, Berlin 2015

Die aktuelle Geschlechterstruktur der Zielgruppe insgesamt wird durch 53,2 Prozent Frauen und
46,8 Prozent Männer bestimmt. Im Jahre 2014 gab es bei den ab 50-Jährigen mit Ausnahme des
68. Altersjahres einen durchgehenden und mit zunehmendem Alter ansteigenden Frauenüberschuss
(Fr-Ü).

17

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Während dieser bei den künftigen Senioren (50 bis unter 65 Jahre Fr-Ü = 2,9 Prozent) und bei den jungen Alten (65 bis unter 75 Jahre Fr-Ü = 2,4 Prozent) durchschnittlich sehr gering ist, steigt er in den höheren Altersphasen deutlich an. Er betrug bei fortgeschrittenen Älteren (75 bis unter 85 Jahre) 16,7 Prozent und bei den Hochbetagten (85 Jahre und älter) 47,7 Prozent (vgl. Abbildung 2.8).
Abbildung 2.8:

Veränderung der Geschlechterstruktur im Altersverlauf - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2014 - in Prozent Männer

Altersjahre

Frauen

50 Prozent

50
55
60
65
70
75
80
85
90
95 u.ält.
0

10

20

30

40

50

60

70

80

90

100

Berechnet nach: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, https://www.statistik-berlin-brandenburg.de; Datenbank: Einwohnerregister, https://www.statistik- berlin-brandenburg.de/

In den höheren Altersphasen nimmt hier wie bundesweit auf Grund der höheren Lebenserwartung der
Frauen jenseits des 75. Altersjahres deren Anteil an der Wohnbevölkerung verstärkt zu und führt bei
den fortgeschrittenen Älteren und bei den Hochbetagten zu einer sukzessiven Feminisierung.
An dieser Stelle soll auf die Unterschiede in der Geschlechterstruktur der ab 50-Jährigen insgesamt und
der gleichaltrigen Nichtdeutschen aufmerksam gemacht werden. Während bei den überwiegend deutschen Einwohnerinnen und Einwohnern vor allem die höhere Lebenserwartung von Frauen zu Buche
schlägt und sich in den Altersgruppen ab dem 70. Lebensjahr eine fortschreitende Feminisierung durchsetzt, verläuft es bei den nichtdeutschen Einwohnerinnen und Einwohnern sichtbar anders (vgl. Abbildung 2.9).

18

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 2.9:

Geschlechterstruktur der ab 50-Jährigen insgesamt und der Nichtdeutschen
- nach Altersgruppen - Marzahn-Hellersdorf am 31.12.2014 - in Prozent insgesamt

Nichtdeutsche

100

80

51

52

51

51

52

44
57

61

45

47

56

54

49

56

60

69
80

60

84
100

40
49

48

49

50

48

20

56
43

40

55

53

44

46

51

44

40

31
20

16
0

0
50
55
60
65
70
75
80
85
9 0 9 5 J.
b.u. b.u. b.u. b.u. b.u. b.u. b.u. b.u. b.u. u.ält.
5 5 J. 6 0 J. 6 5 J. 7 0 J. 7 5 J. 8 0 J. 8 5 J. 9 0 J. 9 5 J.
Männe r

50
55
60
65
70
75
80
85
9 0 9 5 J.
b.u. b.u. b.u. b.u. b.u. b.u. b.u. b.u. b.u. u.ält.
5 5 J. 6 0 J. 6 5 J. 7 0 J. 7 5 J. 8 0 J. 8 5 J. 9 0 J. 9 5 J.
Fraue n

Berechnet nach: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Einwohnerregister https://www.statistik-berlin-brandenburg.de/datenbank/inhalt-datenbank.asp, Berlin 2015

Durch anfänglich überwiegende Zuwanderung von männlichen Arbeitskräften und einen späteren Familiennachzug bzw. eine Familiengründung außerhalb des Herkunftslandes wurde über viele Jahre in dieser Gruppe eine günstigere Geschlechterstruktur als bei der einheimischen Mehrheit begründet. In den
Altersgruppen ab dem 80. Lebensjahr setzt sich auch bei den nichtdeutschen Einwohnerinnen und Einwohnern die Feminisierung durch.
2.1.4

Wandel des Familienstandes

Abbildung 2.10:

Wandel des Familienstandes der Einwohnerschaft - Marzahn-Hellersdorf 2000, 2005,
2010, 2014 - in Prozent -

44,4

39,2

10,9

5,5

43,3

40,6

10,8

5,3

43,1

41,6

10,3

2014

2010

2005

43,6

2000

0

42,8

20

40
ledig

verheiratet

60
geschieden

9,1

80

5,0
5

4,5

100

verwitwet

Berechnet nach: Online-Tabellen Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: https://www.statistik-berlin-brandenburg.de/statistiken/statistik_ot.asp?sageb=12011&PTyp=600&creg=B&anzwer=5&bok=1&bbok=1: Amt für Statistik BBB/Einwohnerregister/
Famstand: Bez 10-Partnerschaft m-w-i-MH jährlich

19

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Die Struktur des Familienstandes differenziert sich nach Geschlecht. Sie weist seit 2000 bei den Männern die Ledigen und bei den Frauen von 2000 bis 2010 die Verheirateten als die jeweils größte Gruppe
aus; im Jahre 2014 nahmen bei den Frauen die Ledigen diesen Platz ein. Während bei den Männern die
Geschiedenen über die Jahre einen Anteil von unter 10 Prozent einnahmen, lagen die geschiedenen
Frauen bei mehr als 10 Prozent. Der Anteil der Verwitweten war bei den Frauen wesentlich größer als
bei den Männern (vgl. Tabelle 2.3).
Tabelle 2.3:
Jahr

Entwicklung des Familienstandes* der Einwohnerschaft - nach Geschlecht
- Marzahn-Hellersdorf 2000, 2005, 2010, 2014 - absolut und in Prozent -

insgesamt

ledig

verheiratet

geschieden

verwitwet

insgesamt

ledig

Männer

verheiratet

geschieden

verwitwet

Frauen
absolut

2014**

125.944

61.110

50.127

11.855

2.852

130.190

52.647

50.204

16.038

11.301

2010**

121.331

57.524

49.838

11.462

2.507

124.880

49.017

50.068

15.147

10.648

2005

122.101

57.303

51.535

11.030

2.233

125.468

49.329

51.490

14.418

10.231

2000

128.756

60.623

55.976

10.214

1.943

132.438

53.209

55.768

13.629

9.832

2014**

100

48,5

39,8

9,4

2,3

100

40,4

38,6

12,3

8,7

2010**

100

47,4

41,1

9,4

2,1

100

39,3

40,1

12,1

8,5

2005

100

46,9

42,2

9,0

1,8

100

39,3

41,0

11,5

8,2

2000

100

47,1

43,5

7,9

1,5

100

40,2

42,1

10,3

7,4

in Prozent

*

Auf Grund der geringen Anzahl eingetragener Lebensgemeinschaften bzw. durch Partnerverlust oder Trennung aufgehoben
Lebensgemeinschaft wurden diese den traditionellen Gliederungen zugeordnet.
** Nicht berücksichtigt wurden im Jahr 2010 14 Personen und 2014 39 Personen, deren Familienstand nicht bekannt war.
Berechnet nach: Online-Tabellen Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: https://www.statistik-berlin-brandenburg.de/statistiken/statistik_ot.asp?sageb=12011&PTyp=600&creg=B&anzwer=5&bok=1&bbok=1: Amt für Statistik BBB/Einwohnerregister/
Famstand: Bez 10-Partnerschaft m-w-i-MH jährlich

Bezogen auf die Entwicklung des Familienstandes der ab 50-Jährigen ist längerfristig zu verzeichnen,
dass noch immer die eheliche Gemeinschaft dominiert. Der sich vollziehende Wandel der Familienstrukturen - ausgewiesen in der Zunahme der Lebensgemeinschaften - vollzieht sich in der Zielgruppe langsamer als bei den unter 50-Jährigen. Während das Landesamt für Statistik für das Jahr 2000 noch keine
eingetragenen Lebensgemeinschaften von ab 50-Jährigen ausweist, wurden für 2005 in MarzahnHellersdorf 97 gezählt, darunter 30 eingetragene Lebenspartnerschaften bei ab 50-Jährigen, im Jahre
2010 waren es insgesamt 237 eingetragene Lebensgemeinschaften, darunter 76 bei ab 50-Jährigen, und
im Jahre 2014 wurden 411 Lebensgemeinschaften registriert, darunter 172 bei ab 50-Jährigen. Diese
wurden gleichgestellt den ehelichen Gemeinschaften zugerechnet.
Innerhalb der Gruppe der 50-Jährigen überwiegt in allen Altersphasen bei Männern der Partnerhaushalt,
bei den Frauen trifft das für die unter 85-Jährigen zu. Im Gefolge der steigenden Lebenserwartung insbesondere bei Männern vollzog sich - wie der 5-Jahresvergleich unterstreicht - in allen Altersphasen ein
bei Männern und Frauen differenzierter Anstieg des Anteils der Partnerschaften. Zugleich wurde auffällig, dass in der Altersphase der 50- bis unter 65-Jährigen bei Frauen und Männern sowie vor allem bei
65- bis unter 75-jährigen Männern der Anteil der Geschiedenen zunimmt. Das bedeutet eine potenzielle

20

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Zunahme der männlichen Alleinlebenden. Im höheren Lebensalter führt Partnerverlust zur zunehmenden Feminisierung. So überwiegt bei den hochbetagten Frauen die Verwitwung (vgl. Abbildung 2.11).
Abbildung 2.11:

Veränderung des Familienstandes einschließlich eingetragener Lebenspartnerschaften - nach Altersphasen - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2000, 2005,
2010, 2014 - in Prozent* -

50- b.u. 65 J.
20
2014 2
19
2010 2
16
2005 2
14
2000 3
65 b.u. 75 J.
14
2014 6
12
2010 6
7
11
2005
8
8
2000
75 b.u. 85 J.
15
9
2014
16
7
2010
18
5
2005
22
5
2000
85 J. u.ält.
36
2014
42
2010
41
2005
49
2000
100

80
le dig
Se rie s 5

Männer

Frauen

65
70
75
78

13
9
7
5

76
78
79
82

4
4
3
2

74
75
76
72
4

1

1

3

60

1

1

1

47

40

1

20

ve rhe irate t/e inge trag. LP
Se rie s 6

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent

64
67
70
69

4
5
5
5

2 5
2 5
6
7
59
55
54

2
4

8
7
6
6

21
20
17
17

59
57
55
50
39
35
28
22

17
16
16

13

20

Se rie s 7

53
59

12

5
13
12
6
8
11
5 7
10
5 5 10

0

42
46

14

ge schie de n/LP aufge hobe n

20
22
24
30

15
14

7
6
7
8

70
75
78
80

40

60

80

100

ve rwitwe t/LP ve rstorbe n
Se rie s 8

Berechnet nach: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: 2000 bis 2005 - Melderechtlich registrierte Einwohner am Ort der Hauptwohnung in Marzahn und Hellersdorf jeweils am 31.12. nach Alter, Geschlecht, Familienstand; 2010 und 2014:
https://www.statistik-berlin-brandenburg.de/statis/login.do?guest=guest&db=EWRBEE

Der Wandel der Familienstrukturen, wie er bereits in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts
einsetzte, führt auch bei den ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf zu einer Zunahme von Lebensgemeinschaften und Alleinlebenden und setzt sich bis in die Gegenwart fort.
Am Jahresende 2014 waren von der Gruppe 68 Prozent verheiratet, davon 4 Prozent in eingetragener
Lebensgemeinschaft, 6 Prozent ledig, 12 Prozent geschieden und 13 Prozent verwitwet (1 Prozent =
ohne Antwort). Die Gesamtheit der ab 50-jährigen Frauen war zu 61 Prozent verheiratet, davon lebten
4 Prozent in einer Lebensgemeinschaft, 4 Prozent sind ledig geblieben, 14 Prozent geschieden und
18 Prozent waren verwitwet. Bei den Männern waren 75 Prozent verheiratet, davon 5 Prozent in einer
eingetragenen Lebenspartnerschaft. Neben 8 Prozent Ledigen waren weitere 10 Prozent geschieden
und 7 Prozent verwitwet. Die höhere Verheirateten- und geringe Verwitwetenquote der Männer entspricht dem bundesweiten Trend und ist auf die häufigere Wiederverheiratung von Männern als von
Frauen nach Scheidung oder Verwitwung zurückzuführen. Auf Grund der unterschiedlichen Lebenserwartung der Geschlechter ist es Frauen vor allem im höheren Alter kaum möglich, einen neuen Partner
zu finden (vgl. Abbildung 2.12).
Der Wandel des Familienstandes im weiteren Lebensverlauf bei den ab 50-Jährigen wird im Unterschied
zu den jüngeren Jahrgängen auch in Marzahn-Hellersdorf vor allem durch den Partnerverlust und die
damit eintretende Singularisierung - vor allem von Frauen - bestimmt.

21

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 2.12:

Struktur des Familienstandes der Einwohnerinnen und Einwohner in MarzahnHellersdorf und Veränderungen bei ab 50-Jährigen - 2014/2015 - in Prozent* -

Familienstand der Bevölkerung
in Marzahn-Hellersdorf 2014**

Veränderung des Familienstandes der
ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersorf 2015
Männer
50 b.u. 55 J. 3 10 3

71

0

55 b.u. 60 J.

40,6

1

5 11 2

60 b.u. 65 J. 2 12 4
65 b.u. 70 J.

Frauen
13

8

66

72

9 6

71

73

9 7

2 17

64

6 73

81

21

70 b.u. 75 J.

13

63

10 2

55

75 b.u. 80 J.

9 73

77

41

54

80 b.u. 85 J.

19

1

3 15 5 3

1

64

14

4

14
13 5

3 14

4,7
43,6

11,1

85 J. u.ält.

7

74

37

100

ledig
geschieden/LP aufgehoben

12 2

80

verheiratet/eingetragene LP
verwitwet/LP verstorben

4

63

60

40

1

20

0

3 12
1

38
24

7

37

20

32

15

20

28

5

55

40

60

6

80

100

verheiratet-LP/getrennt lebend
ohne Antw.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent
** ohne Antwort = in der amtlichen Statistik nicht ausgewiesen
Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: https://www.statistik-berlin- brandenburg.de/statis/login.do?guest=guest&db=EWRBEE
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

2.1.5

Entwicklung der Haushaltsstrukturen von 2000 bis 2014/2015 in Marzahn-Hellersdorf
insgesamt und bei ab 50-Jährigen

Unter einem Privathaushalt werden zusammen wohnende und zusammen wirtschaftende Gemeinschaften von Personen (Mehrpersonenhaushalte) sowie allein wohnende und wirtschaftende Personen
(1-Personen-Haushalte) verstanden. Einem Mehrpersonenhaushalt können sowohl miteinander verwandte als auch familienfremde Personen angehören. Die Mehrheit der privaten Mehrpersonenhaushalte wird von Familien bzw. Lebensgemeinschaften geführt.
Die Veränderungen des Familienstandes und der Lebensformen spiegeln sich auch in der Entwicklung
der Haushaltsstrukturen wider. Während in der Zeit von 2000 bis 2014 in der Einwohnerschaft insgesamt die 1-Personen-Haushalte von 34,3 Prozent auf 43,9 Prozent um 9,6 Prozentpunkte anstiegen und
demgegenüber die Mehrpersonenhaushalte in diesem Zeitraum von 65,7 Prozent auf 56,1 Prozent zurückgingen, verlief dieser Prozess bei den ab 50-Jährigen wesentlich langsamer. In dieser Gruppe wuchs
der Anteil der Singlehaushalte insgesamt von 22 Prozent auf 29 Prozent an. Die Mehrpersonenhaushalte
verringerten sich in diesem Zeitraum von 77 Prozent auf 71 Prozent. Dabei ist hervorzuheben, dass der
Rückgang der Mehrpersonenhaushalte insbesondere von den 3- sowie 4- und mehr-Personen-Haushalten getragen wird. Der Anteil der Partnerhaushalte hat sich nur geringfügig verändert.

22

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 2.13:

Veränderungen der Haushaltsstrukturen der Bevölkerung und der ab 50-Jährigen in
Marzahn-Hellersdorf 2000, 2005, 2010 und 2014/2015 - in Prozent Einwohnerinnen und Einwohner insgesamt

22,5

21,4

36,6

21,5

22,2

37,7

2014
2010
2005
2000

19,4

19,6

17,1

17,2

7,7

12,0
12

12,8

5,9

16,1

35,8
35, 7

9,2

18,7

32,0
32

14,9

ab 50-Jährige
2015
2010
2005
2000

18

11

16

9

17

6

17

7

63
64

4

1-Pers-Hh-weibl.

61

60
1-Pers-Hh-männl.

2-Pers-Hh

12
3-Pers-Hh

4- u.mehr Pers-Hh

3

9

21

10

3
5

2

ohne Antw.

* 1-Pers-Hh nach Geschlecht - in der amtl. Statistik nicht für alle Jahre ausgewiesen
Berechnet nach: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Ergebnisse des Mikrozensus 2000, 2005, 2010, 2014 - Haushalte, Familien und Lebensformen, jeweils Tabelle 6.2 und sfz/50 und älter in Hellersdorf und Marzahn 2000, sfz/50 und älter in MarzahnHellersdorf 2005, 2010, 2015 (gew.)

Die 1-Personen-Haushalte nahmen über den gesamten Betrachtungszeitraum die am stärksten ausgeprägte Position ein. In diesen Haushalten leben junge Alleinlebende während der Ausbildung und vor
einer Familiengründung, Menschen unterschiedlichen Alters, die sich langfristig für ein Singledasein
entschieden haben, und durch Scheidung oder Verwitwung singularisierte Personen. In dieser Gesamtheit zeigt sich in Marzahn-Hellersdorf langfristig wie aktuell eine ausgewogene Besetzung der 1-Personen-Haushalte durch Frauen und Männer.
Im Gegensatz dazu dokumentiert sich bei der Besetzung der 1-Personen-Haushalte der ab 50-Jährigen
nach Geschlecht seit 2000 bis in die Gegenwart eine Dominanz der Haushalte von alleinlebenden Frauen. Zugleich wird eine Zunahme des Anteils der von Männern geführten 1-Personen-Haushalte unverkennbar. Während über den gesamten Betrachtungszeitraum der Anteil der weiblich geführten Haushalte stabil blieb, stieg der Anteil der Haushalte von alleinlebenden Männern um sieben Prozentpunkte an.
(siehe Abbildung 2.13).
Die aktuelle Struktur aller privaten Haushalte in Marzahn-Hellersdorf wurde nach Angaben der amtlichen Statistik im Jahre 2014 von 43,9 Prozent 1-Personen-Haushalten und 56,1 Prozent Mehrpersonenhaushalten gebildet. Die Mehrpersonenhaushalte wurden mit 36,6 Prozent als 2-Personen-Haushalte,
12,0 Prozent als 3-Personen-Haushalte und 7,7 Prozent als Vier- und mehr-Personen-Haushalte ausgewiesen. Das sind hauptsächlich Haushalte von Ehepaaren oder Lebensgemeinschaften, es gehören des
Weiteren Haushalte von Alleinerziehenden mit Kind/Kindern bzw. Paaren und/oder Alleinlebenden
nebst einem zu pflegenden Angehörigen dazu.
Betrachtet man hingegen die aktuelle Haushaltsstruktur der ab 50-Jährigen im Bezirk, so traten auch in
der Analyse für 2015 erhebliche Unterschiede zur Gesamtheit der privaten Haushalte hervor. Innerhalb
dieser Gruppe dominieren mit 61 Prozent die 2-Personen-Haushalte. Erst danach folgen mit 29 Prozent

23

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

die 1-Personen-Haushalte sowie mit 7 Prozent die 3-Personen-Haushalte und mit 3 Prozent die 4- und
mehr-Personen-Haushalte. Wie aus der folgenden Abbildung zu entnehmen ist, differenziert sich die
Haushaltsstruktur dieser Gruppe tiefergehend nach Altersphasen und Geschlecht.
Abbildung 2.14:

Struktur der privaten Haushalte - Marzahn-Hellersdorf 2014/2015 - in Prozent* -

private Haushalte insgesamt
2014

private Haushalte von ab 50-Jährigen 2015
Männer
ab 50-Jährige
insgesamt

37

Frauen

66

1

23

33

57

72

1

darunter

43,9

5 10

50 b.u. 65 J.

1

65 b.u. 75 J.

10

62

22

23

61

12 4

7,6
36,6

12

4

68

75 b.u. 85 J. 3

74

1

85 J. u. ält. 3
100

Einpersonenhaushalt

Zweipersonenhaushalt

27

22

70
80

34

48

27

60

40

Dreipersonenhaushalt

20

63

50

72
0

20

3

40

2

24
60

Vier- und Mehrpersonenhaushalt

80

4
100

ohne Antw.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent
** private Haushalte insgesamt = ohne Antw. - nicht ausgewiesen
Berechnet nach: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Ergebnisse des Mikrozensus im Land Berlin 2014, Berlin, Nov. 2015;
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Mit zunehmendem Alter vergrößert sich in Folge von Partnerverlust bei Frauen und Männern der Anteil
der 1-Personen-Haushalte. Zugleich wird ein Rückgang bei den Mehrpersonenhaushalten sichtbar. Insbesondere der Anteil der Haushalte mit drei und mehr Personen sinkt bis auf wenige Mehrgenerationenhaushalte ab.
Darüber hinaus soll auf geschlechtsspezifische Veränderungen der Haushaltsstrukturen bei den ab
50-Jährigen im Altersverlauf hingewiesen werden. Mit zunehmendem Alter leben wesentlich mehr
Frauen als Männer in 1-Personen-Haushalten. Demgegenüber sind Männer bis ins hohe Alter mehrheitlich in Mehrpersonenhaushalte, davon überwiegend in Partnerhaushalte, eingebunden. Diese Konstellation spiegelt sich in geschlechtsspezifischen Bedarfen bezüglich kommunikativer, wohnungsbezogener,
infrastruktureller, lebenspraktischer, kultureller sowie gesundheitsbezogener und pflegerischer Angebote wider.
2.2

Die sozialräumliche Verteilung der ab 50-Jährigen im Bezirk Marzahn-Hellersdorf 2014

Der Bezirk Marzahn-Hellersdorf untergliedert sich in neun Bezirksregionen. Diese bilden zugleich eine
wichtige Grundlage für die bezirkliche Sozialplanung. Die hier vorgenommene Unterteilung der Bevölkerung in Deutsche ohne Migrationshintergrund, Deutsche mit Migrationshintergrund und Nichtdeutsche
zeigt die aktuelle ethnische Vielfalt im Bezirk. Die Tabelle 2.4 gibt für das Jahr 2014 Auskunft über den
Anteil der Einwohnerinnen und Einwohner der Bezirksregionen an der Einwohnerschaft des Bezirkes
insgesamt und informiert zugleich über die Struktur der Einwohnerinnen und Einwohner in den einzelnen Bezirksregionen nach ethnischer Herkunft und Staatsangehörigkeit (vgl. Tabelle 2.4).

24

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 2.4:

Sozialräumliche Verteilung der Einwohnerinnen und Einwohner - nach Bezirksregionen sowie nach ethnischer Herkunft und Staatsangehörigkeit
- Marzahn-Hellersdorf 2014 - absolut und in Prozent Einwohnerinnen/Einwohner absolut

Anteil am Bezirk

Struktur der Bezirksregionen

Deutsche
ohne
Migrationshintergrund

Deutsche mit
Migrationshintergrund

Nichtdeutsche

insgesamt

Deutsche
ohne
Migrations
hintergrund

Deutsche
mit
Migrationshintergrund

Nichtdeutsche

insgesamt

Deutsche
ohne
Migrationshintergrund

Deutsche
mit
Migrationshintergrund

Nichtdeutsche

insgesamt

221.535

19.588

15.050

256.173

100

100

100

100

86,5

7,6

5,9

100

BR 1 Marzahn-Nord

18.375

3.065

1.831

23.271

8,3

15,6

12,2

9,1

79,0

13,2

7,9

100

BR 2 Marzahn-Mitte

38.279

4.534

3.291

46.104

17,3

23,1

21,9

18,0

83,0

9,8

7,1

100

BR 3 Marzahn-Süd

30.835

3.783

2.480

37.098

13,9

19,3

16,5

14,5

83,1

10,2

6,7

100

BR 4 Hellersdorf-Nord

28.185

3.059

2.708

33.952

12,7

15,6

18,0

13,3

83,0

9,0

8,0

100

BR 5 Hellersdorf-Ost

17.213

982

1.435

19.630

7,8

5,0

9,5

7,7

87,7

5,0

7,3

100

BR 6 Hellersdorf-Süd

21.888

1.526

1.082

24.496

9,9

7,8

7,2

9,6

89,4

6,2

4,4

100

BR 7 Biesdorf

22.997

1.288

1.285

25.570

10,4

6,6

8,5

10,0

89,9

5,0

5,0

100

BR 8 Kaulsdorf

17.713

541

364

18.618

8,0

2,8

2,4

7,3

95,1

2,9

2,0

100

BR 9 Mahlsdorf

26.050

810

574

27.434

11,8

4,1

3,8

10,7

95,0

3,0

2,1

100

Bezirk
Bezirksregionen

Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, https://www.statistik-berlin-brandenburg.de; Datenbank: Einwohnerregister,
https://www.statistik-berlin-brandenburg.de/

Als bevölkerungsreichste Bezirksregion (hier und in folgenden Kapiteln: BR) präsentierte sich im Jahre
2014 mit 46.104 Einwohnerinnen und Einwohnern (18,0 Prozent der Bevölkerung des Bezirkes)
Marzahn-Mitte - BR 2, gefolgt von Marzahn-Süd - BR 3 - mit 37.098 Einwohnerinnen und Einwohnern
(14,5 Prozent). Die wenigsten Einwohnerinnen und Einwohner lebten in Kaulsdorf - BR 8 - (18.618 Personen - 7,3 Prozent).
In den Bezirksregionen zeigt sich eine Konzentration der deutschen Einwohnerinnen und Einwohner mit
Migrationshintergrund in Marzahn-Nord (13,2 Prozent), in Marzahn-Süd (10,2 Prozent) und in MarzahnMitte (9,8 Prozent) der jeweiligen Einwohnerschaft.
Der Anteil der nichtdeutschen Einwohnerinnen und Einwohner ist mit 8,0 Prozent in Hellersdorf-Nord
am größten, gefolgt von Marzahn-Nord mit einem Anteil von 7,9 Prozent. Die dritte Position nimmt Hellersdorf-Ost mit einem Anteil von 7,3 Prozent ein. Hingegen der kleinste Anteil der nichtdeutschen Einwohnerinnen und Einwohner wurde 2014 mit 2,0 Prozent in der Kaulsdorf - BR 8 - verzeichnet.
Die Gruppe der ab 50-Jährigen verteilte sich im Jahre 2014 wie die Einwohnerinnen und Einwohner insgesamt mit unterschiedlichen Quantitäten auf die neun Bezirksregionen. Sie ist am stärksten in der
BR 2 - Marzahn-Mitte ausgeprägt, gefolgt von der BR 3 - Marzahn-Süd und BR 9 - Mahlsdorf (vgl. Abbildung 2.15).

25

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 2.15:

Ab 50-jährige Einwohnerinnen und Einwohner insgesamt - nach ethnischer
Herkunft und Bezirksregionen - Marzahn-Hellersdorf am 31.12.2014 BR 1
D.o.Mig.:
D.m.Mig.:
Nichtd.:
BR 2
D.o.Mig.:
D.m.Mig.:
Nichtd.:

7.568
833
367

19.021
1.142
545
BR 4
D.o.Mig.:
D.m.Mig.:
Nichtd.:

BR 3
D.o.Mig.:
D.m.Mig.:
Nichtd.:

17.286
929
249

BR 7
D.o.Mig.:
D.m.Mig.:
Nichtd.:

BR 6
D.o.Mig.:
D.m.Mig.:
Nichtd.:

1
2
3
4
5
6
7
8
9

- Marzahn-Nord
- Marzahn-Mitte
- Marzahn-Süd
- Hellersdorf-Nord
- Hellersdorf-Ost
- Hellersdorf-Süd
- Biesdorf
- Kausldorf
- Mahlsdorf

6.601
220
134

10.157
448
214

BR 9
D.o.Mig.:
D.m.Mig.:
Ausl.:

12.325
356
146
BR 8
D.o.Mig.:
D.m.Mig.:
Nichtd.:

10.112
743
396
BR 5
D.o.Mig.:
D.m.Mig.:
Nichtd.:

BR
BR
BR
BR
BR
BR
BR
BR
BR

13.349
204
110

8.882
115
98

D.o.Mig.: Deutsc he ohne Migrationshintergrund
D.m.Mig.: Deutsc he mit Migrationshintergrund
Nic htd.: Nic htdeutsc he

sfz-eigene Gestaltung

Die Verteilung der ab 50-Jährigen nach Altersphasen lässt die künftigen Senioren (50 bis unter 65 Jahre)
im Bezirk (59,2 Prozent) und in allen Bezirksregionen als die stärkste Altersphase hervortreten. Der Anteil dieser Gruppe an den ab 50-Jährigen je Bezirksregion verteilt sich in Marzahn-Hellersdorf zwischen
49,9 Prozent (Marzahn-Süd - BR 3) und 68,9 Prozent (Marzahn-Nord - BR 1) auf alle Bezirksregionen.
Die Altersphasen des Seniorenalters erreichen demgegenüber in Folge des natürlichen Lebensablaufes
zunehmend geringere Anteile an der Bevölkerung. Der Anteil der jungen Alten (65 bis unter 75 Jahre)
staffelt sich von 16,9 Prozent in Hellersdorf-Nord - BR 4 - bis 29,1 Prozent in Marzahn-Süd - BR 3. Der
Anteil der fortgeschrittenen Älteren (75 bis unter 85 Jahre) erstreckt sich von 10,9 Prozent in MarzahnNord - BR 1 - bis 16,4 Prozent in Marzahn-Süd - BR 3. Der Anteil der Hochbetagten ist in Biesdorf - BR 7 mit 5,3 Prozent am stärksten und in Marzahn-Nord - BR 1 - und in Kaulsdorf - BR 8 - (mit jeweils 2,8 Prozent) am geringsten ausgeprägt.
In der Gruppe der ab 50-jährigen Einwohnerinnen und Einwohner mit Migrationshintergrund in Marzahn-Hellersdorf war im Jahre 2014 die Konzentration auf die 50- bis unter 65-Jährigen mit 74,0 Prozent
um 14,8 Prozentpunkte höher als bei den ab 50-Jährigen insgesamt. Das spiegelte sich in der Altersstruktur der ab 50-jährigen mit Migrationshintergrund in der Mehrheit der Bezirksregionen wider. Die
jungen Alten (65 bis unter 75 Jahre) unter ihnen waren mit 16,9 Prozent in Kaulsdorf - BR 8 - am häufigsten vertreten und kamen mit 5,4 Prozent in Mahlsdorf - BR 9 - auf den geringsten Anteil. Menschen
mit Migrationshintergrund im fortgeschrittenen Alter (75 bis unter 85 Jahre) waren anteilig in Hellersdorf-Ost - BR 5 - am häufigsten vertreten. Die Hochbetagten unter ihnen waren mit Ausnahme von
Kaulsdorf - BR 8 - in den Bezirksregionen mit Anteilen zwischen 2 und 4 Prozent ausgewiesen (vgl. Abbildung 2.16).

26

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 2.16:

Ab 50-jährige Einwohnerinnen und Einwohner - nach Altersphasen, ethnischer
Herkunft und Bezirksregionen - Marzahn-Hellersdorf am 31.12.2014 - in Prozent* -

Einwohnerinnen und
Einwohner insgesamt
100

3,9
14,2

Einwohnerinnen und Einwohner
nach Bezirksregionen
2,8
10,9

3,6
13,1

4,3
16,6

17,4

80

24,1

22,7

3,6

3,0

13,1

13,9

16,9

17,6

5,1

3

5,3

14,7

15,6

21,2

23,2

58,9

55,9

29,1

2,8

3,2

14,2

13,9

23,4

23,0

59,6

59,9

23

60

40

68,9
59,2

59,2

66,4

65,4

49,9

20

0
insgesamt

BR 1
BR 2
BR 3
BR 4
Marzahn- Marzahn- Marzahn- HellersNord
Mitte
Süd
dorf-Nord
50 b.u. 65 Jahre

65 b.u. 75 Jahre

BR 5
Hellersdorf-Ost

BR 6
Hellersdorf-Süd

75 b.u. 85 Jahre

BR 7
Biesdorf

BR 8
Kaulsdorf

BR 9
Mahlsdorf

85 Jahre u.ält.

Einwohnerinnen und Einwohner mit Migrationshintergrund*
100

80

3,1
9,7
13,1

3,8
10,2

3,3
9,3

2,9
8,8

13,1

11,4

74,3

76,9

2,4
9,7

2,5

3,8
10,0

13,3

10

4,2

7

11,0

14,8

11,0

73,7

73,2

71,5

72,5

BR 1
BR 2
BR 3
BR 4
BR 5
Marzahn- Marzahn- Marzahn- Hellers- HellersNord
Mitte
Süd
dorf-Nord dorf-Ost

BR 6
Hellersdorf-Süd

11

3,8
7,0
5,4
7

16,9

14,3

15,8

7,0

12,4
11

60

40

74,0
74

70,3

76,1

83,8

20

0
insgesamt

50 b.u. 65 Jahre

65 b.u. 75 Jahre

75 b.u. 85 Jahre

BR 7
Biesdorf

BR 8
Kaulsdorf

BR 9
Mahlsdorf

85 Jahre u.ält.

* Summe aus Deutschen mit Migrationshintergrund und Nichtdeutschen
Berechnet nach: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Einwohnerregister https://www.statistik-berlin-brandenburg.de/datenbank/inhalt-datenbank.asp, Berlin 2015

27

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

2.3

Bevölkerungsprognose 2015 bis 2030 für Marzahn-Hellersdorf unter besonderer
Berücksichtigung der prognostizierten Entwicklung der ab 50-Jährigen

Die von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt vorgelegte Bevölkerungsprognose für
Berlin und die Bezirke 2015 bis 2030 bildet für das Land Berlin und seine Bezirke eine wichtige Grundlage für die Sozialplanung und insbesondere für die Altenplanung hinsichtlich der Einwohnerentwicklung
nach Anzahl, Alter und Geschlecht für die kommenden fünfzehn Jahre. Die aktuelle Bevölkerungsprognose gestattet eine Vorausschau und Abschätzung künftiger Bedarfe für die Entwicklung des seniorengerechten Wohnens, der Pflegeinfrastruktur, des Bedarfs an Kommunikations- und Freizeitangeboten
sowie der Vorhaltung von Beratungskapazitäten.
Als Basisdaten wurden der Bevölkerungsprognose die Ergebnisse des Einwohnerregisters von Berlin für
das Jahr 2014 zu Grunde gelegt. Gerechnet wurde in drei - einer mittleren, einer oberen und einer unteren - Prognosevarianten.
Der mittleren Variante wurden folgende Annahmen zu Grunde gelegt:


„Die Krisen im Nahen und Mittleren Osten sowie in Teilen Afrikas führen zu hohen Flüchtlingsströmen nach Deutschland, die in den Jahren 2015 und 2016 ihren voraussichtlichen Höhepunkt erreichen werden.



Die Dynamik der wirtschaftlichen Entwicklung Berlins verläuft weiterhin vergleichsweise überdurchschnittlich; die industriell-gewerbliche Basis ist gefestigt.



Der Umzug nachfolgender Bundesinstitutionen bringt Impulse, die im Vergleich zu den Effekten des
Regierungsumzuges in den Jahren 1998 bis 2000 weniger ausgeprägt ausfallen.



Die in den letzten Jahren zunehmend zu beobachtenden Impulse der EU-Osterweiterung halten
weiter an, gehen im Trend aber leicht zurück.



Die dynamische Entwicklung im Wohnungsneubau in der Stadt hält weiter an und erreicht zügig eine
Größenordnung, die dem Nachfrageanstieg aktiv entgegenkommt. Die negativen Wanderungssalden
gegenüber dem Umland, d.h. Suburbanisierungsprozesse, nehmen zunächst noch zu, sinken anschließend wieder und konsolidieren sich dann auf einem höheren Niveau gegenüber dem Tiefpunkt
im Jahr 2010.



Berlin festigt seinen Status und sein Image als attraktiver Wohn- und Arbeitsstandort auf nationaler
und internationaler Ebene.“5

Auf der Grundlage der mittleren Prognosevariante ist für den Bezirk Marzahn-Hellersdorf im Prognosezeitraum eine Einwohnerentwicklung von 259.373 im Jahre 2015 auf 279.363 im Jahre 2030 zu erwarten. Das wäre ein Anstieg um 7,7 Prozentpunkte bzw. um 19.990 Personen. Die Anzahl der Frauen steigt
von 130.205 auf 143.516 und der Männer von 125.968 auf 135.847 an. Damit wird bei den Frauen mit
einer Zunahme um 10,2 Prozentpunkte und bei den Männern um 7,8 Prozentpunkte gerechnet. Diese
Entwicklung verteilt sich im unterschiedlichen Maße zwischen den einzelnen Altersphasen (vgl. Abbildung 2.17).

5

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Referat I A Stadtentwicklungsplanung in Zusammenarbeit
mit dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Bevölkerungsprognose für Berlin und die Berliner Bezirke 2015 2030, Berlin, Januar 2016, S. 10.

28

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Infolge des demographischen Wandels wird im Bezirk Marzahn-Hellersdorf die Seniorenschaft stark
anwachsen. Alle zu den ab 65-Jährigen gehörigen Altersphasen - die jungen Alten, die fortgeschrittenen
Älteren und die Hochbetagten - wachsen auf Grund der mit der Besiedlung von Marzahn-Hellersdorf
verursachten demographischen Welle stark an. Das heißt, die Bürgerinnen und Bürger, die als junge
Familien mit ihren Kindern nach Marzahn und Hellersdorf gezogen sind, treten in den nächsten 15 Jahren in den Ruhestand ein und stärken die bezirkliche Seniorenschaft. Dieser Prozess wird einerseits ergänzt durch den Anstieg der ferneren Lebenserwartung der älteren Bevölkerung und andererseits durch
die Zuwanderung insgesamt sowohl aus anderen Regionen der Bundesrepublik als auch älterer Migrantinnen und Migranten aus dem Ausland.
Die Gesamtheit der ab 65-Jährigen im Bezirk wird nach der Bevölkerungsprognose von 47.653 Personen
im Jahre 2015 auf 74.978 Personen im Jahre 2030 ansteigen. Das entspricht einem Anstieg um insgesamt 27.325 Personen bzw. um 57,3 Prozentpunkte. Damit vergrößert sich der Umfang nicht nur der
Anzahl der Seniorinnen und Senioren, sondern auch der seniorenspezifischen Bedarfe, Bedürfnisse und
Problemlagen, auf die die öffentlichen Rahmenbedingungen ausgerichtet werden müssen.
Abbildung 2.17:
2030

2028

2026

2024

2022

2020

2018

2016

Basisjahr 2014

Entwicklung der Einwohnerinnen und Einwohner - nach Altersphasen
- Marzahn-Hellersdorf 2014 bis 2030 - absolut -

48.562

105.361

50.462

40.408

24.758

9.812

48.721

105.374

50.749

40.292

23.438

9.952

48.711

105.251

51.518

39.965

22.393

9.699

48.687

105.026

52.609

39.325

21.500

9.331

48.620

104.650

53.831

38.617

20.631

8.979

48.536

104.067

55.241

37.949

19.982

8.354

48.346

103.363

56.739

37.277

19.354

7.792

48.038

102.708

58.425

36.269

18.967

7.265

47.608

102.053

59.898

35.214

18.869

47.127

101.419

61.340

33.931

18.825

46.552

101.147

62.509

32.013

19.422

45.925

100.910

63.752

30.222

19.782

45.250

100.983

64.885

28.945

19.450

5.044

44.570

101.392

65.787

27.933

18.671

4.917

43.717

101.900

66.515

26.912

42.269

102.572

66.879

26.244

40.568

0

6.767
6.331

102.875

50.000
unter 18 Jahren

100.000
18 b.u. 50 Jahre

66.772

150.000
50 b.u. 65 Jahre

25.630

200.000
65 b.u. 75 Jahre

75 b.u. 85 Jahre

17.923

4.800

16.798
15.982

5.872
5.440

4.611
4.346

250.000

300.000

85 Jahre u.ält.

Berechnet nach: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Referat I A Stadtentwicklungsplanung in Zusammenarbeit
mit dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Bevölkerungsprognose für Berlin und die Bezirke 2015 - 2030, Berlin, Januar
2016

Nach Altersphasen ergeben sich im Prognosezeitraum von 2015 bis 2030 folgende strukturelle Verschiebungen (vgl. Abbildung 2.18):


Die Gruppe der unter 18-Jährigen nimmt um 6.293 Personen bzw. um 14,9 Prozentpunkte zu.



Die 18- bis unter 50-Jährigen verzeichnen eine geringe Zunahme von 2.789 Personen bzw. um
2,7 Prozentpunkte.



Die künftigen Senioren (50- bis unter 65-Jährige) sind die einzige Altersphase mit Verlusten. Sie verringern sich hauptsächlich in Folge der Alterung um -16.417 Personen bzw. um 24,5 Prozentpunkte.

29

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015



Die Gruppe der jungen Alten (65- bis unter 75-Jährige) steigt gegenüber 2015 bis 2030 um 14.164
Personen bzw. um 54,0 Prozentpunkte an.



Die fortgeschrittenen Älteren (75- bis unter 85-Jährige) nehmen in diesem Zeitraum um 7.960 Personen bzw. um 47,4 Prozentpunkte zu.



Die Anzahl der Hochbetagten (85 Jahre und älter) wird sich von 2015 bis 2030 mehr als verdoppeln;
es wird bei ihnen ein Zuwachs um 5.201 Personen bzw. um 112,8 Prozentpunkte erwartet.

Abbildung 2.18:

Prognostizierte Entwicklung der ab 50-Jährigen - nach Altersphasen
- Marzahn-Hellersdorf 2015 bis 2030 - absolut -

140.000
120.000

5.872

8.354

9.812

16.798

19.422

19.982

24.758

26.244

32.013

4.611

100.000
80.000

37.949

40.408

60.000
40.000

66.879

62.509

55.241

50.462

20.000
0
2015

2020
50 b.u.65 Jahre

2025

65 b.u. 75 Jahre

75 b.u. 85 Jahre

2030
85 Jahre u.ält.

Berechnet nach: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Referat I A Stadtentwicklungsplanung in Zusammenarbeit
mit dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Bevölkerungsprognose für Berlin und die Bezirke 2015 - 2030, Berlin, Januar
2016

Die Seniorenschaft wird in den nächsten 15 Jahren tiefen strukturellen Veränderungen unterliegen. In
den Jahren von 2015 bis 2030 wird ein Anstieg dieser Bevölkerungsgruppe um 27.978 Personen bzw. um
57,3 Prozentpunkte vorausberechnet.
Aus der umfangreichen Gruppe der künftigen Senioren ist durch die natürliche Alterung ein breiter Zufluss in die Gruppe der jungen Alten absehbar. Während diese Gruppe in Fünfjahresschritten einen moderaten Anstieg absolviert, der sich zum Ende des Prognosezeitraumes abschwächt, verläuft die Entwicklung der fortgeschrittenen Älteren diskontinuierlich. Diese Gruppe der 75- bis unter 85-Jährigen
nimmt bis 2025 unterdurchschnittlich zu und erreicht zwischen 2025 und 2030 den größten Zuwachs.
Die Hochbetagten sind die am stärksten anwachsende Gruppe innerhalb der Seniorenschaft. Sie zeigen
den stärksten Zuwachs in allen Fünfjahresschritten (vgl. Tabelle 2.5).

30

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 2.5:

Demographische Veränderungen der Seniorenschaft
- Marzahn-Hellersdorf 2015 bis 2030 -

Jahr
2015
2020
2025
2030

65 b.u. 75 Jahre
26.244
32.013
37.949
40.408

2015
2020
2025
2030

0
5.769
11.705
14.164

2015
2020
2025
2030

100
22,0
44,6
54,0

75 b.u. 85 Jahre
85 Jahre u.ält.
16.798
4.611
19.422
5.872
19.982
8.354
24.758
9.812
Veränderungen absolut
0
2.624
3.184
7.960

gesamt
47.653
57.307
66.285
74.978

0
1.261
3.743
5.201

0
9.654
18.632
27.325

Veränderungen um Prozentpunkte
100
100
15,6
27,3
19,0
81,2
47,4
112,8

100
20,3
39,1
57,3

Berechnet nach: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Referat I A Stadtentwicklungsplanung in Zusammenarbeit
mit dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Bevölkerungsprognose für Berlin und die Bezirke 2015 - 2030, Berlin, Januar
2016

Die Entwicklung der Geschlechterstruktur der Einwohnerschaft von Marzahn-Hellersdorf wird nach der
Bevölkerungsprognose 2015 bis 2030 weiterhin durch Frauen dominiert werden. Der Frauenanteil wird
sich voraussichtlich von 50,7 Prozent im Jahre 2015 auf 51,0 Prozent im Jahre 2020, auf 51,2 Prozent im
Jahre 2025 und auf 51,4 Prozent im Jahre 2030 entwickeln.
Abbildung 2.19:
Tausende

Prognose der Einwohnerentwicklung - nach Altersphasen und Geschlecht
- Marzahn-Hellersdorf 2014 bis 2030 - absolut Frauen

Männer

140
120
100
80
60
40
20
0

Basisjahr
2014
2016
2018
2020
2022
2024
2026
2028
2030
2015
2017
2019
2021
2023
2025
2027
2029
unter 18 Jahren

18 b.u. 50 Jahre

50 b.u. 65 Jahre

2015
2017
2019
2021
2023
2025
2027
2029
2014
2016
2018
2020
2022
2024
2026
2028
2030
65 b.u. 75 Jahre

75 b.u. 85 Jahre

85 Jahre u.ält.

Berechnet nach: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Referat I A Stadtentwicklungsplanung in Zusammenarbeit
mit dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Bevölkerungsprognose für Berlin und die Bezirke 2015 - 2030, Berlin, Januar
2016

31

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Die vorausberechnete Geschlechterstruktur differenziert sich stark nach Großgruppen. So hat sich bei
der unter 50-jährigen Einwohnerschaft eine Dominanz der Männer mit einem Anteil zwischen 51,0 Prozent im Jahre 2015 und 50,1 Prozent im Jahre 2030 ergeben.
Bei den 50- bis unter 65-Jährigen wurden eine rückläufige Frauendominanz von anfänglichen 51,5 Prozenten und am Ende des Prognosezeitraumes eine ausgeglichene Geschlechterstruktur (50:50 Prozent)
berechnet (vgl. Abbildung 2.19).
Die Seniorenschaft von Marzahn-Hellersdorf setzte sich im Jahre 2015 aus 131.392 Frauen und 127.981
Männern zusammen. Nach der Bevölkerungsprognose 2015 bis 2030 nehmen die Frauen gegenüber
2015 bis 2020 um 5.126, bis 2025 um 10.060 und bis 2030 insgesamt um 14.980 Personen zu. Bei den
Männern ergibt sich gegenüber dem Jahre 2015 bis 2020 ein Zuwachs um 4.528, bis 2025 um 8.572 und
bis 2030 insgesamt um 12.345 Personen.
Bei der ab 65-jährigen Seniorenschaft im Bezirk wird auf Grund der höheren Lebenserwartung von Frauen eine durch sie dominierte Geschlechterstruktur festgestellt. Es ist jedoch hervorzuheben, dass die
Prognose infolge des Anstiegs der Lebenserwartung von Männern eine Abschwächung des Frauenanteils
bei ab 65-Jährigen von 55,7 Prozent im Jahre 2015 auf 55,3 Prozent im Jahre 2030 erwartet (vgl. Abbildung 2.20).
Abbildung 2.20:

Veränderung der Geschlechterstruktur in der ab 65-jährigen Seniorenschaft
- Marzahn-Hellersdorf 2014 bis 2030 - absolut -

40.000

33.522
41.456

32.960
40.722

32.250
39.807

31.441
38.715

30.616
37.611

29.749
36.536

28.876
35.547

27.217
33.633

26.481
32.606

25.705
31.602

24.895
30.549

23.912
29.527

23.013
28.508

22.127
27.508

21.177
26.476

10.000

20.340
25.618

20.000

28.006
34.495

30.000

0
2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030
männlich

weiblich

Berechnet nach: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Referat I A Stadtentwicklungsplanung in Zusammenarbeit
mit dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Bevölkerungsprognose für Berlin und die Bezirke 2015 - 2030, Berlin, Januar
2016

Der Bezirk Marzahn-Hellersdorf unterteilt sich in vier Prognoseräume: die Großsiedlung Marzahn, die
Großsiedlung Hellersdorf und die Siedlungsgebiete Biesdorf sowie Kaulsdorf/Mahlsdorf. Auf Grund der
Siedlungsstruktur ergeben sich hohe Einwohnerkonzentrationen in den Großsiedlungen und wesentlich
geringere Einwohnerzahlen in den beiden Siedlungsgebieten. Es muss in diesem Zusammenhang darauf
verwiesen werden, dass die Bevölkerungsprognose der Senatsverwaltung zwar für die Bezirke und Prognoseräume, aber nicht für die sozialplanungsrelevanten Bezirksregionen vorliegt (vgl. Abbildung 2.21).

32

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 2.21:

Struktur der Prognoseräume - Marzahn-Hellersdorf
Prognoseraum
Prognoseraum
Prognoseraum
Prognoseraum

1
2
3
4

-

Marzahn
Hellersdorf
Biesdorf
Kaulsdorf/Mahlsdorf

Marzahn

Hellersdorf

Biesdorf

Kaulsdorf/Mahlsdorf

sfz-eigene Gestaltung

Im Prognoseraum 1 - Marzahn - lebten im Jahre 2015 108.136 Personen, darunter 19,9 Prozent im Alter
von 65 und mehr Jahren. Bis zum Jahre 2030 werden eine Bevölkerungsstärke von 112.148 Personen
und ein Anteil der ab 65-Jährigen von 28,0 Prozent erwartet (vgl. Abbildung 2.22).
Abbildung 2.22:

Entwicklung der Einwohnerschaft im Prognoseraum 1 - Marzahn des Bezirkes Marzahn-Hellersdorf 2015 bis 2030 - absolut Prognoseraum 1 - Marzahn -

2030

- Prognoseraum 1 Marzahn 42.753

18.853

15.542

11.883

3.985

42.772

18.738

15.922

11.294

4.038

19.167

42.813

18.756

16.279

10.785

3.908

19.157

42.796

18.908

16.550

10.254

3.767

19.132
19.194

2028

2026

2024
2022

2020

2018
2016

Basisjahr 2014

19.151

42.666

19.156

16.785

9.756

3.612

19.163

42.481

19.484

17.019

9.307

3.352

19.131

42.245

19.917

17.191

8.865

3.121

19.073

42.024

20.542

17.050

8.570

2.933

18.998

41.901

21.146

16.841

8.374

2.751

18.960

41.844

21.783

16.475

8.287

2.552

18.887

41.891

22.489

15.681

8.466

2.392

18.795

41.915

23.321

14.872

8.575

2.228

18.666

42.058

24.193

14.250

8.342

2.083

18.511

42.202

25.138

7.997

2.048

18.197

42.258

26.029

12.994

17.662

42.168

26.817

12.465

16.909

0

13.604

41.444

20.000
unte r 18 Jahre n

40.000
18 b.u. 50 Jahre

27.607

60.000
50 b.u. 65 Jahre

11.948

80.000
65 b.u. 75 Jahre

7.627
7.087
6.763

1.802

100.000
75 b.u. 85 Jahre

2.002
1.937

120.000

85 Jahre u.ält.

Berechnet nach: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Referat I A Stadtentwicklungsplanung in Zusammenarbeit
mit dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Bevölkerungsprognose für Berlin und die Bezirke 2015 - 2030, Berlin, Januar
2016

Der Prognoseraum 2 - Hellersdorf - hatte 2015 insgesamt 78.078 Einwohnerinnen und Einwohner, darunter 13,8 Prozent ab 65-Jährige. Für das Jahr 2030 wurde eine Einwohnerzahl von 88.135 Personen,
darunter 22,0 Prozent im Alter von 65 Jahren und darüber, prognostiziert (vgl. Abbildung 2.23).

33

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 2.23:

Entwicklung der Einwohnerschaft im Prognoseraum 2 - Hellersdorf des Bezirkes Marzahn-Hellersdorf 2014 bis 2030 - absolut Prognoseraum 2 - Hellersdorf -

2030

2028

2026

2024

2022

2020
2018

2016

Basisjahr 2014

17.209

36.735

14.792

11.675

5.465

2.259

17.235

36.711

14.913

11.462

5.102

2.300

17.219

36.587

15.252

11.098

4.848

2.261

17.207

36.429

15.681

10.627

4.658

2.193

17.158

36.281

16.166

10.117

4.425

2.156

17.091

36.049

16.707

9.635

4.284

2.040

4.171

1.940

16.990

35.817

17.229

9.150

16.862

35.599

17.775

8.625 4.116 1.829

16.670

35.308

18.261

8.112 4.148 1.728

16.377

34.889

18.674

7.616 4.148 1.640

16.049

34.560

18.874

15.673

34.237

19.072

7.038 4.323 1.540
6.514 4.456 1.441

15.301

34.037

19.146

6.172 4.455 1.343

15.042

34.216

19.141

5.953 4.364 1.306

14.748

34.475

19.090

5.650 4.328 1.281

14.273

34.989

18.841

5.505 4.165 1.240

13.634

0

35.419

20.000
unte r 18 Jahre n

5.427 4.034 1.169

18.395

40.000

18 b.u. 50 Jahre

60.000
50 b.u. 65 Jahre

80.000
65 b.u. 75 Jahre

100.000
75 b.u. 85 Jahre

120.000
85 Jahre u.ält.

Berechnet nach: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Referat I A Stadtentwicklungsplanung in Zusammenarbeit
mit dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Bevölkerungsprognose für Berlin und die Bezirke 2015 - 2030, Berlin, Januar
2016

Im Prognoseraum 3 - Biesdorf - waren im Jahr 2015 insgesamt 25.752 Bürgerinnen und Bürger melderechtlich registriert, darunter 22,7 Prozent ab 65-Jährige. Am Ende des Prognosezeitraumes im Jahre
2030 wird in Biesdorf eine Einwohnerschaft von 28.646 Personen, darunter 31,5 Prozent ab 65-Jährige,
erwartet (vgl. Abbildung 2.24).
Abbildung 2.24:

Entwicklung der Einwohnerschaft im Prognoseraum 3 - Biesdorf des Bezirkes Marzahn-Hellersdorf 2014 bis 2030 - absolut 65 b.u. 75 Jahre

203 0

202 8

202 6

202 4

202 2

202 0

201 8

201 6

Basisjahr 20 14

9.622

5.948

4. 526

4.083

9.633

6.002

4.083

9.616

6.112

4.068

9.605

4.061

4.059

75 b.u. 85 Jahre

85 Jahre u.ält.

2. 874

4.526

2.874

1.617

4. 466

2. 726

4.466

2.726

1.623

4. 395

2. 607

4.395

2.607

1.589

6.243

4. 298

2. 526

4.298

2.526

1.520

9.570

6.373

4. 188

2. 450

4.188

2.450

1.460

4.052

9.518

6.504

4. 074

2. 424

4.074

2.424

1.361

4.032

9.428

6.650

3. 996

2. 380

3.996

2.380

1.264

3.986

9.366

6.765

3. 899

2. 376

3.899

2.376

1.167

3.931

9.274

6.880

3. 785

2. 395

3.785

2.395

1.067

3.888

9.181

6.988

3. 656

2. 419

3.656

2.419

995

3.819

9.151

7.061

3. 503

2. 472

3.503

2.472

922

3.747

9.135

7.157

3. 322

2. 501

3.322

2.501

858

3.663

9.135

7.251

3. 175

2. 483

3.175

2.483

791

3.581

9.179

7.295

3. 097

2. 371

3.097

2.371

759

3.501

9.229

7.288

3. 016

2. 270

3.016

2.270

738

3.415

9.243

7.260

3. 006

2. 139

3.006

2.139

689

3.308

9.435

7.169

2. 980

1. 999

2.980

1.999

679

0

20.000
unte r 18 Jahre n

40.000
18 b.u. 50 Jahre

60.000
50 b.u. 65 Jahre

80.000
65 b.u. 75 Jahre

100 .000
75 b.u. 85 Jahre

120 .000

85 Jahre u.ält.

Berechnet nach: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Referat I A Stadtentwicklungsplanung in Zusammenarbeit
mit dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Bevölkerungsprognose für Berlin und die Bezirke 2015 - 2030, Berlin, Januar
2016

34

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Der Prognoseraum 4 - Kaulsdorf/Mahlsdorf - hatte im Jahre 2015 insgesamt 46.472 Einwohnerinnen und
Einwohner, darunter 20,3 Prozent ab 65-Jährige. Für das Jahr 2030 wurde für diesen Prognoseraum eine
Einwohnerschaft von 50.434 Personen, darunter 30,0 Prozent ab 65-Jährige, errechnet (vgl. Abbildung
2.25).
Abbildung 2.25:

Entwicklung der Einwohnerschaft im Prognoseraum 4 - Kaulsdorf/Mahlsdorf des Bezirkes Marzahn-Hellersdorf 2014 bis 2030 - absolut Prognoseraum 4 - Kaulsdorf - Mahlsdorf 7 5 b.u. 8 5 Jahre

2030

2028

2026

2024

2022

2020

2018

2016

Basisjahr 2 0 1 4
0

8 5 Jahre u.ält.

8.162

16.251

10.869

8.665

4. 536

4.536

1.951

8.209

16.258

11.096

8.442

4. 316

4.316

1.991

8.242

16.235

11.398

8.193

4. 153

4.153

1.941

8.255

16.196

11.777

7.850

4. 062

4.062

1.851

8.250

16.133

12.136

7.527

4. 000

4.000

1.751

8.230

16.019

12.546

7.221

3. 967

3.967

1.601

8.193

15.873

12.943

6.940

3. 938

3.938

1.467

8.117

15.719

13.343

6.695

3. 905

3.905

1.336

8.009

15.570

13.611

6.476

3. 952

3.952

1.221

7.902

15.505

13.895

6.184

3. 971

3.971

1.144

7.797

15.545

14.085

5.791

4. 161

4.161

1.018

7.710

15.623

14.202

5.514

4. 250

4.250

913

7.620

15.753

14.295

5.348

4. 170

4.170

827

7.436

15.795

14.213

5.279

3.939

804

7.271

15.938

14.108

5.252

3.698

779

6.919

16.172

13.961

5.268

3.407

745

6.717

16.577

13.601

5.275

3.186

696

2 0 .0 0 0
unte r 1 8 Jahre n

3. 939

3. 698

3. 407

3. 186

4 0 .0 0 0
1 8 b.u. 5 0 Jahre

6 0 .0 0 0
5 0 b.u. 6 5 Jahre

8 0 .0 0 0
6 5 b.u. 7 5 Jahre

1 0 0 .0 0 0
7 5 b.u. 8 5 Jahre

1 2 0 .0 0 0
8 5 Jahre u.ält.

Berechnet nach: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Referat I A Stadtentwicklungsplanung in Zusammenarbeit
mit dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Bevölkerungsprognose für Berlin und die Bezirke 2015 - 2030, Berlin, Januar
2016

Unter dem Gesichtspunkt der bezirklichen Altenplanung ist hervorzuheben, dass in allen vier Prognoseräumen für die Gruppe der künftigen Senioren eine rückläufige Entwicklung vorausberechnet wurde.
Demgegenüber wird für die ab 65-jährige Seniorenschaft in allen vier Prognoseräumen ein Anstieg der
Personenzahl erwartet (vgl. Abbildung 2.26).
Im Prognoseraum Marzahn werden die künftigen Senioren von 2015 bis 2030 von 26.817 auf 18.853
Personen bzw. um 7.964 Personen oder um 29,7 Prozentpunkte zurückgehen. Dagegen wird die Seniorenschaft im Prognosezeitraum von 21.489 auf 31.410 Personen anwachsen. Das entspricht einem Anstieg um 9.921 Personen bzw. um 46,2 Prozentpunkte.
Im Prognoseraum Hellersdorf sinkt die Anzahl der künftigen Senioren im selben Zeitraum von 18.841 auf
14.792 Personen bzw. um 4.049 Personen oder um 21,5 Prozentpunkte ab. Demgegenüber vergrößert
sich die Gruppe der ab 65-Jährigen von 10.910 Personen auf 19.399 Personen. Absolut wächst diese
Bevölkerungsgruppe in Hellersdorf um 8.489 Personen bzw. um 77,8 Prozentpunkte.
Der Prognoseraum Biesdorf verringert sich die Zahl der 50- bis unter 65-Jährigen im Prognosezeitraum
von 7.260 auf 5.948 Personen bzw. um 1.312 Personen oder um 18,1 Prozentpunkte. Im Jahre 2015
gehörten in Biesdorf insgesamt 5.834 Personen zur Seniorenschaft und bis 2030 wird ein Anwachsen
dieser Gruppe auf 9.017 Personen vorausberechnet. Das wäre ein Anstieg um 3.183 Personen bzw. um
54,6 Prozentpunkte.

35

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 2.26:

Prognostizierte Entwicklung der ab 50-Jährigen - nach Altersphasen und
Prognoseräumen - Marzahn-Hellersdorf 2015 bis 2030 - absolut -

Marzahn

60.000

Hellersdorf

Biesdorf

Kaulsdorf/Mahlsdorf

1.937 2.392 3.352 3.985
7.087 8.466

9.307 11.883

40.000
12.465
15.681
17.019

15.542

1.540
1.240
4.323
4.165
5.505 7.038

2.259
2.040
4.284 5.465
1.018 1.601 1.951
745
3.407 4.161 3.967 4.536

9.635 11.675

20.000
26.817
22.489

19.484 18.853

18.841 18.874

16.707

14.792

1.361 1.617
922
689
2.139 2.472 2.424 2.874
3.006 3.503 4.074 4.526
7.260

7.061

6.504

5.268 5.791 7.221
8.665

13.961 14.085 12.546
10.869

5.948

0
2015 2020 2025 2030

2015 2020 2025 2030
50 b.u.65 Jahre

2015 2020 2025 2030

65 b.u. 75 Jahre

75 b.u. 85 Jahre

2015 2020 2025 2030
85 Jahre u.ält.

Berechnet nach: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Referat I A Stadtentwicklungsplanung in Zusammenarbeit
mit dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Bevölkerungsprognose für Berlin und die Bezirke 2015 - 2030, Berlin, Januar
2016

Im vierten Prognoseraum Kaulsdorf/Mahlsdorf geht die Anzahl der künftigen Senioren im Prognosezeitraum von 13.961 auf 10.869 Personen bzw. um 3..092 Personen oder um 22,1 Prozentpunkte zurück.
Gemäß der Bevölkerungsprognose wird sich die Seniorenschaft von 9.420 Personen auf 15.152 Personen im Jahre vergrößern. Das würde einen Zuwachs um 5.732 Personen bzw. um 60,8 Prozentpunkte
bedeuten (vgl. Tabelle 2.6).

36

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 2.6:

Prognostizierte Veränderung der ab 50-Jährigen - nach Prognoseräumen und
Altersphasen - Marzahn-Hellersdorf 2015 bis 2030 -

Jahre
Prognoseräume

Altersphasen

insgesamt

Veränderungen
absolut

50 b.u. 65
Jahre

65 b.u. 75
Jahre

75 b.u. 85
Jahre

85 Jahre
und älter

um Prozentpunkte

2015

26.817

12.465

7.087

1.937

48.306

0

100

2020

22.489

15.681

8.466

2.392

49.028

722

1,5

2025

19.484

17.019

9.307

3.352

49.162

856

1,8

2030

18.853

15.542

11.883

3.985

50.263

1.957

4,1

2015

18.841

5.505

4.165

1.240

29.751

0

100

2020

18.874

7.038

4.323

1.540

31.775

2.024

6,8

2025

16.707

9.635

4.284

2.040

32.666

2.915

9,8

2030

14.792

11.675

5.465

2.259

34.191

4.440

14,9

2015

7.260

3.006

2.139

689

13.094

0

100

2020

7.061

3.503

2.472

922

13.958

864

6,6

2025

6.504

4.074

2.424

1.361

14.363

1.269

9,7

2030

5.948

4.526

2.874

1.617

14.965

1.871

14,3

2015

13.961

5.268

3.407

745

23.381

0

100

2020

14.085

5.791

4.161

1.018

25.055

1.674

7,2

2025

12.546

7.221

3.967

1.601

25.335

1.954

8,4

2030

10.869

8.665

4.536

1.951

26.021

2.640

11,3

Marzahn

Hellersdorf

Biesdorf

Kaulsdorf/Mahlsdorf

Berechnet nach: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Referat I A Stadtentwicklungsplanung in Zusammenarbeit
mit dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Bevölkerungsprognose für Berlin und die Bezirke 2015 - 2030, Berlin, Januar
2016

Die prognostizierte Entwicklung der Einwohnerschaft von Marzahn-Hellersdorf in den Jahren von 2015
bis 2030 und insbesondere die vorausberechneten Veränderungen in der Seniorenschaft des Bezirkes
stellen wesentliche Grundlagen für die bezirkliche Sozial- und Altenplanung dar. Die folgende Abbildung
lässt erkennen, in welcher Dimension sich im Prognosezeitraum der Anteil der künftigen Senioren verringert und der Anteil der Seniorenschaft im Bezirk zunimmt. (vgl. Abbildung 2.27).

37

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 2.27:

Altersaufbau der ab 50-jährigen Einwohnerinnen und Einwohner
- Marzahn-Hellersdorf 2014 und 2030 99 u. älte r

Männer

Frauen

95

90

Hochbe tagte
85 Jahre u. älte r

85

80

fortge schritte ne Älte re
75 b.u. 85 Jahre

75

70

junge Alte
65 b.u. 75 Jahre

65

60

55

künftige Se niore n
50 b.u.65 Jahre

50
250 0 200 0 150 0 100 0 500

0

500 100 0 150 0 200 0 250 0

männlich 2014

we iblich 201 4

männlich 2030

we iblich 203 0

Berechnet nach: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Einwohnerregister https://www.statistik-berlin-brandenburg.de/
datenbank/inhalt-datenbank.asp - Berlin 2015; Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Referat I A Stadtentwicklungsplanung in Zusammenarbeit mit dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Bevölkerungsprognose für Berlin und die Bezirke 2015 - 2030, Berlin, Januar 2016

2.4

Soziostrukturelle Differenzierung der ab 50-Jährigen innerhalb der Einwohnerschaft des
Bezirkes

Dieser Abschnitt will einen allgemeinen Überblick über die soziostrukturelle Differenzierung der Zielgruppe innerhalb der Einwohnerschaft des Bezirkes Marzahn-Hellersdorf geben. Da die Studie insgesamt
eine feingliedrige Analyse der ab 50-Jährigen aus Marzahn-Hellersdorf für das Jahr 2015 vornimmt, ist es
legitim, sich auf die Darstellung des längerfristigen Verlaufs der soziostrukturellen Entwicklung und auf
die Grundkoordinaten des aktuellen Abbilds der Zielgruppe sowie deren Einordnung in die Einwohnerschaft des Bezirkes insgesamt zu beschränken.
Deshalb wird sowohl für die Einwohnerinnen und Einwohner insgesamt als auch für die Gruppe der ab
50-Jährigen die Analyse auf die berufliche Qualifikation als Voraussetzung für die Erwerbsbeteiligung,
die Teilnahme am Erwerbsleben, die Stellung der Erwerbstätigen im Beruf sowie auf deren individuelles
und Haushaltsnettoeinkommen konzentriert. Aufgezeichnet werden zu diesem Zweck die längerfristige
Entwicklung seit der Bezirksgründung im Jahre 2000 und das aktuelle soziostrukturelle Abbild der ab
50-Jährigen aus Marzahn-Hellersdorf. Darüber hinaus wird für die Zielgruppe die gegenwärtige Differenzierung dieser Merkmale nach Geschlecht und Altersphasen vorgenommen. Auf dieser Basis soll auf
Entwicklungen aufmerksam gemacht werden, die für die künftige bezirkliche Sozialplanung relevant
sind.

38

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Die oben benannten Themenfelder werden im Zeitrahmen von 2000 bis 2014/2015 betrachtet. Die verwandten Daten und Fakten des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg in Bezug auf die soziostrukturelle
Entwicklung der Einwohnerschaft insgesamt umfassen den Zeitrahmen von 2000 bis 2016. Die Darstellung der Entwicklung der ab 50-Jährigen beruht auf den Ergebnissen der SFZ-Sozialstudien „50 und älter
in Hellersdorf und Marzahn 2000“, „50 und älter in Marzahn-Hellersdorf“ 2005, 2010 und 2015.7
2.4.1

Berufliche Qualifikation der Bevölkerung und der ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf

Die Struktur der beruflichen Qualifikation der Bevölkerung in Marzahn-Hellersdorf insgesamt wird dominiert durch den Anteil der Einwohnerinnen und Einwohner mit einer abgeschlossenen kaufmännischen, technischen oder gewerblichen Lehre - einschließlich der in Ausbildung Befindlichen - bzw. mit
einem Anlernabschluss, gefolgt von der Gruppe ohne beruflichen Ausbildungsabschluss. Zu der Gruppe
ohne beruflichen Ausbildungsabschluss gehören sowohl Kinder bis zum Abschluss der allgemeinbildenden Schule als auch Erwachsene ohne Berufsabschluss. Die Veränderung des Anteils der Einwohnerinnen und Einwohner ohne Ausbildungsabschluss von 2000 bis 2014 wurde wesentlich durch den Kinderanteil beeinflusst (Geburtenausfälle, Wanderung von Familien). Außerdem ist auffällig, dass der Anteil
der Einwohnerinnen und Einwohner mit Hochschulabschluss über die Jahre größer ist als der Anteil mit
Fachschulabschluss8 einschließlich Meisterin/Meister oder Technikerin/Techniker.
In der Gruppe der ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf vollzog sich seit dem Jahr 2000 eine gravierende Veränderung in der Qualifikationsstruktur. Überwog bis zum Jahr 2010 der Anteil der Hochschul- und
Fachschulabsolventen (zusammen) die Anteile aller anderen Qualifikationsgruppen, hat sich im Ergebnis
der natürlichen Bevölkerungsbewegung und der Wanderungen von 2000 bis zum Jahre 2015 eine Dominanz des Anteils der Einwohnerschaft mit abgeschlossener Berufs- bzw. Anlernausbildung durchgesetzt.
Diese wird flankiert von einem allmählichen Anstieg des Anteils der Personen ohne berufliche Qualifikation (vgl. Abbildung 2.28).

6

7

8

Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Ergebnisse des Mikrozensus im Land Berlin - Bevölkerung und Erwerbstätigkeit sowie Haushalte, Familien und Lebensformen liegen aktuell für das Jahr 2014 vor, erschienen Berlin
2015.
Vgl. sfz/50 und älter in Hellersdorf und Marzahn 2000; sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2005, 2010,
2015.
Fachschulabschluss einschließlich der Qualifikation zur/zum Meisterin/Meister, Technikerin/Techniker.

39

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 2.28:

Veränderungen in der beruflichen Qualifikation der Bevölkerung und der ab
50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf 2000, 2005, 2010 und 2014/2015 - in Prozent* Einwohnerinnen und Einwohner insgesamt
29,7

2014

45,9

26,3

2010

49,7

33,7

2005

43,1

38,8

2000

37,3

10,7

13,8

10,9

13,1

10,9

12,3

11,5

12,4

ab 50-Jährige
10

2015

13

2010
2005
2000

52
37

5
3

16
28

29
28
ohne Abschluss

31

1

21

1

33

30
Lehre/Teilausbildung

21

28
FS-Abschluss

HS-Abschluss

2
11

ohne Antw.

Berechnet nach: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Ergebnisse des Mikrozensus 2000, 2005, 2010, 2014 - Bevölkerung und
Erwerbstätigkeit, jeweils Tabelle 4.8 und sfz/50 und älter in Hellersdorf und Marzahn 2000; sfz/50 und älter in MarzahnHellersdorf 2005, 2010, 2015 (gew.)

Im Jahre 2015 verfügten im Unterschied zur Bevölkerung 89 Prozent der ab 50-Jährigen über eine abgeschlossene Berufsausbildung insgesamt, darunter 52 Prozent eine abgeschlossene Lehre (einschließlich
3 Prozent mit Teilausbildung) und 37 Prozent mit einem abgeschlossenen Studium an einer Fach- oder
Hochschule, und nur 10 Prozent können keine berufliche Qualifikation vorweisen (1 Prozent - ohne Antwort). Dem gegenüber verschiebt sich auf Grund der noch nicht abgeschlossenen Ausbildung von Kindern und Jugendlichen die Qualifikationsstruktur der Bevölkerung insgesamt, sodass der Anteil sowohl
mit einer abgeschlossenen Lehre als auch mit einem Fach- oder Hochschulstudium bei der Bevölkerung
insgesamt geringer ausfällt als bei den ab 50-Jährigen.
Das aktuelle Qualifikationsniveau der Zielgruppe wird durch deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede charakterisiert. Obwohl von den Frauen und Männern jeweils etwas mehr als die Hälfte eine
gewerbliche, kaufmännische oder technische Lehre absolviert haben, zeigen sich bei den Frauen insgesamt gegenüber den Männern ein geringerer Anteil mit Fach- und Hochschulabschluss und ein größerer
Anteil ohne berufliche Ausbildung.
Nach Altersphasen wird bei Frauen und Männern differenziert ein Anstieg des Qualifikationsniveaus am
Absinken des Anteils ohne Berufsabschluss erkennbar. Von den Hochbetagten bis zu den jungen Alten
verfügen Männer über ein höheres Qualifikationsniveau als die gleichaltrigen Frauen. Bei den künftigen
Senioren hingegen besteht aktuell eine ausgeglichenere Ausbildungssituation zwischen den Geschlechtern. Von den Frauen wie den Männern weisen jeweils 91 Prozent eine abgeschlossene berufliche Ausbildung nach, die sie mehrheitlich befähigt, in modernen Produktions-, Organisations- und Verwaltungsstrukturen tätig zu sein. Bei einem übereinstimmenden Anteil ohne Berufsabschluss treten durch den
größeren Anteil der Fach- und Hochschulabsolventen leichte Qualifikationsvorteile bei Frauen hervor
(vgl. Abbildung 2.29).

40

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 2.29:

Bevölkerung in Marzahn-Hellersdorf nach der beruflichen Qualifikation und deren
Differenzierung bei ab 50-Jährigen - 2014/2015 - in Prozent* -

berufliche Qualifikation der
Bevölkerung insgesamt 2014**

darunter: ab 50-Jährige 2015
Männer
insge samt

29,7

künft. Se niore n
50 b.u. 65 Jahre

45,9
13,8
13, 7

10,7

1

1

junge Alte
65 b.u. 75 Jahre
fortge schr. Älte re
2
75 b.u. 85 Jahre
Hochbe tagte
85 Jahre u.ält.
100

ohne berufliche Ausbildung

26

14

22

51

13

27

Lehr-/Anlernausbildung

19

60

31

40

20

FS-Abschluss

17

50

5 13

31

24

52

8 8

52

39

80

8 12

56

15

31

Frauen

20

49

20

59

14

20

61

20

HS-Abschluss

40

21

18

9

0

17 2

1

15 4

9 11

1

9 55

60

80

100

ohne Antw.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent
** Bevölkerung insgesamt = ohne Antwort - nicht ausgewiesen
Berechnet nach: Ergebnisse des Mikrozensus im Land Berlin 2014, Hrsg.: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, 2015;
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

2.4.2

Entwicklung der Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung und der ab 50-Jährigen in
Marzahn-Hellersdorf

Für den Vergleich in Bezug auf die Erwerbsbeteiligung zwischen der Bevölkerung insgesamt und der
Zielgruppe gilt es allem voran die grundsätzliche Übereinstimmung darüber hervorzuheben, dass die
eigene Erwerbsbeteiligung sowohl für die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung als auch und im
Besonderen für die ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf die wichtigste Grundlage für die eigene Existenzsicherung und zugleich für den Aufbau einer materiellen Alterssicherung war, ist und bleibt.
Bezogen auf den Zeitrahmen von 2000 bis 2014 vollzog sich die Entwicklung der Erwerbsbeteiligung in
Marzahn-Hellersdorf wie bundesweit unter den Bedingungen sowohl des demographischen Wandels als
auch der Auswirkungen von Wirtschafts- und Finanzkrisen auf das Erwerbspotenzial und wurde erst in
den letzten Jahren durch den wirtschaftlichen Aufschwung positiv beeinflusst. Infolge dieser Entwicklungen verringerte sich das Erwerbspotenzial (Personen im erwerbsfähigen Alter von 15 bis unter
65 Jahren) in der Zeit von 2000 bis 2014 von 74,7 Prozent der Bevölkerung auf 68,4 Prozent. Im Gegenzug nahm der Anteil der ab 65-Jährigen in diesem Zeitrahmen von 9,7 Prozent auf 17,9 Prozent zu.9 Zum
Erwerbspotenzial gehören die Erwerbstätigen10 und die Erwerbslosen.

9
10

Vgl. Abbildungen 2.9 und 2.10.
Zu den Erwerbstätigen gehören sowohl Vollzeiterwerbstätige, Teilzeiterwerbstätige, Minijobber (bis 450 Euro
pro Monat) sowie Beschäftigte in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen als auch geringfügig Beschäftigte (unter
20 Std. pro Woche). Das heißt, Erwerbstätigkeit führt nicht unbedingt zu einem existenzsichernden Einkommen, sondern bedingt in nicht wenigen Fällen die gesetzliche Aufstockung auf den Regelsatz zur Grundsicherung für Arbeitsuchende nach dem SGB II.

41

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Der Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung in Marzahn-Hellersdorf sank von 2000 bis 2005 von
50,6 Prozent auf 46,0 Prozent und stieg seitdem bis 2010 auf 49,0 Prozent und bis 2014 auf 49,2 Prozent
an. Der Anteil der Erwerbslosen in Marzahn-Hellersdorf stieg in der Zeit von 2000 bis 2005 infolge der
strukturellen und konjunkturellen Krisenprozesse von 8,9 Prozent auf 12,3 Prozent an. Er ging vor allem
im Zusammenhang mit der Wirtschaftsentwicklung von 2005 auf 2010 von 12,3 Prozent auf 8,2 Prozent
und bis zum Jahre 2014 auf 5,7 Prozent zurück. Im selben Zeitrahmen wuchs der Anteil der Nichterwerbstätigen (Kinder, Rentnerinnen und Rentner, Pensionärinnen und Pensionäre, Erwerbsgeminderte,
Hausfrauen und -männer u.a.) von 40,4 Prozent auf 45,1 Prozent an.
In der Gruppe der ab 50-Jährigen stieg der Anteil der Erwerbstätigen in Marzahn-Hellersdorf von 2000
bis 2015 von 35 Prozent auf 42 Prozent. Der Anteil der Erwerbslosen unter den ab 50-Jährigen nahm von
10 Prozent im Jahre 2000 zu und erreichte im Jahr 2005 13 Prozent. Von 2005 sank der Anteil der erwerbslosen ab 50-Jährigen auf 5 Prozent im Jahre 2010 und weist 2015 einen Anteil von 6 Prozent aus.
Die Nichterwerbstätigen betrugen in diesem Zeitrahmen jeweils ca. die Hälfte der ab 50-jährigen Bevölkerung (vgl. Abbildung 2.30).
Abbildung 2.30:

Entwicklung der Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung und der ab 50-Jährigen in
Marzahn-Hellersdorf 2000, 2005, 2010 und 2014/2015 - in Prozent Einwohnerinnen und Einwohner insgesamt
49,2

2014

5,7

49,0

8,2

49

2010

46,2

2005

42,7

12,3

50,6

2000

45,1

41,6

8,9

40,4

ab 50-Jährige
42

2015

41

2010
2005
2000

6

52

5

36

50

13

35

49

10
Erwerbstätige

Erwerbslose

4

53
Nichterwerbstätige

2
2

ohne Antw.

Berechnet nach: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Ergebnisse des Mikrozensus 2000, 2005, 2010, 2014 - Bevölkerung und
Erwerbstätigkeit, jeweils Tabelle 4.3 und sfz/50 und älter in Hellersdorf und Marzahn 2000; sfz/50 und älter in MarzahnHellersdorf 2005, 2010, 2015 (gew.)

Im Jahre 2014 zählten von den Einwohnerinnen und Einwohnern insgesamt 54,9 Prozent zu den Erwerbspersonen, und 45,1 Prozent waren Nichterwerbstätige.
Von den ab 50-Jährigen zählte im Jahre 2015 fast die Hälfte (48 Prozent) zu den Erwerbspersonen.
42 Prozent waren Erwerbstätige, d.h. 34 Prozent mit Vollzeittätigkeit, 6 Prozent in Teilzeit und 2 Prozent
in geringfügiger Beschäftigung. 6 Prozent der ab 50-Jährigen waren arbeitslos.
Die Erwerbsbeteiligung konzentriert sich auf die künftigen Senioren im Alter von 50 Jahren bis zur aktuellen Regelaltersgrenze 2015 von 65 Jahren und 4 Monaten. Von den 65- bis unter 75-Jährigen gingen
8 Prozent einer Erwerbstätigkeit nach. 1 Prozent dieser Gruppe hatte das 65. Lebensjahr bereits vollen-

42

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

det und zählte in Auswirkung der stufenweisen gesetzlichen Anhebung der Regelaltersgrenze als erwerbslos. Die überwiegende Mehrheit von 91 Prozent ist nicht mehr erwerbstätig.
Von den ab 75-Jährigen war insgesamt ein Prozent erwerbstätig und 99 Prozent waren Rentnerinnen
und Rentner, Pensionärinnen und Pensionäre (vgl. Abbildung 2.31).
Abbildung 2.31:

Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung, insbesondere der ab 50-Jährigen
- Marzahn-Hellersdorf 2014/2015 - in Prozent* Bevölkerung 2014

ab 50-Jährige 2015

49,2

42
6

5,7
45,1

52

ab 50-Jährige nach Altersgruppen 2015
16
11
91

99

73

1

8

50 b.u. 65 Jahre
Erwerbstätige

65 b.u. 75 Jahre
Erwerbslose

1% Erwerbslose
1

75 Jahre u.ält.
Nichterwerbstätige

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent
Berechnet nach: Ergebnisse des Mikrozensus im Land Berlin 2014, Hrsg.: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, 2015; Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die Differenzierung der Erwerbsbeteiligung nach Geschlecht dokumentiert, dass unter den ab
50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf im Jahre 2015 mehr Männer (47 Prozent) als Frauen (38 Prozent)
erwerbstätig waren. Diese Verteilung bestätigte sich auch bei den künftigen Senioren mit 78 Prozent
erwerbstätiger Männer und 68 Prozent erwerbstätiger Frauen. Jenseits der Regelaltersgrenze (2015 mit
der Vollendung des 65. Lebensjahres plus vier Steigerungsmonate) kehrte sich die Geschlechterstruktur
der Erwerbstätigen auf wesentlich geringerem Niveau um. Von den 65- bis unter 75-Jährigen haben sich
11 Prozent der Frauen und 6 Prozent der Männer entschieden, weiterhin einer Erwerbsarbeit nachzugehen (vgl. Tabelle 2.7).

43

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 2.7:
insgesamt/
Altersphasen

Erwerbsbeteiligung der ab 50-Jährigen - nach Altersphasen und Geschlecht
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent Erwerbstätige

Erwerbslose

Nichterwerbstätige

Erwerbstätige

Frauen
insgesamt

Erwerbslose

Nichterwerbstätige

Männer

38

6

56

47

6

47

50 b.u. 65 Jahren

68

12

20

78

10

12

65 b.u. 75 Jahren

11

1

88

6

im Alter von

75 Jahren u.ält.

1

99

94
100

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

2.4.3

Erwerbstätige nach der Stellung im Beruf

Die hier vorgenommene Analyse konzentriert sich ausschließlich auf die Erwerbstätigen aus MarzahnHellersdorf in den Jahren von 2000 bis 2014. Diese unterteilten sich nach ihrer Stellung im Beruf in Arbeiterinnen und Arbeiter, Angestellte, Beamtinnen und Beamte sowie Selbständige nebst deren mithelfenden Familienangehörigen.
Im Gefolge des Strukturwandels der Wirtschaft, des Ausbaus des Dienstleistungssektors und der Digitalisierung der Arbeitswelt vollzogen sich wie bundesweit auch in Marzahn-Hellersdorf nachhaltige Veränderungen in der Stellung der Menschen im Beruf. Von den Erwerbstätigen insgesamt bildeten über die
Jahre hinweg die Angestellten die größte Gruppe. Deren Anteil entwickelte sich in Marzahn-Hellersdorf
von 55,0 Prozent im Jahre 2000 sukzessive ansteigend bis auf 68,1 Prozent im Jahre 2014. Den zweitgrößten Anteil an den Erwerbstätigen stellten die Arbeiterinnen und Arbeiter. Jedoch ihr Anteil verringerte sich von 31,4 Prozent im Jahre 2000 kontinuierlich auf 15,2 % im Jahre 2014. Der Anteil der Beamtinnen und Beamten nahm im selben Zeitrahmen von 6,0 Prozent auf 7,5 Prozent aller Erwerbstätigen
des Bezirkes zu. Der Anteil der Selbständigen nebst deren mithelfenden Familienangehörigen stieg im
Bezirk Marzahn-Hellersdorf von 2000 bis 2014 von 7,6 Prozent auf 9,1 Prozent der Erwerbstätigen an.
Die SFZ-Befragungen „50 und älter in Hellersdorf und Marzahn 2000“ sowie „50 unter älter in MarzahnHellersdorf 2005, 2010 und 2015“ weisen aus, dass auch in der Gruppe der ab 50-Jährigen die Angestellten den größten Anteil bildeten. Dabei ist zu vermerken, dass sie vom Jahre 2000 bis 2014 von
67 Prozent auf 58 Prozent zurückgingen. Im Gegenzug stieg der Anteil der Arbeiterinnen und Arbeiter im
selben Zeitraum von 17 Prozent auf 28 Prozent an. Die Verschiebungen der Anteile von ab 50-jährigen
Angestellten, Arbeiterinnen und Arbeitern an den Erwerbstätigen stehen im engen Zusammenhang mit
den strukturellen Veränderungen der Arbeitswelt und dem dadurch bedingten Wandel der Qualifikationsanforderungen. Die Beamtinnen und Beamten unter den ab 50-Jährigen besetzten einen Anteil
zwischen 4 und 7 Prozent. Der Anteil der Selbständigen und mithelfenden Familienangehörigen sank in
dieser Gruppe von 12 Prozent im Jahre 2000 (Ich-AG) auf 7 Prozent im Jahre 2015 (vgl. Abbildung 2.32).

44

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 2.32:

Erwerbstätige insgesamt und ab 50-jährige Erwerbstätige - nach der Stellung im Beruf
- Marzahn-Hellersdorf 2000, 2005, 2010 und 2014/2015 - in Prozent* Erwerbstätige insgesamt

2014
2010

15,2

68,1

22,6

65,6

25,4

2005

7,5
4,0

7,8

6,0
6

7,1

6,0

7,6

7

7

4

61,4
55,0

31,4

2000

9,1

55

6

ab 50-jährige Erwerbstätige
28

2015
2010
2005
2000

58

24

60

7

9

24

60

7

9

17
Arbeiterinnen/Arbeiter

67
Angestellte

4

Beamtinnen/Beamte

12

Selbständige/mithelf. Fam.angh.

* nur tatsächliche Antworten
Berechnet nach: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Ergebnisse des Mikrozensus 2000, 2005, 2010, 2014 - Bevölkerung und
Erwerbstätigkeit, jeweils Tabelle 4.10 und sfz/50 und älter in Hellersdorf und Marzahn 2000; sfz/50 und älter in MarzahnHellersdorf 2005, 2010, 2015 (gew.)

Wie bereits in den zurückliegenden Jahren traten 2014/2015 in Marzahn-Hellersdorf bezüglich der Stellung im Beruf zwischen den Erwerbstätigen insgesamt und den ab 50-Jährigen unter ihnen strukturelle
Unterschiede hervor. So fiel der Anteil der Angestellten bei den ab 50-Jährigen um 10 Prozentpunkte
geringer aus als bei den Erwerbstätigen insgesamt. Der Arbeiteranteil hingegen hatte bei den ab
50-Jährigen einen beachtlich größeren Umfang als bei den Erwerbstätigen. Beamtinnen und Beamte
sowie Selbständige nebst mithelfenden Familienangehörigen wiesen 2015 in beiden Gruppen jeweils
Anteile von unter 10 Prozent aus.
Innerhalb der ab 50-jährigen Erwerbstätigen aus Marzahn-Hellersdorf zeigen sich die typischen geschlechtsspezifischen Unterschiede, dass Frauen häufiger als Männer im Angestellten- bzw. im Beamtenverhältnis beschäftigt sind und häufiger Männer als Arbeiter oder Selbständige tätig sind (vgl. Abbildung 2.33).

45

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 2.33:

Erwerbstätige - nach der Stellung im Beruf - Marzahn-Hellersdorf 2014/2015
- in Prozent Erwerbstätige insgesamt 2014

dar.: 50- bis unter 65-Jährige 2015

28

15,2
68,1
9,1
7,5

7

58

7

50- bis unter 65-Jährige 2015
Männer

Frauen

9
6

6
9

45
71

40
14
Arbeiterinnen/Arbeiter

Angestellte

Beamtinnen/Beamte

Selbständige/mith.Fam.angeh.

Berechnet nach: Ergebnisse des Mikrozensus im Land Berlin 2014, Hrsg.: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, 2015;
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

2.4.4

Die Einkommensentwicklung der Bevölkerung und der ab 50-Jährigen in
Marzahn-Hellersdorf

Sowohl die individuellen Nettoeinkommen als auch die Haushaltseinkommen der erwachsenen Einwohnerinnen und Einwohner in Marzahn-Hellersdorf begründen sich mehrheitlich wie auch bundesweit auf
die eigene Erwerbsbeteiligung bzw. auf in der Erwerbsphase aufgebaute Anwartschaften auf Alterssicherung. Für den Zeitraum von 2000 bis 2014/2015 veränderten sich infolge von strukturellen und konjunkturellen Krisenprozessen, vor allem in Abhängigkeit des Ausmaßes der Arbeitslosigkeit, für die
Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger auch in Marzahn-Hellersdorf die Bedingungen ihrer Erwerbsbeteiligung und ihrer Einkommensmöglichkeiten. In diesem Zusammenhang sollen die Entwicklung der individuellen Nettoeinkommen und der Haushaltsnettoeinkommen der Bevölkerung insgesamt und der ab
50-Jährigen insbesondere beleuchtet und die altersspezifischen Unterschiede in den Einkommensstrukturen aufgedeckt werden.
Die grundsätzlichen Unterschiede in der Struktur der individuellen Nettoeinkommen der Bevölkerung
und der ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf resultieren sowohl aus den individuellen Qualifikationen,
dem Umfang und der Art der Erwerbsbeteiligung bzw. aus den Ansprüchen auf Alterssicherungsleistungen als auch aus altersspezifischen Voraussetzungen zur Erzielung von Einkommen.
Während bei den ab 50-Jährigen die berufliche Primärqualifikation abgeschlossen ist und sich Einkommenslosigkeit im Wesentlichen auf Langzeitarbeitslose ohne Leistungsanspruch sowie Hausfrauen/
-männer beschränkt, zählen in der Bevölkerung neben den genannten Gruppen die wirtschaftlich unselbständigen Kinder als Einkommenslose. Des Weiteren erzielen die in Ausbildung befindlichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen als Bevölkerungsgruppe überwiegend untere Einkommen. Diese für die
individuellen Nettoeinkommen zugrunde liegenden Voraussetzungen spiegeln sich auch indirekt in der
Struktur der Haushaltsnettoeinkommen wider.

46

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Die individuellen Nettoeinkommen der Bevölkerung insgesamt zeigen von 2000 bis 2015 im Trend einen deutlichen Anstieg der oberen Einkommensgruppen von mehr als 900 Euro pro Monat um
11,2 Prozentpunkte. Die darunter liegenden Einkommensgruppen verringerten sich in dieser Zeit im
Ausmaß von: kein eigenes Einkommen - um -6 Prozentpunkte, Einkommen unter 500 Euro - um
-1,8 Prozentpunkte und Einkommen von 500 bis unter 900 Euro - um -3,4 Prozentpunkte.
Ähnliche Entwicklungen weisen die individuellen Nettoeinkommen der ab 50-Jährigen aus MarzahnHellersdorf aus. Bei ihnen stieg der Anteil der Einkommensgruppen von mehr als 900 Euro pro Monat
von 63 Prozent im Jahre 2000 auf 75 Prozent im Jahre 2015 um 12 Prozentpunkte an. Im selben Zeitrahmen sank der Anteil der Einkommensgruppe von 500 bis unter 900 Euro um -12 Prozentpunkte von
29 Prozent im Jahre 2000 auf 17 Prozent im Jahre 2015.
Für die ab 50-Jährigen ist neben dem Potenzial für Einkommenswachstum über die Jahre hinweg ein
verfestigter Sockel von 8 bis 10 Prozent entstanden, der entweder über kein eigenes Einkommen bzw.
kein existenzsicherndes Einkommen unter 500 Euro verfügt (vgl. Abbildung 2.34).
Abbildung 2.34:

Entwicklung der individuellen Nettoeinkommen der Bevölkerung und der ab
50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf - 2000, 2005, 2010 und 2014/2015 - in Prozent* Einwohnerinnen und Einwohner insgesamt

2014
2010

12,1

9,3

19,5

12,2

10,6

18,1

2005

59,1

23,5
11,1

53,7
22,9

47,9

100 der Umwertung von DM in Euro
keine vergleichbaren Daten auf Grund

2000

ab 50-Jährige
2015
2010
2005
2000

4
2

4

17

5
5

3

75

23
5

70

20

5

70
29

kein eigenes Einkommen

63
unter 500 Euro

500 b.u. 900 Euro

900 Euro u.dar.

* nur tatsächliche Antworten
Berechnet nach: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Ergebnisse des Mikrozensus 2000, 2005, 2010, 2014 - Bevölkerung und
Erwerbstätigkeit, jeweils Tabelle 4.6 und sfz/50 und älter in Hellersdorf und Marzahn 2000; sfz/50 und älter in MarzahnHellersdorf 2005, 2010, 2015 (gew.)

Der Vergleich der individuellen Nettoeinkommen der Jahre 2014/2015 der Bevölkerung insgesamt und
der ab 50-Jährigen zeigt für die Einkommensgruppen „ohne eigenes Einkommen“ und „unter 500 Euro“
bei den ab 50-Jährigen eine wesentlich geringere Ausprägung an als in der Bevölkerung insgesamt.
Demgegenüber sind die Anteile für die Einkommensgruppe von 500 bis unter 900 Euro in der Bevölkerung (19,5 Prozent) und bei den ab 50-Jährigen (17 Prozent) in einem ähnlichen Umfang ausgewiesen.
Individuelle Nettoeinkommen von mehr als 900 Euro erzielen drei Viertel der ab 50-Jährigen, aber nur
59,1 Prozent der Bevölkerung insgesamt.

47

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

In das Haushaltsnettoeinkommen fließen die Nettoeinkommen (abzüglich Steuern und Sozialabgaben)
der erwachsenen Haushaltsmitglieder bzw. Einkommensanteile z.B. Kostgeld oder anteilige Miete von
heranwachsenden Jugendlichen oder erwachsenen Kindern bzw. weiteren Angehörigen oder familienfremden Haushaltsmitgliedern ein.
In der Struktur der Haushaltsnettoeinkommen der Bevölkerung vollzogen sich im Zeitraum von 2005 bis
2015 deutliche Verschiebungen in der Ausprägung der Anteile. So verkleinerte sich der Anteil der Haushaltsnettoeinkommen unter 900 Euro um 8 Prozentpunkte. Die Einkommensgruppen zwischen 900 und
2.600 Euro nahmen in diesem Zeitraum jeweils weniger als 2 Prozentpunkte zu. Die Einkommensgruppen zwischen 1.300 und 2.600 Euro veränderten sich in diesem Zeitraum nur geringfügig. Da für das Jahr
2005 die amtliche Statistik das Haushaltsnettoeinkommen nur bis „2.600 Euro u. dar.“ ausgewiesen hat,
ist ein korrekter Vergleich mit den folgenden Jahren nicht möglich. Während der Anteil der Einkommen
zwischen 2.600 und 3.200 Euro von 2005 bis 2014 um 7,8 Prozentpunkte zurückging, entstand bei der
Einkommensgruppe von 3.200 Euro u. dar. ein Zuwachs um 16,1 Prozentpunkte.
Die Entwicklung der Haushaltsnettoeinkommen der ab 50-Jährigen von 2000 bis 2015 wird einerseits
durch die Herausbildung eines konstanten Sockels zwischen 10 und 9 Prozent mit weniger als 900 Euro
pro Monat charakterisiert. Das betrifft vorrangig Haushalte von Langzeitarbeitslosen, Niedrigrentnerinnen und -rentnern, vor allem von alleinlebenden Frauen. Andererseits werden Verschiebungen in der
Struktur der Haushaltsnettoeinkommen erkennbar, die im Rückgang der Anteile der Einkommensgruppen zwischen 900 und unter 2.600 Euro einen Anstieg der beiden oberen Einkommensgruppen hervortreten lassen. So nahm der Anteil der Haushaltsnettoeinkommen von 2.600 bis unter 3.200 Euro in diesem Zeitraum um 7 Prozentpunkte zu und der Anteil der Haushaltsnettoeinkommen von mehr als 3.200
Euro pro Monat wuchs um 10 Prozentpunkte an (vgl. Abbildung 2.35).
Abbildung 2.35:

Entwicklung der Haushaltsnettoeinkommen der Bevölkerung und der ab
50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf - 2000, 2005, 2010 und 2014/2015 - in Prozent Einwohnerinnen und Einwohner insgesamt

2014

13,1

19,6

18,9

2010

9,3
20,5

21,1

2005

17,4
9,2

17,6

15,1
15,1

9

16,1
16, 3

9,0

15,4

18,7

9,0

9,2

11,7

9

16,6

11, 9

17,0*
17

100 der Umwertung von DM in Euro
Keine vergleichbaren Daten auf Grund

2000

ab 50-Jährige
2015
2010
2005
2000

9

13

6

18

10

14

7

10

14

6

10

18

22
20

23

20
7

15
12

25
26

17
14

13
24

unter 900 Euro

900 b.u. 1.300 Euro

1.300 b.u. 1.500 Euro

2.000 b.u. 2.600 Euro

2.600 b.u. 3.200 Euro

3.200 Euro u.dar.

12
8

7

1.500 b.u. 2.000 Euro

* 2005 = 2.600 Euro u. dar.
Berechnet nach: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Ergebnisse des Mikrozensus 2000, 2005, 2010, 2014 - Haushalte, Familien und Lebensformen, jeweils Tabelle 6.3 und sfz/50 und älter in Hellersdorf und Marzahn 2000; sfz/50 und älter in MarzahnHellersdorf 2005, 2010, 2015 (gew.)

48

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Der Vergleich der Haushaltsnettoeinkommen der Bevölkerung insgesamt mit denen der ab 50-Jährigen
für das Jahr 2014 bzw. 2015 unterstreicht die günstigere Einkommensposition der Letzteren gegenüber
der Bevölkerung in Marzahn-Hellersdorf insgesamt.
Während 42 Prozent aller Haushalte über ein Haushaltsnettoeinkommen bis unter 1.500 Euro verfügen,
fällt dieser Anteil bei den ab 50-Jährigen (28 Prozent) um 14 Prozentpunkte geringer aus. Dennoch soll
auf die Besetzung der unteren Einkommensgruppen aufmerksam gemacht werden. Denn 13,1 Prozent
aller Haushalte und 9 Prozent der Haushalte von ab 50-Jährigen verfügen über weniger als 900 Euro pro
Monat, und weitere 19,6 Prozent aller Haushalte sowie 13 Prozent der Haushalte von ab 50-Jährigen
haben ein ausgabefähiges Haushaltsnettoeinkommen von 900 bis unter 1.300 Euro. Die Einkommensgruppe von 1.500 bis unter 2.000 Euro ist bei der Bevölkerung insgesamt wie bei den ab 50-Jährigen
ähnlich stark besetzt. Mehr als die Hälfte der Haushalte von ab 50-Jährigen (54 Prozent) kann monatlich
mehr als 2.000 Euro ausgeben. Das trifft jedoch nur auf 40,4 Prozent aller Haushalte zu.
2.5

Fazit

Die soziodemographische Entwicklung der ab 50-Jährigen innerhalb der Einwohnerschaft von
Marzahn-Hellersdorf von 2000 bis 2015
Die längerfristigen soziodemographischen Entwicklungen in der Zeit von 2000 bis 2014/2015, die im
Wesentlichen aktuell bestätigt werden, machen auf folgende Veränderungen in der Gruppe der ab
50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf aufmerksam:


Die Entwicklung der Altersstruktur der ab 50-Jährigen zeigt einen stetigen Anstieg ihres Anteils an
der Bevölkerung von 17 auf 26 Prozent. Im Fortlauf dieser Entwicklung kämen mehr Frauen und
Männer als bisher in den Kreis der Seniorenschaft des Bezirkes hinein und würden damit zu potenziellen Klienten der bezirklichen Seniorenpolitik.



Die Veränderungen in der Zusammensetzung der ab 50-Jährigen nach der ethnischen Herkunft lassen bislang ein nur allmähliches Anwachsen des Anteils der Menschen mit Migrationshintergrund in
der Zielgruppe erwarten. Da der größte Anteil der ab 50-Jährigen mit Migrationshintergrund zu den
künftigen Senioren im Alter von 50 bis unter 65 Jahren gehört, werden innerhalb der nächsten
15 Jahre dennoch mehr von ihnen in die Seniorenschaft hineinwachsen als bisher. Das sollte die bezirkliche Seniorenpolitik motivieren, den angemessenen Ausbau kultursensibler Angebote von lebenspraktischen Hilfen, Beratung, Kommunikation und Pflege einschließlich der Ausbildung und des
Einsatzes muttersprachlicher Fachkräfte fortzusetzen und vor allem die auf diesem Gebiet tätigen
freien Träger bzw. Vereine in ihren Integrationsbemühungen zu unterstützen.



Die Entwicklung der Geschlechterstruktur in der Zielgruppe bestätigt die mit zunehmendem Lebensalter voranschreitende Feminisierung der Seniorenschaft. Diese verhält sich dennoch seit 2000 im
Zeitverlauf abnehmend. Die vorliegenden Vergleiche im 5-jährigen Abstand lassen in den Altersphasen der 65- bis 85-Jährigen und Älteren eine Zunahme des Anteils der Männer erkennen.



Der Wandel des Familienstandes weist mit dem Anstieg der Partnerschaften bei Männern und Frauen bis ins fortgeschrittene Alter und bei hochbetagten Männern eine Stabilisierung der primären
familialen Bindungen aus. Zugleich ist das Anwachsen eines größeren Anteils geschiedener Männer
als geschiedener Frauen auffällig.

49

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015



Die Entwicklung der Haushaltsstruktur der ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf lässt für die Zeit
von 2000 bis 2015 neben der Dominanz der 2-Personen-Haushalte eine Verschiebung zwischen von
Frauen und Männern geführten 1-Personen-Haushalten erkennen. Damit wächst im Bezirk der Anteil der alleinlebenden Männer von 4 Prozent im Jahre 2000 auf 11 Prozent im Jahre 2015. Der Anteil der von Frauen geführten 1-Personen-Haushalte hat sich nicht verändert und erreicht aktuell einen Umfang von knapp einem Fünftel aller privaten Haushalte. Ein nicht zu unterschätzendes Feld
für die bezirkliche Seniorenpolitik wird auch in den kommenden Jahren in der Entwicklung und Stärkung der Selbsthilfepotenziale alleinlebender Menschen, insbesondere hochbetagter Frauen, und
deren Integration in außerfamiliale Netze und Nachbarschaftsbeziehungen sein.

Bevölkerungsprognose 2015 bis 2030 für Marzahn-Hellersdorf unter besonderer Berücksichtigung der
prognostizierten Entwicklung der ab 50-Jährigen
Die prognostizierte Entwicklung der Einwohnerschaft von Marzahn-Hellersdorf in den Jahren von 2015
bis 2030 und insbesondere die vorausberechneten Veränderungen bei den ab 50-Jährigen des Bezirkes
stellen wesentliche Grundlagen für die bezirkliche Sozial- und Altenplanung dar. Folgende Aspekte sollen
dabei hervorgehoben werden:


Der demographische Wandel in Marzahn-Hellersdorf und der daraus resultierende Anstieg der Seniorenschaft erwächst vor allem aus dem sich vollziehenden Wechsel jener breiten Bevölkerungsschicht aus der Erwerbsphase in den Ruhestand, die vor 25/37 Jahren als junge Familien nach Marzahn und später nach Hellersdorf gezogen ist. Das quantitative Anwachsen der Seniorenschaft wird
darüber hinaus durch die steigende Lebenserwartung älterer Frauen und Männer sowie durch Zuzug
älterer Personen aus anderen Regionen der Bundesrepublik sowie durch Migration gestärkt.



Der prognostizierte Zuwachs der Seniorenschaft verweist zugleich auf den quantitativen Anstieg
seniorenspezifischer Bedarfe und erfordert die Anpassung der öffentlichen Rahmenbedingungen an
dieselben.



Der diskontinuierliche Anstieg der Altersphasen bedingt den Ausbau der seniorengerechten Infrastruktur gemäß der Bedarfsentwicklung. Während die jungen Alten und die fortgeschrittenen Älteren im Prognosezeitraum einen Anstieg um ca. die Hälfte erfahren, beträgt der Anstieg bei den
Hochbetagten mehr als das Doppelte. Das heißt, die Bedarfsentwicklung bei den Hochbetagten nach
wohnortorientierter Versorgung mit Hilfe- und Serviceangeboten, seniorengerechten Wohnungen,
mit Beratung, mit Freizeit- und Kommunikationsangeboten sowie einer breitgefächerten Pflegeinfrastruktur bis zu Hospizangeboten vollzieht sich schneller als bei den jüngeren Seniorinnen und Senioren.



Die vorausberechnete Geschlechterstruktur der Seniorenschaft in Marzahn-Hellersdorf weist eine
eindeutige Dominanz der Frauen aus, die sich zum Ende des Prognosezeitraumes leicht abschwächt.
Daraus resultiert, dass nach wie vor in Folge der Feminisierung im höheren Lebensalter die öffentlichen Rahmenbedingungen auf mehr weibliche Bedarfe ausgerichtet werden sollten. Zugleich ist
dem quantitativen Anstieg der Männer im Seniorenalter durch den Ausbau von an männlichen Bedarfen orientierten sozialen Angeboten Rechnung zu tragen.



Der demographische Wandel und das damit einhergehende Anwachsen der Seniorenschaft vollziehen sich sowohl in den Großsiedlungen als auch in den Siedlungsgebieten. Die größte Konzentration
an Seniorinnen und Senioren wurde für den Prognoseraum Marzahn vorausberechnet, gefolgt von

50

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Hellersdorf, Kaulsdorf/Mahlsdorf und Biesdorf. Es ist davon auszugehen, dass sich in den kommenden Jahren in dieser Reihenfolge auch die Bedarfsdichte an seniorengerechten Rahmenbedingungen
entwickeln wird.
Soziostrukturelle Differenzierung der ab 50-Jährigen innerhalb der Einwohnerschaft des Bezirkes
Für die längerfristige Entwicklung und die aktuellen Analyseergebnisse zu den hauptsächlichen soziostrukturellen Merkmalen der ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf können folgende Veränderungen
festgehalten werden:


Im vorgegebenen Zeitrahmen erfolgte in Marzahn-Hellersdorf eine grundsätzliche Umschichtung der
Qualifikationsstruktur der ab 50-Jährigen von überwiegend Fachschul- und Hochschulabsolventen
(2000 = 58 Prozent; 2015 = 36 Prozent) auf eine Dominanz von 52 Prozent mit abgeschlossener Berufsausbildung bzw. Teilausbildung. Hervorzuheben ist, dass die Qualifikationsstruktur der heute
künftigen Senioren und jungen Alten gegenüber den Älteren eine Zunahme der Fach- und Hochschulabschlüsse belegt. Das bedeutet für die Seniorenschaft im Bezirk weiteren Zuwachs an sozialen
und beruflichen Erfahrungen, modernen Kenntnissen und Fertigkeiten, die ihr Aktivitäts- und Gestaltungspotenzial stärken.



Im Zusammenhang mit dem wirtschaftlichen Aufschwung und dem Rückgang der Arbeitslosigkeit
veränderte sich vor allem seit 2010 die Struktur der Erwerbsbeteiligung der ab 50-Jährigen zugunsten des Anteils der Erwerbstätigen. Zugleich verfestigte sich seit 2010 ein Sockel von Langzeitarbeitslosen11.
Da die heute künftigen Senioren aktuell mehrheitlich im Erwerbsleben in moderne Produktions- und
Organisationsabläufe eingebunden und mit neuesten Kommunikationstechnologien vertraut sind,
ist davon auszugehen, dass diese Gruppe im Laufe der nächsten 10 bis 15 Jahre weiterreichende
Interessen und Bedürfnisse sowie Fähigkeiten zur subjektiven Gestaltung des individuellen Altersverlaufs in ihr Seniorendasein einbringen kann.



Bei den gegenwärtig ab 50-jährigen Erwerbstätigen in Marzahn-Hellersdorf vollzog sich in Folge
struktureller Veränderungen in der Arbeitswelt ein nachhaltiger Wandel in der Stellung im Beruf.
Entwertung der Primärqualifikation, Erwerbspausen durch Arbeitslosigkeit und dadurch verursachte Dequalifizierung sowie geringe Weiterbildungsmöglichkeiten führten zwischen dem Jahr
2000 und dem Jahr 2015 zu einer Verschiebung des Arbeiteranteils an den Erwerbstätigen von 17
auf 28 Prozent und einer Verringerung des Angestelltenanteils von 67 Prozent auf 58 Prozent. Dieser
Prozess wurde in Marzahn-Hellersdorf durch Zuzug von Arbeiterinnen und Arbeitern zusätzlich verstärkt. Das könnte sich künftig in einer deutlicheren geschlechtsspezifischen Bedürfnis- und Interessendifferenzierung und in einer Zunahme von praktisch orientierten Bedürfnissen (Handwerk, Garten, Umwelt) äußern.



Der Vergleich der individuellen und der Haushaltsnettoeinkommen hebt die günstigere Einkommensposition der ab 50-Jährigen gegenüber der Bevölkerung insgesamt hervor. Diese resultiert sowohl aus der angestiegenen Erwerbsquote der 50- bis unter 65-Jährigen als auch aus den regelmäßigen Alterssicherungsleistungen der überwiegenden Mehrheit der Seniorinnen und Senioren.

11

Vgl. Kapitel 3, Abschnitt 3.2.1.

51

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015



Die Entwicklung der individuellen Nettoeinkommen der ab 50-Jährigen belegt, dass es unter der
Voraussetzung der erforderlichen Qualifikation und in Abhängigkeit von der Teilhabe am wirtschaftlichen Aufschwung einem zunehmenden Anteil der Erwerbstätigen gelang, ein existenzsicherndes
bzw. darüber liegendes Nettoeinkommen zu erzielen. Hingegen Langzeitarbeitslose und durch prekäre Arbeitsverhältnisse vom wirtschaftlichen Aufschwung Ausgeschlossene verharren in den unteren Einkommensgruppen.



In Bezug auf die Haushaltsnettoeinkommen der ab 50-Jährigen für die Zeit von 2000 bis 2015 ist
eine Polarisierung von 10 bis 9 Prozent sowie in der Einkommensgruppe von 900 bis unter 1.300 Euro von 18 auf 13 Prozent einerseits und ein deutlicher Anstieg der Anteile der oberen Einkommensgruppen von 2.600 bis unter 3.200 Euro von 8 auf 15 Prozent und in der Gruppe von 3.200 Euro und
darüber von 7 auf 17 Prozent festzustellen.



Trotz der überwiegend vorteilhaften Struktur der individuellen und der Haushaltseinkommen in
Marzahn-Hellersdorf sollte in Betracht gezogen werden, dass ein Teil der 1- und 2-PersonenHaushalte sowohl insgesamt als auch unter den ab 50-Jährigen mit ihrem Haushaltsnettoeinkommen unter dem von der Bundesregierung festgelegten sächlichen Existenzminimum für das Jahr
2015 von monatlich 721 Euro für Alleinlebende und 1.206 Euro für Paare lag und auf Transferleistungen angewiesen war12. Die in der Gruppe der ab 50-Jährigen längerfristig festgestellte Polarisierung der Einkommen verfestigte sich im Jahr 2015 bei ca. 10 Prozent der Haushaltsnettoeinkommen
in den unteren Einkommensgruppen von weniger als 900 Euro.



Auf Grund der bis mindestens 2030 gesetzlich festgeschriebenen Absenkung des Rentenniveaus und
der damit verbundenen Verringerung der wichtigsten Alterseinkommensquelle der Mehrheit der älteren Bürgerinnen und Bürger ist mit einem Rückgang der materiellen Alterssicherung insgesamt
und bei Empfängerinnen und Empfängern von geringen Renten mit einer Zunahme des Grundsicherungsbezugs im Alter zu rechnen. Gerade für diese Gruppe wird es künftig darauf ankommen, dass
ihre gesellschaftliche Teilhabe durch kostengünstige kulturelle, kommunikative und Beratungsangebote in den Stadtteilzentren und Nachbarschaftseinrichtungen ermöglicht wird.

2.6

Handlungsempfehlungen

Die zu erwarteten demographischen und sozialen Veränderungen innerhalb der Gruppe der ab
50-Jährigen insgesamt und innerhalb der einzelnen Altersphasen stellen die bezirkliche Seniorenpolitik
vor folgende Herausforderungen:


12

Der sich fortsetzende Anstieg der ab 50-jährigen Einwohnerschaft im Bezirk wird auch künftig die
Berücksichtigung der spezifischen Bedürfnisse und Bedarfe in den bezirklichen Entscheidungen bezüglich aller Bereiche der urbanen und sozialen Infrastruktur erfordern. Zugleich kommt es darauf
an, durch vielfältige Aktivitäten des Netzwerkes im Alter, von Organisationen, Verbänden und Vereinen und der FreiwilligenAgentur die künftigen Seniorinnen und Senioren sowie die Seniorenschaft
anzusprechen und zu motivieren, sich mit ihren Fähigkeiten und Erfahrungen in bestehende und neu
entstehende Beteiligungsstrukturen und soziale Netzwerke einzubringen.

Bundesregierung: 10. Existenzminimumsbericht, Berlin 28.1.2015, S. 8.

52

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015



Die in den nächsten 10 bis 15 Jahren stark anwachsende Gruppe der jungen Alten (65 bis unter
75 Jahre) verfügt infolge ihrer höheren fachlichen und sozialen Qualifikation über ausgeprägtere
Interessen, Erfahrungen und Fähigkeiten bezüglich ihrer kulturellen Lebensgestaltung, ihrer Selbstverwirklichungsansprüche und ihrer gesellschaftlichen Teilhabe. Die bezirkliche Seniorenpolitik sollte darauf gerichtet werden, dieses Potenzial zu erschließen und für den sozialen Zusammenhalt im
Bezirk zu mobilisieren.



Entsprechend der Annahme, dass die Gruppe der Hochbetagten im Bezirk weiter ansteigt, sollte die
bezirkliche Seniorenpolitik weiterhin ihren Fokus auf die wohnortnahe Versorgung mit Kommunikations-, Beratungs-, Kultur- und Pflegeangeboten zur Sicherung der gesellschaftlichen Teilhabe dieser
Gruppe legen und die diesbezügliche Zusammenarbeit mit den Wohnungsunternehmen auch zur
Verbesserung der Bedingungen für ein selbstbestimmtes Lebens in der eigenen Häuslichkeit bis ins
hohe Alter weiter ausbauen.



Die sich im höheren Lebensalter vollziehende Singularisierung bewirkt auf Grund der ungleichen
Lebenserwartung der Geschlechter zugleich eine Feminisierung. So überwiegt auch in MarzahnHellersdorf bei der ab 75-jährigen Einwohnerschaft der Frauenanteil zunehmend stärker. Der auf
Partnerverlust beruhende Wegfall familialer Arbeitsteilung führt bei alleinlebenden Frauen - und
auch Männern - zu geschlechtsspezifischen Beratungs- und Hilfebedarfen. Auf diese Bedarfe sollten
sich sowohl die amtliche Sozial- und Gesundheitsberatung als auch freie Träger, Pflegedienste und
Serviceanbieterinnen und -anbieter einstellen.



Die auch für Marzahn-Hellersdorf zu erwartende Zunahme des Anteils der Seniorinnen und Senioren
mit Migrationshintergrund sollte angesichts globaler Entwicklungen die bezirkliche Seniorenpolitik
motivieren, den angemessenen Ausbau kultursensibler Angebote von lebenspraktischen Hilfen, Beratung, Kommunikation, Wohnen und Pflege einschließlich der Ausbildung und des Einsatzes muttersprachlicher Fachkräfte fortzusetzen und vor allem die auf diesem Gebiet tätigen freien Träger
bzw. Vereine in ihren Integrationsbemühungen zu unterstützen. Besonderes Augenmerk sollte auf
die Pflege und Betreuung Hochbetagter mit Migrationshintergrund nach kultursensiblen Maßstäben
gelegt werden.



Ein nicht zu unterschätzendes Feld für die bezirkliche Seniorenpolitik wird auch in den kommenden
Jahren die Förderung der gesellschaftlichen Teilhabe alleinlebender Menschen, insbesondere hochbetagter Frauen, aber auch Männer und deren Integration in außerfamiliale Netze sein. Zu diesem
Zwecke sollten die bezirkliche Seniorenpolitik und die Akteure der Seniorensozialarbeit einschließlich der Wohnungsunternehmen im Bezirk sowohl über das soziale Einbindungspotenzial von Nachbarschaften informieren als auch die Entwicklung und Festigung von Nachbarschaftsbeziehungen
unterstützen.

Unter der Berücksichtigung des Anstiegs der ab 50-jährigen Einwohnerschaft seit dem Jahre 2000 und
der längerfristigen soziostrukturellen Veränderungen dieser Gruppe in Marzahn-Hellersdorf wie


die grundsätzliche Umschichtung der Qualifikationsstruktur von überwiegend akademisch Ausgebildeten zu einer aktuellen Dominanz des Anteils mit abgeschlossener Berufsausbildung,



die Zunahme des Anteils der Einwohnerinnen und Einwohner mit migrationsbedingten Schwierigkeiten am Arbeitsmarkt,

53

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015



der durch Arbeitslosigkeit, Entwertung der Primärqualifikation und Mangel an Qualifizierungsmöglichkeiten für ab 50-Jährige sowie Zuzug aus den Innenstadtbezirken verursachte Anstieg des Anteils
an Arbeiterinnen und Arbeitern,



der über Jahre währende Ausschluss von Langzeitarbeitslosen aus dem Erwerbsleben nebst dessen
Konsequenzen für die materielle Alterssicherung der Betroffenen sowie



die Verfestigung der Einkommenslage zwischen 10 und 15 Prozent der Haushalten von ab
50-Jährigen unterhalb der Armutsrisikoschwelle

führen zur Vertiefung der sozialen Ungleichheit im Bezirk und bestärken die Gefahr der sozialen Abkoppelung der Betroffenen von der in differenzierter Weise an der Wohlstandsentwicklung teilnehmenden
Mehrheit dieser Gruppe.
Ausgehend von diesen Sachverhalten sollte die ressortübergreifende Bezirkspolitik durch


Moderation dieser Probleme mit den Wohnungsunternehmen einer Ghettobildung von prekären
Lebensverhältnissen entgegenwirken und für die Stärkung der sozialen Durchmischung der Wohnquartiere werben;



Zusammenarbeit mit dem Jobcenter sich für die Ausschöpfung aller Möglichkeiten zur beruflichen
Weiterbildung und Qualifizierung sowie zum Abbau migrationsbedingter Integrationsschwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt einsetzen;



politisches Engagement auf der Bundesebene, der Landesebene und im Bezirk dafür wirken, dass
langzeitarbeitslosen Personen mit mehrfachen Vermittlungsschwierigkeiten (Qualifizierungsdefizite,
Sprachschwierigkeiten) mittels einer öffentlich geförderten Beschäftigung eine respektable Lebensperspektive zur Erwerbsbeteiligung und damit zum Zugang zu einem selbst erarbeiteten existenzsichernden Einkommen geöffnet wird.

Ein solcher Weg würde auch einem Anstieg des Bedarfs an öffentlichen Leistungen zur Grundsicherung
im Alter entgegenwirken.

54

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

3.

Erwerbsbeteiligung der 50-Jährigen und Älteren in Marzahn-Hellersdorf 2015

Das 3. Kapitel ist der Analyse der Erwerbsbeteiligung der ab 50-Jährigen aus Marzahn-Hellersdorf gewidmet und schließt den Übergang in den Ruhestand ein. Es will Auskunft geben über die Art und den
Umfang der Erwerbsbeteiligung - auch über die Regelaltersgrenze hinaus - und über die Stellung der
Erwerbstätigen im Beruf. Des Weiteren werden die Zukunftsorientierungen von gegenwärtig Arbeitslosen vorgestellt und die Handlungsstrategien der ab 50-Jährigen insgesamt für die Gestaltung ihres Überganges von der Erwerbstätigkeit in den Ruhestand analysiert.
Arbeit zu haben ist ein hohes Gut
Die Teilnahme am Erwerbsleben bildet für die Mehrheit der erwachsenen Einwohnerinnen und Einwohner in Marzahn-Hellersdorf wie anderenorts sowohl die wichtigste aktuelle Existenzgrundlage und Basis
ihrer Alterssicherung als auch eine wesentliche Basis der Persönlichkeitsentwicklung wie der Ausprägung von Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie von vielfältigen sozialen Beziehungen. Deshalb erfährt „Arbeit zu haben“ unter den Erwerbspersonen eine höhere Wertschätzung als bei jenen, die den Erwerbsaustritt aus gesundheitlichen oder familialen Gründen bzw. altershalber schon vollzogen haben.
Von den ab 50-jährigen Erwerbspersonen (Erwerbstätige und Erwerbslose) halten 89 Prozent „Arbeit zu
haben“ in ihrem persönlichen Leben für wichtig. Diese Wichtigkeit differenziert sich nach Geschlecht
sowie nach Art und Umfang der Erwerbsbeteiligung. Von den durch Arbeitslosigkeit aus dem Erwerbsleben Ausgegrenzten messen nur 74 Prozent diesem Wert eine hohe Wichtigkeit zu und von den bereits
aus dem Arbeitsleben Ausgeschiedenen halten 57 Prozent „Arbeit zu haben“ für wichtig (vgl. Abbildung
3.1).
Abbildung 3.1:

Wichtigkeit von „Arbeit zu haben“ - Erwerbspersonen im Alter von 50 bis unter
75 Jahren - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

Erwerbspersonen
Migrationshintergrund
ja
nein
Geschlecht
Frauen
Männer
Altersphasen
künftige Senioren
junge Alte
Erwerbsstatus
Erwerbstätigkeit - Vollzeit
Erwerbstätigkeit - Teilzeit
geringfügig Beschäftigte
Arbeitslose
Nachtrag
Nichterwerbspersonen

89

7

78

16

2 4

90
90
88

6

2 2

6

1

9

91

6

66

18

8

26
19

57

12

40

60

weniger wichtig

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

55

1

2

unwichtig

17

80
ohne Antw.

1 1

2 4
6

74

wichtig

2

4
8

63

20

3
1

8

94
86

0

3

1

5
2

5

14

100

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

3.1

Erwerbsbeteiligung der 50- bis unter 65-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf 2015

Die Analyse konzentriert sich auf die künftigen Senioren im Alter von 50 bis unter 65 Jahren. Dieser Lebensabschnitt wird aktuell geprägt durch den demographischen Wandel und den wirtschaftlichen Aufschwung - einschließlich des Rückganges der Arbeitslosigkeit. Für die heute 50- bis unter 65-Jährigen
wird er maßgeblich bestimmt durch


die differenzierte individuelle Teilhabe am wirtschaftlichen Aufschwung, der für diese Gruppe sowohl positive Beschäftigungseffekte freisetzt als auch prekäre Arbeitsverhältnisse hervorbringt und
eine Verfestigung des Sockels von älteren Langzeitarbeitslosen mit sich brachte;



durch familiale Veränderungen im Zusammenhang mit der Erlangung der wirtschaftlichen Selbständigkeit der herangewachsenen Kinder und



den Übergang von der Erwerbstätigkeit in den Ruhestand.

Entwicklung der Erwerbsbeteiligung der künftigen Senioren in Marzahn-Hellersdorf 2000 bis 2015
Bezogen auf das jeweilige Erwerbspotenzial der 50- bis unter 65-Jährigen ergab sich ab dem Jahre 2000
bis 2015 ein Anstieg der Erwerbsquote der künftigen Senioren von 53 Prozent auf 73 Prozent. Dieser
Anstieg summiert sich nicht unwesentlich aus Anteilen von Teilzeit- und geringfügiger Beschäftigung
(vgl. Abbildung 3.2).
Abbildung 3.2:

100

Entwicklung der Erwerbsbeteiligung von 50- bis unter 65-Jährigen
- Marzahn-Hellersdorf 2000, 2005, 2010, 2015 - in Prozent 3

1

4

20

17

29

16

15

11
2
10

64

61

2010**

2015

80
22
15

60

40
57

53

20

0
2000**

2005**
Erwerbstätige - VZ

Erwerbstätige - TZ

geringfügig Beschäftigte

Arbeitslose

Nichterwerbstätige

ohne Antw.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent
** für die Jahre 2000, 2005 und 2010 - Erwerbstätige insgesamt
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2000, 2005, 2010, 2015 (gew.)

Künftige Entwicklung des älteren Erwerbspotenzials bis 2030
Auf der Basis der aktuellen Bevölkerungsprognose ist in Marzahn-Hellersdorf gegenüber dem Ist-Stand
von 2014 bis 2030 von einem schrumpfenden Erwerbspotenzial von -8,1 Prozent auszugehen. Nach den
Berechnungen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt würde dies einen Anstieg des
Erwerbspotenzials der 18- bis unter 50-Jährigen um 2,4 Prozent bedeuten und eine Absenkung der älteren Arbeitnehmerschaft von 50 bis unter 65 Jahren -24,4 Prozent nach sich ziehen. Im Detail hieße das:

56

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Von 2014 bis 2020 würde sich in der Gruppe der 18- bis unter 50-jährigen Arbeitskräfte ein Minus von
1,7 Prozent und bei den 50- bis unter 65-Jährigen ein Minus von 6,4 Prozent ergeben. Ansteigend bis
zum Jahr 2025 wäre bei den 18- bis unter 50-Jährigen gegenüber 2014 ein Zuwachs von 1,2 Prozent zu
erwarten, dagegen käme es auf Grund des demographischen Wandels bei den 50- bis unter 65-Jährigen
zu einem Minus von 17,3 Prozent. Während die jüngere Arbeitskräftegruppe bis 2030 gegenüber 2014
einen Anstieg um 2,4 Prozent verbuchen könnte, würde das Minus bei den älteren auf -24,4 Prozent
anwachsen (vgl. Tabelle 3.1).
Tabelle 3.1:
Jahr

Entwicklung des Erwerbspotenzials - Marzahn-Hellersdorf 2014 bis 2030
- absolut und in Prozent Erwerbspotenzial

Veränderungen des Erwerbspotenzials gegenüber 2014
absolut
50 b.u. 65
Jahre

in Prozent

18 b.u. 50
Jahre

50 b.u. 65
Jahre

insgesamt

18 b.u. 50
Jahre

insgesamt

2030

105.361

50.462

155.823

2.486

-16.310

-13.824

2029

105.374

50.749

156.123

2.499

-16.023

2028

105.251

51.518

156.769

2.376

-15.254

2027

105.026

52.609

157.635

2.151

2026

104.650

53.831

158.481

2025

104.067

55.241

2024

103.363

56.739

2023

102.708

2022

18 b.u. 50
Jahre

50 b.u. 65
Jahre

insgesamt

2,4

-24,4

-8,1

-13.524

2,4

-24,0

-8,0

-12.878

2,3

-22,8

-7,6

-14.163

-12.012

2,1

-21,2

-7,1

1.775

-12.941

-11.166

9,0

-19,4

-6,6

159.308

1.192

-11.531

-10.339

1,2

-17,3

-6,1

160.102

488

-10.033

-9.545

0,5

-15,0

-5,6

58.425

161.133

-167

-8.347

-8.514

-0,2

-12,5

-5,0

102.053

59.898

161.951

-822

-6.874

-7.696

-0,8

-10,3

-4,5

2021

101.419

61.340

162.759

-1.456

-5.432

-6.888

-1,4

-8,1

-4,1

2020

101.147

62.509

163.656

-1.728

-4.263

-5.991

-1,7

-6,4

-3,5

2019

100.910

63.752

164.662

-1.965

-3.020

-4.985

-1,9

-4,5

-2,9

2018

100.983

64.885

165.868

-1.892

-1.887

-3.779

-1,8

-2,8

-2,2

2017

101.392

65.787

167.179

-1.483

-985

-2.468

-1,4

-1,5

-1,5

2016

101.900

66.515

168.415

-975

-257

-1.232

-0,9

-0,4

-0,7

2015

102.572

66.879

169.451

-303

107

-196

-0,3

0,2

-0,1

2014

102.875

66.772

169.647

0

0

0

0

0

0

Berechnet nach: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Referat I A Stadtentwicklungsplanung in Zusammenarbeit
mit dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Bevölkerungsprognose für Berlin und die Berliner Bezirke 2015 - 2030, Berlin,
Januar 2016

Im Zuge der Überwindung struktureller und konjunktureller Krisenprozesse und des 2005/2008 einsetzenden wirtschaftlichen Aufschwunges erweiterten sich auch die Chancen der ab 50-Jährigen am Arbeitsmarkt.
3.1.1

Erwerbsbeteiligung der 50- bis unter 65-Jährigen

Die Erwerbsbeteiligung der 50- bis unter 65-Jährigen von insgesamt 73 Prozent differenziert sich im Jahre 2015 in 61 Prozent Vollzeiterwerbstätige, 10 Prozent Teilzeiterwerbstätige und 2 Prozent geringfügig
Beschäftigte. Trotz wirtschaftlichen Aufschwunges sind noch immer 11 Prozent der Gruppe arbeitslos
und 16 Prozent sind Nichterwerbstätige. Von der 65-Jährigen und Älteren sind noch insgesamt 5 Prozent
aktiv am Erwerbsleben beteiligt, darunter 7 Prozent der Frauen und 4 Prozent der Männer.

57

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Sozialräumliche Verteilung der Erwerbstätigen
Diese durchschnittliche Gliederung nach dem Umfang der Erwerbsbeteiligung eröffnet bei sozialräumlicher Betrachtung tiefe Unterschiede. So erweist sich in den Bezirksregionen Marzahn-Süd (73 Prozent),
Biesdorf (85 Prozent), Kaulsdorf (87 Prozent) und Mahlsdorf (90 Prozent) eine überdurchschnittliche
Erwerbsbeteiligung. In allen anderen Bezirksregionen wurden unterdurchschnittliche Werte gemessen.
Noch deutlicher werden die Unterschiede, wenn die Aufmerksamkeit nur auf die Vollzeitbeschäftigung
gerichtet wird. Diesbezüglich werden in Biesdorf, Kaulsdorf und Mahlsdorf überdurchschnittliche Werte
von plus 11 bis 20 Prozent erzielt, und die unterdurchschnittlichen Werte liegen zwischen minus 1 Prozentpunkten in Hellersdorf-Süd - BR 6 - und minus 11 Prozentpunkten in Marzahn-Süd - BR 3. In den
Bezirksregionen der Marzahner und Hellersdorfer Großsiedlung kombiniert sich die geringere Vollzeiterwerbstätigkeit häufig mit einem höheren Teilzeitanteil und vor allem in Marzahn-Nord - BR 1 - (29
Prozent), in Hellersdorf-Nord - BR 4 - (22 Prozent) und Marzahn-Mitte - BR 2 - (13 Prozent) mit überdurchschnittlich hoher Arbeitslosigkeit.
Aus gesundheitlichen oder familialen Gründen bzw. wegen dauerhafter Erwerbsminderung sind von den
50- bis unter 65-Jährigen insgesamt 16 Prozent aus dem Erwerbsleben ausgeschieden, überdurchschnittlich groß ist der Anteil der Nichterwerbstätigen in den Bezirksregionen Hellersdorf-Ost - BR 5 (30 Prozent), in Marzahn-Mitte - BR 2 - (25 Prozent) und in Hellersdorf-Süd - BR 6 - (20 Prozent) (vgl.
Abbildung 3.3).
Abbildung 3.3:

Erwerbsbeteiligung der 50- bis unter 65-Jährigen - nach Bezirksregionen
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent* -

insgesamt
100

16

2015 nach Bezirksregionen
11

16

14

80

11
2
10

11
3

13
6

72

74

BR 7
Biesdorf

BR 8
Kaulsdorf

30

29

1

60

2
11

10
3
2
11

15

20

25

3
7

20

22
9

2
10

5

8
5
8

40
61

53

52

BR 1
MarzahnNord

BR 2
MarzahnMitte

50

56

52

8
2
8
1

81

59

20

0
2015

Erwerbstätige - VZ

BR 3
Marzahn
Süd

Erwerbstätige - TZ

BR 4HellersdorfNord

BR 5
HellersdorfOst

geringfügig Beschäftigte

BR 6
HellersdorfSüd

Arbeitslose

BR 9
Mahlsdorf

Nichterwerbstätige

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Erwerbsbeteiligung
Die Erwerbsbeteiligung der 50- bis unter 65-Jährigen insgesamt weist in Marzahn-Hellersdorf geschlechtsspezifische Unterschiede aus. So sind wesentlich mehr Männer als Frauen vollzeiterwerbstätig.
Der Anteil der teilzeitbeschäftigten Frauen ist mehr als dreimal größer gegenüber dem von Männern.

58

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Eine Minderheit von jeweils 3 Prozent der Männer und 1 Prozent der Frauen geht einer geringfügigen
Beschäftigung nach. Auch der Anteil der Arbeitslosen verteilt sich ausgewogen auf Frauen (12 Prozent)
und Männer (10 Prozent). Zu den Nichterwerbstätigen dieser Altersgruppe zählen von den Frauen
20 Prozent und von den Männern 12 Prozent (vgl. Abbildung 3.4).
Die Erwerbsbeteiligung der 50- bis unter 65-Jährigen mit Migrationshintergrund zeigt wie schon im Jahre
2010 eine gravierend ungünstigere Verteilung als bei der einheimischen Mehrheit. Während insgesamt
73 Prozent erwerbstätig waren, waren von den gleichaltrigen Migrantinnen und Migranten nur 38 Prozent aktive Erwerbstätige.
Abbildung 3.4:

Erwerbsbeteiligung von 50- bis unter 65-Jährigen - nach Geschlecht
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent Frauen

insgesam t

Männer
12

20
12

10
3
4

61

1

15
16
15

10

2

52

Erwe rbstätige - VZ

Erwe rbstätige - TZ

71

11

ge ringfügig Be schäftigte

mit Migrationshintergrund

Arbe itslose

insgesamt

Frauen

N ichte rwe rbstätige

Männer

2
19

63

4

2
13

51

9

25
40
11
12

6
6
29

20

Erwe rbstätige - VZ

Erwe rbstätige - TZ

ge ringfügig Be schäftigte

Arbe itslose

N ichte rwe rbstätige

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Erwerbsbeteiligung spiegeln sich auch in der Gruppe
der 50- bis unter 65-jährigen mit Migrationshintergrund wider. So sind in dieser Gruppe ebenfalls mehr
Männer (29 Prozent) als Frauen (20 Prozent) vollzeiterwerbstätig - jedoch auf wesentlich geringerem
Niveau. Frauen nehmen häufiger als Männer einen Teilzeitarbeitsplatz ein. 6 Prozent der Männer und
2 Prozent der Frauen sind geringfügig beschäftigt.
Der große Unterschied zur Mehrheit ohne Migrationshintergrund begründet sich nicht geschlechtsspezifisch, sondern wird durch die Dominanz von Arbeitslosigkeit bei den Migrantinnen und Migranten

59

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

bestimmt. Insgesamt sind 51 Prozent von ihnen aktuell von der Arbeitswelt ausgegrenzt; das betrifft
63 Prozent der Frauen und 40 Prozent der Männer.
11 Prozent der 50- bis unter 65-jährigen mit Migrationshintergrund sind Nichterwerbstätige, darunter
ein Anteil von 19 Prozent der Männer und 2 Prozent der Frauen (vgl. Abbildung 3.4).
Altersspezifische Differenzierungen der 50- bis unter 65-jährigen Erwerbstätigen
Besonders zwischen dem 50. und dem 65. Lebensjahr differenziert sich bei Frauen und Männern die
Erwerbsbeteiligung nach dem Altersverlauf. Neben der individuellen Lebensplanung nehmen besonders
gesundheitliche Beeinträchtigungen, (dauerhaft) verminderte Erwerbsfähigkeit und die gesetzlichen
Regelungen für einen vorzeitigen Übertritt in den Ruhestand sowie die dafür festgesetzte Regelaltersgrenze Einfluss auf die Gestaltung des Erwerbsaustritts.
Frauen im Alter von 50 bis unter 55 Jahren waren zu 78 Prozent erwerbstätig, darunter 59 Prozent in
Vollzeitbeschäftigung. Dieser Anteil sank in der Altersgruppe von 55 bis unter 60 Jahren auf 71 Prozent
ab, darunter unverändert 57 Prozent Vollzeiterwerbstätige. Im Alter von 60 bis unter 65 Jahren waren
noch 51 Prozent der Frauen erwerbstätig, darunter 35 Prozent in Vollzeit.
Der Anteil der arbeitslosen Frauen in den drei Altersgruppen lag jeweils zwischen 14 und 9 Prozent.
Der Anteil der nichterwerbstätigen Frauen unterteilte sich in GRV-Rentnerinnen und Pensionärinnen,
Hausfrauen und Pflegepersonen von Angehörigen. Dabei stieg der Anteil der GRV-Rentnerinnen von
anfänglich 6 Prozent in der 2. Altersgruppe auf 8 Prozent und in der dritten Altersgruppe auf 30 Prozent.
Pensionärinnen, Hausfrauen und Pflegende beliefen sich jeweils zwischen 1 und 2 Prozent.
Bei den Männern lag der Anteil der Erwerbstätigen in der Altersgruppe von 50 bis unter 55 Jahren bei
83 Prozent, darunter 80 Prozent Vollzeiterwerbstätige. Diese Verteilung blieb in der Altersgruppe von 55
bis unter 60 Jahren relativ stabil. Bei den Männern sank in der Altersgruppe von 60 bis unter 65 Jahren
der Anteil der Erwerbstätigen auf 68 Prozent ab, darunter 55 Prozent Vollzeiterwerbstätige.
Der Anteil der Arbeitslosen lag 2015 bei den Männern in den drei Altersgruppen zwischen 9 und 11 Prozent.
Von den nichterwerbstätigen Männern war jeweils der größte Anteil mit GRV-Rentnern besetzt. Dieser
Anteil nahm in den drei Altersgruppen von anfänglich 8 auf 21 zu. Pensionäre, Hausmänner und Pflegende stellten jeweils zwischen 1 und 2 Prozent (vgl. Abbildung 3.5).

