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Kostenfalle AKW

Full text: Energie & Umwelt Issue 2015,3 Kostenfalle AKW

Energie & Umwelt
Magazin der Schweizerischen Energie-Stiftung SES – 3/2015

Kostenfalle AKW
> Versteckte Kosten machen Atomstrom zur teuersten Energie
> Kostenfiasko: Schweizer AKW sind defizitär
> SES im Rechtsverfahren gegen Atomaufsichtsbehörde ENSI

inhaltsverzeichnis
SCHWERPUNKTTHEMA: Kostenfalle AKW
4	
	

Neue SES-Studie: Versteckte Kosten machen Atomstrom
zur teuersten Energie
Will man die wahren Stromkosten ermitteln, reicht ein Blick auf die Stromrechnung nicht aus. Erst eine ganzheitliche Betrachtung von staatlichen Förderungen und externen ­Kosten lässt eine ehrliche Antwort zu, ob Atomenergie
oder erneuerbare Energien den günstigeren Strom liefern. Ergebnis: Versteckte
Kosten machen Atomstrom zur weitaus teuersten Energieform.

8	

Kostenfiasko Alt-AKW
Die Schweizer AKW sind im heutigen Marktumfeld defizitär. Beznau I, das älteste
AKW der Welt, zeigt uns zudem: Alte AKW benötigen immer grössere Investitionen für Nach­rüstungen und werden immer unzuverlässiger im Betrieb. Trotzdem wollen die Betreiber ihre AKW möglichst lange laufen lassen.

10	 Interview mit Kaspar Müller: «AKW waren noch nie rentabel»
Die AKW-Betreiber von Gösgen und Leibstadt fälschen ihre Bilanzen, um kein
neues Eigenkapital einbringen zu müssen. Das ist das Fazit des Ökonoms und
unabhängigen Finanz­experten Kaspar Müller nach jahrelanger Analyse der AKWBilanzen. Ohne Trickserei müssten sie Konkurs anmelden.
Impressum
ENERGIE & UMWELT Nr. 3, Oktober 2015

12	 Verfahren gegen die Atomaufsichtsbehörde ENSI
Die Ärztin Jolanda Oberle und der Biobauer Hanspeter Meier erklären ihr Engagement für die Ausserbetriebnahme des AKW Beznau. Sie sind zwei der fünfzehn
AnwohnerInnen, die Mitte August zusammen mit der SES, dem Trinationalen
Atomschutzverband TRAS und Greenpeace Schweiz ein Rechtsverfahren gegen
die Atomaufsichtsbehörde ENSI eingeleitet haben.

Herausgeberin:
Schweizerische Energie-Stiftung SES, Sihlquai 67,
8005 Zürich, Telefon 044 275 21 21, Fax 044 275 21 20
info @ energiestiftung.ch, www.energiestiftung.ch
Spenden-Konto: 80-3230-3
Redaktion & Layout: Rafael Brand, Scriptum, 		
Telefon 041 870 79 79, info @ scriptum.ch
Redaktionsrat:
Jürg Buri (jb), Rafael Brand (rb), Florian Brunner (fb),
Felix Nipkow (fn), Dieter Kuhn (dk), Valentin Schmidt (vs),
Sabine von Stockar (svs)

14	 Rückbau von Schweizer AKW: swiss made oder aufs Ausland hoffen?
Die langwierige, kostenintensive und längst überfällige Rückkehr zur grünen
Wiese ist ­eine enorme technische und gesellschaftliche Herausforderung; aber
auch eine Chance für Schweizer Unternehmen. Das BFE allerdings winkt ab
und hofft auf ausländisches Know-how...

Re-Design: fischerdesign, Würenlingen
Korrektorat: Vreni Gassmann, Altdorf
Druck: ropress, Zürich,
Auflage: 10’600, erscheint 4 x jährlich

16	 Wahlen 18. Oktober: die CVP als Zünglein an der (Energie-)Waage
Das Parlament steckt mitten in der Beratung zum Atomausstieg beziehungsweise
der Energiestrategie 2050. Kommt es zum Rutsch nach rechts, könnte dies die
Allianz für den Atomausstieg gefährden. Es lohnt sich also, die Parteien, ihre Mitglieder und ihr Abstimmungsverhalten unter die Lupe zu nehmen.

Abdruck mit Einholung einer Genehmigung und
unter Quellenangabe und Zusendung eines Beleg­
exemplares an die Redaktion erwünscht.
Abonnement (4 Nummern):
Fr.   30.–	 Inland-Abo
Fr.   40.–	 Ausland-Abo
Fr.   50.–	 Gönner-Abo

18	 SES-Fachtagung 2015: Energiewende aus Mietersicht
Ist ein Gebäude schlecht isoliert, hat das die Mieterschaft über hohe Energie­
kosten zu bezahlen. Mit einer energetischen Sanierung resultieren zwar tiefere
Energiekosten und mehr Wohnkomfort, jedoch führt das – nicht zwingend, aber
oft – auch zu höheren Mieten. Wie die SES-Fachtagung 2015 zeigte, besteht noch
viel Diskussions- und Handlungsbedarf.

SES-Mitgliedschaft (inkl. E & U-Abonnement)
Fr. 400.–	 Kollektivmitglieder
Fr. 100.–	 Paare / Familien
Fr.   75.–	 Verdienende
Fr.   30.–	 Nichtverdienende
E&U-Artikel von externen AutorInnen können und
dürfen von der SES-Meinung abweichen.
Das E&U wird auf FSC-Papier, klimaneutral und mit
erneuerbarer Energie gedruckt.

20	

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News

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Aktuelles

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Kurzschlüsse

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22	 Energiestrategie 2050: Ohne Plan für den Atomausstieg droht der
	
Energiestrategie die Irrfahrt
Nach Fukushima haben Bundesrat und Parlament den Atomausstieg beschlossen.
Im ­Gesetzesentwurf, der Energiestrategie 2050, fehlt jedoch ein Abschaltdatum
für die Atomkraftwerke. Ohne einen konkreten Plan, bis wann die AKW abgestellt
werden, ist die Reise in die Energiezukunft gefährlich. Die Stimmbevölkerung hat
dank einer Initiative die Mög­lichkeit, diese Irrfahrt zu beenden.

2  Energie & Umwelt 3/2015

editorial

Mythos billige und sichere Atomenergie

Von Peter Stutz
Geograph und Ethnologe,
Leiter Energiegruppe Grüne Kanton Bern

Ja das waren noch Zeiten, die Sechziger- und Siebziger­
jahre! Die Welt war gespalten in Ost und West, da­
zwischen eine Mauer in der Landschaft und eine in
den Köpfen. Das Wettrüsten betraf nicht nur die
­Waffen, sondern auch die zivile Technik. Die Amerikaner und die Russen nutzten die neue, unbegrenzte
Gratis­energie des Atoms. Dazwischen die Schweiz:
Atoms for Peace! Wollen wir auch!
In Russland vermutete man zu dieser Zeit alles Böse.
Bekannt wurde das Institut für Geschichtsfälschung
in St. Petersburg. Was auch immer in der Sowjetunion
passierte: Das Institut rückte alles ins rechte Licht.
Doch wer will mit dem Finger auf andere zeigen, denn
auch bei uns wurde fünfzig Jahre lang wider besseres
Wissen ein Mythos gepflegt und wiederholt, bis ihn
fast alle glaubten: Den bis heute nicht ausrottbaren
Mythos der billigen und sicheren Atomenergie, verbreitet von unseren eigenen Instituten für Geschichtsfälschung.
Wahr ist: Nur wenn der Staat fast alle Kosten für die
Entwicklung, den Bau, Betrieb und die Entsorgung
übernimmt und im Strompreis nur ein kleiner Teil
der realen Kosten der Atomstromproduktion abgebildet wird, kann er zu billig verkauft werden.
Wären diese Kosten sauber ausgewiesen worden, hätte
für die Finanzierung der alten AKW nicht einmal das
Dreifache dessen ausgereicht, was im September im
Ständerat als maximale KEV-Abgabe für erneuerbaren
Strom diskutiert worden ist.

Nicht nur neue Atomkraftwerke können wir uns nicht
leisten. Auch die alten konnten wir uns nie leisten.
Fünfzig Jahre lang haben uns die AKW-Betreiber an
der Nase herumgeführt, indem sie die Atomkosten nie
korrekt ausgewiesen, sondern die ungedeckten Kosten
dem Staat und kommenden Generationen angehängt
haben.
Jetzt ist es zu spät, dieser Betrug kann nicht mehr
rückgängig gemacht werden. Wir können nur noch
dafür sorgen, dass er nicht endlos weitergeht:
Indem die AKW-Betreiber endlich realistische Einzahlungen in die Entsorgungs- und Stilllegungsfonds tätigen müssen. Indem wir dafür sorgen, dass nicht wie
heute die AKW-Betreiber selber diese Fonds verwalten
und es wagen zu sagen, die erst zu 40 Prozent einbezahlten Gelder seien bereits mehr als genug. Und indem wir mit einer vernünftigen Strommarktöffnung
allen Haushalten und KMU erlauben, selber zu entscheiden, ob sie teuren Atomstrom oder günstigen
erneuerbaren Strom kaufen wollen.
Nur im heutigen Monopol, wo die Stromversorger den
KonsumentInnen ihren zu teuren Atomstrom aufzwingen können, sind die notwendigen Nachrüstungen in
den Schweizer Atomkraftwerken finanzierbar. Ohne
Monopol müssen sie abgestellt werden.
Das alles ist Politik, und damit durch uns beeinflussbar. Darum vergesst nicht abzustimmen und zu wählen!
Das nächste Mal am 18. Oktober. 
<

Energie & Umwelt 3/2015  3

Neue SES-Studie: Was Schweizer Strom wirklich kostet

Versteckte Kosten machen
Atomstrom zur teuersten Energie

Will man die wahren Stromkosten ermitteln, reicht ein Blick auf die Stromrechnung
nicht aus. Erst eine ganzheitliche Betrachtung von staatlichen Förderungen und externen
­Kosten lässt eine ehrliche Antwort zu, ob Atomenergie oder erneuerbare Energien den
günstigeren Strom liefern. Ergebnis: Versteckte Kosten machen Atomstrom zur weitaus
teuersten Energieform.
Von Swantje Fiedler
und Rupert Wronski
Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS),
swantje.fiedler@foes.de, rupert.wronski@foes.de

Swantje Fiedler, Leiterin Energiepolitik, und Rupert Wronski, wissen­
schaftlicher Referent für Energiepolitik, arbeiten für das Forum
Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) zu den Themen Abbau
umweltschädlicher Subventionen und Ausgestaltung marktwirt­
schaftlicher Instrumente im Bereich Energie.

Die Richtung ist klar: Raus aus der Atomkraft,
rein in die erneuerbaren Energien. Dies ist der
einzig richtige Weg für eine nachhaltige und generationengerechte Stromversorgung. Trotzdem
sind auch immer wieder skeptische Stimmen zu
hören, ob die Energiewende nicht zu schnell gehe und
zu teuer sei. Und der Bevölkerung und den Unternehmen sei die Strompreiserhöhung als Folge der Energie­
wende nicht zumutbar...
4  Energie & Umwelt 3/2015

Auf den ersten Blick leuchten diese Argumente ein:
Atomstrom ist bei den AKW-Betreibern zum Spottpreis
zu haben, während die Erneuerbaren über die KEVAbgabe gefördert werden. Im freien Wettbewerb mit
dem vermeintlich kostengünstigeren Atomstrom sind
die Erneuerbaren offenbar nicht konkurrenzfähig. Und
scheinbar kann jeder auf seiner Stromrechnung ab­
lesen, dass die Energiewende extra kostet.

Der unvollkommene Strommarkt
verzerrt die Preise
Die Marktpreise sind jedoch nur ein Teil der Wahrheit.
Nur auf «vollkommenen» Märkten berücksichtigen Unternehmen sämtliche durch ein Produkt verursachte
Kosten und geben diese an die Kunden weiter. Der
Schweizer Strommarkt ist allerdings unvollkommen.
Denn der Marktpreis bildet einen grossen Teil der
­Kosten, die bei der Stromproduk­tion entstehen, nicht
ab. Staatliche finanzielle Förderung oder die unzu­
reichende Berücksichtigung von Folge­schäden und
Risiken führen dazu, dass ein grosser Teil der tatsäch-

Staatliche Förderungen 1970 – 2014 in Mrd. Franken (real)
Mrd. CHF (real)

Die Marktpreise sind nur ein Teil der Wahrheit
und bilden einen grossen Teil der Kosten, die bei der
Stromproduk­tion entstehen, nicht ab.

9

8,2 Mrd.

8
Förderwert KEV-Fonds

7

Vorteile Kapitalkosten

6

lichen Kosten nicht auf der Stromrechnung erscheint.
Diese Kosten werden von anderen Akteuren wie dem
Staat und der Gesellschaft getragen. Das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) hat deshalb im
Auftrag der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES) un­
tersucht, welche «wahren gesamtgesellschaftli­chen
Kosten» der Strom aus Atomenergie und erneuerbaren
Energien verursacht.

Finanzhilfen

5
4

3 Mrd.

3
2
1
0

Atomenergie

erneuerbare Energien

Billiger Atomstrom dank Subventionen
Die Atomenergie profitiert in der Schweiz seit Jahrzehnten in erheblichem Umfang von staatlichen Förderungen in Form von Finanzhilfen und weiteren begüns­
tigenden Rahmenbedingungen. Relevant sind dabei vor
allem Forschungsgelder in der Höhe von rund 2,8 Mrd.
Franken, die zunächst Atomstrom zu vertretbaren Preisen an den Markt bringen sollten und in jüngster Zeit
auch für die Forschung zur Stilllegung von AKW und
Lagerung des Atommülls ausgegeben werden.
Zudem haben zu geringe Einzahlungen in den Stilllegungs- und Entsorgungsfonds, die Überbewertung des
Eigenkapitals und die zu tiefe Kapitalverzinsung den
Atomstrom künstlich viel billiger gehalten, als er tatsächlich ist. Damit erzielten die AKW-Betreiber über
viele Jahre deutliche finanzielle Vorteile: Die ­beiden
Atomkraftwerke Gösgen und Leibstadt konnten auf
diese Weise allein seit Mitte der 1990er-Jahre ­Kosten
von rund 5 bis 6 Mrd. Franken einsparen.

