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Bericht zur Konzeptstrecke Baumschulenstraße

Full text: Bericht zur Konzeptstrecke Baumschulenstraße

Bericht zur Konzeptstrecke Baumschulenstraße

Lärmminderungsplanung für Berlin Materialien zum Aktionsplan
Mai 2008

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Lärmminderungsplanung für Berlin Bericht zur Konzeptstrecke Baumschulenstraße Planungsgruppe Nord Gesellschaft für Stadt- und Verkehrsplanung Dörnbergstraße 12 34119 Kassel Telefon: 05 61 / 8 07 58-0 Telefax: 05 61 / 8 07 58-58 Email: pgn@pgn-kassel.de Internet: www.pgn-kassel.de Büro Berlin Sophienstraße 18 10178 Berlin Tel.: 030 / 284972-29 Email: berlin@pgn-kassel.de Bearbeitung: Dipl.-Ing. Michael Volpert Dipl.-Ing. Antje Janßen Dipl. Ing. Dirk Bänfer Dipl. Ing. Jörg Mandler Dipl. Ing. Nicole Ulbricht CS Planungs- und Ingenieurgesellschaft Köpenicker Straße 145 10997 Berlin Telefon: 030 / 61 20 95 - 0 Telefax: 030 / 61 20 95 - 79 Email: info@cs-plan.de Internet: www.cs-plan.de

Materialien zum Aktionsplan

Bearbeitung: Dipl. Ing. Lars Bison Dipl. Ing. Ralf Lindner Guido Schröder Unterauftragnehmer Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs, Hamburg / Berlin

Kassel / Berlin im Mai 2008

Gesellschafter der Planungsgruppe Nord - PGN: Dipl.-Ing. Volker Mohr ■ Dipl.-Ing. Wolfgang Nickel ■ Dipl.-Ing. Andreas Schmitz ■ Dipl.-Ing. Michael Volpert

Gesellschafter der CS Planungs- und Ingenieurgesellschaft mbH: Dipl.-Ing. Lars Bison ■ Dipl.-Ing. Dirk Moldrickx

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Inhalt
1 2 3 Einleitung / Bearbeitungsrahmen Konzeptstrecke Baumschulenstraße Verkehrliche Grundlagen und Lärmbelastungssituation 3.1 Verkehrliche Ausgangssituation 3.2 Lärmbelastungs- und Betroffenheitssituation 3.3 Qualitäts-Indikatoren-System Bereits vorhandene Planungen 4.1 Städtebauliche Planungen und Vorhaben 4.2 Verkehrliche Vorhaben 4.3 Prognose Nullfall LMP Lärmminderungsplanung für die Konzeptstrecke Baumschulenstraße 5.1 Verkehrslenkende und verkehrsorganisatorische Maßnahmen 5.2 Straßenräumliches Konzept 5.3 Umsetzungskonzept 5.4 Wirkungsanalysen 5.4.1 Verkehrliche Wirkungen 5.4.2 Lärmwirkungen 5.4.3 Qualitäts-Indikatoren-System 5.5 Langfristige Lösungsansätze in der Baumschulenstraße Zusammenfassung 1 3 5 5 7 9 11 11 11 12

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Abbildungen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 Baumschulenstraße zwischen Köpenicker Landstraße und Sonnenallee Verkehrsbelastung Analyse, Verkehrszählung 2005 DTV (Kfz/24 h) Verkehrsströme im Durchgangsverkehr, Analyse Mittelungspegel an der Bebauung, Tag, Analyse Mittelungspegel an der Bebauung, Nacht, Analyse Lärmkennziffer Nacht der 2. Stufe (55 dB(A)) Gewichtete Bewertung nach dem Qualitäts-IndikatorenSystem, Analyse Zu erwartende Entwicklung im Prognose-Nullfall LMP Zu/Abnahmen in % gegenüber Analyse Mittelungspegel an der Bebauung, Nacht, PrognoseNullfall LMP Pegeldifferenz Prognose-Nullfall LMP zu Analyse, Nacht Bewertungspinne nach dem Qualitäts-Indikatoren-System Querschnitt Baumschulenstraße zwischen S-Bahn und Volkshochschule - Bestand Querschnitt Baumschulenstraße zwischen S-Bahn und Volkshochschule - Umgestaltungsvorschlag, Variante A Querschnitt Baumschulenstraße zwischen S-Bahn und Volkshochschule - Umgestaltungsvorschlag, Variante B Querschnitt Baumschulenstraße zwischen Volkshochschule und Frauenlobstraße - Bestand Querschnitt Baumschulenstraße zwischen Volkshochschule und Frauenlobstraße - Umgestaltungsvorschlag, Variante A Querschnitt Baumschulenstraße zwischen Kiefholzstraße und Frauenlobstraße - Umgestaltungsvorschlag, Variante B Querschnitt Baumschulenstraße zwischen Frauenlobstraße und Sonnenallee - Bestand Querschnitt Baumschulenstraße zwischen Frauenlobstraße und Sonnenallee - Umgestaltungsvorschlag, Variante A 3 5 6 8 8 9 10 12 13 14 14 18 18 19 20 21 21 22 23

Tabellen
1 2 3 4 Steckbrief Baumschulenstraße - Köpenicker Landstraße bis Sonnenallee Umsetzungskonzept - kurzfristige Maßnahmenvorschläge (Stufe 1) Umsetzungskonzept - mittel- bis langfristige Maßnahmenoptionen (Stufe 2) Maßnahmen in der Baumschulenstraße und Minderungspotential 24 26 26 29

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Karten
1 Konzeptstrecke Baumschulenstraße - Straßenräumliches Konzept, Variante A (mit teilweiser Beibehaltung der Radwegeführung im Gehwegbereich) Konzeptstrecke Baumschulenstraße - Straßenräumliches Konzept, Variante B (mit durchgehenden Angebotsstreifen)

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Pläne
1 Lageplan Baumschulenstraße zwischen Köpenicker Landstraße und Sonnenallee, Variante A mit teilweise Radverkehrsführung auf bestehendem Radweg (Ausschnitte) Lageplan Baumschulenstraße zwischen Köpenicker Landstraße und Sonnenallee, Variante B mit durchgehender Radverkehrsführung auf Angebotsstreifen (Ausschnitte)

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1 Einleitung / Bearbeitungsrahmen

Bestandteil der gesamtstädtischen Lärmaktionsplanung für Berlin ist die Erarbeitung geeigneter Maßnahmen zur Lärmminderung in Konzeptgebieten und für Konzeptstrecken. Auf der Grundlage der Analysen zur Lärmsituation wurden insgesamt 12 Konzeptgebiete und 8 Konzeptstrecken in Bereichen ausgewählt, in denen eine hohe Lärmbelastung und Lärmbetroffenheit besteht. Der vorliegende Bericht dokumentiert den Bearbeitungsstand für die Konzeptstrecke Baumschulenstraße. Die nachfolgenden Darstellungen beinhalten: eine Zusammenfassung der durchgeführten Analysen zur Verkehrssituation, der Lärmbelastungssituation und den weitergehenden Bewertungen nach dem Qualitäts-Indikatoren-System, einen Überblick über laufende Planungen und zu erwartende Entwicklungen im Prognose-Nullfall LMP, Strategien und Maßnahmenvorschläge zur Lärmminderung für die Konzeptstrecke Baumschulenstraße, ein gestuftes Umsetzungskonzept mit der Unterscheidung in kurzfristig umsetzbare Maßnahmen und mittel- bis langfristige Maßnahmeoptionen sowie Wirkungsanalysen zu den Maßnahmeempfehlungen. Die dargestellten Maßnahmenvorschläge wurden in Abstimmung mit dem Bezirk Treptow-Köpenick und den Senatsverwaltungen für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz sowie Stadtentwicklung erarbeitet. Hierzu erfolgte: 1. Schriftliche Kontaktaufnahme mit dem Bezirk mit dem Versand der vorliegenden Unterlagen und ggf. ergänzender Fragestellungen 2. Zuarbeit ggf. weitergehender Informationen durch den Bezirk 3. Termin mit dem Bezirk zur Diskussion erster Ideen / Planungsansätze und der Abfrage weiterer bezirklicher Anforderungen an die Planung 4. Abstimmung des Planungsentwurfs im Rahmen der erweiterten Kerngruppe mit den Senatsverwaltungen 5. Workshop mit dem Bezirk und den Senatsverwaltungen zu dem Planungsentwurf am 11. Dezember 2007 6. Überarbeitung des Berichtsentwurfs unter Berücksichtigung der Ergebnisse des Workshops und weiterer Stellungnahmen bzw. ergänzend eingegangener Materialien - März 2008