60

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 3.5:

Erwerbsbeteiligung - nach Altersgruppen und Geschlecht - 50- bis unter 65-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent Frauen

100

11

14

11

80

Männer
8

8

9
2

10
3
3

1

14

1

39

1

18

11
6
7

13

60

21

9
1

15

80

40
59

75

57

55
35

20

0
50 b.u.
55 Jahre

55 b.u.
60 Jahre

Erwerbstätige - VZ

60 b.u.
65 Jahre
Erwerbstätige - TZ

50 b.u.
55 Jahre
geringfügig Beschäftigte

55 b.u.
60 Jahre
Arbeitslose

60 b.u.
65 Jahre
Nichterwerbstätige

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Teilnahme von 50- bis unter 65-Jährigen an prekärer Beschäftigung
Die Art und der Umfang der individuellen Erwerbsbeteiligung sind grundsätzlich voneinander zu unterscheiden in tarifvertraglich gesicherte und nicht tarifvertraglich gesicherte Arbeitsverhältnisse. Letztere
entwickelten sich in der Bundesrepublik langfristig zu prekären Arbeitsverhältnissen. Diese wurden
durch das Inkrafttreten des Mindestlohngesetzes am 1.1.2015 zwar eingedämmt, aber nicht endgültig
beseitigt. Seit diesem Zeitpunkt muss in der Regel ein Zeitlohn von 8,50 Euro pro Std. gezahlt werden.
Das trifft für Leiharbeiterinnen und -arbeiter, Minijobberinnen und Minijobber sowie kurzfristig Beschäftigte zu. Andere Erwerbstätige wie MAE-Beschäftigte, Praktikantinnen und Praktikanten oder Personen
in geförderten Arbeitsverhältnissen wie z.B. Menschen mit Behinderungen in Werkstattbeschäftigung
werden mit Aufwandsentschädigungen bzw. Aufstockungen zur Grundsicherung unterhalb des Mindestlohnes abgegolten.
Diese prekären Arbeitsverhältnisse waren in den zurückliegenden Jahren und sind es zum Teil noch bis
in die Gegenwart verbreitet.
Wie groß der Anteil der älteren Erwerbstätigen aus Marzahn-Hellersdorf an den prekären Arbeitsverhältnissen war und ist, wurde in der aktuellen Befragung erhoben.
Unter prekären Arbeitsverhältnissen wurden hier Tätigkeiten13 in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen
(ABM) oder Strukturanpassungsmaßnahmen (SAM), in Maßnahmen mit Mehraufwandsentschädigung
(MAE - 1-Euro-Job), geringfügige Beschäftigung, mehrere Minijobs gleichzeitig, Erwerbstätigkeit unter
20 Std. pro Woche bzw. mit einem Stundenlohn unter 4,00 Euro, Erwerbstätigkeit im Niedriglohnsektor
mit Aufstockung nach SGB II, die Beschäftigung als Praktikantin und Praktikant oder die Teilnahme am

13

Dabei ist zu beachten, dass die arbeitsmarktpolitischen Instrumente zeitlich begrenzt eingesetzt und durch
neue Formen der prekären Beschäftigung ersetzt wurden.

61

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Bundesfreiwilligendienst zusammengefasst. Es handelt sich hierbei in keiner Weise um miteinander
vergleichbare Tätigkeiten. Vielmehr hat jede ihren zeitlichen Rahmen, ihre inhaltliche Spezifik, ihre
geldwerte Entsprechung und ihre zeitlich gestaffelte gesetzliche Grundlage.
Abbildung 3.6:

Häufigkeit prekärer Erwerbsbeteiligung - nach Geschlecht und Migrationshintergrund - 50- bis unter 65-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent* 2
3
5
9

1

100

2
4
9

80

17

1

2
3
9

7
3

2
3
9

13
16

16

18

17

60

40

40
66

70

63

69
70

20
20

0
insgesamt

Frauen

noch nie

einmal

Männer

zweimal

dreimal

mit Migrationshintergrund
viermal

ohne Migrationshintergrund

fünfmal und häufiger

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die Mehrheit der 50- bis unter 65-Jährigen (66 Prozent) ist in ihrem Arbeitsleben nicht mit prekären
Arbeitsbedingungen in Berührung gekommen. 17 Prozent haben einmal unter solchen Bedingungen
gearbeitet, 9 Prozent fanden zweimal keine besseren Arbeitsverhältnisse vor, 4 Prozent waren dreimal,
weitere 2 Prozent viermal und 1 Prozent fünfmal dazu gezwungen, prekäre Arbeitsverhältnisse einzugehen. Das betraf 37 Prozent der Frauen und 30 Prozent der Männer. Während von prekären Arbeitsverhältnissen nur 31 Prozent der 50- bis unter 65-Jährigen ohne Migrationshintergrund betroffen waren,
hatten 80 Prozent der Altersgruppe mit Migrationshintergrund keine andere Alternative am Arbeitsmarkt (vgl. Abbildung 3.6).
Rückwirkend sind prekäre Beschäftigungen für viele der heute 50- bis unter 65-jährigen Frauen und
Männer wesentliche Bestandteile ihres Erwerbslebens. Insgesamt haben häufiger Frauen als Männer
unter prekären Bedingungen gearbeitet. Das traf bezüglich einer Beschäftigung in ABM oder SAM, einer
geringfügigen Beschäftigung, einer MAE-Tätigkeit oder einer Erwerbstätigkeit mit erforderlicher Aufstockung zu (vgl. Abbildung 3.7).
Gegenwärtig ist der Anteil der Erwerbstätigen in prekären Arbeitsverhältnissen spürbar zurückgegangen.
Daran haben sowohl der wirtschaftliche Aufschwung insgesamt als auch die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes einen wesentlichen Anteil.

62

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 3.7:

Erwerbsbeteiligung in prekären Arbeitsverhältnissen - 50- bis unter 65-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent Frauen
ABM
ABModer
oderSAM
SAM

geringfügig
geringfügigbe
beschäftigt
schäftigt

Männer

17
2

12

15

MAE/1-Euro-Job
MAE/ 1-Euro-Job

1

und
erwerbstätigerwerbstätig
und Aufstockung
Aufstockung

9
10

1

unter
ArbeitszeitArbeitszeit
unter 20 Stunden
20 Stunde n
Praktikantin/Praktikant
Praktikantin/Praktikant

5
8

1

7

1

7

1

6

1

2
7

Einkommen unter
Einkommen unter
4 Euro/Std.
4 Euro/Std.

3

mehre re Minijobs
mehre re Minijobs gleichzeitig
gleichzeitig

3

Teilnahme am BundesTeilnahme am Bundesfreiwilligendienst
freiwilligendienst
20

3

2
1
1 1

15

10

5

0

gegenwärtig

5

10

15

20

früher

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Erwerbsbeteiligung der Lebenspartnerinnen und Lebenspartner
Die Mehrheit der 50- bis unter 65-Jährigen lebt mit Kindern oder ohne Kinder mit einer Partnerin oder
einem Partner in einem Haushalt, wirtschaftet zusammen und gestaltet ihr Leben gemeinsam. Da Erwerbsarbeit die überwiegende Existenzgrundlage und Basis auch für die über die Existenzsicherung
hinausgehende Bedürfnisbefriedigung ist, hat die Erwerbsbeteiligung der Lebenspartnerinnen und Lebenspartner wesentlichen Anteil am gemeinsamen Lebensstandard und an der Gestaltung von Lebensperspektiven. Es muss hier vermerkt werden, dass alle Befragten zwar über die eigene Erwerbsbeteiligung informiert, aber 27 Prozent von ihnen keine Auskunft über die Erwerbsbeteiligung ihrer Lebenspartnerin oder ihres Lebenspartners erteilt haben.
Von den 73 Prozent der Erwerbstätigen lebt mehr als die Hälfte (57 Prozent) mit einer vollzeiterwerbstätigen Partnerin oder einem Partner zusammen. Von weiteren 9 Prozent der erwerbstätigen
Befragten haben die Partnerinnen oder Partner einen Teilzeitarbeitsplatz inne. 14 Prozent der Erwerbstätigen leben in Partnerschaft mit Nichterwerbstätigen. 20 Prozent der Erwerbstätigen gaben keine Auskunft.
Von den arbeitslosen Befragten leben 7 Prozent in Partnerschaft mit Vollzeit- und 11 Prozent mit Teilzeiterwerbstätigen zusammen. 19 Prozent der Partner und Partnerinnen sind Nichterwerbstätige, darunter Arbeitslose. 63 Prozent der arbeitslosen Befragten haben auf diese Frage keine Auskunft erteilt.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass 52 Prozent der Arbeitslosen alleinlebend sind.
Von den nicht erwerbstätigen Befragten sind 27 Prozent der Partnerinnen/Partner vollzeiterwerbstätig
und 8 Prozent teilzeiterwerbstätig. 30 Prozent der Partnerinnen oder Partner sind nichterwerbstätig
bzw. arbeitslos (vgl. Abbildung 3.8).

63

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 3.8:

100%

80%

Erwerbsbeteiligung der Partnerinnen/Partner der 50- bis unter 65-jährigen
Probanden - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent (nur Befragte in Partnerschaften)

16

20
35

11
14
63
9

60%
30
40%

73
57

19

20%

11

8

27

7
0%
Erwe rbsstatus de r Be fragte n
Erwe rbstätige
Nichte rwe rbstätige

Arbe itslose

Partnerin/ Erwe rbstätige n
Arbe itslose n
Nichte rwe rbstätige n
Partner von:
Erwe rbstätige - VZ
Erwe rbstätige - TZ
Nichte rwe rbstätige *
ohne Antw.

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

3.1.2

Qualifikation und Erwerbsbeteiligung

Die Ausbildung spezifischer Fähigkeiten, Fertigkeiten und sozialer Kompetenzen sind seit Anbeginn des
menschlichen Arbeitsprozesses unverzichtbare Voraussetzungen. Dies gilt umso mehr für die heute
hoch technologisierte und digitalisierte Arbeitswelt.
Neben der beruflichen Primärausbildung bedarf es zusätzlich der Ausprägung von Fähigkeiten zu lebenslangem Lernen, um den Anforderungen struktureller und wissenschaftlich-technischer Neuerungen am
Arbeitsplatz entsprechen zu können.
Diese Anforderungen stehen heute vor allen Erwerbstätigen, auch vor den 50- bis unter 65-Jährigen
unter ihnen. Insgesamt 91 Prozent der Erwerbstätigen in dieser Altersgruppe aus Marzahn-Hellersdorf
verfügen über eine abgeschlossene Berufsausbildung bzw. ein Studium, davon haben 51 Prozent eine
Lehrausbildung und 2 Prozent eine Teilausbildung absolviert, 16 Prozent sind Fachschulabsolventinnen/
-absolventen und 22 Prozent haben ein Hochschulstudium erfolgreich durchlaufen.
Im Vergleich dazu weisen 84 Prozent der Seniorinnen und Senioren im Bezirk eine abgeschlossene Ausbildung vor. Unterschiede im Ausbildungsniveau gegenüber den künftigen Senioren treten nur bezüglich
des höheren Anteils an Personen ohne Berufsausbildung und beim Anteil mit abgeschlossener Lehrausbildung hervor.
Als geschlechtsspezifische Qualifikationsunterschiede ist einerseits der größere Anteil der Frauen mit
Fachschulabschluss anzusehen, der sich aus der Konzentration von Fachschulabsolventinnen im Gesundheitswesen und Erziehungs- und Bildungsbereich begründet. Andererseits ist auf den höheren Anteil der Männer mit einer gewerblichen oder handwerklichen Lehrausbildung zu verweisen.
Die schon im Kapitel 2 analysierte Veränderung der Qualifikationsstruktur bei den ab 50-Jährigen insgesamt spiegelt sich auch innerhalb der künftigen Senioren wider. Gegenüber der stabilen Qualifikations-

64

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

struktur mit 7 Prozent ohne Berufsausbildung, einer Hälfte mit abgeschlossener Lehrausbildung und
einem über 40 Prozent liegenden Anteil an Fach- und Hochschulabsolventinnen und -absolventen, haben sich in der Altersgruppe der 50- bis unter 55-Jährigen deutliche strukturelle Veränderungen vollzogen. Aufmerksam zu machen ist auf den Anstieg des Anteils ohne Berufsausbildung und des Anteils mit
einer Lehrausbildung.
Die Qualifikationsunterschiede nach dem Erwerbsstatus unterstreichen, dass Erwerbstätigkeit eine solide Ausbildung voraussetzt. Während von den Erwerbstätigen 97 Prozent über eine Berufsausbildung
oder ein Studium verfügen, können das nur 67 Prozent der Arbeitslosen nachweisen. Ein beachtlicher
Anteil von 29 Prozent der Arbeitslosen hat keinen Berufsabschluss. Bei den bereits aus dem Arbeitsleben endgültig Ausgeschiedenen spiegelt sich neben einem überdurchschnittlichen Anteil ohne berufliche Qualifikation ein unterdurchschnittlicher Anteil von Hochschulabsolventinnen und -absolventen
wider (vgl. Abbildung 3.9).
Abbildung 3.9:

Berufliche Qualifikation - nach Geschlecht, Altersgruppen und Erwerbsstatus
- 50- bis unter 65-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent*-

insgesamt
100

Geschlecht

Altersgruppe

2

1

1

1

3

1

21

22

21

22

18

23

15

16

20

13

14

80

18

Erwerbsstatus
1

26

16

23

4

1

12

15

13

13

20

60

37
51

40

20

47

3
12

51

2
8

47

3
8

54

2
8

52
50

49

54

5
29

3
10

1

7

2
7

6
14

2

0
65 J.
u.ält.
insg.

50 b.u.
65 J.
insg.

weiblich

männlich

50 b.u. 55 b.u. 60 b.u.
55
60
65
Jahre
Jahre
Jahre

Erwerbstätige

ohne Berufsabschluss

Teilausbildung

abgeschl. Berufsausb.

Fachschulabschluss

Hochschulabschluss

ohne Antw.

Arbeitslose

Rentn./
Pens.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die Analyse der beruflichen Qualifikation macht auf erhebliche Unterschiede zwischen Personen ohne
und mit Migrationshintergrund aufmerksam.
Die Gruppe ohne Migrationshintergrund hat zu 94 Prozent eine abgeschlossene/s Berufsausbildung bzw.
Studium. Demgegenüber verweisen von den Gleichaltrigen mit Migrationshintergrund nur 65 Prozent
auf eine abgeschlossene Berufsausbildung bzw. ein Studium. Während bei den Herkunftsdeutschen nur
6 Prozent keinen Ausbildungsabschluss vorweisen, sind es bei den Migrantinnen und Migranten insgesamt 35 Prozent. Eine gewerbliche, kaufmännische oder technische Lehre absolvierten von den Einheimischen insgesamt 55 Prozent, von den gleichaltrigen Migrantinnen und Migranten verweisen 26 Prozent auf einen erfolgreichen Berufsabschluss. Der jeweilige Anteil beider Gruppen mit einem abgeschlossenen Fach- bzw. Hochschulstudium ist annähernd gleich (vgl. Abbildung 3.10).

65

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 3.10:

Berufliche Qualifikation - nach Migrationshintergrund - 50- bis unter 65-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent mit Migrationshintergrund
geringe Fallzahl

ohne Migrationshintergrund

35

55

6

26

2

5
22
22

12

ohne Abschluss

16

Lehre/Teilausbildung

Fachschule/Meister/Techniker

Hochschule/Universität

ohne Antw.

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die sozialräumliche Verteilung der künftigen Senioren nach ihrer beruflichen Qualifikation macht auf
eine hohe Konzentration der Fach- und Hochschulabsolventinnen und -absolventen in Kaulsdorf - BR 8 und Mahlsdorf - BR 9 - aufmerksam. In den anderen Bezirksregionen überwiegt jeweils der Anteil mit
abgeschlossener Lehre.
Abbildung 3.11:

Berufliche Qualifikation der 50- bis unter 65-Jährigen - nach Bezirksregionen
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent* -

insgesamt
1

2015 nach Bezirksregionen
1

1

15

15

2

100
22

3
12

32

13
21

18

1

38

15

60
57

59
40

41

14

16

16

3

14

18

11

80

2
9

17
61

51

53

20

64

62

49
34

38

5

3

20
8

14

19

12

9

2

5

4

0
2015

ohne Abschluss

BR 1
MarzahnNord

BR 2
MarzahnMitte

BR 3
BR 4
Marzahn- He lle rsSüd
dorf-Nord

Le hre /Teilausbildung

BR 5
He lle rsdorf-Ost

BR 6
He lle rsdorf-Süd

Fachschule /Me iste r/Te chnike r

BR 7
Bie sdorf

BR 8
Kaulsdorf

Hochschule /U nive rsität

BR 9
Mahlsdorf
ohne Antw.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Diese Verteilung korrespondiert mit der Konzentration der Vollzeiterwerbstätigen im Siedlungsgebiet
und unterstreicht damit den Stellenwert der individuellen Qualifikation für die Teilnahme am Erwerbsleben. Ebenso wird ein Zusammenhang zwischen der Konzentration von Arbeitslosigkeit und dem über-

66

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

durchschnittlichen Anteil „ohne Berufsabschluss“ in den Bezirksregionen Marzahn-Nord - BR 1 -, Hellersdorf-Ost - BR 4 - und Marzahn-Mitte - BR 2 - erkennbar (vgl. Abbildung 3.11 und vgl. auch Abbildung
3.3).
3.1.3

Stellung der 50- bis unter 65-jährigen Erwerbstätigen im Beruf

Die Stellung im Beruf unterscheidet Erwerbstätige in Selbständige nebst mithelfenden Familienangehörigen und abhängig Beschäftigte, zu Letzteren werden Arbeiterinnen und Arbeiter, Angestellte und Beamtinnen und Beamte summiert. Sie gibt allgemein Auskunft über die Position der Erwerbstätigen in der
Arbeitswelt, unterscheidet jedoch nicht nach einfachen, mittleren oder leitenden Tätigkeiten.
Die berufliche Stellung der 50- bis unter 65-jährigen Erwerbstätigen konzentriert sich gegenwärtig wie
seit Jahren mehrheitlich auf die Angestellten (57 Prozent). Arbeiterinnen und Arbeiter bilden einen Anteil von 28 Prozent, und 8 Prozent sind Beamtinnen bzw. Beamte. Den kleinsten Anteil stellen die
Selbständigen und deren mithelfenden Familienangehörigen.
Die sozialräumliche Verteilung der Gruppe von Erwerbstätigen im Bezirk zeigt folgende Unterschiede:


Der Anteil der Angestellten ist in allen Bezirksregionen am stärksten ausgeprägt, aber in Biesdorf BR 7 - (45 Prozent) und in Marzahn-Nord - BR 1 - (47 Prozent) unterdurchschnittlich nachgewiesen.
Der größte Angestelltenanteil wurde in Marzahn-Süd - BR 3 - (65 Prozent) vorgefunden.



Der Anteil der Arbeiterinnen und Arbeiter spreizt sich über die Bezirksregionen zwischen 14 Prozent
in Kaulsdorf - BR 8 - und 40 Prozent in Marzahn-Nord - BR 1.



Anteilig sind Beamtinnen und Beamte am häufigsten in Kaulsdorf - BR 8 - (13 Prozent) sowie in Marzahn-Nord - BR 1 -, Biesdorf - BR 7 - und Mahlsdorf - BR 9 - mit jeweils 12 Prozent vertreten.



Die Selbständigen konzentrieren sich in Biesdorf - BR 7 - (14 Prozent), in Mahlsdorf - BR 9 - (10 Prozent) und in Kaulsdorf - BR 8 - (8 Prozent). In den Bezirksregionen der Marzahner und Hellersdorfer
Großsiedlungen liegen deren Anteile zwischen 1 und 7 Prozent (vgl. Abbildung 3.12).

67

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 3.12:

100

7
8

Stellung der Erwerbstätigen* im Beruf - 50- bis unter 65-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent** 1

12

7
7

3
2

5
1

6
2

1

4

1

8

10

13

12

64

60

14

18

BR 8
Kaulsdorf

BR 9
Mahlsdorf

12

80
47
60

1

14

57

57

65

58
64

61
45

40

20

40
28

29

29

37

28

34

28

0
insgesamt

BR 1
BR 2
BR 3
BR 4
Marzahn- Marzahn- Marzahn- HellersNord
Mitte
Süd
dorf-Nord

BR 5
Hellersdorf-Ost

Arbeiterinnen/Arbeiter

Angestellte

Selbständige/mithelf. Fam.angehörige

ohne Antw.

BR 6
Hellersdorf-Süd

BR 7
Biesdorf

Beamtinnen/Be amte

* nur Erwerbstätige im Alter von 50 bis unter 65 Jahren
** Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Weitere Differenzierungen der beruflichen Stellung von Erwerbstätigen lassen sich nach dem Migrationshintergrund, dem Geschlecht und der fachlichen Qualifikation feststellen (vgl. Tabelle 3.2).


Ein Vergleich der Verteilung der Erwerbstätigen nach der Stellung im Beruf mit Migrationshintergrund mit dem Ergebnis aus dem Jahre 2015 dokumentiert gegenüber 201014 eine Verkürzung des
Abstandes zwischen den erwerbstätigen Migrantinnen und Migranten zu den einheimischen Erwerbstätigen hinsichtlich der Anteile von Arbeiterinnen und Arbeitern sowie Angestellten. Bei den
Arbeiterinnen und Arbeitern sank der Abstand zwischen den Erwerbstätigen mit und ohne Migrationshintergrund von 14 auf 6 Prozentpunkte und bei den Angestellten von 16 auf 6 Prozentpunkte.
Diese Entwicklung weist auf die integrationsfördernden Effekte von Erwerbsbeteiligung hin.



Die typischen geschlechtsspezifischen Unterschiede zwischen dem größeren Anteil der Männer
(41 Prozent) gegenüber den Frauen (14 Prozent) in der Arbeiterinnen-/Arbeiterposition und umgekehrt den größeren Anteil der weiblichen (71 Prozent) gegenüber den männlichen (45 Prozent) Angestellten bestätigen sich auch unter den 50- bis unter 65-jährigen Erwerbstätigen aus MarzahnHellersdorf im Jahre 2015. In dieser Altersgruppe gibt es noch immer anteilig mehr Beamtinnen als
Beamte. Bei den Selbständigen überwiegt der Männeranteil gegenüber dem Anteil der Frauen.



Bezüglich der beruflichen Qualifikation überwiegen bei der Gruppe ohne Berufsabschluss mit
69 Prozent die Arbeiterinnen und Arbeiter, Angestellte stellen einen Anteil von 22 Prozent, und
9 Prozent sind Beamtinnen und Beamte im einfachen Dienst.



Den größten Anteil der Qualifikationsgruppe mit einer abgeschlossenen Lehrausbildung bilden mit
48 Prozent die Angestellten, gefolgt mit 44 Prozent Arbeiterinnen und Arbeiter. Jeweils 4 Prozent
nehmen die Position von Beamtinnen und Beamten oder von Selbständigen ein.

14

Berechnet nach: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2010 (gew.).

68

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015



Die meisten von den Fachschulabsolventinnen und -absolventen sind Angestellte (75 Prozent),
11 Prozent sind Arbeiterinnen und Arbeiter, 7 Prozent nehmen eine Beamtenposition ein und 6 Prozent sind Selbständige.



Die Mehrheit der erwerbstätigen Hochschulabsolventinnen und -absolventen dieser Altersgruppe
sind Angestellte (69 Prozent), 15 Prozent von ihnen sind Beamtinnen oder Beamte und 14 Prozent
sind Selbständige, 1 Prozent sind Arbeiterinnen und Arbeiter.

Tabelle 3.2:

Stellung der Erwerbstätigen im Beruf - nach Migrationshintergrund, Geschlecht und
Qualifikation - 50- bis unter 65-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent Arbeiterinnen/
Arbeiter

Angestellte

28

57

8

7

ja

34

52

2

9

nein

28

58

8

6

Frauen

14

71

9

5

Männer

41

45

6

8

ohne Abschluss

69

22

9

Lehre/Teilausbildung

44

48

4

4

Fachschulabschluss

11

75

7

6

Hochschulabschluss

1

69

15

14

insgesamt

Beamtinnen/
Beamte

Selbständige/
mithelf. Fam.angehörige

ohne
Antwort

Migrationshintergrund
3

Geschlecht
1

Qualifikation

1

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

3.2

Arbeitslosigkeit von ab 50-Jährigen:
Entwicklung - individuelle Erfahrungen - Zukunftsorientierungen

Im Zentrum der Analyse stehen im folgenden Abschnitt die Entwicklung der Arbeitslosigkeit von ab
50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf von 2010 bis zur Gegenwart, die individuellen Erfahrungen der Zielgruppe mit Arbeitslosigkeit und die Orientierungen von Arbeitslosen für die Gestaltung ihrer naheliegenden Zukunft.
3.2.1

Entwicklung der Arbeitslosigkeit von ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf

Im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwunges vollzieht sich wie bundesweit auch in Berlin und den Berliner Bezirken ein deutlicher Rückgang der Arbeitslosen insgesamt. Deren Anteil an allen zivilen Erwerbspersonen sank seit Januar 2010 in Berlin von 13,8 Prozent auf 10,6 Prozent im Februar 2016. Da die Arbeitslosigkeit in Marzahn-Hellersdorf langfristig unter dem Berliner Durchschnitt lag, verringerte sich die
Arbeitslosigkeit in diesem Zeitraum von 13,0 Prozent auf 9,6 Prozent. Dieser Prozess vollzog sich in wellenartigen Schüben, wurde durch die zeitliche Begrenzung von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen
unterbrochen und zog wiederholt zeitweilige Anstiege der Arbeitslosigkeit nach sich.15

15

Vgl. Agentur für Arbeit - Regionaldirektion Berlin-Brandenburg: Arbeitsmarktberichte 2010 bis 2016 monatlich.

69

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Im Januar 2010 waren in Marzahn-Hellersdorf insgesamt 21.317 Personen arbeitslos. Von diesem Ausgangspunkt verringerte sich die Zahl der Arbeitslosen bis Januar 2011 um 1.001 Personen. Bis zum Januar 2012 erfolgte ein erneuter Anstieg um 219 Personen. Im Januar 2013 war gegenüber dem Vorjahresmonat eine Verringerung der Arbeitslosen um 1.367 Personen festzustellen. Im Jahresverlauf setzte
sich dieser Trend fort, sodass im Januar 2014 erneut 788 Arbeitslose weniger gezählt wurden. Im Januar
2015 wurde eine Verringerung der Arbeitslosen um 1.285 Personen gegenüber dem Vorjahresmonat
verzeichnet, und im Januar 2016 waren es in Marzahn-Hellersdorf 1.567 Arbeitslose weniger als vor
einem Jahr.
Insgesamt ist von Januar 2010 bis Januar 2016 ein Rückgang um 27,2 Prozentpunkte zu verzeichnen. An
dieser positiven Entwicklung nehmen jedoch nicht alle Arbeitslosen im gleichen Maße teil. Bei den Älteren (ab 50-jährigen Arbeitslosen) stieg die Zahl der Arbeitslosen vom Januar 2010 bis Januar 2011 um
448 Personen und bis Januar 2012 um weitere 68 Personen an.
Erstmals konnte im Januar 2013 eine Abnahme der Arbeitslosenzahl bei den ab 50-Jährigen um 35 Personen verzeichnet werden. Im Januar 2014 waren es 181 Arbeitslose dieser Gruppe weniger als im Vorjahresmonat, und nach wiederum einem Jahr konnten 278 ab 50-jährige Arbeitslose weniger gezählt
werden. Im Januar 2016 konnte eine Verringerung der älteren Arbeitslosen um 401 Personen festgestellt werden (vgl. Abbildung 3.13).

25.000

20.000

15.000

Entwicklung der Arbeitslosigkeit insgesamt und der Arbeitslosen im Alter von 50 bis
unter 65 Jahren - Marzahn-Hellersdorf 2010 bis 2016 - absolut -

21.317
21.217
21.287
20.881
20.055
19.593
20.014
19.934
19.174
18.788
18.324
18.720
20.316
20.861
21.332
21.286
21.209
20.882
21.113
20.687
19.777
19.414
18.858
19.031
20.535
20.563
20.217
19.888
19.182
18.871
19.130
19.149
18.772
18.471
17.865
17.866
19.168
19.091
19.082
18.997
18.601
18.253
18.328
18.167
17.363
17.190
17.009
17.187
18.380
18.121
17.976
17.311
16.916
16.630
16.619
16.589
16.200
16.048
15.436
15.766
17.095
17.022
16.697
16.465
15.865
15.329
15.577
15.430
14.636
14.624
14.298
15.528
15.528
15.421

Abbildung 3.13:

10.000

5.000

0
Jan

Jan
2010

Jan
2011

Jan

Jan

2012
ab 50 Jahre

2013

Jan
2014

2015

Jan
2016
2016

insgesamt

Zusammengestellt nach: Agentur für Arbeit - Regionaldirektion Berlin-Brandenburg: Arbeitsmarktberichte 2010-2016, monatl.

Dieser Trend setzt sich in den Folgemonaten 2016 fort. Der Anteil der älteren Arbeitslosen an den Arbeitslosen insgesamt wuchs vom Januar 2010 (25,3 Prozent) mit geringen Schwankungen auf 32,3 Prozent im Januar 2016 an. Es bleibt aber festzustellen, dass sich die Reduzierung der Arbeitslosen in Marzahn-Hellersdorf insgesamt schneller vollzieht als bei den ab 50-jährigen Arbeitslosen. Obwohl von den
älteren Arbeitslosen nicht wenige durch Berentung ausscheiden, finden die noch nicht Berentungsfähigen unter ihnen nur wesentlich schwerer einen Wiedereinstieg in die Erwerbstätigkeit als unter
50-jährige Arbeitslose.

70

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Arbeitslosigkeit wird bundesweit nach Rechtskreisen unterschieden. Im Rechtskreis nach SGB III werden
arbeitslose ALG I-Empfängerinnen und -Empfänger erfasst und im Rechtskreis nach SGB II werden erwerbsfähige Hilfeempfängerinnen und -empfänger verwaltet, darunter die große Gruppe der Langzeitarbeitslosen mit Anspruch auf ALG II.
Die Unterteilung der ab 50-jährigen Arbeitslosen nach Rechtskreisen lässt tiefe Unterschiede hervortreten. Die Langzeitarbeitslosen bildeten seit Januar 2005 unter den ab 50-jährigen Arbeitslosen immer die
Mehrheit.
Im Betrachtungszeitraum von Januar 2010 bis Januar 2016 stieg der Anteil der Langzeitarbeitslosen von
64,6 Prozent - trotz leichter Schwankungen - an allen ab 50-jährigen Arbeitslosen auf 71,7 Prozent an. Im
Gegenzug sank der Anteil der ALG I-Empfängerinnen und -Empfänger von 35,4 Prozent auf 28,3 Prozent
ab.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass Arbeitslose nach SGB III bis zur Erreichung der gesetzlichen Regelaltersgrenze (2015 = vollendetes 65. Lebensjahr plus 4 Steigerungsmonate) Anspruch auf AGL I haben,
Langzeitarbeitslose hingegen werden nach §12a SGB II gezwungen, eine vorzeitige Rente wegen Alters
mit Abschlägen von 0,3 Prozent pro Monat in Anspruch zu nehmen. Im Jahre 2015 bedeutete das die
erzwungene Hinnahme des Verzichts von (24 Monate x 0,3 Prozent) 7,2 Prozent der lebenslang durch
eigene Arbeit erworbenen Rentenanwartschaften (vgl. Abbildung 3.14).
Entwicklung der Struktur der Arbeitslosen im Alter von 50 bis unter 65 Jahren
- nach Rechtskreisen - Marzahn-Hellersdorf 2010 bis 2016 - absolut –

3.481
3.523
3.536
3.583
3.619
3.586
3.503
3.473
3.406
3.419
3.385
3.576
3.869
4.064
4.264
4.349
4.427
4.491
4.298
4.165
3.973
3.937
3.838
3.850
4.022
3.993
4.008
4.001
3.855
3.784
3.755
3.802
3.754
3.784
3.752
3.759
3.954
3.902
3.969
3.958
3.954
3.928
3.903
3.925
3.753
3.804
3.685
3.710
3.885
3.723
3.754
3.715
3.721
3.644
3.619
3.608
3.506
3.587
3.486
3.584
3.852
3.832
3.748
3.811
3.697
3.573
3.654
3.479
3.463
3.422
3.381
3.465
3.619
3.562

1.909
1.897
1.921
1.850
1.732
1.728
1.749
1.750
1.675
1.689
1.641
1.690
1.969
1.941
1.857
1.800
1.790
1.751
1.761
1.757
1.749
1.756
1.663
1.685
1.884
1.878
1.814
1.762
1.717
1.699
1.715
1.719
1.674
1.657
1.653
1.705
1.917
1.898
1.863
1.801
1.727
1.649
1.649
1.627
1.598
1.548
1.579
1.631
1.805
1.823
1.733
1.680
1.655
1.598
1.547
1.493
1.438
1.391
1.339
1.380
1.560
1.531
1.474
1.399
1.361
1.308
1.296
1.293
1.223
1.214
1.221
1.225
1.392
1.404

Abbildung 3.14:

Jan

Jan
2010

Jan
2011

Jan
2012

Jan
2013

SGB II

Jan
2014

2015

Jan
2016
2016

SGB III

Zusammengestellt nach: Agentur für Arbeit - Regionaldirektion Berlin-Brandenburg: Arbeitsmarktberichte 2010-2016, monatl.

Seit 2010 unverändert sind vor allem Langzeitarbeitslose ab 50 Jahre mit negativen Auswirkungen wie
Dequalifizierung, Schwervermittelbarkeit, Wiedereinstieg vorrangig in prekäre Arbeitsverhältnisse und
gesetzlich festgelegter vorzeitiger Zwangsverrentung (2015 mit 12 Prozent Abschlag) konfrontiert. Die
drastische Reduzierung arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen mit dem Schwerpunkt einfacher Tätigkeiten wirkt sich negativ auf die Erwerbschancen dieser Gruppe aus. Vor allem Langzeitarbeitslose machen
die Erfahrung, dass je länger ihre Arbeitslosigkeit dauert, umso geringer werden ihre Bewerbungschancen auf einen Arbeitsplatz.

71

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Die Teilhabe von Arbeitslosen an der mit dem wirtschaftlichen Aufschwung ansteigenden Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes unterscheidet sich wesentlich von der Dauer der Arbeitslosigkeit und nach
dem Alter der Arbeitsuchenden.
So zeigt die Entwicklung der Arbeitslosigkeit von Personen mit einer Verweildauer von unter einem Jahr
insgesamt (SGB III) gegenüber dem Ist-Stand von Januar 2015 im Jahresverlauf bis zum Dezember 2015
einen Abbau um 25,7 Prozent insgesamt und um 21,5 Prozent bei den ab 50-jährigen Arbeitslosen. Bei
den Langzeitarbeitslosen ist gegenüber dem Stand vom Januar 2015 insgesamt bis zum Jahresende ein
Rückgang um 12,2 Prozent und bei den ab 50-jährigen Langzeitarbeitslosen ein Rückgang um 10,0 Prozent verzeichnet.
Die aktuelle Entwicklung im Jahre 2016 zeigt, dass bis zum Februar 2016 sich der Abbaueffekt vom Jahresende 2015 im Rechtskreis des SGB III um 17,9 Prozentpunkte reduziert hatte. Langzeitarbeitslose
nahmen an dieser Entwicklung nur im geringeren Maße teil. Gegenüber dem Jahresende 2015 sank die
Langzeitarbeitslosigkeit insgesamt (nach SGB II) nur von 12,2 Prozent auf 10,3 Prozent im Februar 2016,
und bei den ab 50-jährigen Langzeitarbeitslosen war in diesem Zeitraum ein Rückgang von 10,0 Prozent
auf 7,5 Prozent zu verzeichnen.
Die ab 50-jährigen Arbeitslosen konnten in beiden Rechtskreisen nur weniger vom Abbau der Arbeitslosigkeit partizipieren.
Infolge der Zwangsverrentung nach §12a SGB II von Langzeitarbeitslosen mit Vollendung des 63. Lebensjahres (plus Steigerungsmonaten) verringerte sich der Anteil jener ehemals Langzeitarbeitslosen, die am
Arbeitsmarkt einen Wiedereinstieg schaffen (vgl. Abbildung 3.15).
Abbildung 3.15:

Verhaltener Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit - nach Rechtskreisen - MarzahnHellersdorf 2015/2016 - in Prozent Januar 2015 = 100 Prozent

1 0 ,0

SGB II (Hartz IV) - Langzeitarbeitslose

0,4

SGB III - unter einem Jahr arbeitslos

-7,5

-6,0
-8,6

-10,3

-12,2
-10,0

-13,4
-12,2

-11,6
-11,2

-9,7

-12,0
-10,1

-7,4

-7,3
-7,2

-6,4
-5,1

-1,7
-1,1

-21,5

-21,7
-25,7

-22,2
-27,8

-23,6
-21,6

-25,6

-7,8
-10,0

-11,2
-10,8

Feb März Apr Mai Jun
2015

-18,7
-17,1

-16,2
-21,9

-3 0 ,0

-18,5
-16,9

-15,7

-12,8

-11,2
-10,3

-2 0 ,0

-5,0
-4,0

-0,6
-0,5
-5,5

-1,9
-8,0

-1 0 ,0

-1,6
-2,7

0 ,0

Jul Aug Sept Okt Nov Dez Jan Feb
2016

insge samt

Feb März Apr Mai Jun
2015

Jul Aug Sept Okt Nov Dez Jan Feb
2016

darunte r 5 0 Jahre u.ält.

Berechnet nach: Agentur für Arbeit - Regionaldirektion Berlin-Brandenburg: Arbeitsmarktberichte 2015-2016, monatlich

Die Mehrheit der Arbeitslosen aus Marzahn-Hellersdorf verfügt aktuell über eine abgeschlossene Berufsausbildung (60,3 Prozent), und 11,8 Prozent haben einen akademischen Abschluss. Allerdings können 25,3 Prozent keine berufliche Qualifikation vorweisen. Dieser Befund differenziert sich erheblich

72

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

nach Rechtskreisen. Während 90,3 Prozent der ALG I-Bezieherinnen und -Bezieher im Jahre 2015 entweder eine betriebliche oder schulische Berufsausbildung vorweisen konnten, traf das nur für 65,4 Prozent der Langzeitarbeitslosen zu. Damit verfügen weniger als 10 Prozent der ALG I-Bezieherinnen/
-Bezieher und annähernd ein Drittel aller Langzeitarbeitslosen über defizitäre Voraussetzungen für den
Wiedereinstieg in die Erwerbstätigkeit. Darüber hinaus ist davon auszugehen, dass bei arbeitslosen Personen weiterer Qualifizierungsbedarf besteht, der aus Verschleiß der Primärqualifikationen resultiert
und bei einer Vielzahl traditioneller Berufe zur Dequalifizierung führt.
Ein Lehrabschluss könnte die Chance dieser Personen am Arbeitsmarkt verbessern. Jedoch in Anbetracht der bundesweit für Arbeitslose beider Rechtskreise seit Jahren drastisch gesunkenen öffentlichen
Förderangebote (allein von 344.316 im Jahre 2010 auf 99.253 im Jahre 2015) verringern sich die Möglichkeiten zu deren Qualifizierung oder Weiterbildung beträchtlich.
Abbildung 3.16:

Langzeitarbeitslose - nach Rechtskreisen und beruflicher Qualifikation
- 50- bis unter 65-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2010 bis 2015 - in Prozent* -

insgesamt
100

3

3,7

3,1

2,9

SGB III
2,5

2,5

12,2 11,9 12,2 12,5 12,5 11,8

2,2

2,2

1, 6

1, 5

SGB II
1, 1

1, 1

3,4
6,6

4,4
6,3

3,7
7

3,4
7,5

3,2
7,4

3,1
6,7

23,4 24,7 23,8 23,8 24,4 25,7

80

60

59,5 58,7 59,2 58,6 58,9 58,7

61,4 60,6 61,1 60,4 60,8 60,3
65,3 64,8 65,3 64,6 65,2 64,6

40

20

30,5 30,5

23,4 23,8 23,6 24,2 24,2 25,3
9,1

8,3

9,3

10,1

9,3

30

30,5 30,6 31,6

8,6

0
2010 2011 2012 2013 2014 2015
ohne Abschluss

2010 2011 2012 2013 2014 2015
betriebl. o. schul. Ausbildung

2010 2011 2012 2013 2014 2015

akademische Ausbildung

ohne Angabe

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 bis unter 2 Prozent
Berechnet nach: Agentur für Arbeit, Statistikservice-Ost, Auftragsnummer 221539, Zeitreihe, Jahresdurchschnitte, Datenstand:
Februar 2016

3.2.2

Arbeitslosigkeit im Erwerbsverlauf von 50- bis unter 65-Jährigen - Gesamtdauer der Arbeitslosigkeit - Strukturen und Zukunftsorientierungen

Während die amtliche Statistik der Agentur für Arbeit allmonatlich über die aktuelle Entwicklung der
Arbeitslosigkeit für bundesweit alle Regionen informiert, soll hier auf der Basis der Befragungsergebnisse vorgestellt werden, welchen Platz und welche Bedeutung Arbeitslosigkeit im individuellen Erwerbsverlauf insgesamt der ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf gegenwärtig einnimmt. Im wesentlich richtet sich dieser Rückblick auf die individuellen Erwerbsverläufe seit 1990.
Erwerbsausfälle durch Arbeitslosigkeit und strukturelle Zuordnung zu Rechtskreisen
Erwerbsausfälle durch Arbeitslosigkeit führen nicht nur zu drastischen Einschränkungen der jeweils aktuellen Lebenssituation, sondern beeinflussen auch die Chancen auf einen Wiedereinstieg in die Arbeitswelt und wirken sich negativ auf den Aufbau von Rentenanwartschaften aus.

73

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 3.17:

Eigene Erfahrungen mit Arbeitslosigkeit - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent - 50- bis unter 65-Jährige Frauen

insgesamt

Männer

6

6

23

26

42

29

25
6
5

27
25
43

42

ne in

Frauen

- ab 65-Jährige
ja, e inmal
ja, me hrfach

ohne Antw.

insgesamt

Männer
4

12

15

9

53
26

27
9
11

27

52

ne in

ja, e inmal

ja, me hrfach

55

ohne Antw.

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Von den Älteren - aktuell 65 Jahre und älter - waren 53 Prozent in ihrem Leben nie arbeitslos, 27 hatten
eine Arbeitslosigkeitsphase und 11 Prozent bestätigen, mehrfach arbeitslos gewesen zu sein. Dabei gaben Männer häufiger als Frauen an, nie arbeitslos gewesen zu sein, demgegenüber waren Männer öfter
mehrfach arbeitslos als Frauen (vgl. Abbildung 3.17). Von den gleichaltrigen Mitbürgerinnen und Mitbürgern mit Migrationshintergrund zeigen insgesamt 47 Prozent an, nie arbeitslos gewesen zu sein,
25 Prozent bekunden, einmalig arbeitslos gewesen zu sein, und 5 Prozent bestätigen, Arbeitslosigkeit
mehrfach erfahren zu haben (24 Prozent ohne Antwort).
Von den aktuellen Erwerbspersonen im Alter von 50 bis unter 65 Jahren waren insgesamt 42 Prozent nie
arbeitslos, 27 Prozent verloren ihre Arbeit einmal und 25 Prozent waren mehrfach von Arbeitslosigkeit
betroffen. Von beiden Altersgruppen haben 6 und 9 Prozent nicht geantwortet (vgl. Abbildung 3.17).
Von den 50- bis unter 65-Jährigen mit Migrationshintergrund wird eine höhere Betroffenheit durch Arbeitslosigkeit angezeigt. Nur 18 Prozent waren noch nie arbeitslos, 25 Prozent machten diese Erfahrung
bisher einmal und 39 Prozent waren häufiger arbeitslos, darunter mehr Frauen als Männer.
Die Häufigkeit der Erwerbsausfälle durch Arbeitslosigkeit erfordert eine differenzierte Betrachtung. Einfache (27 Prozent) und mehrfache Betroffenheit (25 Prozent) hatten insgesamt 52 Prozent der 50- bis
unter 65-Jährigen angegeben. Diese spreizen sich zwischen ein- bis sechs- und mehrmals. Während ins-

74

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

gesamt und bei Frauen und Männern sowie allen Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung bzw.
mit einem Fach- oder Hochschulabschluss die einmalige Arbeitslosigkeit den größten Anteil stellt, wird
von Probanden mit Migrationshintergrund (29 Prozent) und ohne berufliche Qualifikation (31 Prozent)
eine drei- bis fünfmalige Arbeitslosigkeit am häufigsten angezeigt. Die letztgenannten Gruppen weisen
mit jeweils 5 Prozent die höchste Ausprägung von sechs- und mehrmaliger Arbeitslosigkeit aus (vgl. Abbildung 3.18).
Abbildung 3.18:

Häufigkeit der Erwerbsausfälle durch Arbeitslosigkeit - nach Migrationshintergrund,
Geschlecht und Qualifikation - 50- bis unter 65-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent* Migrationshintergrund

100

6
2
15

80

60

8

27

4
2
14

18

6
3

5
2

13

16

7

9

Qualifikation
14
5

5

8

28

Geschlecht

6
2
17
9

31

29
29

26

3
2
8
6

28

2
10
1

8

29

28

5
19
40
25
42

44

42

42

20

31

53

50

FSAbschluss

HSAbschluss

38

18
0
insge samt

ne in

bisher nie arbe itslos

ja

e inmal

we iblich
zwe imal

männlich
dre i- bis fünfmal

ohne
Abschluss

Le hre /
Te ilbe ruf

se chs- und me hrmals

ohne Antw.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Dauer der Arbeitslosigkeit
Um die Gesamtdauer von Arbeitslosigkeit im individuellen Erwerbsverlauf nachzeichnen zu können,
wurden zu dieser Frage nur Antworten von Personen mit Zeiten der Arbeitslosigkeit in die Auswertung
einbezogen.
Von allen 50- bis unter 65-Jährigen, die solche Erwerbslücken haben, gaben 30 Prozent eine Gesamtdauer der Arbeitslosigkeit von bis zu 6 Monaten an, und zwischen 7 und 12 Monaten waren 23 Prozent
arbeitslos. Eine Erwerbslücke von 13 bis 24 Monaten dokumentierten 19 Prozent der mit Arbeitslosigkeit Erfahrenen, und 8 Prozent waren in ihrem Erwerbsleben bisher zwischen 25 und 36 Monaten insgesamt arbeitslos. Ein Fünftel dieser Gruppe war bislang 36 Monate und länger arbeitslos.
Die Analyse der Gesamtdauer von Arbeitslosigkeit bei davon betroffenen Personen macht offenkundig,
dass


Personen mit Migrationshintergrund (45 Prozent) überdurchschnittlich lange Zeiten der Arbeitslosigkeit von mehr als 36 Monaten aufweisen;



mehr Männer als Frauen bislang geringere Erwerbslücken haben;

75

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015



sich die Dauer der Arbeitslosigkeit in Abhängigkeit vom Qualifikationsniveau verringert (vgl. Abbildung 3.19).

Abbildung 3.19:

Individuelle Dauer von Arbeitslosigkeit - nach Migrationshintergrund, Geschlecht und
Qualifikation - 50- bis unter 65-Jährige* - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent –
Migrationshintergrund

Geschlecht

Qualifikation

100

80

20

19

8

8

19

18

23

24

45

20

20

8

8

21

17

51

20

9
2

12

10

30

24

4

16

60
12

21
26

40
27

20

30

31

10

21

13

23

30

14
34

25

33

36

Lehre/
Teilberuf

FSAbschluss

14

30

8

6

0
insgesamt
1 bis 6 Monate

nein

ja

7 bis 12 Monate

weiblich

männlich

13 bis 24 Monate

ohne
Abschluss

25 bis 36 Monate

HSAbschluss

mehr als 36 Monate

* nur Personen mit Zeiten der Arbeitslosigkeit
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Zukunftsorientierungen von aktuell Arbeitslosen
Befragt nach ihren Orientierungen für die nächste Zukunft ließen aktuell Arbeitslose im Alter zwischen
50 und unter 65 Jahren grundsätzlich drei Orientierungsrichtungen erkennen:
Am deutlichsten ausgeprägt war die Orientierung auf weitere Erwerbsbeteiligung. Der größte Anteil
sprach sich „vor allem“ für einen Wiedereinstieg in die Erwerbsarbeit aus, weitere 21 Prozent orientierten sich „auch“ darauf. 12 Prozent sahen ihre beste Chance in einem Minijob bzw. Zuverdienst, darin
sahen „auch“ weitere 14 Prozent eine Chance. Einen geförderten Arbeitsplatz würden 6 Prozent der
aktuell Arbeitslosen gern einnehmen und 13 Prozent würden sich „auch“ dafür interessieren (vgl. Abbildung 3.20).
Die zweitstärkste Zukunftsorientierung war auf die Realisierung persönlicher Interessen und Pflichten
gerichtet. Für 10 Prozent der aktuell Arbeitslosen stand dabei vorrangig das persönliche Hobby im Vordergrund, und 6 Prozent orientierten sich vor allem auf die Übernahme familialer Aufgaben.

76

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Eine Orientierung auf bürgerschaftliches Engagement oder die Übernahme eines Ehrenamtes ließen vor
allem 2 Prozent und weitere 18 Prozent „auch“ erkennen.
Abbildung 3.20:

Zukunftsorientierung auf ... von aktuell arbeitslosen Befragten
- 50- bis unter 65-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent* -

Orientierung auf:
Erwerbsbeteilung, darunter auf
den Wiedereinstieg

41

auf denWieder einst iegindieEr wer bsar beit

Zuverdienst

12

auf einenZuver dienst bis 165Eur o

einen geförd. Arbeitsplatz

14

6

auf dieEinnahm eeines gef ör der t enAr beit splat zes

freiberufliche Tätigkeit

4

auf einef r eiber uf lic heTät igkeit

21

13

10
5

5 2

5

12

17

19

21

persönl. Interessen u. Pflichten
Orint ierungauf per sl. I nt eressenundPf lic ht en

10

Beschäftigung mit meinem Hobby
Beschäf t igungm it m einem Hobby

6

Übernahme familiärer Aufgaben
dieÜber nahm ef am ilär er Auf gaben

12
13

7
2

14
19

bürgerschaftliches Engagement
Orient ier ungauf bürger sch. Engagem ent

freiwillige/ehrenamtliche Arbeit
auf f r eiwilge/ehr enam t licheAr beit

2

18

0

2

18

20

40
vor allem

60
auch

kaum

80

100

nein

* Differenz zu 100 Prozent = ohne Antwort
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die aufgezeigten Zukunftsorientierungen von Arbeitslosen unterliegen zwischen dem 50. und dem
65. Lebensjahr beträchtlichen Veränderungen. Bei den auf weitere Erwerbsbeteiligung gerichteten
Orientierungen haben der noch bestehende Abstand bzw. die zeitliche Nähe zum individuellen Erreichen
der Regelaltersgrenze und des Erwerbsaustritts einen maßgeblichen Einfluss. So schwächt sich die
Orientierung auf den Wiedereinstieg in die Erwerbstätigkeit (Wert „vor allem“) im dargestellten Altersverlauf von 38 Prozent über einen Anstieg auf 48 Prozent bis auf 31 Prozent ab, wobei die moderatere
Orientierung auf Erwerbsarbeit (Wert „auch“) relativ stabil bleibt.
Das Absinken der Orientierung auf einen Zuverdienst oder Minijob verläuft hingegen kontinuierlich von
20 auf 2 Prozent.
Die Einnahme eines geförderten Arbeitsplatzes wird jedoch differenzierter gesehen. Ein solcher ist zeitlich befristet und wird in der ältesten ausgewiesenen Gruppe von 10 Prozent „vor allem“ und 17 Prozent
„auch“ als nochmalige Erwerbschance in Betracht gezogen.
Die Orientierung auf freiberufliche Tätigkeit spielt eine untergeordnete Rolle.
Familiale Pflichten und persönliche Interessen werden von den 50- bis unter 55-jährigen Arbeitslosen als
Zukunftsorientierung höher bewertet als von den älteren Gruppen. Diese sehen darin nicht vorrangig,
aber „auch“ eine sinnerfüllende Perspektive.
Während bei den 50- bis unter 55-Jährigen die Erwerbsorientierung überwiegt, orientiert sich eine Minderheit auf freiwillige oder ehrenamtliche Tätigkeit. Dieser Anteil nimmt im Altersverlauf beachtlich zu.

77

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Dabei wird freiwillige und ehrenamtliche Arbeit als eine der Möglichkeiten sinnvoller Lebensgestaltung
bewertet (vgl. Abbildung 3.21).
Abbildung 3.21:

Veränderung der Zukunftsorientierungen von Arbeitslosen im Altersverlauf
- 50- bis unter 65-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent* -

Orientierung auf
Erwerbsbeteiligung
auf den
den Wiedereinstieg
Wiedereinstieg
auf
in die
die Erwerbsarbeit
Erwerbsarbeit
in
auf
auf einen
einen Zuverdienst
Zuverdienst
165
1 6 5 Euro
Euro

50- b.u. 55-Jährige
38

20 2 17

19

46

10

51

auf
auf die
die Einnahm
Einnahmee eines
eines
10 7 13
geförderten
geförderten Arbeitsplatzes
Arbeitsplatzes
auf
auf eine
eine freibefreibe6 3 15
rufliche
rufliche Tätigkeit
Tätigkeit

33

70

76

55- b.u. 60-Jährige
48

10

10

10

11

19

24

28

4 17

49

19 2 16

10

65

10

5 8

63

20

60- b.u. 65-Jährige
18

10

10

69

31

10

10

2 19

10

20

10

17

8 6

8

24

27

8

17

42

31

29

34

57

Orientierung
Orie ntie rung auf
auf persönl.
pe rsönl.
Interessen
Inte re sse n u.
u. Pflichten
Pflichte n
die
die Übernahm
Übernahmee
fam
familiärer
iliärer Aufgaben
Aufgaben

13 7 4 10

Beschäftigung m it
13 3 10
m
meinem
einem Hobby
Hobby

66

74

10

24

63

13 6 13

17

30

10

51

10

3

50

10

2 17

4

36

21

45

4 12

45

Orientierung
Orie
ntie rung auf
bürgersch.
bürge rsch. Engagement
Engage m e nt
auf freiwillige/
freiwillige/
auf
6 4 13
ehrenamtliche
tliche Arbeit
Arbeit
ehrenam

77

vor allem

10

28

5 17

auch

kaum

24

57

nein

* Differenz zu 100 Prozent = jeweils ohne Antwort
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Im Folgenden sollen noch Differenzierungen nach der ethnischen Herkunft und geschlechtsspezifische
Unterschiede (bezogen auf Antworten von „vor allem“ und „auch“) aufgezeigt werden.
Die Orientierung auf Wiederaufnahme von Erwerbstätigkeit ist bei Arbeitslosen mit (51 Prozent) und
ohne Migrationshintergrund (66 Prozent) jeweils am stärksten ausgeprägt. Während Arbeitslose mit
Migrationshintergrund hauptsächlich an Vollerwerbstätigkeit interessiert sind, sehen mehr einheimische
Arbeitslose in einem Minijob als Zuverdienst oder einem geförderten Arbeitsplatz für sich eine Perspektive.
Persönliche Interesse und Pflichten nehmen bei den einheimischen Arbeitslosen einen größeren Stellenwert in den Zukunftsorientierungen ein als bei denen mit Migrationshintergrund.
Mehr Arbeitslose ohne Migrationshintergrund als mit einem solchen orientieren sich auf freiwillige oder
ehrenamtliche Arbeit.

78

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 3.22:

Zukunftsorientierungen von Arbeitslosen - nach Migrationshintergrund und
Geschlecht - 50- bis unter 65-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent Orientierung auf Erwerbsbeteiligung

Wiedereinstieg in
die Erwerbsarbeit

51

Zuverdienst
10
bis 165 Euro
Einnahm e eines
8
geförd. Arbeitsplatzes
freiberufliche
11
Tätigkeit

49

90

66

10

32

10

92

10

68

24

10

89

34

8

76

57

10

26

10

10

74

19

10

92

43

81

8

10

33

24

10

10

92

67

10

76

18
10

82

10

10

10

90

10

440 Interessen und Pflichten
Orientierung auf persönliche
Hobby

22

Übernahm e
11
fam iliärer Aufgaben

78

89

10

10

32
23

68

77

10

18

82

30

10

27

10

70

10

8

73

92

10

10

440
Orientierung auf bürgerschaftliches
Engagement
freiwillige/
15
ehrenam tl. Arbeit

85

10

22

78

10

15

Migrationshinte rgrund
ja
ne in

85

Fraue n

10

26

74

10

Männe r

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Geschlechtsspezifische Unterschiede lassen sich in allen drei Orientierungsrichtungen erkennen. Bezüglich der Erwerbsorientierung favorisieren Männer um 10 Prozentpunkte häufiger den Wiedereinstieg in
die Erwerbsarbeit als Frauen. Demgegenüber werden ein Minijob als Zuverdienst, ein geförderter Arbeitsplatz oder freiberufliche Tätigkeit bei Frauen und Männer im annähernd gleichen Maße als Erwerbsperspektive in Betracht gezogen.
In Bezug auf persönliche Interessen und Pflichten bzw. freiwillige und ehrenamtliche Arbeit treten traditionelle Verteilungen zu Tage: Mehr Frauen (30 Prozent) als Männer (8 Prozent) orientieren sich für die
nächste Zukunft auf familiale Aufgaben und mehr Männer (26 Prozent) als Frauen sehen in ihrem Hobby
eine Perspektiven. Auch in der Orientierung auf freiwillige oder ehrenamtliche Arbeit sehen mehr arbeitslose Männer als Frauen eine sinnvolle künftige Betätigung (vgl. Abbildung 3.22).
3.3

Erwerbsaustritt und Übergang in den Ruhestand

Der Wechsel von der Erwerbstätigkeit in den Ruhestand ist neben dem Eintritt ins Erwerbsleben der
nachhaltigste Übergang von einer Lebensphase in die nächste. Er verbindet sich für die Mehrheit der
Menschen mit Hoffnungen und Erwartungen auf mehr Eigenständigkeit in der Lebensplanung und Zeitverwendung. Er ist für die Mehrheit verbunden mit Veränderungen in der Einkommenssituation, öffnet
Gestaltungsmöglichkeiten bezüglich der Zeitverwendung und rückt anstelle der Erwerbsarbeit familiale
Pflichten und persönliche Interessen in den Fokus.
Übergang in den Ruhestand
Dem Übergang von der Erwerbsphase in den Ruhestand gehen individuell gründliche Überlegungen
bezüglich der Grenzen und Gestaltungsmöglichkeiten des eigenen Alters voraus. Das betrifft nicht nur
die Veränderung der Einkommenssituation von Arbeitseinkommen zu Rente bei einem derzeitigen

79

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

durchschnittlichen Rentenniveau von 47,5 Prozent der durchschnittlichen Arbeitseinkommen, sondern
auch die Vorstellungen über künftige Zeitverwendung und die Erfüllung familialer Pflichten.
Der aktuelle Wechsel von der Erwerbsarbeit in den Ruhestand vollzieht sich unter den Rahmenbedingungen, dass


bei Erreichen der Regelaltersgrenze von 2015 ab 65-Jährige plus 4 Steigerungsmonate einen abschlagsfreien Wechsel in den Ruhestand vollziehen können;



ab 63-Jährige plus künftige Anhebungsmonate (bis zum vollendeten 65. Lebensjahr) zwei Jahre vor
Erreichen der Regelaltersgrenze entweder als besonders langjährige Versicherte unter Zurücklegung
einer 45-jährigen Wartezeit in der deutschen Rentenversicherung (Beitragsjahre - ohne
ALG II-Zeiten, Versorgungsausgleich oder Rentensplitting) in den Ruhestand oder als schwerbehinderte Menschen (GdB von 50 und darüber sowie eine Mindestversicherungszeit von 35 Jahren erfüllen) abschlagsfrei in den Ruhestand eintreten können;



Langzeitarbeitslose nach §12 a SGB II spätestens mit der Vollendung des 63. Lebensjahres und unter
Inkaufnahme von 7,2 Prozent Abschlägen vom monatlichen Rentenzahlbetrag bis zum Lebensende
in den Ruhestand wechseln müssen;



bei gesundheitsbedingter Erwerbsminderung eine vorzeitige Berentung wegen verminderter Erwerbsfähigkeit bzw. Pensionierung die Minderung der Alterseinkommen hingenommen werden
muss;



tarifvertragliche Altersteilzeitmodelle zur Anwendung kommen und damit ein flexibler Ausstieg aus
der Erwerbsphase ermöglicht wird.

Der individuellen Entscheidung über die Art und Weise des Überganges von der Erwerbsphase in den
Ruhestand werden darüber hinaus vor allem die Abschätzung des zu erwartenden Alterseinkommens
aus sozialen Sicherheitssystemen sowie der möglichen Zuflüsse aus betrieblicher bzw. zusätzlicher Alterssicherung des öffentlichen Dienstes oder aus privater Altersvorsorge, aber auch aus Wohneigentum
oder Vermögen zugrunde gelegt (siehe Kapitel 4).
Von den 50-bis unter 65-Jährigen aus Marzahn-Hellersdorf hatten sich im Jahre 2015 bei weitem noch
nicht alle mit den vielfältigen Übergängen aus der Erwerbsarbeit in den Ruhestand beschäftigt. Vielmehr
unterstreichen die Antwortfrequenzen, dass letztendliche Entscheidungen darüber erst relativ kurzfristig
vor dem Ausstieg aus der Erwerbsphase getroffen werden. Da es diesbezüglich in den zurückliegenden
Jahren eine Reihe gesetzlicher Änderungen gegeben hat, wird dieser Termin mehrheitlich bis zum Ende
ausgeschöpft.
Von den 50- bis unter 65-jährigen Frauen und Männern aus Marzahn-Hellersdorf hatten sich im Jahre
2015 insgesamt


34 Prozent für einen Wechsel bei Erreichen der gesetzlichen Regelaltersgrenze (65 Jahre plus Anhebungsmonate auf das 67. Lebensjahr bis zum Jahre 2030) entschieden;



46 Prozent votierten für einen vorgezogenen Ruhestand, darunter 25 Prozent unter Hinnahme von
Abschlägen;



14 Prozent konnten sich noch nicht für konkrete Bedingungen bzw. einen Zeitpunkt für ihren Übergang in den Ruhestand entscheiden;

80

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015



6 Prozent haben diese Frage nicht beantwortet.

Im Vergleich mit den Ergebnissen der Bürgerbefragung 2010 ergab sich ein Anstieg des Votums für den
Erwerbsaustritt bei Erreichen der Regelaltersgrenze von damals 26 Prozent auf heute 34 Prozent. Die
Planung eines vorzeitigen Ruhestandes ging von 55 Prozent (2010) auf 46 Prozent im Jahre 2015 zurück.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass 2015 14 Prozent der Probandinnen und Probanden diese Frage mit
„weiß ich noch nicht“ beantwortet und 6 Prozent nicht geantwortet haben. 2010 hatten 19 Prozent
nicht geantwortet (vgl. Abbildung 3.23).
Abbildung 3.23:

Planung des Überganges von der Erwerbstätigkeit in den Ruhestand
- nach Geschlecht und Altersgruppen - 50- bis unter 65-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

100

6
19

8

5

5

11

14

21

17

6

8

12

7

80

60

55

47

46

49

45

48

43

40

20

26

34

30

2015

Frauen

37

31

33

37

50 b.u.
55 Jahre

55 b.u.
60 Jahre

60 b.u.
65 Jahre

0
2010*

mit Erreichen der Regelaltersgrenze

Männer
vorzeitiger Ruhestand

weiß ich noch nicht*

ohne Antw.

* „weiß ich noch nicht“ - 2010 nicht erfragt
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die Planung des Überganges in den Ruhestand zeigt zwischen Frauen und Männern beachtliche Unterschiede. Mehr Männer als Frauen planen, ihre Erwerbsphase mit Erreichen der Regelaltersgrenze zu
beenden. Die Wahl eines vorzeitigen Ruhestandes ist zwischen den Geschlechtern ähnlich ausgeprägt.
Jedoch mehr Frauen als Männer sind sich in ihrer Planung noch unschlüssig.16 Neben den gesetzlichen
Möglichkeiten werden in die Erwägung der Art und Weise des Erwerbsaustritts vor allem die individuellen bzw. familialen finanziellen Verhältnisse einbezogen. So steigen bei Männern und Frauen mit zunehmendem Haushaltsnettoeinkommen die Anteile derjenigen, die für sich einen vorgezogenen Ruhestand in Betracht ziehen. Das sind bei einem Haushaltsnettoeinkommen von unter 2.000 Euro 41 Prozent

16

Obwohl Männer (44,7 Jahre) und Frauen (43,3 Jahre)in den neuen Bundesländern im Durchschnitt eine ähnlich
hohe Zahl an Versicherungsjahren (Summe aus Beitrags- und beitragsfreien Zeiten) in die Rentenanwartschaften einbringen und damit nicht wenige von ihnen die Zugangsbedingungen zur Altersrente für besonders langjährige Versicherte erfüllen (siehe: Rentenversicherung in Zeitreihen, Berlin 2015, S.132-133), wählten im Jahre
2014 nur 22,1 der Frauen, aber 35,4 Prozent der Männer diese Altersrente. Beitragsausfälle in ihren Rentenanwartschaften der Frauen wegen Kindererziehung, Familienarbeit und auch längerer Teilzeitphasen führen bei
ihnen gegenüber Männern mit relativ lückenlosen Erwerbsbiografien zu erheblich geringeren Rentenzahlbeträgen. Berechnet nach: DRV -Rentenzugang 2014, Berlin 2015, Tabelle 301.20 Z.

81

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

der Frauen und 42 Prozent der Männer und bei einem Haushaltsnettoeinkommen von 4.000 Euro und
darüber beinahe die Hälfte aller Frauen und Männer (siehe Kapitel 4).
Die Entwicklung der Handlungsstrategien für die Gestaltung des Überganges von der Erwerbsphase in
den Ruhestand im Zeitverlauf belegt den Abbau von Unsicherheiten und die Herausbildung von Entscheidungspositionen. Dabei zeigt sich, dass die Bestrebungen nach mehr Selbstbestimmtheit und Wahlfreiheit bezüglich des Wechsels in den Ruhestand mit zunehmendem Alter ansteigen.
Die gesetzlichen Rahmenbedingungen öffnen unterschiedliche Möglichkeiten der individuellen Lebensplanung für den Übergang in den Ruhestand (vgl. Abbildung 3.24).
Abbildung 3.24:

100

6
14

Planung des Überganges von der Erwerbstätigkeit in den Ruhestand
- nach Schwerbehinderung, Erwerbsstatus und Qualifikation
- 50- bis unter 65-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent 12
3

3

4

29

80

60

13

18

13

13

7

51

72

40

5

6

22

22

22

44

46

5

31

37

38

63

40

20

42

39

34

28
13

27

35

31

12

0
insgesamt

schwerbehind.
Menschen

Erwerbstätige

Arbeitslose

mit Erreichen der Regelaltersgrenze

Nichterwerbstätige

vorzeitiger Ruhestand

ohne
Beruf

Lehre/
Teilausbildung

weiß ich noch nicht

FS-Abschluss

HS-Abschluss

ohne Antw.

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Schwerbehinderte Bürgerinnen und Bürger nutzen diesen Zugang und orientieren sich mehrheitlich
(72 Prozent) auf diesen Weg. Nur 13 Prozent der schwerbehinderten künftigen Seniorinnen und Senioren planen für sich einen Renteneintritt bei Erreichen der allgemeinen Regelaltersgrenze und 3 Prozent
erwägen noch ihre Gestaltungsmöglichkeiten.
Vor allem Erwerbstätige haben im hohen Maße ihre Vorstellungen bezüglich des Wechsels in den Ruhestand gefestigt und reagieren flexibel auf gesetzliche Änderungen. 39 Prozent beabsichtigen mit Erreichen der Regelaltersgrenze aus dem Erwerbsleben auszuscheiden, 44 Prozent haben sich bis jetzt für
einen vorzeitigen Erwerbsaustritt entschieden. Insgesamt 13 Prozent der Erwerbstätigen sind noch
unentschlossen (4 Prozent - ohne Antwort).
Komplizierter erweisen sich die individuellen Lebensplanungen für den Übergang in den Ruhestand für
Arbeitslose. Mehr als ein Viertel von ihnen hofft auf das Erreichen der Regelaltersgrenze mit einem
Übergang in ungekürzte Rente. 40 Prozent streben einen vorzeitigen Ruhestand an. Darunter 6 Prozent,
die einen vorzeitigen Ruhestand ohne Abschläge zu erreichen hoffen, und 9 Prozent, die auf eigenen
Wunsch und unter Inkaufnahme von Abschlägen aus dem Erwerbsleben ausscheiden wollen. Weitere 18

82

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Prozent rechnen damit, nach §12a SGB II bei Vollendung des 63. Lebensjahres als Langzeitarbeitslose
vom Jobcenter zur Beantragung einer vorgezogenen Altersrente mit 7,2 Prozent Abschlägen je Rentenmonat aufgefordert zu werden. 29 Prozent der aktuell Arbeitslosen haben für sich noch keine Entscheidung getroffen.
Von den bereits aus dem Erwerbsleben ausgeschiedenen künftigen Seniorinnen und Senioren ist die
Mehrheit (63 Prozent) schon berentet oder in Pension. Die übrigen sind pflegende Angehörige, Hausfrauen/-männer oder aus anderen Gründen aktuell nicht erwerbstätig. 12 Prozent von ihnen wollen mit
Erreichen der Regelaltersgrenze in den Ruhestand eintreten.
Vor allem Personen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung, aber auch ohne Beruf und einer relativ
lückenlosen Erwerbsbiografie seit dem 17. Lebensjahr streben einen vorzeitigen Ruhestand an. Demgegenüber orientieren sich Fach- und Hochschulabsolventinnen und -absolventen überdurchschnittlich auf
den Wechsel bei Erreichen der Regelaltersgrenze.
Gewünschte Erwerbsbeteiligung im Ruhestand
Mehrheitlich orientieren sich die künftigen Seniorinnen und Senioren auf ihren Ruhestand als eine Lebensphase ohne Erwerbsbeteiligung. Deshalb beabsichtigen aktuell 55 Prozent von ihnen, im Ruhestand
keiner weiteren Erwerbsarbeit nachzugehen. 35 Prozent hingegen haben eine weitere Erwerbsbeteiligung durchaus im Blick (10 Prozent - ohne Antwort).
Die Orientierung auf eine weitere Erwerbsbeteiligung ist bei künftigen Senioren mit und ohne Migrationshintergrund ähnlich ausgeprägt. Geschlechtsspezifisch zeichnet sich ein nennenswerter Unterschied
ab; um 8 Prozentpunkte mehr Männer als Frauen planen eine Erwerbstätigkeit im Ruhestand ein. Im
Altersverlauf nimmt der Anteil der Erwerbsorientierten um 4 Prozentpunkte zu.
Der Wunsch nach Weiterführung von Erwerbstätigkeit wird offensichtlich stark von der beruflichen Qualifikation beeinflusst. Während Personen ohne Berufsausbildung (30 Prozent) und mit abgeschlossener
Lehre (32 Prozent) unterdurchschnittlich eine weitere Erwerbstätigkeit wünschen, sprechen sich überdurchschnittlich häufig Fachschulabsolventen (40 Prozent) und Hochschulabsolventen (39 Prozent) für
die Weiterführung einer Erwerbstätigkeit im Ruhestand aus (vgl. Abbildung 3.25).
Der Wunsch von Erwerbsbeteiligung im Ruhestand in den Jahre 2005, 2010 und 2015 ist insgesamt um
4 Prozentpunkte angestiegen. Dieser Durchschnittswert differenziert sich nach Geschlecht, nach Altersgruppen und nach beruflicher Qualifikation.
Während Männer über die Jahre hinweg zwischen 37 und 38 Prozent an einer weiteren Erwerbsbeteiligung interessiert waren, stieg dieser bei den Frauen von 24 Prozent im Jahre 2005 auf 31 Prozent im
Jahre 2015 an.

83

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 3.25:

Gewünschte Erwerbsbeteiligung im Ruhestand - 50- bis unter 65-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent Migrationshintergrund

100

6

10

61

55

5

Geschlecht

10

10

55

59

35

31

Altersgruppe

10

8

52

56

Qualifikation

8

13

12

11

58

57

30

32

8

7

52

54

40

39

80
59

60

52
58

40

33

35

2010

2015

20

36

38

40

36

29

0
ja

ne in

Frauen

Männe r

ja

50
b.u.
55
Jahre
ne in

55
b.u.
60
Jahre

60
b.u.
65
Jahre

ohne Be rufs- FSAb- o.Te il- Abschluss ausschl.
bild.

HSAbschl.

ohne Antw.

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Bei der jüngsten Altersgruppe verändert sich der Anteil mit Erwerbswunsch von 30 auf 36 Prozent, und
bei der ältesten angezeigten Altersgruppe stieg dieser Anteil von 33 auf 40 Prozent.
Differenziert nach beruflicher Qualifikation sank bei Personen ohne Berufsausbildung der weiterführende Erwerbswunsch von 39 auf 30 Prozent und stieg bei allen Gruppen mit abgeschlossener Berufsausbildung oder Studium in unterschiedlicher Weise an (vgl. Abbildung 3.26).
Abbildung 3.26:

Entwicklung der gewünschten Erwerbsbeteiligung im Ruhestand
- 50- bis unter 65-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2005, 2010, 2015 - in Prozent -

50

40

30

20
31

33

40

38 37 38

35
31

36
30 30

31 31

29

40

39

33 32
27

24 25

30

32
28 28

31 32

37

39

32

10

0
insgesamt

Frauen

Männer

50 b.u.
55
Jahre

55 b.u.
60
Jahre
2005

60 b.u.
65
Jahre
2010

ohne
Abschluss

2015

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2005, 2010, 2015 (gew.)

84

abgeschl.
Berufsausb./
Teilausbild.

FSAbschluss

HSAbschluss

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Als wichtigster Grund für die Fortsetzung einer Erwerbstätigkeit im Ruhestand hat sich der Wunsch erwiesen, neben den Altersbezügen aus sozialen bzw. privaten Sicherungssystemen fließenden Renten
oder Pensionen zusätzlich Geld zu verdienen. Darauf orientieren sich 26 Prozent der künftigen Seniorinnen und Senioren.
Das Bestreben, auch im Ruhestand einer sinnvollen Beschäftigung nachzugehen, motiviert insgesamt
19 Prozent der 50- bis unter 65-Jährigen für eine weitere Erwerbsbeteiligung.
Insgesamt 23 Prozent dieser Altersgruppe wissen für sich den Vorteil sozialer Kontakte in der Arbeitswelt zu schätzen und möchten diese auch im Ruhestand nicht entbehren.
9 Prozent der künftigen Seniorinnen und Senioren begründen ihren Wunsch auf eine weitere Erwerbsbeteiligung mit dem Motiv der Weitergabe von eigenen beruflichen und persönlichen Erfahrungen.
3 Prozent verweisen auf andere Gründe. Mehrheitlich wurde darauf hingewiesen, dass die eigene materielle Alterssicherung zu gering ist und ein Zuverdienst solange wie möglich willkommen wäre. Ebenfalls
mehrheitlich wurde unterstrichen, eigene Fähigkeiten nutzen zu wollen, durch Erwerbstätigkeit sinnvoll
beschäftigt zu sein und vor allem sich selbst die geistige Leistungsfähigkeit zu erhalten. Eine Minderheit
verwies auf ihre ehrenamtliche Tätigkeit, die damit verbundene soziale Einbindung und die daraus erwachsenden Anforderungen an die eigene Leistungsfähigkeit.
In dieser Frage wird als offensichtlichste Differenzierung ein geschlechtsspezifischer Unterschied erkennbar (vgl. Abbildung 3.27):


Mehr Männer (30 Prozent) als Frauen (22 Prozent) wollen weiterhin erwerbstätig bleiben, um Geld
zu verdienen.



Ebenfalls mehr Männer (24 Prozent) als Frauen (15 Prozent) erstreben eine Erwerbstätigkeit, um
beschäftigt zu sein.



Mehr als ein Fünftel der Frauen (24 Prozent) und Männer (22 Prozent) möchten weiterhin wegen
der sozialen Kontakte zu Kolleginnen und Kollegen arbeiten gehen.



Die Weitergabe eigener Erfahrungen ist für Frauen und Männer ein gleichwertiges Motiv für Erwerbstätigkeit im Ruhestand.



Beide Geschlechter führen im gleichen Maße noch andere Gründe an.

85

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 3.27:

Gründe für die gewünschte Erwerbstätigkeit im Ruhestand - 50- bis unter 65-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent* Frauen

um Geld zu verdienen

Männer
22

um beschäftigt zu sein

30

15

wegen der sozialen Kontakte

24

24

22

um eigene Erfahrungen
weiterzugeben

10

andere Gründe

9

3 2

30

20

10

0

10

20

30

* Mehrfachantworten möglich
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

3.4

Fazit

Erwerbsbeteiligung der 50- bis unter 65-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf 2015
Bezüglich der Erwerbsbeteiligung der 50- bis unter 65-Jährigen aus Marzahn-Hellersdorf kann festgestellt werden, dass


die überwiegende Mehrheit der künftigen Senioren es hoch wertschätzt, „Arbeit zu haben“ und dies
für ihr Leben als wichtig bewertet;



die Erwerbsquote dieser Gruppe seit dem Jahre 2000 von 53 Prozent auf 73 Prozent angestiegen ist,
wobei darunter nicht geringe Anteile von Teilzeit- und geringfügiger Beschäftigung einfließen;



die künftige Entwicklung des Erwerbspotenzials bis zum Jahre 2030 vom Anstieg der 18- bis unter
50-Jährigen (um 2,4 Prozent) getragen, aber zugleich vom Absinken des Anteils der 50- bis unter
65-Jährigen um 24,4 Prozent beeinflusst wird. Das führt zu einer Verringerung des Erwerbspotenzials in Marzahn-Hellersdorf insgesamt um 8,1 Prozent;



nach dem Erwerbsstatus bei den künftigen Senioren die Erwerbstätigen überwiegen, des Weiteren
11 Prozent Arbeitslose und 16 Prozent Nichterwerbstätige sind;



die altersspezifische Differenzierung der Erwerbsbeteiligung dieser Gruppe mit zunehmendem Lebensalter eine Verringerung der aktiven Erwerbstätigkeit zeigt. Im Vergleich zu 2010 vollzieht sich
dieser Prozess jedoch aktuell auf höherem Niveau. So stieg z.B. der Anteil der Erwerbstätigen bei
den 60- bis unter 65-jährigen Frauen um 6 Prozentpunkte und bei den gleichaltrigen Männern um
13 Prozentpunkte;



mehr als 30 Prozent der 50- bis unter 65-Jährigen zwischen ein- und fünfmal in ihrem Erwerbsleben
unter prekären Bedingungen gearbeitet haben. Für viele von ihnen war es angesichts langanhalten-

86

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

der Arbeitslosigkeit (bis 2010) die einzige Chance, selbst zu ihrem Lebensunterhalt beizutragen bzw.
den erzielten Niedriglohn nach SGB II aufzustocken;


sich enge Zusammenhänge sich bei der Betrachtung des Erwerbsstatus und der beruflichen Qualifikation eröffnen. Eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein Fach- bzw. Hochschulabschluss erweisen sich als Voraussetzung für aktive Erwerbstätigkeit. Dies spiegelt sich in der sozialräumlichen
Betrachtung ebenso wider wie das Zusammentreffen hoher Anteile von Arbeitslosigkeit und von
Personen ohne Berufsausbildung;



die Analyse der Stellung der Erwerbstätigen im Beruf unterstreicht, dass mehrheitlich eine abgeschlossene Berufsausbildung je nach Ausbildungsniveau eine gegenüber geringer Qualifizierten vorteilhaftere Position im Beruf begründet.

Arbeitslosigkeit von ab 50-Jährigen: Entwicklung - individuelle Erfahrungen - Zukunftsorientierungen
Aus der Analyse der Arbeitslosigkeit von gegenwärtig ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf, deren individuellen Erfahrungen mit Ausgrenzung aus der Arbeitswelt und ihren Orientierungen auf die nächste
Zukunft können folgende für die Sozialplanung des Bezirkes relevante Ergebnisse festgehalten werden:


Die differenzierte Teilhabe der ab 50-jährigen Erwerbspersonen aus Marzahn-Hellersdorf am wirtschaftlichen Aufschwung vertieft die soziale Ungleichheit der Zielgruppe und geht mit einer seit
2010 zu beobachtenden Verfestigung eines Sockels älterer Langzeitarbeitsloser von 64,6 Prozent der
ab 50-jährigen Arbeitslosen im Januar 2010 auf 71,7 Prozent im Februar 2016 einher.



Ein Wiedereinstieg für ältere Langzeitarbeitslose erweist sich in der Praxis bundesweit kaum für
möglich, und der Ausstieg aus der Langzeitarbeitslosigkeit ist bei Vollendung des 63. Lebensjahres
(plus Steigerungsmonaten) gesetzlich mit vorzeitiger Zwangsverrentung und Rentenabschlägen von
7,2 Prozent pro monatlichem Rentenzahlbetrag geregelt.



Als Haupthindernis des Abbaus der Langzeitarbeitslosigkeit bei ab 50-Jährigen bestätigen sich fehlende berufliche Qualifikation der Betroffenen, die extreme Verringerung des Bedarfs an einfachen
Tätigkeiten in der modernen Arbeitswelt und der seit Jahren betriebene Abbau von geförderter beruflicher Qualifizierung bzw. Weiterbildung von ab 50-Jährigen bundesweit.



Während von den aktuell im Ruhestand Befindlichen (ab 65-Jährigen) 53 Prozent in ihrer Erwerbsbiographie keine Zeiten der Arbeitslosigkeit verzeichnen, waren von den gegenwärtigen Erwerbspersonen nur 42 Prozent bislang niemals mit Arbeitslosigkeit konfrontiert.



Mehr als die Hälfte der aktuellen Erwerbspersonen waren im Verlaufe ihrer Erwerbsbeteiligung mit
Arbeitslosigkeit konfrontiert, das bedingt bisher bei 53 Prozent eine Erwerbslücke bis zu einem Jahr,
bei 19 Prozent bis zu 2 Jahren, bei 8 Prozent bis zu 3 Jahren und bei 20 Prozent von 3 Jahren und
darüber.



Die Analyse der Dauer der Arbeitslosigkeit bei 50- bis unter 65-Jährigen ergab, dass eine überdurchschnittliche Dauer bei Personen mit Migrationshintergrund zu verzeichnen ist und dass sich die
Dauer der Arbeitslosigkeit in Abhängigkeit vom Qualifikationsniveau verringert.



Die Zukunftsorientierungen von aktuell Arbeitslosen konzentrieren sich auf den Wiedereinstieg in
das Erwerbsleben, auf die Übernahme familialer Pflichten bzw. Realisierung persönlicher Interessen
sowie auf freiwillige oder ehrenamtliche Tätigkeiten.

87

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015



Die Zukunftsorientierungen von Arbeitslosen verändern sich im Zeitverlauf vor allem in Abhängigkeit
vom zeitlichen Abstand bzw. der Nähe zum individuellen Erreichen der Regelaltersgrenze und des
Erwerbsaustritts. Bei den Zukunftsorientierungen der aktuell Arbeitslosen werden sowohl Unterschiede nach der ethnischen Herkunft als auch geschlechtsspezifische Unterschiede erkennbar.

Erwerbsaustritt und Übergang in den Ruhestand
Aus den Handlungsstrategien der künftigen Seniorinnen und Senioren für ihren Wechsel von der Erwerbsphase in den Ruhestand ist zu entnehmen, dass sie


großen Wert auf die eigene Entscheidung über den Wechsel in die Ruhestandsphase legen;



mehrheitlich einen Erwerbsaustritt unterhalb der Regelaltersgrenze anstreben und dabei die gesetzlichen Möglichkeiten dafür ausschöpfen;



die Entscheidung über die Art des Wechsels in den Ruhestand in Abhängigkeit von der individuellen
bzw. familialen materiellen Alterssicherung treffen;



sich im Falle von Langzeitarbeitslosigkeit bei Vollendung des 63. Lebensjahres mit tiefen Einschränkungen ihrer Selbstbestimmung beim Wechsel in den Ruhestand konfrontiert sehen;



mehr als ein Drittel weiterhin am Erwerbsleben teilnehmen wollen, um damit ihre Alterseinkommen
aufzubessern;



vorrangig zur weiteren Erwerbsbeteiligung motiviert werden, um zusätzliches Geld zu verdienen, um
eine knappe Rente aufzubessern, um sich Zugang zu sozialen Kontakten zu erhalten und/oder sinnvoll beschäftigt zu sein.

3.5

Handlungsempfehlungen



Für die ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf muss eine sich verfestigende Polarisierung zwischen
Langzeitarbeitslosen, Personen ohne berufliche Qualifikation, Bürgerinnen und Bürgern mit migrationsbedingten Integrationsschwierigkeiten in der Arbeitswelt und Menschen mit geringem Einkommen, darunter alleinlebende Seniorinnen und Senioren, einerseits und einer im unterschiedlichem Maße sozial abgesicherten Mehrheit andererseits festgestellt werden. Diese zunehmende soziale Ungleichheit konzentriert sich sozialräumlich vor allem mit sozialen Belastungen der Menschen
in den Bezirksregionen Marzahn-Nord, Hellersdorf-Nord, Hellersdorf-Ost und Marzahn-Mitte einerseits und andererseits in wohlsituierten Verhältnissen im Siedlungsgebiet. Die Bezirkspolitik sollte
bei perspektivischen Entscheidungen ressortübergreifend auf diese zunehmenden sozialen Disparitäten schwerpunktmäßig reagieren und diese bei Einsatz materieller und personeller Ressourcen berücksichtigen.



Im Gegensatz zum erfolgten Anstieg der Erwerbsbeteiligung von ab 50-Jährigen in MarzahnHellersdorf in den letzten fünf Jahren steht die Verfestigung eines Sockels älterer Langzeitarbeitsloser und deren dauerhafte Ausgrenzung aus dem Erwerbsleben. Die Bezirkspolitikerinnen und
-politiker sollten sich in ihrem Zusammenwirken mit dem Berliner Senat, der Arbeitsagentur, dem
Jobcenter, sowie mit Arbeitgebern aktiv dafür einsetzen, dass Arbeitslosen und Langzeitarbeitslosen
ein realer Zugang zur Erwerbsbeteiligung geöffnet wird.



Vor allem für Arbeitslose und Langzeitarbeitslose im Alter von 50 bis zur Regelaltersgrenze besteht
akuter Bedarf für eine öffentlich geförderte Beschäftigung mit sozialversicherungspflichtigen Ar-

88

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

beitsverhältnissen als Brücke von der Erwerbsarbeit zum Übergang in den Ruhestand. Es geht darum, für jede Bürgerin und jeden Bürger einen Rechtsanspruch zu installieren, der ihnen eine sinnvolle Erwerbsarbeit bis zur Berentung und damit auch eine Lebensperspektive mit abschlagsfreiem
Übergang in den Ruhestand ermöglicht. Die Abgeordneten der BVV und die Bezirkspolitikerinnen
und -politiker sollten sich dieses Problem zu eigen machen und in geeigneten Gremien vertreten.


Angesichts der gesetzlich festgeschriebenen Berentung mit vollendetem 67. Lebensjahr, die für ab
50-Jährige einen Zeitrahmen von bis zu 17 Jahren betreffen kann, ist es erforderlich, dass sich Bezirkspolitikerinnen und -politiker einschließlich der Bezirksverordneten für einen gesetzlich garantierten Rechtsanspruch auf Qualifizierung und Beseitigung migrationsbedingter Integrationsschwierigkeiten von ab 50-jährigen Arbeitslosen und Langzeitarbeitslosen engagieren. Damit würden die
Chancen der Betroffenen auf einen Wiedereinstieg in die Erwerbsarbeit und auf ein selbst erarbeitetes Einkommen erhöht sowie deren Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe verbessert.



Die gestiegene Erwerbsbeteiligung von 50- bis unter 65-Jährigen garantiert nicht für alle Beteiligten
ein existenzsicherndes Einkommen. Vor allem bei Teilzeitbeschäftigten, befristet oder geringfügig
Beschäftigten ist sowohl mit erheblichen aktuellen Sicherungslücken als auch mit kaum auszugleichenden Defiziten für die künftige materielle Alterssicherung zu rechnen. Die bezirkliche Seniorenpolitik muss auf Grund dessen mit einem Anstieg der Anträge auf Grundsicherung im Alter rechnen
und sich darauf einstellen.



Die sich durch Teilzeit- und prekäre Beschäftigung ergebenden Sicherungslücken bei den aktuell
50- bis unter 65-Jährigen konzentrieren sich in den Bezirksregionen der Großsiedlungen von Marzahn und Hellersdorf und verdeutlichen aktuelle und künftige Defizite an gesellschaftlicher Teilhabe,
die durch Vorhalten entsprechender kommunikativer, kultureller und Beratungsangebote im Bezirk
abgemindert werden sollten. Darüber hinaus sollte vor allem in Diskussion mit den Wohnungsunternehmen erreicht werden, dass auch Geringverdiener-/Niedrigrentnerhaushalte im Bezirk in ihrer
angestammten Wohnung bis ins hohe Alter selbstbestimmt leben und in ihrem Wohnumfeld verbleiben können.



Die gegenwärtige Position von Menschen mit Migrationshintergrund erfordert die bezirkliche Einflussnahme auf die Verbesserung der Sprachkenntnisse, hauptsächlich der berufsorientierten Fachsprache des erlernten bzw. studierten Berufes und sollte auf den Erwerb von mit dem BRD-Berufscurriculum kompatiblen Abschlüssen ausgerichtet sein. Darüber hinaus ist es weiterhin notwendig,
dass sich Bezirkspolitikerinnen und -politiker auf Landesebene für die Anerkennung von im Herkunftsland erworbenen Berufs- und Studienabschlüssen einsetzen.



Der für die kommenden 15 Jahre zu erwartende Wechsel der aktuell künftigen Seniorinnen und
Senioren in den Ruhestand bedingt von der bezirklichen Seniorenpolitik in Zusammenarbeit mit allen Akteuren der Seniorensozialarbeit (Netzwerk im Alter, Stadtteilzentren, Nachbarschaftseinrichtungen, FreiwilligenAgentur, Vereine, Organisationen) die notwendige Weiterentwicklung der dafür
erforderlichen öffentlichen Rahmenbedingungen. Dabei geht es um die Entwicklung von aktivierenden kulturellen und Freizeitangeboten, Kommunikations- und Bildungsangeboten, Offerten für bürgerschaftliches Engagement, die geeignet sind, die Neu-Seniorinnen und -Senioren zu eigener Betätigung zu motivieren und Möglichkeiten vorzuhalten, wo diese ihre Fähigkeiten, Erfahrungen und
Talente einbringen können.

89

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Zugleich sollte auf diese Weise der Wegfall der bisherigen Einbindung dieser Personengruppe in die
Arbeitswelt durch Angebote zur Integration der Neu-Ruheständlerinnen und -Ruheständler in bestehende soziale Netzwerke abgefedert und sozialer Isolierung entgegengewirkt werden.

90

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

4.

Einkommenssituation und Armutsrisiko von ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf

Das eigene Einkommen bildet für die überwiegende Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger in MarzahnHellersdorf wie bundesweit die materielle Existenzgrundlage. Bei den ab 50-Jährigen handelt es sich
dabei um aus eigener Erwerbsarbeit resultierendes Entgelt, um auf eigene Ansprüche an die Arbeitslosenversicherung erwachsendes Arbeitslosengeld, um Sozialleistungen nach dem SGB II (Grundsicherung
für Arbeitsuchende) oder nach dem SGB XII (Grundsicherung bei dauerhafter Erwerbsminderung bzw.
im Alter) bzw. um Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung oder Leistungen anderer sozialer Alterssicherungssysteme.
4.1

Selbstbewertung der Einkommenssituation durch ab 50-Jährige

Die Analyse der von den ab 50-Jährigen getroffenen Bewertungen der Möglichkeiten zur Befriedigung
ihrer Bedürfnisse auf der Basis ihres Haushaltsnettoeinkommens gestattet einen Einblick in die differenzierten Einkommenssituationen von ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf. So bestätigen im Jahr 2015
insgesamt 47 Prozent, dass ihr Haushaltsnettoeinkommen ihnen die Befriedigung ihrer Bedürfnisse im
Großen und Ganzen uneingeschränkt ermöglicht. 32 Prozent verweisen auf die Notwendigkeit von Einschränkungen bei der Bedürfnisbefriedigung und 17 Prozent bestätigen, dass ihr Haushaltsnettoeinkommen nicht zur Bedürfnisbefriedigung ausreicht (4 Prozent = ohne Antwort). Der Vergleich der Befragungsergebnisse aus den Jahren 2010 und 2015 erbrachte in Bezug auf die Möglichkeiten der Bedürfnisbefriedigung insgesamt einen Anstieg des Anteils jener um 8 Prozentpunkte, die auf der Basis ihres
Haushaltsnettoeinkommens im Großen und Ganzen ihre Bedürfnisse befriedigen können. Im Gegenzug
verringerte sich in diesem Zeitraum der Anteil derer, die nur eine eingeschränkte Bedürfnisbefriedigung
bestätigen, um 6 Prozentpunkte, und die Gruppe mit einem zur Bedürfnisbefriedigung nicht ausreichenden Einkommen nahm um 3 Prozentpunkte ab. So kann eine leichte Entspannung der wirtschaftlichen
Lage bei ab 50-Jährigen gegenüber der Einkommenssituation im Jahre 2010 festgestellt werden (vgl.
Abbildung 4.1).
Abbildung 4.1:

„Ermöglicht Ihr Haushaltsnettoeinkommen im Großen und Ganzen die Befriedigung
Ihrer Bedürfnisse?“ - nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf
2015 - in Prozent -

insgesamt
100

3

4

20

17

2015 - nach Bezirksregionen
3
27

5

5

19

15

4

10

3
5

5
7

26
26

25

33

26

59

62

BR 8
Kaulsdorf

BR 9
Mahlsdorf

27

32
38

34

39

34

40

35

40

20

3
9

22

80

60

2

64
39

53

47
37

30

42

37

29

0
2010

2015

BR 1
BR 2
BR 3
BR 4
BR 5
BR 6
Marzahn- Marzahn- Marzahn- Hellers- Hellers- HellersNord
Mitte
Süd
dorf-Nord dorf-Ost dorf-Süd
ja

ja, eingeschränkt

nein

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

91

ohne Antw.

BR 7
Biesdorf

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Zugleich eröffnet die Differenzierung der Ergebnisse Einblick in bestehende Konfliktlagen und deren
Verteilung nach sozialräumlichen, soziodemographischen und sozialstrukturellen Merkmalen.
Die sozialräumliche Analyse dieser Frage verweist einerseits auf eine überdurchschnittliche Konzentration des nicht zur Bedürfnisbefriedigung ausreichenden Haushaltsnettoeinkommens in den Bezirksregionen Marzahn-Nord (27 Prozent), Hellersdorf-Nord und Hellersdorf-Ost (jeweils 26 Prozent) sowie
Hellersdorf-Süd (22 Prozent). Andererseits zeigt in den Bezirksregionen Biesdorf (64 Prozent), Mahlsdorf
(62 Prozent), Kaulsdorf (59 Prozent) und Marzahn-Süd (53 Prozent) jeweils ein überdurchschnittlich hoher Anteil von Probandinnen und Probanden Möglichkeiten zur uneingeschränkten Bedürfnisbefriedigung an.
Bürgerinnen und Bürger mit Migrationshintergrund bewerten ihre Einkommenssituation in erheblichem
Maße weniger positiv als einheimische Befragte. Während nur 16 Prozent der letzteren Gruppe keine
Möglichkeiten zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse sehen, bestätigen dies 37 Prozent der Befragten mit
Migrationshintergrund.
In beiden Gruppen offenbaren sich geschlechtsspezifische Unterschiede zu Ungunsten der Einkommenssituation von Frauen. Bei den einheimischen Befragten ist der Anteil der Frauen mit einer uneingeschränkten Möglichkeit zur Bedürfnisbefriedigung um 6 Prozentpunkte geringer als bei den Männern,
und von den Frauen mit Migrationshintergrund ist dieser Anteil um 9 Prozentpunkte geringer als bei den
Männern mit Migrationshintergrund (vgl. Abbildung 4.2).
Abbildung 4.2:

„Ermöglicht Ihr Haushaltsnettoeinkommen im Großen und Ganzen die Befriedigung
Ihrer Bedürfnisse?“ - nach Migrationshintergrund und Geschlecht - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent mit Migrationshintergrund

ohne Migrationshintergrund
Frauen

insgesamt

Männer

Frauen

17

insgesamt

Männer

1

4
14

5

9

40

48

34

31

33

38

20

4
32

4
31

43

16

37

51

45

26

17

ja

ja, eingeschränkt

nein

ohne Antw.

ja

ja, eingeschränkt

nein

ohne Antw.

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Gemessen am jeweiligen Anteil jener, die ein für die Bedürfnisbefriedigung unzureichendes Haushaltsnettoeinkommen anzeigen, werden Polarisierungen in der Bewertung der Einkommenssituation nach
Altersphasen, nach Erwerbsstatus, nach Familientyp und nach der Höhe des Haushaltsnettoeinkommens
erkennbar. Von den hier analysierten Gruppen gehen nur vier überdurchschnittlich häufig von einer
uneingeschränkten Bedürfnisbefriedigung aus. Diese günstige Bewertung wurde von 52 Prozent der
Teilzeit-Erwerbstätigen sowie der Partnerhaushalte ohne Kinder, von 60 Prozent der Vollzeit-Erwerbstätigen und hundertprozentig von Haushalten mit einem Haushaltsnettoeinkommen zwischen 3.000 und
4.000 Euro getroffen. Demgegenüber wird von zehn der angeführten Gruppen die eigene Einkommenssituation überdurchschnittlich als unzureichend eingeschätzt. So deklarieren 62 Prozent der Arbeitslo-

92

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

sen, 61 Prozent der Haushalte mit einem Haushaltnettoeinkommen unter 1.000 Euro, 48 Prozent der
65- bis unter 75-Jährigen, 39 Prozent der 50- bis unter 65-Jährigen, 37 Prozent der Alleinerziehenden,
34 Prozent, 34 Prozent der Haushalte mit einem Haushaltsnettoeinkommen von 1.000 und 1.500 Euro,
32 Prozent der geringfügig Beschäftigten, 25 Prozent der Alleinlebenden und 22 Prozent der 75- bis unter 85-Jährigen, dass sie auf der Basis des Haushaltnettoeinkommens ihre Bedürfnisse nicht befriedigen
können (vgl. Abbildung 4.3).
Abbildung 4.3:

„Ermöglicht Ihr Haushaltsnettoeinkommen im Großen und Ganzen die Befriedigung
Ihrer Bedürfnisse?“ - nach soziostrukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent* -

insge samt
insgesamt

47

32

17

4

Altersphasen
50 b.u. 65 J.

22

65 b.u. 75 J.

36

39

39

9

75 b.u.
b.u.85
85 J.J.
75

3
4

48

33

39

85 J. u.ält.

6

22

100

Erwerbsstatus
VZ-Erwe rbstätigke it

60

TZ-Erwe rbstätigke it

30

52

Arbe
arbeitslose
itslos

7

32

24

ge
Be schäftigte
**
geringf.
ringfügig
be schäftigt

32
35

20

Alle inle
be nde
alleinlebend

40

ja

38
16

alleinerziehend**
Alle ine rzie
he nde **

Familientyp

ja, e inge schränkt

29

60

ne in

6

80

ohne Antw.

100

25

8

36

1

33

52

Partn.schaft
u.m.Kind/e
Partn.schaft
Kinder/n r

1

17

47

Partn.schaft
o. Kind/er r
Partn.schaft
o. Kind/e

2
7

28

42
0

2

14

62

39

Nichte
rbstätige
nicht rwe
e rwe
rbstätig

8

40

13

42

2
5

13

Hauhaltsnettoeinkommen
4

unter 1.000 Euro
unte r 1.000
Euro

33

61

16

1.000 b.u.
1.500 Euro
1.000 b.u.
1.500
Euro

46

34

44

1.500 b.u.
2.000 Euro
1.500 b.u.
2.000
Euro

4

46

37

2.000 b.u.
3.000 Euro
2.000 b.u.
3.000
Euro

2

10
23

40

100

3.000 b.u.
4.000 Euro
3.000 b.u.
4.000
Euro

47

u.dar.
4.000 4.000
EuroEurou.dar.

0

53

20

40
ja

60

ja, e inge schränkt

ne in

80

100

ohne Antw.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent
** geringe Fallzahl
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die Selbstbewertung ihrer Möglichkeiten zur Bedürfnisbefriedigung durch die Befragungsteilnehmerinnen und -teilnehmer lässt im Vergleich zu den Befragungsergebnissen von 2010 auf eine leichte Verbesserung der Einkommenssituation der ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf schließen.

93

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Die differenzierte Betrachtung der Ergebnisse von 2015 jedoch unterstreicht die soziale Ungleichheit
hinsichtlich der Bedürfnisbefriedigung zwischen den Bürgerinnen und Bürgern ohne und mit Migrationshintergrund und die geschlechtsspezifischen Unterschiede zwischen Frauen und Männern und hebt
die defizitäre Einkommensposition von großen Anteilen der Arbeitslosen, der Alleinlebenden, der Haushalte mit geringem Einkommen sowie der 65- bis unter 75-Jährigen hervor. Die hier genannten Gruppen
sowie das sozialräumliche Auseinanderdriften des Bezirkes zwischen den hohen Anteilen von Einwohnerinnen und Einwohnern in den Bezirksregionen der Großsiedlungen, die ihre Bedürfnisse auf der Basis
ihres Haushaltsnettoeinkommens nicht befriedigen können, und denen in den sozial wesentlich geringer
belasteten Bezirksregionen im Siedlungsgebiet sollten in den Fokus der künftigen Altenplanung gerückt
werden.
4.2

Die Einkommensquellen der ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf 2015

Die Einkommensquellen der Bürgerinnen und Bürger stehen im engen Bezug zu ihrem sozialen Status als
Erwerbsfähige, Nichterwerbsfähige bzw. im Ruhestand befindliche Personen bzw. der Art und Weise
ihrer Erwerbsbeteiligung. So erzielen Erwerbsfähige bei aktiver Erwerbstätigkeit entweder Lohn/Gehalt
oder Einkommen aus selbständiger Arbeit. Hingegen haben Arbeitslose entweder Anspruch auf Leistungen der Arbeitslosenversicherung (Arbeitslosengeld I) oder bei Langzeitarbeitslosigkeit Anspruch auf
Grundsicherung für Arbeitsuchende (Arbeitslosengeld II). Nichterwerbsfähige sind anspruchsberechtigt
auf Sozialhilfe oder andere staatliche Transferleistungen bzw. begründen ihre Existenz auf Unterhaltsleistungen von Angehörigen. Die wichtigsten Einkommensquellen von im Ruhestand befindlichen Personen sind Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung, Pensionen, Leistungen weiterer sozialer Alterssicherungssysteme bzw. private Alterssicherung bei vormals Selbständigen.
Über diese hauptsächlichsten Einkommensquellen hinaus können sich je nach individuellen oder familialen Voraussetzungen weitere Einkommensquellen wie z.B. Einnahmen aus Vermietung oder Verpachtung, betriebliche oder private Altersvorsorge, Zinsen, Kapitalerträge usw. als ergiebig erweisen.
Die Ergebnisse des Mikrozensus unterscheiden bei der Analyse des überwiegenden Lebensunterhaltes
der Bevölkerung nur noch zwischen Einkünften aus Erwerbstätigkeit, Unterhalt durch Angehörige und
Sonstiges, unter Letzterem werden Renten, Pensionen, eigenes Vermögen, Ersparnisse und alle sozialen
Transferleistungen zusammengefasst.
Die sich im Zeitraum von 2010 bis 2014 bezüglich der Quellen des überwiegenden Lebensunterhaltes in
der Bevölkerung von Marzahn-Hellersdorf vollziehenden Veränderungen gehen auf folgende Entwicklungen zurück (vgl. Tabelle 4.1):


Der rückläufige Anteil des aus Erwerbstätigkeit erwachsenden Lebensunterhaltes von 45,4 Prozent
im Jahre 2010 auf 44,1 Prozent im Jahre 2013 steht im engen Zusammenhang mit der zwar zurückgehenden, aber immer noch hohen Arbeitslosigkeit einerseits und dem Wechsel großer Bevölkerungsanteile in den Ruhestand. Trotz fortlaufender Bevölkerungsalterung hat vor allem in den letzten Jahren das Bevölkerungswachstum durch Zuzug von Erwerbstätigen und ihren Familien zu einer
Stabilisierung geführt. Das Zusammenwirken dieser Faktoren ließ im Jahre 2014 einen leichten Anstieg des aus eigener Erwerbstätigkeit resultierenden Anteils am überwiegenden Lebensunterhalt
erkennen.

94

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015



Sowohl die Geburtenentwicklung als auch der Zuzug von Familien mit Kindern führten zu einem
erneuten Anstieg des Anteils jener, deren Lebensunterhalt durch Einkünfte von Angehörigen bestritten wird.



Obwohl davon auszugehen ist, dass „Sonstiges“ vorrangig die Absicherung des überwiegenden Lebensunterhaltes der älteren Generation ausweist, sind auf Grund des Ensembles der hier zusammengefassten Komponenten keine differenzierten Einflüsse zu benennen.

Tabelle 4.1:
Jahr

Bevölkerung von Marzahn-Hellersdorf 2010 bis 2014 - nach den Quellen des
überwiegenden Lebensunterhaltes - in Tsd. und in Prozent Bevölkerung

mit überwiegendem Lebensunterhalt durch
eigene Erwerbs-/
Berufstätigkeit

Einkünfte von
Angehörigen¹

Sonstiges

2

in Tsd.
2010

248,2

112,8

38,5

96,9

2011

251,3

113,5

39,9

97,9

2012

254,9

111,0

34,0

109,9

2013

249,8

110,1

37,7

102,0

2014

251,7

113,5

40,0

98,3

in Prozent
2010

100

45,4

15,5

39,0

2011

100

45,2

15,9

39,0

2012

100

43,5

13,3

43,1

2013

100

44,1

15,1

40,8

2014

100

45,1

15,9

39,0

1

Einkünfte der Eltern, auch Einkünfte von dem/von der Lebens- oder Ehepartner/-in oder von anderen Angehörigen

2

einschl. Arbeitslosengeld I (ALG I); Rente, Pension; eigenes Vermögen, Ersparnisse, Zinsen, Vermietung, Verpachtung, Altenteil; Sozialhilfe (z.B. Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung Eingliederungshilfe, Hilfe zur Pflege, Hilfe zum Lebensunterhalt); Leistungen nach Hartz IV (ALG II, Sozialgeld); Elterngeld (früher Erziehungsgeld); sonstige Unterstützungen
(z.B. BAföG, Vorruhestandsgeld, Stipendium, Pflegeversicherung, Asylbewerberleistungen, Pflegegeld für Pflegekinder oder
-eltern).

Berechnet nach: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, Ergebnisse des Mikrozensus Bevölkerung und Erwerbstätigkeit, Berlin
2011 bis 2015 jährlich, jeweils Tabelle 5.4

Die in der Bürgerbefragung erhobenen Einkommensquellen der ab 50-Jährigen aus Marzahn-Hellersdorf
unterstreichen die Bedeutung sowohl von aus Erwerbstätigkeit resultierendem Lohn/Gehalt oder Einkommen aus selbständiger Tätigkeit, von durch eigene Leistungen begründete Renten oder Pensionen
bzw. Arbeitslosengeld I sowie aus Rechtsansprüchen erwachsende Zahlungen von Sozialhilfeleistungen
für die individuelle Existenzsicherung. Darüber hinaus können weitere Einkommensanteile aus zusätzlichen Quellen fließen. Am häufigsten werden betriebliche Altersvorsorge, Zinsen oder Kapitalerträge
sowie private Altersvorsorge als ergänzende Einkommensquellen genannt.

95

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Je nach Zugehörigkeit zu den Erwerbsfähigen (hier: die Gruppe der 50- bis unter 65-Jährigen) bzw. den
in den Ruhestand Eingetretenen (Gruppe der ab 65-Jährigen) unterscheiden sich die hauptsächlichsten
Einkommensquellen (vgl. Abbildung 4.4).
Abbildung 4.4:

Monatliche Einkommensquellen der ab 50-Jährigen - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent* 50- bis unter 65-Jährige
Lohn/Gehalt
Lohn/Gehalt..

ab 65-Jährige

70

5

Rente
Renteaus
ausder
derGRV
GRV ..

97

15

ArbeitslosengeldII/Hartz
II/HartzIV
IV
Arbeitslosengeld

97

10

Einkommenaus
ausselbst.
selbst.Tätigkeit
Tätigkeit
Einkommen

6

Zinsen/Kapitalerträge .

2

5

8

Einnahmen
Einnahmenaus
ausVermietung/Verpachtung
Vermietung/Verpachtung

4

BetrieblicheAltersvorsorge
Altersvorsorge
Betriebliche

3

Erträgepriv.
priv.Altersvorsorge
Altersvorsorge
Erträge

2

Unterhalt
Unterhaltdurch
durchAngehörige
Angehörige

2

Arbeitslosengeld
ArbeitslosengeldII

2

Grundsicherung/Sozialhilfe
Grundsicherung/Sozialhilfe

2
15
4

1

4

Pension
Pension ..

1

4

Unfallrente
Unfallrente .

1

1

berufständ.
berufständ.Altersvorsorge
Altersvorsorge ..
100

1
80

60

40

20

0

20

40

60

80

100

* Mehrfachantworten, einschließlich zusätzlicher verbaler Angaben
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die Verteilung der Einkommensquellen bei den ab 50-Jährigen aus Marzahn-Hellersdorf (vgl. Abbildung
4.5) zeigt an, dass die überwiegende Mehrheit von ihnen (68 Prozent) monatlich nur auf eine Einkommensquelle zurückgreifen kann. Bei den alleinigen Einkommensquellen handelt es sich im Bezirksdurchschnitt bei 31 Prozent um Lohn/Gehalt, bei 29 Prozent um Rente, bei 3 Prozent um Arbeitslosengeld II,
bei 3 Prozent um Einkommen aus selbständiger Tätigkeit, bei 1 Prozent um Arbeitslosengeld I sowie
1 Prozent um Pension. 31 Prozent der ab 50-Jährigen nennen mehr als eine Einkommensquelle als Existenzgrundlage (1 Prozent - ohne Antwort). Mehrere Einkommensquellen weisen häufig auf eine günstigere Einkommenssituation als nur eine Einkommensquelle hin. Jedoch hängt die Einkommenssituation
nicht von der Anzahl der individuell verfügbaren Einkommensquellen, sondern von deren Ergiebigkeit
ab. Die 2015 häufigsten Kombinationen ergaben sich


von Lohn/Gehalt mit Rente, mit Aufstockung nach SGB II, mit Zinsen, mit Einnahmen aus Vermietung;



von Arbeitslosengeld II mit Lohn, mit Unterhalt durch Angehörige, mit Kindergeld, Einkommen aus
selbständiger Tätigkeit;



von Rente mit Betriebsrente/Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes, mit Grundsicherung, mit
Pension, mit privater Altersvorsorge, mit Zinsen oder Kapitalerträgen, mit Einnahmen aus Vermietung oder Verpachtung;



von Pension mit Rente, mit Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes, mit Erträgen aus privater
Altersvorsorge, mit Unfallrente, mit Einnahmen aus Vermietung oder Verpachtung;

96

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015



von Einkommen aus selbständiger Tätigkeit mit Lohn/Gehalt, mit Rente, mit Zinsen oder Kapitalerträgen, mit Einnahmen aus Vermietung oder Verpachtung, mit Betriebsrente, mit privater Altersvorsorge, mit Aufstockung nach SGB II.

Im Vergleich zur Bürgerbefragung im Jahre 2010 hat sich der Anteil der ab 50-Jährigen mit nur einer
Einkommensquelle von 85 Prozent auf 68 Prozent um 17 Prozentpunkte verringert. Angestiegen sind vor
allem Kombinationen von Lohn und Zinsen, Lohn und Aufstockung, Rente und Betriebsrente sowie Rente und private Altersvorsorge.
Die Struktur der Einkommensquellen unterscheidet sich zwischen den Bezirksregionen. In Abhängigkeit
von der Altersstruktur überwiegt der Anteil von Lohn/Gehalt oder von Rente. Im geringen Maße wurden
Unterhalt durch Angehörige, Grundsicherung im Alter als einzige Einkommensquellen angeführt. Der
größte Anteil von mehreren Einkommensquellen als Lebensgrundlage wurde mit 37 Prozent in Hellersdorf-Ost - BR 5 -, mit 34 Prozent in Kaulsdorf - BR 8 - und mit 33 Prozent in Mahlsdorf - BR 9 - ausgewiesen. In allen anderen Bezirksregionen liegt der Anteil für mehrere Einkommensquellen 1 bis 2 Prozent
unter dem Bezirksdurchschnitt (vgl. Abbildung 4.5 und Tabelle 4.2).
Abbildung 4.5:
100

80

Verteilung der monatlichen Einkommensquellen der ab 50-Jährigen
- nach Bezirksregionen - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent*-

1

1

31

30

60

30

29

1
2
1

1
1

3
3

1

3

29

30

37
1

1
1

2
4

1
1

2
3

2
3
5

1

3
2

4
3
2

1

1
1
1

1

29

34

2
4
3

1
1
1

2
2

4
27

29

29

40

32

28

31

20
31

37

32

30

32

29

BR 2
MarzahnMitte

BR 3
MarzahnSüd

BR 4
He lle rsdorf-Nord

BR 5
He lle rsdorf-Ost

24

1
1

3

26

31

27

33

32

36

30

26

0
insge samt

BR 1
MarzahnNord

BR 6
He lle rsdorf-Süd

BR 7
Bie sdorf

BR 8
Kaulsdorf

nur Re nte

nur Lohn, Ge halt

nur ALG II

nur se lbst. Tätigk.

nur ALG I

nur Sozialh./Grundsich.

nur U nte rhalt

nur 1 ande re Que lle

me hre re Que lle n**

ohne Antw.

BR 9
Mahlsdorf
nur Pe nsion

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent
** z.B: Lohn und Aufstockung, Rente und Betriebsrente, Pension und private Altersvorsorge, ALG II und Kindergeld
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

97

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 4.2:

Verteilung der monatlichen Einkommensquellen der ab 50-Jährigen
- nach Bezirksregionen - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent*-

Einkommensquellen

nur
Rente

nur
Lohn,
Gehalt

nur
ALG II

nur
selbst.
Tätigkeit

nur
ALG I

nur
Pension

insgesamt

31

29

3

3

1

1

BR 1 Marzahn-Nord

24

31

5

3

2

1

BR 2 Marzahn-Mitte

32

29

3

2

1

BR 3 Marzahn-Süd

30

32

4

2

BR 4 Hellersdorf-Nord

32

28

2

3

BR 5 Hellersdorf-Ost

29

27

4

1

BR 6 Hellersdorf-Süd

37

27

1

2

BR 7 Biesdorf

30

31

3

4

BR 8 Kaulsdorf

26

32

2

2

1

BR 9 Mahlsdorf

36

26

3

1

1

nur
Sozialh./
Grund
sicher.

nur
Unterhalt

2

nur 1
andere
Quelle

mehrere
Quellen**
31

1

1

30

1

1

29

3

1

1

30

4

30
1

3

ohne
Antwort

1

1

37

1

29

1

2

29

1

1

34

1

33

** z.B: Lohn und Aufstockung, Rente und Betriebsrente, Pension und private Altersvorsorge, ALG II und Kindergeld
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Ein Vergleich der Ausprägung der Einkommensquellen zwischen den Befragten ohne und mit Migrationshintergrund lässt Gemeinsamkeiten und Unterschiede erkennen. Von beiden Gruppen wurden übereinstimmend nur Rente, nur Lohn/Gehalt und mehrere Einkommensquellen am häufigsten sowie nur
Pension und nur eine andere Quelle am seltensten genannt. Darüber hinaus soll auf folgende Unterschiede hingewiesen werden: Befragte mit Migrationshintergrund begründen ihr Leben seltener auf nur
Lohn/Gehalt oder nur Rente als Befragte ohne Migrationshintergrund. Dafür wird von ihnen häufiger als
von Befragten ohne Migrationshintergrund auf nur Arbeitslosengeld II und nur Sozialhilfe/Grundsicherung als jeweils einzige Einkommensquelle verwiesen (vgl. Abbildung 4.6).
Abbildung 4.6:

Struktur der monatlichen Einkommensquellen - nach Migrationshintergrund
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent* ohne Migrationshintergrund
- insgesamt -

mit Migrationshintergrund
- insgesamt -

31

27

23
31

30
1

1

10
22

4
1

1

1

30

1

3

1

31

33

nur Rente
nur Pension

nur Lohn, Gehalt
nur Sozialh./Grundsich.

nur ALG II
nur 1 and. Quelle

nur selbst. Tätigk.
mehrere Quellen**

nur ALG I
ohne Antw.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent
** z.B: Lohn und Aufstockung, Rente und Betriebsrente, Pension und private Altersvorsorge, ALG II und Kindergeld
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

98

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Die individuellen Einkommensquellen der ab 50-Jährigen unterliegen beim Wechsel von der Erwerbsphase in den Ruhestand tiefgreifenden Veränderungen. Für die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger
wird bei diesem Übergang nicht nur ein Wechsel des sozialen Status - z.B. von Erwerbstätigen oder Arbeitslosen zu Ruheständlern - vollzogen, sondern mit dem Erwerbsaustritt ändern sich auch die wichtigsten Einkommensquellen. Lohn/Gehalt, Arbeitslosengeld I oder II werden abgelöst durch den Bezug von
Rente, Pension oder Grundsicherung. Wie in der Erwerbsphase können die hauptsächlichen Einkommensquellen individuell verschieden mit weiteren Einkommensquellen kombiniert auftreten.
So steigt der Anteil jener Bürgerinnen und Bürger, die nur über Rente als Einkommensquelle verfügen,
von 30 Prozent bei den künftigen Senioren auf 61 Prozent bei den jungen Alten und auf 67 Prozent bei
den fortgeschrittenen Älteren an. Von den Hochbetagten leben 63 Prozent nur von Rente. Jeweils ein
Drittel der Probandinnen und Probanden verweist auf mehrere Einkommensquellen. Bei den künftigen
Senioren handelt es sich um Kombinationen zwischen Lohn/Gehalt und Einnahmen aus Vermietung oder
Zinsen, aber auch zwischen Lohn/Gehalt und Arbeitslosengeld II oder Renten. Von der Seniorenschaft
werden hauptsächlich Kombinationen von Rente und Pension, aber von mit Betriebsrente oder Einnahmen aus Vermietung verwiesen. Von den jungen Alten wird die Kombination von Rente mit Lohn häufiger als von Älteren genannt (vgl. Abbildung 4.7).
Abbildung 4.7:

Veränderung des Stellenwertes der Einkommensquellen im Altersverlauf
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent* -

1

1

31

30

1

3

1

100
29

33

31

80
1
1
1

1

1
1

3

3

3

3

29

32

3

1
1

3

60

40

67

61

20

31

63

30

0
insge samt

künftige
Se niore n
50 b.u. 65 J.

junge Alte
65 b.u. 75 J.

fortge schr.
Älte re
75 b.u. 85 J.

Hochbe tagte
85 J. u.ält.

nur Re nte

nur Lohn, Ge halt

nur ALG II

nur se lbst. Tätigk.

nur ALG I

nur Sozialh./Grundsich.

nur U nte rhalt

nur 1 and. Que lle

me hre re Que lle n**

ohne Antw.

nur Pe nsion

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 bis 2 Prozent
** z.B: Lohn und Aufstockung, Rente und Betriebsrente, Pension und private Altersvorsorge, ALG II und Kindergeld
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Im Jahre 2015 haben sich die gesetzliche Rente, Lohn/Gehalt, Arbeitslosengeld II als die wichtigsten
Einkommensquellen bestätigt. Löhne und Renten sind für die Mehrheit der ab 50-Jährigen zugleich die
einzigen Einkommensquellen. Besondere Bedeutung kommt dabei der gesetzlichen Rente zu; ihr Anteil
als einzige Einkommensquelle steigt von 30 Prozent bei den 50- bis unter 65-Jährigen auf 63 Prozent bei
den Hochbetagten an.

99

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Im Vergleich zu den Befragungsergebnissen von 2010 hat sich der Anteil jener, die nur von einer Einkommensquelle leben, um 17 Prozentpunkte verringert. Demgegenüber ist der Anteil derjenigen um
19 Prozentpunkte gestiegen, die auf mehrere Einkommensquellen zurückgreifen können.
4.3

Individuelles Nettoeinkommen

Das individuelle Nettoeinkommen bildet die Summe aller Einkommensarten, die einer Person monatlich
zur Verfügung stehen.
Einkommen aus Erwerbstätigkeit und aus sozialen Alterssicherungssystemen wie Renten, Pension oder
berufsständische Altersvorsoge unterliegen der Besteuerung. Das individuelle Netto aus diesen Einkommensarten ergibt sich erst nach Abzug von Steuern, des Solidaritätszuschlages und der Pflichtbeiträge zu Sozialversicherung.
4.3.1

Struktur der individuellen Nettoeinkommen

Die Analyse konzentriert sich auf die Darstellung der durchschnittlichen Nettoeinkommen, auf die Spreizung der individuellen Nettoeinkommen sowie auf die Rente als wichtigstes individuelles Alterseinkommen. Besonderer Wert wird auf sozialstrukturelle Differenzierung der individuellen Nettoeinkommen
gelegt.
Durchschnittliches Nettoeinkommen (Median)17
Das individuelle Nettoeinkommen der ab 50-Jährigen widerspiegelt sowohl den Umfang der aktuellen
Erwerbsbeteiligung bzw. der auf eigenen vorangegangenen Arbeitsleistungen beruhenden Alterssicherung als auch Leistungen der Arbeitslosenversicherung und anderer sozialer Sicherungssysteme sowie
der gesetzlichen Grundsicherung nach SGB II und SGB XII sowie auch die Ergiebigkeit weiterer Einkommensquellen. Das durchschnittliche individuelle Nettoeinkommen18 (Median) der ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf beträgt aktuell 1.200 Euro pro Monat. Es ist gegenüber dem Jahre 2010 um 100 Euro
angestiegen.
Die folgende Abbildung gibt einen Überblick über wesentliche Differenzierungen dieses Durchschnittswertes nach dem Migrationshintergrund, nach Geschlecht und Altersphasen sowie nach der sozialräumlichen Verteilung. Eine unterdurchschnittliche Höhe des monatlichen Nettoeinkommens wird von Bürgerinnen und Bürgern mit Migrationshintergrund (799 Euro), von Frauen (1.050 Euro), von jungen Alten
(1.049 Euro) und von 75- bis 85-Jährigen und Älteren (jeweils 1.100 Euro) angegeben. Der geschlechtsspezifische Unterschied der durchschnittlichen Nettoeinkommen beträgt je Monat 250 Euro zu Ungunsten von Frauen.

17

18

Der Median (Zentralwert) teilt einen Datensatz in zwei gleich große Teile, verhindert im Gegensatz zum arithmetischen Mittel die Überbewertung von Extremwerten.
Die Berechnungen des durchschnittlichen individuellen Nettoeinkommens begründen sich auf die Ergebnisse
aus 1.477 Datensätzen mit Angabe des Nettoeinkommens. 179 Befragte (10,8 Prozent) haben von ihrem Recht
auf Nichtbeantwortung dieser Frage Gebrauch gemacht und können deshalb hier nicht berücksichtigt werden.

100

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 4.8:

Durchschnittliche Nettoeinkommen* - nach soziostrukturellen Merkmalen und
Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Euro Durchschnitt = 1.200 Euro pro Monat

Migrationshintergrund
ja
nein
Geschlecht
weiblich
männlich
Altersphasen
künft. Senioren 50 b.u. 65 J.
junge Alte 65 b.u. 75 J.
fortgeschr. Ältere 75 b.u. 85 J.
Hochbetagte 85 J. u.ält.
Bezirksregion
BR 1 Marzahn-Nord
BR 2 Marzahn-Mitte
BR 3 Marzahn-Süd
BR 4 Hellersdorf-Nord
BR 5 Hellersdorf-Ost
BR 6 Hellersdorf-Süd
BR 7 Biesdorf
BR 8 Kaulsdorf
BR 9 Mahlsdorf

1. 200

799
1.200
1.050
1.300
1.400
1.049
1.100
1.100
1.100
1.080
1.200
1.061
1.118
1.100
1.400
1.551
1.600
1. 200

0

500

1.000

1.500

* Median
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die durchschnittlichen Nettoeinkommen von ab 50-Jährigen in den Großsiedlungsregionen MarzahnNord, Marzahn-Mitte sowie Hellersdorf-Nord, Hellersdorf-Ost und Hellersdorf-Süd nehmen unterdurchschnittliche Positionen ein, demgegenüber ist die Position in Marzahn-Süd durchschnittlich und in den
drei Bezirksregionen des Siedlungsgebietes - Biesdorf, Kaulsdorf, Mahlsdorf - überdurchschnittlich ausgeprägt (vgl. Abbildung 4.8).
Die relative Einkommensposition der durchschnittlichen Nettoeinkommen einzelner sozialer Gruppen
bzw. der ab 50-Jährigen in den jeweiligen Bezirksregionen verdeutlicht nicht nur den Abstand zum Bezirksdurchschnitt, sondern macht sowohl auf eine soziale als auch auf eine sozialräumliche Polarisierung
aufmerksam.
So liegen die durchschnittlichen Nettoeinkommen von ab 50-Jährigen mit Migrationshintergrund um
33 Prozent, von Frauen um 13 Prozent sowie die von Senioren zwischen 8 und 13 Prozent unter dem
Bezirksdurchschnitt von 1.200 Euro. Demgegenüber positionieren sich die durchschnittlichen Nettoeinkommen von Männern um 8 Prozent und die der künftigen Senioren um 17 Prozent über dem Bezirksdurchschnitt.
Die sozialräumliche Differenzierung der individuellen Nettoeinkommen von ab 50-Jährigen in MarzahnHellersdorf polarisiert sich im Jahre 2015 zwischen den unterdurchschnittlichen Einkommenspositionen
dieser Gruppe in Marzahn-Süd (+/- 0 Prozent), in Hellersdorf-Ost (-7 Prozent), in Marzahn-Nord und in
Hellersdorf-Süd (jeweils -8 Prozent), in Marzahn-Mitte (-10 Prozent) und in Hellersdorf-Nord (-12 Prozent) einerseits und mit überdurchschnittlichem Nettoeinkommen von ab 50-Jährigen in Biesdorf
(+17 Prozent), in Kaulsdorf (+29 Prozent) und in Mahlsdorf (+33 Prozent) (vgl. Abbildung 4.9).

101

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 4.9:

40

Migrationshintergrund

Relative Einkommensposition* der durchschnittlichen Nettoeinkommen
- nach soziostrukturellen Merkmalen und Bezirksregionen gegenüber dem
Gesamtdurchschnitt - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent Geschlecht

Altersphasen

Bezirksregionen

30

Durchschnitt = 1.200 Euro pro Monat

20
29

10

17

33

17

8

0

0

0
-13

-13

-8

-8

-8

-10

BR 1
MarzahnNord

BR 2
MarzahnMitte

-12

-7

-8

BR 5
Hell.dorfOst

BR 6
Hell.dorfSüd

-10
-33

-20
-30
-40
ja

nein

weib- männlich
lich

künft. junge fort- HochbeSen. Alte geschr. tagte
50-65 65-75 Ältere 85 J.
Jahre Jahre 75-85 J. u.ält.

unter Durchschnitt

BR 3
MarzahnSüd

BR 4
Hell.dorfNord

BR 7
Biesdorf

BR 8 BR 9
Kauls- Mahlsdorf
dorf

über Durchschnitt

* Berechnet nach dem Median des individuellen Durchschnittsnettoeinkommens
Datenbasis: sfz/50 Jahre und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Der Übergang von der Erwerbsphase in den Ruhestand geht mit tiefgreifenden Veränderungen einher.
Einer der nachhaltigsten Einschnitte vollzieht sich mit dem Wechsel des individuellen Nettoeinkommens
aus Erwerbstätigkeit in Alterseinkommen (Rente, Pension oder private Altersvorsorge). Dieser Wechsel
ist auf Grund der gesetzlichen Festlegung zur Absenkung des Rentenniveaus (gegenüber dem Lohnniveau) sowie der analogen Regelungen in anderen sozialen Alterssicherungssystemen, z.B. der Beamtenversorgung, für die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger mit einer Verringerung des durchschnittlichen
Nettoeinkommens verbunden. Die Aufrechterhaltung des in der Erwerbsphase erworbenen Lebensstandards kann nur durch zusätzliche betriebliche oder private Altersvorsorge bzw. durch eigenes Vermögen
ausgeglichen werden.
Der Vergleich der durchschnittlichen Nettoeinkommen von 50- bis unter 65-Jährigen mit den Alterseinkommen der Seniorinnen und Senioren belegt sichtbar die mit dem Wechsel von der Erwerbsphase in
den Ruhestand einhergehende Absenkung des Einkommensniveaus der Bürgerinnen und Bürger (vgl.
Abbildung 4.10).
Wesentliche Differenzierungen der durchschnittlichen Nettoeinkommen begründen sich auf dem Erwerbsstatus und auf der beruflichen Qualifikation der Einkommensbezieherinnen und -bezieher.

102

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 4.10:

Vergleich der durchschnittlichen Nettoeinkommen* pro Monat - nach Altersgruppen
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Euro 50- bis unter 65-Jährige
Durchschnitt = 1.400 Euro

Ge schlecht
weiblich
m ännlich
Alte rsphase n
künft. Senioren 50 b.u. 65 J.
junge Alte 65 b.u. 75 J.
fortgeschr. Ältere 75 b.u. 85 J.
Hochbetagte 85 J. u.ält.
Migrationshinte rgrund
ja
nein
Be zirksre gion
BR 1 Marzahn-N ord
BR 2 Marzahn-Mitte
BR 3 Marzahn-Süd
BR 4 Hellersdorf-N ord
BR 5 Hellersdorf-Ost
BR 6 Hellersdorf-Süd
BR 7 Biesdorf
BR 8 Kaulsdorf
BR 9 Mahlsdorf

65-Jährige und älte r
Durchschnitt = 1.050 Euro

1.200
1.500

990
1.200

1.400
1.049
1.100
1.100
820

755

1.400

1.100

1.200
1.200
1.400
1.100
1.180
1.221
1.677
1.993
2.000

2.000

1.500

1.000

990
1.000
1.100
1.014
1.107
1.047
1.062
1.141
1.140

500

0

500

1.000

1.500

2.000

* Median
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die Betrachtung nach dem Erwerbsstatus zeigt bei Frauen und Männern die günstigste Einkommensposition bei den Vollzeiterwerbstätigen an, gefolgt von Teilzeiterwerbstätigen sowie den Rentnerinnen und
Rentnern. Die ungünstigste Einkommensposition nehmen bei Frauen und Männern die Arbeitslosen
unter ihnen ein. Deren äußerst geringen Nettoeinkommen resultieren aus dem überwiegenden
ALG-II-Bezug (86 Prozent).
Bezüglich der beruflichen Qualifikation tritt bei Frauen und Männern mit dem Anstieg des Qualifikationsniveaus auch ein Anstieg des durchschnittlichen Nettoeinkommens der einzelnen Qualifikationsgruppen hervor (vgl. Abbildung 4.11).
Abbildung 4.11:

Durchschnittliche individuelle Nettoeinkommen* - nach Geschlecht, Erwerbsstatus
und beruflicher Qualifikation - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Euro Frauen

Männer

Erwerbsstatus

2.000

Berufliche Qualifikation

Erwerbsstatus

2.000

1.500

berufliche Qualifikation

1.500

1.000

960

500

706

849

1.000

1.783

1.751
1.300

1.243

1.187

1.050

1.000

1.800

1.700

1.227

500

1.135

1.069

1.200

1.300

685

0

0
insgesamt

Vollzeit- Teilzeiterwerbs- erwerbstätige
tätige

Arbeitslose

Rentnerin

ohne
Abschl.

Facharbeiter

FSAbschl.

insgesamt

HSAbschl.

* Median
** geringe Fallzahl
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

103

Vollzeit- Teilzeiterwerbs- erwerbstätige
tätige

Arbeitslose**

Rentner

ohne
Abschl.

Facharbeiter

FSAbschl.

HSAbschl.

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Darüber hinaus spiegelt sich bei den von der Erwerbsbeteiligung und der beruflichen Qualifikation beeinflussten individuellen Nettoeinkommen die geschlechtsspezifische Benachteiligung der Einkommenssituation der Frauen wider. So liegen die durchschnittlichen individuellen Nettoeinkommen von vollerwerbstätigen Frauen um 51 Euro, von teilzeiterwerbstätigen Frauen um 40 Euro, von Rentnerinnen um
175 Euro sowie von Frauen ohne Berufsabschluss um 220 Euro, von Facharbeiterinnen um 200 Euro, von
Fachschulabsolventinnen um 57 Euro unter dem Einkommen der vergleichbaren Gruppen der Männer.
Spreizung der individuellen Nettoeinkommen
Die Spreizung der individuellen Nettoeinkommen gibt Auskunft über die Verteilung zwischen dem geringsten und dem höchsten Einkommenswert. Bei den ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf ergab sich
im Jahre 2015 eine Verteilung der individuellen Nettoeinkommen zwischen keinem eigenen Einkommen
und einer monatlichen Einkommenshöhe - in Einzelfällen - bis zu 8.000 Euro. Bei den Personen ohne
eigenes Einkommen handelt es sich um Arbeitslose, die auf Grund des Partnereinkommens keinen Leistungsanspruch haben, und um Nichterwerbspersonen.
Für die Abbildung der prozentualen Verteilung der angegebenen individuellen Nettoeinkommen wurde
eine Skala von um jeweils 500 Euro ansteigende Einkommensgrößenklassen gewählt.
Im Jahre 2015 verteilten sich die individuellen Nettoeinkommen der ab 50-Jährigen in MarzahnHellersdorf wie folgt:


3 Prozent verfügten über kein eigenes Einkommen.



4 Prozent erzielten monatlich ein Einkommen unter 500 Euro.



Für mehr als ein Fünftel (22 Prozent) liegt das individuelle Nettoeinkommen zwischen 500 und 1.000
Euro.



Die stärkste Belegung wurde mit 29 Prozent in der Einkommensgrößenklasse zwischen 1.000 und
1.500 Euro festgestellt.