Mindestens 8 Milliarden staatliche
Förderung seit 1970
In der Summe konnten rund 8 Mrd. Franken an staatlicher Förderung seit 1970 ermittelt werden. Dies ist
eher eine Unterschätzung, weil manche Förderungen
aufgrund fehlender Daten nicht miteinbezogen werden konnten oder vorsichtige Schätzungen verwendet
wurden.
Man kann nur spekulieren, wie der Energiemix heute
ohne die Anschubfinanzierung und Verbilligung der
Atomenergie aussehen würde. Hätten die Betreiber
einen relevanten Teil der Kosten selbst tragen müssen, wäre diese Technologie vermutlich nie eingeführt worden (siehe Abbildung 1).

Ungleiche Förderung von Atomenergie und
Erneuerbaren
Auch erneuerbare Energien profitierten insbesondere in
den letzten zehn Jahren von Förderung, z.B. über die
«Mehrkostenfinanzierung», auch als 15-Räppler1 bekannt,
oder seit 2009 über die kostendeckende Einspeisever-

Abbildung 1 zeigt die kumulierten staatlichen Förderungen von 1970 bis 2014 für Atomenergie
und für erneuerbare Energien (Strom und Wärme). Da eine vollständige und jahresscharfe Zeit­reihe
erst ab 1970 vorliegt, konnten frühere staatliche Förderungen nicht einbezogen werden. Unter
staatliche Förderungen fallen (direkte) Finanzhilfen und weitere (indirekte) finanzielle Vorteile.
Die Förderungen, die dem Bereich der Strom­erzeugung zugerechnet werden können, fallen mit
6,9 Mrd. Franken für die Atomenergie und 2,2 Mrd. Franken für die erneuerbaren Energien deutlich
geringer aus. Weitere relevante Kosten zusätzlich zum Strompreis sind externe Kosten, die aber aus
methodischen Gründen nicht den staatlichen Förderungen zugerechnet wurden.

Geringe Einzahlungen in den Stilllegungs- und
Entsorgungs­fonds, die Überbewertung des Eigenkapitals
und die zu tiefe Kapitalverzinsung haben den Atomstrom
künstlich viel billiger gehalten, als er tatsächlich ist.

gütung (KEV), wobei letztere keine Finanzhilfe im
strengen Sinn ist. Denn der KEV-Fonds finanziert sich
verursachergerecht über eine Abgabe zu Lasten der End­
verbraucherInnen und belastet die Staatskasse nicht.
Mit total 3 Mrd. liegt die Fördersumme noch deutlich
unter den 8,2 Mrd. Franken für Atomenergie.
Bereits ohne die Berücksichtigung der externen Kos­
ten wird klar, dass durch ungleiche und intransparente Förderstrukturen falsche Anreize entstanden
sind. Während die Förderung für erneuerbare Energien weitestgehend über die KEV finanziert wird
und deshalb unmittelbar im Strompreis ablesbar ist,
­lassen sich die tatsächlichen Kosten der Atomenergie
nur schwer nachvollziehen. Sie treten versteckt auf in
Forschungsausgaben, als Steuerausfälle oder Kosten,
welche der Staat und die SteuerzahlerInnen zu tragen
haben.

1	 Die Mehrkostenfinanzierung war der Vorläufer der heutigen Einspeisevergütung
(KEV). Sie garantierte den Produzenten erneuerbarer Energie einen Abnahmepreis
von 15 Rappen pro Kilowattstunde.
Energie & Umwelt 3/2015  5

Gesamtgesellschaftliche Kosten der Stromerzeugung im Jahr 2014 im Vergleich
Rp./kWh
55
50

47,9

externe Kosten Atomenergie, oberer Wert der Bandbreite

45

nicht internalisierte externe Kosten

40

Stromverkaufswert (KEV-Vergütung)

35

Stromverkaufswert (Durchschnittspreise Bandenergie
bzw. durchschnittliche Marktpreise EE)

staatl. Förderungen und finanzielle Vorteile

29,4

30
25

19,1
16,1

20
15

17,8

12,5

10
5,6

5
0
– 5

Atomenergie

Grosswasserkraft

Kleinwasserkraft

Wind

Biomasse

Photovoltaik

Abbildung 2: Werden alle Kosten berücksichtigt, hat die Atomenergie mit 47,9 Rp./kWh bei weitem die höchsten Kosten. Wenn man bei der Photovoltaik einen Neuanlagenvergleich
machen würde, wären deren Kosten nochmals rund ein Drittel niedriger.

Atomenergie birgt ein enormes und unkalkulierbares
Risiko, das den AKW-Betreibern kaum in Rechnung gestellt
wird. Ein Super-GAU kann immense Kosten verursachen.
Das Risiko trägt am Ende die Gesellschaft.

Risikokosten nicht auf der Strom­rechnung
Hinzu kommt, dass die Atomenergie ein enormes und
unkalkulierbares Risiko birgt, das den AKW-Betreibern ebenfalls kaum in Rechnung gestellt wird. Ein
Super-GAU kann immense Kosten für die Gesellschaft
verursachen, wie das Beispiel Fukushima zeigt, wo
man heute von Kosten von rund 200 Mrd. US-Dollar
ausgeht. In der Schweiz sind AKW lediglich bis 1,8
Milliarden Franken haftpflichtversichert – und keine
Versicherung der Welt ist bereit, ein Atomkraftwerk
zu vertretbaren Kosten vollumfänglich abzusichern.
Das Risiko trägt also am Ende die Gesellschaft. Für die
Schweiz schätzt der Bund das Schadenpotenzial einer
AKW-Katastrophe auf 88 bis 8000 Mrd. Franken. Müss­
ten die AKW-Betreiber für dieses Risiko selber haften,
würde Atomstrom – je nach Annahme des Schaden­
potenzials – rund 13 bis 41 Rappen pro Kilowattstunde
mehr kosten.
Damit wird eines klar: Die Risiken für einen Unfall
mit Freisetzung radioaktiver Strahlung, die Folge­kos­
ten des Uranabbaus oder die Gefahr terroristischer
Anschläge sind genau die schwerwiegenden Argumente,
die letztlich für die Gesellschaft nicht tragbar sind und
einen Atomausstieg notwendig machen.

Wind- und Wasserstrom sind bereits
heute billiger
Wie ändert sich nun das Bild, wenn man vor diesem
Hintergrund die «wahren Preise» der Energieträger
6  Energie & Umwelt 3/2015

vergleicht? Dazu müssen zu den heutigen Markt­
preisen von Atomstrom und Strom aus erneuerbaren
Energien die Kosten von staatlicher Förderung und
externen Kosten auf die einzelne Kilowattstunde umgelegt werden. Dabei zeigt sich, dass Strom aus Wasser und Wind gesamtwirtschaftlich gesehen bereits
heute wesentlich günstiger ist als Atomstrom.
Unter dem Strich bezahlte die Gesellschaft im Jahr
2014 pro Kilowattstunde umgerechnet rund 13 Rappen für die Stromerzeugung aus Kleinwasserkraft, 16
Rappen für Windstrom, 18 Rappen für Strom aus Biomasse und 29 Rappen für Photovoltaik-Strom. Dabei
ist zu berücksichtigen: Die Kosten für Solarstrom sind
in den letzten Jahren stark gesunken und liegen heute
im Bereich von 20 Rappen pro Kilowattstunde. Ein
Neuanlagenvergleich würde daher ein deutlich anderes Bild zu der hier vorgenommenen Betrachtung
des gesamten Anlagen­bestands ergeben.
Die Gesamtkosten für Atomstrom summieren sich
hin­­gegen auf zwischen 19 und 48 Rappen je Kilowattstunde, je nachdem, ob der untere oder der obere
Wert der ­Band­breite externer Kosten angesetzt wird
(siehe Abbildung 2).

«Atom-Abgabe» hätte 2014 den Strom
um 6,5 Rp. verteuert
Bei der Atomenergie entstehen also Kosten in Form
von staatlicher Förderung und Risiken für die Gesellschaft, die bisher im Strompreis nicht abgebildet sind.
Bei der erneuerbaren Stromerzeugung hingegen ist der
KEV-Zuschlag transparent im Strompreis abzulesen.
Die staatlichen Förderungen und die nicht internalisierten externen Kosten der Atomenergie beliefen sich
im Jahr 2014 nämlich auf mindestens 3,7 Mrd. Franken. Das ist mehr als zehn Mal mehr als die direkte
und indirekte Förderung der Erneuerbaren (KEV-

Strompreis und Zusatzkosten neue erneuerbare Energien vs. Atomenergie 2014
Rp./kWh
30

6,5 Rp. Atom-Abgabe
0,14 Rp.
Neue-EEAbgabe

25

20

0,06
0,08

5,9

NICHT auf Stromrechnung ausgewiesen

0,6
auf Stromrechnung ausgewiesen

0,6

15

10

Externe Kosten
Staatliche Förderungen:
Finanzhilfen und weitere finanzielle Vorteile

20,8

KEV-Zuschlag
5

0

Kosten für Erzeugung, Transport, Vertrieb und Steuern

Ø Haushaltsstrompreis
21,4 Rp/kWh

Zusatzkosten neue
erneuerbare Energien

Zusatzkosten
Atomenergie

Abbildung 3: Wären die Zusatzkosten der Atomenergie (Förderungen und Risiko) 2014 nach der KEV-Methode den StromkonsumentInnen verrechnet worden,
hätten private Haushalte statt rund 21 Rappen durchschnittlich rund 28 Rappen für eine Kilowattstunde Strom bezahlt.

Fonds, staatliche Fördergelder und externe Kos­ten von
rund 340 Mio. Franken). Wären die Zusatzkosten der
Atomenergie 2014 nach der KEV-Methode den Strom­
konsumentInnen verrechnet worden, hätte eine solche
«Atom-Abgabe» den Strompreis um 6,5 Rappen erhöht
– also sechs Mal mehr als der KEV-Zuschlag von 1,1
Rappen im Jahr 2015 (siehe Abbildung 3).

Erneuerbare ersetzen Energieträger
mit viel höheren Folgekosten
Dieser Vergleich zeigt, dass der KEV-Zuschlag für die
Gestaltung einer umweltfreundlicheren und zukunftsfähigen Energieversorgung deutlich günstiger
ist. Anders als häufig angenommen, sind die neuen
erneuerbaren Energien also nicht die Preistreiber der
Stromversorgung, sondern sie ersetzen Energieträger
mit viel höheren Folgekosten für Steuerzahlende und
Gesellschaft. Das bedeutet nicht, dass sich eine Energiewende ohne Zusatzkosten für die VerbraucherInnen umsetzen lässt. Doch staatliche Förderungen
und externe Kosten dürfen nicht unberücksichtigt
bleiben, wenn wohlfahrtsökonomisch sinnvolle Aussagen zur kosteneffizientes­ten Energiegewinnung gemacht werden sollen.

Gleiche Rahmenbedingungen für die
Erneuerbaren
Die Diskussion über Risiko­technologien wie die Atomkraft sollte also nicht auf rein ökonomische Argumente beschränkt werden. Es ist vielmehr auch eine
ethische sowie politische Frage, wie schnell wir unsere
Lebensweise und unsere Produktionsweisen umstellen wollen, um die Risiken aus der Atomkraft zu verringern oder die Folgen für spätere Generationen erträglicher zu machen.
Auch wenn erneuerbare Energien, wie zum Beispiel
die Photovoltaik, am Anfang noch teurer sein mögen

Wären die Zusatzkosten der Atomenergie 2014 nach der
KEV-Methode den StromkonsumentInnen verrechnet
worden, hätte eine solche «Atom-Abgabe» den Strompreis
um 6,5 Rappen erhöht.

als manche konventionellen Energien, ist es sinnvoll,
eine Anschubfinanzierung für technologische Entwicklung zu gewähren. Die anfänglichen Investitionen zahlen sich aus, die Kostendegression führt zu
niedrigeren Strompreisen und erneuerbare Energien
werden letztlich ohne Förderung wettbewerbsfähig.
Im Gegensatz dazu verursacht Atomenergie hohe und
bisher kaum bezifferbare Folgekosten, die erst nach
der Abschaltung der AKW fällig werden, zum Beispiel
für den Umgang mit radioaktiven Abfällen. Sie wird
daher mit hoher Wahrscheinlichkeit in Zukunft –
ohne einen Beitrag zur Stromerzeugung zu leisten –
weiterhin massiv finanziell unterstützt und subventioniert werden müssen.

Fazit
Die Studie des FÖS ist ein wissenschaftliches Plädoyer
für die Energiewende. Sie zeigt, dass auch unter wirtschaftlichen Effizienzüberlegungen der verstärkte Aus­
bau der erneuerbaren Energien notwendig und eine
verstärkte Förderung gerechtfertigt sind.
<

Die neue SES-Studie kann gratis heruntergeladen werden:
www.energiestiftung.ch/kostenstudie

Energie & Umwelt 3/2015  7

Wieso alte AKW mit dem Alter noch weniger rentieren

Kostenfiasko Alt-AKW
Die Schweizer AKW sind im heutigen Marktumfeld defizitär. Beznau I, das älteste AKW
der Welt, zeigt uns zudem: Alte AKW benötigen immer grössere Investitionen für Nach­
rüstungen und werden immer unzuverlässiger im Betrieb. Trotzdem wollen die Betreiber
ihre AKW möglichst lange laufen lassen. Die Hoffnung, mit den AKW Geld zu machen,
stirbt anscheinend zuletzt.
Von Sabine von Stockar
SES-Projektleiterin Atom & Strom,
sabine.vonstockar@energiestiftung.ch

«Sollen die Konsumenten für Leibstadt bluten?
– Drohende Strompreiszuschläge wegen teurer
Kernkrafwerke», titelte Anfang 1998 die NZZ.
Der Bau des AKW Leibstadt wurde dermassen
viel teurer als geplant, dass die Stromkonsumen­
tInnen das Kraftwerk über Jahre hinweg mit täglich (!)
einer Million Franken quersubventionieren mussten.
1997 gab die Credit Suisse in einer gemeinsamen
­Studie mit der Investment Bank First Boston bekannt,
dass alleine das AKW Leibstadt nicht amortisierbare
Investitionen in der Höhe von 2,6 Milliarden Franken
aufweist.
Auch andernorts zeigte sich, dass AKW keine gute
­Investition sind: 1996 versuchte Grossbritannien acht
modernere Atomkraftwerke zu privatisieren. Die anfänglichen Investitionen beliefen sich auf 13 Mrd.
Pfund. Der erste Handelstag an der Börse aller­dings ergab nur einen Wert von 1,4 Mrd. Pfund.

