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Soziale Stadtentwicklung - Bilanz Lokale Agenda 21 in Berlin

Full text: Berlin 21 (Rights reserved) Ausgabe 2010,2 Soziale Stadtentwicklung - Bilanz Lokale Agenda 21 in Berlin (Rights reserved)

MAGAZIN FÜR EIN ZUKUNFTSFÄHIGES BERLIN 2/10 STOPP SOZIALE STADTENTWICKLUNG BILANZ LOKALE AGENDA 21 IN BERLIN Soziale Stadtentwicklung Soziale Kohäsion in Gefahr? Berlin für alle — Wie kann das gelingen? Lokale Agenda 21 mit Hindernissen Wie geht es nun weiter? ! MAGAZIN Ausgabe 2/10 · Juli 2010 Editorial Sebastian Stragies verantwortlicher Redakteur n dieser vorerst letzten Printausgabe des Berlin 21 Magazins informieren Sie die Autor/innen über die Themenbereiche „Soziale Stadtentwicklung“ und „Bilanz der LA 21 in Berlin“. Katrin Fleischer informiert Sie auf Seite drei über Vereinsaktivitäten, Kooperationen und neu anstehende Projekte bei Berlin 21. Einen Rück- und Ausblick zur Arbeit des Fachforums Soziale Stadtentwicklung gibt Ihnen auf der Seite vier Norbert Rheinlaender. Oskar Tschörner berichtet auf den Seiten fünf und sechs von den erfreulichen Entwicklungen auf dem StadtGut Blankenfelde. Eva Epple erklärt Ihnen auf der Seite sieben was ein Natursuchpfad ist. Hartwig Berger fordert auf derselben Seite den Aufbruch Berlins in das solare Zeitalter, und Thomas Finger stellt auf den Seiten acht bis neun den Weg hin zu einer nachhaltigen Berliner Zukunft vor. Damit sich auch in der Volkswirtschaftslehre der Gedanke der Nachhaltigkeit durchsetzt, dafür kämpft Holger Rogall schon seit langem. Und nun tragen seine Bemühungen Früchte, wie er Ihnen ab Seite neun zu berichten weiß. Ein Märchen mit Happy End und ganz realem Hintergrund erzählen Ihnen ab der Seite zehn die Verantwortlichen von ReUse-Computer. Marta Mysik berichtet auf Seite zwölf von einem erfolgreich verlaufenden Gemeinschaftsprojekt von id22: und Berlin 21 und Jon Richter stellt Ihnen das Wohnportal Berlin vor. Dass Berlin heute leider nicht mehr für alle zu haben ist, davon erzählt Ihnen Anuschka Guttzeit ab der Seite 14, und der behördliche Umgang mit Bürgerengagement ist das große Thema der leiderprobten Vorsitzenden der AG Gleisdreieck, Elisabeth Meyer-Renschhausen, die Sie ab Seite 15 mitnimmt auf eine Reise in die neue sterile Parklandschaft Berlins, wie sie sich die Planer erträumen. Harald Moritz von der BI Stadtring Süd informiert Sie auf Seite 18 über neue Entwicklungen zur A100-Problematik. Ab der Seite 19 informieren Sie ausgewählte Akteur/innen über den Stand des LA 21 Prozesses in Berlin. Auch geht es hier um die schwierige Situation, in der sich Berlin 21 e.V. seit der unerwarteten und drastischen Mittelkürzung von Senatsseite befindet. Auf den Seiten 27 bis 31 werden Sie auf Veranstaltungen und lesenswerte Literatur hingewiesen. Für die vorliegende Ausgabe des Berlin 21 Magazins haben wieder viele Autor/innen sehr interessante Beiträge geliefert. Ihnen sei an dieser Stelle wie immer herzlich gedankt! Auch diesmal konnten aus Platzgründen nicht alle Artikel aufgenommen werden. Den Leser/innen dieser Sommerausgabe wünsche ich viel Freude bei der Lektüre. Inhalt Soziale Stadtentwicklung. ........................... 4 . StadtGut Blankenfelde................................. 5 TransitionBerlin.............................................. 8 Berlin für Alle................................................ 14 Ade Gleisdreieck........................................... 15 LA 21 mit Hindernissen. ............................... 19 . Tipps............................................................. 27 Katrin Fleischer Berlin 21 bleibt! ie Anhörung im Abgeordnetenhaus zur Agenda 21 Berlin am 14. Juni 2010 bestätigt, dass sich die politisch Verantwortlichen aus dem LA 21-Prozess verabschiedet haben. Sowohl für Frau Junge-Reyer als auch für Frau Katrin Lompscher sind die Konzepte und Handlungsaufträge der Agenda 21 „erfolgreich in die Arbeit der Senatsressorts integriert“ worden. Der Ausschuss lässt zu viele Fragen offen. Eine senatsgeführte Fortsetzung der Agenda 21-Aktivitäten des Senats ist anscheinend nicht mehr erforderlich. Berlin ist also zukunfts­ fähig genug??? Angesichts dieser unerfreulichen politischen Realität und der Schwierigkeiten, mit der Verwaltung förderfähige Projekte zu finden, könnten wir schier verzweifeln. Wie wäre es, wenn die Berliner Regierung nur einen Bruchteil des Betrages und Engagements für nachhaltige Stadtprojekte aufwenden würde, anstatt für die umweltunfreundliche Verlängerung der Autobahn 100 viele Millionen Euro zu verschwenden? Aber hartnäckig wie unsere Protest­ ameise, die sich im Verlaufe der letzten Monate zu unserem Maskottchen entwickelt hat, werden wir als Netzwerk weiterhin viele Nachhaltigkeitsinitiativen unterstützen, vernetzen und neue Projekte initiieren, bei denen möglichst viele Bürgerinnen und Bürger die Metropolenregion Berlin- Brandenburg umweltgerecht mitgestalten können. Frischer Wind kommt aus Großbritannien. Mit der „Transition Town Movement“ sind dort in den letzten drei Jahren in mittlerweile 30 Kommunen und Regionen lokale GraswurzelIni­ iativen entstanden, auch in Berlin, t die nicht mehr länger auf Politik und Verwaltung warten wollen, um die „Autonomie und Widerstandsfähigkeit“ ihres Wohnorts im Hinblick auf die Folgen des Ölfördermaximums zu stärken und ihren „Kohlenstoff-Fußabdruck zu verkleinern“. Deshalb empfehle ich unbedingt das Handbuch von Rob Hopkins zur Energiewende, auch bei uns erhältlich über die beflügelnde_beflügelte Bibliothek. Besonders sehenswert ist das neue Doku-Drama „The Age of Stupid“ (Das Zeitalter der Dummheit) von Armstrong. Im Jahr 2055 wird die Frage gestellt, warum die Menschheit zu I D Impressum MAGAZIN MAGAZIN FÜR EIN ZUKUNFTSFÄHIGES BERLIN Muss aufgrund der Mittelkürzungen von Senatsseite eingestellt werden. Herausgeber Berlin 21 e.V. Redaktion Sebastian Stragies (V.i.S.d.P.) c/o Berlin 21 e.V. Haus der Demokratie Greifswalder Straße 4 10405 Berlin E-Mail: b21magazin@googlemail.com Für den Inhalt der Beiträge im Berlin 21 Magazin sind die jeweiligen Autoren verantwortlich. Die Inhalte der Beiträge müssen nicht unbedingt mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. Eine redaktionelle Bearbeitung von Beiträgen behalten wir uns vor. Redaktionsbeirat Bernhard Glaeser – DGH Katrin Nolting – IZT Dagny Vedder – INE Herstellung Gestaltung, Layout, Titelmontage: Schneider & Hahn GbR · www.schneiderundhahn.de Druck: Laserline Berlin · Auflage: 2.500 Stück Gedruckt auf 100% Recyclingpapier Vertrieb Berlin 21 e.V. Geschäftsstelle Haus der Demokratie Greifswalder Straße 4 10405 Berlin Tel.: 030 - 420 82 363 Fax: 030 - 420 82 380 E-Mail: info@berlin21.net Internet: www.berlin21.net Mitglieder von Berlin 21 e.V. sind automatisch Abonnenten dieses Magazins. Das Berlin 21 Magazin ist prinzipiell kostenlos. Sie können aber auch ein Solidaritäts-Abonnement (20€ pro Jahr) beziehen. In diesem Falle überweisen Sie bitte den entsprechenden Betrag mit dem Kennwort „Magazin“ auf folgende Kontoverbindung: Kontonummer 3 331 200, BLZ 100 20 500, Bank für Sozialwirtschaft dumm war, den Klimawandel aufzuhalten. Geldgier, Bequemlichkeit und mangelnder Weitblick – daran rüttelt Armstrong mit ihrem berührenden Film. Am Beispiel eines Windfarmers und eines Bergführers zeigt sie, dass ein bewussteres Leben für jeden möglich ist. Nicht nur die Konzerne sind aufgefordert, ihre Strategie, die vor allem nach Gewinnmaximierung strebt, radikal zu ändern. Jeder Einzelne muss darüber nachdenken, welchen Beitrag er leisten kann, um die Erde als Lebensraum zu erhalten. Die Initiative  10:10 ist ein internationales Netzwerk, das die Menschen auf dem gesamten Globus für eine jährliche Reduktion der CO2-Emissionen um 10 Prozent vereint. Berlin 21 ist natürlich dabei. Ihr Euch bis zum 15. Oktober auch bei „Ideen Initative Zukunft“ von der Deutschen UNESCO-Kommission und dm drogerie markt bewerben und bis zu 1.000 Euro erhalten. Als Botschaft für die Zukunft schreibt ein Auszubildender der Biolaboranten bei Bayer Schering Pharma AG, bei denen ich vor kurzem in einem Nachhaltigkeitsseminar zu Gast war: „Es macht mir Mut, Menschen wie Euch zu treffen. Tut weiterhin, was Ihr tun könnt, ich tue auch, was ich tun kann.“ In diesem Sinne: „Zukunft lockt und Berlin 21 bleibt!“ Unsere Protestameise hat schon viel Unterstützung bekommen, wie auch die zahlreichen State­ ments zur Mittelkürzung zeigen: Fritz Franke, Regionale Partner­ schaft Barnim-Uckermark aktiv e.V./ Allianz „Mark und Metropole“: „Berlin 21 ist einer der wichtigsten Träger von „Mark & Metropole“ und damit auch der gesellschaftlichen Säule der Regionalmarke VON HIER in den Berliner KAISER‘S Märkten und anderen Vertriebsschienen. Es besteht nunmehr die Gefahr, dass Berlin 21 nicht mehr in der Lage ist, diesen Prozess zielführend zu begleiten und die gesellschaftliche Allianz zusammenbricht. Viel Zeit und Kraft haben die Regionale Partnerschaft und andere gesellschaftliche Kräfte in diesen Prozess investiert.“ Dipl.-Psych. Jasmin Honold, HU Ber­ lin: „Ihr gebt meinen Lieblings-Newsletter heraus, kündigt immer die meisten und spannendsten Projekte und Aktionen an und seid für Berlin eine wirkliche Bereicherung.“ Marta Mysik, Dipl. Sozialwissen­ schaftlerin: „Vereine wie Berlin 21, die den Ideen einer kreativen Stadtentwicklung verpflichtet sind, tragen wesentlich dazu bei, dass Räume der Vielfalt entstehen können, dass Menschen, die tagtäglich ihre Form der Vielfalt leben möchten, ein Forum erhalten um sich auszutauschen und sich bei ihren Problemen zu helfen.“ Jürgen Hans, Wagendorf Lohmüh­ le Kulturbanausen e.V.: „Wer wie der Berliner Senat öffentlich die Förderung einer demokratischen Kultur von unten propagandiert und gleichzeitig den Vereinen, die sich der Forderung dieses Ziels verdient machen, die notwendigen Mittel kürzt, verliert erheblich an politischer Glaubwürdigkeit.“ Fortsetzung auf Seite 23 JETZT INFORMIEREN UND HELFEN: WWW.BERLIN21.NET Wer noch auf der Suche nach einer passenden Strategie für Nachhaltigkeit ist, sollte uns beim nächsten JOUR FIXE der Berliner Nach­ al­ ig­ eits­­ tia­ h t k ini­ tiven in der Neuköllner Siebdruckwerkstatt besuchen. Dort gibt es jede Menge neuer Ideen für eine umweltgerechte Stadtentwicklung. Beim nächsten Mal am 8. Juli um 19:30 Uhr dreht sich alles um Recycling. Immerhin wollen wir in Berlin 100.000 für Nachhaltigkeit gewinnen. Ideen haben wir genug, ob als Raumpioniere mit dem Grünen Gemeinschaftsband auf dem Tempelhofer Feld, mit einer neuen Online-Kampagne zum Mitmachen oder unserer neuen Spielshow „Wer wird Visionär?