Die oberen beiden Einkommensgrößenklassen - 1.500 bis unter 2.000 Euro und 2.000 Euro und darüber - waren mit 16 bzw. 15 Prozent besetzt.

Ein Vergleich zu den Ergebnissen des Jahres 2010 macht eine leichte Verbesserung der individuellen
Einkommenssituation der ab 50-Jährigen im Jahre 2015 erkennbar. So ging der Anteil der unter 1.000
Euro liegenden Nettoeinkommen um 5 Prozentpunkte zurück, und der Anteil der über 1.500 Euro liegenden Einkommen stieg um 5 Prozentpunkte an. Relativ unverändert gegenüber 2010 blieben bei den
ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf die Anteile der zwischen 1.000 und 1.500 Euro liegenden individuellen Nettoeinkommen die am stärksten ausgeprägte Einkommensgrößenklasse (vgl. Abbildung 4.12).

104

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 4.12:

Struktur der individuellen Nettoeinkommen - nach Einkommensgrößenklassen und
Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent* -

insgesamt
100

10
11

80

11
15

15

Bezirksregionen
9

13

12

7

12

14

32

33

16

13

9

9

8

7

14

18

15

27

28

35

14

8

7

20

10

30
29

33

33

17

16

21

25

16

14

3

2
2

10
2
3

BR 7
Biesdorf

BR 8
Kaulsdorf

BR 9
Mahlsdorf

22

31

40

0

11

21

60

20

11

27
28

22

25

4
2

4
3

6
4

2010

2015

BR 1
MarzahnNord

22
30

22

3

2
4

BR 2
MarzahnMitte

BR 3
MarzahnSüd

29

28

2
6

3
3

8
8

BR 4
HellersdorfNord

BR 5
HellersdorfOst

1

BR 6
HellersdorfSüd

kein eigenes Eink.

unter 500 Euro

500 b.u. 1.000 Euro

1.500 b.u. 2.000 Euro

2.000 Euro u.dar.

ohne Antw.

1.000 b.u. 1.500 Euro

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die Spreizung der individuellen Nettoeinkommen in den einzelnen Bezirksregionen der Großsiedlungen
weist auf die Konzentration überdurchschnittlicher Werte (mehr als 29 Prozent) für die Einkommensgrößenklassen bis unter 1.000 Euro pro Monat in den Bezirksregionen Hellersdorf-Nord (38 Prozent, dar.
8 Prozent ohne Einkommen), Hellersdorf-Ost (37 Prozent, dar. 6 Prozent ohne Einkommen), MarzahnNord (35 Prozent, dar. 4 Prozent ohne Einkommen), Hellersdorf-Süd (34 Prozent, dar. 3 Prozent ohne
Einkommen) sowie Marzahn-Mitte (33 Prozent) hin. Demgegenüber ergaben sich bei den über 1.500
Euro liegenden individuellen Nettoeinkommen überdurchschnittlich (mehr als 31 Prozent) hohe Anteile
in den Bezirksregionen des Siedlungsgebietes: Biesdorf (43 Prozent), Kaulsdorf (50 Prozent) und Mahlsdorf (49 Prozent). Weitere Differenzierungen der individuellen Nettoeinkommen der ab 50-Jährigen in
Marzahn-Hellersdorf treten nach Migrationshintergrund, nach Geschlecht, nach Altersphasen sowie
nach Erwerbsbeteiligung und Qualifikation hervor.
Während von den ab 50-Jährigen ohne Migrationshintergrund 27 Prozent ein individuelles Nettoeinkommen von unter 1.000 Euro pro Monat dokumentieren, liegt dieser Anteil in der Gruppe mit Migrationshintergrund bei 60 Prozent. Die Anteile der über 1.500 Euro liegenden Einkommensgrößenklassen
bilden eine Summe von 32 Prozent in der Gruppe ohne Migrationshintergrund und von 11 Prozent in
der Gruppe mit Migrationshintergrund.
Diese ungleiche Verteilung der individuellen Nettoeinkommen bei Bürgerinnen und Bürgern mit und
ohne Migrationshintergrund tritt bei den Frauen noch gravierender hervor als bei den Männern.
Der Unterschied in der Verteilung der individuellen Nettoeinkommen zu Ungunsten der Frauen ist in der
Gruppe ohne wie mit Migrationshintergrund erkennbar (vgl. Abbildung 4.13).

105

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 4.13:

Frauen

mit Migrationshintergrund
Struktur der individuellen
Nettoeinkommen - nach Migrationshintergrund und
Geschlecht
ab
50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf
2015 - inMänner
Prozent Frauen
insgesamt
15
ohne Migrationshintergrund
4
insgesamt
13

11
12

45

15

3
3
11

27

Frauen

16

15

7

3611

15

19

4
13

19

17

4

unter 500 Euro

500 b.u. 1.000 Euro

2.000 Euro u.dar.

ohne Antw.

5

22

9
12

19
5

15
36

7

23

9

45
4
15

7

11

16

23
15
11

7

1.000 b.u. 1.500 Euro

22

12
17

2
2

1.500 b.u. 2.000 Euro

Männer

5

33

14

kein eigenes Eink.

insgesamt

15

10

17

4
4

Männer

21

30

27

5
mit Migrationshintergrund
19

kein eigenes Eink.

unter 500 Euro

500 b.u. 1.000 Euro

1.500 b.u. 2.000 Euro

2.000 Euro u.dar.

ohne Antw.

kein eigenes Eink.

unter 500 Euro

500 b.u. 1.000 Euro

1.500 b.u. 2.000 Euro

2.000 Euro u.dar.

ohne Antw.

1.000 b.u. 1.500 Euro

1.000 b.u. 1.500 Euro

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die individuellen Nettoeinkommen der ab 50-Jährigen insgesamt polarisieren sich zwischen 29 Prozent
in den Einkommensgrößenklassen unter 1.000 Euro pro Monat und 31 Prozent mit 1.500 Euro und darüber.
Die Konzentration in den unteren drei Einkommensgrößenklassen (ohne Einkommen, unter 500 sowie
500 b.u. 1.000 Euro) zeigt einen Anteil bei den Frauen von 37 Prozent und bei den Männern von 19 Prozent. Während die künftigen Senioren zum großen Teil noch in der Erwerbsphase stehen, ist bei ihnen
der Anteil der unter 1.000 Euro liegenden individuellen Nettoeinkommen auf 24 Prozent begrenzt und
steigt aber bei den jungen Alten auf 34 Prozent, bei den fortgeschrittenen Älteren auf 30 Prozent und
bei den Hochbetagten (darunter Heimbewohnerinnen/-bewohner mit Taschengeldbezug) auf 34 Prozent an.
Die Ausprägung der individuellen Nettoeinkommen bis unter 1.000 Euro pro Monat ist am höchsten bei
Personen ohne berufliche Qualifikation (50 Prozent), sie verringert sich mit jeder höheren Qualifikationsstufe und beträgt bei Facharbeiterinnen und Facharbeitern 33 Prozent, bei Fachschulabsolventinnen und -absolventen ab 24 Prozent und bei Hochschulabsolventinnen und -absolventen 12 Prozent.
Von den Erwerbstätigen beziehen 10 Prozent, von den Arbeitslosen 78 Prozent und von den Nichterwerbstätigen (Hausfrauen/-männer, Rentnerinnen, Rentner, Pensionäre) 38 Prozent ein individuelles
Einkommen unter 1.000 Euro pro Monat.
Die oberen Einkommensgrößenklassen von 1.500 bis unter 2.000 Euro und 2.000 Euro und darüber sind
bei den Frauen von 25 Prozent und bei den Männern von 38 Prozent belegt. Von den 50- bis unter
65-Jährigen beziehen 43 Prozent, von den 65- bis unter 75-Jährigen 14 Prozent, von den 75- bis unter
85-Jährigen 20 Prozent und von den Hochbetagten 30 Prozent ein individuelle Nettoeinkommen von
mehr als 1.500 Euro pro Monat.
Die stärkste Polarisation der individuellen Nettoeinkommen ist nach der beruflichen Qualifikation erkennbar. Während 7 Prozent der Personen ohne Berufsausbildung ein individuelles Nettoeinkommen
von 1.500 Euro und mehr erzielen, sind es 22 Prozent der Facharbeiterinnen und Facharbeiter, 37 Prozent der Fachschulabsolventinnen/-absolventen und 59 Prozent der Hochschulabsolventinnen und
-absolventen.

106

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Nach dem Erwerbsstatus hebt sich vor allem die vorteilhafte Einkommensposition der Erwerbstätigen
hervor. 54 Prozent der individuellen Nettoeinkommen je Monat liegen bei 1.500 Euro und darüber. Von
den Arbeitslosen können 2 Prozent auf ein solches individuelles Nettoeinkommen verweisen, und von
den Nichterwerbstätigen erzielen 16 Prozent ein solches (vgl. Abbildung 4.14).
Abbildung 4.14:

Individuelle Nettoeinkommen - nach Geschlecht, Altersphasen, Qualifikation und
Erwerbsbeteiligung - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent Geschlecht

100

11

12
11

15

80

Altersphasen
9

10

11

18

5
19

24

3

9

17

14

16

19

19

60

31

22

17

14

9

19
3
4

24

16

12
8

39

30

12
4
12

18
44
35

34

24

21
31

20

35
30

2
3

3
4

4

Frau- Mänen
ne r

50
b.u.
65 J.

65
b.u.
75 J.

21

27

4
3

8
2
2

8

ohne Fach- FSAbarAbschl. be ite r schl.

HSAbschl.

26

27
3

1

4

6

11

9

1

4
3

75
85 J.
b.u. u.ält.
85 J.

17

30

17

0
insge samt

8

1
1

19

28

5
4

8

6

6

24

33

4
3

26

Erwerbsstatus

17

29

20

10

15

40

26

40

Qualifikation

ke in Einkomme n

unte r 500 Euro

500 b.u. 1.000 Euro

1.5 00 b.u. 2.000 Euro

2.0 00 Euro u. dar.

ohne Antw.

1
1

17

4
4

ErAr- N ichtwe rbs- be its- e rw.tätige lose tätige

1.0 00 b.u. 1.500 Euro

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn 2015 (gew.)

4.3.2

Renten als wichtigste Alterseinkommen

Für die überwiegende Mehrheit der 45.958 ab 65-jährigen Bürgerinnen und Bürger aus MarzahnHellersdorf sind die Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung die wichtigsten Bestandteile ihrer
Alterseinkommen. Von den insgesamt 1.656 Befragungsteilnehmern und -teilnehmerinnen erhielten im
Jahre 2015 insgesamt 871 Personen (bzw. 52 Prozent) eine Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Das konnte eine Rente wegen Erwerbsminderung, wegen Alters oder eine Hinterbliebenenrente
bzw. eine kombinierte Versicherten- mit Hinterbliebenenrente sein. Unter den 52 Prozent der Rentnerinnen und Rentner waren 31 Prozent, die als einzige Einkommensquelle nur ihre gesetzliche Renten
angeben konnten, und 21 Prozent, die neben der gesetzlichen Rente noch auf eine oder weitere Einkommensquellen verwiesen haben.

107

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Da nach mehr als 25 Jahren deutscher Einheit die Vereinheitlichung des Rentenrechtes noch immer
nicht abgeschlossen ist, gehört Marzahn-Hellersdorf als ehemaliger Berliner Ost-Bezirk zum Rentenrechtskreis-Ost. Das bedeutet, dass die Rentenzahlbeträge nach dem aktuellen Rentenwert-Ost - 2015 =
27,05 Euro - berechnet wurden. Im Unterschied dazu erfolgt die Rentenberechnung im Rechtskreis-West
nach dem aktuellen Rentenwert-West von 29,21 Euro. Das ergibt ein West- zu Ost-Gefälle von 7,4 Prozent oder von 2,16 Euro je Rentenentgeltpunkt (vgl. Abbildung 4.15).
Abbildung 4.15:

Angleichung der Lebensverhältnisse - Entwicklung des aktuellen Rentenwertes
- nach Rechtskreisen - 1992 bis 2015 - in Euro* -

30
27,2 27,2 27,47

20

28,61
28,07 28,14

29,21

26,56
27,05
25,86 26,13 26,13 26,13 26,13 26,27
26,39
25,31
25,74
24,69 24,84
24,36
24,26
24,92
23,52 23,64 23,86
24,13 24,13 24,37
22,75
23,34
22,7 22,97 22,97 22,97 22,97 23,09
21,8
22,06
21,48 21,61
20,71 20,9
19,62
18,58
17,63
16,45
13,59

10

0
Jul
93

Jul
94

Jul
95

Jul
96

Jul
97

Jul
98

Jul
99

Jul
00

Jul
01

Jul
02

neue Bundesländer

Jul
03

Jul
04

Jul
05

Jul
06

Jul
07

Jul
08

Jul
09

Jul
10

Jul
11

Jul
12

Jul
13

Jul
14

Jul
15

alte Bundesländer

* Die Umrechnung für die Jahre vor 2002 erfolgte zum amtlich festgelegten Umrechnungskurs 1 Euro = 1,95583 DM.
Zusammengestellt nach: Rentenversicherung in Zeitreihen 2014, Hrsg.: DRV, Berlin 2014, S. 261 u. Rentenwertbestimmungsverordnung 2015

Die zuletzt für Berlin-Ost und Berlin-West von der gesetzlichen Rentenversicherung ausgewiesenen
durchschnittlichen Zahlbeträge der Altersrenten für Männer und Frauen im Rentenbestand beziehen
sich auf das Jahr 2014. Für Berlin-Ost betrugen die durchschnittlichen Zahlbeträge der Altersrenten an
Männer 1.185 Euro und für Frauen 917 Euro pro Monat und für Berlin-West 1.007 Euro an Männer und
729 Euro pro Monat an Frauen.
Während viele Bestandsrenten noch von günstigeren Rentenzugangsbedingungen, einem höheren Rentenniveau profitieren und nach dem Jahre 2000 in die Absenkung des Rentenniveaus einbezogen wurden, unterliegen die jährlichen Rentenzugänge seit 2000 von Beginn an der gesetzlich festgelegten Niveauabsenkung.
Für die Neurentnerinnen und -rentner wurden die Rentenzahlbeträge infolge der gesetzlichen Veränderungen der Rentenzugangsbedingungen - z.B. Kürzung bzw. Streichung von ehemals anerkannten Ausbildungszeiten, Beginn des Aufbaus von Rentenanwartschaften ab dem 17. Lebensjahr, Einführung von
Abschlägen bei vorzeitiger Berentung, Anhebung der Regelaltersgrenze - sowie der Einführung eines
Nachhaltigkeitsfaktors, des Riesterfaktors und des Nachholfaktors in die Rentenanpassungsformel zur
Absenkung des Rentenniveaus bis 2030 auf 43 Prozent des Lohnniveaus seit dem Jahr 2000 in beiden
Rechtskreisen von Jahr zu Jahr abgesenkt (vgl. Tabelle 4.3).

108

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

In Berlin-Ost sanken die durchschnittlichen Zahlbeträge der Altersrenten im jährlichen Rentenzugang für
Männer von 1.010 Euro im Jahre 2000 auf 953 Euro im Jahre 2014. Die durchschnittlichen Zahlbeträge
der Altersrenten an Frauen stiegen im gleichen Zeitraum von 759 Euro auf 894 Euro an.
Die positive Entwicklung der Rentenzahlbeträge an Frauen resultiert aus dem Anstieg der Versicherungsjahre (von 40,9 im Jahr 2000 auf 43,4 im Jahr 2014), aus Rentenanwartschaften auf Grund langjährig
qualifizierter Arbeit und aus der gesetzlichen Erhöhung der Kindererziehungszeiten für vor 1992 geborene Kinder auf 2 Jahre (Mütterrente).
In Berlin-West sanken die durchschnittlichen Zahlbeträge der Altersrenten im Rentenzugang an Männer
von 925 Euro im Jahre 2000 auf 841 Euro im Jahre 2014. Die durchschnittlichen Zahlbeträge an Frauen
stiegen in diesem Zeitraum von 600 Euro auf 673 Euro an. Auch bei den Neurentnerinnen im Rechtskreis
Berlin-West nahm die Zahl der Versicherungsjahre von 2000 (24,2 Versicherungsjahre) auf 29,8 Versicherungsjahre im Jahr 2014 zu, und auch sie profitieren von der Mütterrente.
Wenn es bei den Frauen in beiden Rechtskreisen bislang durch den Anstieg der Versicherungsjahre und
die Anerkennung einer 2-jährigen Kindererziehungszeit gelungen ist, die Folgen der Absenkung des Rentenniveaus abzubremsen, muss einschränkend gesagt werden, dass bei unveränderter Rechtslage und
weiterem Anstieg der Versicherungsjahre bei Frauen-Ost diese Möglichkeit zur teilweisen Kompensation
der Absenkung erschöpft ist und die Renten der Frauen im gleichen Maße betrifft wie die der Männer.
Entwicklung der durchschnittlichen Rentenzahlbeträge von Altersrenten im
Rentenzugang in Berlin - nach Rechtskreisen - 2000 bis 2014 - in Euro* -

841

818

812

808

638

673

804

793

621

2007

635

2006

623

2005

572

2004

656

832

845

574

2003

545

2002

578

598

2001

556

598

2000

799

922

877

994

931

400
600

200

925

953
894

765

936
841

947

945
755

774

760

735

969

991

1.023
774

775

1.029
753

1.010
759

932
826

600

899
780

600

914
782

800

938
769

800

982

1.000

1.034

1.000

400

Berlin-West

1.200

805

Berlin-Ost

1.200

600

Abbildung 4.16:

2009

2010

2011

2012

2013

2014

200

0

0

2000

2001

2002

2003

2004

2005

2006

2007

Männer

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

Frauen

Männer

2008
Frauen

* Beträge gerundet
Berechnet nach: DRV-Statistik-Rentenzugang, Bd. 137, 141, 145, 149, 153, 158, 163, 168, 173, 178, 183, 188, 193, 198, 203,
Berlin, jährlich, jeweils Tabelle 52.00 Z

109

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 4.3:

Grundlegende Eingriffe in die Alterssicherung durch rentenrechtliche Regelungen
1996 bis 2014
Gesetzesänderung

Wirkung

Gesetz zur Förderung des gleitenden Übergangs in den Ruhestand vom 23. Juli 1996
stufenweise Anhebung der Altersgrenze von 60 auf 65
Jahre von 1997 bis 2001 bei Rente wegen Arbeitslosigkeit

Kürzung der vorgezogenen Rente wegen Arbeitslosigkeit je vorgezogenen Monat um 0,3 % - bei 5 Jahren Abschlag von 18 %

Wachstums- und Beschäftigungsförderungsgesetz vom 13.9.1996
stufenweise Anhebung der Altersgrenze für Frauen von
60 auf 65 Jahre von 2000 bis 2005

Kürzungen der Rente für Frauen je vorgezogenen Monat um 0,3 % - bei
5 Jahren Abschlag von 18 %

stufenweise Anhebung der Altersgrenze für langjährig
Versicherte von 63 auf 65 Jahre von 2000 bis 2001

Kürzungen der Rente für langjährig Versicherte je vorgezogenen Monat
um 0,3 % - bei 2 Jahren Abschlag von 7,2 %

Absenkung der Beiträge der Bundesanstalt für Arbeit für
Arbeitslose mit gekürzter Leistung von 80 % des letzten
Bruttoentgeltes

ab Januar 1997 nur noch für Empfänger ungekürzter Arbeitslosenhilfe, sonst
gekürzte Beiträge bis Nullbewertung

Ausbildungszeiten werden nicht ab 16., sondern ab
17. Lebensjahr anerkannt

Wegfall der Anerkennung eines Versicherungsjahres mit 0,75 Entgeltpunkten

Verkürzung der Berufsausbildungszeiten von 4 Jahren bei
Anerkennung von 90 % des allg. Durchschnittseinkommens auf 3 Jahre mit 75 % des individuellen Durchschnittseinkommens

Wegfall der Anerkennungszeit von einem Jahr und Verlust von
1,05 Entgeltpunkten

Verkürzung der schulischen Ausbildungszeiten von 7 Jahren
mit 0,75 % des individuellen Durchschnittseinkommens auf
3 Jahre bei 75 % des allgemeinen Durchschnittseinkommens

Verlust von bis zu 4 Versicherungsjahren und Absenkung des Wertes auf
75 % des allgemeinen Durchschnitts

Rentenanpassung in Höhe der vorjährigen Inflationsrate im Jahre 2000
Abkoppelung der Rente von der Lohnentwicklung und
Rentenanpassung in Höhe der vorjährigen Inflationsrate im
Jahre 2000 auf dem Verordnungswege

Absenkung des Rentenniveaus und Erweiterung der Schere zwischen Lohn- und
Rentenentwicklung

Gesetz zur Reform der Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit vom 20.12.2000
Einführung einer zweistufigen Erwerbsminderungsrente

Anspruch auf volle Erwerbsminderungsrente hat nur noch, wer täglich weniger
als drei Stunden arbeiten kann, eine halbe Erwerbsminderungsrente erhält, wer
noch über ein tägliches Arbeitsvermögen zwischen drei und sechs Stunden
verfügt

Wegfall der Berufsunfähigkeitsrente

eine Vertrauensschutzregelung beim Berufsschutz gilt nur für vor dem
2. Januar 1961 geborene Versicherte

stufenweise Anpassung der Höhe der Erwerbsminderungsrenten an die Höhe der vorzeitig in Anspruch genommenen
Altersrenten bei Verlängerung der Zurechnungszeiten bis
zum 60. Lebensjahr - stufenweise von 2001 bis 2003

die ab dem vollendeten 60. Lebensjahr bis zur Vollendung des 63. Lebensjahres
in Anspruch genommene Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit wird je
vorgezogenen Monat um 0,3 % gekürzt - bei 3 Jahren Abschlag von 10,8 %

stufenweise Anhebung der Altersgrenze von 60 auf 63
Jahre bei Altersrenten für schwerbehinderte Menschen
von 2001 bis 2003

Kürzung der Altersrente für schwerbehinderte Menschen je vorgezogenen
Monat um 0,3 % - bei 3 Jahren Abschlag von 10,8 %

Gesetz zur Reform der gesetzlichen Rentenversicherung und zur Förderung eines kapitalgedeckten
Altersvorsorgevermögens (Altersvermögensgesetz) vom 26.1.2001
Senkung der Witwenrente für ab 1962 Geborene von 60 %
auf 55 % der Rente des verstorbenen Ehegatten - Einführung eines dynam. u. von der geleisteten Erziehungszeit
abhängigen Zuschlages je Kind für jene, die Kinder erzogen
haben

Verlust von 5 % der Hinterbliebenenrente - ohne Abmilderung für Kinderlose

Minderung des Rentenniveaus durch eine neue Rentenanpassungsformel

Anstieg des Beitragssatzes sowie Berücksichtigung des Altersvorsorgeanteils zur
privaten Altersvorsorge um jährlich 0,5 % von 2002/3 bis 2008/9 senken das
Rentenniveau von Bestands- und Zugangsrenten auf 67 % ab

lebensstandardsichernde Rente kann nur noch durch
Kombination von gesetzlicher und staatlich geförderter
privater Altersvorsorge erzielt werden

Anspruch auf staatliche Förderung haben in der gesetzlichen Rentenversicherung Pflichtversicherte einschließl. geringfügig Beschäftigte mit eigenen Beiträgen zur GRV und Pflichtversicherte in der Alterssicherung der Landwirte, die
freiwillig und regelmäßig eigene Altersvorsorgebeiträge leisten

110

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Fortsetzung Tabelle 4.3
Zweites Gesetz zur Änderung des Sechsten Buches des Sozialgesetzbuches und anderer Gesetze
vom 27.12.2003
Aussetzung der Rentenanpassung vom 1.7.2004

erbringt Einsparungen zu Gunsten d. Liquiditätslage der Rentenkassen zu Lasten
der Rentner von 1,4 Milliarden Euro; langfristig bewirkt diese Maßnahme eine
weitergeführte Abkoppelung der Renten von der Lohnentwicklung

vollständige Tragung des Beitrages zur Pflegeversicherung
durch die Rentner ab 1.4.2004

Kürzung der Gesamtheit der Rentenzahlbeträge um jährlich ca. 1,6 Milliarden
Euro erbringt Einsparungen zu Gunsten der Liquiditätslage der Rentenkassen zu
Lasten der Rentner von 1,4 Milliarden Euro; langfristig bewirkt diese Maßnahme
eine weitergeführte Abkoppelung der Renten von der Lohnentwicklung, aktuell
betroffen sind 19,5 Millionen Rentner und zugleich Senkung des Beitragssatzes
um 0,2 %

Drittes Gesetz zur Änderung des Sechsten Buches des Sozialgesetzbuches und anderer Gesetze
vom 27.12.2003
Verschiebung des Auszahlungstermins der monatlichen
Rente für Neurentner auf das Monatsende

Neurentner müssen gegenüber Bestandsrentnern bei Renteneintritt einen
Monat privat vorfinanzieren; langfristig (innerhalb von 20 bis 25 Jahren wird
eine Kosteneinsparung von 0,75 Milliarden Euro erwartet

Gesetz zur Neuordnung der einkommenssteuerrechtlichen Behandlung von Altersvorsorgeaufwendungen und
Altersbezügen (Alterseinkünftegesetz) vom 5.5.2004
schrittweise Einführung der nachgelagerten Besteuerung
der Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung,
beginnend 2005 bis 2040

der der Besteuerung unterliegende Anteil ist nach dem Jahr des Rentenbeginns
und dem in diesem Jahr maßgebenden Steuersatz festgesetzt, er liegt bei Rentenbeginn im Jahre 2005 bei 50 % und steigt bei Neurentnern bis 2020 je
Jahrgang um 2 %; ab 2021 pro Jahr um 1 %. Der bei Renteneintritt geltende
Besteuerungsanteil gilt für die gesamte Rentenbezugsdauer

Gesetz zur Sicherung der nachhaltigen Finanzierungsgrundlagen der gesetzlichen Rentenversicherung (RV-Nachhaltigkeitsgesetz)
vom 21.7.2004
Einführung eines Nachhaltigkeitsfaktors in die Rentenanpassungsformel

verlangsamt den Anstieg der Renten und senkt langfristig das Rentenniveau ab.
Verschlechterungen des Verhältnisses von Beitragszahlern zu Rentnern werden
dadurch zu 25 % den Rentnern angelastet. Mittels einer Niveausicherungsklausel soll sowohl die Nähe der Renten zu den Löhnen als auch ein ausreichender
Abstand der Rente zur Sozialhilfe gewährleistet werden. Der Beitragssatz soll
damit bis 2030 nicht über 22 % steigen

Ausrichtung der Rentenanpassung auf die Entwicklung der
beitragspflichtigen Löhne und Gehälter

die Reduzierung der Berechnungsgrundlage von allen Löhnen und Gehältern auf
die versicherungspflichtigen Entgelte hat zusätzliche Bremswirkung auf die
Rentenanpassung zu Lasten der Rentner

stufenweise Anhebung der Altersgrenze für Renten wegen
Arbeitslosigkeit oder nach Altersteilzeit von 60 auf 63 Jahre
in der Zeit zwischen 2006 und 2008

die vorzeitige Inanspruchnahme dieser Altersrente wird auch weiterhin mit
0,3 % Abschlag pro Monat belegt; bei frühestmöglichem Rentenbeginn
(63 Jahre) beträgt der Abschlag dann 7,2 %; für zwischen dem 1.1.1948 und dem
30.11.1948 geborene Versicherte steigt die Altersgrenze schrittweise; zwischen
dem 1.12.1948 und dem 31.12.1951 geborene Versicherte können diese Rente
frühestens mit 63 Jahren in Anspruch nehmen, für ab dem 1.1.1952 geborene
Versicherte entfällt diese Möglichkeit gänzlich - Vertrauensschutzregelungen per
Stichtag 1.1.2004 werden für Arbeitslose, Bezieher von Anpassungsgeld, in
Kündigung bzw. Altersteilzeit befindliche Arbeitnehmer der Jahrgänge 1945 bis
1951 wirksam

Abschaffung der bewerteten Anrechnungszeiten für Schulbesuch und Hochschulstudium - Fachschulzeiten und Zeiten
der Teilnahme an berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen sind von dieser Kürzung ausgenommen

Schulbesuch und Hochschulstudienzeiten nach dem 17. Lebensjahr werden
nicht mehr rentensteigernd wirksam, das kann für Neurentner eine monatliche
Rentenminderung von bis 59 Euro in den alten Bundesländern und bis 52 Euro in
den neuen Bundesländern bedeuten. Die Bewertung wird in der Zeit vom Jan.
2005 bis Dez. 2008 in Monatsschritten abgeschmolzen und entfällt ab 2009
gänzlich

Schul- und Hochschulzeiten werden auch künftig als renten- werden herangezogen bei der Festlegung von Mindestversicherungszeiten, im
rechtliche Zeiten berücksichtigt
Falle von Invalidität und bei Tod jüngerer Versicherter
Wegfall der pauschalen Höherbewertung von Zeiten der
Berufsausbildung

die Höherbewertung der ersten drei Beitragsjahre ist an tatsächliche Berufsausbildung und die Zahlung von Pflichtbeiträgen gebunden sowie ab 2009 auf 36
Monate begrenzt; zwischen 2005 und 2008 gelten Übergangsregelungen, Versicherte ohne Berufsausbildung oder mit einem Hochschulstudium müssen mit
einer Rentenminderung der Rentenanwartschaften um 0,2 bis 0,3 Entgeltpunkte
rechnen

111

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Fortsetzung Tabelle 4.3
Gesetz zur Anpassung der Regelaltersgrenze an die demographische Entwicklung und zur Stärkung der Finanzierungsgrundlagen
der gesetzlichen Rentenversicherung (RV-Altersgrenzenanpassungsgesetz) vom 9.3.2007
stufenweise Anhebung der Regelaltersgrenze beginnend
von 2012 bis zum Jahre 2029

Leistungskürzung durch Reduzierung der Rentenlaufzeit um bis zu zwei Jahre

Einführung einer abschlagsfreien Altersrente ab 65 Jahre
für besonders langjährige Versicherte mit mindestens 45
Jahren an Pflichtbeiträgen aus Beschäftigung, selbstständiger Tätigkeit, Pflege und Zeiten der Kindererziehung bis
zum 10. Lebensjahr des Kindes

in Anbetracht vor allem der Arbeitsmarktlage und der längeren Ausbildungszeiten (Hochschulstudium länger als drei Jahre) sinken für immer mehr Versicherte
die Chancen, unter diesen Bedingungen mit 65 Jahren eine abschlagsfreie
Altersrente erhalten zu können

Anhebung weiterer Altersgrenzen für:
langjährig Versicherte auf das vollendete 67. Lebensjahr
Schwerbehinderte von bisher 63 auf 65 Jahre
langjährig unter Tage beschäftigte Bergleute von bisher 60
auf 62 Jahre
Große Witwen-/Witwerrenten von bisher 45 auf 47 Jahre
Modifizierung der Schutzklausel bei der Rentenanpassung,
sodass ab 2011 die seit 2005 unterbliebenen Anpassungsdämpfungen realisiert werden, wenn auf Grund der Lohnentwicklung Rentensteigerungen möglich sind

vorzeitige Inanspruchnahme mit 63 Jahren und einer maximalen Abschlagshöhe
von 14,4 %
vorzeitige Inanspruchnahme mit 62 Jahren - maximale Abschlagshöhe
10,8 %

Absenkung des Leistungsniveaus der gesetzlichen Rente und weitere
Abkoppelung der Renten von der Lohnentwicklung

Gesetz zur Änderung des Vierten Buches Sozialgesetzbuch, zur Errichtung einer Versorgungsausgleichskasse
und zur Änderung anderer Gesetze vom 15.7.2009
Erweiterung der Schutzklausel, um bei negativer Lohnentwicklung ein Absinken der Renten im gleichen Jahr auszuschließen

Nachholung der unterbliebenen Rentenkürzung durch Halbierung des jährlichen
Rentenanpassungssatzes ab 2011
bis zur Tilgung des Ausgleichbedarfs

Gesetz zur Rentenanpassung vom 26.6.2010
Aussetzung des Riesterfaktors für die Jahre 2008 und 2009
wegen negativer Lohnentwicklung in Auswirkung der Wirtschafts- und Finanzkrise

Nachholung des ausgesetzten Anstiegs des Altersvorsorgeanteils in der
Rentenanpassungsformel in den Jahren 2011 und 2012

Verordnung zur Bestimmung der Rentenwerte in der gesetzlichen Rentenversicherung und in der Alterssicherung der Landwirte
zum 1. Juli 2011 (Rentenwertbestimmungsverordnung 2011 - RWBestV 2011)
der Aktuelle Rentenwert-West wird ab dem 1. Juli 2011 auf
27,47 Euro und der aktuelle Rentenwert-Ost auf 24,37 Euro
festgesetzt

das bewirkt eine Rentenerhöhung von 0,99 % und verfestigt die durch die
Nullrunde 2010 erneuerliche Rentenstagnation

der Ausgleichsbedarf-West beträgt ab dem
1. Juli 2011 = 0,9715 und der Ausgleichsbedarf-Ost =
0,98578

gemäß der Lohnentwicklung wäre unter Berücksichtigung der gesetzlich festgelegten Dämpfung der Anpassung durch den Altersvorsorgeanteil von 0,5 % und
durch den Nachhaltigkeitsfaktor um 0,9954 ein Anpassungssatz-West von
1,99 % und ein Anpassungssatz-Ost von 1,41 % regulär. Wegen der seit 2005
nicht realisierten Dämpfungseffekte wird 2011 mit deren Nachholung im Werte
des hälftigen Anpassungsfaktors (West - 1,0100 und Ost - 1,0071) begonnen.
Der verbleibende Ausgleichsbedarf wird bei positiver Rentenanpassung 2012
und in weiteren Jahren abgebaut

Gesetz über die Leistungsverbesserung in der gesetzlichen Rentenversicherung
(RV - Leistungsverbesserungsgesetz) vom 13.6.2014
Einführung der Altersrente für besonders langjährige Versicherte. Diese können mit Vollendung des 63. Lebensjahres
eine abschlagsfreie Altersrente beziehen, wenn sie 45 Jahre
mit Pflichtbeiträgen in die GRV eingezahlt haben. Auf die
45 Versicherungsjahre nicht angerechnet werden: Zeiten
des ALG II-Bezugs, Anrechnungszeiten ohne Bezug von Ersatzleistungen (z.B. Ausbildungssuche, Schul-, Fachschul-,
Hochschulbesuch) sowie Zeiten aus einem Versorgungsausgleich u./o. Rentensplitting

vor allem Facharbeiter mit lückenloser Erwerbsbiographie und ausreichenden
Rentenanwartschaften profitieren von der Möglichkeit einer abschlagsfreien
vorzeitigen Berentung. Sie verzichten dabei auf 2 noch mögliche Beitragsjahre,
die ihre Rentenzahlbeträge erhöhen würden

bessere Anerkennung der Erziehungsleistungen von Eltern
für vor 1992 geborene Kinder durch Zuerkennung der
Kindererziehungszeit je Kind von 2 Jahren

damit wird die Gerechtigkeitslücke in der Anrechnung von vor und nach 1992
geborenen Kindern um ein Jahr verkürzt

Verlängerung der Zurechnungszeiten für Erwerbsminderungsrenten vom 60. auf das 62. Lebensjahr für Neuzugänge ab 1.7.2014. Damit wird die stufenweise Anhebung der
Altersgrenze von 63 auf 65 Jahre vollzogen

Günstigerberechnung der letzten vier Jahre vor Eintritt der Erwerbsminderung,
Der Zeitraum vom vollendeten 62. Lebensjahr bis zum Erreichen der Altersgrenze von 65 Jahren wird mit bis zu 10,8 % Abschlägen belegt

Zusammengestellt nach: Bundesgesetzblatt Teil I, lfd.

112

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Zugleich muss darauf verwiesen werden, dass die durchschnittlichen Rentenzahlbeträge im Rentenzugang von Männern in Berlin-Ost leicht über der Armutsrisikoschwelle und die von Frauen-Ost sowie
Frauen-West und Männer-West schon unter der Armutsrisikoschwelle liegen. Diese durchschnittlichen
Werte machen darauf aufmerksam, dass beträchtliche Anteile der individuellen Zahlbeträge von Neurentnerinnen und Neurentnern dem Armutsrisiko unterliegen.
Noch drastischere Auswirkungen der Absenkung des Rentenniveaus müssen im Rentenzugang für die
Erwerbsminderungsrenten festgestellt werden.
In Berlin-Ost sanken die durchschnittlichen Zahlbeträge von Erwerbsminderungsrenten im Rentenzugang für Männer von 727 Euro im Jahre 2000 auf 510 Euro im Jahre 2014 ab. Bei den Frauen ergab sich
im selben Zeitraum ein Absinken von 701 Euro auf 633 Euro.
In Berlin-West sanken die durchschnittlichen Zahlbeträge der Erwerbsminderungsrenten im Rentenzugang an Männer von 775 Euro im Jahre 2000 auf 489 Euro im Jahre 2014 und an Frauen von 676 Euro
auf 540 Euro. In beiden Rechtskreisen wird bei den Zahlbeträgen der Erwerbsminderungsrente an Frauen die kompensierende Wirkung der Mütterrente wirksam.
Die durchschnittlichen Zahlbeträge der Erwerbsminderungsrenten an Frauen und Männer im Rentenzugang 2014 lagen knapp über bzw. unter dem gesetzlich festgelegten sächlichen Existenzminimum von
8.472 Euro pro Jahr bzw. 706 Euro pro Monat. Auch bei dieser Rentenart ist davon auszugehen, dass
beträchtliche Anteile der Bezieherinnen und Bezieher in beiden Rechtskreisen armutsgefährdet sind
(vgl. Abbildung 4.17).
Entwicklung der durchschnittlichen Zahlbeträge von Erwerbsminderungsrenten im
Rentenzugang in Berlin - nach Rechtskreisen - 2000 bis 2014 - in Euro -

2005

2006

2007

489
540

626
616

602
596

2004

486
539

643
637

2003

517
544

660
638

2002

506
547

681
653

2001

523
557

696
661

2000

549
587

751
683

633

622

200

510

614

544

612

534

529

620

617

545

626

572

558

658

644

608

620

672

664

642

632

400

690

400

676

600

661

600

684

800

681

800

727

1.000

701

1.000

688

Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit - Berlin-West

1.200

538
579

Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit - Berlin-Ost

1.200

775
676

Abbildung 4.17:

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

200

0

0
2000

2001

2002

2003

2004

2005

2006

2007

Männer

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

Männer

Frauen

Frauen

* Beträge gerundet
Berechnet nach: DRV-Statistik-Rentenzugang, Bd. 137, 141, 145, 149, 153, 158, 163, 168, 173, 178, 183, 188, 193, 198, Berlin,
jährlich, jeweils Tabelle 52.00 Z

Während die gesetzlichen Veränderungen der Rentenzugangsbedingungen und die gesetzlich festgelegte Absenkung des Rentenniveaus ausschließlich alle Renten der gesetzlichen Rentenversicherung in beiden Rechtskreisen betreffen, erfährt dieser Prozess bezogen auf die individuellen Rentenzahlbeträge
durch unzureichende Rentenanwartschaften eine zusätzliche Verschärfung. Als wesentliche Ursachen
für die zusätzliche Minderung von individuellen Rentenzahlbeträgen müssen geringe Rentenanwartschaften aus Niedriglöhnen, Arbeitslosigkeit und andere Lücken in der Erwerbsbiographie wie Kindererziehung und Familienarbeit genannt werden.

113

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Insbesondere Zeiten der Langzeitarbeitslosigkeit schlugen sich von 2005 bis 2010 in Minimalbeiträgen
von knapp 2 Euro als Rentenanwartschaft für jeden monatlichen Rentenzahlbetrag ab Berentung nieder.
Seit dem Jahre 2011 wurden von der Arbeitslosenversicherung überhaupt keine rentenrelevanten Beiträge für Langzeitarbeitslose entrichtet. Dadurch entstehen absolute Lücken in den individuellen Rentenbiographien von ab 50-jährigen Langzeitarbeitslosen, die auf Grund deren eingeschränkten Wiedereinstiegschancen in das Erwerbsleben nur in den seltensten Fällen zu schließen sind.
Die Auswirkungen dieser Entwicklungen werden abgemildert durch Zunahme der Versicherungsjahre bei
Frauen und durch die Mütterrente.
Handlungsstrategien zur Stabilisierung der individuellen Alterseinkommen
Die Auswirkungen der Veränderungen des Rentenrechts und der analogen Regelungen der Beamtenversorgung gehören zu den Alltagserfahrungen auch der ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf und deren
Familien. Insbesondere die Entwicklung der Alterseinkommen von Frauen und Männern im Ruhestand
zeigt, wie sich der Anteil der unteren Einkommensgruppen über die Jahre vergrößert.
Während die aktuell Hochbetagten vor 20 und mehr Jahren in den Ruhestand eingetreten sind, waren
die gesetzlichen Verschlechterungen der Rentenzugangsbedingungen, die gesetzlichen Festlegungen zur
Absenkung des Rentenniveaus und die Änderungen in der Beamtenversorgung noch nicht in Kraft. Das
heißt, die Renten dieser Alterskohorten, die 1996 und vorher aus dem Erwerbsleben ausgeschieden
sind, konnten bis 2000 unbelastet durch gesetzliche Einschränkungen jährlich zum 1. Juli dynamisiert
werden und unterlagen erst nach 2001 mit der Einführung des ersten Absenkungsfaktors der veränderten Rentenanpassungsformel. So verfügen aktuell die Mehrheit der hochbetagten Männer und knapp
die Hälfte der hochbetagten Frauen über ein Alterseinkommen von mehr als 900 Euro (vgl. Abbildung
4.18).
Abbildung 4.18:
insgesamt

2

Entwicklung der Alterseinkommen - nach Altersgruppen und Geschlecht
- ab 65-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent* 4

18

Männer zus. 11
65 b.u. 70 Jahre

63

9

75

3

13

70 b.u. 75 Jahre 11

5

13

2

5

65 b.u. 70 Jahre 1

8

15

24

85 Jahre u.ält.*

10

6

54
31

75 b.u. 80 Jahre 2 2
6

71

25

20

80 b.u. 85 Jahre 1

24

10

5

0

9

77
73

85 Jahre u.ält.*

70 b.u. 75 Jahre 1

13

79

80 b.u. 85 Jahre 1 2

Frauen zus.

14
71

10

75 b.u. 80 Jahre 1 2

13

14
53

7

61

13

57
27

6

15

41
15

20
kein Einkommen

25

49

40
unter 500 Euro

20

60
500 b.u. 900 Euro

* geringe Fallzahl und anteilig Taschengeldbezug bei Heimbewohnern
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

114

80
900 Euro u. dar.

100
ohne Antw.

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Vor dem Hintergrund der Erfahrung sinkender Bezüge aus den sozialen Alterssicherungssystemen entwickeln die Bürgerinnen und Bürger nach dem Maß ihrer Möglichkeiten individuelle Strategien zur materiellen Absicherung ihres Alters.
Von den ab 50-Jährigen aus Marzahn-Hellersdorf sind 19 Prozent zusätzlich durch Betriebsrente oder die
Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes abgesichert, weitere 24 Prozent verfügen über Ersparnisse
und 12 Prozent verweisen auf den Besitz einer Immobilie. Allerdings geben 41 Prozent an, dass sie keinerlei zusätzliche Altersvorsorge betrieben haben (vgl. Abbildung 4.19).
Abbildung 4.19:

„Sind Sie für das Alter zusätzlich abgesichert?“ - nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent* - (nur Antwort: „trifft zu“)
durch betriebl AV.
o. ZV d.öff.Dienstes

insgesamt

19

81

ich verfüge über
Ersparnisse
10

24

76

ich habe eine priv.
Altersvosorge
10

23

77

ich besitze
Immobilien
10

12

88

ich habe keine zusätzliche Altersvorsorge
10

41

59

10

Bezirksregionen
BR 1 Marzahn-Nord 11
BR 2 Marzahn-Mitte 14
BR 3 Marzahn-Süd

89

86

22

BR 4 Helle rsdorf-Nord 13

10

78

87

10

8
15

10

BR 6 Helle rsdorf-Süd 16

84

10

BR 8 Kaulsdorf

24

BR 9 Mahlsdorf

27

68

92

19

85

10

76

10

28

10

29

10

18

82

10

5

10

17

83

10

3

81

3

95

10

97

10

10

20

80

10

8

10

19

81

10

3

3

97

10

10 2

2

98

10

10

3

97

10

10

10

37

78

73

75

32

10

82

82

25

10

BR 5 Helle rsdorf-Ost 18

BR 7 Biesdorf 22

18

28

72

19

81

3

92

10

33

67

10

72

10

34

66

10

34

66

10

71

10

10

35

65

10

63

28

72

22

10

78

10

55

45

48

52

39

10

58

42

61

49

26

72

82

10

10

51

28
18

10

61

39

10

10

10

10

74

10

* Mehrfachantworten
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die sozialräumliche Verteilung lässt umfangreichere Aktivitäten zur zusätzlichen Altersvorsorge in den
Bezirksregionen Mahlsdorf, Kaulsdorf, Biesdorf und Marzahn-Süd als in anderen Bezirksregionen erkennen. Noch gravierender sind die Unterschiede zwischen den Bezirksregionen der Großsiedlung und dem
Siedlungsgebiet hinsichtlich des Anteils der ab 50-Jährigen, die auf keine zusätzliche Altersvorsorge verweisen können.
Nach soziostrukturellen Merkmalen wird die soziale Ungleichheit bezüglich einer zusätzlichen Altersvorsorge deutlich hervorgehoben (vgl. Abbildung 4.20):


So ist der Anteil mit zusätzlicher Altersvorsorge bei Bürgerinnen und Bürgern mit Migrationshintergrund wesentlich geringer als bei denen ohne einen solchen. Hingegen weisen drei Viertel der Gruppe mit Migrationshintergrund darauf hin, keine zusätzliche Altersvorsorge zu besitzen.



Bei Frauen und Männern zeigt sich eine ähnliche Ausstattung mit zusätzlicher Altersvorsorge; allerdings zeigen mehr Frauen als Männer an, über nichts dergleichen zu verfügen.



Am besten ausgestattet sind künftige Senioren. Dagegen macht ca. die Hälfte aller aktuellen Seniorinnen und Senioren auf das völlige Fehlen einer zusätzlichen Altersvorsorge aufmerksam.

115

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015



Als Gruppen mit beachtlich unterdurchschnittlichem Zugriff auf zusätzliche Altersvorsorge müssen
Arbeitslose, Alleinlebende, Nichterwerbstätige (vor allem Seniorinnen und Senioren) und Alleinerziehende genannt werden. Insbesondere 79 Prozent der Arbeitslosen und 63 Prozent der Alleinerziehenden verfügen über keinerlei zusätzliche Altersvorsorge.

Abbildung 4.20:

„Sind Sie für das Alter zusätzlich abgesichert?“ - nach soziostrukturellen Gruppen
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent* - (nur Antwort: „trifft zu“)

durch betriebl AV.
o. ZV d.öff.Dienstes
insgesamt
Migr.hintergrund
ja
nein
Geschlecht
Frauen
Männer
Altersphasen
künftige Senioren
junge Alte
fortgeschr. Ältere
Hochbetagte
Erwerbsstatus
VZ-Erwerbstätige
TZ-Erwerbstätige
Arbeitslose
N ichterwerbstätige
Familientyp
Alleinlebende
Alleinerziehende
m it Partner/in
Partner m.Kind/ern

19
6
19

81

3

35
30
3
9

3

13
20
20
33

24

10

94

10

19
19
27
12
3
7

ich verfüge über
Ersparnisse

81

10

81

10

81

10

73

9
25

97

10

93

10

65

70

97

10

10

10

91

4

10

87

10

80

10

80

10

67

10

10

3

23
24
4
28

21
3
28
16

75

10

77

10

74

20
31
29
21

10

23

10

91

23
26

10

88

76

ich habe eine priv.
Altersvosorge

80

77

8
24

92

76

19
28

10

12

10

3

10

72

10

62

9
2
3

10

10

81

38

10

ich besitze
Immobilien

10

71

10 2

98

10

79

10

97

10 1

77

10

76

10

10

72

79

10

10

97

10

72

84

10

10

3

10

17
10
5
1

10

48
37

52

63

9
7

10

10

91

10

93

10

15
15
26
43

85

10

85

10

74

10

57

10

22
17
4
7
4

4
12
16
22
4

41

10

97

10

83

10

90

10

99

10

78

83

96

10

10

10

96

10

88

10

84

78

10

10

10

10

67

10

52

10

46

10

46

10

82

10

71

10

79

10

93

55

18
29

21

52
54
63
35
30

10

10

64

33
48
54
54

10

95

61

45
36

10

85

10

26

39

10

90

59

74

10

87

10
15

69

96

91

3
13

88

ich habe keine zusätzliche Altersvorsorge

48

10

46

10

37

65

70

10

10

10

10

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

In Anbetracht des sinkenden Niveaus gesetzlicher Alterssicherungsleistungen (z.B. GRV: Altersrenten,
Erwerbsminderungsrenten, Renten an Soloselbständige und Witwen- oder Witwerrenten, aber auch
Pensionen), einer aktuellen oder künftig zu erwartenden geringen Rente oder anderer sozialer Alterssicherung erwägen 48 Prozent der befragten ab 50-Jährigen verschiedenste Möglichkeiten, die eigene
Einkommenslage im Alter durch Einschränkungen in ihrem Ausgabeverhalten zu stabilisieren. Knapp ein
Viertel (24 Prozent) hält solche Einsparungen nicht für notwendig. Insgesamt 23 Prozent wissen aktuell
nicht, ob sie sich künftig einschränken müssen (5 Prozent ohne Antwort). Von den 48 Prozent (787 Personen)


gaben 84 Prozent an, ihre Ausgaben für den Haushalt reduzieren zu wollen,



61 Prozent wollen beim Einkauf mehr auf die Preise achten,



59 Prozent würden ihre Ausgaben für Kleidung kürzen,



41 Prozent wollen keine weiteren Kredite aufnehmen,



32 Prozent sehen eine Möglichkeit, ihre Fahrkosten zu reduzieren,



27 Prozent planen, ihre Ausgaben für Kultur, Freizeit und Reisen einzuschränken,



22 Prozent erwägen, in eine billigere Wohnung umzuziehen und



11 Prozent beabsichtigen, bei Bedarf die Angebote der „Berliner Tafel“ zu nutzen.

116

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Fast die Hälfte der Befragungsteilnehmerinnen und -teilnehmer sehen sich auf Grund ihrer aktuellen
Einkommenssituation und in Anbetracht des sinkenden Niveaus von gesetzlichen Renten und Pensionen
zu künftigen Einschränkungen in ihrem Ausgabeverhalten veranlasst, um ihre eigene materielle Sicherheit im Alter zu stabilisieren. Diese Bedenken werden im überdurchschnittlichen Maße von ab 50-Jährigen mit einem Haushaltsnettoeinkommen von unter 1.000 Euro (71 Prozent) und von 1.000 bis unter
2.000 Euro (54 Prozent) geäußert. Mit den oben genannten Einschränkungen für die materielle Absicherung ihres Alters rechnen 71 Prozent der Alleinerziehenden, 66 Prozent der Arbeitslosen, 63 Prozent der
Befragten mit Migrationshintergrund, 62 Prozent der geringfügig Beschäftigten, 53 Prozent der künftigen Seniorinnen und Senioren, 51 Prozent der Alleinlebenden und die Hälfte der befragten Frauen (vgl.
Abbildung 4.21). Diese Bedenken werden auch geteilt von 59 Prozent der Personen ohne berufliche
Qualifikation und von 50 Prozent der Facharbeiterinnen und Facharbeiter.
Abbildung 4.21:

Beabsichtigte Einschränkungen des Ausgabeverhaltens wegen des sinkenden
Rentenniveaus bzw. geringer eigener Rente nach dem Wechsel in den Ruhestand
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent - (nur Antwort: „ja“)
- nach Migrationshintergrund, Geschlecht, Altersphasen und Bezirksregionen -

Migr.hintergrund
ja
nein
Geschlecht
weiblich
männlich
Altersphasen
künft. Senioren
junge Alte
fortgeschritt. Ältere
Hochbetagte
Bezirksregion
BR 1 Marzahn-Nord
BR 2 Marzahn-Mitte
BR 3 Marzahn-Süd
BR 4 Hellersdorf-Nord
BR 5 Hellersdorf-Ost
BR 6 Hellersdorf-Süd
BR 7 Biesdorf
BR 8 Kaulsdorf
BR 9 Mahlsdorf

Durchschnitt: 48 Prozent

48

63
47
50
44
53
44
39
33
54
59
42
57
46
59
36
35
35
48

0

Haushaltsgröße
1-Pers-Hh insg.
2-Pers.-Hh
3-Pers-Hh
4- u. mehr-Pers.-Hh
Familientyp
Alleinlebende
Alleinerziehende*
mit Partner/-in
mit Partn. u. Kind/-ern
Haushaltsnettoeink.
unter 1000 Euro
1.000 b.u. 2.000 Euro
2.000 b.u. 3.000 Euro
3.000 b.u. 4.000 Euro
4.000 Euro u.dar.
Erwerbsstatus
Erwerbstätigkeit
Arbeitslose
geringf. Beschäftigte*
Nichterwerbstätige

- nach
Familientyp,
Haushaltsnettoeinkommen
und Erwerbsstatus
-70
10 Haushaltsgröße,
20
30
40
50
60

0

48

51
45
50
46
51
71
45
43
71
54
47
32
27
48
66
62
45
48

0

10

20

30

40

50

* geringe Fallzahl
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

117

60

70

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Solche Handlungsstrategien zur Anpassung des eigenen Ausgabeverhaltens an zu erwartende geringere
Renten oder auch Pensionen durch Einschränkungen werden am häufigsten von ab 50-Jährigen aus den
Bezirksregionen Marzahn-Mitte und Hellersdorf-Süd (jeweils 59 Prozent) sowie aus Hellersdorf-Nord
(57 Prozent) und aus Marzahn-Nord (54 Prozent) bestätigt. Am geringsten sind solche Bedenken unter
den Befragungsteilnehmerinnen und -teilnehmern aus den Bezirksregionen Biesdorf (36 Prozent) sowie
Kaulsdorf und Mahlsdorf (jeweils 35 Prozent) ausgeprägt.
4.4

Haushaltsnettoeinkommen

Das Haushaltsnettoeinkommen bildet die Summe der individuellen Nettoeinkommen19 bzw. Anteile
davon20 aller im Haushalt lebenden und gemeinsam wirtschaftenden Personen. Als Haushalt zählt jede
zusammenwohnende und eine wirtschaftliche Einheit bildende Personengemeinschaft, das sind Personen, die sowohl einkommens- als auch -verbrauchsmäßig zusammengehören. Die sich zu einem Haushalt zusammengeschlossenen Personen verfügen gemeinsam über das Haushaltsnettoeinkommen und
organisieren miteinander die vollständige oder überwiegende alltägliche Versorgung der Haushaltsmitglieder. Personen, die allein wohnen und wirtschaften, bilden ebenfalls einen Haushalt.
In der Darstellung des Haushaltnettoeinkommens wird das nominale vom äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommen unterschieden. Das nominale Haushaltsnettoeinkommen gibt Auskunft über das
ausgabefähige Haushaltsnettoeinkommen eines Haushalts pro Monat, unabhängig von der Anzahl der
Personen im und ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit für den Haushalt.
Um die Vergleichbarkeit der Haushaltsgröße und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Haushaltsmitglieder herzustellen, bedarf es einer Vergleichsbasis, die nicht nur die Anzahl der Haushaltsmitglieder, sondern auch deren spezifische Bedarfe berücksichtigt. Dies erfolgt durch die Berechnung des bedarfsgewichteten Äquivalenzeinkommens. Zu diesem Zweck wird das nominale Haushaltsnettoeinkommen durch die Summe der Bedarfsgewichte der im Haushalt lebenden Personen geteilt. Die Bedarfsgewichtung erfolgt nach dem Standard der europaweit angewandten neuen OECD-Skala. Danach wird für
den ersten Erwachsenen in einem Haushalt der Faktor 1 gesetzt, alle weiteren erwachsenen Personen
ab 14 Jahre werden mit dem Faktor 0,5 und Kinder unter 14 Jahren mit dem Faktor 0,3 berechnet.21 Das
äquivalenzgewichtete Haushaltsnettoeinkommen weist aus, wie viel ein Haushalt pro Kopf und Bedarf
der Haushaltsmitglieder je Monat ausgeben kann.
Durchschnittliches Haushaltsnettoeinkommen
Das durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen22 umfasst nominal die individuellen Nettoeinkommen
bzw. Einkommensanteile aller im Haushalt lebenden Personen. Es bildet die finanzielle Grundlage des
gemeinsamen Wirtschaftens und der Lebensgestaltung.

19
20
21

22

Abzüglich von Steuern, Solidaritätszuschlag und Pflichtbeiträgen zur Sozialversicherung.
Z.B.: Kostgeld von heranwachsenden Jugendlichen oder erwachsenen Kindern, anteilige Miete.
Vgl. Statistisches Bundesamt: Sozialberichterstattung des Bundes und der Länder: http://www.amtlichesozialberichterstattung.de/glossar.html
Als durchschnittliches Haushaltsnettoeinkommen wird der Median angegeben. Die Berechnung des durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommens begründet sich auf einem Datensatz von 1.397 getroffenen Angaben
des Haushaltsnettoeinkommens. 59 Probanden bzw. 15,7 Prozent der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer haben von ihrem Recht auf Nichtbeantwortung dieser Frage Gebrauch gemacht.

118

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Das durchschnittliche nominale Haushaltsnettoeinkommen (Median) von ab 50-Jährigen in MarzahnHellersdorf betrug im Jahre 2015 pro Monat 2.000 Euro. Damit ist gegenüber dem Jahre 2010 ein Anstieg um 100 Euro pro Monat zu verzeichnen.
Abbildung 4.22:

Durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen* - nach soziostrukturellen Merkmalen
und Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Euro –
durchschnittliches nominales Haushaltsnettoeinkommen
Durchschnitt = 2.000 Euro pro Monat

Migrat.hintergrund
ja
nein
Altersphasen
50 b.u. 65 J.
65 b.u. 75 J.
75 b.u. 85 J.
85 J. u.ält.
Haushaltsgröße
1-Pers-Hh insg.
1-Pers-Hh Frauen
1-Pers-Hh Männer
2-Pers.-Hh
3-Pers-Hh
4- u. mehr-Pers.-Hh
Bezirksregion
BR 1 Marzahn-Nord
BR 2 Marzahn-Mitte
BR 3 Marzahn-Süd
BR 4 Hellersdorf-Nord
BR 5 Hellersdorf-Ost
BR 6 Hellersdorf-Süd
BR 7 Biesdorf
BR 8 Kaulsdorf
BR 9 Mahlsdorf

0

2. 000

1 .1 3 5
2 .0 0 0
2 .4 0 0
1 .8 0 0
1 .7 3 0
1 .6 0 9
1 .2 0 0
1 .2 0 0
1 .2 0 0
2 .4 5 8
2 .7 2 7
2 .7 0 2
1 .6 0 0
1 .8 8 9
2 .0 0 0
1 .6 8 9
1 .6 4 3
1 .8 0 0
2 .5 0 0
3 .0 0 0
3 .0 0 0
2. 000

0

500

1.000

1.500

2.000

2.500

3.000

2.500

3.000

durchschnittliches äquivalenzgewichtetes Haushaltsnettoeinkommen
Durchschnitt = 1.467 Euro pro Monat
Migrat.hintergrund
ja
nein
Altersphasen
50 b.u. 65 J.
65 b.u. 75 J.
75 b.u. 85 J.
85 J. u.ält.
Haushaltsgröße
1-Pers-Hh insg.
1-Pers-Hh - Frauen
1-Pers-Hh- Männer
2-Pers.-Hh
3-Pers-Hh
4- u. mehr-Pers.-Hh
Bezirksregion
BR 1 Marzahn-Nord
BR 2 Marzahn-Mitte
BR 3 Marzahn-Süd
BR 4 Hellersdorf-Nord
BR 5 Hellersdorf-Ost
BR 6 Hellersdorf-Süd
BR 7 Biesdorf
BR 8 Kaulsdorf
BR 9 Mahlsdorf

0

1. 467

849
1.500
1.600
1.314
1.333
1.400
1.200
1.200
1.200
1.640
1.363
920
1.200
1.333
1.491
1.304
1.290
1.333
1.727
2.000
1.900
1. 467

0

500

1.000

1.500

2.000

* Median
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Unter Berücksichtigung der Anzahl der Haushaltsmitglieder und deren wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit wurde ein durchschnittliches Haushaltsäquivalenzeinkommen von 1.467 Euro pro Monat errechnet.

119

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Das durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen differenziert sich im beachtlichen Maße nach dem
Migrationshintergrund, nach Altersphasen und Haushaltsgröße sowie nach der sozialräumlichen Verteilung (vgl. Abbildung 4.22).
Das durchschnittliche nominale Haushaltsnettoeinkommen von ab 50-Jährigen ohne und mit Migrationshintergrund weist eine Differenz von durchschnittlich 865 Euro pro Monat, und das durchschnittliche
äquivalenzgewichtete Haushaltsnettoeinkommen eine Differenz von 267 Euro pro Monate zu Ungunsten der letzteren Gruppe aus.
Nach Altersphasen ist ein sukzessives Zurückgehen des durchschnittlichen nominalen wie äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommens festzustellen. Das vollzieht sich vor dem Hintergrund
1. des Ausstiegs aus dem Erwerbsleben und des Wechsels in den Ruhestand,
2. der natürlichen Singularisierung im Lebensverlauf.
Die Differenzierung der durchschnittlichen nominalen wie äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommen nach der Haushaltsgröße weist die defizitäre Einkommenssituation von 1-Personen-Haushalten
für Frauen und Männer gleichermaßen aus. Dagegen erzielen bei den ab 50-Jährigen in MarzahnHellersdorf alle Mehrpersonenhaushalte ein überdurchschnittliches nominales Haushaltsnettoeinkommen. Jedoch zeigt die Betrachtung der durchschnittlichen äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommen für die 2-Personen-Haushalte überdurchschnittliche und für die 3- sowie 4- und mehrPersonen-Haushalte unterdurchschnittliche Werte.
Die sozialräumliche Analyse der durchschnittlichen nominalen Haushaltsnettoeinkommen hebt den
grundsätzlichen Unterschied zwischen den unterdurchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommen in den
Bezirksregionen der Großsiedlungen und den überdurchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommen im
Siedlungsgebiet hervor. Dabei verteilen sich die unterdurchschnittlichen nominalen Haushaltnettoeinkommen zwischen 1.600 Euro in Marzahn-Nord - BR 1 - und dem Durchschnittswert von 2.000 Euro pro
Monat in Marzahn-Süd - BR 3 -, und die überdurchschnittlichen Werte im Siedlungsgebiet reichen nominal von 2.500 bis 3.000 Euro im Monat.
Die Abbildung 4.23 zeigt, wie viel die Haushalte unter Berücksichtigung der bedarfsgewichteten Anzahl
der Haushaltmitglieder untereinander vergleichbar durchschnittlich zur Verfügung haben. Das durchschnittliche äquivalenzgewichtete Haushaltsnettoeinkommen von ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf im Jahre 2015 betrug 1.467 Euro pro Monat.23

23

Die Berechnung des äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommens begründet sich auf 1.389 Datensätze.
Die Differenz zur Berechnung des durchschnittlichen nominalen Haushaltsnettoeinkommens resultiert aus fehlenden Angaben zur Anzahl der wirtschaftlich unselbständigen Kinder im Haushalt.

120

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 4.23:

60

Relative Einkommensposition der durchschnittlichen nominalen Haushaltsnettoeinkommen - nach soziostrukturellen Merkmalen und Bezirksregionen gegenüber dem
Gesamtdurchschnitt - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

Migrationshintergrund

Altersphasen

Haushaltsgröße

40

Durchschnitt = 2.000 Euro = 100 Prozent

20

36

Bezirksregionen

50

0

-20

-10

-14

-6
-20

50

25

23

20
0

35
0

-20

-16

-18

-10

-40

-43

-40

-60
ja

nein

künft.
50 b.u.
65
65b.u.
J.junge
75
75b.u.
J.fortge.
85
85J.J. Hoc
u.ält.hSen. Alte Ältere be50 b.u. 65 75 b.u. tagte
65 J. b.u.
85 J. 85 J.
75 J.
u.äLt.

1234- u.
Pers.- Pers.- Pers.- mehrHH
HH
HH Pers.HH

unter Durchschnitt

BR 1
MarzahnNord

BR 2 BR 3
Mar- Marzahn- zahnMitte Süd

BR 4 BR 5 BR 6 BR 7 BR 8 BR 9
Hell.- Hell.- Hell.- Bies- Kauls- Mahlsdorf- dorf- dorf- dorf dorf dorf
Nord Ost
Süd

über Durchschnitt

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die Abbildung 4.23 zeigt, wie viel die Haushalte unter Berücksichtigung der bedarfsgewichteten Anzahl
der Haushaltmitglieder untereinander vergleichbar durchschnittlich zur Verfügung haben. Das durchschnittliche äquivalenzgewichtete Haushaltsnettoeinkommen von ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf im Jahre 2015 betrug 1.467 Euro pro Monat.24
Die hier aufgezeigte Differenzierung der durchschnittlichen nominalen Haushaltsnettoeinkommen spiegelt sich in den relativen Einkommenspositionen der verschiedenen sozialen Gruppen und sozialräumlichen Unterteilungen wider. Defizitäre Einkommenspositionen werden vor allem bei Haushalten von
Personen mit Migrationshintergrund, von Senioren, bei allen 1-Personen-Haushalten sowie von Haushalten der ab 50-Jährigen in den Bezirksregionen Marzahn-Nord, Hellersdorf-Ost, Hellersdorf-Nord, Hellersdorf-Süd und Marzahn-Mitte erkennbar. Die Einkommenspositionen des äquivalenzgewichteten
Haushaltsnettoeinkommens verschieben sich entsprechend (vgl. Abbildung 4.23).
Die Abbildung 4.24 zeigt die relativen Einkommenspositionen der durchschnittlichen äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommen der auch in Abbildung 4.24 dargestellten sozialen Gruppen und sozialräumlichen Gliederungen. Die größten Verschiebungen treten bei den 3- bzw. 4- und mehr-PersonenHaushalten auf.

24

Die Berechnung des äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommens begründet sich auf 1.389 Datensätze.
Die Differenz zur Berechnung des durchschnittlichen nominalen Haushaltsnettoeinkommens resultiert aus fehlenden Angaben zur Anzahl der wirtschaftlich unselbständigen Kinder im Haushalt.

121

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 4.24:

40

Relative Einkommensposition der durchschnittlichen äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommen - nach soziostrukturellen Merkmalen und Bezirksregionen
gegenüber dem Gesamtdurchschnitt - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent -

Migrationshintergrund

Altersphasen

Bezirksregionen

Durchschnitt = 1.467 Euro = 100 Prozent

20

36

2

0

9
-9

30

18

12
-10

-20

Haushaltsgröße

2

-5

-7

-9

-18

-18

-11

-12

-9

-37

-42

-40

-60
ja

nein

fortge.Hoc
Hoc
hkünft. junge fortge.
hbeSen. Alte Ältee
Ältere tagte
beb.u. 85
tagte
50 b.u. 6565
b.u. 75
r 75
J.
b.u.
8585
J. J. u.ält.
85 J.
65 J. 75
J. b.u.
75 J.
u.äLt.

1234- u.
Pers.- Pers.- Pers.- mehrHH
HH
HH Pers.HH

unter Durchschnitt

BR 1 BR 2 BR 3 BR 4 BR 5 BR 6 BR 7 BR 8 BR 9
Mar- Mar- Mar- Hell.- Hell.- Hell.- Bies- Kauls- Mahlszahn- zahn- zahn- dorf- dorf- dorf- dorf dorf dorf
Nord Mitte Süd Nord Ost
Süd

über Durchschnitt

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Bei einem Vergleich der Haushaltsnettoeinkommen - nominal wie äquivalenzgewichtet - treten zwischen
denen der künftigen Senioren und denen, die bereits in den Ruhestand gewechselt sind, die Differenzierungen deutlicher hervor (vgl. Abbildungen 4.25 und 4.26).
Da von den künftigen Senioren aktuell rd. 73 Prozent Erwerbstätige, 11 Prozent Arbeitslose und 16 Prozent Nichterwerbstätige sind, verfügen knapp drei Viertel von ihnen über Einkommen aus Erwerbstätigkeit. Der Vergleich schlägt zu Ungunsten der Senioren aus. Gegenüber dem durchschnittlichen nominalen Haushaltsnettoeinkommen ist je nach Altersphase mit einem Defizit zwischen 600 und 791 Euro pro
Monat zu rechnen.
Die Differenz zwischen dem nominalen Haushaltsnettoeinkommen zwischen den 50- bis unter 65-Jährigen und den ab 65-Jährigen mit Migrationshintergrund betrug pro Monat 85 Euro; bei diesen Altersgruppen ohne Migrationshintergrund hingegen waren es pro Monat 700 Euro.
Hinsichtlich der sozialräumlichen Differenzierung zwischen den 50- bis unter 65-Jährigen einerseits und
den ab 65-Jährigen andererseits öffnen sich Differenzierungen zwischen 200 Euro pro Monat in Marzahn-Mitte und 1.512 Euro im Mahlsdorf (vgl. Abbildung 4.25).

122

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 4.25:

Durchschnittliches nominales Haushaltsnettoeinkommen - nach Altersphasen und
Bezirksregionen - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Euro durchschnittliches nominales Haushaltsnettoeinkommen

50- bis unter 65-Jährige
Durchschnitt = 2.400 Euro
Altersphasen

65 Jahre und älter
Durchschnitt = 1.800 Euro

2. 400

1. 800

künft. Senioren 50 b.u. 65 J.

2.400

junge Alte 65 b.u. 75 J.

1.800

fortge. Ältere 75 b.u. 85 J.

1.730

Hochbetagte 85 J. u.ält.

1.609

Migrationshintergrund
ja

1.220

nein

1.135

2.500

1.800

Bezirksre gionen
BR 1 Marzahn-N ord

2.000

BR 2 Marzahn-Mitte

2.000

BR 3 Marzahn-Süd

1.305
1.800

2.100

1.798

BR 4 Hellersdorf-N ord

1.804

BR 5 Hellersdorf-Ost

1.800

BR 6 Hellersdorf-Süd

1.400
1.500

2.200

BR 7 Biesdorf

1.500

3.033

BR 8 Kaulsdorf

3.674

BR 9 Mahlsdorf

3.613

1.980
2.300
2.101

2. 400

1. 800

3.500 3.000 2.500 2.000 1.500 1.000

500

0

500

1.000 1.500 2.000 2.500 3.000 3.500

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Ein Vergleich des äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommens von 50- bis unter 65-Jährigen mit
dem von ab 65-Jährigen ergibt insgesamt im Bezirk eine Differenz von monatlich 267 Euro zu Ungunsten
der Älteren. Der Unterschied zwischen dem äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommen der
künftigen Senioren und der Seniorinnen und Senioren mit Migrationshintergrund fällt mit 22 Euro pro
Monat am geringsten aus.
Abbildung 4.26:

Durchschnittliches äquivalenzgewichtetes Haushaltsnettoeinkommen
- nach Altersphasen und Bezirksregionen - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Euro 50- bis unter 65-Jährige
Durchschnitt = 1.600 Euro

Altersphasen

65 Jahre und älter
Durchschnitt = 1.333 Euro

1. 600

1. 333

künft. Senioren 50 b.u. 65 J.

1.600

junge Alte 65 b.u. 75 J.

1.314

fortge. Ältere 75 b.u. 85 J.

1.333

Hochbetagte 85 J. u.ält.

1.333

Migrationshintergrund

1.400

ja

850

nein

828

1.667

1.333

Bezirksregionen
BR 1 Marzahn-N ord

1.332

BR 2 Marzahn-Mitte

1.400

BR 3 Marzahn-Süd

1.187
1.333

1.600

BR 4 Hellersdorf-N ord

1.400

1.333

BR 5 Hellersdorf-Ost

1.300

1.267

BR 6 Hellersdorf-Süd

1.405

1.488

BR 7 Biesdorf

1.115

2.007

BR 8 Kaulsdorf

1.397

2.298

BR 9 Mahlsdorf

1.533

2.200

1.411

1. 600

3.500 3.000 2.500 2.000 1.500 1.000

1. 333

500

0

500

1.000 1.500 2.000 2.500 3.000 3.500

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die Differenzen zwischen den äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommen zwischen den beiden
angezeigten Altersphasen in den neun Bezirksregionen liegen zwischen 33 Euro in Hellersdorf-Nord

123

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

- BR 1 - und 789 Euro in Mahlsdorf - BR 9 - zu Ungunsten der Senioren. In Hellersdorf-Ost - BR 5 - ergab
sich auf Grund der Haushaltsstruktur der ab 65-Jährigen (76 Prozent - 1-Personen-Haushalte) beim äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommen ein Vorteil von 138 Euro pro Monat zu Gunsten der Senioren (vgl. Abbildung 4.26).
Wesentliche Differenzierungen des durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommens ergeben sich nach
dem Erwerbsstatus und dem Familientyp.
Im Jahre 2015 betrug das durchschnittliche nominale Haushaltsnettoeinkommen von ab 50-jährigen
Vollzeit-Erwerbstätigen pro Monat 2.900 Euro, Haushalte von Teilzeit-Erwerbstätigen erreichten pro
Monat 2.300 Euro. Das durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen von Arbeitslosen (Haushalte mit
51 Prozent Alleinlebenden, 10 Prozent Alleinerziehenden) belief sich auf 854 Euro pro Monat. Die Haushalte der geringfügig beschäftigten Befragten erzielten 2015 ein durchschnittliches Haushaltsnettoeinkommen von 1.788 Euro und die der Nichterwerbstätigen (mindestens eine Rentnerin/ein Rentner oder
eine Hausfrau/ein Hausmann) lagen bei 1.792 Euro.
Nach dem Familientyp ergaben sich - bezogen auf das durchschnittliche nominale Haushaltsnettoeinkommen - günstige Einkommenspositionen für Partner-Haushalte und Haushalte von Partnerschaften
mit Kindern. So verfügten Partnerhaushaushalte von ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf im Jahre
2015 pro Monat über 1.300 Euro mehr als Alleinlebende und 1.128 Euro mehr als Alleinerziehende. Das
durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen von Partnerhaushalten wurde um 500 Euro pro Monat von
dem der Partnerhaushalte mit Kindern25 übertroffen (vgl. Abbildung 4.27).
Je nachdem, wie viele Haushaltsmitglieder vom Haushaltsbudget versorgt werden müssen und welchen
Beitrag jeder einzelne zum Haushaltsbudget leisten kann, verändern sich bei der Betrachtung des äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommens nach Erwerbsstatus und nach Familientyp die Werte
nach unten (vgl. Abbildung 4.27).

25

Als Kinder zählen hier im Sinne der amtlichen Statistik sowohl minderjährige als auch wirtschaftlich nicht
selbständige Kinder im Alter von 18 bis unter 27 Jahren.

124

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 4.27:

Durchschnittliches nominales und äquivalenzgewichtetes Haushaltsnettoeinkommen
- nach Erwerbsstatus und Familientyp - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Euro nominales Haushaltsnettoeinkommen
Erwerbsstatus

3.000

2.000

Familientyp

Durchschnitt = 2.000 Euro





2. 000

2. 000

3.000

2.900
2.500

2.300
1.000

1.788

1.792
1.200

1.372

854
0
VZ-Erwerbstätige

TZ-Erwerbstätige

Arbeits-

gering-

Nicht-

Allein-

Allein-

mit

lose
fügig
erwerbs-Haushaltsnettoeinkommen
lebende erziePartäquivalenzgewichtetes
Beschäft.*

tätige

hende*

Erwerbsstatus

ner/-in

mit
Partn.
Kind/ern

Familientyp

3.000

Durchschnitt = 1.467 Euro
2.000





1. 467

1.000

1. 467

2.000
1.533

1.267

1.640

1.467

1.200

791

1.430

791

0
VZ-Erwerbstätige

TZ-Erwerbstätige

Arbeitslose

geringNichtfügig
erwerbsBeschäft.* tätige

Alleinlebende

Alleinerziehende*

mit
Partner/-in

mit
Partn.
Kind/ern

* geringe Fallzahl
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Spreizung der nominalen und äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommen
Die Spreizung der nominalen Haushaltsnettoeinkommen gibt Auskunft über die Verteilung der Haushaltsnettoeinkommen (als Summe der individuellen Nettoeinkommen aller Haushaltsmitglieder nach
Abzug von Steuern, Solidarzuschlag und Pflichtbeiträgen zur Sozialversicherung) von einer kleinsten bis
zur größten Einkommensgrößenklasse. Für die vorliegende Analyse wurde eine Spanne von unter 600
bis 4.000 und mehr Euro pro Monat ausgewählt.
Ein Vergleich der Spreizung des nominalen mit dem äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommen
der ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf 2015 verdeutlicht, dass die Berücksichtigung der Anzahl und

125

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

des Bedarfs der Haushaltsmitglieder zu einer wesentlichen Verschiebung von höheren Einkommensgrößenklassen hin zu mittleren bzw. unteren führt (vgl. Abbildung 4.28).
Abbildung 4.28:

Haushaltsnettoeinkommen - nach Einkommensgrößenklassen und Bezirksregionen
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent* nominales Haushaltsnettoeinkommen

insgesamt

10

1

BR 1 Marzahn-Nord

13

BR 2 Marzahn-Mitte
BR 3 Marzahn-Süd

35

14

BR 4 Hellersdorf-Nord
BR 5 Hellersdorf-Ost

19

BR 7 Biesdorf

3 2

22
12

25

18

28

BR 9 Mahlsdorf

15

21

22

23

11
16
13
16

60

80

äquivalenzgewichtetes Haushaltsnettoeinkommen

100

600 b.u. 1.000 Euro

1.000 b.u. 2.000 Euro

3.000 b.u. 4.000 Euro

4
4.000 Euro u.dar.

nominales
47 Haushaltsnettoeinkommen15

2.000 b.u. 3.000 Euro

2

18

4

15

16
7

3

insgesamt 2

16

1

10

15

40

15
18

31

BR 8 Kaulsdorf

20

4

12

22

24

unter 600 Euro

19

4

20
33

0

3

6

37

15

6

32
37

12

7

28

30

14

BR 6 Hellersdorf-Süd

9

23

33

9

1

nominales Haushaltsnettoeinkommen
25
11

29

16

1

ohne Antw.

BR 1 Marzahn-Nord 2
BR 2 Marzahn-Mitte

25
16

3

BR 3 Marzahn-Süd 2

BR 6 Hellersdorf-Süd
BR 7 Biesdorf

3

4

BR 8 Kaulsdorf

2

5

BR 9 Mahlsdorf

1

43

25

8

40

4

10

60

unter 600 Euro

600 b.u. 1.000 Euro

1.000 b.u. 2.000 Euro

3.000 b.u. 4.000 Euro

4.000 Euro u.dar.

ohne Antw.

4

80

11

1 1

2

16
25

20

18

1

10
23

39

17
17

11

44

5

0

2

56

34

15

13

41

20

2

11

25

1

18

1

9

54
25

4

12

55

14

BR 4 Hellersdorf-Nord 2
BR 5 Hellersdorf-Ost

42

16
14
16

100

2.000 b.u. 3.000 Euro

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Nominal verfügten 11 Prozent der Haushalte von ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf im Jahre 2015
über ein Haushaltsnettoeinkommen von unter 1.000 Euro. Unter Berücksichtigung der Anzahl und der
wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Haushaltsmitglieder (einschließlich der Anzahl wirtschaftlich unselbständiger Kinder bis 14 Jahre) umfasste die Einkommensgrößenklasse unter 1.000 Euro im äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommen jedoch 17 Prozent der Haushalte.
Noch deutlicher wird der Unterschied zwischen nominalem und äquivalenzgewichtetem Haushaltsnettoeinkommen in der Einkommensgrößenklasse zwischen 1.000 und unter 2.000 Euro. Nominal werden
dafür 29 Prozent der Haushalte von ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf ausgewiesen. Unter Berück-

126

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

sichtigung der Anzahl der Personen im Haushalt und ihres Anteils am nominalen Haushaltsnettoeinkommen dehnt sich diese Einkommensgrößenklasse in der äquivalenzgewichteten Betrachtung auf
47 Prozent aus und lässt die oberen Einkommensgrößenklassen von 2.000 Euro und mehr von nominal
45 Prozent auf äquivalenzgewichtete 20 Prozent zusammenschmelzen.
Die Einkommensabstände zwischen nominalem und äquivalenzgewichtetem Haushaltsnettoeinkommen
von ab 50-Jährigen in den einzelnen Bezirksregionen verhalten sich analog.
Bei der Berechnung der Haushaltsnettoeinkommen nach dem Migrationshintergrund, den Altersphasen
und dem Erwerbsstatus soll auf folgende Unterschiede aufmerksam gemacht werden:


Während beim nominalen Haushaltsnettoeinkommen im Vergleich mit dem äquivalenzgewichteten
Haushaltsnettoeinkommen unter 1.000 Euro für Bürgerinnen und Bürger mit Migrationshintergrund
ein Unterschied von 27 Prozent zu 10 Prozent ohne Migrationshintergrund berechnet werden konnte, zeigt das äquivalenzgewichtete Haushaltsnettoeinkommen bei Personen mit Migrationshintergrund 49 Prozent der Haushalte mit einem bedarfsgewichteten Pro-Kopf-Einkommen unter 1.000
Euro pro Monat und für 15 Prozent der Haushalte von Personen ohne Migrationshintergrund an.



Nominal steigt der Anteil der Haushaltsnettoeinkommen von unter 1.000 Euro pro Monat nach Altersphasen von 8 Prozent bei den künftigen Senioren auf 16 Prozent bei den Hochbetagten an. Das
äquivalenzgewichtete Haushaltsnettoeinkommen nach Altersphasen unter 1.000 Euro pro Monat
weist jedoch Pro-Kopf-Anteile von 16 Prozent bei den künftigen Senioren und 17 Prozent bei den
Hochbetagten aus.



Die Betrachtung der Haushaltsnettoeinkommen nach dem Erwerbsstatus will auf folgende Unterschiede hinweisen: Während 19 Prozent der Vollzeit-Erwerbstätigen über ein monatliches nominales
Haushaltsnettoeinkommen von unter 2.000 Euro verfügen, ergibt sich unter Berücksichtigung der
Anzahl und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Haushaltsmitglieder bis zu dieser Einkommensgrößenklasse beim äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommen ein Anteil von 44 Prozent (vgl. Abbildung 4.29).

Die Unterschiede zwischen dem nominalen und dem äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommen
treten bei allen Mehrpersonenhaushalten bzw. Familienhaushalten auf, in denen das monatliche Haushaltsbudget für die Versorgung von mehr als einer Person eingesetzt wird. Nominales und äquivalenzgewichtetes Haushaltsnettoeinkommen bleiben nur bei 1-Personen-Haushalten identisch.

127

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 4.29:

Haushaltsnettoeinkommen - nach Einkommensgrößenklassen, Migrationshintergrund, Altersphasen und Erwerbsstatus - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent* nominales Haushaltsnettoeinkommen
Migrationshintergrund

100

15

13

15

24

9

80

Altersphasen

9
4
3

11

22

3
6

17

25

32

10

9

1

1

0

insgesamt
insge- 2
samt

8

1

15 ja

nein

16
1

1

b.u.65 b.u.75 b.u.85 Jahre
Altersphasen
Jahre Jahre Jahre u.ält.

2
7

1

4

54

16

7

20
3

5

39

6

49

ja

nein 39

20
unterunter
600 600
EuroEuro

14

15

2

3

2515

5

11

17

25

54

18

1

8

6

17
8

59

52

41

1 1

11

2

16

11
4

8 14

10
7

2585
50
65
75
b.u.65 b.u.75 b.u.85 Jahre
60
Jahre40 Jahre Jahre u.ält.

19
1

218

10

19

600b.u.
b.u.1.000
1.000 Euro
Euro
600

12
22

9

56
23

13
34
2

1

12
3
10

31
13

41 54

1

Ar- 16 Rent-

2.000
12 b.u. 3.000 Euro
18

11

8

44

0

0

1

57

4

BR 8 Kaulsdorf 2 2 5
BR 9 Mahlsdorf
insge- 5

26

43

43

15

1

8

22

25

1

21

55

25
17
49

BR 7 20
Biesdorf

1
1

1

werbs- werbs- beits- ner/
Erwerbsstatus
tätige tätige lose
Pens.

ohne Antw.

1

13
2

1

1.000 b.u. 2.000 Euro

14

25

18

6

4.000 Euro
14 u.dar.
15

4

47

10

600 b.u. 1.000 Euro
42

BR 4 Hellersdorf-Nord
2
60
BR 5 Hellersdorf-Ost

13

11

unter25
600 Euro

4

80
BR 3 Marzahn-Süd
15 2

39

3.000 b.u. 4.000
15 Euro

16 26

3

36

15
4
50 47 65 Haushaltsnettoeinkommen
75
85
VZ-Er- TZ-Eräquivalenzgewichtetes

Migrationshintergrund

BR 1 Marzahn-Nord 2

27

22

26

samt

36

32

26

22
32

38
28

20

40

25

5

25

29

BR 6 Hellersdorf-Süd

24

2
1

4
17

27

40

BR 2 Marzahn-Mitte

21

1

3

17

23
13

26
30

100

11

24

4

12

12

60

11

15

15

Erwerbsstatus

18

163
10
VZ-Erwerbstätige

2

4
TZ-Er-Ar-16 Rentwerbs- beits- ner/
80
100
tätige lose
Pens.

1.000
2.000
Euro
b.u. 3.000
Euro Euro
1.000b.u.
b.u.
2.000
Euro 2.000
2.000
b.u. 3.000
ohne
ohneAntw.
Antw.

4.000
4.000Euro
Eurou.dar.
u.dar.
3.0003.000
b.u. b.u.
4.000
EuroEuro 4.000

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Bezüglich der Haushalts- und Familieneinkommen der ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf 2015 soll
auf die unterschiedlichen Ausprägungen von nominalem und äquivalenzgewichtetem Haushaltsnettoeinkommen von 2-Personen-Haushalten, 4-Personen-Haushalten und Haushalten von Alleinerziehenden
hingewiesen werden:


So verfügen z.B. 33 Prozent der 2-Personen-Haushalte über ein nominales Haushaltsnettoeinkommen von 2.000 bis unter 3.000 Euro. Aber nur 19 Prozent der 2-Personen-Haushalte sind in der Lage,
ein äquivalenzgewichtetes Haushaltsnettoeinkommen von 2.000 bis unter 3.000 Euro einsetzen zu
können.

128

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015



Während 34 Prozent der 4-Personen-Haushalte ein nominales Haushaltsnettoeinkommen pro Monat von 2.000 bis unter 3.000 Euro erzielen, können aber nur 18 Prozent dieses Haushaltstyps über
ein äquivalenzgewichtetes Pro-Kopfeinkommen in dieser Höhe verfügen.



46 Prozent der Haushalte von Alleinerziehenden geben ein nominales Haushaltsnettoeinkommen
von 1.000 bis 2.000 Euro an. Unter Berücksichtigung des im Haushalt lebenden Kindes oder der Kinder können jedoch nur 25 Prozent der Haushalte von Alleinerziehenden ein äquivalenzgewichtetes
Haushaltsnettoeinkommen der vergleichbaren Einkommensgrößenklasse für die Versorgung der
Haushaltsmitglieder aufwenden (vgl. Abbildung 4.30).

Abbildung 4.30:

Haushaltsnettoeinkommen - nach Haushaltsgröße und Familientyp - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent nominales Haushaltsnettoeinkommen
Haushaltsgröße

100

14

15

12

15

11

17

12

15

7

8

9

80

1
1

15

12

10

20

12

12

23

3

11
14

60

16
26

1
1

1

9

Familientyp

49

48

25

25

47

24

45
33

40

16

17

13

34

34

29

46

23

29

20

29

30

29

21

10

2

1

20
5
3

4

2

1

28

17

18

16
2

1
1

0

insgesamt
insge- 2

15insgesamt Frauen äquivalenzgewichtetes
47 3-Pers.15
4
Männer 2-Pers.4- u.
AlleinAlleinHaushaltsnettoeinkommen
1-Personenhaushalte

Hh

Haushaltsgröße

1

1

80

BR 3 Marzahn-Süd 152

14

60
BR 4 Hellersdorf-Nord
2

54

49

46

3

4

29

29

44 30

15

BR 8 Kaulsdorf 2 2 5
1

samt

0

5

5

25

39 Männer 2-Pers.- 3-Pers.insgesamt Frauen
1-Personenhaushalte
Hh
Hh

20
unte
r 600 Euro
unter 600
Euro

3.004.000
0 b.u. Euro
4.000 Euro
4.00
0 Euro
u.dar.
3.000 b.u.
4.000
Euro
u.dar.

9

4-25
u.
mehr60
Pers.-Hh

40
1.00Euro
0 Euro
600 600
b.u.b.u.
1.000

1041
23

27

162

8

43

18

1

37

14
8
2

34

11

56

2
84

1 1

48

11

16
714
2

ohne Antw.
ohne
Antw.

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

129

18
4

10 Allein4
16
Alleinmit
mit
lebende erziePartPartn.
80
100
hende**
ner/-in Kind/ern

1.00 0 b.u.
0 b.u. 3.000
Euro Euro
1.000
b.u. 2.000
2.000Euro
Euro 2.002.000
b.u. 3.000

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent
** geringe Fallzahl

20

17

47

41

20

1

3

17
19

13

54

25

2

12

25

22

43

47

40

BR 9 Mahlsdorf
insge-

11

19

2548

BR 5 Hellersdorf-Ost 47 4

0

mehrPers.-Hh

1
1

1

BR 2 Marzahn-Mitte 4 3

BR 720Biesdorf

Hh

unte r 60 0 Euro
600 b.u. 1.000 Euro 1.000 b.u. 2.00 0 Euro 2.000 b.u. 3.00 0 Euro
2514
4212
12
18
12
150 Euro 12
15
16
17u.dar.
3.000 b.u. 4.00
4.000 Euro
ohne Antw.
2
2
26
1
2
2
16 8
55 13
2
15
7
9
8 9
6
6
18

100
BR 1 Marzahn-Nord
2
16

BR 6 Hellersdorf-Süd

mit 16 mit
lebende erziePartPartn.
Familientyp
hende**
ner/-in Kind/ern
1

samt

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Besitz von Vermögenswerten bzw. Belastung der Haushalte durch Kredite
Die Einkommensposition eines Haushaltes erschließt sich nicht nur über das monatlich fließende Einkommen, sondern auch über das Vermögen und die zu bedienenden Kredite oder Hypotheken.
Von den ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf verfügten im Jahre 2015 insgesamt (vgl. Abbildung 4.31):


28 Prozent über Eigentum an Grund und Boden,



16 Prozent über den Besitz von einem oder mehrerer Gebäude,



33 Prozent über Geldvermögen,



1 Prozent über den Besitz an Kunstwerken oder wertvollen Sammlungen (wegen der geringen Werte
in der Abbildung nicht dargestellt).

Aber


46 Prozent verfügen über nichts von alledem.

Abbildung 4.31:

„Sind Sie Eigentümerin oder Eigentümer ... bzw. besitzen Sie ... ?“ - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent* - (nur Antwort: „trifft zu“)
von Grund und
Boden

insgesamt
Migr.hintergrund
ja
nein
Geschlecht
Frauen
Männer
Altersphasen
50 b.u. 65 J.
65 b.u. 75 J.
75 b.u. 85 J.
85 J. u.ält.
Haushaltsgröße
1-Pers-Hh
2-Pers.-Hh
3-Pers-Hh
4- u. m ehr-Pers.-Hh
Bezirkregionen
BR 1 Marzahn-N ord
BR 2 Marzahn-Mitte
BR 3 Marzahn-Süd
BR 4 Hellersdorf-N ord
BR 5 Hellersdorf-Ost
BR 6 Hellersdorf-Süd
BR 7 Biesdorf
BR 8 Kaulsdorf
BR 9 Mahlsdorf

28

ein oder mehrere
Gebäude

72

10

10

30

70

3
17

74

83

86

68

10

72

10

78

10

84

10

100

10

35
50
48

65

19
17
8
5
3

81

10

52

10

100

94

83

10

92

10

95

10

92

10

83

3
20
31
35

10

97

10

80

10

69

10

65

10

10

3

97

10

10

2

98

10

10

94

10

93

10

2

98

10

94

10

2

98

10

89

10

42

10

24

10

24

10

94

36
60
43

10

64

10

40

10

57

10

54

66

10

31
36
36
28

69

64

10

64

10

72

10

26
36
31
33

74

10

100

10

76

10

85

10

76

10

71

10

52

54

61

10

10

10

10

54

10

54

10

48

10

10

37

10

62

10

63

10

59

10

10

68
55
48
75
64
55

10

61

55

100

10

69

10

38
37
41

10

67

10

63

10

69

10

57

100

10

64

52

45
46
46
52

10

100

10

100

10

17
14
13

10

10

48
43

10

100

56

100

10

64

25

44

10

70

10

75

10

30
36

10

100

10

100

24
31
39
15
24
29
48
46
39

46

10

34

10

nichts von
alledem
10

88

10

100

3
2
6
3
3
6

12

10

100

10

50

10

100

10

92

10

82

10

32
28
22
16

10

67

100

10

14
18

10

100

10

100

10

69

10

97

10

26
31

58
76
76

3

33

10

100

10

100

8
6
17
7
6
11

84

10

90

8

16

10

100

Geldvermögen, Wertpapiere, Aktien

32

10

45

10

52

10

25

36

45

83

10

10

10

10

86

10

87

10

* Mehrfachantworten
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Eine überdurchschnittliche Konzentration von Eigentum an Grund und Boden sowie an Immobilien
zeichnet sich im Siedlungsgebiet ab. Geldvermögen/Wertpapiere usw. werden von ab 50-Jährigen in den
Bezirksregionen in Biesdorf (48 Prozent), Kaulsdorf (46 Prozent) und Marzahn-Süd und Mahlsdorf (jeweils 39 Prozent) angezeigt. Im Gegensatz dazu bestätigen zwischen 75 Prozent der Befragten aus Hellersdorf-Nord und 48 Prozent aus Marzahn-Süd in allen Großsiedlungsregionen überdurchschnittlich
häufig, über keinerlei solcher Vermögenswerte zu verfügen.
Ein enger Zusammenhang bildet sich zwischen der Höhe des Haushaltsnettoeinkommens und dem Besitz verschiedenster Vermögenswerte ab. Je höher das Haushaltsnettoeinkommen umso größer sind die

130

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Anteile derjenigen, die den Besitz von Vermögen dokumentiert haben. Hingegen korreliert ein geringes
Haushaltsnettoeinkommen in hohem Maße mit Vermögenslosigkeit (vgl. Tabelle 4.4).
Tabelle 4.4:

„Sind Sie Eigentümerin oder Eigentümer ... bzw. besitzen Sie ... ?“ - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent - (nur Antwort: „trifft zu“)
von Grund
und Boden

ein oder
mehrere
Gebäude

Kunstwerke,
wertvolle
Sammlungen

Geldvermögen,
Wertpapiere,
Aktien

nichts von
alledem

28

16

1

33

46

unter 1.000 Euro

2

2

11

81

1.000 - 1.999 Euro

15

7

0

28

58

2.000 - 2.999 Euro

29

15

3

41

38

3.000 - 3.999 Euro

51

31

1

46

23

4.000 Euro und mehr

78

57

2

61

8

insgesamt
Haushaltsnettoeinkommen

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Nach soziostrukturellen Merkmalen offenbaren sich folgende Unterschiede:


Bürgerinnen und Bürger mit Migrationshintergrund verfügen an Grund und Boden, Immobilien und
Geldvermögen jeweils weniger als die Hälfte der Vermögenswerte der einheimischen Bürgerinnen
und Bürger.



Männer nehmen bezogen auf den Besitz der angeführten Vermögenswerte eine günstigere Position
ein als Frauen.



Hinsichtlich Eigentums an Grund und Boden sowie Besitz von Immobilien sind die 50- bis unter
65-Jährigen gegenüber den Älteren im Vorteil. 65- bis unter 85-jährige Senioren verweisen dafür
häufiger auf den Besitz von Geldvermögen.



Während 1-Personen-Haushalte nur im geringen Maße den Besitz von Vermögenswerten dokumentieren, sind Mehrpersonenhaushalte vorteilhafter damit ausgestattet. Zu bemerken, dass 1-Personen-Haushalte überdurchschnittlich häufig überhaupt keinen Besitz an diesen Vermögenswerten
bestätigen.

Im Gegensatz zur stabilisierenden Wirkung von Vermögen belasten Kredite (Hypotheken, Verbraucherschulden) die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit von Haushalten. Dabei ist zu unterscheiden zwischen
geplanten Krediten (z.B. Eigentumswohnung, Hausbau, Autofinanzierung) und ungeplanten Verbraucherschulden z.B. bei Versandhäusern, Smart-Phone-Anbietern, Zeitschriftenabonnements usw.). Insgesamt zeigen 30 Prozent der ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf die Aufnahme von Krediten an. Zugleich melden 9 Prozent Bedenken an, diese Kredite aus eigener Kraft zurückzahlen zu können.
Überdurchschnittliche Belastungen durch Kredite sind im Siedlungsgebiet (Biesdorf 36 Prozent, Mahlsdorf 45 Prozent, Kaulsdorf 52 Prozent) zu verzeichnen. Dabei ist im hohen Maße von Baukrediten auszugehen. Die Kreditbelastungen der Haushalte von ab 50-Jähri-gen in den Großsiedlungsregionen sind am
höchsten in Hellersdorf-Ost (31 Prozent) und am geringsten in Marzahn-Süd (21 Prozent). Hingegen die
Bedenken hinsichtlich der Rückzahlfähigkeit sind in Hellersdorf-Ost und Kaulsdorf (jeweils 15 Prozent)
am höchsten und in Biesdorf (6 Prozent) sowie in Marzahn-Süd und Hellersdorf-Süd (jeweils 7 Prozent)
am geringsten (vgl. Abbildung 4.32).

131

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 4.32:

„Zahlen Sie einen Kredit ab - und haben Sie Bedenken, diesen künftig zurückzahlen zu
können?“ - nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent - (jeweils nur Antwort: „ja“)

insgesamt

30
9

Bezirksregionen

Bezirksregionen
BR 1 Marzahn-Nord

22
9

BR 2 Marzahn-Mitte

24
12

BR 3 Marzahn-Süd

21
7

BR 4 Hellersdorf-Nord

29
12

BR 5 Hellersdorf-Ost

31
15

BR 6 Hellersdorf-Süd

23
7

BR 7 Biesdorf

36
6

BR 8 Kaulsdorf

52
15

BR 9 Mahlsdorf

45
8
0

10

20

30

ja, zahlen einen Kredit ab

40

50

60

ja, haben Bedenken wegen der Rückzahlung

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Betrachtet man die Kreditbelastung der Haushalte im Zusammenhang mit deren Höhe des Haushaltsnettoeinkommens, so zeigt sich, dass je geringer das Haushaltsnettoeinkommen ist, umso größer sind die
Bedenken wegen der Rückzahlfähigkeit. Demgegenüber sind zwar mehr als die Hälfte der Haushalte mit
einem über 3.000 Euro liegenden Haushaltsnettoeinkommen mit Krediten belastet, aber von nur wenigen Kreditnehmerinnen und Kreditnehmern werden Bedenken wegen der Rückzahlverpflichtung geäußert (vgl. Tabelle 4.5).
Tabelle 4.5:

„Zahlen Sie einen Kredit ab - und haben Sie Bedenken, diesen zurückzahlen zu können?“ - nach Haushaltsnettoeinkommen - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent Kreditabzahlung
ja

nein

30

68

unter 1.000 Euro

16

1.000 - 1.999 Euro

22

2.000 - 2.999 Euro

Bedenken wegen der Rückzahlung
ja

nein

ohne
Antwort

2

9

22

68

81

3

11

10

79

77

1

11

11

78

30

69

1

10

21

69

3.000 - 3.999 Euro

52

48

6

46

48

4.000 Euro und mehr

61

39

7

53

41

insgesamt

ohne
Antwort

Haushaltsnettoeinkommen

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die Kreditbelastung der Haushalte von ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf und die Bedenken bezüglich der Rückzahlfähigkeit weisen nach soziostrukturellen Merkmalen auf folgende Schwerpunkte hin
(vgl. Abbildung 4.33):

132

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015



Die Kreditbelastung der Haushalte von Bürgerinnen und Bürgern mit Migrationshintergrund ist um
10 Prozentpunkte geringer als bei Herkunftsdeutschen. Die Bedenken wegen der Rückzahlfähigkeit
sind jedoch gleichermaßen ausgebreitet.



Nach Altersphasen differenziert sind die Haushalte von künftigen Senioren (42 Prozent) und jungen
Alten (22 Prozent) am stärksten mit Krediten belastet. Auch bei diesen Kreditnehmerinnen und Kreditnehmern gibt es bei 11 bzw. 10 Prozent Bedenken wegen der Rückzahlfähigkeit.



Die höchste Kreditbelastung wird von 3-Personen-Haushalten (56 Prozent) angezeigt, und mit
21 Prozent bestehen in dieser Gruppe die höchsten Bedenken bezüglich der Rückzahlfähigkeit.

Abbildung 4.33:

„Zahlen Sie einen Kredit ab - und haben Sie Bedenken, diesen künftig zurückzahlen zu
können?“ - nach soziostrukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent - (jeweils nur Antwort: „ja“)

insgesamt
ja

10

nein
Frauen

31
28

9

Männer

34

10

Altersphasen
Altersphasen

künftige Senioren

11

junge Alte
fortgeschr. Ältere

Haushaltsgröße
Haushaltsgröße

21

9

Geschlecht
Geschlecht

Hochbetagte

30

9

Migr.-hintergrund
Migr.-hintergrund

2
1

1-Pers.-Hh

10
11

4

9

2-Pers.-Hh

42
22

20
32

8

3-Pers.-Hh

56

21

4- u. mehr-Pers.-Hh

45

8

0

10

20
ja, zahlen einen Kredit ab

30

40

50

60

ja, haben Bedenken wegen der Rückzahlung

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

4.5

Verteilung von Armut und Reichtum von ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf

Während bislang in diesem Kapitel die individuellen und die Haushaltsnettoeinkommen untersucht
wurden, soll in diesem Abschnitt beleuchtet werden, wie sich Armut und Reichtum unter den Haushalten der ab 50-Jährigen im Bezirk verteilen.
Grundlage der hier vorgenommenen Armutsberechnungen sind das für das Jahr 2014 veröffentlichte
durchschnittliche äquivalenzgewichtete Haushaltsnettoeinkommen von 1.528 Euro pro Monat (Bundesmedian) und die Armutsrisikoschwelle von 60 Prozent des Bundesmedian in Höhe von 917 Euro pro
Monat. Auf dieser Basis sind die vorliegenden Berechnungen für Marzahn-Hellersdorf mit den Ergebnissen der amtlichen Sozialberichterstattung des Bundes und der Länder vergleichbar.26

26

Vgl. Sozialberichterstattung des Bundes und der Länder: Armutsrisikoschwelle, zuletzt veröffentlicht am
27.8.2015.

133

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Dieser Zeitverzug von einem Jahr verweist darauf, dass die in diesem Kapitel angegebene Armutsquote
(gemessen an der bundesweiten Armutsrisikoschwelle für 2014) für die ab 50-Jährigen in MarzahnHellersdorf 2015 real höher als bisher angegeben liegen muss.27
Die Bestimmung von Armut geht davon aus, dass


40 Prozent des Median (bis 611 Euro pro Monat äquivalenzgewichtetes Haushaltsnettoeinkommen)
eine strenge Armutslage begründen;



über 40 bis unter 50 Prozent des Median (612 bis 764 Euro pro Monat) unter der Armutsgrenze von
50 Prozent des Median liegen;



60 Prozent des Median die sogenannte Armutsrisikoschwelle bilden, die latent die Gefahr der Verarmung birgt; d.h. die Spanne zwischen 765 und 917 Euro liegt unter der Armutsrisikoschwelle;



über 60 bis unter 100 Prozent des Median (918 - 1.528 Euro) ein unterdurchschnittliches äquivalenzgewichtetes Haushaltsnettoeinkommen ergeben;



über 100 bis unter 200 Prozent des Median ein überdurchschnittliches äquivalenzgewichtetes Haushaltsnettoeinkommen bestimmen, d.h., die Spanne liegt zwischen 1.528 bis unter 3.055 Euro pro
Monat;



Reichtum sich bei 200 Prozent des Median und darüber definiert, d.h., im Jahre 2014 Reichtum aus
fließendem äquivalenzgewichteten Haushaltnettoeinkommen betrug 3.056 und mehr Euro.

Armut und Reichtum von ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf
Die Armuts- und Reichtumsberechnung für die Haushalte der ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf
ergab im Rahmen der Bürgerbefragung „50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015“ bezirksweit eine
Armutsrisikoquote für diese Altersgruppe von 17 Prozent. Diese setzt sich zusammen aus 3 Prozent
strenger Armut, einem Anteil von 5 Prozent, der unter der Armutsgrenze liegt, und einem Anteil von
9 Prozent mit einem Armutsrisiko. Der Anteil des unterdurchschnittlichen äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommens pro Monat lag 2015 bei 38 Prozent, der überdurchschnittliche Anteil bei 40 Prozent, und als reich galten bezirksweit 5 Prozent der ab 50-Jährigen. Wie bundesweit in vielen Kommunen ist bei den ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf der Anteil des ausgewiesenen Reichtums (5 Prozent) wesentlich geringer als der Anteil, der unter der Armutsrisikoschwelle (17 Prozent) lebt.
Das ist gegenüber der Bürgerbefragung von 2010 ein Anstieg um 3 Prozent (2009 lag die Armutsrisikoschwelle bei 801 Euro des äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommens pro Monat).
Die sozialräumliche Verteilung von Armut und Reichtum in der Zielgruppe zeigt, dass in allen Bezirksregionen ein Anteil zwischen 7 und 30 Prozent der ab 50-Jährigen unterhalb der Armutsrisikoschwelle lebt.
Die Armutsgefährdung konzentriert sich besonders in den Bezirksregionen Marzahn-Nord (30 Prozent),
Hellersdorf-Ost (27 Prozent), Hellersdorf-Nord (26 Prozent) und Marzahn-Mitte (19 Prozent).
Die Anteile überdurchschnittlicher äquivalenzgewichteter Haushaltsnettoeinkommen einschließlich der
Anteile an Reichtum aus fließendem Einkommen konzentrieren sich in den Bezirksregionen Kaulsdorf
(74 Prozent), Mahlsdorf (63 Prozent) und Biesdorf (61 Prozent) (vgl. Abbildung 4.34).

27

Ergebnisse der Sozialberichterstattung für das Jahr 2015 werden im August 2016 erwartet.

134

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 4.34:

100

5

Verteilung von Armut und Reichtum - nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent* 1

2

2

1

1

10

15

19
28

80

33

40

34

34
42

37

51

60
41
38

39

39

46

40

46

40
13

20

9
5
3

10

8

4

6
3

6
2

BR 1
MarzahnNord

BR 2
MarzahnMitte

BR 3
MarzahnSüd

13

0
insgesamt**

48
55

15

17

8
3

5
5

BR 4
HellersdorfNord

BR 5
HellersdorfOst

stre nge strenge
Armut (bis
611(bis
Euro)
Armut
611 Euro)
unte r deArmutsrisikoschwelle
r Armutsrisikoschwe lle
bis 917
(765(765
bis 917
Euro)Euro)
überdurchschn.
Eink. (1.528
bis 3.055
übe rdurchschn.
Eink. (1.528
bis 3.055
Euro) Euro)

32

30
18

12
1

3

BR 6
HellersdorfSüd

2
2
3

BR 7
Biesdorf

4
22

BR 8
Kaulsdorf

4
2
1

BR 9
Mahlsdorf

unte r de r Armutsgre
Armutsgrenze
(612 bisnze
764(612
Euro)bis 764 Euro)
unte rdurchschn.Eink.
Eink.
(918
1.527
Euro)
unterdurchschn.
(918
bisbis
1.527
Euro)
reich
re ich(3.056
(3.056Euro
Eurou.dar.)
u.dar.)

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent
** nur tatsächlich getroffene Antworten = 1.389 Datensätze
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die sozialräumliche Konzentration der Armutsgefährdung zeigt eindeutig das Nord-Süd-Gefälle in den
Großsiedlungsregionen und die relativ geringe Armutsbelastung im Siedlungsgebiet.
Der Vergleich von Armut und Reichtum bei den 50- bis unter 65-Jährigen und bei ab 65-jährigen Senioren macht insgesamt die um 2 Prozentpunkte vorteilhaftere Position der künftigen Senioren (Armutsrisiko: 16 Prozent) gegenüber den Senioren (Armutsrisiko: 18 Prozent) erkennbar. Die Verteilung zeigt,
dass in den Bezirksregionen Marzahn-Nord, Marzahn-Mitte, Marzahn-Süd und Hellersdorf-Nord die
künftigen Senioren in Folge von Arbeitslosigkeit und längerfristiger Beschäftigung im Niedriglohnsektor
(vor Einführung des Mindestlohnes) in höherem Maße durch Armutsrisiken belastet sind als die ab 65Jährigen.
Hingegen in den Bezirksregionen Hellersdorf-Ost, Hellersdorf-Süd sowie Biesdorf, Kaulsdorf und Mahlsdorf sind die Senioren stärker vom Armutsrisiko betroffen als die dort lebenden 50- bis unter
65-Jährigen.
Darüber hinaus ist darauf aufmerksam zu machen, dass die künftigen Senioren - mit Ausnahme in Hellersdorf-Ost - im geringeren Maße als die Senioren mit einem unterdurchschnittlichen äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommen wirtschaften müssen. Mehr als die Hälfte der 50- bis unter

135

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

65-Jährigen verfügt pro Monat über ein überdurchschnittliches äquivalenzgewichtetes Haushaltsnettoeinkommen oder mehr. Von den Senioren kann nur rd. ein Drittel auf ein überdurchschnittliches bzw.
darüber liegendes Haushaltsnettoeinkommen verweisen (vgl. Abbildung 4.35).
Abbildung 4.35:

Verteilung von Armut und Reichtum bezogen auf das äquivalenzgewichtete Haushaltsnettoeinkommen - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent* 50- b.u. 65-Jährige

insgesamt

2

5

9

30

BR 1 Marzahn-Nord 2
14
BR 2 Marzahn-Mitte
3
9
8
BR 3 Marzahn-Süd
4
7
10
BR 4 Hellersdorf-Nord
5
4
17
BR 5 Hellersdorf-Ost 3 4
18
BR 6 Hellersdorf-Süd
4
8
BR 7 Biesdorf
2 2
21
BR 8 Kaulsdorf 2 3
10
BR 9 Mahlsdorf 3
24

46

16

8

30

37
33

43
25

50
35

38

1

43

32

39

1

1

4
4

47

1

60

1

14

60

1

24
22

51

ab 65-Jährige
3

insgesamt

5

10

BR 1 Marzahn-Nord
7
10
BR 2 Marzahn-Mitte 2 4
12
BR 3 Marzahn-Süd
5
6
BR 4 Hellersdorf-Nord
13
BR 5 Hellersdorf-Ost
10
6
BR 6 Hellersdorf-Süd
17
BR 7 Biesdorf
8
2
BR 8 Kaulsdorf 2 5
6
BR 9 Mahlsdorf 3
6
7

48
10

1

57

16

50

32

51

1

12

37
46
31
56

16

1

29
37
25

49

1

0

33

1

38

35

43
38

2
9

43

20
40
60
80
strenge
Armut (bis 611 Euro)
Armutsgrenze
(612 bis 764 Euro)
strenge Armut (bis 611 Euro)
Armutsgrenze (612 bis 764 Euro)
Armutsrisikoschwelle
(765
bisbis
917917
Euro)
unterdurchschn.
Eink.
(918
bisbis
1.527
Armutsrisikoschwelle
(765
Euro)
unterdurchschn.
Eink.
(918
1.527Euro)
Euro)
überdurchschn.
Eink.
(1.528
bisbis
3.055
Euro)
(3.056
Euro
u.dar.)
überdurchschn.
Eink.
(1.528
3.055
Euro) reich
reich
(3.056
Euro
u.dar.)

3
100

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die Konzentration von Armut und Reichtum nach soziostrukturellen Merkmalen gibt einerseits Einblick
in die Struktur von Armut und andererseits über die Verbreitung von Reichtum sowie überdurchschnittliches Haushaltsäquivalenzeinkommen, von denen künftig Anteile in Reichtum einmünden können.
Die Analyse der Armutsstrukturen unterscheidet nach dem Grad der Armutsbetroffenheit strenge Armut
(40 Prozent), die Armutsgrenze von 50 Prozent des durchschnittlichen Haushaltsäquivalenzeinkommens
sowie das Armutsrisiko (60 Prozent) voneinander:


Die größte Belastung durch strenge Armut wird bei jeweils 13 Prozent der Arbeitslosen und der
Nichterwerbstätigen, bei 11 Prozent der 4-Personen-Haushalte sowie 9 Prozent der Menschen mit
Migrationshintergrund erkennbar.



Noch immer unter der 50-prozentigen Armutsgrenze leben weitere 33 Prozent der Arbeitslosen,
22 Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund, 21 Prozent der 4-Personen-Haushalte und
17 Prozent der Personen ohne berufliche Qualifikation.



Ein ausgeprägtes Armutsrisiko ist darüber hinaus bei weiteren 41 Prozent der Arbeitslosen, 28 Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund, bei 26 Prozent ohne berufliche Qualifikation, 22 Prozent der 1-Personen-Haushalte, bei 19 Prozent der Nichterwerbstätigen und bei 15 Prozent der
4- und mehr-Personen-Haushalte zu verzeichnen (vgl. Abbildung 4.36).

136

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 4.36:

Konzentration von Armut und Reichtum nach soziostrukturellen Merkmalen
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent* -

insge samt
Migr.-hinte rgrund
ja
nein
Geschlecht
Frauen
Männer
Qualifikation
ohne Abschluss
Lehre/Teilausbildung
FS-Abschluss
HS-Abschluss
Erwerbsstatus
VZ-Erwerbst.
TZ-Erwerbst.
Arbeitslose
N ichterwerbst.
Haushaltsgröße
1 Person
2 Personen
3 Personen
4 und m ehr Personen
100

9
28

5 3 5

22

9 2
8

4 3 5

11

6 33
7 4

26

17

7

2

7 2
9

5 32
7 4 13
4 21

15

0 12

11

6 12 6
41

33

13
19

13
22

2

6 11
333 8

6

80

60

15

21

40

20

6

8 1
11

0

strenge Armut (bis 611 Euro)
Armutsrisikoschwelle (765 bis 917 Euro)
reich (3.056 Euro u.dar.)

20

40

60

80

100

Armutsgrenze (612 bis 764 Euro)
überdurchschn. Eink. (1.528 bis 3.055 Euro)

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent; Differenz zu 100 Prozent = unterdurchschnittliches Einkommen (918 bis 1.527
Euro
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Im Gegensatz zu dieser Armutsbilanz konzentriert sich Reichtum im überdurchschnittlichen Maße bei
15 Prozent der Hochschulabsolventen, bei 12 Prozent der Vollzeit-Erwerbstätigen, bei 8 Prozent der
2-Personen-Haushalte und bei 7 Prozent der Männer. Diesen Anteilen von Reichtum sind bezirksweit
überdurchschnittliche Haushaltsäquivalenzeinkommen von insgesamt 40 Prozent vorgelagert.
Armut und Reichtum bemessen sich nicht nur nach dem monatlich fließenden Einkommen, sondern
auch nach dem Vermögen. Armut ist nicht nur Einkommensarmut28, sondern kumuliert mit depravierten
Wohnverhältnissen, mit Unterversorgung auf den Gebieten von Bildung und Ausbildung, mit Ausgrenzung aus der Arbeitswelt, mit sozialer Isolierung und Deformierung der Persönlichkeit durch Existenzängste und fehlende Zukunftsaussichten. Reichtum hingegen manifestiert sich neben dem regelmäßigen
Einkommen auch in Vermögen (vgl. dazu Seite 35 ff).
Armutsrisiko
Das Armutsrisiko (60 Prozent des durchschnittlichen Haushaltsäquivalenzeinkommens - 2014 = 917 Euro) geht erheblich über das Maß von strenger Armut bzw. unterhalb der Armutsgrenze liegenden Haushaltsäquivalenzeinkommen hinaus. Es betrifft auch Personen und Haushalte, die mit einem bescheidenen Haushaltsbudget gelernt haben, ihren Alltag zu meistern. Es benennt aber die Grenze, an der die
davon betroffenen Haushalte nicht mehr in der Lage sind, weitere Belastungen - wie durch Arbeitslosigkeit eines weiteren Haushaltsmitgliedes, längeren Lohnausfall durch Krankheit, Zuzahlungsverpflichtung

28

Dritter Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung: Lebenslagen in Deutschland, Berlin 2008.

137

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

bei Pflegebedürftigkeit, Verlust eines Partnereinkommens durch Scheidung bzw. Trennung von Lebensgemeinschaften oder Tod oder Kreditbelastung zu kompensieren, ohne in Armut abzurutschen.
Nach soziostrukturellen Merkmalen zeigen sich immense Unterschiede in der Armutsgefährdung von ab
50-Jährigen im Bezirk. Das Armutsrisiko lag für die Zielgruppe im Jahr 2015 insgesamt bei 17 Prozent. Die
soziale Differenzierung legt offen, dass (vgl. Abbildung 4.37)


Menschen mit Migrationshintergrund (59 Prozent) ungleich höher vom Armutsrisiko betroffen sind
als einheimische ab 50-Jährige (15 Prozent);



insgesamt mehr ab 50-jährige Frauen (20 Prozent) als Männer (13) ihr Leben unter den Bedingungen
einer Armutsgefährdung gestalten müssen. Die geschlechtsspezifische materielle Schlechterstellung
von Frauen wird auch in diesem Zusammenhang bekundet;



nach Altersphasen das Armutsrisiko von 16 Prozent bei den künftigen Senioren steigt auf 17 Prozent
bei den jungen Alten bis auf 20 Prozent bei den fortgeschrittenen Älteren an und geht auf 14 Prozent bei den Hochbetagten zurück.

Abbildung 4.37:
insgesamt

80

Armutsrisiko - nach Migrationshintergrund, Geschlecht, Altersphasen und
Qualifikation - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent Migrationshintergrund

Geschlecht

Altersphasen

Qualifikation

durchschnittliches Armutsrisiko
der ab 50-Jährigen = 17 Prozent

60

40
59
50
20
17

17

17

15

20
13

16

17

20

14

0
insgesamt

ja

nein

Frau- Mänen
ner

50
65
75 85 J.
b.u. b.u. b.u. u.ält.
65 J. 75 J. 85 J.

17

13

7

ohne Lehre/ FSHSBeruf Teil- AbAbausb. schl. schl.

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)



Der maßgebliche Einfluss von beruflicher Qualifikation auf die Lebensqualität der Bürgerinnen und
Bürger bestätigt sich auch in der Armutsanalyse. 50 Prozent der Personen ohne berufliche Qualifikation leben mit einem Armutsrisiko. Personen mit abgeschlossener Lehre oder Teilausbildung sind
durchschnittlich vom Armutsrisiko betroffen, Personen mit einer akademischen Ausbildung haben
ein unterdurchschnittliches Armutsrisiko zu tragen.



Die größten Unterschiede hinsichtlich des Armutsrisikos bestehen nach dem Erwerbsstatus. Eine
extreme Armutsgefährdung zeichnet sich bei Arbeitslosen (87 Prozent) ab. Jedoch auch 32 Prozent
der Nichterwerbstätigen, darunter vor allem Rentnerinnen und Rentner, leben mit einem Armutsrisiko. Bei Vollzeit- und Teilzeit-Erwerbstätigen sind vor allem diejenigen von Armut betroffen, die
trotz eigener Erwerbsbeteiligung nur durch Aufstockung ihres Arbeitsentgeltes nach SGB II eine Sicherung des Existenzminimums erzielen. Das betraf am Jahresende 2015 insgesamt 2.598 erwerbs-

138

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

tätige AGL II-Bezieherinnen und -Bezieher im Alter von ab 50 Jahren im Bezirk Marzahn-Hellersdorf.29


Das Armutsrisiko unterscheidet sich wesentlich nach der Haushaltsgröße. Vor allem 4- und mehrPersonen-Haushalte (47 Prozent), 1-Personen-Haushalte (29 Prozent) und 3-Personen-Haushalte
(21 Prozent) haben ein Armutsrisiko zu bewältigen.



Eine Betrachtung nach Familientyp zeigt nur für Partnerhaushalte mit Kind/ern ein unterdurchschnittliches Armutsrisiko an. Alleinerziehende (60 Prozent), Alleinlebende (29 Prozent) und Partnerhaushalte (22 Prozent) sind überdurchschnittlich von Armutsgefährdung betroffen (vgl. Abbildung 4.38).

Abbildung 4.38:
100

Armutsrisiko - nach Erwerbsstatus, Haushaltsgrößen und Familientyp - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

Erwerbsstatus

Haushaltsgröße

Familientyp

80
durchschnittliches Armutsrisiko
der ab 50-Jährigen = 17 Prozent
60

87

40

60
47

20

32
32

17

0

2

29

17

22

9

8

VZ-Er- TZ-ErArNichtwerbs- werbs- beits- erwerbstätige tätige
lose tätige

21

29

1PersHh

2PersHh

9
34- u.
Pers- mehrHh Pers-Hh

Allein- Allein- mit
mit
leerzie- Partn. Partn./
ben- henKind/
de
de*
Kindern

* geringe Fallzahl
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Armut ist mehr als Einkommensarmut
Geht man dem Lebenslageansatz folgend in der Armutsbestimmung und -forschung davon aus, dass
Armut nicht nur Einkommensarmut ist, sondern in einer Unterversorgung in dem Bereich auch Einkommen, Wohnen, Arbeit und Bildung ihren Ausdruck finden, so sind zusätzliche Bewertungsindikatoren
heranzuziehen. Das betrifft:
Einkommen: 50 Prozent vom durchschnittlichen äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommen,
Wohnen:
Wohnungsgröße: weniger als ein Wohnraum pro Person,
Arbeit:
Arbeitslosigkeit oder in befristeten arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen tätig,
Qualifikation: keine abgeschlossene berufliche Ausbildung.
Von den Befragten 2015 zeigten


29

8 Prozent Einkommensarmut,

Vgl. Jobcenter Marzahn-Hellersdorf: Erwerbstätige ALG II-Bezieher, Dez. 2015, Tabelle 1.

139

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015



1 Prozent weniger als einen Wohnraum pro Person im Haushalt,



15 Prozent Unterversorgung mit Arbeit (Arbeitslose, geringfügig Beschäftigte, Aufstockerinnen und
Aufstocker) und



10 Prozent ohne berufliche Qualifikation an.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass die verschiedenen Unterversorgungen nicht addiert werden können,
weil sie auf ein und dieselbe Person zutreffen können. Eine starke Betroffenheit von Armut in diesem
Sinne ist insbesondere bei Arbeitslosen und bei Menschen mit Migrationshintergrund festzustellen, weil
hier nicht nur Einkommensarmut zu Buche schlägt, sondern diese häufig mit mangelnder beruflicher
Qualifikation und z.T. mit Integrationsschwierigkeiten vor allem wegen mangelnder Sprachkenntnisse
zusammentrifft.
4.6

Fazit

Selbstbewertung der Einkommenssituation durch ab 50-Jährige in Marzahn-Hellersdorf
Die Selbstbewertung ihrer Möglichkeiten zur Bedürfnisbefriedigung durch die Befragungsteilnehmerinnen und -teilnehmer lässt im Vergleich zu den Befragungsergebnissen von 2010 auf eine leichte Verbesserung der Einkommenssituation der ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf schließen.
Die differenzierte Betrachtung der Ergebnisse von 2015 jedoch unterstreicht die soziale Ungleichheit
hinsichtlich der Bedürfnisbefriedigung zwischen den Bürgerinnen und Bürgern ohne und mit Migrationshintergrund und die geschlechtsspezifischen Unterschiede zwischen Frauen und Männern und hebt
die defizitäre Einkommensposition von großen Anteilen der Arbeitslosen, der Alleinlebenden, der Haushalte mit geringem Einkommen sowie der 65- bis unter 75-Jährigen hervor. Die hier genannten Gruppen
sowie das sozialräumliche Auseinanderdriften des Bezirkes zwischen den hohen Anteilen von Einwohnerinnen und Einwohnern in den Bezirksregionen der Großsiedlungen, die ihre Bedürfnisse auf der Basis
ihres Haushaltsnettoeinkommens nicht befriedigen können, und denen in den sozial wesentlich geringer
belasteten Bezirksregionen im Siedlungsgebiet sollten in den Fokus der künftigen Altenplanung gerückt
werden.
Die Einkommensquellen der ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf 2015
Im Jahre 2015 haben sich die gesetzliche Rente, Lohn/Gehalt, Arbeitslosengeld II als die wichtigsten
Einkommensquellen bestätigt. Löhne und Renten sind für die Mehrheit der ab 50-Jährigen zugleich die
einzigen Einkommensquellen.
Im Vergleich zur Bürgerbefragung im Jahre 2010 hat sich der Anteil der ab 50-Jährigen mit nur einer
Einkommensquelle von 85 Prozent auf 68 Prozent um 17 Prozentpunkte verringert. Angestiegen sind vor
allem Kombinationen von Lohn und Zinsen, Lohn und Aufstockung, Rente und Betriebsrente sowie Rente und private Altersvorsorge.
Mehrere Einkommensquellen weisen häufig auf eine günstigere Einkommenssituation als nur eine Einkommensquelle hin. Jedoch hängt die Einkommenssituation nicht von der Anzahl der individuell verfügbaren Einkommensquellen, sondern von deren Ergiebigkeit ab.

140

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Individuelle Nettoeinkommen
Die Analyse der individuellen Nettoeinkommen von ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf im Jahre
2015 weist auf folgende für die Sozialplanung relevante Entwicklungen hin:


Das individuelle Nettoeinkommen der ab 50-Jährigen widerspiegelt sowohl den Umfang der aktuellen Erwerbsbeteiligung bzw. der auf eigenen vorangegangenen Arbeitsleistungen beruhenden Alterssicherung als auch Leistungen der Arbeitslosenversicherung und anderer sozialer Sicherungssysteme sowie der gesetzlichen Grundsicherung nach SGB II und SGB XII. Das durchschnittliche individuelle Nettoeinkommen (Median) der ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf beträgt aktuell 1.200
Euro pro Monat. Es ist gegenüber dem Jahre 2010 um 100 Euro angestiegen.



Die Verteilung der durchschnittlichen individuellen Nettoeinkommen nach soziostrukturellen Merkmalen und nach sozialräumlichen Kriterien zeigt nicht nur die soziale Ungleichheit zwischen den verschiedenen Gruppen, sondern zugleich die Polarisierung zwischen den Bezirksregionen der Großsiedlungen einerseits und dem Siedlungsgebiet andererseits.



Besonders hinzuweisen ist auf die defizitären Einkommenspositionen von Bürgerinnen und Bürgern
mit Migrationshintergrund, auf die Schlechterstellung von Frauen gegenüber Männern, auf den erheblichen Einkommensabstand zwischen den überwiegend im Erwerbsleben stehenden 50- bis unter 65-Jährigen und den Seniorinnen und Senioren.



In Anbetracht der sinkenden Alterseinkommen streben seit Jahren die Bürgerinnen und Bürger
mehrheitlich danach, eine individuelle zusätzliche Altersvorsorge aufzubauen. Dies ist nur nach dem
Maß der individuellen bzw. familialen Einkommenssituation möglich. Insgesamt sind 41 Prozent der
ab 50-Jährigen dazu nicht in der Lage.



Überdurchschnittliche Konzentrationen des Nichtvorhandenseins einer zusätzlichen Altersvorsorge
lassen sich bei Arbeitslosen, bei Personen mit Migrationshintergrund, bei Alleinerziehenden sowie
bei Alleinlebenden und Frauen erkennen.



Eine überdurchschnittliche sozialräumliche Konzentration dieses Defizit ist in den Bezirksregionen
Hellersdorf-Nord (58 Prozent), Marzahn-Nord (55 Prozent), Hellersdorf-Süd (49 Prozent) und Marzahn-Mitte (48 Prozent) zu verzeichnen.



Die Spreizung der individuellen Nettoeinkommen lässt eine Polarisierung der Einkommen bis unter
1.000 Euro am unteren Rand und ab 1.500 Euro am oberen Rand erkennen. Zwischen diesen Polen
ist die am stärksten belegte Einkommensgrößenklasse (1.000 bis unter 1.500 Euro) mit 29 Prozent
positioniert. Insbesondere die überdurchschnittlich hohen Anteile der individuellen Nettoeinkommen bis unter 1.000 Euro von Bürgerinnen und Bürgern mit Migrationshintergrund, von Frauen, von
ab 65-Jährigen insgesamt, von Personen ohne Berufsausbildung, von Facharbeiterinnen und Facharbeitern, von Arbeitslosen und von Nichterwerbstätigen - überwiegend Seniorinnen und Senioren sollten in der bezirklichen Altenplanung berücksichtigt werden.



Fast die Hälfte der Befragungsteilnehmerinnen und -teilnehmer sehen sich auf Grund ihrer aktuellen
Einkommenssituation und in Anbetracht des sinkenden Niveaus von gesetzlichen Renten und Pensionen zu künftigen Einschränkungen in ihrem Ausgabeverhalten veranlasst, um ihre eigene materielle Sicherheit im Alter zu stabilisieren. Das betrifft mehr als die Hälfte der künftigen Seniorinnen
und Senioren. Das Ausmaß der erwogenen Einschränkungen signalisiert das Bestreben der Betroffe-

141

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

nen, die eigenständige Existenzsicherung im Alter auch auf Kosten des Verzichts auf gesellschaftliche
Teilhabe zu realisieren.
Haushaltsnettoeinkommen
Die Analyse der Haushaltsnettoeinkommen will auf folgende Schwerpunkte aufmerksam machen:


Der Vergleich der durchschnittlichen nominalen mit den durchschnittlich äquivalenzgewichteten
Haushaltsnettoeinkommen verdeutlicht, wie sich unter Berücksichtigung der Anzahl der Haushaltsmitglieder und deren Bedarfe das nominale ausgabefähige Haushaltsnettoeinkommen eines Haushaltes relativiert.



Gemessen am durchschnittlichen äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommen von ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf (1.467 Euro pro Monat) nehmen Haushalte von einheimischen Bürgerinnen und Bürgern, von künftigen Seniorinnen und Senioren und 2-Personen-Haushalte (insbesondere, wenn zwei individuelle Nettoeinkommen einfließen) die günstigsten Einkommenspositionen
ein. Hingegen nehmen Haushalte mit Migrationshintergrund, Seniorenhaushalte und 1-Personensowie 3- und mehr-Personen-Haushalte eine unterdurchschnittliche Einkommensposition ein.



Auf Grund der günstigeren Altersstruktur und damit wesentlich höherer Erwerbsbeteiligung sowie
überwiegend vorteilhafter beruflicher Qualifikation der ab 50-Jährigen aus dem Siedlungsgebiet stehen im Gegensatz zu den Gleichaltrigen aus den Großsiedlungsregionen überdurchschnittliche sowohl nominale als auch äquivalenzgewichtete Haushaltnettoeinkommen zur Verfügung.



Besonders hinzuweisen ist auf die defizitäre Einkommensposition beim äquivalenzgewichteten
Haushaltsnettoeinkommen von 3- und mehr-Personen-Haushalten sowie auf die sozialräumliche
Konzentration von unterdurchschnittlichen äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommen von
ab 50-Jährigen in den Bezirksregionen Marzahn-Nord, Marzahn-Mitte, Hellersdorf-Nord, HellersdorfOst und Hellersdorf-Süd.



Unter Berücksichtigung der Anzahl der Haushaltsmitglieder und deren Bedarfe (Erwachsene oder
wirtschaftlich nicht selbständige Kinder) liegt die durchschnittliche Differenz zwischen dem äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommen von 50- bis unter 65-Jährigen und Seniorenhaushalten
bei 267 Euro pro Monat zu Ungunsten der Senioren.



Die Spreizung der nominalen und der äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommen bestätigt,
dass die größte Ausprägung die Einkommensgrößenklasse zwischen 1.000 bis unter 2.000 Euro betrifft. Während diese Einkommensgrößenklasse nominal von 29 Prozent der Haushalte von ab
50-Jährigen besetzt ist, wird äquivalenzgewichtet ein Anteil von 49 Prozent gemessen.



Die Spreizung der äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommen der ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf macht insbesondere auf die gravierenden Unterschiede zwischen den Haushalten
mit und ohne Migrationshintergrund, von Vollzeiterwerbstätigen und Arbeitslosen sowie zwischen
50- bis unter 65-Jährigen und Seniorenhaushalten aufmerksam.



Die Einkommensposition eines Haushaltes wird nicht nur durch das monatlich fließende Haushaltsnettoeinkommen bestimmt, sondern auch durch Vermögen bzw. zu bedienende Kredite beeinflusst.



Mehr als die Hälfte der ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf verfügt über Eigentum an Grund und
Boden, besitzt Immobilien und/oder verfügt über Geldvermögen. Insgesamt 46 Prozent jedoch weisen keinerlei Vermögen aus.

142

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015



30 Prozent der Haushalte der Zielgruppe sind mit Krediten belastet. Während höhere Haushaltsnettoeinkommen eine relativ stabile Bedienung der Kredite ermöglichen, steigen bei Kreditnehmerinnen und Kreditnehmern mit geringerem Haushaltsnettoeinkommen die Anteile jener an, die hinsichtlich ihrer Rückzahlfähigkeit Bedenken äußern.

Verteilung von Armut und Reichtum von ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf
Grundlage der vorgenommenen Berechnungen zu Armut und Reichtum sind das für das Jahr 2014 veröffentlichte durchschnittliche äquivalenzgewichtete Haushaltsnettoeinkommen von 1.528 Euro pro Monat
(Bundesmedian) und die Armutsrisikoschwelle von 60 Prozent des Bundesmedian in Höhe von 917 Euro
pro Monat. Auf dieser Basis sind die vorliegenden Berechnungen für Marzahn-Hellersdorf mit den Ergebnissen der amtlichen Sozialberichterstattung des Bundes und der Länder vergleichbar.30
Die Analyse der Verteilung von Armut und Reichtum bei den ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf
2015 macht darauf aufmerksam, dass


im Vergleich zur Bürgerbefragung „50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2010“ das Armutsrisiko um
3 Prozentpunkte auf 17 Prozent angestiegen ist.



Als arm werden jene Menschen verstanden, die weniger als 50 Prozent des durchschnittlichen
Haushaltsäquivalenzeinkommens zur Verfügung haben. Das betraf 8 Prozent der ab 50-Jährigen in
Marzahn-Hellersdorf im Jahre 2015.



Von Armut waren im Jahre 2015 von den ab 50-Jährigen überdurchschnittlich häufig Arbeitslose,
Menschen mit Migrationshintergrund, Personen ohne berufliche Qualifikation sowie 4- und
1-Personen-Haushalte betroffen.



Die sozialräumliche Konzentration von Armut (50 Prozent des durchschnittlichen Haushaltsäquivalenzeinkommens) liegt zwischen 3 Prozent in Mahlsdorf und 4 Prozent in Kaulsdorf einerseits und 17
Prozent in Marzahn-Nord, 11 Prozent in Hellersdorf-Nord und 10 Prozent in Hellersdorf-Ost.



Hingegen ist eine überdurchschnittliche Konzentration von Reichtum bei Hochschulabsolventen,
Vollzeiterwerbstätigen, 2-Personen-Haushalten und Männern zu verzeichnen.



Unter Bedingungen eines aktuellen Armutsrisikos lebten im Jahre 2015 von den ab 50-Jährigen
überdurchschnittlich viele Arbeitslose, Alleinerziehende, Menschen mit Migrationshintergrund, Personen ohne berufliche Qualifikation, 4- und mehr-Personen-Haushalte sowie Alleinlebende und
Partnerschaften.



Armut lässt sich nicht auf Einkommensarmut reduzieren; sie kumuliert mit Unterversorgung in den
Bereichen Arbeit, Qualifikation und Wohnen.

4.7

Handlungsempfehlungen



Die Selbsteinschätzung von Bürgerinnen und Bürgern, eine finanziell eingeschränkte bzw. sehr stark
eingeschränkte Lebenssituation zu haben, bietet einen Überblick über die Bevölkerungsgruppe mit
erschwertem Zugang zu gesellschaftlicher Teilhabe bzw. mit tendenziellem Rückzug in die Privatheit.
Diese Selbsteinschätzung der Einkommenssituation kann den Akteuren der Sozialarbeit im Bezirk als

30

Vgl. Sozialberichterstattung des Bundes und der Länder: Armutsrisikoschwelle, zuletzt veröffentlicht am
27.8.2015.