Tiefe Strompreise machen AKW
noch unrentabler
Damit hatten die AKW-Betreiber nicht gerechnet: Der
europäische Markt wird zurzeit mit Strom überschwemmt, die Marktpreise liegen im Keller und die
AKW rentieren noch weniger.
Laut Geschäftsbericht lagen die Gestehungskosten
des AKW Leibstadt in den letzten zehn Jahren im
Durchschnitt bei 5,7 Rappen pro Kilowattstunde
Strom – im besten Jahr 1 Rappen tiefer. 2014 kostete
der Strom am Markt allerdings im Jahresdurchschnitt
nur noch 4,4 Rappen pro Kilowattstunde und Mitte
2015 waren es noch etwas über 3 Rappen. Das AKW
Leibstadt rentiert auch 31 Jahre nach der Inbetriebnahme nicht.

Nachrüstungen höhere Gestehungskosten aufweist,
als das AKW Leibstadt. Es schreibt also noch grössere
Verluste.
Axpo-Mediensprecher Antonio Somavilla sagt dazu
lediglich: «Solange die Betriebskosten tiefer sind als
die Marktpreise, leistet die Anlage in Beznau einen
wichtigen Deckungsbeitrag.» Von Gewinn keine Rede
also – und ob das «solange» heute noch zutrifft, bleibt
unklar. Seine Hoffnung sind steigende Strompreise:
«Wir denken, dass sich die Lage auf den Märkten weiterentwickeln wird.»

Die Alt-AKW-Falle – oder das Prinzip Hoffnung
Nach dem Prinzip Hoffnung abzuwarten, bis die
Marktpreise sich erholen, hilft bei alten Atomkraftwerken allerdings wenig. Wie bei jeder technischen
Anlage wird ein AKW mit zunehmendem Alter ­immer
anfälliger und damit unsicherer. Die langjährige radio­
aktive Verstrahlung, der hohe Druck sowie anhaltend
hohe Temperaturen beanspruchen die Materialien
sehr stark und führen zu alterungsbedingten Abnützungserscheinungen. Um die alten Werke weiter zu
betreiben, muss der AKW-Betreiber in millionenschwere Nachrüstungen investieren.
Der Haken dabei ist, dass die Unsicherheit bleibt. Denn
die sicherheitstechnischen Herzstücke der Anlage können nicht nachgerüstet, geschweige denn ersetzt werden. Das hat vielerlei Konsequenzen: Einerseits wird
die Anlage mit den Nachrüstungen im Betrieb immer
teurer und andererseits wird das Risiko für die Bevölkerung trotzdem immer grösser. Es ist aber auch für
die Betreiber ein heikles Spiel: Alte AKW sind nicht
mehr zuverlässig und könnten jederzeit aufgrund
neuer Sicherheitsmängel abgeschaltet werden. Die not­
wendigen Investitionen in die Nachrüstungen können
also eventuell nie mehr amortisiert werden.

Das Beispiel Beznau
Für das AKW Beznau nennt die Betreiberin Axpo keine
Zahlen. Der SP-Nationalrat und IWB-Verwaltungsrat
Beat Jans stützt sich auf Publikationen des Bundesrats
und eigene Schätzungen und geht davon aus, dass das
AKW Beznau wegen seiner kleineren Stromproduktion,
seinem höheren Alter und der soeben getätigten
8  Energie & Umwelt 3/2015

Die Axpo hat zurzeit mit dem weltweit ältesten Beznau I
schwer zu kämpfen. Im März 2015 wurde der UraltReaktor vorübergehend vom Netz genommen: Geplant
war eine grössere Revision mit Reaktordeckelwechsel
(Kostenpunkt 50 Mio. Franken) und Nachrüstungen am
Notkühlsystem (Kostenpunkt ­zirka 300 Mio. Franken).

Nun ­wurden im Rahmen der Revision unerwartete
Material­fehler im Reaktordruckbehälter entdeckt.
Für weitere Untersuchungen bleibt das AKW
Beznau I laut Atomaufsicht ENSI bis
­Anfang 2016 vom Netz. Werden diese
Materialbefunde als problematisch
eingestuft, droht Beznau I gar die
Abschaltung. Da helfen die millionenschweren Nachrüstungen in
Deckel und Notkühlsystem nichts,
um die Sicherheitsprobleme im
Druckbehälter zu beheben...
Illustration: Sabine von Stockar

Sollte das AKW Beznau I allerdings wieder
ans Netz gehen, ist das Bangen nicht vorbei:
Kein Atomkraftwerk der Welt hat je eine
­Betriebszeit von über 60 Jahren, wie von
der Axpo gewünscht, erreicht. Ob das
technisch überhaupt möglich ist, ist
mehr als fragwürdig. Nachrüsten,
ohne zu wissen, wie lange die Abschreibungsdauer sein wird, ist
aus betriebswirtschaftlicher Sicht
also ein Spiel mit dem Feuer.

Schweden schaltet alte AKW ab
Um der Alt-AKW-Falle zu entkommen, hat Schweden
jüngst einen Strategiewechsel vorgenommen. Die
zwei älteren, kleineren AKW Orskarshamn 1&2 und
auch Ringhals 1&2 werden vom Netz genommen. Alle
vier Reaktoren sind gut 6 Jahre jünger als Beznau I.
Schweden will sich auf die grösseren, moderneren
AKW konzentrieren. Diese produzieren einerseits
mehr Strom, andererseits erfordern sie zurzeit noch
weniger Nachrüstungen.
Frankreich musste neulich den Atomstrompreis erhöhen, um die nuklearen Gestehungskosten der alten
AKW decken zu können. Im Bewusstsein über das
Kosten­fiasko Alt-AKW hat die «Grande Nation nucléaire» dieses Jahr entschieden, den Anteil Atomstrom von 77 % auf 50 % zu reduzieren. Deutschland
und Belgien gar haben den Atomausstieg mit einem
echten Plan und konkreten Abschaltdaten bis spätes­
tens 2022 bzw. 2025 versehen.

Schweiz hält an ihren alten AKW fest
«Die Axpo will in den künftigen Betrieb ihrer KKW investieren», sagt hingegen Mediensprecher Sommavilla.
Die Axpo setzt auf die Erholung der Marktpreise und
hofft, dass der Reaktor Beznau I trotz Materialfehler
wieder ans Netz gehen darf, dass möglichst keine weiteren Nachrüstungen mehr getätigt werden müssen,
und dass das AKW Beznau I möglichst ohne weitere

sicherheitstechnische Pannen weiterlaufen wird. Die
Zeichen zeigen allerdings in eine andere Richtung.
Beat Jans sieht in diesem Festhalten politische Gründe:
«Die AKW-Betreiber haben alles Interesse in der aktuellen politischen Situation an der Wirtschaftlichkeit
ihrer Werke keine Zweifel auf kommen zu lassen.
Würde klar, dass sie defizitär arbeiten, könnten sie
nach einer Laufzeitbeschränkung durch Parlamentsoder Volksentscheide keinen Schadenersatz mehr
­geltend machen.»

Ein Ende ohne Schrecken, bitte!
Der unrentable Endlosbetrieb der AKW dient weder
den Betreibern, noch den SteuerzahlerInnen. Da die
AKW-Betreiber grossmehrheitlich im Besitz der Kantone sind, muss letztlich doch wieder die Gesellschaft
für die Kosten und Investitionen aufkommen. Um ein
Ende ohne Schrecken, aber nicht ein Schrecken ohne
Ende zu erreichen, täte die Politik gut daran, den AKWBetreibern auf die Sprünge zu helfen, indem sie die
Laufzeiten der AKW klar begrenzt und diesem finanziellen Fiasko endlich ein Ende setzt.
<
Energie & Umwelt 3/2015  9

Interview mit Ökonom und Finanzexperte Kaspar Müller

«AKW waren noch nie rentabel»
Die AKW-Betreiber von Gösgen und Leibstadt fälschen ihre Bilanzen, um kein neues Eigen­
kapital einbringen zu müssen. Das ist das Fazit des Ökonoms und unabhängigen Finanz­
experten Kaspar Müller nach jahrelanger Analyse der AKW-Bilanzen. Ohne Trickserei müssten
sie Konkurs anmelden. Das sei die Folge einer Strategie, die auf Fehlannahmen beruhe.
Interview von Sabine von Stockar
Projektleiterin Strom&Atom, sabine.vonstockar@energiestiftung.ch

E&U: Kaspar Müller, Sie sagen, die Betreiber der AKW
Leibstadt und Gösgen hätten in ihren Bilanzen getrickst. Wie ist das möglich?
  Mit Trickserei ist in der Fachsprache Urkunden­
fälschung gemeint. Möglich ist das einerseits, weil
sich der Verwaltungsrat nicht an die Vorschriften zur
Rechnungslegung des Obligationenrechts (OR) hält,
insbesondere bei der Bewertung der Stilllegungs- und
Entsorgungsfonds, und andererseits, weil die Revisions­
firmen diese Urkundenfälschung ohne Wenn und Aber
gutheissen, obwohl es glasklar gegen das Obligationen­
recht verstösst. 

«

»

E&U: Was wären die Folgen, wenn diese Trickserei
nicht wäre?
  Die Betreiber müssten ihre Bilanzen sanieren, das
heisst frisches Eigenkapital einbringen. Im Falle der
AKW Gösgen und Leibstadt wären das pro Atomkraftwerk mehr als eine halbe Milliarde Franken. Oder sie
müss­ten Konkurs anmelden und den Betrieb einstellen, weil kein Geld mehr für den Betrieb und die Sicher­
heit da ist. Um das zu verhindern, strapaziert man
lieber die Buchhaltung. 

«

»

E&U: Können die AKW-Betreiber überhaupt so viel
neues Eigenkapital einbringen?
  Wohl nicht. Alpiq und Axpo haben selber genügend
finanzielle Probleme, wie leider fast jeden Tag in den
Zeitungen zu lesen ist. 

«

»

E&U: Warum wehrt sich der Staat nicht gegen diese
Bilanztricksereien?
  Das ist mir auch ein Rätsel. Es handelt sich um ein
Offizialdelikt. Deshalb verstehe ich nicht, warum die
Staatsanwaltschaften nicht von sich aus aktiv geworden sind. Und ich verstehe auch nicht, dass die Ac­
coun­tingexperten das nicht an jedem Seminar als Fall­
beispiel thematisieren. Es handelt sich um elementare
Accounting-Regeln – und alle schweigen. 

«

»

E&U: Ist es betriebswirtschaftlich noch sinnvoll diese
AKW weiterzubetreiben?
  Atomkraft funktioniert nur mit Planwirtschaft.
Wenn die Betreiber das endlich erkennen, den Fakten
in die Augen schauen und betriebswirtschaftlich rech­
nen würden und sich in der Folge der Marktwirtschaft
und offenen Märkten zuwenden, dann werden sie zwin­
gend zum Ergebnis ‹Abschalten› kommen. 

«

»

E&U: Dazu kommt, dass der Marktpreis für Strom
immer weiter sinkt.
  Das ist das Drama: Die ganze Atomindustrie basiert
auf drei strategisch gravierenden Irrtümern: Man hat
immer gesagt, es gebe eine Stromlücke. Weiter wurde
gesagt, der Strompreis steige und steige. Und drittens
hat man immer Sonne, Wind und andere erneuerbare
Stromquellen verhöhnt.

«

In der Realität eingetroffen ist: Solar- und Windstrom
boomen, deren Gestehungskosten sinken laufend und
sie haben eine grosse Akzeptanz im Markt. Tatsache
zwei ist: Die Preise an der Strombörse sinken und
­sinken. Weshalb? Weil wir noch auf Jahre hinaus
­keine Stromlücke, sondern eine Stromschwemme
­haben werden!

Beznau I: Die Betreiberin Axpo will, dass das älteste AKW der Welt noch lange am
Netz bleibt. Zwei interessante Sendungen sind zu finden unter www.videoportal.sf.tv:
Tagesschau vom 12.12.1969 (Google > Inbetriebnahme Beznau 1) und 10vor10, im
Innersten des ältesten AKW, 27.06.2012.

10  Energie & Umwelt 3/2015

Da man 30 Jahre lang die Strategie auf derartigen
Fehlannahmen aufgebaut hat, müssen wir heute
nicht mehr lange darüber rätseln, wie es in den
­Bilanzen dieser Kraftwerke wirklich aussieht. Das
kann gar nicht gut aussehen. 

»

Atomkraft funktioniert nur mit Planwirtschaft. Wenn
die Betreiber den Fakten in die Augen schauen und betriebswirtschaftlich rechnen, dann werden sie zwingend zum
Ergebnis «Abschalten» kommen.

E&U: In den Berechnungen für die Einzahlungen in
die Stilllegungs- und Entsorgungsfonds wird davon
ausgegangen, dass die AKW 50 Jahre in Betrieb sind.
Wenn ein AKW vorzeitig vom Netz muss, wie das
z.B. bei Beznau I aus Sicherheitsgründen eintreffen
könnte, wer bezahlt dann diese Kosten, die noch
nicht in die Fonds einbezahlt worden sind?
  Ich bin – wie das Kernenergiegesetz auch – grundsätzlich der Meinung, dass klar die Verursacher, also
die AKW-Betreiber, zahlen müssten. Das ist ein elemen­
tares marktwirtschaftliches Prinzip. Aber faktisch haben
wir im Kernenergiegesetz eine ‹Too big to fail›-Re­­ge­
lung (Art. 80 Ziff. 4). Wenn es wirtschaftlich schwierig
wird, bezahlt der Steuerzahlende. So steht es im Gesetz. Nur schon diese Tatsache zeigt, dass man schon
immer ahnte, dass die Rechnung nicht aufgehen
kann. Sonst wäre man gar nicht auf die Idee gekommen, diesen Passus ins Gesetz zu schreiben. 