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Die protokollierten Diskussionsbeiträge aus dem Workshopverfahren sowie die ergänzenden eingegangenen Stellungnahmen sind Grundlage des vorliegenden Berichts und des dargestellten Maßnahmenprogramms. Die in den nachfolgenden Kapiteln dargestellten, generell sinnvollen Maßnahmen zur Lärmminderung sind nach kurzfristig umsetzbaren Maßnahmen (Stufe 1) und mittel- bis langfristigen Maßnahmenoptionen (Stufe 2) zu differenzieren. Die Umsetzung der Maßnahmen der Stufe 1 wurde bereits in unterschiedlichen Verfahren begonnen, deren Realisierung im Zeitraum 2008 - 2012 sollte angestrebt werden. Hierzu ist die Weiterführung der Planungs- und Abstimmungsverfahren und die Sicherstellung der Finanzierung notwendig. Bei den mittel- bis langfristigen Maßnahmeoptionen der Stufe 2 sind dagegen noch umfangreiche Prüfbedarfe vorhanden, die im Rahmen der Lärmaktionsplanung nicht abschließend geklärt werden konnten. Weiterhin sind Teile dieser Maßnahmeoptionen auch vor dem Hintergrund noch ausstehender Erfahrungen erneut einer grundsätzlichen Prüfung zu unterziehen. Soweit erkennbar, wird der notwendige Untersuchungsbedarf in den nachfolgenden Ausführungen konkretisiert. Zur Erprobung geeigneter Verfahrensschritte zur Konkretisierung der straßenräumlichen Maßnahmenvorschläge wurden im Rahmen der Lärmaktionsplanung vertiefende Planungen für 4 Beispielstrecken durchgeführt, die im Rahmen des kurzfristigen Maßnahmenprogramms realisiert werden sollen. Die verkehrliche und lärmmindernde Wirkung der vorgeschlagenen Maßnahmen soll durch umfangreiche Begleituntersuchungen ermittelt werden. Die bisher durchgeführten Bearbeitungsschritte und die Ergebnisse der Begleituntersuchungen stehen den Bezirken dann ebenfalls bei der Planung und Umsetzung weiterer straßenräumlicher Maßnahmen zur Verfügung. Die konkrete Vorgehensweise zur Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen bzw. zu einer begleitenden Öffentlichkeitsarbeit müsste dann in weiteren Terminen mit den jeweils zu beteiligenden Stellen abgestimmt werden.

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2 Konzeptstrecke Baumschulenstraße

Die ausgewählte Konzeptstrecke Baumschulenstraße liegt im Bezirk TreptowKöpenick, Ortsteil Baumschulenweg (südöstliches äußeres Stadtgebiet). Die betrachtete Strecke, die Teil einer Tangentialverbindung und Zubringer zur A113 über die Auffahrt Späthstraße ist, verläuft von der Köpenicker Landstraße im Nordosten bis zur Südostallee.
Abbildung 1: Baumschulenstraße zwischen Köpenicker Landstraße und Sonnenallee

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Die Bebauung entlang der Baumschulenstraße ist durch dichte Wohnnutzung geprägt. Darüber weist der Abschnitt zwischen S-Bahn und Kiefholzstraße intensive Geschäftsnutzungen (Ortsteilzentrum) auf. Südlich der Kiefholzstraße wird die Wohnbebauung durch die Volkshochschule als öffentliche Nutzung unterbrochen. Die Baumschulenstraße steht exemplarisch für eine Tangentialverbindung mit mittleren Verkehrsbelastungen in einer dicht bebauten, engen straßenräumlichen Situation. Aufgrund der geschäftlichen Nutzungen bestehen erhöhte Anforderungen an den Straßenraum für Fußgängerverkehr und Aufenthalt. Eine grundsätzliche Entlastung der Baumschulenstraße ist im Geltungsraum des Lärmaktionsplans nicht möglich (erst langfristig mit dem Bau des mittleren Abschnittes der SOV - nach 2015). Im Rahmen der Lärmaktionsplanung geht es darum, unter Berücksichtigung der mittelfristig weiterhin erforderlichen verkehrlichen Funktionen Möglichkeiten der Lärmminderung aufzuzeigen, die die Anforderungen der Umfeldnutzungen berücksichtigen. Hierfür werden straßenräumliche Maßnahmen entwickelt, die im Hinblick auf die langfristige Rücknahme der Verkehrsfunktionen und den dann möglichen Rückbau der Baumschulenstraße den Charakter von Interimslösungen innehaben sollen.

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3 3.1 Verkehrliche Grundlagen und Lärmbelastungssituation Verkehrliche Ausgangssituation

Verkehrsfunktionen und Straßenraum Die Baumschulenstraße ist im Bestand nach StEP Verkehr als übergeordnete Straßenverbindung (Stufe II) ausgewiesen. Im Zuge des Baus der Süd-OstVerbindung soll sie langfristig als Ergänzungsstraße abgestuft werden. Voraussetzung hierfür ist der Bau des mittleren Abschnitts der Südostverbindung, der sich allerdings bis nach 2015 hinauszögert. Der im Schnitt etwa 26 m breite Straßenraum beinhaltet je eine überbreite Richtungsfahrbahn mit zweistreifiger Markierung im Kreuzungsbereich, Flächen für den ruhenden Verkehr sowie einen Radfahrstreifen im Gehwegbereich. Verkehrsbelastungen Die Baumschulenstraße weist in den untersuchten Abschnitten zwischen Köpenicker Landstraße im Nordosten und Sonnenallee im Südwesten eine Verkehrsbelastung zwischen 15.000 Kfz/24h und 17.000 Kfz/24 h auf.
Abbildung 2: Verkehrsbelastung Analyse, Verkehrszählung 2005 DTV (Kfz/24 h)

Der Lkw-Anteil liegt ohne Busverkehre zwischen 2,9 und 4,5% (500 - 550 Lkw/24 h). Hinzu kommen Busverkehre (216 Busse / 24 h), mit deren Berücksichtigung der Schwerverkehrsanteil zu den Nachtstunden bis 6% ansteigt. Am Tag erreicht er Werte bis 5%.

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Verkehrsströme Die Verkehrsbelastungen auf der Baumschulenstraße resultieren mehrheitlich aus Durchgangsverkehren durch den untersuchten Abschnitt. Eigenverkehre, d.h. Binnenverkehre sowie Quell- und Zielverkehre aus den direkt an die Baumschulenstraße anschließenden Verkehrszellen auf der Strecke machen einen Anteil bis zu 35% an der Verkehrsbelastung aus. Die Verkehrsströme verlaufen überwiegend tangential zwischen A100 und nordöstlichem Stadtgebiet.