143

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

ein Frühwarnsystem bezüglich der Unterversorgung mit Einkommen dienen und sollte zu Gesprächsangeboten mit Betroffenen führen, um diesen den Zugang zu gesellschaftlicher Teilhabe zu
öffnen und zur Integration in soziale Netze anzubieten.


Auf Grund der bis mindestens 2030 gesetzlich festgeschriebenen Absenkung des Rentenniveaus und
der damit verbundenen Verringerung der wichtigsten Alterseinkommensquelle der Mehrheit der älteren Bürgerinnen und Bürger ist mit einem Rückgang der materiellen Alterssicherung insgesamt
und bei Empfängerinnen und Empfängern von geringen Renten mit einer Zunahme des Grundsicherungsbezugs im Alter zu rechnen. In diesem Zusammenhang sollte die bezirkliche Seniorenpolitik
prüfen, ob im Bezirk die notwendigen Voraussetzungen für die Wahrnahme des Rechtsanspruches
auf Grundsicherung im Alter durch künftig mehr Bürgerinnen und Bürger - darunter die Bereitstellung von qualifizierten Beratungsangeboten sowie die Ausstattung des Fachamtes mit der erforderlichen Anzahl entsprechend qualifizierten Personals - gewährleistet sind.



Die Bezirksverordneten sowie die Bezirkspolitikerinnen und -politiker sollten sich in geeigneten
Gremien auf Landes- und Bundesebene dafür einsetzen, dass ein weiteres Absinken des Rentenniveaus mit gesetzlicher Wirkung gestoppt wird.



Darüber hinaus sollte die Entwicklung der Einkommenssituation der ab 50-Jährigen regelmäßig von
der bezirklichen Sozialberichterstattung dokumentiert und von der bezirklichen Seniorenpolitik in
den Fokus genommen werden. Einerseits geht es darum, aktuelle Kenntnis darüber zu gewinnen, ob
und in welchem Maße die Haushalte in der Lage sind, Defizite aus den Haupteinkommensquellen
durch Ausschöpfung zusätzlicher Einkommensquellen auszugleichen. Andererseits wäre es wichtig
zu wissen, inwieweit der finanzielle Handlungsrahmen der Haushalte in Folge dessen auf die Befriedigung existenzieller Bedürfnisse begrenzt wird. Gerade für diese letztere Gruppe wird es künftig
darauf ankommen, dass bestehende Rechtsansprüche auf Grundsicherung im Alter, auf Leistungen
der Sozialhilfe oder auf Wohngeld eingelöst werden. Darüber hinaus sollte deren gesellschaftliche
Teilhabe durch kostengünstige kulturelle, kommunikative und Beratungsangebote in den Stadtteilzentren und Nachbarschaftseinrichtungen ermöglicht werden.



Die differenzierte Untersuchung der Haushaltsnettoeinkommen, der Spreizung sowie die als notwendig bewerteten materiellen Einschränkungen in wesentlichen Lebensbereichen ermöglichen
sowohl der Bezirksverwaltung als auch den Akteuren der Sozialarbeit, der Wohnträger, der Beratungsstellen sowie der Pflegeträger insgesamt Rückschlüsse auf das konkrete Nutzungsverhalten
von Bürgerinnen und Bürgern bezüglich der im Bezirk vorgehaltenen Kultur-, Freizeit-, Wohn-, Beratungs-, Gesundheitspflege- und Serviceangebote. Sie sollte auch als Anregung für weitere öffentliche
und private Leistungsanbieterinnen/-anbieter dienen.



Die sich seit 2010 vollzogene Verdichtung der Anteile in den unteren Einkommensgruppen, sowohl
beim individuellen Nettoeinkommen als auch beim Haushaltsnettoeinkommen, verweist auf eine
deutliche Benachteiligung von Arbeitslosen, Menschen mit Migrationshintergrund, Personen mit
Qualifikationsdefiziten und Alleinlebenden hinsichtlich ihrer Einkommenslage. Die bezirkliche Seniorenpolitik und die freien Träger der Seniorensozialarbeit sollten diese sozial gefährdeten Gruppen
weiterhin als Zielgruppen ihrer Arbeit definieren.



Die aktuelle Verteilung des Armutsrisikos unter den ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf unterstreicht die seit 2010 verhärtete Betroffenheit von Arbeitslosen, Personen mit Migrationshinter-

144

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

grund und Alleinlebenden sowie die sozialräumliche Konzentration auf die Bezirksregionen Marzahn-Nord, Hellersdorf-Ost und Hellersdorf-Nord und erfordert die Berücksichtigung dieser Sachverhalte bei der Entwicklung bezirklich geleiteter Angebote z.B. in den Stadtteilzentren. Ausgehend
von dieser Entwicklung sollte die bezirkliche Sozialpolitik in diesen Brennpunkten mit komplexen
Angeboten zur gesellschaftlichen Teilhabe von durch Armutsrisiko Betroffenen aller Generationen
präventiv sozialer Isolierung entgegenwirken und deren Integration in soziale Netzwerke unterstützen.

145

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

5.

Wohnen

Wohnen ist ein elementares Grundbedürfnis der Menschen, das als Menschenrecht in der Bundesrepublik anerkannt und auch im Bundesland Berlin verfassungsmäßig verankert ist.31 Die Bereitstellung
von Wohnraum bestimmter Qualität und Quantität unterliegt einem ständigen historischen Wandel und
ist stark von den gesellschaftlichen Verhältnissen geprägt.
Das Wohnen und die Wohnbedingungen rücken im Alter noch stärker in den Lebensmittelpunkt. Einerseits vollziehen sich mehr alltägliche Aktivitäten in der Wohnung und ihrem Umfeld, andererseits ist der
soziale Kreis des Lebensvollzuges mehr an das Wohnumfeld herangerückt. Die Mobilität und generelle
Beweglichkeit nehmen ab, das Bedürfnis nach sicherer Orientierung wächst und Fixpunkte des Alltags
werden wichtiger. Gleichzeitig nehmen Bedürfnisse zu, die mit dem Anspruch auf ein selbstbestimmtes
Leben verbunden sind. Immer häufiger und immer anhaltender halten ältere Menschen am Ziel der eigenen Gestaltung des alltäglichen Lebens fest. Diesen sich langfristig ändernden Bedürfnissen müssen
auch künftige Bedingungen des Wohnens im Alter entsprechen. Im Mittelpunkt stehen dabei Merkmale
des Wohnens wie seine Finanzierbarkeit, die Lage, die Größe und die Ausstattung der Wohnung. Aber
nicht nur langfristig ändern sich die Wohnbedürfnisse der Menschen. Auch im Lebensverlauf sollten die
Bedingungen des Wohnens an die spezifischen Bedürfnisse des Alters und der Gesundheit angepasst
werden können.
Das vorliegende Kapitel gibt deshalb Auskunft über die aktuelle Wohnsituation der ab 50-Jährigen in
Marzahn-Hellersdorf. Im Mittelpunkt stehen die Wohnverhältnisse, die Wohnungsgröße und die Wohnkosten sowie die Bewertung der Wohnsituation. Weiterhin werden die aktuellen Wohnbedürfnisse und
Wohnzufriedenheiten und die im Alter auftretenden Wohnbedarfe und Präferenzen untersucht sowie
Handlungsmöglichkeiten der Bürgerinnen und Bürger zu deren Befriedigung in den Blick genommen.
5.1

Wohnsituation

Bei dieser Analyse kann davon ausgegangen werden, dass sich die Wohnsituation und der Wohnungsmarkt in Marzahn-Hellersdorf in den vergangenen 20 Jahren drastisch verändert haben. Faktoren dieser
Veränderungen waren u.a. die demographische Entwicklung, die Bautätigkeit, die Veränderung der Akteure am Wohnungsmarkt (Umstrukturierung von Eigentumsverhältnissen, Betreiber von altersgerechten Wohnanlagen und Pflegeeinrichtungen) und in jüngster Zeit auch die Veränderung von Flächennutzungs- und Bebauungsplänen.
„Im Vergleich zu einem insgesamt geringen Einwohnerverlust Gesamtberlins verlor die Großsiedlung
Marzahn zwischen 1995 und 2005 über 38.000 Einwohner (rund 28 Prozent ihrer Bevölkerung). … Infolge der Abwanderung nahm der Wohnungsleerstand zu und lag in der Großsiedlung Marzahn im Jahr
2002 bei ca. 6.600 Wohneinheiten (11 Prozent). … Im Norden der Wohnsiedlung Marzahn konzentrierte
sich der Leerstand in den Beständen der Wohnungsbaugesellschaft WBG Marzahn (heute degewo).
2001 standen ca. 21 Prozent der Wohnungen der degewo leer. … (Es wurde beschlossen,) … 40 Prozent
der ca. 4.200 Wohnungen des Unternehmens in diesem Siedlungsbereich vom Markt zu nehmen.“32 Von

31
32

Vgl. Studie „50 und älter in Marzahn-Hellersdorf“ 2010, S. 124.
Vgl.http://www.staedtebaufoerderung.info/StBauF/DE/Programm/StadtumbauOst/Praxis/Massnahmen/Marzahn/
Marzahn_node.html

146

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

der degewo wird bilanziert, dass „etwa 4.500 Wohnungen abgerissen und 1.600 Wohnungen umgebaut“33 wurden. Insgesamt wurden „von 2002 bis 2015 … in den Großsiedlungen Marzahn-Hellersdorf
rd. 120 Mio. € für den Stadtumbau eingesetzt“34.
Heute ist die Situation gänzlich verändert. Man kann feststellen, dass sich alle Prozesse, die auf die Entwicklung negativen Einfluss genommen hatten, ab 2010 umkehrten: Die Abwanderung wurde gestoppt,
der Rückbau von Wohnhäusern beendet und der Neubau von Wohnungen und Wohninfrastruktur auf
die Tagesordnung gesetzt.
„Mit der allmählichen Stabilisierung der Bevölkerungszahlen verlagerte sich das Ziel des Stadtumbaus
darauf, das Image eines grünen und familienfreundlichen Stadtgebiets zurückzugewinnen - und die Aufwertung der Qualität der verbliebenen Schulen und Kitas sowie des öffentlichen Freiraums stand im
Vordergrund.“35
Diese Einschätzung bedeutet auch, dass das zentrale Augenmerk der Verbesserung der Wohnsituation
im Bezirk auf junge, wirtschaftlich gefestigte Bevölkerungsgruppen und auf Familien gelenkt wurde und
wird. Im Wohnungsmarktentwicklungskonzept Marzahn-Hellersdorf 2020 stehen die weitere „soziale
und demografische Durchmischung“ sowie die „Qualitätsverbesserung und Sicherung der Sozialstruktur“
neben institutionellen, bauplanerischen und infrastrukturellen Zielen im Mittelpunkt.36
Diese Prozesse verlaufen teilweise gegenläufig, sodass sich bekannte Problemlagen für die künftige Gestaltung der Wohnbedingungen für ältere Menschen überschneiden werden. So wird die Nachfrage
nach altengerechten Wohnungen sowohl im Segment der niedrigen Mieten als auch im höherwertigen
Segment steigen.
Insgesamt wird die künftige Wohnsituation gekennzeichnet sein von


einem weiterhin wachsenden Anteil älterer Menschen im Bezirk mit entsprechenden Wohnbedürfnissen;



einem positiven Wanderungssaldo, dem die Wohnungswirtschaft auch durch ein höherwertiges
Wohnungsangebot begegnen will; hinzu kommt anzunehmend eine anhaltende Binnenwanderung
auch in das höherwertige Wohnungsmarktsegment;



einer dennoch steigenden sozialen Ungleichheit mit der Gefahr weiterer Segregation und wachsendem staatlichen Hilfebedarf bei den Wohnkosten;



der Notwendigkeit, Bedingungen für die Unterbringung von Flüchtlingen zu schaffen einschließlich
der Bereitstellung von integrationsunterstützenden Infrastruktureinrichtungen.

Bei der Gestaltung dieser Prozesse kann und wird es nicht darum gehen, die Schaffung von Bedingungen
der sozialen Öffnung und familienfreundlichen Stadtgestaltung gegen Bedingungen der Bereitstellung
seniorengerechten Wohnraums und altersgerechter Wohnbedingungen in Konkurrenz zueinander zu
33
34

35

36

Vgl. Berliner Zeitung vom 6.4.2016, S. 16.
Vgl.https://www.berlin.de/ba-marzahn-hellersdorf/politik-und-verwaltung/aemter/stadtentwicklungsamt/
staedtebaufoerderung/artikel.274606.php
Vgl.https://www.berlin.de/ba-marzahn-hellersdorf/politik-und-verwaltung/aemter/stadtentwicklungsamt/
staedtebaufoerderung/artikel.274606.php
Vgl. Plangemeinschaft Kohlbrenner eG (i.A. des Bezirksamtes Marzahn-Hellersdorf), Wohnungsmarktentwicklungskonzept Marzahn-Hellersdorf 2020, Berlin 2013, S. 30.

147

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

setzen. Im Gegenteil, die steigende Zahl der Bewohnerinnen und Bewohner über 50 Jahre und insbesondere derer über 65 Jahre verdeutlicht die Notwendigkeit, die Wohn- und Lebensbedürfnisse der Älteren nicht aus den Augen zu lassen - auch deshalb, weil sie und die Gestaltung der Wohnbedingungen
entsprechend ihren Bedürfnissen und ihrem Bedarf in vielen Hinsichten durchaus zur Erreichung des
Ziels einer „Qualitätsverbesserung und Sicherung der Sozialstruktur“ (siehe oben) gehören. Gestaltung
von Stadträumen und Quartieren generationengerechten Lebens und Wohnens erfordert dabei die Zusammenarbeit aller relevanten Akteure aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.37
Gegenwärtige Wohnsituation der ab 50-Jährigen und ihre Bewertung
Für den gesamten Bezirk Marzahn-Hellersdorf hält der Wohnungsmarktbericht der IBB fest, dass das
Wanderungssaldo zwischen 2012 und 2014 6.134 betrug, d.h. in den Jahren 2012 bis 2014 sind 6.134
Menschen mehr nach Marzahn-Hellersdorf gezogen als von Marzahn-Hellersdorf fort. Zwischen 2005
und 2014 sind im Bezirk 4.695 Wohnungen fertiggestellt38 worden, davon 4.22139 neu gebaut. Damit
stieg die Anzahl der Wohnungen auf 133.41540.
Die durchschnittliche Fläche der Wohnungen betrug 71,3 m2, die mittlere Wohnfläche pro Einwohner
37,1 m2 und die Anzahl der Einwohner pro Wohnung 1,92.
Wie sich zeigen wird, gestalten sich diese durchschnittlichen Rahmenbedingungen des Wohnens für die
ab 50-Jährigen etwas günstiger als für den Bevölkerungsdurchschnitt.
Durchschnittliche Haushaltsgröße
Die durchschnittliche Größe der Haushalte ab 50 Jahre unterscheidet sich zwischen der Großsiedlung
und dem Siedlungsgebiet. So ist die Zahl der 1-Personen-Haushalte im Siedlungsgebiet deutlich geringer
und die Zahl der 2- und Mehr-Personen-Haushalte größer als in der Großsiedlung.
Liegt die mittlere Haushaltsgröße der 50-Jährigen und Älteren in der Großsiedlung bei ungefähr 1,6 Personen, so wohnen im Siedlungsgebiet knapp 2,0 Personen durchschnittlich in einem Haushalt. Da die
Anzahl der Haushalte mit Kindern in beiden Siedlungsgebieten etwa gleich hoch ist bedeutet das, dass in
der Großsiedlung mehr Singles wohnen und im Siedlungsgebiet mehr Paarhaushalte.

37

38
39
40

Vgl. Empfehlungen des Vereins zur Weiterentwicklung der Kooperation der Akteure generationengerechten
Wohnens, Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge, Berlin 2016.
Vgl. IBB Wohnungsmarktbericht 2015, Tabellenband, S. 10.
Vgl. IBB Wohnungsmarktbericht 2015, Tabellenband, S. 9.
Vgl. IBB Wohnungsmarktbericht 2015, Tabellenband, S. 12.

148

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 5.1:

Haushaltsgröße - nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent 1 Person

2 Personen

3 Personen

4 und mehr Personen

Marzahn-Nord

30,8

60,0

7,0

2,2

Marzahn-Mitte

32,3

62,2

4,5

1,0

Marzahn-Süd

34,0

61,7

3,8

,5

Hellersdorf-Nord

38,9

48,8

9,0

3,2

Hellersdorf-Ost

50,0

39,9

4,5

5,6

Hellersdorf-Süd

34,3

58,7

6,0

1,0

Biesdorf

15,8

73,7

7,9

2,5

Kaulsdorf

6,0

81,4

10,3

2,4

Mahlsdorf

10,8

70,8

13,1

5,3

Gesamt

27,7

62,6

7,3

2,4

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Wohnform
Von allen Befragten wohnten 27,841 Prozent allein, 8,9 Prozent mit einer Partnerin bzw. einem Partner
und Kind/er, 57,1 Prozent mit einem Partner bzw. einer Partnerin ohne Kinder, 1,4 Prozent in einer
Wohngemeinschaft, 2,1 Prozent allein mit Kind/ern, 0,9 Prozent mit Verwandten, 0,4 Prozent mit Bekannten bzw. Freunden und 0,8 Prozent waren Heimbewohnerinnen oder -bewohner.
Abbildung 5.1:

Wohnform - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent* 57,1

27,8

8,9
1,4

2,1

,8

,9

,4

* Darstellung wegen der teilweise geringen Fallzahl mit einer Dezimalstelle
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

41

Der Unterschied zwischen den 27,7 Prozent 1-Personen-Haushalten und 27,8 Prozent der Alleinlebenden ergibt
sich aus verschiedenen Rundungsergebnissen infolge unterschiedlicher Anzahl fehlender Antworten zu den jeweiligen Fragen.

149

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Größe der Wohnung
Anzahl der Zimmer
Die Befragten wohnten in Wohnungen mit durchschnittlich 3,06 Zimmern. Dabei wohnen Menschen mit
Migrationshintergrund (16 Prozent), Alleinlebende (17 Prozent) und Arbeitslose (21 Prozent) am häufigsten in 1-Raum-Wohnungen. Künftige Senioren wohnen häufiger in 4-Raum- und größeren Wohnungen als die Angehörigen der höheren Altersgruppen. Das könnte bedeuten, dass (in etwa) ab dem
65. Lebensjahr eine Neuorientierung hinsichtlich der Wohnverhältnisse einsetzt, wenn die Erwerbsphase
zu Ende geht und sich die Haushaltsstruktur verändern sollte. Das kann in der Tendenz das Bedürfnis
nach einem Wohnungswechsel stärken, sodass mit einer erhöhten Wohnmobilität bei den künftigen
Senioren und jungen Alten gerechnet werden kann, die sich vielfach als Binnenwanderung auf den Bezirk bezieht. Dafür gibt es unten weitere Anhaltspunkte.
Tabelle 5.2:

Anzahl der Wohnräume - nach Migrationshintergrund, Haushaltsgröße, Erwerbsstatus und Alter - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent 1 Raum

2 Räume

3 Räume

4 und mehr
Räume

16

31

35

20

5

21

45

28

17

46

31

7

2 Personen

0

14

53

32

3 Personen

0

2

33

65

4 und mehr Personen

0

0

28

73

Erwerbstätigkeit - Vollzeit

1

14

42

44

Erwerbstätigkeit - Teilzeit

2

13

42

43

arbeitslos

21

35

34

10

geringfügig beschäftigt

11

27

40

22

nicht erwerbstätig

6

26

48

18

künftige Senioren: 50-65 Jahre

5

17

43

35

junge Alte: 65-75 Jahre

5

21

50

25

fortgeschrittene Ältere: 75-85 Jahre

6

36

45

13

12

34

40

14

5

22

45

28

Migrationshintergrund ja
nein
Haushaltsgröße

Erwerbsstatus

Altersphasen

1 Person

Hochbetagte: 85 Jahre u. älter
Gesamt
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Wohnfläche
Die mittlere Wohnfläche der von uns Befragten betrug 77,5 m2. Sie ist somit angenähert 6 m2 größer als
im gesamten Bezirk. Den älteren Menschen in Marzahn-Hellersdorf stehen mithin im Bezirksmaßstab
große Wohnungen zur Verfügung. Der Unterschied vergrößert sich noch einmal, wenn man berücksichtigt, dass die Bewohnerinnen und Bewohner unter 50 Jahren im Bezirk häufig in größeren Haushalten
wohnen. Die Wohnungsgröße ist jedoch nicht für alle von uns betrachteten Altersgruppen von gleicher
Bedeutung. Für die künftigen Senioren und die jungen Alten spielt sie eine größere Rolle bei der Gestaltung eines selbstbestimmten Lebens als in der Gruppe der fortgeschrittenen Älteren und erst recht bei
den Hochbetagten. Erstens leben mit wachsendem Alter mehr Menschen (meist Frauen) allein und

150

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

zweitens ist mit zunehmenden Einschränkungen in der Mobilität und der Lebensaktivität auch die Nutzungsvielfalt der eigenen Wohnung reduziert.
Über eine unterdurchschnittliche Wohnfläche verfügen: Arbeitslose 57,8 m2, Geringverdiener 55,6 m2,
1-Personen-Haushalte 57,3 m2.
Abbildung 5.2:

Durchschnittliche Wohnfläche - nach Alter, Migrationshintergrund, Haushaltsgröße
und Haushaltsnettoeinkommen - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in m2-

künftige Senioren
junge Alte
fortgeschrittene Ältere
Hochbetagte

81
76
71
68

mit Migrationshintergrund
ohne Migrationshintergrund

67
78

1 Person
2 Personen
3 Personen
4 und mehr Personen
unter 1.000 Euro
1.000 - 1.999 Euro
2.000 - 2.999 Euro
3.000 - 3.999 Euro
4.000 Euro und mehr

57
83
98
105
56
66
81
93
113

Gesamt

78

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Mit steigendem Alter sinkt die durchschnittlich bewohnte Wohnfläche der Befragten. Dabei ist festzustellen, dass die künftigen Senioren zwar nicht seltener in kleinen Wohnungen wohnen als Angehörige
anderer Altersgruppen, aber sie wohnen häufiger in größeren Wohnungen über 100 m2 (19 Prozent).
Auch junge Alte wohnen relativ häufig in großen Wohnungen (über 80 m2 19 Prozent, über 100 m2
12 Prozent). Die sinkende Wohnungsgröße mit dem Alter lässt auf eine höhere Wohnmobilität mit dem
Übergang zum fortgeschrittenen Alter schließen. Bei den Hochbetagten ist die kleinere durchschnittliche
Wohngröße allerdings auf die Tatsache der Heimunterbringung einer Reihe von Befragten in diesem
Alter zurückzuführen. Berücksichtigt man die Heimunterbringung nicht, ergibt sich für diese Altersgruppe eine ebenso große Wohnfläche wie für die fortgeschrittenen Älteren, sodass davon ausgegangen
werden kann, dass der Mobilitätsschub vor dem Übergang zum fortgeschrittenen Alter einsetzt.

151

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 5.3:

Wohnfläche in m2- nach Altersgruppen - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent 2

40 m und
kleiner

größer als 40
2
m und kleiner/
gleich 60

größer als 60
2
m und kleiner/
gleich 80

größer als 80
2
m und kleiner/
gleich 100

über 100

künftige Senioren: 50-65 Jahre

6

16

37

22

19

junge Alte: 65-75 Jahre

6

21

42

19

12

fortgeschrittene Ältere: 75-85 Jahre

6

30

46

9

9

Hochbetagte: 85 Jahre u. älter

5

33

32

22

8

Gesamt

6

20

40

19

15

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

In der Großsiedlung hatten die Menschen 50 plus eine Wohnfläche von 66,4 m2 zur Verfügung, im Siedlungsgebiet waren es 101,3 m2, das sind über 150 Prozent der mittleren Wohnfläche in der Großsiedlung. Die Schwankungen der mittleren Wohnfläche zwischen den Bezirksregionen der Großsiedlung sind
nicht hoch, weil in etwa die gleichen Bautypen errichtet wurden. Am häufigsten - in allen Bezirksregionen rund die Hälfte - sind Wohnungen mit einer Größe zwischen 60 m2 und 80 m2 anzutreffen, gefolgt
von Wohnungen mit einer Größe zwischen 40 m2 und 60 m2 - jeweils rund ein Drittel. Das bedeutet, dass
sowohl sehr kleine als auch sehr große Wohnungen selten sind (Wohnungen über 100 m2 gibt es in Hellersdorf-Süd zu 7 Prozent, ansonsten zwischen 1 und 5 Prozent; Wohnungen unter 40 m2 findet man in
einer Anzahl zwischen 6 Prozent und 11 Prozent). Im Siedlungsgebiet dagegen schwankt die Anzahl der
Wohnungen über 80 m2 zwischen 69 Prozent in Biesdorf, 76 Prozent in Kaulsdorf und 81 Prozent in
Mahlsdorf.
Abbildung 5.3:

1
15

46

29
8

Wohnfläche in m2- nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent 2
17

5
15

1
7

52
51

50

25

23

6

6

3
13

7
6

15
34

44

47

32

34

21
2
1

16
4

19

51

46

35
29

29

28

20

11

9

8

9
1

40 und kleiner

größer als 40 und kleiner/gleich 60

größer als 80 und kleiner/gleich 100

über 100

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

152

40

20
5

größer als 60 und kleiner/gleich 80

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf
Die pro Kopf verfügbare Wohnfläche ist natürlich durch die Größe des Haushaltes mitbestimmt und für
die Lebensgestaltung der wichtigere Indikator.
Abbildung 5.4:

Durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf - nach Lebensform und Altersgruppen
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in m2 -

mit Partner/in, ohne Kind/er

42

alleinlebend

55

mit Partner/in, mit Kind/ern

31

alleinerziehend

31

künftige Senioren

44

junge Alte

46

fortgeschrittene Ältere

46

Hochbetagte

50

Gesamt

45

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Alleinlebende haben mit 55 m2 die relativ meiste Fläche zur Verfügung, sie wohnen aber auch am häufigsten in Wohnungen mit einem oder zwei Räumen. Alleinerziehende dagegen wohnen deutlich beengter (31 m2). Nicht besser ist die Situation für Partnerfamilien mit Kind/ern. Auch hier stehen im Mittel
31 m2 pro Kopf zur Verfügung. Da diese Lebenssituation in der Vergangenheit mit steigendem Alter abgenommen hat und die Kinder früher oder später ausgezogen sind, entschärft sich die Wohnsituation
dann für die zurückbleibenden Eltern. Allerdings ist gegenwärtig nicht abzusehen, inwieweit diese Tendenz weiter anhält. Mit steigenden Mieten fällt es Haushalten mit geringem Einkommen immer schwerer, auch den Kindern (sofern sie nicht erwerbstätig sind) eine eigene Wohnung zu finanzieren. In dem
Maße, in dem das der Fall sein wird, verbleiben die Eltern in ihren Wohnungen und verzichten auf einen
Umzug. Insofern beeinflussen finanzielle Faktoren die oben angesprochene erwartete Mobilität.
Mit steigendem Alter nimmt die mittlere Wohnfläche pro Kopf zu. In dieser Tendenz spiegeln sich sowohl demographische Prozesse der Wanderung der Kinder einerseits und der Verwitwung eines Partners/einer Partnerin andererseits, als auch die bereits angesprochene Wohnmobilität im jungen Seniorenalter.
Die Wohnfläche pro Kopf ist auch unter Gesichtspunkten des Erwerbsstatus differenziert. Arbeitslose
(34 m2) haben pro Kopf deutlich weniger Fläche zur Verfügung als Erwerbstätige (z.B. VollzeitErwerbstätige 47 m2). Die geringe Pro-Kopf-Wohnfläche der Arbeitslosen macht deutlich, dass die ungleichen Wohnbedingungen vor allem auch ein soziales Problem darstellen.
Im Hinblick auf das Haushaltseinkommen sieht die Differenzierung anders aus: Bezieherinnen und Bezieher kleiner Haushaltseinkommen (unter 1.000 Euro 48 m2) wohnen weniger beengt als Bezieherin-

153

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

nen/Bezieher mittlerer Einkommen (2.000 bis 2.900 Euro 41 m2). In der obersten Einkommensgruppe
(über 4.000 Euro 53 m2) lebt man am großzügigsten.
Abbildung 5.5:

Durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf - nach Erwerbsstatus und Haushaltsnettoeinkommen - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in m2 -

Erwerbstätigkeit - Vollzeit

47

Erwerbstätigkeit - Teilzeit

44

arbeitslos

34

geringfügig beschäftigt

39

nicht erwerbstätig

46

unter 1.000 Euro

48

1.000 - 1.999 Euro

46

2.000 - 2.999 Euro

41

3.000 - 3.999 Euro

43

4.000 Euro und mehr

53

Gesamt

45

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die großen Unterschiede in der Wohnfläche zwischen der Großsiedlung und dem Siedlungsgebiet gleichen sich in der Wohnfläche pro Kopf wieder etwas aus, weil - wie oben vermerkt - die mittlere Haushaltsgröße im Siedlungsgebiet höher ist. Die Unterschiede zwischen den Bezirksregionen der Großsiedlung sind z.T. auf die Wohnungsbautypen, auf die Haushaltsgröße, aber auch auf die Wohndauer zurückzuführen.
Tabelle 5.4:

Durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf - nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in m2 -

MarzahnNord

MarzahnMitte

MarzahnSüd

Hellersdorf-Nord

Hellersdorf-Ost

Hellersdorf-Süd

Biesdorf

Kaulsdorf

Mahlsdorf

Gesamt

40

42

44

38

44

44

50

50

52

45

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Damit ist ein weiterer Faktor benannt, der die Pro-Kopf-Wohnfläche beeinflusst, die Wohndauer. Dass
die Wohndauer in der Wohnung die Wohnungsgröße beeinflusst (die Wohndauer im Bezirk beeinflusst
diese in etwas geringerem Maße), kann hier zum ersten Mal bestätigt werden. Mehrere, z.T. gegenläufige, Vorgänge spielen dabei eine Rolle: Einerseits erhöht sich die Pro-Kopf-Wohnfläche, wenn Kinder den
Haushalt verlassen und die Eltern in der Wohnung bleiben. Allerdings verringert sich diese Fläche, wenn
junge Senioren sich wohnlich verändern und in eine kleinere Wohnung ziehen. Andererseits ziehen jüngere Familien mit Kindern öfter um als fortgeschrittene Ältere und Hochbetagte. Sie ziehen dabei im
Durchschnitt in größere Wohnungen. Für Marzahn-Hellersdorf spielt darüber hinaus die Zuwanderung
der letzten 10 bis 15 Jahre eine Rolle. Sie war geprägt durch eine Verdrängung von sozial schlechter
gestellten Haushalten aus der Innenstadt. Diese Haushalte haben - auch wegen der Wohnkosten - im

154

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Mittel eher kleinere Wohnungen in Bezirksregionen bezogen, die von höherem Leerstand betroffen
waren.
Tabelle 5.5:

Durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf - nach der Wohndauer in der jetzigen
Wohnung - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in m2 -

Wohndauer in der jetzigen Wohnung

Wohnfläche
pro Kopf

40 Jahre und mehr

52

30 bis unter 40 Jahre

45

20 bis unter 30 Jahre

44

10 bis unter 20 Jahre

46

3 bis unter 10 Jahre

43

unter 3 Jahren

45

Gesamt

45

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

5.2

Wohnkosten

Die mittleren Gesamtwohnkosten (bei Miete bzw. Eigentum) der ab 50-Jährigen betrugen im Bezirk
539 Euro. Das sind im Mittel 29 Euro mehr als vor 5 Jahren. Um fast den gleichen Betrag stiegen die
Wohnkosten von 2005 bis 2010. Dabei ist allerdings zu beachten, dass diese Steigerung allein auf die
Steigerung der Mietkosten (von 475 Euro im Jahr 2010 auf 507 Euro im Jahr 2015) zurückzuführen ist,
weil die Kosten für das Wohneigentum nahezu unverändert (608 Euro) blieben.
Abbildung 5.6:

Durchschnittliche monatliche Wohnkosten - nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Euro633

482

508

476

517

657

651
539

491

482

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die Wohnkosten sind im Bezirk deutlich zwischen der Großsiedlung und dem Siedlungsgebiet unterschieden. Während Kaulsdorf die höchsten mittleren Wohnkosten verzeichnet (657 Euro), sind sie in
Marzahn-Süd am geringsten (476 Euro). Man könnte vermuten, dass dabei die Kosten für die Bedienung

155

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

der Wohnungsdarlehen eine wichtige Rolle spielen. Das trifft in erste Linie auf Haushalte zu, deren Haus
noch relativ neu ist. Aber es trifft auch auf Alteigentümer zu, die ein Darlehen für die Sanierung ihres
Hauses aufgenommen haben. Das ist jedoch nicht der alleinige Grund für höhere Wohnkosten im Siedlungsgebiet. Auch die Mietkosten dort sind deutlich höher als in der Großsiedlung. Sie sind am geringsten in Hellersdorf-Süd (475 Euro) und am höchsten in Mahlsdorf (722 Euro).
Die Verteilung der Wohnkosten in den Bezirksregionen lässt erkennen, dass in der Großsiedlung die
meisten Wohnungen zwischen 450 und 600 Euro im Monat kosten (Bruttomiete und Heizung), zwischen
46 Prozent in Marzahn-Süd und 51 Prozent in Marzahn-Nord. Bei rund einem Drittel (zwischen 28 Prozent in Marzahn-Mitte und 37 Prozent in Hellersdorf-Süd) betragen die Wohnkosten zwischen 300 und
450 Euro. Zwischen 600 und 750 Euro zahlen 6 Prozent der ab 50-Jährigen in Hellersdorf-Süd und
18 Prozent in Marzahn-Mitte. Im Siedlungsgebiet dagegen sind häufiger Wohnkosten im unteren Bereich (unter 300 Euro) anzutreffen, 13 Prozent in Biesdorf, 15 Prozent in Kaulsdorf und 14 Prozent in
Mahlsdorf - in der Großsiedlung nur in Marzahn-Süd 9 Prozent, ansonsten unter 5 Prozent. Ebenso sind
im Siedlungsgebiet häufiger Wohnkosten im obersten Bereich (über 900 Euro) anzutreffen, 19 Prozent in
Biesdorf, 23 Prozent in Kaulsdorf und 24 Prozent in Mahlsdorf.
Tabelle 5.6:

Durchschnittliche monatliche Wohnkosten in Euro - nach Bezirksregionen
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent Gesamt

MarzahnNord

MarzahnMitte

MarzahnSüd

HellersdorfNord

HellersdorfOst

HellersdorfSüd

Biesdorf

Kaulsdorf

Mahlsdorf

unter 300
Euro

7

3

2

9

4

2

5

13

15

14

300 b.u.
450 Euro

30

35

28

30

29

35

37

27

24

26

450 b.u.
600 Euro

38

51

48

46

50

48

47

14

15

14

600 b. u.
750 Euro

13

9

18

11

12

12

6

16

16

13

750 b.u.
900 Euro

5

2

3

3

1

3

3

12

7

10

900 Euro
und mehr

8

0

1

1

3

0

2

19

23

24

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Zu berücksichtigen ist, dass die mittleren Wohnkosten für Eigentumswohnungen 321 Euro und für Eigenheime 655 Euro betragen. Beim Wohneigentum liegt der Anteil der Eigentumswohnungen in der
Großsiedlung höher als im Siedlungsgebiet, das durch Eigenheime geprägt ist. Der Unterschied in den
laufenden Wohnkosten beider Eigentumsarten ist durch den höheren mittleren Kaufpreis bzw. durch
höhere Sanierungskosten für Eigenheime zu erklären. Die Kosten für das Wohneigentum sind jedoch in
allen Bezirksregionen geringer als die Mietkosten.
Die Mietkosten in der privaten Vermietung sind durchschnittlich höher als bei anderen Vermietern, weil
die private Vermietung vor allem im Siedlungsgebiet anzutreffen ist und dort vor allem Häuser oder
Einliegerwohnungen betrifft.

156

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 5.7:

Durchschnittliche monatliche Wohnkosten - nach Wohnformen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Euro 1.172

499

655

601

539

487
321

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Ebenso wichtig für die Wohnbedingungen sind die Kostenanteile, die Haushalte für das Wohnen aufbringen müssen. Diese geben den finanziellen Spielraum wider, der den Menschen für die Bestreitung
des Lebensunterhaltes bleibt. Auf bezirklicher Ebene differenzieren sich die Anteile der Wohnkosten am
Haushaltsnettoeinkommen wie folgt:
Abbildung 5.8:

26

Anteile der Wohnkosten am Haushaltsnettoeinkommen - nach Bezirksregionen
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent 28

27
24

27

27

25
23

22

22

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die Differenzen zwischen den Bezirksregionen haben sich im Hinblick auf ihre Anteile der Wohnkosten
am Haushaltsnettoeinkommen gegenüber den reinen Kosten verändert. In dieser relativen Betrachtung
sind die Bezirksregionen Hellersdorf-Nord (28 Prozent) und Marzahn-Mitte, Hellersdorf-Ost und Hellers-

157

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

dorf-Süd (je 27 Prozent) am stärksten belastet, während die Haushalte des Siedlungsgebietes mit durchschnittlich 22 Prozent am geringsten belastet sind.
Wohnkosten und deren Anteile an den Haushaltsnettoeinkommen in sozialen Gruppen
In den Altersgruppen sinken die Wohnkosten bis zu den Hochbetagten, die wiederum höhere Wohnkosten verzeichnen. Diese Abnahme ist einerseits auf die abnehmende mittlere Wohnfläche in den Altersgruppen zurückzuführen. Andererseits ist zu berücksichtigen, dass die Mieten für Einwohnerinnen und
Einwohner mit langen Mietverträgen durchschnittlich günstiger sind als bei neueren Mietverträgen. Die
mittleren Quadratmeterpreise (für die gesamten Wohnkosten) der Wohnungen betragen für künftige
Senioren 7,17 Euro pro m2, für junge Alte 6,57 Euro pro m2, für fortgeschrittene Ältere 6,61 Euro pro m2
und für Hochbetagte 7,26 Euro pro m2. Dabei ist zu beachten, dass bei den Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeheimen die Kosten für die Heimunterbringung in den Angaben enthalten sind.
Tabelle 5.7:

Durchschnittliche monatliche Wohnkosten und Anteile der Wohnkosten
am Haushaltsnettoeinkommen - nach Altersgruppen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Euro bzw. Prozent -

Altersgruppen

Wohnkosten
(Euro)

anteilige Wohnkosten
(Prozent)

künftige Senioren

581

25

junge Alte

499

27

fortgeschrittene Ältere

469

24

Hochbetagte

494

30

Gesamt

539

25

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die anteiligen Wohnkosten sind bei den jungen Alten (27 Prozent) durchschnittlich höher gegenüber
denen der künftigen Senioren (25 Prozent). Fortgeschrittene Ältere dagegen zahlen im Mittel weniger
als junge Alte (24 Prozent). Die Hochbetagten wenden den größten Anteil ihres Haushaltseinkommens
für das Wohnen auf (30 Prozent), wobei darin die Unterbringungskosten der Heimbewohnerinnen und
Heimbewohner enthalten sind.
Die Spreizung der Wohnkosten in den Altersgruppen ergibt, dass künftige Senioren grade im obersten
Kostensegment (900 Euro und mehr) überdurchschnittlich häufig vertreten sind. 50 Prozent der fortgeschrittenen Älteren haben Wohnkosten unter 450 Euro im Monat, bei den Hochbetagten sind es 51 Prozent.

158

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 5.8:

Wohnkosten - nach Altersgruppen - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent unter 300
Euro

300 b.u.
450 Euro

450 b.u.
600 Euro

600 b.u.
750 Euro

750 b.u.
900 Euro

900 Euro
und mehr

künftige Senioren

7

24

38

14

6

11

junge Alte

7

32

40

13

4

4

fortgeschrittene Ältere

9

41

36

10

2

2

Hochbetagte

2

49

32

10

3

4

Gesamt

7

30

38

13

5

8

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Auch die Wohndauer spielt bei den Wohnkosten eine Rolle. Je länger die Menschen in ihren Wohnungen wohnen, desto geringer sind die mittleren Kosten (418 Euro bei einer Wohndauer länger als 40 Jahre und 540 Euro bei einer Wohndauer unter 3 Jahren). Dafür sind die demographischen Faktoren ausschlaggebend (Alter, Haushaltsgröße, Wanderung). Hinzukommt die günstigere Miete in alten Mietverträgen. Diese lange bekannte Tatsache spielt für die Wohnmobilität auch in Zukunft eine einschränkende Rolle.
Tabelle 5.9:

Durchschnittliche monatliche Wohnkosten und Anteil der Wohnkosten am
Haushaltsnettoeinkommen - nach der Wohndauer in der jetzigen Wohnung
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Euro bzw. Prozent -

Wohndauer in jetziger Wohnung

Wohnkosten
(Euro)

anteilige Wohnkosten
(Prozent)

40 Jahre und mehr

418

22

30 bis unter 40 Jahre*

480

24

20 bis unter 30 Jahre

512

24

10 bis unter 20 Jahre

592

24

3 bis unter 10 Jahre

540

29

unter 3 Jahren

585

32

Gesamt

539

25

* Ersteinzug in der Großsiedlung 1978
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die Vorteile einer längeren Wohndauer schlagen sich auch in den anteiligen Wohnkosten nieder. Diejenigen, die am längsten in ihren Wohnungen wohnen, müssen im Mittel 22 Prozent ihres Haushaltsnettoeinkommens für das Wohnen aufwenden, während die erst in den letzten 2 Jahren Umgezogenen
32 Prozent ihres Einkommens verwenden müssen. Das sind deutliche Unterschiede, die sich auch in
Motivationen zu einem künftigen Wohnungswechsel niederschlagen können.
Im Hinblick auf den Erwerbsstatussind die deutlichsten Unterschiede zwischen Vollzeiterwerbstätigen
und Arbeitslosen bei den Wohnkosten zu erkennen. Betragen diese bei den Vollzeiterwerbstätigen
621 Euro und bei den Teilzeitbeschäftigten 599 Euro, so sind es bei den Arbeitslosen 465 Euro und bei
den Nichterwerbstätigen 489 Euro. Dabei sind die Langzeitarbeitslosen dauerhaft dem Druck steigender
Wohnkosten einerseits und den Regelungen der Übernahme der Wohnkosten durch die Jobcenter ausgesetzt.

159

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 5.10:

Durchschnittliche monatliche Wohnkosten und Anteil der Wohnkosten am
Haushaltsnettoeinkommen - nach dem Erwerbsstatus - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Euro bzw. Prozent -

Erwerbsstatus

Wohnkosten
(Euro)

anteilige Wohnkosten
(Prozent)

Erwerbstätigkeit - Vollzeit

621

21

Erwerbstätigkeit - Teilzeit

599

25

arbeitslos

465

36

geringfügig beschäftigt

476

29

nicht erwerbstätig

489

27

Gesamt

539

25

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Dieser Druck zeigt sich umso stärker, wenn die Anteile der Wohnkosten am Haushaltsnettoeinkommen
gegenübergestellt werden. Arbeitslose müssen 36 Prozent des Einkommens für das Wohnen aufwenden. Teilweise werden ihnen Aufwendungen für Heizung und Unterkunft erstattet. Die Erwerbstätigen
über 50 Jahre im Bezirk haben es noch mit einem im Bundesvergleich42 moderaten Wohnkostenanteil zu
tun (21 Prozent).
Die Wohnkosten für Menschen mit anerkanntem Pflegebedarf sind durchschnittlich höher als für die
Menschen ohne.43 Sie betragen für Schwerbehinderte 525 Euro und für Menschen mit anerkanntem
Pflegebedarf 606 Euro.
Die anteiligen Wohnkosten sind im Pflegefall ebenfalls deutlich höher (33 Prozent) als bei nicht vorhandenem Bedarf (25 Prozent). Für Schwerbehinderte (28 Prozent) ist der anteilige Aufwand ebenfalls höher als bei Nicht-Behinderten (25 Prozent), obwohl die Kostenhöhe kleiner ist.
Am deutlichsten werden die Differenzierungen der Wohnkosten und ihrer Anteile am Haushaltsnettoeinkommen im Vergleich der Einkommensgruppen. Während die Geringverdiener (unter 1.000 Euro)
396 Euro aufbringen müssen, sind es bei den Großverdienern (über 4.000 Euro) 809 Euro.
Tabelle 5.11:

Monatliche Wohnkosten - nach dem Haushaltsnettoeinkommen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Euro bzw. Prozent -

Haushaltsnettoeinkommen

Wohnkosten
(Euro)

anteilige Wohnkosten
(Prozent)

unter 1.000 Euro

396

50

1.000 - 1.999 Euro

482

34

2.000 - 2.999 Euro

544

23

3.000 - 3.999 Euro

622

19

4.000 Euro und mehr

808

16

Gesamt

539

25

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

42

43

2014 betrugen die Anteile der durchschnittlichen Wohnkosten am Haushaltsnettoeinkommen für die Gesamtbevölkerung in Deutschland 27,3 Prozent. Vgl. https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Gesellschaft Staat/
EinkommenKonsumLebensbedingungen/Wohnen/Tabellen/AnteilWohnkostenHHeinkommen_SILC.html
Bei Heimbewohnern sind allerdings die gesamten Unterbringungskosten in den Antworten enthalten.

160

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Die soziale Schieflageder Haushaltsbelastung durch die Wohnkosten wird sichtbar, wenn berücksichtigt
wird, dass in der obersten Einkommensgruppe 16 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens dafür aufgewendet werden müssen, während in der untersten Einkommensgruppe 50 Prozent aufgewendet werden müssen. Diese hohe Belastung der Haushaltskasse durch die Wohnkosten bei Geringverdienern
wird künftig eine noch größere Bedeutung erlangen, wenn steigende Mieten einerseits und eine Vermehrung von Altersarmut anzutreffen sein werden.
Für viele Menschen in prekären Lebenslagen sind die Mieten nicht allein zu stemmen. Knapp jede/r
zehnte Bewohnerin/Bewohner erhält einen Zuschuss zu den Wohnkosten vom Wohnungsamt, Sozialamt
oder vom Jobcenter. Dabei überwiegt der Zuschuss für Heizung und Unterkunft durch das Jobcenter
(6 Prozent der Befragten).
Tabelle 5.12:

Mietzuschuss vom

Wohnungsamt

Durchschnittliches Haushaltsnettoeinkommen - nach der Art des
Wohngeldzuschusses - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Euro mittleres
Haushaltsnettoeinkommen
1.014

Sozialamt

980

Jobcenter

1.122

kein Zuschuss

2.397

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Dabei ist der Empfang von Mietzuschüssen im Bezirk sehr unterschiedlich verteilt.44 In Hellersdorf-Nord
ist der Anteil der Empfängerinnen/Empfänger von Kosten für die Unterkunft infolge von Langzeitarbeitslosigkeit am höchsten in (14,2 Prozent) und in Marzahn-Nord am zweithöchsten (12,6 Prozent). Wohngeld vom Sozialamt (in Abhängigkeit von der Höhe der Miete, dem Einkommen und der Haushaltsgröße)
erhalten am häufigsten Bewohnerinnen und Bewohner ab 50 Jahre in Hellersdorf-Ost (11,3 Prozent) und
in Marzahn-Nord (8,7 Prozent). In den Bezirksregionen des Siedlungsgebietes liegen die Anteile der
Wohngeldempfängerinnen bzw. Wohngeldempfänger zwischen einem und zwei Prozent.

44

Trotz der geringen Fallzahlen in den Bezirksregionen sei auf diese Verteilung eingegangen, weil der Bezirk für
die Zahlung des Wohngeldes zuständig ist.

161

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 5.9:

Mietzuschuss - nach seiner Herkunft und Bezirksregionen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent* 14,2

12,6
11,3
8,7
6,9
4,9

5,6

5,1

3,1
,8

1,7

3,5

1,6

,6

ja, WG vom Wohnungsamt

5,5

4,4
2,9

2,2

1,2

1,6
,3

ja, Zuschuss vom Sozialamt

ja, Zuschuss vom Jobcenter

* Angabe mit Kommastelle wegen teilweise kleiner Werte
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Von Bedeutung für den Empfang von Wohnzuschüssen scheint auch die Wohndauer in der Wohnung zu
sein. Je kürzer die Wohndauer in einer Wohnung ist, desto größer ist der Anteil der Haushalte, die einen
Wohnzuschuss erhalten. Dabei sind die Unterschiede deutlich: Bei einer Wohndauer unter 20, aber über
10 Jahre, beträgt der Anteil der Empfängerinnen und Empfänger von Mietzuschüssen insgesamt (in allen
Formen) 10,4 Prozent. Bei einer Wohndauer von unter 10, aber bis zu 3 Jahren, beträgt dieser Anteil
15,4 Prozent und bei einer Wohndauer unter 3 Jahren 16,4 Prozent. Bei längerer Wohndauer als 30 Jahre beträgt der Anteil noch 5,5 Prozent und bei noch längerer Wohndauer unter ein Prozent.
Abbildung 5.10:

Mietzuschuss - nach seiner Herkunft und der Wohndauer in der Wohnung
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent*12,3
9,9

6,3

5,5

5,5

4,1

3,3

4,1

3,5

2,3
,6

,8 ,7 ,8

,3

,3

,3

40 Jahre und 30 bis unter 40 20 bis unter 30 10 bis unter 20 3 bis unter 10 unter 3 Jahre
mehr
Jahre
Jahre
Jahre
Jahre

ja, WG vom Wohnungsamt

ja, Zuschuss vom Sozialamt

* Angabe mit Kommastelle wegen teilweise kleiner Werte
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

162

Gesamt

ja, Zuschuss vom Jobcenter

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Dieser Befund weist erneut auf die Bedeutung der Wohndauer für die Verteilung der Wohnbedingungen
im Bezirk hin.
Der Zusammenhang zwischen dem Bestehen einer Umzugsabsicht und dem Empfang eines Mietzuschusses unterstreicht dieses Ergebnis.
Tabelle 5.13:

Erhalt von Mietzuschuss - nach der Umzugsabsicht - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent* -

Umzugsabsicht

ja, Zuschuss vom
Wohnungsamt

ja, Zuschuss vom
Sozialamt

ja, Zuschuss vom
Jobcenter

ja

0,9

5,6

12,4

nein

0,3

3,0

4,1

Gesamt

0,3

3,5

5,5

* Angabe mit Kommastelle wegen teilweise kleiner Werte
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

5.3

Wohndauer

Wohndauer im Bezirk
Die Wohndauer im Bezirk ist hoch. Der Mobilitätsdruck aus dem Bezirk heraus ist aus den verschiedensten Gründen (vor allem wegen der Verbundenheit der Bewohnerinnen und Bewohner mit dem Bezirk,
aber auch wegen der Wohnungsmarktsituation in anderen Bezirken) gering. Im Gegenteil, es besteht ein
„Sog“ nach Marzahn-Hellersdorf aus vielen anderen Berliner Stadtbezirken, der sich in einem positiven
Wanderungssaldo niederschlägt. Die im vergangenen Jahr ermittelte durchschnittliche Wohndauer der
ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf betrug knapp 25 Jahre. Damit lag sie wiederum höher als vor
5 Jahren. Ein Vergleich der Wohndauer der Bewohnerinnen und Bewohner in den einzelnen Bezirksregionen muss berücksichtigen, dass die einzelnen Regionen zu unterschiedlichen Zeiten fertiggestellt und
bezogen wurden.
Tabelle 5.14:

Mittlere Wohndauer im Bezirk - nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Jahren -

MarzahnNord

MarzahnMitte

MarzahnSüd

Hellersdorf-Nord

Hellersdorf-Ost

Hellersdorf-Süd

Biesdorf

Kaulsdorf

Mahlsdorf

Gesamt

20

25

29

18

23

24

28

27

29

25

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Es ist ersichtlich, dass die durchschnittliche Wohndauer im Bezirk seitens der Bewohnerinnen und Bewohner von Marzahn-Süd mit 29 Jahren etwas größer ist als in den Bezirksregionen des Siedlungsgebietes mit 27 bis 29 Jahren. Dennoch ist festzustellen, dass der Anteil der Bewohnerinnen und Bewohner,
die länger als 40 Jahre im Territorium wohnen, im Siedlungsgebiet nicht nur höher ist, sondern hier
überhaupt nur eine so lange Wohndauer anzutreffen ist. Der Grund ist schlicht der, dass die Großsiedlung erst ab 1978 bezogen wurde. Die Ergebnisse verweisen jedoch für den ganzen Bezirk auf eine hohe
Verbundenheit mit dem Bezirk insgesamt, vor allem in den Teilen der Großsiedlung, die als erste fertiggestellt wurden.

163

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Die Verteilung der Wohnspannen in den Bezirksregionen ist differenziert. Anteilig wohnen in den zuerst
bezogenen Wohngebieten von Marzahn-Mitte und Marzahn-Süd 51 Prozent bzw. 51 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner ab 50 Jahre zwischen 30 und 40 Jahren im Bezirk. Hellersdorf, das später
errichtet wurde, hat den größten Anteil an Einwohnerinnen und Einwohnern ab 50 Jahre, die zu 52 Prozent in Hellersdorf-Ost, zu 44 Prozent in Hellersdorf-Süd und zu 37 Prozent in Hellersdorf-Nord wohnen.
Diese Erstbezüge (bzw. die Bewohnerinnen und Bewohner, die seitdem im Bezirk wohnen) prägen die
Verteilung der Bewohnerinnen/Bewohner nach der Wohndauer im Bezirk und sind Ausdruck der Identifikation mit diesem. Im Siedlungsgebiet ist die Verteilung der Anteile der Bevölkerung ab 50 Jahre in den
einzelnen Dekaden der Wohndauer im Bezirk ausgeglichener. Im Hinblick auf die Wohndauer im Bezirk
ist die Bevölkerung ab 50 Jahre des Siedlungsgebietes gleichmäßiger durchmischt.
Abbildung 5.11:

9
6

Wohndauer im Bezirk - nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent 4
11

5
10

13

11

30
16

14

7
19

16
13

1
9

8

16

24

3
12
23

24

23

44

19

1
9

4
11

27

20

23

27

52
35
51
18
1

52

7

24

37

9
1

14
4

28

18

26
14

16
29
24

1

40 Jahre und mehr

30 bis unter 40 Jahre

20 bis unter 30 Jahre

10 bis unter 20Jahre

3 bis unter 10 Jahre

unter 3 Jahre

8

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

In den Altersgruppen kann eine differenzierte Wohndauer registriert werden. Auch bei den künftigen
Senioren sind einige Fälle mit sehr langer Wohndauer im Bezirk anzutreffen (28 Prozent länger als
30 Jahre), was darauf schließen lässt, dass ein Teil von ihnen bereits im Kindes- oder Jugendalter hier
gewohnt hat. Dennoch ist das Anteil mit einer kürzeren Wohndauer (unter 10 Jahren 18 Prozent) geringer als in den anderen Altersgruppen - wobei allerdings auffällt, dass auch 13 Prozent der Hochbetagten
erst in jüngerer Zeit in den Bezirk gezogen sind.

164

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 5.15:

Wohndauer im Bezirk - nach Altersgruppen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent 40 Jahre und
mehr

30 bis unter
40 Jahre

20 bis unter
30 Jahre

10 bis unter
20Jahre

3 bis unter
10 Jahre

4

24

31

21

13

5

junge Alte

10

40

22

17

8

2

fortgeschrittene Ältere

14

26

25

20

7

3

Hochbetagte

22

27

24

13

13

0

8

29

27

20

11

4

künftige Senioren

Gesamt

unter
3 Jahren

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Wohndauer in der jetzigen Wohnung
Neben der Betrachtung der Wohndauer im Bezirk ist die Analyse der Wohndauer in der jetzigen Wohnung von Bedeutung. In bisherigen Betrachtungen stand vor allem die Mobilität über die Bezirksgrenzen
hinweg im Mittelpunkt. Für zeitliche Veränderung der Verteilung der Bevölkerung im Bezirk ist die
Wohndauer in der eigenen Wohnung von mindestens ebenso großer Bedeutung wie die Wohndauer im
Bezirk, insofern sie Umzüge innerhalb des Bezirkes berücksichtigt. Die jeweils gegebenen Bedingungen
der eigenen Wohnung (Größe, Preis, Ausstattung, Lage etc.) haben einen Einfluss auf Mobilitätsentscheidungen auch innerhalb des Bezirkes. So führt die Binnenmobilität im Bezirk zu einer Veränderung
der sozialen Verteilung der Bevölkerung im Bezirk und trägt auf diese Weise zur Ausbildung des sozialen
Profils der einzelnen Regionen bei. Ein Vergleich der Wohndauer im Bezirk und in der Wohnung zeigt,
dass es in der Vergangenheit bei den ab 50-Jährigen eine erhebliche Mobilität innerhalb des Bezirkes
gegeben hat. Die Wohnmobilität, deren Untersuchung mit der Analyse des Umzugsverhaltens unten
weitergeführt wird, kann zwar direkt nicht von den Akteuren und Einrichtungen des Bezirksamtes beeinflusst werden, aber auf sie kann durch verschiedene Formen der Information und Zusammenarbeit
verschiedener politischer, wirtschaftlicher und von Akteuren der Zivilgesellschaft zum Zweck der besseren Anpassung der Wohnbedingungen an den altersgerechten Bedarf eingewirkt werden.
Es zeigt sich, dass auch im Hinblick auf die Wohndauer in der jetzigen Wohnung Marzahn-Nord und Hellersdorf-Nord auf die im Mittel kürzesten Fristen zurückblicken (16 Jahre bzw. 12 Jahre). Die durchschnittliche Mobilität in diese Bezirksregionen hinein ist in der letzten Zeit am größten gewesen, was vor
allem durch soziale Faktoren begründet sein dürfte. Das ist auch daran zu erkennen, dass Arbeitslose
eine mittlere Wohndauer in ihrer Wohnung von 12 Jahren haben und Vollzeiterwerbstätige eine von 17
Jahren. Bei den Nichterwerbstätigen beträgt die mittlere Wohndauer in der jetzigen Wohnung 22 Jahre.
Die Verteilung der mittleren Wohndauer in der jetzigen Wohnung innerhalb der Bezirksregionen zeigt
folgende Tabelle.
Tabelle 5.16:

Wohndauer in der jetzigen Wohnung - nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Jahren -

MarzahnNord

MarzahnMitte

MarzahnSüd

Hellersdorf-Nord

Hellersdorf-Ost

Hellersdorf-Süd

Biesdorf

Kaulsdorf

Mahlsdorf

Gesamt

16

19

22

12

19

18

20

20

23

19

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

165

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Auf der einen Seite weist die Wohndauer auf die Abfolge des Bezuges der einzelnen Bauabschnitte der
Großsiedlung hin, insbesondere in Marzahn-Mitte und Marzahn-Süd, wo ein großer Teil der Bewohnerinnen und Bewohner (34 Prozent bzw. 33 Prozent) seit dem Erstbezug offenbar in seiner Wohnung
verblieben ist. Dagegen ist z.B. in Hellersdorf-Nord zu beobachten, dass 46 Prozent der Bewohnerinnen
und Bewohner ab 50 Jahre weniger als 10 Jahre in ihrer Wohnung wohnen. Im Siedlungsgebiet wohnt
der überwiegende Teilzwischen 10 und 20 Jahren in der jetzigen Wohnung (41 Prozent in Biesdorf,
39 Prozent in Kaulsdorf und 44 Prozent in Mahlsdorf).
Tabelle 5.17:

Wohndauer in der jetzigen Wohnung - nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent 40 Jahre
und mehr

Marzahn-Nord

30 bis unter
40 Jahre

20 bis unter
30 Jahre

10 bis unter
20 Jahre

3 bis unter
10 Jahre

unter
3 Jahren

8

30

36

15

10
8

Marzahn-Mitte

1

33

11

25

23

Marzahn-Süd

4

31

17

19

21

7

Hellersdorf-Nord

1

22

30

33

13

Hellersdorf-Ost

8

26

30

33

3

Hellersdorf-Süd

14

30

28

23

6

Biesdorf

11

7

21

42

16

3

Kaulsdorf

9

11

17

37

23

3

Mahlsdorf

18

9

13

44

13

3

5

15

20

32

22

7

Gesamt

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Für die Angehörigen der Altersgruppen lässt sich feststellen, dass 41 Prozent der Hochbetagten mehr als
30 Jahre in der jetzigen Wohnung wohnen, aber nur 10 Prozent der künftigen Senioren. Unter 3 Jahren
wohnen 26 Prozent der künftigen Senioren in ihrer jetzigen Wohnung und 23 Prozent der Hochbetagten
(auch wegen der Heimunterbringung), aber nur 11 Prozent der fortgeschrittenen Älteren.
Tabelle 5.18:

Wohndauer in der jetzigen Wohnung - nach Altersgruppen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent 40 Jahre und
mehr

30 bis unter
40 Jahre

20 bis unter
30 Jahre

10 bis unter
20 Jahre

3 bis unter
10 Jahre

unter
3 Jahren

künftige Senioren

1

9

21

36

26

8

junge Alte

6

26

19

27

19

3

fortgeschrittene Ältere

11

18

21

30

11

7

Hochbetagte

20

21

19

12

23

5

5

15

20

32

21

6

Gesamt

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

So gibt es einen nicht geringen Anteil von Menschen, der in der Vergangenheit innerhalb des Bezirkes
umgezogen ist. Von den Befragten sind insgesamt 40 Prozent schon einmal im Bezirk umgezogen (gemessen am Anteil derjenigen, die kürzer in ihrer eigenen Wohnung wohnen als im Bezirk). Der Kreis
dieser Personen ist vor allem gekennzeichnet von der jüngsten Altersgruppe (50 bis unter 65 Jahre) und
von Partnerhaushalten. Es gibt in dieser Gruppe der Bewohnerinnen und Bewohner, die bereits inner-

166

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

halb des Bezirkes umgezogen sind, wenig soziale Differenzierungen, auch im Hinblick auf einen Migrationshintergrund nicht. Die Wohnfläche der von dieser Gruppe bewohnten Wohnungen ist etwas größer
als die des anderen Bevölkerungsteils, die Wohnkosten etwas geringer. Man zog also im Durchschnitt in
größere Wohnungen, aber auch in preiswertere. Zu den Gründen könnten Sanierungen zählen, wofür
auch die Häufung der innerbezirklichen Umzüge in der Spanne von 1996 bis 2006 spricht. Es gab einerseits eine Häufung von Umzügen nach Marzahn-Süd, wo die ersten Sanierungen stattfanden, und eine
Häufung in Hellersdorf-Nord. Alle anderen Bezirksregionen (einschließlich des Siedlungsgebietes) sind
durchschnittlich von Zuzügen aus dem Bezirk betroffen. Zu den Gründen gehört u.a. der Preisdruck auf
dem Wohnungsmarkt.
In den letzten 10 Jahren sind 219der Befragten innerhalb des Bezirkes umgezogen, das sind 13 Prozent
der Bevölkerung ab 50 Jahre. Da im Jahr 2010 die Zahl der über 50-Jährigen 99.618 betrug45, kann man
grob schätzen, dass 13.000 Personen, die heute 50 Jahre und älter sind, in den vergangenen 10 Jahren
innerhalb des Bezirkes umgezogen sind, d.h. im Durchschnitt 1.300 im Jahr.
Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung bedeutet das, dass rund gerechnet 31.980 Personen innerhalb des Bezirkes umgezogen sind, pro Jahr also 3.198. Dem standen für das Jahr 2013 z.B. 988 Zuzüge
nach Marzahn-Hellersdorf, davon 438 nicht aus Berlin, gegenüber46. Es zogen mithin im Mittel der letzten Jahre nahezu dreimal so viel Menschen innerhalb von Marzahn-Hellersdorf um als es Zuzüge gab.
5.4

Bewertung der Wohnung und des Wohnumfeldes

Bewertung der Wohnung
Die meisten Bewohnerinnen (71 Prozent) und Bewohner (77 Prozent) sind mit ihrer Wohnung zufrieden
(insgesamt 74 Prozent)47. Unzufrieden sind nur 2 Prozent (4 Prozent - ohne Antwort). Dieser hohen Zufriedenheit entsprechend sind auch nur wenige Gruppen identifizierbar, deren Mitglieder deutlich unterdurchschnittlich zufrieden mit ihrer Wohnung sind. Dazu gehören:


Menschen mit Migrationshintergrund (59 Prozent zufrieden),



künftige Senioren (70 Prozent zufrieden),



Menschen ohne beruflichen Abschluss (65 Prozent zufrieden),



Arbeitslose (53 Prozent zufrieden) und geringfügig Beschäftigte (44 Prozent zufrieden),



Geringverdiener (unter 1.000 Euro HH-netto: 57 Prozent zufrieden),



Menschen mit einer Pflegestufe (63 Prozent zufrieden),



in den vergangenen zehn Jahren Zugezogene (64 Prozent zufrieden).

Daraus wird deutlich, dass die Zufriedenheit mit der eigenen Wohnung auch durch die soziale Lage der
Bewohnerinnen und Bewohner mitbestimmt wird. In diese Problematik eingeschlossen ist auch ein Teil
der künftigen Senioren, insofern sie erwerbslos bzw. Geringverdiener sind.

45

46
47

Das Jahr 2010 wird hier als Mitte (Bezugsjahr) zwischen 2005 und 2015 für die Hochrechnung der Gesamtzahl
der Umzüge innerhalb des Bezirkes in den vergangenen 10 Jahren zugrunde gelegt.
Vgl. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, info@statistik-bbb.de, OT_A03-01-00_127_201312_BE.xlsx
Siehe Kapitel 10.

167

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Dass die Bewohnerinnen und Bewohner mit einer Pflegestufe unterdurchschnittlich häufig zufrieden mit
ihrer Wohnung sind, weist auf eine Problemlage hin, die für eine wachsende Zahl von älteren Menschen
künftig von Bedeutung sein könnte. Für diesen Personenkreis wäre es hilfreich, wenn sich künftig weitere Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner sowie Ratgeber für die Verbesserung der Wohnsituation
finden könnten - sei es bei den Pflegekassen, sei es im Gesundheitsamt, sei es bei den Vermietern, sei es
auf ehrenamtlicher Basis48.
Dass es innerhalb der Kieze des Bezirkes große Unterschiede in der Wohnzufriedenheit gibt, ist im Kapitel 10 angemerkt worden. Es wurde dabei deutlich, dass in beiden nördlichen Regionen der ehemaligen
Teilbezirke die Zufriedenheit am geringsten ausgeprägt ist, in Marzahn-Nord 58 Prozent und in Hellersdorf-Nord 56 Prozent. Das Siedlungsgebiet hebt sich von der Großsiedlung insgesamt deutlich durch am
stärksten ausgeprägte Zufriedenheit ab.
Ein in der Gesamtheit zwar ähnliches, im Detail jedoch etwas differenzierteres Bild des Einverständnisses mit der eigenen Wohnung ergibt sich bei der Frage, ob die gegenwärtige Wohnung den aktuellen
Wohnbedürfnissen entspricht. Diese Frage beantworten ebenfalls rund drei Viertel der Befragten mit ja.
Auch hier ist es so, wie bei der Frage nach der Zufriedenheit, dass Frauen (70 Prozent) etwas seltener
zufrieden sind bzw. die Wohnung ihren aktuellen Bedürfnissen entspricht als Männer (75 Prozent), und
auch hier zeigt sich deutlich, dass sozial schlechter gestellte Bewohnerinnen und Bewohner auch seltener in einer Wohnung wohnen, die ihren aktuellen Bedürfnissen entspricht:


Arbeitslose bewerten zu 51 Prozent ihre Wohnung als bedürfnisgerecht und zu 13 Prozent als nicht
bedürfnisgerecht;



geringfügig Beschäftigte bewerten zu 52 Prozent ihre Wohnung als bedürfnisgerecht und 6 Prozent
als nicht bedürfnisgerecht.

Im Hinblick auf das Alter ergibt sich eine nur leichte Differenzierung.
Tabelle 5.19:

Wohnung entspricht den aktuellen Wohnbedürfnissen - nach Alter - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent ja

teilweise

nein

künftige Senioren

72

23

5

junge Alte

76

20

3

fortgeschrittene Ältere

71

24

3

Hochbetagte

66

27

5

Gesamt

72

22

4

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die Gruppe der künftigen Senioren enthält überdurchschnittlich viele Arbeitslose und Geringverdiener,
für die eine bedürfnisgerechte Wohnung seltener gegeben ist. Daher entspricht in dieser Gruppe die
Wohnung nur zu 72 Prozent den aktuellen Bedürfnissen. Ein Teil dieser Altersgruppe befindet sich auch
noch auf der Suche nach einer bedürfnisgerechten Wohnung (siehe unten: Umzugsabsichten).

48

So sind sowohl Beratungsangebote des Gesundheits- und Sozialamtes, der Mieterberatung und der Pflegeberatung den Betroffenen und Angehörigen aller Altersgruppen mehrheitlich nicht bekannt und genutzt insgesamt
von nur 3 Prozent, 1 Prozent bzw. 2 Prozent aller Befragten. Vgl. Kapitel 8

168

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Unter den jungen Alten dagegen ist das Einverständnis mit der eigenen Wohnung stärker ausgeprägt
(76 Prozent). Häufig werden Lebenssituationen, die im höheren Alter zu anderen Bedarfslagen führen,
noch ausgeblendet, weshalb die Wohnung in dieser Altersgruppe am häufigsten den Wohnbedürfnissen
entspricht. Bei den fortgeschrittenen Älteren und auch bei den Hochbetagten machen sich dagegen
etwas häufiger gesundheitliche Probleme bemerkbar, die auch zu einem anderen Wohnbedarf führen.
In diesen beiden Altersgruppen schlagen sich gesundheitliche Beeinträchtigungen bereits stärker in den
Wohnbedürfnissen nieder.
Das wird auch deutlich bei den Menschen mit einem Pflegebedarf oder einer Schwerbehinderung.
Tabelle 5.20:

Wohnung entspricht den aktuellen Wohnbedürfnissen - nach Pflegebedarf und
Schwerbehinderung - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent ja

teilweise

nein

Schwerbehinderung

67

26

6

Pflegestufe

57

31

9

Gesamt

72

22

4

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Es sind in beiden Fällen immer noch jeweils Mehrheiten, die angeben, dass ihre Wohnungen ihren aktuellen Bedürfnissen entsprechen, aber die Einschränkungen in dieser Einschätzung werden häufiger.
Auch hier steht der Hinweis auf künftige Erweiterung eines Kreises von Akteuren, die den weniger oder
gar Unzufriedenen mit Rat und Tat zur Seite stehen.
In den Wohngebieten stellt sich die Bewertung der Wohnsituation differenziert dar.
Tabelle 5.21:

Wohnung entspricht den aktuellen Wohnbedürfnissen - nach Bezirksregionen
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

Gesamt

MarzahnNord

MarzahnMitte

MarzahnSüd

HellersdorfNord

HellersdorfOst

HellersdorfSüd

Biesdorf

Kaulsdorf

Mahlsdorf

ja

72

64

67

76

56

72

66

79

89

87

teilweise

22

27

28

19

38

22

28

17

10

9

4

9

3

3

5

5

6

3

1

2

nein

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

In Hellersdorf-Nord sind die Einschränkungen für eine positive Antwort am größten (Antwort „teils/teils“
38 Prozent) und somit der geringste Anteil an durchweg positiven Bewertungen (56 Prozent) anzutreffen. In Marzahn-Nord entspricht die Wohnung etwas eher den aktuellen Bedürfnissen (64 Prozent) als
die Bewohnerinnen und Bewohner auch zufrieden mit ihrer Wohnung wären (58 Prozent). Von denen,
auf die das zutrifft, könnte man sagen, sie können sich zu ihrem „Wohnglück“ künftig weitere Verbesserungen vorstellen. Dagegen ist in Marzahn-Nord der höchste Anteil an Einwohnerinnen und Einwohnern
über 50 Jahre anzutreffen, deren Wohnung gar nicht den eigenen Bedürfnissen entspricht (9 Prozent). In
Marzahn-Mitte ist es - wie auch in anderen Bezirksregionen - umgekehrt: Hier entsprechen die Wohnungen bei 67 Prozent der Befragten den aktuellen Wohnbedürfnissen, aber 73 Prozent sind mit ihrer
Wohnung zufrieden. Hier könnte man sagen, die Bewohnerinnen und Bewohner arrangieren sich gegenwärtig mit den gegebenen Bedingungen. Das Gleiche trifft auch z.B. auf Biesdorf zu, wo 86 Prozent

169

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

mit ihrer Wohnung zufrieden sind, aber 79 Prozent angeben, dass die Wohnung mit ihren gegenwärtigen Bedürfnissen übereinstimmt.
Die Wohndauer hat auch auf die Bewertung der eigenen Wohnung als bedürfnisgerecht einen erheblichen Einfluss. Dabei ist festzustellen, dass diejenigen, die am kürzesten in ihrer Wohnung wohnen, diese
am seltensten als bedürfnisgerecht bewerten (unter 3 Jahre 59 Prozent), wogegen diejenigen, die am
längsten in ihrer Wohnung wohnen, diese Bewertung zu 82 Prozent vornehmen. Man könnte annehmen, dass Umzüge zu einer besseren Anpassung der Wohnung an die eigenen Bedürfnisse führen, aber
für einen Teil der Bewohnerinnen und Bewohner ab 50 Jahre ist das nicht der Fall. Wieder sollte beachtet werden, dass in den letzten 10 Jahren mehrheitlich die Jüngeren in unserer Zielgruppe sowie Familien, aber auch sozial Schwache umgezogen sind.
Tabelle 5.22:

Wohnung entspricht den aktuellen Wohnbedürfnissen - nach der Wohndauer in der
jetzigen Wohnung - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent ja

teilweise

nein

40 Jahre und mehr

82

12

3

30 bis unter 40 Jahre

70

24

4

20 bis unter 30 Jahre

72

25

3

10 bis unter 20 Jahre

76

20

3

3 bis unter 10 Jahre

71

22

5

unter 3 Jahren

59

31

8

Gesamt

72

22

4

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Insgesamt bewerten 15 Prozent derjenigen, die mit ihrer Wohnung zufrieden sind, ihre Wohnung nicht
oder nur eingeschränkt als ihren Bedürfnissen entsprechend, während 11 Prozent derjenigen, die ihre
Wohnung als bedürfnisgerecht bewerten, mit dieser nicht voll zufrieden sind.
Bewertung des Wohnumfeldes
Für die Bewältigung und aktive Gestaltung des Alltags ist die Erreichbarkeit - und zwar die bequeme
Erreichbarkeit - von Infrastruktureinrichtungen und sozialen Kontakten eine wesentliche Voraussetzung.
In vielen Fällen ist die fußläufige Erreichbarkeit der Einrichtungen wichtig, für andere ist es wichtiger, sie
mit dem ÖPNV oder anderen Verkehrsmitteln zu erreichen. Fehlen diese Möglichkeiten, ist ein Leben
ohne Hilfen nicht zu bewältigen. So äußert nur 1 Prozent der ab 50-Jährigen, dass sie den ÖPNV nicht
brauchen würden.
Wie im Kapitel 10 dargestellt, wird die Anbindung des Bezirkes an das Netz des ÖPNV von den ab
50-Jährigen als gut eingeschätzt. Darüber hinaus ist es im teilweise weitläufigen Bezirk wichtig, dass die
jeweiligen Haltestellen von den Bewohnerinnen und Bewohnern auch gut erreichbar sind. Das ist auch
der Fall. Für 92 Prozent der Befragten sind die Haltestellen bequem zu erreichen. Das gilt mit nur geringen Unterschieden für alle Bezirksregionen (im Siedlungsgebiet etwas weniger, in Kaulsdorf am seltensten: 89 Prozent) und für alle Altersgruppen. Die Hochbetagten bewerten die Haltestellen des ÖPNV mit
80 Prozent am seltensten als bequem erreichbar.
Einrichtungen der Versorgung für den täglichen Bedarf sind differenziert erreichbar. Bequem sind für die
meisten Befragten die Einrichtungen für den Einkauf des täglichen Bedarfs (89 Prozent) erreichbar. Kon-

170

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

toführende Bank/Sparkasse, Post und Schuhreparatur sind für zwei Drittel bis drei Viertel der ab
50-Jährigen gut erreichbar. Reformhäuser werden offenbar von Vielen nicht gebraucht (40 Prozent),
weshalb ihre Erreichbarkeit für diesen Personenkreis nicht von großer Bedeutung ist. Hervorzuheben ist,
dass insbesondere eine Post für 31 Prozent schwer erreichbar ist.
Tabelle 5.23:

Bequeme Erreichbarkeit von Einrichtungen des täglichen Bedarfs - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent bequem erreichbar

schwer erreichbar

brauche ich nicht

Einkauf - täglicher Bedarf

89

8

0

Bank/Sparkasse

74

20

3

Post

64

31

1

Schuhreparatur

60

20

15

Reformhaus

33

21

40

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Gesundheitsrelevante Einrichtungen sind ebenfalls sehr unterschiedlich erreichbar. Dass Apotheken
(93 Prozent) und Hausärzte (81 Prozent) gut bis sehr gut erreichbar sind, ist positiv zu bewerten, wobei
für 15 Prozent der Hausarzt/die Hausärztin nicht gut erreichbar ist, was für diesen Patientenkreis große
Schwierigkeiten nach sich zieht. Ärztehäuser, die die medizinische Versorgung sehr erleichtern, sind nur
für 76 Prozent bequem zu erreichen, für 16 Prozent nicht. Der Weg zu einer Physiotherapie ist für
79 Prozent leicht und ein geringerer Teil (8 Prozent) hat auf diesem Weg Mühen. Optiker (79 Prozent gut
erreichbar), Sanitätshäuser (55 Prozent gut erreichbar) und Hörgeräteanbieter (40 Prozent gut erreichbar) werden wahrscheinlich auch in dieser Reihenfolge von der Bevölkerung ab 50 Jahre benötigt. Dennoch bedeutet es ein erhebliches Defizit, wenn gerade mit steigendem Alter die benötigten Einrichtungen schwer zu erreichen sind, was insbesondere auf die Sanitätshäuser zutrifft (18 Prozent). Ein Fitnessclub lässt sich von 46 Prozent der Befragten gut erreichen, 40 Prozent benötigen aber auch keinen.

171

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 5.24:

Bequeme Erreichbarkeit von gesundheitsrelevanten Einrichtungen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent bequem erreichbar

schwer erreichbar

brauche ich nicht

Apotheke

93

4

1

Hausärztin/Hausarzt

81

15

1

Optiker

79

14

4

Physiotherapie

79

8

10

Ärztehaus

76

16

2

Sanitätshaus

55

18

22

Fitnessclub

46

8

40

Hörgeräteanbieter

40

5

50

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Für die Körperpflege relevante Einrichtungen sind eigentlich gut zu erreichen (Friseur 82 Prozent, Fußpflege 50 Prozent), wobei die Fußpflege einerseits von 33 Prozent der Befragten nicht benötigt wird,
aber auch von 13 Prozent nur schwer zu erreichen ist.
Tabelle 5.25:

Bequeme Erreichbarkeit von Einrichtungen der Körperpflege - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent bequem erreichbar

schwer erreichbar

brauche ich nicht

Friseur

82

6

8

Fußpflege

50

13

33

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Der Zugang zu den sozialen Kontakten ist für alle Menschen eine wichtige Bedingung in ihrer Lebensgestaltung. Sei es, um gemeinsam aktiv zu sein, sei es um sich auszutauschen oder aber Hilfe entgegenzubringen, die wichtigen sozialen Beziehungen können nicht nur fernmündlich oder schriftlich gepflegt werden. Es sagen auch nur 3 Prozent bzw. 4 Prozent aus, dass sie dieser Kontakte nicht bedürfen. Aber weniger als ein Drittel (61 Prozent) können ihre Familie oder Freunde bequem erreichen. Für 29 Prozent
bzw. 28 Prozent ist das ein Problem und bedeutet daher eine Einschränkung der sozialen Integration.
Begegnungsstätten meinen zwar 37 Prozent nicht zu brauchen, aber für 14 Prozent sind sie auch schwer
erreichbar.
Tabelle 5.26:

Bequeme Erreichbarkeit von Einrichtungen der sozialen Einbindung - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent bequem erreichbar

schwer erreichbar

brauche ich nicht

Familienmitglieder

61

29

3

Freundinnen/Freunde

61

28

4

Begegnungsstätte

42

14

37

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

172

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Die öffentlichen Räume, Wege und Grünanlagen sind immer wieder ein Diskussionsthema für die älteren Menschen im Bezirk49, bilden aber nach wie vor einen Stein des Anstoßes. So sind Bänke zum Verweilen an der frischen Luft für 33 Prozent schwer zu erreichen und noch schwerer, nämlich für 43 Prozent, sind es öffentliche Toiletten.
Tabelle 5.27:

Bequeme Erreichbarkeit von öffentlichen Bänken und Toiletten - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent bequem erreichbar

schwer erreichbar

brauche ich nicht

Bänke zum Verweilen

51

14

12

öffentliche Toilette

26

14

23

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Für die Altersgruppen sind zwar die Kriterien dessen, was als bequem und was als schwer erreichbar gilt,
unterschiedlich, dennoch ist es in jedem Fall ein Problem, wenn die Erreichbarkeit von wichtigen Einrichtungen des täglichen Lebens eingeschränkt ist.
Künftige Senioren bewerten als schwer erreichbar insbesondere öffentliche Toiletten (46 Prozent), eine
Post (33 Prozent), Bänke zum Verweilen (32 Prozent), Freunde (28 Prozent) und Familienmitglieder
(26 Prozent).
Die jungen Alten halten für schwer erreichbar vor allem öffentliche Toiletten (42 Prozent), Familienmitglieder (31 Prozent), eine Post (29 Prozent), Freunde (25 Prozent) und eine kontoführende Bank/Sparkasse (23 Prozent).
Für fortgeschrittene Ältere stellt sich als schwer erreichbar heraus: öffentliche Toiletten (38 Prozent),
Bänke (37 Prozent), Familienmitglieder (34 Prozent), Freunde (31 Prozent) und eine Post (28 Prozent).
Die hochbetagten Befragten vermissen in erster Linie Bänke zum Verweilen (47 Prozent), und erreichen
nur schwer ein Ärztehaus (36 Prozent), Familienmitglieder (35 Prozent), eine Post (34 Prozent) und auch
Freunde (29 Prozent).

49

Siehe Kapitel 10.

173

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 5.28:

Erreichbarkeit von öffentlichen Einrichtungen und nahestehenden Personen
- nach Altersgruppen - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent (nur Antwort: „schwer erreichbar“)
Gesamt

künftige
Senioren
50-65 Jahre

junge
Alte
65-75 Jahre

fortgeschrittene
Ältere
75-85 Jahre

Hochbetagte
85 Jahre
u. älter

Haltestelle ÖPNV

4

3

5

3

14

Einkauf - täglicher Bedarf

8

7

8

8

16

Bank/Sparkasse

20

21

23

13

27

Post

31

33

29

28

34

Schuhreparatur

20

22

21

16

13

Reformhaus

21

22

16

23

19

Apotheke

4

3

3

5

9

Hausärztin/Hausarzt

15

16

12

14

23

Optiker

14

13

13

17

17

8

8

8

8

10

Ärztehaus

16

16

13

18

36

Sanitätshaus

18

17

17

22

26

Fitnessclub

8

9

8

7

1

Hörgeräteanbieter

5

4

4

8

11

Physiotherapie

Friseur

6

6

6

7

9

Fußpflege

13

12

13

13

13

Familienmitglieder

29

26

31

34

35

Freundinnen/Freunde

28

28

25

31

29

Begegnungsstätte

14

12

13

17

31

Bänke zum Verweilen

33

32

29

37

47

öffentliche Toilette

43

46

42

38

28

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Menschen mit Migrationshintergrund bewerten die Erreichbarkeit von öffentlichen Einrichtungen häufig
schlechter als Menschen ohne. Erstaunlicherweise ist eine Begegnungsstätte (50 Prozent) für sie besser
erreichbar als für die Anderen. Kennzeichnend scheint auch zu sein, dass Menschen mit einem Migrationshintergrund die Erreichbarkeit ihrer Familienmitglieder nicht viel schlechter einschätzen (56 Prozent)
als die Menschen ohne (61 Prozent). Hinsichtlich der Erreichbarkeit von Freunden halten sich die Bewertungen von Menschenmit und ohne Migrationshintergrund die Waage.
Für Menschen mit einer Schwerbehinderung oder einer Pflegestufe sind die Einrichtungen natürlich
mühsamer zu erreichen. Herausgegriffen sei beispielhaft die schwerere Erreichbarkeit der Familienmitglieder für Schwerbehinderte (31 Prozent) und für Pflegebedürftige (50 Prozent). Wichtig ist, mindestens
die Sicherung der täglichen und medizinischen Betreuung zu unterstützen, deren Zugang vor allem von
Pflegebedürftigen oft als schwer eingeschätzt wird.

174

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 5.29:

Erreichbarkeit von öffentlichen Einrichtungen und nahestehenden Personen
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent (nur Antwort: „schwer erreichbar“)
Gesamt

Haltestelle ÖPNV
Einkauf - tägl. Bedarf

4

Hellers- Hellers- HellersdorfdorfdorfNord
Ost
Süd

MarzahnNord

MarzahnMitte

MarzahnSüd

3

1

3

3

8

4

Biesdorf

Kaulsdorf

Mahlsdorf

5

6

6

8

8

13

3

5

9

2

8

10

13

Bank/Sparkasse

20

30

11

13

9

16

7

43

41

25

Post

31

30

34

26

29

26

13

43

45

37

Schuhreparatur

20

15

9

19

17

15

12

26

32

40

Reformhaus

21

20

14

11

18

33

25

18

24

32

4

3

2

2

7

2

1

3

8

8

Hausärztin/Hausarzt

15

13

15

11

20

12

11

16

13

23

Optiker

14

15

6

11

11

14

10

18

24

23

Apotheke

Physiotherapie

8

9

7

6

7

7

10

4

13

12

Ärztehaus

16

17

12

12

14

15

14

14

21

31

Sanitätshaus

18

21

8

21

16

10

20

22

21

26

Fitnessclub

8

12

7

7

5

7

4

11

11

12

Hörgeräteanbieter

5

4

2

4

5

4

4

6

8

8

Friseur

6

3

5

5

6

2

6

9

13

9

Fußpflege

13

15

8

13

14

11

11

14

18

13

Familienmitglieder

29

30

30

31

27

21

31

24

30

34

Freundinnen/Freunde

28

39

26

24

28

29

25

25

27

30

Begegnungsstätte

14

14

11

17

9

15

13

13

21

13

Bänke zum Verweilen

33

23

23

21

41

30

27

30

47

59

öffentliche Toilette

43

39

49

42

43

42

28

34

59

52

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

In regionaler Hinsicht gibt es z.T. große Unterschiede hinsichtlich der Erreichbarkeit öffentlicher Einrichtungen und wichtiger persönlicher Kontakte. Die Hervorhebungen in der Tabelle 5.28 machen deutlich,
dass im Siedlungsgebiet und dort in Mahlsdorf am häufigsten schwer erreichbare Einrichtungen angemerkt werden. Das liegt zum Teil an der Siedlungsstruktur, die eine Konzentration von öffentlichen Einrichtungen nicht zulässt, aber auch an der dort besonders kritisierten Anbindung an den ÖPNV. Marzahn-Süd wird in dieser Hinsicht besser bewertet, weil Dienstleistungs- und Gesundheitseinrichtungen
dort relativ konzentriert angesiedelt sind. Das bedeutet aber nicht, dass dort - wie auch in HellersdorfNord - die Bedingungen für ältere Menschen ganz ohne Defizite wären.
Bewertung der nachbarschaftlichen Kontakte
Nachbarschaftliche Beziehungen sind vor allem für älter werdende Menschen eine vielfache Ressource.
Sie bilden ein weiter werdendes Terrain für gesellschaftliche und private Aktivitäten, für den alltäglichen
Austausch und auch für Hilfeleistungen und Unterstützungen. Die persönlichen Kontakte zu den Nachbarinnen und Nachbarn werden von 63 Prozent als gut (45 Prozent) und sehr gut (18 Prozent) einge-

175

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

schätzt, von 26 Prozent als befriedigend und von 6 Prozent als schlecht oder sehr schlecht. 3 Prozent
interessieren sich nicht für die Nachbarn, in Hellersdorf-Süd sind es 7 Prozent.
Abbildung 5.12:

10
15
36

Bewertung der persönlichen Kontakte zu den Nachbarn - nach Bezirksregionen
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

8
23
25
11

30
8

7

13

21
19
17

33

31

1

4

3
33

3
16

6
23

3
23

33
28

42

30

21

17

14

7
11

11
9

30

37

30
26
22
1

8

3
13
44

7
22
32

13
9

20

18

15
5

40 Jahre und mehr

30 bis unter 40 Jahre

20 bis unter 30 Jahre

10 bis unter 20 Jahre

3 bis unter 10 Jahre

unter 3 Jahre

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Sehr gute Bewertungen der Nachbarschaftsbeziehungen werden im Siedlungsgebiet vorgenommen, zu
29 Prozent in Biesdorf, zu 26 Prozent in Kaulsdorf und zu 25 Prozent in Mahlsdorf. Besser als vor 5 Jahren fallen die Bewertungen in Hellersdorf-Ost (13 Prozent) und in Hellersdorf-Süd (21 Prozent, plus
7 Prozentpunkte) aus. Als gut werden die Nachbarschaftsbeziehungen neben dem Siedlungsgebiet vor
allem in Marzahn (Nord 40 Prozent, Mitte 50 Prozent, Süd 52 Prozent) eingeschätzt. Damit hat sich die
Nachbarschaftsatmosphäre in Marzahn-Nord gegenüber 2010 etwas verschlechtert. Insgesamt kann
aber festgestellt werden, dass die Nachbarschaften intakt sind.
In den Altersgruppen variieren die Bewertungen gering. Die künftigen Senioren bewerten im Durchschnitt ein wenig zurückhaltender. Sie wohnen auch im Mittel am kürzesten in ihrer jetzigen Wohnung.
Menschen mit Migrationshintergrund bewerten die nachbarschaftlichen Beziehungen auch nur unwesentlich schlechter als alle anderen, aber die positiven Bewertungen fallen deutlich geringer zugunsten
einer neutralen Bewertung aus (41 Prozent mit guten und sehr guten Kontakten bei Menschen mit
Migrationshintergrund bzw. 65 Prozent mit guten und sehr guten Kontakten bei allen anderen).
Auffallend ist, dass große Haushalte (4 und mehr Personen) im Unterschied zu den kleineren die Nachbarschaft schlechter einschätzen. 45 Prozent der Angehörigen von großen Haushalten sehen sehr gute
und gute Kontakte, aber auch 17 Prozent schlechte. Gleiches gilt für die Alleinerziehenden, die unterdurchschnittlich zu 41 Prozent über gute und sehr gute Nachbarschaftskontakte berichten und zu
15 Prozent über schlechte.
Dass Nachbarschaft von sozial Schwachen (insbesondere von Arbeitslosen) auch unterdurchschnittlich
bewertet wird, ist kein gutes Signal für eine gelingende soziale Integration dieser Menschen. 44 Prozent
berichten von guten und sehr guten Kontakten, aber 15 Prozent auch von schlechten.

176

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Die Nachbarschaftsbeziehungen der ab 50-Jährigen im Bezirk sind vielfach vertrauensvoll (59 Prozent),
noch öfter durch kleine gegenseitige Hilfen charakterisiert (75 Prozent), nur durch wechselseitiges Grüßen (43 Prozent), wenig durch Rücksichtslosigkeit (7 Prozent) und durch Unfreundlichkeit (5 Prozent).
Dass es keine nachbarschaftlichen Beziehungen gibt, berichten 6Prozent. Damit hat sich im Verhältnis
zum Jahr 2010 nicht viel geändert.
Tabelle 5.30:

Charakter der Nachbarschaftsbeziehungen - nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent - (nur Antwort:„ja“)
Gesamt

MarzahnNord

MarzahnMitte

MarzahnSüd

vertrauensvoll

59

48

56

54

53

54

kleine Hilfen

75

66

69

73

66

70

nur grüßen

43

55

55

53

53

Rücksichtslosigkeit

7

15

6

8

Unfreundlichkeit

5

10

4

keine Nachbarschaftsbeziehungen

6

10

6

Hellers- Hellers- HellersdorfdorfdorfNord
Ost
Süd

Biesdorf

Kaulsdorf

Mahlsdorf

55

71

82

66

71

91

93

83

46

37

27

20

29

9

2

5

6

3

7

6

9

3

5

3

1

6

7

12

8

7

4

0

3

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

5.5

Wohnmobilität

Umzugsabsichten
Die Befunde über die innerbezirkliche Mobilität spiegeln sich auch in den aktuellen Umzugsabsichten
wider. 8 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner ab 50 Jahre wollen aktuell umziehen. Die folgende
Tabelle zeigt, dass diese Absichten am häufigsten dort ausgeprägt sind, wo auch die Wohndauer in der
jetzigen Wohnung im Durchschnitt am geringsten ist: in Hellersdorf-Nord (16 Prozent) und MarzahnNord (14 Prozent).
Tabelle 5.31:

Umzugsabsicht - nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent ja

nein

ich weiß nicht

Marzahn-Nord

14

68

16

Marzahn-Mitte

7

82

11

Marzahn-Süd

5

87

8

16

64

18

Hellersdorf-Ost

8

81

11

Hellersdorf-Süd

8

79

9

Biesdorf

6

87

7

Kaulsdorf

4

93

2

Mahlsdorf

2

94

4

Gesamt

8

82

10

Hellersdorf-Nord

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

177

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Aber auch insgesamt stehen die Umzugsabsichten in einem engen Zusammenhang mit der Wohndauer
in der jetzigen Wohnung. 15 Prozent derjenigen, die weniger als 3 Jahre in ihrer Wohnung wohnen, hegen eine aktuelle Umzugsabsicht, 10 Prozent sind es bei denen, die kürzer als 10 Jahre in ihrer Wohnung
wohnen, und 7 Prozent bei denen, die zwischen 10 und 20 Jahren in ihrer Wohnung wohnen.
Tabelle 5.32:

Umzugsabsicht - nach der Wohndauer in der jetzigen Wohnung - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent ja

nein

40 Jahre und mehr

2

93

5

30 bis unter 40 Jahre

3

90

8

20 bis unter 30 Jahre

8

78

12

10 bis unter 20 Jahre

7

84

9

3 bis unter 10 Jahre

10

77

10

unter 3 Jahren

15

75

10

8

82

9

Gesamt

ich weiß nicht

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

In einzelnen sozialen Gruppen gibt es Auffälligkeiten in den Umzugsabsichten. So hegen 17 Prozent der
Menschen mit Migrationshintergrund eine Umzugsabsicht, aber auch 16 Prozent der Arbeitslosen.
Hinsichtlich des Alters stechen die künftigen Senioren mit einer überdurchschnittlichen Umzugsabsicht
von 11 Prozent heraus.
Menschen mit einer Schwerbehinderung (8 Prozent) äußern nicht häufiger und Menschen mit einer
Pflegestufe (10 Prozent) nur wenig häufiger als der Durchschnitt, umziehen zu wollen.
Abbildung 5.13:

Aktuelle Umzugsabsicht - nach Schwerbehinderung, Pflegestufe, Haushaltsgröße,
Erwerbsstatus und Altersgruppen - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent 17

10

16

11

9

8

8
6

4

3

4

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

178

9

8
7

8
6

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Gründe für einen Umzug - alle Befragten
Eine Umzugsabsicht äußern 125 Befragte. Die Fragen nach den Gründen für einen Umzug beantworten
aber 641. Diese Antworten können so interpretiert werden, dass die Befragten hier generell Gründe für
einen möglichen Umzug angegeben haben, unabhängig vom Bestehen einer aktuellen Umzugsabsicht.
Eine Rangfolge der Umzugsgründe wird angeführt von:
-

gesundheitlichen Gründen (17 Prozent),

-

finanziellen Gründen (Wohnung zu teuer 11 Prozent),

-

wegen Betreuung und Pflege (9 Prozent) und

-

Nähe zu den Kindern (9 Prozent).

Tabelle 5.33:

Umzugsgründe - nach Bezirksregionen - alle Befragten - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent - (nur Antwort: „trifft zu“)
Gesamt

MarzahnNord

MarzahnMitte

MarzahnSüd

Hellers- Hellers- HellersdorfdorfdorfNord
Ost
Süd

Biesdorf

Kaulsdorf

Mahlsdorf

18

22

11

16

gesundheitliche
Gründe

17

17

17

15

18

17

familiäre Gründe

11

17

10

10

16

10

9

9

8

10

Wohnung zu teuer

11

12

16

8

21

13

10

4

7

3

Nähe zu den
Kindern

9

14

11

6

11

10

9

4

12

8

Betreuung und Pflege

9

6

8

9

12

7

8

12

5

12

ungünstiges
soziales Umfeld

8

14

5

6

17

11

9

7

5

3

zu große Wohnung

6

5

8

5

9

7

3

5

5

6

Wohnungsmängel

5

11

4

2

12

5

5

3

4

1

Sicherheitsmängel

5

6

4

4

11

3

5

2

4

4

Arbeitsplatzwechsel

4

6

3

2

6

5

4

3

1

3

zu kleine Wohnung

3

8

3

2

5

3

3

3

1

1

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

In den Altersgruppen unterscheiden sich die künftigen Senioren am meisten von den anderen Gruppen.

179

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 5.34:

Umzugsgründe - nach Altersgruppen - alle Befragten - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent - (nur Antwort: „trifft zu“)
Gesamt

künftige
Senioren

junge
Alte

fortgeschrittene
Ältere

Hochbetagte

gesundheitliche Gründe

17

18

18

14

14

familiäre Gründe

11

17

5

3

6

Wohnung zu teuer

11

14

8

5

8

Nähe zu den Kindern

9

12

7

6

3

Betreuung und Pflege

9

8

10

10

23

ungünstiges soziales Umfeld

8

12

5

1

8

zu große Wohnung

6

8

4

4

4

Wohnungsmängel

5

7

3

1

3

Sicherheitsmängel

5

7

3

1

3

Arbeitsplatzwechsel

4

6

0

0

0

zu kleine Wohnung

3

5

1

1

7

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Bei den künftigen Senioren rangieren gesundheitliche Gründe (18 Prozent) vor familiären (17 Prozent)
und finanziellen (14 Prozent). Auf dem folgenden Rangplatz steht ein ungünstiges soziales Umfeld. Dabei
handelt es sich bei denjenigen, die aus finanziellen Gründen umziehen wollen, um eine andere Bevölkerungsgruppe als bei denjenigen, denen das soziale Umfeld nicht genügt. Im letzteren Fall dürfte der
Mietpreis keinen nachdrücklichen Grund für die Umzugsabsicht bedeuten.
Auch die jungen Alten favorisieren gesundheitliche Gründe (18 Prozent), gefolgt von Gründen der Betreuung und Pflege (10 Prozent) und der Nähe zu den Kindern (7 Prozent).
Fortgeschrittene Ältere geben auch am häufigsten gesundheitliche Gründe (14 Prozent) an, vor der Betreuung und Pflege und der Nähe zu den Kindern.
Bei den Hochbetagten steht die Betreuung und Pflege im Vordergrund (23 Prozent), gefolgt von gesundheitlichen Gründen (14 Prozent) und einem ungünstigen sozialen Umfeld (8 Prozent). Aufhorchen lässt
auch, dass die Hochbetagten zu 7 Prozent wegen einer zu kleinen Wohnung umziehen wollen.

180

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 5.35:

Umzugsgründe - nach Geschlecht, Schwerbehinderung, Pflegestufe, Migrationshintergrund und Haushaltsgröße - alle Befragten - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent - (nur Antwort: „trifft zu“)
Gesamt

Frauen

Männer

Schwerbehinderung

Pflegestufe

Migrationshintergrund

1
Person

gesundheitliche
Gründe

17

18

16

21

21

8

20

16

15

familiäre Gründe

11

11

12

9

9

20

13

8

21

Wohnung zu teuer

11

10

11

12

16

12

13

9

14

Nähe zu den
Kindern

9

11

7

8

12

17

9

9

9

Betreuung und
Pflege

9

10

8

9

14

3

10

9

11

ungünstiges
soziales Umfeld

8

8

8

11

9

10

10

7

8

zu große Wohnung

6

7

5

6

8

2

5

5

13

Wohnungsmängel

5

6

4

5

5

2

6

4

8

Sicherheitsmängel

5

5

5

5

3

1

4

5

7

Arbeitsplatzwechsel

4

2

6

2

1

9

3

3

9

zu kleine Wohnung

3

3

4

4

5

2

6

2

4

2
3
Personen Personen
u. mehr

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Unter denen, die angaben, dass ihnen die Wohnung zu teuer ist, waren 40 Prozent Erwerbstätige und
nur 8 Prozent Arbeitslose, auch 11 Prozent Akademiker, 35 Prozent eine Person, 51 Prozent zwei Personen, 13 Prozent drei und mehr Personen, 54 Prozent sind verheiratet, 17 Prozent geschieden und
17 Prozent verwitwet.
Die Erwerbssituation differenziert zwischen möglichen Umzugsgründen ebenfalls. Vollzeit-Erwerbstätige
nennen vor allem gesundheitliche (18 Prozent) und familiäre Gründe (17 Prozent), aber auch die Mietkosten spielen eine Rolle (13 Prozent). Diese stehen bei den Arbeitslosen neben gesundheitlichen Gründen (14 Prozent) an der ersten Stelle (14 Prozent).
Ein ungünstiges soziales Umfeld wird am häufigsten von den geringfügig Beschäftigten genannt (20 Prozent).
Hervorzuheben ist, dass Wohnungsmängel, Sicherheitsmängel und auch ein eventueller Arbeitsplatzwechsel bei den Umzugsgründen eine untergeordnete Rolle spielen. Eine zu kleine Wohnung geben nur
5 Prozent an, während 8 Prozent sich verkleinern wollen.
Gründe für einen Umzug - diejenigen, die eine aktuelle Umzugsabsicht äußerten
Für diejenigen, die eine aktuelle Umzugsabsicht äußerten, sind die Gründe für diese Absicht von denen,
die nicht eine solche Absicht geäußert haben, z.T. verschieden.
Ein ungünstiges soziales Umfeld rückt auf den ersten Rangplatz der Gründe (33 Prozent), gefolgt von den
Wohnkosten (28 Prozent). Erst danach folgen gesundheitliche Gründe (26 Prozent). Damit wird deutlich,
dass aktuell die sozialen Bedingungen für die ab 50-Jährigen der größte Anlass für einen Wohnungs-

181

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

wechsel sind. Marzahn-Nord liegt dabei mit 51 Prozent Nennungen für ein ungünstiges soziales Umfeld
an erster Stelle, gefolgt von Hellersdorf-Ost (48 Prozent).
Familiäre Gründe sind in Marzahn-Mitte vorherrschend (49 Prozent) und die Nähe zu den Kindern in
Kaulsdorf (42 Prozent). Ein Arbeitsplatzwechsel spielt auch aktuell bei den Umzugsgründen keine Rolle.
Tabelle 5.36:

Umzugsgründe - nach Bezirksregionen - mit aktueller Umzugsabsicht - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent - (nur Antwort: „trifft zu“)
Gesamt

MarzahnNord

MarzahnMitte

MarzahnSüd

HellersdorfNord

HellersdorfOst

HellersdorfSüd

Biesdorf

Kaulsdorf

Mahlsdorf

Anzahl der Fälle*

125

23

17

12

29

8

16

11

4

4

ungünstiges soziales
Umfeld

33

51

25

47

38

48

13

12

30

0

Wohnung zu teuer

28

32

35

23

49

0

8

8

14

22

gesundheitliche
Gründe

26

21

24

30

27

41

28

34

0

0

familiäre Gründe

25

18

49

36

27

33

8

12

28

0

zu große Wohnung

19

16

12

27

31

0

12

8

28

34

Nähe zu den Kindern

17

34

18

13

12

23

0

12

42

0

Wohnungsmängel

16

22

28

4

13

18

21

0

14

22

zu kleine Wohnung

15

28

20

5

11

10

16

13

0

0

Sicherheitsmängel

12

15

13

15

13

0

13

10

14

0

Betreuung und
Pflege

7

7

15

0

8

0

4

17

0

0

Arbeitsplatzwechsel

3

0

20

0

0

0

0

0

0

0

* nachrichtlich: geringe Fallzahl
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Für Schwerbehinderte und 1-Personen-Haushalte ist das soziale Umfeld im Augenblick der Hauptanlass
für einen Umzug (51 Prozent bzw. 40 Prozent). Für Pflegebedürftige und Menschen mit Migrationshintergrundspielen die Kosten die erste Rolle (55 Prozent bzw. 47 Prozent).
3-Personen-Haushalte begründen ihren Umzugswunsch am ehesten mit der Familie (43 Prozent).

182

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 5.37:

Umzugsgründe - nach Geschlecht, Schwerbehinderung, Pflegestufe,
Migrationshintergrund und Haushaltsgröße - mit aktueller Umzugsabsicht*
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent - (nur Antwort: „trifft zu“)
Gesamt

Frauen

Männer

Schwerbehinderung

Pflegestufe

Migrationshintergrund

1
Person

ungünstiges soziales
Umfeld

33

31

36

51

37

33

40

28

31

Wohnung zu teuer

28

25

31

38

55

47

32

25

23

gesundheitliche
Gründe

26

32

18

32

87

6

29

23

12

familiäre Gründe

25

23

29

36

24

22

22

22

43

zu große Wohnung

19

18

20

17

18

8

9

27

16

Nähe zu den Kindern

17

21

11

22

31

30

19

18

0

Wohnungsmängel

16

22

9

20

18

0

11

18

20

zu kleine Wohnung

15

11

20

17

24

0

27

8

0

Sicherheitsmängel

2
3
Personen Personen
u. mehr

12

14

9

8

0

3

9

12

12

Betreuung und
Pflege

7

5

10

2

7

0

3

6

12

Arbeitsplatzwechsel

3

1

5

0

0

10

0

2

12

* die geringe Fallzahl ist zu beachten (siehe Tabelle 5.36)
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Merkmale der gewünschten Wohnung nach evtl. Umzug - alle Befragten
Umzugsgründe werden nicht nur darin artikuliert, was an der gegenwärtigen Situation bzw. an den gegenwärtigen Bedingungen nicht den eigenen Vorstellungen entspricht, sondern auch darin, welche Bedingungen bzw. welche Situation man mit einem Umzug anstrebt, welche Eigenschaften die neue Wohnung bzw. Wohnumgebung haben sollte. Insgesamt haben 1.073 Befragte mindestens eines der Merkmale einer evtl. künftigen Wohnung benannt, sodass auch diese Angaben nicht unmittelbar mit einem
aktuellen Umzugswunsch verbunden sind.
In einer Gesamtübersicht kann zusammengefasst werden, dass die Antworten auf die Frage nach einer
gewünschten Wohnsituation zurückhaltend ausfielen, weil die Bewohnerinnen und Bewohner ab
50 Jahre mit ihrer gegebenen Situation überwiegend zufrieden waren.
Am häufigsten wurden Merkmale der gewünschten Wohnung genannt, seltener Merkmale des Wohnumfeldes. Das spricht dafür, dass bevorzugte Merkmale des Wohnumfeldes keine entscheidenden Umzugsmotive bilden, weil man mit diesen häufig zufrieden ist. Auch hier kommt die Verbundenheit der
Menschen ab 50 Jahre mit ihrem Bezirk zum Ausdruck.
Der Wohnkomfort entspricht in den meisten Fällen den Bedürfnissen und spielt für 11 Prozent der Personen als Umzugsmotiv eine Rolle. Gleiches gilt für die Sicherheitsausstattung der Wohnung - auch deshalb, weil ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis auch in der gegenwärtigen Wohnung befriedigt werden
könnte. Die Ausstattungsmerkmale eines Balkons und eines Aufzuges werden am häufigsten genannt
(18 Prozent bzw. 17 Prozent), gefolgt von den geringeren Wohnkosten (16 Prozent). Anbindung an Betreuungsleistungen und die Nähe zu gesundheitlichen Einrichtungen folgen in der Rangfolge der Nennungen gewünschter Wohnmerkmale nach einem evtl. Umzug. 9 Prozent der ab 50-Jährigen gaben an,

183

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

in einer Gegend mit geringerem Ausländeranteil wohnen zu wollen. Zu ihnen gehören mehrheitlich Befragte ohne berufliche Qualifikation (20 Prozent unter den künftigen Senioren), verwitwete Befragte
(25 Prozent unter den künftigen Senioren), geringfügig Beschäftigte (36 Prozent unter den künftigen
Senioren) und Befragte mit mittlerem Einkommen zwischen 2.000 Euro und 3.000 Euro (17 Prozent unter den künftigen Senioren).
Abbildung 5.14:

18

Gewünschte Wohnmerkmale nach evtl. Umzug - alle Befragten
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent - (nur Antwort: „trifft zu“)
17

16

15
12

11

11

11

11
9
6
2

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

In regionaler Hinsicht kann generell festgestellt werden, dass die Bewohnerinnen und Bewohner des
Siedlungsgebietes entsprechend ihrer Einschätzung der eigenen Wohnung und des Wohnumfeldes etwas andere Merkmale einer evtl. neuen Wohnung nennen als die Bewohnerinnen und Bewohner der
Großsiedlung. Allerdings sind die Unterschiede der Antworten zwischen den Bewohnern der beiden
Siedlungstypen nicht groß. Am ähnlichsten der Motivstruktur des Siedlungsgebietes sind die Bewohnerinnen/Bewohner von Marzahn-Süd.
Die künftigen Senioren unterscheiden sich in der Wahl ihrer gewünschten Wohnmerkmale nach einem
evtl. Umzug von den anderen drei Altersgruppen. Da sie generell eine höhere Umzugsneigung aufweisen, sind auch die Nennungen bei den einzelnen Merkmalen jeweils höher (bis auf den Wunsch nach
einem Hochhaus und der Anbindung an Betreuungs- und Pflegemöglichkeiten. Am deutlichsten über
dem Durchschnitt votieren sie für mehr Wohnkomfort (17 Prozent). Die jungen Alten heben sich durch
eine häufige Nennung der Anbindung an Betreuungs- und Pflegemöglichkeiten heraus (19 Prozent). Für
fortgeschrittene Ältere spielt die Nähe zu gesundheitlichen Einrichtungen eine wichtige Rolle (10 Prozent), sie nennen aber insgesamt seltener Merkmale einer gewünschten Wohnung nach einem evtl.
Umzug als der Durchschnitt. Hochbetagte nennen alle Merkmale der wohnlichen Erleichterung (Aufzug
25 Prozent, Balkon 24 Prozent, einkaufsgünstige Gegend 15 Prozent) und der Erreichbarkeit von ge-

184

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

sundheitlichen und pflegerischen Einrichtungen (20 Prozent bzw. 17 Prozent) häufig, legen aber auf
Wohnkomfort weniger Wert.
Tabelle 5.38:

Gewünschte Wohnmerkmale nach evtl. Umzug - nach Altersgruppen - alle Befragten
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent - (nur Antwort:„trifft zu“)
Gesamt

künftige
Senioren
50-65 Jahre

junge
Alte
65-75 Jahre

fortgeschrittene Ältere
75-85 Jahre

Hochbetagte
85 Jahre
u. älter

Balkon/Loggia

18

20

16

11

24

Aufzug

17

19

17

9

25

geringere Miete/Wohnkosten

16

19

12

10

14

Anbindung an Betreuung und
Pflege

15

14

19

13

17

Nähe zu gesundheitlichen
Einrichtungen

12

14

11

10

20

mehr Wohnkomfort

11

17

5

2

7

gute Sicherheitsausrüstung

11

13

11

7

12

kein Hochhaus

11

14

8

9

8

einkaufsgünstigere Gegend

11

13

8

9

15

weniger Ausländer

9

12

6

4

0

bessere Anbindung an ÖPNV

6

8

5

3

9

ein Hochhaus

2

2

1

1

5

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Schwerbehinderte orientieren sich vor allem an einem Aufzug (19 Prozent) und der Erreichbarkeit pflegerischer und gesundheitlicher Einrichtungen (19 Prozent bzw. 16 Prozent). Für Pflegebedürftige sind
ebenfalls die Wohnbequemlichkeit (Aufzug 22 Prozent, Balkon/Loggia 22 Prozent) und die Erreichbarkeit
gesundheitlicher Einrichtungen von hoher Bedeutung (20 Prozent).
Angehörige von 1-Personen-Haushalten äußerten eine ähnliche Rangfolge gewünschter Wohnmerkmale
wie der Durchschnitt, Angehörige von 2-Personen-Haushalten dagegen nennen alle Merkmale seltener
als der Durchschnitt. Eine Präferenz für ein bestimmtes Merkmal ist nicht zu erkennen, was auf eine
hohe Wohnzufriedenheit zurückzuführen ist. Mitglieder von 3-Personen-Haushalten nennen fast alle
betrachteten Merkmale überdurchschnittlich häufig. Hervorzuheben sind dabei der Aufzug (24 Prozent)
und ein Balkon (23 Prozent), der Wohnkomfort (21 Prozent) sowie geringere Wohnkosten (20 Prozent).
Auch die Erreichbarkeit von pflegerischen und gesundheitlichen Einrichtungen ist ihnen wichtig (20 Prozent bzw. 19 Prozent).
Vollzeiterwerbstätige sind auch in vielen Hinsichten an einer Verbesserung orientiert. Als überdurchschnittlich können der Wohnkomfort (15 Prozent) und geringere Wohnkosten (18 Prozent) herausgehoben werden. Arbeitslose sind überdurchschnittlich an verbessertem Wohnkomfort (23 Prozent) und an
geringeren Wohnkosten (20 Prozent) interessiert. Geringfügig Beschäftigte äußern an den meisten
Merkmalen der Verbesserung der Wohnqualität ein Interesse, vor allem an einem Aufzug (38 Prozent),
einem Balkon (27 Prozent) und verbessertem Wohnkomfort (25 Prozent). Auffällig ist, dass sie sehr häufig nicht in der Nähe von Ausländern wohnen wollen (29 Prozent).

185

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Merkmale der gewünschten Wohnung nach evtl. Umzug - Befragte mit aktueller Umzugsabsicht
Bei den Umzugsmotiven derjenigen, die eine aktuelle Umzugsabsicht geäußert haben, verschieben sich
die Gewichte in den einzelnen Nennungen etwas. Insgesamt werden alle Motive häufiger genannt.
In allen betrachteten Gruppen ist aktuell die Dringlichkeit der Senkung der Wohnkosten der deutlichste
Unterschied zu allen Befragten. Verschiebungen in weiteren Umzugsmotiven finden sich u.a. bei


den Schwerbehinderten hin zu Erleichterungen der Wohnbedingungen,



den Pflegebedürftigen hin zu größerer Nähe zu gesundheitlichen Einrichtungen, Balkon und Aufzug,



den Menschen mit Migrationshintergrund hin zu besserer Verkehrsanbindung,



den 1-Personen-Haushalten hin zu Balkon und Aufzug,



bei 2-Personen-Haushalten hin zu mehr Wohnkomfort und größerer Nähe zu gesundheitlichen Einrichtungen,



bei 3-Personen-Haushalten hin zu günstigeren Einkaufsmöglichkeiten und besserer Sicherheitsausstattung,



bei den Vollzeiterwerbstätigen in allen betrachteten Motiven (mit Ausnahme der Anbindung an
Betreuung und Pflege),



bei den Teilzeiterwerbstätigen hin zu einem Balkon,



bei den Arbeitslosen hin zu mehr Wohnkomfort und besserer Verkehrsanbindung,



bei den geringfügig Beschäftigten hin zu mehr Wohnkomfort, Balkon und nicht in ein Hochhaus,



bei den Nicht-Erwerbstätigen in allen betrachteten Motiven.

Tabelle 5.39:

Gewünschte Wohnmerkmale nach evtl. Umzug - nach Schwerbehinderung,
Pflegestufe, Migrationshintergrund und Haushaltsgröße - mit aktueller
Umzugsabsicht - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent Anzahl der
Fälle
(absolut)*

Gesamt

Schwerbehinderung

Pflegestufe

mit Migrationshintergrund

1
Person

2
Personen

3
Personen
u. m.

Balkon/Loggia
geringere Miete/Wohnkosten
Aufzug

54

43

40

63

19

48

41

35

50

40

43

61

45

39

39

43

46

37

38

63

12

42

37

19

kein Hochhaus

45

36

31

18

21

34

36

35

Wohnkomfort
gute Sicherheitsausrüstung
einkaufsgünstigere
Gegend
weniger Ausländer
Nähe zu gesundheitlichen Einrichtungen
Anbindung an Betreuung und Pflege
bessere öffentliche
Verkehrsanbindung
ein Hochhaus

39

31

32

24

21

27

32

33

30

24

35

42

8

17

28

24

30

24

33

24

3

15

27

31

28

22

34

24

13

24

26

4

25

20

32

37

6

16

23

12

20

16

20

44

6

9

20

12

15

12

14

37

24

13

10

7

10

8

15

37

6

8

5

19

* nachrichtlich
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

186

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Umzugsziel
40 Prozent der Befragten nannten ein Umzugsziel, 13 Prozent waren noch nicht entschieden und
47 Prozent gaben kein Umzugsziel an. Damit nannten mehr Befragte ein Umzugsziel als eine tatsächliche
aktuelle Umzugsabsicht. Von denen, die ein Umzugsziel nannten, haben sich 68 Prozent für einen Verbleib in Marzahn-Hellersdorf ausgesprochen. Dieser Befund korrespondiert mit den oben genannten
Ergebnissen, dass es erstens eine große Bindung an den Bezirk gibt und dass zweitens eine erhebliche
Wohnmobilität innerhalb des Stadtbezirkes anzutreffen ist.
Abbildung 5.15:

Ziele eines evtl. Umzuges - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

19

9

in der Nähe

4

5

in einen anderen
Berliner Bezirk

weiter weg

4

in MarzahnHellersdorf

in das Berliner
Umland

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Zu denjenigen, die in der Nähe bzw. innerhalb des Stadtbezirkes künftig wohnen wollen, gehören alle
Bevölkerungsgruppen der ab 50-Jährigen, vor allem:


Menschen mit einer Pflegestufe (41 Prozent),



geringfügig Beschäftigte (35 Prozent) und Arbeitslose (33 Prozent),



junge Alte (33 Prozent)



Menschen mit Migrationshintergrund (31 Prozent).

Letztere gehören aber auch zu denjenigen, die am häufigsten „weiter weg“ ziehen wollen (9 Prozent,
insgesamt 5 Prozent).

187

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 5.16:

Ziele eines evtl. Umzuges - nach Schwerbehinderung, Pflegestufe,
Migrationshintergrund, Haushaltsgröße und Altersgruppen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent 1

3

4

16

12
28

2
6

9

4

12

7

4
5

5
3

20

19

3
8
6
8

1

5

3

7

10

10

7

3
2

2

7

4
11

9

7

5
4

6

1
3
15

4

15

13

22

19

in der Nähe

in einen anderen Berliner Bezirk

in Marzahn-Hellersdorf

in das Berliner Umland

23

17

19

11

weiter weg

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

In regionaler Hinsicht wollen häufig Bewohnerinnen und Bewohner aus den Bezirksregionen Hellersdorfs in der Nähe bzw. im Stadtbezirk bleiben, aus Hellersdorf-Nord 34 Prozent, aus Hellersdorf-Ost und
Hellersdorf-Süd je 32 Prozent. Befragte aus Marzahn-Nord gaben zu 25 Prozent an, innerhalb des Stadtbezirkes umziehen zu wollen, aber auch überdurchschnittliche 13 Prozent meinten, in das Berliner Umland ziehen zu wollen, was bedeuten kann, dass auch das „in der Nähe ist“. Insgesamt würden die ab
50-jährigen Einwohnerinnen und Einwohner aus Marzahn-Nord am häufigsten von allen Bezirksregionen
den Stadtbezirk bei einem Umzug verlassen (27 Prozent, insgesamt 13 Prozent). Auch Menschen mit
Migrationshintergrund (16 Prozent) und künftige Senioren (19 Prozent) wollen - auf niedrigem Niveau überdurchschnittlich häufig Marzahn-Hellersdorf verlassen.
Tabelle 5.40:

Ziele eines evtl. Umzuges - nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent Gesamt

MarzahnNord

MarzahnMitte

MarzahnSüd

HellersdorfNord

HellersdorfOst

HellersdorfSüd

Biesdorf

Kaulsdorf

Mahlsdorf

19

12

23

20

16

21

18

27

13

17

in einen anderen Berliner
Bezirk

4

6

3

2

8

5

4

1

8

5

weiter weg

5

8

4

4

1

6

5

7

5

3

in MarzahnHellersdorf

9

13

6

8

18

11

14

3

3

3

in das Berliner
Umland

4

13

3

2

2

9

4

2

2

2

in der Nähe

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

188

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Die Neigung, im Bezirk bleiben zu wollen, nimmt mit der Höhe des Haushaltsnettoeinkommens ab. So
wollen Angehörige der untersten Einkommensgruppe (unter 1.000 Euro) zu 36 Prozent im Bezirk bleiben, aber nur 15 Prozent der Angehörigen der obersten Einkommensgruppe (über 4.000 Euro).
5.6

Bewertung der Wohnung für künftigen Bedarf

Seniorengerechte Wohnung
Für die längerfristigen Wohnperspektiven ist die Frage interessant, ob die bewohnte Wohnung künftigen
evtl. Lebens- und Bedarfslagen entsprechen würde. Dabei kann zwischen unterschiedlichen Reflexionsgraden bei den Befragten im Hinblick auf die Bewertung ihrer gegenwärtigen Wohnung gesprochen
werden - je nachdem, ob bestimmte oder eher unspezifische Erwartungen der künftigen Lebenslage
angesprochen werden und dementsprechende Wohnbedingungen reflektiert werden.
So wird die Frage danach, ob die eigene Wohnung geeignet wäre, sie auch im Alter zu bewohnen, zu
zwei Dritteln positiv beantwortet. Die Fragen danach, ob die eigene Wohnung weitgehend barrierefrei
bzw. behindertengerecht wäre, werden dagegen sehr kritisch beantwortet (29 Prozent Zustimmung).
Noch kritischer bewerten die Befragten die Eignung der eigenen Wohnung für eine Pflegesituation
(17 Prozent Zustimmung).
Interessant dabei ist, dass die Unterschiede in den Bewertungen der eigenen Wohnung hinsichtlich der
Nutzung im Alter gering sind. Sowohl hinsichtlich sozialer Merkmale wie auch nach dem Vorliegen einer
Beeinträchtigung schwankt die Zustimmung zu dieser Bewertung nur gering.
Abbildung 5.17:

Eignung der Wohnung für die Nutzung im Alter - nach Schwerbehinderung,
Pflegestufe und Haushaltsgröße - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent - (nur Antwort: „ja“)
72

68
66

66

66

66

60

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Am seltensten, aber immerhin noch mehrheitlich, meinen vor allem Menschen mit Migrationshintergrund (60 Prozent), künftige Senioren (62 Prozent), geringfügig Beschäftigte (51 Prozent) und Arbeitslose (60 Prozent), Geringverdiener (61 Prozent) und Alleinerziehende (62 Prozent), in einer seniorenge-

189

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

rechten Wohnung zu wohnen. Ein jeweils größerer Teil der Schwerbehinderten (68 Prozent) bzw. der
Pflegebedürftigen (72 Prozent) ist der Auffassung, in der eigenen Wohnung im Alter wohnen zu können.
Nahezu ein Fünftel (19 Prozent) der Schwerbehinderten und knapp ein Achtel (13 Prozent) der Pflegebedürftigen halten jedoch ihre Wohnung nicht für geeignet, um im Alter in ihr Wohnen zu können. Angehörige dieser beiden Gruppen sollten am ehesten Unterstützung erfahren, um in einer Wohnung zu
wohnen, die dem Bedarf entspricht.
Hinsichtlich der Altersphasen und der Bezirksregionen ist die Schwankungsbreite größer. So nimmt die
Bewertung der eigenen Wohnung als geeignet für ein künftiges Wohnen mit dem Alter zu. 62 Prozent
der künftigen Senioren, 66 Prozent der jungen Alten, 77 Prozent der fortgeschrittenen Älteren und abnehmend 72 Prozent der Hochbetagten sind dieser Meinung. Diese Zunahme bedeutet auch, dass wenn nicht in jüngerem Alter bereits Anpassungen der eigenen Wohnsituation an künftige Lebensphasen vorgenommen wurden - man sich mit der gegenwärtigen Wohnung mehr oder weniger arrangiert
hat. Eine Zuspitzung der eigenen Lebenssituation (wie z.B. eine Behinderung oder Pflegebedürftigkeit,
siehe unten) wird selten prospektiv in die Lebensplanung eingeschlossen. Zu diesen Faktoren kommt
hinzu, dass die Vorstellung an einen Umzug in eine wie auch geartete andere Wohnsituation mit zunehmendem Alter immer schwieriger wird. Eine Reihe von Menschen wägt den Aufwand eines Umzuges
mit der Verbesserung der Wohnsituation genauer ab.
Die Bewohner der Großsiedlung bewerten ihre Wohnung im Hinblick auf die Seniorengerechtigkeit nahezu ebenso wie die Bewohner des Siedlungsgebietes. Das liegt daran, dass auch im Fall privaten Wohneigentums in seltenen Fällen bei der Errichtung bzw. Übernahme im Vorseniorenalter an seniorengerechte Bedingungen gedacht wurde. Der Aufwand der Herstellung derartiger Bedingungen ist in mehrgeschossigen Wohneinheiten auch höher. Daher ist es wahrscheinlich, dass mit Blick auf das Alter eine
Umzugsorientierung in andere Kieze des Bezirkes (dann allerdings in höherwertiges Wohnen) erfolgen
wird.
Tabelle 5.41:

Eignung der Wohnung für die Nutzung im Alter - nach Bezirksregionen und Alter
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent - (nur Antwort: „ja“)
Gesamt

künftige
Senioren
50-65 Jahre

junge
Alte
65-75 Jahre

fortgeschrittene
Ältere
75-85 Jahre

Marzahn-Nord

62

53

73

75

59

Marzahn-Mitte

71

73

56

87

72

Marzahn-Süd

70

69

69

75

76

Hellersdorf-Nord

63

59

68

75

52

Hellersdorf-Ost

62

59

69

37

88

Hellersdorf-Süd

60

54

60

78

57

Biesdorf

69

70

59

74

95

Kaulsdorf

65

62

71

61

100

Mahlsdorf

67

61

72

80

61

Hochbetagte
85 Jahre u.älter

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Aus der Tabelle ist ersichtlich, dass sich in Marzahn-Mitte die meisten künftigen Senioren vorstellen
können, auch im Alter in der jetzigen Wohnung zu wohnen (73 Prozent). Am geringsten ist diese Zuver-

190

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

sicht in Marzahn-Nord (53 Prozent) und in Hellersdorf-Süd (54 Prozent), insgesamt sind es 62 Prozent
bzw. 60 Prozent. Zwischen allen anderen Bezirksregionen - eingeschlossen das Siedlungsgebiet - sind die
Unterschiede in der Bewertung der gegenwärtigen Wohnung für das Alter nicht sehr groß.
Bei den jungen Alten sind die Erwartungen an künftiges Wohnen in der gegenwärtigen Wohnung insgesamt höher (66 Prozent) und noch ausgeglichener, bis auf Marzahn-Mitte (56 Prozent) und Biesdorf
(59 Prozent), die unter denen der künftigen Senioren liegen. Aber auch hier ist die Zuversicht, im Alter in
der jetzigen Wohnung wohnen zu können, im Siedlungsgebiet nicht höher als in den meisten Teilen der
Großsiedlung.
Die fortgeschrittenen Älteren neigen wiederum stärker zu der Auffassung, dass sie im Alter weiterhin in
ihrer Wohnung wohnen können werden (insgesamt 77 Prozent). Ausnahmen bilden Hellersdorf-Ost
(37 Prozent, ein Ausreißer) und Kaulsdorf (61 Prozent). In dieser Altersgruppe ist zu erwarten, dass die
Bewertung der Eignung der Wohnung für künftiges Wohnen in ihr evtl. von Merkmalen der eigenen,
aktuellen Lebenssituation abhängt. Daher ist erstaunlich, dass die positiven Bewertungen häufiger ausfallen (werden doch Einschränkungen schon häufiger bewusst) als bei den Jüngeren. Dahinter verbirgt
sich als weiterer Einflussfaktor auf die Bewertung der Wohnsituation, dass man sich erstens nun mit den
Gegebenheiten eher arrangieren wird oder aber zweitens bereits konkretere Vorstellungen davon hat,
wie eine Wohnung für die kommenden Lebensjahre beschaffen sein sollte.
In der Gruppe der Hochbetagten fällt die Bewertung als seniorengerecht wieder ab (72 Prozent). Diese
Tendenz lässt sich auf die Realität der jeweiligen Wohnbedingungen zurückführen, die eigentlich in einem deutlich höheren Maß den Menschen bewusst machen müsste, dass ihre Wohnung nur sehr bedingt für ein Wohnen im hohen Alter geeignet ist.
Diejenigen, die diese Frage verneinen (19 Prozent), denken mit einiger Bestimmtheit an einen Umzug
über kurz oder lang. Diese Festlegung erfolgt im Siedlungsgebiet am seltensten (Biesdorf 13 Prozent,
Kaulsdorf 14 Prozent, Mahlsdorf 13 Prozent), aber nahezu ebenso selten in Marzahn-Mitte (15 Prozent)
und in Marzahn-Süd (16 Prozent).
Barrierefreie bzw. behindertengerechte Wohnung50
Die Bewertung der Wohnungen im Hinblick auf Merkmale der Wohnung, die als barrierefrei bzw. behindertengerecht gelten, erfolgt häufig sehr subjektiv, d.h. sie ist selten von der exakten Kenntnis dieser
Merkmale gestützt51. Dennoch legen die Befragten die „Messlatte“ höher, sodass nur 29 Prozent der
Befragten der Meinung sind, dass ihre Wohnung barrierefrei bzw. behindertengerecht ist.
Für das Großsiedlungsgebiet wird man davon ausgehen können, dass der Zugang zur Wohnung ohne
Treppen als ein wesentliches Kriterium dafür in Anschlag gebracht wird. Dabei ist zu beachten, dass die
meisten 5- und 6-Geschosser nicht über Aufzüge verfügen. In den 11-Geschossern ist zwar ein Fahrstuhl
vorhanden, aber dennoch ist der Zugang zum Haus oft mit einer Treppe versehen, und zudem sind die
Wohnungen in bestimmten Etagen wiederum nur über Treppen von den Ebenen des Fahrstuhlhalts aus
zu erreichen. Daher wundert es vielleicht nicht, dass in Marzahn-Süd (37 Prozent) und in Marzahn-Mitte

50

51

Zu Qualitätsmerkmalen für barrierefreie bzw. behindertengerechte Wohnungen vgl. Studie Marzahn-Hellersdorf 2010, S. 134-137.
Vgl. ebenda, S. 134-137.

191

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

(32 Prozent) die positiven Bewertungen am häufigsten sind, weil dort mehr Hochhäuser anzutreffen
sind, die in der Regel einen barrierefreien, weil ebenerdigen Zugang haben und einen Fahrstuhlhalt auf
jeder Etage. Die sonstigen ursprünglichen Ausstattungen der Wohnungen sind im Hinblick auf die Barrierefreiheit und Behindertengerechtigkeit gleich. Änderungen hat es - wenn überhaupt - nur nach Sanierungen gegeben.
Tabelle 5.42:

Bewertung der Wohnung als barrierefrei bzw. behindertengerecht
- nach Bezirksregionen und Alter - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent - (nur Antwort: „ja“)
Gesamt

künftige
Senioren
50-65 Jahre

junge
Alte
65-75 Jahre

fortgeschrittene
Ältere
75-85 Jahre

Hochbetagte
85 Jahre u.älter

Marzahn-Nord

19

12

33

24

23

Marzahn-Mitte

32

30

28

39

44

Marzahn-Süd

37

41

30

32

76

Hellersdorf-Nord

29

20

38

44

41

Hellersdorf-Ost

28

22

40

Hellersdorf-Süd

18

14

20

27

Biesdorf

33

23

42

56

54

Kaulsdorf

29

26

32

32

100

Mahlsdorf

33

33

29

29

81

Gesamt

29

25

31

34

52

67
23

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die Tabelle zeigt, dass innerhalb des Großsiedlungsgebietes Hellersdorf-Süd (18 Prozent) und MarzahnNord (19 Prozent) durch geringe positive Bewertungen auffallen. Hier sind es vor allem die künftigen
Senioren, die meinen, nicht in einer barrierefreien bzw. behindertengerechten Wohnung zu wohnen
(14 Prozent bzw. 12 Prozent). In Hellersdorf-Nord und Hellersdorf-Ost sind es vor allem die Angehörigen
der drei höheren Altersgruppen, die von einer überdurchschnittlichen Anzahl barrierefreier bzw. behindertengerechter Wohnungen ausgehen.
Insgesamt nimmt die Einschätzung der eigenen Wohnung als barrierefrei bzw. behindertengerecht mit
dem Alter zu. Die künftigen Senioren sind am seltensten davon überzeugt, dass ihre Wohnung diesem
Merkmal entspricht (25 Prozent). Die jungen Alten sind zu 31 Prozent davon überzeugt und die fortgeschrittenen Älteren sind es zu 34 Prozent. Die Hochbetagten sind dagegen mehrheitlich der Auffassung,
dass ihre Wohnung barrierefrei bzw. behindertengerecht sei.
Im Siedlungsgebiet (Biesdorf 33 Prozent, Kaulsdorf 29 Prozent, Mahlsdorf 33 Prozent) ist der Anteil barrierefreier bzw. behindertengerechter Wohnungen nicht höher als in der Großsiedlung (außer MarzahnNord und Hellersdorf-Süd). Hinsichtlich der Barrierefreiheit ist in vielen, vor allem älteren Häusern, eine
Treppe anzutreffen, die Türen sind eng und die Bewegungsfreiheit in den Räumen (vor allem in Küche
und Bad) oft nicht groß. Dennoch könnte hier davon ausgegangen werden, dass mindestens im Bedarfsfall die Motivation zu einer Eigeninitiative im Ausbau der Wohnung nach entsprechenden Kriterien höher ist als in der Großsiedlung.

192

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Der vergleichsweise hohe Anteil von Menschen, die ihre Wohnung für altersgerecht halten, deutet darauf hin, dass die Dringlichkeit von Barrierefreiheit bzw. Behindertengerechtigkeit der Wohnung im Alter
unterschätzt wird. Das ist darauf zurückzuführen, dass man einerseits in der eigenen Wohnung bleiben
möchte, andererseits aber die entsprechenden Umbauten zu einer barrierefreien bzw. behindertengerechten Wohnung nicht vornehmen will bzw. aus finanziellen Gründen nicht erfolgen kann.
40 Prozent der Schwerbehinderten sind der Meinung, ihre Wohnung sei barrierefrei bzw. behindertengerecht. Das zeugt von einer mehrheitlichen Beeinträchtigung des Lebens auch in der eigenen Wohnung
(44 Prozent). Bei den Menschen mit einem Pflegebedarf sieht die Situation nur wenig besser aus:
54 Prozent geben an, dass ihre Wohnung nicht barrierefrei bzw. behindertengerecht sei. Auch wenn
nicht im Fall jeder Behinderung die jeweiligen Bedingungen gleichermaßen zu einer Beeinträchtigung
führen, deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass hier noch ein großer Nachholbedarf vorhanden ist.
Die Einschätzungen der Wohnungen als barrierefrei bzw. behindertengerecht sind ansonsten relativ
homogen in den sozialen Gruppen.
Einer Pflegesituation angepasste Wohnung52
Die Einschätzung der eigenen Wohnung im Hinblick auf eine evtl. Pflegesituation ist noch weniger positiv, aber um 2 Prozentpunkte besser als vor 5 Jahren. Nur 17 Prozent sind der Auffassung, ihre Wohnung
sei für diese Situation gerüstet. Diese Bewertung steigt mit dem Alter an: 13 Prozent der künftigen Senioren, 19 Prozent der jungen Alten, 24 Prozent der fortgeschrittenen Älteren und 38 Prozent der Hochbetagten meinen, in einer pflegegerechten Wohnung zu wohnen. Diese Steigerung in der Bewertung der
Wohnung als pflegegerecht ist einerseits auf tatsächlich vorhandene Wohnbedingungen zurückzuführen. Andererseits aber steigt mit dem Alter die Scheu vor dem Aufwand des Umbaus der Wohnung. Das
ist nicht selten damit verbunden, dass man eher geneigt ist, sich mit den gegebenen Bedingungen zu
arrangieren bzw. diese Bedingungen als hinreichend hinzunehmen. Natürlich ist das kein wünschenswerter Zustand. Vielmehr sollten die Pflegebedürftigen über die Möglichkeiten der baulichen Bedarfsanpassung besser informiert und bei deren Umsetzung häufiger unterstützt werden.
Ansonsten fallen auch in dieser Frage die Antworten relativ homogen aus, sodass sich nur geringe Unterschiede ausmachen lassen.
Die Antworten in den Altersgruppen und den Bezirksregionen sind ähnlich den Antworten hinsichtlich
der Barrierefreiheit bzw. Behindertengerechtigkeit strukturiert. Auch hier fallen einerseits die künftigen
Senioren mit den seltensten positiven Wertungen auf und andererseits die Bezirksregionen MarzahnNord (11 Prozent) und Hellersdorf-Ost (13 Prozent). Eine geringe Zustimmung weist auch HellersdorfSüd auf (12 Prozent).
Interessant ist, dass Hellersdorf-Nord mit 20 Prozent Zustimmung noch vor den Bezirksregionen des
Siedlungsgebietes (18 Prozent bzw. 19 Prozent) rangiert, die wiederum gleichauf mit Marzahn-Mitte und
Marzahn-Süd mit jeweils 19 Prozent liegen. Diese nur durchschnittliche Rate pflegegerechter Wohnungen im Siedlungsgebiet fällt auf, auch deshalb, weil die gegenwärtigen Seniorengenerationen häufig
nicht die ersten Seniorengenerationen in diesen Wohngebieten sind. Daher war dort mehr Zeit und Anlass als in der Großsiedlung, die Wohnungen dem Bedarf anzupassen. Offenbar ist jedoch in der Vergan52

Zu den Qualitätsmerkmalen einer der Pflegesituation angepassten Wohnung vgl. ebenda.