Foto: zvg

«

Ökonom Kaspar Müller ist unabhängiger Finanzexperte und befasst sich
seit 2007 mit finanzwirtschaftlichen Aspekten von Atomkraftwerken.
Kaspar Müller ist Verfasser zahlreicher Artikel in den Bereichen Finanzmarkt, Rechnungslegung, Corporate Governance, Nachhaltigkeit und
Ethik. Unter anderem ist er Präsident der Ethos Académie und Beirat
des «Center for Corporate Responsibility and Sustainability» (CCRS)
der Universität Zürich (siehe auch www.kaspar-mueller.ch).

E&U: Sind denn AKW heute nicht mehr rentabel?
  Nein. Kernkraftwerke waren noch nie rentabel. Nicht
erst heute, noch nie! 

«

»

E&U: Das klingt von den Betreibern anders. Weshalb?
  Weil sie sich künstlich den Atomstrom immer
schön­gerechnet haben, zum Beispiel mit verdeckten
Quersubventionen aus den Erträgen der Wasserkraft.
Damit haben sie sich selber die finanzwirtschaftliche
Sicht vernebelt. Weiter haben die Betreiber den Entsorgungs- und Stilllegungskosten am Anfang zu wenig
Bedeutung beigemessen. Sie haben erst Jahrzehnte
nach Inbetriebnahme begonnen, Fonds zu äufnen: im
Falle des Stilllegungsfonds erst 1985, beim Entsorgungs­
fonds sogar erst 2001. Das ist unglaublich. Stellen Sie
sich vor, Ihr Arbeitgeber sagt: ‹Wenn Sie dann mal 20
Jahre bei uns gearbeitet haben, dann beginne ich, in
Ihre Pensionskasse einzuzahlen›. Sie würden zu Recht
reklamieren. Und die AKW-Betreiber haben genau das
bei den Fonds gemacht. 

«

»

E&U: Was muss passieren, damit ein AKW-Betreiber
realisiert, dass sein AKW nicht mehr rentabel ist?
  (Pause) Das ist eine gute Frage. Die BKW haben
­gerechnet und sie legen das AKW Mühleberg still.
Also muss man fachlich, sachlich und betriebswirtschaftlich aufzeigen, dass AKW Verlustquellen sind.
Was aber auch passieren müsste, ist, dass Staatsanwaltschaften, Gerichte und Accounting-Experten für
die Beendigung OR-widriger Rechnungslegung bei den
AKW sorgen. 

«

»

»

E&U: Also müssen wir sowieso zahlen?
  Ja, bezahlen muss es so oder so jemand. Wir müssen
diese Abfälle aus Verantwortung kommenden Generationen gegenüber entsorgen. Mit der aktuellen Verordnungsrevision der Stilllegungs- und Entsorgungsfonds schiebt der Gesetzgeber den Verursachern auch
finanziell eine höhere Verantwortung zu, indem man
bei der Äufnung der Fonds auf die berechneten Kosten
eine 30 %-Sicherheitsmarge einbaut. Es ist absolut verantwortungslos, dass die Betreiber gegen diese neue
Regelung Beschwerde beim Bundesverwaltungs­gericht
erhoben haben. Wird das Geld nicht gebraucht, würden
sie es ja zurückkriegen. 

«

»

E&U: Welche Massnahme schlagen Sie vor, damit
die AKW-Betreiber ihre Kosten möglichst selber be­­
zahlen?
  Es braucht Eigenkapitalvorschriften wie bei den
Banken. Nur wenn die AKW solide finanziert sind,
habe ich eine gewisse Garantie, dass sie ihre Zahlungsverpflichtungen bei der Entsorgung auch einhalten können. 

«

»

E&U: Was wäre die Konsequenz solcher Eigenkapital­
vorschriften für die Schweizer AKW?
  Das wäre für sie eine grosse finanzielle Belastung,
die sie einmal mehr vermeiden wollen. Das Fehlen
solcher Vorschriften ist eine weitere versteckte Subvention. 

«

»

Energie & Umwelt 3/2015  11

Verfahren gegen die Atomaufsichtsbehörde

«Was nützen uns Gesetze, wenn sie einfach
übergangen werden?»
Die Ärztin Jolanda Oberle und der Biobauer Hanspeter Meier erklären ihr Engagement
für die Ausserbetriebnahme des AKW Beznau. Sie sind zwei der fünfzehn AnwohnerInnen,
die Mitte August zusammen mit der SES, dem Trinationalen Atomschutzverband TRAS
und Greenpeace Schweiz ein Rechtsverfahren gegen die Atomaufsichtsbehörde ENSI
eingeleitet haben.
Von Valentin Schmidt
SES-Leiter Politik & Kommunikation,
valentin.schmidt@energiestiftung.ch

Im Nachgang an die Fukushima-Katastrophe
­hatte eine Störfallanalyse gezeigt, dass das AKW
Beznau einem schweren Erdbeben nicht standhalten würde. Manche Anlageteile würden versagen und die umliegende Bevölkerung wäre
unzulässigen Mengen an Radioaktivität ausgesetzt.
Die beiden Reaktoren dürfen nur noch betrieben werden, weil das Eidgenössische Nuklearsicherheitsin­s­
pek­torat (ENSI) die Strahlenschutz-Grenzwerte falsch
­anwendet, so der Vorwurf einer Gruppe von AnwohnerInnen des AKW Beznau, welche zusammen mit
Umweltverbänden ein Verfahren gegen die Aufsichtsbehörde anstrengt. Dabei wäre die Gesetzeslage eigent­
lich klar. Die SES hat mit Jolanda Oberle und Hanspeter
Meier aus Full (AG) über die Beweggründe gesprochen,
sich am Verfahren zu beteiligen.
E&U: Warum unterstützen Sie das Beznau-Verfahren?

«

Jolanda Oberle:   Die Atomkraft bringt zu viele Prob­
leme mit sich, vom Uranabbau bis hin zur ungelösten
Entsorgungsfrage. Sie birgt die Gefahr eines Super-­
GAUs, aber für das Risiko haften nicht die Betreiber,
sondern wir alle. Es ist mir ein Rätsel, wie der Staat
so etwas gegenüber seiner Bevölkerung verantworten
kann. Wenn dann auch noch Gesetze missachtet

Das Verfahren
Am 19. August 2015 hat eine Anwohnergruppe ein formales Gesuch an das ENSI
abgeschickt und verlangt, dass die Aufsichtsbehörde ihren Entscheid vom Juli
2012 zum Weiterbetrieb des AKW Beznau korrigiert und dessen Ausserbetriebnahme anordnet. Das ENSI wende bei der Erdbebensicherheit die falschen Strahlen­
schutzgrenzwerte an, sind die Gesuchsstellenden überzeugt. Das Gesuch wurde
gestützt auf Artikel 25a des Verwaltungsverfahrensgesetzes eingereicht. Diese
Bestimmung ermöglicht Betroffenen, eine Behörde aufzufordern, widerrechtliche
Handlungen zu widerrufen und deren Folgen zu beseitigen. Hält das ENSI an seiner
bisherigen Haltung fest, muss es eine entsprechende Verfügung erlassen. Gegen
diese kann die Anwohnergruppe Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht
erheben (mit Weiterzugsmöglichkeit an das Bundesgericht).

12  Energie & Umwelt 3/2015

­ erden, ist es für mich nur eine logische Folgerung,
w
dagegen rechtlich vorzugehen. 

»

«

Hanspeter Meier:   Ich verspreche mir davon, dass
es mit der Ausserbetriebnahme des AKW Beznau endlich vorwärts geht. Nach Fukushima hätte man meinen
können, dass eine neue Zeit im Umgang mit den
Atomkraftwerken angebrochen sei, dass der Atomausstieg nun tatsächlich geplant wird und man konkret
festlegt, wann welches AKW vom Netz geht. Das ist
wichtig, damit man den Umbau unserer Stromversorgung in Angriff nehmen kann. Doch bis jetzt ist noch
keine spürbare Veränderung da. 

»

E&U: Auch das AKW Leibstadt ist in unmittelbarer
Nähe Ihres Wohnorts. Weshalb gehen Sie spezifisch
gegen das AKW Beznau vor?

«

Jolanda Oberle:   Das AKW Beznau ist nicht erdbeben­
sicher. Daher muss das ENSI zwingend die sofortige
Ausserbetriebnahme und entsprechende Nachrüstung
anordnen. Ansonsten verkommt unsere Atomaufsicht
zu einer Alibi-Behörde. Tschernobyl und Fukushima
haben gezeigt, was passieren kann. Das gilt es mit allen
Mitteln zu verhindern. 

»

«

Hanspeter Meier:   Das AKW Beznau ist einfach auch
das angreifbarste. Es ist das älteste AKW der Welt und
kostet den Steuerzahlenden nur noch. Aber im Grunde
geht es mir um alle AKW in der Schweiz. 

»

E&U: Beeinträchtigt Sie das AKW Beznau denn in
Ihrem Alltag auf dem Bauernhof ?

«

Hanspeter Meier:   Im Alltag fühle ich mich nicht
direkt bedroht. Ich unterstütze die Klage aber nicht
nur für mich persönlich. Ich möchte meinen Kindern
keine solche Technologie weitergeben. Die grösste Gefahrenquelle ist für mich immer noch der Mensch. Wir
haben das 2002 beim Flugzeugabsturz in Überlingen
gesehen. Die Sicherheitssysteme wurden ausgeschaltet, weil man dachte, der Mensch könne es besser. Im
Fall von Überlingen lag Blech am Boden, bei Beznau
wäre das etwas anders. 

»

Foto: Donovan Wyrsch Reinmann

Die 28-jährige Ärztin Jolanda Oberle
aus Full (AG) kandidiert am 18. Oktober 2015
für einen Aargauer Nationalratssitz.
www.liste-5.ch

Hanspeter Meier ist 56-jährig
und betreibt einen Biobauernhof
in Full (AG). www.biomeier.ch

Jolanda Oberle und Hanspeter Meier sind beide wohnhaft in der Gemeinde Full, in deren Nähe die AKW Beznau und Leibstadt gelegen sind.
Im Hintergrund ist der Kühlturm des AKW Leibstadt zu sehen.

Nach Fukushima hätte man meinen können, dass der
Atomausstieg nun tatsächlich geplant wird und man
konkret festlegt, wann welches AKW vom Netz geht.

E&U: Hegen Sie eine bestimmte Befürchtung in Bezug auf das AKW Beznau?
Jolanda Oberle:   Mir graut es vor allem vor grösseren Naturkatastrophen wie einem Jahrhundert­
beben in Basel, Überschwemmungen durch die Aare
oder Erdrutsche. Oder es kommt früher oder später
zu menschlichem Versagen. Mit dem Paul Scherrer
Institut in unmittelbarer Nachbarschaft gibt das AKW
Beznau auch ein gutes Ziel für terroristische Anschläge
ab. Das mag als Schwarzmalerei abgetan werden.
Ich bin aber der Überzeugung, dass man sich das im
Voraus überlegen sollte, wenn man eine so folgenschwere Technologie betreibt. 

«

Jolanda Oberle:   Für mich versagt hier unser Werteund Justizsystem. Was nützen uns Gesetze, wenn sie
einfach übergangen werden können? Es ist nicht richtig, wenn Privatpersonen vom Staat zur Einhaltung
der Gesetze gezwungen werden, der Staat sich dann
aber wenig bis gar nicht darum kümmert, wenn seine
eigenen Behörden versagen. 

»

«

»

E&U: Die Atomaufsichtsbehörde ENSI wendet gemäss
Klageschrift die gesetzlich festgelegten Strahlenschutz­
bestimmungen falsch an. Was löst das bei Ihnen aus?
Hanspeter Meier:
  Mein Vertrauen ins ENSI ist
nicht gross. Es gibt nur wenige Nuklear-Experten in
der Schweiz. Alle sind miteinander verbandelt. Der
Kollege kontrolliert den Bericht seines Kollegen. Mein
Wunsch wäre, dass das ENSI wie ein Verkehrssicherheitszentrum funktioniert, das die alten Autos aus
dem Verkehr zieht, wenn sie die Auflagen nicht mehr
erfüllen. 

«

»

Darum geht es
Das AKW Beznau muss im Falle eines starken Erdbebens, wie es statistisch
gesehen nur alle 10'000 Jahre vorkommt, so gesichert sein, dass die Bevölkerung höchstens einer Strahlendosis von einem Millisievert ausgesetzt würde.
So interpretieren die Gesuchstellenden die Gesetzgebung. Gemäss der 2012
durchgeführten Störfallanalyse würde die umliegende Bevölkerung im Falle
eines 10’000-jährlichen Erdbebens aber mit einer Strahlendosis von bis zu 78
Millisievert verstrahlt. Eine solche Strahlendosis ist nicht zu unterschätzen. Bei­
100 Millisievert Dosis stirbt etwa jede hundertste Person verfrüht. Das ENSI stellt
sich auf den Standpunkt für ein 10’000-jährliches Erdbeben gelte der Grenzwert
von 100 Millisievert.