Abbildung 3: Verkehrsströme im Durchgangsverkehr, Analyse

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3.2 Lärmbelastungs- und Betroffenheitssituation

Lärm- und Betroffenenanalysen In der ca. 1,7 km langen Konzeptstrecke Baumschulenstraße treten Lärmbelastungen bis zu 72 dB(A) am Tag auf. Die Nachtwerte erreichen bis zu 67 dB(A). Hauptverursacher der Lärmbelastungen in der Baumschulenstraße ist der Straßenverkehr. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit beträgt 50 km/h. Die Fahrbahn ist durchgehend asphaltiert, streckenweise werden durch einen schadhaften Straßenzustand Lärmerhöhungen ausgelöst. Der Anteil des Schwerlastverkehrs (Lkw und Busse) wirkt sich mit bis zu 6% nachts deutlich lärmerhöhend aus (bis 3,6 dB(A)) Im nordöstlichen Bereich queren S-Bahn und Fernbahn die Konzeptstrecke. Die Belastungen von dieser Lärmquelle sind mit der Straßenverkehrslärmkarte nicht quantitativ zu erfassen. Es ist aber davon auszugehen, dass in einem Korridor südlich und nördlich der S-Bahn zusätzliche Lärmbelastungen auftreten. Als Schwellenwerte für die Dringlichkeit von Maßnahmenprüfungen im Lärmminderungsplan Berlin werden zwei Stufen definiert: 1. Stufe: 70 dB(A) tags und 60 dB(A) nachts - bei Überschreitung dieser Werte sollen möglichst kurzfristig Maßnahmen zur Verringerung der Gesundheitsgefährdung ergriffen werden 2. Stufe: 65 dB(A) tags und 55 dB(A) nachts - diese Werte wurden von der Lärmwirkungsforschung als gesundheitsrelevante Schwellenwerte ermittelt und dienen im Rahmen der Vorsorge als Zielwerte für die Lärmminderungsplanung. Neben den Lärmpegeln wurde auch die Anzahl der vom Straßenverkehrslärm betroffenen Anwohner auf Grundlage der in der Straßenverkehrslärmkarte angegebenen Anwohnerzahlen abgeschätzt. Der Schwellenwert der ersten Stufe von 70 dB(A) am Tag wird an 1,7 km bebauten Abschnittsseiten überschritten (73%). Hiervon sind 629 Anwohner betroffen (80%). Der Schwellenwert der zweiten Stufe von 65 dB(A) am Tag wird an 95% der bebauten Abschnittsseiten überschritten. Hiervon sind 763 Anwohner betroffen (97%). Der Schwellenwert der ersten Stufe von 60 dB(A) in der Nacht wird an 2,3 km bebauten Abschnittsseiten überschritten (95%). Hiervon sind bereits 97% der Anwohner betroffen. Der Schwellenwert der zweiten Stufe von 55 dB(A) in der Nacht wird ebenfalls an 95% aller bebauten Abschnittsseiten überschritten.

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Ein Vergleich mit den Werten für gesamt Berlin zeigt, dass die Lärmbelastungen in der Baumschulenstraße erheblich über den gesamtstädtischen Werten liegen.

Abbildung 4: Mittelungspegel an der Bebauung, Tag, Analyse

Abbildung 5: Mittelungspegel an der Bebauung, Nacht, Analyse

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Lärmkennziffer Die Lärmkennziffer (LKZ) ist eine geeignete Kenngröße zur Beschreibung von Lärmbetroffenheiten, weil sie die oben beschriebenen Parameter Mittelungspegel und Betroffenenpotentiale zusammenführt. Sie wird mit folgender Formel berechnet:
LKZ = Betroffene * (Mittelungspegel - Schwellenwert) / 100 m Straßenlänge.

Hohe Lärmkennziffern treten also vor allem dort auf, wo hohe Einwohnerdichten und hohe Lärmpegel zusammentreffen. Bezogen auf die Schwellenwerte der Stufe 2 (65 / 55 dB(A)) erreichen die Lärmkennziffern Werte bis zu 623 am Tag und 976 in der Nacht.
Abbildung 6: Lärmkennziffer Nacht der 2. Stufe (55 dB(A))

3.3

Qualitäts-Indikatoren-System

An den HotSpot-Abschnitten der Lärmbelastung (Lärmkennziffer der 2. Stufe (Schwellenwert 65/55 dB(A)), LKZ > 250) wurde eine weitergehende Konfliktanalyse und Prioritätenbildung für lärmmindernde Maßnahmen erarbeitet. Dies erfolgt mit Hilfe eines Qualitäts-Indikatoren-Systems, in dem verschiedene Zielsysteme zur Bewertung zusammengeführt werden. Die Baumschulenstraße weist bei einer Bewertung nach dem Qualitäts-Indikatoren-System einen Zielerreichungsgrad zwischen 51 und 67% auf. Gegenüber dem Untersuchungsnetz in Berlin ist der Zielerreichungsgrad unterdurchschnittlich.

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Abbildung 7: Gewichtete Bewertung nach dem QualitätsIndikatoren-System, Analyse

Im einzelnen führen folgende Faktoren zur Bewertung, die bei Bestandsaufnahmen vor Ort weiter spezifiziert werden konnten: Die höchste Lärmbetroffenheit tritt im Abschnitt der Baumschulenstraße nördlich der Bahnlinie sowie zwischen Frauenlobstraße und Südostallee auf. Hier treffen die Lärmbelastungen auf eine dichte Wohnbebauung. Um den S-Bahnhof Baumschulenweg und südlich anschließend betreffen die hohen Lärmbelastungen auch die intensiven Straßenraumnutzungen in diesem Bereich. Nördlich der S-Bahn und südlich der Kiefholzstraße ist die Betroffenheit aufgrund von erhöhten Luftschadstoffbelastungen am größten. Aufgrund der breiten Fahrbahnflächen (bis 12 m) ist der Abstand der Fahrbahnränder zur Bebauung gering sowie das Verhältnis von Fahrbahnen zum Straßenraum ungünstig. Die Ausstattung mit Radverkehrsanlagen ist zwar in 100% der Abschnitte gegeben, aber durch die Lage im Gehwegbereich konfliktträchtig und z.T. von nicht ausreichender Dimensionierung und Qualität. Die Grünausstattung mit Bäumen ist in vielen Teilen der Baumschulenstraße unterbrochen.

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4 4.1 Bereits vorhandene Planungen Städtebauliche Planungen und Vorhaben

Für den Bereich der Konzeptstrecke Baumschulenstraße liegen keine städtebaulichen Planungsvorhaben vor. Im betrachteten Abschnitt zwischen S-Bahn und Kiefholzstraße ist die Baumschulenstraße nach StEP Zentren 2020 als Ortsteilzentrum eingestuft, in dem Handlungsbedarf zur Aufwertung des öffentlichen Raums besteht.

4.2

Verkehrliche Vorhaben

Für die verkehrliche Entwicklung in der Baumschulenstraße sind folgende Infrastrukturprojekte im Umfeld relevant: Weiterbau der A 113 bis zur Landesgrenze (bis 2008) Südostverbindung (SOV) / Spreequerung zwischen Rummelsburger Landstraße und Schnellerstraße (bis 2011) und Begradigung der Späthstraße (voraussichtlich nach 2015) Weiterbau der A 100 bis zur AS Treptower Park (bis 2016) Diese Projekte sind bei der Ermittlung der zukünftigen Verkehrsbelastungen berücksichtigt. Langfristig (nach 2015) ist der Weiterbau der Südostverbindung (SOV) zwischen Schnellerstraße und Späthstraße vorgesehen. In der Baumschulenstraße wird im Rahmen der Tempo 30 Konzeption nachts eine Geschwindigkeitsreduzierung im gesamten Abschnitt von Köpenicker Landstraße bis zur Sonnenallee umgesetzt.