“ auf der YOU 2010, Europas größter Jugendmesse mit dem diesjährigen Motto „save YOUr planet“. Mit einer zukunftsfähigen Idee könnt 2 3 MAGAZIN Ausgabe 2/10 · Juli 2010 Das Fachforum Soziale Stadtentwicklung Soziale Kohäsion – Ein Rückblick mit Ausblick Norbert Rheinlaender nur wenig miteinander kooperieren. Im Zentrum des gemeinsamen Forschens standen die Fragen: •  Ist die Entwicklung zukunftsfähiger Lebensformen, die soziale Gerechtigkeit mit ökologischer Verantwortung verbinden, nicht eine kreative Herausforderung an die gesamte Gesellschaft? •  Wie gelangen wir zu einer neuen Kultur des Miteinanders, jenseits von Vereinnahmungen – insbesondere der Kunst – und jenseits überkommener Konfrontationslinien? •  Wie lässt sich die in Berlin so vielfältig vorhandene Ressource Kreativität hierfür besser ansprechen und pragmatisch verdichten? Unter den Mitwirkenden des „Zukunftslabors“ stellte sich folgender Konsens ein: Angesichts der derzeitigen Herausforderungen kommt es darauf an, jenseits kurzlebiger, punktueller Kooperationsprojekte neuartige Kooperationsformen und Förderformen zu entwickeln. Zukunftsfähigkeit ist nur dann zu erreichen, wenn Erfahrungen, Ressourcen und Kompetenzen in ein längerfristig strukturiertes Miteinander eingebettet werden. Die erarbeiteten Ideen für diverse Projekte konnten nur z.T. verwirklicht werden (z.B. Tanzkurse an Schulen), längerfristig angelegte Strukturen zerfielen aber bald wieder. Trotz der gemeinsamen Feststellung, dass die größte Dringlichkeit solcher Projekte in großzügiger Finanzierung gesehen wurde, konnte eine neue Förderinstitution nicht geschaffen werden. weniger gewalttätig werden, wenn sie im Alter zwischen 6 und 14 Jahren (also vor dem Jugendlichenalter) nicht überwachte Erfahrungen in der freien Natur im nahen Wohnumfeld machen können, weil sie damit nicht nur Bildungschancen wahrnehmen, sondern auch soziales Lernen praktizieren. So kam mit der pädagogischen Diskussion auch das Thema der Umsetzung in Berlin auf den Tisch. Dabei mussten Versicherungsfragen, kriminologische und verwaltungsrechtliche Fragen vorbereitet, geklärt und vermittelt werden. Deshalb organisierte das Fachforum im September 2008 eine Fachtagung mit den betroffenen Fachämtern (Grün, Umwelt, Jugend, Bildung) und zahlreichen Akteuren in der Stadt (Schulen, Naturschutzvereine, -verbände und Bildungsträger) zum Thema „Wildnis für Kinder – Realisierungschancen für Naturerfahrungsräume in Berlin“. Da in Berlin wohnortnahe Grünflächen von einer angestrebten Mindestgröße von 3 ha kaum zu finden sind, suchen Mitglieder des Fachforums seitdem verwilderte Räume auf Brachflächen, die in Absprache mit den Grundstücksbesitzern für diese Kindererfahrungen gut nutzbar sind  – allerdings in Konkurrenz zu Hundebesitzern. In der Folgezeit wurden einige Flächen vorgeschlagen und ein erster Naturerfahrungsraum mit wissenschaftlicher Begleitung im entstehenden Park am Gleisdreieck und im Landschaftspark Johannisthal realisiert. Weitere Flächen in anderen Innenstadtbezirken sind ins Auge gefasst und könnten realisiert werden (Pankow, Neukölln, Schöneberg, Lichtenberg). Es bedarf aber noch zahlreicher Akteure, die sich als Anwohnereltern, in Freizeitheimen oder Kirchengemeinden für die Einrichtung und Betreuung solcher Flächen engagieren. Das Fachforum sucht weiterhin Interessenten für die Einrichtung von Naturerfahrungsräumen! Norbert Rheinlaender Fachforum Soziale Stadtentwicklung Crellestr. 43, 10827 Berlin Tel.: 030—7 88 33 96 N.Rheinlaender@gmx.de StadtGut Blankenfelde in Berlin Pankow Wo die Stadt Gut ist - Ein Projekt im Sinne der LA 21 Oskar Tschörner Initiativen in Berlin gezeigt, die in der Stadt gärtnern und damit ein Stück Lebensqualität mitgestalten. Da sich viele Gebäude und Grundstücke im Eigentum des Landes Berlin befinden, ist hier auch die Politik gefordert. Die Initiativen zum Erhalt leer stehender Gebäude und unbebauter Grundstücke müssen durch sozial verträgliche Rahmenbedingungen unterstützt werden. Das StadtGut Blankenfelde befand sich auch im Eigentum des Landes Berlin und sollte vom Liegenschaftsfonds verkauft werden. Das denkmalgeschützte Ensemble stand seit der Wende leer und war dem Verfall preisgegeben. Als ehemaliges Ritter-, Stadt- und Volkseigenes Gut hat es aus Sicht der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung eine übergeordnete denkmalpflegerische und stadtentwicklungspolitische Bedeutung. Es liegt im Bezirk Pankow in der Mitte des Dorfes Blankenfelde. Auf einer Fläche von 52.000 qm befinden sich 17 Gebäude, darunter 2 große Gutsgebäude, mehrere Scheunen und Ställe, der alte Gutspark und weitere Grünflächen. Ein Verein als Lebensretter Im Jahr 2002 entstand im Verein „Natur & Kultur (LabSaal Lübars)“ die Idee, das Stadtgut im Nachbardorf zu retten. Es dauerte jedoch vier Jahre intensiver Verhandlungen mit dem Liegenschaftsfonds, bis der inzwischen gegründete gemeinnützige Verein „StadtGut Blankenfelde“ das Ensemble übernehmen konnte. Der Verein hat das Grundstück zum 1.1.2006 der gemeinnützigen „Stiftung trias – für Boden, Ökologie und Wohnen“ übertragen, um es dauerhaft vor Bodenspekulation zu schützen. A nfangs beschäftigte sich das Fachforum mit dem „Endbericht der Unabhängigen Kommission zur Verhinderung und Bekämpfung von Gewalt in Berlin“ (hrsg. von der Senatsverwaltung für Inneres 1994). In diesem Bericht werden zahlreiche Maßnahmen aus allen Fachgebieten zur sozialen Gerechtigkeit aufgeführt und zahlreiche Planungsvoraussetzungen genannt. Vom Fachforumsteam zusammen mit Vertretern der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wurden dann daraus ein Leitbild und Qualitätsziele formuliert, aus denen ein Maßnahmenkatalog abgeleitet wurde. Um das Leitbild „Berlin ist eine weltoffene, zukunftsfähige, funktional und sozial gemischte Stadt“ zu verwirklichen, müssen folgende Qualitätsziele erreicht werden: gleichwertige Lebensbedingungen, Aktivierung des Gemeinwesens, Bewohnerengagement, Sicherheit und Gesundheit. Das überparteiliche Team der Regierungsfraktionen der letzten Wahlperiode übernahm weitgehend die zahlreichen Handlungsziele und Maßnahmenforderungen in den Abgeordnetenhaus-Beschlusses 15/5221 vom 8. 6. 2006 „Lokale Agenda 21 – Berlin zukunftsfähig gestalten“. http://www.stadtentwicklung.berlin.de/ agenda21 I n Berlin stehen zahlreiche auch unter Denkmalschutz stehende Gebäude leer und sind dem Verfall preisgegeben. Gleichzeitig wird die bundesweite rasante Flächenversiegelung (ca. 1,2 Mio. qm tägl.) auch in Berlin weiter vorangetrieben. Unversiegelte Grundstücke sind als Grünflächen   – vor allem in Verbindung mit Grünzügen – für das Stadtklima, aber auch als Gärten und Spielplätze von großer Bedeutung. Die Nutzung vorhandener Bausubstanz sollte deshalb Vorrang vor Neubebauung haben. Auch der Stellenwert unbebauter Grundstücke tritt immer stärker ins Bewusstsein. Das 1. Berliner Gartenaktivist/innenTreffen im März 2010 auf dem StadtGut Blankenfelde hat die Vielfalt der „Culture is it” Im Frühjahr und Sommer 2006 fand in und mit der Akademie der Künste in drei Wochenend-Seminaren mit dem Titel „Culture is it“ mit bewusst aus sehr unterschiedlichen Berufsrichtungen zusammengesetzten Teams ein „Zukunftslabor“ statt. Das Labor inszenierte einen intensiven Austausch zwischen ausgewählten Akteuren aus den Bereichen Kunst und Kultur, aus Nachhaltigkeits-Initiativen, aus der Berliner Wirtschaft, aus Politik und Verwaltung sowie öffentlichen Fördereinrichtungen. Ziel war es, im Blick auf die Entwicklung zukunftsfähiger (nachhaltiger) Gesellschaftsformen modellhafte Kreativbündnisse mit Partnern zu konzipieren, die bislang noch nicht oder Naturerfahrungsräume in Berlin Nach der Beteiligung des Fachforums an der Tagung „Ganz Berlin ein Garten“ vom Fachforum Stadtökologie 2006 zur gärtnerischen Gestaltung und Bewirtschaftung in interkulturellen Gärten beschäftigte sich das Fachforum Soziale Stadtentwicklung mit der Prävention von Gewalt. Entscheidend waren neue wissenschaftliche Erkenntnisse, dass Kinder in Städten Freie Naturschule im StadtGut Blankenfelde Oskar Tschörner., 2009 4 5 MAGAZIN Gemeinnütziges Natur-, Kultur-, Lebens- und Arbeits-Projekt Der Verein will das Ensemble als Kulturerbe erhalten und energieeffizient sanieren. Gleichzeitig soll ein Beitrag geleistet werden, die Trennung der Generationen und ihrer Lebens- und Arbeitsbereiche aufzuheben. Mit diesem ganzheitlichen Ansatz im Sinne der LA 21 sollen Natur und Kultur gefördert und Leben, Wohnen, Erwerbsarbeit und gemeinnützige Tätigkeit an einem Ort wieder möglich werden. Die Bewohner und Nutzer auf dem StadtGut werden als Mitglieder des Vereins dessen gemeinnützige Ziele aktiv mittragen. •  Für die geplante Naturschutz- und Tourismus-Station ist eine Machbarkeitsstudie erstellt worden. Sie soll ein Informations-, Umweltbildungs- und Pflegestützpunkt für den Naturpark Barnim und Anlaufstelle für Fernradwanderwege und Wanderrouten werden. •  Seit 2006 ist der Waldkindergarten Pankow „Die Waldläufer“ auf dem StadtGut etabliert. •  2007 wurde von Eltern der „Waldläufer“ die „Freie Naturschule im StadtGut“ gegründet. •  Für die Anpflanzung von über 100 Obstbäumen alter Sorten und die Pflege von Obstbäumen in der •  Schafweide mit alten heimischen Rassen •  Baumzaubergarten Pankow des BUND für Baumspender •  Freiluftkino •  Jährliche Sommer-, Erntedank- und Lichter-Feste •  Veranstaltungen zu Naturschutzund Denkmalschutz-Themen sowie zur Lokalgeschichte •  Medien-Workshops mit Schüler/innen und Jugendlichen •  Vermietung von Räumlichkeiten für private Feste und Veranstaltungen Geplant und erwünscht sind… …eine Fahrradausleih-Station, Übernachtungsmöglichkeiten, Dokumentation der Rieselfelder und der Geschichte der Berliner Stadtgüter, Ausstellung über das Modellprojekt Energie-Effizienz im Denkmal, Wiederherstellung des historischen Gutsparks, Hofladen für den täglichen Bedarf mit Café, eventuell als Integrationsbetrieb und weitere Handwerksbetriebe. Nächste Schritte Demnächst sollen die beiden Gutsgebäude durch die Mietergenossenschaft „SelbstBau e.G.“ mit ca. 35 Wohneinheiten für ein generationsübergreifendes Wohnen saniert werden. Darüber hinaus gibt es Bemühungen, für die Naturschutz- und Tourismus-Station eine Finanzierung sicher zu stellen. Hilfe und Mitarbeit gewünscht Der gemeinnützige Verein hat zur Zeit 120 Mitglieder und verschiedene Arbeitsgruppen. Jeden Samstag treffen sich Mitglieder und Freunde zum gemeinsamen Arbeiten und Essen auf dem StadtGut. Jeden 3. Samstag im Monat stehen ab 15:00 Uhr Vereinsmitglieder für Fragen und Führungen zur Verfügung. Den Mitgliedern ist bewusst, dass ein Projekt dieser Größenordnung nur durch die Unterstützung vieler Menschen und Institutionen realisiert werden kann. Darum sind sie für jede finanzielle und tatkräftige Hilfe dankbar. Oskar Tschörner StadtGut Blankenfelde e.V. Hauptstr. 30 13151 Berlin-Pankow Tel.: 030—400 5 81 82 kontor@stadtgut-blankenfelde.de www.stadtgut-blankenfelde.de Spendenkonto: StadtGut Blankenfelde e.V. Konto: 4006 275 900 BLZ: 430 609 67 GLS Gemeinschaftsbank Ausgabe 2/10 · Juli 2010 Natursuchpfad für Kinder Eva Epple ngagierte Berlin-Flaneure haben Ende Mai erstmals einen mobilen „Natursuchpfad“ angelegt. Ausgewählt haben sie dafür eine ungefähr 600 Meter lange Modellstrecke beiderseits des U-Bahnhofs Schöneberger Rathaus vom Wasserbecken mit Goldenem Hirsch im Rudolph-Wilde-Park bis jenseits des Ententeichs im angrenzenden Volkspark. Hier wurden  – zunächst für die Dauer von etwa einer Woche  – Schilder angebracht. Sie zeigen – bezogen auf die aktuelle Jahreszeit – mit Bild und Namen Pflanzen, die nahe der Fragekarte wachsen, allerdings nicht unmittelbar dort. Man muss suchen. „Wo bin ich? Der Holunder…“ steht zum Beispiel auf einem der Kärtchen im DIN-A5-Format, und darüber zeigt ein Foto den Strauch, dessen Bruder zu suchen ist. E Das Modell kann überall zum Einsatz kommen, wo Pflanzen wachsen – sei es in einer Straße mit Wildwuchs in den Baumscheiben, sei es auf einer Brache, am Rand eines Spielplatzes, in einem Park, auf einer Spazierroute oder in einem Garten. Einen Natursuchpfad anlegen könnten alle, die mit Kindern die nähere Umgebung entdecken und Gespräche, Erkundungen oder auch Spiele damit verknüpfen wollen. Vor allem an Grundschulen ist gedacht. Nach Gebrauch werden die Schilder einfach wieder eingesammelt. Die Versuchsstrecke liegt übrigens in einem Abschnitt des Inneren Parkrings, eines gesamtstädtischen Erholungswegs, auf dem sich acht Bezirke durchqueren und die ganze Berliner Innenstadt umrunden lässt. Der Innere Parkring gehört zu den 500 km umfassenden 20 grünen Hauptwegen®; er ist nach dem Spreeweg die zweitlängste der großen Grünverbindungen. Seine größte bis vor kurzem noch bestehende Lücke – am Südrand des Tempelhofer Feldes – wurde mit Öffnung des ehemaligen Flughafens faktisch gerade geschlossen. (Kartenwerke: Übersichtskarte „Berlin. Flanieren – Spazieren – Wandern. 