Trägerverein «Beznau Verfahren»
Rund um das Verfahren wurde ein Trägerverein gegründet. Auch die SES ist im
Verein vertreten. «Beznau Verfahren» ist eine Stimme der Bevölkerung und bietet
die Möglichkeit, sich mit den Gesuchstellenden solidarisch zu zeigen und sie zu
unterstützen. Alle, welche ihr Recht auf nukleare Sicherheit einfordern wollen,
sind herzlich eingeladen, sich dem Verein anzuschliessen. Dabei können Sie auch
ausserhalb des Kantons Aargau wohnhaft sein.
Weitere Informationen: www.kkw.ch

Energie & Umwelt 3/2015  13

Herausforderungen – offene Fragen – fehlendes Geld

Rückbau von Schweizer AKW: swiss made
oder aufs Ausland hoffen?
Die langwierige, kostenintensive und längst überfällige Rückkehr zur grünen Wiese ist
­eine enorme technische und gesellschaftliche Herausforderung; aber auch eine Chance
für Schweizer Unternehmen. Das BFE allerdings winkt ab und hofft auf ausländisches
Know-how... Eindrücke und Einsichten einer Medienreise zum stillgelegten AKW Biblis
und dem Karlsruher Technischen Institut.
Von Dr. med. Jean-Jacques Fasnacht
Präsident PSR/IPPNW Schweiz, Ko-Präsident Klar!
Schweiz, Vorstandsmitglied Allianz Atomausstieg

Am schrittweisen Ausstieg aus der Atomenergie
gibt es vier Jahre nach Fukushima nichts mehr
zu rütteln. Parlament und Bundesrat sind sich
im Grundsatz einig und die atomfreien Tage bis
Ende August, als plötzlich alle Kernkraftwerke
vom Netz waren, haben es bewiesen: Die Schweiz
braucht keine weiteren AKW.
Damit wird im Jahr 2019, wenn Mühleberg vom Netz
genommen wird, das letzte Kapitel in der turbulenten
Geschichte der Schweizer Atomenergie aufgeschlagen: der Rückbau bestehender AKW und die rückholbare Lagerung des für Jahrtausende strahlenden
Atomschrotts an einem heute noch nicht gefundenen,
sicheren Ort.

Technologie steckt noch in den
Kinderschuhen
Bereits heute ist absehbar, dass der «Rückbau zurück
zur grünen Wiese» langwierig, kostenintensiv und kom­
pliziert wird. Auch wenn die Nachzüglerin Schweiz
von der wertvollen Pionierarbeit anderer Staaten, etwa
Deutschland, profitieren wird.
Die Erfahrungen zeigen, dass alleine das Abkühlen der
Brennstäbe nach dem Abschalten eines Meilers fünf
Jahre andauert. Danach erst kann die kontaminierte

Anlage während rund zehn Jahren von innen nach
­aussen rückgebaut werden. Die Technologien hierfür
stecken selbst bei unseren erfahrenen Nachbarn noch
in den Kinderschuhen. So werden bis heute diese strahlenintensiven Aus- und Abbauarbeiten von – oft ausländischen – Werktätigen fast ausschliesslich «händisch»
verrichtet. Eine strahlenbelastende Arbeit fürs Personal wie auch die Umwelt, die nebst sehr gründlicher
Ausbildung einen immensen Aufwand an Schutzmassnahmen und Kontrollen braucht.

Der Roboter «Manolo»: Noch fehlt das Geld
für Innovationen
Dass AKW-Demontagen grundsätzlich durch autonome Maschinen unterstützt werden können und damit
höhere Schutzstandards für die Arbeitenden möglich
sind, zeigte jüngst die von PSR/IPPNW Schweiz (Ärzte
für soziale Verantwortung und gegen Atomkrieg) organisierte Pressefahrt zum Karlsruher Technischen
Institut (KIT).
Das KIT verfügt über ein hausinternes Kompetenzzent­
rum, wo das vorhandene Know-how zum Rückbau
kerntechnischer Anlagen praxisbezogen vertieft wird.
Zurzeit testet das Team um Prof. Sascha Gentes diverse Prototypen von Robotern. Etwa den Kletterro­
boter «Manolo», der in Bahnen über verstrahlte Innenwände von Reaktoren ziehen soll, dabei mehrere
­Zentimeter Beton abfräst und das aufgewirbelte, ra­

Fotos: Andreas Nidecker

Karlsruher Technisches Institut: Wird ein AKW stillgelegt, muss grossflächig dekontaminiert werden, was bisher unter grossem Risiko von Menschenhand erfolgte.
Das Institut entwickelt Roboter, welche diese Arbeiten den Menschen abnehmen können. Die Prototypen funktionieren. Es braucht aber Geld und Investoren.

14  Energie & Umwelt 3/2015

Foto: Armin Kübelbeck, CC-BY-SA, Wikimedia Commons

dioaktive Schleifgut gleich einsaugt. Die
­Prototypen funktionieren. Um sie jedoch
markttauglich zu machen und serienmässig
her­zustellen, benötigen die Forscherteams
In­ves­toren. Geld, das momentan niemand
besitzt oder aufwenden will – auch nicht in
der Schweiz.

Verzögerungen = stetig steigende
Rückbaukosten
Swissnuclear, eine atomindustrienahe Organisation, hat in den letzten Jahren ihre Kos­
tenschätzungen für Stilllegung, Rückbau
und Entsorgung der Schweizer AKW laufend
massiv nach oben korrigieren müssen. Letztmals in der Kostenstudie 2011, welche von
Gesetzes wegen alle vier Jahre vorzulegen ist.
Fürs AKW Mühleberg, dessen Rückbaukos­
ten im Vergleich zu den übrigen Schweizer
AKW am günstigsten veranschlagt werden,
stiegen die Annahmen für die Stilllegung in
vier Jahren von 440 Millionen auf 487 Millionen Franken (+ 11 %). Für Beznau wurden
2011 809 Millionen berechnet gegenüber 631
Millionen im Jahre 2006 (+ 28 %). Tendenz
stetig steigend!

Das stillgelegte, in der Nachbetriebsphase befindliche AKW Bilblis (D): Der Rückbau wird mindestens
1,5 Milliarden Euro kosten – die Endlagerung der Brennelemente noch nicht mitberechnet.

Weitere Kosten für Nachbetrieb
und Entsorgung
Dazu kommen die Kosten in der Nachbetriebsphase, bei Mühle­
berg geschätzte 319 Millionen Franken. Und 1,8 Milliarden
soll schliesslich die Entsorgung des Atomschrotts kosten. Allerdings nur, wenn die Planung und Realisierung gemäss
Nagra-Drehbuch reibungslos, ohne unvorhergesehene Proble­
me und ohne das Rückholszenarium von leckenden Atom­
endlagern abläuft. Ein Unterfangen, das bereits jetzt arg ins
Stottern geraten ist.
Damit belaufen sich die Gesamtkosten für das kleinste
Schweizer AKW auf weit über 1 Milliarde Franken, welche
nach Kernenergiegesetz die AKW-Betreiber zu berappen haben.
Angesichts der Kostentendenzen und der realen Risiken
­altersschwacher Atomreaktoren in der Schweiz liegt es in
­unserer Verantwortung, deren Laufzeiten nun auf höchstens
50 Jahre zu begrenzen. Einen Schnitt zu machen, damit auch
die Planung für den Aufräumprozess sachgerecht in die Wege
geleitet werden kann.

Günstiger Rückbau auf Kosten der Sicherheit?
Für Firmen, die sich aufgrund ihrer Fähigkeiten auf dem neu
entstandenen Rückbau-Markt positionieren möchten, eröffnen
sich mit dem bundesrätlichen Beschluss zum schrittweisen
Atomausstieg neue Geschäftsperspektiven. Zusehends sind
nun auch Schweizer Unternehmen interessiert, sich auf dem
wachsenden Markt zu etablieren.
Umso mehr schockierte im November 2014 die Aussage des
Bundesamts für Energie (BFE), dass es für Schweizer Anbieter
keinen Sinn mache, das für den AKW-Rückbau notwendige
Know-how aufzubauen. Dies sei schlichtweg zu teuer. Zudem
würden heute genügend ausländische Firmen über die nöti-

gen Fähigkeiten verfügen. Mit anderen Worten: Das BFE emp­
fiehlt beim Rückbau auf kostengünstigere Anbieter aus dem
Ausland zu setzen. Ein alarmierendes, irritierendes und falsches
Signal!

Wachsender Markt
– eine Chance für Swiss Engineering
So sicher wie das Amen in der Kirche werden AKW altershalber aus dem Verkehr gezogen. So wird weltweit künftig eine
grosse Nachfrage nach Kompetenzen für den sicheren Rückbau von AKW bestehen. Die Europäische Kommission geht
davon aus, dass bis 2025 etwa ein Drittel der 145 derzeit akti­
ven Kernkraftwerke stillgelegt sind. Damit bietet sich für entsprechend aufgestellte Firmen ein über Jahrzehnte hinaus at­
traktives Geschäftsfeld.
Eine Chance gerade auch für Schweizer Unternehmen, welche auf Grund ihrer technologi­schen Innovationskraft und
Kompetenz prädestiniert wären für diese hoch verantwortungsvolle Aufgaben. Anstatt sich einfach auf ausländische
Anbieter zu verlassen, täte der Bund besser daran, «swiss
made» auch beim Rückbau von AKW zu fördern.
Während AXPO-Chef Robert Lombardini sich für unbefristete
Betriebsbewilligungen für die AKW Gösgen und Leibstadt
und 60 Jahre für Beznau stark macht und damit argumentiert, dass nur so genügend finanzielle Rückstellungen für
Nachbetrieb, Stilllegung und Entsorgung bereitstehen, scheint
Alpiq zumindest die Anzeichen des ausklingenden Atomzeitalters verstanden zu haben.
So will Alpiq durch die Gründung der AKW-Abbruchfirma
Swiss Decommissioning AG Gesamtlösungen für den Nachbetrieb, den Rückbau, Strahlenschutz und die Dekontamination
anbieten. Swiss Engineering kann also mithelfen, uns sicher
und kompetent aus dem Atomzeitalter zu führen. Und auch
noch Geld dabei zu verdienen.
<
Energie & Umwelt 3/2015  15

Energierelevante Wahlen vom 18. Oktober 2015

Die CVP als Zünglein an der (Energie-)Waage
Der Zeitpunkt der eidgenössischen Wahlen ist brisant, denn das Parlament steckt mitten
in der Beratung zum Atomausstieg beziehungsweise der Energiestrategie 2050. Kommt
es zum Rutsch nach rechts, könnte dies die Allianz für den Atomausstieg gefährden. Für
die Wahlen lohnt es sich also, die Parteien, ihre Mitglieder und ihr Abstimmungsverhalten
zu Energiethemen genau unter die Lupe zu nehmen.
Von Florian Brunner
SES-Projektleiter Fossile Energien & Klima,
florian.brunner@energiestiftung.ch

Die Wahlen im Jahr 2011 waren aus energie­
politischer Sicht ein Erfolg. Durch einen MitteLinks-Rutsch ist die Atom-Ausstiegsallianz entstanden. Die nun kommenden Wahlen 2015 und
die daraus entstehende Zusammensetzung des
neuen Parlaments sind mitentscheidend für diese Aus­
stiegsallianz und die Energiewende.
Bundesrätin Doris Leuthard behauptet zwar, dass sich
die ParlamentarierInnen nicht von der Parteipolitik be­
einflussen lassen. Doch bei energiepolitischen Abstimmungen kommt es oft auf jede einzelne Stimme an. Bei
den Sicherheitsanforderungen für AKW beispielsweise
hat eine einzige Stimme entschieden, beim Aktions­plan
«Grüne Wirtschaft» war sogar ein Stichentscheid nötig.
Für die Wahlen 2015 lohnt es sich also, die Parteien
und ihr Abstimmungsverhalten zu Energiefragen in der
letzten Legislatur genau anzuschauen. Das Umwelt­
rating bietet hierzu Unterstützung.

Umweltrating der Parteien
Auf den ersten Blick wenig Überraschendes zeigt das
Umweltrating der Parteien. Nach wie vor belegen
Grüne, SP, GLP und EVP die Spitzenplätze, was das
­Abstimmungsverhalten im Parlament zu Umweltgeschäften betrifft, während FDP und SVP auf den hintersten Plätzen rangieren. In der Abbildung nebenan
ist ersichtlich, dass die BDP und vor allem CVP oft das
Zünglein an der Energiewende-Waage spielen. Exakt
Umweltrating: Kompass für die Wahlen am 18. Oktober
Der Atomausstieg, die Energiewende und die Schweizer Klimaziele stehen mit den
eidgenössischen Wahlen auf dem Spiel. Viele Parteien behaupten, sich für die
Umwelt und die Energiewende einzusetzen. Das Umweltrating jedoch deckt die
«Umweltabbauer» im grünen Mäntelchen auf. Ausserdem zeigt sich, dass das tatsächliche ­Abstimmungsverhalten innerhalb der CVP, BDP und FDP enorm gross ist.
Mehr oder weniger einheitlich für Umweltanliegen und somit eine sichere Wahl sind
Grüne, SP, GLP und EVP. Konsultieren Sie also vor der Wahl einer Partei die Seite ­
www.umweltrating.ch und machen Sie sich ein eigenes Bild. Für das Umweltrating
hat die Umweltallianz u.a. 48 Umweltentscheide im Parlament analysiert.
Unser Tipp für die anstehenden Wahlen: umweltfeindliche und atomfreundliche
Kandidierende streichen und umweltfreundlichere doppelt auf die Liste nehmen.

16  Energie & Umwelt 3/2015

die Hälfte der Abstimmungen wurden von der CVP in
der vergangenen Legislatur im Sinne der Umwelt ge­
tätigt. Die Bandbreite bei Abstimmungen zu Umweltund energierelevanten Themen ist enorm und reicht
von 22 % bis 82 % Zustimmung. Die Bewertungen der
Mitglieder der CVP gehen folglich weit auseinander.
Dadurch wurden in der letzten Legislatur bei der
­Energiestrategie 2050 aber auch einige wichtige Kompromisse erreicht.

CVP stimmte gegen planbaren Atomausstieg
Vergleicht man das Wahlversprechen der CVP von
2011 mit dem Abstimmungsverhalten ihrer ParlamentarierInnen in der 49. Legislatur (2011 – 2015), so
wird am Beispiel des Atomausstiegs ein weiteres
Merkmal dieser Partei ersichtlich. Im smartvoteWahlversprechen von 2011 zum Atomausstieg1 haben
30 CVP-VertreterInnen2 mit «Ja» oder «Eher ja» auf die
Frage geantwortet, ob sie das bundesrätliche Vor­haben
unterstützen, bis spätestens 2034 aus der Atomenergie auszusteigen. Auch bei der Abstimmung «Schrittweise aus der Atomenergie aussteigen»3 stimm­ten sie
mehrheitlich dafür. Während der Nationalratsdebatte
zur Energiestrategie 2050 im Herbst 2014 haben sich
allerdings 27 dieser Personen nicht mehr an das Wahlversprechen gehalten – und sich gegen eine Laufzeit­
begrenzung der Uralt-AKW Beznau und Mühleberg auf
maximal 50 Jahre ausgesprochen.