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4.3 Prognose Nullfall LMP

Der Prognose-Nullfall LMP (Lärmminderungsplan) beschreibt, welche Entwicklung der Lärmbelastung zu erwarten ist, wenn die vorliegenden Planungen und Maßnahmen umgesetzt werden. Im Prognose-Nullfall LMP werden die oben beschriebenen infrastrukturellen und verkehrsorganisatorischen Maßnahmen berücksichtigt, deren voraussichtlicher Umsetzungshorizont im Geltungszeitraum des Lärmaktionsplanes (bis 2015) liegt. Maßnahmen, die in komplexen Wirkungszusammenhängen auf die Verkehrszusammensetzung und den Modal-Split Einfluss nehmen können (z.B. Parkraumbewirtschaftung, Radverkehrsstrategie ...) können in diesem Arbeitsschritt nicht quantitativ berücksichtigt werden. Entwicklung der Verkehrsbelastung Im Prognose-Nullfall LMP werden alle drei vorne genannten Infrastrukturprojekte (A 113, SOV, A 100) als umgesetzt betrachtet. Weiterhin werden Infrastrukturprojekte, die im Zuge der Befassung mit dem Konzeptgebiet Ober- und Niederschöneweide noch genannt wurden, noch berücksichtigt.1 Unter den beschriebenen Voraussetzungen werden Abnahmen der Verkehrsbelastung zwischen 14 und 21% prognostiziert.
Abbildung 8: Zu erwartende Entwicklung im Prognose-Nullfall LMP Zu-/Abnahmen in % gegenüber Analyse

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Die Wilhelminenhofbrücke war in der Erstberechnung des Prognose-Nullfalls, auf den auch die Lärmberechnungen beruhen, nicht enthalten. Die Blockdammwegbrücke war bereits im Analysevergleichsmodell enthalten, obwohl sie zum Zeitpunkt der Verkehrszählungen (und auch bis 2007) nicht erstellt war. Aufgrund dieser Änderungen enthält der hier beschriebene und den Planungen zugrundeliegende Prognose-Nullfall leichte Abweichungen gegenüber den Darstellungen vom Mai 2007

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In einem Zwischenzustand (2011-2016) mit dem Bau der SOV, aber vor Bau der A 100 sind tendenziell leichte Zunahmen der Verkehrsbelastungen auf der Baumschulenstraße zu erwarten (bis 12%). Entwicklung der Lärmbelastungs-Situation Die Entwicklung der Verkehrsbelastung im Prognose-Nullfall LMP bis 2015 sowie die Tempo-30-Planung ist in den Lärmberechnungen zum PrognoseNullfall berücksichtigt. Gegenüber der Analyse können die Lärmbelastungen um bis zu 3,8 dB(A) nachts gesenkt werden. Am Tag liegt der Rückgang bei bis zu etwa 1 dB(A). Trotz der Entlastungen sind die Lärmbelastungen mit 60 bis 65 dB(A) in vielen Abschnitten der Baumschulenstraße weiterhin hoch. Die erwartete Entwicklung der Lärmbelastung im Prognose-Nullfall LMP ist in Abbildung 9 dargestellt.
Abbildung 9: Mittelungspegel an der Bebauung, Nacht, Prognose-Nullfall LMP

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Abbildung 10: Pegeldifferenz Prognose-Nullfall LMP zu Analyse, Nacht

Qualitäts-Indikatoren-System Im Prognose-Nullfall LMP kann auch die Bewertung nach QualitätsIndikatoren-System insbesondere durch die Einrichtung von Tempo 30 nachts und der damit verbundenen deutlichen Lärmminderung erheblich verbessert werden. Die Bewertungsspinne zum Qualitäts-Indikatoren-System im Prognose-Nullfall LMP ist mit den Vergleichswerten der Analyse in Abbildung 11 dargestellt.
Abbildung 11: Bewertungspinne nach dem Qualitäts-Indikatoren-System

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5 Lärmminderungsplanung für die Konzeptstrecke Baumschulenstraße

Die Maßnahmenvorschläge zur Baumschulenstraße berücksichtigen, dass diese bis zum Bau des letzten Abschnittes der SOV weiterhin die Funktion einer übergeordneten Straßenverbindung besitzt. Die verkehrliche Funktion soll erhalten werden, gleichzeitig müssen die Auswirkungen der Verkehrsbelastungen gemindert werden. Die bereits geplante Einrichtung von Tempo 30 nachts ist hierzu ein wesentlicher Beitrag für diesen Zeitraum. Aufgrund der langfristig geänderten Verkehrsfunktion wird vorgeschlagen, in der Baumschulenstraße Interimslösungen für den Straßenraum zu entwickeln, die kurzfristig umsetzbar sind und einer grundsätzlichen Umgestaltung dieser Straße nach dem Bau des letzten Abschnitts der SOV nicht entgegenstehen.

5.1

Verkehrslenkende und verkehrsorganisatorische Maßnahmen

Mit dem Bau der SOV sind, insbesondere vor Bau der A 100, tendenziell Zunahmen der Verkehrsbelastungen auf der Baumschulenstraße zu erwarten. Um die Attraktivität der Baumschulenstraße für durchfahrende Verkehre möglichst gering zu halten, wird empfohlen, die Tempo 30 nachts - Regelung auf ganztags auszuweiten. Dies sollte zeitgleich mit der Inbetriebnahme der SOV erfolgen. Als prioritär wird eine Erweiterung der Tempo 30 - Regelung auf den Tageszeitraum für den Abschnitt Köpenicker Landstraße / S-Bahn bis Volkshochschule eingestuft. In diesem Bereich sind mit der Einzelhandelskonzentration und dem S-Bahnhof auch die Anforderungen an die Aufenthaltsqualität im Straßenraum und an die Verkehrssicherheit beim Queren der Straße erhöht. Aber auch in den südlichen Abschnitten bestehen Anforderungen an die Umfeldqualität aufgrund der hohen Wohnnutzung sowie in Haltestellenbereichen. Auch für diese Abschnitte wird die Prüfung einer Temporeduzierung auf 30 km/h empfohlen.

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5.2 Straßenräumliches Konzept

Ziele des straßenräumlichen Konzeptes Die Vorschläge für ein straßenräumliches Konzept verfolgen insbesondere die Ziele Verkehrsflächenreduzierung (Fahrbahnbreite im Bestand knapp 12 m) Straßenraumgestaltung Verbesserung der Aufenthaltsqualität Verbesserung der Situation für den Radverkehr Verbesserung der Haltestellensituationen Vergrößerung des Abstandes der Bebauung zur Fahrbahn.

Konkretisierung und Umsetzung der straßenräumlichen Maßnahmen Mit dem straßenräumlichen Konzept werden grundsätzlich geeignete Maßnahmen zur Verminderung der Lärmbelastungen in der Baumschulenstraße aufgezeigt. Die vorgeschlagenen Maßnahmen zur Verminderung der Lärmbelastungen stellen einen Planungsvorschlag dar und sind nicht abschließend. Vor einer Maßnahmenumsetzung sind detaillierte weitere Untersuchungen notwendig. Die dargestellten Vorschläge müssen auf Realisierbarkeit im gesamten Streckenverlauf überprüft und konkretisiert werden. Insbesondere für die Knotenpunkte sind Untersuchungen zur Sicherstellung der Leistungsfähigkeit noch zu erarbeiten. Die geeignete Vorgehensweise zur Konkretisierung der Planungsvorschläge wurde im Rahmen der Lärmaktionsplanung für 4 Beispielstrecken aufgezeigt. Diese ist auch bei einer Umsetzungsplanung für die Baumschulenstraße zu berücksichtigen.