20 grüne Hauptwege“: www.piekart.de – Berlin-Atlas mit grünen Hauptwegen: www.pharus-plan.de online: www.dein-plan.de) Für weitere Versuche und die Auswertung von Erfahrungen werden derzeit Kooperationspartner gesucht. Eva Epple Tel.: 030—69 16 993 eva.epple@web.de www.gruene-wege-berlin.de Ansprechpartner Natursuchpfade Paul Lange Tel.: 030—88 76 43 59 Mobil: 0179—7325687 pawisa@web.de Aufbruch in die solare Metropole Hartwig Berger W StadtGut Blankenfelde Oskar Tschörner, 2009 Erste Erfolge •  Auf der Grundlage eines Nutzungskonzeptes wurde 2005 in einem städtebaulichen Wettbewerb eine Rahmenplanung erarbeitet. •  Zur energetischen Sanierung der denkmalgeschützten Gebäude wurde eine Modellstudie erstellt. Das Konzept erhielt 2008 den 2. Preis beim Wettbewerb „Energiebalance“ des IFEU-Instituts und des Bundesministeriums für Umwelt und Naturschutz. •  Für das Konzept des gemeinschaftlichen Ressourcen schonenden Arbeitens, Lebens und Wohnens erhielt das Projekt bei mehr als 400 Bewerbern aus dem gesamten Bundesgebiet den IKEA-Preis „Wohnen in der Zukunft“. Blankenfelder Feldflur erhielt der Verein 2007 den Umweltpreis des Bezirks Pankow. •  Im Sommer 2008 arbeiteten eine Woche lang über 100 Gärtner/innen der BASEG (Bundesarbeitsgemeinschaft Selbstverwalteter Gartenbaubetriebe) ehrenamtlich an der Gestaltung der Außenanlagen. Weitere Einrichtungen und Aktivitäten •  Zimmerei •  Betreuungsstützpunkt zur Integration psychisch erkrankter Menschen von Pinel-Gesellschaft und KasparHauser-Therapeutikum •  Gartenbewirtschaftung im Sinne der interkulturellen Gärten •  Bio-Imkerei enn die Staatengemeinschaft scheitert, sind die Bürger/ innen um so mehr gefragt. Sie können und dürfen nicht zulassen, dass die Menschheit durch Politikversagen in eine stürmische Zukunft abdriftet. Viele Politiker/innen, Medien und NGOs schlugen daher nach dem Desaster der Kopenhagen-Konferenz vor, dass sich die Städte des industriellen Nordens sehr viel entschiedener in Klimafragen engagieren müssen. Auch Berlin muss mehr als bisher für Klimaschutz tun. Der „wissenschaftliche Beirat für globale Umweltfragen“, konsultativ für die Bundesregierung tätig, hat im Spätsommer 2009 dargelegt, was ein Land wie Deutschland zu unternehmen hat, damit nicht bereits die nächstfolgende Generation in den Fluten monströser Klimakatastrophen ertrinkt. Bis zum Jahr 2050 werden wir uns von der Nutzung fossiler Energieträger – also von Kohle, Erdöl und Erdgas – gänzlich verabschieden müssen und außerdem dafür zu sorgen haben, dass die Biosphäre gestärkt wird – etwa durch Erhalt und Aufforstung der Wälder, die Bewahrung von Feuchtgebieten und durch artenreiche und vitale Kulturlandschaften. Das Ziel der LA 21 Berlin, bis zum Jahr 2020 die Kohlendioxid-Emissionen um mindestens 40% verglichen zu 1990 zu senken, kann also nur ein erster Schritt sein. Spätestens jetzt sind die Weichen zu stellen, damit in spätestens 40 Jahren Berlin eine vollständig durch solare Energien versorgte Stadt ist. Um das zu erreichen, brauchen wir zuallererst eine umfassende Mobilisierung in der Gebäudesanierung, von der das LA 21 Projekt „Klimaschutz schafft Arbeit“ ein nur bescheidener Anfang war (siehe dazu: Berlin 21 Magazin 3/09, Seite 7-8). Es ist notwendig und möglich, die Gebäude der Stadt schrittweise nach Standards umzurüsten, die zu Wärmung und Kühlung nur noch Bruchteile der bisherigen Energie benötigen, ja teilweise mehr Energie erzeugen als sie verbrauchen. Berlin 21 unterstützt die Vorschläge des BUND und des Mieterverein Berlin, die einen energiegerechten Umbau der ganzen Stadt stufenweise machbar erscheinen lassen. Dieses „Stufenmodell“ auf dem Weg zur Nullemission sollte das Kernstück im geplanten Klimaschutzgesetz Berlins werden. Berlin hat zudem enorme Potentiale der Eigenerzeugung solarer Energien. Fotovoltaische Anlagen müssen nicht nur verstreut auf ländlichen Bauernhäusern und Scheunen errichtet werden, sie gehören verdichtet und mit potenzierter Wirkung auf die Dächer Berlins, ebenso kleine Windanlagen mit vertikaler Achsdrehung. Die Pläne etwa der GASAG, geothermische Potentiale zum Beispiel unter dem Tempelhofer Feld zu erschließen und zu nutzen, sind wichtig und perspektivenreich. Schließlich kann die Zusammenarbeit in der Region gestärkt werden, um die enormen Windkraftpotentiale der Region schneller und gründlicher als bisher zu erschließen. Allerdings muss die Brandenburger Landesregierung dann endlich von Schutz und Förderung der Braunkohle Abstand nehmen. Sie untergräbt damit wirksamen Klimaschutz, blockiert eine Solarwende und schadet dem Wasserhaushalt in einer ohnehin durch Austrocknung bedrohten Region. Dr. Hartwig Berger Fachforum „Klimawandel und Energie“ Ökowerk Berlin e.V. Teufelseechaussee 22-24 14193 Berlin Tel.: 030—318 00 406 hartwig.berger@t-online.de www.oekowerk.de 6 7 MAGAZIN Ausgabe 2/10 · Juli 2010 TransitionBerlin Die neue Energie in deiner Nachbarschaft Thomas Finger ir planen und setzen den Übergang zum Solarzeitalter selbst um – Haus für Haus, Kiez für Kiez und Bezirk für Bezirk. Die Idee von Transition Town (zu deutsch: „Stadt im Übergang“) ist im Grunde eine Weiterentwicklung des Permakultur-Konzepts. „Permakultur ist das Schaffen von kleinen Paradiesen hier auf der Erde“ – so die kompakte Definition des Australiers Bill Mollison, der zusammen mit David Holmgren, als Begründer der Permakultur (von Permanente Agrikultur) gilt und 1981 den Alternativen Nobelpreis verliehen bekam. Resiliente Strukturen entwickeln Ein ganzheitlicher Ansatz also, der bei der Gestaltung des eigenen Lebensraumes alle lokalen Gegebenheiten optimal einbezieht und nachhaltig nutzt. Dabei spielt die Selbstversorgung durch eigenen Nahrungsmittelanbau eine herausragende Rolle. Hierbei werden symbiotische Eigenschaften von Pflanzen und Tieren so gut kombiniert, dass ein hochvernetztes, stabiles und sehr ertragreiches lokales Ökosystem entstehen kann. Also das absolute Gegenteil zu unserer aktuellen industriellen Landwirtschaft, die auf Monokultur, Chemie und einen enormen Energieeinsatz setzt. Louise Rooney und Rob Hopkins transferierten 2004 die Permakulturidee, die ja bisher eher im ländlichen Raum Anwendung fand, in die Stadt. Bei ihren Überlegungen flossen dabei noch zwei weitere gewichtige Aspekte ein: der Klimawandel und Peak Oil (das Erdölfördermaximum). Peak Oil Die Nutzung fossiler Energieträger, wie Erdöl, Kohle und Gas hat uns einen nie da gewesenen technologischen Schub beschert und ermöglicht einigen Ländern hohe Lebensstandards. Doch gleichzeitig ist der Verbrauch dieser Rohstoffe, ob nun direkt oder indirekt, für die meisten unserer aktuellen sozialökologischen Probleme die Ursache. Neben dem Klimawandel, der in vielen Gebieten der Welt bereits treffender als „Klimakatastrophe“ bezeichnet werden kann, ist das zu Ende gehende Erdöl deshalb das zweite Hauptthema überhaupt. Denn wir sind abhängig vom Erdöl  – ob es nun die Produktion von Nahrungsmitteln und anderen Gütern ist oder der Transport dieser Dinge um die halbe Welt in das heimische Einkaufszentrum, das oftmals auch nur per Auto erreichbar ist – ohne das „schwarze Gold“ stehen bald alle Räder still. Man muss diese beiden existenzbedrohenden Phänomene zusammen denken. Sicherlich könnte man Erdöl auch künstlich herstellen, sicherlich könnte man CO2 unter die Erde pressen, zum Ausgleich Bäume pflanzen oder versuchen sich an die Klimakatastrophe anzupassen. Ein gesunder Menschenverstand ist allerdings immer hilfreicher als die pure „Herumdoktorei“ an Symptomen. Lokaler Plan-B Mit „Energiewende das Handbuch – Anleitungen für zukunftsfähige Lebensweisen“ hat Rob Hopkins 2008 ein Werk herausgebracht, das eine Sammlung von herausragenden Ideen, Erfahrungen, Herangehensweisen, Beispielen und praktischen Werkzeugen darstellt, um gemeinsam mit seinen Nachbarn einen lokalen Plan-B auf den Weg zu bringen – in der eigenen Kleinstadt, im eignen Stadtteil oder im eigenen Kiez. Die Rückbesinnung auf lokale und regionale Wirtschaftskreisläufe wird schon in wenigen Jahren eine entscheidende Rolle spielen, da die Schere zwischen Erdölfördermenge und Nachfrage immer weiter auseinander geht und so der Ölpreis rapide ansteigen wird. In Berlin gibt es bereits seit dem Spätsommer 2008 eine Gruppe von Menschen, die sich in ihrem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg für eine nachhaltige und resiliente Lebensweise und Kiezkultur stark macht. Resilienz bedeutet dabei so viel wie die Widerstandsfähigkeit einer lokalen Gesellschaft gegenüber externen Störungen, wie zum Beispiel dem Klimawandel bzw. einem möglichen Versorgungsdefizit durch den Erdölmangel. Man trifft sich wöchentlich, lernt die Nachbarn aus dem eigenen Kiez kennen, entwickelt gemeinsam positive Visionen für die nächsten Jahre und Jahrzehnte, vernetzt sich mit bereits vorhandenen Initiativen, richtet Veranstaltungen aus, startet kleine und große Projekte, isst und feiert zusammen. So entsteht also ein farbenfrohes Puzzle, zu dem jeder ein Teil beitragen kann. Gemeinschaftlich – wir sitzen alle in einem Boot und darum geht es, denn auch lokale Unternehmer und die lokale Politik sollen miteinbezogen werden – entsteht so ein EnergieWende-AktionsPlan, also ein alternativer Stadtentwicklungsplan „von unten“, bei dem der Klimawandel und das Peak Oil-Problem nie aus dem Auge verloren gehen. Weltweit gibt es knapp 300 „offizielle“ Transition Towns, darunter sind auch Initiativen in anderen Großstädten wie zum Beispiel in Bristol oder Los Angeles – in den Startlöchern stehen aber bereits viele weitere Initiativen. Millionenstädte können sich nicht komplett selbst versorgen, sie müssen sich mit dem Umland und der Region arrangieren. Es soll ja auch nicht darum gehen, sich komplett abzuschotten, sondern darum, erst mal das zu realisieren, was lokal und regional möglich ist, um dann bei Bedarf auf überregionale Ressourcen zurückzugreifen. Und lokal geht sehr viel! Eine Wende in der Landwirtschaft Durch Gartenwirtschaft überall in der Stadt, Verbreitung des Permakultur-Gedankens, das Pflanzen von Obstbäumen und Nutzpflanzen im Bezirk, enger Vernetzung mit den Landwirten im Brandenburger Umland und der Nutzung Nachwachsender Rohstoffe (NaWaRo) als Werkstoffe um langlebige Produkte daraus herzustellen! Eine Mobilitätswende Durch gezielten bezirklichen Ausbau von Radwegen, des ÖPNV, von Elektrocar- und Bike-Sharing, eines Solartankstellennetzes, durch den massiven Ausbau der Bahn sowie der Einstellung überflüssiger Verkehrsplanungen und Straßenbauprojekte wie zum Beispiel der A100! Ökologisches, soziales, ästhetisches Bauen und Wohnen Nachhaltige und basisdemokratische Stadtplanung, Wärmedämmung für alle Gebäude (auch denkmalgeschützte), Fassadenbegrünung, GemeinschaftsDACHgärten & Spreeufer für alle! W Einen Wandel in der Bildung Bildung ist die Basis einer gesunden Demokratie, Direkte Demokratie eine notwendige Ergänzung der Parlamente. Sinnvolle Bildungsinhalte, damit unsere Kinder auch die Fertigkeiten erlernen, die in Zukunft wirklich von Nöten sein werden! Wir sind für eine umfangreiche Erwachsenenbildung und für Learning by Doing-Konzepte. Eine Lokale Kreislaufwirtschaft und die Rohstoffwende Durch Regionalgeld und lokale Produktion soll die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit gestärkt werden. CO2 binden anstatt es frei zu setzen, nämlich in Produkten aus Pflanzenmaterial, dabei geht es um die sogenannte Rohstoffwende, also die Umstellung auf lokale Agrarrohstoffe! Die Energiewende – Aufbruch ins Solarzeitalter Durch gezielten Ausbau regenerativer Energien in unserem Bezirk! Von Solaranlagen über kleine Windkraftanlagen auf Dächern, Biogas aus Bioabfällen bis hin zu intensiven Energiesparmaßnahmen ist vieles denkbar und machbar. Wann startest Du zusammen mit Deinen Nachbarn einen Plan-B für euren Kiez?! Thomas Finger Tel.: 030—6165 2466 Mobil: 0179—240 80 41 Thomas.Finger@gruene-uni.org www.TransitionBerlin.de www.gruene-Uni.org Neuaufbau der Ökonomie Knotenpunkt des internationalen Netzwerks Nachhaltige Ökonomie in Berlin Team der Nachhaltigen Ökonomie mit Ernst Ulrich von Weizsäcker auf dem 3. Nachhaltigkeitsforum GfN, 2009 Holger Rogall D durchzusetzen. Hierzu hat sich im Jahr 2009 das „Netzwerk Nachhaltige Ökonomie“ auf Kernaussagen geeinigt. Vorläufer Auch wenn seine Schüler später einen Marktradikalen aus ihm machten, der bekannteste Vorläufer der Nachhaltigen Ökonomie ist Adam Smith der schon 1776 in seinem Epoche machenden Buch „Wohlstand der Nationen“ schrieb: „Denn sie sind auf der unsinnigsten aller Annahmen gegründet, die nachfolgenden Generationen hätten nicht das gleiche Recht auf die Erde und auf alles, was sie trägt, wie jeweils ihre Vorfahren.