Wahlversprechen oft nur Lippenbekenntnisse
Im nun neu erschienenen Umweltrating-Wahlversprechen 2015 bekräftigen sie wiederum die Still­legung
bestehender AKW nach einem Betrieb von ­maximal­
50 Jahren. Doch im smartvote-Fragebogen 2015 wird
auf die Frage «Eine Volksinitiative verlangt den Ausstieg
aus der Atomenergie bis 2029. Befürworten Sie dies?»
mit «Nein» oder «Eher nein» geantwortet. Dieses Hin
und Her am Beispiel Atomausstieg ­verdeutlicht die
grosse Diskrepanz zwischen Wahlversprechen und Abstimmungsverhalten der CVP-­Parla­­mentarierInnen.

Es braucht klare AKW-Abschaltdaten
Die Analyse stimmt freilich gut überein mit einem
CVP-Arbeitspapier4, welches die Stromzukunft Schweiz
nach dem Reaktorunglück in Fukushima ­betrachtet.
In diesem Papier wird die Schweizer Strommix-Frage

SES-Intern

Dreifache Freude
Anfang Mai erhielten wir eine mysteriöse
Zahlung in der Höhe von 1189.45 Franken
mit dem Vermerk Kontoauflösung. Intensive
Nachforschungen brachten zum Vorschein,
dass es sich um das ehemalige Konto einer
2003 aktiven Anti-AKW-Gruppe aus Zürich
handelt. Frau Kristen Truempy schreibt dazu:
«Mc2 wurde bei der Strom ohne Atom-Abstimmung gegründet. Wir alle waren im Abstimmungskampf sehr involviert. Da die SES
die Ziele von Mc2 Perspektiven verfolgt, habe
ich mich nach 12 Jahren dazu entschlossen,
euch das Geld zu überweisen.»
Quelle: www.umweltrating.ch

gestellt und es wird dem Anspruch nach
einer risikoarmen, zuver­lässigen, nachhaltigen und erschwinglichen Stromerzeugung und -versorgung Rechnung
getragen. Die Risiken der Atomenergie
hätten an Gewicht ­gewonnen, es sei aber
nicht verantwortungsvoll, aus aktu­eller
Betroffenheit alle AKW unverzüglich
vom Netz zu nehmen. Gemäss einem
aktuellen Umweltpapier5 unterstützt die
CVP klar den schrittweisen Atomausstieg und die Um­setzung der Energiewende über die Förderung und den Ausbau der erneuerbaren Energien. Für die
SES ist jedoch klar, dass für den Zubau
der Erneuerbaren Planbarkeit wichtig
ist. Und zu einem guten Plan6 gehört es
zu wissen, wann die AKW abgestellt
werden bzw. wann wie viel Strom (aus
erneuerbaren Energien) benötigt wird.

CVP für die Förderung von
Erneuerbaren
Neben dem einen Schritt der Energiewende, dem Atomausstieg, ist auch ein
anderer Schritt dringend notwendig: der
Einstieg in die Versorgung mit erneuerbaren Energien. Hier zeigt sich bei der
CVP ein etwas einheitlicheres Bild.
Im Umweltrating-Wahlversprechen 2011,
dem Abstimmungsverhalten in der vergangenen 9. Legislatur und im Wahlversprechen 2015 blieb die Unterstüt-

zung zum Einstieg viel konstanter als
jene zum Ausstieg aus der Atomenergie.
Diese Unterstützung zeigte sich z.B. bei
der Frage «Unterstützen Sie die Abschaffung des Deckels bei der KEV (kosten­
deckende Einspeisevergütung von erneuerbarem Strom) zur Unterstützung der
erneuerbaren Energien?». Aber auch im
Abstimmungsverhalten zur Erhöhung
auf 1,5 Rp./kWh und dem Wahlversprechen 2015 zur Erhöhung auf 2,3 Rappen
ist eine Zustimmung zum Einstieg zu
erkennen. Die CVP unterstützt fast durch­
gehend alle Belange, die KEV zu erhöhen
oder den Deckel abzuschaffen.

Einzelne KandidatInnen unter die
Lupe nehmen
Generell ist ersichtlich, dass die CVP
­sowohl innerhalb der Partei (von Person zu Person) wie auch als Gesamt­
partei (bei einem Thema) häufig nicht
einheitlich auftritt und eine grosse
Bandbreite beim Abstimmungsverhalten aufweist. Betrachtet man die Projekte Atomausstieg und Energiewende,
so ist klar, dass die CVP hier weiterhin
eine zentrale Rolle spielen wird. Wer
diesbezüglich kein Risiko eingehen
will, für den lohnt es sich, die Parteien
und die einzelnen Kandidierenden auf
das Aus- und Einstiegsversprechen hin
genau zu überprüfen. 
<

1	 www.energiestiftung.ch/aktuell/archive/2014/12/09/wahlversprechen-zum-atomausstieg-gebrochen.html
2	 Insgesamt sind es 31 CVP-VertreterInnen (inkl. EVP); Karl Vogler hat an dieser smartvote-Umfrage
nicht teilgenommen.
3	 www.umweltrating.ch/abstimmungen/geschaefte/11-geschaefte/113257
4	 www.cvp.ch/sites/default/files/2011-05-Stromzukunft_Schweiz_nach_Fukushima.pdf
5	 www.cvp.ch/sites/default/files/14_10_13_D_PP_Umwelt.pdf
6	 siehe auch E&U-Artikel «Ohne Plan für den Atomausstieg», Seiten 22+23.

Auch die UDEO – die Arbeitsgemeinschaft für
umweltgerechte, dezentrale Energieversorgung ohne Atomkraftwerke – hat sich im Juni
2014 aufgelöst. Die letzte Generalversammlung
hat beschlossen, dass das restliche Ver­mögen
in der Höhe von 3003 Franken an die SES
überwiesen werden soll. Für seinen jahrelangen und unermüdlichen Einsatz hat die SES
dem Präsidenten-Paar Hans und Esther Pfis­
ter die SES-Ehrenmitgliedschaft verliehen.
Bereits im September 2012 hat sich der Solarverein Huttwil und Umgebung aufgelöst
und folgenden Beschluss gefasst: «Das Vereinsvermögen geht an ein kleineres und ein
grösseres lokales Solarprojekt. Falls diese
Projekte bis Mitte 2015 nicht realisiert sind,
geht das Vermögen an die Schweizerische
Energie-Stiftung SES.» Im April erhielten wir
von Silvio Strub die freudige Mitteilung: «Das
Solarprojekt des neuen Altersheims in Huttwil
ist dank unserer Teilfinanzierung zu Stande
gekommen. Das ganze Restvermögen des
Solarvereins floss in dieses Projekt.» Die SES
ist somit indirekt an der Erstellung der Solaranlage in Huttwil mitbeteiligt. Darauf sind wir
sehr stolz.
Ich danke im Namen der SES allen Personen
in diesen Vereinen und Gruppen, die sich
jahrelang und ehrenamtlich für die konkrete
Umsetzung der SES-Ziele eingesetzt haben.
Und ganz besonders danke ich jenen, welche
mit uns weiterkämpfen und uns weiter unterstützen. Es lohnt sich.
Reto Planta, Leiter Finanzen

Energie & Umwelt 3/2015  17

Fotos: Noemi Tirro

SES-FAchtagung 2015: Energiewende aus Mietersicht – Eine Auslegeordnung

Keine Energiewende gegen die Mieterschaft
Ist ein Gebäude schlecht isoliert, hat das die Mieterschaft über hohe Energie­kosten zu
bezahlen. Mit einer energetischen Sanierung resultieren zwar tiefere Energiekosten und
mehr Wohnkomfort, jedoch führt das – nicht zwingend, aber oft – auch zu höheren Mieten.
Wie die SES-Fachtagung 2015 zeigte, besteht noch viel Diskussions- und Handlungsbedarf,
­damit sich die Energiewende im Gebäudebereich fair und sozial gerecht umsetzen lässt.
Von Rafael Brand
E&U-Redaktor, info@scriptum.ch

Heizungen und Warmwasser unserer Gebäude ver­
brauchen (zu) viel ­Energie und sind verantwortlich für gut die Hälfte des Ener­gie­verbrauchs und
40 % der CO2-Emissionen. Das Ener­gie­spar­poten­
zial wird auf bis zu 60 % geschätzt. Um die Ziele
der Energiestrategie 2050 zu erreichen, soll die
energetische Sanierungsrate auf 2% aller Gebäude verdoppelt werden. Das birgt Konfliktpotenzial: Denn rund
54% der Schweizer Bevölkerung sind MieterInnen, die
von den Sanierungen und höheren Mieten betroffen
sind. Die diesjährige SES-Fachtagung – in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Mieterinnen und
Mie­ter­ver­band SMV – machte genau diese bislang zu­
­wenig ana­lysierte Problematik zum Thema, suchte
nach Lösun­gen und eruierte den Handlungsbedarf.

Energiewende sozialgerecht ausgestalten
«Wir wollen nicht, dass die In­teressen der Umwelt gegen die MieterInnen – und die Interessen der Mieterschaft gegen die Energiewende ausgespielt werden»,
brachte es Balthasar Glättli, Vize­präsident Mieterverband SMV und Nationalrat der ­Grünen, auf den Punkt.
Es gehe einerseits darum, die ­Klima­katastrophe abzuwenden, andererseits müsse der Umbau unserer erdölsüchtigen Gesellschaft aber auf sozialer Gerechtigkeit
basieren. Glättli dazu: «Die grösste Umverteilung in
der Schweiz von unten nach oben findet bei den Boden­
renten statt.» Für ihn ist klar: Alle müssen ihren Teil
18  Energie & Umwelt 3/2015

beitragen. Von den MieterInnen werde die Energie­
wende, so ist Balthasar Glättli überzeugt, nur mit­ge­
tragen, wenn sie sozial gerecht ausgestaltet ist.

Die Umverteilung als Kernproblem
Olivier Meile, Bereichsleiter Gebäudetechnologie beim
BFE, präsentierte an der SES-Fachtagung die aktuelle
Studie «Energetische Sanierung – Auswirkungen auf
Miet­zinsen». Diese zeigt, dass energetische Sanierun­gen
für die EigentümerInnen meist rentabel sind. Natürlich profitieren auch die MieterInnen vom bes­ser­en
Wohnstandard und mehr Komfort. Doch es resultieren in den allermeisten Fällen Miet­zins­erhöhungen,
die höher sind als die Ersparnis des tieferen Energieverbrauchs, so die BFE-Studie.
«Die Umverteilung des Reichtums von der Mieterschaft
zu den GebäudebesitzerInnen ist eine grund­sätz­liche
Pro­blematik, die seit langem exis­tiert und nicht der
Ener­giewende zuzuschreiben ist», betonte Olivier Meile
immer wieder. Vielmehr sei es der freie Markt, der für
immer höhere ­Bodenpreise und Mieten sorge. Er appellierte, das Mietrecht einzuhalten und die Kosten nicht
mehr als zulässig an die Mieterschaft zu überwälzen.

Freier Markt treibt Mieten hoch
Cipriano Alvarez, Leiter Bereich Recht, Bundesamt für
Wohnungswesen (BWO), erläuterte das geltende Mietrecht. Energetische Sanierungen sind Erneuerun­gen, die
zu 50 – 70 % als wertvermehrend gelten. Bei fort­laufen­
dem Mietverhältnis können diese Kosten über den Unterhaltsanteil, Mietzinserhöhung und Förderbeiträge

gedeckt werden. «Dank Steuervorteilen
resultiert ein Saldo zu Gunsten des Vermieters.» Wurde vorher gekündigt, sei
der Vermietende bei der Mietzins­
festlegung innerhalb der Missbrauchsbestimmungen frei. «Das bedeutet faktisch
Marktmiete unter Vorbehalt der Anfechtung», so Cipriano Alvarez. «Es ist denkbar, das Mietrecht zu ver­bessern» und es
gebe dazu auch gewisse Vorstellungen.
Ein Grund für ­höhere Mieten nach
Sanierun­gen, so seine Vermutung, sei,
«dass nicht sauber zwischen Unterhalt
und Wert­vermehrung getrennt wird».

Ungleiche Lastenverteilung
«Die ungleiche Lastenverteilung bei Sanie­
rungen muss zu Gunsten der MieterInnen
korrigiert werden», forderte Beat Züsli un­
missverständlich, Energie-Ingenieur und
Vorstandsmitglied SMV. Wie er zeigte,
resultierten bei einem Mehrfamilienhaus nach der energetischen Sanierung
– 70 % Heizenergie. Jedoch führ­ten die
Kosten für die Isolation der Aussenhülle
und die Lüftung zu einer 234 Franken
höheren Miete. Die Einsparung durch
tiefere Energiekosten betrug 89 Franken.
Bei der BFE-Studie kam der Energie-In­
genieur zum gleichen Ergebnis: Energeti­
sche Sanierun­gen führen zu einer Mehrbelastung der Mieterschaft, sind aber
für die EigentümerInnen meist ren­ta­bel.
Für Beat Züsli ist klar: «Die ener­ge­tischen
Investitionen sind haupt­ver­antwortlich
für die Erhöhung der Mietzinsen.» Das
gelte es zu korrigieren.