Abschnittsbildung und Varianten Auf die unterschiedlichen Nutzungen und Umgestaltungsvoraussetzungen in den Abschnitten der Baumschulenstraße soll mit unterschiedlichen Querschnittsgestaltungen reagiert werden. Die Straße wird bezüglich der Umgestaltungsvorschläge insgesamt in drei Abschnitte unterteilt: Köpenicker Landstraße - Volkshochschule (Geschäftsbesatz, Bushaltestelle) Volkshochschule - Frauenlobstraße (Bushaltestelle) Frauenlobstraße - Sonnenallee (dichte Wohnnutzung)

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Einen wesentlichen Einfluss auf die Umgestaltungsvorschläge hat die Beibehaltung des Radweges auf Gehwegniveau in der Variante A. Dies ist nur zum Teil planerisch begründet, darüber hinaus auch der Tatsache geschuldet, dass Teile des Radwegs erst vor 5-6 Jahren baulich angelegt wurden. Langfristig ist eine Überplanung der Radverkehrsanlagen möglich, im Rahmen einer Interimslösung sollen auch Lösungen mit Beibehaltung dieser Radwegeführung angeboten werden. Variante A zeigt damit insbesondere kurzfristig umsetzbare Maßnahmen auf, die sich an langfristigen Zielvorstellungen der Umgestaltung orientieren. Die Umsetzung der Maßnahmen in Variante B sollen mittel- bis langfristig angestrebt werden. Es ist aber auch denkbar, Teilaspekte oder Teilabschnitte der Variante B bereits kurzfristig umzusetzen (z.B. Radverkehrsanlagen auf der Fahrbahn im Abschnitt mit Geschäftsbesatz). Ein Überblick über die vorgeschlagenen straßenräumlichen Maßnahmen geben Karte 1 und Karte 2.
Karte 1: Konzeptstrecke Baumschulenstraße - Straßenräumliches Konzept, Variante A (Beibehaltung der Radwegeführung im Gehwegbereich)

Karte 2: Konzeptstrecke Baumschulenstraße - Straßenräumliches Konzept, Variante B (mit durchgehenden Angebotsstreifen)

Abschnitt Köpenicker Landstraße bis Volkshochschule Dieser Abschnitt ist durch intensive Geschäftsnutzung geprägt. Damit verbunden ist eine Flächeninanspruchnahme von Geschäftsauslagen im Seitenbereich, die zu Engpässen auf dem Gehweg und Konflikten mit dem Radverkehr führen. Darüber hinaus besteht durch die Randnutzungen und die Bushaltestelle im Abschnitt ein erhöhter Querungsbedarf. Die Fahrbahnflächen sind für eine einspurige Verkehrsführung überdimensioniert. Maßnahmenvorschläge in der Variante A sind Erweiterung des schmalen Parkstreifen in die Fahrbahn durch Abmarkierung zur Verbesserung der Bedingungen für den Lieferverkehr bei gleichzeitiger Sicherung des Seitenbereiches für den Rad- und Fußgängerverkehr. Abmarkierung bzw. provisorische Anlage von Mittelinseln zur Unterstützung eines verträglichen Geschwindigkeitsniveaus und zur Verbesserung der Überquerbarkeit in Höhe Glanzstraße, Bushaltestelle, Ernststraße und Volkshochschule (Fußgängerfurt, wird beibehalten). Ggf. streckenweise Abmarkierung eines Mittelstreifens zwischen den Mittelinseln (Aufstellfläche für Linksabbieger außerhalb lichtsignalgeregelter Kreuzungen, Verfügungsfläche zur Vorbeifahrt an stehenden Fahrzeugen auf der Fahrbahn).

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Abbildung 12: Querschnitt Baumschulenstraße zwischen S-Bahn und Volkshochschule - Bestand

Abbildung 13: Querschnitt Baumschulenstraße zwischen S-Bahn und Volkshochschule - Umgestaltungsvorschlag, Variante A

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Maßnahmenvorschläge in der Variante B sind Verlegung des Radwegs vom Gehwegbereich auf die Fahrbahn (Angebotsstreifen) mit Anpassung der Radverkehrsführung in den Knotenpunktsbereichen Freihalten des Angebotsstreifens für den Radverkehr von Liefern / Parken durch Einrichten von Lieferzonen (ggf. auch temporär) auf dem Parkstreifen Verbesserung des Parkstreifens für den Lieferverkehr in Lieferzonen durch Verbreiterung / Nutzung des „ehemaligen“ Schutzstreifens zwischen Parkstreifen und Radweg punktuelle Maßnahmen / Aufmerksamkeitszonen z.B. in Bereichen mit Fußgängerquerungen bzw. erhöhtem Querungsbedarf (mögliche Maßnahme Mittelinsel siehe auch Variante A)
Abbildung 14: Querschnitt Baumschulenstraße zwischen S-Bahn und Volkshochschule - Umgestaltungsvorschlag, Variante B

In der Variante A sind unter Berücksichtigung der empfohlenen Tempo 30 Regelung Lärmminderungen insbesondere durch die Geschwindigkeitsdämpfung in Verbindung mit einer Verstetigung des Verkehrsflusses erreichbar. Diese liegen bei bis zu 3 dB(A) durch Tempo 30 und zusätzlich bei bis zu 2 dB(A) durch die Verkehrsverstetigung. In der Variante B ist das Lärmminderungspotential vergleichbar. Eine Reduzierung der Lärmpegel durch die Konzentration des fließenden Kfz-Verkehrs in der Fahrbahnmitte ist aufgrund des engen Straßenraums lediglich in einer Größenordnung von 0,2 bis 0,3 dB(A) möglich.

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Abschnitt Volkshochschule bis Frauenlobstraße Der Abschnitt südlich der Volkshochschule zeichnet sich durch Wohnbebauung aus. Nördlich der Frauenlobstraße befindet sich eine Bushaltestelle. Der Radweg südlich der Kiefholzstraße wurde erst vor 5-6 Jahren im Gehwegbereich baulich angelegt (Betonverbundsteine), eine Verlegung des Radverkehrs in den Fahrbahnbereich ist kurzfristig nicht gewünscht. Dies wird in Variante A berücksichtigt (Beibehaltung des Radweges), während die mittel- bis langfristig anzustrebende Variante B die Möglichkeiten bei Verlegung des Radverkehrs in den Fahrbahnbereich darstellt. In Variante A werden zur punktuellen Reduzierung der überdimensionierten Fahrbahnen in diesem Abschnitt folgende Maßnahmen vorgeschlagen: Abmarkierung der Haltestellenbereiche nördlich der Frauenlobstraße auf der Fahrbahn und Abmarkierung bzw. provisorische Anlage einer Mittelinsel (Querungshilfe) zwischen den Bushaltestellen zur Verbesserung der Überquerbarkeit In Variante B können die punktuellen Maßnahmen zur Geschwindigkeitsdämpfung ebenfalls umgesetzt werden, mit der durchgehenden Reduzierung der Fahrbahnbreiten durch den Angebotsstreifen für den Radverkehr kann die Wirksamkeit der Maßnahmen noch verstärkt werden.
Abbildung 15: Querschnitt Baumschulenstraße zwischen Volkshochschule und Frauenlobstraße - Bestand

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Abbildung 16: Querschnitt Baumschulenstraße zwischen Volkshochschule und Frauenlobstraße - Umgestaltungsvorschlag, Variante A

Abbildung 17: Querschnitt Baumschulenstraße zwischen Kiefholzstraße und Frauenlobstraße - Umgestaltungsvorschlag, Variante B

Die mit den beschriebenen Maßnahmen erreichbaren Lärmminderungspotentiale sind vergleichbar mit denen des vorne dargestellten Abschnitts zwischen Köpenicker Landstraße und Volkshochschule.

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Abschnitt Frauenlobstraße bis Sonnenallee Dieser Abschnitt ist durch reine Wohnbebauung geprägt. Die Radverkehrsanlagen sind wie im Abschnitt zwischen Kiefholzstraße und Frauenlobstraße vor 5-6 Jahren baulich im Gehwegbereich angelegt worden und sollten kurzfristig nicht auf die Fahrbahn verlegt werden. Bei Beibehaltung der Radwegeführung im Gehwegbereich wird zur Reduzierung der Fahrbahnbreiten die Abmarkierung von Parkplätzen in Schrägaufstellung empfohlen. Dadurch kann auch der Abstand zur Bebauung vergrößert werden. Die Parkplätze in Schrägaufstellung sollen in geeigneten Abständen - an Baumstandorten unterbrochen werden, um die Überquerbarkeit der Straße zu ermöglichen. An der Einmündungen zur Frauenlobstraße, Wohlgemuthstraße und Schraderstraße sowie an gegenüberliegenden Unterbrechungen der Parkstände sollen die Parkstände frühzeitig für Gehwegvorstreckungen unterbrochen werden. Dies dient auch der Sicherheit der hinter den Parkständen geführtem Radverkehr.