193

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

genheit in den Eigenheimen nicht mehr zur baulichen Anpassung der Wohnungen an eine Pflegesituation getan worden als in der Großsiedlung. Diese Feststellung könnte ein Hinweis darauf sein, dass
die vorsorgliche Anpassung der eigenen Wohnbedingungen an künftige Lebenslagen noch immer nicht
nur eine institutionelle Schwierigkeit darstellt, sondern - mit Blick auf das Wohneigentum - auch eine
motivationale bzw. natürlich eine finanzielle.
Tabelle 5.43:

Wohnung einer Pflegesituation angepasst - nach Bezirksregionen und Alter
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent - (nur Antwort: „ja“)
Gesamt

künftige
Senioren
50-65 Jahre

junge
Alte
65-75 Jahre

fortgeschrittene
Ältere
75-85 Jahre

Hochbetagte
85 Jahre u.älter

Marzahn-Nord

11

7

15

23

0

Marzahn-Mitte

19

15

20

27

16

Marzahn-Süd

19

16

17

24

67

Hellersdorf-Nord

20

11

33

33

43

Hellersdorf-Ost

13

9

6

5

67

Hellersdorf-Süd

12

9

17

14

23

Biesdorf

19

13

27

26

30

Kaulsdorf

18

18

21

6

100

Mahlsdorf

19

18

14

28

42

Gesamt

17

13

19

24

38

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die Einschätzung der eigenen Wohnung als einer Pflegesituation angemessen verbessert sich bei denjenigen, die aktuell von Beeinträchtigungen betroffen sind, zeigt aber dennoch große Lücken in der Bereitstellung von adäquatem Wohnraum auf. So sind die Schwerbehinderten zu 24 Prozent der Meinung, in
einer solchen Wohnung zu wohnen, und die Pflegebedürftigen zu 44 Prozent. Im Gegensatz dazu sind
43 Prozent der Schwerbehinderten und 30 Prozent der Pflegebedürftigen der Auffassung, das sei nicht
der Fall.
Tabelle 5.44:

Wohnung einer Pflegesituation angepasst - nach Schwerbehinderung und
Pflegebedürftigkeit - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent ja

nein

ich weiß nicht

Schwerbehinderung

24

43

17

Pflegestufe

44

30

14

Gesamt

17

49

19

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

194

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

5.7

Handlungsstrategien für senioren- und bedarfsgerechtes Wohnen

Informiertheit zum seniorengerechten Wohnen
Die Informationen zu Möglichkeiten und Bedingungen seniorengerechten Wohnens sind der wesentliche Faktor für die Bürgerinnen und Bürger, Handlungsstrategien zu entwickeln, die ihre eigene Wohnsituation im Alter betreffen. Es ist auch eine der relevantesten Möglichkeiten seitens des Bezirkes, seitens
der Wohnungswirtschaft und seitens der Zivilgesellschaft, Voraussetzungen zur Verbesserung der
Wohnbedingungen im Alter zu schaffen. Die Ergebnisse zeigen, dass bisher nur die Hälfte aller ab
50-Jährigen über dieses Thema ausreichend informiert ist. Dabei ist der Informationsstand in den einzelnen Bezirksregionen in etwa gleich, nur Marzahn-Süd (46 Prozent) und Hellersdorf-Ost (46 Prozent)
sind unter dem Durchschnitt. Auch dann, wenn es das eigene Heim betrifft, sind die Menschen nur unwesentlich häufiger informiert (Biesdorf 51 Prozent, Kaulsdorf 56 Prozent und Mahlsdorf 55 Prozent).
Tabelle 5.45:

Informiertheit zum seniorengerechten Wohnen - nach Bezirksregionen
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent - (nur Antwort „ja“)

Marzahn- MarzahnNord
Mitte
49

49

Marzahn- Hellersdorf- Hellersdorf- HellersdorfSüd
Nord
Ost
Süd
46

51

46

50

Biesdorf

Kaulsdorf

Mahlsdorf

Gesamt

51

56

55

50

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Männer und Frauen sind nahezu gleich häufig ausreichend über Bedingungen und Möglichkeiten seniorengerechten Wohnens informiert.
Es fällt auf, dass Menschen mit einer Schwerbehinderung nur unterdurchschnittlich über seniorengerechtes Wohnen informiert sind (46 Prozent). Menschen mit einer Pflegestufe geben das zwar zu
55 Prozent an, was aber auch bedeutet, dass ein großer Anteil der Pflegebedürftigen nicht oder unzureichend zum Thema informiert ist. In Haushalten mit 3 oder mehr Personen ist der Informationsgrad höher (54 Prozent) als in 2-Personen-Haushalten (49 Prozent) und bei Alleinlebenden (51 Prozent).
Menschen mit Migrationshintergrund sind überdurchschnittlich darüber informiert (54 Prozent).
Mit dem Alter nimmt die Informiertheit zu. Die künftigen Senioren interessieren sich nur unterdurchschnittlich für dieses Thema (48 Prozent), während die jungen Alten im Durchschnitt liegen (50 Prozent).
Überdurchschnittlich ist der Informationsstand erst bei den fortgeschrittenen Älteren (54 Prozent) und
bei den Hochbetagten (62 Prozent). Das besagt, dass teilweise mehr als die Hälfte der Angehörigen verschiedener sozialer Gruppen nicht oder nur unzureichend über seniorengerechtes Wohnen informiert
sind.

195

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 5.18:

Informiertheit zum seniorengerechten Wohnen - nach Schwerbehinderung,
Pflegebedürftigkeit, Haushaltsgröße und Altersgruppen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent - (nur Antwort: „ja“)
62

51

55
49

46

54

50

48

54

50

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Erwerbstätige wie Nichterwerbstätige berichten von einem durchschnittlichen Informationsstand zum
seniorengerechten Wohnen. Arbeitslose meinen nur zu 34 Prozent, ausreichend informiert zu sein. Das
Wissen allein reicht für die Herstellung adäquater Bedingungen nicht aus. Angewandt wird dieses Wissen oft erst im akuten Bedarfsfall, wenn eine entsprechende Lebenssituation eingetreten ist. Am häufigsten nutzen ihr Wissen für die Realisierung bedarfsgerechter Wohnbedingungen Pflegebedürftige
(25 Prozent), Hochbetagte (9 Prozent) und Schwerbehinderte (6 Prozent).
Auf Lücken bei der Information zum seniorengerechten Wohnen verweist auch das Ergebnis, dass
40 Prozent derer, die meinen, in ihrer Wohnung im Alter wohnen zu können, nicht ausreichend zu diesem Thema informiert sind. Und umgekehrt ebenfalls: Von denjenigen, die der Auffassung sind, dass
ihre Wohnung für das Alter nicht geeignet ist, sind 60 Prozent nicht ausreichend informiert. Der Anteil
der Übereinstimmungen zwischen Informiertheit zum Thema und der Bewertung der Wohnung als altersgerecht beträgt 37 Prozent.
Auch die Absicht, bei Bedarf (Beschwerden oder Pflegebedürftigkeit) in eine bedarfsgerechte Wohnung
umzuziehen, wird nicht immer durch Informationen zu diesem Thema untersetzt. 49 Prozent derer, die
bei Bedarf umziehen würden, sind nicht ausreichend über seniorengerechtes Wohnen informiert. Von
denen, die heute sagen, sie würden in diesem Fall nicht umziehen, sind 42 Prozent nicht ausreichend
dazu informiert.
Diese Befunde weisen einerseits auf Informationsdefizite hin (vor allem in jüngerem Alter und erstaunlicherweise bei Schwerbehinderung), sie zeigen aber auch, dass, wenn Informationen zum Thema eingeholt werden, diese erst kurz vor relevanten Entscheidungen verfügbar gemacht werden. Das sind in aller
Regel Situationen der eigenen Betroffenheit oder derer von Eltern, Verwandten oder Bekannten (z.B. in
der Nachbarschaft).

196

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 5.19:

Informiertheit zum seniorengerechten Wohnen - nach der Absicht, im Bedarfsfall
umzuziehen - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent (nur Antwort: „ja“)
54

48

50

49

45

42

Umzug bei Bedarf

kein Umzug bei Bedarf

Informationen ausreichend ja

Gesamt

Informationen ausreichend nein

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Umzug im Bedarfsfall bei eintretender Mobilitätseinschränkung bzw. Pflegebedürftigkeit
Die Antworten auf die Frage nach einer generellen Umzugsabsicht erklären noch nicht die Einstellung
gegenüber einem Umzug in einer Situation der gesundheitlichen Beeinträchtigung, in der die Erreichbarkeit der Wohnung nicht problemlos gegeben ist und die Verrichtungen des Alltages Mühe bedeuten.
665 Befragte gaben an, auch im Bedarfsfall nicht umziehen zu wollen. 750 Befragte jedoch antworteten
auf einen der angegebenen Gründe, warum man auch im Bedarfsfall nicht umziehen möchte. Die Antworten zu den Gründen für einen Verbleib in der Wohnung gehen mithin über die Entscheidung, in der
Wohnung zu bleiben, hinaus.
In einer solchen Situation würden 51 Prozent der ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf umziehen,
40 Prozent würden das (im Moment) nicht und 9 Prozent gaben keine Antwort. Damit ist einerseits festzustellen, dass der Bedarf an alters- bzw. pflegegerechten Wohnungen hoch sein wird, dass aber auch
ein nicht unbedeutender Teil der Befragten davon ausgeht, auch mit Beschwerden in ihrer jetzigen
Wohnung zu bleiben. Beides, der wachsende Bedarf an alters- und pflegegerechten Wohnungen, wie
auch die Tatsache, dass evtl. ein großer Teil der hilfebedürftigen Alten nicht in entsprechenden Wohnungen wohnt, machen Hilfen und Unterstützungen erforderlich.
Aus heutiger Sicht würden im Bedarfsfall die Einwohner ab 50 Jahre der drei Bezirksregionen in Hellersdorf am häufigsten in eine andere Wohnung umziehen (63 Prozent in Hellersdorf-Ost und je 55 Prozent
in Hellersdorf-Nord und Hellersdorf-Süd). Im Altbezirk Marzahn ist der Umzugsentschluss etwas seltener
(54 Prozent in Marzahn-Süd, 53 Prozent in Marzahn-Nord und 48 Prozent in Marzahn-Mitte), aber nicht
viel häufiger als im Siedlungsgebiet, wo in Biesdorf 53 Prozent umziehen würden, in Mahlsdorf 43 Prozent und in Kaulsdorf 39 Prozent. Diese vergleichsweise geringen Unterschiede in der Absicht, im Bedarfsfall umziehen zu wollen, hängen auch mit dem geringen Ausbaugrad der Wohnungen als einer
Pflegesituation angemessen in beiden Gebieten, in der Großsiedlung und im Siedlungsgebiet, zusammen
(siehe oben).

197

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 5.46:

Umzugsabsicht im Bedarfsfall - nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

Gesamt

MarzahnNord

MarzahnMitte

MarzahnSüd

HellersdorfNord

HellersdorfOst

HellersdorfSüd

Biesdorf

Kaulsdorf

Mahlsdorf

ja

51

53

48

54

55

63

55

53

39

43

nein

40

36

42

38

32

35

33

42

51

51

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Im Hinblick auf das Alter ist festzustellen, dass mit steigendem Alter die Umzugsabsicht abnimmt und
nur bei den Hochbetagten wieder höher ist als in den beiden jüngeren Altersgruppen. Diese Tendenz
betrifft Frauen und Männer gleichermaßen. Bei den Frauen reduziert sich diese Absicht von 60 Prozent
(künftige Seniorinnen) auf 30 Prozent (bei fortgeschrittenen Älteren), wobei 48 Prozent der jungen Alten
und 33 Prozent der hochbetagten Frauen umziehen würden. Bei den Männern sind es ebenfalls die
künftigen Senioren, die im Bedarfsfall am häufigsten umziehen würden (57 Prozent), und die fortgeschrittenen Alten diejenigen, die am seltensten umziehen würden (40 Prozent). 48 Prozent der jungen
Alten und 55 Prozent der hochbetagten Männer würden ebenfalls in einer solchen Situation in eine andere Wohnung umziehen.
Abbildung 5.20:

60

Umzugsabsicht im Bedarfsfall - nach Altersgruppen und Geschlecht - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

57

33

Frauen

55

53
48

48
38

41

48

43

40

Männer

künftige Senioren

Frauen

Männer

junge Alte

Frauen

Männer

fortgeschrittene Ältere
ja

41

40
33

30

52

50

47
31

Frauen

Männer

Hochbetagte

Frauen

Männer

Gesamt

nein

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Schwerbehinderte (53 Prozent) und Pflegebedürftige (45 Prozent) würden ebenfalls mehrheitlich in einem derartigen Bedarfsfall in eine andere Wohnung umziehen. Jeweils 36 Prozent würden das nicht tun.
Die Umzugsbereitschaft im Bedarfsfall ist auch eine soziale Frage, wie die folgende Tabelle zeigt. 42 Prozent der Arbeitslosen würden umziehen, ein niedriger Wert, obwohl die meisten Arbeitslosen der Altersgruppe der künftigen Senioren angehören, die ja am häufigsten zu einem Umzug bereit sind. Die
Vollzeiterwerbstätigen würden dagegen zu 61 Prozent umziehen.

198

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 5.47:

Umzugsabsicht im Bedarfsfall - nach Erwerbsstatus - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent Erwerbstätigkeit
Vollzeit

Erwerbstätigkeit Teilzeit

arbeitslos

geringfügig
beschäftigt

nicht
erwerbstätig

ja

61

53

42

59

45

nein

34

44

51

32

43

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Gründe für einen Verbleib in der jetzigen Wohnung
Die vorgegebenen Gründe für einen evtl. Verbleib in der jetzigen Wohnung auch im Bedarfsfall wurden
annähernd häufig genannt: „ich möchte nicht“ 17 Prozent, „meine Wohnung genügt Pflegeansprüchen“
16 Prozent und „ein Umzug wäre zu teuer“ 13 Prozent, Mehrfachantworten waren dabei ausgeschlossen. Insgesamt nannten 45 Prozent der Befragten einen Grund. Damit muss festgehalten werden, dass
in allen drei genannten Gründen für einen evtl. Verbleib in der eigenen Wohnung im Bedarfsfall ein Anstieg gegenüber 2010 eingetreten ist. Insbesondere die finanziellen Schwierigkeiten haben um 6 Prozentpunkte zugenommen und sich so fast verdoppelt.
Menschen, die auf einen Umzug im Bedarfsfall verzichten, verfügen entweder bereits über eine entsprechende Wohnausstattung, hoffen bzw. erwarten Unterstützung aus ihrem Wohnumfeld (Familie, Nachbarschaft) oder aber rechnen damit, trotz der Einschränkungen mit dem Leben zurechtzukommen. Insbesondere diese - oft erzwungene - Bereitschaft zu verminderter Lebensqualität sollte bekämpft werden. Zu diesem Zweck sollten rechtzeitig Informationen und Hilfen angeboten werden.
Die Bezirksregionen weisen bei allen drei angegebenen Gründen z.T. erhebliche Differenzen auf.
Abbildung 5.21:

Gründe für einen Verbleib in der Wohnung auch im Bedarfsfall
- nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent 27
23

19

18
14
10

16

20

18

16

15

19

17

11

10 10

19

17

17

14

14

23

22

13

13

8

6

3

möchte ich nicht

16

Wohnung genügt Pflege

4

Umzug zu teuer

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Das Motiv, nicht umzuziehen, weil man „nicht möchte“, ist im Siedlungsgebiet am stärksten ausgeprägt
(Mahlsdorf 27 Prozent, Biesdorf 23 Prozent, Kaulsdorf 22 Prozent). Dabei wird die Bindung an das

199

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Wohneigentum und an den Kiez eine Rolle spielen. In Hellersdorf-Süd und Hellersdorf-Nord ist dieses
Motiv am seltensten genannt (8 Prozent bzw. 10 Prozent), wo auch vergleichsweise viele Befragte umziehen wollen. Während in Marzahn-Nord und in Hellersdorf-Ost dieser Grund ebenfalls häufig genannt
wurde (19 Prozent bzw. 17 Prozent), spielte er in Marzahn-Süd und Marzahn-Mitte keine so große Rolle
(15 Prozent bzw. 14 Prozent).
Deutliche Unterschiede sind auch in den Antworten, weil „die jetzige Wohnung Pflegeansprüchen genügt“53, in regionaler Hinsicht anzutreffen, deutlicher noch, als bei der Bewertung der eigenen Wohnung
als pflegegerecht. In Hellersdorf wird dieser Grund am seltensten genannt (Hellersdorf-Ost 6 Prozent,
Hellersdorf-Nord 10 Prozent, Hellersdorf-Süd 14 Prozent - ihre Wohnung als pflegegerecht schätzten
dort allerdings 13 Prozent, 20 Prozent bzw. 12 Prozent ein). Im Altbezirk Marzahn besteht ein großes
Gefälle in der Nennung dieses Grundes: 10 Prozent in Marzahn-Nord stehen 16 Prozent in MarzahnMitte und 20 Prozent in Marzahn-Süd gegenüber. Im Siedlungsgebiet stimmen die Antworthäufigkeiten
für diese Begründung mit der Bewertung der eigenen Wohnung als pflegegerecht in etwa überein.
19 Prozent (Biesdorf), 17 Prozent (Kaulsdorf) und 23 Prozent (Mahlsdorf) bleiben aus diesem Grund
auch im Bedarfsfall in ihrer Wohnung.
Die großen Unterschiede in der sozialen Belastung der Bezirksregionen spiegeln sich auch in der Frage,
ob man sich im Bedarfsfall einen Umzug in eine evtl. angemessenere Wohnung leisten kann. Von finanziellen Problemen berichten dabei 3 Prozent in Biesdorf, 13 Prozent in Kaulsdorf und 4 Prozent in
Mahlsdorf. In Marzahn-Nord und in Marzahn-Mitte sind es je 18 Prozent, in Marzahn-Süd sind es
11 Prozent, die in finanzielle Schwierigkeiten im Falle eines Umzuges geraten, ähnlich in Hellersdorf
(16 Prozent in Hellersdorf-Nord, 14 Prozent in Hellersdorf-Ost und 19 Prozent in Hellersdorf-Süd).
Die Altersgruppen stimmen in der Einstellung, dass man nicht umziehen möchte, weitestgehend überein. Bei den künftigen Senioren geben 16 Prozent diesen Grund an, bei den jungen Alten 17 Prozent, bei
den fortgeschrittenen Älteren 19 Prozent und bei den Hochbetagten 17 Prozent.
Mit dem Alter ist ein steigender Anteil derer festzustellen, der meint, auf einen Umzug auf Grund bereits
dem Bedarf angepasster Wohnbedingungen verzichten zu können. Während das von nur 12 Prozent
der künftigen Senioren ausgesagt wird, sind es schon 17 Prozent der jungen Alten, 25 Prozent der fortgeschrittenen Älteren und 26 Prozent der Hochbetagten. Diese Einstellung ist einerseits durch tatsächlich passende Wohnbedingungen begründet, geht aber - je nach körperlicher Verfassung, die bereits
durch eine eingeschränkte Lebenssituation geprägt sein kann - gelegentlich auch darauf zurück, dass die
Erwartungen den bestehenden Bedingungen angepasst werden. Diese altersbedingte Tendenz des sich
mit dem Gegebenen zu arrangieren, haben wir auch bei der Bewertung der eigenen Wohnung als pflegegerecht feststellen können. So kann es sein, dass die vorhandenen Bedingungen als ausreichend be-

53

Die Antworten zur Begründung, weil die jetzige „Wohnung Pflegeansprüchen genügt“, sind deshalb nicht eindeutig zu analysieren, weil von den 260 Personen, die diesen Grund angaben, 49 dennoch einschätzten, dass
ihre Wohnung nicht einer Pflegesituation angemessen sei, 43 das nicht wussten und 52 darauf keine Antwort
gaben, sich also 55 Prozent der Befragten in dieser Hinsicht nicht sicher waren. Diese Unsicherheit kann einerseits auf einen geringen Informationsstand über Merkmale einer pflegegerechten Wohnung zurückzuführen
sein. Andererseits zeigt sie generell, dass sich ein Teil der ab 50-Jährigen (noch) nicht intensiv mit dieser
Problematik auseinandergesetzt hat.

200

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

wertet werden, weil die Mühe eines Umzuges als größer eingeschätzt wird als das Wohnen unter den
jeweiligen Bedingungen.
Einen Umzug im Bedarfsfall aus finanziellen Gründen auszuschlagen, ist bei den künftigen Senioren
noch relativ selten (10 Prozent), aber bei den jungen Alten (16 Prozent) und den fortgeschrittenen Älteren (17 Prozent) schon häufiger. Die Hochbetagten (8 Prozent) stehen insgesamt seltener vor diesem
Entscheidungsproblem.
Abbildung 5.22:

Gründe für einen Verbleib in der Wohnung auch im Bedarfsfall - nach Altersgruppen
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent 26

25

17

16
12

19
17

16

17

10

künftige Senioren

17

8

junge Alte
möchte ich nicht

fortgeschrittene Ältere

Wohnung genügt Pflege

Hochbetagte

Umzug zu teuer

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Insgesamt werden finanzielle Probleme für den Verzicht auf einen Umzug im Bedarfsfall vor allem genannt von: Menschen mit Migrationshintergrund (23 Prozent), Arbeitslosen (19 Prozent), Niedrigverdienern (25 Prozent bzw. 18 Prozent), ohne Partnerin/Partner im Haushalt Lebenden (18 Prozent) und
Menschen ohne beruflichen Abschluss (24 Prozent).
Der Anteil der Menschen mit diesen finanziellen Schwierigkeiten steigt mit der Wohndauer sowohl im
Bezirk als auch in der Wohnung (Bewohnerinnen und Bewohner im Bezirk und der jetzigen Wohnung
unter 10 Jahren jeweils 16 Prozent).
Bemerkenswert ist, dass bei denjenigen, die aus finanziellen Problemen auf einen Umzug im Bedarfsfall
verzichten, der gegenwärtige Anteil der Wohnkosten am Haushaltsnettoeinkommen bei 36 Prozent
liegt, während er bei allen Anderen 28 Prozent beträgt. Das verdeutlicht die finanzielle Misere. Diejenigen, die einen hohen Anteil des Haushaltseinkommens für das Wohnen ausgeben müssen, können es
sich aus dem gleichen Grund nicht leisten, in eine dem Bedarf angemessene Wohnung zu ziehen.

201

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Kriterien für die Wahl einer seniorengerechten Wohnanlage
Die seniorengerechte Wohnanlage ist die von den Befragten am zweithäufigsten genannte bevorzugte
Wohn- und Betreuungsform für den Fall der eigenen Pflegebedürftigkeit. Die Frage nach Auswahlkriterien für eine solche Anlage beantworteten sie unabhängig davon, ob sie in der Frage nach den bevorzugten Wohnformen diese Form ausgewählt hatten. Daher beziehen sich die Ergebnisse auf alle Befragten.
Tabelle 5.48:

Kriterien für die Wahl einer seniorengerechten Wohnanlage bei Pflegebedürftigkeit
- nach dem Alter - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent (nur Antwort: „trifft zu“)
Gesamt

künftige
Senioren
50-65 Jahre

junge
Alte
65-75 Jahre

fortgeschrittene Ältere
75-85 Jahre

Hochbetagte
85 Jahre u.ält.

gesundheitliche Versorgung

83

84

86

79

65

angenehme Atmosphäre

79

82

79

72

62

Kosten

79

81

81

75

52

kompetente Ansprechpartnerinnen/
Ansprechpartner

69

70

72

66

46

höflicher Umgang miteinander

69

70

71

66

54

ansprechendes Verpflegungsangebot

61

62

63

63

40

externe Qualitätsüberprüfungen

47

49

53

41

25

Empfehlung durch Bewohnerinnen/
Bewohner, Bekannte oder Verwandte

39

39

40

42

26

Ruf/Bekanntheit des Hauses

34

32

36

38

26

ansprechende architektonische
Gestaltung

31

32

34

28

17

Trägerschaft/Betreiber

30

26

38

32

12

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Generell waren die Angehörigen der beiden jüngeren Altersgruppen bei der Auswahl von Kriterien aktiver, gaben insgesamt mehr Antworten ab. Daher sind in diesen beiden Gruppen die Nennungen bei allen
Kriterien häufiger als in den beiden älteren Gruppen. Das deutet darauf hin, dass das Interesse an einer
solchen Wohnanlage mit dem Alter abnimmt. Auch Frauen haben insgesamt öfter eine Auswahl getroffen.54
Die gesundheitliche Versorgung steht bei den Kriterien für die Auswahl einer seniorengerechten Wohnanlage an erster Stelle. 83 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner ab 50 Jahre legen auf diese Bedingung Wert, Insbesondere die 50- bis 75-Jährigen (84 Prozent der künftigen Senioren und 86 Prozent
der jungen Alten). In den beiden höheren Altersgruppen wird diese Auswahl zwar seltener getroffen
(fortgeschrittene Ältere 79 Prozent und Hochbetagte 65 Prozent), aber jeweils dennoch am häufigsten
von allen genannten Kriterien. Damit wird deutlich, dass die Sorge um die Gesunderhaltung nicht nur
allein aus Altersgründen eine vorrangige Rolle im Leben der Seniorinnen und Senioren spielt, sondern
das Gesundheitsbewusstsein generell auch bei den Jüngeren breiten Raum einnimmt.

54

Gleiches trifft auch auf andere soziale Gruppen zu, z.B. bei den unten betrachteten Einkommensgruppen. Hier
antworteten die Angehörigen der oberen Gruppen häufiger als die der unteren Gruppen. Daher sind die Prozentwerte der Nennungen der Gruppen nicht direkt miteinander vergleichbar.

202

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Als sehr wichtig eingeschätzt werden die Kosten (79 Prozent) der Unterbringung und die angenehme
Atmosphäre (79 Prozent) in der Einrichtung. Beide Kriterien stehen der Häufigkeit der Nennung nach in
allen Altersgruppen auf dem zweiten oder dritten Rang. Dabei werden beide Kriterien von Frauen (jeweils 81 Prozent) etwas häufiger genannt als von Männern (Atmosphäre 77 Prozent, Kosten 76 Prozent).
Auch die der Häufigkeit der Nennung nachfolgenden Kriterien sind an das Betreuungspersonal bzw. an
Mitbewohner adressiert. Für jeweils 69 Prozent der Befragten sind kompetente Ansprechpartnerinnen
und -partner sowie ein höflicher Umgang miteinander wichtig.
Ein ansprechendes Verpflegungsangebot wird von 61 Prozent der Befragten genannt. Auch für die
Hochbetagten ordnet sich dieses Kriterium mit Nennungen von 40 Prozent auf dem sechsten Platz ein.
Die folgenden Kriterien - externe Qualitätsprüfung (47 Prozent), Empfehlung durch Bewohnerinnen und
Bewohner, Bekannte oder Verwandte (39 Prozent), der Ruf des Hauses (34 Prozent), die architektonische Gestaltung (31 Prozent) und der Träger bzw. Betreiber (30 Prozent) - sind als Qualitätsmerkmale
mehr oder weniger auf die Einrichtung als Ganzes orientiert.
Als Gesamtbild der Auswahlkriterien für eine seniorengerechte Wohnanlage ergibt sich eine Priorität für
Merkmale, die direkt die Betreuung, die Interaktion zwischen Personal und Bewohnerinnen und Bewohnern bzw. zwischen den Bewohnerinnen und Bewohnern in den Mittelpunkt stellen. Der Faktor der Kosten der Unterbringung und Betreuung kommt zu diesen als sehr wichtiges Kriterium hinzu. Die Reihenfolge der ausgewählten Kriterien ist in den Altersgruppen nahezu identisch, bei Frauen und Männern ist
sie gleich.
Abbildung 5.23:

Kriterien für die Wahl einer seniorengerechten Wohnanlage bei Pflegebedürftigkeit
- nach dem Geschlecht - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

84 82 83 81 79 81 79
77
76
73

65 69 70 67 69 61 62 61

Frauen

Männer

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

203

48 47 47 42
36 39 36 31 34 31 31 31 31
28 30

Gesamt

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Auch in den Bezirksregionen Marzahn-Hellersdorfs unterscheidet sich die Auswahl der Kriterien für eine
seniorengerechte Wohnanlage nicht wesentlich voneinander. Folgende Unterschiede sind sichtbar: In
Marzahn-Nord, Hellersdorf-Nord, Hellersdorf-Süd (je 85 Prozent) und Kaulsdorf (87 Prozent) spielen die
Kosten eine überdurchschnittliche Rolle und stehen in Marzahn-Nord und in Hellersdorf-Ost (76 Prozent) auf dem ersten Rangplatz der Nennungen.
Von den Befragten im Siedlungsgebiet wurde das Kriterium einer angenehmen Atmosphäre häufiger
genannt als die Kosten (Biesdorf 81 Prozent, Kaulsdorf 88 Prozent und Mahlsdorf 86 Prozent).
In Kaulsdorf (45 Prozent) und Mahlsdorf (41 Prozent) hat die architektonische Gestaltung eine überdurchschnittliche Bedeutung.
Dass die soziale Situation - am Beispiel der Einkommensposition - die Auswahl von Kriterien für die Wahl
einer seniorengerechten Wohnanlage mit beeinflusst, demonstriert trotz der insgesamt geringen Unterschiede die folgende Tabelle.
Tabelle 5.49:

Kriterien für die Wahl einer seniorengerechten Wohnanlage bei Pflegebedürftigkeit
- nach dem Haushaltsnettoeinkommen - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent Gesamt

unter 1.000
Euro

1.000 - 1.999
Euro

2.000 - 2.999
Euro

3.000 - 3.999
Euro

4.000 Euro
und mehr

gesundheitliche Versorgung

83

74

84

88

89

88

angenehme Atmosphäre

79

71

79

83

89

89

Kosten

79

77

85

85

82

69

kompetente Ansprechpartnerinnen/-partner

69

66

73

75

71

66

höflicher Umgang
miteinander

69

66

73

75

71

66

ansprechendes Verpflegungsangebot

61

52

63

66

64

64

externe Qualitätsüberprüfungen

47

38

48

54

58

56

Empfehlung durch Bewohnerinnen/Bewohner, Bekannte oder Verwandte

39

35

44

40

40

37

Ruf/Bekanntheit des
Hauses

34

38

35

36

36

27

ansprechende architektonische Gestaltung

31

22

27

34

39

46

Trägerschaft/Betreiber

30

25

32

35

27

29

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

So verschiebt sich die Nennung des Kriteriums der Kosten vom ersten Rang in den beiden unteren Einkommenskategorien auf den zweiten Rang in der mittleren Einkommenskategorie und liegt in den beiden oberen Einkommensklassen auf dem dritten Rang.55

55

Siehe obige Anmerkung: Nur die gruppeninternen Verteilungen ergeben einen sinnvollen Vergleich.

204

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Zwischen Menschen mit und ohne Schwerbehinderung bestehen nur äußerst geringe Unterschiede in
der Auswahl dieser Kriterien, allerdings nicht in der Rangfolge. Menschen mit einer Pflegestufe dagegen
weisen bei ihrer Auswahl einige Unterschiede zu allen anderen auf: So legen 62 Prozent der Menschen
mit Behinderung Wert auf die Kosten (alle anderen 80 Prozent), 59 Prozent auf eine angenehme Wohnatmosphäre (alle anderen 80 Prozent), 55 Prozent auf einen höflichen Umgang miteinander (alle anderen 70 Prozent), 48 Prozent auf ein ansprechendes Verpflegungsangebot (alle anderen 63 Prozent) und
16 Prozent auf die architektonische Gestaltung (alle anderen 32 Prozent). Im Hinblick auf das Kriterium
der gesundheitlichen Versorgung sind die Unterschiede geringer: 73 Prozent der Pflegebedürftigen
wählten dieses Merkmal und 84 Prozent aller anderen.
Auswahl von Dienstleistungen beim Service-Wohnen
Für die Aufrechterhaltung bzw. Erweiterung eines selbstbestimmten Lebens stehen den Bürgerinnen
und Bürgern - insbesondere denen im Seniorenalter - eine Vielzahl von Unterstützungsmöglichkeiten zur
Verfügung. Im Begriff des Service-Wohnens sind dabei Leistungen zusammengefasst, die in verschiedenen Formen und zu verschiedenen Bedingungen angeboten werden. Klassischer Weise wird beim Service-Wohnen eine besondere Wohnform in einer Wohnanlage bzw. in enger räumlicher Verbindung in
einer separaten Wohnung verstanden, wobei den Bewohnerinnen und Bewohnern vom Anbieter der
Wohnform bzw. dem Träger ein bestimmtes Set an Hilfeleistungen angeboten wird. Es gibt aber auch
Möglichkeiten der Nutzung von Serviceangeboten für Seniorinnen und Senioren, die in der eigenen
Normalwohnung genutzt werden können. Auch hier werden manchmal spezialisierte Einzelleistungen
angeboten oder aber häufiger eine Mehrzahl gebündelter Leistungen durch einen Anbieter. Sowohl bei
der Nutzung von Leistungen durch einen Pflegedienst als auch durch einen anderen privaten Anbieter
können die Nutzerinnen und Nutzer den Umfang und die Art der Ausführung in der Regel selbst wählen
(mit Einschränkungen bei verordneten Hilfen durch die Pflegekassen). Sofern es sich nicht um verordnete Leistungen handelt, sind sie von der Nutzerin bzw. vom Nutzer zu bezahlen, Leistungen der Pflegekassen erfordern u.U. Zuzahlungen. Durch diesen Rahmen ist es den Nutzerinnen und Nutzern freigestellt,
je nach finanziellen Möglichkeiten sowohl die Leistung als auch den Anbieter zu wählen.
Die ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf wählten unter verschiedenen Angeboten für eine Nutzung in
der eigenen Normalwohnung für den Fall des Vorliegens einer Bedarfssituation aus. Dabei ergab sich
folgende Rangfolge:

205

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 5.24:

Rangfolge der Auswahl von Leistungen des Service-Wohnens - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2010 und 2015 - in Prozent -

66
58

60

56

55
49

52
43

47

44

47

46 46
41

44

44
38

40

41

37

40
32

29
16

2015

2010

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Am häufigsten wird der Hausnotruf ausgewählt (von 66 Prozent). Die Sorge um die eigene Kontaktfähigkeit zur Umwelt im Notfall oder die eines Partners steht an erster Stelle. Die Sorge um die Gesundheit
und eine gesundheitliche Versorgung stehen auch bei der Wahl der ärztlichen Therapieangebote auf
dem zweiten Rang im Vordergrund (60 Prozent), wie auch beim dritten Rangplatz, dem Pflegeangebot
(55 Prozent). Es folgen Leistungen innerhalb der Wohnung, die sich auf die Aufrechterhaltung der
Wohnfunktionen (Reinigung 52 Prozent, handwerkliche Arbeiten 47 Prozent) beziehen. Auf den folgenden Rangplätzen wurden Leistungen genannt, die mit außerhäuslichen Aktivitäten verbunden sind (Unterstützung bei Behördengängen 47 Prozent und Freizeitangebote 46 Prozent). Es folgen Leistungen der
Versorgung vor allem mit Lebensmitteln (Speisenversorgung 44 Prozent und Lieferservice 40 Prozent).
Den Schluss in dieser Liste bilden Mobilitätshilfen (40 Prozent) und Kommunikative Betreuung bzw. Gesprächsangebote (29 Prozent).
Der Vergleich mit den Ergebnissen des Jahres 2010 zeigt erstens, dass sich an der Rangfolge der gewünschten Leistungen nichts geändert hat und zweitens, dass bei allen Leistungsarten eine Steigerung
festzustellen ist. Das lässt darauf schließen, dass die Vorstellung, im Bedarfsfall derartige Angebote zu
nutzen - und das vor allem in der eigenen Normalwohnung - zugenommen hat und ist ein Ausdruck eines gestiegenen Anspruchs der selbständigen Lebensführung.
In den Bezirksregionen des Siedlungsgebietes ist eine überdurchschnittliche Nutzungserwartung derartiger Dienstleistungen anzutreffen, obwohl die gewünschte Wohn- und Betreuungsform im Pflegefall dort
zwar etwas, aber nicht wesentlich höher liegt. Insbesondere fällt auf, dass der Hausnotruf in Marzahn

206

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

und Hellersdorf-Nord unterdurchschnittlich ausgewählt wurde, sowie die wohnungsnahen Dienstleistungen (Reinigung, handwerkliche Arbeiten, Speisenversorgung und hauswirtschaftliche Leistungen).
Hier geht man davon aus, auch künftig diese Dinge selbst oder mit familiärer bzw. nachbarschaftlicher
Hilfe erledigen zu können.
Tabelle 5.50:

Auswahl von Leistungen des Service-Wohnens - nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent Gesamt

MarzahnNord

MarzahnMitte

MarzahnSüd

Hellers Hellers Hellers
dorfdorfdorfNord
Ost
Süd

Biesdorf

Kaulsdorf

Mahlsdorf

Hausnotruf

66

62

63

64

62

69

70

68

76

71

ärztliche Therapie-Angebote

60

61

54

52

65

62

58

61

69

63

Pflegeangebote

55

55

51

56

56

51

44

60

65

59

Reinigung der Wohnung

52

40

47

handwerkliche Arbeiten

47

46

47

46

50

48

52

54

73

63

41

49

54

52

45

54

43

Unterstützung bei
Behördengängen

47

43

48

39

58

44

54

40

51

45

Freizeitangebote

46

Speisenversorgung

44

47

47

36

50

46

41

43

60

54

37

41

40

42

27

49

51

56

53

Lieferservice (schwerer Einkauf)

44

39

45

31

43

44

51

43

55

52

hauswirtschaftliche Leistungen

41

30

35

33

42

33

41

48

62

51

Mobilitätshilfen

40

30

38

35

46

38

44

40

52

43

kommunikative Betreuung/Gesprächsmöglichkeiten

29

30

24

20

32

31

27

33

39

32

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

In den einzelnen Altersgruppen ist die Rangfolge der gewünschten Leistungen mehrheitlich wie die
Rangfolge insgesamt. Im Wesentlichen sind die Prioritäten ähnlich. Allerdings nimmt die gewünschte
Inanspruchnahme von Dienstleistungen des Service-Wohnens bei den meisten Leistungen ab. Die einzige Ausnahme ist die Reinigung der Wohnung, deren Nennung anteilig mit jeder Altersgruppe wächst.
Diese Abnahme in den Altersgruppen erfolgt relativ gleichmäßig, sodass sich in den einzelnen Altersgruppen nur wenige Leistungen als im Vergleich besonders häufig identifizieren lassen. Für Hochbetagte
sind - obschon meist in geringerem Ausmaß - relativ zu den anderen Altersgruppen häufig gewünscht
Reinigung der Wohnung (68 Prozent), der Hausnotruf (63 Prozent), handwerkliche Arbeiten (43 Prozent), Speisenversorgung (40 Prozent), Lieferservice (39 Prozent) und hauswirtschaftliche Leistungen
(40 Prozent). Wichtig ist den Hochbetagten auch die kommunikative Betreuung (30 Prozent). Bei den
fortgeschrittenen Älteren fallen der Hausnotruf (63 Prozent), Pflegeangebote (57 Prozent), Reinigung
der Wohnung (56 Prozent), Unterstützung bei Behördengängen (48 Prozent) und die Speisenversorgung
(44 Prozent) im Vergleich mit den anderen Gruppen durch relativ häufigere Nennungen auf. Bei den
jungen Alten sind das: der Hausnotruf (66 Prozent), Pflegeangebote (54 Prozent), Speisenversorgung
(45 Prozent) und Mobilitätshilfen (36 Prozent). Bei den künftigen Senioren ist der Abstand zu den anderen Gruppen besonders hoch hinsichtlich der Freizeitangebote (54 Prozent), bei handwerklichen Arbeiten (50 Prozent), beim Lieferservice (49 Prozent) und bei Mobilitätshilfen (45 Prozent).

207

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 5.25:

Rangfolge der Auswahl von Leistungen des Service-Wohnens - nach Altersgruppen
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent 66
63

Hausnotruf

ärztliche Therapie-Angebote

46

Pflegeangebote

43

Unterstützung bei Behördengängen

35

Freizeitangebote

36
31

junge Alte

24

50

44
47

49
48
47
54

44
44
44
49

36
44

37
40

44

37
41

36

20

56

52

45

40
39

künftige Senioren

51
68

46

Lieferservice (schwerer Einkauf)

kommunikative Betreuung/Gesprächsmöglichk.

54

41

40

Mobilitätshilfen

60
56
57
55

43

Speisenversorgung

hauswirtschaftliche Leistungen

63

55

43
43

handwerkliche Arbeiten

68
66

59

48

Reinigung der Wohnung

63

45

36
40

30

27
29

fortgeschrittene Ältere

32

Hochbetagte

Gesamt

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Natürlich ist die Inanspruchnahme von Dienstleistungen des Service-Wohnens eine finanzielle Frage. Die
Angehörigen der oberen drei Gruppen des Haushaltsnettoeinkommens gaben in fast allen Leistungsarten mehr Nennungen ab. Nur bei der Unterstützung bei Behördengängen wählen die Angehörigen der
unteren Einkommensgruppen häufiger als die Angehörigen der oberen aus. In allen Einkommensgruppen wird am häufigsten auf die Nutzung eines Hausnotrufes Wertgelegt. Am ehesten würden Angehörige der unteren Einkommensgruppen auf Leistungen verzichten, die selbst erledigt werden können (wie
z.B. Lieferservice, Speisenversorgung und hauswirtschaftliche Leistungen, oder aber man nimmt sich
vor, den Aufwand, der mit diesen Leistungen verbunden ist, selbst aufzubringen (wie z.B. Mobilitätshilfen und Kommunikationshilfen).

208

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 5.51:

Auswahl von Leistungen des Service-Wohnens - nach Haushaltseinkommen
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent Gesamt

unter 1.000
Euro

Hausnotruf

66

53

69

70

78

71

ärztliche Therapie-Angebote

60

46

58

63

73

62

Pflegeangebote

55

42

53

61

61

63

Reinigung der Wohnung

52

50

46

55

53

70

handwerkliche Arbeiten

47

43

44

50

58

49

Unterstützung bei Behördengängen

47

52

51

49

47

40

Freizeitangebote

46

40

43

47

59

56

Speisenversorgung

44

33

38

51

50

54

Lieferservice (schwerer Einkauf)

44

28

41

52

52

55

hauswirtschaftliche Leistungen

41

37

35

45

52

61

Mobilitätshilfen

40

33

36

47

45

45

kommunikative Betreuung/
Gesprächsmöglichkeiten

29

30

27

32

36

28

1.000 - 1.999 2.000 - 2.999 3.000 - 3.999
Euro
Euro
Euro

4.000 Euro
und mehr

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Auch bei Menschen ab 50 Jahre mit einer Schwerbehinderung oder einer Pflegestufe stehen der Hausnotruf (68 Prozent bzw. 63 Prozent), ärztliche Therapieangebote (62 Prozent bzw. 61 Prozent), Reinigung der Wohnung (60 Prozent bzw. 62 Prozent) und die Nutzung von Pflegeangeboten (58 Prozent
bzw. 56 Prozent) an erster Stelle. Die Unterstützung bei Behördengängen ist der einzige Bereich, in dem
die Angehörigen dieser beiden Gruppen unterdurchschnittlich häufig Leistungen in Anspruch nehmen
wollen. Ansonsten wünschen sie in allen Leistungsarten häufiger, die Angebote zu nutzen. Relativ weniger werden kommunikative Hilfen oder hauswirtschaftliche Leistungen (33 Prozent bzw. 34 Prozent)
gewünscht.

209

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 5.26:

Auswahl von Leistungen des Service-Wohnens - nach Schwerbehinderung und
Pflegestufe - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent Hausnotruf

ärztliche Therapie-Angebote
Pflegeangebote
Reinigung der Wohnung

52
46

handwerkliche Arbeiten
Unterstützung bei Behördengängen
Freizeitangebote

40

Speisenversorgung

39

Lieferservice (schwerer Einkauf)

37

hauswirtschaftliche Leistungen
Mobilitätshilfen

49
47
45
44
47
44
46
48
44
44

44
42
43
41
43

40

kommunikative
Betreuung/Gesprächsmöglichkeiten
Schwerbehinderung

68
63
66
62
61
60
58
56
55
60
62

29

51

33
34

Pflegestufe

Gesamt

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Ausgaben für die Nutzung von Leistungen des Service-Wohnens zusätzlich zur Miete
Die Realisierung des Wunsches nach Nutzung von Leistungen des Service-Wohnens ist mit finanziellen
Aufwendungen verbunden und daher in sozialen Gruppen unterschiedlich möglich. 10 Prozent der ab
50-Jährigen wollen oder können keine finanziellen Mittel für die Nutzung der genannten Leistungen
aufbringen, 15 Prozent würden bis zu 50 Euro, 27 Prozent bis zu 100 Euro, 17 Prozent bis zu 150 Euro,
13 Prozent bis zu 200 Euro und 9 Prozent 200 Euro und mehr aufwenden.
Dabei fällt auf, dass Männer mehr Geld aufwenden würden als Frauen. Während 28 Prozent der Frauen
keine oder höchstens bis zu 50 Euro ausgeben könnten bzw. würden, sind es bei den Männern 22 Prozent. 200 Euro und mehr möchten bei den Männern 10 Prozent ausgeben, von den Frauen 7 Prozent.
Die Hochbetagten würden im Schnitt weniger Mittel aufwenden (können) als die Angehörigen der anderen Altersgruppen. Keine Mittel oder höchstens 50 Euro würden 35 Prozent der Hochbetagten für Service-Leistungen ausgeben (können), in den anderen Altersgruppen sind es 25 Prozent bzw. 26 Prozent.
200 Euro und mehr würden 4 Prozent der Hochbetagten ausgeben und 9 Prozent bzw. 7 Prozent in den
anderen Gruppen.
Menschen mit einer Schwerbehinderung können sich vorstellen, insgesamt durchschnittlich viel Mittel
einzusetzen, aber Pflegebedürftige können es nur unterdurchschnittlich tun. 26 Prozent können oder

210

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

wollen kein Geld für Service-Leistungen ausgeben, 21 Prozent bis zu 50 Euro und 26 Prozent bis zu 100
Euro.
Tabelle 5.52:

Ausgaben für zusätzliche Service-Leistungen - nach Geschlecht, Alter, Schwerbehinderung und Pflegestufe - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent bis
50 Euro

50 bis 100
Euro

100 bis 150
Euro

150 bis 200
Euro

200 Euro
und mehr

keine

Frauen

18

26

17

11

7

10

Männer

11

27

16

14

10

11

künftige Senioren

15

26

20

12

9

10

junge Alte

14

27

13

15

9

12

fortgeschrittene Ältere

15

29

13

11

7

10

Hochbetagte

24

18

5

13

4

11

Schwerbehinderte

16

25

12

12

9

15

Pflegestufe

21

26

2

6

5

26

Gesamt

15

27

17

13

9

10

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die Analyse der geplanten Ausgaben für zusätzliche Service-Leistungen in den Bezirksregionen zeigt,
dass in der Großsiedlung die ab 50-Jährigen überdurchschnittlich weniger Geld bzw. kein Geld aufwenden wollen bzw. können und im Siedlungsgebiet überdurchschnittlich viel. Kein Geld wollen bzw. können 10 Prozent und mehr Menschen (in Hellersdorf-Nord 19 Prozent) aufwenden, bis 50 Euro monatlich
sind es 27 Prozent in Marzahn-Nord, 24 Prozent in Hellersdorf-Süd, 23 Prozent in Hellersdorf-Ost und
19 Prozent in Hellersdorf-Nord. Im Siedlungsgebiet sind die Bewohnerinnen und Bewohner ab 50 Jahre
überdurchschnittlich vertreten bei den geplanten Ausgaben über 100 Euro monatlich.
Tabelle 5.53:

Ausgaben für zusätzliche Service-Leistungen - nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent bis
50 Euro

50 bis 100
Euro

100 bis 150
Euro

150 bis 200
Euro

200 Euro
und mehr

keine

Marzahn-Nord

27

25

11

10

4

13

Marzahn-Mitte

13

36

15

6

6

12

Marzahn-Süd

10

30

18

13

5

10

Hellersdorf-Nord

19

27

12

9

3

19

Hellersdorf-Ost

23

35

15

12

1

10

Hellersdorf-Süd

24

25

15

12

6

12

Biesdorf

12

20

19

18

15

4

Kaulsdorf

5

22

23

19

19

5

8

19

21

18

19

6

15

27

17

13

9

10

Mahlsdorf
Gesamt

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Auch die Bewohnerinnen und Bewohner von Eigentumswohnungen und Eigenheimen nehmen sich vor,
deutlich mehr Geld für zusätzliche Service-Leistungen aufzubringen als Bewohnerinnen und Bewohner
von Mietwohnungen. Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen planen mehrheitlich, mit den

211

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Angeboten vor Ort vorliebzunehmen. Nur 9 Prozent insgesamt wollen sich zusätzliche Leistungen verschaffen.
Tabelle 5.54:

Ausgaben für zusätzliche Service-Leistungen - nach Wohnform - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent bis
50 Euro

50 bis 100
Euro

100 bis 150
Euro

150 bis 200
Euro

200 Euro
und mehr

keine

Mietwohnung
Gesellschaft

18

32

13

8

3

15

Mietwohnung privat

21

27

17

16

5

8

Mietwohnung
Genossenschaft

19

28

16

11

5

8

Senioren-/Pflegeheim

3

6

0

0

3

69

Eigentumswohnung

8

22

24

13

20

8

eigenes Haus

7

18

22

20

19

4

15

27

17

13

9

10

Gesamt

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Anpassung der Wohnung an einen speziellen Hilfebedarf oder eine Pflegesituation56
Die Informationen und Kenntnisse zum seniorengerechten Wohnen sind in der Regel etwas unbestimmt,
wogegen ein spezieller Hilfebedarf oder eine akute Pflegesituation konkretes Wissen und anwendungsfähige Handlungsempfehlungen erfordern. Daher ist in derartigen Bedarfssituationen Beratung und Hilfe
noch wichtiger als in einer generellen Vorsorgesituation für das Wohnen im Alter.
Die Anpassung der Wohnung an bestimmte Erfordernisse der Hilfeleistung, Betreuung und Pflege ist für
die Betroffenen eine wesentliche Unterstützung in einer Bedarfssituation. Auch für die Helfenden, Betreuenden und Pflegenden sind bauliche und andere Anpassungen der Wohnbedingungen an die Bedarfssituation in der Regel eine notwenige Unterstützung. Dabei ist zu beachten und eben der Inhalt
dieser situationsgerechten Kenntnisse, dass jede Einschränkung, Behinderung und jeder konkrete Pflegebedarf jeweils eigene, spezifische Bedingungen für die Gestaltung des Lebens und die Hilfen erfordern. Maßnahmen zur Wohnungsanpassung sind jedoch häufig mit einem nicht geringen Aufwand in
organisatorischer, körperlicher, manchmal psychischer und vor allem auch finanzieller Hinsicht verbunden. Daher bedarf es der gut organisierten Zusammenarbeit verschiedenster Akteure, um den Betroffenen Bedingungen an die Hand zu geben, die ein möglichst selbstbestimmtes Leben auch in einem solchen Bedarfsfall ermöglichen. Da die gesundheitspolitischen Grundsätze auf ein möglichst langes selbstbestimmtes Leben in der eigenen Wohnung orientiert sind, ist eine Reihe von Akteuren in diesen Prozess involviert. Dennoch beginnt der erste Schritt mit dem Wissen um bedarfsgerechte Bedingungen
und ihrer Einrichtung bei den Betroffenen, Angehörigen, Bekannten und Nachbarn.
36 Prozent der ab 50-Jährigen gaben an, über derartiges Wissen zu verfügen. Darüber hinaus sind es
2 Prozent der Befragten, die nicht nur über die Kenntnisse verfügen, sondern diese auch nutzen. 58 Pro56

Zu gesetzlichen Regelungen und finanziellen Möglichkeiten der Wohnraumanpassung vgl. Sozialstudie „50 und
älter in Marzahn-Hellersdorf 2010“, Kapitel 6 und z.B. Empfehlungen des Deutschen Vereins zur Weiterentwicklung der Kooperation der Akteure generationengerechten Wohnens, Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge, Berlin 206, S. 12-15.

212

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

zent verfügen über solche Kenntnisse nicht. Das konkrete Handeln der Menschen ab 50 ist also in nur
wenigen Fällen tatsächlich von einem solchen Wissen geleitet.
Frauen und Männer äußern in fast gleicher Häufigkeit, Bescheid zu wissen (56 Prozent bzw. 55 Prozent).
Frauen wenden jedoch etwas häufiger dieses Wissen auch an (3 Prozent bzw. 1 Prozent). Das bedeutet
auch, dass sie entweder als Betroffene oder als Helfende konkret eine spezielle Bedarfs- oder Pflegesituation kennen.
Schwerbehinderte bekunden derartige Kenntnisse eher unterdurchschnittlich (54 Prozent), jedoch sagten weitere 6 Prozent, dass sie sowohl über diese Kenntnisse verfügen, als auch, dass sie sie nutzen.
Für Pflegebedürftige sind Anpassungen der Wohnung an die Pflegesituation öfter nötig, daher wissen
auch anteilig mehr Pflegebedürftige über diese Bedingungen Bescheid (insgesamt 59 Prozent). 25 Prozent davon nutzen dieses Wissen auch bei der Gestaltung ihrer Wohnung und damit ihrer Lebensbedingungen. 31 Prozent der Pflegebedürftigen verfügen nicht über diese ihrer Situation gemäßen spezifischen Kenntnissen der Wohnungsanpassung.
Menschen mit Migrationshintergrund wissen zwar unterdurchschnittlich häufig Bescheid, ohne das Wissen zu nutzen (26 Prozent), aber 5 Prozent über diese 26 Prozent hinaus verfügen nicht nur über entsprechende Kenntnisse, sondern nutzen diese in konkreten Situationen. Allerdings wissen 63 Prozent
von ihnen nicht Bescheid.
Mit dem Alter nimmt das relevante Wissen zum Thema Wohnungsanpassung zu, vor allem auch das
angewandte und genutzte Wissen. Insgesamt steigt der Anteil derjenigen, die über Kenntnisse verfügen,
von 34 Prozent bei den künftigen Senioren auf 40 Prozent bei den jungen Alten, um bei den fortgeschrittenen Älteren auf 45 Prozent zu steigen. Auch die Hochbetagten sind überdurchschnittlich häufig informiert, 9 Prozent wenden dieses Wissen in ihrer Lebensgestaltung an.

213

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 5.27:

34

34 31
25

26

6

1

5

kenne ich

kenne und nutze sie

36

35
9

4

2

1

49

47

41

38

33

58

56

54

35

3

64

63

61

57
36

Kenntnisse über Angebote der Wohnungsanpassung an speziellen Hilfebedarf oder
eine Pflegesituation - nach Geschlecht, Schwerbehinderung, Pflegebedürftigkeit,
Migrationshintergrund und Altersgruppen - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent -

2

kenne ich nicht

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

In sozialräumlicher Hinsicht sind die Kenntnisse recht differenziert verteilt. Während im Siedlungsgebiet
über 40 Prozent über Kenntnisse verfügen (Biesdorf 44 Prozent, Kaulsdorf 46 Prozent, Mahlsdorf
48 Prozent), wovon 1 Prozent bzw. 2 Prozent diese Kenntnisse nutzen, sind es in den Bezirksregionen
der Großsiedlung zwischen 18 Prozent in Hellersdorf-Ost und 40 Prozent in Marzahn-Süd. HellersdorfNord mit 31 Prozent und Marzahn-Nord mit 33 Prozent folgen am hinteren Ende der Häufigkeit von
Kenntnissen zum Thema (Marzahn-Mitte 38 Prozent und Hellersdorf-Süd 34 Prozent). Es ist ersichtlich,
dass in den sozial schwachen Bezirksregionen auch das Wissen über Angebote der Wohnungsanpassung
im speziellen Hilfe- und Pflegefall gering ist.
Abbildung 5.28:

Kenntnisse über Angebote der Wohnungsanpassung an speziellen Hilfebedarf oder
eine Pflegesituation - nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf
2015 - in Prozent82

66

65
55

52

52
44

43

39

35

32

64

54

58
49

46

36

30

27
17

1

3

1

4

kenne ich

1

4

kenne und nutze sie

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

214

1

2

kenne ich nicht

2

2

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Gewünschte Wohnform nach Umzug im Fall der Pflegebedürftigkeit
Auf die Frage, welche Wohnform man im Fall einer andauernden Pflegebedürftigkeit bevorzugen würde,
antworteten viele Befragte ohne ausdrücklich eine Umzugsabsicht bejaht zu haben. Daher sind die folgenden Antworten z.T. auch auf einige derjenigen zutreffend, die eigentlich meinten, nicht umziehen zu
wollen, zu müssen oder zu können.
Am meisten wird nach wie vor gewünscht, in einer Normalwohnung (evtl. nach einem Umzug) bei Betreuung durch einen Pflegedienst zu wohnen (46 Prozent). Das trifft auf alle Altersgruppen, Männer und
Frauen zu und ist vom Vorhandensein einer Schwerbehinderung oder Pflegestufe nahezu unabhängig. In
Biesdorf (38 Prozent) und Marzahn-Süd (42 Prozent) trifft das am seltensten zu. Damit ist das Bedürfnis,
in einer - eigenen - Normalwohnung zu wohnen, vermutlich deutlich gestiegen.
An zweiter Stelle wird der Einzug in eine Seniorenwohnanlage mit Service- und ambulanten Pflegeangeboten genannt (41 Prozent). Eine derartige Wohn- und Betreuungssituation wird ebenfalls relativ
gleichmäßig gewünscht. Menschen mit Pflegestufe (34 Prozent) und Schwerbehinderung (38 Prozent)
wollen das etwas seltener in Anspruch nehmen, vielleicht, weil in einer Normalwohnung mit pflegerischer Betreuung vom sozialen Umfeld tatkräftigere Unterstützung erhofft wird. Ab 50-Jährige aus Kaulsdorf (47 Prozent), Hellersdorf-Ost (47 Prozent) und Marzahn-Süd (44 Prozent) nannten diese Form
überdurchschnittlich häufig.
Auch die am dritthäufigsten genannte Wohnalternative - eine barrierefreie Wohnung (33 Prozent) stellt das selbständige Wohnen in einer eigenen Wohnung in den Mittelpunkt. Schwerbehinderte
(39 Prozent) und Pflegebedürftige (36 Prozent) bevorzugen eine derartige Wohnmöglichkeit am häufigsten. Mit dem Alter nimmt diese Form als gewünschte Wohnform ab (36 Prozent bei künftigen Senioren,
32 Prozent bei jungen Alten, 27 Prozent bei fortgeschrittenen Älteren und 24 Prozent bei Hochbetagten). Bewohnerinnen und Bewohner aus Hellersdorf-Nord (44 Prozent) und Marzahn-Nord (39Prozent)
gaben in diesem Fall die häufigsten Nennungen ab.
31 Prozent aller Befragten entschieden sich für eine Wohnform mit hauswirtschaftlichen Serviceangeboten. Dabei spielt sicherlich der Gedanke mit, dass die Einschränkungen nicht groß sind und man sich
(noch) nicht auf eine Pflege oder behindertengerechte Wohnform einstellen müsste. Ab 50-Jährige aus
Kaulsdorf (44 Prozent), Hellersdorf-Nord (39 Prozent) und Hellersdorf-Süd (38 Prozent) favorisierten
diese Form mit den wenigsten festgelegten Angeboten und Hilfen.
Bauliche Veränderungen in der eigenen Wohnung zur Anpassung an den Wohnbedarf wollen 28 Prozent
der Befragten in Angriff nehmen. Das betrifft vor allem die Jüngeren (künftige Senioren 33 Prozent) und
Männer (30 Prozent). Wegen des hohen Anteils am Wohneigentum ist verständlich, dass in den Bezirksregionen des Siedlungsgebietes der größte Anteil der Befragten die eigene Wohnung umbauen würde
(Biesdorf 34 Prozent, Kaulsdorf 43 Prozent, Mahlsdorf 40 Prozent). Aber auch in Marzahn-Mitte ist ein
überdurchschnittlicher Anteil (29 Prozent) bereit, die eigene Wohnung zu verändern.
Am wenigsten Anklang finden die Vorstellungen, in einem Pflegeheim zu wohnen (10 Prozent), bei den
eigenen Kindern (7 Prozent) und jemanden in die eigene Wohnung aufzunehmen, der die Pflege bzw.
Betreuung übernimmt (7 Prozent).

215

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 5.55:

Gesamt

Gewünschte Wohn- oder Betreuungsform im Falle einer dauerhaften Pflegebedürftigkeit - nach Geschlecht, Schwerbehinderung, Pflegestufe und Altersgruppen
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent - (nur Antwort: „trifft zu“)
Geschlecht

Schwerbehinderung

Pflegestufe

Altersphasen

Frauen

Männer

ja

nein

ja

nein

künftige
Senioren

junge
Alte

fortgeschrittene
Ältere

Hochbetagte

1

31

31

32

31

32

27

32

34

31

23

39

2

46

46

47

44

47

38

47

47

45

46

43

3

17

16

20

21

17

11

18

19

19

13

5

4

10

10

10

11

10

18

10

8

10

14

19

5

41

40

41

38

41

34

41

43

38

41

24

6

14

15

13

12

15

11

14

17

12

9

4

7

7

8

7

5

8

6

7

8

6

7

1

8

33

32

34

39

31

36

33

36

32

27

24

9

28

26

30

25

29

13

29

33

26

18

8

10

7

6

7

5

7

5

7

7

6

4

10

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Tabelle 5.56:

Gesamt

Gewünschte Wohn- oder Betreuungsform im Fall einer dauerhaften Pflegebedürftigkeit - nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent (nur Antwort: „trifft zu“)
Marzahn- Marzahn- Marzahn- HellersNord
Mitte
Süd
dorf-Nord

Hellersdorf-Ost

Hellersdorf-Süd

Biesdorf

Kaulsdorf

Mahlsdorf

1

31

24

28

30

39

24

38

30

44

29

2

46

53

54

42

45

44

48

38

47

44

3

17

19

17

21

17

26

23

12

12

13

4

10

12

11

10

7

11

12

11

9

9

5

41

37

37

44

42

47

36

41

47

39

6

14

21

13

12

13

14

11

14

16

14

7

7

9

7

5

8

8

4

5

10

9

8

33

39

37

30

44

33

34

26

25

27

9

28

21

29

16

22

23

25

34

43

40

10

7

3

1

5

5

8

2

8

17

15

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)
Legende:
1 - Wohnform mit hauswirtschaftlichen Serviceangeboten
2 - Normalwohnung und Versorgung durch einen Pflegedienst
3 - ambulant betreute Wohngemeinschaft
4 - Pflegeheim
5 - Seniorenwohnanlage mit Service- und ambulanten Pflegeangeboten
6 - Senioren-Selbsthilfe-Wohngemeinschaft
7 - bei meinem/n Kind/ern wohnen
8 - barrierefreie Wohnung
9 - Wohnungsanpassung (bauliche Veränderungen)
10 - kostenloses Mitwohnen in meiner Wohnung/meinem Haus für zu erbringende Hilfeleistungen

216

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Im Vergleich zu 2010 hat sich an der Rangfolge der bevorzugten Wohnformen und der Häufigkeit ihrer
Nennung nichts Wesentliches geändert. Die eigene Normalwohnung und Seniorenwohnanlagen mit
unterschiedlichen Service- und Betreuungsangeboten werden im selben Umfang favorisiert. Etwas zugenommen hat das Vorhaben, die eigene Wohnung baulich dem Bedarf anzupassen.
5.8

Fazit

Wohnsituation
Die Wohnsituation der ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf im Jahr 2015 ist durch eine hohe Stabilität
und nur wenige Veränderungen gegenüber 2010 gekennzeichnet. Dementsprechend hat der größte Teil
der vor fünf Jahren gemachten Feststellungen und Handlungsempfehlungen weiterhin Gültigkeit.57
Mittlere Wohndauer in der gegenwärtigen Wohnung ist auf 19 Jahre (2 Jahre mehr) angestiegen - ein
Ausweis der Stabilität.
Dennoch sind 13 Prozent der ab 50-Jährigen in den vergangenen 10 Jahren innerhalb des Bezirkes umgezogen oder mussten umziehen. Die Wohnbedingungen dieses Personenkreises haben sich nicht in
jedem Fall verbessert. Im Gegenteil, der Anteil derer, die aktuell umziehen wollen, ist in dieser Gruppe
am höchsten.
Der Mietanteil in der Wohnform hat sich um 4 Prozentpunkte erhöht (49 Prozent), der Genossenschaftsanteil um 2 Prozentpunkte (20 Prozent) verringert, die Eigentumsanteile (30 Prozent) und der
Anteil der Heimbewohnerinnen und Heimbewohner (1 Prozent) blieben gleich.
Die durchschnittliche Wohnfläche ist mit 78 m2 nur unwesentlich größer als 2010, wie auch die durchschnittliche Wohnfläche pro Haushalt mit 45 m2. Unterdurchschnittlich mit Wohnfläche ausgestattet
sind Alleinerziehende bzw. insgesamt Haushalte mit Kindern (31 m2) und Arbeitslose (34 m2).
Die mittleren Wohnkosten sind um 29 Euro auf 539 Euro bzw. um knapp 6 Prozent gestiegen, ausschließlich durch Steigerung der Mietkosten (von 475 Euro im Jahr 2010 auf 507 Euro im Jahr 2015).
Anteilig am Haushaltsnettoeinkommen geben die ab 50-Jährigen 25 Prozent aus, in Hellersdorf-Nord mit
28 Prozent am meisten. Am stärksten ist die Haushaltskasse durch die Wohnkosten belastet bei Arbeitslosen (36 Prozent) und Niedrigverdienern unter 1.000 Euro (50 Prozent). Künftig kommen auf einen Teil
der Neurentnerinnen/-rentnerhohe Belastungen zu den schon bestehenden hinzu, weil der Anteil der
Rentnerinnen und Rentner mit äußerst geringer Rente oder mit Anspruch auf Grundsicherung steigen
wird. Diese Lücken müssen z.T. durch den Bezirk in Form von Mietzuschüssen gedeckt werden.
Mietzuschuss erhalten gegenwärtig über 9 Prozent der Befragten, 5,5 Prozent vom Jobcenter. In Hellersdorf-Nord (14 Prozent) und Marzahn-Nord (13 Prozent) ist der Anteil an Bezieherinnen und Beziehern von Grundsicherung für Arbeitsuchende sehr hoch, was erwarten lässt, dass künftig insbesondere
dort ein hoher Bedarf an bezirklichen Mietzuschüssen bestehen wird.
Obwohl gegenwärtig nicht von einer angespannten Wohnsituation für künftige und aktuelle Senioren
gesprochen werden kann, ist die zunehmende Ungleichheit des Wohnens (im Hinblick auf die Wohnungsgröße, die Finanzierung und - später - die altersgerechte Ausstattung der Wohnung) weiterhin zu

57

Vgl. „50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2010“, Kapitel 6.

217

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

beobachten. Infolge der Bündelung von Merkmalen sozialer Benachteiligung (Qualifikationen, Lernkompetenzen, Einkommen und soziale Integration) besteht ein wachsender Bedarf an formeller und informeller Unterstützung.
Bewertung der aktuellen Wohnsituation und des Wohnbedarfs im Alter
Für 72 Prozent der Befragten entspricht die Wohnung den gegenwärtigen Bedürfnissen (minus 5 Prozentpunkte gegenüber 2010). In Hellersdorf-Nord und Marzahn-Nord entsprechen am wenigsten Wohnungen (56 Prozent bzw. 64 Prozent) den Bedürfnissen der Bewohnerinnen und Bewohner. Auch für
Menschen, die erst innerhalb der letzten 3 Jahre umgezogen sind, ist dies in relativ geringem Ausmaß
der Fall (59 Prozent), wie auch für Arbeitslose (51 Prozent) und geringfügig Beschäftigte (52 Prozent).
Künftigen Wohnbedürfnissen im Alter entspricht die jetzige Wohnung zu 66 Prozent. Das bedeutet eine
erhebliche Steigerung gegenüber 2010 von 23 Prozentpunkten. Da keine flächendeckenden Informationen über bauliche Veränderungen und Bedarfsanpassungen in den Wohnungen bekannt sind, kann
nicht ausgesagt werden, ob dieser Steigerung objektive Sachstände in den Wohnungen entsprechen
oder ob sich die subjektiven Kriterien der Bewertung geändert haben. In jedem Fall ist davon auszugehen, dass die Wahrnehmung von Defiziten der Wohnungsmerkmale häufig erst in aktuellen Bedarfssituationen erfolgt (weil sonst eine mögliche eigene künftige Krankheit, Behinderung oder Beeinträchtigung antizipiert werden müsste). Jedoch berichten 32 Prozent der Schwerbehinderten und 28 Prozent
der Pflegebedürftigen von nicht altersgerechten Wohnungen. Auch für Hochbetagte in Hellersdorf-Nord
(52 Prozent), Hellersdorf-Süd (57 Prozent) und Marzahn-Nord (59 Prozent) ist das der Fall.
Als behindertengerecht bewerten 29 Prozent ihre gegenwärtige Wohnung. Schwerpunkte der diesbezüglichen Defizite scheinen nach dem Urteil der Befragten in allen Altersgruppen Marzahn-Nord und
Hellersdorf-Süd zu sein. 40 Prozent der Schwerbehinderten leben in einer behindertengerechten Wohnung und 54 Prozent der Pflegebedürftigen.
Für die häusliche Pflege sind in der Bewertung der Befragten 17 Prozent der Wohnungen geeignet,
24 Prozent der Wohnungen von Schwerbehinderten und 44 Prozent der Wohnungen von Pflegebedürftigen. Darin ist eine erhebliche Lücke in der Versorgung mit bedarfsgerechtem Wohnraum im Alter zu
erkennen.
Bewertung des Wohnumfeldes
Die Bewertung des Wohnumfeldes hat sich insgesamt in einigen Hinsichten verbessert (täglicher Bedarf,
gesundheitsrelevante Einrichtungen), in anderen verschlechtert (öffentliche Verwaltung, öffentliche
Sicherheit). Eine Grundbedingung selbstbestimmten Lebens im Alter, der Zugang zum ÖPNV, wird nach
wie vor gut bewertet (92 Prozent erreichen ihn bequem).
Gesundheitsrelevante Einrichtungen sind im Allgemeinen auch gut zu erreichen: Apotheke, Hausarzt,
Optiker, Physiotherapie. Ungünstiger sind zu erreichen ein Ärztehaus, ein Sanitätshaus, Fitnessstudio
und Hörgeräteanbieter.
Dinge des täglichen Bedarfs sind gut zu erreichen beim Einkauf, der Friseur und ein Geldinstitut, weniger
gut zu erreichen sind eine Post, eine Schuhreparatur, eine Fußpflege und ein Reformhaus.
Häufig wird die Erreichbarkeit von Einrichtungen im Siedlungsgebiet als unbequem bewertet.

218

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Ein anhaltender Kritikpunkt sind unebene Gehwege und nicht rollstuhlgerechte Übergänge, mangelnde
Möglichkeiten zum Ausruhen, das Fehlen von Toiletten und die Straßenbeleuchtung.
Bewohnerinnen und Bewohner von stadtrandnahen Wohngebieten, insbesondere in Hellersdorf und
Marzahn-Nord, sind seltener mit Bedingungen ihres Wohnumfeldes zufrieden.
Eine Verschlechterung haben die Bewertungen der öffentlichen Verwaltungen, Gewährleistung öffentlicher Sicherheit erfahren. Die Bewertung der öffentlichen Verwaltung betrifft nicht nur die kommunalen
Einrichtungen, sondern auch andere Institutionen und Organisationen des öffentlichen Lebens. Einige
Gründe dafür, wie lange Wartezeiten, nicht genügende Bürgernähe und Intransparenz von Entscheidungen, werden in öffentlichen Diskussionen diskutiert. Die Bewertung der öffentlichen Sicherheit erfolgt
zwar aus der jeweiligen subjektiven Sicht und Erfahrung, die nicht immer den tatsächlichen Gegebenheiten entspricht. Sie ist dennoch ein ernst zu nehmender Gesichtspunkt der Lebensqualität im Bezirk.
Nachbarschaftliche Beziehungen werden von 63 Prozent als gut oder sehr gut bewertet und von 6 Prozent als schlecht oder sehr schlecht. Als schlecht bewertete Nachbarschaftsbeziehungen sind am häufigsten in Hellersdorf-Ost, Marzahn-Nord und Hellersdorf-Nord anzutreffen. Auch in diesem Fall spielen
soziale Faktoren eine Rolle: größere Familien, Alleinerziehende und Arbeitslose berichten am häufigsten
über unbefriedigende Nachbarschaftskontakte.
In den Nachbarschaftsbeziehungen steckt traditionell ein hohes Hilfepotenzial für eine verbesserte Lebensqualität.
Wohnmobilität
8 Prozent der ab 50-Jährigen wollen aktuell umziehen. Das ist nicht viel und stimmt mit der verbreiteten
Zufriedenheit mit der Wohnung überein. Andererseits ändern sich die Wohnwünsche mit dem Alter und
es verstärkt sich eine Orientierung auf einen Wohnungswechsel. Ein Umzugswunsch manifestiert sich
allerdings erst in jeweils akuten Bedarfssituationen, die einerseits mit gesundheitlichen Einschränkungen
und Beschwerden verbunden sein können, andererseits auch auf den Kontakt zu Familienangehörigen
bezogen sein können. Die am häufigsten genannten Gründe für einen Umzug sind altersrelevant und
betreffen die Finanzierbarkeit der Wohnung, die Gesundheit und den familiären Kontakt. Man kann
davon ausgehen, dass die Umzugsorientierung an die schon bestehende anhaltend hohe Wohnmobilität
innerhalb des Bezirkes anschließt, was auf eine große Verbundenheit verweist. 68 Prozent denken bei
einem evtl. Umzug daran, in Marzahn-Hellersdorf zu bleiben. Die Menschen fühlen sich wohl im Bezirk
und wollen mehrheitlich dort bleiben. In ihre Heimat zurück wollen 13 Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund.
Wohnbedarf im Alter
Zu den gesellschaftlich anerkannten, propagierten und geförderten Modalitäten des Wohnens im Alter
gehört das selbstbestimmte Wohnen. Dessen Förderung schließt ein, dass es den älteren Menschen
ermöglicht werden soll, so lange, wie es ihre Gesundheit erlaubt, in einer eigenen Wohnung, in eigener
Regie, sicher und (selbst) versorgt, bedarfsgerecht und mit weitestgehenden Teilhabemöglichkeiten
ausgestattet, leben zu können. Zu den wichtigsten Bedingungen der Teilhabe gehören Gesundheitsversorgung, Mobilität sowie (mediale und personale) Kommunikation (neben der hauswirtschaftlichen Versorgung). Da die Wohnstandards es heute quasi jedem erlauben, in einer Wohnung mit moderner Hei-

219

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

zung, Küchen- und Sanitärausstattung zu wohnen, liegen die Schwerpunkte der Sicherung des selbstbestimmten Wohnens im Alter


in der Finanzierbarkeit der Wohnung und des Haushaltes,



in einer altersgerechten Ausstattung der Wohnung, die im Bedarfsfall Barrierefreiheit innerhalb und
außerhalb der Wohnung und ggf. betreuungs- und pflegenotwendige Infrastruktur der Wohnung
einschließt,



im Zugang zu Service-Leistungen des alters- und bedarfsgerechten Wohnens,



im Zugang zu modernen Kommunikationsmitteln und -medien (einschl. Hausnotruf),



in der Sicherung der Verkehrsmobilität,



in der Bereitstellung von Teilhabegelegenheiten und -anregungen.

Wichtig für den Erhalt eines selbstbestimmten Lebens und Wohnens ist die Einbindung in ein Zusammenleben aller Generationen in den Orten des öffentlichen Lebens, aber auch im persönlichen Kontakt,
das zur Aktivierung anregt und sozialer Isolation vorbeugt. Die Verhinderung von Desintegration infolge
von Kontaktmangel (Singularisierung oder Einschränkung familiärer und persönlicher Kontakte) oder
infolge von Schwierigkeiten bei der Bewältigung von Anforderungen des modernen Lebens (körperlicher, kognitiver oder mentaler Art) bildet einen wichtigen Aspekt der Aufrechterhaltung von Selbstbestimmtheit. Dabei können Familie, Nachbarn, Freunde und Bekannte und die Zivilgesellschaft in vielfältiger Form helfen. Die öffentlichen Einrichtungen können dazu Informationen bereitstellen, Anregungen
geben, Koordinationsaufgaben übernehmen und Schwerpunkte setzen. Dass Senioren gelegentlich oder
dauerhaft Hilfen, Betreuung, Pflege und Ratschlag benötigen, bedeutet keine Einschränkung ihrer
Selbstbestimmtheit. Wenn es gelingt, unter Einschluss von professioneller Hilfe und freiwilliger Unterstützung mehr und mehr Menschen in ihrer eigenen Wohnung, einer Wohnanlage für Senioren oder einer Seniorenwohngemeinschaft zu betreuen bzw. zu pflegen, so bedeutet das auch, dass den Helfenden
genügend Ressourcen, Kenntnis, Erfahrung und Information an die Hand gegeben werden. Zur Hilfe für
die bedürftigen Seniorinnen und Senioren kommt die Schulung der und Hilfe für die Helfenden hinzu.
Als erste Voraussetzung der Gestaltung der Wohnbedingungen im Alter ist die Information über deren
Möglichkeiten und Wege zu nennen. 50 Prozent der ab 50-Jährigen sind zum seniorengerechten Wohnen informiert. Darin unterscheiden sich einzelne soziale Gruppen nicht sehr. Ein Indiz für ein hohes
Informationsdefizit ist, dass 40 Prozent derjenigen, die angeben, in ihrer Wohnung im Alter wohnen zu
können, über die Möglichkeiten seniorengerechten Wohnens nicht ausreichend informiert sind.
Informationen zu Maßnahmen der Wohnungsanpassung im speziellen Bedarfsfall bzw. im Pflegefall sind
bei noch weniger Menschen vorhanden. 58 Prozent kennen derartige Maßnahmen nicht. Man kann
einerseits davon ausgehen, dass die Motivation, diese Informationen zu erlangen, erst in der Bedarfssituation steigt und aktuell gering ist. Andererseits sind auch 54 Prozent der Schwerbehinderten und
31 Prozent der Pflegebedürftigen nicht über diese Möglichkeiten informiert. Das deutet auf eine Lücke
bei sachdienlichen Informationen zum Thema Wohnungsanpassung hin und erschwert die Entscheidungsfindung.

220

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Handlungsstrategien für das Wohnen im Alter
Nutzung von Leistungen des Service-Wohnens
Als eine Möglichkeit der Anpassung der Wohn- und Lebenssituation an das Alter kommt die Nutzung
von Angeboten des Servicewohnens in Betracht. An der Rangfolge der vorgeschlagenen ServiceLeistungen hat sich in den vergangenen fünf Jahren nichts geändert. Hausnotruf, ärztliche Therapieangebote, Pflegeangebote und die Reinigung der Wohnung sind nach wie vor die am häufigsten gewünschten Leistungen. Knapp die Hälfte der Befragten wünscht aber auch z.B. die Unterstützung bei handwerklichen Arbeiten, bei Behördengängen, die Nutzung von Freizeitangeboten, Speisenversorgung, Lieferdienste, hauswirtschaftliche Leistungen und Mobilitätshilfen. Nur die Nutzung von Gesprächsangeboten
ist wohl der Mehrheit zu privat und wird nur von unter einem Drittel gewünscht. Damit ist ein Bedarf
benannt, der mit zunehmendem Alter etwas nachlässt, jedoch hinsichtlich des Leistungsangebotes der
Wohnungsreinigung steigt. Dieser Bedarf kann jedoch in den wenigsten Fällen unentgeltlich geleistet
werden, auch wenn private Helfer und gemeinnützige Vereine den Senioren zur Seite stehen. Die Finanzierung derartiger Leistungen (von denen einige in besonderen Einzelfällen die Kassen, staatliche Einrichtungen oder gemeinnützige Organisationen übernehmen) kann nur sehr differenziert geleistet werden. 10 Prozent der ab 50-Jährigen können keine zusätzlichen Mittel für die Finanzierung dieser Leistungen aufbringen, in den Altersgruppen etwa jeweils gleich viele, aber 15 Prozent der Schwerbehinderten
und 25 Prozent der Pflegebedürftigen nicht. Weitere 15 Prozent können bis zu 50 Euro monatlich für
Service-Leistungen entbehren. Haushalte mit geringem Einkommen - insbesondere diejenigen unterhalb
der Armutsrisikoschwelle - können derartige Angebote nur unter Entbehrungen an anderer Stelle nutzen
und sind deshalb häufig davon ausgeschlossen.
Umzug im Bedarfsfall
Im Fall eingeschränkter Mobilität oder in einer Pflegesituation würde die Hälfte der ab 50-Jährigen
(51 Prozent) die Option wählen, in eine andere Wohnung oder Wohnform umzuziehen. Das bedeutet
einen wachsenden Bedarf an senioren-, behinderten- oder pflegegerechten Wohnmöglichkeiten, der
mit dem wachsenden Anteil von Seniorinnen und Senioren in Zukunft weiter steigt. Arbeitslose äußern
unterdurchschnittlich eine Umzugsabsicht im Bedarfsfall (42 Prozent). Dieser Wert macht auf die soziale
Problematik bei der Wahl von Handlungsstrategien für das Wohnen im Alter aufmerksam. Denn 25 Prozent der Geringverdienerinnen und -verdiener, 23 Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund
und 19 Prozent der Arbeitslosen können sich einen Umzug auch im Bedarfsfall finanziell nicht leisten.
Kriterien der Auswahl einer Wohnform im Pflegebedarfsfall
Wenn umgezogen werden soll, dann stehen als wichtigste Kriterien für die Auswahl einer Einrichtung die
medizinische Betreuung, die Atmosphäre und die Kosten sowie die Kompetenz der Mitarbeiter an vorderster Stelle.
Für den Fall der Pflegebedürftigkeit sind je nach antizipierten Bedarfslagen und eigenen - auch finanziellen - Möglichkeiten verschiedene Alternativen denkbar, für die es in der Befragung die Möglichkeit der
Mehrfachnennung gab. Die in diesem Fall am meisten gewünschte Wohnform bleibt die Normalwohnung mit ambulanter pflegerischer Betreuung (46 Prozent). An zweiter Stelle in dieser Rangfolge steht
ebenfalls wie vor 5 Jahren eine Seniorenwohnanlage mit Service- und ambulanten Pflegeangeboten
(41 Prozent). 33 Prozent halten eine barrierefreie Wohnung für angemessen und 31 Prozent würden

221

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

eine Wohnform mit hauswirtschaftlicher Unterstützung wählen. 28 Prozent würden eine Wohnungsanpassung mit baulicher Veränderung ins Auge fassen.
5.9

Handlungsempfehlungen

Als Querschnittsgesichtspunkte für Handlungsempfehlungen, die sich aus der Sozialstudie 2015 ergeben,
sollten weiterhin Berücksichtigung finden:


Ungleichheitslagen in sozialräumlicher Hinsicht sind nach wie vor anzutreffen und verstärken sich
künftig in sozialer Hinsicht. Diese Entwicklungen sollten Beachtung finden durch kontinuierliche Beobachtung und Bedarfsermittlung. Das betrifft in sozialräumlicher Hinsicht vor allem die Bezirksregion bzw. Quartiere an der Stadtgrenze und in sozialer Hinsicht die heute Langzeitarbeitslosen und
Geringverdiener, die künftigen Bezieherinnen und Bezieher von „Mindestrenten“ oder Grundsicherung. Es handelt sich überdurchschnittlich häufig um Menschen mit geringer Bildung, geringer beruflicher Qualifikation und anhaltender prekärer Lebens- bzw. Beschäftigungslage.



Informationen sind nach wie vor das A und O für Entscheidungshilfen für Senioren. Diese sollten in
allen neueren Kommunikationskanälen, nach wie vor aber auch auf traditionellem Weg erfolgen und
bedarfsgerecht orientiert sein. Zu berücksichtigen ist dabei, dass eine nicht genau bestimmbare Zahl
von Menschen in prekärer Lage gelegentlich nicht genügend motiviert, aber auch manchmal nicht
hinreichend kompetent ist, um sich die nötigen Informationen und Befähigungen zu beschaffen und
zu verarbeiten. Diese „Nicht-Erreichbaren“ in der öffentlichen Kommunikation sind häufig die am
meisten Bedürftigen.



Handlungsoptionen für die Herstellung einer senioren- bzw. bedarfsgerechten Wohnsituation sollten
weiterhin koordiniert im Bezirk der Öffentlichkeit vorgestellt und ihre Umsetzung unterstützt werden. Dazu könnten „Netzwerke“ der Hilfeleistung weitergeführt oder eingerichtet werden, die spezielle Strategien verfolgen (Umzug, Wohnungsanpassung, Auswahl einer neuen Wohnform).



Temporäre Hilfen bei hauswirtschaftlichen und handwerklichen Arbeiten, bei Behördengängen und
allgemein der Mobilitätshilfe, bei der Wohnungsrenovierung u.a. sollten auch auf gemeinnütziger
Basis weitergeführt und erweitert werden. Die FreiwilligenAgentur könnte eine koordinierende
Funktion dabei übernehmen.

Wohnsituation
Die Wohnsituation der ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf im Jahr 2015 ist durch eine hohe Stabilität
und nur wenige Veränderungen gegenüber 2010 gekennzeichnet. Dementsprechend hat der größte Teil
der vor fünf Jahren gemachten Feststellungen und Handlungsempfehlungen weiterhin Gültigkeit58.


Auf eine rasche Sanierung der noch nicht sanierten Wohnungen durch die Wohnungsunternehmen
sollte weiterhin eingewirkt werden.



Künftig kommen auf einen Teil der Neurentnerinnen und -rentner hohe Belastungen bei den Wohnkosten zu den schon bestehenden hinzu, weil der Anteil der Rentnerinnen und Rentner mit äußerst
geringer Rente oder mit Anspruch auf Grundsicherung steigen wird. Das betrifft vor allem Marzahn-

58

Vgl. „50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2010“, Kapitel 6.

222

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Nord und Hellersdorf-Nord. Diese Lücken müssen z.T. durch den Bezirk in Form von Mietzuschüssen
gedeckt werden, was den finanziellen Aufwand und den Bearbeitungsaufwand erhöhen wird.
Bewertung der aktuellen Wohnsituation und des Wohnbedarfs im Alter
Obwohl für fast drei Viertel der Befragten die Wohnung den gegenwärtigen Bedürfnissen entspricht,
weisen die Bewertungen der Schwerbehinderten, der Pflegebedürftigen, der Arbeitslosen und der Geringverdiener auf Lücken in der bedarfsgerechten Versorgung mit Wohnraum hin.


Derartige Lücken werden noch stärker sichtbar in der Bewertung der Wohnung für die Nutzung im
Alter - vor allem als behinderten- bzw. pflegegerecht. Auf diesem Feld sollte die Informationstätigkeit noch zielgerichteter auf aktuelle und künftige Bedarfsfälle orientiert werden.



Dabei kann die Zusammenarbeit des Bezirkes mit verschiedenen Netzwerken und Organisationen
der Seniorenvertretung, den Kranken- und Pflegekassen, sowie den Seniorenbeauftragten bei den
Wohnungsunternehmen gefestigt werden.

Bewertung des Wohnumfeldes
Die Bewertung von Aspekten des Wohnumfeldes zeigt, dass die Bewohnerinnen und Bewohner ab
50 Jahre der stadtrandnahen Quartiere und des Siedlungsgebietes im Durchschnitt am seltensten zufrieden sind. In Zukunft wird auch weiterhin zu achten sein auf


Gehwege und nicht rollstuhlgerechte Übergänge,



Möglichkeiten zum Ausruhen (Bänke und andere Ruheplätze),



das Fehlen von öffentlichen Toiletten,



die Straßenbeleuchtung.

Da die Tätigkeit öffentlicher Verwaltung (des Bezirkes und anderer Einrichtungen) unterdurchschnittlich
bewertet wurde, liegt hier ein Feld für


die Verringerung von Wartezeiten,



Verbesserung der Bürgernähe (Verwaltung als Dienstleister),



die Erhöhung der Transparenz von Entscheidungen.

In den Nachbarschaftsbeziehungen steckt traditionell ein hohes Hilfepotenzial für eine verbesserte Lebensqualität. Diese Potenziale gilt es zu stärken - auch im Hinblick auf das Ziel der möglichst anhaltenden häuslichen Pflege und Betreuung im Bedarfsfall. Das bedeutet, dass die verschiedenen daran beteiligten Akteure ihre Zusammenarbeit stärken sollten.
Wohnmobilität
Trotz der hohen Zufriedenheit mit der gegenwärtigen Wohnung ist in Abhängigkeit von der Gesundheit
und anderen individuellen Voraussetzungen ab einer gewissen Altersstufe mit einer Erhöhung der Umzugsneigung zu rechnen. Grade wegen der großen Verbundenheit mit dem Bezirk wird sich dieser
Wunsch auf den Bezirk selbst konzentrieren. Die Umzugsorientierung der Seniorinnen und Senioren
sollte weiterhin beobachtet werden, um rechtzeitig mit Informationen helfen zu können.
Dabei wird es einerseits darum gehen, gemeinsam Wege in eine bedarfsgerechte Wohnung zu finden
und Barrieren für einen Umzug möglichst klein zu halten oder auszuschalten.

223

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015



Die Wohnungsunternehmen sollten weiterhin in ihrem Bemühen unterstützt werden, Wohnungsumzüge für Ältere zu ermöglichen. Es sollte über mögliche Anreize für die Wohnungsunternehmen
nachgedacht werden, um
-

das Hindernis der Mietsteigerung bei Umzug zu senken oder zu umgehen oder

-

eine bedarfsgerechte Ausstattung der Wohnung durch bauliche Maßnehmen zu gewährleisten.



Die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit kann dabei weiter angeregt und gefördert werden.



Die Seniorenbeauftragten der Unternehmen können zusammen mit anderen zivilgesellschaftlichen
Kräften im Bemühen der Hilfe bei der Bereitstellung bedarfsgerechten Wohnraums unterstützt werden. Dazu bedarf es der Zusammenarbeit verschiedener Akteure (z.B. in einer „Umzugsbörse für Senioren“).

Wohnbedarf im Alter
Erste Voraussetzung der Gestaltung der Wohnbedingungen im Alter ist die Information über deren Möglichkeiten und Wege, was gegenwärtig nur ungenügend gegeben ist. Die Bereitstellung von Informationen sollte auf die Bedarfssituation der Bürgerinnen und Bürger ausgerichtet sein, in


zeitlicher Hinsicht - die meisten Menschen benötigen derartige Informationen erst im Bedarfsfall
und dann jedoch zeitnah;



sachlicher Hinsicht - die jeweils benötigten Informationen sollten umfassend und möglichst aus einer Hand bereitgestellt werden;



mentaler Hinsicht - auch diejenigen, die selbst nicht die Informationswege nutzen können, sollten
erreicht werden, denn häufig sind sie am bedürftigsten;



sozialer Hinsicht - Angehörige bzw. Bekannte oder Nachbarn könnten in den Informationsprozess
einbezogen werden, um ihrerseits hilfreich werden zu können.

Ziel sollte es sein, eine möglichst große Vielfalt der Wohnformen für senioren- und bedarfsgerechtes
Wohnen aufrechterhalten zu können.
Handlungsstrategien für das Wohnen im Alter
Nutzung von Leistungen des Service-Wohnens
Um Leistungen des Service-Wohnens effektiv nutzen zu können, ist es erforderlich, eine umfassende
und möglichst einheitliche und übersichtliche Information über Angebote und Anbieter bereitzustellen.
Dabei ist auch darauf zu achten, dass ein Teil der Zielgruppe nicht über die finanziellen Mittel für eine
Nutzung derartiger Angebote verfügt. Daher sollte beachtet werden, dass kostenlose bzw. -günstige
Angebote zusammengefasst und geprüft werden, ob und welche Angebote mit Unterstützung des Bezirkes günstig angeboten werden können (Stichwort: Ehrenamt).

224

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Umzug im Bedarfsfall
Der Bedarf an senioren-, behinderten- oder pflegegerechten Wohnmöglichkeiten steigt mit dem wachsenden Anteil von Senioren in Zukunft weiter. Umzüge im Bedarfsfall sollten unterstützt werden durch


zusammengefasste Informationen über Wohnmöglichkeiten in unterschiedlichen Wohnformen;



Minderung der vor allem finanziellen Hindernisse, die einem Umzug im Wege stehen bzw. durch
Informationen darüber, wie diese Hindernisse beseitigt werden können.

Auswahl einer Wohnform im Pflegebedarfsfall
Für den Fall der Pflegebedürftigkeit sind je nach antizipierten Bedarfslagen und eigenen - auch finanziellen - Möglichkeiten verschiedene Alternativen denkbar, über die es nicht nur bei den Pflegestützpunkten
umfassende Informationen gibt. Es sollte darauf geachtet werden, dass die Bedürftigen über die, die
Kompetenz oder aber über ein soziales Umfeld verfügen, das es ermöglicht, die Informationen in Entscheidungen umzusetzen. Dabei kann entsprechend dem berichteten Bedarf die Wohnform der bedarfsgerecht gestalteten Normalwohnung in den Vordergrund gestellt werden. Darüber hinaus sollte
darauf geachtet werden, dass innerhalb des sozialen Kontextes des Bedürftigen seine Interessen und
Bedürfnisse und nicht die der Anbieter oder des sozialen Umfeldes im Mittelpunkt stehen.

225

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

6

Selbsteinschätzung des Gesundheitszustandes - gesunde Lebensweise und
Bewertung der gesundheitlichen Versorgung

Gesundheit als komplexer Prozess stellt die Aktivität des Menschen, die subjektive Gesundheit, die Lebenszufriedenheit, einen gesunden Lebensstil und das Gesundheitsverhalten im weitesten Sinne in den
Mittelpunkt der Betrachtung. Gesunderhaltung bis ins hohe Alter ist erstrebenswerte Basis für ein so
lange wie möglich selbstbestimmtes Leben in der eigenen Häuslichkeit. Deshalb muss Gesundheit in
jeder Lebensphase aktiv reproduziert werden.
Dieser Prozess hat sowohl eine gesellschaftliche als auch eine individuelle Gestaltungsebene, dem folgend wird durch den Fragebogen neben der Selbsteinschätzung des Gesundheitszustandes auch die
Zufriedenheit mit der gesundheitlichen Versorgung und der Betreuungsqualität erhoben.
Ausgehend von den Berliner Gesundheitszielen (2011 bis 2016), insbesondere „Gesund Älterwerden Selbständigkeit und Lebensqualität im Alter erhalten“59 werden neben der Gesamtheit der Menschen ab
50 Jahre im Bezirk Marzahn-Hellersdorf insbesondere von sozialer Isolation bedrohte ältere Menschen,
Menschen aus einkommensschwachen und bildungsfernen Schichten und ältere Einwohnerinnen und
Einwohner mit Migrationshintergrund betrachtet. Das sind Gruppen, die sich gemeinhin durch hohe
Zugangsbarrieren zu gesundheitsförderlichen, sozialintegrativen Angeboten charakterisieren lassen.
Im Rahmen der Studie wurden sowohl die Teilnahme am Hausarztsystem, die Regelmäßigkeit der Wahrnahme von Arztkonsultationen als auch die individuellen Aktivitäten zur Prävention von Gesundheitsrisiken im Alter einschließlich der privaten Vorsorge für den Eintritt von Pflegebedürftigkeit erfragt.
Darüber hinaus wurden familiale und außerfamiliale Hilfepotenziale, die die Befragten bei Schwierigkeiten der Alltagsbewältigung, im Krankheitsfall bzw. wenn sie selbst Pflegeverpflichtungen gegenüber
Angehörigen nachkommen, zur Unterstützung mobilisieren können, erhoben.
6.1

Aspekte des Gesundheitsverhaltens

Auf der Grundlage dieser Befragungsschwerpunkte werden in einem ersten Komplex sowohl wichtige
Aspekte des Gesundheitsverhaltens der ab 50-Jährigen (Hausarzt, regelmäßige Behandlung, Teilnahme
an Vorsorgeuntersuchungen, gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung, Gedächtnistraining, Erholung,
finanzieller Aufwand für körperliche, geistige und seelische Gesundheit) insgesamt als auch in wesentlichen demographischen und soziostrukturellen Differenzierungen analysiert.
Erwartungsgemäß nimmt die positive Einschätzung der eigenen Gesundheit mit dem Alter ab. Daneben
wird deutlich, dass mit steigender Qualifikation das eigene Wohlbefinden steigt. Das korrespondiert eng
mit der Höhe des Haushaltsnettoeinkommens (vgl. Kapitel 4). Bewohnerinnen und Bewohner in den
Bezirksregionen des Siedlungsgebietes fühlen sich deutlich gesünder als diejenigen aus den Bezirksregionen der Großsiedlung, auch hier gilt die Einkommensbezogenheit, die Älteren aus dem Siedlungsgebiet haben durchschnittlich ein um mehr als 1 Tsd. Euro höheres Haushaltsnettoeinkommen als die Vergleichsgruppe aus der Großsiedlung. Gleiches gilt für die - wenigen (7 Prozent) - privat versicherten

59

Vgl. Strategiepapier der Landesgesundheitskonferenz Berlin zur Entwicklung von Gesundheitszielen (beschlossen im Steuerungsausschuss der LGK am 14. Juni 2011).

226

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Älteren im Bezirk. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die privat Versicherten durchschnittlich 6 Jahre
jünger als die gesetzlich Versicherten und fast ausschließlich künftige Senioren oder junge Alte sind.
In irgendeiner Form Sporttreibende fühlen sich deutlich gesünder als diejenigen, die sich - aus verschiedensten Gründen - nicht sportlich betätigen.
Tabelle 6.1:

„Bitte schätzen Sie als erstes Ihren Gesundheitszustand ein! Dieser ist ...“
- ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent sehr gut/gut

mittelmäßig

schlecht/
sehr schlecht

ohne Antwort

Gesamt

45

40

14

1

Frauen

41

41

14

1

Männer

49

38

9

1

künftige Senioren: 50-65 Jahre

52

35

10

1

junge Alte: 65-75 Jahre

43

44

10

1

fortgeschrittene Ältere: 75-85 Jahre

30

44

19

3

Hochbetagte: 85 Jahre und älter

11

52

30

5

ohne Abschluss

28

47

21

2

Lehre/Teilausbildung

43

41

14

1

Fachhochschule/Meister/Techniker

45

41

9

2

Hochschule/Universität

58

33

6

1

unter 1.000 Euro

21

50

20

3

1.000 - 1.999 Euro

37

44

17

1

2.000 - 2.999 Euro

46

41

10

2

3.000 - 3.999 Euro

65

32

2

0

4.000 Euro und mehr

71

25

2

1

Großsiedlung

43

41

14

2

Siedlungsgebiet

56

34

7

1

gesetzlich versichert

43

41

15

1

privat versichert

66

30

4

0

Sport treibend

55

35

9

2

nicht sportlich aktiv

33

46

21

1

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Ein Vergleich mit den vorhergehenden empirischen Befunden ist nicht möglich, da ein Wechsel der Fragestellung erfolgte. Die aber auch in den vergangenen Studien beschriebene mehrheitlich positive
Selbsteinschätzung des eigenen Gesundheitszustandes bestätigt das Phänomen, dass trotz zunehmender körperlicher Einschränkungen und sich verringernder Mobilität Ältere ihre Gesundheit als relativ gut
einschätzen.60
Das bestätigen auch bundesweite Untersuchungen, auf die sich die Datensammlung „Gesundheit in
Deutschland“ 2015 im Rahmen der gemeinsamen Gesundheitsberichterstattung des Bundes61 bezieht.

60

61

Vgl. dazu auch Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Deutscher Alterssurvey - eine
Langzeitstudie über die zweite Lebenshälfte in Deutschland, Berlin 2013, Kurzfassung, S. 30 ff.
Gemeinsame Gesundheitsberichterstattung des Bundes, getragen von dem RKI und DESTATIS Berlin, 2015.

227

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

„Bundesweite Bevölkerungssurveys bei Personen in Privathaushalten“, wie der Deutsche Alterssurvey
(DEAS) und die erste Erhebungswelle der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1,
2008 - 2011) des Robert Koch-Instituts, belegen übereinstimmend mit Untersuchungen aus vielen Ländern, dass über die Hälfte der Menschen in der zweiten Lebenshälfte ihre Gesundheit als gut oder sehr
gut bewerten. Im DEAS sind es selbst in der Altersgruppe der 70- bis 85-Jährigen immerhin noch 40 Prozent62.
Auch die diesjährigen Daten zeigen, dass ein großer Teil der älteren Bevölkerung selbst aktiv etwas für
die eigene Gesundheit unternimmt. Im Vergleich zu den Jahren 2000, 2005 und 2010 hat der Anteil derjenigen mit entsprechenden Aktivitäten jedoch - bis auf die Teilnahme an Vorbeugeuntersuchungen zum Teil deutlich abgenommen.
Abbildung 6.1:

„Tun Sie selbst etwas für Ihre Gesundheit?“ - ab 50-Jährige insgesamt
- Marzahn-Hellersdorf 2000, 2005, 2010, 2015 - in Prozent -

an vorbeugenden Untersuchungen teilnehmen

77
78

ausreichend schlafen

74
78

77
81

74
81

gesundheitsbewusst essen

78
77

58

Urlaubs- und Erholungsreisen unternehmen

61

66

71

57

regelmäßige Bewegung/Sport

80
82

83
54
58

nicht (mehr) rauchen
24

Einsatz privater Finanzen (z.B. Wellness, Kuren)

35
0

2015

77
77

61
54

36
34

20

2010

40
2005

60

80

100

2000

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2000, 2005, 2010, 2015 (gew.)

Es gibt bis auf den Indikator „ausreichend schlafen“ z.T. deutliche Differenzierungen zwischen der Großsiedlung und dem Siedlungsgebiet. In fast allen Bezirksregionen der Großsiedlung liegen die Aktivitätsanteile unter denen im Siedlungsgebiet.

62

Ebenda, S. 411.

228

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 6.2:

„Tun Sie selbst etwas für Ihre Gesundheit?“ - nach Bezirksregionen
- ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent (nur Antwort: „trifft zu“)
Gesamt

MarzahnNord

MarzahnMitte

MarzahnSüd

HellersdorfNord

HellersdorfOst

HellersdorfSüd

Biesdorf

Kauls- Mahls- Großdorf
dorf
siedlung

Siedlungsgebiet

an vorbeugenden
Untersuchungen
teilnehmen

77

75

77

73

71

72

78

78

88

83

75

83

gesundheitsbewusst
essen

74

69

76

73

65

67

78

82

71

77

72

78

ausreichend schlafen

74

69

77

79

69

77

71

82

68

74

74

76

Gesellschaft suchen/
soziale Kontakte
pflegen

61

48

60

56

54

55

61

66

73

72

56

70

Urlaubs- und Erholungsreisen unternehmen

58

49

59

54

42

43

50

71

77

73

51

73

regelmäßige Bewegung/Sport

57

52

56

51

45

48

51

63

77

72

51

70

nicht (mehr) rauchen

54

51

47

52

55

47

48

67

59

61

50

63

Gedächtnistraining

39

45

45

37

31

45

41

41

30

36

40

36

Einsatz privater
Finanzen (z.B. Wellness, Kuren)

24

21

20

23

19

17

22

31

35

30

21

31

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Lediglich beim Gedächtnistraining übertrifft der Anteil diejenigen des Siedlungsgebietes, wohl basierend
auf der Tatsache, dass dazu die verschiedensten kostenlosen Angebote in der Presse und im Internet zu
finden sind.
Oft korrespondieren diese höheren Aktivitäten in den Bezirksregionen des Siedlungsgebietes mit der
höheren Qualifikation und entsprechend höherem Einkommen (vgl. Kapitel 2).
Erst bei den Hochbetagten nehmen die Anteile derer, die regelmäßige Bewegung im Sinne des gesundheitsbewussten Lebens ausüben, auch eigene finanzielle Mittel einsetzen und Urlaubs- bzw. Erholungsreisen unternehmen, deutlich ab. Letzteres trifft auch schon für Menschen im fortgeschrittenen Alter zu.
Generell ist die Gruppe derjenigen mit weniger ausgeprägtem gesundheitsbewussten Verhalten in ihrer
sozialstrukturellen Zusammensetzung nach wie vor bestimmt von Frauen und Männern mit geringem
Einkommen, oft von Arbeitslosigkeit betroffen. Einwohnerinnen und Einwohner mit Migrationshintergrund haben bis auf zwei Ausnahmen ebenfalls ein deutlich geringeres gesundheitsbewusstes Verhalten.

229

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 6.2:

„Tun Sie selbst etwas für Ihre Gesundheit?“ - nach ausgewählten sozialen
Gruppen - ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent (nur Antwort: „trifft zu“)

an vorbeugenden Untersuchungen teilnehmen

77

56

gesundheitsbewusst essen

56

ausreichend schlafen

63
74
75

70

Gesellschaft suchen/soziale Kontakte pflegen *

61

48

Urlaubs- und Erholungsreisen unternehmen

49
58

16

30

regelmäßige Bewegung/Sport

40

nicht (mehr) rauchen

39

Gedächtnistraining *

57
50
54
41
39

30

Einsatz privater Finanzen (z.B. Wellness, Kuren)

27
24
24

16

0
Gesamt

74

67

20
arbeitslos

40

60

80

100

Migrationshintergrund

* nur in 2015 erfragt
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Frauen verhalten sich hinsichtlich des Essens, der regelmäßigen Bewegung und der Pflege sozialer Kontakte deutlich gesundheitsbewusster als Männer.
Genau umgekehrt verhält es sich mit dem Verzicht auf Nikotingenuss - hier liegen die Männer deutlich
vorn, aber wohl nicht, weil sie gesundheitsbewusster an den Verzicht auf Rauchen rangehen, sondern
weil deutlich mehr Männer rauchen bzw. rauchten und deshalb das Verzichtspotenzial deutlich höher
liegt als bei den Frauen.
So beschreibt die Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland des Robert-Koch-Instituts, dass
unter den 65- bis 79-Jährigen 20 Prozent der Frauen und 51 Prozent der Männer ehemalige Raucher
und Raucherinnen sind.63

63

Ebenda, S. 424.

230

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 6.3:

„Tun Sie selbst etwas für Ihre Gesundheit?“ - nach Geschlecht
- ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent (nur Antwort: „trifft zu“)

90
80
70
60
50
81

40
30

60

64
53

56

Frauen
65

63

Männer

46

20
10
0
regelmäßige
Bewegung/
Sport

soziale
Kontakte
pflegen *

gesundheitsbewusst
essen

nicht (mehr) rauchen

* nur in 2015 erfragt
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Darüber hinaus wurde auch die Möglichkeit genutzt, über die Indikatoren hinausgehende Aktivitäten zu
benennen. Am häufigsten wird Gartenarbeit erwähnt, gefolgt von Sport (anscheinend in Abgrenzung
zum Indikator: regelmäßige Bewegung/Sport), physiotherapeutische Behandlungen, Wandern bzw. spazieren gehen, Radfahren, der Verzicht auf Drogen (Alkohol, Drogen, Medikamentenmissbrauch), aber
auch die Betreuung von Kindern und Enkeln, Tanzen und Chorsingen und weitere Einzelnennungen.
Abbildung 6.4:

„Tun Sie selbst etwas für Ihre Gesundheit?“ - nach Geschlecht
- ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent (offene Antworten - aggregiert)

* Anmerkung: je dominanter das Schriftbild, umso häufiger die Nennung
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die entsprechenden Beratungsangebote werden gerade von den Gruppen, die beim gesundheitsbewussten Verhalten noch deutliche Reserven haben, so gut wie nicht genutzt. So nahmen lediglich zwei
arbeitslose Frauen - beide mit Migrationshintergrund - eine weitere Migrantin sowie ein Mann mit Migrationshintergrund an einer Ernährungsberatung teil. Auch die Gesundheitsberatungsangebote werden

231

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

von diesen Gruppen nur wenig häufiger kontaktiert - 10 Prozent der Migrantinnen und kein einziger der
Migranten nutzen diese. Unter den Arbeitslosen waren es 7 Ältere, davon vier Frauen mit Migrationshintergrund. Die Suchtberatung wurde von einer Migrantin und von jeweils einer arbeitslosen Frau und
einem arbeitslosen Mann genutzt.
Handlungsstrategien zur Gesunderhaltung orientieren sich sowohl an den eigenen körperlichen wie
finanziellen Möglichkeiten als auch an der subjektiven Selbsteinschätzung.
6.2

Zufriedenheit mit der gesundheitlichen Betreuung

Die gesundheitliche Betreuung der Bürgerinnen und Bürger im Bezirk wurde neben den stationären
Einrichtungen, Vivantes Klinikum Hellersdorf, Unfallkrankenhaus Berlin, Klinik „Helle Mitte“, Klinik am
Schlosspark Biesdorf und der Augenklinik Berlin-Marzahn, durch 162 Hausärzte und mehr als 236 Fachärzte64 gewährleistet.
Tabelle 6.3:

Vertragsärztliche Versorgung - Auswahl in Marzahn-Hellersdorf Ärzte - IST

Ärzte - S0LL

umgerechnet in Vollzeitstellen

Versorgungsgrad
in Prozent

Psychotherapeuten

37,9

84,1

45

Augenärzte

19,0

16,7

114

Internisten

29,0

10,7

271

Frauenärzte

35,0

35,3

99

HNO-Ärzte

13,0

13,9

94

Hausärzte

162,6

148,0

110

Hautärzte

9,0

11,1

81

Nervenärzte

17,1

17,6

97

Chirurgen

15,0

9,3

161

Neurochirurgen

3,0

1,5

200

Nuklearmediziner

3,0

2,1

143

17,0

17,1

99

8,0

1,5

533

15,3

4,3

355

4,0

1,4

286

11,0

7,9

139

Orthopäden
Physikalische- und Rehabilitations-Mediziner
Radiologen
Strahlentherapeuten
Urologen

Quelle: Letter of Intent: Versorgungssteuerung auf Ebene der 12 Berliner Verwaltungsbezirke im Rahmen der Bedarfsplanung
auf Landesebene … , Anlage 1

64

Vgl. Letter of Intent: Versorgungssteuerung auf Ebene der 12 Berliner Verwaltungsbezirke im Rahmen der Bedarfsplanung auf Landesebene auf der Grundlage des Bedarfsplans 2013 zwischen Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales Berlin und Kassenärztlicher Vereinigung Berlin der AOK Nordost - Die Gesundheitskasse,
den Ersatzkassen: BARMER GEK, Techniker Krankenkasse, DAK-Gesundheit, Kaufmännische Krankenkasse KKH, HEK - Hanseatische Krankenkasse, dem BKK Landesverband, dem IKK-Landesverband Berlin, der Knappschaft - Regionaldirektion Berlin sowie der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau
(SVLFG) Landwirtschaftliche Krankenkasse, vom 18.09.2013.

232

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Der Versorgungsgrad weist lediglich bei Psychotherapeuten auf erhebliche Engpässe im Bezirk hin, auch
hinsichtlich der dermatologischen Versorgung werden fehlende Kapazitäten sichtbar.
Jede/r Vierte nutzte die Möglichkeit, Mängel, die aus ihrer/seiner Sicht die gesundheitliche Betreuung
im Bezirk betreffen, zu beschreiben. Die Hälfte dieser benannten Mängel bezieht sich auf den Versorgungsgrad mit Ärzten.
Neben dem nicht genauer definierten Mangel an „Fachärzten“, den fast jede/r Zehnte ( 9 Prozent) der
hier Antwortenden beschreibt, werden aus der Sicht der älteren Marzahn-Hellersdorfer, die einen Ärztemangel benennen, vor allem Hausärzte (11 Prozent), Augenärzte (11 Prozent), Hautärzte (7 Prozent),
Neurologen (7 Prozent), Psychologen (7 Prozent) und Orthopäden (6 Prozent) häufiger als fehlend genannt.
Daneben werden vor allem die Terminvergabe (11 Prozent) bemängelt und die Schwierigkeiten, überhaupt als Patient aufgenommen zu werden (5 Prozent). Ebenfalls 5 Prozent erwarten mehr Zeit des
Arztes bei der Behandlung. Ärztehäuser oder ähnliches werden ebenfalls von 5 Prozent vermisst, und zu
lange Wartezeiten in den Arztpraxen selbst bemängeln 4 Prozent.
Die hausärztliche Betreuung wird außer der unzureichenden Anzahl nur sehr selten (3 Prozent) negativ
bewertet. Wenn, dann wird das Fehlen von Hausbesuchen kritisiert, aber auch die Qualität der Behandlung und die Erreichbarkeit.
Weitere, aber nur in geringer Ausprägung (weniger als 4 Prozent), Kritikpunkte waren die Öffnungszeiten und Erreichbarkeit von Arztpraxen, eine bessere Koordinierung von Ärzten untereinander, fehlende
Fitnessmöglichkeiten, Möglichkeiten der Bewegung im Wasser einschließlich Schwimmbäder, die Ungleichbehandlung von Privat- und Kassenpatienten sowie nicht ausreichende gesundheitsbezogene Informationen.
Die Zufriedenheit bzw. Unzufriedenheit wird einerseits wesentlich beeinflusst von den Servicebedingungen der medizinischen Einrichtungen, den gesetzlichen Rahmenbedingungen, den unterschiedlichen
Leistungskatalogen der gesetzlichen und privaten Krankenkassen und den individuellen Zuzahlungsregelungen, Faktoren, die nicht oder nur sehr partiell über kommunale Handlungsstrategien veränderbar
sind. In diesem Kontext nimmt die Vorort-Versorgung an Wertigkeit weiter zu und prägt wesentlich die
persönliche Zufriedenheit mit den Möglichkeiten der gesundheitlichen Betreuung.
Der Anteil derer, die mit der gesundheitlichen Versorgung zufrieden sind, scheint sich über den Zeitverlauf bei rund 40 Prozent zu stabilisieren. Nur jede/r Zehnte ist unzufrieden. Fast die Hälfte sieht sowohl
Positives als auch Negatives bei der gesundheitlichen Versorgung im Bezirk.

233

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 6.5:

Zufriedenheit mit der gesundheitlichen Versorgung - ab 50-Jährige insgesamt
- Marzahn-Hellersdorf 2000, 2005, 2010, 2015 - in Prozent -

100

2
9

1
15

3
13

4
10

48

43

46

36

41

40

2005

2010

2015

80
45
60
40
44

20
0

2000
ohne Antwort

unzufrieden

teils/teils

zufrieden

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2000, 2005, 2010, 2015 (gew.)

Menschen mit Behinderungen und diejenigen, denen eine Pflegestufe zuerkannt wurde, also Frauen und
Männer mit besonderen Ansprüchen an die gesundheitliche Versorgung, sehen diese mit jeweils
44 Prozent positiver als der Durchschnitt. Demgegenüber sind diejenigen mit Migrationshintergrund
distanzierter in der Beurteilung und bewerten zu 55 Prozent ihre entsprechende Zufriedenheit mit
teils/teils.
Je stärker der oder die Einzelne in den Erwerbsprozess eingebunden ist, umso geringer ist die Zufriedenheit mit der gesundheitlichen Versorgung und nimmt die Unzufriedenheit - wenn auch auf einem geringen Niveau - zu. Hier werden wohl insbesondere die Öffnungszeiten der niedergelassenen Ärzte die
Wertung beeinflussen - zwei Drittel derer, die die Öffnungszeiten in irgendeiner Form kritisieren, sind
Erwerbstätige.
Tabelle 6.4:

Zufriedenheit mit der gesundheitlichen Versorgung - nach Erwerbsstatus
- ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent zufrieden

teils/teils

unzufrieden

ohne Antwort

Erwerbstätigkeit - Vollzeit

32

52

13

2

Erwerbstätigkeit - Teilzeit

33

50

13

4

arbeitslos

39

44

14

3

geringfügig beschäftigt

40

54

3

3

nicht erwerbstätig

46

42

6

5

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Mit dem Alter steigt die Zufriedenheit mit der gesundheitlichen Versorgung deutlich. Die Unzufriedenheit nimmt signifikant ab. Die altersbedingten körperlichen und gesundheitlichen Einschränkungen werden als gegeben akzeptiert und die medizinische Betreuung mehrheitlich als adäquat beurteilt.

234

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 6.6:
100

Zufriedenheit mit der gesundheitlichen Versorgung - nach Altersgruppen
- ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent 3
13

1 1

5
5

7
7

80
60

41

51

44

41

40
20

45

50

54

junge Alte:
65-75

fortgeschrittene Ältere:
75-85

Hochbetagte:
85 u.älter

34

0
künftige Senioren:
50-65

ohne Antwort

unzufrieden

teils/teils

zufrieden

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Der Zufriedenheitsabstand zwischen den gesetzlich Versicherten älteren Marzahn-Hellersdorfern
(40 Prozent) und den privat Versicherten (49 Prozent) ist nach wie vor deutlich, hat sich aber gegen-über
2010 um 2 Prozentpunkte verringert.
Die hohe Unzufriedenheit in Marzahn-Nord begründet sich u.a. aus der Tatsache, dass dort die Armut65
unter Älteren mit 16 Prozent doppelt so hoch wie im Durchschnitt (8 Prozent) zu finden ist.
Tabelle 6.5:

Zufriedenheit mit der gesundheitlichen Versorgung - nach Bezirksregionen
- ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent zufrieden

teils/teils

unzufrieden

ohne Antwort

Gesamt

40

46

9

4

Marzahn-Nord

37

43

16

3

Marzahn-Mitte

37

46

12

5

Marzahn-Süd

42

47

7

4

Hellersdorf-Nord

46

43

10

2

Hellersdorf-Ost

43

44

9

5

Hellersdorf-Süd

40

46

6

9

Biesdorf

44

47

6

3

Kaulsdorf

37

52

7

4

Mahlsdorf

38

49

11

2

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Neun von zehn der älteren Marzahn-Hellersdorfer werden von einem Hausarzt betreut, das hat sich seit
1995 im Wesentlichen nicht verändert.

65

Vgl. Kapitel 2.

235

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Die Hausärzte nehmen sich laut Aussage der Befragten (86 Prozent) auch ausreichend Zeit für die Patienten. Weniger als ein Zehntel (9 Prozent) stimmt dem nicht zu, das sind vor allem Menschen mit Migrationshintergrund (15 Prozent) und Arbeitslose (12 Prozent).
Neben der Festigung der Hausarztbindung bekommt die rechtzeitige und qualitativ dem jeweiligen Erkrankungszustand entsprechende Facharztbetreuung ein zunehmendes Gewicht.
Die Mehrheit der Älteren ist seit Jahren in regelmäßiger ärztlicher Behandlung. Gestiegen ist der Anteil
derer, die ärztliche Konsultationen in größeren Abständen wahrnehmen.
Abbildung 6.7:
100

Inanspruchnahme ärztlicher Behandlung - ab 50-Jährige insgesamt
- Marzahn-Hellersdorf 2000, 2005, 2010, 2015 - in Prozent 3
15

2

2

3

6

5

17

15

17

18

21

60

60

60

1

15

80
17
60

40
63
20

0
2000
2005
2010
2015
ohne Antwort keine ärztliche Behandlung nur in akuten Fällen in größeren Abständen regelmäßig

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2000, 2005, 2010, 2015 (gew.)

Mehr als vier von fünf der Menschen mit einer Schwerbehinderung und derjenigen mit Pflegestufe sind
regelmäßig in ärztlicher Betreuung. Mit dem Alter nimmt die Regelmäßigkeit von Arztbesuchen deutlich
zu.
Für Erwerbstätige in den unterschiedlichen Erwerbsformen, die sich vorrangig aus den künftigen Senioren rekrutieren, spielt die Regelmäßigkeit weniger eine Rolle. Sie bevorzugen überdurchschnittlich Arztkonsultationen in größeren Abständen oder nur in akuten Fällen. Hierin liegt auch begründet, dass in
den beiden Bezirksregionen mit dem höchsten Anteil an Erwerbstätigen - Kaulsdorf und Mahlsdorf - die
regelmäßigen Arztbesuche am geringsten ausfallen.
Geschlechtsspezifische Unterschiede sind nicht zu verzeichnen.

236

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 6.6:

Inanspruchnahme ärztlicher Behandlung - nach ausgewählten sozialen Merkmalen
- ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent ja, regelmäßig

ja, in größeren
Abständen

nur in akuten
Fällen

nein

ohne
Antwort

Gesamt

60

21

15

3

1

Frauen

62

20

13

3

2

Männer

57

21

16

4

2

künftige Senioren: 50-65 Jahre

48

25

22

4

1

junge Alte: 65-75 Jahre

69

19

8

2

2

fortgeschrittene Ältere:
75-85 Jahre

78

12

2

3

5

Hochbetagte: 85 Jahre u. älter

90

9

1

Erwerbstätigkeit - Vollzeit

42

30

23

5

1

Erwerbstätigkeit - Teilzeit

44

29

23

3

1

arbeitslos

61

10

23

3

2

geringfügig beschäftigt

50

24

23

1

2

nicht erwerbstätig

74

15

7

2

3

Marzahn-Nord

64

15

16

4

1

Marzahn-Mitte

63

25

11

Marzahn-Süd

63

17

13

5

3

Hellersdorf-Nord

60

12

20

4

4

Hellersdorf-Ost

63

24

9

3

1

Hellersdorf-Süd

61

18

17

2

2

Biesdorf

65

19

10

4

1

Kaulsdorf

50

33

15

2

1

Mahlsdorf

49

26

18

5

3

1

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

6.3

Erreichbarkeit gesundheitsbezogener Versorgungseinrichtungen

Die Erreichbarkeit gesundheitlicher Versorgungseinrichtungen ist zufriedenstellend. Mehr als die Hälfte
der Befragten erreichen ihren Hausarzt, fast die Hälfte den Zahnarzt zu Fuß. Eine schwierigere Erreichbarkeit (mit ÖPNV nur schwer, nur mit PKW) dieser beiden Grundversorgungseinrichtungen nennen
7 bis 10 Prozent der älteren Marzahn-Hellersdorfer. Das gilt ebenso für die Physiotherapie.
Die Erreichbarkeit von Fachärzten ist mehrheitlich an die Benutzung des Öffentlichen Nahverkehrs gebunden. Alle fachärztlichen Einrichtungen sind von denen, die derartige Ärzte auch aufsuchen, entweder
zu Fuß oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar.
Die physiotherapeutische Versorgung ist am häufigsten in Wohnortnähe und für fast drei Viertel im
fußläufigen Umfeld gegeben.
Alle anderen fachärztlichen Einrichtungen sind nur für 10 Prozent der älteren Frauen und Männer, die
derartige Leistungen benötigen, schwer erreichbar.

237

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 6.8:

Erreichbarkeit gesundheitsbezogener Versorgungseinrichtungen
- ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent 0

10

20

30

Hausärztin/Hausarzt

40

50

60

70

63

Zahnärztin/Zahnarzt

80

90

29

51

100
8

39

10

Fachärztin/Facharzt für
Physiotherapie

72

Inneres

23

39

Gynäkologie *

51

42

Augen

10

47

37

Hals/Nasen/Ohren

5

38

11

52

11

50

12

Diagnostik (Labor, Röntgen, MRT etc.)

34

54

12

Orthopädie

35

53

12

Hauterkrankungen
zu Fuß in bis zu 30 Min. erreichbar

30

57

mit ÖPNV erreichbar

13

mit ÖPNV nur schwer oder nur mit PKW erreichbar

* nur Antworten von Frauen
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Bedingt durch die Struktur des Siedlungsgebietes wird hier häufiger die Aussage vertreten: „mit Öffentlichem Nahverkehr schwer bzw. nur mit PKW erreichbar“.
Tabelle 6.7:

Erreichbarkeit gesundheitsbezogener Versorgungseinrichtungen - nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent (nur Skalenwerte: mit ÖPNV nur schwer oder nur mit PKW erreichbar)

mit ÖPNV nur schwer oder
nur mit PKW erreichbar

Gesamt

BR 1

BR 2

BR 3

BR 4

BR 5

BR 6

BR 7

BR 8

BR 9

Hausärztin/Hausarzt

2

4

4

5

6

6

5

11

13

12

Zahnärztin/Zahnarzt

3

4

8

7

7

6

8

13

19

17

Orthopädie

3

5

4

6

9

13

5

14

16

19

Hauterkrankungen

3

9

4

6

9

10

5

12

16

21

Hals/Nasen/Ohren

3

10

3

5

7

10

5

11

15

19

Augen

3

5

6

5

5

8

6

15

16

22

Inneres

1

3

1

5

4

5

3

10

11

18

Gynäkologie*

3

3

5

3

9

5

5

14

16

24

Diagnostik (Labor, Röntgen,
MRT etc.)

4

7

3

7

4

8

3

13

15

28

Physiotherapie

1

2

1

2

3

2

2

2

10

12

Fachärztin/Facharzt für

* nur Antworten von Frauen
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die medizinische Grundversorgung ist aus der Sicht der Älteren mehrheitlich zeitnah abgesichert. Einen
Termin bei ihrem Hausarzt erhalten drei Viertel aller Befragten (76 Prozent) innerhalb einer Woche, fast
zwei Drittel (62 Prozent) auch bei zahnärztlichem Behandlungsbedarf. Auch fast jede/r Zweite erhält

238

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

eine physiotherapeutische Therapie innerhalb einer Woche. Bei der fachärztlichen Betreuung antwortet
die Mehrheit mit „bis zu einem Monat“.
Tabelle 6.8:

Wartezeiten bei gesundheitsbezogenen Versorgungseinrichtungen
- ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent ohne

bis zu einer
Woche

Hausärztin/Hausarzt

46

30

12

Zahnärztin/Zahnarzt

18

44

Orthopädie

4

Hauterkrankungen

bis zu einem
länger als
Monat
einen Monat

weiß ich
nicht**

ohne
Antwort

2

4

5

23

3

3

9

11

30

19

17

19

5

9

23

17

22

23

Hals/Nasen/Ohren

8

12

24

11

24

21

Augen

5

10

26

30

13

15

Inneres

6

10

18

11

27

29

Gynäkologie*

5

18

31

17

13

15

16

25

13

18

22

37

16

3

16

23

Fachärztin/Facharzt für

Diagnostik (Labor, Röntgen,
MRT etc.)
Physiotherapie

5

* nur Antworten von Frauen
** Es kann davon ausgegangen werden, dass diejenigen, die mit „ich weiß nicht“ geantwortet haben, keine derartigen
medizinischen Bedarfe in der vergangenen überschaubaren Zeit hatten und sich deshalb nicht festlegen wollten. Werden
diese Antworten ausgeklammert, erhöhen sich die Daten in den anderen Feldern durchschnittlich um den Wert 3.
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Sozialstrukturelle Differenzierungen sind vor allem hinsichtlich des Migrationshintergrundes feststellbar.
Das trifft besonders auf die haus- und zahnärztliche Versorgung zu, aber auch auf die Diagnostik.

239

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 6.9:

Wartezeiten bei gesundheitsbezogenen Versorgungseinrichtungen
- nach Migrationshintergrund - ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent - (nur Skalenwert: „ohne und bis zu einer Woche“)

100
80

65

60
44
40

31

77
62

20

20

12
16

14

23

17
21

12
15

9
16

13
23

42

22

0

ohne Migrationshintergrund

mit Migrationshintergrund

* nur Antworten von Frauen
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Inwieweit hier sprachliche Barrieren bei einer Terminabsprache oder eventuelle Ressentiments der
Sprechstundenhilfen Ursachen darstellen, ist nicht beantwortbar.
Ältere Einwohnerinnen und Einwohner aus Kaulsdorf haben es mit Terminen für eine dermatologische
Behandlung schwieriger (26 Prozent mit Wartezeiten von über einem Monat zu 17 Prozent durchschnittlich). Frauen aus den 3 Regionen des Siedlungsgebietes warten überdurchschnittlich oft länger auf einen
gynäkologischen Termin: Während im Durchschnitt des Bezirkes 17 Prozent eine derartige Wartefrist
benennen, sind es in Biesdorf 23 Prozent, in Kaulsdorf 22 Prozent und in Mahlsdorf 28 Prozent.
Länger als einen Monat Wartezeit werden bei der orthopädischen Versorgung (19 Prozent) überdurchschnittlich von Befragten aus Marzahn-Nord (28 Prozent) und Hellersdorf-Ost (26 Prozent) und vor allem
von Alleinerziehenden (33 Prozent) benannt.

240

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 6.9:

Wartezeiten bei gesundheitsbezogenen Versorgungseinrichtungen
- ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent (nur Skalenwert: „länger als einen Monat“)

Wartezeiten länger als einen Monat

Gesamt

BR 1

BR 2

BR 3

BR 4

BR 5

BR 6

BR 7

BR 8

BR 9

Hausärztin/Hausarzt

2

1

1

2

3

5

2

3

2

3

Zahnärztin/Zahnarzt

3

2

4

3

1

2

3

3

5

7

Orthopädie

19

28

17

19

17

26

14

19

22

19

Hauterkrankungen

17

21

15

13

14

18

13

20

26

18

Hals/Nasen/Ohren

11

16

8

12

7

12

9

8

13

14

Augen

30

38

31

27

28

19

25

32

32

34

Inneres

11

14

10

7

8

13

12

9

11

14

Gynäkologie*

17

24

11

13

11

11

18

22

23

27

Diagnostik (Labor, Röntgen, MRT etc.)

13

15

8

11

12

13

16

13

14

16

3

8

1

3

2

1

4

2

6

4

Fachärztin/Facharzt für

Physiotherapie
* nur Antworten von Frauen

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

6.4

Hilfebedarfe und -potenziale im Krankheitsfall

6.4.1

Verständigung des Arztes

Insbesondere im Krankheitsfall ist es wichtig, unverzüglich den Hausarzt zu verständigen und so die medizinische Betreuung einzuleiten. Im Jahre 2015 bestätigten 71 Prozent der ab 50-Jährigen, dass sie im
Bedarfsfall Hilfe im Haus/Haushalt haben, sodass eine Verständigung eines Arztes gewährleistet ist. Weitere 15 Prozent könnten die Verständigung des Arztes über externe Hilfe gewährleisten, aber
11 Prozent haben niemand, der diese Aufgabe übernehmen würde (2 Prozent ohne Antwort). Im Zeitvergleich nimmt der Anteil derer ab, die im Haus auf eine derartige Hilfeleistung zurückgreifen können.

241

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 6.10:

„Haben Sie jemanden, der im Krankheitsfall sofort den Arzt verständigt?“
- ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 1995, 2000, 2005, 2010, 2015
- in Prozent -

100
6
7

6
10

80

10

10

10

12

80

77

76

71

2000

2005

2010

2015

11
15

60
83

40

20

0
1995
ohne Antwort

nein

ja, außer Haus

ja, im Haus

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 1995, 2000, 2005, 2010, 2015 (gew.)

Demgegenüber nimmt, jedoch mit geringerer Intensität, der Anteil derer zu, die nach eigener Angabe
über keine Hilfe verfügen, um im akuten Falle einen Arzt zu benachrichtigen. Hier wirkt besonders die
soziale Isolation, so haben 16 Prozent der Alleinerziehenden, ein Viertel der Alleinlebenden (26 Prozent),
aber auch der Arbeitslosen (23 Prozent) kein derartiges Hilfepotenzial. Solange man von der Existenz
stabiler Partnerschaften ausgehen kann, ist im Altersverlauf die rasche Verständigung eines Arztes gewährleistet.
Während im Siedlungsgebiet mehr als vier Fünftel die entsprechende Bereitschaft im Haus selbst vorfinden, sind es überdurchschnittlich viel aus den Bezirksregionen Marzahn-Süd, Marzahn-Nord und Hellersdorf-Nord, die über keine Hilfe zur ärztlichen Information verfügen.
Tabelle 6.10:

„Haben Sie jemanden, der im Krankheitsfall sofort den Arzt verständigt?“
- ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent ja, im Haus

ja, außer Haus

nein

ohne Antwort

Gesamt

71

15

11

2

Marzahn-Nord

66

17

16

0

Marzahn-Mitte

67

19

11

3

Marzahn-Süd

64

17

17

2

Hellersdorf-Nord

57

21

16

6

Hellersdorf-Ost

61

26

10

3

Hellersdorf-Süd

73

17

8

2

Biesdorf

82

7

10

1

Kaulsdorf

91

5

2

2

Mahlsdorf

85

7

5

3

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

242

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Menschen mit Migrationshintergrund verfügen über einen geringeren häuslichen Gewährleistungsstatus
(53 Prozent), können dies aber durch außerhäusliche Hilfe (30 Prozent) fast kompensieren.
Mehr Frauen können, bedingt durch ihre breitere soziale Vernetzung, auf außerhäusliche Hilfe (17 Prozent) bei der Verständigung eines Arztes im akuten Krankheitsfall verweisen als Männer (13 Prozent).
Jede/r Alleinlebende/r kann keinen benennen, der sofort einen Arzt verständigt.
70 Prozent der Schwerbehinderten und 68 Prozent der Pflegebedürftigen sichern in erster Linie über die
Familien, aber auch mit Hilfe von Nachbarn oder durch außerhäusliche Hilfe (14 Prozent der Menschen
mit Behinderung, 18 Prozent derjenigen mit einer Pflegestufe) die Verständigung eines Arztes im Krankheitsfall ab. Hier kommt den entsprechenden ambulanten sozialen Diensten eine wesentliche Rolle zu.
Aber auch von den Menschen mit Behinderung sehen 11 Prozent keine entsprechende Hilfe, unter den
Pflegebedürftigen sind es auch noch 7 Prozent, obwohl hier eigentlich die Pflegenden diejenigen sein
müssten, die diese Benachrichtigung übernehmen.
Tabelle 6.11:

„Haben Sie jemanden, der im Krankheitsfall sofort den Arzt verständigt?“
- ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent ja, im Haus

ja, außer Haus

nein

ohne Antwort

Gesamt

71

15

11

2

Frauen

71

17

10

2

Männer

71

13

13

3

mit Migrationshintergrund

53

30

14

2

alleinlebend

34

36

26

4

alleinerziehend

60

25

16

schwerbehindert

70

14

11

4

pflegebedürftig

68

18

7

7

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Im Altersverlauf nimmt die Verständigung des Arztes im Krankheitsfall durch Nachbarn zu und erreicht
bei den Hochbetagten (88 Prozent) die größte Frequenz.