Die Chancen überwiegen
«Bei energetischen Sanierungen überwie­
gen aus wirtschaftlicher Sicht die Chancen klar die Risiken», so das Fazit von
Flavio Ravani, CEO der Swissrenova AG.
Bei einem Mehrfami­lien­haus kostet eine
­Gesamtsanierung etwa 80'000 – 120'000
Franken pro Wohnung. An Beispielen
zeigte er auf, wie sehr die Kosten überwälzt, die Mieten übermässig erhöht (v.a.
bei Kündigungen) und den Markt­preisen
angepasst werden. Flavio Ravani zeigte,
dass Sanierungen, klug und richtig gemacht, zum Gewinn aller Beteiligten
sind. Bei einem zum Plus-Energie-Haus
sanier­ten Gebäude einer Genossenschaft
resultierte eine Mietzinserhöhung von
29 %. Der Clou dabei: 90 % des benötigten
Stroms wird selbst produziert. Die MieterInnen ­profitieren, indem sie den Solarstrom für 22 Rp./kWh beziehen können.
«Das ist eine Win-win-Situation in jeder

Beziehung. Wir müssen umdenken, Strom
erzeugen, wo er gebraucht wird. Energie­
effizienz und Null-Emissionen sind das
Ziel. Richtig sanieren, zahlt sich aus!», so
das klare Fazit von Flavio Ravani.

Win-win-Situation realisierbar
Dass energetische Sanierungen zur Winwin-Situation für alle führen können, das
bestätigte auch Michel Wyss, Immobilien­
bewirtschafter und Berater beim Hausverein Schweiz, vor allem wenn der Ölpreis in Zukunft wieder steigt. Er zeigte
an einem schwierig zu sanieren­den Ge­­
bäude, wie der Wohnkomfort stark zunahm, die Energiekosten sanken, jedoch
sich die Miete für die 3-Zi-Wohnung im
EG netto nur um 128 Franken erhöhte.
Insgesamt konnte also eine Top-Sanierung mit gu­tem Kosten-/Nutzenfaktor re­
alisiert werden: «Energetische Sanierun­
gen müssen einfach Platz haben – und
früher oder später wird ein tiefer Energie­
verbrauch wieder sehr relevant sein»,
schloss Michel Wyss sein Referat.

tion des Überwälzungssatzes bei Sanie­
run­­gen zu Gunsten der MieterInnen.

Wer ist der Sündenbock?
Michel Müller von Ernst Basler+Partner
präsentierte einen Vergleich politischer
In­stru­mente. Um das Ziel von 2 % bei Ge­
­­bäude­­sa­nie­rungen zu erreichen, sei mit
Mehr­kos­ten bis 2050 von 2 Milliarden
Franken pro Jahr zu rechnen. «Die Ener­
giewende wird weh tun. Nichts tun wird
aber nicht günstiger.» Müllers klare
These: «Der Markt ist der Haupt­treiber
für steigende Mieten. Ener­getische Sanie­
rungen sind zwar oft der Sünden­bock,
aber nicht schuld.» Danach präsentierte
Michel Müller explizit keine Lösungen,
sondern regte zu Gedankenspielen für
einen Systemwech­sel an, z.B. dass die
Höhe der Förderbeiträge individuell
und regional bestimmt würden, es keine
Förderbeiträge bei Mieterwechsel mehr
gibt oder die gewährten Steuerabzüge
zu überdenken sind.

Besserer Schutz für MieterInnen

Kein Erfolgsrezept, aber viel­
versprechende ­Lösungsansätze

Carlo Sommaruga, Vizepräsident Mieter­
verband SMV und SP-Nationalrat, stellte
klar: «Energetische Sanierungen schaffen
Gelegenheit für Missbrauch und unverhältnismässige Mietzinserhöhungen». Es
sei wichtig, die MieterInnen besser zu
schützen. Sommaruga ana­ly­sierte dann
die BFE-Studie hinsicht­lich der Amortisationsdauer und kam zum Ergebnis, dass
diese viel kürzer sind als gesetzlich vorgesehen. Der Jurist sprach deutliche
Worte: «Die BFE-Studie zeigt, dass die
Renditen unzulässig erhöht wurden.»
Carlo Sommaruga äusserte in der Folge
zahlreiche Lösungsansätze, z.B. die Einführung einer Mietzinskontrolle, viel
besseren Schutz vor Leer­kündi­gun­gen
(wie z.B. in Genf), eine gerechtere Vertei­
lung der Fördergelder und eine Reduk­

Barbara Steenbergen von der Interna­­tio­
­­nalen Mieterallianz (IUT) referierte abschliessend zu Lösungsansätzen aus dem
Ausland: «Es gibt kein generelles Erfolgs­
rezept, aber vielversprechende Lösungsansätze, welche die energetische Sanierungsrate massiv erhöht haben.» Die
Faktoren, die dabei zum Erfolg führten:
ein starker öffentlicher, ge­meinnütziger
Sektor im Wohnungswesen, Mitbestimmung der MieterInnen und staatliche
Förderung auf ­hohem Niveau. Barbara
Steenbergen äusserte dann eine klare
und einfache Empfehlung: «Will die
Schweiz bei der Erhöhung der Sanierungsrate vo­rankommen, muss sie die
energetischen Anforderun­gen mit einer
klaren, gesetzlichen Regelung zur Mietpreisbegrenzung verknüpfen.» 
<

Es braucht Lösungen, um die Energiewende wohn- und sozialpolitisch gerecht umzusetzen.
An der Fachtagung diskutierte Ansätze und Forderungen waren:
n	
n	
n	
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n	
n	
n	

Änderungen im Mietrecht (Reduktion des Überwälzungssatzes bei umfassenden Sanierungen),
Vollzug des bestehenden Mietrechts verbessern,
eine Anpassung der Anreize des Bundes, sprich eine Erhöhung des Gebäudeprogramms,
mehr Transparenz gegenüber den MieterInnen (Art der Sanierung, Gebäudezustand, GEAK-Pflicht),
Einführung eines Erneuerungsfonds in Mietliegenschaften,
Förderbeiträge an Bedingungen knüpfen (wie z.B. keine Leerkündigungen),
eine Pflicht, dass die Mieten die Heizkosten bereits enthalten (Modell aus Schweden).

Es besteht Handlungsbedarf. Denn die Energiewende im Gebäudebereich ist nur mit der Akzeptanz
der ­MieterInnen zu schaffen.
Download aller Referate unter www.energiestiftung.ch/service/fachtagungen

Energie & Umwelt 3/2015  19

l

News

l

Aktuelles

Studie: Die Tage der Atomkraft sind gezählt
Da kaum mehr neue AKW
ans Netz gehen und altersbedingt viele Atomkraftwerke
stillgelegt werden, nimmt ihr
Anteil an der weltweiten
Stromproduktion ab. Dies
zeigt der jüngst publizierte
World Nuclear Industry Status Report 2015.
Weltweit sind unzählige
Atomkraftwerke überaltert
und müssen in den nächsten
Jahren vom Netz. Neubauten
werden kaum mehr in Angriff genommen. Die aktuell
im Bau befindlichen Reaktoren kämpfen mit Kostenexplosionen und jahrelangen Verzögerungen. Führende Atomkonzerne wie etwa die franzö­
sische AREVA sind wirtschaftlich am Ende. Der Statusbericht,
welcher von unabhängigen Fachexperten erstellt und mit der
Unterstützung der SES realisiert worden ist, zeigt ein deutliches Bild: AKW sind Auslaufmodelle.
Vor allem die Schweiz mit ihren alten Reaktoren ist gefordert,
politisch und aus Unternehmersicht eine proaktive Strategie zu
verfolgen. Die SES fordert von der Politik klare Abschaltdaten,
kombiniert mit einem Zubauplan für erneuerbare Energien.
» Die Studie ist zu finden unter www.worldnuclearreport.org

Risikoanalyse: Super-GAU ist die grösste Bedrohung
Eine nationale Gefährdungsanalyse von Katastrophen und
Notlagen des Bundesamt für Bevölkerungsschutz hat ergeben, dass eine Situation mit Strommangel das grösste Risiko
für die Schweiz darstelle, noch vor Pandemien, Hitzewellen,
Erdbeben, Stromausfällen und Flüchtlingswellen. Der Risikobericht 2015 dient als Grundlage für die Weiterentwicklung
des Katastrophen­schutzes und als Bestandteil der gesamten
Sicherheitspolitik des Bundes.
Die SES ist irritiert über dieses Resultat: Eine Strommangel­
lage in Zeiten einer massiven europaweiten Stromschwemme
als grösstes Risiko zu bezeichnen, grenzt an Zynismus. Ein
Blick über die Grenze nach Deutschland zeigt, dass mit dem
Ausbau von erneuerbaren Energien die Netzstabilität und Ver­
sorgungssicherheit sogar verbessert wurde und die Anzahl
20  Energie & Umwelt 3/2015

l

Kurzschlüsse

l

der Stromausfälle zurückging. Das Risiko einer nuklearen
­Katastrophe ist klar die grösste Bedrohung für die Schweizer
Bevölkerung. Und so lange das älteste AKW der Welt in Beznau
weiter in Betrieb ist, nimmt dieses Risiko sicher nicht ab.

Kultur: atomkritische Kunst ausgezeichnet
Die Zürcherin Cornelia
Hesse-Honegger wird von
einer internationalen Stiftung
mit dem «Nuclear Free Future
Award» ausgezeichnet.
Weltweit bekannt wurde die zeichnende Wissenschaftlerin Ende
der 1980er-Jahre mit ihren Illustrationen von verstümmelten
Insekten, die sie in der Um­
gebung von Atomkraftwerken
fand. An­gefangen hatte sie als
wissenschaftliche Zeichnerin
an der Universität Zürich, wo
sie bereits 1967 Mutationen an
Frucht- und Stubenfliegen dokumentierte, die im Labor vergiftet beziehungsweise bestrahlt
wurden.
Nach der Reaktorkatastrophe von
Tschernobyl zeichnete sie deformierte
Blattwanzen in Regionen von Schweden,
die von der radioaktiven Wolke aus Tscher­
nobyl kontaminiert worden waren. Alarmierend ist, dass
Hesse-Honegger geschädigte Insekten auch in der Umgebung
von «normal» funktionierenden, gut gewarteten Schweizer
Atomkraftwerken fand, wo die gültigen Grenzwerte nicht
überschritten wurden.
Die SES gratuliert Cornelia Hesse-Honegger herzlich zu ihrer
Arbeit, ihrem unablässigen Engagement und zu diesem Preis!
Stolz schauen wir auf die Weichwanze von Hesse Honegger
aus der Umgebung des AKW Gösgen, welche in unseren Büro­
räumlichkeiten hängt. Der «Nuclear Free Future Award» wird
am 28. Oktober im US-Senat in Washington überreicht.
» www.wissenskunst.ch
Zeichnung: Weichwanze, Miridae, Deraeocoris ruber aus der näheren Umgebung
des Atomkraftwerks Gösgen (SO). Die Flügel sind ungleich lang, Aquarell, Zürich
1988, Pro Litteris.

Tagung: Jahrhundertherausforderung ENERGIE
Die Politik, sowohl
auf europäischer
Ebene wie auch in
der Schweiz, ist
sich in verschiedenen Fragen uneinig. Welcher Mix
ist für eine sichere
Energieversorgung der richtige? Welches sind die erfolgreichen Strategien und Instrumente für eine nachhaltige
­Energiepolitik, die den wirtschaftlichen, ökologischen und
gesellschaftlichen Anliegen dauerhaft Rechnung tragen? Mit
der Energiestrategie 2050 des Bundesrats werden auch im
Schweizer Parlament wichtige Weichen gestellt. Am 16. November 2015 führt das Europa Forum Luzern die Tagung
«Jahrhundertherausforderung ENERGIE» durch. Im Rahmen
eines Symposiums und einer öffentlichen Veranstaltung am
Abend thematisieren hochrangige nationale und internationale Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik – darunter auch Energieministerin Doris Leuthard – den
Stand der Energiewende in der Schweiz und in Europa. Die
SES ist als Ausstellungspartner vor Ort mit dabei.

Dreckiger Strom von Schweizer Produzenten 

Die Energiewende ist in der Schweiz bereits Realität. Der Zubau von Solarstrom beispielsweise übertrifft alle Erwartungen des Bundesrates. Doch die vier grössten Schweizer
Stromproduzenten setzen weiterhin auf schmutzige Atom-,
Gas- und Kohlekraftwerke. Die SES hat die Stromproduktion
aus dem Jahr 2014 analysiert und zeigt den Dreckstrommix
von Axpo, Alpiq, BKW und Repower auf. So produzieren diese
beispielsweise vier Mal mehr Strom aus Gas als mit Wind. Die
Wasserkraft und neue erneuerbare Energien kommen auf
­einen Anteil von weniger als einen Drittel. Die SES ruft zu
einem dringenden Kurswechsel auf. 
» www.energiestiftung.ch/dreckstromranking

» www.europa-forum-luzern.ch

Mehr Solarstrom dank Hitzesommer 

Der heisse Sommer hat sich auch in der erneuerbaren Energie-Produktion niedergeschlagen. Die Zahlen des FraunhoferInstituts für Solare Energiesysteme (ISE) zeigen, dass Solaranlagen in Deutschland im Juli mit 5,18 Terawattstunden erstmals so viel Strom erzeugt haben wie die Atomkraftwerke.
Grund war zum einen das Wetter. Zum anderen fiel die Atomkraft auf einen neuen Tiefstwert, nachdem das AKW Grafenrheinfeld endgültig vom Netz ging.
Auch in der Schweiz erreichte die Produktion der Solarstromanlagen während der Schönwetter- und Hitzeperiode Rekordwerte. Sie trug von Ende Juni bis Ende Juli 2015 im Durchschnitt rund 5 Prozent zum Strombedarf bei, wie Swissolar
verkündet hat. Die Spitzenwerte an Sonntagen lagen sogar
bei rund 20 Prozent. Hervorzuheben ist, dass die Photovol­
taikanlagen genau dann Strom liefern, wenn dieser am meis­
ten gebraucht wird, nämlich über Mittag.