Abbildung 18: Querschnitt Baumschulenstraße zwischen Frauenlobstraße und Sonnenallee - Bestand

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Abbildung 19: Querschnitt Baumschulenstraße zwischen Frauenlobstraße und Sonnenallee - Umgestaltungsvorschlag, Variante A

Bei Verlegung der Radverkehrsführung in den Fahrbahnbereich (Variante B) kann ein weitestgehend identischer Schnitt wie zwischen S-Bahn und Volkshochschule umgesetzt werden. Die mit den beschriebenen Maßnahmen erreichbaren Lärmminderungspotentiale sind vergleichbar mit denen des vorne dargestellten Abschnitts zwischen Köpenicker Landstraße und Volkshochschule. In allen Abschnitten sollen zudem die Baumpflanzungen im Parkstreifen in den lückenhaften Bereichen ergänzt werden.
Plan 1: Lageplan Baumschulenstraße zwischen Köpenicker Landstraße und Sonnenallee, Variante A mit teilweise Radverkehrsführung auf bestehendem Radweg (Ausschnitte)

Plan 2: Lageplan Baumschulenstraße zwischen Köpenicker Landstraße und Sonnenallee, Variante B mit durchgehender Radverkehrsführung auf Angebotsstreifen (Ausschnitte)

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Tabelle 1: Steckbrief Baumschulenstraße - Köpenicker Landstraße bis Sonnenallee

Straße Abschnitt(e)

Baumschulenstraße Köpenicker Landstraße bis Sonnenallee

Verkehrsbelastung und Verkehrsbedeutung Lärmbelastung Analyse Betroffenheit Analyse Ergebnisse QualitätsIndikatoren-System Maßnahmen PrognoseNullfall Wirkungen Maßnahmen PrognoseNullfall LMP

DTV (Zählung 2005): 15.000 - 17.000 Kfz/24 h Tangentiale Verkehrsverbindung und Zubringer zur A 113 Lm Tag Analyse 2005 56-72 dB(A) Lärmkennziffer LKZ_N_55: 13 - 978 überbreite Fahrbahnen, unzureichende Radwege auf Gehewegniveau, geringer Abstand Wohngebäude - Fahrbahn, ungünstige Straßenraumaufteilung Weiterbau der Autobahnen A 113 und A 100, Bau der SOV (Spreequerung); Tempo 30 nachts Abnahme der Verkehrsbelastungen um 14 - 21% Abnahme der Lärmbelastungen tags um 0,3 bis 1,2 dB(A) Abnahme der Lärmbelastungen nachts um 0,9 - 3,8 dB(A) Lm Tag Prognose-Nullfall LMP 56-72 dB(A) Lm Nacht Prognose-Nullfall LMP 47-63 dB(A) Lm Nacht Analyse 2005 50 - 67 dB(A)

Prüfung der Erweiterung der Tempo 30 nachts-Regelung auf ganztags im Abschnitt der Baumschulenstraße zwischen Köpenicker Landstraße und Volkshochschule (1. Priorität) sowie Volkshochschule und Sonnenallee (2. Priorität). Straßenräumliche Maßnahmen als Interimslösung (vorrangig Markierungen), Maßnahmenempfehlung differenziert nach Randbedingungen: Aktionsplan - in Variante A unter Beibehaltung der Radverkehrsführung in den Seitenbereichen, Lärmminderung überwiegend punktuelle Maßnahmen zur Dämpfung des Geschwindigkeitsniveaus sowie zur Verbesserung der Überquerbarkeit und der Haltestellensituation Abmarkieren von Schrägparkplätzen (südl. Abschnitt) - in Anlage B Anlage eines Angebotsstreifens für den Radverkehr auf der Fahrbahn, Anlage von Lieferzonen im nördlichen Abschnitt Reduzierung der Lärmbelastungen bei Einführung Tempo 30 ganztags um 2-3 dB(A), Wirkungen Lärmminderungspotentiale der straßenräumlichen Maßnahmen in Abhängigkeit von Maßnahmen Aktionsplan Variante und Geschwindigkeitsniveau zwischen 1 dB(A) und 2,3 dB(A) Lärmminderung (durch Verkehrsverstetigung und Abstandsvergrößerung); Reduzierung der Spitzenpegel durch Verkehrsverstetigung Umsetzungsempfehlungen Die Umsetzung der Tempo 30 - Regelung ganztags sowie der straßenräumlichen Maßnahmen soll mittel- bis langfristig, möglichst zeitgleich mit der Realisierung der Südostverbindung SOV (1. Abschnitt) erfolgen Verkehrsreduzierung in der Baumschulenstraße durch Bau des mittleren Abschnittes der Südostverbindung. Rückbau der Baumschulenstraße auf eine zweispurige Straße mit deutlicher Verbesserung der Aufenthaltsqualität in den Seitenräumen.

Prüfaufträge langfristige Planungen

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5.3 Umsetzungskonzept

Die in den vorangegangenen Kapiteln dargestellten, generell sinnvollen Maßnahmen zur Lärmminderung sind nach kurzfristig umsetzbaren Maßnahmen (Stufe 1) und mittel- bis langfristigen Maßnahmenoptionen (Stufe 2) zu differenzieren. Die Umsetzung der kurzfristigen Maßnahmen der Stufe 1 wurde bereits in unterschiedlichen Verfahren begonnen, deren Umsetzung im Zeitraum 2008 2012 sollte angestrebt werden. Hierzu ist die Weiterführung der Planungsund Abstimmungsverfahren und die Sicherstellung der Finanzierung notwendig. Die kurzfristigen Maßnahmen der Stufe 1 werden in das Maßnahmenprogramm zum Lärmaktionsplan übernommen. Bei den mittel- bis langfristigen Maßnahmeoptionen sind dagegen noch umfangreiche Prüfbedarfe vorhanden, die im Rahmen der Lärmaktionsplanung nicht abschließend geklärt werden konnten. Weiterhin sind einige dieser Maßnahmeoptionen auch vor dem Hintergrund noch ausstehender Erfahrungen erneut einer grundsätzlichen Prüfung und Konkretisierung zu unterziehen: Die Einrichtung von Tempo 30 Anordnungen stellt einen höchst wirksamen und effizienten Beitrag zur Reduzierung der Lärmbelastung dar, gleichwohl führt diese Regelung aber auch zu einer Veränderung der Qualität für den Kfz-Verkehr. Mit der beschlossenen und derzeit in Umsetzung befindlichen Einrichtung umfangreicher Tempo 30 nachts Regelungen kann an diesen Straßen ein deutlicher Beitrag zur Reduzierung der Lärmbelastung nachts geleistet werden. Der für die Baumschulenstraße dargestellte Prüfauftrag zur Einrichtung von Tempo 30 ist daher als mittel- bis langfristige Maßnahmenoption formuliert. Dieser soll weiterverfolgt werden, wenn für die einzurichtenden Tempo 30 Strecken im Rahmen der vorgesehenen Begleituntersuchungen eine positive Wirkung ermittelt wurde. Vor der Umsetzung der empfohlenen Tempo 30 Regelung sind im Rahmen des erforderlichen Prüfverfahrens die straßenverkehrsrechtlichen Voraussetzungen (Überschreitung der Richtwerte) anhand aktuell zu erhebender Daten zur Verkehrsbelastung zu überprüfen. Weiterhin ist zu prüfen, ob Belange des ÖPNV betroffen sind und die geplante Regelung mit bestehenden bzw. einzurichtenden LSA-Schaltungen kompatibel ist. Vor einer Detaillierung und Umsetzungsvorbereitung der vorgeschlagenen straßenräumlichen Maßnahmen sollen mögliche Bearbeitungsschritte zur Umsetzung straßenräumlicher Maßnahmen zur Lärmminderung an 4 Beispielstrecken erarbeitet und eine übertragbare Vorgehensweise aufgezeigt werden. Diese wird den Bezirken zur weiteren Maßnahmendetaillierung zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus sollen mit der Umsetzung beispielhafter Maßnahmen