“ (Smith 1776/1999: 316). ie Nachhaltige Ökonomie entwickelt sich aus der Volkswirtschaftslehre (VWL) und der Sustainable Science. Sie wird als „ökonomische Theorie der Nachhaltigen Entwicklung“ definiert. Im Zentrum steht hierbei die Frage wie die traditionelle Ökonomie so umgebaut werden kann, dass sich künftig ausreichend hohe ökonomische, sozial-kulturelle und ökologische Standards in den Grenzen der natürlichen Tragfähigkeit erreichen lassen, um so das intra- und intergenerative Gerechtigkeitsprinzip In Deutschland findet im Jahr 1780 der Begriff „nachhaltige Waldwirtschaft“ seine erste lexikalische Erwähnung. In der Ökonomie wurden die Erkenntnisse über die Grenzen der natürlichen Tragfähigkeit nicht aufgenommen. Selbst heute finden sich in den VWLLehrbüchern keine Ausführungen über die Bedeutung der natürlichen Ressourcen und der Notwendigkeit des nachhaltigen Umgangs mit ihnen. In anderen Wissenschaftsdisziplinen wurde das 1992 auf dem Weltgipfel für „Umwelt und Entwicklung“ in Rio de Janeiro festgelegte neue Leitbild der Menschheit besser aufgenommen. So findet sich heute Nachhaltige Entwick- 8 9 MAGAZIN lung als Ziel im EU-Gründungsvertrag und dem deutschen Grundgesetz. Entwicklung In der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR, früher FHW) wurde seit Ende der 1990er Jahre an der Entwicklung einer Nachhaltigen Ökonomie gearbeitet, um eine theoretische Grundlage für die ökonomischen und ökologischen Probleme des 21. Jahrhunderts zu schaffen. Nach Veröffentlichung der ersten Lehrbücher (anfangs Neue Umweltökonomie genannt) wurde 2002 die Gesellschaft für Nachhaltigkeit gegründet (www.GfN-online.de), die Initiator einer umfangreichen Netzwerkbildung der Nachhaltigen Ökonomie wurde. Nachhaltige Ökonomie Parallel zur Erstellung des Lehrbuchs „Nachhaltige Ökonomie“ (Rogall, 2009), das jetzt ins polnische und vietnamesische übersetzt wird, wurde das Netzwerk Nachhaltige Ökonomie initiiert. Es hat heute 130 internationale Wissenschaftler und Organisationen als Mitglieder. Im Herbst 2009 fand mit Unterstützung des BMU der erste internationale Workshop statt auf dem die Kernaussagen der Nachhaltigen Ökonomie beschlossen wurden. Kernaussagen Forderungen nach: •  starker Nachhaltigkeit •  pluralistischem Ansatz •  Reform der Ökonomie •  Ersetzung des Wachstums- durch das Nachhaltigkeitsparadigma •  ethischen Prinzipien (intra- und intergenerative Gerechtigkeit) •  interdisziplinärem Arbeiten •  Nachhaltigen Leitplanken (polit.rechtl. Instrumenten) •  neuen Meßsystemen •  globaler Verantwortung •  sozial-ökologischer Marktwirtschaft Netzwerkpartner Die Organisation wurde bewusst als Netzwerk und nicht als Verein angelegt, was zwar Finanzierungsprobleme mit sich bringt, aber einen leichteren Zusammenschluss mit anderen Netzwerken und Organisationen erlaubt. So wurden bereits Netzwerkknotenpunkte in Vietnam und Polen und einige Studenteninitiativen aufgebaut, die weiterhin selbstständig agieren, aber sich ebenfalls für die Nachhaltige Ökonomie einsetzen. Die internationalen Netzwerkknotenpunkte haben ihre Websites und Newsletter miteinander verlinkt. Besonders enge Verbindungen bestehen zur GfN und zu Berlin 21 und verschiedenen Berliner Nachhaltigkeits­nitiativen. Gemeinsam i organisieren sie zweimal jährlich das Nachhaltigkeitsforum. Ein weiterer Netzwerkknotenpunkt ist das 2005 gegründete Deutsch-Polnische Netzwerk Wissenschaftler für Nachhaltige Entwicklung, das zweimal im Jahr Kongresse und Workshops durchführt und eine Reihe von Büchern publiziert hat. Berlin ist hierdurch nicht nur zur Keimzelle einer neuen Wirtschaftsschule mit einer Reihe von Lehrbüchern und Materialien geworden, sondern auch zu einem wichtigen Knotenpunkt der internationalen Nachhaltigkeitsbewegung. Prof. Dr. Holger Rogall HWR Berlin Tel.: 030—85 7 89 -184 rogallh@hwr-berlin.de www.Holger-Rogall.de www.berlin21.net www.deutsch-polnisches-netzwerk.de www.Nachhaltige-Oekonomie.de Ausgabe 2/10 · Juli 2010 Ein Lebenstraum wird wahr Stefan Ebelt & Thomas Nittka D Hin und wieder informiert er sich im Internet oder unterhält sich mit den Grünpflanzen im Büro. Lebenswichtig und Lebensfeindlich Vor Kurzem ist Pezini auf die Informationen des internationalen Umweltkongresses in Kopenhagen gestoßen. Hierüber hat er sich mit seinem Freund dem Baum Benjamini unterhalten. Der hat ihm das mit der Umwelt erklärt: „Kohlendioxid (CO2) ist einer der Verursacher des globalen Treibhauseffekts. CO2 entsteht zum Beispiel, wenn Strom erzeugt wird, um die aufwändigen Herstellungsprozesse in der Mikroelektronik zu betreiben, oder damit der Computer im Büro läuft. Aber dieses CO2 steigt nach oben in die Wolken und da komme ich nicht ran!“ Benjamini erzählt weiter: „Wenn ein Computer nur drei Jahre länger läuft, kann der Computer 105 kg CO2 vermeiden! Mit so einer Menge komme ich zwei ganze Tage aus.“ Pezini hörte fasziniert zu, was der alte Benjamini alles zu berichten hat. Am meisten beunruhigte ihn allerdings die Aussage seines Freundes, dass die Um- welt unter anderem durch die Herstellung von Computern gefährdet wird! Die Lebensrettung Aber Benjamini weiß ihn zu beruhigen: „In Deutschland gibt es einen Verein, der sich um älter gewordene PCs kümmert.“ Pezini will’s jetzt wissen und drängt Benjamini, weiterzuerzählen, denn von ReUse-Computer hatte er nur von anderen PCs gehört. Benjamini: „Die Mitglieder von ReUse-Computer verkaufen pro Jahr etwa 30.000 gebrauchte Computer. Würde die Hälfte der weltweiten Produktion des Jahres 2010, also 150 Millionen Computer, nicht bzw. ein Jahr später hergestellt, ergäbe das eine CO2-Einsparung von 5,25 Mio. Tonnen. Mit einer entsprechenden Menge könnten 300.000 Bäume ein Jahr lang leben.“ Pezini kann’s kaum glauben. „Mann, sind die nett vom Verein, dass Sie soviel für die Umwelt machen und deinen Freunden helfen!“ Pezini dachte nach und informierte sich im Internet über ReUse-Computer. In der nächsten Nacht stand seine Entscheidung fest, die er seinem Freund Benjamini mit- ie Lebenserwartung der Menschen steigt – die Nutzungszeit von Technik verkürzt sich dagegen zusehends. Eine ungezügelte Zunahme der Produktion verursacht Klimaschäden, die aber die Lebenserwartung unserer Kinder mindert. Erzählen wir unseren Kindern ein Märchen mit Happy End! Es war einmal, nachts in einem Bürohochhaus. In der fünften Etage im Großraumbüro sind alle Lichter aus, nur einige Computer arbeiten schon und informieren sich im Internet, ob es neue Software-Updates gibt. Ein kleiner Computer, nennen wir ihn Pezini, langweilt sich. Er ist nicht mehr der jüngste, seine Kollegen um ihn herum wurden schon ersetzt - nur er ist noch übrig geblieben. Dabei fühlt er sich noch gar nicht alt, denn er ist erst dreieinhalb. Doch hat er den Zenit eines Computerlebens schon überschritten(?). Pezini macht sich Sorgen über seine Zukunft und träumt von einem längeren Leben. Ein Lebenstraum wird wahr – Wie aus einem Pezini ein ReUse-Computer wird  Dr. Thomas Nittka, 2010 teilte: „Ich will ein ReUse-Computer werden!“ – „Wie soll das gehen?“, fragte Benjamini. Der angewandte Jungbrunnen Pezini berichtet, wie er zu einem ReUse­Computer werden kann: „In einem standardisierten Aufbereitungsprozess werde ich auf Herz und Nieren überprüft“, und weiter, „ebenso sind umfangreiche Tests, Datenlöschung, Reinigung und je nach Erfordernis auch die Auf- und Umrüstung, sowie der Austausch von Komponenten eingeschlossen.“ – „Das ist ja die reinste Frischzellenkur!“, unterbrach Benjamini begeistert. „Das Beste kommt noch“, erwiderte Pezini, „denn die aufgear- beitete IT-Technik wird dann von den Mitgliedern mit dem ReUse-Prüfsiegel versehen und an Privatkunden, Unternehmen und Verwaltungen einzeln, im Dutzend oder auch palettenweise verkauft. Für mich beginnt dann ein neues Leben.“ Wir helfen Ihrem Pezini Auf der UN-Klimakonferenz 2009 in Kopenhagen wurden leider keine Ergebnisse erzielt. Desto mehr zählen eigenverantwortliche Initiativen. Im ReUse-Computer e.V. haben sich Unternehmen aus Deutschland organisiert, die etwas für die Umwelt tun möchten. Als gemeinsamen Ansatzpunkt haben sie sich die IT-Technik ausgewählt. Der ReUse-Computer e.V. hat nationale und internationale Mitglieder. ReUse-Computer e.V. leistet Beiträge zum Umweltschutz, zur Ressourcenschonung und nachhaltiger Wirtschaftsentwicklung, indem er die Wieder- und Weiterverwendung gebrauchter EDV- und IT-Technik fördert. Ziel des Vereins ist, Unternehmen sowie Privatpersonen die Nutzung qualitativ hochwertiger und preisgünstiger gebrauchter IT-Technik zu ermöglichen. Die Öffentlichkeitsarbeit soll erreichen, elektronische Geräte sowie Komponenten einer ressourcen- und energieverschwendenden Form der Entsorgung zu entziehen. Der Verein führt Weiterbildungsprojekte mit Schülern und Erwachsenen durch, gestaltet Ausstellungen, veranstaltet Kongresse und ist bei Messen und wie immer bei der Langen Nacht der Wissenschaften in Berlin vertreten. Die ReUse-Computer Fachunternehmen praktizieren vor Ort eine Ökonomie, die ökologische Belange durch die Konzeption einer anderen Verkaufsmethode mit einbezieht. Durch die Qualitätsstandards von ReUse-Computer wird sichergestellt, dass die IT-Technik sauber und gepflegt ist und durch Um- oder Aufrüstung dem Stand der Technik entspricht! Wer den ReUse-Computer Verein unterstützen möchte, kann gern die Internetseite www.ReUse-Computer.org besuchen und sich weitere Informationen besorgen. Dort ist auch der Mitgliedsantrag zu finden – der online ausgefüllt werden kann – wenn man Mitglied werden möchte. Wir würden uns freuen, wenn wir in einigen Gegenden Deutschlands zur Verstärkung unseres Netzwerkes noch Fachhändler finden würden. ReUse-Computer hat über Deutschland hinaus europäische Kontakte - sogar bis nach Kanada reichen die Verbindungen. Aktuell beteiligt sich ReUse-Computer e.V. an nationalen und internationalen Projekten und Gremienarbeit und berät bei verschiedenen Vorlagen für Verordnungen und Gesetze sowie Richtlinien (z.B. VDI 2343, etc.). Stefan Ebelt Dr. Thomas Nittka ReUse-Computer e.V. Hermannstr. 47 12049 Berlin Tel.: 0700—873 73 873 www.reuse-computer.de 10 11 MAGAZIN Ausgabe 2/10 · Juli 2010 Räume der Spannung Bericht über das Gemeinschaftsprojekt von experimentcity und Berlin21 „Verschwindende Vielfalt · Disappearing Diversity“ Marta Mysik enn unterschiedliche Menschen an ungewöhnlichen Orten zusammentreffen, um über verschwindende Vielfalt in unserer Stadt zu debattieren, entstehen Räume der Spannung. Bereits das Planungstreffen in der Wagenburg Lohmühle zeugte von einer erwartungsvollen Stimmung. Nicht alle Anwesenden kannten diesen alternativen Wohnort und als der Bürgermeister der Lohmühle, Hans Zosch, die ungewisse Zukunft der Wagenburg schilderte, wurde allen bewusst, dass das Problem der verschwindenden Vielfalt keine abstrakte Idee ist. Außerordentliche Probleme bedürfen alternativer Strategien. So bewiesen die Vereine Berlin 21 und experimentcity Mut, Neues auszuprobieren. Es entstanden zwei Kommunikationsebenen: Eine OnlineBlogStation im Bauwagen der Wagenburg Lohmühle, der öffentlichkeitswirksam vor dem Museum für Naturkunde platziert wurde und der nächtliche ThemenSalon im Club-Raum der Akademie der Künste. Die Orte hätten unterschiedlicher nicht sein können. Aber genau dieses Spannungsverhältnis sollte aufrechterhalten bleiben. Uwe Ozminski, ein Diskussionsteilnehmer, sagt: „Insgesamt fand ich den Abend sehr gelungen. Allein die Tatsache, auf der dekadenten Dachterasse auf Augenhöhe mit der Quadriga den Bürgermeister Zosch von der Wagenburg Lohmühle zu treffen, hatte was“. W Nächtlicher ThemenSalon im Club-Raum der Akademie der Künste Berlin 21, 2010 Auch eine Verbindung zwischen beiden Orten sorgte für Neugier: Das Referat zum Thema Wohnen wurde über eine Live-Schaltung vom Bauwagen in den Club-Raum übertragen. Gleichzeitig wurden die jeweiligen Diskussionen von Bloggern begleitet, die die Beiträge der Teilnehmer direkt in den verschwindende Vielfalt Blog eingebracht haben. Die Ergebnisse der Diskussion sind auf www.experimentcity.net zu finden. Für Spannung sorgte zudem das schlechte Wetter, das an diesem Wochenende herrschte. Die 24 Stunden Bauwagen-Aktion erhielt dadurch eine unerwartete Wendung. Aufgrund des Regens blieben zufällige Gäste weitestgehend aus. Stattdessen besuchten uns Freunde. Mitten in der Nacht verwandelte sich der etwa 12 qm kleine Bauwagen in einen von Menschen überfüllten Diskussionsraum. Kein Wunder, dass solch un- gewöhnliche Veranstaltungen einen prägenden Eindruck hinterlassen. Betty Klaczinski, die die Veranstaltung mit vorbereitet hat, fasst ihre Erfahrungen folgendermaßen zusammen: „Die Veranstaltung stellte sich als ein sehr spannendes, bereicherndes Ereignis heraus. Ich habe viele neue Leute kennen gelernt, durch die ein aufschlussreicher, informativer Diskurs zu essentiellen Themen unserer Gesellschaft entstanden ist. Die Aktion hat mein Leben verändert und ich freue mich auf weitere solche Zusammentreffen“. Marta Mysik für id22: Institut für kreative Nachhaltigkeit bensumstände beizutragen. Gemeinschaftliche Wohn- und Bauprojekte übernehmen eine wichtige Funktion in der Umsetzung notwendiger ökologischer Maßnahmen, um eigenverantwortliches Leben ökonomischer und umweltfreundlicher gestalten zu können. Die zunehmende Diversifizierung der Bedürfnisse und Problemstellungen innerhalb der Gesellschaft erfordern ein Neudenken der bisherigen Stadtentwicklungsstrategie. Wohnformen, die individuelle Lebensentwürfe zulassen aber gemeinschaftliches Engagement fördern und Vielfalt erhalten, bieten zukunftsfähige Alternativen. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass Austausch, Vernetzung und Kooperation einen entscheidenden Beitrag zur Umsetzung selbstorganisierter Projekte und zur Weiterentwicklung nachhaltiger Lösungsansätze leisten. Mit dem Wohnportal Berlin wird ein praktischer Beitrag dazu geleistet alternative Wohnformen voranzutreiben, den Austausch zwischen Interessierten und Experten zu verbessern, Einflussmöglichkeiten und Kompeten- zen zu stärken und nicht zuletzt Anknüpfpunkte für eine bessere Kooperation mit Verwaltung und Politik zu schaffen. Sich der Möglichkeiten einer technisch vorgebildeten Netzwerkgesellschaft bewusst, bietet das Wohnportal eine Chance die sozialen Kommunikationswerkzeuge des „Web 2.0“ zur nachhaltigen Gestaltung gemeinschaftlicher Lebensräume einzusetzen. Das „Wohnportal Berlin“ dient als Schnittstelle und offene Plattform für kreative Selbstorganisation um neue Ideen zu vermitteln, innovative Ansätze zu konkretisieren und Partizipation zu ermöglichen. Jeder ist eingeladen, sich zu beteiligen: Unterschiedliche Erfahrungen der beteiligten Projekte und Initiativen werden vorgestellt, Termine und Beratungen angeboten, Kontakte vermittelt sowie Anregungen und Vorbilder für die Verwirklichung von Ideen präsentiert. Eingebettet in die Aktivitäten der experimentcity-Initiative als Leitprojekt der LA 21 dient das Portal der Vernetzung unterschiedlichster Stadtakteure, der Bekanntmachung einer Vielfalt von Ansätzen nachhaltiger Stadtent- wicklung und der Weiterentwicklung von Wohnalternativen in Berlin. In Ergänzung bieten die EXPERIMENTDAYS mit Projektbörse, Tagung und Exkursionen einen konkreten Ort an, um Projekte zu präsentieren, neue Konzepte kennen zu lernen, aktuelle Inhalte zu diskutieren und Kontakte zu knüpfen. Das „Wohnportal Berlin“ ist ein gemeinsames Projekt vom id22: Institut für kreative Nachhaltigkeit und Winfried Härtel Projektentwicklung. Kooperationen gibt es u.a. mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, parq, Stiftung trias, Berlin 21, Forum für gemeinschaftliches Wohnen, Arbeitskreis Berliner Selbsthilfegruppen im Altbau und Weiteren. Winfried Härtel Projektentwicklung ist vor allem in den Bereichen Beratung, Konzeption und Betreuung von Bauprojekten tätig. Im Vordergrund stehen gemeinschaftliches Wohnen, Verbreitung regenerativer Energien, Förderung sozialer Einrichtungen und die Umnutzung von Gebäuden. Jon Richter für id22: Institut für kreative Nachhaltigkeit id22: Institut für kreative Nachhaltigkeit Das id22: Institut für kreative Nachhaltigkeit arbeitet seit mehreren Jahren mit dem Land Berlin, Netzwerken und zivilgesellschaftlichen Stiftungen von der lokalen bis zur internationalen Ebene daran die Lebensumwelt in Städten qualitativ zu verbessern. id22: ist eine gemeinnützige und zivilgesellschaftliche Organisation von internationalen Experten und Studenten in Arbeitsfeldern wie Stadtentwicklung, Architektur, Kunst, Kommunikation und Gestaltung. id22 forscht, demonstriert, kommuniziert, und veröffentlicht Zusammenhänge zwischen Kultur, Ökologie, Ökonomie und Gemeinschaft durch Veranstaltungen, Netzwerkarbeit sowie durch die Vermittlung von Erfahrungen und Best Practices. id22: organisiert creative sustainability tours in Berlin. (Haupt-)Anliegen ist es, eine „Kultur der nachhaltigen Stadtentwicklung“ anhand Berliner Beispiele erlebbar zu machen. id22: unterstützt und propagiert selbstorganisierte Wohnprojekte, produziert Publikationen und betreibt Internetportale. Die organisierten Initiativen sind z.B. experimentcity, mit den jährlichen EXPERIMENTDAYS, einer Veranstaltung für gemeinschaftliche Wohnformen, Ausstellungen, Exkursionen und Workshops, als auch die partizipative Internetplattform WOHNPORTAL BERLIN. Die Initiative experimentcity fördert gemeinschaftliche Wohnformen und Vielfalt im urbanen Raum sowie die partizipative und nachhaltige Nutzung von Brachflächen und Bauleerständen. Sie bietet innovativen Wohn- und Kulturprojekten eine Plattform für den Austausch und die Präsentation in der Öffentlichkeit. experimentcity zeigt, dass kreative und integrierte Nutzungen von Flächen und Räumen mit ökologischen, gemeinschaftlichen und kulturellen Ansätzen eine Stadt lebenswerter und attraktiver machen. experimentcity weckt öffentliches Interesse, mobilisiert vorhandene regionale als auch internationale Ressourcen in der Zivilgesellschaft und aktiviert Politik, Wirtschaft und Medien für zukunftsfähige Entwicklungsansätze. experimentcity initiiert Erfahrungsaustausch, Vernetzung und Kooperation und ist ein Leitprojekt in der Umsetzung der LA 21. id22: Institut für kreative Nachhaltigkeit Dr. Michael LaFond Marienburger Straße 40 10405 Berlin Tel.: 030 - 47 37 23 08 institute@id22.net www.wohnportal-berlin.de www.experimentcity.net www.id22.net www.winfriedhaertel.de VERSCHWINDENDE VIELFALT DISAPPEARING DIVERSITY Das „Wohnportal Berlin“ als interaktive Vernetzungsplattform Jon Richter V 12 or dem Hintergrund aktueller Entwicklungen in Politik und Gesellschaft spielen alternative Wohnformen für die Gestaltung der zukunftsfähigen Stadt eine immer tragendere Rolle. Gleichzeitig gibt es eine größere Bandbreite an Ansätzen und Konzepten des selbstorganisierten gemeinschaftlichen Wohnens und Bauens. Das „Wohnportal Berlin“ bietet sich an, als transparenter Vermittler zwischen Engagierten zu wirken. Selbstorganisierte Wohnprojekte und Baugemeinschaften haben das Potenzial den gegenwärtigen Herausforderungen einer verantwortlichen Stadtentwicklung, den wachsenden sozialen Unterschieden und den Veränderungen der Arbeitswelt mit Kreativität und Engagement zu begegnen und zur Verbesserung der urbanen Le- 13 MAGAZIN Ausgabe 2/10 · Juli 2010 Berlin für alle! Eine soziale und ökologische Stadtentwicklungspolitik im Sinne der „Berliner Lokale Agenda 21“ ist möglich: Mit mehr direkter Demokratie Anuschka Guttzeit ie Bürger/innen vertrauen den Parteien immer weniger. Die Wahlbeteiligung sinkt stetig. Nach Wahlen machen die Politiker/ innen oft vollständig andere Dinge, als sie vor den Wahlen versprochen haben. Die Folge: Immer weniger Bürger/innen engagieren sich in Parteien. Erstaunlicherweise setzen sich aber immer mehr Bürger/innen für politische Sachthemen und für die konkrete Gestaltung ihrer Stadt ein. Sie wollen nicht nur alle fünf Jahre (bzw. alle vier Jahre bei Bundestagswahlen) ihre Stimme abgeben, sondern sie wollen die ganze Zeit mitreden. Sie wollen verbindlich für ihre Interessen abstimmen, wann immer es ihnen nötig erscheint. Wer Demokratie ernst nimmt, der muss die Entscheidungen der Bürger/innen akzeptieren. Dafür ist mehr direkte Demokratie nötig. D.h. es müssen endlich Volksbegehren und Bürgerbegehren eingeführt werden, deren Abstimmungsergebnisse für die Politiker/innen rechtlich verbindlich sind. Dies ist auch angesichts der halbherzigen „Berliner Lokale Agenda 21“-Politik des SPD/LinkeSenats dringend nötig. Mehr Bürgerbeteiligung! Wozu hatte das Abgeordnetenhaus Berlin die „Berliner Lokale Agenda 21“ im Jahr 2006 beschlossen? Tatsächlich ist die darin angestrebte Bürgerbeteiligung an Stadtentwicklungs- und Freiraumplanungsprozessen nicht zwingend und verbindlich vorgeschrieben. Zwar wird im Agendatext vollmundig behauptet: „Das Prinzip, die Bürger an sie betreffenden Entscheidungen schon im Planungsstadium umfassend zu beteiligen, wird auf gesamtstädtischer und bezirklicher Ebene realisiert.“ (www. agenda21berlin.de S. 16) In der Realität machen engagierte Bürger/innen aber meist ganz andere Erfahrungen. Am Ende von zum Teil Jahre andauernden Runden Tischen, Mediationsverfahren und Verhandlungen, nach unverbindlichen Bürger- sowie Volksbegehren machen die Regierenden nämlich meist trotzdem das, was sie von vornherein geplant hatten. Sie wollen nichts von ihrer Macht abgeben! Dies führt zu Politikverdrossenheit. Der überparteiliche Verein „Mehr Demokratie“ fordert seit über 20 Jahren rechtlich verbindliche Volksentscheide für ganz Deutschland auf Bundes- und Landesebene. Wir leben heute in Zeiten, in denen den Bürger/ innen die immer weiter steigenden Milliarden – zum Beispiel Kosten für die Finanzkrise – aufgebürdet werden. Bei den kleinen Leuten, im sozialen und ökologischen Bereich, wird gekürzt. Verursacht wurde die Finanzkrise aber von Bänkern und deren zum Teil unverantwortlichem Geschäftsgebaren. Politiker/innen haben ihnen durch die Verabschiedung von deregulierenden Gesetzen im Bereich der Finanzpolitik erst die Möglichkeit für ihr Fehlverhalten gegeben. Die Banken als die Verursacher der Krise werden von der Politik nicht zur Verantwortung gezogen. Zur Finanzierung der Kosten, der von ihnen verursachten Krise, müssen die Banken kaum beitragen. Das ist unverantwortlich. Deshalb ist eine direkte demokratische Beteiligung durch rechtlich verbindliche Volksbegehren auch auf Bundesebene nötiger denn je! Volksbegehren und Bürgerbegehren in Berlin In Berlin haben Volksbegehren und Bürgerbegehren auf Landesebene bisher nur empfehlenden Charakter für die Politik. Der Sozialwissenschaftler Dr. Andrej Holm, Arbeitsschwerpunkte Stadterneuerung und Gentrifizierung, wünscht sich eine „Vorreiterrolle“ Berlins in Sachen direkter Demokratie. Arme werden in der Hauptstadt durch eine verfehlte Mietenpolitik zunehmend aus der Innenstadt vertrieben. Das Durchschnittseinkommen in Berlin beträgt lediglich 900 Euro Netto. Berlin ist die Hauptstadt der Mieter/innen. Ein verbindliches Volksbegehren für eine soziale Mietenpolitik wäre hilfreich. 2006 haben sich die BerlinerInnen in einer Volksabstimmung mit großer Mehrheit für eine Änderung der Bestimmungen zu direktdemokratischen Elementen in der Berliner Verfassung entschieden. Daraufhin wurde die Zahl der für ein Volksbegehren notwendigen Unterschriften und der bei einem Volksentscheid notwendigen Ja-Stimmen gesenkt. Seit der Änderung der Berliner Verfassung gab es 15 Volksbegehren. Mit dem Volksbegehren „Tempelhof bleibt Verkehrsflughafen“ gab es in Berlin zum ersten Mal einen Volksentscheid. Kürzlich hat der Rechtsausschuss des Abgeordnetenhauses über Reformpläne beim Volksabstimmungsgesetz beraten. Demnach dürfen jetzt auch gemeinnützige Organisationen für Volksbegehrensinitiativen spenden und nicht mehr nur ausschließlich Wirtschaftsunternehmen – eine gute, sehr wichtige Entscheidung. 2005 wurden in Berlin auf Bezirksebene Bürgerbegehren und Bürgerentscheide eingeführt. Die Berliner/ innen nutzen dieses demokratische Instrument begeistert. Seit 2005 gab es über 27 Bürgerbegehren. Das bekannteste ist sicherlich das Bürgerbegehren „Spreeufer für alle!