SES-Buchtipp: Die strahlende Wahrheit. Vom Wesen
der Atomkraft
Absolut «wahr» ist an der
Atomkraft eigentlich nur ihre
ungeheure Energie und die Tatsache, dass der Mensch damit
Kräfte weckt, die er über Jahrhunderttausende im Griff behalten muss. Alles andere wird
sehr schnell relativ bzw. relativiert – man begibt sich auf ein
Feld, auf dem sich Experten,
Meinungsmacher, Ideologen,
Betroffene, Opfer, Lobbyisten
und Politiker tummeln.
Die Autoren informieren gut
verständlich über den Nutzen
und die Risiken der Atomkraft oder den Stand der noch immer ungelösten Endlagerungsproblematik. In ausführlichen
Statements und einem Streitgespräch erläutern Experten
«ihre» Wahrheit der Atomkraft. Und schliesslich erzählen
Urs Fitze und Martin Arnold in Reportagen aus Japan und
Tschernobyl fernab der üblichen Katastrophenberichte über
das Leben der Bewohner und den Zustand der Natur nach
dem Super-GAU.

Die strahlende Wahrheit. Vom Wesen der Atomkraft, rüffer & rub Sachbuchverlag, 2015. Hardcover, ca. 300 Seiten. Fr. 38.–, ISBN: 978-3-907625-77-4

Energie & Umwelt 3/2015  21

Energiestrategie 2050: Bundesrat und Parlament haben keinen Plan

Ohne Plan für den Atomausstieg droht der
Energiestrategie die Irrfahrt
Nach Fukushima haben Bundesrat und Parlament den Atomausstieg beschlossen. Im
­Gesetzesentwurf, der Energiestrategie 2050, fehlt jedoch ein Abschaltdatum für die Atomkraftwerke. Ohne einen konkreten Plan, bis wann die AKW abgestellt werden, ist die Reise
in die Energiezukunft gefährlich. Die Stimmbevölkerung hat dank einer Initiative die Mög­
lichkeit, diese Irrfahrt zu beenden.
noch einen Schritt weiter gedacht: Nur ein Viertel des
Energieverbrauchs der Schweiz ist Strom, drei Viertel
stammen aus fossilen Quellen. Jährlich fliessen 13 Milli­
arden Franken für Öl- und Gasimporte ins Ausland.
Mit Heizen und Autofahren tragen auch wir zum globalen Klimawandel bei, der unsere Gletscher so rasch
abschmelzen lässt. Mit dem Ziel, die Energieversorgung in Richtung erneuerbar zu trimmen, hat der
Bundesrat die Energiestrategie 2050 entworfen. Da waren allerdings vermutlich schon zu viele Akteure involviert, dem Entwurf fehlte es an visionärer Kraft.
Die Vorlage ist voller Kompromisse, bescheidener
Ziele und ungenügender Massnahmen. Und was den
Atomausstieg betrifft: Der kommt gar nicht erst vor.
Es fehlt ein konkreter Plan, wie und wann die Schweiz
aus dieser Hochrisiko-Technologie aussteigen soll.
Ohne zu wissen, in welchem Jahr welches AKW abgeschaltet wird, kommt diese Reise einer Irrfahrt gleich.
Auch für den Ausbau einheimischer Energien und der
Energieeffizienz ist es wichtig, dass klare Rahmen­
bedingungen herrschen. So lange Atomstrom die Leitungen verstopft, haben es die Erneuerbaren schwer.

Von Felix Nipkow
Projektleiter Strom & Erneuerbare,
felix.nipkow@energiestiftung.ch

Nach dem Tsunami in Japan, der im März 2011
mehrere Atomkraftwerke zerstört hat, ist die
Schweizer Politik aufgeschreckt. Man musste
zur Kenntnis nehmen, dass Atomenergie auch
in hochtechnisierten Ländern ein enormes Risiko darstellt. Für einige – auch die SES – war das keine
neue Erkenntnis. Traurig ist nur, dass es hierfür ein so
schreckliches Ereignis braucht. Der Bundesrat hat
kurz darauf den Atom­ausstieg beschlossen, das Parlament ist ihm gefolgt.

Kein Plan für den Atomausstieg
Nun musste ein Plan her für den Ausstieg aus einer
Technologie, der man jahrzehntelang vertraut hat, in
die viele (meist halbstaatliche) Unternehmen viel
Geld investiert haben und von der fast 40 % der inländischen Stromproduktion stammt. Bundesrätin Doris
Leuthard (CVP) und ihr Departement haben sogar

Sichere Stromversorgung mit einheimischen Energien und geregelter AKW-Ausserbetriebnahme
(Mühleberg und Beznau 2017, Gösgen 2024, Leibstadt 2029)
80
70

gem. Elektrizitätsstatistik

Prognose gem. Beschlüssen Nationalrat zur Energiestrategie 2050

50
40
30
20

2035

2034

2033

2032

2031

2030

2029

2028

2027

2026

2025

2024

2023

2022

2021

2020

2019

2018

2017

2016

2015

2014

2013

-10

2012

0

2011

10

2010

in Terawattstunden [TWh]

60

-20
Differenz (Export bzw. Import)

Photovoltaik

AKW Leibstadt

AKW Beznau I

Biomasse

Wasserkraft

AKW Gösgen

AKW Mühleberg

Wind

übrige (KVA/ARA/fossil)

AKW Beznau II

Verbrauch (Richtwerte Beschluss NR)

22  Energie & Umwelt 3/2015

Die SES hat einen Plan für den
Atomausstieg. Dieser wurde
zuletzt auch den StänderätInnen
präsentiert. Den Berechnungen
liegen die Beschlüsse des Nationalrats zur Energiestrategie 2050
zu Grunde. Selbstverständlich
könnte der Zubau der erneuerbaren Energien auch rascher
erfolgen, wenn die Förderung
verstärkt würde. Dann könnten
auch die AKW früher vom Netz
genommen werden. Mit der
dargestellten Variante wäre die
Schweiz ab 2030 atomstromfrei.
Geübt haben wir das ja schon:
Am 17./18. August 2015 waren
vorübergehend sämtliche Schweizer AKW wegen Revision oder
unvorhergesehener Zwischenfälle
vom Netz. Das Licht ist jedenfalls
nicht ausgegangen.

Energie- Effizient
Die Energiewende ist in
vollem Gang
Die Schweiz hat die Energiewende nicht
erfunden, diese war 2011 schon auf der
ganzen Welt in vollem Gang. Erneuerbare Energien waren auf dem Vormarsch
und konnten bereits damals preislich
mit konventionellen Energien konkurrenzieren. Auch in der Schweiz gab es
einige Solar- und Windkraftanlagen,
wenn auch im Vergleich mit anderen
europäischen Ländern auf sehr bescheidenem Niveau. Heute verliert die Atomenergie weltweit jährlich an Bedeutung,
während die erneuerbaren Energien
laufend sämtliche Rekorde brechen.
Wissenschaftler wie der Markt- und
Technologieforscher Tony Seba von der
Universität Stanford glauben, dass der
Punkt bald erreicht sei, an dem es kein
Zurück mehr gebe. Bald werde Solarstrom so billig sein, dass Kohle, Kernkraft, Erdöl und Gas ausgedient hätten.
Bis 2030 sei die ganze Stromversorgung
– weltweit – solar.1 Auch der Mythos
vom explodierenden Energiekonsum ist
gebrochen: Wirtschaftswachstum und
Energieverbrauch sind in vielen Ländern
entkoppelt. Die Wirtschaft und die Bevölkerung wachsen, der Energieverbrauch nimmt ab.

zige Passus, der das Label Atomausstieg
noch halbwegs rechtfertigt, ist das Neubauverbot. Für die Atomlobby bedeutet
das aber keine grosse Einschränkung,
weil niemand ein neues AKW ohne massive Subventionen bauen kann. Die wenigen Werke, die in Europa in Bau sind,
zeigen die Schwierigkeiten: massive
Verzögerungen
und
Kosten­
überschreitungen trotz staatlicher Subventionen.3

Schweizer Freilandexperiment in
Reaktoralterung
Es bleibt die Hoffnung, dass im Rahmen
der Differenzbereinigung der beiden Räte
ein echter Atomausstieg in die Energie­
strategie Einzug findet. Wenn das Parlament weiterhin so planlos in die
Energie­zukunft irrt, hat die Stimmbevölkerung aber bei der Abstimmung
über die Ausstiegsinitiative, die eine
maximale Laufzeit von 45 Jahren fordert, die Möglichkeit, einen Riegel zu
schieben. Sie kann damit zeigen, was
sie vom gefährlichen Freilandexperiment in Reaktoralterung hält. Immerhin steht in Beznau das älteste AKW der
Welt – angemeldet für einen Eintrag im
Guiness Buch der Rekorde! 
<

Abschaltdaten von der
Atomlobby verhindert
Die Energiestrategie 2050 des Bundesrats wurde nun dem Parlament über­
geben. Der Nationalrat hat die Vorlage
leicht modifiziert, ist im Wesentlichen
aber dem Bundesrat gefolgt.2 Was bleibt,
ist die Planlosigkeit beim Ausstieg. Gesetzlich festgeschriebene Abschaltdaten
für die alten AKW wurden von der Atomlobby erfolgreich verhindert. Dabei
wäre das für die Cleantech-Branche ein
wichtiger Faktor: Wenn klar ist, ab
wann für den Strom aus neuen Kraftwerken eine Nachfrage besteht, ist die
Planbarkeit viel besser und Investoren
können leichter kalkulieren. Der ein-

EILE MIT WEILE – Wie geht es der Energiewende im Bundeshaus?
Montag, 30. November 2015, 19.45 Uhr
Rest. Schmiedstube, Schmiedenplatz 5, Bern
Podiumsdiskussion mit
Nationalrat Bastien ­Girod, Ständerat Werner
Luginbühl, Prof. Dr. Anton Gunzinger
Weitere Informationen im Flyer in diesem E&U
und auf www.energiestiftung.ch.

1	 Bericht über die Forschung von Tony Seba: Echo der Zeit, SRF1, 24. August 2015.
2	 Bei Redaktionsschluss dieses Textes liegen die Entscheide des Ständerats noch nicht vor. Die
Entscheide der vorberatenden Energiekommission lassen vermuten, dass sich am Grundgedanken
nichts ändert: Der Ausbau der einheimischen Stromproduktion mit erneuerbaren Kraftwerken und
die Energie­effizienz werden behindert, der Atomausstieg bleibt auf der Strecke.
3	 Finnland/Olkiluoto: Verzögerung (2018 statt 2009), Kostenüberschreitung (9 statt 3 Mrd. Euro);
Frankreich/Flamanville: vorläufiger Baustopp, Kostenüberschreitung (8,5 statt 3,3 Mrd. Euro);
Grossbritannien/Hinkley Point: Staatsgarantien für den Bau und garantierte Einspeiservergütung
für 35 Jahre (mehr und länger als erneuerbare Energien).

Trafos sind effizienter als man
glaubt
Hallo, hier ist Effi, zuständig für Energie-­
Effizienz. Heute geht es um Transformatoren.
Ein Trafo besteht aus einem Eisen­kern, um
den zwei Drahtwicklungen (Spulen) angebracht sind. Die erste hat z.B. 230 Windungen,
die zweite vielleicht 5 Windungen. Wird an die
«primäre» Wicklung 230 Volt (50 Hz) angeschlossen, so resultiert an der «sekundären»
Wicklung 5 Volt Wechselspannung. Ein Trafo
ist also ein Wechselspannungswandler. Die
meisten Trafos findet man in Netzteilen von
Elektrogeräten, in Ladegeräten für Akkus,
usw. Diese Trafos sind klein und decken einen
Leistungsbereich von einigen VoltAmpere ab.
Doch hier geht es um viel grössere Geräte. Sie
übertragen Leistungen, die etwa 1 Million mal
grösser sind als bei den üblichen Kleintrafos.
Sie werden bei der Verteilung elektrischer
­Energie eingesetzt. Dabei treten, wie bei jeder Energieumwandlung, Verluste auf.
Diese Verluste läppern sich zusammen: Im
Jahr 2014 betrugen diese im Schweizer Verteilnetz 46,3 MW. Würde man alle Verteiltrafos (ungeachtet der Kosten und ihres Alters)
durch Trafos neuester Generation ersetzen,
so könnten diese Verluste auf 23,3 MW halbiert werden. Anders gesagt: Ersetzt man
einen einzigen alten Verteiltrafo durch einen
modernen, so spart man jährlich 6 MWh
Strom. Das ist der Verbrauch eines Schweizer Haushalts. Im Schweizer Verteilnetz sind
70'000 bis 80'000 Trafos im Einsatz. Aha!
Warum sind von 2000 verkauften neuen Trafos nur 40 Stück effiziente Trafos?! Weil diese
Nachteile haben? Weil sie etwas grösser und
etwas lauter sind? Weil sie etwa 20 % mehr
kosten als die «klassischen». Das BFE dazu:
«Angesichts der aktuell tiefen Energiepreise
ist der (...) Anreiz für die Anschaffung eines
(effizienten) Trafos für die (Stromnetz-)Betreiber (...) gering.» Dazu zwei Gedanken:
n	 Würde man bei öffentlichen Ausschreibung nicht einen möglichst tiefen Kaufpreis,
sondern die langfristigen Betriebs- und Energiekosten berücksichtigen, dann hätten effiziente Trafos viel bessere Chancen.
n	 Warum werden bei Kostenvergleichen
nicht schon längst die Kosten über die
­gesamte Produkte-Lebensdauer betrachtet?
Oder anders gefragt: Warum passieren die
gleichen Milchmädchenrechnungen wie bei
Tintenstrahldruckern, wo der Drucker billig,
die Tinte aber sehr teuer ist?
Das fragt sich, nur gestört durch den 50-­
Hertz-Netzbrumm...
Ihre Effi, zuständig für Effizienz

Energie & Umwelt 3/2015  23

«Neue AKW sind keine Option: Primär aus wirtschaftlichen Gründen wird sich kein Investor finden, der bereit
ist, in den nächsten 30 bis 40 Jahren in der Schweiz ein
neues AKW ans Netz zu bringen.»

Bitte melden Sie uns Ihre neue Adresse. Danke!

AZB
P.P. / JOURNAL
CH-8005 ZÜRICH

Beat Hotz-Hart, em. Professor für Ökonomie an der Universität Zürich,
und ehemaliger Vizedirektor des Bundesamts für Berufsbildung und Technologie,
in der «Neuen Zürcher Zeitung» vom 10.9.2015.
        
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