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Erfahrungen zu den verkehrlichen Effekten und den Lärmwirkungen gesammelt werden. Für die Konzeptstrecke Baumschulenstraße wird als kurzfristig mögliche Maßnahme ausschließlich die Umsetzung der bereits in Planung befindlichen Tempo 30 nachts - Regelung gesehen.
Tabelle 2: Umsetzungskonzept - kurzfristige Maßnahmenvorschläge (Stufe 1)

Verkehrsorganisatorische Maßnahmen Verkehrsablauf Baumschulenstraße zwischen Köpenicker Landstraße und Sonnenallee Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h nachts (in Planung / in Umsetzung)

Die entwickelten straßenräumlichen Maßnahmen sollen mittel- bis langfristig konkretisiert und weiter abgestimmt werden. Die Umsetzung der Maßnahmen sollte parallel zur Realisierung des ersten Abschnittes der Südostverbindung SOV zur Vermeidung bzw. zum Ausgleich ggf. auftretender Belastungszunahmen erfolgen.
Tabelle 3: Umsetzungskonzept - mittel- bis langfristige Maßnahmenoptionen (Stufe 2)

Straßenräumliche Maßnahmen in der Baumschulenstraße - Variante A Verbreiterung Parkstreifen zur Verbesserung der Abschnitt Köpenicker Landstraße bis Volkshochschule Lieferbedingungen; Abmarkierung bzw. provisorische Anlage von mehreren Mittelinseln; streckenweise Abmarkierung einer Verfügungsfläche in Mittellage (Mittelstreifen) Abschnitt Volkshochschule bis Frauenlobstraße Abschnitt Frauenlobstraße bis Sonnenallee Reduzierung Fahrbahnflächen durch Abmarkierung der Haltestellenbereiche; Anlage einer Mittelinsel zwischen den Bushaltestellen Neuordnung Parken durch Abmarkierung von Schrägparkplätzen; Anlage von Gehwegvorstreckungen

Straßenräumliche Maßnahmen in der Baumschulenstraße - Variante B alle Abschnitte Abschnitt Köpenicker Landstraße bis Volkshochschule Abschnitt Volkshochschule bis Frauenlobstraße Anlage einer Mittelinsel zwischen den Bushaltestellen Verlegung des Radwegs vom Gehwegbereich auf die Fahrbahn (Anlage von Angebotsstreifen) Einrichtung von Lieferzonen auf dem (verbreiterten) Parkstreifen Anlage einer Mittelinsel Höhe Ernststraße

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5.4 Wirkungsanalysen 5.4.1 Verkehrliche Wirkungen
Die zu erwartenden verkehrlichen Wirkungen der straßenräumlichen Maßnahmen sind gering. Auch unter Berücksichtigung einer niedrigeren Kapazität in den Streckenabschnitten der Baumschulenstraße sind nach Berechnungen im Verkehrsmodell keine relevanten Verkehrsverlagerungen zu erwarten. An den für die Kapazität maßgebenden Knoten sind weiterhin Aufstellflächen für Abbiegevorgänge vorhanden. Die zu erwartenden Verkehrsbelastungen in der Baumschulenstraße sind in Wechselwirkung mit den Maßnahmen in Ober- und Niederschöneweide (siehe Berichtsentwurf zu diesem Konzeptgebiet) zu bewerten: Bei einer höheren Belastung der SOV sind tendenziell höhere Verkehrsmengen in der Baumschulenstraße zu verzeichnen. Verkehrsmodellberechnungen haben eine Zunahme der Verkehrsbelastungen um etwa 12% ergeben. Mit der Umsetzung von Tempo 30 tags wird angestrebt, die Attraktivität der Baumschulenstraße für durchfahrende Verkehre zu verringern. Damit soll vermieden werden, dass mit der Realisierung der Südostverbindung die Verkehre auf der Baumschulenstraße zunehmen bzw. die Zunahme soll möglichst gering gehalten werden. Im Zuge der Realisierung der A 100 können die Zunahmen durch Verlagerungen von Verkehren auf die A 100 ausgeglichen werden.

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5.4.2 Lärmwirkungen
Kurzfristig kann mit der Einrichtung von Tempo 30 nachts in der Baumschulenstraße zwischen Köpenicker Landstraße und Sonnenallee der Lärmpegel um 2-3 dB(A) im Nachtzeitraum gesenkt werden. Mit den mittel- bis langfristig vorgesehenen Maßnahmen können darüber hinaus folgende Lärmminderungspotentiale erschlossen werden: Mit der Einrichtung von ganztags Tempo 30 können neben den verkehrlich angestrebten Wirkungen auch im Tageszeitraum Pegelminderungen zwischen 2 und 3 dB(A) erreicht werden. Ergänzende lärmmindernde Wirkungen hat die mit der Straßenraumgestaltung angestrebte Verlangsamung und Verstetigung des Verkehrsflusses. Die Verstetigung des Verkehrsflusses weist ein Lärmminderungspotential von bis zu 2 dB(A) bei Tempo 30 auf; bei Tempo 50 kann durch Verstetigung des Verkehrsflusses etwa 1 dB(A) Pegelminderung erreicht werden2. Durch die mit der Verkehrsverstetigung verbundene Verringerung von Brems- und Beschleunigungsvorgängen wird auch eine Verringerung der Spitzenpegel erreicht. In der Variante B (und Variante A, Abschnitt Frauenlobstraße bis Sonnenallee) kann mit der Maßnahme Abrücken der Fahrbahn von der Bebauung weitere leichte Pegelminderungen um 0,2 - 0,3 dB(A) erreicht werden. In der nachfolgenden Tabelle werden für die Baumschulenstraße die empfohlenen verkehrsorganisatorischen und straßenräumlichen Maßnahmen sowie die damit verbundene Lärmminderungswirkung in ihrer Stufigkeit der Maßnahmenumsetzung dargestellt. Mit den erreichbaren Lärmminderungen geht auch die Lärmbetroffenheit zurück.

2

die Verstetigung des Verkehrsflusses geht nicht in die rechnerische Ermittlung der Lärmpegel (nach VBUS) ein; unabhängig davon ist der Einfluss des Fahrverlaufes auf den Lärmpegel in verschiedenen Untersuchungen nachgewiesen (vgl. u.a. Umweltbundesamt, Handbuch Lärmminderungspläne, Berlin 1994) und wird bei den nachfolgenden Darstellungen mitberücksichtigt

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Tabelle 4: Maßnahmen in der Baumschulenstraße und Minderungspotential

Variante Variante A

Abschnitt Köpenicker Landstraße Volkshochschule Volkshochschule Frauenlobstraße Frauenlobstraße Sonnenallee

punktuelle straßenräumliche Maßnahmen (u.a. Mittelinseln)

iU iU iU iU iU iU

ml ml ml ml ml ml

ml

ml ml

72 / 66 69 / 63 72 / 67

-- / .. -3 -- / .. -3 -- / .. -3 -- / .. -3 -- / .. -3 -- / .. -3

ml ml ml ml ml ml

Variante B

Köpenicker Landstraße Volkshochschule Volkshochschule Frauenlobstraße Frauenlobstraße Sonnenallee

72 / 66 69 / 63 72 / 67

Entlastungen erst langfristig mit dem Bau des 2. Abschnittes der Südostverbindung mit Umsetzung des 1. Abschnittes der SOV werden leichte Zunahmen bis 12% prognostiziert

i.U.: in Umsetzung ml: mittel bis langfristig umzusetzen (Stufe 2)

Die derzeit möglichen Maßnahmen reichen im nördlichen und südlichen Abschnitt der Baumschulenstraße nicht aus, um den Lärmbelastungspegel unter einen Wert von 60 dB(A) in der Nacht zu senken. Es bleibt weiterhin hoher Handlungsbedarf bestehen, weitere Entlastungen sind erforderlich.