“ Die Initiative „Mediaspree versenken“ hatte es 2008 in Friedrichshain-Kreuzberg erfolgreich gegen das „Mega-Stadtumbauprojekt Mediaspree“ durchgeführt. Mediaspree ist ein Zusammenschluss von Investoren, die mit hohen öffentlichen Subventionen den Bereich zwischen Ostbahnhof und Oberbaumbrücke an der Spree bebauen wollen. Die Mehrheit der abstimmenden Bürger/innen in Friedrichshain-Kreuzberg hatte sich in einem Bürgerentscheid gegen die Bebauung dicht an der Spree, gegen den Bau von Hochhäusern und für 50 Meter breite öffentlich zugängliche grüne Uferwege an der Spree ausgesprochen. Außerdem stimmten sie gegen den Verkauf von landeseigenen Grundstücken an private Investoren und gegen den Neubau einer Autobahnbrücke. www.ms-versenken.org Rette Deine Stadt Wie die meisten Bürgerbegehren hat das Bürgerbegehren „Spreeufer für alle“ jedoch nur empfehlenden Charakter und ist nicht rechtsverbindlich. Sehr viele Unterstützer/innen des Bürgerbegehrens „Spreeufer für alle“ kritisieren heute, dass das Ergebnis des Bürgerbegehrens kaum umgesetzt wird. Deshalb findet am 10. Juli D  Anuschka Guttzeit., 2010 2010 eine Demonstration statt, die von einem breiten Bündnis getragen wird. www.megaspree.de Motto „Rette Deine Stadt, gegen die Stadtentwicklungspolitik von oben“. Ein Bürgerentscheid ist heute rechtlich lediglich einem Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung gleichgesetzt. Die Bürger/innen sind also auf das Wohlwollen von Politik und Verwaltung angewiesen. Die Bezirksverordnetenversammlungen müssten mehr Beschlusskompetenzen haben, das würde automatisch auch die Rechtswirkung von Bürgerbegehren und Bürgerentscheiden stärken. Das meint der Verein „Mehr Demokratie“ und hat dazu eine Unterschriftensammlung gestartet. http://bb.mehr-demokratie.de/ aufruf-berlin.html Parteien und Abgeordnete, die nicht für die Einführung von Volksentscheiden auf Landesebene und von Bürgerentscheiden auf Bezirksebene eintreten, deren Abstimmungsergebnisse für die Politiker/innen rechtlich verbindlich sind, sind 2011 bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus nicht wählbar. Nur so können wir künftig eine neue, wirksame „Ber- liner Lokale Agenda 21“ bekommen, die für eine soziale und ökologische Stadtentwicklungspolitik mit echter Bürgerbeteiligung steht. Dazu gehört eine tatsächliche, umfassende und transparente Informationspolitik von Seiten der Regierenden bereits im Planungsstadium. Anuschka Guttzeit Mitbegründerin Bürgerinitiative „Bäume am Landwehrkanal“ www.baeume-am-landwehrkanal.de Artikel zum derzeit größten Mediationsverfahren im deutschsprachigen Raum: „Zukunft Landwehrkanal: Erfolgsmodell oder doch Greenwashing?“, S.6/7 in der Umweltzeitung „Der Rabe Ralf“ www.grueneliga-berlin.de Zum behördlichen Umgang mit Bürgerengagement Das Beispiel Gleisdreieck Elisabeth Meyer-Renschhausen ecks. Hier setzen sich wechselnde Bürgerinitiativen seit weit über dreißig Jahren dafür ein, dass dieses Gelände ein grünes Erholungsgebiet wird. Nachdem die Bahn als Grundstückseigner das Land Berlin über 15  Jahre lang hingehalten hat, wird der Park nun gebaut. Aber was für ein Park soll hier entstehen? Offenbar ein Park im Stil des Feudalzeitalters – des Zeitalters vor der Französischen Revolution. Beispielsweise soll am Rand des neuen Parks eine ganze Autobahn von schnurgeraden überbreiten Wegen entstehen. Zudem soll ein so genannter Stadt-Hain-Gürtel entstehen, auf dem sich nichts weiter befindet, als in Reih und Glied gesetzte Bäume auf wassergebundener Decke. Beide Stilelemente erinnern an die Parks des absolutistischen Zeitalters, als ein Ludwig der XIV. allein herrschte, während die Bürger nichts zu sagen hatten. Stadtgrün wird systematisch zerstört Aber noch mal der Reihe nach: Nach Beschluß des Abgeordnetenhauses von Berlin mussten die Bebauer des Potsdamer Platzes 24 Millionen Euro für ökologische Ausgleichsmaßnahmen hinterlegen. Dafür soll das Gelände des so genannten „Gleisdreiecks“ südöstlich des Potsdamer Platzes zu einem Park umgestaltet werden. Die 35 Hektar große Berliner Eisenbahnbrache „Gleisdreieck“ entstand auf der Fläche dreier ehemaliger Bahnhöfe, von denen der bekannteste der Anhalter Bahnhof war. Seinen Namen hat das „Gleisdreieck“ von einer oberirdischen U-Bahn-Gabelung über den Güterbahnhöfen, die 1908 nach einem Unfall zu einer Kreuzung wurde. Nach dem zweiten Weltkrieg fiel das Gelände brach und verwilderte, weil die Flächen in Westberlin lagen, jedoch mit der Reichsbahn zur DDR gehörten. Es entstand nach und nach eine wild wuchernde „Spontanbegrünung“, indem sich „Trümmergrün“ (Planersprache: „Ruderalgrün“) ansiedelte und sich über den allmählich unsichtbar werdenden Schienen zu kleinen Wäldchen verwuchs. Ganze Wälder von Fliederbüschen quellen jeden Mai über die Ränder bis hinunter in die Abgasvernebelte Straßenschlucht unter den Yorckbrücken. Mitten in der Stadt Berlin ist ein grünes Biotop entstanden, das zahlreichen Singvögeln, Igeln und sogar einigen Mardern und Füchsen eine neue Heimat wurde. Dort, wo die Menschen im Sommer unter der ewigen Hitze und schlechter Luft beson- Z ur Zeit werden in Berlin unter einer rot-roten Regierung Gelder, die für „Ausgleichs“-GRÜN sind, zugespitzt gesagt, in Baumaßnahmen umgemünzt. Ausgleichsgrün, das sind neue Grünanlagen und Parks, die entstehen sollen, weil an anderer Stelle „hochverdichtet“ neu gebaut wurde. Stattdessen geht das Geld an Baufirmen. Grün-Ausgleichsgelder werden der Bauindustrie zugeschanzt, statt dass für die Bürger grüne Erholungsflächen angelegt werden. Im Agenda21-Prozeß hat sich die Stadt Berlin verpflichtet, sich für vermehrten Umweltschutz zugunsten des Klimas einzusetzen. Die bauindustriefreundliche Mode der Parkgestaltung folgt einem Stil, der sich wesentlich nach dem 11. September 2001 durchgesetzt hat. Er setzt auf „Transparenz“ und „Sichtachsen“. Nebeneffekt sind „pflegeleichte“ Parks für die kaum noch ein festangestellter Gärtner nötig ist und – eben – gute Aufträge für die Bauindustrie. Ein Park im Stil des Feudalzeitalters Ein besonders unglückliches Beispiel ist das Gelände des Berliner Gleisdrei- 14 15 MAGAZIN ders zu leiden haben, fächelten ihnen wild gewachsene Birken, Robinien und Weichselkirschen wie aus einer anderen Welt wundersam Wohlgerüche und Kühle zu. Diese wild gewachsene Grüne Lunge zu erhalten und der Öffentlichkeit für Spaziergänge zugänglich zu machen, dafür hatten sich in über 30jährigem Engagement zahlreiche Bürgerinitiativen eingesetzt, von der „BI Westtangente“ bis zur „Parkgenossenschaft Gleisdreieck“. Stattdessen wurde jetzt im Zuge der Parkerstellung von der Senatsverwaltung bzw. der senatseigenen Firma GrünBerlin ungeheuer viel vom bisherigen Grün systematisch zerstört. Übrig blieb kaum ein Strauch. Tausende von Vögeln, Igeln, Kaninchen oder Mardern wurden für Jahre obdachlos. Sämtliche von den Bürgern aus eigener Tasche in vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit angelegten Beete der Community Gardens samt Komposthaufen mit speziellen Kompostwürmern wurden vernichtet. Zerstört wurden die – vom Senat finanzierten  – Ausstellungsschilder zur Migration unserer Kulturpflanzen vom Ökowerk e.V.. Der interkulturelle Garten, die Gruppe des „Rosenduft“ des Vereins Südosteuropa Kultur e.V. und andere mussten sich in eine Ecke nahe der lauten und giftigen Yorckstraße verschieben lassen, die ursprüngliche Gartengruppe zerbrach darüber. Bügerbeteiligung? Das ist erstaunlich, wollte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung diesen Park mit einer in diesem Umfang noch nie da gewesenen Bürgerbeteiligung erstellen. Das hatte der damalige Stadtentwicklungssenator Strieder versprochen, der zuvor Bürgermeister von Kreuzberg war. Er war zudem langjähriges Mitglied in der Bürgerinitiative Westtangente, die seit 1973 dabei war und ist, das Gelände vor der Gier der Baulöwen und der Autobahnindustrie zu bewahren. Tatsächlich durften die beteiligten Bürgerinitiativen sechs Bürgervertreter in eine „Projektbegleitende Arbeitsgruppe“ für die Parkplanung entsenden. Statt dass jedoch in dieser „Projektbegleitenden Arbeitsgruppe“ die Parkgestaltung besprochen wurde, wurden die Bürgervertreter dort hinsichtlich der Gestaltung der Westseite meistens vor vollendete Tatsachen gestellt. Die Bürgervertreter – waren und sind entsetzt, wie viel des Geländes für so genannte „Promenaden“ mit Bäumen in militärischer Formation und versiegelten Flächen stehen soll. Dieser tote Boden wird künftig keinem Käfer und keiner Schmetterlingsraupe einen Lebensraum zugestehen. Die bundesweit bewunderte Parkgenossenschaft Gleisdreieck, der die Ruine „gelbe Villa“ als Basis für den notwendigen Restaurationsbetrieb nicht zugestanden wurde, ist daher in Auflösung begriffen. Vielleicht haben beide Seiten aus diesem unfruchtbaren Hin und Her allmählich doch ein klein wenig gelernt, denn nun sieht es so aus, als wären die Kleingärten am Westrand des Parks doch gerettet, die auf der Schöneberger Seite des Gleisdreiecks die Spaziergänger und die Menschen mit 60-jährigen Apfelbäumen erfreuen   – samt ihren geheimnisvollen Verstecken und Behausungen für Spatz, Fink und Star sowie Meise, Igel, Fuchs und Haselmaus, kurzum dessen, was man in diesem Jahr der Biodiversität besonders schützen möchte. Aber auch hier muss weiterhin jedes einzelne Gebüsch, jedes Bäumchen, das bisher ohne künstlicher Bewässerung auskam, vor der respektlosen Baulust der Landschaftsplaner verteidigt werden. Fazit Länder und Kommunen sind, da sie verschuldet sind, erpressbar. Da sie vom Bund immer weniger Mittel erhalten, setzen sie in ihrer Not auf die Bürgerinitiativen, die kurz vorher noch als unbequeme Querulanten galten. Aber des fortgesetztes Drucks, unter dem die Kommunen seitens der Banken, örtlichen Firmen und der Bundesebene stehen, die neue Aufgaben aufbürden aber die Steuereinnahmemöglichkeiten kappen, entwickeln sie kaum ein angemessenes Verständnis für die tatsächliche Bedeutung von Bürgerarbeit. Ohnehin wurde die Bürgerarbeit untergraben, indem man daraus Zwangsarbeit für Hartz-IV-Empfänger zu machen versuchte. Zudem wird Bürgerengagement nicht ernst genommen, weil die Idealisten sozusagen ja dumm genug sind, es umsonst zu machen. Endlich möchte man sich zeitraubende Konflikte ersparen, indem man langjährige aktive Bürger durch eine Scheinbürgerbeteiligung von Befragung von desinteressierten Anrainern ausschaltet. Schließlich unterläuft die Verwaltung ihr Bemühen um aktive Bürgerbeteiligung, wenn sie die langjährig aktiven Gruppen als „Minderheit“ abqualifiziert, die angeblich kein Gefühl für die Bedürfnisse der Mehrheit hätten. Untersuchungen wie die vom Soziologen Wulf Tessin der Universität Hannover zeigen jedoch, dass die engagierten Bürger in der Regel ganz gut eben das zum Ausdruck bringen, was die Mehrheit denkt, auch wenn sie sich nicht bequemt aktiv zu werden. Land Grabbing auch in Europa? Das Land Grabbing, dass in Afrika neue Not hervorruft, findet offenbar auch in Europa statt. Zur Erinnerung: Riesige Länderein wurden bereits und werden in Afrika verkauft. Flächen so groß wie die Hälfte der Ackerflächen Europas wurden den afrikanischen Bauern entzogen und ausländischen „Investoren“ zugeschlagen. Die dort ansässigen Kleinbauern werden in der Regel noch nicht einmal gefragt, ob sie damit einverstanden sind. Sie kannten das Institut des privaten Landbesitzes bisher nicht. Sie verstanden ihr Land als Allgemeinbesitz, der jedem zusteht, der es zur Bestreitung seines Lebensunterhalts braucht. Nun werden die betroffenen Kleinbauern vertrieben. Die meisten fliehen vom Land und siedeln sich in den rasant wachsenden Slums großer Städte an. Ihre Verarmung ist vorprogrammiert, anständig bezahlte Jobs finden sie dort nämlich nicht. Hunger und Unterernährung warten auf wahrscheinlich sogar die meisten von ihnen. Aber auch bei uns findet diese Politik der Enteignung des Volkes zugunsten einiger Investoren statt. Es handelt sich um eine Veruntreuung der bisherigen Allmenden. Die Politik der Privatisierung bedeutet nichts anderes. Die Politik der Steuerentlastung für die Reichen macht es möglich. Verschuldete Regierungen sind erpressbar. Der Bund (Tempelhof, Gleisdreieck) etwa erpresst das Land Berlin, ihm freiwerdendes Land abzukaufen. Überall wo in Berlin neue Parks erstellt werden erweisen die sich bei genauerem Hinsehen als verdeckte Baumaßnahme. Die zu groß gewordene Bauindustrie, die nach dem Boom Anfang der 1990er Jahre nicht mehr ausgelastet ist, drängt in den Bereich der Landschaftsplanung. Sie erpresst offenbar die Verwaltung, die Regierung, Senat und Unterbehörden wie etwa die landeseigene Parkerstellungsfirma „GrünBerlin“, bei der Neuanlage von Parks größere Bauaufträge zu vergeben. Und zwar auch, wenn diese Aufträge auf Kosten des bereits vorhandenen Grüns gehen. Die auf dem Gleisdreiecksgelände bereits vorhandene Spontanbegrünung musste größtenteils abgeholzt werden, damit die heute meistens riesigen Baufahrzeuge sich dort überhaupt bewegen konnten. Ergebnis wird ein steriler Park Ausgabe 2/10 · Juli 2010 Ade Bürgerbeteiligung: Zur Begehung des „Westparks“ auf dem Gleisdreieck kamen um die 300 Menschen Elisabeth Meyer-Renschhausen, 2010 der „großen Leere“ sein, eine grüne Wüste. Unterbrochen von allzu breiten Wegen, die Radler