243

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 6.11:

„Haben Sie jemanden, der im Krankheitsfall sofort den Arzt verständigt?“
- nach Altersgruppen - ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent -

Hochbetagte: 85 u.älter

59

fortgeschrittene Ältere: 75-85

28

67

junge Alte: 65-75

73

künftige Senioren: 50-65

73

0
ja im Haus

20

10

19

8

16

13

40

ja außer Haus

60

3

5

10

1

13

2

80

nein

100

ohne Antwort

Datenbasis : sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

6.4.2

Betreuung bei ernster Erkrankung

Neben der Verständigung eines Arztes wird die Sicherung einer Betreuung bei ernsthaften Erkrankungen
für die älteren Frauen und Männer immer wichtiger. Eine solche Betreuung stellt wesentlich höhere
Anforderungen an die Helfenden. Das betrifft sowohl den Zeitaufwand als auch die Fähigkeiten zur Versorgung und Betreuung eines älteren kranken Menschen. Vor allem für die erwachsenen Kinder stellt
sich häufig die Frage nach der Vereinbarkeit der Krankenpflege eines älteren Familienmitgliedes mit
ihrer Erwerbstätigkeit. Auch für Freunde und Bekannte erwachsen aus der räumlichen Trennung des zu
Betreuenden Probleme für die Sicherung einer stabilen Versorgung.
Die Befragungsergebnisse nach dem Vorhandensein von Betreuungspotenzialen bei ernster Erkrankung
älterer Bürgerinnen und Bürger aus Marzahn-Hellersdorf in den vergangenen 20 Jahren unterstreichen obwohl durch unterschiedliche Skalierungen nicht eins zu eins vergleichbar - den hohen Anteil der familialen Betreuungspotenziale.
Tabelle 6.12:

„Wer übernimmt bei ernsthafter Erkrankung vor allem Ihre Betreuung?“
- ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2000, 2005, 2010, 2015
- in Prozent Partner und/oder
Kinder, andere
Verwandte

Freunde, Bekannte,
Nachbarn

ambulante und/
oder kommerzielle
Dienste

niemand

ohne
Antwort

2000

84

7

6

4

2

2005

81

8

6

5

2

2010

78

5

8

8

2

2015

79

6

6

10

2

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2000, 2005, 2010, 2015 (gew.)
neu berechnet, da teilweise unterschiedliche Skalierungen

244

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Drei Viertel der älteren Einwohnerinnen und Einwohner des Bezirkes können im Krankheitsfall mit Betreuung durch Familienmitglieder rechnen. Ein nicht unbedeutender Teil der Betreuung wird durch
Freunde, Bekannte oder Nachbarn gesichert. Ambulante und kommerzielle Dienste werden weniger
benannt.
Wie schon bei der Verständigung von Ärzten im Bedarfsfalle nimmt im Zeitverlauf der Anteil derer leicht
zu, die keine Betreuungsmöglichkeit benennen. Auch in diesem Fall sind es besonders die Arbeitslosen
(21 Prozent - niemand), die Alleinlebenden (25 Prozent) und die Alleinerziehenden (28 Prozent).
Und auch hinsichtlich der Betreuung bei ernsthafter Erkrankung haben die Bewohnerinnen und Bewohner im Siedlungsgebiet weniger Probleme.
Abbildung 6.12:

„Wer übernimmt bei ernsthafter Erkrankung vor allem Ihre Betreuung?“
- nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent 0

20

40

Marzahn-Nord

54

Marzahn-Mitte

Hellersdorf-Ost
Hellersdorf-Süd
Biesdorf

18

4

55

18

47

26

45

24
60

2
17

78

100

4

19

Kaulsdorf
Mahlsdorf

80

59

Marzahn-Süd
Hellersdorf-Nord

60

14

2

5

6

6

5

5

6

13

3

10

5

16

13

5

6

83

0

10

9

2 4
11

75

1

13

14

3
7

03 31

1 5

Partnerin/Partner

Kinder und/oder andere Verwandte

Freunde, Bekannte, Nachbarn

ambulante und/oder kommerzielle Dienste

niemand

ohne Antwort

4 1

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Da die Mehrheit der Menschen mit Pflegestufe allein lebt, übernehmen hier deutlich häufiger als im
Durchschnitt die sozialen und kommerziellen Dienste bei einem Viertel die Betreuung (24 Prozent zu
6 Prozent).
Mit zunehmendem Alter verschiebt sich die innerfamiliale Betreuung, häufiger übernehmen dann die
Kinder die Betreuung bei Krankheit: von 12 Prozent bei den künftigen Senioren, über 15 Prozent Nennungen von den jungen Alten, über ein Viertel (24 Prozent) bei der Altersgruppe der 75- bis unter
85-Jährigen und fast einem Drittel (30 Prozent) bei den Hochbetagten.

245

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

6.4.3

Hilfebedarf bei der Alltagsbewältigung

Aus altersbedingten Mobilitäts- oder durch Krankheiten verursachte Einschränkungen erwächst ein individuell differenzierter Hilfebedarf bei der Bewältigung der Tätigkeiten des alltäglichen Lebens.
Ähnlich wie bei der Betreuung im Krankheitsfall kommt auch die Hilfe bei der Bewältigung von Alltagsproblemen für ältere Bürgerinnen und Bürger in erster Linie aus der Familie. In Marzahn-Hellersdorf
leisten Partnerinnen/Partner, erwachsene Kinder und Enkel den älteren Familienmitgliedern - Eltern
bzw. Großeltern - im Bedarfsfall Hilfe bei anstrengenden Tätigkeiten, bei der Lösung von Problemen, bei
der Organisation und Durchführung von Renovierungs- oder Instandhaltungsarbeiten und auch bei der
Regulierung von Geldangelegenheiten.
Von den ab 50-Jährigen aus Marzahn-Hellersdorf meint jede/r Zweite (46 Prozent), noch keine derartigen Hilfen im Alltag zu benötigen. Auch jede/r Fünfte mit einer Schwerbehinderung kann (noch) ohne
derartige Hilfen den Alltag bewältigen.66
Vier Fünftel (80 Prozent) der Älteren erhalten - wenn Bedarf - hauptsächlich Hilfe durch Familienangehörige. Am häufigsten wird dabei auf die Hilfe der Partnerin oder des Partners verwiesen (56 Prozent),
nächstfolgend werden Hilfen durch Kinder von 22 Prozent genannt. Jede/r Zwanzigste (5 Prozent) greift
bei Hilfebedarf hauptsächlich auf eine Unterstützung durch Freunde, Bekannte und/oder Nachbarn zurück.
Immerhin 7 Prozent derjenigen, die Hilfebedarf im Alltag - dauerhaft oder zeitweise - benötigen, können
weder inner- noch außerfamiliale Hilfe nutzen. Das sind wieder die Gruppen, die schon hinsichtlich der
Benachrichtigung bei ärztlicher Hilfe und bei Betreuung während einer ernsthaften Krankheit deutlich
seltener auf familiale oder außerfamiliale Hilfe zurückgreifen können. So haben 15 Prozent der Alleinlebenden, ein Viertel (25 Prozent) der Alleinerziehenden und ein Fünftel (22 Prozent) der Arbeitslosen
keinen Rückgriff auf ein Hilfepotenzial.
Die Inanspruchnahme von Hilfen im Alltag unterscheidet sich zwischen den älteren Frauen und Männern
deutlich. Nur 3 Prozent der Frauen geben kein potenzielles Hilfepotenzial an, unter den Männern sind es
viermal mehr (12 Prozent). Das reflektiert einerseits tradierte Arbeitsteilungen im Haushalt als auch die
stärkere soziale Vernetzung von Frauen.
Frauen, die derartige Hilfen benötigen, benennen schon in den unteren Altersgruppen wesentlich häufiger die Kinder als hauptsächlich helfende Familienangehörige als Männer. Von den hochbetagten Frauen nimmt jede zweite (47 Prozent) Hilfe der Kinder in Anspruch, bei den Männern derselben Altersgruppe ist es lediglich ein Viertel (26 Prozent).
Wenn eine Hilfe durch die Partnerin nicht gegeben ist, wird von den Männern der unteren Altersgruppen eher auf außerfamiliale Hilfen orientiert oder ganz auf Hilfe verzichtet, als dass die eigenen Kinder
angesprochen werden (vgl. Tabelle 6.13).

66

Ein Vergleich mit Vorgängerstudien ist auf Grund unterschiedlicher Skalierungen nicht möglich.

246

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 6.13:

„Wenn Sie Hilfe im Alltag benötigen, wer hilft Ihnen hauptsächlich?“
- nach Geschlecht - ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent familiales Hilfepotenzial

Gesamt

außerfamiliales
Hilfepotenzial

Partner
und Partnerinnen

Kinder

andere
Verwandte

Freunde,
Bekannte,
Nachbarn

ambulante
und/oder
kommerzielle
Dienste

62

15

2

4

6

niemand

ohne
Antwort

10

2

Frauen
künftige Senioren

60

20

3

5

5

6

junge Alte

55

33

1

6

2

1

2

fortgeschrittene Ältere

43

41

3

2

3

2

5

Hochbetagte

28

47

16

3

6

11

1

16

6

6

4

11

3

3

3

5

26

Männer
künftige Senioren

55

7

junge Alte

68

7

fortgeschrittene Ältere

76

18

Hochbetagte

37

26

4

5

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Fehlendes Hilfepotenzial wird vor allem in den Bezirksregionen Marzahn-Nord (16 Prozent) und Hellersdorf-Ost (17 Prozent) deutlich.
Menschen mit Migrationshintergrund haben ein leicht geringeres familiales Hilfepotenzial (74 Prozent),
werden aber häufiger durch Freunde, Bekannte und Nachbarn sowie ambulante Dienste unterstützt
(11 Prozent) im Vergleich zu Herkunftsdeutschen (7 Prozent).
6.4.4

Hilfepotenziale für Pflegende

Zwölf von Hundert der 50-Jährigen und Älteren des Bezirkes (8 Prozent) pflegen Familienangehörige. Es
sind vor allem die künftigen Senioren, die auch pflegerisch wirken. Ein Fünftel derer, die in Teilzeit arbeiten, haben diese Erwerbsform wohl auch gewählt, um ihre Erwerbstätigkeit mit den familiären Pflegeverpflichtungen in Einklang zu bringen. Familienangehörige werden von den älteren Befragten mit Migrationshintergrund weniger gepflegt (8 Prozent).
Die Pflegeintensität ist jedoch unterschiedlich. Mit 15 Prozent geben Frauen deutlich häufiger als Männer (8 Prozent) diese Pflege von Familienangehörigen als vorwiegenden Inhalt ihrer Freizeit an.
Das entspricht der Pflegesituation in Deutschland67. Im Pflegereport 2015 wird festgestellt, dass 9 von
10 Pflegenden Frauen sind. Es pflegen vor allem ältere Menschen, laut Pflegereport sind 80 Prozent der
Pflegenden zwischen 45 und 70 Jahren alt.68

67
68

Vgl. Pflegereport Deutschland 2015, hrsg. DAK-Forschung, 2015.
Ebenda, S. 20 f.

247

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Mit steigendem eigenem Alter nimmt der Anteil derer ab, die in ihrer Freizeit vorwiegend mit Pflege
beschäftigt sind. Wenn Erwerbstätige in ihrer/seiner Freizeit pflegerisch wirken, sind es häufiger diejenigen, die in Teilzeit beschäftigt sind. Werden zu den Pflegeleistenden noch diejenigen dazugezählt, die
eher weniger Pflegeleistungen erbringen, ist fast die Hälfte der Teilzeitbeschäftigten mit Pflege - in unterschiedlicher Intensität - befasst.
Abbildung 6.13:

Pflegeleistende - nach Alter, Geschlecht, Erwerbsstatus und Migrationshintergrund
- ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent 10
Gesamt

12

Frauen

8

mit Migrationshintergrund

8

9

fortgeschrittene Ältere

8

Hochbetagte 1
Erwerbstätigkeit - Vollzeit

nicht erwerbstätig

Pflege leistend

70

100

69
78

19

69
23

62
73

9

83
86

12

24
20

64
23

14

11

90

69

18

9

80

69

13

arbeitslos

60

14

Erwerbstätigkeit - Teilzeit

geringfügig beschäftigt

50

23

15

junge Alte

40

16

12

künftige Senioren

30

19

15

Männer

ohne Migrationshintergrund

20

57

18

68

22

69

15

74
(ein) wenig Pflege leistend

ohne Antwort

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Das Hilfepotenzial beschränkt sich im Wesentlichen auf familiale Netzwerke, die Lebenspartner und
ambulante Hilfsdienste. Jede/r vierte Pflegende (25 Prozent) greift begleitend auf ambulante Pflegedienste zurück. Jede/r zehnte Pflegende kann oder will nicht auf Hilfen anderer zurückgreifen und pflegt
allein.
Gerade die Familie, ob Partnerinnen und Partner oder andere Angehörige, leistet einen herausragenden
Beitrag bei der Pflege. Die pflegenden Angehörigen sind oft stark belastet, ob, wenn noch im Erwerbsleben stehend, mit den Dreifachanforderungen aus Beruf, Familie, Pflege konfrontiert, oder wenn die zu
erbringenden Pflegeleistungen an die physischen wie psychischen Grenzen der oder des Pflegenden
stoßen. Verstärkt wird dies auch durch die zunehmende Pflege von Menschen mit Demenzerkrankungen.
Alle anderen möglichen Hilfen, die als Antwort vorgeschlagen wurden, sind ohne Belang und liegen unterhalb einer 5-prozentigen Nutzung - das betrifft Freundinnen und Freunde, Eltern/Schwiegereltern,
Nachbarn, Arbeitgeber, Vereine und Sonstige (vgl. Tabelle 6.14).

248

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Die Daten des Pflegereports 2015 zeigen ähnliche Strukturen, wobei zu berücksichtigen ist, dass die
Datenbasis im Pflegereport sich auf Befragte ab 18 Jahre bezieht69.
Tabelle 6.14:

Pflegepotenziale im Vergleich - ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent Marzahn-Hellersdorf 50 Jahre und älter

Pflegereport 2015

Partner/Partnerin

42

35

andere Familienangehörige

47

49

ambulante Pflegedienste

25

27

Freundinnen/Freunde

5

Nachbarn

4

Vereine

3

Eltern/Schwiegereltern

3

Sonstige

2

niemand

11

10

14

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.); Pflegereport Deutschland 2015, hrsg. DAK-Forschung, 2015

Unter denen, die pflegend aktiv sind, erhält fast die Hälfte (42 Prozent) Hilfe durch die Partnerin bzw.
den Partner. Noch häufiger unterstützen andere Familienangehörige (47 Prozent).
Ein Drittel der pflegenden Frauen lebt ohne Partner/in im Haushalt, unter den Männern sind es nur
13 Prozent. Das erklärt neben Anderem die unterschiedlichen Hilfestrukturen zwischen Männern und
Frauen.
Frauen nutzen auch hier, wie schon bei eigenem Hilfebedarf, deutlich häufiger als Männer familiale Hilfepotenziale. Frauen haben ein wenig häufiger Niemanden, der Ihnen bei der Pflege zur Seite steht.
Männer beziehen, zwar auf einem geringen Niveau, wesentlich öfter Freundinnen oder Freunde in die
Pflege mit ein.

69

Ebenda, S. 36.

249

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 6.15:

Pflegepotenziale - nach Geschlecht - ab 50-Jährige insgesamt
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent Pflegende gesamt

Frauen

Männer

Partner/Partnerin

42

35

56

andere Familienangehörige

47

51

37

ambulante Pflegedienste

25

25

26

Freundinnen/Freunde

5

2

10

Nachbarn

4

3

5

Arbeitgeber

0

1

Vereine

3

2

5

Eltern/Schwiegereltern

3

2

4

Sonstige

2

2

niemand

11

13

8

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Pflegende mit Migrationshintergrund können seltener auf Partnerinnen oder Partner zurückgreifen und
nutzen auch deutlich weniger die ambulanten Pflegedienste. Nachbarschaftliche Hilfe bei Pflegeleistungen wird überhaupt nicht benannt, ebenso wie Eltern bzw. Schwiegereltern und sonstige Hilfen.
Abbildung 6.14:

Pflegeleistende - nach Migrationshintergrund - ab 50-Jährige insgesamt
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

60
50
40
30

47

50
Pflegende gesamt

42

Pflegende mit Migrationshintergrund

32
25

20
10

9

11 12
5

5

4

3

5

3

2

0

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Erwerbstätige in Voll- und Teilzeit pflegen überdurchschnittlich oft unter Mithilfe der Partnerin bzw. des
Partners (50 Prozent bzw. 59 Prozent). Sechs von zehn der Alleinlebenden nehmen Hilfe von anderen
Familienangehörigen in Anspruch.
Mehr Frauen (13 Prozent) als Männer (8 Prozent) greifen auf keine weiteren Hilfen zurück. Jede/r dritte
der Arbeitslosen, die pflegend wirken, ist auf sich allein gestellt.
In Hellersdorf-Ost greifen zwei Drittel der Pflegenden auf familiale Netzwerke zurück. Deren Mitwirkung
wird auch in Hellersdorf-Nord, Marzahn-Mitte und Kaulsdorf deutlich häufiger benannt, während in

250

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Mahlsdorf weniger als ein Viertel der Pflegenden auf die Hilfe von weiteren Familienangehörigen zurückgreifen.
Demgegenüber ist die Unterstützung durch die Partnerinnen und Partner in Kaulsdorf (62 Prozent) und
Mahlsdorf (51 Prozent) deutlich höher als in den anderen Bezirksregionen.
Ambulante Pflegedienste werden in Hellersdorf-Ost am häufigsten (53 Prozent) und in Mahlsdorf
(12 Prozent) am wenigsten zur Pflege hinzugezogen.
Ein Fünftel (20 Prozent) der Pflegenden in Hellersdorf-Ost und Biesdorf haben keinerlei Unterstützungspotenzial angegeben.
Tabelle 6.16:

Pflegeleistende - nach Bezirksregionen und ausgewähltem Hilfepotenzial
- ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent Pflegeleistende
gesamt

Hilfe und Unterstützung durch …
andere Familienangehörige

Partnerin
oder Partner

ambulante
Pflegedienste

niemand

Gesamt

12

47

42

25

11

Marzahn-Nord

10

46

30

58

15

Marzahn-Mitte

14

55

42

20

9

Marzahn-Süd

11

46

40

23

12

Hellersdorf-Nord

16

56

31

28

5

Hellersdorf-Ost

7

65

33

53

20

Hellersdorf-Süd

13

41

43

22

16

Biesdorf

13

43

48

20

20

Kaulsdorf

9

55

62

22

Mahlsdorf

11

23

51

12

10

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

6.5

Fazit

Gesundheit ist eines der zentralen Momente des individuellen Lebens und Wohlfühlens. Wird der eigene Gesundheitszustand als gut befunden steigt die allgemeine Lebenszufriedenheit deutlich. So sind vier
Fünftel derer, die ihren Gesundheitszustand mit gut oder sehr gut einschätzen, mit ihrem Leben insgesamt zufrieden oder sehr zufrieden. Diejenigen Älteren, die ihren Gesundheitszustand mit mittelmäßig
beschreiben, sind zu fast zwei Dritteln zufrieden oder sehr zufrieden. Bei den Befragten, die sich eher
krank fühlen, sinkt diese Zufriedenheit deutlich unter 50 Prozent.

251

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 6.15:
100

Selbsteinschätzung des eigenen Gesundheitszustandes und allgemeine Lebenszufriedenheit - ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent 2

4

3
5

1

15
80

5
11

2

28
38

60
63
40
57

40

20
17
5

4

mittelmäßig

schlecht / sehr schlecht

0
sehr gut / gut
ohne Antwort

sehr unzufrieden

unzufrieden

teilweise zufrieden

zufrieden

sehr zufrieden

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Erwartungsgemäß nimmt die positive Einschätzung der eigenen Gesundheit mit dem Alter ab. Daneben
wird deutlich, dass mit steigender Qualifikation das eigene Wohlbefinden steigt. Bewohnerinnen und
Bewohner in den Bezirksregionen des Siedlungsgebietes fühlen sich deutlich gesünder als diejenigen aus
den Bezirksregionen der Großsiedlung, Gleiches gilt für die - wenigen - privat versicherten Älteren im
Bezirk. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die privat Versicherten durchschnittlich 6 Jahre jünger als die
gesetzlich Versicherten und fast ausschließlich künftige Senioren oder junge Alte sind.
Auch die diesjährigen Daten zeigen, dass ein großer Teil der älteren Bevölkerung selbst aktiv etwas für
die eigene Gesundheit unternimmt. Im Vergleich zu den Jahren 2000, 2005 und 2010 hat der Anteil derjenigen mit entsprechenden Aktivitäten jedoch - bis auf die Teilnahme an Vorbeugeuntersuchungen zum Teil deutlich abgenommen.
Es gibt z.T. deutliche Differenzierungen zwischen der Großsiedlung und dem Siedlungsgebiet. In fast
allen Bezirksregionen der Großsiedlung liegen die Aktivitätsanteile unter denen im Siedlungsgebiet.
Generell ist die Gruppe derjenigen mit weniger ausgeprägtem gesundheitsbewussten Verhalten in ihrer
sozialstrukturellen Zusammensetzung nach wie vor bestimmt von Frauen und Männern mit geringem
Einkommen, oft von Arbeitslosigkeit betroffen. Einwohnerinnen und Einwohner mit Migrationshintergrund haben oft ebenfalls ein deutlich geringeres gesundheitsbewusstes Verhalten.
Die Zufriedenheit bzw. Unzufriedenheit wird einerseits wesentlich beeinflusst von den Servicebedingungen der medizinischen Einrichtungen, den gesetzlichen Rahmenbedingungen, den unterschiedlichen
Leistungskatalogen der gesetzlichen und privaten Krankenkassen und den individuellen Zuzahlungsregelungen, Faktoren, die nicht oder nur sehr partiell über kommunale Handlungsstrategien veränderbar
sind. In diesem Kontext nimmt die Vorort-Versorgung an Wertigkeit weiter zu und prägt wesentlich die
persönliche Zufriedenheit mit den Möglichkeiten der gesundheitlichen Betreuung.

252

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Der Anteil derer, die mit der gesundheitlichen Versorgung zufrieden sind, scheint sich über den Zeitverlauf der letzten 20 Jahre zu stabilisieren.
Mit dem Alter steigt die Zufriedenheit mit der gesundheitlichen Versorgung deutlich. Die Unzufriedenheit nimmt signifikant ab. Die altersbedingten körperlichen und gesundheitlichen Einschränkungen werden als gegeben akzeptiert und die medizinische Betreuung mehrheitlich als adäquat beurteilt.
Die Erreichbarkeit gesundheitlicher Versorgungseinrichtungen ist zufriedenstellend. Mehr als die Hälfte
erreichen ihren Hausarzt, fast die Hälfte den Zahnarzt zu Fuß. Die Erreichbarkeit von Fachärzten ist
mehrheitlich an die Benutzung des Öffentlichen Nahverkehrs gebunden. Alle fachärztlichen Einrichtungen sind von denen, die derartige Ärzte auch aufsuchen, entweder zu Fuß oder mit den öffentlichen
Verkehrsmitteln gut erreichbar.
Die physiotherapeutische Versorgung ist am häufigsten in Wohnortnähe und für fast drei Viertel im
fußläufigen Umfeld gegeben.
Die medizinische Grundversorgung ist aus der Sicht der Älteren mehrheitlich zeitnah bei Bedarf innerhalb einer Woche abgesichert. Das gilt abgeschwächt auch für die physiotherapeutische Therapie. Bei
der fachärztlichen Betreuung antwortet die Mehrheit mit „bis zu einem Monat“.
Jede/r Zehnte hat niemanden, der im Ernstfall einen Arzt verständigt. Deren Anteil nimmt im Zeitverlauf
leicht zu. Hier wirkt besonders die soziale Isolation der Alleinlebenden und Arbeitslosen.
Hinsichtlich der Betreuung bei ernster Erkrankung älterer Bürgerinnen und Bürger aus MarzahnHellersdorf wird über den Zeitverlauf der vergangenen 20 Jahre der hohe Anteil der familialen Betreuungspotenziale deutlich.
Ähnlich wie bei der Betreuung im Krankheitsfall kommt auch die Hilfe bei der Bewältigung von Alltagsproblemen für ältere Bürgerinnen und Bürger in erster Linie aus der Familie.
Zwölf von Hundert der 50-Jährigen und Älteren des Bezirkes pflegen Familienangehörige. Es sind vor
allem die künftigen Senioren, die auch pflegerisch wirken.
Mit steigendem eigenen Alter nimmt der Anteil derer ab, die in ihrer Freizeit vorwiegend mit Pflege beschäftigt sind. Wenn Erwerbstätige in ihrer/seiner Freizeit pflegerisch wirken, sind es häufiger diejenigen, die in Teilzeit beschäftigt sind. Das Hilfepotenzial für Pflegende beschränkt sich im Wesentlichen
auf familiale Netzwerke, die Lebenspartner und ambulante Hilfsdienste.
6.6

Handlungsempfehlungen

Vor dem Hintergrund, dass das gesundheitliche Wohlbefinden wesentlich ist für die allgemeine Lebenszufriedenheit, andererseits mit zunehmendem Alter gesundheitliche Einschränkungen sich verstärken,
gilt es, kommunales Handeln auch immer unter dem Aspekt der Beförderung der Gesundheit aller, aber
eben auch der älteren Einwohnerinnen und Einwohner zu betrachten.
Die ärztliche und zahnärztliche wie auch physiotherapeutische Betreuung im Bezirk ist gut. Einzelne Defizite, insbesondere bei der fachärztlichen Betreuung im Siedlungsgebiet, sind nur bedingt durch den
Bezirk beeinflussbar.

253

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Es gilt, ausreichende Rahmenbedingungen zu setzen für ein gesundes Leben im Bezirk und rechtzeitig
mit geeigneten Maßnahmen dem sich abzeichnenden Rückgang der eigenen Aktivitäten für ein gesundheitsbewusstes Verhalten entgegenzusteuern:


Die gute gesundheitliche Aufklärung auch durch verschiedenste bezirkliche Aktivitäten gilt es fortzusetzen, um dem teilweise zu erkennenden Trend des Nachlassens eigener Aktivitäten zur Förderung
einer gesunden Lebensführung entgegenzuwirken.



Insbesondere die Gruppen mit geringerem gesundheitsbewussten Verhalten sind als Zielgruppen für
die diesbezüglichen - kostenlosen - Beratungsprogramme und zu Veränderungen im Ernährungsverhalten stärker in den Fokus der entsprechenden Akteure zu übernehmen.



Zu berücksichtigen ist, dass sich für viele der Älteren die Zahl der für sie erreichbaren Netzwerke mit
ihren Angeboten auf Grund abnehmender Mobilität verkleinert und diese deshalb oft nur auf in der
Nachbarschaft erreichbare Angebote zurückgreifen können.



Neben den gesundheitsbezogenen Diensten, wie ambulante Pflegedienste, Lieferservices von Apotheken, ärztliche Hausbesuche, tragen auch die haushaltsnahen Dienstleistungen und Betreuungsangebote verschiedenster Art zur Stärkung des gesundheitlichen Wohlbefindens und der Beförderung eigener Aktivitäten bei. Entsprechende Dienstleistungen wie „Essen auf Rädern“, Mittagsangebote in öffentlichen Einrichtungen des Bezirkes sollten in geeigneter Form unterstützt und gefördert
werden.



Sportliche Betätigung und Bewegung fördern die Selbständigkeit und befördern die körperliche wie
geistige Beweglichkeit. Im Zusammenwirken mit Sportvereinen, Stadtteilzentren und anderen öffentlichen Akteuren sind Möglichkeiten des wohnortnahen Sporttreibens weiter zu befördern. Dabei
gilt es, trotz der sich mit dem Alter verstärkenden individuellen Einschränkungen und der damit einhergehenden Tendenz zur Individualisierung der Bewegungsaktivitäten im Interesse der sozialen
Teilhabe Gruppenangebote auch für Hochbetagte vorzuhalten und offensiv zu bewerben. Die Nutzung bezirklicher Sportanlagen und von Schulsporthallen für den Seniorensport ist dafür nach wie
vor von wesentlichem Gewicht.



Der Bezirk sollte mit geeigneten Trägern vorhandene Angebote der Bewegung auch für hochaltrige
Menschen ausbauen oder weiterentwickeln bis hin zum Einsatz von entsprechenden ehrenamtlichen Begleitdiensten oder Spazierpaten.



Neben der Bewegung kommt einer gesunden, ausgewogenen Ernährung eine zentrale Rolle hinsichtlich des gesundheitlichen Wohlbefindens zu. Entsprechende Informationen sind regelmäßig in
geeigneter Form den älteren Einwohnerinnen und Einwohnern anzubieten. Kommunale Einrichtungen und Betriebe sollten ihren den Ruhestand anstrebenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gezielt entsprechende Informationsveranstaltungen anbieten und diese nach Möglichkeit auch Älteren
im näheren Umfeld der jeweiligen Einrichtung offenhalten.



In Anbetracht der Tatsache, dass der Anteil derjenigen zunimmt, die auf keine Person verweisen
können, die im Krankheitsfall sofort einen Arzt verständigt, wäre es, wie schon in 2010 festgestellt70, empfehlenswert, wenn die bezirkliche Gesundheitspolitik in geeigneter Form mit den ansässigen Hausärzten das Gespräch sucht, um auf das Problem aufmerksam zu machen und nach Lösun-

70

Vgl. „50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2010“, S. 207.

254

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

gen zu suchen. Anzuregen wäre, eine Vernetzung des in den Arztpraxen bestehenden oder im Aufbau befindlichen Qualitätsmanagements mit Pflegediensten und Serviceerbringern herzustellen.


Für den von mangelnder Hilfe bei Krankheit bedrohten Personenkreis wären Informationen darüber
hilfreich, wie sie im Krankheitsfall schnell und unkompliziert Zugang zu einem Pflegedienst und/oder
-service finden und mit welchem finanziellen Aufwand sie für diese Leistungen rechnen müssen. Eine solche Information ließe sich z.B. in den verschiedenen Seniorenzeitschriften und den Wochenblättern publizieren.



Außerdem sollten sich die kommunalen und wohlfahrtlichen Anbieter von Sozialberatung auf die
spezifischen Beratungsbedürfnisse dieses von mangelnder Hilfe bedrohten Potenzials einstellen. In
Anbetracht der fortschreitenden Individualisierung und Anonymisierung im urbanen Raum und unter Berücksichtigung des sich vollziehenden Wandels der Familienstrukturen ist künftig mit einer Zunahme eines solchen Personenkreises zu rechnen.



Pflegeleistende sind oft stark belastet und benötigen Unterstützungen der verschiedensten Art.
Obwohl die familialen Netzwerke wie auch die ambulanten Pflegedienste oft wesentlich helfend
agieren, sollten auch hier bezirkliche oder andere Anbieter von Sozialberatung, insbesondere die
Pflegestützpunkte, unterstützend durch geeignete Informationen über mögliche weitere Hilfen beitragen.



Bei allen, das körperliche wie geistige Wohlbefinden fördernden und das gesundheitsbewusste Verhalten unterstützenden Aktivitäten des Bezirkes ist der Zunahme der soziokulturellen und ethnischen Vielfalt auch unter der älteren Bevölkerung Rechnung zu tragen.

255

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

7.

Freizeit und Freizeitbedürfnisse der ab 50-Jährigen

Unter Freizeit wird im Allgemeinen jene Zeit verstanden, die frei ist von Arbeit bzw. arbeitsgebundenen
Tätigkeiten (Arbeitsweg, Arbeitspausen, berufliche Fortbildung) sowie von nicht an die Erwerbsarbeit
gebundenen Pflichten der Alltagsbewältigung. Dies betrifft sowohl die Befriedigung notwendiger physiologischer Bedürfnisse (Schlaf, Ernährung, Hygiene) als auch andere Tätigkeiten mit Verpflichtungscharakter im familiären und sozialen Bereich.
Dem folgend, wird Freizeit als jene Zeit betrachtet, die von Zwängen und von Verpflichtungen frei ist, so
dass der Einzelne seine Zeit nach eigenen Bedürfnissen und eigenem Ermessen gestalten kann.
Mit dem Ausscheiden aus dem Berufsleben treten die älteren Bürgerinnen und Bürger in eine Lebensphase, die durch einen völlig anderen Lebensrhythmus gekennzeichnet ist. Der für die Freizeit im dargelegten Sinne zur Verfügung stehende Zeitfonds wird wesentlich größer, die Inhalte der Zeitverwendung
und ihre Relationen zueinander wandeln sich.
Es ändern sich die Prioritäten der Zeitverwendung. Dabei werden Tätigkeits- und Beschäftigungsfelder
erschlossen, die dazu beitragen, das Leben neu zu orientieren, die neue Perspektiven für ein sinnerfülltes und zufriedenes Leben bieten und die auch weiterhin soziale Kontakte ermöglichen und neue erschließen.
In diesem Zusammenhang müssen bei der Zeitverwendung der ab 50-jährigen Bürgerinnen und Bürger
die Unterschiede in ihrer Lebens- und Erwerbssituation berücksichtigt werden, insbesondere die Teilhabe oder Nichtteilhabe am Erwerbsleben. Erwerbstätige verfügen zwar über weniger freie Zeit, nutzen
diese geringere Freizeit z.T. anders und intensiver als diejenigen Älteren, die aus dem Erwerbsleben
dauerhaft ausgeschieden sind oder denen durch erzwungene Arbeitslosigkeit eine Teilnahme verweigert
wird. Besonders bei Arbeitslosen wird sinnvolle Nutzung der freien Zeit durch anfallende Freizeitkosten
eingeschränkt. Erst die endgültig aus dem Erwerbsleben Ausgeschiedenen können von Erwerbspflichten
frei über ihre Zeit disponieren.
Das bedeutet für die relativ neu in den Ruhestand eingetretenen Frauen und Männer, zugleich eine
Umstrukturierung ihrer Zeitverwendung vorzunehmen. Bei den älteren Probanden, die schon länger aus
dem Erwerbsleben ausgeschieden sind, ist vorauszusetzen, dass sich bei ihnen eine ihren Bedürfnissen
entsprechende Zeitverwendungsstruktur herausgebildet und gefestigt hat, die nunmehr jeweils veränderten Lebenssituationen angepasst wird. Die subjektiven selbstbestimmten Gestaltungsfähigkeiten für
eine sinnvolle Freizeit im Alter sind sicherlich bei jedem/jeder Einzelnen unterschiedlich. Sie hängen
einerseits von der persönlichen Mobilität, der Einbindung des Einzelnen in soziale Netze (Familie, Freundeskreis, Vereine usw.), den individuellen materiellen Verhältnissen zur Realisierung von Freizeitbedürfnissen und andererseits von jenen objektiven Rahmenbedingungen ab, die für die Zeitgestaltung im
näheren bzw. weiteren Wohnumfeld angeboten werden.
7.1

Freizeit und soziale Einbindung

Obwohl das Ausmaß frei verfügbarer Zeit eine wesentliche Komponente der Lebenszufriedenheit bildet,
sind jedoch die inhaltliche Freizeitgestaltung und die Ausgewogenheit zwischen individuell und gemeinschaftlich mit Anderen verbrachter Freizeit Faktoren, die die individuelle Lebensqualität nachhaltig beeinflussen. Das Maß für eine solche Ausgewogenheit ist in Abhängigkeit von der Persönlichkeit des Ein-

256

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

zelnen verschieden ausgeprägt. Bis ins hohe Alter beide Komponenten der Freizeitgestaltung zu erhalten, bildet eine wesentliche Grundlage des individuellen Wohlbefindens. Während die Befriedigung des
Bedürfnisses, Zeit für sich allein zu verbringen, sich auf sich selbst zu besinnen, auch im Familienverbund
bzw. in Partnerschaft lebende ältere Bürgerinnen und Bürger ermöglichen können, wird es für nicht
wenige der Alleinlebenden im Alter schwerer, ihre Bedürfnisse nach sozialem Kontakt, Kommunikation
und Geselligkeit zu befriedigen. Das Bedürfnis, Freizeit oft in Gesellschaft zu verbringen, widerspiegelt
sich auch in den Ergebnissen der Befragung älterer Bürgerinnen und Bürger aus Marzahn-Hellersdorf.
Die Freizeitkontakte zeigen eine Verfestigung der schon in den Jahren 2010 und 2005 erkennbaren Konzentration auf die Familie, Freunde und Bekannte und den damit verbundenen Rückzug ins Private. Hier
sind in den letzten 10 Jahren kaum Veränderungen sichtbar. Dabei sind folgende Aspekte hervorzuheben:


Es ist eine über Jahre gleichbleibend starke Familienorientierung auf die partnerschaftlich verbrachte Freizeit und die Kontakte zu Kindern und Enkeln festzustellen.



Eine solche Stabilität haben auch die Freizeitkontakte zu persönlichen Freunden.



Relativ gleich geblieben ist das Niveau der Freizeitkontakte zu Nachbarn und Bekannten, zu Vereinsmitgliedern, zu Teilnehmerinnen und Teilnehmern von Seniorenveranstaltungen (die aber zu
Beginn des Jahrtausends noch deutlich mehr an Gewicht aufwiesen), zu Zufallsbekannten und zu
Kirchengemeinden.

Abbildung 7.1:

„Mit wem verbringen Sie Ihre Freizeit?“ - ab 50-Jährige insgesamt
- Marzahn-Hellersdorf 2000, 2005, 2010 und 2015 - in Prozent 72
75
68
64
65
64

mit Partnerin/Partner
mit Kindern/Enkelkindern
mit persönlichen Freundinnen/Freunden
36
34

mit Bekannten/Nachbarinnen/Nachbarn
20
17

mit Vereins-/Clubmitgliedern
mit meinem Haustier*
mit Zufallsbekannten
mit Gästen von Seniorenveranstaltungen
mit Mitgliedern der Kirchengemeinde

allein
2015

10

18
5 5
5 4
5
6
5
4 3
4 4
16
11

14
14

31

74
74

54
37

18

12

12

16

2010

2005

* in 2000 nicht erfragt
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2000, 2005, 2010, 2015 (gew.)

257

2000

65
61
63

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

So gut wie alle verheirateten Frauen und Männer verbringen ihre Freizeit gemeinsam mit der Partnerin
oder dem Partner, ledige und geschiedene Männer aber deutlich häufiger mit einer Partnerin (einem
Partner) als Frauen in einer ähnlichen Situation.
Tabelle 7.1:

„Mit wem verbringen Sie Ihre Freizeit?“ - mit Partnerin/Partner
- ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent verheiratet

ledig

geschieden

verwitwet

Frauen

93

26

20

12

Männer

95

34

35

25

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

So geben mehr Männer (77 Prozent) als Frauen (62 Prozent) an, ihre Freizeit mit der Partnerin zu verbringen. Demgegenüber haben fast drei von vier Frauen (72 Prozent) in ihrer Freizeit Kontakt zu Kindern
und/oder Enkelkindern, unter den Männern sind es lediglich etwas mehr als die Hälfte (56 Prozent).
Kinder und Enkelkinder sind für ältere Befragte mit Migrationshintergrund häufiger Bezugspersonen in
ihrer Freizeit (70 Prozent) als für diejenigen ohne Migrationshintergrund (64 Prozent). Jeder Vierte mit
Migrationshintergrund verbringt die Freizeit mit Vereins- oder Clubmitgliedern (ohne Migrationshintergrund 18 Prozent) und sie sind - wenn auch auf niedrigem Level - in ihrer Freizeit fast dreimal häufiger in
ihrer Kirchengemeinde (8 Prozent) als die anderen Befragten (3 Prozent).
Abgesehen von den Hochbetagten verändern sich die Freizeitkontakte in den einzelnen Altersphasen
nur unwesentlich. Da bis zur Altersphase „fortgeschrittene Ältere“ der Anteil derer, die in Partnerschaft
leben, relativ konstant zwischen 60 Prozent und 70 Prozent liegt, bleibt das gemeinsame, partnerbezogene Freizeitverhalten ebenso bestimmend wie die ausgeprägten Freizeitkontakte zu den Kindern
und/oder Enkelkindern und die gemeinsame Freizeit mit Freundinnen und Freunden. Erst bei den Hochbetagten gehen diese Aktivitäten deutlich zurück. Der zunehmende Wegfall der Partnerin bzw. des Partners und die Verringerung des Freundeskreises, aber auch gesundheitliche Einschränkungen sind hier
bestimmend. Mit dem Alter steigt die Teilnahme an Veranstaltungen in Seniorenfreizeitstätten, bei den
Hochbetagten aber auch die Einsamkeit.
Tabelle 7.2:

Veränderung der Freizeitkontakte - nach Altersphasen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent Gesamt

künftige
Senioren

junge
Alte

fortgeschrittene Ältere

Hochbetagte

mit Partnerin/Partner

69

74

68

58

37

mit Kindern/Enkelkindern

65

69

60

61

56

mit persönlichen Freundinnen/Freunden

60

65

58

51

34

mit Bekannten/Nachbarinnen/Nachbarn

33

35

32

31

26

mit Vereins-/Clubmitgliedern

18

17

20

20

15

mit meinem Haustier

10

12

10

4

3

mit Zufallsbekannten

6

7

6

2

7

mit anderen Gästen von Seniorenveranstaltungen

5

0

7

13

21

mit Mitgliedern der Kirchengemeinde

3

3

3

6

16

17

16

10

allein

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

258

27

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Wie schon in 2010 festgestellt, verbringen auch mehr als ein Viertel der Hochbetagten ihre Freizeit allein. Das sind jedoch vor allem diejenigen dieser Altersphase, die ihren Gesundheitszustand als schlecht
oder sehr schlecht einschätzen.
Seniorenveranstaltungen als soziale Felder der Freizeitgestaltung werden mit zunehmendem Alter häufiger erwähnt. Befragte mit einer Pflegestufe kontaktieren mit 15 Prozent dreimal mehr diese Angebote
als der Durchschnitt der Älteren.
Menschen mit Behinderungen haben eine ähnliche Struktur der Freizeitkontakte, aber insbesondere in
den familiären Beziehungen und den Freizeitaktivitäten mit Freunden in geringerer Ausprägung.
Sie nehmen doppelt so häufig an Seniorenveranstaltungen teil. Jede/r Fünfte von ihnen verbringt die
Freizeit allein.
Abbildung 7.2:

Freizeitkontakte der Menschen mit Schwerbehinderungen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent 0

20

40

60
64

mit Partnerin/Partner
59

mit Kindern/Enkelkindern
51

mit persönlichen Freundinnen/Freunden

66
63

17
19

mit Vereins-/Clubmitgliedern
11
10

mit meinem Haustier
6
6

mit Zufallsbekannten

mit Mitgliedern der Kirchengemeinde

71

32
34

mit Bekannten/Nachbarinnen/Nachbarn

mit Gästen von Seniorenveranstaltungen

80

4
3
3

8

allein

15

20

schwerbehindert
nicht schwerbehindert

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Jede/r vierte Arbeitslose verbringt seine Freizeit allein, ein Indikator dafür, dass die mit der Arbeitslosigkeit einhergehende soziale (Selbst-)isolation bis in die Freizeitgestaltung greift.
Das Freizeitverhalten der älteren Menschen im Siedlungsgebiet wird bis auf die Freizeitgestaltung mit
anderen Gästen von Seniorenveranstaltungen und Zufallsbekannten durch intensivere soziale Kontakte
gekennzeichnet.

259

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 7.3:

Freizeitkontakte - nach Regionen - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent -

Mit …

Gesamt

Großsiedlung
MarzahnNord

MarzahnMitte

MarzahnSüd

Siedlungsgebiet

HellersdorfNord

HellersdorfOst

HellersdorfSüd

Biesdorf

Kaulsdorf

Mahlsdorf

Partnerin/Partner

72

63

68

64

53

44

67

85

82

84

Kindern/Enkelkindern

68

64

62

57

62

58

67

69

69

74

65

48

59

57

48

50

57

69

76

75

36

24

25

32

29

22

33

45

50

42

Vereins-/Clubmitgliedern

20

17

15

14

14

23

17

20

19

31

meinem Haustier

10

6

10

7

12

8

9

13

7

12

Zufallsbekannten

5

10

6

6

3

10

6

4

2

6

5

6

7

6

3

7

4

3

3

5

4

2

2

3

3

1

1

5

3

8

16

22

14

17

15

23

14

19

13

11

persönlichen Freundinnen/Freunden
Bekannten/Nachbarinnen/Nachbarn

anderen Gästen von
Seniorenveranstaltungen
Mitgliedern der Kirchengemeinde
allein

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

7.2

Freizeitinhalte

Die vorwiegenden Freizeitinhalte sind bestimmt von Aktivitäten mit der Familie und den notwendigen
Verrichtungen im Haushalt. Freunde und Bekannte zu besuchen ist für viele der älteren MarzahnHellersdorfer ein regelmäßiger Bestandteil der Freizeitgestaltung. Die Pflege von Freundschaften und
familiärer Kontakte wird auch durch gelegentliche Hilfeleistungen in der Freizeit befördert.
Neben kleingärtnerischer Betätigung nimmt die Beschäftigung mit dem eigenen Hobby einen hohen
Stellenwert ein. Auch Reisen - mehrtägige wie Tagesunternehmungen - sind häufiger genannte Freizeitinhalte.
Am unteren Ende der Skala von Freizeitaktivitäten liegen die politische Betätigung, aber auch Bildungsaktivitäten.
Die geringe Teilnahme an kirchlichen Treffen ergibt sich aus der eher niedrigen religiösen Bindung der
großen Mehrheit der älteren Bevölkerung im Bezirk.

260

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 7.3:

„Worauf konzentrieren sich derzeit Ihre Freizeitinhalte?“ - ab 50-Jährige insgesamt
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent - (nur Skalenwerte: „vorwiegend“ und
„ohne Antwort“)
0

mit der Familie etwas unternehmen
Hausarbeit/ Haushaltsführung
kleingärtnerische Beschäftigung
Reisen/Tagesreisen
Besuche bei Bekannten und Freunden
mein Hobby
auf Enkelkinder aufpassen
sportliche Betätigung (z.B. Walking)
Theater-/Konzertbesuche/Kino
Beschäftigung mit dem PC (Spiele, Internet)
eine Gaststätte aufsuchen
Ausruhen von jahrelanger Arbeit
bei Freunden und Verwandten helfen
Wandern
Vereinstätigkeit
Ausstellungen besuchen
Sportveranstaltungen besuchen
Ehrenamt
Unterhaltungsveranstaltungen besuchen
die Pflege von Angehörigen
Gesellschaftsspiele
tanzen gehen
an kirchlichen Treffen teilnehmen
Bildungsaktivitäten/ Volkshochschule u.a.
politische Betätigung
vorwiegend
auch

10

20

30

40

50

60

70

80

90

100

43
22
6
29
38
23
6
33
31
10
17
42
26
28
13
32
25
36
11
28
23
15
8
54
17
15
15
52
17
16
14
53
15
24
27
34
15
23
14
48
14
32
18
36
13
15
15
57
11
25
14
51
10
18
16
56
9
7
22
62
7
22
20
51
7
10
21
63
5 4
23
67
5
18
20
56
5 7
19
69
4 8
21
67
3 8
22
68
23
24
72
2 5
26
68
12
25
71
weniger
ohne Antwort

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Werden die Skalenwerte „vorwiegend“ und „auch“ aggregiert, ergibt sich ein etwas anderes Bild. Besuche bei Freunden und Bekannten (61 Prozent) werden dann nach den Familienunternehmungen
(65 Prozent) am häufigsten als Freizeitinhalte benannt.
Viele der Freizeitaktivitäten gewinnen mit steigendem Haushaltsnettoeinkommen an Gewicht.
Das betrifft zwar vor allem solche Inhalte, die ohne finanziellen Einsatz nicht oder nur in Ausnahmefällen
realisierbar sind, aber auch die, zu deren Umsetzung Sekundärausgaben notwendig sind, wie z.B. „Gastgeschenke“ bei Besuchen von Freunden, Wanderausrüstung, Sportgeräte und/oder Mitgliedsbeiträge in
Sportvereinen, aber u.U. auch Literatur und Arbeitsmaterialien für Bildungsaktivitäten (vgl. Tabelle 7.4).

261

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 7.4:

Freizeitinhalte in Abhängigkeit vom Haushaltseinkommen - ab 50-Jährige - MarzahnHellersdorf 2015 - in Prozent - (Skalenwerte: „vorwiegend“ und „auch“ aggregiert)
Gesamt

unter 1.000
Euro

1.000 b.u.
1.500 Euro

1.500 b.u.
2.000 Euro

2.000 b.u.
3.000 Euro

3.000 Euro
u. dar.

mit der Familie etwas unternehmen

65

44

59

72

82

86

Besuche bei Bekannten und Freunden

61

48

53

65

76

81

Reisen/Tagesreisen

55

23

45

64

80

79

eine Gaststätte aufsuchen

46

19

38

58

67

69

kleingärtnerische Beschäftigung

41

26

32

48

54

59

Theater-/Konzertbesuche/Kino

39

15

34

44

62

68

mein Hobby

38

30

38

40

44

46

sportliche Betätigung (z.B. Walking)

33

15

24

33

52

63

Ausstellungen besuchen

29

20

26

29

38

45

Wandern

28

17

27

28

39

39

Unterhaltungsveranstaltungen besuchen

23

16

21

26

34

35

Sportveranstaltungen besuchen

17

9

13

18

25

31

7

4

5

5

11

15

Bildungsaktivitäten/Volkshochschule

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Neben dem Einkommen bestimmen das Alter und die damit einhergehenden möglichen Mobilitätseinschränkungen die Freizeitinhalte.
Meist aber erst ab den Gruppen derer, die sich im fortgeschrittenen Seniorenalter (75 bis unter 85 Jahre) befinden oder hochbetagt sind.
Tabelle 7.5:

Freizeitinhalte in Abhängigkeit vom Alter - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent - (Skalenwerte: „vorwiegend“ und „auch“)
Gesamt

künftige
Senioren

junge
Alte

fortgeschrittene Ältere

Hochbetagte

mit der Familie etwas unternehmen

65

75

57

50

47

Besuche bei Bekannten und Freunden

61

70

56

45

40

Reisen/Tagesreisen

55

59

59

42

21

Theater-/Konzertbesuche/Kino

39

47

34

28

11

Beschäftigung mit dem PC (Spiele, Internet)

38

44

36

22

18

mein Hobby

38

44

38

24

14

bei Freunden und Verwandten helfen

36

45

28

25

4

sportliche Betätigung (z.B. Walking)

33

39

31

21

2

Ausstellungen besuchen

29

32

28

22

10

Wandern

28

31

31

22

3

Sportveranstaltungen besuchen

17

21

14

10

2

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

262

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Mit höherer Qualifikation gewinnen familiale Freizeitaktivitäten, Besuche von Freunden ebenso an Stellenwert wie das Reisen, aber auch Ausstellungsbesuche und die eigene sportliche Betätigung sowie jedoch auf einem geringen Niveau - auch Bildungsaktivitäten.
Dass mit steigender Qualifikation die kleingärtnerische Betätigung zunimmt, basiert auf dem deutlich
höheren Anteil von Hausbesitzern, die dann auch ihre Gärten und Vorgärten regelmäßig pflegen, und
nicht primär auf der Nutzung von Wochenendgrundstücken.
Abbildung 7.4:

Freizeitinhalt: „kleingärtnerische Betätigung“ - ab 50-Jährige insgesamt
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

100
19
80

35

50

6

64

20

60
24
40
20

20
7

55
34

29

23
0

ohne Antwort

6

7

weniger
auch
vorwiegend

0

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Arbeitslose bringen ihre auf dem Arbeitsmarkt nicht umsetzbaren Fähigkeiten häufiger als andere in
ehrenamtlicher Betätigung und bei Hilfe im Bekannten- und Verwandtenkreis ein, jedoch werden von
diesen Besuche bei Freunden deutlich seltener genannt. Das gilt auch für Unternehmungen mit der Familie.
Befragte in Partnerschaft mit Kindern sind ebenso wie Alleinerziehende (je ein Fünftel) häufiger als der
Durchschnitt der Älteren (16 Prozent) in Vereinen aktiv. Sie sind auch häufiger selbst sportlich aktiver als
die Befragten ohne Kinder im Haushalt.
Weder politische Betätigung noch die Teilnahme an kirchlichen Treffen sind für den größten Teil eine
vorwiegende Freizeitbeschäftigung. Diejenigen, die sich sehr stark für Politik im Allgemeinen und im
Bezirk interessieren, geben häufiger eine politische Betätigung als einen ihrer Freizeitinhalte an.
Tabelle 7.6:

Politische Betätigung in der Freizeit und politisches Interesse - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent - (nur Skalenwerte: „vorwiegend“ und „auch“)
Gesamt

sehr stark/stark

mittelmäßig/wenig

überhaupt nicht

allgemeines politisches Interesse

4

7

1

1

Interesse an der Politik im Bezirk

4

9

2

0

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

263

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Alleinerziehende geben 4-mal häufiger (44 Prozent) als der Durchschnitt der Älteren (11 Prozent) an, in
ihrer Freizeit vorwiegend oder auch tanzen zu gehen.
Mehr als die Hälfte treffen bezüglich eines eigenen Hobbies als einen möglichen Freizeitinhalt keine
Aussage.
Menschen mit Schwerbehinderungen geben hinsichtlich der Freizeitinhalte ähnliche Strukturen an wie
die Gesamtheit der Befragten, jedoch bei den Inhalten, die vorrangig an Mobilität gebunden sind, mit
geringerer Ausprägung.
Tabelle 7.7:

Freizeitinhalte - Gesamt und Menschen mit Schwerbehinderung - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent - (nur Skalenwerte: „vorwiegend“ und
„auch“)
Gesamt

Menschen mit Schwerbehinderung

mit der Familie etwas unternehmen

65

60

Besuche bei Bekannten und Freunden

61

51

Hausarbeit/Haushaltsführung

61

61

Reisen/Tagesreisen

55

41

eine Gaststätte aufsuchen

46

42

kleingärtnerische Beschäftigung

42

37

Theater-/Konzertbesuche/Kino

39

29

mein Hobby

38

33

Beschäftigung mit dem PC (Spiele, Internet)

38

34

bei Freunden und Verwandten helfen

35

26

sportliche Betätigung (z.B. Walking)

32

20

auf Enkelkinder aufpassen

32

29

Ausstellungen besuchen

28

27

Wandern

28

16

Ausruhen von jahrelanger Arbeit

28

30

Unterhaltungsveranstaltungen besuchen

23

21

Sportveranstaltungen besuchen

17

9

Vereinstätigkeit

16

15

die Pflege von Angehörigen

12

10

Gesellschaftsspiele

12

13

tanzen gehen

10

5

Ehrenamt

10

9

Bildungsaktivitäten/Volkshochschule u.a.

6

4

an kirchlichen Treffen teilnehmen

5

3

politische Betätigung

4

3

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die Freizeitinhalte der Menschen mit Migrationshintergrund sind vor allem dort gegenüber der Gesamtheit geringer als „vorwiegend“ und „auch“ benannt, wo diese mit Kosten verbunden sind.

264

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 7.5:

Freizeitinhalte - Gesamt und Menschen mit Migrationshintergrund - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent - (ausgewählte Indikatoren)
(nur Skalenwerte: „vorwiegend“ und „auch“)
0

10

20

30

mit der Familie etwas unternehmen

56

Besuche bei Bekannten und Freunden
Reisen/Tagesreisen

37

eine Gaststätte aufsuchen

29

Theater-/Konzertbesuche/Kino

29

Beschäftigung mit dem PC (Spiele, Internet)

Ausstellungen besuchen
Wandern
Ausruhen von jahrelanger Arbeit

20
18
19
20

50

60

70

65
61

46

25

kleingärtnerische Beschäftigung

sportliche Betätigung (z.B. Walking)

55
55

40

30
32

42
39
38

28
28
28

Gesamt
Menschen mit
Migrationshintergrund

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Dass der Anteil der älteren Menschen mit Migrationshintergrund, die in Vereinen tätig (21 Prozent) bzw.
ehrenamtlich tätig sind (18 Prozent), deutlich über dem Durchschnitt (16 Prozent bzw. 10 Prozent) liegt,
ist der methodischen Tatsache geschuldet, dass viele Teilnehmer an der Befragung über Vereine aus
dem Migrantenumfeld erreicht wurden.
7.3

Freizeitorte

Hinsichtlich der Freizeitaktivitäten, die eher an die Wohnung oder die Wohnungsnähe gebunden sind,
überwiegt die Nennung des Bezirkes als Freizeitort. Vor allem Theater- und Konzert- wie auch Kinobesuche, Unternehmungen mit der Familie, Wandern, Besuche bei Bekannten und Freunden, der Besuch von
Ausstellungen und Unterhaltungs- wie auch Sportveranstaltungen werden eher außerhalb des Bezirkes
wahrgenommen (vgl. Tabelle 7.8).

265

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 7.8:

Freizeitorte - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent - (nur Antworten
derer, die auch solche Freizeitinhalte angeben)
vor allem im Bezirk

vor allem außerhalb des Bezirkes

Freizeit: Beschäftigung mit dem PC (Spiele, Internet)

94

4

Freizeit: Hausarbeit/Haushaltsführung

93

4

Freizeit: Ausruhen von jahrelanger Arbeit

78

14

Freizeit: Gesellschaftsspiele

74

25

Freizeit: sportliche Betätigung (z.B. Walking)

69

21

Freizeit: mein Hobby

66

24

Freizeit: kleingärtnerische Beschäftigung

62

37

Freizeit: an kirchlichen Treffen teilnehmen

59

35

Freizeit: politische Betätigung

55

39

Freizeit: Ehrenamt

53

42

Freizeit: Bildungsaktivitäten/Volkshochschule u.a.

52

45

Freizeit: auf Enkelkinder aufpassen

52

42

Freizeit: Vereinstätigkeit

50

49

Freizeit: die Pflege von Angehörigen

49

49

Freizeit: eine Gaststätte aufsuchen

47

30

Freizeit: tanzen gehen

37

51

Freizeit: bei Freunden und Verwandten helfen

31

53

Freizeit: Theater-/Konzertbesuche/Kino

25

62

Freizeit: Unterhaltungsveranstaltungen besuchen

21

64

Freizeit: Besuche bei Bekannten und Freunden

20

55

Freizeit: Sportveranstaltungen besuchen

20

70

Freizeit: Wandern

17

68

Freizeit: mit der Familie etwas unternehmen

17

62

Freizeit: Ausstellungen besuchen

8

70

Freizeit: Reisen/Tagesreisen

2

94

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Mit zunehmendem Lebensalter nimmt der Anteil der Freizeittätigkeiten, die nicht im Bezirk hauptsächlich ausgeübt werden, ab.
Arbeitslose verbringen ihre Freizeit wesentlich häufiger vorrangig im Bezirk als die anderen Älteren.
Auch für Alleinerziehende und Menschen mit Migrationshintergrund sowie, etwas weniger häufig, für
Menschen mit Schwerbehinderung gilt diese Feststellung (vgl. Tabelle 7.9).

266

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 7.9:

Freizeitorte vorrangig im Bezirk - ausgewählte soziale Gruppen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent - (nur Antworten derer, die auch solche
Freizeitinhalte angeben)
Gesamt

fortgeschrittene Ältere

Hochbetagte

Arbeitslose

Alleinlebende

mit
Partnerin/Partner, mit
Kind/ern

Allein
erziehende

mit
Schwerbehinderung

mit
Migrationshintergrund

mein Hobby

66

75

0

80

63

47

64

71

61

politische Betätigung

55

68

84

39

53

50

0

66

70

Bildungsaktivitäten/VHS u.a.

52

81

0

41

42

34

100

55

58

Vereinstätigkeit

50

54

78

80

54

30

0

55

92

die Pflege von Angehörigen

49

93

0

56

45

40

54

53

61

eine Gaststätte aufsuchen

47

55

71

63

46

41

71

56

56

tanzen gehen

37

54

0

52

27

16

56

45

27

bei Freunden/Verwandten helfen

31

22

18

64

35

32

34

34

43

Theater-/Konzertbesuche/Kino

25

23

37

44

26

31

34

22

23

Unterhaltungsveranstaltungen

21

30

55

61

29

9

100

37

54

Besuche bei Bekannten/Freunden

20

26

19

49

26

10

38

24

26

Sportveranstaltungen besuchen

20

54

0

63

27

8

0

28

32

mit der Familie etwas unternehmen

17

25

59

45

23

5

31

31

25

Wandern

17

30

0

22

20

2

0

29

22

Ausstellungen besuchen

8

9

18

27

12

2

0

20

6

Reisen/Tagesreisen

2

4

0

16

3

0

23

6

7

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

7.4

Freizeitangebote in Marzahn-Hellersdorf und deren Bewertung

Freizeitinhalte im Bezirk werden von verschiedenen Organisationen angeboten. Am häufigsten, von
mehr als jeder/m Fünften genutzt werden Angebote der Stadtteilzentren und der Wohnungsunternehmen. Gering ist die Nutzung von Angeboten der Wohlfahrtsverbände, deren Inanspruchnahme nur jede/r Zwanzigste dokumentiert.
Die Hälfte der ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf (49 Prozent) nutzt kein einziges bezirkliches Angebot. Überdurchschnittlich häufig nutzen derartige Angebote Ältere mit Hochschul- bzw. Universitätsabschluss (58 Prozent), mehr als zwei Drittel der Menschen mit Migrationshintergrund (69 Prozent), fortgeschrittene Ältere (56 Prozent), Arbeitslose (63 Prozent) und drei Viertel der Alleinerziehenden
(74 Prozent).
Sie kommen häufiger aus Marzahn-Nord (60 Prozent) und Marzahn-Mitte (56 Prozent) sowie aus Hellersdorf-Ost (58 Prozent).
Bezogen auf die verschiedenen Freizeit- und Begegnungsangebote der unterschiedlichen Träger im Bezirk nutzen zwei Drittel bis vier Fünftel der älteren Marzahn-Hellersdorfer diese nicht. Die Nichtnutzung
ist in Hellersdorf-Süd mit zwei Dritteln am deutlichsten ausgeprägt.

267

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 7.6:

„Nutzen Sie Freizeit- und Begegnungsangebote im Bezirk Marzahn-Hellersdorf?“
- ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent 0

20

40

60

80

100

der Stadtteilzentren

5

17

65

13

der Wohnungsunternehmen

4

18

65

13

private Anbieter

4

von Nachbarschaftseinrichtungen

3

12

71

14

der Kirchengemeinde

3

9

75

13

der interkulturellen Vereine
anderer freier Träger

15

66

15

3 8

74

15

2

72

15

11

der Wohlfahrtsverbände 1 5

regelmäßig

80

selten

14

nie

ohne Antwort

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Insbesondere von Männern (54 Prozent), Befragte mit einem hohen Haushaltsnettoeinkommen von
4 Tsd. Euro und mehr (55 Prozent), Ältere, die mit Partnerin/Partner und Kind/ern im Haushalt leben
(56 Prozent), Menschen mit Behinderungen (55 Prozent) und diejenigen, die pflegebedürftig sind
(58 Prozent) werden derartige Angebote nicht wahrgenommen. Zwei Drittel derer aus Hellersdorf-Süd
nutzen solche Angebote nicht.
Abbildung 7.7:

Nutzen Sie Freizeit- und Begegnungsangebote im Bezirk Marzahn-Hellersdorf?
- ausgewählte soziale Gruppen - ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent - (Skalenwerte: „regelmäßig“ und „selten“)
0

5

10

25

30

34

18
20

28

26

14

21

38

26
25

13

anderer freier Träger

36
12

Kirchengemeinden

28
19

25

25

10

interkulturelle Vereine

28

37
5

arbeitslos

20

45

26

18

Nachbarschaftseinrichtungen

40

43

22

private Anbieter

35

34

30

Wohnungsunternehmen

Gesamt

20

22

Stadtteilzentren

Wohlfahrtsverbände

15

37

14
18
alleinerziehend

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

268

mit Migrationshintergrund

50

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Eine zum Teil deutlich überdurchschnittliche Nutzung derartiger Angebote erfolgt vor allem durch Menschen mit Migrationshintergrund, arbeitslose Ältere und Alleinerziehende.
Darüber hinaus ist feststellbar:


Eine Abhängigkeit vom Alter ist lediglich hinsichtlich der Nutzung privater Anbieter zu verzeichnen.
So nutzt fast ein Viertel (23 Prozent) der künftigen Senioren auch Angebote privater Anbieter, verringert sich dieser Anteil bei den jungen Alten auf 14 Prozent, um dann über 11 Prozent bei den
fortgeschrittenen Älteren auf 3 Prozent bei den Hochbetagten zurückzufallen.



Die Stadtteilzentren werden überdurchschnittlich genutzt in den Bezirksregionen Marzahn-Nord,
Hellersdorf-Nord und Hellersdorf-Ost.



Angebote der Wohnungsunternehmen finden überdurchschnittlich Anklang in den Bezirksregionen
Marzahn-Nord, Marzahn-Mitte, Marzahn-Süd sowie in Hellersdorf-Nord.



Private Angebote und solche der Kirchengemeinden finden häufiger Zuspruch in den Siedlungsgebieten Kaulsdorf und Mahlsdorf.



Veranstaltungen interkultureller Vereine werden von den Älteren in Marzahn-Nord und HellersdorfNord überdurchschnittlich besucht.



Angebote von Nachbarschaftseinrichtungen, der Wohlfahrtsverbände und anderer freier Träger
finden in Marzahn-Nord ein überdurchschnittliches Interesse.

Tabelle 7.10:

„Nutzen Sie Freizeit- und Begegnungsangebote im Bezirk Marzahn-Hellersdorf?“
- nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent - (Skalenwerte: „regelmäßig“ und „selten“)
Gesamt

MarzahnNord

MarzahnMitte

MarzahnSüd

HellersdorfNord

HellersdorfOst

HellersdorfSüd

Biesdorf

Kaulsdorf

Mahlsdorf

der Stadtteilzentren

22

31

20

22

28

33

17

21

21

14

der Wohnungsunternehmen

22

36

39

31

28

19

14

10

4

4

von privaten Anbietern

18

18

17

18

19

17

9

21

25

23

von Nachbarschaftseinrichtungen

14

24

18

13

19

15

9

12

15

10

der Kirchengemeinde

12

14

8

12

12

9

8

14

17

17

der interkulturellen Vereine

10

19

9

8

16

11

7

10

8

5

anderer freier Träger

13

18

11

13

15

17

10

15

12

12

5

12

4

6

8

1

3

4

2

4

der Wohlfahrtsverbände

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Mehr als die Hälfte der älteren Marzahn-Hellersdorfer nimmt an kulturellen Veranstaltungen bzw. Begegnungsangeboten teil.
Die Teilnahme an kulturellen Veranstaltungen oder Begegnungsangeboten im Bezirk hat sich für diejenigen, die überhaupt Veranstaltungen besuchen (58 Prozent), mehrheitlich gegenüber dem Jahr 2010
nicht verändert.

269

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 7.8:

Veränderung der Teilnahme an kulturellen Veranstaltungen oder Begegnungsangeboten im Bezirk Marzahn-Hellersdorf - ab 50-Jährige insgesamt
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent ohne
Antwort
11

häufiger als
vor 5 Jahren
13

seltener als
vor 5 Jahren
33

wie schon
vor 5 Jahren
43

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Unter denen, für die sich gegenüber 2010 Veränderungen in der Teilnahmeintensität ergeben haben,
überwiegen deutlich diejenigen, die in 2015 meinen, seltener als vor 5 Jahren derartige Angebote zu
nutzen (71 Prozent) gegenüber jenen, die jetzt häufiger diese Angebote nutzen (29 Prozent).
Von denen, die eindeutig geantwortet haben, sind es vor allem Alleinlebende und Hochbetagte, die
heute häufiger als vor 5 Jahren diese Angebote nutzen. Sie meinen andererseits auch häufiger als der
Durchschnitt, heute seltener Angebote zu besuchen.
Mit dem Alter nehmen Veränderungen im Besuch von kulturellen Veranstaltungen und die Nutzung von
Begegnungsangeboten zu. Mit sinkendem Haushaltsnettoeinkommen steigt der Anteil derer, die derartige Angebote seltener nutzen als vor fünf Jahren. Je höher das Haushaltsnettoeinkommen, umso größer
ist der Anteil derjenigen, die keine Veränderungen in der Nutzungsintensität anzeigen.
Tabelle 7.11:

Veränderung der Teilnahme an kulturellen Veranstaltungen oder Begegnungsangeboten im Bezirk Marzahn-Hellersdorf - nach Altersphasen und Einkommensgruppen
- ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent häufiger als vor 5 Jahren

seltener als vor 5 Jahren

wie schon vor 5 Jahren

Gesamt

15

37

48

künftige Senioren

12

33

55

junge Alte

20

38

42

fortgeschrittene Ältere

16

46

38

Hochbetagte

23

42

35

unter 1.000 Euro

18

48

34

1.000 - 1.999 Euro

18

44

38

2.000 - 2.999 Euro

13

32

54

3.000 - 3.999 Euro

14

29

57

6

17

78

4.000 Euro und mehr

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

270

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Häufiger als vor 5 Jahren werden diese Angebote überdurchschnittlich in den Bezirksregionen MarzahnNord, Hellersdorf-Ost und Kaulsdorf wahrgenommen, seltener in Marzahn-Mitte und Hellersdorf-Nord.
Wenige Veränderungen geben die Bewohnerinnen und Bewohner der Siedlungsgebiete an.
Tabelle 7.12:

Veränderung der Teilnahme an kulturellen Veranstaltungen oder Begegnungsangeboten im Bezirk Marzahn-Hellersdorf - nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige
insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent seltener als vor 5 Jahren

wie schon vor 5 Jahren

Gesamt

häufiger als vor 5 Jahren
15

37

48

Marzahn-Nord

22

40

37

Marzahn-Mitte
Marzahn-Süd
Hellersdorf-Nord

9

46

45

18

34

49

8

44

48

Hellersdorf-Ost

30

29

41

Hellersdorf-Süd

16

41

42

Biesdorf

13

35

52

Kaulsdorf

21

18

61

Mahlsdorf

11

31

57

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Eine jetzt häufigere Nutzung wird vor allem begründet mit der Möglichkeit, derartige Angebote jetzt mit
der Partnerin bzw. dem Partner nutzen zu können, mit einem größeren Freizeitvolumen und verbesserten Angeboten. Die seltenere Nutzung beruht neben den gesundheitlichen Einschränkungen auch auf
veränderten finanziellen Möglichkeiten.
Tabelle 7.13:

Ursachen für veränderte Teilnahme an kulturellen Veranstaltungen/Begegnungsangeboten im Bezirk Marzahn-Hellersdorf - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent - (nur Veranstaltungsteilnehmerinnen/-teilnehmer)

jetzt häufigere Teilnahme als vor 5 Jahren

jetzt seltenere Teilnahme als vor 5 Jahren

gehe mit meinem/r Partner/Partnerin

42

gesundheitliche Gründe

53

mehr Freizeit

29

wurde mir zu teuer

42

Angebote haben sich verbessert

26

Partner/Partnerin kommt nicht mehr mit

13

brauche mehr Abwechslung

23

Angebote haben sich verschlechtert

12

meine Freunde kommen jetzt mit

18

Freunde/Bekannte kommen nicht mehr mit

11

andere Bedürfnisse

11

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die häufigere Nutzung auf Grund der jetzt gegebenen Möglichkeiten, gemeinsam mit der Partnerin/dem
Partner die Freizeit auch bei diesen Veranstaltungen zu verbringen, wird wie zu erwarten vor allem von
denen überdurchschnittlich häufig genannt, die in Partnerschaft leben.
Der Aspekt, jetzt über mehr Freizeit zu verfügen, ist insbesondere für die jungen Alten, die erst seit kurzem im Ruhestand sind, von überdurchschnittlicher Bedeutung (42 Prozent) und nimmt aber auch mit
steigender Qualifikation zu.

271

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 7.9:

„Mehr Freizeit“ als Ursache für häufigere Teilnahme an kulturellen
Veranstaltungen/Begegnungsangeboten im Bezirk Marzahn-Hellersdorf
- nach Qualifikation - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent (nur Veranstaltungsteilnehmerinnen/-teilnehmer)

40

30

20

36
29

30

29

10
9
0

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Mehr benötigte Abwechslung ist vor allem ein Grund für die jetzt häufigere Teilnahme gegenüber 2010
für Menschen mit geringem Haushaltsnettoeinkommen von unter 1.000 Euro (37 Prozent), für
1-Personen-Haushalte (36 Prozent) respektive Alleinlebende (32 Prozent), aber auch für diejenigen mit
Kindern im Haushalt (Paare: 35 Prozent, Alleinerziehende: 71 Prozent).
Verbesserte Angebote nennen Menschen mit Migrationshintergrund (36 Prozent), aber auch die Älteren
mit höheren Haushaltsnettoeinkommen (zwischen 3 und 4 Tsd. Euro: 43 Prozent, mehr als 4 Tsd. Euro:
34 Prozent). Die Begleitung von Freunden ist besonders für Geringqualifizierte von Bedeutung (36 Prozent).
Eine Verbesserung der Angebote wird vor allem in den Bezirksregionen Marzahn-Nord, Kaulsdorf und
Biesdorf hervorgehoben, mehr Freizeit wird als Begründung überdurchschnittlich oft genannt in den
Bezirksregionen Marzahn-Mitte und Marzahn-Süd sowie in Hellersdorf-Süd und Biesdorf.
Mehr Abwechslung benennen überdurchschnittlich oft die Älteren aus Marzahn-Mitte, die Begleitung
durch Freunde wird in Kaulsdorf und Mahlsdorf hervorgehoben.
Die jetzt mögliche Begleitung durch die Partnerin bzw. den Partner nennen oft Befragte aus HellersdorfNord und Hellersdorf-Süd sowie aus Mahlsdorf.

272

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 7.14:

Ursachen für häufigere Teilnahme an kulturellen Veranstaltungen/Begegnungsangeboten im Bezirk Marzahn-Hellersdorf - nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent (nur Veranstaltungsteilnehmerinnen/-teilnehmer)
Begleitung durch
Partnerin/Partner

Angebote
verbessert

mehr
Freizeit

mehr
Abwechslung

Begleitung von
Freunden

Gesamt

42

26

29

23

18

Marzahn-Nord

40

47

17

16

15

Marzahn-Mitte

44

26

34

38

17

Marzahn-Süd

35

22

41

24

14

Hellersdorf-Nord

59

21

20

19

11

Hellersdorf-Ost

9

7

9

29

12

Hellersdorf-Süd

48

17

38

19

3

Biesdorf

46

17

43

24

18

Kaulsdorf

39

34

28

13

29

Mahlsdorf

50

34

22

19

36

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Gesundheitliche Gründe für eine jetzt seltenere Nutzung von kulturellen Veranstaltungen und Begegnungsangeboten werden häufiger in Hellersdorf-Nord und Hellersdorf-Süd genannt, vielen Älteren aus
Hellersdorf-Nord, aber auch aus Marzahn-Mitte und Kaulsdorf sind die Angebote zu teuer geworden.
Letztere sehen auch häufiger als der Durchschnitt Verschlechterungen in den Angeboten. Ein Wandel
von Bedürfnisstrukturen wird in Biesdorf öfter als Ursache für seltenere Teilnahmen genannt.
In Hellersdorf-Ost und in Kaulsdorf sind häufiger fehlende Begleitung durch Freunde Ursachen, in Marzahn-Nord ist dies die fehlende Gemeinsamkeit mit der Partnerin bzw. dem Partner bei der entsprechenden Freizeitgestaltung.
Tabelle 7.15:

Ursachen für seltenere Teilnahme an kulturellen Veranstaltungen/Begegnungsangeboten im Bezirk Marzahn-Hellersdorf - nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent (nur Veranstaltungsteilnehmerinnen/-teilnehmer)
gesundheitliche
Gründe

zu
teuer

Partnerin/
Partner
kommt nicht
mehr mit

Angebot verschlechtert

andere Bedürfnisse

Freunde kommen nicht
mehr mit

Gesamt

53

42

13

12

11

11

Marzahn-Nord

55

45

20

12

11

9

Marzahn-Mitte

43

54

8

16

10

10

Marzahn-Süd

53

35

18

9

15

12

Hellersdorf-Nord

65

56

7

11

4

14

Hellersdorf-Ost

47

43

5

13

10

19

Hellersdorf-Süd

63

28

11

15

9

13

Biesdorf

49

32

13

9

20

3

Kaulsdorf

34

49

15

24

3

23

Mahlsdorf

45

31

20

10

17

8

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

273

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Die Qualität von Freizeitangeboten und Veranstaltungen im Bezirk wird von den Älteren daran gemessen, ob sie ihren Interessen entsprechen, eine niveauvolle Unterhaltung bieten und gut erreichbar sind.
Abbildung 7.10:

„Was ist Ihnen an Freizeitangeboten/-veranstaltungen im Bezirk wichtig?“
- ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

es muss meinen Interessen entsprechen

71

niveauvolle Unterhaltung

69

gute Erreichbarkeit

9

61

15

niedrige Preise

40

28

14

Geselligkeit

40

29

10

nicht allein sein

22

Bekanntschaften schließen

27

12
0

wichtig

9

weniger wichtig

17

8

16
18
21
24

31
40
unwichtig

60

15

5

27

33
20

5

24
80

100

ohne Antwort

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Mit steigender Qualifikation und höherem Einkommen wächst der Anspruch an interessenkonforme und
niveauvolle Angebote. Gleiches gilt, je jünger die Befragten sind. Für die Marzahn-Hellersdorfer mit
Migrationshintergrund sind diese Aspekte weniger wichtig.
Eine gute Erreichbarkeit spielt für Frauen eine wesentlich größere Rolle als für Männer, wohl vor allem
resultierend aus der Tatsache, dass nur ein Drittel der befragten Frauen aktive Autofahrerinnen sind,
aber fast drei Viertel der Männer Auto fahren. Die Erreichbarkeit ist aber darüber hinaus auch einkommensabhängig.
Geselligkeit nimmt für Befragte mit einem geringen Haushaltsnettoeinkommen, aber auch für diejenigen, die mit Kindern im Haushalt leben, einen vorrangigen Stellenwert in der Bewertung von Freizeitangeboten ein.
Niedrigere Preise von Freizeitangeboten sind für die Befragten mit Migrationshintergrund und für diejenigen mit einem geringeren Einkommen ebenso von Bedeutung wie für Arbeitslose.
Alleinlebenden und Alleinerziehenden, aber auch Frauen ist das „nicht allein sein“ bei der Freizeitgestaltung wichtig. Alleinerziehende wollen ihre Freizeit auch nutzen, um Bekanntschaften zu schließen. Beides gilt auch für Arbeitslose.

274

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 7.16:

„Was ist Ihnen an Freizeitangeboten/-veranstaltungen im Bezirk wichtig?“
- ausgewählte soziale Gruppen - ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent - (nur Skalenwert: „wichtig“)
Interessen
entsprechend

niveauvolle Unterhaltung

gute Erreichbarkeit

niedrige
Preise

Geselligkeit

nicht
allein
sein

Bekanntschaften
schließen

Gesamt

71

69

61

40

40

22

12

Frauen

71

72

68

43

43

27

13

Männer

71

65

54

37

36

17

11

mit Migrationshintergrund

65

44

63

50

34

24

15

künftige Senioren: 50-65 J.

78

75

62

39

40

21

13

junge Alte: 65-75 J.

68

66

61

45

42

22

11

fortgeschrittene Ältere: 75-85 J.

60

58

65

42

38

27

12

Hochbetagte: 85 J. u.älter

47

37

41

18

29

27

9

ohne Abschluss

56

48

59

58

54

40

26

Lehre/Teilausbildung
Fachhochschule/Meister/
Techniker
Hochschule/Universität

69

65

64

44

42

23

12

77

78

63

38

41

23

12

82

81

55

25

27

13

7

unter 1.000 Euro

57

54

69

62

46

38

21

1.000 - 1.999 Euro

72

64

68

52

40

26

13

2.000 - 2.999 Euro

74

74

67

40

42

19

8

3.000 - 3.999 Euro

81

86

52

19

36

13

7

4.000 Euro und mehr

83

89

43

11

27

8

6

mit Partner/in, ohne Kind/er

73

73

61

36

38

17

9

alleinlebend

65

60

62

46

41

32

17

mit Partner/in, mit Kind/ern

84

74

63

44

49

16

12

alleinerziehend

77

81

76

68

41

46

35

arbeitslos

68

58

65

63

41

30

27

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Häufiger als andere erwarten die Älteren aus Kaulsdorf Angebote, die den eigenen Interessen nahe
kommen und eine niveauvolle Unterhaltung bieten. Eine gute Erreichbarkeit ist vor allem für viele Einwohnerinnen und Einwohner der Großsiedlung wichtig, lediglich diejenigen aus Marzahn-Süd bewerten
dieses geringer.
Ähnliches gilt für eine angemessene Preisstruktur, auch hier unterscheiden sich die Erwartungen der
Einwohnerinnen und Einwohner aus den Bezirksregionen der Großsiedlung bis auf Marzahn-Süd deutlich von denen des Siedlungsgebietes.
„Nicht allein sein“ und die Möglichkeit, Bekanntschaften zu schließen, ist in Hellersdorf-Nord und Hellersdorf-Ost überdurchschnittlich in der Erwartungsskala vertreten, auch Geselligkeit wird häufiger in
Hellersdorf-Nord erwartet, das „nicht allein sein“ ist auch für Ältere aus Marzahn-Nord überdurchschnittlich wichtig.

275

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 7.17:

„Was ist Ihnen an Freizeitangeboten/-veranstaltungen im Bezirk wichtig?“
- nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent - (nur Skalenwert: „wichtig“)
Interessen
entsprechend

niveauvolle
Unterhaltung

gute Erreichbarkeit

niedrige
Preise

Geselligkeit

nicht
allein
sein

Bekanntschaften
schließen

Gesamt

71

69

61

40

40

22

12

Marzahn-Nord

71

67

63

44

41

30

16

Marzahn-Mitte

69

71

69

49

41

23

10

Marzahn-Süd

63

63

55

33

36

18

10

Hellersdorf-Nord

74

61

70

58

49

34

19

Hellersdorf-Ost

75

68

67

47

41

36

19

Hellersdorf-Süd

71

66

72

54

40

21

11

Biesdorf

75

71

48

20

38

11

7

Kaulsdorf

78

85

54

28

37

17

7

Mahlsdorf

73

71

55

28

37

18

12

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Im Vergleich mit den Jahren 2010, 2005 und 2000 hat sich an der Rangigkeit der Freizeitnormen und
-werte nichts verändert, lediglich die Stärke der Beschreibung mit der Formel „wichtig“ variiert. Dieses
begründet sich aus der Tatsache, dass in 2015 der Anteil derer, die mit „unwichtig“ antworteten bzw.
keine Antwort abgaben, z.T. deutlich über denen aus den vergangenen Jahren lagen.
Abbildung 7.11:

90

„Was ist Ihnen an Freizeitangeboten/-veranstaltungen im Bezirk wichtig?“
- ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2000, 2005, 2010, 2015
- in Prozent -

80

79

80

73

68

70
60

52

50

50
40
30

71

79

69

61

54

49

47
31

70

20

40

40

22

0

2010

2005

2000

* in 2005 und 2000 nicht erfragt
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2000, 2005, 2010, 2015 (gew.)

276

18

17

44

10

2015

30

55
29
12

19

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

7.5

Freizeitmanagement und Freizeitkosten

Eine sinnvolle und bedürfnisgerechte eigene Freizeitgestaltung bedarf bei allen, mit zunehmendem Alter
wachsenden, zeitlichen Freiräumen neben gelebter Spontanität auch oft einer bewussten Planung der
Inhalte der Freizeitgestaltung.
Vier Fünfteln aller Älteren im Bezirk ist es wichtig, ihre Freizeit überwiegend selbst zu planen. Die Hälfte
will darüber hinaus auch selbst aktiv die Freizeitinhalte mitgestalten.
Für ein Drittel sind die Vorschläge der Partnerin oder des Partners bestimmend. Das eher passive Geschehenlassen wird seltener als voll zutreffend benannt.
Abbildung 7.12:

„Wie organisieren Sie Ihre Freizeit außer Haus?“ - ab 50-Jährige insgesamt
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

organisiere meine Freizeit überwiegend selbst

80

will selbst aktiv etwas unternehmen, gestalten

47

richte mich meist nach Vorschlägen meines
Partners/meiner Partnerin

weniger zu

28

25

Hauptsache ich erlebe etwas, egal ob selbst organisiert
oder Veranstaltung

trifft voll zu

18

35

gehe am liebsten dorthin, wo mir etwas geboten wird

richte mich meist nach Vorschlägen von
Freundinnen/Freunden

10 2 8

28

21

20

12

26

nicht zu

19

weiß nicht

28

13

2

10 2

23

12 1

24

3

5

25

26

47

ohne Antwort

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Diejenigen, die mit einer Schwerbehinderung leben, unterscheiden sich in ihrer Freizeitorganisation nur
hinsichtlich der eigenen etwas geringeren Gestaltungsmöglichkeiten von den anderen Älteren im Bezirk.
Menschen mit Migrationshintergrund beantworten die Frage nach der Planung und Organisation der
Freizeit zwar in ähnlicher Abstufung, aber mit z.T. deutlich geringerer Ausprägung. Obwohl auch bei
ihnen die Selbstorganisation dominiert, hat die Orientierung an Fremdbestimmung ein höheres Gewicht.
Mit höherer Qualifikation nehmen die Selbstorganisiertheit und das Interesse an eigener aktiver Mitgestaltung an Bedeutung noch zu. Arbeitslose benennen deutlich weniger die selbstbestimmte Freizeitgestaltung und die eigene Mitgestaltung, auch ist ihnen der Wunsch der Partnerin bzw. des Partners weniger bedeutsam für die Entscheidung zur Freizeitgestaltung. Letzteres spielt erwartungsgemäß für diejenigen in Partnerschaft eine deutlich größere Rolle. Männer richten sich häufiger nach den Wünschen
ihrer Partnerin als Frauen nach ihrem Partner. Alleinlebenden ist das Erlebnis selbst häufiger wichtig als
den anderen Älteren.

277

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 7.18:

„Wie organisieren Sie Ihre Freizeit außer Haus?“ - ab 50-Jährige insgesamt
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent - (nur Skalenwert: „trifft voll zu“)
organisiere
meine Freizeit überwiegend
selbst

will selbst
aktiv etwas
unternehmen, gestalten

richte mich
meist nach
Vorschlägen
meines
Partners/
meiner
Partnerin

gehe am
liebsten
dorthin, wo
mir etwas
geboten
wird

Hauptsache
ich erlebe
etwas, egal
ob selbst
organisiert
oder Veranstaltung

richte mich
meist nach
Vorschlägen
von Freundinnen/
Freunden

Gesamt

80

47

35

25

21

12

Frauen

80

47

28

25

22

13

Männer

81

47

42

24

19

11

mit Migrationshintergrund

64

31

26

9

21

16

ohne Migrationshintergrund

81

48

35

26

21

12

ohne Abschluss

66

27

17

25

22

8

Lehre/Teilausbildung

79

42

37

25

22

11

Fachhochschule/Meister/Techniker

86

53

38

28

20

15

Hochschule/Universität

88

66

36

20

18

13

arbeitslos

68

34

21

17

22

10

mit Partner/in, ohne Kind/er

80

48

49

23

18

11

alleinlebend

81

41

9

27

24

12

mit Partner/in, mit Kind/ern

81

61

43

29

18

19

alleinerziehend

80

74

11

11

37

13

schwerbehindert

74

42

32

26

20

10

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Mit dem Alter nehmen insbesondere die Selbstorganisation und der Mitgestaltungswunsch in ihrer Intensität ab, obwohl zwar der Anteil derer, die ihre Freizeit vor allem selbst organisieren wollen, unter
den jungen Alten nach dem Ausscheiden aus der Erwerbsarbeit nochmals leicht ansteigt.
Hochaltrige verbringen zunehmend weniger Freizeit außerhalb ihrer Häuslichkeit. Entsprechend nimmt
auch bei den anderen Kategorien die Besetzung des Skalenwertes „trifft voll zu“ deutlich ab (vgl. Abbildung 7.13).

278

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 7.13:

„Wie organisieren Sie Ihre Freizeit außer Haus?“ - nach Altersphasen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent 0

20

40

53
30

49

34

33
11
25

gehe am liebsten dorthin, wo mir etwas
geboten wird

26

23

18

22

Hauptsache ich erlebe etwas,
egal ob selbst organisiert oder Veranstaltung

18
13
10

68

28

37
richte mich meist nach Vorschlägen meines/r Partners/in

100

84

74

will selbst aktiv etwas unternehmen, gestalten

künftige Senioren

80

81

organisiere meine Freizeit überwiegend
selbst

richte mich meist nach Vorschlägen von Freundinnen/
Freunden

60

21
12
12

6

junge Alte

fortgeschrittene Ältere

Hochbetagte

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Hinsichtlich der Bezirksregionen sind nur sehr wenige Differenzierungen ersichtlich. In der Bezirksregion
Marzahn-Mitte sowie in Biesdorf und Kaulsdorf dominiert noch deutlicher die Selbstbestimmtheit. Das
aktive Mitgestalten wird überdurchschnittlich in den drei Regionen des Siedlungsgebietes deutlich.
Tabelle 7.19:

„Wie organisieren Sie Ihre Freizeit außer Haus?“ - nach Bezirksregionen
- ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent (nur Skalenwert: „trifft voll zu“)
organisiere
meine Freizeit
überwiegend
selbst

will selbst aktiv
etwas unternehmen, gestalten

richte mich
meist nach
Vorschlägen
meines Partners/meiner
Partnerin

gehe am
liebsten
dorthin, wo
mir etwas
geboten wird

Hauptsache ich
erlebe etwas,
egal ob selbst
organisiert
oder Veranstaltung

richte mich
meist nach
Vorschlägen
von Freundinnen/Freunden

Gesamt

80

47

35

25

21

12

Marzahn-Nord

74

44

38

28

22

12

Marzahn-Mitte

88

44

37

29

19

10

Marzahn-Süd

79

40

30

21

19

9

Hellersdorf-Nord

69

37

27

26

26

16

Hellersdorf-Ost

76

38

24

20

21

11

Hellersdorf-Süd

76

42

37

27

19

8

Biesdorf

87

52

34

19

19

13

Kaulsdorf

91

62

43

23

23

15

Mahlsdorf

82

66

41

25

22

17

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

279

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Die Freizeitgestaltung ist oft mit einem finanziellen Aufwand verbunden. Sowohl der Wandel in den
Inhalten der Freizeitgestaltung als auch der Wegfall von kostenfreien Angeboten und veränderte Preisstrukturen bewirken eine deutliche Verschiebung der finanziellen Aufwendungen für die Freizeitaktivitäten. Während noch vor 10 Jahren jede/r Dritte der Befragten angab, ohne zusätzliche finanzielle Mittel
seine/ihre Freizeit gestalten zu können, sind dies im Jahr 2015 nur noch 12 von 100 der Älteren.
Abbildung 7.14:

10
4
7
10
17

Höhe der monatlichen finanziellen Aufwendungen für die Freizeit - ab 50-Jährige
insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2005, 2010, 2015 - in Prozent 6

5
10

12

13

14

15

15

ohne Antwort
mehr als 100 Euro
76 - 100 Euro

21

26

22

51 - 75 Euro
26 - 50 Euro

17

20

nichts

31

2005

bis 25 Euro

14

12

2010

2015

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2005, 2010, 2015 (gew.)

Die Ausgabenstrukturen haben sich in den letzten 10 Jahren sichtlich verändert. In den letzten 5 Jahren
verlangsamte sich diese Entwicklung.
Der Anteil derer, die nichts für ihre Freizeitgestaltung ausgeben, hat sich zwischen 2005 und 2015 deutlich verringert und beträgt heute weniger als die Hälfte im Vergleich zu 2005.
Gaben 2005 nur 4 Prozent der Befragten mehr als 100 Euro für Ihre Freizeitgestaltung aus, verdreifachte
sich dieser Anteil bis 2015. Auch der Anteil jener, die zwischen 76 und 100 Euro monatlich für ihre Freizeitinteressen ausgeben, verdoppelte sich.
Die Ausgabenveränderung betrifft alle Einkommensgruppen gleichermaßen.

280

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 7.20:

Höhe der monatlichen finanziellen Aufwendungen für die Freizeit - nach Haushaltsnettoeinkommensgruppen - ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2010 und
2015 - in Prozent -

Euro

unter 1.000

1.000 bis unter 1.500

1.500 bis unter 2.500

2.500 bis unter 3.500

3.500 und mehr

nichts

bis 25
Euro

26 bis 50
Euro

2010

33

30

20

9

3

1

4

2015

21

42

16

9

2

3

7

2010

22

19

29

12

9

2

7

2015

16

24

29

13

7

5

6

2010

11

19

29

17

12

8

4

2015

12

19

23

18

14

9

5

2010

2

8

29

21

21

17

2

2015

5

11

27

18

22

16

2

2010

3

3

16

18

28

29

3

2015

2

7

15

14

25

36

1

51 bis 75
Euro

76 bis 100
Euro

mehr als
100 Euro

ohne
Antwort

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2010, 2015 (gew.)

Jede/r Vierte der Menschen mit Migrationshintergrund (21 Prozent) gibt an, keine finanziellen Mittel für
seine Freizeitgestaltung einzusetzen. Das betrifft auch mehr als ein Viertel der Arbeitslosen und der Alleinerziehenden (je 27 Prozent).
Die älteren Einwohnerinnen und Einwohner des Siedlungsgebietes können anteilmäßig mehr finanzielle
Mittel für ihre Freizeitgestaltung einsetzen als die älteren der Großsiedlung. Jede/r Fünfte aus MarzahnSüd gibt an, seine Freizeit ohne eigene finanzielle Mittel zu bestreiten (müssen).
In Marzahn-Mitte und Hellersdorf-Ost sind es mehr als ein Viertel, die monatlich (nur) 25 Euro für ihre
Freizeitgestaltung einsetzen.
Tabelle 7.21:

Höhe der monatlichen finanziellen Aufwendungen für die Freizeit - nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent bis 25
Euro

26 bis 50
Euro

51 bis 75
Euro

76 bis 99
Euro

100 Euro
oder mehr

nichts

Gesamt

20

22

15

14

12

12

6

Marzahn-Nord

24

22

11

16

9

14

5

Marzahn-Mitte

29

22

13

11

8

9

8

Marzahn-Süd

16

23

15

12

9

20

5

Hellersdorf-Nord

23

22

16

8

12

16

3

Hellersdorf-Ost

26

20

11

12

9

16

7

Hellersdorf-Süd

17

18

19

14

10

10

11

Biesdorf

16

23

20

14

14

8

4

Kaulsdorf

13

22

17

21

18

5

4

Mahlsdorf

12

25

13

19

18

9

4

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

281

ohne
Antwort

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

7.6

Generationsübergreifende und interkulturelle Freizeitaktivitäten

Neben den an spezifischen Interessen von Senioren orientierten Angeboten gibt es in MarzahnHellersdorf weitere Freizeit- und Veranstaltungsangebote, die generationenübergreifend Bürgerinnen
und Bürger aller Altersgruppen ansprechen. Eine Nutzung derartiger Angebote wird von fast der Hälfte
der ab 50-Jährigen bejaht. Insgesamt 46 Prozent der Befragten sprachen sich für generationenübergreifende Freizeitgestaltung mit anderen Gruppen aus, das sind jedoch 10 Prozent weniger als noch vor
5 Jahren.
Frauen sind hier aufgeschlossener und interessierter (51 Prozent) als Männer (40 Prozent). Unter den
Nichtnutzern dominieren darüber hinaus diejenigen ohne Abschluss (60 Prozent) und zwei Drittel der
Älteren aus Hellersdorf-Süd.
Fast zwei Drittel der Menschen mit Migrationshintergrund (62 Prozent) nutzen eine oder mehrere dieser
Veranstaltungsangebote.
Am häufigsten wird die Teilnahme an Veranstaltungen genannt, bei denen andere Ältere getroffen werden. Dann folgen die Veranstaltungen mit Menschen im Erwerbsalter und mit Kindern.
Geringer wird die Teilnahme an gemeinsamen Angeboten mit Menschen mit Behinderungen, jungen
Familien und Migrantinnen/Migranten bzw. Flüchtlingen genannt.
Zu berücksichtigen ist, dass die Befragung vor Beginn der großen Flüchtlingszahlen und der Polarisierung
der Haltungen zu diesen Menschen in unserem Land stattfand.
Abbildung 7.15:

Teilnahme an Veranstaltungen und Freizeitangeboten im Bezirk, die sich auch an
folgende Zielgruppen wenden ... - ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf
2015 - in Prozent -

100%
25
80%

32

27

46

52

33

34

35

57

57

58

10

9

7

Menschen mit
Behinderungen

junge
Familien

Migranten/
Flüchtlinge

60%
52
40%
20%
23

22

21

0%
Seniorinnen/
Senioren

Erwachsene im
Erwerbsalter

Kinder

ja

nein

ohne Antwort

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Insbesondere für Alleinerziehende und Arbeitslose sind derartige Angebote wichtig, um die z.T. eingeschränkten sozialen Kontakte aufzubrechen.

282

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Menschen mit Migrationshintergrund sind vor allem an Veranstaltungen mit Gleichgesinnten interessiert, aber auch an Angeboten, die sie mit (ihren) Kindern nutzen können.
Veranstaltungen für Ältere sind überdurchschnittlich für Befragte aus Marzahn-Mitte interessant. Angebote, bei denen auch Erwerbstätige die Zielgruppe bilden, werden häufiger genannt in Marzahn-Nord,
Hellersdorf-Ost sowie in Biesdorf und Kaulsdorf. Ebenfalls in Kaulsdorf wird ein höheres Interesse an
Veranstaltungen mit Kindern dokumentiert. Veranstaltungen mit Menschen mit Behinderungen erhalten in Hellersdorf-Ost und Angebote mit Migranten bzw. Flüchtlingen in Hellersdorf-Nord stärkeren
Zuspruch.
Tabelle 7.22:

Teilnahme an Veranstaltungen und Freizeitangeboten im Bezirk, die sich auch an
folgende Zielgruppen wenden ... - ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf
2015 - in Prozent Seniorinnen/
Senioren

Erwachsene
im
Erwerbsalter

Kinder

Menschen
mit Behinderungen

junge
Familien

Migranten/
Flüchtlinge

Gesamt

23

22

21

10

9

7

mit Migrationshintergrund

22

23

26

14

8

33

ohne Migrationshintergrund

23

22

21

10

9

5

arbeitslos

26

34

37

15

19

30

alleinerziehend

34

39

37

15

20

33

Marzahn-Nord

21

27

23

9

9

10

Marzahn-Mitte

30

19

22

11

11

7

Marzahn-Süd

24

17

17

6

6

7

Hellersdorf-Nord

29

25

27

15

12

17

Hellersdorf-Ost

26

29

11

19

5

4

Hellersdorf-Süd

18

13

19

7

7

6

Biesdorf

20

27

21

9

9

3

Kaulsdorf

16

35

27

10

10

5

Mahlsdorf

18

21

20

8

8

3

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Mit zunehmendem Alter gewinnen Veranstaltungen für Ältere an Gewicht, während alle anderen generationsübergreifenden und interkulturellen Angebote an Zuspruch verlieren. So nimmt die Teilnahme an
Angeboten mit Erwerbstätigen mit dem Ausscheiden aus der Erwerbstätigkeit deutlich ab.
Unter den Hochbetagten steigt dann nochmals das Interesse an Veranstaltungen, die sich an Menschen
mit Behinderungen richten.

283

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 7.16:

Teilnahme an Veranstaltungen und Freizeitangeboten im Bezirk, die sich auch an
folgende Zielgruppen wenden ... - nach Altersphasen - ab 50-Jährige insgesamt
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent

50
44

45
40
35
28

30
25

19

20

37

15

34

14

12

27

10
5

15
6

3

10 3

14

6

5

14 4
4

1

2

9

3
3

0
Seniorinnen/
Senioren

Erwachsene im
Erwerbsalter

künftige Senioren

Kinder

junge Alte

Menschen mit
Behinderungen
fortgeschrittene Ältere

junge
Familien

Migranten/
Flüchtlinge

Hochbetagte

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

7.7

Informationsquellen über Freizeit- und Veranstaltungsangebote im Bezirk

Mit 12 Prozent sind es nur einige Wenige, die sich nicht über Freizeitangebote im Bezirk informieren, es
ist vor allem jeder fünfte Befragte ohne beruflichen Abschluss.
Als wichtigste Informationsquelle über Freizeit- und Veranstaltungsangebote werden von den Älteren
die kostenlosen Wochenzeitungen benannt. Eine wichtige Rolle spielen daneben die verschiedenen
Formen von visueller Werbung wie Handzettel, Prospekte und Plakate und auch andere Zeitungen.
Mehr als ein Viertel der Älteren informieren sich über das Internet. Freunde und Bekannte fungieren als
Informationsquellen über Freizeitangebote noch vor den Familienangehörigen.
Kaum genutzt als Informationsquellen werden demgegenüber die Zeitschriften „Spätlese“ und das „Bezirkliche RatgeberJournal für Menschen ab 55“ sowie Bürgerämter und Begegnungsstätten.

284

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 7.17:

Wie informieren Sie sich über Freizeit- und Veranstaltungsangebote im Bezirk
Marzahn-Hellersdorf? - ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent 0

10

20

30

durch kostenlose Wochenzeitung(en)

60

70

47

durch andere Zeitung(en)

40

durch Fernsehen und Rundfunk

34

über das Internet

29

durch Freunde/Nachbarn

28

durch Familienangehörige

17

durch das Bezirkliche RatgeberJournal für…

12

durch Bürgerämter des Bezirksamtes

8

durch Begegnungsstätten

7

überhaupt nicht

50

66

durch Prospekte/Handzettel/Plakate

durch Zeitschrift Spätlese

40

4

12

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Es sind nur einige wenige Differenzierungen erkennbar.
Differenzierungen nach Bezirksregionen sind nur marginal. Männer und Frauen informieren sich in ähnlichen Strukturen.
Informationsangebote nicht kostenloser Zeitungen werden mit steigender Qualifikation häufiger wahrgenommen, gleiches gilt für das Internet als Informationsmedium.
Die Menschen mit Migrationshintergrund informieren sich vor allem über den Austausch mit Freunden
und Bekannten, das betrifft ebenso die Befragten mit Kindern im Haushalt. Paare mit Kindern nennen
auch häufiger als andere weitere Familienmitglieder als Informationsquelle.
Kostenlose Wochenzeitungen und Prospekte sind vor allem für Alleinerziehende ein überdurchschnittlich häufig genutztes Informationsmittel.
Mit zunehmendem Alter sinken sowohl die Bedeutung von Prospekten und ähnlichem als auch das
Internet als Informationsquelle.

285

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 7.23:

Informationsquellen über Freizeit- und Veranstaltungsangebote im Bezirk MarzahnHellersdorf - ab 50-Jährige insgesamt - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent kosten- Pros- andere
lose
pekte/ ZeitunWoHandgen
chen- zettel/
zeitun- Plakate
gen

Fernsehen
und
Rundfunk

das
Internet

Freunde/
Nachbarn

Familienangehörige

RatgeberJournal
für
Menschen
ab 55

Bürgerämter des
Bezirksamtes

Begegnungsstätten

Zeitschrift
Spätlese

Gesamt

66

47

40

34

29

28

17

12

8

7

4

mit Migrationshintergrund

53

36

16

25

22

40

20

14

6

18

4

künftige Senioren: 50-65 J.

67

52

41

33

40

31

20

6

5

4

3

junge Alte: 65-75 J.

65

46

38

35

21

24

13

20

10

11

5

fortgeschrittene Ältere: 75-85 J.

67

40

41

35

12

24

14

20

13

11

6

Hochbetagte: 85 J. u. älter

54

19

30

33

2

15

17

10

7

11

10

ohne Abschluss

59

38

20

35

14

24

16

16

6

13

3

Lehre/Teilausbildung

67

47

41

36

25

26

17

11

8

6

4

Fachhochschule/Meister/
Techniker

69

49

45

33

34

31

20

13

7

8

5

Hochschule/Universität

65

53

44

28

43

31

16

12

8

7

4

mit Partner/in, mit Kind/ern

60

54

42

26

34

41

33

6

6

2

4

alleinerziehend

72

37

17

24

26

43

18

10

12

23

7

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

7.8

Bildung als Freizeitinhalt

Der Erwerb lebenspraktischer Informationen sowie die Vertiefung bestehender Kenntnisse und die
Aneignung neuen Wissens gehören bis ins hohe Alter zu den alltäglichen Lebenstätigkeiten der Bürgerinnen und Bürger. Auch viele der Marzahn-Hellersdorfer Einwohnerinnen und Einwohner verwenden
einen Teil ihrer Freizeit ganz gezielt dafür, sich neue Wissensgebiete zu erschließen oder bestehendes
Wissen aufzufrischen.
Die Möglichkeiten für Bildungserwerb im Alter reichen vom Selbststudium, über Informationsgewinn mit
Hilfe des Internets, Teilnahme an Fernkursen, Absolvierung von Volkshochschulkursen, Gasthörerschaft
an verschiedenen Universitäten oder Hochschulen bis hin zu den Vortragsangeboten von Bildungsträgern im Bezirk selbst. Die Breite der inhaltlichen Palette ermöglicht es de facto jedem der älteren Frauen
und Männer, auf der Grundlage des eigenen vorhandenen Wissens, des Zeit- und Kostenrahmens sowie
des jeweiligen Interessenspektrums sich die jeweils geeigneten Bildungsangebote auszuwählen.
Von den ab 50-Jährigen aus Marzahn-Hellersdorf bestätigen im Jahre 2015 insgesamt 4 von 10 der Älteren (41 Prozent), aktive Nutzer von Bildungsangeboten zu sein.
Die Mehrheit nutzt Bildungsangebote im Bezirk selbst, ein Teil ausschließlich außerhalb und ein weiterer
Teil verwirklicht seine Bildungsinteressen sowohl in als auch außerhalb von Marzahn-Hellersdorf.

286

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 7.18:

Orte der Nutzung von Bildungsangeboten - ab 50-Jährige insgesamt
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

100
80
67
60

81

91

93

96

40
8
5

20
0

1

1
3

2
7

ohne
Einschränkungen

wenn Einrichtung
leicht erreichbar ist

3

ohne Antwort

4
3
12

21
wenn dies meinen
Interessen
entspricht

sowohl als auch

1

2 1

wenn entstehende wenn der Zugang zum
Kosten
Gebäude
angemessen sind
barrierefrei ist

außerhalb des Bezirkes

im Bezirk

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Werden im Folgenden nur diejenigen Älteren betrachtet, die tatsächlich Bildungsangebote nutzen, verschieben sich die Prioritäten.
Die Erreichbarkeit und die Kosten werden bestimmender, die Inhalte wechseln an die dritte Stelle.
Abbildung 7.19:
100

80

Orte der Nutzung von Bildungsangeboten - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent - (nur Befragte, die Bildungsangebote nutzen)
8

14

21

24

15

13

17

17

28
39

60

40

75
64

63

58
44

20

0
wenn Einrichtung
leicht erreichbar ist

wenn entstehende
Kosten
angemessen sind

sowohl als auch

wenn dies meinen wenn der Zugang zum
Interessen
Gebäude barrierefrei
entspricht
ist

außerhalb vom Bezirk

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

287

ohne
Einschränkungen

im Bezirk

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Nutzer von Bildungseinrichtungen sind überdurchschnittlich künftige Senioren, unter diesen ein Großteil
von Arbeitslosen, besser Qualifizierte mit Fachhochschul- oder Hochschulabschluss, Ältere mit Einkommen oberhalb von 3.000 Euro. Aber auch diejenigen, die - mit Partnerin/Partner oder allein - mit Kindern
im Haushalt leben sowie Ältere mit Migrationshintergrund. Sie kommen überdurchschnittlich aus Marzahn-Nord und Kaulsdorf.
Von denjenigen älteren Frauen und Männern, die Bildungseinrichtungen auch tatsächlich nutzen, gehen
Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund, Hochbetagte, aber auch Arbeitslose deutlich kritischer an die Nutzung derartiger Einrichtungen im Bezirk heran. Das gilt für alle Kriterien, ob das die Inhalte, die Erreichbarkeit, die Kosten oder die Barrierefreiheit betrifft.
Andererseits sind sie auch überdurchschnittlich bereit, derartige Bildungsangebote ohne Einschränkungen zu nutzen.
Darüber hinaus spielt die Barrierefreiheit für die künftigen Senioren, die gegenwärtig Bildungsangebote
nutzen, ebenso eine wesentliche Rolle wie erwartungsgemäß für die Bildungsnutzer mit Schwerbehinderung.
Tabelle 7.24:

Nutzung von Bildungsangeboten im Bezirk - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf
2015 - in Prozent - (nur Befragte, die Bildungsangebote nutzen)
ohne
Einschränkungen

wenn Einrichtung
leicht erreichbar
ist

wenn dies meinen Interessen
entspricht

wenn entstehende Kosten angemessen sind

wenn der Zugang
zum Gebäude
barrierefrei ist

Gesamt

44

75

63

64

58

Frauen

49

84

69

71

73

Migrationshintergrund

69

100

84

72

100

künftige Senioren

46

73

56

61

65

junge Alte

29

76

73

72

48

fortgeschrittene Ältere

53

77

73

63

60

Hochbetagte

51

100

91

100

27

arbeitslos

66

83

77

69

84

Schwerbehinderung

26

64

65

59

62

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Hinsichtlich dieser Nutzungskriterien für Bildungsangebote außerhalb des Bezirkes gibt es keine wesentlichen sozialstrukturellen Differenzierungen, lediglich die jungen Alten und die fortgeschrittenen Älteren
legen überdurchschnittlich Wert auf die Barrierefreiheit.
Hinsichtlich der Nutzung von Bildungseinrichtungen im Bezirk gilt:


Für jede Nutzerin/jeden Nutzer aus Marzahn-Nord ist die Erreichbarkeit der Bildungseinrichtung
bestimmend.



Seniorinnen und Senioren aus Marzahn-Mitte achten überdurchschnittlich auf die Angemessenheit
der Kosten und die Barrierefreiheit, Letzteres gilt auch für die Befragten aus Marzahn-Süd.



Ältere aus Hellersdorf-Ost bewerten alle Kriterien überdurchschnittlich, das gilt auch bis auf die Erreichbarkeit für Hellersdorf-Nord.

288

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015



Einwohnerinnen und Einwohnern aus Hellersdorf-Süd sind die Kosten überdurchschnittlich wichtig,
ansonsten haben sie häufiger als andere keine Einschränkungen bei der Nutzung bezirklicher Bildungsangebote.



Älteren aus Mahlsdorf sind die Barrierefreiheit und die Erreichbarkeit überdurchschnittlich bedeutsam.



Die älteren Nutzerinnen und Nutzer von bezirklichen Bildungsangeboten aus Biesdorf und Kaulsdorf
liegen mit ihren Bewertungen immer unterhalb des jeweiligen Durchschnitts.

Hinsichtlich der Nutzung von Bildungseinrichtungen außerhalb des Bezirkes gilt:


Für die älteren Befragten aus Hellersdorf-Nord ist die Erreichbarkeit außerbezirklicher Bildungsangebote überdurchschnittlich wichtig.



Ältere aus Hellersdorf-Süd legen überdurchschnittlich Wert auf die Barrierefreiheit.



Ältere Nutzerinnen und Nutzer aus Kaulsdorf bewerten alle Kriterien überdurchschnittlich, das gilt
auch bis auf die Kosten für Biesdorfer.



Ältere aus Mahlsdorf schauen überdurchschnittlich auf die Kosten und Inhalte.

Tabelle 7.25:

Nutzung von Bildungsangeboten - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent - (nur Befragte, die Bildungsangebote nutzen)
wenn Einrichtung wenn entstehen- wenn dies meinen wenn der Zugang
leicht erreichbar
de Kosten anInteressen
zum Gebäude
ist
gemessen sind
entspricht
barrierefrei ist
Nutzung von Bildungseinrichtungen im Bezirk

Gesamt

ohne
Einschränkungen

75

64

63

58

44

Marzahn-Nord

100

63

66

57

24

Marzahn-Mitte

74

74

71

68

44

Marzahn-Süd

73

64

68

68

48

Hellersdorf-Nord

66

78

79

68

68

Hellersdorf-Ost

81

71

69

70

70

Hellersdorf-Süd

78

70

67

39

60

Biesdorf

52

58

45

33

26

Kaulsdorf

66

57

47

49

21

Mahlsdorf

89

37

50

100

42

28

39

Nutzung von Bildungseinrichtungen außerhalb des Bezirkes
Gesamt

17

Marzahn-Nord

15

13

18

13

35

Marzahn-Mitte

18

12

7

14

28

Marzahn-Süd

17

11

8

27

41

Hellersdorf-Nord

31

12

10

28

29

7

11

Hellersdorf-Ost
Hellersdorf-Süd

19

9

6

34

31

Biesdorf

23

12

24

44

61

Kaulsdorf

26

30

26

51

64

Mahlsdorf

11

23

18

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

289

38

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Hinsichtlich der Bildungsinhalte dominieren unter denen, die tatsächlich Bildung nutzen, die Bereiche
Gesundheit, Ernährung und Bewegung sowie Kunst, Literatur und Musik.
Ein Viertel ist interessiert an Computerkursen bzw. Internetanwendungen und Sprachen. Je ein Fünftel
bevorzugen die Bereiche Politik und Gesellschaft sowie Natur und Technik.
Abbildung 7.20:

Bevorzugte Bildungsinhalte - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent (nur Befragte, die Bildungsangebote nutzen)
0

10

20

Gesundheit, Ernährung, Bewegung

40

50

43

Kunst, Literatur, Musik

38

Computerkurse, Internetanwendungen

26

Sprachen

24

Politik und Gesellschaft

19

Neues aus Natur und Technik

19

künstlerische Gestaltung
Deutschkurse für Ausländer

30

13
3

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Frauen bevorzugen die Bildungsbereiche Gesundheit, Ernährung, Bewegung sowie Kunst, Literatur und
Musik und Sprachen. Männer sind überdurchschnittlich an Wissen über Politik und Gesellschaft, aber
auch an Neuem in Natur und Technik interessiert.
Wie zu erwarten, aber doch in geringer Ausprägung, belegen Menschen mit Migrationshintergrund
Sprachkurse. Künftige Senioren sind überdurchschnittlich an Sprachen interessiert, junge Alte wie auch
fortgeschrittene Ältere und Hochbetagte an Politik und Gesellschaft, Letztere auch an Kunst, Literatur
und Musik sowie an Neuem aus Natur und Technik. Fortgeschrittene Ältere interessieren sich auch für
Bildungsinhalte zu Gesundheit, Ernährung und Bewegung.
Mit höherer Qualifikation steigt auch das Interesse an den Bereichen Kunst, Literatur und Musik. An
diesen zeigen auch diejenigen, die mit Kindern im Haushalt leben, überdurchschnittliches Interesse.
Alleinerziehende darüber hinaus auch an den Bereichen Gesundheit, Ernährung und Bewegung, Politik
und Gesellschaft sowie Deutschkurse für Ausländer. An diesem Angebot sind auch Arbeitslose interessierter, wie auch an künstlerischer Gestaltung.
Menschen mit Schwerbehinderung liegen mit ihren Bildungsvorstellungen bis auf Sprachen, die sie weniger bevorzugen, im Durchschnitt der älteren Marzahn-Hellersdorfer.

290

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 7.26:

Bevorzugte Bildungsinhalte - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent (nur Befragte, die Bildungsangebote nutzen)
Gesundheit, Ernährung,
Bewegung

Kunst,
Literatur,
Musik

Computerkurse,
Internetanwendungen

Sprachen

Politik
und
Gesellschaft

Neues aus
Natur und
Technik

künstlerische
Gestaltung

Deutschkurse für
Ausländer

Gesamt

43

38

26

24

19

19

13

3

Frauen

54

44

25

28

13

10

17

2

Männer

31

30

26

18

26

30

8

5

mit Migrationshintergrund

33

40

27

32

19

13

20

30

ohne Migrationshintergrund

44

38

25

23

19

20

13

künftige Senioren: 50-65 J.

43

37

27

27

15

20

15

5

junge Alte: 65-75 J.

37

40

28

22

25

14

13

1

fortgeschrittene Ältere: 75-85 J.

55

38

16

13

25

17

5

Hochbetagte: 85 J. u. älter

37

64

11

5

32

61

6

ohne Abschluss

52

31

16

16

12

12

15

Lehre/Teilausbildung

47

29

31

18

15

18

14

2

Fachhochschule/Meister/Techniker

45

47

26

26

18

21

13

3

Hochschule/Universität

34

45

22

31

31

21

12

2

arbeitslos

31

29

33

26

11

11

25

23

mit Partner/in, mit Kind/ern

37

48

22

22

12

21

22

5

alleinerziehend

60

48

25

19

27

3

14

23

Schwerbehinderte

43

32

30

15

23

18

14

3

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Hinsichtlich der Bildungsinteressen gibt es in den einzelnen Bezirksregionen nur wenige Differenzierungen. Die Älteren der Marzahner Bezirksregionen Nord und Mitte liegen im Durchschnitt der Bildungsinteressen des Bezirkes insgesamt.
In Marzahn-Süd besteht ein überdurchschnittliches Interesse an Angeboten zu Politik und Gesellschaft
und - abgeschwächt - zu Neuem aus Natur und Technik.
In Hellersdorf-Nord werden überdurchschnittlich die Bereiche Gesundheit, Ernährung, Bewegung genannt, in Hellersdorf-Ost Kunst, Literatur und Musik, aber auch Computerkurse und Internetanwendungen. Letzteres gilt auch für Hellersdorf-Süd, deren ältere Einwohnerinnen und Einwohner auch überdurchschnittlich am Bildungsbereich Gesundheit, Ernährung, Bewegung interessiert sind.
In Biesdorf und Mahlsdorf werden häufiger Kunst, Literatur und Musik sowie Sprachen genannt, in
Kaulsdorf bevorzugen die Älteren stärker Neues aus Natur und Technik.

291

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 7.27:

Bevorzugte Bildungsinhalte - nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - MarzahnHellersdorf 2015 - in Prozent - (nur Befragte, die Bildungsangebote nutzen)
Gesundheit, Ernährung,
Bewegung

Kunst,
Literatur,
Musik

Computerkurse,
Internetanwendungen

Sprachen

Politik
und Gesellschaft

Neues aus
Natur und
Technik

künstlerische Gestaltung

Deutschkurse für
Ausländer

Gesamt

43

38

26

24

19

19

13

3

Marzahn-Nord

36

33

26

19

23

21

8

8

Marzahn-Mitte

37

36

32

24

14

14

14

1

Marzahn-Süd

38

32

29

25

28

24

11

5

Hellersdorf-Nord

58

35

25

20

20

22

24

8

Hellersdorf-Ost

40

48

33

17

15

22

11

3

Hellersdorf-Süd

51

35

34

19

12

13

13

Biesdorf

40

43

22

32

12

16

10

Kaulsdorf

40

40

17

22

20

26

14

Mahlsdorf

49

47

14

29

22

15

12

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Bildungsangebote werden selten genutzt von den fortgeschrittenen Älteren und Hochbetagten sowie
denjenigen ohne Abschluss oder mit Facharbeiter- bzw. Teilausbildung. Seltener als im Durchschnitt
werden Bildungsangebote von den Älteren aus Hellersdorf-Ost und -Süd genutzt.
7.9

Sport - allein und in Gemeinschaft

Einen besonderen Platz im Rahmen der Freizeitverwendung von älteren Bürgerinnen und Bürgern
nimmt deren sportliche Betätigung ein. Dabei geht es weniger um Wettkampf-, sondern vielmehr um
solche sportliche Betätigung, die das gesundheitliche Befinden positiv befördert. Anbieter von Seniorensport finden überall dort Zuspruch, wo neben den Sportangeboten für ältere Menschen mit großer Fitness auch Angebote für Ältere mit nachlassenden Kräften und Mobilitätseinschränkungen unterbreitet
werden. Die körperliche Aktivität ist zur Prävention von Krankheiten und insbesondere von Funktionsstörungen im Alter einfach, praktikabel und erfolgreich.
Wandern, Schwimmen, Radfahren, Aquajogging, Gymnastik, Yoga oder Tanzen sind abhängig vom biologischen Alter und körperlichen Zustand geeignete Sportarten.
Je älter und gebrechlicher die Menschen und je mehr rehabilitative Ziele angestrebt werden, desto individueller und medizinisch fundierter wird die sportliche Betätigung gestaltet.
Die zielgruppengerechten Angebote von Bewegungstherapien der Krankenkassen sollten in Kooperation
mit Seniorenfreizeiteinrichtungen eine gemeinschaftliche, wohnortnahe Nutzung ermöglichen.
Von den ab 50-Jährigen aus Marzahn-Hellersdorf zählt sich im Jahre 2015 mehr als die Hälfte (55 Prozent) zu den aktiven Sportlerinnen und Sportlern. Im Vergleich zu den Jahren 2010 und 2005 hat sich der
Kreis der aktiven Sportlerinnen/Sportler nicht verändert.
Ältere Frauen treiben deutlich öfter Sport als Männer. Menschen mit Migrationshintergrund und Arbeitslose sind seltener sportlich aktiv.

292

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Erst in der Altersphase der Hochbetagten nimmt die sportliche Aktivität rapide ab. Mit der Qualifikation
steigt die sportliche Betätigung deutlich. Zwei Drittel der Alleinerziehenden treiben Sport.
Jeder Zweite der älteren Menschen mit Schwerbehinderung betätigt sich in seiner Freizeit auch sportlich.
Abbildung 7.21:

Sporttreibende nach ausgewählten Merkmalen - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf
2015 - in Prozent - (nur Befragte, die Sport treiben)
0

20

Gesamt
Frauen
Männer
mit Migrationshintergrund
künftige Senioren
junge Alte
fortgeschrittene Ältere
Hochbetagte
ohne Abschluss
Lehre/Teilausbildung
Fachhochschule/Meister/Techniker
Hochschule/Universität
arbeitslos
allein erziehend
Schwerbehinderung

40

60

80

56
60
50
39
59
53
55
15
46
49
63
72
39
64
48

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

In allen Bezirksregionen der Großsiedlung liegt die sportliche Betätigung unter dem Durchschnitt des
Bezirkes.
Abbildung 7.22:

Sporttreibende - nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent - (nur Befragte, die Sport treiben)

100

78

80
60

64
56

51

51

48

45

69

52

51

40
20
0

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Sport wird vorrangig allein betrieben. Fast ein Drittel betätigt sich sportlich in einem Verein. Ein Fünftel
ist bei seiner sportlichen Aktivität mit Freunden zusammen. Ebenfalls ein Fünftel nutzt Angebote des
Senioren- oder Behindertensportes.

293

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Männer treiben häufiger allein Sport, mehr als ein Drittel der älteren Menschen mit Migrationshintergrund und der Arbeitslosen betreiben Sport im Freundeskreis.
Während künftige Senioren sich überdurchschnittlich häufig eher allein sportlich betätigen, sind die
jungen Alten überdurchschnittlich in Sportvereinen aktiv. Ab dieser Altersphase wird dem Seniorensport
mehr Aufmerksamkeit gewidmet.
Die sportliche Aktivität im Rahmen eines Vereins, aber auch in individueller Form nimmt mit steigendem
Einkommen zu. Ältere in Partnerschaft und mit Kindern im Haushalt sind zwar wie auch die Alleinerziehenden überdurchschnittlich oft in Vereinen aktiv, aber auch, wenn es die Zeit erlaubt, allein, da dann
der Partner oder die Partnerin die Betreuung und Versorgung der Kinder übernehmen kann.
Menschen mit einer Schwerbehinderung und diejenigen mit Pflegstufe nutzen oft die Angebote im Behindertensport.
Tabelle 7.28:

Formen des Sporttreibens - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent (nur Befragte, die Sportangebote nutzen)
eher
allein

im
Verein

mit Freundinnen/Freunden

Seniorensport

Gesamt

53

30

20

13

5

Frauen

46

34

19

16

5

Männer

62

25

22

8

6

mit Migrationshintergrund

55

17

35

17

4

künftige Senioren: 50-65 J.

60

31

25

3

4

junge Alte: 65-75 J.

41

38

15

20

7

fortgeschrittene Ältere 75-85 J.

46

19

11

37

6

Hochbetagte: 85 J. u. älter

44

6

27

24

5

arbeitslos

53

17

38

7

5

unter 1.000 Euro

43

15

26

22

9

1.000 - 1.999 Euro

51

27

14

18

8

2.000 - 2.999 Euro

51

31

19

13

6

3.000 - 3.999 Euro

57

34

28

4

3

4.000 Euro und mehr

64

35

25

1

1

mit Partner/in, mit Kind/ern

70

35

31

alleinerziehend

49

36

46

Schwerbehinderung

43

24

14

2

6

Pflegestufe

31

Behindertensport

2
19
48

21
34

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Der Behindertensport wird häufiger in Marzahn-Nord und Hellersdorf-Ost nachgefragt. Deutlich seltener
als anderswo im Bezirk treiben die Älteren aus Marzahn-Nord Sport mit Freunden.
Fast jede/r Dritte aus Biesdorf und Kaulsdorf treibt eher allein Sport, in Kaulsdorf aber auch öfter mit
Freunden. Ältere Mahlsdorfer sind häufiger als der Durchschnitt in Vereinen aktiv.

294

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 7.29:

Formen des Sporttreibens - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent (nur Befragte, die Sportangebote nutzen)
eher
allein

im
Verein

mit Freundinnen/
Freunden

Seniorensport

Behindertensport

Gesamt

53

30

20

13

5

Marzahn-Nord

54

31

7

11

10

Marzahn-Mitte

46

33

23

19

3

Marzahn-Süd

56

28

21

11

5

Hellersdorf-Nord

52

27

23

8

3

Hellersdorf-Ost

46

26

16

13

12

Hellersdorf-Süd

49

25

12

19

7

Biesdorf

61

30

22

5

7

Kaulsdorf

62

27

28

6

4

Mahlsdorf

47

39

22

17

2

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

7.10

Defizite für die Freizeitgestaltung

Als fehlend für die Freizeitgestaltung werden mit großem Abstand Möglichkeiten zum Schwimmen, sowohl im Freien als auch in der Halle, benannt.
Abbildung 7.23:

Welche Freizeitangebote fehlen Ihnen im Bezirk? - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent* -

* Anmerkung: je dominanter das Schriftbild, umso häufiger die Nennung
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

295

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

7.11

Fazit

Freizeit besitzt für alle Menschen einen hohen Wert, sowohl für die Regeneration und das körperliche
wie gesundheitliche Wohlbefinden als auch für eine individuell entsprechende kulturelle wie psychische
Lebensqualität.
Freizeit wird auch von den von uns befragten älteren Frauen und Männern aus Marzahn-Hellersdorf als
die Zeit angesehen, die frei ist von den notwendigen erwerbsbezogenen Tätigkeiten wie u.a. Arbeitswege, berufliche Fortbildung, sowie von unabdingbaren Pflichten im täglichen Handeln.
In diesem Sinne steht Freizeit im Kontext des Wechselspiels zwischen individuell oder gemeinschaftlich
mit anderen gestalteten Lebensphasen, deren Verhältnis sowohl von den individuell geprägten Interessen und Gestaltungsoptionen bestimmt ist als auch vom eigenen körperlichen wie geistigen Wohlbefinden.
Die Freizeitkontakte zeigen eine Verfestigung der schon in den Jahren 2010 und 2005 erkennbaren Konzentration auf die Familie, Freunde und Bekannte und den damit verbundenen Rückzug ins Private. Hier
sind in den letzten 10 Jahren kaum Veränderungen sichtbar. Es ist eine über Jahre gleichbleibend starke
Familienorientierung auf die partnerschaftlich verbrachte Freizeit und die Kontakte zu Kindern und Enkeln festzustellen. Eine solche Stabilität haben auch die Freizeitkontakte zu persönlichen Freunden.
Abgesehen von den Hochbetagten verändern sich die Freizeitkontakte in den einzelnen Altersphasen
nur unwesentlich. Da bis zur Altersphase „fortgeschrittene Ältere“ der Anteil derer, die in Partnerschaft
leben, relativ konstant zwischen 60 Prozent und 70 Prozent liegt, bleiben das gemeinsame, partnerbezogene Freizeitverhalten ebenso bestimmend wie die ausgeprägten Freizeitkontakte zu den Kindern
und/oder Enkelkindern und die gemeinsame Freizeit mit Freundinnen und Freunden. Erst bei den Hochbetagten gehen diese Aktivitäten deutlich zurück. Der zunehmende Wegfall der Partnerin bzw. des Partners und die Verringerung des Freundeskreises, aber auch gesundheitliche Einschränkungen sind hier
bestimmend. Mit dem Alter steigt die Teilnahme an Veranstaltungen in Seniorenfreizeitstätten, bei den
Hochbetagten aber auch die Einsamkeit.
Damit wird die Tatsache unterstrichen, dass die Freizeit ausschließlich allein zu verbringen nur im Interesse weniger Menschen liegt. Vielmehr wird ein solcher Mangel an sozialen Kontakten von den Betroffenen eher als eine defizitäre Lebenssituation erlebt und eine positive Veränderung gewünscht. Angebote in Seniorenfreizeitstätten sollten diese Bedarfe noch zielgenauer berücksichtigen.
Die vorwiegenden Freizeitinhalte sind bestimmt von Aktivitäten mit der Familie und den notwendigen
Verrichtungen im Haushalt. Freunde und Bekannte zu besuchen ist für viele der älteren MarzahnHellersdorfer ein regelmäßiger Bestandteil der Freizeitgestaltung. Die Pflege von Freundschaften und
familiären Kontakte wird auch durch gelegentliche Hilfeleistungen in der Freizeit befördert.
Neben kleingärtnerischer Betätigung nimmt die Beschäftigung mit dem eigenen Hobby einen hohen
Stellenwert ein. Auch Reisen - mehrtägige wie Tagesunternehmungen - sind häufiger genannte Freizeitinhalte.
Neben dem Alter bestimmt das verfügbare Haushaltseinkommen wesentlich die Freizeitgestaltung. Vor
allem für die Älteren mit Migrationshintergrund, aber auch diejenigen mit geringem Einkommen und die

296

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Arbeitslosen ist der Kostenfaktor ein wesentliches Element der Auswahl von Freizeitinhalten und
-aktivitäten.
Am unteren Ende der Skala von Freizeitaktivitäten liegen die politische Betätigung, aber auch die Teilnahme an Bildungsveranstaltungen.
Freizeitinhalte im Bezirk werden von verschiedenen Organisationen angeboten. Am häufigsten, von
mehr als jeder/m Fünften genutzt werden Angebote der Stadtteilzentren und der Wohnungsunternehmen. Gering ist die Nutzung von Angeboten der Wohlfahrtsverbände, deren Inanspruchnahme nur jede/r Zwanzigste dokumentiert. Überdurchschnittlich häufig nutzen derartige Angebote Ältere mit Hochschul- bzw. Universitätsabschluss, Menschen mit Migrationshintergrund, fortgeschrittene Ältere, Arbeitslose und Alleinerziehende.
Die Hälfte der ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf nutzt kein einziges bezirkliches Angebot.
Die Teilnahme an kulturellen Veranstaltungen oder Begegnungsangeboten im Bezirk hat sich für diejenigen, die überhaupt Veranstaltungen besuchen (58 Prozent), mehrheitlich gegenüber dem Jahr 2010
nicht verändert. Wandlungen in der Nutzungshäufigkeit sind vor allem begründet in den sich verändernden partnerschaftlichen Beziehungen. Einerseits durch mehr Zeit des Partners oder der Partnerin wegen
Ausscheidens aus dem Erwerbsleben, andererseits wegen Erkrankungen des Partners oder der Partnerin
bzw. deren Ablebens. Aber auch bessere Angebote spielen ebenso eine Rolle wie eigene gesundheitliche
Einschränkungen oder veränderte finanzielle Möglichkeiten.
Unter denen, für die sich gegenüber 2010 Veränderungen in der Teilnahmeintensität ergeben haben,
überwiegen deutlich diejenigen, die in 2015 meinen, seltener als vor 5 Jahren derartige Angebote zu
nutzen gegenüber jenen, die jetzt häufiger diese Angebote nutzen.
Auch hier wird deutlich, dass derartige Angebote vielen Älteren als Mittel gegen soziale Isolation dienen.
Von denen, die eindeutig geantwortet haben, sind es vor allem Alleinlebende und Hochbetagte, die
heute häufiger als vor 5 Jahren diese Angebote nutzen. Sie meinen andererseits auch häufiger als der
Durchschnitt, heute seltener Angebote zu besuchen.
Neben den an spezifischen Interessen von Senioren orientierten Angeboten gibt es in Marzahn-Hellersdorf weitere Freizeit- und Veranstaltungsangebote, die generationenübergreifend Bürgerinnen und Bürger aller Altersgruppen ansprechen. Eine Nutzung derartiger Angebote wird von fast der Hälfte der ab
50-Jährigen bejaht, das sind jedoch weniger als noch vor 5 Jahren.
Frauen sind hier aufgeschlossener und interessierter als Männer. Unter den Nichtnutzern dominieren
darüber hinaus diejenigen ohne Abschluss.
Fast zwei Drittel der Menschen mit Migrationshintergrund nutzen eine oder mehrere dieser Veranstaltungsangebote.
Am häufigsten wird die Teilnahme an Veranstaltungen genannt, bei denen andere Ältere getroffen werden. Dann folgen die Veranstaltungen mit Menschen im Erwerbsalter und mit Kindern.
Geringer wird die Teilnahme an gemeinsamen Angeboten mit Menschen mit Behinderungen, jungen
Familien und Migrantinnen/Migranten bzw. Flüchtlingen genannt.

297

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Die Qualität von Freizeitangeboten und Veranstaltungen im Bezirk wird von den Älteren daran gemessen, ob sie ihren Interessen entsprechen, eine niveauvolle Unterhaltung bieten und gut erreichbar sind.
Mit steigender Qualifikation und höherem Einkommen wächst der Anspruch an interessenkonforme und
niveauvolle Angebote. Gleiches gilt, je jünger die Befragten sind. Für die Marzahn-Hellersdorfer mit
Migrationshintergrund sind diese Aspekte weniger wichtig.
Eine gute Erreichbarkeit spielt für Frauen eine wesentlich größere Rolle als für Männer.
Auch hier wieder ein Indiz auf Bewertungsoptionen, die auf die Vermeidung sozialer Isolation hinweisen.
Geselligkeit nimmt für Befragte mit einem geringen Haushaltsnettoeinkommen, aber auch für diejenigen, die mit Kindern im Haushalt leben, einen vorrangigen Stellenwert in der Bewertung von Freizeitangeboten ein.
Alleinlebenden und Alleinerziehenden, aber auch Frauen, ist das „nicht allein sein“ bei der Freizeitgestaltung wichtig. Alleinerziehende wollen ihre Freizeit auch nutzen, um Bekanntschaften zu schließen.
Beides gilt auch für Arbeitslose.
Als wichtigste Informationsquelle über Freizeit- und Veranstaltungsangebote werden von den Älteren
die kostenlosen Wochenzeitungen benannt. Eine wichtige Rolle spielen daneben die verschiedenen
Formen von visueller Werbung wie Handzettel, Prospekte und Plakate und auch andere Zeitungen.
Mehr als ein Viertel der Älteren informieren sich über das Internet. Freunde und Bekannte fungieren als
Informationsquellen über Freizeitangebote noch vor den Familienangehörigen.
Kaum genutzt als Informationsquellen werden demgegenüber die Zeitschriften „Spätlese“ und das „Bezirkliche RatgeberJournal für Menschen ab 55“ sowie Bürgerämter und Begegnungsstätten.
Der Erwerb lebenspraktischer Informationen sowie die Vertiefung bestehender Kenntnisse und die
Aneignung neuen Wissens gehören bis ins hohe Alter zu den alltäglichen Lebenstätigkeiten der Bürgerinnen und Bürger. Auch viele der Marzahn-Hellersdorfer Einwohnerinnen und Einwohner verwenden
einen Teil ihrer Freizeit ganz gezielt dafür, sich neue Wissensgebiete zu erschließen oder bestehendes
Wissen aufzufrischen.
Die Möglichkeiten für Bildungserwerb im Alter reichen vom Selbststudium, über Informationsgewinn mit
Hilfe des Internets, Teilnahme an Fernkursen, Absolvierung von Volkshochschulkursen, Gasthörerschaft
an verschiedenen Universitäten oder Hochschulen bis hin zu den Vortragsangeboten von Bildungsträgern im Bezirk selbst. Die Breite der inhaltlichen Palette ermöglicht es de facto jedem der älteren Frauen
und Männer, auf der Grundlage des eigenen vorhandenen Wissens, des Zeit- und Kostenrahmens sowie
des jeweiligen Interessenspektrums sich die jeweils geeigneten Bildungsangebote auszuwählen.
Von den ab 50-Jährigen aus Marzahn-Hellersdorf bestätigen im Jahre 2015 insgesamt 4 von 10 der Älteren, aktive Nutzer von Bildungsangeboten zu sein.
Die Mehrheit nutzt Bildungsangebote im Bezirk selbst, ein Teil ausschließlich außerhalb und ein weiterer
Teil verwirklicht seine Bildungsinteressen sowohl in als auch außerhalb von Marzahn-Hellersdorf.
Bestimmend für die Teilnahme an Bildungsangeboten sind unter Nutzerinnen und Nutzern neben den
Inhalten vor allem die Kosten und die Erreichbarkeit.