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mittel- bis langfristiges Minderungspotential in dB(A) tags / nachts .. -5 / .. -5 .. -5 / .. -5 .. -5 / .. -5 .. -5 / .. -5 .. -5 / .. -5 .. -5 / .. -5

max. Mittelungspegel 2005 in dB(A) tags / nachts

lineare straßenräumliche Maßnahmen (u.a. Fahrbahnreduzierung, Radverkehrsanlagen)

kurzfristiges Minderungspotential in dB(A) tags / nachts

Prüfung Tempo 30 ganztags

Verkehrsentlastung durch Infrastrukturmaßnahmen

Tempo 30 nachts

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5.4.3 Qualitäts-Indikatoren-System
Die Synergieeffekte der Tempo 30 - Regelungen und straßenräumlichen Maßnahmen werden mit dem Qualitäts-Indikatoren-System im Zuge der gesamtstädtischen Wirkungsanalysen quantifiziert. Im nachfolgenden werden die Synergieeffekte und die damit verbundenen Verbesserungen in den benachbarten Zielfeldern des Qualitäts-IndikatorenSystems qualitativ beschrieben: Positiv auf die subjektive Lärmwahrnehmung wirkt sich - neben den akustischen Effekten - eine Erhöhung des Abstandes der Fahrbahnen zur Bebauung aus. Dies kann in der Variante B mit der Verlegung der Radverkehrsanlagen auf die Fahrbahn ermöglicht werden. Die Vergrößerung des Anteils der Flächen für nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer und die Verbesserung der Aufenthaltsqualitäten kann ebenfalls in Variante B durch die empfohlene Einrichtung von Radverkehrsanlagen erreicht werden. Von großer Bedeutung ist dies im nördlichen Abschnitt der Baumschulenstraße zwischen Köpenicker Landstraße und Volkshochschule, der aufgrund der Geschäftsnutzungen erhöhte Ansprüche an die Straßenraumqualität aufweist. Die angestrebte Verstetigung von Verkehrsabläufen durch die empfohlenen linearen und punktuellen Maßnahmen im Straßenraum führt zur Verringerung von Anfahr- und Bremsvorgängen und wirkt zudem geschwindigkeitsdämpfend, bzw. trägt zur Einhaltung der vorgeschriebenen Geschwindigkeit bei - hierdurch bestehen positive Synergieeffekte zur Luftschadstoffbelastung und auch zur Verkehrssicherheit. Die empfohlenen Gehwegvorstreckungen und ergänzenden Mittelinseln dienen auch der Verbesserung der Verkehrssicherheit für den Fußverkehr. Dies ist zur Erreichbarkeit von Haltestellen sowie im nördlichen Abschnitt mit Geschäftsnutzung und hohem Querungsbedarf von Bedeutung. Mit der Verbesserung der Radverkehrsanlagen durch die Verlegung auf die Fahrbahn erhöht sich (in Variante B) auch die Verkehrssicherheit für den Radverkehr Die Verbesserung der Straßenraumbegrünung durch Ergänzung des Baumbestandes erhöht insbesondere im südlichen Abschnitt zwischen Frauenlobstraße und Sonnenallee die Straßenraum- und Aufenthaltsqualität. Nicht zuletzt wirkt sich die Umgestaltung des Straßenraumes mit einer Aufwertung der Straßenraumqualität positiv auf die Wahrnehmung der Lärmbelastungen aus. Der Zielerreichungsgrad vieler Kriterien des Qualitäts-Indikatoren-Systems kann verbessert werden.

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5.5 Langfristige Lösungsansätze in der Baumschulenstraße

Perspektivisch sind mit dem 2. Abschnitt der Südostverbindung zwischen Markgrafenbrücke und südlichem Ende der Baumschulenstraße grundsätzliche Entlastungen dieser Straßenverbindung möglich. Die Verkehrsmengen können auf unter die Hälfte reduziert werden. Dies ermöglicht Lärmentlastungen um etwa 3 dB(A). Die Belastungen können unter den 1. Schwellenwert gesenkt werden. Weitere Entlastungspotentiale sind mit der Abstufung zu einer Ergänzungsstraße möglich. Mit dem Rückbau der Baumschulenstraße sollten folgende Maßnahmen in Angriff genommen werden: Die Radverkehrsführung sollte in allen Abschnitten in den Fahrbahnbereich verlegt werden (siehe Variante B). Je nach Verkehrsbelastung ist hierbei zu prüfen, ob für die Führung des Radverkehrs dann eine entsprechende Flächenzuweisung erforderlich ist. Die Einrichtung von Mittelinseln zur verbesserten Erreichbarkeit der Haltestellen soll angestrebt werden. Im Kreuzungsbereich sind angepasste Lösungen zu suchen. Die Einrichtung von vorgezogenen Gehwegbereichen an Einmündungen / Querungsstellen soll ebenfalls angestrebt werden. Auch die Knotenpunkte sollen in die Umgestaltung einbezogen werden. Im nördlichen Abschnitt kann aufgrund des Charakters einer Geschäftsstraße neben der grundlegenden Aufwertung der Seitenräume die bauliche Ausbildung eines Mittelstreifens zur Verbesserung der linienhaften Überquerung sinnvoll sein (vgl. Variante A). Im Bereich der Volkshochschule kann neben den durchgehend vorgesehenen linearen Maßnahmen eine bauliche Betonung des Platzbereiches eine Aufwertung ermöglichen. Südlich der Frauenlobstraße ist zur Vergrößerung des Abstandes zur Fahrbahn ggf. die Einrichtung eines durchgehenden Grünstreifens (im Bereich der Baumstandorte) sinnvoll.

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6 Zusammenfassung

Die Baumschulenstraße steht exemplarisch für eine Tangentialverbindung mit mittleren Verkehrsbelastungen in einer dicht bebauten, engen straßenräumlichen Situation. Aufgrund der geschäftlichen Nutzungen bestehen erhöhte Anforderungen an den Straßenraum für Fußgängerverkehr und Aufenthalt. Eine grundsätzliche Entlastung der Baumschulenstraße ist im Geltungsraum des Lärmaktionsplans nicht möglich (erst langfristig mit dem Bau des mittleren Abschnittes der SOV - nach 2015). Im Rahmen der Lärmaktionsplanung geht es darum, unter Berücksichtigung der mittelfristig weiterhin erforderlichen verkehrlichen Funktionen Möglichkeiten der Lärmminderung aufzuzeigen, die die Anforderungen der Umfeldnutzungen berücksichtigen. Auf der Basis einer umfangreichen Analyse der Lärmbelastungssituation und unter Berücksichtigung der wesentlichen Rahmenbedingungen wurden konkrete Maßnahmeempfehlungen zur Lärmminderung für die Konzeptstrecke Baumschulenstraße erarbeitet. Im Vordergrund stehen Interimslösungen straßenräumlicher Maßnahmen, die im Hinblick auf die langfristige Rücknahme der Verkehrsfunktionen und den dann möglichen Rückbau der Baumschulenstraße einen vorläufigen Charakter haben sollen. Mit den entwickelten Maßnahmen sowie ergänzend der Empfehlung, Tempo 30 in der Baumschulenstraße auch ganztags umzusetzen, können Lärmminderungspotentiale zwischen 4 und 5 dB(A) erschlossen werden. Die Maßnahmen sollen mittelfristig - möglichst mit der Realisierung der Südostverbindung SOV umgesetzt werden. Langfristig (nach 2015) kann die Baumschulenstraße mit dem 2. Abschnitt der Südostverbindung zwischen Markgrafenbrücke und südlichem Ende der Baumschulenstraße verkehrlich um etwa 50% des heutigen Verkehrsaufkommens entlastet werden. Die damit verbundenen Lärmminderungspotentiale betragen weitere 3 dB(A).

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