und Skater zum Rasen verleiten mitsamt sterilen, fast immer überdimensionierten „Plätzen“ die fast niemand gerne benutzt, wie inmitten des Bürgerparks Laskerwiesen oder aber die Fläche am südlichen Zipfel des Anhalter Bahnhofsgeländes. Steriles Grün als Planungsziel? Daher fallen die neuen Berliner Parks, die in den letzten Jahren geschaffen wurden, fast alle durch ihre Sterilität auf. Trotz der Klimaschutzabkommen von Rio de Janeiro und der Agenda 21 besteht offenbar keine Verpflichtung der Behörden, Parks auf eine nachhaltige, ökologische Art und Weise zu erstellen, statt die Parkerstellung zu verdeckten Bauaufträgen zu mutieren. Indem große Bäume abgehauen werden und dann durch (teure) viel kleinere ersetzt werden, wird die Luftreinigungswirkungsfunktion des Geländes massiv minimiert. Es entstehen zusätzliche Pflegekosten, da die neu angepflanzten Bäume über Jahre hinaus künstlich gewässert werden müssen, während die Bäume, die sich selbst angesiedelt hatten, offensichtlich in der Lage waren, mit dem Regenwasser auszukommen. Eine grüne Wiese auf einer hochgelegten Fläche mit Schotteruntergrund wie dem Gleisdreieck wird ungeheure Wassermengen benötigen, soll sie einigermaßen grün bleiben. Fraglich ist, ob eine schattenlose Weite den im Sommer hitzegeplagten Großstädtern Freude machen wird. Oder geht es hier eher um eine Art von neuem Versailler Park, mittels dessen der Sonnenkönig bei seinen ohnehin nur einmal kommenden Gästen Eindruck schinden will? Parkgenossenschaft Gleisdreieck in Auflösung Die Parkgenossenschaft Gleisdreieck hat daher ihre Auflösung beschlossen. In diesem undemokratisch und phantasielos gestalteten Park werden wir keine ehrenamtliche Pflege übernehmen. Die Verwaltung weiß offenbar nicht, was Bürgerbeteiligung ist. Sinnvoll wäre ein runder Tisch gewesen, statt eines Fragebogen-Dialogs mit und seien es tatsächlich 30.000 Anwohnern, die jedoch höchstens mittels des Einsatzes von bezahlten Sozialarbeitern zur Stimmabgabe motiviert werden konnten. Die „schweigende Mehrheit“ gegen die wenigen angeblich „elitären“ Aktiven auszuspielen, das hat schon immer demokratiezerstörend gewirkt. Hauptursache der Desaster ist die Boden- spekulationspolitik, die die Bundesregierung seit 1991 betreibt. Zu große Summen von Ausgleichsgrün-Geldern, wirken zerstörerisch, wenn sie nicht zumindest teilweise auf die kommunale Ebene der Bezirke weiter gereicht werden. Letzte Ursache ist die Phantasielosigkeit der Verwaltung, die nicht versteht, dass im Sinne der Nachhaltigkeit Ausgleichsgrün-Gelder heutzutage an die Bezirke zur Parkpflege übergeben werden müssen. Außerdem kam man in den Verwaltungen nie auf die Idee, dass man Bürgerinitiativen, denen man eine Daueraktivität über 20 Jahre und länger zumutet, nur erhalten kann, wenn man ihnen Büros und schließlich auch ein Büro neben bezahlten Koordinatoren zugesteht. Es steht nirgends geschrieben, dass Ausgleichsgrün-Gelder nicht auch dafür verwandt werden dürften. Dr. Elisabeth Meyer-Renschhausen Vorsitzende der AG Gleisdreieck e.V. Bülowstr. 74 10783 Berlin Tel.: 030—261 22 87 elmeyerr@zedat.fu-berlin.de www.berlin-gleisdreieck.de www.urbanacker.net www.breigarten.de 16 17 MAGAZIN Ausgabe 2/10 · Juli 2010 Wer Strassen sät, wird Verkehr ernten Mogelpackung A100 belastungen sowie zur Umsetzung des Lärmminderungsplans“, die A100 Verlängerung notwendig. Frau JungeReyer hat sich Im Prozess der Lärm­ aktionsplanung auf Druck aus ihrer eigenen Verwaltung gegen die Forderung der Umweltverwaltung nach mehr Tempo 30 auf Hauptstraßen zur Lärmminderung gestellt. Als Kompromiss beider Ressorts wurde wenigstens nachts Tempo 30 auf Hauptstraßen in Wohngebieten angeordnet. Bei einer Ausweitung dieser Strecken ist auch weiter mit starkem Gegenwind zu rechnen. Senat und Bezirke wie Treptow-Köpenick behaupten, erst nach Bau der A100, der Südostverbindung, der Ost-West-Trasse und weiterer Schnellstraßen die verordneten Lärmminderungsmaßnahmen umsetzen zu können. Also werden die betroffenen Anwohner weiter leiden. Aber: Welche Maßnahmen sind eigentlich für die stark belasteten Straßen im Süden und Westen Berlins geplant, wie dem Tempelhofer und Mariendorfer Damm? Wie will der Senat dort vorgehen? „Zielführende Maßnahmen zur Verringerung des Individualverkehrs zugunsten des öffentlichen Personennahverkehrs“ ist ein weiteres Bonbon für die wackelnden Abgeordneten der SPD – darunter sollen Maßnahmen zur Infrastrukturergänzung des ÖPNV, insbesondere die Vorbereitung von Netzergänzungen bei der Straßenbahn verstanden werden. Das Thema „Erweiterung des Straßenbahnnetzes“ ist ein besonderes Trauerspiel. Die Tram zum Hauptbahnhof sollte schon seit Jahren fahren. Gebaute Vorrangschaltungen an Ampeln für den ÖPNV werden einfach abgeschaltet oder „vergessen“, sie wieder zu aktivieren. Abschließend sind noch verstärkte Geschwindigkeitsüberwachung und Lärmdämmung an allen Autobahnabschnitten im SPD-A100-Paket enthalten. Mit den Mitteln für die A100-Verlängerung könnte sicher viel für die Lärmsanierung an der bestehenden Stadtautobahn getan werden. Also sollen sie doch erst einmal sanieren, bevor sie weiter betonieren. Harald Moritz n der jüngsten Diskussion über die Verlängerung der Stadtautobahn A100 von Neukölln zum Treptower Park versucht die SPD von ihrem Parteitagsbeschluss vom Mai 2009 gegen die Autobahnverlängerung abzurücken. Sie argumentiert nun, dass Befürworter und Kritiker der A100 doch weitgehend das gleiche Ziel verfolgen – auch sie will gleiche Mobilitätschancen für alle sowie die Innenstadt vom motorisierten Individualverkehr (MIV) entlasten. Nur habe man im Mai 2009 die A100 „isoliert betrachtet“ und sei deshalb zur falschen Schlussfolgerung gekommen. Jetzt will die SPD die A100 in ein „Gesamtpaket“ einbetten. Die SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus ist der Mogelpackung bereits auf dem Leim gegangen. Wunder durch die A100 Verlängerung? Bei näherer Betrachtung all dieser Punkte des SPD-A100-Pakets sollte man schon an Wunder glauben, um darauf zu vertrauen, dass nur durch die Verlängerung der A100 all die bislang versäumten Maßnahmen ernsthaft umgesetzt werden. Wundern sollte man sich aber nicht, wenn angesichts dieses von den SPDOberen offerierten A100-Pakets nun die Delegierten auf dem Parteitag endlich die „bisher vernachlässigten Zusammenhänge“ erkennen und die I Verlängerung der A100 befürworten. Die SPD-geführte Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat beim Casus A100 längst das Pflaster der redlichen Argumentation verlassen. Seitdem dieser Boden durch den zähen (und inhaltlich-sachlichen!) Widerstand der Autobahngegner zu heiß geworden ist, wiederholt sie mantra-artig die Entlastungslüge und die Prognose der „Bündelung vom Verkehr“. Darüber hinaus arbeitet sie mit Drohgebärden, Personalpolitik und jetzt auch mit Parteidisziplin. Die parlamentarischen und zivilgesellschaftlichen A100-Gegner tun gut daran, ihre beharrliche Arbeit fortzusetzen. So ist es ihnen gelungen, die noch vor zwei oder drei Jahren klare politische Mehrheit im Abgeordnetenhaus für die A100 Verlängerung ins Wanken zu bringen. Gemeinsam werden wir diese aus der Zeit gefallene Betonplanung stoppen! Harald Moritz Bürgerinitiative Stadtring Süd BISS Berlin Plesser Str. 3 12435 Berlin info@stop-a100.de www.stop-a100.de Lokale Agenda 21 in Berlin mit Hindernissen Delia Hinz Alter Wein in neuen Schläuchen Dabei sind alle vom SPD-Fachausschuss entwickelten Vorschläge, die so neu und weltbewegend daherkommen und für eine „umweltfreundliche Mobilität“ plädieren, schon im Stadtentwicklungsplan (StEP) Verkehr von 2003 enthalten. Wieder einmal geht es um die Entlastung der Innenstadt vom Durchgangsverkehr. Die Senatsverwaltung hat daran intensiv gearbeitet: zum Beispiel am vierspurigen Ausbau der Invalidenstraße, gegen den jetzt Anlieger wegen der prognostizierten hohen Schadstoffbelastungen klagen. Die Verlängerung der Französischen Straße von der Mauerstraße zur Wilhelmstraße wurde im Dezember 2009 dem Verkehr übergeben. Die Planung der Umgestaltung von Grunerstraße und Mühlendamm sieht weiterhin sechs Fahrspuren vor. Allein diese drei Beispiele zeigen, dass Worte und Taten nicht zusammen passen. Trotzdem ist der Verkehr in der Innenstadt von Mitte der 1990iger Jahre zu Mitte der 2000er Jahre um ca. 10 Prozent zurück gegangen. Die Nullfallprognose, also die Verkehrsvorhersage ohne Autobahnverlängerung, weist in den Planungsunterlagen zum Bau der A100 eine Reduzierung des Verkehrs auf der B96a aus. Auf der Elsenstraße, Am Treptower Park und der Köpenicker Landstraße würde der Verkehr ohne Autobahnbau ab 2016 um zehn bis 15 Prozent zurückgehen! Eine Entlastung im Wohnbereich ist also ohne A100 Verlängerung möglich. Der Rückbau von Straßen, der immer gerne als Ausgleichsmaßnahme zum Autobahnbau angeboten wird, ist sehr lobenswert. Nur ist deren Umsetzung stark zu bezweifeln. So wartet die Steglitzer Schloßstraße, parallel zur A103, schon 40 Jahre auf ihren Rückbau. Berlin ist so arm, dass die normale Straßenunterhaltung seit etlichen Jahren nur noch notdürftig möglich ist. Woher soll denn das nötige Geld für den Rückbau der Straßen kommen, wenn die A100-Verlängerung „kompensiert“ werden soll? Die Parkraumbewirtschaftung soll nun zentralisiert und kurzfristig die Zielgröße des StEP Verkehr 2003 erreichen. Warum ging es denn bisher nicht? Offenbar ist auch zur „Einführung von mehr Tempo 30 auf Hauptstraßen“, mit dem Ziel der Lärmminderung und der Entlastung von Luft- M it der Konferenz von Rio im Jahr 1992 haben sich 178 Staaten der Erde darauf verständigt, für eine nachhaltig zukunftsfähige Entwicklung zu sorgen. 1994 sind 80 europäische Kommunen – so auch Berlin – mit der Charta von Aalborg die Verpflichtung eingegangen, bis Ende 1996 eine Lokale Agenda 21 zu erstellen. Trotz Beauftragung des Berliner Abgeordnetenhauses von 1999 an den Senat, eine Lokale Agenda 21 zu erstellen, und einem eigenen Senatsbeschluss von 2000 wurde im Jahr 2004 dem Abgeordnetenhaus eine nicht beschlussfähiges Vorlage übergeben. Nach umfangreicher Überarbeitung unter Berücksichtigung der durch das Agendaforum geleisteten Vorarbeiten wurde durch engagierte Abgeordnete eine Beschlussempfehlung ins Parlament eingebracht. Parlamentsbeschluss und Berichterstattung Der Beschluss des Abgeordnetenhauses vom 8. Juni 2006 – zehn Jahre nach der eingegangenen Verpflichtung – stellt mit seinen sieben Handlungsfeldern ein deutschlandweit einzigartiges Dokument dar, da es in keiner anderen deutschen Kommune einen Parlamentsbeschluss gibt. Mit dem bis zum Jahr 2030 vorgelegten Handlungsprogramm war eine Berichterstattung über die Umsetzung durch den Senat zum 30.06.2009 verbunden. Mit achtmonatiger Ver- spätung wurde im Februar 2010 ein Bericht vorgelegt, der über alles Mögliche Auskunft gibt aber fast keine Umsetzungsergebnisse (nur zu 4 von 63 Handlungszielen) enthält. Auch über die Fortsetzung und Weiterentwicklung des Agenda-21-Prozesses mit der Bürgergesellschaft gibt es in dem Bericht keine Auskünfte. In dem Bericht werden weiterhin ohne vorherige Diskussion mit zivilgesellschaftlichen Gruppen neue Kernindikatoren kreiert, die federführende Senatsverwaltung sieht ihre Rolle als koordinierendes Gremium als nicht mehr zeitgemäß an und die Verantwortung für die künftige Berichterstattung soll dem Statistischen Landesamt übergeben werden. Wird die LA 21 begraben? Klargestellt werden muss, dass der Beschluss des Abgeordnetenhauses zur Umsetzung des Beschlusses von 2006 nach wie vor Gültigkeit hat. Ja, Rio 1992 und Aalborg 1996 und auch Berlin 2006 waren Meilensteine für eine nachhaltige Entwicklung. Der Bericht der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung über die Umsetzung der Lokalen Agenda 21 Berlin ist es mit Sicherheit nicht! Bezeichnend für den Umgang mit der Bürgergesellschaft ist auch die schrittweise Verabschiedung der federführenden Senatsverwaltung von der Zusammenarbeit mit Agenda-21Akteuren in Vereinen und in den Bezirksverwaltungen. Die kostenlose Bereitstellung von Räumen für Agenda-21-Gruppen wurde eingestellt. Ab- stimmungen mit den Bezirksverwaltungen fanden bis auf die Abfrage per Fragenkatalog zum Senatsbericht nicht mehr statt. Dem Verein Berlin 21, der sich mit großem Engagement für den Nachhaltigkeitsprozess