298

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Unter den Bildungsinhalten dominieren die Bereiche Gesundheit, Ernährung und Bewegung, oft nachgefragt sind aber auch Angebote zu Kunst, Literatur und Musik.
Wie zu erwarten, aber doch in geringer Ausprägung, belegen Menschen mit Migrationshintergrund
Sprachkurse. Künftige Senioren sind überdurchschnittlich an Sprachen interessiert, junge Alte wie auch
fortgeschrittene Ältere und Hochbetagte an Politik und Gesellschaft, Letztere auch an Kunst, Literatur
und Musik sowie an Neuem aus Natur und Technik. Fortgeschrittene Ältere interessieren sich auch für
Bildungsinhalte zu Gesundheit, Ernährung und Bewegung.
Einen besonderen Platz im Rahmen der Freizeitverwendung von älteren Bürgerinnen und Bürgern
nimmt deren sportliche Betätigung ein. Dabei geht es weniger um Wettkampf-, sondern vielmehr um
solche sportliche Betätigung, die das gesundheitliche Befinden positiv befördert. Die körperliche Aktivität wird als einfacher, praktikabler und erfolgreicher Beitrag zur Prävention von Krankheiten und insbesondere von Funktionsstörungen im Alter gesehen.
Je älter und gebrechlicher die Menschen und je mehr rehabilitative Ziele angestrebt werden, desto individueller und medizinisch fundierter wird die sportliche Betätigung gestaltet.
Von den ab 50-Jährigen aus Marzahn-Hellersdorf zählt sich im Jahre 2015 mehr als die Hälfte zu den
aktiven Sportlerinnen und Sportlern. Im Vergleich zu den Jahren 2010 und 2005 hat sich der Kreis der
aktiven Sportlerinnen/Sportler nicht verändert.
Während künftige Senioren sich überdurchschnittlich häufig eher allein sportlich betätigen, sind die
jungen Alten überdurchschnittlich in Sportvereinen aktiv. Ab dieser Altersphase wird dem Seniorensport
mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Erst in der Altersphase der Hochbetagten nimmt die sportliche Aktivität rapide ab.
Ältere Frauen treiben deutlich öfter Sport als Männer. Menschen mit Migrationshintergrund und Arbeitslose sind seltener sportlich aktiv.
Die Freizeitgestaltung ist oft mit einem finanziellen Aufwand verbunden. Sowohl der Wandel in den
Inhalten der Freizeitgestaltung als auch der Wegfall von kostenfreien Angeboten und veränderte Preisstrukturen bewirken eine deutliche Verschiebung der finanziellen Aufwendungen für die Freizeitaktivitäten. Während noch vor 10 Jahren jede/r Dritte der Befragten angab, ohne zusätzliche finanzielle Mittel
seine/ihre Freizeit gestalten zu können, sind dies im Jahr 2015 nur noch 12 von 100 der Älteren.
Als fehlend für die Freizeitgestaltung werden mit großem Abstand Möglichkeiten zum Schwimmen, sowohl im Freien als auch in der Halle, benannt.
7.12

Handlungsempfehlungen

Für die bezirkliche Altenplanung ergeben sich hinsichtlich der Freizeitgestaltung der Älteren folgende
erste Handlungsempfehlungen:


Bestehende Angebote sollten auf ihre Zielgruppenorientierung geprüft und gegebenenfalls neu justiert werden, das gilt sowohl für Hochbetagte als auch insbesondere für sozial benachteiligte Gruppen wie ältere Arbeitslose, Geringverdiener, aber auch Alleinlebende sind hier in den Fokus zu nehmen, auch, um gerade bei diesen Gruppen der sozialen Isolation entgegenzuwirken.

299

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015



Ältere Menschen mit Migrationshintergrund sind durchaus interessiert, in ihrer Freizeit Angebote im
Bezirk, insbesondere über die Stadtteilzentren, nutzen zu können. Ältere mit Migrationshintergrund,
die im Zuge der gegenwärtigen Entwicklung des massiven Zuzuges von Geflüchteten ihren Aufenthalt im Bezirk haben, sollten über die Nutzung derartiger Angebote gezielt informiert werden.



Es wäre zu prüfen, ob die Stadtteilzentren des Bezirkes ihre Erfahrungen mit Angeboten für die Älteren im Bezirk im Rahmen ihrer Koordinierungsfunktion für andere Veranstalter, unter besonderer
Berücksichtigung der Wohnortnähe nutzbar gemacht werden können.



Ausgehend davon, dass die Ansprüche an interessenkonforme und niveauvolle Angebote vor allem
bei den jüngeren Jahrgängen wachsen, sind über geeignete Bedarfsanalysen gegebenenfalls Inhalte
von Angeboten neu zu justieren oder neuartige Angebotsformen mit bedarfsgerechten Inhalten zu
verbinden.



Über geeignete bezirklich gesteuerte Moderationen sollte auf einen weiteren Ausbau von qualitativ
hochwertigen Freizeitangeboten durch die verschiedenen Träger orientiert werden.



Insbesondere für Frauen sind, z.T. auch direkt zielgruppenorientiert, Angebote in Wohnortnähe oder
mit einer guten Anbindung durch den ÖPNV zu fördern.



Unter Berücksichtigung des Zunehmens der Zahl der Älteren mit geringem Einkommen sind kostenfreie Angebote oder zumindest Angebote mit starker, sozialstrukturell orientierter Differenzierung
in ausreichender qualitativer Vielfalt und kleinräumiger Breite zu fördern.



Die öffentlichen Anbieter sollten für ihre Information über die Vielfältigkeit der Freizeitgestaltung
für Ältere im Bezirk noch stärker die kostenlosen Wochenzeitungen als eine der wichtigsten Informationsquellen der Älteren im Bezirk nutzen.



In den Begegnungsstätten sollte geprüft werden, ob die Auslage von Informationsmaterial - Flyer,
Plakate, Prospekte - noch verstärkt werden kann.



Insbesondere Männer sollten über geeignete Informationsmaterialien und -veranstaltungen auf die
bis ins hohe Alter wirkenden gesundheitsunterstützenden und das allgemeine Wohlbefinden fördernden Effekte einer sportlichen Betätigung hingewiesen werden.



Die Prüfung der Einrichtung eines Freibades für die Sommermonate und die Ermöglichung des
Schwimmens in geeigneten Hallenbädern sollten zumindest längerfristig forciert werden.

300

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

8.

Bürgerschaftliches Engagement von ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf

Bürgerschaftliches Engagement umfasst das ehrenamtliche, freiwillige, unentgeltliche und auf das Gemeinwohl gerichtete Engagement von Bürgerinnen und Bürgern. Die Vielgestaltigkeit dieses Engagements zeigt sich u.a. im Mitwirken in Vereinen, Verbänden, Nachbarschaften, Seniorenarbeit, Bürgerinitiativen u.v.a.m. Dabei unterliegt das bürgerschaftliche Engagement selbst seit längerem einem Wandel:
Es wird thematisch vielfältiger, die Organisationsstrukturen wandeln sich, es ist mehr objekt- oder projektbezogen (Stichwort Bürgerinitiative) und zeitlich unstetiger.71
Viele Menschen engagieren sich vor allem in Wohnortnähe und möchten für Andere und sich selbst das
Zusammenleben und die Umwelt lebenswerter gestalten. Diese Motivationslage dürfte auch aktuell
gelten und als stabil angesehen werden (in der Untersuchung 2015 wurden Motivationsstrukturen nicht
erhoben).72
Für die Erhebung 2015 wurden die Fragen zum bürgerschaftlichen Engagement teilweise neu konzipiert.
Zum einen wurde der Begriff des bürgerschaftlichen Engagements aus Erkenntnissen der FreiwilligenAgentur in Marzahn-Hellersdorf (FWA) und der Fachliteratur neu operationalisiert. Insbesondere ist der
bis dahin im Zentrum stehende Begriff des „Ehrenamtes“, der als wesentliche Facette erhalten bleibt,
um den Terminus „freiwillig engagieren“ auf Grund vielfältiger neuer Aktionsformen erweitert worden.73
Zum anderen wurden die Probanden gebeten, die Zielgruppen und Bereiche für ehrenamtliche, freiwillige Tätigkeiten selbst zu benennen; mit dem Einsatz dieser offenen Fragen und somit ohne Vorgaben
sollte das Spektrum der Tätigkeiten und Einsatzfelder so weit wie möglich abgebildet werden. Welche
Folgen sich durch die geänderten Fragestellungen im Untersuchungskonzept ergeben, wird im Hinblick
auf Entwicklungstendenzen des bürgerschaftlichen Engagements im Bezirk und die Vergleichbarkeit der
Ergebnisse mit 2005 und 2010 an gegebener Stelle hingewiesen.
8.1

Niveau des bürgerschaftlichen Engagements 2015 und im Zeitverlauf

Für das Jahr 2015 zeigen die Ergebnisse, dass 13 Prozent der ab 50-Jährigen sich freiwillig, ehrenamtlich
oder in anderen Formen bürgerschaftlich engagieren, ein Viertel kann sich ein solches Engagement vorstellen und jeder Zweite ist daran nicht interessiert (11 Prozent ohne Antwort).
Eingedenk der oben erläuterten neuen Fragestellungen erscheint die Vergleichbarkeit mit den Daten
von 2005 und 2010 erschwert. Lag in den vorhergehenden Untersuchungen die Konzentration auf dem
„klassischen Ehrenamt“ mit Tätigkeiten in der Sozialkommission, im Ausschuss einer BVV, als Schöffin
oder Schöffe und in der Seniorenvertretung, stand nun die gesamte Vielfalt des bürgerschaftlichen Engagements im Mittelpunkt.
Unter Beachtung der genannten Einschränkungen präsentiert die nachfolgende Abbildung die Ergebnisse der „aktiven Teilnahme an ehrenamtlicher Arbeit“ (2010 und 2005) sowie die Daten zur Ausübung
einer ehrenamtlichen, freiwilligen Tätigkeit oder eines Ehrenamtes von 2015.

71
72
73

Vgl. Leitlinien der Berliner Seniorenpolitik - Gut Altern in Berlin, Berlin 2013.
Vgl. „50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2010“, S. 239.
Zum Begriff „Bürgerschaftliches Engagement“ als Dachbegriff für eine große Vielfalt von Formen und Kategorien siehe: Evers, A.; Klie, T.; Roß, P-S.: Die Vielfalt des Engagements, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Heft 1415/2015, 30. März 2015; S. 5ff.

301

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Wird eine inhaltliche Gleichsetzung unterstellt, und das kann u.E. hier durchaus angenommen werden,
so ist ein nur wenig verändertes Niveau des bürgerschaftlichen Engagements für die ab 50-Jährigen zu
konstatieren. Haben 2005 18 Prozent der Befragten aktiv an einer ehrenamtlichen Arbeit teilgenommen,
waren es 2010 14 Prozent, und mit der geänderten Fragestellung 2015 zählen 13 Prozent zum Kreis der
aktiv Engagierten. Die Bereitschaft zum Ehrenamt oder Engagement bewegte sich 2005 und 2015 auf
ähnlichem Niveau mit rund einem Viertel, 2010 waren es rund 10 Prozentpunkte mehr. Rund die Hälfte
aller Befragten zeigt kein Interesse an einem Engagement; diese Zahl hat sich seit 2005 kaum verändert.
Abbildung 8.1:

Bürgerschaftliches Engagement im Zeitverlauf 2005 bis 2015 - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

100
11

5

9

80
45
60

50

51

40
36

23

25
20
13

14

2015

2010

18

0
bereits aktiv
Engagement vorstellen
nicht interessiert
ohne Antwort

2005
ich arbeite mit
ich würde mitarbeiten
nein, ich will nicht
ohne Antwort

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.), Daten für 2010 und 2005 sind aus der Studie „50 und älter in
Marzahn-Hellersdorf 2010“, S. 237
Frage 2015: „Sind Sie ehrenamtlich tätig oder könne Sie sich vorstellen, sich freiwillig zu engagieren oder ein Ehrenamt auszuüben?“
Frage 2010: „Sind Sie gegenwärtig ehrenamtlich tätig?“

Dieser Befund zum Engagement 2015 deckt sich größtenteils mit den in der FreiwilligenAgentur Marzahn-Hellersdorf gesammelten Erfahrungen, wonach insbesondere die ab 50-Jährigen nach Einsatzmöglichkeiten fragen; mehr als jeder zweite Interessent gehört dieser Altersgruppe an.
Weitere Aufschlüsse über das bürgerschaftliche Engagement im Bezirk und die Zielgruppe der ab
50-Jährigen liefert die Analyse der soziodemographischen Merkmale, die für die Gruppe der aktiv Engagierten sich wie folgt charakterisieren lässt:


Frauen und Männer übten 2015 im gleichen Umfang ein bürgerschaftliches Engagement aus, 2010
waren mehr Männer als Frauen ehrenamtlich aktiv (17 Prozent gegenüber 12 Prozent).



Aus den Gruppen der jungen Alten und der Hochbetagten kommen mit 16 Prozent bzw. 17 Prozent
die höchsten Anteile der aktiv Engagierten. Unter den ab 85-Jährigen war 2010 eine Engagementquote von 8 Prozent gemessen worden, sie ist also 2015 um 9 Prozentpunkte gestiegen. Im Vorgriff
auf die Analyse der Mitgliedschaften in Vereinen und Verbänden kann hier bereits festgehalten
werden, dass diese Altersgruppe den höchsten Organisationsgrad in Parteien, Wohlfahrtsverbänden
und Seniorenorganisationen zu verzeichnen hat. Eine weitere Annahme für das hohe aktive Enga-

302

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

gement der Hochbetagten zielt auf die Persönlichkeitsstruktur: Offensichtlich baute diese Personengruppe über Jahrzehnte eine grundlegend positive Einstellung zum Engagement auf, die prägend für
die eigene Lebensgestaltung wurde und die Ausübung eines Ehrenamtes oder Engagements ein Leben lang befördert hat.


In der Qualifikationsstruktur der aktiv Engagierten sind gegenüber 2010 keine Veränderungen erkennbar; nach wie vor sind Personen mit Hochschulabschluss am meisten unter den Engagierten zu
finden (19 Prozent gegenüber 13 Prozent im Durchschnitt).



Bei der Betrachtung des Verhältnisses von Engagement und Familiensituation sind kaum Unterschiede zwischen Alleinlebenden, in Partnerschaft oder in Familien mit Kindern lebenden Personen
unter den aktiv Engagierten erkennbar.



Der Erwerbsstatus der aktiv Engagierten zeigt gegenüber 2010 einige Verschiebungen auf: Von den
in Vollzeit Erwerbstätigen waren 2015 8 Prozent aktiv engagiert, 2010 waren es noch 13 Prozent
und bei den Seniorinnen und Senioren haben sich die Anteile kaum verändert (14 Prozent). Auffallend ist die starke Zunahme der aktiv Engagierten unter den Arbeitslosen, waren 2010 14 Prozent
engagiert so stieg diese Zahl auf 24 Prozent im Jahr 2015.



Ein aktives Engagement scheint kaum abhängig vom Haushaltsnettoeinkommen zu sein. Unter den
Beziehern von weniger als 1.000 Euro pro Monat zeigen sich 14 Prozent engagiert, unter denen ab
3.000 Euro pro Monat sind es 12 Prozent.



Die in der Befragung erhobenen Wertorientierungen und Zufriedenheiten unterscheiden sich kaum
zwischen den drei Engagementgruppen; bspw. sind 55 Prozent der aktiv Engagierten mit ihrem Leben sehr zufrieden/zufrieden, unter den Interessierten beträgt dieser Wert 58 Prozent und unter
den Nichtinteressierten 57 Prozent.



In der Bezirksregion Marzahn-Nord ist mit 17 Prozent das höchste aktive Engagementniveau zu beobachten, in den Bezirksregionen Hellersdorf-Süd und Kaulsdorf mit 10 Prozent das niedrigste, die
Werte aller anderen Bezirksregionen liegen dazwischen (vgl. Abbildung 8.2).

303

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 8.1:

Soziodemographische Profile von aktiven und potenziellen Engagierten sowie
Nichtinteressierten am Engagement 2015 - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent Ausübung eines Ehrenamtes oder freiwilligen Engagements
aktiv

vorstellbar

nicht interessiert

ohne Antwort

Gesamt

13

25

51

11

Frauen

13

27

47

14

Männer

13

22

56

9

mit Migrationshintergrund

25

14

50

11

ohne Migrationshintergrund

12

26

51

11

künftige Senioren: 50-65 Jahre

11

34

49

5

junge Alte: 65-75 Jahre

16

17

52

16

fortgeschrittene Ältere: 75-85 Jahre

12

11

55

22

Hochbetagte: 85 Jahre u. älter

17

7

55

20

ohne Abschluss

12

16

50

21

Lehre/Teilausbildung

10

21

58

11

Fachhochschule/Meister/Techniker

14

29

48

9

Hochschule/Universität

19

36

39

6

Erwerbstätigkeit - Vollzeit

8

35

52

4

Erwerbstätigkeit - Teilzeit

13

38

42

7

arbeitslos

24

32

39

5

geringfügig beschäftigt

11

16

64

9

nicht erwerbstätig

14

16

52

17

unter 1.000 Euro

14

25

46

15

1.000 - 1.999 Euro

13

20

53

14

2.000 - 2.999 Euro

11

21

60

8

3.000 - 3.999 Euro

12

37

49

2

4.000 Euro und mehr

12

50

37

2

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Das Potenzial unter den ab 50-Jährigen mit Interesse am Engagement liegt 2015 bei einem Viertel, fünf
Jahre zuvor war es mit 36 Prozent merklich größer. Im Vergleich zu 2005 lässt sich ein ähnlich großes
Interesse wie 2015 beziffern (23 Prozent). Für die Gruppe der Interessierten sind folgende Charakteristika hervorzuheben:


Frauen bekunden ein stärkeres Interesse an einem Engagement als Männer (27 Prozent gegenüber
22 Prozent). Dieses Ergebnis deckt sich mit Erkenntnissen aus der FreiwilligenAgentur MarzahnHellersdorf, wonach rund zwei Drittel aller Nachfragenden und Interessenten Frauen sind. 2010 war
das Interesse unter beiden Geschlechtern annähernd gleich groß.



Jede/r Dritte der künftigen Senioren (50- bis unter 65-Jährige) kann sich ein ehrenamtliches oder
freiwilliges Engagement vorstellen, das ist der höchste Anteil unter allen Altersgruppen.



Hochqualifizierte stellen mit 36 Prozent den höchsten Anteil an Interessierten, die ohne Qualifikationsabschluss mit 16 Prozent den geringsten Anteil.

304

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015



Alleinerziehende und Personen mit Partnerin/Partner und Kindern im Haushalt sind mit 58 Prozent
bzw. 34 Prozent überdurchschnittlich am Engagement interessiert.



Liegt ein Haushaltseinkommen ab 3.000 Euro im Monat vor, so wächst das Potenzial der Interessierten deutlich an (37 Prozent), und in der Einkommensgruppe ab 4.000 Euro würde für jeden Zweiten
ein Engagement in Frage kommen.



In den Bezirksregionen Kaulsdorf, Mahlsdorf und Hellersdorf-Ost sind mit 39 Prozent bzw.
31 Prozent die größten Anteile der am Engagement interessierten Personen wohnhaft.

Abbildung 8.2:

Aktives und Interesse am bürgerschaftlichen Engagement - nach Bezirksregionen
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

45
40
35
30
25
20

39
31

15
10

17

23

19

5

14

22
11

31
24

21
15

13

10

23
11

10

13

0
Marzahn-Nord

Marzahn-Mitte

Marzahn-Süd

Hellersdorf-Nord

Hellersdorf-Ost

aktiv

Hellersdorf-Süd

Biesdorf

Kaulsdorf

Mahlsdorf

vorstellbar

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die hohe Bedeutung eines bürgerschaftlichen Engagements zeigt sich u.a. auch in den Handlungsoptionen von arbeitslosen Bürgerinnen und Bürgern: 20 Prozent von ihnen würden eine freiwillige/ehrenamtliche Tätigkeit ausüben. Obwohl diese Orientierung den letzten Platz von insgesamt sieben abgefragten
Handlungsoptionen im Falle von Arbeitslosigkeit einnimmt - an vorderster Stelle stehen arbeitsmarktrelevante Aktivitäten - ist es Beleg dafür, die Zeit der Arbeitslosigkeit möglichst sinnvoll auszufüllen, kombiniert mit dem hohen Bedürfnis vieler Menschen nach sozialem Zusammenhalt und Engagement für
Andere.
Im Rahmen von Freizeitaktivitäten berichtet insgesamt ein Drittel der Befragten von der Ausübung eines
Ehrenamtes, 6 Prozent davon beschäftigen sich vorwiegend damit, 4 Prozent teilweise und 23 Prozent
eher weniger. Die Personengruppe, die sich in der Freizeit engagiert, ist nahezu identisch mit der Gruppe der schon aktiv bürgerschaftlich Engagierten.
Das Potenzial der Bürgerinnen und Bürger ab 50 Jahre an einer freiwilligen Tätigkeit ist mit 25 Prozent
beziffert. Das sind - bei einer Bevölkerungszahl ab 50 Jahre im Bezirk von ca. 112.730 Personen - rund
28.180 Personen. Selbst wenn man nur jeden dritten Interessierten tatsächlich an ein freiwilliges Engagement heranführen könnte, handelt es sich um rund 9.000 Bürgerinnen und Bürger in dieser Altersgruppe.

Das Niveau des bürgerschaftlichen Engagements der ab 50-Jährigen ist seit 2005 annähernd gleich geblieben. Im Jahr 2015 zählten 13 Prozent der Bürgerinnen und Bürger in Marzahn-Hellersdorf zum Kreis

305

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

der aktiv Engagierten. Rund ein Viertel aller Befragten erklärte sich zu einem Ehrenamt oder Engagement bereit, und rund die Hälfte von ihnen hatte kein Interesse an einem Engagement.
8.2

Zielgruppen des bürgerschaftlichen Engagements

Bürgerschaftliches Engagement ist immer mit einem bestimmten Ziel und Vorhaben verbunden. In der
empirischen Untersuchung 2015 haben die Probanden ihre favorisierte Zielgruppe und die Bereiche
bzw. Tätigkeitsfelder ihres Engagements in umfangreicher Weise selbst aufgeschrieben. Damit konnte
genauer in Erfahrung gebracht werden, was die ab 50-Jährigen unter ehrenamtlichem oder freiwilligem
Engagement, Zielgruppe und Bereich verstehen würden, was im Hinblick auf eine Erweiterung des Themenfeldes bürgerschaftliches Engagement einen Erkenntniszuwachs erwarten ließ (z.B. die Wahrnehmung von Nachbarschaften als ein Tätigkeitsfeld im Engagement).
Insgesamt haben 434 aktiv Engagierte und Interessierte ihre Zielgruppe genannt, das entspricht
26 Prozent der Stichprobe. Die bereits aktiv Engagierten richten ihre Tätigkeit vorrangig auf die Zielgruppen Seniorinnen und Senioren, Kinder und Jugendliche, Menschen mit Behinderungen, Kranke sowie Personen mit Migrationshintergrund. Die unter der Rubrik „andere“ genannten Stichworte beziehen
sich weniger auf konkrete soziale Gruppen, hier wurden Begriffe wie Berufsgruppe, Erwachsene, Pflege,
Politik, Schöffe, Sport oder Verbraucher aufgeführt.
Die Zielgruppen, für die sich Interessierte am Engagement einsetzen möchten, wären vorrangig Kinder
und Jugendliche, Seniorinnen und Senioren, nicht näher bestimmte Personengruppen, Menschen mit
Migrationshintergrund, Menschen mit Behinderungen sowie Kranke.
Die starke Fokussierung der Interessierten auf Kinder und Jugendliche unterscheidet sich von den aktiv
Engagierten, die sich vor allem für die Seniorinnen und Senioren einsetzen möchten. Die Gruppe der
Interessierten ist vor allem durch die künftigen Senioren (50 bis 65 Jahre) geprägt, und zum einen könnten deren enge Beziehungen zu den eigenen Kindern und Enkelkindern im Lebensalltag dabei eine Rolle
spielen, zum anderen dürfte im Selbstbild dieser Altersgruppe die Zuschreibung als „Seniorin“ oder „Senior“ bisher kaum wirksam sein, und das Engagement für diese Gruppe verschiebt sich somit auch in die
„Zukunft“ (vgl. Tabelle 8.2).
Frauen haben deutlich häufiger eine Zielgruppe für ihr Engagement benannt als Männer. Beide Geschlechter möchten sich vor allem für Kinder und Jugendliche sowie Seniorinnen und Senioren einsetzen. Die Zielgruppe „Kranke“ wurde nur von Frauen erwähnt. Die in der Rubrik „Andere“ subsummierte
Zielgruppe lässt geschlechtsspezifische Unterschiede erkennen: Frauen betonen stärker pflegerische
Aspekte und „Menschen mit Sorgen“, bei den Männern wurden hingegen Betreuer, Politiker, Quartiersbeirat oder Schachgruppe genannt.

306

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 8.2:

Zielgruppen für bürgerschaftliches Engagement - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf
2015 - Anzahl der Nennungen -

Zielgruppen

Niveau des Engagements

Geschlecht

aktiv

interessiert

Frauen

Männer

Nennungen

Nennungen

Nennungen

Nennungen

Seniorinnen/Senioren

71

66

84

40

Jugendliche, Kinder

36

130

116

61

Menschen mit Behinderung

8

8

6

4

Kranke

7

8

11

keine bestimmte Zielgruppe

7

15

12

6

Migrantinnen/Migranten

4

14

9

3

Arbeitsuchende

1

1

1

1

Tiere

1

3

2

1

Nachbarinnen/Nachbarn

2

1

Frauen

2

2

4

4

3

1

33

10

36

30

172

262

284

150

10 Prozent

16 Prozent

17 Prozent

9 Prozent

Bedürftige
andere
Summe der Nennungen
in Prozent der Stichprobe

3

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Erwerbstätige würden sich am meisten für die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen engagieren, dann
folgen die Seniorinnen und Senioren, keine spezifische bzw. explizit genannte Zielgruppe und Personen
mit Migrationshintergrund. Für die Arbeitslosen unter den ab 50-Jährigen stehen die Seniorinnen und
Senioren an erster Stelle, wenn es um ein Engagement ginge, dann würden sie ihr Interesse auf Kinder
und Jugendliche richten. Es vertauschen sich hier die beiden präferierten Zielgruppen, obwohl sich das
Durchschnittsalter der Erwerbstätigen und arbeitslosen Befragten nicht unterscheidet; eine Affinität zu
Seniorinnen und Senioren oder zu Kindern und Jugendlichen scheint auf Grund des Lebensalters nicht
vorzuliegen, eher dürfte die Lebensform als Single, die unter den Arbeitslosen überwiegt, eine Rolle
spielen. Die befragten Seniorinnen und Senioren würden als Zielgruppe vor allem ihre Altersgenossinnen
und -genossen in den Blick nehmen wollen, als zweites würden sie sich für Kinder und Jugendliche engagieren.
Die Aktivitäten der Engagierten und Interessierten am Engagement richten sich auf Zielgruppen, die als
besonders unterstützungswürdig angesehen werden, und das sind in erster Linie Kinder und Jugendliche, Seniorinnen und Senioren.
8.3

Bereiche und Tätigkeitsfelder des bürgerschaftlichen Engagements

Die Tätigkeitsfelder für das Engagement richten sich unter den aktiv Engagierten auf den Garten (möglicherweise ist hier das Mitwirken in einem Kleingartenverein gemeint), dann folgen Bildung/Weiterbildung, Umwelt/Tiere, Sport/Freizeit, der kulturelle/künstlerische Bereich und die politische Interessenvertretung.

307

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Unter den Interessierten am Engagement steht der Bereich Umwelt/Tiere/Tierschutz an erster Stelle,
gefolgt von Bildung/Weiterbildung und Garten; auch der soziale Bereich Pflege/Gesundheit wird erwähnt.
Das Interesse der Frauen ist vorrangig auf den Bildungsbereich gerichtet, was mit der von ihnen gewählten Zielgruppe Kinder und Jugendliche naheliegend ist. Frauen würden sich deutlich mehr für Tiere/
Tierschutz einsetzen, Männer stellen die Umwelt und den Umweltschutz stärker in den Fokus. Ein Engagement im sozialen Bereich Pflege/Gesundheit äußern Frauen deutlich häufiger als Männer, die ein
stärkeres Interesse am Bereich Sport/Freizeit zeigen.
Tabelle 8.3:

Bereiche oder Tätigkeitsfelder des bürgerschaftlichen Engagements - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - Anzahl der Nennungen -

Bereiche/Tätigkeitsfelder

Form des Engagements

Geschlecht

aktiv

interessiert

Frauen

Männer

Nennungen

Nennungen

Nennungen

Nennungen

Garten

26

42

35

34

Bildung, Weiterbildung

20

59

53

27

Umwelt, Tiere/Tierschutz

17

77

38

57

Sport, Freizeit

13

12

8

17

Kultur, Musik

11

16

12

15

Politik, Interessenvertretungen

10

3

3

10

Sozialer Bereich, Pflege Gesundheit

8

24

28

6

Verein

7

0

Justiz

6

2

5

3

Seniorinnen/Senioren

4

4

3

5

Kirche, Religion

3

2

3

1

Nachbarschaftshilfe

3

2

4

Schule, Kindergarten

3

13

15

Migrantinnen/Migranten

0

2

2

Rettungsdienste, Katastrophenschutz

2

0

Jugend

1

0

1

alle Bereiche

3

3

3

3

andere

5

14

7

12

142

275

220

195

9 Prozent

16 Prozent

13 Prozent

12 Prozent

Summe der Nennungen
in Prozent der Stichprobe

3
2

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Erwerbstätige interessieren sich vor allem für die Bereiche Bildung, Garten und Umwelt/Tiere, die Arbeitslosen unter den ab 50-Jährigen möchten sich im Bildungsbereich, Garten und im sozialen Bereich
engagieren, und die Seniorinnen und Senioren fokussieren ihr Engagement auf Umwelt/Tiere, Garten,
Bildung sowie Sport/Freizeit.

308

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Viele der von den Befragten gewünschten Zielgruppen und Einsatzbereiche sind unter den Angeboten
der FreiwilligenAgentur Marzahn-Hellersdorf bereits gelistet, so sind allein für die Zielgruppe Seniorinnen und Senioren 89 Angebote zu finden und für den Bereich Umwelt/Natur 110 Angebote.74
8.4

Mitgliedschaften

Mitgliedschaften in Vereinen, Kleingartenverbänden, Kirchenkreisen oder Parteien eröffnen weitere
Möglichkeiten für Bürgerinnen und Bürger, an der Gestaltung und Entwicklung des Gemeinwesens teilzunehmen. Die verfassungsrechtlich garantierte Mitwirkung vollzieht sich durch die Wahrnehmung und
Durchsetzung spezifischer Interessen von sozialen Gruppen, wofür Vereine, Parteien o.ä. gegründet
werden. Mitgliedschaften sind freiwillig, überwiegend langfristig und unterliegen bestimmten Vereinsregeln, Statuten oder Satzungszwecken. Diese Organisationsstrukturen erlauben es Vereinen, Parteien
o.ä., ihre Vorhaben und Ziele erfolgversprechender als einzelne Personen umzusetzen und beeinflussen
maßgeblich die Entscheidung für eine Mitgliedschaft. Die Tatsache, dass Mitgliedschaften in Parteien,
Gewerkschaften, selbst in Kirchen seit Jahren in Deutschland rückläufig sind, scheint im ersten Moment
im Widerspruch zu dieser Einschätzung zu stehen, er wird jedoch relativiert durch neue, stärker temporär angelegte Partizipationsformen wie bspw. Bürgerinitiativen, die mit Erreichen ihrer Ziele sich wieder
auflösen.
Aus den 2015 in Marzahn-Hellersdorf erhobenen Daten geht hervor, dass 41 Prozent der ab 50-Jährigen
in mindestens einem Verein, Verband oder einer Organisation Mitglied sind, 10 Prozent weisen Mehrfachmitgliedschaften auf. Gegenüber 2010 sind die Mitgliedschaften in Vereinen und Organisationen um
1 bis 3 Prozentpunkte rückläufig und betreffen vor allem die Kleingartenverbände und Gewerkschaften.
Die Mitgliedschaft in einem Sportverein belegt mit 16 Prozent die Spitzenposition, jeder Zehnte ist in
einem Kleingartenverein organisiert, und 9 Prozent gehören einer Gewerkschaft an.

74

Bspw. werden für die Verschönerung der Außenanlage in der Gemeinschaftsunterkunft am Blumberger Damm
Freiwillige gesucht; siehe: http://www.aller-ehren-wert.de/Angebote.html, 11.5.2016.

309

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 8.3:

Mitgliedschaften und Engagement in Vereinen, Parteien, Verbänden 2015
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent - (Mehrfachnennung)

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Ein aktives Engagement in einem Verein, welches über eine einfache Mitgliedschaft hinausgeht, wird am
häufigsten in Sportvereinen ausgeübt (4 Prozent), in Kleingartenverbänden sind 3 Prozent aktiv und in
Gewerkschaften 2 Prozent; alle anderen Organisationen weisen eine Engagementquote unter einem
Prozent auf. Gegenüber 2010 ist auch hier eine Abnahme der aktiven Beteiligung zu beobachten.
Von den aktiv bürgerschaftlich Engagierten gehören drei Viertel mindestens einem Verein an (77 Prozent), jeder Dritte ist Mitglied in zwei oder mehreren Vereinen oder Organisationen. Die enge Verbindung beider Formen des gesellschaftlichen Mitwirkens macht darauf aufmerksam, dass Engagement wo auch immer es geleistest wird - institutionelle Rahmenbedingungen und Strukturen braucht, jedoch
nicht zwingend immer an eine Mitgliedschaft in einem Verein, einer Partei o.ä. gebunden ist.
Die Analyse der Mitgliedschaften ab 50-Jähriger in Marzahn-Hellersdorf anhand soziostruktureller Merkmale kommt zu folgendem Bild:


Die Mitgliedschaften von Befragten mit Migrationshintergrund in interkulturellen Vereinen (21 Prozent) und in Kirchenkreisen (6 Prozent) sind höher als in der Gruppe der Einheimischen.

310

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015



Männer sind häufiger Mitglied in einem Kleingartenverband und einer Gewerkschaft, in den meisten
anderen Vereinen oder Institutionen liegen sie mit den Frauen gleichauf mit Ausnahme des Sportvereins, dem Frauen häufiger angehören (vgl. Tabelle 8.4).



Abhängig von der Zielsetzung des Vereins sind altersspezifische Differenzierungen erkennbar: Hochbetagte gehören überdurchschnittlich einer Seniorenorganisation, einem Wohlfahrtsverband oder
einer Partei an und weisen die meisten doppelten und mehrfachen Mitgliedschaften auf. Mit
12 Prozent sind von den künftigen Senioren mehr als doppelt so viele Mitglieder einer Gewerkschaft
als in den anderen Altersgruppen (2 bis 5 Prozent).



Die Haushaltseinkommen von Mitgliedern in Kleingartenverbänden, Gewerkschaften und Sportvereinen liegen deutlich über dem Durchschnitt aller Befragten. Sie beziehen 3.000 und mehr Euro im
Monat und können ihre Beiträge und Aufwendungen finanzieren. Bei allen anderen Mitgliedschaften zeigt sich dieser Unterschied nicht.



Im Hinblick auf die Qualifikationsstruktur gehören Hochschulabsolventen überproportional einer
Gewerkschaft, Partei, einem Wohlfahrtsverband, Sportverein, interkulturellen Vereinen oder einer
Bürgerinitiative an.

Tabelle 8.4:

Mitgliedschaft und Engagement in Verbänden, Vereinen, Institutionen - nach soziostrukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent Geschlecht

Migrationshintergrund
mit

Altersphase

ohne

Frauen

Männer

künftige
Senioren

junge
Alte

fortgeschritt.
Ältere

Hochbetagte

Kleingartenverband

3

11

8

13

10

11

11

5

Gewerkschaft

5

9

6

12

12

5

4

2

Kirchenkreis

6

4

4

5

4

4

4

6

Partei

4

2

1

4

2

2

3

6

Wohlfahrtsverband

2

3

4

3

2

2

6

12

Seniorenorganisation

8

4

6

3

2

5

8

31

Sportverein

7

17

18

14

17

18

12

3

21

2

4

3

3

4

3

-

3

2

1

2

2

2

1

1

interkultureller Verein
Bürgerinitiative

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die 41 Prozent Mitgliedschaften unter den ab 50-Jährigen bilden zugleich auch den sogenannten Organisationsgrad ab und folgende Aussagen lassen sich dazu treffen: In dieser Gruppe sind überproportional die künftigen Senioren und jungen Alten, Hochschul- und Universitätsabsolventen sowie Bezieher
überdurchschnittlicher Haushaltseinkommen vertreten. Unterschiede im subjektiven Wohlbefinden
offenbart die Datenanalyse nicht, bspw. bewegt sich unter allen hier betrachteten Gruppen die allgemeine Lebenszufriedenheit auf gleichem Niveau.

311

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 8.4:

Organisationsgrad nach sozio-strukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

60

50

40

30
53

50

20
35

34

30
23

10

0
Lehre/
Teilausbildung

Hochschule/
Universität

strenge Armut/
unter Armutsgrenze
(bis 764 Euro)

unter der
Armutsrisikoschwelle
(765 b. 917 Euro)

unterdurchschn.
Einkommen
(918 b. 1.527 Euro)

überdurchschn./
reiche Einkommen
(1.528 Euro u.dar.)

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Auf der Betrachtungsebene der Bezirksregionen organisieren sich die ab 50-Jährigen in Kaulsdorf
(29 Prozent) und Mahlsdorf (28 Prozent) am häufigsten in Sportvereinen. Mitglieder in Kleingartenverbänden sind erwartungsgemäß überwiegend in den Großsiedlungsgebieten Marzahn und Hellersdorf zu
Hause (11 bis 14 Prozent). Befragte aus Kaulsdorf und Hellersdorf-Ost sind in überdurchschnittlichem
Maße Mitglied einer Gewerkschaft (16 und 12 Prozent), und in Hellersdorf-Nord gehört jeder Zehnte
einem interkulturellen Verein an.
Tabelle 8.5:
Bezirksregion

Mitgliedschaft in Verbänden, Vereinen, Institutionen - nach Bezirksregionen
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent Kleingarten

Gewerkschaften

Kirchenkreis

Partei

Wohlfahrtsverbände

Seniorenorganisation

Sportverein

interkul.
Verein

Bürgerinitiative

11

9

4

3

3

5

16

3

2

Marzahn-Nord

9

8

2

2

4

7

16

4

2

Marzahn-Mitte

13

5

2

3

4

4

16

1

1

Marzahn-Süd

14

9

6

2

3

4

10

3

2

Hellersdorf-Nord

13

7

4

3

2

5

8

11

2

Hellersdorf-Ost

11

12

1

6

6

12

Hellersdorf-Süd

Gesamt

1

14

8

2

2

1

6

13

3

1

Biesdorf

6

9

6

4

3

3

18

3

1

Kaulsdorf

4

16

5

2

3

4

29

1

2

Mahlsdorf

7

11

8

3

3

4

28

2

3

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die Mitgliedschaften in Seniorenorganisationen, Wohlfahrtverbänden, Parteien, Kirchenkreisen und
Bürgerinitiativen zeigen sich über alle Bezirksregionen annähernd gleich verteilt.

312

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Die Analyse der Mitgliedschaften zeigt, dass vier von zehn der befragten Bürgerinnen und Bürger in
Marzahn-Hellersdorf zivilgesellschaftlich eingebunden sind. Vor allem die Mitgliedschaften in Sport- und
Kleingartenvereinen werden angezeigt, die auf persönlichen Vorlieben und Bedürfnissen beruhen, aber
auch die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft, die insbesondere Erwerbstätige erwähnen.
8.5

Bürgerbeteiligung

Um die demokratische Mitwirkung und Partizipation an allen gesellschaftspolitischen Bereichen tatsächlich auch umsetzen zu können, stehen den Bürgerinnen und Bürgern verschiedene Möglichkeiten auf
der lokalen Ebene zur Verfügung. Über verschiedene Formate der Bürgerbeteiligungen eröffnen sich
Einflussmöglichkeiten für die Bürgerinnen und Bürger, die weit über die Wahlen zur Bezirksverordnetenversammlung (BVV) hinausgehen.
Im Bezirk Marzahn-Hellersdorf bspw. existiert seit 2006 ein „Bürgerhaushalt“, der 2014/2015 zum vierten Mal durchgeführt wurde und den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit bietet, sich über die
bezirklichen Gelder zu informieren und durch Vorschläge bei der Verteilung dieser Gelder mitzubestimmen.75
Eine Beteiligung an der Entwicklung und Gestaltung des Lebensumfeldes bedeutet zugleich auch eine
Verantwortungsübernahme des Einzelnen für das Gemeinwesen. Daraus abgeleitet ist mindestens eine
Bedingung an Bürgerbeteiligung zu knüpften: Die Bürgerinnen und Bürger - und das richtet sich an alle
sozialen oder Bevölkerungsschichten - sollten Kenntnis über die Möglichkeiten der Mitbestimmung haben.
Bekanntheitsgrad von Beteiligungsmöglichkeiten
Stadtteilfeste/lokale Veranstaltungen bieten neben Geselligkeit auch Austausch und Information über
das Geschehen im Bezirk und sind mit 56 Prozent die bekanntesten Beteiligungsmöglichkeiten unter der
Zielgruppe.76 Jedem zweiten ab 50-Jährigen sind Bürgerbefragungen, Einwohnerversammlungen sowie
Bürgergespräche/Bürgersprechstunden bekannt. Von den Teilnahmemöglichkeiten an öffentlichen Sitzungen der Bezirksverordnetenversammlung, am Bürgerhaushalt und an moderierten Beteiligungsverfahren (sie begleiten temporär bestimmte Großprojekte wie bspw. die IGA 2017 und bieten ein Forum
für Anregungen wie Kritik aller Beteiligten) hat jeder Vierte Kenntnis. Der Anteil der Befragten ohne
Antworten zu den Beteiligungsmöglichkeiten liegt zwischen 21 und 38 Prozent.

75

http://www.berlin.de/projekte-mh/projekte/buergerhaushalt/

76

Die Prozentzahl ergibt sich aus der Summe von drei Antwortmöglichkeiten, die als Bekanntheitsgrad gelten
kann: „kenne ich“, „habe mich bereits daran beteiligt“ und „interessiere mich für eine Beteiligung“.

313

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 8.5:

Beteiligungsquote und Interesse an Bürgerbeteiligungen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent –

Bürge
rge spräche /
Bürgergespräche/
Bürge
rsprechstunde
Bürgersprechstunde

27

Stadtte
ilfe st oder
ode r
Stadtteilfest
lokale
Ve ranstaltunge n
lokale Veranstaltungen

9

24

Einwohnerversammlungen
Einwohne rve rsammlunge n

15

17

Te ilnahme an öffe ntliche. n
Teilnahme an öffentlichen
Sitzunge n de r Be zirksSitzungen der Bezirksve rordne te nve rsammlung
.

Teilnahme
Te ilnahmeam
amBürgerhaushalt
Bürge rhaushalt
Mode rie rteBeteiligungsBe te iligungsModerierte
ve
rfahre n (z.B.
(z.B. IGA)
IGA)
verfahren

15

3

11

3

2

10

0%

23

24

33

42

34

41
20%

24

24

40

8

21

29

12

9

8

25

8

23

13

30

24

22

Bürgerbefragung
Bürge rbe fragung

9

38

40%

60%

80%

kenne ich

habe mich bereits daran beteiligt

interessiere mich für eine Beteiligung

interessiere mich nicht

100%

ohne Antwort

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Eine Abfrage über alle sieben Beteiligungsmöglichkeiten ergab, dass 246 Befragte an keiner dieser Beteiligungsmöglichkeiten interessiert sind, das entspricht einem Anteil von 15 Prozent in der Stichprobe.
Diese Nichtinteressierten kommen verstärkt aus der Gruppe der fortgeschrittenen Älteren und Hochbetagten, sind überproportional ohne Qualifikationsabschluss, haben größtenteils ein Haushaltseinkommen von unter 1.000 Euro im Monat, leben oft allein und wohnen vorrangig in der Großsiedlung Hellersdorf (vgl. Tabelle 8.6).
Beteiligungsquoten
Die beiden gefragtesten Formen einer Bürgerbeteiligung sind der Besuch von Stadtfesten/lokalen Veranstaltungen (29 Prozent) und die Teilnahme an Bürgerbefragungen (24 Prozent). An Einwohnerversammlungen nahmen bereits 15 Prozent der ab 50-Jährigen und an Bürgergesprächen/Bürgersprechstunden 9 Prozent teil.
Die relativ modernen und neu eingeführten Beteiligungsformen wie Bürgerhaushalt und moderierte
Beteiligungsverfahren sind vermutlich auf Grund ihres geringeren Bekanntheitsgrades bisher kaum im
Blick- und Aktionsfeld der ab 50-Jährigen, die Beteiligungsquote hier liegt nur bei 3 Prozent.77

77

Die Bekanntheit des Verfahrens zu steigern, lautet eine der Handlungsempfehlungen der Evaluierung des Bürgerhaushaltes, siehe „Evaluierung des Projekts zur partizipativen Haushaltsplanaufstellung, -entscheidung und
-kontrolle im Bezirk Marzahn-Hellersdorf (Bürgerhaushalt)“ Abschlussbericht, im Auftrag des Bezirksamtes
Marzahn-Hellersdorf von Berlin Public One GmbH, Anlage zur BA-Vorlage Nr. 1122/IV, S. 10.

314

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Interesse an Bürgerbeteiligung
Über eine Bürgerbefragung auf demokratische Weise mitwirken zu wollen, würden 12 Prozent der Befragten in Betracht ziehen. Offensichtlich ist eine Bürgerbefragung aus ihrer Sicht ein akzeptiertes Instrumentarium zur Bedarfs- und Problemermittlung, um zu einer fundierten Entscheidungsfindung
durch die Bezirkspolitiker und andere zivilgesellschaftliche Akteure beizutragen.
Jeder Zehnte der Zielgruppe ist am Besuch einer Einwohnerversammlung interessiert, und es ist nicht
auszuschließen, dass infolge dessen einzelne Bürgerinnen und Bürger sich in das Geschehen ihres Wohnund Lebensumfelds stärker einmischen wollen. Das Interesse an allen anderen Partizipationsformen
liegt zwischen 8 bis 9 Prozent. Die Datenlage lässt erkennen, dass das Interesse an einer Bürgerbeteiligung weniger differiert als die Beteiligungsquoten, die von 2 Prozent bei moderierten Beteiligungsverfahren bis zu 24 Prozent bei Stadtteilfesten/lokalen Veranstaltungen eine recht große Spannbreite aufweisen, was sicherlich auch auf die unterschiedlichen Bekanntheitsgrade zurückzuführen ist.
Mit einer methodisch anderen Herangehensweise soll im nächsten Abschnitt versucht werden, drei
Gruppen von Partizipation näher zu beschreiben:
1.

Personen, die sich an mindestens drei der hier genannten Formen der Partizipation schon beteiligt
haben (N=580),

2.

Personen mit Interesse an mindestens einer Bürgerbeteiligung (N=423) und

3.

die Nichtinteressierten (N=246).

Es stehen nun nicht mehr die einzelnen Formate der Bürgerbeteiligung im Vordergrund, sondern die
Befragten in den drei genannten Gruppen, um über die sozialstrukturelle Analyse weitere Aussagen zu
erhalten.
35 Prozent aller Befragten haben bereits Erfahrungen mit Beteiligungsprozessen gesammelt, insbesondere gehören dazu Personen mit Migrationshintergrund, die künftigen Senioren, Hochschulabsolventen,
teilzeitbeschäftigte Erwerbstätige und Bezieher hoher Haushaltseinkommen.
Die Gruppe der Interessierten kann mit 26 Prozent beziffert werden und sie ist hinsichtlich der sozialen
Merkmale etwas ausgewogener; es finden sich unter ihnen ebenfalls mehr Hochqualifizierte und Bezieherinnen und Bezieher hoher Haushaltseinkommen.
Für die Gruppe der Nichtinteressierten wurden die bestimmenden Charakteristika bereits erwähnt. Die
sozialräumliche Verteilung lässt eine Konzentration der Beteiligten in Marzahn-Nord und Biesdorf erkennen, die Interessierten wohnen ebenso größtenteils in Marzahn-Nord, in Hellersdorf-Ost und in
Kaulsdorf, und die Nichtinteressierten sind vorrangig in der Großsiedlung Hellersdorf zu Hause (alle Prozentangaben sind der Tabelle 8.6 zu entnehmen).
Entgegen der Erwartung unterscheiden sich die drei Gruppen kaum in der Wertschätzung „in einer demokratischen Gesellschaft zu leben“: Von den Interessierten erachten 83 Prozent diesen Wert als wichtig, von den Beteiligten und Nichtinteressierten sind es jeweils 79 Prozent. Auch die Zufriedenheit mit
„den demokratischen Mitwirkungsmöglichkeiten“ erreicht in allen Gruppen ein nahezu gleiches Niveau:
Die Beteiligten liegen mit 28 Prozent um drei Prozentpunkte über den anderen beiden Gruppen.

315

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 8.6:

Beteiligung, Interesse und Nichtinteresse an Bürgerbeteiligung - nach soziostrukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent Bürgerbeteiligung
Beteiligung
(N=580)

Interessierte
(N=423)

Nichtinteressierte
(N=246)

Gesamt

35

26

15

Frauen

36

25

13

Männer

34

26

17

mit Migrationshintergrund

41

24

17

ohne Migrationshintergrund

35

26

15

künftige Senioren

40

28

15

junge Alte

34

26

12

fortgeschrittene Ältere

25

18

20

Hochbetagte

21

20

21

ohne Abschluss

27

25

26

Lehre/Teilausbildung

31

23

17

Fachhochschule/Meister/Techniker

41

29

11

Hochschule/Universität

46

31

7

Erwerbstätigkeit - Vollzeit

13

28

13

Erwerbstätigkeit - Teilzeit

40

29

10

arbeitslos

37

29

12

geringfügig beschäftigt

43

10

16

nicht erwerbstätig

29

24

17

unter 1.000 Euro

31

22

20

1.000 - 1.999 Euro

25

27

16

2.000 - 2.999 Euro

36

26

16

3.000 - 3.999 Euro

36

31

11

4.000 Euro und mehr

45

30

8

Marzahn-Nord

45

30

14

Marzahn-Mitte

31

25

12

Marzahn-Süd

29

26

17

Hellersdorf-Nord

39

28

20

Hellersdorf-Ost

33

31

21

Hellersdorf-Süd

30

21

22

Biesdorf

44

28

12

Kaulsdorf

39

34

5

Mahlsdorf

38

21

12

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Insgesamt lässt die Bürgerbeteiligung recht unterschiedliche Beteiligungsniveaus erkennen: Ein Drittel
der Bürgerinnen und Bürger in Marzahn-Hellersdorf nimmt seine Partizipationsmöglichkeiten in Anspruch und jeder Vierte zeigt Interesse an einer Beteiligung. Dass 15 Prozent der Befragten nicht an demokratischen Mitwirkungsmöglichkeiten interessiert sind, offenbart u.a., dass weitere Aufklärung über
die Funktionsweise des Staates im Allgemeinen und der kommunalen oder bezirklichen Ebene und der
Partizipationsmöglichkeit jedes Einzelnen geboten erscheint.

316

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

In diesem Zusammenhang sei ein kleiner Exkurs gestattet: Die im Mittelpunkt stehende Zielgruppe der
ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf gehört größtenteils einer Generation an, die die friedliche Revolution 1989/1990 bewusst miterlebte oder in Teilen selbst mitgestaltet hat. Ob die damaligen visionären
Vorstellungen zur Mitbestimmung in allen gesellschaftspolitischen Bereichen heute in dieser Generation
als desillusioniert erfahren werden, kann im Rahmen dieser Studie nicht eruiert werden. Im Kontext der
Bürgerbeteiligung stellt sich die Frage, ob die Nichtinteressierten ihre demokratische Mitwirkung als
„Staats“-Bürger als unerheblich erachten, da sie das Bezirksamt und die Bezirksverordnetenversammlung als einzig zuständig für die soziale und lokalpolitische Entwicklung halten oder ob Erfahrungen mit
Bürgerbeteiligungen vorliegen, die als wirkungslos empfunden wurden.
8.6

Interesse an Politik

Das Interesse an Politik ist ein wichtiger Indikator dafür, inwieweit Bürgerinnen und Bürger das politische Geschehen auf den verschiedenen Ebenen (Bundes-, Landes oder Bezirksebene) wahrnehmen, ob
es ihr persönliches Leben tangiert und ob darüber hinaus auch ein politisches Engagement resultieren
kann.
Mit den 2015 erhobenen Daten kann das Interesse der ab 50-Jährigen am allgemeinen politischen Geschehen auf bundesweiter und internationaler Ebene mit 48 Prozent beziffert werden, 18 Prozent darunter zeigen sich sehr stark interessiert. Jeder Dritte ist an der allgemeinen Politik mittelmäßig interessiert, 16 Prozent zeigen nur wenig Interesse an Politik, darunter interessieren sich 5 Prozent überhaupt
nicht dafür (ohne Antwort - 2 Prozent).
Abbildung 8.6:

Interesse an Politik allgemein und im Bezirk - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent allgemein

11

52

im Bezirk

sehr stark

18

11

stark
mittelmäßig

21
15

wenig
34

30

10

7

überhaupt nicht

ohne Antwort

36

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Das politische Geschehen auf der Bezirksebene stößt unter den Befragten auf weniger Interesse als die
allgemeine Politik. Rund ein Drittel interessiert sich für die lokale Bezirkspolitik, darunter 10 Prozent
sehr stark, 37 Prozent zeigen sich mittelmäßig interessiert und jeder Fünfte kümmert das Geschehen im
Bezirk wenig, darunter 7 Prozent überhaupt nicht (11 Prozent - ohne Antwort).
Frauen sind generell weniger an Politik interessiert als Männer, was seit langem bekannt ist und dürfte
auf geschlechts- und sozialisationsspezifische Unterschiede zurückzuführen sein.

317

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Unter den jungen Alten ist die Gruppe der sehr stark an allgemeiner Politik Interessierten am größten
(23 Prozent), die Hochbetagten sind vor allem sehr stark interessiert am lokalen Geschehen im Bezirk
(16 Prozent), bei allen anderen Altersphasen lassen sich keine nennenswerten Unterschiede feststellen.
Sowohl Fachhochschul- als auch Hochschulabsolventen interessieren sich am meisten für beide Politikbereiche (22 bzw. 35 Prozent). Auch die Bezieherinnen und Bezieher hoher Haushaltseinkommen zählen
zu den Politikinteressierten, bspw. sind 31 Prozent derer mit einem Einkommen ab 4.000 Euro sehr stark
an der allgemeinen Politik interessiert.
Abbildung 8.7:

Interesse an allgemeiner Politik - nach sozio-strukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

70

60

48 %

50

40

30

58
51

48
20

55

40
25

10

21

0
Insgesamt

Frauen

Männer

mit
Migrationshintergrund

ohne
Migrationshintergrund

erwerbstätig

arbeitslos

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Dass das Interesse an allgemeiner Politik größer ist als das für den Bezirk dürfte auf die überregionale
Bedeutung von bspw. Bundesgesetzen zurückzuführen sein. Sie beeinflussen stark die unmittelbare
Lebenswelt der Bürgerinnen und Bürger, z.B. werden die Höhe von Transferleistungen, des Mehrwertsteuersatzes, der Rentenpunkte u.v.a. auf der Bundesebene festgelegt.

318

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 8.8:

Interesse an der Bezirkspolitik - nach sozio-strukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

70

60

50

40
31 %
30

20
31

34

32

28

10

32

20

16

0
Insgesamt

Frauen

Männer

mit
Migrationshintergrund

ohne
Migrationshintergrund

erwerbstätig

arbeitslos

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Politisch interessierte Bürgerinnen und Bürger sind auch bürgerschaftlich stärker engagiert, was auf der
lokalen Ebene noch deutlicher zum Tragen kommt: Jene, die sich für das Geschehen im Bezirk interessieren, engagieren sich auch umfänglicher oder üben ein Ehrenamt aus. Das bekräftigt erneut die gleiche
Zielrichtung von politischen Interesse und bürgerschaftlichen Engagement: Es geht um die Gestaltung
der Gesellschaft im Großen wie im Kleinen, um die Veränderungen von Dingen, die als überholt oder
verbesserungswürdig angesehen werden, und um die Erhöhung der Lebensqualität in allen Lebensbereichen und für alle Menschen.
Ein ebenfalls enger Bezug stellt sich zwischen dem politischen Interesse und der Einschätzung der weltpolitischen Lage her: Während 68 Prozent aller ab 50-Jährigen die weltpoltische Lage mit Sorgen betrachten, steigt dieser Anteil unter den politisch Interessierten auf 78 Prozent. Die Beobachtung und das
Wissen um das weltweite Geschehen und die damit entstehenden Risiken lassen offensichtlich die Sorge
darüber ansteigen.
Das größere Interesse an der allgemeinen Politik kann u.a. mit der großen Sorge um die Weltpolitik erklärt werden, weswegen das Interesse am politischen Leben im Bezirk geringer ausfällt.
8.7

Handlungsempfehlungen



Die Ausübungen freiwilliger und ehrenamtlicher Aktivitäten scheinen weniger an ein konkretes Lebensalter gebunden zu sein. Eher ist davon auszugehen, dass Menschen eine grundlegende positive
Einstellung zum Engagement ein Leben lang bzw. über Jahrzehnte aufgebaut haben, was auch die
hohen Anteile von Hochbetagten unter den aktiv Engagierten erklären würde. Daran anknüpfend
sind Gelegenheiten für ein Engagement im fortgeschrittenen Alter und für Hochbetagte auszuweiten.



Die künftige Ausrichtung des bürgerschaftlichen Engagements sollte intensiver an geschlechtsspezifische Faktoren anknüpfen. Hinsichtlich der Zielgruppen und Bereiche für Engagement unterscheiden sich Frauen und Männer; für Frauen stehen vor allem Kinder und Jugendliche sowie Seniorinnen

319

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

und Senioren im Fokus. Hierfür unkomplizierte Einsatzmöglichkeiten (im Kinder- und Jugendbereich
gelten besondere Vorschriften) zu schaffen, wäre wichtig. Beispiele können Lesepaten sein oder der
gemeinsame Besuch mit Kindern im Seniorenheim etc.


Das Interesse der Männer liegt ebenso bei Kindern und Jugendlichen und auf dem Umwelt- und
Tierschutz, wozu bereits einige Angebote von Vereinen bei der FreiwilligenAgentur vorliegen.



Die Aktivitäten von arbeitslosen Personen sind vorrangig auf den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt gerichtet, aber auch ein bürgerschaftliches Engagement ist für einige vorstellbar. Freiwillige
Aktivitäten könnten zur Beschäftigungsfähigkeit von Arbeitslosen beitragen und somit wäre das gezielte Ansprechen dieser Personengruppe auszubauen.



Das Potenzial bzw. die Gruppe der Interessierten am bürgerschaftlichen Engagement liegt in der
Stichprobe bei 25 Prozent. Um dieses Potenzial zu fördern und aktiv werden zu lassen, bedarf es der
engen Zusammenarbeit aller bezirklichen Akteure des bürgerschaftlichen Engagements wie der
FreiwilligenAgentur Marzahn-Hellersdorf, des Bezirksamtes, der Freien Träger (Vereine, Stadtteilzentren, Nachbarschaftszentren u.a.) und auch der lokalen Wirtschaft, um Gelegenheiten und Engagement fördernde Infrastrukturen weiter zu erkunden und auszubauen.



Bürgerbeteiligung setzt voraus, dass unter der Bevölkerung die verschiedenen Partizipationsmöglichkeiten bekannt sind. Über Möglichkeiten der Mitbestimmung sind die ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf in unterschiedlichen Maßen informiert. Es gibt bekannte Beteiligungsverfahren wie
Bürgergespräche/Bürgersprechstunden und weniger bekannte wie den Bürgerhaushalt. Für die bisher wenig bekannten Partizipationsformen sollten die Ziele, Modalitäten und Wirkungen stärker
transparent gemacht werden, um Bürgerinnen und Bürger zum Mitmachen zu gewinnen.



Anhand der Datenlage sind drei Gruppen des Partizipationsniveaus identifiziert worden, wobei der
Blick vor allem den Nichtinteressierten gilt. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass ihr weniger formal
Gebildete angehören, viele über 75 Jahre alt sind und über ein geringeres Haushaltseinkommen als
der Durchschnitt der Befragten verfügen. Diese Gruppe der Nichtinteressierten an Bürgerbeteiligung
gilt es mit Öffentlichkeitsarbeit, z.B. Wochenblatt, Homepage des Bezirkes, zu erreichen.



Vorstellbar wären Projekte, in denen nichtinteressierte Personen gewonnen werden, um die Durchführung des Bürgerhaushaltes durchaus kritisch zu begleiten. Anschließend können die Erfahrungen
über verschiedene Medienkanäle in der Öffentlichkeit bekannt gemacht werden.

320

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

9.

Soziale Beziehungen

9.1

Soziale Beziehungen

Das Verhältnis und die sozialen Beziehungen zur Familie, zu anderen Personen oder Gruppen, Freunden
und Bekannten sind essentiell für das subjektive Wohlbefinden von Menschen. Im Prozess des Älterwerdens verändern sich die sozialen Beziehungen: Zum einen steigen die Risiken des Verlustes sozialer
Beziehungen, zum anderen eröffnen sich aber auch Chancen auf neue soziale Kontakte. Die mit steigendem Alter häufig abnehmenden Kontaktmöglichkeiten (zu ehemaligen Kolleginnen und Kollegen, Freunden, Bekannten, Krankheit und Tod von Bezugspersonen) bergen die Gefahr von Einsamkeit oder sozialer Isolation. Diese abzuwenden oder ihr präventiv zu begegnen, ist eine Aufgabe sowohl bezirklicher
Einrichtungen wie auch von Verbänden, Vereinen und Organisationen, aber darüber hinaus von vielen
Bereichen der Zivilgesellschaft.
Das nachfolgende Kapitel stellt die sozialen Beziehungen in der Gestalt der familialen und außerfamilialen Netzwerke, die Formen der sozialen Unterstützung, die Nachbarschaftsbeziehungen, die Inanspruchnahme von Beratungsangeboten und die Mobilität der ab 50-Jährigen in der Mittelpunkt.
Für die große Mehrheit der ab 50-Jährigen spielen die zwischenmenschlichen Beziehungen, die generell
das Wohlfühlen, Vertrauen oder das gesellschaftliche Klima in der Gesellschaft widerspiegeln, eine wichtige Rolle im Leben (83 Prozent), nur jede/r Achte hält sie für weniger bedeutungsvoll. Innerhalb der
Wertehierarchie rangieren die zwischenmenschlichen Beziehungen zwar nicht im vorderen Bereich,
dennoch ist ihre Wertschätzung sehr hoch. Umso erstaunlicher ist, dass nur jeder zweite Befragte mit
den zwischenmenschlichen Beziehungen zufrieden ist und ein relativ hoher Anteil von 42 Prozent Abstriche geltend macht. Die hohe Wertschätzung zwischenmenschlicher Beziehungen einerseits und die
nur von jedem Zweiten attestierte Zufriedenheit andererseits verweisen auf Widersprüchliches im persönlichen Erleben des gesellschaftlichen Klimas, das mit Hilfe weiterer Indikatoren näher zu untersuchen
sein wird (siehe Kapitel 10).
Das detaillierte Fragespektrum zu den sozialen Beziehungen bildet sowohl die familialen als auch die
außerfamilialen Kontakte wie bspw. zu Freunden, Nachbarn oder (ehemaligen) Arbeitskolleginnen und
Arbeitskollegen ab. Nach den Ergebnissen von 2015 sind drei Viertel der ab 50-Jährigen mit den Kontakten zu ihren Kindern zufrieden, 8 Prozent äußern sich unzufrieden. Das Verhältnis zu Nachbarn ist aus
Sicht von zwei Dritteln zufriedenstellend, 9 Prozent äußern sich unzufrieden. Mit den Kontakten zu anderen Verwandten äußern sich 59 Prozent zufrieden und 11 Prozent der Befragten unzufrieden. Das
Verhältnis zu den Enkelkindern bezeichnen 52 Prozent der ab 50-Jährigen als zufrieden, 8 Prozent sind
unzufrieden. Rund die Hälfte der Befragten steht in guten Kontakten zu (ehemaligen) Arbeitskolleginnen/-kollegen und 7 Prozent äußern sich unzufrieden.
Einige Befragte haben keine Kontakte bspw. zu den Eltern, weil diese nicht mehr leben, was vor allem
für die ab 75-Jährigen zutrifft, oder es bestehen keinerlei Kontakte bspw. zu Vereinsmitgliedern oder
zum ehrenamtlichen Besuchsdienst (vgl. Abbildung 9.1).

321

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 9.1:

Zufriedenheit mit sozialen Kontakten zu verschiedenen Personen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent Kinder

78

Nachbarinnen/Nachbarn

64

andere Verwandte

59

Enkelinnen/Enkel

8

50

Eltern

32

Vereinsmitglieder

22
21

4 4

16

4

7

16

6

40%
hab ich nicht

16

13

23

21

23
27

43
20%

19

10

30

23

unzufrieden

7

20

19

5

14

7
4

2

0%
zufrieden

11

52

Arbeitskollegen/-kolleginnen

ehrenamtlicher Besuchsdienst

9

8

31
60%

trifft nicht zu

80%

100%

ohne Antwort

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die Intensität bzw. das Vorhandensein der Kontakte 2015 (Addition der Werte von „zufrieden“ und „unzufrieden“) zeigen im Vergleich zu den Daten von 2010 kaum Veränderungen. 2010 gaben 36 Prozent
der Befragten Kontakte zu ihren Eltern an, und 2015 wurde der gleiche Prozentsatz gemessen, gleiches
gilt für die Kontakte zu Kindern und ehrenamtlichen Besuchsdiensten. Die Kontaktintensität zu anderen
Verwandten und zu (ehemaligen) Arbeitskolleginnen und -kollegen hat gegenüber 2010 um jeweils
6 Prozentpunkte abgenommen (vgl. Tabelle 9.1).
Die Existenz, Intensität und Zufriedenheit mit sozialen Kontakten sind vom Geschlecht, der Lebensphase
und vom Migrationshintergrund stark geprägt. Eingegrenzt auf Personen mit Kontakten zu den hier genannten Personengruppen schätzen Frauen und Männer ihre Kontakte gleichermaßen zufrieden ein;
einzig die Kontakte zum ehrenamtlichen Besuchsdienst unterscheiden sich, Frauen äußern sich mit
73 Prozent zufrieden, Männer mit 43 Prozent.
Mit steigendem Alter werden viele Kontakte in stärkerem Maße als zufriedenstellend empfunden; möglicherweise stellen sich hier Aspekte von Dankbarkeit ein, wenn in einem Zeitalter mit immer weniger
„frei verfügbarer Zeit“ die Kinder, Enkel oder andere Personen „Zeit finden“ für Besuche und Aufmerksamkeit.
Die größten Unterschiede in der Bewertung sozialer Kontakte ergaben sich zwischen den Befragten mit
und ohne Migrationshintergrund. Erstgenannte sind mit ihren Kontakten zu den Eltern in größerem Umfang zufriedener als die einheimische Bevölkerung (95 gegenüber 90 Prozent); hinsichtlich der Kinder
verkehrt sich dieser Befund, hier ist die Zufriedenheit der einheimischen Befragten größer (vgl. Tabelle
9.1). Die Kontakte zu anderen Verwandten und Nachbarn schätzen Personen mit Migrationshintergrund
ebenfalls weniger zufrieden ein.

322

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 9.1:

Soziale Kontakte und Grad der Zufriedenheit - nach sozialstrukturellen Merkmalen
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent (Auswahl nur Personen mit Kontakten; Antwort: „zufrieden“)
Soziale Kontakte mit …
Eltern

Kindern

Enkeln

anderen
Verwandten

Nachbarn

Arbeitskollegen/
-kolleginnen

Vereinsmitgliedern

Besuchsdienst

Kontakte vorhanden

36

86

60

70

73

57

24

3

Zufriedenheit

90

91

87

84

87

89

92

62

Frauen

90

94

89

85

87

89

94

73

Männer

89

88

84

84

88

88

91

44

mit Migrationshintergrund

95

86

89

77

73

85

96

56

ohne Migrationshintergrund

90

92

87

85

88

89

92

64

künftige Senioren

89

91

86

82

85

87

89

42

junge Alte

94

92

88

89

89

94

95

94

87

87

85

90

91

99

62

100

94

97

95

86

100

100

fortgeschrittene Ältere
Hochbetagte

100

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Familiale Einbindung
Das Bild und die Wahrnehmung von Familien und Familienleben haben sich sowohl in der Familienforschung und Familienpolitik als auch innerhalb der Bevölkerung (Stichwort: gesellschaftliche Akzeptanz
von Alleinerziehenden oder eingetragenen Lebenspartnerschaften) in den letzten zwei, drei Jahrzehnten
verändert. Als Familien werden jene Lebensformen betrachtet, in deren Haushalten Kinder leben.78 Als
ein neuer Aspekt tritt die Betrachtung von „Familie als Herstellungsleistung“ hinzu. Dieser Begriff zielt
darauf ab, „dass Familie keine 'natürlich' und selbstverständlich gegebene Ressource (mehr) ist, auf die
Gesellschaft, Wirtschaft, Staat und Individuen einfach zurückgreifen können, sondern dass sie täglich
und im biografischen Verlauf als Familie immer wieder durch die Praktiken beteiligter privater und öffentlicher Akteure hergestellt werden muss“.79
Die Familie ist ein soziales Beziehungsgeflecht, das sich im Lebensverlauf verändert, wenn bspw. die
familialen Beziehungen zu erwachsenen Kindern eine andere Qualität erhalten (weil es bildlich gesprochen keine „Erziehungsleistungen“ mehr gibt) oder ältere Angehörige im Alltag unterstützt werden müssen. Insbesondere für die ab 50-Jährigen gewinnen diese Aspekte an Aktualität, wenn mit dem Übergang in den Ruhestand ein neuer Lebensabschnitt mit veränderter Alltagsroutine beginnt, mehr frei
verfügbare Zeit für neue Aktivitäten vorhanden ist wie bspw. die Betreuung von Enkelkindern oder
wenn durch den Tod des Partners oder der Partnerin sich die Lebensführung gravierend verändert.

78

79

Im Lebensformenkonzept des Mikrozensus zählen zu den Familien alle Lebensformen mit Kindern im befragten
Haushalt.
Karin Jurczyk: Familie als Herstellungsleistung. Hintergründe und Konturen einer neuen Perspektive auf Familie,
in : Jurczyk, Lange, Thiessen (Hrsg.), Doing Family, Weinheim Basel, 2014, S. 51.

323

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Das Zusammenleben von mehreren Personen in einem Haushalt lässt bei der Bewältigung des Alltags
größere Unterstützungsleistungen erwarten als bei alleinlebenden Personen. Dennoch sind Alleinlebende nicht völlig von Hilfe und Unterstützung ausgeschlossen, auch sie verfügen über ein relativ großes
Netz familialer Kontakte, das auf Kindern (74 Prozent haben Kinder) und Enkelkindern (60 Prozent) aufgebaut ist.
Tabelle 9.2:

Familiale Kontakte und Grad der Zufriedenheit - nach Lebensform - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

Lebensform

Eltern

Kinder

Enkel

and. Verwandte

Eltern

Kontakte vorhanden
mit Partner/in, ohne Kind/er

37

alleinlebend
mit Partner/in, mit Kind/ern
alleinerziehend

Kinder

Enkel

and. Verwandte

Zufriedenheit mit Kontakten

92

64

73

91

92

88

87

25

74

60

64

88

89

86

80

66

100

34

80

90

94

84

84

50

73

39

70

100

97

93

76

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Auf der Ebene der Lebensform sind die Alleinerziehenden mit ihren Beziehungen zu den Eltern, Kindern
und Enkelkindern am meisten zufrieden (zwischen 93 und 100 Prozent). Alleinlebende Personen äußern
sich etwas weniger zufrieden mit ihren Kontakten zu Familienmitgliedern.
Über 80 Prozent der ab 50-jährigen Frauen und Männer sind Eltern von leiblichen Kindern, wobei die
Anteile in den einzelnen Altersphasen kaum differenzieren; einzig der Anteil von 4 und mehr Kindern ist
unter den Hochbetagten mit 12 Prozent doppelt so hoch wie in der Gesamtstichprobe (6 Prozent). Im
Lebensverlauf wandelt sich die Funktion der sozialen Kontakte zwischen Eltern und Kindern, jedoch
bleibt die enge Verbundenheit größtenteils erhalten, auch wenn die erwachsenen Kinder einen eigenen
Haushalt oder eine Familie gründen. Kinder bleiben für ihre Eltern, und besonders dann, wenn diese sich
in einem höheren Lebensalter befinden, ein wichtiger und vertrauter Kontaktpartner und unterstützen
sie in der Alltagsbewältigung oder auch im Krankheitsfall. In beiden Betreuungssystemen nehmen Kinder
nach der (Ehe-)Partnerin und dem Partner die zweite Stelle ein. Die ab 50-Jährigen erwarten also, dass
ihre Kinder diese Unterstützungsleistungen erbringen werden, auch wenn sie deutlich nachranging erwähnt werden. Voraussetzungen dafür sind neben dem Willen der Kinder auch die räumliche Nähe.
Der Wohnort der eigenen Kinder oder der des Partners/der Partnerin liegt für 38 Prozent der Befragten
ebenfalls in Marzahn-Hellersdorf, in 48 Prozent der Fälle leben die Kinder in einem anderen Berliner
Bezirk, bei weiteren 38 Prozent sind die Kinder in einem anderen Bundesland zu Hause, und im Ausland
leben 5 Prozent der Kinder (Mehrfachantworten).

324

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 9.3:

Wohnort der Kinder, zu denen Kontakte bestehen, und Anzahl der Kinder
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

Anzahl der Kinder

Wohnort der Kinder, zu denen Kontakt besteht
Marzahn-Hellersdorf

anderer
Berliner Bezirk

anderes Bundesland

Ausland

1 Kind

38

42

34

4

2 Kinder

43

60

44

7

3 Kinder

48

67

53

6

4 Kinder

68

63

60

18

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Mit steigender Kinderzahl unter den Befragten steigt der Anteil derer, wo eines der Kinder seinen Wohnort auch in Marzahn-Hellersdorf hat. Diese Daten bestätigen zum einen die Vermutung, dass bei mehreren Kindern zumindest eines von ihnen in der räumlichen Nähe wohnen bleibt, zum andern ist unter
ihnen auch der höchste Anteil von im Ausland lebenden Kindern zu verzeichnen (18 Prozent).
Befragte, deren Kinder in Marzahn-Hellersdorf wohnen, hegen in stärkerem Maße die Erwartung, im
Krankheitsfall oder im Alltag von den Kindern Hilfeleistungen zu erhalten (von 16 Prozent im Durchschnitt ein Anstieg auf 24 Prozent bzw. von 12 auf 19 Prozent).
Unter schwerbehinderten Personen und Pflegebedürftigen, deren Durchschnittsalter 69 bzw. 75 Jahre
beträgt, dünnen sich die Familienbeziehungen weiter aus, weil die Eltern nicht mehr leben oder weniger
andere Verwandte vorhanden sind; die prozentuale Anzahl von Kindern und Enkelkindern in dieser Personengruppe entspricht dem der Gesamtstichprobe. Die Zufriedenheit mit Kontakten zu Familienmitgliedern liegt um ca. 5 Prozentprunke unter dem Durchschnitt aller Befragten.
Tabelle 9.4:
Beeinträchtigung

Familiale Kontakte und Grad der Zufriedenheit - nach Schwerbehinderung und
Pflegebedürftigkeit - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent Eltern

Kinder

Enkel

and. Verwandte

Eltern

Kontakte vorhanden

Kinder

Enkel

and. Verwandte

Zufriedenheit mit Kontakten

Schwerbehinderung

23

85

64

64

85

86

83

81

Pflegebedürftigkeit

9

84

59

52

100

75

71

69

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Aus dem Blickwinkel der sozialräumlichen Verteilung bestehen die häufigsten Kontakte zu den Eltern in
Hellersdorf-Ost, Biesdorf und Kaulsdorf (zwischen 42 bis 47 Prozent) und zu den Kindern im Siedlungsgebiet (90 bis 94 Prozent). Die Kontaktintensität zu den Enkelkindern erweist sich in allen Bezirksregionen als gleich hoch, und die häufigsten Kontakte zu anderen Verwandten bestehen im Siedlungsgebiet
(79 bis 80 Prozent).
Die Qualität der erlebten Kontakte schätzen die Bewohnerinnen und Bewohner in Kaulsdorf für alle hier
genannten Familienangehörigen am häufigsten zufrieden ein, in den beiden Großsiedlungen bewegen
sich die Zufriedenheitswerte auf dem Durchschnittsniveau.
Zur Beschreibung der familialen Beziehungen gehört auch ein Blick auf die Gruppe der pflegenden Angehörigen. Sie leisten in erster Linie - oft mit Unterstützung anderer Familienmitglieder - die alltägliche

325

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Sorge-, Pflege- und Haushaltsarbeit für pflegebedürftige Angehörige. Sie erbringen einen wichtigen Teil
der oben erwähnten „Herstellungsleistungen“ für einen reibungslosen Familienalltag, deren selbstverständliche Zuschreibung an Kinder (und hier insbesondere an Töchter im Falle hochbetagter Eltern) heute immer mehr hinterfragt wird und die Suche nach neuen Pflegearrangements auf den Plan ruft.
Die Gruppe der pflegenden Angehörigen kann für die Zielgruppe der ab 50-Jährigen in MarzahnHellersdorf nach den vorliegenden Daten auf 12 Prozent geschätzt werden. Dieser Personengruppe gehören mehr Frauen als Männer sowie mehr künftige Seniorinnen und Senioren an. Ihre sozialen Beziehungen bewertet diese Gruppe in ähnlicher Weise wie alle Befragten. Unterstützung bei der Betreuung
und Pflege von Angehörigen erhalten sie vor allem vom eigenen Partner oder von der Partnerin und
anderen Familienangehörigen sowie ambulanten Pflegediensten, aber auch Freunde und Nachbarn gehören, wenn auch in deutlich geringerem Maße, zum unterstützenden Netzwerk dazu (vgl. Kapitel 6:
Gesundheit). Im Hinblick auf Nachbarschaftsbeziehungen liegt bei pflegenden Angehörigen eine etwas
größere Zufriedenheit vor (+4 Prozentpunkte).
Außerfamiliale Kontakte
Für die im Mittelpunkt stehende Zielgruppe beginnt mit 50 Jahren eine Lebensphase, in der sich einige
Veränderungen im persönlichen Leben ankündigen und die oftmals nach neuen Bewältigungs- und Anpassungsstrategien jedes Einzelnen verlangt. Zu nennen wären die mit dem Austritt aus dem Erwerbsleben sich einengenden sozialen Kontakte zu Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen, die zunehmend
stärker auf die Familie gerichteten Aktivitäten sowie Neuausrichtung in den Beziehungen zu Freunden
und Bekannten oder die Ausübung eines bürgerschaftlichen Engagements.
Die Intensität der Kontakte zu außerfamilialen Personengruppen ist, wie oben gezeigt, geringer als die
zu Familienmitgliedern. Eine Besonderheit betrifft jedoch die Kontakte zu Nachbarn, die etwas häufiger
genannt wurden als die zu anderen Verwandten (73 gegenüber 70 Prozent).
Frauen wie Männer unterhalten zu ihren Nachbarn gleich hohe Kontakte (75 und 73 Prozent), Männer
pflegen hingegen mehr Umgang mit Arbeitskollegen/-kolleginnen (60 gegenüber 54 Prozent) und Vereinsmitgliedern (26 zu 22 Prozent). Personen mit Migrationshintergrund stehen weniger in Kontakt zu
ihren Nachbarn und Arbeitskolleginnen und -kollegen als die einheimischen Befragten, jedoch treffen sie
sich häufiger mit Vereinsmitgliedern. Die oft selbst initiierten Kontakte zu Nachbarn, zu (ehemaligen)
Arbeitskolleginnen/Arbeitskollegen und Vereinsmitgliedern zeigen über alle sozialstrukturellen Merkmale eine hohe Zufriedenheit (vgl. Tabelle 9.5).

326

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 9.5:

Intensität der außerfamilialen Kontakte - nach sozialstrukturellen Merkmalen
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent Nachbarn

Arbeitskollegen

Vereinsmitglieder

ehren.
Besuchsdienst

Nachbarn

Kontakte vorhanden

Arbeitskollegen

Vereinsmitglieder

ehren.
Besuchsdienst

Zufriedenheit mit Kontakten

Frauen

75

54

22

4

87

89

94

73

Männer

73

60

26

3

88

88

91

44

mit Migrationshintergrund

67

44

37

6

73

85

96

56

ohne Migrationshintergrund

74

57

24

3

88

89

92

64

künftige Senioren

77

72

25

3

85

87

89

42

junge Alte

71

47

25

2

89

94

95

94

fortgeschrittene Ältere

65

28

21

3

90

91

99

62

Hochbetagte

67

22

22

11

95

86

100

100

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Im Siedlungsgebiet bestehen häufiger Kontakte zu den Nachbarn, die möglichweise durch mehr Austausch- und Unterstützungsleistungen auf Grund siedlungsbedingter Tätigkeiten am Eigenheim oder
Haus, im Garten etc. zustandekommen und von mehr als 85 Prozent der Befragten als zufrieden eingeschätzt werden. Ähnliches lässt sich für die Kontakte zu den Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen
feststellen, die unter den Bewohnerinnen und Bewohnern im Siedlungsgebiet ebenfalls häufiger und
zufriedener erlebt werden.
9.2

Soziale Unterstützungspotenziale

Der Einfluss sozialer Unterstützungsleistungen auf das subjektive und gesundheitliche Wohlbefinden
und auf die Bewältigung von ungünstigen oder sich stark verändernden Lebensbedingungen gilt als unbestritten. Im Kontext der sozialen Beziehungen sind daher die Unterstützungsleistungen, die jede/r
Einzelne in seinem/ihrem sozialen Umfeld erfährt, von großem Interesse.
Erstmalig wurden in der Erhebung 2015 Indikatoren zur sozialen Unterstützung verwendet, die sich an
der »Oslo-3-Items-Social-Support Scale« (Oslo-3) orientieren. Erfragt wurde, „auf wie viele Menschen
man sich bei ernsten persönlichen Problemen verlassen kann, wie viel Interesse und Anteilnahme andere Menschen an dem, was man tut, zeigen und wie leicht es ist, praktische Hilfe von Nachbarn zu erhalten“.80 Diese Skala misst sowohl die wahrgenommene soziale Unterstützung als auch das soziale Netzwerk (Hilfe aus der Nachbarschaft). Anknüpfend daran kann nun auch die Zahl der von sozialer Isolation
oder Einsamkeit Betroffenen in der Zielgruppe genauer quantifiziert und beschrieben werden.
Wenn Probleme auftauchen, können 27 Prozent der ab 50-Jährigen sich voll auf ein bis zwei Menschen
verlassen, 43 Prozent können auf die Hilfe von drei bis fünf nahestehenden Menschen bauen, und einem Viertel steht ein Kreis von mehr als fünf Unterstützern fest zur Seite. Drei Prozent haben keinen
Menschen, auf den sie sich verlassen können (2 Prozent ohne Antwort).

80

Siehe Robert Koch-Institut (Hrsg.) (2014) Soziale Unterstützung. Faktenblatt zu GEDA 2012: Ergebnisse der
Studie »Gesundheit in Deutschland aktuell 2012«. RKI, Berlin.

327

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Ein Alterseffekt tritt bei diesem Indikator nicht auf, vielmehr übt die soziale Lage einen starken Einfluss
auf die Erfahrungen von sozialen Unterstützungsleistungen aus. Für die Gruppe ohne einen nahestehenden Menschen ist erkennbar, dass ihr mehr Männer als Frauen angehören, es mehr Personen ohne
beruflichen Abschluss, Arbeitslose und Alleinlebende betrifft, aber auch mehr Personen mit weniger als
10 Jahren Wohndauer im Bezirk und mit Wohnsitz in Hellersdorf-Nord darunter sind.
Abbildung 9.2:

Anzahl von Menschen, „auf die man sich verlassen kann“ - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

23
25

keiner
27

ein oder zwei
drei bis fünf
mehr als fünf
ohne Antwort

43

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die Frage nach dem Interesse und der Anteilnahme anderer Menschen am eigenen Leben spiegelt ebenfalls die individuelle Wahrnehmung der sozialen Einbindung wider. In der Kommunikation erfährt ein
Mensch seine Wertschätzung durch andere Personen; ist es durch Interesse und Anteilnahme geprägt,
wird es sich eher positiv auf das Selbstbild und die Wirksamkeit im alltäglichen Handeln auswirken, ein
fehlendes Interesse von Anderen kann hingegen als ein Indiz für soziale Isolation gelten.
Rund die Hälfte der ab 50-Jährigen verspürt viel Interesse von anderen Menschen, 26 Prozent beschränken es auf „etwas Interesse“, 8 Prozent meinen, dass nur wenig Interesse an ihrer Person vorhanden sei,
und 2 Prozent meinen sogar, an ihrer Person gäbe es kein Interesse. Weitere 12 Prozent vermögen es
nicht einzuschätzen, was für eine unsichere Wahrnehmung der eigenen Person spricht (2 Prozent gaben
keine Antwort).

328

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 9.3:

„Wie viel Interesse und Anteilnahme zeigen andere Menschen an Ihrem Leben?“
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

12

23

keine/r

8

wenig
26

etwas
viel
weiß nicht

49

ohne Antwort

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Befragte mit der Auffassung, dass andere Menschen wenig oder gar nicht interessiert an ihnen wären
bzw. die ihre Situation in diesem Beziehungsgefüge als unsicher wahrnehmen, sind auch hier in überdurchschnittlichem Maße ohne Berufsabschluss, arbeitslos, geringfügig beschäftigt, alleinerziehend oder
wohnen in Hellersdorf-Ost.
Nachbarschaften gelten im System der sozialen Unterstützungsleistungen als ein zunehmend wichtiger
Faktor und demzufolge enthält der oben vorgestellte »Oslo-3-Items-Social-Support Scale« die Frage
nach der praktischen Hilfe durch Nachbarn.
Jede/r zweite Befragte ist überzeugt, auf einfache Art vom Nachbarn praktische Hilfe zu erhalten, darunter erachten es 19 Prozent als sehr einfach. Ein Drittel hält die Unterstützung durch Nachbarn für möglich, für 10 Prozent ist diese Hilfe nur schwerlich realisierbar, und 5 Prozent halten es für sehr schwer
machbar.
In sozialstruktureller Untersetzung lässt sich auch hier wieder erkennen, dass dem Personenkreis mit
geringen oder nur schwer zugänglichen Hilfs- und Unterstützungsleistungen durch Nachbarn die gleichen Merkmale zugeordnet werden können wie den beiden vorangegangenen Gruppen: Es sind vorrangig Personen ohne Berufsabschluss, Arbeitslose, Alleinerziehende, Personen mit einer Wohndauer von
unter 10 Jahren im Bezirk und Wohnsitz in Hellersdorf-Nord.

329

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 9.4:

„Wie einfach ist es, praktische Hilfe vom Nachbarn zu erhalten?“- ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

5 3
10

sehr einfach

19

einfach
es ist möglich
schwer

34

29

sehr schwer
ohne Antwort

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Nicht unerwähnt sollte der enge Zusammenhang zwischen der Ausübung eines bürgerschaftlichen Engagements und den sozialen Unterstützungspotenzialen bleiben, auf den in der Fachliteratur hingewiesen
wird und sich auch in den vorliegenden Daten wiederfindet. Aktiv Engagierte können auf eine zahlenmäßig größere Gruppe von Nahestehenden im Problemfall vertrauen als am Engagement nichtinteressierte Personen, ebenso empfinden aktiv Engagierte ein stärkeres Interesse an ihrer Person als die
Nichtinteressierten. Dieser Befund unterstreicht, dass die von außen erfahrene soziale Anerkennung
und Wertschätzung der eigenen Person und das Engagement für Andere aufeinander aufbauen und
letztendlich eine Basis für vertrauensvolle soziale Beziehungen sind.
Als eine Art Gesamtindex wird die Skala „sozialer Unterstützung“ durch die Addition der Einzelpunktwerte aus den drei Indikatoren ermittelt und drei Ausprägungen zugeordnet: geringe, mittlere und starke Unterstützung (81 Befragte, das entspricht 5 Prozent der Stichprobe, sind auf Grund fehlender Angaben nicht in der Skala enthalten).
Die Daten von 2015 lassen nun folgende Verteilung erkennen: 21 Prozent der ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf können nur auf eine geringe soziale Unterstützung bauen, 42 Prozent verfügen über
ein mittleres und 38 Prozent über ein starkes soziales Unterstützungsniveau.81

81

Zur Information: Die Daten aus „Gesundheit in Deutschland aktuell 2012“ betragen für geringe soziale Unterstützung 17,2 Prozent, für mittlere 51,7 und für starke soziale Unterstützung 31,1 Prozent. Siehe: Robert KochInstitut (Hrsg.) (2014) Soziale Unterstützung. Faktenblatt zu GEDA 2012: Ergebnisse der Studie »Gesundheit in
Deutschland aktuell 2012«. RKI, Berlin.

330

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 9.6:

Soziale Unterstützung (Skala) - nach sozialstrukturellen Merkmalen
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent Soziale Unterstützungen (Skala)
geringe

mittlere

starke

Gesamt

21

42

38

Frauen

18

41

41

Männer

23

43

34

mit Migrationshintergrund

32

50

19

ohne Migrationshintergrund

20

41

39

künftige Senioren: 50-65 Jahre

20

39

40

junge Alte: 65-75 Jahre

19

46

35

fortgeschrittene Ältere: 75-85 Jahre

22

45

33

Hochbetagte: 85 Jahre und älter

27

32

41

ohne Abschluss

37

50

14

Lehre/Teilausbildung

22

43

35

Fachhochschule/Meister/Techniker

15

39

46

Hochschule/Universität

13

38

49

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die Skala „soziale Unterstützung“ bestätigt die getroffenen Aussagen über die Gruppe mit geringer sozialer Unterstützung erneut: Männer müssen gegenüber Frauen mit einer geringeren sozialen Unterstützung rechnen (-5 Prozentpunkte), jeder dritten Person mit Migrationshintergrund und ebenso vielen
ohne beruflichen Abschluss steht nur ein geringes soziales Unterstützungspotenzial zur Verfügung.
Bedingt durch das der Skala „soziale Unterstützung“ zugrunde liegende Beziehungsgefüge ist die soziale
Unterstützung der 1-Personen-Haushalte am geringsten, mit zunehmender Personenzahl im Haushalt
wächst das Unterstützungspotenzial stark an. Analog gilt dieser Befund auch für die verschiedenen Lebensformen, wobei die Differenzierungen hier noch stärker zu Tage treten und insbesondere Alleinerziehende größtenteils nur auf geringe soziale Unterstützung bauen können (vgl. Tabelle 9.7).
Tabelle 9.7:

Soziale Unterstützung (Skala) - nach Haushaltsgröße und Lebensform
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent
Soziale Unterstützungen (Skala)
geringe

mittlere

starke

1 Person

26

47

27

2 Personen
3 Personen

18
16

40
36

42
47

4 und mehr Personen

18

37

46

mit Partner/in, ohne Kind/er
alleinlebend

18
26

40
47

42
27

mit Partner/in, mit Kind/ern

12

33

55

alleinerziehend

44

27

29

Haushaltsgröße

Lebensform

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

331

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Des Weiteren ist das familiale Netz von Personen mit geringer sozialer Unterstützung durch eine geringe
Anzahl von eigenen Kindern, Enkelkindern und anderen Verwandten gekennzeichnet (durchschnittlich
5 bis 10 Prozentpunkte weniger). Aber auch andere Personen wie Nachbarn, Arbeitskolleginnen und
Arbeitskollegen sowie Vereinsmitglieder gehören in geringerem Maße dem sozialen Netz dieser Personengruppe an. Ob Beziehungen insbesondere zu den Letztgenannten existieren oder nicht, ist u.a. auch
der Eigeninitiative wie Kontaktaufnahme, Interesse an den Anderen u.a. geschuldet.
Pflegebedürftige Personen unter den ab 50-Jähringen erfahren mit 32 Prozent geringer soziale Unterstützung eine deutlich geminderte Unterstützung als der Durchschnitt aller Befragten (21 Prozent), das
mittlere Niveau erreicht 48 Prozent und das starke Niveau 20 Prozent; bei Personen mit Schwerbehinderungen zeigen sich keine Unterschiede. Die hier erkennbaren Defizite in der sozialen Unterstützung für
pflegebedürftige Personen bedürfen besonderer Aufmerksamkeit.
Im Kontext der Hilfspotenziale im Alltag wurde erfragt, von welcher Person hauptsächlich Hilfe zu erwarten sei. Für alle drei Unterstützungsniveaus stehen der/die Partner/in als Helfende an erster Stelle,
wenn auch mit unterschiedlichem Niveau. 51 Prozent der Personen mit geringer sozialer Unterstützung
können Hilfe vom Partner oder von der Partnerin erwarten, bei Personen mit mittlerem Niveau steigt
diese Hilfe auf 58 Prozent und bei Personen mit starkem Niveau auf 68 Prozent an. Die zweite Position
an Hilfspotenzialen im Alltag ist bei jeder fünften Person mit geringer sozialer Unterstützung im übertragenden Sinne „nicht besetzt“, 22 Prozent haben niemanden, mit dessen Hilfe sie fest rechnen können.
Bei den anderen beiden Unterstützungsniveaus nehmen die Kinder die zweite Stelle ein.
Tabelle 9.8:

Soziale Unterstützung (Skala) - nach hauptsächlichen Personen für Hilfe im Alltag
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent
Soziale Unterstützungen (Skala)

Partner/Partnerin
Kinder
andere Verwandte
Freunde, Bekannte
andere Dienste
Nachbarn
niemand

geringe
51
17
3
6
1
0
22

mittlere
58
26
2
6
3
1
4

starke
68
24
2
3
2
2
0

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Auf Hilfen im Alltag von Freunden/Bekannten können 6 Prozent der Personen mit geringer und mittlerer
sozialer Unterstützung rechnen; dieser Wert erreicht das Doppelte gegenüber dem starken sozialen
Unterstützungsniveau. Ob Freunde, Bekannte oder auch Nachbarn in Zukunft mögliche „Leerstellen“ im
sozialen Unterstützungssystem mit „auffüllen“ werden, wie mitunter in der sozialpolitischen Diskussion
zu vernehmen ist, kann hier nicht eindeutig beantwortet werden.
Ihre Freizeitgestaltung verbringen Personen mit niedriger sozialer Unterstützung in stärkerem Maße
allein (27 Prozent gegenüber 16 Prozent im Durchschnitt), auch Nachbarn, persönliche Freunde oder
Club- bzw. Vereinsmitglieder stehen deutlich weniger als Freizeitpartner/-partnerinnen zur Verfügung.
Häufiger als die beiden anderen Gruppen gestalten Personen mit niedriger sozialer Unterstützung ihre
Freizeit mit Zufallsbekannten (9 Prozent gegenüber 6 bzw. 3 Prozent).

332

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Den Blick auf die Bezirksregionen gerichtet, ist eine höhere Konzentration der geringeren sozialen Unterstützung in Hellersdorf-Ost (36 Prozent) und Marzahn-Nord (31 Prozent) erkennbar, und hohe Anteile
einer starken sozialen Unterstützung finden sich im Siedlungsgebiet. Die bereits mehrfach skizzierte
soziale Lage mit starken Divergenzen zwischen beiden Siedlungstypen im Bezirk dürfte zu diesen Unterschieden führen.
Abbildung 9.5:

Soziale Unterstützung (Skala) - nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

100%
90%

27

80%

33

34

24

28

37
55

70%

56

47

60%
50%

42

48
51

40%

36

44

41

30%
20%
10%

34
31
16

22

28

22

Marzahn- Marzahn-Süd Hellersdorf- Hellersdorf- HellersdorfMitte
Nord
Ost
Süd
geringe

41

36

0%
MarzahnNord

26

mittlere

11
Biesdorf

18
Kaulsdorf

12
Mahlsdorf

starke

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die Skala „soziale Unterstützung“ wurde u.a. entwickelt, um Zusammenhänge zu erklären, warum Menschen, die sich nicht ausreichend unterstützt fühlen, psychosoziale Belastungen schlechter bewältigen
können und anfälliger für Krankheiten und Beschwerden sind. Eine Korrelation der hier erhobenen Daten zur subjektiven Gesundheitseinschätzung und der sozialen Unterstützung bestätigen diesen Befund:
Personen mit niedriger sozialer Unterstützung geben eine deutlich schlechtere Einschätzung zur Gesundheit ab als jene mit mittlerem und starkem Unterstützungsniveau. Unter den Personen mit niedriger sozialer Unterstützung fühlten sich 34 Prozent gesundheitlich gut, darunter 4 sehr gut, dieser Anteil
steigt bei den beiden anderen Gruppen auf 42 bzw. 53 Prozent an.
9.3

Nachbarschaftsbeziehungen

Die Nachbarschaftsbeziehungen spielen als eine Form der sozialen Beziehungen gleich an mehreren
Stellen im Untersuchungskonzept eine wichtige Rolle: im Bereich Wohnen tangieren sie das Wohlfühlen
der Bürgerinnen und Bürger im Bezirk als auch auf Stadtteilebene/Quartier, in der Freizeitgestaltung
sind Nachbarn gern gefragte Freizeitpartner und -partnerinnen, und in der gesundheitlichen Betreuung
und bei Alltagshilfen übernehmen Nachbarn wichtige Aufgaben und Funktionen.
Der Begriff Nachbarschaften beschreibt ein aufeinander bezogenes Verhalten von Menschen ohne große Verbindlichkeit in überschaubaren Sozialräumen. Nachbarschaften stehen seit geraumer Zeit verstärkt im Fokus der Öffentlichkeit, um angesichts gravierender sozialer Veränderungen wie demografischer Wandel und Mobilität (bspw. die der Kinder) das Potenzial für Hilfs- und Unterstützungsleistungen
zu erkunden.

333

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Im Bereich Wohnen betrachten 18 Prozent der ab 50-Jährigen ihre persönlichen Kontakte zu den Nachbarn als sehr gut, 45 Prozent schätzen sie mit gut ein, 26 Prozent befriedigend, aus Sicht von 6 Prozent
gelten sie als schlecht und 3 Prozent interessieren sich nicht dafür (2 Prozent ohne Antwort). In qualitativer Hinsicht zeichnen sich die Nachbarschaftsbeziehungen vorrangig durch kleine Hilfeleistungen
(75 Prozent) und einen vertrauensvollen Umgang (59 Prozent) aus. Auf der Straße einander zu grüßen,
ist für 43 Prozent der Befragten das Charakteristische an den Nachbarschaften. Attribute wie Rücksichtslosigkeit finden mit 7 Prozent oder Unfreundlichkeit mit 5 Prozent nur wenig Zustimmung unter
den Befragten, und 7 Prozent haben keine nachbarschaftlichen Beziehungen (siehe auch Kapitel 5:
Wohnen).
Die hier besonders im Fokus stehenden kleinen Hilfeleistungen füreinander bezeichnen drei Viertel aller
Befragten als das Typische ihrer Nachbarschaftsbeziehungen; das spricht für eine große Hilfsbereitschaft, die vor allem Hochbetagte und langjährige Bewohnerinnen und Bewohner (mehr als 40 Jahre im
Bezirk) erfahren. Weniger Zustimmung zu dieser Art der Nachbarschaftsbeziehungen findet sich bei Personen ohne beruflichen Abschluss, Arbeitslosen, Befragten aus Mehrpersonen-Haushalten (4 und mehr
Personen) sowie Bewohnerinnen und Bewohnern mit einer Wohndauer unter 10 Jahren im Bezirk. Im
Vergleich zu 2010 ist das Niveau der kleine Hilfeleistungen füreinander in der Nachbarschaft gleich geblieben.
Die Beziehungen zu Nachbarn unterliegen generell einer geringeren Verbindlichkeit als die zu Partnern
und Partnerinnen, Familienmitgliedern oder auch Freunden und so ist zu vermuten, dass die Einstellung
zu Nachbarschaftsbeziehungen stark von persönlichen Verhaltensdispositionen abhängt sowie vom bewussten Einlassen oder Initiieren solcher Beziehungen oder - wie oben gezeigt - dass eine prekäre soziale Lage die Beziehungen zu Nachbarn eher einschränkt.
Es liegt eine hohe Übereinstimmung zwischen der Einschätzung der Kontakte zu Nachbarn und dem
Erhalt praktischer Hilfen vom Nachbarn vor: wer die Kontakte zu Nachbarn als sehr gut einschätzt, geht
auch in hohem Maße davon aus, im Bedarfsfall mit der Hilfe von Nachbarn rechnen zu können (57 Prozent gegenüber 48 Prozent im Durchschnitt aller Befragten).

334

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 9.9:

Einschätzung der nachbarschaftlichen Kontakte und Erhalt von Nachbarschaftshilfe
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

nachbarschaftliche Kontakte

Nachbarschaftshilfe zu erhalten ist …
sehr einfach

einfach

ist möglich

schwer

sehr schwer

Gesamt

20

30

35

10

5

sehr gut

57

28

12

2

1

gut

18

41

35

5

1

befriedigend

3

18

52

21

6

schlecht

1

14

21

28

36

5

7

33

55

11

50

19

20

sehr schlecht
interessieren mich nicht

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die Nachbarschaften haben sich für die ab 50-Jährigen in den letzten Jahren hinsichtlich der Intensität,
individuellen Bedeutung und Wertschätzung kaum verändert. Nur ein geringer Teil der Befragten erfahren ihre Nachbarschaften als problematisch, weil kaum Kontakte oder Interesse an ihnen besteht. Rund
die Hälfte der ab 50-Jährigen ist überzeugt, im Bedarfsfall praktische Hilfe von den Nachbarn zu erhalten. Jedoch würden nur für 1 Prozent im ernsthaften Krankheitsfall die Nachbarn als hauptsächliche
Betreuungsperson in Frage kommen, das gleiche lässt sich für die Hilfe im Alltag feststellen (zu beachten
ist, dass die Fragen alternativ gestellt wurden und keine Mehrfachantworten zugelassen waren).
Gefahr durch soziale Isolierung
Eine Analyse der sozialen Beziehungen beinhaltet auch Aussagen über die Gefährdung durch soziale
Isolierung. Um diesen sensiblen Bereich abzubilden, kamen 2015 mehrere Indikatoren zum Einsatz, die
eine Quantifizierung dieser Personengruppe ermöglichten:


Anhand der Skala „soziale Unterstützung“ können 3 Prozent der Befragten bei ernsthaften Problemen auf keinen Menschen bauen.



Im Falle von Krankheit übernimmt bei 10 Prozent der ab 50-Jährigen niemand die Betreuung.



4 Prozent der Befragten haben niemanden, der im Alltag hilft.



Die Freizeitgestaltung verbringen 16 Prozent allein.

In der Zusammenfassung dieser Indikatoren zu einem Index können nun die soziale Einbindung und die
Gefahr einer sozialen Isolierung beschrieben werden. Mit 87 Prozent ist die überwiegende Mehrheit der
ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf sozial eingebunden. 13 Prozent der Befragten zeigen im sozialen
Beziehungsgefüge unterschiedlich ausgeprägte Defizite, so haben bspw. 8 Prozent darunter keine Unterstützung im Krankheitsfall, jedoch verbringen sie ihre Freizeit in Gesellschaft mit anderen Personen,
zwei Prozent verbringen die Freizeit allein und ebenso viele können keine Hilfeleistungen erwarten und
sind auch in der Freizeit ohne Geselligkeit (vgl. Tabelle 9.10).
Die oben genannte Zahl von 10 Prozent der Probanden, die im Falle einer Krankheitspflege auf niemanden zurückgreifen können, steht nicht im Widerspruch zu der im Index „soziale Integration“ ermittelten
Zahl von einem Prozent, denn soziale Kontakte zu Partnerinnen/Partnern, Kindern, Enkeln u.a. können
durchaus gegeben sein, jedoch steht dieser Personenkreis für eine Betreuung im Krankheitsfall nicht zur
Verfügung.

335

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 9.10:

Soziale Integration und Gefahr sozialer Isolierung - nach sozialstrukturellen
Merkmalen - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent Soziale Integration
sozial integrierte
Personen

keine Hilfe bei
Krankheit

Gesamt

87

Frauen

88

Männer

84

mit Migrationshintergrund

79

ohne Migrationshintergrund

87

künftige Senioren

86

junge Alte

88

1

fortgeschrittene Ältere

90

1

Hochbetagte

81

1

allein in der
Freizeit

keine Hilfe,
keine Gesellschaft

keine Hilfe, aber
Gesellschaft in
der Freizeit

2

2

8

2

1

8

1

2

4

1

7

8
13

2

2

8

2

2

10

2

3

5

2

1

6

9

10

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Frauen sind etwas stärker sozial integriert als die Männer und umgekehrt weisen die Männer etwas
stärker die Gefahr einer sozialen Isolierung auf. Personen mit Migrationshintergrund sind deutlich stärker einer sozialen Isolierung ausgesetzt als die einheimische Bevölkerung, wobei die vergleichsweise
hohen Anteile von 7 Prozent, die ihre Freizeit allein verbringen, auffallen. Auch unter den Hochbetagten
verbringen 9 Prozent viel Zeit des Tages allein.
Die sozialräumliche Verteilung ab 50-Jähriger, die sehr stark einer Gefahr von sozialer Isolierung ausgesetzt sind (keine Hilfe und keine Gesellschaft), lässt eine Konzentration in Marzahn-Nord, Marzahn-Süd
und Hellersdorf-Ost erkennen (alle 4 Prozent); im Siedlungsgebiet hingegen besteht diese Gefahr für 2
Prozent der Befragten in Biesdorf.
Tabelle 9.11:

Soziale Integration und Gefahr sozialer Isolierung - nach Bezirksregionen
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent Soziale Integration
sozial integrierte
Personen

keine Hilfe bei
Krankheit

allein in der
Freizeit

keine Hilfe,
keine Gesellschaft

keine Hilfe, aber
Gesellschaft in
der Freizeit

Marzahn-Nord

80

4

4

Marzahn-Mitte

86

Marzahn-Süd

82

1

4

3

6

1

2

4

11

Hellersdorf-Nord

84

1

Hellersdorf-Ost

84

5

1

14

4

7

Hellersdorf-Süd

91

Biesdorf

89

1

1

7

1

2

8

Kaulsdorf

95

3

2

Mahlsdorf

94

1

5

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

336

12

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Gegenüber 2010 ist die Gefahr einer sozialen Isolierung zwar um 2 Prozentpunkte gesunken, aber dennoch sind die gleichen Personengruppen wie damals betroffen und verweisen auf bezirklichen Handlungsbedarf, um der sozialen Isolierung entgegen zu wirken.
Exkurs:
Einstellungen der Bürgerinnen und Bürger von Marzahn-Hellersdorf gegenüber Personen mit
Migrationshintergrund und ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern
In der Untersuchung 2015 wurden die Kontakte und Einstellungen zu Mitbürgerinnen und Mitbürgern
mit ausländischer Herkunft erhoben. Gefragt wurde nach Kontakten in verschiedenen sozialräumlichen
Begegnungsmöglichkeiten: in der Nachbarschaft, auf der Straße, im Wohngebiet und im Bezirk Marzahn-Hellersdorf (die Ebene der sozialen Beziehungen wie z.B. mit Ausländerinnen und Ausländern befreundet sein, ausländische Familienmitglieder oder berufliche Kontakte standen nicht im Fokus).
Ein zusammenfassender Blick auf alle Kontaktmöglichkeiten zeigt, dass nur jeder fünfte Befragte überhaupt Kontakte zu ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern hat, 60 Prozent haben keine Kontakte, und jeder Zehnte lehnt Kontakte dezidiert ab (10 Prozent ohne Antwort).
Die häufigsten Kontakte finden in der Nachbarschaft statt, 25 Prozent der ab 50-Jährigen berichten davon. Auf der Ebene des Bezirkes begegnen 17 Prozent der Befragten ausländischen Mitbürgerinnen und
Mitbürgern, im Wohngebiet und auf der Straße ergibt sich eine nahezu gleiche Kontaktdichte mit 16
bzw. 15 Prozent.
Wer Kontakte zu ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern hat, bewertet diese größtenteils positiv. Ein Viertel der Befragten mit Kontakten in der Nachbarschaft beurteilen alle diese Begegnungen mit
gut; ähnlich ist die Einschätzung der Kontakte auf der Straße, im Wohngebiet und im Bezirk.
Abbildung 9.6:

Kontakte auf Bezirksebene zu Mitbürgerinnen und Mitbürgern mit ausländischer
Herkunft - ab 50- Jährige Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

59
keine Kontakte

17

haben Kontakte
möchten keine Kontakte

11
13

ohne Antwort

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die Bewohnerinnen und Bewohner in den Großsiedlungen Marzahn und Hellersdorf stehen in häufigeren Kontakten zu ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern als die Befragten im Siedlungsgebiet.
Diese Differenz dürfte u.a. auf den höheren Anteil von Einwohnerinnen und Einwohnern mit Migrati-

337

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

onshintergrund in den beiden Großsiedlungen zurückzuführen sein.82 Die höchste Ablehnung von Kontakten treten in der Großsiedlung Hellersdorf mit 15 Prozent und Marzahn mit 11 Prozent auf.
Abbildung 9.7:

Keine und nicht gewünschte Kontakte in der Nachbarschaft zu Ausländerinnen/Ausländern und Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent -

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Weitere Untersetzungen nach sozialstrukturellen Merkmalen lassen Folgendes erkennen:


Männer zeigen etwas stärkere Vorbehalte gegenüber ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern als Frauen (2-3 Prozentpunkte Unterschied).



Bezieherinnen und Bezieher unterer Einkommen berichten von mehr Kontakten zu ausländischen
Mitbürgerinnen und Mitbürgern als Bezieherinnen/Bezieher höherer Einkommen (Erstgenannte begegnen ihnen möglicherweise häufiger im Alltag, Aus- und Weiterbildung, Berufs- und Arbeitswelt.
Letztgenannte wohnen vor allem im Siedlungsgebiet, das einen geringeren Anteil von Bürgerinnen
und Bürgern mit Migrationshintergrund aufweist).



Personen mit Migrationshintergrund zeigen ein etwas uneinheitliches Bild: Einerseits geben sie
mehr (und gute Kontakte) an, andererseits finden sich unter ihnen aber auch höhere Anteile von Ablehnungen.



Künftige Senioren zeigen ein ähnliches Bild wie Personen mit Migrationshintergrund, wenn auch in
etwas abgeschwächter Form.



Die Mehrheit der Kontakte wird positiv erlebt.

82

Vgl. Demographiebericht Marzahn-Hellersdorf 2014, Tabelle 27: Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund 2014 je Stadtteil (in %), S. 32.

338

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015



Auf der Ebene der Nachbarschaften wird das Verhältnis zu ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern am besten beurteilt.



Unter den Bewohnerinnen und Bewohnern in den Bezirksregionen Marzahn-Mitte, Hellersdorf-Ost,
Hellersdorf-Süd sind die meisten Vorbehalte anzutreffen.



Politisch interessierte Personen stehen mehr in Kontakt zu ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, wenig politisch Interessierte möchten überwiegend keinen Kontakt.

Die im Jahr 2015 neu eigerichteten Gemeinschaftsunterkünfte und Notunterkünfte befinden sich zum
überwiegenden Teil in Marzahn (insbesondere in Marzahn-Mitte). In der Stichprobe ist ein direkter Zusammenhang zwischen Wohnort der Befragten (nur auf Stadtteilebene), den Unterkünften für Flüchtlinge und der Kontaktdichte zu ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern nicht erkennbar (eine Aussage direkt zu Flüchtlingen/Asylbewerbern wurde nicht erfragt).
Offene und ablehnende Haltungen gegenüber ausländischen Bürgerinnen und Bürgern
Das Spektrum der Einstellungen gegenüber ausländischen Bürgerinnen und Bürgern ist vielgestaltig, so
dass in einem weiteren Analyseschritt aus den Befragungsdaten zwei Teilgruppen gebildet wurden, die
die Einstellungen zu ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern bündeln: Zum einen wurde jene
Personengruppe ermittelt, die von guten Kontakten zu Ausländerinnen/Ausländern in allen vier Begegnungsräumen berichtet, zum anderen wurde gewissermaßen als Pendant dazu eine Gruppe gebildet, die
keine Kontakte möchte (ebenfalls in allen vier Begegnungsräumen). Der ersten, hier „offen“ genannten
Gruppe konnten 152 Personen (11 Prozent der Gesamtstichprobe) zugeordnet werden, der zweiten,
hier „ablehnende“ Gruppe genannt, 171 Personen (12 Prozent der Gesamtstichprobe), die verbleibenden 77 Prozent sind „indifferent“ in ihren Einstellungen und werden als Gruppe nicht ausführlich betrachtet. Die neu gebildeten zwei Teilgruppen stellen gewissermaßen Extrempositionen dar und können
nun vertiefend charakterisiert werden.
In sozialstruktureller Hinsicht sind Frauen ab 50 Jahre etwas offener gegenüber Ausländerinnen und
Ausländern eingestellt als Männer (12 Prozent gegenüber 10 Prozent) und auch Personen mit Migrationshintergrund verhalten sich offener gegenüber Ausländerinnen und Ausländern. Unter den Ablehnenden finden sich deutlich mehr Personen ohne bzw. mit geringer Qualifikation. Arbeitslose Befragte
berichten selbst - entgegen weit verbreiteten Stereotypen und das gilt zumindest für die Gruppe ab
50 Jahre - von guten Kontakten zu Ausländerinnen und Ausländern. Auffallend ist die hohe Zahl der geringfügig Beschäftigten unter den Ablehnenden (auf Grund der geringen Fallzahl von 38 können keine
weiteren Erklärungen gegeben werden).

339

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 9.12:

Einstellungen gegenüber Ausländerinnen und Ausländern (Skala) und sozialstrukturelle Merkmale - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent Einstellung zu Ausländerinnen/Ausländern
offen

ablehnend

Gesamt

11

12

Frauen

12

11

Männer

10

13

mit Migrationshintergrund

26

10

ohne Migrationshintergrund

10

12

künftige Senioren: 50-65 Jahre

12

14

junge Alte: 65-75 Jahre

10

11

fortgeschrittene Ältere: 75-85 Jahre

7

7

Hochbetagte: 85 Jahre und älter

5

10

10

26

9

14

13

11

9

5

Erwerbstätigkeit - Vollzeit

9

14

Erwerbstätigkeit - Teilzeit

12

13

arbeitslos

31

6

6

31

nicht erwerbstätig

10

11

unter 1.000 Euro

19

16

1.000 - 1.999 Euro

11

11

2.000 - 2.999 Euro

9

14

3.000 - 3.999 Euro

9

10

4.000 Euro und mehr

6

8

ohne Antwort

14

14

Marzahn-Nord

18

9

Marzahn-Mitte

15

16

Marzahn-Süd

17

13

Hellersdorf-Nord

14

11

Hellersdorf-Ost

6

19

Hellersdorf-Süd

5

20

Biesdorf

8

8

Kaulsdorf

5

8

Mahlsdorf

5

8

ohne Abschluss
Lehre/Teilausbildung
Fachhochschule/Meister/Techniker
Hochschule/Universität

geringfügig beschäftigt

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die ablehnende Haltung gegenüber ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern ist in den Bezirksregionen Marzahn-Mitte, Hellersdorf-Ost und Hellersdorf-Süd am größten.
Die Einstellungen zu ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern und die Einkommenssituation der
Befragten scheinen eng miteinander zu korrelieren. Personen mit geringeren Einkommen haben - wie
oben bereits festgestellt wurde - mehr Kontakte und da diese großenteils als gut wahrgenommen wer-

340

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

den, finden sich diese Personen auch in der offen gegenüber Ausländerinnen und Ausländern eingestellten Gruppe. Anhand der aus den Daten analysierten Armuts- und Reichtumsverteilung wird erkennbar,
dass die den Armutsprofilen zugeordneten Befragten deutlich stärker in der offen eingestellten Gruppe
vertreten sind. In der unter der Armutsgrenze (einschließlich strenge Armut) liegende Gruppe verhalten
sich 29 Prozent offen gegenüber Ausländerinnen und Ausländern, in der Gruppe mit überdurchschnittlichen Einkommen (inklusive der reichen Einkommen) sind es „nur“ 9 Prozent. Die ablehnenden Quoten
betragen für die Einkommensarmuts-Gruppen 5 Prozent und für die Einkommensreichen 10 Prozent.
Die größten Vorbehalte gegenüber Ausländerinnen und Ausländern existieren in der Einkommensgruppe „unter der Armutsrisikoschwelle“ (aber über der strengen Armut/Armutsgrenze); jeder Fünfte unter
ihnen möchte keine Kontakte zu Ausländerinnen und Ausländern.
Abbildung 9.8:

Armuts- und Reichtumsverteilung und Einstellungen gegenüber Ausländerinnen und
Ausländern - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

5
20

14

10

67

78

81

13

8

9

u. d. Armutsrisikoschwelle
(765-917 Euro)

unterdurchschn. Eink.
(918-1527 Euro)

überdurchschn./reiche
Eink. (1528-3055 Euro)

66

29

strenge Armut/u.d.
Armutsgrenze (612-764
Euro)

offen

indifferent

nicht möchte

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Dass acht von zehn Befragten mit überdurchschnittlichen Einkommen kein eindeutiges Bekenntnis in
ihren Einstellungen gegenüber Ausländerinnen und Ausländern erkennen lassen, ist möglicherweise auf
ihre geringen Kontakte zurückzuführen. Es drängt sich hier die Frage auf, wie diese Gruppe, denen oftmals eine relativ hohe Ausstattung mit „sozialem Kapital“83 zugeschrieben wird, noch stärker und umfangreicher als Unterstützer für die Integration von Flüchtlingen und ausländischen Mitbürgerinnen und
Mitbürgern gewonnen werden kann.

83

„Mit dem soziologischen Begriff soziales Kapital bezeichnet Pierre Bourdieu (1983) die Gesamtheit der aktuellen und potenziellen Ressourcen, die mit der Teilhabe am Netz sozialer Beziehungen gegenseitigen Kennens
und Anerkennens verbunden sein können.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Soziales_Kapital, 26.1.2016.

341

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Über die Nachbarschaftsverhältnisse vertreten die offen eingestellte und die ablehnende Gruppe sehr
unterschiedliche Auffassungen (wobei nicht bekannt ist, ob in der unmittelbaren Nachbarschaft Personen mit Migrationshintergrund oder Ausländerinnen und Ausländer wohnen).
Zwei Drittel der offen gegenüber Ausländerinnen und Ausländern eingestellten Gruppe pflegen gute
Beziehungen zu ihren Nachbarn, darunter 22 Prozent sehr gute. In der ablehnenden Gruppe teilt nur
jeder Zweite diese Auffassung. 14 Prozent darunter schätzen ihre Nachbarschaftsbeziehungen als sehr
gut ein. Auffallend hoch ist in dieser Gruppe der Anteil von 11 Prozent, die an Kontakten zu Nachbarn
nicht interessiert sind, während es in der anderen Gruppe keinen einzigen gibt.
Abbildung 9.9:

Einschätzung Nachbarschaftsverhältnisse und Einstellungen gegenüber Ausländerinnen und Ausländern - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

gut

ablehnend

41

2

22

11

14

7

26

27

39

47

sehr gut
gut
befriedigend
schlecht
sehr schlecht
interessiert mich nicht
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

In den Einstellungsdimensionen wie Lebenszufriedenheit, Werte und Zufriedenheiten mit einzelnen
Lebensbereichen sind weitere, zum Teil gravierende Unterschiede laut vorliegenden Daten zwischen
beiden Gruppen erkennbar.
Die offen eingestellte Gruppe ist mit 69 Prozent deutlich zufriedener mit ihrem Leben als die ablehnende Gruppe mit 54 Prozent; eine solch starke Differenzierung in der allgemeinen Lebenszufriedenheit war
nicht zu erwarten. Auch leben mehr Personen aus der ersten Gruppe gern im Bezirk als Personen aus
der anderen Gruppe (87 Prozent gegenüber 81 Prozent).
In der Wertorientierung gewichtet die offen eingestellte Gruppe viele Werte stärker als die andere
Gruppe: So erachten 92 Prozent der offen Eingestellten die Bildung als wichtig im Leben gegenüber
77 Prozent in der ablehnenden Gruppe. Die Relationen vieler anderer Werte sind ähnlich, einige andere
unterscheiden sich nicht, wie z.B. „in sozialer Sicherheit leben“ (vgl. Tabelle 9.14).

342

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Eine Ausnahme in diesem Einstellungsmuster betrifft den Wert „Arbeit zu haben“, dieser ist für die ablehnende Gruppe mit 83 Prozent wichtiger als für die offen eingestellte Gruppe mit 77 Prozent. Eine
Erklärung hierfür wäre in der größeren Sorge um Arbeitsplatzverlust zu vermuten, da diese Gruppe die
größten Anteile von geringfügig Beschäftigten aufweist; des Weiteren ist das Faktum „eine Arbeit zu
haben“ für das eigene Selbstwertgefühl immens wichtig.
Die Zufriedenheit mit ausgewählten Lebensbereichen folgt dem obigen Muster. Auch hier zeigt sich eine
größere Zufriedenheit der offen eingestellten Gruppe mit der Wohnung, den demokratischen Mitwirkungsmöglichkeiten, der Arbeit, den eigenen Zukunftsaussichten oder den zwischenmenschlichen Beziehungen. In der Einschätzung der öffentlichen Sicherheit auf Straßen und Plätzen zeigen sich
18 Prozent der offen eingestellten Gruppe zufrieden und 13 Prozent der ablehnenden Gruppe; jedoch ist
die Unzufriedenheit der ablehnenden Gruppe mit 36 Prozent gegenüber der anderen Gruppe mit
15 Prozent mehr als doppelt so hoch. Offensichtlich existiert unter der ablehnenden Personengruppe
ein starkes Gefühl der Verunsicherung im öffentlichen Raum. Die Fragen aber, welche (vielleicht auch
diffusen) Eindrücke, Erfahrungen oder Meinungsbilder zu diesem Urteil beitragen, waren nicht Gegenstand der Untersuchung.
Tabelle 9.13:

Wertorientierungen, Zufriedenheiten und Einstellungen gegenüber Ausländerinnen/Ausländern (Skala) - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

Einstellungsvariablen

Einstellungen zu Ausländerinnen/Ausländern
offen

ablehnend

allgemeine Lebenszufriedenheit:
„sehr zufrieden/zufrieden“

69

54

gern leben im Bezirk: „ja“

87

81

Bildung

92

77

demokratische Gesellschaft

82

66

Freunde zu haben

93

82

Arbeit zu haben

77

83

allgemeine zwischenmenschliche Beziehungen

93

80

Wohngebietsbedingungen

48

46

Wohnung

66

61

öffentlicher Sicherheit auf Straßen und Plätzen

18

13

demokratischen Mitwirkungsmöglichkeiten

25

11

Arbeit

41

29

Verhältnis von Einkommen und Preisen

16

7

eigenen Zukunftsaussichten

36

22

zwischenmenschlichen Beziehungen

57

37

Werte: „wichtig“

Zufriedenheit mit …

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Im Bereich Wohnen wurde nach Gründen für eine neue Wohnung oder Wohngegend gefragt, zur Auswahl stand auch der Grund „weniger Ausländer“. Während 2 Prozent der offen eingestellten Gruppe
diesen Grund angaben, waren es unter der ablehnenden Gruppe 35 Prozent. Etwas zugespitzt lässt sich

343

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

formulieren: mehr als ein Drittel dieser Personengruppe möchte keine ausländischen Nachbarinnen und
Nachbarn haben (in der Gesamtstichprobe beträgt dieser Wert 9 Prozent).
Das Zusammenleben mit Ausländerinnen und Ausländern unterstützen
Zu einer gelingenden Integration gehört die Bereitschaft einer Zivilgesellschaft, ein friedliebendes Zusammenleben mit Flüchtlingen, Personen mit Migrationshintergrund sowie Ausländerinnen und Ausländern zu praktizieren und umfassende Hilfestellungen zu geben, unabdingbar dazu. Unter den ab
50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf wäre jede/r Dritte bereit, persönlich einen Beitrag zum Zusammenleben mit Flüchtlingen, Personen mit Migrationshintergrund und Ausländerinnen/Ausländern zu leisten.
Als Unterstützer erklären sich deutlich mehr Personen mit Migrationshintergrund bereit als ohne
(50 Prozent gegenüber 35 Prozent), Fachhoch- und Hochschulabsolventen, Teilzeitbeschäftigte und arbeitslose Personen sowie Personen mit einem Haushaltseinkommen von über 3.000 Euro.
Bewohnerinnen und Bewohner aus Kaulsdorf, Marzahn-Nord und Mahlsdorf erklären sich in überdurchschnittlichem Maße bereit, dass Zusammenleben mit Ausländerinnen/Ausländern, Personen mit Migrationshintergrund und Flüchtlingen zu unterstützen (40 Prozent).
Als konkrete Form der Unterstützung plädieren die meisten Befragten für eine Sach- oder Geldspende,
an der sich 24 Prozent aller ab 50-Jährigen beteiligen wollen, unter der offen eingestellten Gruppe steigt
diese Zahl auf 38 Prozent, bei der ablehnenden Gruppe sinkt dieser Wert auf Null. Gesprächsangebote,
gemeinsame Freizeitgestaltung und das Spielen mit Kindern bietet die offen eingestellte Gruppe mehr
als doppelt so oft an als der Durchschnitt aller Befragten.
Tabelle 9.14:

Konkrete Angebote zur Unterstützung von Ausländerinnen und Ausländern
- ab 50-Jährige - Marzahn- Hellersdorf 2015 - in Prozent alle Befragten

Einstellung zu Ausländerinnen/Ausländern
offene

ablehnende

Beteiligungsmöglichkeiten
Sach- oder Geldspende

24

38

-

Gesprächsangebote

16

38

2

gemeinsame Aktivitäten in der Freizeit

13

34

-

Beschäftigung mit Kindern

13

29

-

9

18

-

Beteiligung an Willkommensinitiativen
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Im Untersuchungsdesign zum bürgerschaftlichen Engagement wurde nach dem aktiv ausgeübten Engagement, nach dem Interesse am Engagement oder Nichtinteresse gefragt. Unter den offen gegenüber
Ausländerinnen und Ausländern Eingestellten ist das aktive Engagement mit 32 Prozent doppelt so groß
wie unter der Gruppe der Ablehnenden (16 Prozent). Auf die Frage nach der bevorzugten Zielgruppe, für
die Interessierte sich einsetzen wollen, folgen auf Platz drei nach Kindern, Jugendlichen und Seniorinnen
und Senioren explizit die Zielgruppe der Personen mit Migrationshintergrund.
Vorschläge und Ideen für ein gelingendes Zusammenleben mit ausländischen Bürgerinnen und Bürgern
unterbreiteten 45 Befragte. An der Spitze steht das Erlernen der deutschen Sprache, dann wurden die
Begleitung zu Behörden sowie anderen Einrichtungen und Beratungen erwähnt. Die nachfolgende Ab-

344

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

bildung präsentiert alle von den Befragten abgegebenen Stichworte, die in Abhängigkeit von der Anzahl
der Nennungen in unterschiedlicher Größe dargestellt sind, dabei gilt: ist der Schriftzug größer, desto
häufiger wurde der Begriff genannt.
Abbildung 9.10:

Ideen und Aktivitäten zur Unterstützung von Mitbürgerinnen und Mitbürgern mit
ausländischer Herkunft - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 (Stichworte)
- in Prozent -

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.), erstellt mit http://www.wordle.net/

9.4

Öffentliche Beratungsangebote als spezifische Form der sozialen Kontakte

Im Bezirk Marzahn-Hellersdorf werden eine Reihe von Beratungen zu verschiedensten Themen wie Sozial-, Mieten-, Renten-, Rechts- oder Gesundheitsberatung angeboten, die Hilfen und Unterstützung für
den Lebensalltag der Bürgerinnen und Bürger bieten. Die Inanspruchnahme öffentlicher Beratungsangebote stellt dabei selbst eine spezielle Kommunikationssituation zwischen Ratsuchenden und dem Personal der Beratungseinrichtungen dar.
Viele der Beratungsstellen sind seit Längerem im Bezirk tätig, sie beschäftigen qualifiziertes und erfahrenes Personal und richten ihre Arbeit zielgruppenorientiert aus, wozu auch die unterschiedliche Trägerschaft - Bezirksamt, Wohlfahrtsverbände, Vereine u.a. - mit ihren spezifischen Kompetenzen beiträgt.
Ratsuchende können sich in den Beratungsstellen über die geltende Rechtslage informieren und erhalten konkrete Hilfsangebote bzw. es wird gemeinsam nach einer geeigneten Problemlösung gesucht.
Im Mittelpunkt des Kapitels stehen der Bekanntheitsgrad und die Inanspruchnahme von Beratungsangeboten sowie Gründe für die Nichtnutzung. Für die ab 50-Jährigen ist von einem speziellen Beratungsbedarf auszugehen, der sich von der Sozial- und Rentenberatung über Gesundheits- und Pflegeberatung
bis zum Wohnen erstrecken kann.

345

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Bekanntheits- und Nutzungsgrad der Beratungseinrichtungen
Die Beratungsstellen des Gesundheits- und Sozialamtes sind mit 38 Prozent die bekanntesten unter den
Befragten (Addition der Antwortskalen „bekannt“, „schon genutzt“ und „war damit zufrieden“, siehe
Abbildung 9.11), darunter nutzten 6 Prozent schon einmal diese Angebote. Jeder Dritte kennt die Rentenberatung und auf ebenfalls 6 Prozent beläuft sich die Inanspruchnahme dieses Angebotes.
In ähnlicher Größenordnung verhält es sich mit dem Bekanntheitsgrad der Mieter-, Pflege-, Sozial- und
Rechtsberatung; rund ein Drittel der ab 50-Jährigen haben Kenntnis davon und zwischen 2 und 4 Prozent haben sie bereits nachgefragt. Schuldnerberatungsstellen sind ca. jedem/r Vierten bekannt, und 2
Prozent haben sich hierzu beraten lassen.
Gesundheits-, Ernährungs-, Suchtberatung nehmen in der Rangliste des Bekanntheitsgrades die unteren
Plätze ein, rund ein Fünftel weiß um diese Beratungsangebote und 2 Prozent haben sich zu Gesundheitsund Ernährungsfragen beraten lassen, zur Suchtberatung niemand unter den Befragten.
Abbildung 9.11:

Bekanntheits- und Nutzungsgrad von Beratungsangeboten - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent –

Beratungsstellen Gesundh.- u. Sozialamt

32

Mieterberatung

27

Rentenberatung

26

49

3 3

53

13

11

18

51

3 3

18

Pflegeberatung

24

56

22

18

Sozialberatung

23

57

11

18

Rechtsberatung

23

55

22

18

Schuldnerberatung

21

58

11

18

Gesundheitsberatung

19

Ernährungsberatung

17

Suchtberatung
bekannt

nicht bekannt

60
62

15
schon genutzt

11

24
11

60

0

war damit zufrieden

ohne Antwort

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

346

19
25

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 9.12:

Bekanntheits- und Nutzungsgrad von Beratungsangeboten - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent ja

Angebote bekannt

nein/o.A.
Inanspruchnahme
in Prozent
2

6

32

Beratungsstellen
Gesundheits- u. Sozialamt

23

Sozialberatung
75

62
2

27

Mieterberatung

2

21

Schuldnerberatung
71
6

77
2

26

Rentenberatung

19

Gesundheitsberatung
68
4

79
2

24

Pflegeberatung

17

Ernährungsberatung
72

4

81
0

23

Rechtsberatung

15

Suchtberatung
73

85

Das herausgehobene Kreissegment stellt die Inanspruchnahme des Beratungsbedarfs dar. o.A. = ohne Antwort
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die Hälfte aller Befragten, die Beratungsangebote in Anspruch genommen haben, äußert sich zufrieden
mit der Beratung; diese Aussage trifft auf alle Beratungsangebote zu.
Der Bekanntheitsgrad der aufgezählten Beratungsangebote veränderte sich im Vergleich des Jahres
2015 gegenüber 2010 kaum. Der größere Sprung hatte sich bereits von 2005 zu 2010 vollzogen mit einer
deutlichen Zunahme des Bekanntheitsgrades der vom Bezirk getragenen Gesundheits- und Sozialberatung und der Rentenberatung (vgl. Tabelle 9.15).
Tabelle 9.15:

Bekanntheitsgrad von Beratungsangeboten im Bezirk - Vergleich 2015, 2010 und
2005 - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

Beratungsangebote
Beratungsstellen des Gesundheits- und Sozialamtes
Rentenberatung
Mieterberatung
Pflegeberatung
Rechtsberatung
Sozialberatung
Schuldnerberatung
Gesundheitsberatung
Ernährungsberatung
Suchtberatung

2015
38
32
29
28
27
25
23
21
19
18

* vgl. „50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2010“, S. 265
** n.e. = nicht erfragt
Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

347

2010*
40
34
32
27
28
23
n.e.**
n.e.
20

2005*
21
21
25
n.e.
n.e.
24
21
n.e.
n.e.
n.e.

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Die Inanspruchnahme der Beratungsangebote lag in den Jahren 2005 und 2010 je nach Beratungsangebot variierend zwischen 2 bis 4 Prozent, 2015 stieg die Quote etwas an und liegt aktuell zwischen 2 bis
6 Prozent.
2015 gilt wie für die Jahre zuvor, dass der Bekanntheitsgrad eines Beratungsangebotes größer ist als die
Inanspruchnahme; das kann durchaus als ein Beleg für eine erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung der Träger von Beratungsangeboten gelten und ist, neben anderen Multiplikatoren, möglicherweise auch auf die Weiterempfehlungen durch Nutzerinnen und Nutzer via „Mund zu Mund-Propaganda“ zurückzuführen.
Die Verteilung der Bekanntheitsgrade von Beratungsangeboten in den Bezirksregionen lässt eine Häufung für Marzahn-Nord erkennen: Unter den dortigen Bewohnerinnen und Bewohnern ab 50 Jahre sind
sieben von zehn Beratungsangeboten in überdurchschnittlichem Maße bekannt.
Die Befragten in den beiden Großsiedlungen Marzahn und Hellersdorf sind vor allem Mieterinnen und
Mieter ihrer Wohnungen und daher umfangreicher über die Möglichkeiten einer Mieterberatung informiert als im Siedlungsgebiet. In Marzahn-Nord und in Marzahn-Süd wissen die Bewohnerinnen und Bewohner am meisten um die Möglichkeiten einer Rentenberatung und in Marzahn-Nord und HellersdorfNord um die einer Sozialberatung. Beratungen zur Pflege und Pflegesituation sind vor allem unter den
Bewohnerinnen und Bewohnern von Marzahn-Nord und Marzahn-Mitte bekannt, alle anderen Beratungsangebote lassen kaum sozialräumliche Differenzierungen erkennen. Die geringsten Bekanntheitsgrade von Beratungsangeboten sind für die Bezirksregion Hellersdorf-Ost festzustellen.
Tabelle 9.16:
Bezirksregionen

Bekanntheitsgrad von Beratungsangeboten - nach Bezirksregionen
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent Beratung
Gesundh.Sozialamt

Rentenberatung

Mieterberatung

Pflegeberatung

Rechtsberatung

Sozialberatung

Schuldnerberatung

Gesundheitsberatung

Ernährungsberatung

Suchtberatung

Insgesamt

43

38

36

33

33

31

29

26

23

21

Marzahn-Nord

49

47

49

40

35

41

32

36

29

21

Marzahn-Mitte

41

41

43

37

31

29

28

24

20

22

Marzahn-Süd

48

46

36

36

33

33

27

26

23

18

Hellersdorf-Nord

51

37

33

35

33

37

34

25

14

20

Hellersdorf-Ost

45

28

44

20

31

21

29

18

21

16

Hellersdorf-Süd

47

37

36

25

27

19

23

24

20

21

Biesdorf

32

33

30

26

35

26

29

23

23

20

Kaulsdorf

37

39

31

33

34

28

26

31

29

23

Mahlsdorf

40

32

25

33

37

29

28

27

25

24

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Sozialstrukturelle Merkmale der Inanspruchnahme von Beratungseinrichtungen
Die Inhalte von Beratungsangeboten sind sehr verschieden und üben einen erheblichen Einfluss auf den
Bekanntheitsgrad aus. Bspw. ist unter den jungen Alten (65- bis 75-Jährige) die Rentenberatung am bekanntesten. Es ist davon auszugehen, dass es im Zuge des Übergangs in den Ruhestand Kontakte zum
Rentenversicherungsträger gab und bei strittigen Themen bzw. Auffassungen nach einer unabhängigen

348

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Rentenberatung gesucht wird. Die Hochbetagten treten überdurchschnittlich als Ratsuchende auf, wenn
es um Pflege und Ernährung geht.
Die Inanspruchnahme von Beratungen hängt neben der Altersphase und aktuellen Lebenssituation auch
vom Problem ab, für das nach einer Lösung gesucht wird. So fragen Frauen und Hochbetagte in stärkerem Maße nach einer Pflegeberatung, weil möglicherweise eine persönliche oder familiäre Betroffenheit
vorliegt.
Die Kenntnis von Beratungsangeboten ist zwischen Personen mit und ohne Migrationshintergrund ähnlich ausgeprägt, jedoch ist die Inanspruchnahme nahezu aller Beratungsangebote unter den Personen
mit Migrationshintergrund deutlich höher. Dieser Befund lässt auf einen hohen Beratungsbedarf unter
dieser Bevölkerungsgruppe schließen, weil das gesamte System der staatsbürgerlichen sowie sozialpolitischen Einbindung und Integration (z.B. Aufenthaltsstatus, Transferleistungen) tangiert wird.
Die Vermutung, dass Befragte mit einer Wohndauer von unter 10 Jahren im Bezirk in einer stärkeren
prekären sozialen Situation leben, kann durch die um 2 bis 4 Prozent über dem Durchschnitt liegende
Nachfrage dieser Personengruppe nach Beratungen im Gesundheits- und Sozialamt des Bezirkes, nach
Sozial-, Mieter- oder Schuldnerberatung bestätigt werden.
Für einige Rat oder Hilfe suchende Personen scheinen die Erreichbarkeit (nicht im räumlichen oder mobilen Sinne, sondern im Sinne von niederschwellig) und die Inanspruchnahme von Beratungsangeboten
in geringerem Maße gegeben zu sein als für jene, die dessen weniger bedürfen. Eine Beratung wird dann
in Erwägung gezogen, wenn ein Problem akut ist und einer Lösung bedarf. Die Inanspruchnahme selbst
verläuft als ein mehrstufiger Prozess, der mit der Artikulation/Wahrnehmung des Beratungsbedarfs
beginnt, sich dann mit der Suche nach Informationen und Kenntnissen fortsetzt, nach Überwindung von
möglichen Zugangsbarrieren zu einer Kontaktaufnahme führt und letztlich in der Beratung (einschließlich der Akzeptanz des Beratungsergebnisses) mündet. Während des Prozesses verkleinert sich die potenzielle Zielgruppe der Beratung, da sich andere Auswege und Lösungsmöglichkeiten eröffnen bzw.
anbieten.84
Das Wissen und die Suchstrategien nach passenden Beratungsangeboten stehen häufig in engem Zusammenhang mit dem Bildungsstand und der sozioökonomischen Lage der Ratsuchenden. Zur Untermauerung dieser These wurden aus den Daten vier Gruppen identifiziert, die sowohl eine überdurchschnittliche als auch themenbreite Inanspruchnahme von Beratungsangeboten aufweisen. Das betrifft
insbesondere:


Personen mit Migrationshintergrund,



Personen ohne Berufsabschluss,



arbeitslose Personen und



Personen mit einem Haushaltseinkommen unter 1.000 Euro.

Die Inanspruchnahme von zwei und mehr Beratungsangeboten liegt im Durchschnitt aller Befragten bei
2 Prozent; sie steigt unter den Personen mit Migrationshintergrund auf 12 Prozent, unter arbeitslosen

84

Siehe: EVALUATION VON BERATUNGSANGEBOTEN FÜR FAMILIEN UND ÄLTERE MENSCHEN IN NIEDERSACHSEN,
Herausgeber: ZEFIR – Zentrum für interdisziplinäre Regionalforschung, Bochum, Juli 2013, S. 76.

349

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Personen auf 17 Prozent, unter denen ohne Berufsabschluss auf 8 Prozent und unter den Bewohnerinnen und Bewohnern von Hellersdorf-Nord auf 6 Prozent an.
Die nachfolgende Tabelle 9.17 beschreibt mit den wichtigsten sozialstrukturellen Merkmalen jene Personengruppen, die die Beratungsangebote überdurchschnittlich in Anspruch nehmen.
Tabelle 9.17:

Personengruppe mit überdurchschnittlicher Inanspruchnahme von Beratungsangeboten - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

Thema der Beratung

sozialstrukturelle Merkmale

Beratungsstellen des Gesundheits- und Sozialamtes

mit Migrationshintergrund
Hochbetagte
ohne Berufsabschluss
arbeitslose Personen
Haushaltseinkommen unter 1.000 Euro
Alleinerziehende
Pflegestufe

Mieterberatung

mit Migrationshintergrund
ohne Berufsabschluss
arbeitslose Personen

Rentenberatung

mit Migrationshintergrund
Fachschule/Meister/Techniker
Teilzeit-Erwerbstätige
arbeitslose Personen
Pflegestufe

Pflegeberatung

Frauen
Hochbetagte
arbeitslose Personen
Pflegestufe

Rechtsberatung

arbeitslose Personen
Haushaltseinkommen unter 1.000 Euro

Sozialberatung

mit Migrationshintergrund
ohne Berufsabschluss
arbeitslose Personen
Haushaltseinkommen unter 1.000 Euro
4- und mehr-Personen-Haushalte

Schuldnerberatung

mit Migrationshintergrund
ohne Berufsabschluss
arbeitslose Personen
Haushaltseinkommen unter 1.000 Euro
Pflegestufe

Gesundheitsberatung

Frauen
mit Migrationshintergrund
ohne Berufsabschluss
Haushaltseinkommen unter 1.000 Euro

Ernährungsberatung

mit Migrationshintergrund
Hochbetagte
Pflegestufe

Suchtberatung

Teilzeit-Erwerbstätige

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Es ist unverkennbar, dass zwischen der konkreten Lebenslage und dem Beratungsbedarf direkte Verbindungslinien existieren. Eine Schuldnerberatung suchen jene Personen auf, die in finanziellen Schwierig-

350

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

keiten stecken und mit geringen Haushaltseinkünften leben müssen; andere, davon nicht betroffene
Personen können durchaus Kenntnis von der Existenz solcher Schuldnerberatungen haben - was auch zu
einem hohen Bekanntheitsgrad führt - aber eine Inanspruchnahme ist eher unwahrscheinlich.
Gründe für die Nichtnutzung von Beratungsangeboten
Die Nichtinanspruchnahme von Beratungsangeboten kann auf einer Vielzahl von Gründen beruhen;
entweder ist wenig darüber bekannt oder sie werden aktuell noch nicht gebraucht.
Personen, die Beratungsangebote noch nicht genutzt haben, führen als vorrangigen Grund an, bisher
solche Beratungen noch nicht zu benötigen (73 Prozent). Jeder achte Befragte weiß nicht, wo diese Beratungsstellen zu finden sind, das bekunden vor allem Hochbetagte und arbeitslose Personen. Ebenso
wollen 12 Prozent der ab 50-Jährigen ihre persönlichen Probleme nicht mit fremden Menschen diskutieren, was insbesondere arbeitslose und geringfügig Beschäftigte, aber auch Personen mit Migrationshintergrund überproportional betonen (für alle 23 Prozent).
Weitere, in Stichworten benannte Gründe für die Nichtinanspruchnahme verweisen auf Aspekte des
bisher noch nicht notwendigen Beratungsbedarfs und auf die Mobilisierung von Selbsthilfe. Die von den
Probanden verwendeten Stichworte wie „im Internet forschen“ „Rechtsanwältin fragen“ oder „Selbsthilfegruppe“ zeigen unterschiedliche Suchstrategien nach Unterstützung und Beratung auf.
Abbildung 9.13:

Gründe, warum Beratungsangebote noch nicht genutzt wurden - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

80
70
60
50
40

73

30
20
10

12

12

weiß nicht wo

möchte meine Probleme
nicht mit fremden
Menschen diskutieren

0
brauche ich nicht

6
andere Gründe

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Eine Beratungssituation sollte vertrauensbildend und offen für beide Seiten sein, daher ist es überraschend, dass vor allem Arbeitslose und Personen mit Migrationshintergrund nicht über ihre Probleme
mit fremden Menschen sprechen möchten. Die Analyse zeigt jedoch, dass beide Gruppen einen hohen
Beratungsbedarf signalisieren.
Dieser Befund verweist auf eine Problemlage, die im Rahmen der Angebotsvielfalt an Unterstützungsleistungen für benachteiligte soziale Gruppen immer wieder thematisiert wird: Wie kommen die Angebote zu denen, für die sie gedacht sind und die sie auch erreichen sollen? Einige Aspekte in diesem Zu-

351

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

sammenhang betreffen möglicherweise die Zurückhaltung, das geringe Selbstvertrauen und die fehlende Artikulationsfähigkeit von Personen aus dieser Gruppe und sie kann auch als eine Reaktion auf erfahrene Stigmatisierung und Diskriminierung gelesen werden. Sicherlich sind die mit dem Attribut „niedrigschwellig“ ausgestatteten Angebote auf ihre Weise wirksam, aber dennoch scheinen nicht alle Ratsuchenden davon angesprochen zu werden.
Für den Beratungsbedarf ist davon auszugehen, dass er im Allgemeinen und insbesondere unter den ab
50-jährigen Bürgerinnen und Bürgern ansteigen wird. Die neuen „Unübersichtlichkeiten“ im Leben
wachsen weiter an, seien es die sich ständig verändernde Gesetzgebung (z.B. Sozialgesetze, SGB II und
SGB III, Rentenrecht, im Gesundheitsbereich etc.) oder die modernen Kommunikationstechniken wie
Internet; sie alle erfordern sowohl eine permanente Aktualisierung des individuellen Wissensstandes als
auch professionelle Beratung.
9.5

Mobilität als Voraussetzung für soziale Kontakte und Beziehungen

Soziale Beziehungen basieren auf den Kontakten und Interaktionen der Menschen. Die Gestaltung und
Pflege von Kontakten, die heute auch in physische und digitale unterschieden werden, sind an ein räumliches als auch sozial geprägtes Mobilitätsverhalten gebunden. Abhängig von der Teilhabe an Lebensbereichen wie Erwerbsbeteiligung, der partnerschaftlichen und familiären Einbindung, den gesundheitlichen Voraussetzungen und Lebensalter, vom Wohnort oder vom Freizeitverhalten ist das Mobilitätsverhalten stark individuell geprägt.
Die Mobilität wird unter mehreren Aspekten betrachtet: Als erstes werden die Möglichkeiten und Defizite von Bewegungsmöglichkeiten im öffentlichen Raum erkundet, dann werden die finanziellen Ausgaben für den öffentlichen Nahverkehr betrachtet, es schließen sich Ausführungen über die Verfügbarkeit
und Nutzung eines PKW an und abschließend wird die Internetnutzung der ab 50-Jährigen dargestellt.
Möglichkeiten und Defizite von Mobilität im öffentlichen Raum
Die räumliche Mobilität erweist sich für alle Altersphasen als eine notwendige Voraussetzung zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Mobilität beschränkt sich aber nicht auf den individuellen Bewegungsradius und den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), sondern mit Blick auf die Zielgruppe
stehen ebenso Aspekte wie Zugänge zu Bahnhöfen, öffentliche Toiletten, die Wahrnehmung der eigenen Sicherheit u.a.m. im Mittelpunkt.
Aus den Befragungsergebnissen von 2015 geht hervor, dass rund ein Drittel der ab 50-Jährigen das Fehlen öffentlicher Toiletten beklagt, jeder Vierte vermisst Bänke zum Verweilen und Ausruhen und 24 Prozent fühlen sich im öffentlichen Raum unsicher, denn sie nehmen ihre persönliche Sicherheit als eingeschränkt wahr. Fehlende Beleuchtung im öffentlichen Raum ist für 19 Prozent der Befragten ein Hindernis. Die Kosten für die Nutzung des ÖPNV schränken 16 Prozent in ihrem Mobilitätsverhalten ein und 15
Prozent vermissen Aufzüge zu S-Bahnhöfen oder anderen Einrichtungen.

352

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 9.14:

Aspekte von Einschränkungen in der Mobilität - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

fehlende öffentliche WCs

33

fehlende Bänke

25

eigene Sicherheit

24

fehlende Beleuchtung
im öffentlichen Raum

34

42

16

fehlende Aufzüge

15

Zugänge zum ÖPNV

0%

52

ja

30%

40%

nein

17

17

48

20%

17

15

15

23

64
10%

15

13

50

8

13

18

48

19

Kosten

20

15

16
50%

60%

betrifft mich nicht

70%

80%

12
90%

100%

ohne Antwort

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die Mehrheit der Befragten in Marzahn-Hellersdorf bescheinigt dem ÖPNV 2015 ihre Zufriedenheit
(46 Prozent zufrieden, 43 Prozent teilweise zufrieden, siehe Kapitel 10), dennoch machen 8 Prozent der
ab 50-Jährgen Einschränkungen bei den Zugängen zum ÖPNV geltend.
Andere Aspekte und Stichworte in Bezug auf den öffentlichen Raum notierten 39 Befragte. Sie wiesen
auf fehlende Abfallbehälter, Papierkörbe und Radwege hin und wünschten sich mehr Fußwege, barrierefreie Straßen und mehr Überwachung in öffentlichen Räumen.
In sozialstruktureller Hinsicht sind folgende Aspekte zur Mobilität aufschlussreich:


Die Zugänge zum ÖPNV sind insbesondere für Befragte ab 75 Jahre nur eingeschränkt nutzbar, was
ebenso auch auf schwerbehinderte und pflegebedürftige Personen zutrifft.



Die Kosten für die Mobilität stellen für arbeitslose Personen, Geringverdienende und Personen mit
Migrationshintergrund ein großes Hindernis dar.



Fehlende Aufzüge schränken vor allem schwerbehinderte und pflegebedürftige Personen, aber auch
Personen mit Migrationshintergrund in ihrem Bewegungsradius ein.



Eine ungenügende Anzahl an öffentlichen Toiletten bemängeln vor allem Hochbetagte und schwerbehinderte Personen.



Das Fehlen von Bänken zum Ausruhen thematisieren in erster Linie die fortgeschrittenen Älteren
und die Hochbetagten sowie schwerbehinderte und pflegebedürftige Personen.



Das Gefühl von Unsicherheit im öffentlichen Raum ist stark unter den Hochbetagten und ebenfalls
unter schwerbehinderten und pflegebedürftigen Personen verbreitet.

353

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Zwischen den Geschlechtern zeigen sich die Unterschiede in den einzelnen Mobilitätsaspekten nicht so
markant wie die zwischen den Altersphasen oder im Falle einer Schwerbehinderung oder Pflegebedürftigkeit. Personen mit einem Haushaltseinkommen von unter 1.000 Euro im Monat messen allen fehlenden und einschränkenden Aspekten des Mobilitätsverhaltens größeres Gewicht bei, z.B. stellen die Kosten für die Mobilität jeden Dritten dieser Personengruppe vor größere Schwierigkeiten (35 Prozent).
in den Bezirksregionen ist die Ausstattung mit verschiedenen Mobilitätserfordernissen sehr unterschiedlich. Fehlende Aufzüge zum ÖPNV oder anderen Einrichtungen werden vor allem in Hellersdorf-Süd bemängelt (27 Prozent). Auf das Fehlen von öffentlichen Toiletten machen vor allem die Bewohnerinnen
und Bewohner in Marzahn-Süd (41 Prozent) und in Hellersdorf-Ost (44 Prozent) aufmerksam, und eine
ausreichende Beleuchtung auf Straßen oder in Grünanlagen wird besonders unter den Befragten in
Marzahn-Nord (25 Prozent) und Hellersdorf-Süd (26 Prozent) vermisst.
Tabelle 9.18:
Bezirksregionen

Aspekte von Einschränkungen in der Mobilität - nach Bezirksregionen
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent Zugänge
zum ÖPNV

Kosten

fehlende
Aufzüge

fehlende
öffentliche
WCs

fehlende
Bänke

eigene
Sicherheit

fehlende
Beleuchtung

Insgesamt

8

16

15

33

25

24

19

Marzahn-Nord

9

24

18

33

21

25

25

Marzahn-Mitte

9

19

15

41

27

24

22

Marzahn-Süd

6

10

10

28

17

16

11

Hellersdorf-Nord

9

19

20

32

32

25

20

Hellersdorf-Ost

4

18

20

44

32

33

19

Hellersdorf-Süd

7

19

27

28

24

26

26

Biesdorf

7

8

8

25

20

20

13

Kaulsdorf

6

9

7

33

23

18

15

Mahlsdorf

11

13

9

35

32

28

19

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Finanzieller Aufwand für den öffentlichen Personennahverkehr
Die Ausgaben für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) umfassen eine relativ große Spannbreite; sie reichen von 13 Prozent ohne jegliche Aufwendungen bis zu Ausgaben von 100 Euro pro Monat
und darüber (12 Prozent machten keine Angaben dazu).
Die Auflistung aller Kostenangaben lässt vermuten, dass zwischen 5 bis 10 Prozent der Befragten eine
BVG-Monatskarte verwenden, deren Tarif im AB-Bereich 2015 bei 79,50 Euro lag (ohne Abonnement).
Die 2010 getroffene Aussage, dass die Mehrheit aller Befragten die Umweltkarte für ihre Mobilität in
der Stadt nutzt, scheint für 2015 nicht mehr plausibel zu sein, denn die Spreizung der Angaben zu den
Kosten für den ÖPNV sind sehr groß; es lässt sich daher vermuten, dass mehr Tages- oder Wochentickets von den Befragten genutzt wurden.
17 Prozent der Probanden geben zwischen 1 bis 10 Euro für den ÖPNV aus, 28 Prozent verausgaben
zwischen 11 und 40 Euro, ein Drittel beziffert die Kosten auf 41 bis 70 Euro und jeder Zehnte gibt mehr
als 71 Euro pro Monat aus (13 Prozent geben kein Geld dafür aus).

354

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Die Ausgaben für den öffentlichen Personennahverkehr und sozio-strukturelle Differenzierungen zeigen
folgendes Bild (vgl. Tabelle 9.19):


Mehr Männer als Frauen geben kein Geld für den ÖPNV aus; das lässt eine höhere PKW-Nutzung
unter den Männern vermuten.



Bei Personen mit Migrationshintergrund konzentriert sich die Summe ihrer Ausgaben für den ÖPNV
auf 11 bis 40 Euro im Monat, was auf die Nutzung von Tages- und Wochentickets hinweist.



Für die Hochbetagten zeigt sich eine stark abweichende Ausgabenstruktur, sie geben zum einen
kaum Geld für den ÖPNV aus, zum anderen tragen sie am häufigsten hohe Kosten von 71 und mehr
Euro.

Tabelle 9.19:

Ausgaben für den öffentlichen Personennahverkehr - nach sozialstrukturellen
Merkmalen - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent keine
Ausgaben

1 bis 10
Euro

11 bis 40
Euro

41 bis 70
Euro

71 u. mehr
Euro

Gesamt

13

17

28

31

11

Frauen

10

15

28

37

11

Männer

18

19

28

24

10

5

14

47

20

13

ohne Migrationshintergrund

14

17

27

32

11

künftige Senioren: 50-65 Jahre

14

15

26

31

14

junge Alte: 65-75 Jahre

12

18

32

31

6

fortgeschrittene Ältere: 75-85 Jahre

17

19

27

32

4

2

20

42

18

18

mit Migrationshintergrund

Hochbetagte: 85 Jahre und älter

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Von den Erwerbstätigen unter der Zielgruppe geben 16 Prozent kein Geld für den ÖPNV aus, ein Drittel
wendet zwischen 1 und 40 Euro auf, und 54 Prozent verausgaben 41 und mehr Euro im Monat. Mit steigendem Haushaltseinkommen steigt auch der Anteil der Befragten, die kein Geld für den ÖPNV ausgeben, auch hier ist eine höhere PKW-Nutzung zu vermuten.
Wenn durch ein sinkendes Rentenniveau auf etwas verzichtet werden würde oder Einschränkungen
vorzunehmen wären, dann sehen 20 Prozent aller Befragten „Einsparpotenziale“ in der Reduzierung der
Fahrkosten. Diese Aussage trifft insbesondere jenen Personenkreis, der bereits heute in seiner Mobilität
auf Grund der Kosten eingeschränkt ist (45 Prozent gegenüber 20 Prozent). Dieses gedankliche Szenario
eines „Einsparpotenzials“ führt letztendlich zu einem immer stärker werdenden Rückzug von gesellschaftlicher Teilhabe, dem entgegenzusteuern ist.
Die Kosten für den öffentlichen Personennahverkehr belasten die Haushaltsbudgets der Befragten in
sehr unterschiedlichem Maße; die Quote erreicht eine Spannbreite von 1 bis 10 Prozent. Wie bereits
erwähnt, sind 16 Prozent der Befragten durch die Kosten für den ÖPNV in ihrer Mobilität eingeschränkt,
was sich nachhaltig eher negativ auf das soziale Beziehungsgefüge auswirken wird.

355

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Die Ausgaben für den ÖPNV unterscheiden sich in den Bezirksregionen; der mit rund 40 Euro höhere
Durchschnitt in beiden Großsiedlungen lässt eine häufigere Nutzung des ÖPNV vermuten als im Siedlungsgebiet, wo der Durchschnitt der Ausgaben für den ÖPNV 30 Euro beträgt.
Tabelle 9.20:
Bezirksregion

Ausgaben für den öffentlichen Personennahverkehr - nach Bezirksregionen
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent keine
Ausgaben

1 bis 10
Euro

11 bis 40
Euro

41 bis 70
Euro

71 u. mehr
Euro

Marzahn-Nord

6

12

34

34

14

Marzahn-Mitte

11

20

25

34

10

Marzahn-Süd

16

13

30

30

12

Hellersdorf-Nord

13

16

26

37

9

Hellersdorf-Ost

10

14

28

40

8

Hellersdorf-Süd

6

16

26

34

18

Biesdorf

19

24

25

22

9

Kaulsdorf

15

21

34

24

5

Mahlsdorf

23

15

28

25

8

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Verfügbarkeit und Nutzung eines privaten PKW
Mit der Nutzung eines privaten PKW wird häufig eine größere Mobilität erwartet durch eine stärkere
Unabhängigkeit von den Fahrtakten und Fahrzielen des ÖPNV.
Zwei Drittel der ab 50-Jährigen aus Marzahn-Hellersdorf verfügen über einen PKW im Haushalt. 2010
betrug der Ausstattungsrad von PKW in Haushalten 72 Prozent, das ist ein Rückgang von 5 Prozentpunkten. Auf gleichem Niveau blieb die Differenz zwischen Frauen und Männern: 2015 haben 59 Prozent der
Frauen und 74 der Männer einen PKW-Besitz angezeigt, 2010 waren es 64 Prozent bei den Frauen und
80 Prozent bei den Männern. Der PKW-Besitz ist unter den einheimischen Befragten doppelt so hoch
wie unter den Personen mit Migrationshintergrund (68 Prozent gegenüber 32 Prozent). Die Verfügbarkeit über einen eigenen PKW sinkt im Altersverlauf deutlich ab, während 73 Prozent der Haushalte von
künftigen Senioren einen PKW besitzen, sinkt der Ausstattungsrad für die fortgeschrittenen Älteren und
Hochbetagten auf 48 bzw. 27 Prozent.

356

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 9.21:

Ausstattungsrad mit PKW in den Haushalten der Befragten - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent Verfügbarkeit eines PKW im Haushalt
ja

nein

ohne Antwort

Gesamt

66

32

3

Frauen

59

39

2

Männer

74

23

3

mit Migrationshintergrund

32

65

3

ohne Migrationshintergrund

68

30

3

künftige Senioren: 50-65 Jahre

73

26

1

junge Alte: 65-75 Jahre

69

28

4

fortgeschrittene Ältere: 75-85 Jahre

48

49

4

Hochbetagte: 85 Jahre und älter

27

67

6

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die PKW-Ausstattung ist an die Haushaltsgröße und damit korrespondierend an die Lebensform gebunden. In 1-Personen-Haushalten verfügen 31 Prozent über einen eigenen PKW, und ähnliche Größenordnungen ergeben sich auch für Alleinlebende und Alleinerziehende.
Wie für 2010 so gilt auch 2015 die Aussage, dass mit steigender Personenzahl im Haushalt der Ausstattungsrad mit PKW steigt, für 2-Personen-Haushalte auf 80 Prozent und für 3-Personen-Haushalte auf
84 Prozent. Der Besitz eines PKWs ist an ausreichende finanzielle Voraussetzungen gebunden, die Erwerbstätige und Bezieherinnen und Bezieher höherer Einkommen in stärkerem Maße ausbringen können und somit auch über mehr PKW in ihren Haushalten verfügen (84 Prozent, 95 Prozent).
Der Ausstattungsrad von PKW in Haushalten ist in beiden Großsiedlungen geringer als im Siedlungsgebiet; in Hellersdorf-Ost wird mit 47 Prozent die geringste und in Marzahn-Mitte mit 64 Prozent die höchste Verfügbarkeit gemessen, im Siedlungsgebiet liegen die Werte zwischen 87 und 91 Prozent.
Die Nachteile von Frauen hinsichtlich eines PKW-Besitzes zeigen sich auch beim Besitz eines Führerscheins. Während 83 Prozent der Männer einen solchen besitzen, können nur 57 Prozent der Frauen auf
einen Führerschein verweisen. Dieser Befund ist nahezu deckungsgleich mit den Daten von 2010 und ist
ein Indiz für die nicht abnehmende Lücke im Führerscheinbesitz zwischen den Geschlechtern. Von den
Personen mit Migrationshintergrund besitzt ein Drittel einen Führerschein; die Quote erreicht somit nur
die Hälfte der einheimischen Befragten ab 50 Jahre im Bezirk. Im Altersverlauf ist ein Rückgang des Führerscheinbesitzes von drei Vierteln unter den künftigen Senioren auf 55 Prozent unter den ab 75-Jährigen festzustellen.

357

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 9.22:

Besitz eines Führerscheins - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent Führerschein-Besitz
ja

Frauen

Männer

Marzahn

Hellersdorf

Großsiedlung

Gesamt

69

57

83

64

56

88

mit Migrationshintergrund

31

14

55

29

23

73

ohne Migrationshintergrund

72

61

85

68

60

88

künftige Senioren: 50-65 Jahre

75

66

84

68

65

92

junge Alte: 65-75 Jahre

69

59

81

67

50

87

fortgeschrittene Ältere: 75-85 Jahre

55

37

86

55

40

71

Hochbetagte: 85 Jahre und älter

54

36

86

39

40

88

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die aktive Teilnahme am Straßenverkehr als Kraftfahrer/Kraftfahrerin ist weiterhin eine Domäne der
Männer, zählen sich doch 71 Prozent von ihnen zu den aktiven Kraftfahrern, aber nur 32 Prozent der
Frauen. Auch hier bestätigen die Daten von 2015 den Befund von 2010. Für Personen mit Migrationshintergrund wiederholt sich das bekannte Bild einer generell geringeren PKW-Führung, die sich bei Frauen
mit Migrationshintergrund nur noch auf 3 Prozent beläuft. Im Altersverlauf zeigt sich bei Frauen und
Männern eine rückläufige aktive PKW-Fahrertätigkeit, wobei der Anteil von Männern unter den aktiven
Kraftfahrer weiterhin mehr als das Doppelte groß ist.
Tabelle 9.23:

Sind Sie aktive Kraftfahrerin/aktiver Kraftfahrer? - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent Sind Sie aktive Kraftfahrerin/aktiver Kraftfahrer?
ja

Frauen

Männer

Gesamt

50

32

71

mit Migrationshintergrund

18

3

40

ohne Migrationshintergrund

52

34

73

künftige Senioren: 50-65 Jahre

59

44

74

junge Alte: 65-75 Jahre

49

29

70

fortgeschrittene Ältere: 75-85 Jahre

33

14

67

Hochbetagte: 85 Jahre und älter

13

-

38

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Analog des höheren PKW-Ausstattungsgrades in den Haushalten des Siedungsgebietes liegt auch hier
eine höhere aktive Kraftfahrerquote vor (74 Prozent gegenüber 40 Prozent in den Großsiedlungen).
Die Erhebungsdaten von 2015 verdeutlichen erneut, dass der Mobilitätsvorteil durch die Nutzung eines
PKW überwiegend den Männern bzw. Partnerschaften zugute kommt. Der Besitz eines privaten PKW,
Führerscheinbesitz und aktive Fahrpraxis sind unter den ab 50-jährigen Frauen gegenüber den Männern
unterentwickelt.

358

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Computernutzung als Chance für eine selbstbestimmte Gestaltung sozialer Kontakte
Das Internet ist seit Beginn des neuen Jahrtausends als Kommunikationsmedium nicht mehr wegzudenken. Kontakte zu anderen, räumlich weit entfernten Menschen oder die Informationsgewinnung via
Internet erweitern das Spektrum der sozialen Beziehungen auch für die Gruppe der ab 50-Jährigen.
72 Prozent der ab 50-jährigen Probanden verfügen im Haushalt über einen internetfähigen Computer,
das sind 2 Prozentpunkte mehr als 2010. Frauen finden den Zugang zu Internet und Computer jedoch
weiterhin weniger als Männer (67 Prozent gegenüber 78 Prozent). Auch Personen mit Migrationshintergrund verfügen in geringerem Maße über einen internetfähigen Computer (-12 Prozentpunkte); hier hat
der Abstand zwischen Personen mit und ohne Migrationshintergrund 2015 gegenüber 2010 zugenommen (eine Erklärung kann hier nicht gegeben werden, möglicherweise hat die Verbreitung von Smartphone zu veränderten Nutzerverhalten geführt).
Die Nutzung eines internetfähigen Computers nimmt im Altersverlauf deutlich ab, während von den
künftigen Senioren 87 Prozent aktive Nutzer dieser IT-Technologie sind, sinkt sie unter den fortgeschrittenen Älteren und Hochbetagten auf rd. ein Drittel.
Internetfähige Computer nutzen vor allem Erwerbstätige (92 Prozent), unter den arbeitslosen Befragten
ist jedoch ein Rückgang auf 61 Prozent erkennbar.
Tabelle 9.24:

Verfügbarkeit eines internetfähigen Computers/Laptops - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent Verfügbarkeit eines internetfähigen Computers/Laptops
ja

Frauen

Männer

Gesamt

72

67

78

mit Migrationshintergrund

61

60

62

ohne Migrationshintergrund

73

68

79

künftige Senioren: 50-65 Jahre

87

86

87

junge Alte: 65-75 Jahre

71

70

73

fortgeschrittene Ältere: 75-85 Jahre

36

27

52

Hochbetagte: 85 Jahre und älter

35

23

57

Erwerbstätigkeit - Vollzeit

92

91

92

Erwerbstätigkeit - Teilzeit

92

93

92

arbeitslos

61

71

48

geringfügig beschäftigt

93

82

100

nicht erwerbstätig

58

51

67

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Das Medium Internet nutzen die ab 50-Jährigen hauptsächlich zur Informationsgewinnung (61 Prozent)
und für soziale Kontakte (54 Prozent). Die Möglichkeiten für Einkauf oder Verkauf spielen für 44 Prozent
eine Rolle, und 41 Prozent tauschen andere Korrespondenzen über das Internet aus. Das Internet betrachten 37 Prozent der Befragten als eine Lernquelle für Bildung/Weiterbildung, und jeder Dritte nutzt
es zum Spielen. Die relativ neuen internetbasierten Kommunikationsformen wie Skype und Facebook
werden von rd. einem Fünftel der Befragten genutzt.

359

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Im Vergleich der Erhebungsdaten von 2005, 2010 und 2015 ist ein deutlicher Anstieg der neuen Computertechnik zwischen 2005 und 2010 auffallend, 2015 ist nur eine sehr geringe Steigerung gegenüber
2010 erkennbar, was auf einen gewissen „Sättigungsgrad bei der Durchdigitalisierung“ der Haushalte
schließen lässt. Die Informationsgewinnung steht über alle betrachteten Jahre an erster Stelle, gefolgt
von den Möglichkeiten der sozialen Kontakte.
Tabelle 9.25:

Persönliche Nutzung eines internetfähigen Computers - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

Nutzung des internetfähigen Computers für …

2015

2010

2005

die Informationsgewinnung

61

60

46

soziale Kontakte (z.B. E-Mail)

54

46

27

zum Einkauf/Verkauf

44

32

18

andere Korrespondenz

41

-

-

Bildung/Weiterbildung

37

30

20

zum Spielen

30

-

-

Kommunikation (z.B. Skype)

22

-

-

soziale Netzwerke (z.B. Facebook etc.)

14

-

-

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Der Vergleich der Internetnutzung zwischen Frauen und Männern zeigt für alle angeführten Aktivitäten
die höhere Nutzerintensität der Männer. So nutzen 69 Prozent der Männer das Internet zur Informationsgewinnung, aber nur 54 Prozent der Frauen. Der Einkauf oder Verkauf via Internet spielt bei Männern mit 51 Prozent eine größere Rolle als bei Frauen mit 38 Prozent. Auch die Nutzung des Internets für
Bildung und Weiterbildung ist unter Männern größer als unter Frauen (46 gegenüber 29 Prozent). Weniger groß sind die Unterschiede, die die soziale Komponente und Kontakte wie bspw. E-Mail-Kontakte
betreffen.
Tabelle 9.26:

Nutzung eines internetfähigen Computers - nach Geschlecht - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

Nutzung des internetfähigen Computers für …

2015

Frauen

Männer

die Informationsgewinnung

61

54

69

soziale Kontakte (z.B. E-Mail)

54

51

58

zum Einkauf/Verkauf

44

38

51

andere Korrespondenz

41

38

45

Bildung/Weiterbildung

37

29

46

zum Spielen

30

27

32

Kommunikation (z.B. Skype)

22

20

24

soziale Netzwerke (z.B. Facebook etc.)

14

13

16

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

360

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Im Kontext der Internetnutzung wurde auch nach dem Internetauftritt/der Homepage des Bezirkes Marzahn-Hellersdorf gefragt. 18 Prozent der ab 50-Jährigen kennen und nutzen die Homepage, 54 Prozent
nutzen sie nicht und einem Fünftel ist die Homepage nicht bekannt (8 Prozent ohne Antwort).
Abbildung 9.15:

„Nutzen Sie die Homepage des Bezirksamtes Marzahn-Hellersdorf?“
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent -

8

18
ja

20

nein
kenne ich nicht
ohne Antwort
54

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

In sozialstruktureller Hinsicht ist die Nutzungsquote der Homepage unter den künftigen Senioren mit
24 Prozent am größten. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern ist gering und der zwischen Personen mit Migrationshintergrund gegenüber der einheimischen Bevölkerung liegt bei 5 Prozentpunkten.
Tabelle 9.27:

Nutzung der Homepage des Bezirksamtes Marzahn-Hellersdorf
- nach sozialstrukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent Nutzen Sie die Homepage/den Internetauftritt?
ja

nein

kenne ich nicht

ohne Antwort

Gesamt

18

54

20

8

Frauen

17

54

20

9

Männer

19

55

20

6

mit Migrationshintergrund

13

59

19

10

ohne Migrationshintergrund

18

54

20

8

künftige Senioren: 50-65 Jahre

24

53

19

4

junge Alte: 65-75 Jahre

15

58

20

7

fortgeschrittene Ältere: 75-85 Jahre

6

52

22

20

Hochbetagte: 85 Jahre und älter

2

69

19

9

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Mit Blick auf die letzten 10 bis 15 Jahre haben die ab 50-Jährigen immer stärker die neuen IT-Technologien für sich entdeckt und nutzen deren vielfältige Möglichkeiten sowohl für sich selbst als auch für
die Aufrechterhaltung ihrer sozialen Beziehungen.

361

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

9.6

Handlungsempfehlungen



Die hohe Wertschätzung der allgemeinen zwischenmenschlichen Beziehungen durch die ab
50-Jährigen stellt eine wichtige Basis für eine Stärkung des sozialen Zusammenhalts im Bezirk dar.
Die von 42 Prozent der Befragten nur zum Teil als zufrieden empfundenen zwischenmenschlichen
Beziehungen verweisen auf Widersprüchliches, was möglicherweise auf persönliches Erleben zurückzuführen ist. Den sozialen Zusammenhalt zu fördern, ist eine Aufgabe, vor der die gesamte Zivilgesellschaft steht.



Soziale Beziehungen und Kontakte sind etwas sehr Individuelles und Familiäres; sie können durch
Projekte nur schwerlich auf direkte Weise positiv befördert werden. Im Zusammenhang mit dem
bürgerschaftlichen Engagement können Wege zu mehr sozialen und zufriedenstellenden Kontakten
eröffnet werden.



Ein Fünftel der ab 50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf verfügt über ein soziales Unterstützungspotenzial, das als gering einzuschätzen ist. Es betrifft insbesondere Personen mit Migrationshintergrund, Personen ohne Berufsabschluss, mehr Männer als Frauen, Alleinerziehende, schwerbehinderte und pflegebedürftige Personen. Die Hilfen und Unterstützungen für diese Gruppen sollten
„passgenauer“ ausgebaut werden, wofür sich u.a. eine detaillierte Bedarfsanalyse unter den Betroffen und den Anbietern als hilfreich erweisen würde.



Die Nachbarschaftsverhältnisse werden größtenteils als gut empfunden und haben sich über den
Zeitraum der letzen 5 Jahre als stabil erwiesen. Die Frage nach dem Potenzial oder auch der Ressource von Nachbarschaften im System sozialer Unterstützung kann noch nicht eindeutig beatwortet werden. Den Nachbarschaften wird durchaus ein Potenzial zugesprochen, und kleine gegenseitige Hilfeleistungen sind für drei Viertel der Befragten gelebter Alltag, jedoch ist die Erwartung an eine Betreuung im Krankheitsfall und Haushaltshilfe kaum vorstellbar (nur ein Prozent). Anzuregen
wäre, positive Beispiele einer guten Nachbarschaft stärker in die Öffentlichkeit des Bezirkes zu
kommunizieren.



Der Bekanntheitsgrad von öffentlichen Beratungsstellen und ihre Inanspruchnahme werden häufig
von den Verantwortlichen als gering empfunden und irritieren auf den ersten Blick, aber eingedenk
der Tatsache, dass unter der Gesamtbevölkerung viele ihre Fragen zuerst im Familien- und Freundeskreis beratschlagen und erst bei nicht oder schwer zu lösenden Problemen eine Beratungsstelle
aufsuchen, relativiert sich der Befund. Um den Bekanntheitsgrad öffentlicher Beratungsstellen und
deren Angebote zu erweitern, sind neue und geeignete Wege der Informationsverbreitung zu suchen, die bspw. in einem digitalen Wegweiser mit Lotsenfunktion bestehen können. Darüber hinaus
sollten die Beratungsinhalte und die Adressaten einer Beratung stärker zielorientiert aufeinander
abgestimmt werden.



Rund 60 Prozent der Bürger ab 50 Jahre haben keine Kontakte zu Ausländerinnen/Ausländern und
jeder Zehnte lehnt dezidiert solche Kontakte ab. Offensichtlich ergeben sich für einen Großteil der
Bewohnerinnen und Bewohner kaum Begegnungsmöglichkeiten mit ausländischen Mitbürgerinnen
und Mitbürgern im öffentlichen Raum. Kommt es zu Kontakten, so wird überwiegend positiv darüber berichtet. Auf der Suche nach mehr Kontaktmöglichkeiten stellt sich auch die Frage nach der Urbanität in Marzahn-Hellersdorf. Da die Siedlungs- und Stadtstrukturen des Bezirkes in funktioneller
Hinsicht stark auf das Wohnen ausgerichtet sind inklusive eines breiten Angebots an sozialen In-

362

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

frastruktureinrichtungen, scheinen Gelegenheiten für spontane Begegnungen nur wenig vorhanden
zu sein (ausgenommen auf Stadtteil- und Nachbarschaftsfesten oder anderen organisierten Veranstaltungen). Neue Formen für Begegnungen im Bezirk sollten in der Öffentlichkeit diskutiert werden
z.B. ein „offener Tag im Rathaus für Flüchtlinge“, eine Veranstaltungsreihe mit dem Titel: „Was ist
fremd an den Fremden?“ o.ä.


Ein Teil der Befragten fühlt sich - wenn v.a. auf diffuse Weise - verängstigt im öffentlichen Raum.
Überwiegend mit einem geringen Sozialtstatus (geringes Bildungsniveau, geringe Einkommen) ausgestattet, zeigen sie sich im Verhalten oftmals verunsichert. Anzusetzen wäre hier vielleicht an einer
verstärkten Aufklärung über Delikte und Kriminalität, über Tatsachen, Mythen und Legendenbildung.



Acht von zehn Befragten in gut situierter Lebenslage (überdurchschnittliche Einkommenslage) bekennen sich nicht eindeutig in ihren Einstellungen gegenüber Ausländerinnen und Ausländern (möglicherweise wegen geringer Kontakte). Dieser Gruppe wird aber allgemein eine relativ hohe Ausstattung mit „sozialem Kapital“ zugeschrieben, d.h. sie verfügen über soziale Kompetenzen wie Bildung,
Wissen und vor allem soziale Netzwerke. Aus dieser Gruppe Unterstützerinnen und Unterstützer für
die Integration von Flüchtlingen und ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern zu gewinnen,
bleibt eine wichtige Aufgabe für alle Akteure im Bezirk.



Das Potenzial zur Unterstützung von Flüchtlingen und ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern kann mit einem Drittel unter den ab 50-Jährigen beziffert werden. Neben der eher anonymen weil keine direkten Kontakte zu Flüchtlingen und Personen mit Migrationshintergrund entstehen Bereitschaft für Sach- und Geldspenden, wären zwischen 9 und 16 Prozent dieser Altersgruppe bereit, sich an konkreten Aktionen und gemeinsamen Unternehmungen mit Flüchtlingen zu beteiligen
(Gespräche, Lesen, Freizeitaktivitäten, Beschäftigung mit Kindern, Behördengänge, Hausaufgabenhilfe u.a.). Hier gilt es, an vorhandene Beteiligungsstrukturen wie bspw. die zahlreichen Arbeitsgruppen der Flüchtlingsarbeit, die in den Gemeinschaftsunterkünften bereits aktiv sind, anzuknüpfen
und auszubauen.



Der Ausbau von barrierefreien Zugängen zum ÖPNV, zu öffentlichen Toiletten, Aufzügen sowie Sitzbänke sollte weiter forciert werden, um insbesondere hochbetagten, schwerbehinderten und pflegebedürftigen Personen die Teilnahme am öffentlichen Verkehr und am öffentlichen Leben weiterhin zu erleichtern.

363

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

10.

Einstellungen, Wertungen, Erwartungen

Zusammengefasst unter der Überschrift Subjektive Befindlichkeiten stellen wir Ergebnisse der Analysen
von Einstellungen, Werten und Bewertungen, Zufriedenheiten und Sorgen der Bevölkerung ab
50 Jahre in Marzahn-Hellersdorf dar. Die befragten Bürgerinnen und Bürger geben dabei Auskunft über
ihre individuelle Einschätzung der gesellschaftlichen Bedingungen, der jeweils persönlichen Lebenssituation und über ihre Erwartungen für die Zukunft. Daraus leiten sie Orientierungen für ihr eigenes Handeln
ab, mit Hilfe dessen sie künftige Etappen des eigenen und gesellschaftlichen Lebens meistern und gestalten. Zu derartigen Übergängen oder Passagen im eigenen Leben gehören solche Wechsel wie das
Ausscheiden aus dem Erwerbsleben oder der Umzug in eine altersgerechte Wohnung, später vielleicht
in eine Senioreneinrichtung. Die grundlegenden Einstellungen führen zu Kriterien der Beurteilung gesellschaftlicher Verhältnisse und privater Bedingungen und sie helfen den Menschen, sich in der Auseinandersetzung mit der sozialen Umwelt zu orientieren. Mit dem Älterwerden und erst recht mit dem Übergang in das Rentenalter sind viele angeregt und herausgefordert, das Leben neu zu gestalten. Familie,
Gesundheit, Freizeit, in der es auch um Bildung und neues Lernen gehen kann, Pflege der sozialen Kontakte, Auseinandersetzung mit technischem Wandel, Hilfe und Unterstützung für Andere, gesellschaftliches Engagement und ggf. ein Ehrenamt sind neu zu erkunden und auszuloten. All das erfordert ein
neues Herangehen wie auch die Auseinandersetzung mit dem Älterwerden und den damit verbundenen
Einschränkungen.
Diese Einstellungen und Bewertungen der Bewohnerinnen und Bewohner von Marzahn-Hellersdorf bilden den Inhalt dieses Kapitels.
10.1

Werte

Mit Werten werden hier Einschätzungen der Befragten zu wichtigen Lebensgebieten als wünschens- und
erstrebenswert oder nicht wünschenswert und erstrebenswert gemeint. Sie sind grundlegender Art und
gehen oft nur mittelbar in konkrete Handlungen oder Bewertungen ein. Dennoch prägen sie die Grundhaltungen der Menschen und ihr grundlegendes Verhältnis zur Gesellschaft, ihren Institutionen und den
in ihnen handelnden Menschen. Die so ermittelte Bedeutung und Wichtigkeit bestimmter Lebensgebiete für die Menschen trennen sie entweder oder verbinden sie.
Für die Bürgerinnen und Bürger von Marzahn-Hellersdorf ab dem 50. Lebensjahr, die Gegenstand unserer Untersuchung waren, ergibt sich als erstes Ergebnis, dass sie in ihren Grundhaltungen und Überzeugungen in den meisten Fällen miteinander übereinstimmen. Die Beantwortung der Fragen nach den
Werten erfolgte in unserer Untersuchung so einheitlich, dass es schwerfällt, Unterschiede und Differenzierungen auszumachen. Bei allen in der Untersuchung genannten Werten - bis auf zwei - stimmten
jeweils über 83 Prozent, meist sogar über 90 Prozent der Befragten der hohen Bedeutung dieser Werte
zu. Das gilt für: Bildung und Wissen, Freunde zu haben, intakte Familienbeziehungen, in sozialer Sicherheit zu leben, gesund zu leben, persönliche Sicherheit, die allgemeinen zwischenmenschlichen Beziehungen, eine bezahlbare Wohnung. Alle diese Bereiche und Gesichtspunkte sind den Befragten so wichtig, dass höchstens 2 Prozent der Befragten (manchmal weniger als ein Prozent) äußerten, dass dieses
ihnen unwichtig wäre. Das bedeutet eben, dass die ältere Bevölkerung mit einer sehr einheitlichen bzw.
ähnlichen Grundhaltung an die Gesellschaft und das eigene Leben herangeht. Daher ist es auch nicht

364

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

sinnvoll, eine nähere Analyse der Wertbezüge der Menschen vorzunehmen. Die jeweiligen Abweichungen sind so gering, dass sie nicht interpretierbar sind.
Etwas anders sieht es in den beiden Ausnahmen aus. Im Hinblick auf die Werte „Arbeit zu haben“ und
„in einer demokratischen Gesellschaft zu leben“ fielen die Antworten differenzierter aus.
Wert Arbeit
Arbeit zu haben ist für 72 Prozent der Befragten „sehr wichtig“ in ihrem Leben. Für sie ist ein Leben,
ohne Arbeit zu haben (aus welchem Grund auch immer), schlecht vorstellbar. Da Rentnerinnen und
Rentner häufig bereits aus den Erwerbslagen ausgeschieden sind, bekommt für sie die Frage nach der
Wichtigkeit der Arbeit eine andere Bedeutung als für Menschen im erwerbsfähigen Alter. Betrachtet
man die Antworten nach dem Alter, so ergibt sich, dass 86 Prozent der künftigen Senioren diesem Wert
zustimmen, 61 Prozent der jungen Alten (zwischen 65 und 75 Jahren), 50 Prozent der fortgeschrittenen
Älteren und auch 50 Prozent der Hochbetagten. Nur 3 Prozent der künftigen Senioren halten die Arbeit
für unwichtig. Damit liegt hier eine große Übereinstimmung vor. Die älteren Befragten stimmen diesem
Wert zu, weil sie noch erwerbstätig sind oder sein wollen, weil sie wissen, welche Bedeutung die Arbeit
in ihrem bisherigen Leben hatte und wie wichtig sie für die nachfolgenden Generationen ist.
Differenzierungen in der Wertigkeit der Arbeit gibt es jedoch im Hinblick auf soziale Faktoren.
Abbildung 10.1:

Wert Arbeit - nach beruflicher Qualifikation, Erwerbsstatus und Haushaltsnettoeinkommen - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent ohne Abschluss

11

Lehre/Teilausbildung

6

Fachhochschule/Meister/Techniker
Hochschule/Universität
Erwerbstätigkeit - Vollzeit
Erwerbstätigkeit - Teilzeit

1

94
73

15

4

53

27

7
11

unter 1.000 Euro

57
16
58

13
11

1.000 - 1.999 Euro

8

2.000 - 2.999 Euro

wichtig

74

90

nicht erwerbstätig

Gesamt

73

5

1

geringfügig beschäftigt

4.000 Euro und mehr

76

9
10
8
11
9

4

arbeitslos

3.000 - 3.999 Euro

52
15

8
2
2

69

14
10

78
90

5

88

9
72

9
9
weniger wichtig

unwichtig

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

So unterstützen 52 Prozent der Menschen ohne berufliche Qualifikation den Wert Arbeit voll, aber
74 Prozent der Hochschulabsolventen (wobei beide Gruppen auch Rentnerinnen und Rentner enthal-

365

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

ten). Hinsichtlich des Erwerbsstatus ist aufschlussreich, dass zwar 73 Prozent der Arbeitslosen den Wert
voll unterstützen, 4 Prozent Arbeit für unwichtig halten und 8 Prozent keine Antwort geben, aber nur
53 Prozent der geringfügig Beschäftigten die Arbeit für sehr wichtig halten, 27 Prozent für wichtig und
7 Prozent für unwichtig (14 Prozent blieben ohne Antwort). Mit den Einkommen steigt die Bedeutung,
die der Arbeit beigemessen wird, von 58 Prozent in der unteren Einkommensgruppe (unter 1.000 Euro)
auf 90 Prozent in der Gruppe mit einem Haushaltsnettoeinkommen zwischen 3.000 Euro und 4.000 Euro.
Es ist ersichtlich, dass sich die übergroße Mehrheit der älteren Bevölkerung in Marzahn-Hellersdorf ein
Leben ohne Arbeit nur schwer vorstellen kann und ungewollte Arbeitslosigkeit einen entscheidenden
Einbruch in die Lebensführung und die Lebensperspektive der Menschen bedeutet.
Wert Demokratie
Die Bedeutung der Demokratie ist für die Befragten ähnlich hoch wie die Bedeutung der Arbeit. 75 Prozent der Befragten halten es für wichtig, in einer demokratischen Gesellschaft zu leben. Dabei fällt auf,
dass 58 Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund und 76 Prozent der Menschen ohne Migrationshintergrund Demokratie für sehr wichtig halten. Die expliziten Ablehnungen einer Bedeutung der
Demokratie sind mit 4 Prozent bzw. 2 Prozent ähnlich. Am hervorstechendsten ist die Differenzierung
hinsichtlich der beruflichen Qualifikation, weil nur 59 Prozent der Geringqualifizierten die Bedeutung der
Demokratie ganz unterstützen, aber 75 Prozent der Facharbeiter und 80 Prozent der Hochschulabsolventen. Auch mit dem Einkommen steigt der Wert der Demokratie an. 67 Prozent der Angehörigen der
unteren Einkommensklasse schätzen sie als sehr wichtig ein, aber 84 Prozent der Angehörigen der obersten Einkommensklasse. In sozialräumlicher Hinsicht ergibt sich folgendes Bild:
Abbildung 10.2:

Wert Demokratie - nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent -

Marzahn-Nord
Marzahn-Mitte

75

15

2

Marzahn-Süd

Hellersdorf-Süd
Biesdorf
Kaulsdorf
Mahlsdorf

Gesamt

73

18

3

Hellersdorf-Nord
Hellersdorf-Ost

66

26

3

69

21

74

18

2

77

16

2

81

15

1

84

10

1
3

2

80

17
75

17
wichtig

weniger wichtig

unwichtig

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

In den sozial schwachen Bezirksregionen Marzahn-Nord (66 Prozent volle Zustimmung) und HellersdorfNord (69 Prozent volle Zustimmung) ist die Unterstützung des Wertes der Demokratie am niedrigsten,

366

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

im Siedlungsgebiet ist sie in allen drei Bezirksregionen mit jeweils über 80 Prozent am höchsten. Dennoch kann zusammenfassend festgestellt werden, dass einer übergroßen Mehrheit sehr wichtig ist, in
einer demokratischen Gesellschaft zu leben.
10.2

Lebenszufriedenheit

Allgemeine Lebenszufriedenheit
Die allgemeine Lebenszufriedenheit drückt auf allgemeine Weise eine Beurteilung der gesamten Lebenssituation von Menschen aus, darin eingeschlossen wirtschaftliche, soziale, politische, gesellschaftliche Bedingungen wie auch persönliche Beziehungen. Sie bildet sowohl die Quintessenz von Bewertungen des eigenen Lebens, wie sie ihrerseits auch diese Bewertungen beeinflusst. So stellt sie - ausgehend
von den Wertvorstellungen - eine schon konkretere Grundlage für die Bewertung von einzelnen Lebensbereichen dar. Das bedeutet jedoch nicht, dass die allgemeine Lebenszufriedenheit und die Zufriedenheit mit spezifischen Lebensbedingungen immer miteinander korrespondieren. Im Gegenteil, oft werden
auf der Grundlage der eigenen Zufriedenheit die Gesellschaft und ihre Lebensbedingungen in verschiedenen Bereichen kritisch beurteilt.
In den vergangenen Jahren ist die allgemeine Lebenszufriedenheit angestiegen. Insgesamt zeigten sich
67 Prozent der Bürgerinnen und Bürger ab 50 Jahre mit ihrem Leben zufrieden, darunter 10 Prozent
sehr zufrieden. 24 Prozent sind teilweise mit ihrem Leben zufrieden und nur 5 Prozent sind es nicht. Die
Lebenszufriedenheit stieg damit seit 2010 um 9 Prozentpunkte. In Marzahn-Hellersdorf wird die gleiche
Entwicklung wie in allen anderen Bezirken Berlins und darüber hinaus in der gesamten Bundesrepublik
sichtbar: Die Menschen sind mit ihrem Leben insgesamt immer zufriedener.
Der Anstieg der allgemeinen Lebenszufriedenheit ist in allen hier untersuchten sozialen Gruppen zu erkennen. So sind Frauen und Männer in etwa gleicher Ausprägung mit ihrem Leben zufrieden bzw. auch
unzufrieden (5 Prozent bzw. 6 Prozent). Hervorzuheben ist, dass auch in allen Altersgruppen die Lebenszufriedenheit hoch ist. So nimmt der Wert der Zufriedenheit mit dem Alter sogar zu: von 63 Prozent bei
den künftigen Senioren auf 75 Prozent bei den Hochbetagten. In anderen Bevölkerungsgruppen sind
stärkere Differenzierungen auszumachen. So sind Menschen mit einem Migrationshintergrund weniger
zufrieden (49 Prozent zufrieden) als Menschen ohne einen solchen (68 Prozent zufrieden). Allerdings
sind beide Bevölkerungsgruppen in gleich geringem Ausmaß explizit unzufrieden mit ihrem Leben
(3 Prozent bzw. 5 Prozent). Auch gesundheitliche Beeinträchtigungen wie eine Behinderung oder die
Einstufung in einer Pflegestufe beeinflussen die Lebenszufriedenheit. Menschen mit einer schweren
Behinderung sind weniger häufig zufrieden mit ihrem Leben als Menschen ohne eine solche Behinderung (55 Prozent bzw. 71 Prozent). Dieser Befund besagt einerseits, dass es gelingen kann, Lebensbedingungen herzustellen, die Schwerbehinderten ein zufriedenes Leben ermöglichen. Er besagt andererseits,
dass 31 Prozent der Schwerbehinderten nur teilweise mit ihrem Leben zufrieden sind und 10 Prozent es
nicht sind. Das ist zu einem guten Teil (nicht nur) den Bedingungen geschuldet, die Behinderten eine
selbstbestimmte Lebensführung ermöglichen oder diese beeinträchtigen. Die Zuweisung einer Pflegestufe ist einerseits ein Merkmal, das die Lebenszufriedenheit nicht befördert, andererseits ist aber die
Gewährung pflegerischer Betreuung ein Aspekt der Verbesserung der Lebensqualität. Wenn daher
44 Prozent der Pflegebedürftigen mit ihrem Leben insgesamt zufrieden sind, dann ist das sicherlich ein
hoher Wert, obschon ein geringerer als die 69 Prozent zufriedener Menschen ohne eine Pflegestufe. Die

367

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

explizite Unzufriedenheit ist mit 14 Prozent bei Pflegebedürftigen höher als bei Menschen ohne Pflegestufe.
Tabelle 10.1:

Lebenszufriedenheit - nach Alter, Behinderung und Pflegebedürftigkeit
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent sehr
zufrieden

zufrieden

teilweise
zufrieden

unzufrieden

sehr
unzufrieden

künftige Senioren

11

52

27

6

1

junge Alte

10

63

20

3

1

fortgeschrittene Ältere

10

63

19

1

2

6

69

17

6

1

Hochbetagte
mit Schwerbehinderung

6

49

31

7

3

11

60

22

4

1

3

41

33

5

9

ohne Pflegestufe

11

58

23

4

1

Gesamt

10

57

24

4

1

ohne Schwerbehinderung
mit Pflegestufe

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die Analyse ausgewählter sozialer Gruppen ergibt ebenfalls ein zwar insgesamt gegenüber dem Jahr
2010 verbessertes, aber immer noch differenziertes Bild.
In allen Gruppen der beruflichen Qualifikation stieg die allgemeine Lebenszufriedenheit zwischen 2010
und 2015 (z.B. bei denen ohne Abschluss von 45 Prozent auf 49 Prozent und bei den Hochschulabsolventen von 66 Prozent auf 77 Prozent). Dieser Vergleich zeigt aber auch, dass der Unterschied zwischen
Menschen mit geringer oder (noch) keiner beruflichen Qualifikation und Hochschulabsolventen größer
geworden ist.
Ein gleiches Ergebnis lässt sich hinsichtlich des Erwerbsstatus feststellen. Waren 2010 65 Prozent aller
Erwerbstätigen mit ihrem Leben zufrieden, so waren es bei den Vollzeiterwerbstätigen 2015 73 Prozent.
Die Arbeitslosen waren im Jahr 2010 zu 26 Prozent mit ihrem Leben zufrieden und im Jahr 2015 zu
35 Prozent. Im Hinblick auf den Erwerbsstatus ist der Unterschied in der Ausprägung der Lebenszufriedenheit zwar nicht größer geworden, aber auch nicht wesentlich kleiner. Auffällig ist, dass in der Gruppe
der Arbeitslosen die explizite Unzufriedenheit deutlich abgenommen hat (von 35 Prozent auf 18 Prozent). Das kann einerseits bei den ALG I-Bezieherinnen und -beziehern darauf zurückzuführen sein, dass
sich die Arbeitsmarktsituation auch in Berlin verbessert hat und die Aussichten, einen Arbeitsplatz zu
bekommen, größer als noch vor 5 Jahren sind, sodass die Zeit der Arbeitslosigkeit entspannter zur Jobsuche genutzt werden kann. Andererseits hat sich bei den ALG II-Bezieherinnen und -beziehern die Statuszugehörigkeit verstärkt, und die Chancen für Langzeitarbeitslose auf dem Arbeitsmarkt sind nach wie
vor gering.
In Partnerhaushalten ohne Kinder sind am häufigsten zufriedene Menschen auszumachen. In dieser
Haushaltskonstellation ist die Zufriedenheit seit 2010 um 9 Prozentpunkte auf 74 Prozent gestiegen.
Auch unter den Alleinlebenden finden sich mehr zufriedene Menschen als 2010. Die Zunahme beträgt
hier 6 Prozentpunkte auf 58 Prozent. Bedenklich ist dagegen die relative Seltenheit, in der sich Alleinerziehende mit ihrem Leben zufrieden zeigen, 33 Prozent. Zwar registrierten wir in unserer Stichprobe nur
wenig Alleinerziehende, aber ihre Lebenssituation wird von einer Mehrzahl nur mittelmäßig (39 Prozent)
bis schlecht (18 Prozent) bewertet.

368

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 10.2:

Lebenszufriedenheit - nach Qualifikation, Erwerbsstatus und Haushaltsform
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent sehr
zufrieden

zufrieden

teilweise
zufrieden

unzufrieden

sehr
unzufrieden

6

43

33

8

5

ohne Abschluss
Lehre/Teilausbildung

7

59

26

5

1

Fachhochschule/Meister/Techniker

14

59

20

3

1

Hochschule/Universität

18

59

18

2

Erwerbstätigkeit - Vollzeit

12

61

23

2

Erwerbstätigkeit - Teilzeit

14

49

31

2

arbeitslos

12

23

41

15

7

52

27

12

geringfügig beschäftigt
nicht erwerbstätig
mit Partner/in, ohne Kind/er

9

60

21

4

62

21

3

7

51

29

7

17

50

22

7

33

39

12

6

57

24

4

1

alleinerziehend
Gesamt

3

12

alleinlebend
mit Partner/in, mit Kind/ern

1

10

2
3

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die Lebenszufriedenheit in den Bezirksregionen ist verschieden, unterscheidet sich jedoch nicht dramatisch. Es zeigt sich ein Zusammenhang mit den sozialen Profilen der Bezirksregionen. In den Bezirksregionen mit ungünstigem sozialen Profil (Marzahn-Nord und Hellersdorf) ist die allgemeine Lebenszufriedenheit geringer als in denen mit günstigem sozialen Profil (z.B. Marzahn-Mitte und im Siedlungsgebiet).
Abbildung 10.3:

Lebenszufriedenheit - nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent 67
56

57

53

45
36

29

27

23
10

6

16

10
2

42

sehr zufrieden

9

21 4

zufrieden

7

11
2 4

27
16
7

63

57

55

6

2

teilweise zufrieden

22
13
1

61

19
1

unzufrieden

15

57

24

18
10
3

41

sehr unzufrieden

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Am seltensten, aber immer noch mehrheitlich ist unter den Bewohnerinnen und Bewohnern von Marzahn-Nord eine Zufriedenheit mit den Leben anzutreffen (55 Prozent), aufsteigend über HellersdorfNord (57 Prozent) und Hellersdorf-Ost (61 Prozent) finden sich am häufigsten zufriedene Menschen in
den Siedlungsgebieten Biesdorf (73 Prozent), Kaulsdorf und Mahlsdorf (je 76 Prozent). Dass der hohe

369

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Grad an Zufriedenheit der Bewohnerinnen und Bewohner ab 50 Jahre nicht eine ausschließliche Tatsache in den Siedlungsgebieten ist, zeigt die Bezirksregion Marzahn-Süd mit ebenfalls 76 Prozent. Diese
Differenziertheit ist natürlich nicht per se durch die Bezirksregion bestimmt, sondern durch die Tatsache, dass sich in den einzelnen Bezirksregionen soziale und familiale Problemlagen konzentrieren (siehe
Kapitel 2). Gleichzeitig sollte auch erwähnt werden, dass die explizite Unzufriedenheit mit dem eigenen
Leben auch in den sozial schwachen Bezirksregionen nicht exorbitant hoch ist (Marzahn-Nord und Hellersdorf-Süd je 8 Prozent, Hellersdorf-Nord 9 Prozent und Hellersdorf-Ost 11 Prozent).
Eine häufig anzutreffende hohe Lebenszufriedenheit ist auch ein Ausdruck der Verbundenheit mit dem
Bezirk, denn diese nimmt mit der Wohndauer im Bezirk, ja in der jetzigen Wohnung kontinuierlich zu.
Finden wir bei denjenigen, die unter 3 Jahren in ihrer Wohnung wohnen, 44 Prozent mit ihrem Leben
zufriedene Menschen, so sind es bei den über 3 Jahre und unter 10 Jahren in ihrer Wohnung Wohnenden schon 63 Prozent, bei den über 10 Jahren und unter 30 Jahren in ihrer Wohnung Wohnenden
72 Prozent und bei denjenigen, die über 40 Jahre in ihrer Wohnung wohnen, sogar 80 Prozent.
10.3

Zufriedenheit mit einzelnen Lebensbereichen

Die Zufriedenheit mit einzelnen Lebensbereichen korrespondiert nicht immer mit der allgemeinen Lebenszufriedenheit. Die Zufriedenheit oder Unzufriedenheit mit den Bedingungen in einem einzelnen
Lebensbereich spiegelt die Stellungnahmen der Menschen zu diesen meist gesellschaftlich gestalteten
und beeinflussten Bereichen wider. Oft, aber nicht immer, reflektieren sich in den Bewertungen einzelner Lebensbereiche gerade die subjektiven Erfahrungen, die Bürgerinnen und Bürger in diesen Bereichen machen, und oft sind die Häufungen bestimmter Erfahrungen ein Ausdruck ihrer tatsächlichen
Qualität.
Wir analysieren diese Einschätzungen in der Folge abnehmender Zufriedenheit.
Eigene Wohnung
Sehr zufrieden sind die Marzahn-Hellersdorfer mit den von ihnen bewohnten Wohnungen (74 Prozent),
ein etwas geringerer Wert als 2010 (78 Prozent). Bezeichnend bleibt jedoch, dass die Zufriedenheit mit
der eigenen Wohnung in allen Altersphasen annähernd gleich hoch ist. Auf eine genauere Analyse der
Zufriedenheit mit der Wohnung wird im Kapitel 5 näher eingegangen.
Zwischenmenschliche Beziehungen
Den zweiten Rang bereichsspezifischer Einschätzungen nehmen die zwischenmenschlichen Beziehungen
mit 50 Prozent Zufriedenheit ein. Dabei kann davon ausgegangen werden, dass diese Bewertung sowohl
die Beziehungen des unmittelbaren Lebensumfeldes als auch die allgemein verbreiteten zwischenmenschlichen Beziehungen in unserer Gesellschaft einschließt. Der Schwerpunkt in der Beantwortung
dieser Frage liegt jedoch auch hier auf den Beziehungen in der eigenen Lebenswelt, in der eigene Erfahrungen gemacht werden. Diese Bewertung hat sich in den vergangenen fünf Jahren um fünf Prozentpunkte erhöht. Für knapp die Hälfte der Befragten fällt die Bewertung der zwischenmenschlichen Beziehungen ambivalent aus (42 Prozent). Sie machen Einschränkungen, die von gelegentlichen Verstimmungen im sozialen Kontakt bis hin zu gerade noch zu kompensierenden Defiziten reichen können. Wichtig
für das soziale Klima und die gegenseitige Aufmerksamkeit füreinander ist allerdings, dass nur 5 Prozent
angeben, mit den zwischenmenschlichen Beziehungen unzufrieden zu sein. Der Teil der Befragten, des-

370

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

sen eigene Erfahrungen auf eine ungenügende soziale Einbindung in der eigenen Lebenssphäre hinweisen, ist zumindest in dieser Hinsicht klein. Im Kapitel Wohnen werden wir auf eine Bestätigung dieses
Ergebnisses stoßen, wenn wir feststellen, dass nur 6 Prozent der Befragten ihren persönlichen Kontakt
zu den Nachbarn als schlecht bezeichnen.
In den Bezirksregionen werden die zwischenmenschlichen Beziehungen unterschiedlich bewertet. Am
seltensten sind die ab 50-Jährigen von Hellersdorf damit zufrieden (Hellersdorf-Nord: 35 Prozent, Hellersdorf-Ost: 40 Prozent). Auch in Marzahn-Nord und im restlichen Hellersdorf ist die Zufriedenheit unterdurchschnittlich ausgeprägt (jeweils 46 Prozent Zufriedenheit). Dass die häufig beklagte größere
Anonymität in Großsiedlungen nicht in jedem Fall gilt, zeigt die Bewertung in Marzahn-Süd (56 Prozent)85. Sie weicht nicht von den durchschnittlichen Bewertungen in den Regionen des Siedlungsgebietes (zwischen 50 Prozent und 60 Prozent) ab. Gute zwischenmenschliche Beziehungen können umso
eher gestaltet werden, je stabiler die Wohnbevölkerung ist. Hohe Fluktuation lässt befriedigende Beziehungen zwischen den Bewohnerinnen und Bewohnern nur selten gedeihen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Bewertung der zwischenmenschlichen Beziehungen von der Wohndauer abhängig ist.
Dort, wo die Menschen seit über 40 Jahren im Bezirk wohnen, ist die Zufriedenheit mit 62 Prozent auch
deutlich höher als dort, wo die mittlere Wohndauer unter 10 Jahren liegt (45 Prozent)86. Damit zusammenhängend kann auch der Unterschied in der Bewertung zwischen Menschen mit (29 Prozent) und
ohne Migrationshintergrund (51 Prozent) gesehen werden. Allerdings ist die Wohndauer in diesem Fall
nicht der einzige Faktor, der diesen Unterschied hervorruft. Noch immer stehen der Integration und
Zugehörigkeit von Personen mit Migrationshintergrund Barrieren im Weg, z.B. beim Zugang zum Arbeitsmarkt, bei erfolgreicher Bildung, aber auch kulturelle Vorbehalte.
Aufschlussreich für die Bewertung der sozialen Zugehörigkeit infolge zufriedenstellender zwischenmenschlicher Beziehungen ist, dass die positive Bewertung mit dem Alter zunimmt: Von 47 Prozent bei
den künftigen Senioren bis zu 59 Prozent bei den Hochbetagten steigt der Wert kontinuierlich an. Mit
zunehmendem Alter fühlen sich die Menschen häufiger in ihre Umgebung integriert. Diese Bewertung
nehmen auch fast gleichermaßen Menschen mit und ohne Schwerbehinderung (47 Prozent bzw.
51 Prozent) vor. Für Menschen mit Pflegebedarf ist das nicht festzustellen. Immerhin sind noch 33 Prozent mit den zwischenmenschlichen Beziehungen zufrieden. Aber auch bei ihnen ist der Anteil der explizit negativen Bewertung mit 5 Prozent sehr klein. Im Vergleich zu anderen Lebensformen sind die Alleinerziehenden seltener mit den zwischenmenschlichen Beziehungen zufrieden (33 Prozent - dagegen
55 Prozent bei den Paaren ohne Kinder im Haushalt).
Soziale Faktoren beeinflussen die Bewertung dieses Merkmals des eigenen Lebensbereiches. Die berufliche Qualifikation spielt dabei eine Rolle: 31 Prozent der Menschen ohne beruflichen Abschluss sind mit
den Beziehungen zufrieden, während es in allen anderen Qualifikationsgruppen jeweils mehr als die
Hälfte sind (Facharbeiterinnen/Facharbeiter 51 Prozent, Fach(hoch-)schule 52 Prozent und Hochschule
54 Prozent). Im Hinblick auf den Erwerbsstatus fallen die geringfügig Beschäftigten mit häufiger Zufriedenheit (61 Prozent) auf, wogegen arbeitslose Befragte seltener zufrieden sind (35 Prozent). Gemessen
am Haushaltseinkommen ist die Differenzierung fast so stark wie beim Erwerbsstatus. Auch hier sind die
85

86

Darin zeigt sich der Zusammenhang zwischen sozialem Profil eines Quartiers und den darin anzutreffenden
zwischenmenschlichen Beziehungen.
Vgl. Kapitel 6.

371

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Benachteiligten weniger zufrieden (45 Prozent) als die Haushalte mit dem höchsten Einkommen
(55 Prozent), aber die Angehörigen der zweithöchsten Einkommensgruppe sind noch häufiger mit den
zwischenmenschlichen Beziehungen zufrieden (59 Prozent).
Abbildung 10.4:

Zufriedenheit mit den zwischenmenschlichen Beziehungen - nach beruflicher
Qualifikation und Erwerbsstatus - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015
- in Prozent 61

51

54

52

51

43

40

51

51

51

35

31

9

5

4

4

zufrieden

50

45

44

41

55

9

4

3

teils/teils

42

38

34

4

5

5

unzufrieden

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Wohngebietsbedingungen
Die Mehrheit der Bewohnerinnen und Bewohner ab 50 Jahre von Marzahn-Hellersdorf ist mit ihren jeweiligen Wohngebietsbedingungen insgesamt zufrieden (49 Prozent). Nur 4 Prozent äußern Unzufriedenheit. Damit ist in der diesjährigen Untersuchung die Zustimmung um 5 Prozentpunkte geringer als
vor fünf Jahren. Wie auch 2010 kann festgestellt werden, dass die Zufriedenheit mit der Wohnung in
engem Zusammenhang mit der Zufriedenheit in verschiedenen Lebensbereichen, wie z.B. den Wohngebietsbedingungen, dem ÖPNV oder der öffentlichen Sicherheit auf Straßen und Plätzen, steht. Verbunden mit sozialen Faktoren ist es daher nicht überraschend, dass die Bewertung der Wohngebietsbedingungen in den einzelnen Bezirksregionen sehr unterschiedlich ausfällt. Zum Beispiel ist in Marzahn-Nord
die Zustimmung weiter gesunken, sodass nur noch 33 Prozent der Befragten mit den Wohngebietsbedingungen zufrieden sind. Auch in Hellersdorf-Nord ist die Zustimmung auf 42 Prozent gesunken. Der
stärkste Rückgang muss allerdings in Hellersdorf-Ost registriert werden. Dort sank die Zufriedenheit mit
den Wohngebietsbedingungen von 60 Prozent auf 48 Prozent. Die Verschlechterung der Beurteilung der
Wohngebietsbedingungen ist jedoch nicht in allen Bezirksregionen zu verzeichnen. In Marzahn-Süd ist
die Zustimmung um 7 Prozentpunkte auf 61 Prozent gestiegen. Auch im Siedlungsgebiet sind die Bewertungen der Wohngebietsbedingungen gesunken (z.B. in Kaulsdorf von 61 Prozent Zustimmung auf
44 Prozent). Es fällt im Großsiedlungsgebiet insbesondere auf, dass die Kieze am Rand des Bezirkes, also
zur Stadtgrenze hin, ihre Wohngebietsbedingungen weniger häufig gut beurteilen.

372

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 10.5:

Zufriedenheit mit den Wohngebietsbedingungen - nach Bezirksregionen
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent 61

58

54

56

52

52

48 47

7

4

42

45

38

34

33

49

48

44

43

42

40

52

2

3

zufrieden

4

4

3

teils/teils

8
1

4

unzufrieden

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

In anderen Hinsichten fallen die Bewertungen der Wohngebietsbedingungen etwas homogener aus. So
kann festgestellt werden, dass Männer und Frauen sowie Menschen mit und ohne Migrationshintergrund ihre Wohngebietsbedingungen gleich beurteilen. Hervorzuheben ist auch, dass sowohl Menschen
mit einer Schwerbehinderung (52 Prozent) als auch Pflegebedürftige (53 Prozent) mit ihren Wohngebietsbedingungen häufiger zufrieden sind als Menschen ohne Handicap bzw. Pflegebedürftigkeit (je
48 Prozent Zustimmung). Diese Einschätzung weist auf gute Voraussetzungen hin, auch künftig den Seniorinnen und Senioren des Bezirkes gute Bedingungen in den Kiezen zu ermöglichen. Eine Zunahme
positiver Bewertungen der jeweiligen Bedingungen ist auch mit dem Alter zu konstatieren. Die künftigen
Senioren sind seltener zufrieden (43 Prozent) als die Menschen im fortgeschrittenen Alter (60 Prozent)
und die Hochbetagten (57 Prozent). Die künftigen Senioren sind häufig noch erwerbstätig, weshalb sich
diese Unterschiede in der Bewertung sowohl auf Bedingungen zurückführen lassen, die mit der Berufstätigkeit zu tun haben (z.B. ÖPNV oder Bedingungen der kommunalen Infrastruktur, wie z.B. die Bezirksverwaltung). Sie sind aber auch mit anderen Bedürfnissen der Freizeitgestaltung und der Teilhabe am
öffentlichen Leben (siehe Kapitel 7) verknüpft. Auch die soziale Lage der Befragten spiegelt sich in den
Bewertungen der Wohngebietsbedingungen wider. Insbesondere die berufliche Qualifikation und das
Haushaltseinkommen lassen deutlichere Unterschiede erkennen. Befragte ohne beruflichen Abschluss
sind zu 58 Prozent zufrieden, aber nur 43 Prozent der Hochschulabsolventen. Auch das scheint auf unterschiedliche Bedürfnisse in Freizeit und Beruf, wie auch bei den Erwartungen bzgl. der Teilhabe am
öffentlichen Leben zurückzuführen sein. Dass auch die Bezieherinnen und Bezieher geringer Einkommen
mit den Wohngebietsbedingungen zufriedener sind als die „Besserverdienenden“ (unter 1.000 Euro
51 Prozent, 3.000 bis 3.999 Euro 37 Prozent, über 4.000 Euro 43 Prozent), kann nicht per se durch das
Einkommen begründet werden, sondern ist z.T. an die Berufstätigkeit und das Alter geknüpft. Heutige
Senioren und erst recht künftige Senioren wollen ein aktiveres Leben als früher führen und stellen daher

373

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

auch an die Wohngebietsbedingungen steigende Anforderungen. Auffällig ist in diesem Zusammenhang
auch, dass es gerade die Haushalte mit Kindern sind (3-Personen-Haushalte 39 Prozent bzw. Paare mit
Kindern 35 Prozent Zustimmung), die deutlich seltener Zufriedenheit mit den Wohngebietsbedingungen
äußern. Wenn auch die Alleinerziehenden (50 Prozent Zufriedenheit) positiver urteilen, so muss doch
festgestellt werden, dass ein gewisser Anteil der geringeren Bewertung der Wohngebietsbedingungen
im Zusammenhang mit der Betreuung von Kindern steht.
Öffentlicher Nahverkehr
Die Zufriedenheit mit dem ÖPNV ist in den vergangenen fünf Jahren etwas gestiegen (von 42 Prozent
auf nun 46 Prozent). Auch im Siedlungsgebiet, in dem die Bewertung des ÖPNV noch immer am schlechtesten ausfällt, ist eine Verbesserung festzustellen (Biesdorf und Kaulsdorf je 40 Prozent Zustimmung).
Schlecht bleibt die Bewertung in Mahlsdorf mit 34 Prozent Zustimmung. Dabei ist der Wunsch, den
ÖPNV zu nutzen, anzuerkennen, allerdings auch nicht eben leicht vorstellbar, wie sich die Anbindung an
den ÖPNV verbessern soll, ohne andere Faktoren der Wohnqualität (z.B. Lärm) zu beeinträchtigen. Im
Großsiedlungsgebiet fällt die Bewertung des ÖPNV am nördlichen Rand in Hellersdorf-Nord (43 Prozent
Zustimmung) schlechter aus als in anderen Bezirksregionen wie z.B. Marzahn-Süd (57 Prozent Zustimmung). Für das Großsiedlungsgebiet ist ebenfalls festzustellen, dass die Erreichbarkeit des ÖPNV (der
Weg zu Haltestellen) z.T. weit ist, grade für ältere Menschen mit eingeschränkter Gehfähigkeit.
In anderen Hinsichten fallen die Einschätzungen des öffentlichen Nahverkehrs nicht so unterschiedlich
aus. Hervorzuheben sind zwei Gesichtspunkte: Einmal beurteilen die Pflegebedürftigen (27 Prozent) den
ÖPNV weniger positiv als alle anderen (47 Prozent), und auch die Paare mit Kindern (36 Prozent) sind
weniger häufig mit dem ÖPNV zufrieden als Paare ohne Kinder (45 Prozent).
Gesundheitliche Betreuung
Bedingungen und Bewertungen der gesundheitlichen Betreuung werden im Kapitel 6 analysiert. Daher
soll an dieser Stelle der Hinweis genügen, dass die Zufriedenheit mit ihr in den vergangenen fünf Jahren
unverändert ist (40 Prozent Zufriedenheit). Auch auf diesem Gebiet können die Erwartungen der Jüngeren (34 Prozent), der Vollzeiterwerbstätigen (32 Prozent) und der Paare mit Kindern (35 Prozent Zufriedenheit) weniger gut erfüllt werden.
Arbeit
Die Antworten zur Zufriedenheit mit der Arbeit sind mit einem gewissen Unsicherheitsfaktor versehen,
der sich darauf bezieht, dass auch Befragte auf die Frage geantwortet haben, die nicht (mehr) erwerbstätig sind. Wir analysieren an dieser Stelle nur die Zufriedenheit mit der Arbeit für die Erwerbstätigen.

374

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 10.6:

Zufriedenheit mit der Arbeit - nach Erwerbsstatus - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent 57

55

49
39

38

36

36
32

29

28
23
14
6

21

12
8

7
3

Erwerbstätigkeit -Erwerbstätigkeit Vollzeit
Teilzeit

arbeitslos

zufrieden

geringfügig nicht erwerbstätig
beschäftigt
teils/teils

Gesamt

unzufrieden

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Es zeigt sich dabei, dass bei Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten eine große Mehrheit mit ihrer Arbeit zufrieden ist. Bei den Arbeitslosen stellt sich die Situation anders dar. Rund 14 Prozent der Arbeitslosen
sind mit ihrer Arbeitssituation zufrieden (warum auch immer) und rund 28 Prozent sind explizit unzufrieden. Ob hierbei 1-Euro-Jobs eine Rolle spielen oder ob sich die Antworten allein auf die Lebenssituation der Arbeitslosigkeit beziehen, kann an dieser Stelle nicht weiter untersucht werden (vgl. Kapitel 4).
Demokratische Mitwirkung
Die Möglichkeiten zur Teilhabe an demokratischen Aushandlungs- und Entscheidungsprozessen werden
seit 2010 etwas besser eingeschätzt (24 Prozent Zufriedenheit gegenüber 20 Prozent im Jahr 2010). Die
Unterschiede in den Bewertungen zwischen einzelnen Bevölkerungsgruppen sind nicht groß. Eine detaillierte Untersuchung dieser Bewertungen erfolgt im Kapitel 9 zum bürgerschaftlichen Engagement.
Umweltsituation
Die Bewertung der Umweltsituation unterliegt insgesamt seit der Deutschen Einheit dem „Prinzip der
gesättigten Erwartungen“. Während in den Nachwendejahren die Umweltsituation in Ostdeutschland
sehr schlecht bewertet wurde, was dem Stand der Dinge entsprach, sind in den Folgejahren die Bedingungen erheblich verbessert worden. Dies wird insgesamt von der Bevölkerung goutiert. Dennoch sind
insbesondere mit der verstärkten Thematisierung des globalen Klimawandels und der Ankündigung der
Energiewende die Erwartungen an weitere Verbesserungen der ökologischen Situation weiter gestiegen.
Daher fallen die Bewertungen der Umweltsituation vergleichsweise schlecht aus. Hinzu kommt, dass in
diese Bewertung gelegentlich auch Merkmale der Sauberkeit und Ansehnlichkeit des Wohnumfeldes
einbezogen werden. Dabei können Brachflächen ebenso eine Rolle spielen wie Schmierereien und Müll
auf Straßen und Plätzen. Unterschiede in der Zufriedenheit mit der Umweltsituation sind in der Bevölkerung nur in geringem Maß anzutreffen, sodass sie in dieser Analyse nicht erwähnenswert sind. Einzig
regionale Unterschiede bedürfen der Aufmerksamkeit. In den Bezirksregionen fällt die Bewertung doch

375

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

differenzierter aus als in anderen Hinsichten. Dabei fällt insbesondere Hellersdorf-Nord mit der geringsten Zufriedenheitsrate von 11 Prozent auf, gefolgt von Marzahn-Nord und Marzahn-Mitte mit jeweils
17 Prozent Zufriedenheit. Diese Werte sind sehr gering, zumal die explizite Unzufriedenheit insgesamt
im Bezirk mit 16 Prozent relativ hoch ist. Insbesondere in der Großsiedlung (außer Marzahn-Mitte und
Marzahn-Süd) sind die Unzufriedenheitswerte mit durchschnittlich 20 Prozent hoch.
Als Schlussfolgerung für die Aufmerksamkeit im Bezirk kommen nur wenige Faktoren in Betracht, die im
kommunalpolitischen Handeln relevant werden können. Es ist einerseits zu erwarten, dass mit der IGA
2017 eine Verbesserung der Bewertung einhergehen wird. Andererseits sind es eher die Aspekte von
Ordnung und Sauberkeit, die im Bezirk eine Rolle spielen können. Ein möglicher Aspekt in der Kommunikation mit den Wohnungsunternehmen könnte in der ökologischen Sanierung von Gebäuden und Wohnungen bestehen.
Öffentliche Sicherheit auf Straßen und Plätzen
Dieser Aspekt der Lebensbedingungen ist in seiner Bewertung durch die Bevölkerung hervorzuheben,
weil die Zufriedenheit in dieser Hinsicht schlecht ist. Er bezieht sich im allgemeinen Sprachgebrauch vor
allem auf die Kriminalitätsfurcht, schließt aber in einem weiteren Sinn auch die Verkehrssicherheit der
Straßen, Gehwege und Plätze ein. Zur Sicherheit der Gehwege und Straßenkreuzungen gab es 2013 eine
Befragung durch eine Arbeitsgruppe des Interessenverbundes Wohnen im Alter87. Sie ergab konkrete
Hinweise auf unsichere Wege und Steige. Die Kriminalitätsfurcht in der Bevölkerung ist sowohl in ihren
Anlässen wie auch in ihrer Ausprägung oft nicht zu erklären. Es ist ein globales Phänomen, dass die Kriminalitätsfurcht ab einer mittleren Altersstufe (über 40 Jahre) überall, aber vor allem in Städten höher
ist als die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer kriminellen Handlung zu werden. Die „gefühlte“ Sicherheit ist
also immer niedriger als die reale88. Hinzu kommen Befürchtungen, die sich auf medial besonders hervorgehobene Ereignisse beziehen, aber keinen bekannten dauerhaften Grund haben. Dennoch ist die
Gewährleistung öffentlicher Sicherheit ein wichtiges auch kommunalpolitisches Anliegen, weil die Bürgerinnen und Bürger die Erwartung und den Anspruch haben, sich sicher in den öffentlichen Räumen
bewegen zu können. Positiv ist hervorzuheben, dass die explizite Unzufriedenheit von 26 Prozent auf
20 Prozent abgenommen hat. Bedenklich könnte sein, dass die positive Bewertung auf geringem Niveau
verblieben ist (18 Prozent). Damit sind nach wie vor mehr Menschen unzufriedener als zufrieden mit der
öffentlichen Sicherheit.
Während die Unterschiede in den Bewertungen zwischen Männern (20 Prozent) und Frauen (17 Prozent) und auch die zwischen Menschen mit (18 Prozent) und ohne Migrationshintergrund (21 Prozent
Zufriedenheit) nicht allzu groß ausfallen, differieren sie zwischen den Altersgruppen stärker. Dabei ist
wiederum ein Anstieg der Zufriedenheit mit dem Alter zu erkennen.

87

88

Vgl. Arbeitsgruppe des Interessenverbundes Wohnen im Alter, Auswertung des Fragebogens „Hindernisse im
Wohnumfeld“, Marzahn-Hellersdorf, 2014.
Vgl. „50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2010“, Kapitel 3. Dort wurde ermittelt, dass die Kriminalitätsfurcht
die verbreitetste Angst in der Bevölkerung über 50 Jahre ist.

376

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 10.3:

Zufriedenheit mit der öffentlichen Sicherheit - nach Alter - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent zufrieden

teils/teils

unzufrieden

künftige Senioren

17

59

22

junge Alte

19

58

19

fortgeschrittene Ältere

20

60

15

Hochbetagte

26

52

19

Gesamt

18

59

20

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Bedeutsam erscheinen die regionalen Unterschiede der Bewertung der öffentlichen Sicherheit. Im Siedlungsgebiet sind die Menschen selten mit der öffentlichen Sicherheit zufrieden (Biesdorf 18 Prozent,
Kaulsdorf 15 Prozent, Mahlsdorf 15 Prozent), am seltensten jedoch in Marzahn-Nord mit 14 Prozent.
Das Siedlungsgebiet wurde im vergangenen Jahr durch ein Sexualverbrechen aufgeschreckt, was in der
Bevölkerung lange nachwirkt. Ansonsten ist dort die Furcht vor Einbruchsdiebstahl hoch. In der Großsiedlung kann die Verunsicherung der Bevölkerung nicht so leicht erklärt werden, jedoch könnte es sein,
dass die Auseinandersetzungen um die Unterbringung von Flüchtlingen die Kriminalitätsfurcht beeinflusst haben.
Öffentliche Verwaltung
Neben der öffentlichen Sicherheit ist auch der Bereich der öffentlichen Verwaltung von abnehmender
Zufriedenheit gekennzeichnet. Die Zufriedenheit sank in den vergangenen fünf Jahren um 7 Prozentpunkte auf 17 Prozent. Diese Entwicklung ist nur teilweise auf die Bezirksverwaltung gemünzt. In nicht
unerheblichem Ausmaß sind hier Aufgabenfelder und Kompetenzen des Senats eingeschlossen. Dennoch ist es für den Stadtbezirk wichtig, die eigene Verwaltungsarbeit so zu gestalten, dass die Bürgerinnen und Bürger damit zufriedener sind als es in unserer Untersuchung zum Ausdruck kommt. Einer der
Gründe für eine anhaltende Unzufriedenheit mit der öffentlichen Verwaltung ist die für ganz Berlin zutreffende Misere bei den Bürgerämtern. Die Kritik an der Senatsverwaltung, die auf Personaleinsparungen gedrängt hat, und an den Bezirken, die Ämter geschlossen und Personal abgebaut haben, reißt in
der Öffentlichkeit nicht ab. Aber nicht nur die Bezirksverwaltung gehört zur öffentlichen Verwaltung.
Auch andere Einrichtungen wie z.B. die Arbeitsagentur und das Jobcenter sind Teile der öffentlichen
Verwaltung. Auch deren Tätigkeit steht häufig in der Kritik. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die
geringe Zufriedenheit mit der öffentlichen Verwaltung relativ einheitlich anzutreffen ist. In den Bezirksregionen ist sie am geringsten in Mahlsdorf (11 Prozent) und Kaulsdorf (13 Prozent) sowie in HellersdorfNord (14 Prozent) und Hellersdorf-Ost (15 Prozent). Auf Grund der Siedlungsstruktur und der damit verbundenen Eigentumsformen sowie auf Grund der sozialen Zusammensetzung der Bezirksregionen ist
wahrscheinlich, dass die Anlässe zu Unmut und geringer Zufriedenheit unterschiedlich sind. Aus den
insgesamt geringen Unterschieden in der Beantwortung dieser Frage sollen zwei Ergebnisse hervorgehoben werden: Erstens nimmt die Zufriedenheit mit dem Alter zu. So sind nur 14 Prozent der künftigen
Senioren mit der Verwaltung zufrieden, aber immerhin 26 Prozent der fortgeschrittenen Älteren und
25 Prozent der Hochbetagten. Diese Altersdifferenzierung geht einher mit dem Befund, dass die Vollzeiterwerbstätigen in besonders geringem Maße zufrieden sind (11 Prozent). Wenn man diesen geringen Zustimmungswerten etwas Positives abgewinnen soll, dann vielleicht die Bemerkung, dass die Älte-

377

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

ren bessere Erfahrungen mit der öffentlichen Verwaltung gemacht haben. Zweitens fallen die Alleinerziehenden positiv heraus, 39 Prozent sind mit der öffentlichen Verwaltung zufrieden.
Eine vertiefende Analyse der Gründe für Unzufriedenheit mit der öffentlichen Verwaltung war in der
Studie nicht vorgesehen.
Verhältnis von Einkommen und Preisen (Kaufkraft des eigenen Einkommens)
Mit diesem letzten in die Untersuchung einbezogenen Lebensbereich, dem persönlichen Konsumbudget, sind die Befragten am wenigsten zufrieden. Das ist ein Ergebnis, das überall anzutreffen ist, wie
die Sozialreporte des SFZ in den vergangenen Jahren gezeigt haben. Die Zuständigkeit für eine evtl. Verbesserung oder Verschlechterung dieser Bedingungen liegt auch nicht in der Hand der Bezirke. Daher ist
es schwer, von Seiten des Bezirkes Einfluss auf Verbesserungen in den Möglichkeiten der Gestaltung des
persönlichen Konsums zu nehmen. Neben dem gewerblichen Handel, auf den der Bezirk wenig bis keinen Einfluss hat, kommt wegen des hohen Anteils an den Haushaltsausgaben als nächstes der Bereich
des Wohnens in Betracht. Hinsichtlich des Handels ist es immer wieder schwer, den unterschiedlichen
Einkommensgruppen ein dem Budget entsprechendes Angebot zu machen, ohne andere Gruppen damit
zu erreichen. Hinsichtlich der Wohnkosten werden im Kapitel 5 einige Analysen dargestellt.
Wegen der Allgemeinheit der Klage nach den immer zu geringen Haushaltsbudgets ist es klar, dass die
Differenzierungen in der Bevölkerung nicht groß sind. Die anzutreffenden Unterschiede sind vor allem
natürlich auf das Haushaltseinkommen bezogen. So sind Frauen (12 Prozent) seltener mit dem eigenen
Budget zufrieden als Männer (18 Prozent) und Facharbeiter (11 Prozent) weniger als Hochschulabsolventen (24 Prozent). Angehörige der untersten Einkommensgruppen (10 Prozent bzw. 9 Prozent) sind
naturgemäß seltener zufrieden als die Haushalte mit dem höchsten Einkommen (35 Prozent). Auffällig
ist der Unterschied zwischen 1-Personen-Haushalten (12 Prozent) und 4- und mehr-PersonenHaushalten (17 Prozent). Zwischen den Bezirksregionen ist ein größerer Unterschied im Siedlungsgebiet
(im Mittel um 22 Prozent) auf der einen und in der Großsiedlung (mit Ausnahme von Marzahn-Nord im
Mittel um die 10 Prozent, in Hellersdorf-Ost 6 Prozent) auf der anderen Seite zu verzeichnen.
Zusammenfassung der Zufriedenheit mit einzelnen Lebensbereichen in den Bezirksregionen
Stellt man die Ausprägungen der Zufriedenheit der Bewohnerinnen und Bewohner der Bezirksregionen
in Marzahn-Hellersdorf nebeneinander, so fällt die deutliche Abweichung der Bezirksregionen MarzahnNord, Hellersdorf-Nord und Hellersdorf-Ost auf. Wie auch vor fünf Jahren sind die Menschen in diesen
Bezirksregionen mit den Bedingungen im Wohnumfeld und im Bezirk häufig am unzufriedensten. Die
Analyse in den einzelnen Lebensbereichen hat gezeigt, dass regionale Differenzierungen stark von der
sozialen Zusammensetzung der Bevölkerung abhängen. Die Sozialportraits der Bezirksregionen im
2. Kapitel haben deutlich gemacht, dass diese genannten drei Bezirksregionen die ungünstigste soziale
Zusammensetzung aufweisen. Die Tabelle 10.4 zeigt aber auch, dass es dennoch auch Abweichungen
von dieser generellen Zuschreibung geringer Zufriedenheit in den drei Bezirksregionen gibt. So sind
Menschen in Marzahn-Nord unzufriedener mit den Wohngebietsbedingungen und der öffentlichen Sicherheit als die anderen Regionen. Das deutet darauf hin, dass die gegebene Situation hier am dringlichsten der Verbesserung bedarf. Hellersdorf-Nord hat in allen Lebensbereichen relativ schlechte Zufriedenheitswerte, sticht aber besonders hinsichtlich des öffentlichen Nahverkehrs (zusammen mit dem
Siedlungsgebiet), der öffentlichen Verwaltung, der Kaufkraft und der Bewertung der zwischenmenschli-

378

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

chen Beziehungen heraus. In Hellersdorf-Ost hingegen, das ebenfalls in vielen Hinsichten seltener zufriedene Bewohnerinnen und Bewohner aufweist, ist z.B. die Zufriedenheit mit den demokratischen
Mitwirkungsmöglichkeiten relativ hoch.
Tabelle 10.4:

Zufriedenheit mit ausgewählten Lebensbereichen - nach Bezirksregionen
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent - (nur Antwort: „zufrieden“)
ÖPNV

Wohnge- öffentliche
bietsbedinVerwalgungen
tung

öffentliche
Sicherheit

demokratische Mitwirkungsmöglichkeiten

Arbeit

Verhältnis
von Einkommen
und
Preisen

zwischenmenschliche Beziehungen

Marzahn-Nord

47

33

17

14

26

32

17

46

Marzahn-Mitte

51

54

22

20

25

25

11

48

Marzahn-Süd

57

61

23

21

23

34

11

56

Hellersdorf-Nord

43

42

14

19

20

33

10

35

Hellersdorf-Ost

47

48

15

18

36

33

6

40

Hellersdorf-Süd

50

56

17

25

21

36

14

46

Biesdorf

40

52

17

18

29

47

21

57

Kaulsdorf

40

44

13

15

25

52

24

54

Mahlsdorf

34

42

11

15

22

36

21

60

Gesamt

46

49

17

18

24

36

15

50

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Bündelungen von Zufriedenheit und Unzufriedenheit
Fasst man die Einschätzungen der Zufriedenheit mit den hier untersuchten Lebensbereichen rechnerisch
zusammen, so verdeutlichen sich u.a. sozialräumliche Verdichtungen von höherer Zufriedenheit und
höherer Unzufriedenheit. Wir heben zur Verdeutlichung zwei Gruppen von Personen mit nahe beieinanderliegenden Antworten auf alle Fragen nach der Zufriedenheit in einzelnen Lebensbereichen hervor89. Beide Gruppen unterscheiden sich nicht radikal voneinander (was darauf zurückzuführen ist, dass
die Zufriedenheit bzw. Unzufriedenheit sich nicht auf einzelne Lebensbereiche konzentriert), aber in der
einen Gruppe sind diejenigen versammelt, die häufiger zufrieden sind, und in der anderen diejenigen,
die seltener zufrieden sind. In die erste Gruppe fallen 790 Befragte und in die zweite Gruppe 638. Die so
gebildeten (künstlichen) Gruppen weisen folgende soziale und räumliche Verteilung auf: Bewohnerinnen und Bewohner ab 50 Jahre mit häufigerer Unzufriedenheit als Zufriedenheit in den einzelnen Lebensbereichen wohnen vor allem in Hellersdorf-Nord und in Mahlsdorf. In Marzahn-Nord und MarzahnMitte sind beide Gruppe in etwa in gleicher Anzahl anzutreffen. Neben sozialen Faktoren, die auf diese
räumliche Verteilung einen Einfluss ausüben, bildet Mahlsdorf eine Ausnahme, die auf die geringe Zufriedenheit mit dem ÖPNV, den Wohngebietsbedingungen, der Tätigkeit der öffentlichen Verwaltung
und den demokratischen Mitwirkungsmöglichkeiten zurückzuführen ist. Dabei spielen wahrscheinlich

89

In die Zusammenfassung der Befragten in diese zwei Gruppen konnten nur diejenigen einbezogen werden, die
auf die Fragen nach der Zufriedenheit in einzelnen Lebensbereichen auch geantwortet hatten. Fehlte bei einer
Person eine Antwort, konnte sie nicht berücksichtigt werden. Insgesamt konnten so 1.428 Befragte einbezogen
werden.

379

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

andere Motive der Befragten und andere Kriterien, die sie zu ihrer Beurteilung hinzuziehen, eine Rolle,
als im Großsiedlungsgebiet.
Abbildung 10.7:

Gruppen größerer bzw. niedrigerer Zufriedenheit mit den Lebensbereichen
- nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent 63

50 50

55

51 49

45

60

55

55
45

45

56
40

37

44

47

53

54
46

mit den Bedingungen im Bezirk insgesamt häufiger zufrieden
mit den Bedingungen im Bezirk insgesamt seltener zufrieden

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Zukunftserwartungen
Während die Lebenszufriedenheit auch in einzelnen Lebensbereichen die Bewertung der gegenwärtigen
Situation vornimmt (durchaus vor dem Hintergrund der bisher gemachten Lebenserfahrungen und im
Vergleich mit der Vergangenheit) steht nun die Frage im Mittelpunkt, ob die Menschen mit ihren Zukunftserwartungen zufrieden sind. Das ist nicht ganz gleichbedeutend mit der direkten Frage nach diesen Erwartungen. Vielmehr soll erfragt werden, ob die Menschen mit dem, was sie für ihr künftiges Leben antizipieren, zufrieden sind. Es geht also weniger um die Inhalte der Zukunftsaussichten als vielmehr
darum, ob und in welchem Maße ein Einverständnis, eben eine Zufriedenheit mit dieser Erwartung besteht.
Dabei zeigt sich, dass 35 Prozent mit den von ihnen gehegten Zukunftserwartungen der ab 50-Jährigen
im Bezirk zufrieden sind und 12 Prozent explizit unzufrieden. Vor fünf Jahren betrugen diese Werte
27 Prozent bzw. 18 Prozent. Das ist eine signifikante Steigerung des Zukunftsoptimismus. Auf der Basis
dieses gewachsenen Optimismus kann die künftige Gestaltung der Lebensbedingungen im Bezirk aufbauen. Im Einzelnen sind Frauen (33 Prozent) etwas weniger optimistisch als Männer (37 Prozent) und
Menschen mit Migrationshintergrund (20 Prozent) weniger als Menschen ohne (36 Prozent). Im Hinblick
auf das Alter sind die jungen Alten (zwischen 65 und 75 Jahren) am optimistischsten. Bei den Hochbetagten nimmt die Zufriedenheit mit den Zukunftsaussichten etwas ab - aber immerhin sind von diesen
noch 31 Prozent mit ihren Aussichten für die Zukunft zufrieden. Mit der Größe des Haushaltes nimmt
der Zukunftsoptimismus zu. Singles sind mit 27 Prozent am seltensten mit ihrer Aussicht auf die Zukunft
zufrieden und Haushalte, in denen 4 oder mehr Personen leben, sind es mit 43 Prozent am häufigsten.
Während die Zufriedenheit mit verschiedenen Lebensbereichen bei Schwerbehinderten und Menschen
ohne Behinderung sowie bei Pflegebedürftigen und Menschen ohne Pflegebedarf oft nicht weit vonei-

380

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

nander abweicht, ist der Optimismus der Beeinträchtigten geringer als der Nicht-Beeinträchtigten
(29 Prozent zu 36 Prozent Zufriedenheit je nach Vorliegen einer Behinderung bzw. 30 Prozent zu 35 Prozent je nach dem Vorhandensein eines Pflegebedarfes). Trotz dieser Differenzen kann festgestellt werden, dass beeinträchtigte Menschen zu knapp einem Drittel mit ihren Zukunftsaussichten zufrieden sind.
Allerdings ist bei Pflegebedürftigen die explizite Unzufriedenheit mit diesen Aussichten mit 31 Prozent
relativ hoch.
In sozialer Hinsicht trifft die Vermutung zu, dass eine schlechtere soziale Position auch zu einer geringeren Zufriedenheit mit den eigenen Aussichten führt. So steigt der Optimismus mit der beruflichen Qualifikation von 22 Prozent bei den Ungelernten bis auf 43 Prozent bei den Hochschulabsolventinnen und
-absolventen. Ebenso weisen Arbeitslose eine sehr geringe Zukunftserwartung auf (15 Prozent Zufriedenheit) und Vollzeiterwerbstätige eine hohe (40 Prozent). Schließlich spielt das Haushaltseinkommen
die größte Rolle hinsichtlich der Zufriedenheit mit den Zukunftsaussichten. 15 Prozent Zufriedenheit in
der untersten Einkommensklasse stehen 61 Prozent in der obersten Einkommensklasse gegenüber.
Abbildung 10.8:

Zufriedenheit mit den eigenen Zukunftsaussichten - nach beruflicher
Qualifikation, Erwerbsstatus und Haushaltsnettoeinkommen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent ohne Abschluss

19

Lehre/Teilausbildung

40

9

Erwerbstätigkeit - Teilzeit

9

arbeitslos

15

6

70
34

15

unter 1.000 Euro
1.000 - 1.999 Euro

43

51

26
28

16

51
38

10

51
53

39

5

61

33

5

35

12

zufrieden

51
44

34

13

Gesamt

51

34

20

nicht erwerbstätig

2.000 - 2.999 Euro

48
47

41

8

Erwerbstätigkeit - Vollzeit

4.000 Euro und mehr

50
38

11

Hochschule/Universität

3.000 - 3.999 Euro

44
31

13

Fachhochschule/Meister/Techniker

geringfügig beschäftigt

22

teils/teils

unzufrieden

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

381

47

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Diese sozialen Unterschiede in der Bewertung der jeweils eigenen Zukunftserwartungen spiegeln sich
auch in den Unterschieden zwischen den Bezirksregionen wider. In Marzahn-Nord (24 Prozent zufrieden), Hellersdorf-Ost (25 Prozent zufrieden) und Hellersdorf-Nord (26 Prozent zufrieden) sind die Werte
am niedrigsten.
Abbildung 10.9:

Zufriedenheit mit den eigenen Zukunftsaussichten - nach Bezirksregionen
- ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent - (nur Antwort: „zufrieden“)

55

52

49

30
24

47

46
34

36

32
26

49

47 44 47 46

47
39

35

25

zufrieden

teils/teils

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Dieses Ergebnis macht einen Kern der Problematik deutlich, der mit den Bewertungen der Lebensbedingungen und der eigenen Lebenssituation verbunden sein kann: Sozial ungleiche Lagen haben nicht nur
verschiedene diesbezügliche Bewertungen zur Folge (allgemeine Lebenszufriedenheit), sondern die Unterschiede weisen auch in die Zukunft. Die Wirkung der sozialen Lage auf die Zukunftserwartungen ist
dabei stärker als der Einfluss der sozialen Faktoren auf die gegenwärtige Zufriedenheit mit dem eigenen
Leben. Wie die folgende Abbildung zeigt gilt generell: Wer heute insgesamt mit seinem Leben zufrieden
ist, hegt auch optimistischere Zukunftserwartungen. Wer dagegen heute unzufrieden ist, sieht mit einiger Wahrscheinlichkeit auch wenige Chancen, dass sich die eigene Lage künftig ändern könnte.

382

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 10.10: Zufriedenheit mit den eigenen Zukunftsaussichten - nach der allgemeinen
Lebenszufriedenheit - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent 76
63

59

60

49

47

41
35

33
25

19
1
sehr zufrieden

5

zufrieden

19
12

9
2
teilweise
zufrieden

unzufrieden sehr unzufrieden

Gesamt

zufrieden mit den eigenen Zukunftsaussichten
teils/teils zufrieden mit den eigenen Zukunftsaussichten
unzufrieden mit den eigenen Zukunftsaussichten

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Eine solche Tendenz bedeutet eine Verstetigung ungleicher Lebenseinstellungen infolge ungleicher sozialer Lage. Soll dieser Verstetigung entgegengewirkt werden und soll sich damit der Optimismus der
Zukunftsaussichten der Bewohnerinnen und Bewohner des Stadtbezirkes angleichen, dann sollte dort,
wo es möglich ist, den sozial Schwächeren bei der Gestaltung ihres künftigen Lebens im Bezirk die größere Aufmerksamkeit entgegengebracht werden.
10.4

Sorgen der Bevölkerung

Die aufgezeigten verbesserten Bewertungen des eigenen Lebens und der hier ausgewählten Lebensbedingungen in einzelnen gesellschaftlichen und persönlichen Bereichen und die vergleichsweise geringe
explizite Unzufriedenheit mit derartigen Bedingungen sollten nicht den Eindruck entstehen lassen, dass
im Leben der Menschen und in ihrer gesellschaftlichen Umgebung alles ohne Probleme vonstattengeht.
In vielerlei Hinsicht machen sich die Menschen nach wie vor Sorgen über die gegebene Situation. Wir
heben in unserer Analyse folgende Bereiche hervor, die in mehr oder weniger großem Umfang den
Menschen Sorgen bereiten: die weltpolitische Lage (68 Prozent), die eigene Gesundheit (60 Prozent),
Anstieg der Zuzahlungen für Gesundheitsleistungen (59 Prozent), die Sicherheit der eigenen Rente
(53 Prozent), die eigenen finanziellen Verhältnisse (42 Prozent), die Bezahlbarkeit der eigenen Wohnung
(41 Prozent), die persönliche Sicherheit (38 Prozent), die Kinder (38 Prozent), das Alleinsein, die Einsamkeit (22 Prozent), die Enkel (20 Prozent), der Zusammenhalt der Familie (19 Prozent), das Verhältnis der
Generationen (16 Prozent). Die Zahlen belegen, dass sich noch immer etwas weniger als die Hälfte bis
zwei Drittel der Menschen über 50 Jahre Sorgen im Hinblick auf die weltpolitische Lage und Bereiche der
sozialen Sicherheit machen.

383

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Tabelle 10.5:

Sorgen in einzelnen Lebensbereichen - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2005,
2010, 2015 - in Prozent - (nur Antwort: „trifft zu“)

„Ich mache mir Sorgen um …„

2005

2010

2015

die weltpolitische Lage

66

56

68

meine Gesundheit

52

63

60

den Anstieg der Zuzahlungen für Gesundheitsleistungen

72

79

59

die Sicherheit meiner Rente

69

66

53

meine finanziellen Verhältnisse

43

46

42

die Bezahlbarkeit meiner Wohnung

45

44

41

meine Kinder

39

38

38

x

x

38

das Alleinsein, die Einsamkeit

20

18

22

meine Enkel

17

15

20

x

13

19

16

13

16

5

3

9

meine persönliche Sicherheit**

den Zusammenhalt meiner Familie*
das Verhältnis zwischen den Generationen
Ich habe keine Sorgen
* 2005 nicht erfragt
** 2005 und 2010 nicht erfragt

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2005, 2010, 2015 (gew.)

Der vergleichende Überblick weist darauf hin, dass Sorgen, die die Menschen sich machen, in einigen
Bereichen zugenommen, in anderen Bereichen abgenommen haben. Insgesamt muss aber betont werden, dass die Sorgen im politischen wie auch im Bereich der sozialen Sicherheit hoch sind, auch wenn in
sozialpolitischer Hinsicht, wie auch im Hinblick auf die finanziellen Lebensverhältnisse, eine gewisse
Entspannung in den Augen der Bewohnerinnen und Bewohner eingetreten ist. Im Hinblick auf die Zuzahlungen im Gesundheitswesen nahm der Anteil der Menschen, der sich Sorgen macht, um 20 Prozentpunkte ab. Die Sorge ist dennoch weit verbreitet. Dieser Tendenz entspricht nicht die Sorge um die eigene Gesundheit selbst, denn diese nahm um 7 Prozentpunkte zu. Aus beiden Werten zusammen könnte man schließen, dass die Gesundheitsleistungen möglicherweise eingeschränkt wurden und deshalb
weniger Zuzahlung beanspruchen, aber die Gesundheit weniger gut schützen. Aber das ist so nicht der
Fall (siehe Kapitel 6). Die abnehmende Tendenz bei der Sorge um die Sicherheit der Rente ist positiv zu
werten. 13 Prozentpunkte weniger Menschen machen sich darum gegenwärtig Sorgen. Dennoch ist
auch in dieser Hinsicht nicht nur sozialpolitische Entwarnung angezeigt, wie im Kapitel 2 dargelegt wurde. Der künftige Eintritt der Menschen in die Altersrente wird für viele auf geringerem Niveau erfolgen.
Die eigenen Finanzen bereiten weniger Befragten Sorgen, sowohl generell (4 Prozentpunkte weniger als
2010) als auch speziell hinsichtlich der Bezahlbarkeit der eigenen Wohnung (3 Prozentpunkte weniger
als 2010) - und das, obwohl gerade in Berlin der Wohnungsmarkt einen drastischen Anstieg der Mieten
(vor allem bei der Neuvermietung) realisiert. Dem gegenüber weisen die Familienbeziehungen und das
persönliche Umfeld eine Tendenz der Verstärkung von Sorgen auf. Verharrt der Anteil der Menschen,
der sich Sorgen um seine Kinder macht, noch auf gleichem Niveau wie 2010, so haben die Sorgen um die
Enkel um 5 Prozentpunkte zugenommen. Wir werden unten sehen, in wie weit sich in dieser Tendenz
weitere Verfestigungen sozialer Benachteiligungen äußern. Der Zusammenhalt der eigenen Familie
macht ebenfalls um 6 Prozentpunkte mehr Menschen Sorgen als noch vor fünf Jahren. Diese Sorgen sind
nun häufiger als die Sorgen um das Generationenverhältnis insgesamt anzutreffen. Als besonders auffäl-

384

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

lig sticht hervor, dass sich mit 68 Prozent 12 Prozentpunkte mehr Menschen Sorgen machen als noch
2010.
Anlässe zur Sorge im Einzelnen
Sorgen um die Gesundheit
Die Sorgen der Menschen um ihre Gesundheit sind vor allem vom Alter, von den bestehenden attestierten gesundheitlichen Einschränkungen (Schwerbehinderung, Pflegebedürftigkeit) und sozialen Faktoren
beeinflusst.
Abbildung 10.11: Sorgen um die eigene Gesundheit - nach Schwerbehinderung, Pflegebedürftigkeit
und Alter - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent (nur Antwort: „trifft zu“)
86

83

78
71
55

59

56

57

60

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Diese Ergebnisse sind insofern erklärlich, als sowohl die Zunahme der Besorgtheit um die Gesundheit im
höheren Alter (83 Prozent bei den Hochbetagten) als auch bei Vorliegen einer Schwerbehinderung
(78 Prozent) bzw. einer Pflegebedürftigkeit (86 Prozent) die Gesundheit faktisch häufiger deutlich eingeschränkt ist. Daher erscheint die Sorge um die Gesundheit durch die gegebene Situation begründet. Ob
sich auch die Sorge um die eigene Gesundheit in den Fällen erhöht hat, in denen keine akute Beeinträchtigung der Gesundheit vorliegt, ist schwer abzuschätzen. Eine solche Zunahme würde darauf hindeuten, dass sich die Einstellungen zur Gesundheit und die sie beeinflussenden Faktoren, also das Gesundheitsbewusstsein, geändert haben. Dass dies für die veröffentlichte Meinung und Einstellung im
Allgemeinen zutrifft, ist nicht von der Hand zu weisen, wie an der Aufmerksamkeit der Medien für dieses
Thema abzulesen ist. In unserer Untersuchung kann das mehrheitlich nicht nachvollzogen werden, denn
die Sorgen um die Gesundheit sind in allen Altersgruppen zurückgegangen (um 2, 8 bzw. 5 Prozentpunkte) - nur in der Gruppe der Hochbetagten nahm die Sorge um 7 Prozentpunkte zu.
Die Sorge um die Gesundheit ist auch von der sozialen Lage der Einzelnen beeinflusst.

385

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

Abbildung 10.12: Sorge um die Gesundheit - nach beruflicher Qualifikation, Erwerbsstatus und Haushaltseinkommen - ab 50-Jährige - Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent (nur Antwort: „trifft zu“)
ohne Abschluss

61

Lehre/Teilausbildung

62

Fachhochschule/Meister/Techniker

62

Hochschule/Universität

55

Erwerbstätigkeit - Vollzeit

50

Erwerbstätigkeit - Teilzeit

57

arbeitslos

70

geringfügig beschäftigt

63

nicht erwerbstätig

65

unter 1.000 Euro

72

1.000 - 1.999 Euro

63

2.000 - 2.999 Euro

62

3.000 - 3.999 Euro

49

4.000 Euro und mehr

44

Gesamt

60

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

Die größten Auswirkungen auf die Sorgen um die Gesundheit haben die Armut bzw. geringe Einkommen
(72 Prozent) und die Arbeitslosigkeit (70 Prozent). Dies bestätigt die alte These, dass „Armut krank
macht“, wobei die Arbeitslosigkeit dabei im Mittelpunkt der Verursachung steht, weil das Einkommen
eng mit ihr verbunden ist und Geringqualifizierte häufiger arbeitslos sind als Hochqualifizierte. Deutlich
scheint die Abnahme der Sorge um die Gesundheit in den beiden oberen Einkommensklassen. Ob dieser
Unterschied auf eine tatsächlich gesündere Lebenssituation (einschließlich der Ernährung und aktiver
Freizeitgestaltung) zurückzuführen ist, kann hier nicht endgültig bestätigt werden.
Sorgen um einen Anstieg der Zuzahlungen für Gesundheitsleistungen
Diese Sorge hat deutlich abgenommen. Das liegt keinesfalls daran, dass diese Zusatzkosten gesunken
wären und in absehbarer Zeit weiter sinken. Wie bereits angedeutet, kann es sein, dass Menschen weniger als bisher auf medizinische oder therapeutische Leistungen zurückgreifen, die zusätzliche Kosten
nach sich ziehen, um auf diese Weise selbst darauf Einfluss zu nehmen, ob und in welchem Maß die
Zusatzkosten steigen. Allerdings ist das Ausmaß, in dem diese Sorge gesunken ist, damit kaum erklärbar.
Plausibler ist, dass in den Haushalten die Gesundheitskosten und deren Belastung der Haushaltskasse
weniger Aufmerksamkeit erhalten. Im Fall der Einkommensarmut kommt die Möglichkeit der Befreiung
von Zuzahlungen hinzu, die in Anspruch genommen werden kann. Es liegt nahe anzunehmen, dass die
Menschen in finanzieller Hinsicht andere Sorgen haben als die zusätzlichen Kosten im Gesundheitswesen - und das auf sehr durchmischte Weise in den einzelnen Bevölkerungsgruppen. Relativ wenig Sorgen

386

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

machen sich z.B. Haushalte in der höchsten Einkommensklasse (29 Prozent), aber auch Arbeitslose
(48 Prozent) sowie Menschen mit Migrationshintergrund (48 Prozent). Im Vergleich größere Sorgen
machen sich allerdings schwerbehinderte Menschen (69 Prozent), die vielfach auf Zusatzleistungen zurückgreifen müssen.
Sorgen um die Sicherheit der Rente*90
Auch diese Sorge hat in ihrem Ausmaß deutlich abgenommen, betrifft aber immer noch mehr als die
Hälfte der älteren Bevölkerung. Die Einstellung zur Sicherheit der eigenen Rente muss dem Inhalt nach
bei Vorrentnerinnen und Vorrentnern sowie Bestandsrentnerinnen und Bestandsrentnern etwas unterschieden werden. Künftige Rentenbezieherinnen und -bezieher haben die Sorge um die Höhe der späteren eigenen Rente. Gemessen daran, dass die Zahlbeträge der Neuzugänge der gesetzlichen Altersrente
vor allem aus Gründen der prekären Beschäftigung und Beschäftigungslosigkeit im Mittel sinken werden, steht diese Sorge im Mittelpunkt. Die künftigen Senioren (unter 65 Jahren) machen sich daher auch
vergleichsweise häufig Sorgen um die Sicherheit der eigenen Rente (59 Prozent), wie auch Vollzeiterwerbstätige (60 Prozent). Bestandsrentnerinnen und -rentner kennen die Höhe ihrer Rente, weshalb
sich ihre Sorge eher darauf bezieht, ob die eigene Rente mit steigenden Lebenshaltungskosten mithalten
kann. Dass die Fortexistenz des Rentensystems insgesamt zu Sorgen Anlass gibt, ist nicht zu erwarten.
Die jungen Alten (bis 75 Jahre) machen sich daher am seltensten Sorgen um die Sicherheit der Rente
(43 Prozent). Verbreitet ist die Sorge um die Sicherheit der eigenen Rente bei den Angehörigen von
Haushalten mit einem Haushaltsnettoeinkommen unter 1.000 Euro (67 Prozent). Welche der Gruppen,
ob eher Arbeitslose (56 Prozent) oder Alleinlebende (53 Prozent), dabei häufiger betroffen sind, kann
nicht gesagt werden.
Sorgen um die eigenen finanziellen Verhältnisse
Die Sorge um die eigenen finanziellen Verhältnisse ist im Jahre 2015 annähernd so hoch wie in den vergangenen zehn Jahren. Eine überdurchschnittliche Häufigkeit ist dabei vor allem durch soziale Faktoren
bedingt. Das betrifft die Geringqualifizierten (57 Prozent), deutlich mehr noch die Arbeitslosen (77 Prozent), Menschen mit einem geringen Haushaltsnettoeinkommen (unter 1.000 Euro: 68 Prozent) und
Alleinerziehende (64 Prozent). In anderen Hinsichten, wie z.B. dem Alter, der Behinderung oder der
Pflegebedürftigkeit, gibt es keine auffälligen Differenzierungen, was bedeutet, dass hier das „Sorgenpotenzial“ in etwa gleichverteilt ist. Eine Ausnahme bilden dennoch die Frauen, die sich häufiger Sorgen
darum machen (46 Prozent).
Sorgen um die Bezahlbarkeit der eigenen Wohnung
Wie die finanziellen Verhältnisse insgesamt bieten auch die Wohnkosten keinen vermehrten Anlass zur
Sorge. Immerhin machen sich 41 Prozent der Befragten darum Sorgen. Aber angesichts der bekannten
generellen Mietsteigerungen auf dem Berliner Wohnungsmarkt, von dem auch in Marzahn-Hellersdorf
vor allem Neuvermietungen betroffen sind, aber auch auf indirektem Wege Bestandsmieten, scheinen
für eine Mehrheit der Bewohnerinnen und Bewohner absehbare Mieterhöhungen kein Grund zur Sorge
zu sein. Überdurchschnittlich häufig sind diesbezügliche Sorgen bei Personen mit geringer oder keiner

90

Vgl. dazu die ausführliche Darstellung der Rentenentwicklung in Kapitel 4.

387

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

beruflichen Qualifikation (53 Prozent), Arbeitslosen (57 Prozent), Angehörigen der untersten Einkommensklasse (59 Prozent) und Alleinlebenden (52 Prozent).
Sorgen um die eigenen Kinder
Die Sorgen um die Kinder haben weder zu- noch abgenommen. Vor allem Frauen machen sich um die
eigenen Kinder Sorgen (47 Prozent), Arbeitslose (46 Prozent) und Menschen in Paarhaushalten mit Kindern (48 Prozent). Darüber hinaus sind keine nennenswerten Unterschiede in den Sorgen um die Kinder
anzutreffen, sie sind mehr oder weniger in allen Bevölkerungsteilen annähernd gleich ausgeprägt.
Sorgen um die Enkel
Diese Sorge ist in den vergangenen fünf Jahren um 5 Prozentpunkte angestiegen. Die Gründe für diesen
Anstieg müssen hier außer Acht gelassen werden. Auffällig ist jedoch, dass es einen Zusammenhang
zwischen den Sorgen um die Kinder und die Enkel gibt. Während sich 95 Prozent derjenigen, die sich um
ihre Kinder keine Sorgen machen, auch um ihre Enkel keine Sorgen machen, sind 85 Prozent derjenigen,
die sich um ihre Enkel Sorgen machen, auch um ihre Kinder besorgt. Das deutet darauf hin, dass sich
Probleme mit Kindern in einigen Familien über die Generationen hin fortsetzen und sich also verstetigen
und verfestigen. Derartige Befragte finden sich in allen Bezirksregionen, wobei eine gewisse Häufung in
Hellersdorf-Nord, Marzahn-Mitte und in Kaulsdorf auftritt. In sozialer Hinsicht betrifft das untere Qualifikationsgruppen (geringe berufliche Qualifikation und Facharbeiter), Nichterwerbstätige und die beiden
unteren Einkommensgruppen.
Sorgen um den Zusammenhalt der Familie
Mit den Kindern und den Enkeln verbunden ist die Frage nach dem Zusammenhalt der Familie. Auch
diese Sorge hat in den letzten fünf Jahren etwas zugenommen und ist relativ am häufigsten bei Menschen mit Migrationshintergrund (35 Prozent), bei Geringqualifizierten (29 Prozent) und Arbeitslosen
(36 Prozent) anzutreffen. Für Menschen mit Migrationshintergrund bleibt die Familie lange der soziale
Hauptbezugspunkt, weshalb deren Zusammenhalt für sie wichtiger ist als andere soziale Kontakte. In
regionaler Hinsicht fallen die Häufigkeiten dieser Sorge in Marzahn-Nord (31 Prozent) und HellersdorfNord (29 Prozent) auf. Wie die Sorge um die Kinder und die Enkel miteinander, hängt auch die Sorge um
den Zusammenhalt der Familie mit diesen beiden zusammen. 93 Prozent derjenigen, die sich keine Sorgen um ihre Kinder machen, machen sich auch keine Sorgen um den Zusammenhalt der Familie. Und
umgekehrt machen sich 76 Prozent derjenigen, die sich Sorgen um ihre Kinder machen, auch Sorgen um
den Zusammenhalt der Familie. Damit bestätigt sich auch hier die Bündelung von Risiken der Einsamkeit
und sozialen Isolation in einer bestimmten Gruppe von Haushalten bzw. Familien.
Sorgen um das Alleinsein bzw. Einsamkeit
Das Gefühl drohender Isolation ist leicht angestiegen. Auch hierbei gilt wieder, dass in allen Bevölkerungsgruppen die Sorge vor Einsamkeit vorhanden ist. Im Alter tritt diese Sorge häufiger auf, wenn die
Wahrscheinlichkeit, den Partner zu verlieren, größer wird, und das ist gegenwärtig ab dem 75. Lebensjahr der Fall. Dann steigt die Häufigkeit dieser Sorge von 18 Prozent vorher auf 29 Prozent. Im hohen
Alter wird sie etwas seltener (25 Prozent), aber noch immer höher als in den jüngeren Altersgruppen.
Auffällig ist auch, dass vor allem Menschen ohne berufliche Qualifikation in größerem Maße diese Sorge
(27 Prozent) teilen als Hochschulabsolventen (14 Prozent). Sie sehen sich häufiger in der Lage, auch

388

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

künftig ihre sozialen Kontakte zu erhalten und zu pflegen. Ebenfalls in sozialer Hinsicht ist anzumerken,
dass Arbeitslose (32 Prozent) und Angehörige der untersten Einkommenskategorie (35 Prozent) häufiger
diese Sorge haben. Menschen in 1-Personen-Haushalten (29 Prozent) und auch Alleinerziehende
(36 Prozent) haben ebenso diese Sorge häufiger, wie auch Schwerbehinderte (27 Prozent) und Pflegebedürftige (37 Prozent). In regionaler Hinsicht ist diese Sorge annähernd gleichverteilt - mit den Ausnahmen in Hellersdorf-Nord (28 Prozent) und Hellersdorf-Ost (26 Prozent). Auch hier sind Frauen etwas
häufiger vertreten (26 Prozent; Männer 17 Prozent).
Sorgen um das Verhältnis zwischen den Generationen
Das eher gesellschaftliche Problem der Beziehungen der Generationen zueinander kann, selbst wenn es
Sorgen bereitet, nicht notwendig mit der Sorge um die eigenen Kinder und die Familie verbunden sein.
Daher ist diese Sorge für einige Menschen etwas abstrakt. Und es sind auch nur 16 Prozent der Befragten, die sich darum Sorgen machen. Das war nicht immer so, denn die anhaltenden Rentendebatten seit
der Jahrtausendwende haben lange Zeit das Generationenverhältnis beeinflusst - wenn auch mehr in
den medialen und politischen Debatten als in den Familien. Es ist vor diesem Hintergrund erstaunlich,
dass es keine spezifisch sozialen oder altersgemäßen Besonderheiten in dieser Hinsicht gibt. Die Sorgen
sind in jeder Hinsicht in der älteren Bevölkerung gleichverteilt.
Sorgen um die persönliche Sicherheit
Die neu aufgenommene Frage nach der Sorge um die eigene Sicherheit ist vor allem in geschlechtsspezifischer Sicht differenziert (Frauen 41 Prozent, Männer 34 Prozent) wie ebenso im Hinblick auf das Alter
(38 Prozent bei den künftigen Senioren, 44 Prozent bei den Hochbetagten). Diese beiden Differenzierungen sind eher an der Sicherheit der Person orientiert, die Unverletztheit und Gesundheit einschließt.
Deutlicher fallen die Sorgen um die eigene Sicherheit aus, wenn soziale Nöte hinzutreten. Dann stellen
wir fest, dass 55 Prozent der Geringqualifizierten, 41 Prozent der Arbeitslosen und 44 Prozent der Angehörigen der untersten Einkommensklasse diese Sorge teilen. In regionaler Hinsicht überlagern sich wiederum beide Gesichtspunkte der persönlichen Sicherheit: In Hellersdorf insgesamt ist diese Sorge häufiger vorhanden (Nord 45 Prozent, Ost 40 Prozent, Süd 44 Prozent), aber auch in Biesdorf (45 Prozent).
Sorgen um die weltpolitische Lage
Die Sorge um die weltpolitische Lage ist in den vergangenen fünf Jahren an die erste Stelle aller von uns
untersuchten Sorgenbereiche getreten (68 Prozent). Das hat natürlich in der Häufung internationaler
Krisen seinen Grund. Dass diese Sorge so häufig anzutreffen ist, hat vor allem auch damit zu tun, dass
die Krisenauswirkungen und -folgen nicht nur nahe an unseren alltäglichen Lebensbereich herankommen (wie das in der Finanzkrise und in der Eurokrise der Fall war), sondern in Form der zu uns kommenden Flüchtlinge nun bei uns wohnen. Damit verbindet ein großer Teil der Bevölkerung einen ganzen
Strauß an Sorgen, der sich in den Ressentiments bis hin zur Ablehnung der Flüchtlinge niederschlägt.
Diese und die generelle Sorge um den Weltfrieden, um das nicht abzusehende Ende einer aggressiven
und militärischen Politik bestimmen diese Einstellungen. Da diese Sorge in so großer Zahl anzutreffen
ist, sind auch in allen Bevölkerungsgruppen hohe Anteile von Angehörigen zu finden, die diese Sorge
auch nennen. Besonders auffällig ist es, wenn Geringqualifizierte „nur“ zu 44 Prozent diese Besorgnis
teilen, ebenso wie Arbeitslose zu 50 Prozent und Haushaltsangehörige mit dem geringsten Einkommen

389

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

mit 55 Prozent. Es zeigt sich darin, dass zwar auch soziale Ängste dabei eine Rolle spielen, aber diese von
anderen genannten Sorgenanlässen begleitet sind.
Ohne Sorge - Sanssouci
In unserer Gesellschaft und erst recht unter den älteren Menschen gibt es faktisch kaum Menschen, die
von sich sagen können, dass sie ohne Sorge sind (9 Prozent). Zu diesen gehören vor allem Männer
(10 Prozent), Angehörige von Haushalten mit einem hohen Einkommen (12 Prozent ab einem Haushaltsnettoeinkommen von 3.000 Euro, 17 Prozent bei einem Einkommen ab 4.000 Euro), Angehörige
von Haushalten mit Kindern (mit Partner 11 Prozent, alleinerziehend 12 Prozent).
Zusammenfassung von Sorgen der älteren Menschen in Marzahn-Hellersdorf in den Bezirksregionen
Die folgende Tabelle macht deutlich, dass in Hellersdorf-Nord die meisten Menschen wohnen, die sich
über viele Bedingungen in der Gesellschaft und in ihrem persönlichen Leben Sorgen machen.
In Hellersdorf-Nord ist es die Tatsache, dass es sowohl die sozialen Bedingungen wie die materiellen
Verhältnisse sind, die häufig Sorgen bereiten, als auch die persönlichen und familiären Lebenssituationen. In dieser Verbindung von sozialer Not und der Sorge um soziale Isolation kann eine Quelle für anhaltende Probleme der Lebensbewältigung gesehen werden. In Hellersdorf-Süd dagegen macht man
sich häufiger Sorgen um die Gesundheit und die eigene Sicherheit (einschließlich der weltpolitischen
Lage).
Tabelle 10.6:

Sorgen in einzelnen Bereichen - nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige
- Marzahn-Hellersdorf 2015 - in Prozent - (nur Antwort: „trifft zu“)
Ge-samt

MarzahnNord

MarzahnMitte

MarzahnSüd

HellersdorfNord

weltpolitische Lage

68

63

75

67

58

61

71

Gesundheit

60

67

61

55

66

64

Anstieg der Zuzahlungen
für Gesundheitsleistungen

59

59

66

61

62

Sicherheit der Rente

53

58

61

48

finanzielle Verhältnisse

42

50

54

36

Bezahlbarkeit meiner
Wohnung

41

54

60

meine Kinder

38

42

persönliche Sicherheit

38

38

Alleinsein, Einsamkeit

22

meine Enkel

20

Zusammenhalt
meiner Familie
Verhältnis der
Generationen
Ich habe keine Sorgen

Hellers- Hellers- Biesdorf
dorf-Ost dorf-Süd

Kaulsdorf

Mahlsdorf

81

72

63

67

56

60

49

60

67

56

55

46

60

56

58

47

50

40

54

52

48

27

30

26

41

53

51

55

23

15

13

42

30

47

33

43

31

46

32

37

29

45

40

44

45

37

32

23

21

22

28

26

22

20

19

19

25

21

15

33

16

19

15

22

16

19

31

18

14

29

19

16

15

12

14

16

20

15

12

18

13

18

17

15

18

9

4

9

10

7

6

9

7

9

14

Datenbasis: sfz/50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015 (gew.)

In Marzahn-Nord, einer Bezirksregion, die auch zu den sozial schwachen Kiezen gehört, scheinen die
materiellen Bedingungen schon an erster Stelle zu rangieren, aber im Vergleich mit den anderen Bezirksregionen überwiegen hier die Sorgen um die persönlichen Lebensverhältnisse und die Familie. Auch hier

390

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

könnte es sein, dass ein Teil der Bewohnerinnen und Bewohner ab 50 Jahre künftig Hilfe bei der Bewältigung der Schwierigkeiten des Alterns benötigt. In Marzahn-Mitte scheinen - im Vergleich mit anderen
Bezirksregionen - die materiellen Sorgen im Vordergrund zu stehen.
Die Bezirksregion Marzahn-Süd ist in der Unauffälligkeit der Besorgnis der Bevölkerung den Bezirksregionen im Siedlungsgebiet ähnlich. Diese Ähnlichkeit ist verbunden mit einer relativ guten sozialen Lage
und mit einer langen Wohndauer im Bezirk.
10.5

Fazit

Insgesamt kann festgehalten werden:


In den Grundwerten stimmen die Bürgerinnen und Bürger in Marzahn-Hellersdorf ab 50 Jahre überein. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich daraus in allen Hinsichten einheitliche Einstellungen und
Erwartungen ergeben. Diese hängen sowohl vom Alter und den persönlichen Lebensverhältnissen,
von der sozialen Position und den sozialräumlichen Bedingungen ab.



Die Zufriedenheit mit dem Leben hat insgesamt zugenommen. Mehr als zwei Drittel der ab
50-Jährigen in Marzahn-Hellersdorf sind mit ihrem Leben zufrieden, nur 5 Prozent sind unzufrieden.



Die Einschätzung verschiedener Lebensbereiche lässt mehr Differenzierungen erkennen. So sind die
Befragten z.B. mit den zwischenmenschlichen Beziehungen, mit dem ÖPNV und den Wohngebietsbedingungen mehrheitlich zufrieden - wenn auch in den Bezirksregionen unterschiedlich. Festzustellen ist, dass insgesamt eine hohe Lebenszufriedenheit mit besseren Bewertungen von Lebensbereichen einhergeht. Die Zufriedenheit mit der Sicherheit auf öffentlichen Straßen und Plätzen und auch
die Zufriedenheit mit der öffentlichen Verwaltung fallen schlecht aus.



Die Lebenszufriedenheit korrespondiert mit der Einschätzung der eigenen Zukunftsaussichten. Es
zeigt sich aber an den insgesamt schlechter bewerteten Zukunftsaussichten, dass die Bewertung des
eigenen Lebens für einen größeren Teil der ab 50-Jährigen nicht anhaltend ist.



Die noch geringe Sicherheit in einer positiven Bewertung des eigenen Lebens zeigt sich auch in den
Sorgen der Menschen. Die Einschätzung der eigenen Sorgen hat sich zwar ebenfalls verbessert, es ist
jedoch nach wie vor eine erhebliche Unsicherheit hinsichtlich materieller Rahmenbedingungen zu
erkennen und auch eine gleichbleibende Unsicherheit in den persönlichen Beziehungen. Auffällig ist
die erhebliche Zunahme der Sorge um die weltpolitische Lage, was angesichts der vielen Krisenherde in der Welt auch nicht unverständlich ist.

391

50 und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015

11.

Zum methodischen Herangehen

Das Ziel der Befragung „50 Jahre und älter in Marzahn-Hellersdorf 2015“ und der darauf beruhenden
Sozialstudie besteht darin, die soziale Lage, die Lebensweise sowie die Lebensmaßstäbe, die Erwartungen und Bewertungen, Zufriedenheiten und Sorgen der ab 50-jährigen Bevölkerung des Bezirkes zu analysieren und dabei die Einflüsse wesentlicher aktueller demografischer, ethnischer, sozialpolitischer,
gesundheitspolitischer und politischer Entwicklungen auf die Lebensverhältnisse der Zielgruppe bezüglich neuer Herausforderungen an die bezirkliche Seniorenpolitik zu berücksichtigen, um Grundlagen für
eine strategisch ausgerichtete Altenplanung im Bezirk und die darauf aufbauende Arbeit des Netzwerkes
im Alter und des SeniorenServiceBüros - insbesondere Handlungsempfehlungen für die weitere Entwicklung der sozialen und gesundheitlichen Infrastruktur - vorlegen zu können.
Die Untersuchung wurde vom Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrum Berlin-Brandenburg e.V.
(SFZ) in Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf (Abteilung Gesundheit und Soziales)
durchgeführt. Die der Studie zu Grunde liegende Befragung lief von Ende Juni bis Mitte September 2015.
Mit der Untersuchung wurden Daten zu folgenden Themenbereichen gewonnen:


soziodemographische Merkmale der befragten ab 50-Jährigen;



soziodemographische und soziostrukturelle Entwicklung der Zielgruppe sowie deren prognostizierte
Entwicklung bis 2030;



Erwerbssituation - Erwerbsbeteiligung - Arbeitslosigkeit - Übergang in den Ruhestand;



Einkommenssituation - individuelles und Haushaltsnettoeinkommen, Vermögen und Kreditbelastung der Haushalte, Verteilung von Armut und Reichtum in der Zielgruppe;



Haushaltsgröße, Familienstruktur;



aktuelle Wohnsituation, Wohnmobilität, Veränderung des Wohnbedarfs im Altersverlauf, Handlungsstrategien für das Wohnen im Alter;



gesundheitliche Situation, gesundheitsbewusstes Verhalten, Bewertung der gesundheitlichen Versorgung;



Freizeit, Freizeitaktivitäten, Freizeitangebote, deren Nutzung und Bewertung, Freizeitkosten;



bürgerschaftliches Engagement, Tätigkeitsfelder bürgerschaftlichen Engagements, Mitgliedschaften
in Organisationen, Verbänden, Parteien und Vereinen, Bürgerbeteiligung an der Gestaltung des Gemeinwesens, politisches Interesse;



soziale Beziehungen, Einbindung in familiale und außerfamiliale soziale Netze, soziale Unterstützungspotenziale, Nachb