in Berlin einsetzt und Einzelpersonen wie auch Vereine und Firmen zu seinen Mitgliedern zählt, wird im laufenden Geschäftsjahr (Bescheid am 21.05.2010) die Zuwendung auf fast die Hälfte des bisherigen Budgets gekürzt. Damit wird der Dialogprozess noch weiter eingeschränkt. Durch ehrenamtliche Tätigkeit kann sehr viel geleistet werden, aber es gehört auch die Bereitschaft aller Beteiligten zur Zusammenarbeit dazu. Da es sich hier um die vorerst letzte Ausgabe des Berlin 21 Magazins handelt, ist der Grund für die Einstellung zu hinterfragen. Für Berlin 21 waren die Hefte immer ein wichtiger Baustein der Arbeit. Agenda-21-Gruppen, die sonst keinen Zugang zu Medien haben, konnten dieses Magazin als Sprachrohr für ihre Positionen nutzen. Offensichtlich haben kritische Beiträge das Missfallen der für die Finanzierung der Arbeit von Berlin 21 zuständigen Senatsverwaltung hervorgerufen, so dass das Berlin 21 Magazin als Bestandteil der Zuwendung nicht mehr finanziert wird. Berlin 21 wird sich für die Zukunft neu aufstellen und hoffentlich auch ein neues Konzept für ein informatives und meinungsoffenes Magazin finden. Delia Hinz deliahinz@gmx.de 18 19 MAGAZIN Ausgabe 2/10 · Juli 2010 Kritik zum Zwischenbericht der Senatsverwaltung zur LA 21 in Berlin Norbert Rheinlaender G emäß dem Agendabeschluß des Abgeordnetenhauses muss in der Mitte jeder Legislaturperiode ein Zwischenbericht zur LA 21 angefertigt werden, der den Umsetzungsstand dokumentiert. Der erste Zwischenbericht ist enttäuschend, da er leider nur die Ergebnisse weniger Handlungsziele wiedergibt. Damit gewinnt man den Eindruck, dass die Bilanz sehr dürftig ausgefallen ist. Es sind nur positive Ergebnisse dokumentiert. Von einer wissenschaftlichen Untersuchung bzw. einem Zwischenbericht hätte man sich gewünscht, dass der Bericht die Eignung von Lösungsansätzen gemessen an den Zielen bewertet, die Fortschritte erkennbar macht und nicht nur eine Auflistung der Bürgeraktivitäten und der Senatsprogramme wiedergibt. Zwischenbericht enttäuscht Akteure der LA 21 Die weltweite Lokale Agenda 21 von Rio de Janeiro sieht vor, dass die Zukunftsprogramme auf allen Ebenen der Bürgergesellschaft, Verwaltung, Politik und Wirtschaft gleichberechtigt und gemeinsam entwickelt und fortgeschrieben werden sollen und diese sich selbstverständlich auch als Akteure alle gemeinsam für die Umsetzung engagieren sollen und müssen. So müsste auch der erste Zwischenbericht auf die Zusammenarbeit eingehen. Er untersucht aber leider nicht die Aktivitäten bzw. die Einbindung der einzelnen Akteure. Von einer wissenschaftlichen Auswertung erwartet man auch eine Reflexion über die Rolle aller Akteure. Um die selbstgesteckten Ziele zu erreichen, war eine Darstellung zu erwarten, welche Beiträge auch Politik und Wirtschaft in diesem Prozess leisten müssen, wie auch, welche Akteure wie aktiv geworden sind und es weiterhin sein sollen. Warum stellt der Bericht nicht dar, welche Aktivitäten die Akteure in Zukunft angehen müssen, um z.B. die selbstgesetzten Klimaziele zu erreichen? Die dokumentierten Aktivitäten der Aktiven sind weitgehend die der Mitglieder des Vereins Berlin 21 und der Leitprojekte der Fachforen. Wieso setzen die Senatsverwaltungen nicht den Auftrag des Abgeordnetenhauses um, Indikatoren zu erarbeiten? Stattdessen stellt der Bericht fest: „Es fehlt ein geeignetes Indikatorensystem, um Fortschritte in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung Berlins zu überprüfen und darstellen zu können.“ Der Zwischenbericht stellt fest, dass die im Abgeordnetenhausbeschluss geforderten 63 Handlungsziele nicht als Indikatoren geeignet sind und die Autoren schlagen 12 Kernindikatoren vor, die den Fortschritt anhand von statistischen Zahlen anzeigen können. Wieso vergehen zwei Jahre, ohne dass die Senatsverwaltung die ihrer Meinung nach ungeeigneten Handlungsziele als ungeeignet ansieht? Wenn diese neuen Kernindikatoren besser sein sollen, fehlt der Bericht darüber, warum die vorherigen nicht brauchbar waren und nach welchen Maßstäben die neuen als besser geeignet bewertet werden. Das Fachforum Soziale Stadtentwicklung findet diese vorgeschlagenen Kernindikatoren nicht ausreichend und fordert eine Diskussion darüber, wie die in der LA 21 festgelegten Ziele erreicht werden können und mit welchen Indikatoren der Fortschritt gemessen wird. Der Zwischenbericht hat sich in seiner Untersuchung nur auf drei ausgewählte Handlungsfelder beschränkt, was eine unzulässige Einschränkung bedeutet. Hier wird nur aufgelistet, welche Berichte die Senatsverwaltungen schon angefertigt haben, aber nicht, ob und wie man den Zielen näher gekommen ist. Handlungsfeld „Das soziale Leben gestalten“ Hier sind alle Senatsprogramme aufgeführt, sogar die, die erst aufgrund des Bürgerengagements entstanden sind, ohne dass man erkennen kann, auf wessen Veranlassung sie entstanden sind. Im Bericht ist keine Beurteilung zu finden, ob die Senatsaktivitäten ausreichen oder wie ernst die Bürger und die anderen Akteure die Partizipation und die Geschlechtergerechtigkeit nehmen. Außer dem Förderprogramm „Soziale Stadt“ ist nicht erkennbar, wie die Senatsverwaltung das soziale Leben fördert. Es fehlt eine quantitative und qualitative Bewer- tung des Senatsengagements. Und wo bleibt die Wirtschaft? Obwohl sie einer der Hauptakteure der LA 21 sein soll bzw. ist, wird ihr Fehlen im Bericht nicht einmal festgestellt. Wo ist die Beurteilung, ob wir dem Ziel „gleiche Chancen für alle“ näher gekommen sind? Enttäuschend ist, dass der Bericht die Bemühungen und Ergebnisse der Senatsverwaltungen, an den Zielen des Berliner Parlaments gemessen, nicht als unzureichend eruiert! Handlungsfeld „Bürgerschaftliches Engagement und Partizipation“ Alles machen die Bürger schon alleine – z. T. sogar gegen den Widerstand des Senats, ohne Geld und ohne Unterstützung. Entspricht das dem, was die Agenda fordert? Wozu brauchen wir dann den Senat mit seinen Verwaltungen? Ist der Senat nicht mehr bzw. noch nicht Dienstleister am Bürger, sondern nur noch Verwalter ohne Geld, der (zudem auch nur unvollständige) Berichte über die Bürgeraktivitäten erstellt? Es ist nicht erkennbar, wie die Senatsverwaltungen dieses Bürgerengagement anerkennen, fördern und belohnen und Finanzierungen oder wenigstens Förderungen übernehmen. Handlungsfeld „Energie und Klima­ schutzpolitik“ Angesichts des Klimawandels macht es keinen Sinn zu prüfen, ob ein Ziel realistisch ist! Wenn ein Ziel notwendig ist (z.B. Reduktion von CO2), dann müssen die Maßnahmen davon abgeleitet werden und nicht das Ziel (unter welchen Vorgaben?) als unrealistisch verworfen werden! Wichtig ist, dass wir dem von der LA 21 gesetzten Ziel näher kommen! Die Umsetzung der Lokalen Agenda durch die Senatsverwaltungen Der Bericht stellt fest, „dass eine koordinierende Funktion, wie bisher von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wahrgenommen, angesichts der an den Prinzipien der Nachhaltigkeit orientierten Fachpolitiken nicht mehr notwendig ist“. Damit spricht sich die genannte Senatsverwaltung von der Verpflichtung durch das Abgeordnetenhaus frei, indem sie quasi darauf vertraut, dass jede Fachverwaltung schon das Richtige tun wird und dies nicht mehr koordiniert werden muss, obwohl genau dadurch unendlich viele gegensätzliche Entscheidungen gefällt wurden und zahlreiche Umweltschäden erst entstanden sind. Wieso definiert die Verwaltung sich ihre Rolle (um) und bezeichnet sich nur noch als Moderator, obwohl der weltweite Prozess der LA21 zwischen den Senatsverwaltungen koordiniert werden muss? Das ist die Aufkündigung der gemeinsamen Grundlage! Die Umsetzung der Lokalen Agenda durch die Bezirke Wenn der Zwischenbericht schon die Fortschritte in den einzelnen Bezirken dokumentiert, dann bitte auch vollständig! Warum scheint es in bestimmten Bezirken wenig oder gar kein Engagement zu geben? Tempelhof-Schöneberg und Reinickendorf fehlen in der Auflistung vollständig! Die von Steglitz-Zehlendorf und Schöneberg erstellten Aufgabenlisten ge- ben den Verpflichtungskatalog der LA21 für die Senatsaktivitäten und die Bezirke als Beurteilungsmaßstab vor, sind aber nicht einmal erwähnt worden. Norbert Rheinlaender Fachforum Soziale Stadtentwicklung Crellestr. 43, 10827 Berlin Tel.: 030—7 88 33 96 Fax: 030—78 71 21 03 N.Rheinlaender@gmx.de Berliner Agenda 21 querschnittsgelähmt? Hans-Hermann Hirschelmann eben „Geschlechtergerechtigkeit“ ist „Berlins Verantwortung in der Einen Welt“ als Querschnittsaufgabe (QA) der Berliner LA 21 bestimmt. Eine ausführliche Begutachtung der tatsächlichen Präsenz der QA in den sieben Handlungsfeldern der Berliner Agenda enthüllte allerdings einen so großen Ergänzungsbedarf, dass eine Überprüfung der bisherigen Umsetzung in der Sache wenig sinnvoll erscheint. Zwar nimmt Berlin sehr wohl globale Verantwortung wahr und es gibt hier zweifellos Fortschritte zu vermelden. So wurden im Doppelhaushalt 2010/11 erst die Mittel für Projekte der entwicklungspolitischen Bildungs- und Kampagnenarbeit freier Gruppen auf 500.000 € jährlich verdoppelt. Doch geschieht hier nichts auf Basis oder in Auseinandersetzung mit der Berliner Nachhaltigkeitsstrategie. N In der Theorie gilt Interdisziplinarität als Notwendigkeit eines jeden Nachhaltigkeitsstrebens. Auch aus entwicklungspolitischer Sicht wären Definition und Umsetzung gemeinsamer Zielsetzungen mit den Akteuren von Handlungsfeldern wie etwa Bildung, Integration, Verkehr oder Wirtschaft von Nutzen. Dafür bedürfte es aber einer Neudefinition und gründlichen Einarbeitung der QA „Globale Verantwortung der Stadt“. In wie weit das geschehen kann und welche Form das gegebenenfalls annehmen sollte (in Frage käme z.B. neue interne bzw. Internet-Vernetzungsmedien), wird auf einer Veranstaltung zu vier Jahren LA 21 Berlin besprochen werden, die für September geplant ist. Es ist zu hoffen, dass die entwicklungspolitischen Organisationen ihre Interessen in eine solche Perspektivdiskussion einbringen. Da sich das Berlin 21 Fachforum „Berlin in der einen Welt“, von dem die Untersuchung der QA ausging, inzwischen auflöste, (die entwicklungspolitischen Fachnetzwerke für die Berliner Nachhaltigkeitsstrategie zu begeistern, ließ sich ehrenamtlich und ohne einen minimalen Etat für Aktivitäten nicht bewältigen), wird Berlin 21 nun mit Hilfe eines Fragebogens Meinungen, Ideen und Kritiken der entwicklungspolitischen Fachwelt in Berlin erkunden. Die Berlin 21 Untersuchung der Präsens und des Fortschreibungsbedarfs QA „Eine Welt“ kann als PDF von der Berlin 21 Website geladen werden. www.berlin21.net/fileadmin/pdf/B21_Berlin_in_der_Einen_Welt_Bestandsaufnahme_und_Ausblick.pdf Der Fragebogen wird ab Mitte Juni bereit stehen. Hans-Hermann Hirschelmann Future-on-Wings e.V. Tel.: 030—89 20 14 58 mail@future-on-wings.net www.future-on-wings.net 20 Sebastian Stragies, 2007 21 MAGAZIN Ausgabe 2/10 · Juli 2010 Zwei Jahre „Magazin für ein zukunftsfähiges Berlin“ ren und damit die Stadtgesellschaft über ihre Arbeit zu informieren. Für diese Arbeit sei den Autor/innen hier ausdrücklich gedankt! Sie haben das Magazin zu dem gemacht, was es heute ist - diese vorliegende letzte Ausgabe sei ihnen allen gewidmet. Den Mitgliedern des Redaktionsbeirates sei gedankt für ihre inhaltlichen Diskussionsbeiträge, in Bezug auf Themensetzungen und Erscheinungsbild. Und last, but not least geht der Dank an das Layout, das für die ersten Ausgaben in der Verantwortung von Katrin Busch und später dann von der Designschmiede Schneider & Hahn, namentlich von Till N. P. Schneider und Christoph Hahn, weitergeführt wurde. Als verantwortlicher Redakteur habe ich 2008 die Redaktion des Magazins übernommen und diese Arbeit im Verlauf als persönliche Bereicherung erlebt, die mich vielen Akteur/ innen der Berliner LA 21 Szene und weiteren der Nachhaltigen Entwicklung verpflichteten Menschen nähergebracht hat. Mein persönlicher Dank geht hier auch noch an die Mitarbeiter/innen der Geschäftsstelle von Berlin 21, die sich um die Verteilung der Magazine an die Vereinsmitglieder gekümmert haben. Allen Aktiven, die die LA 21 und eine Nachhaltige Entwicklung der Stadt Berlin in den nächsten Jahren weiter voranbringen werden, wünsche ich Kraft, Ausdauer und die nötige Verbissenheit, auch in schwierigen Situationen für ein zukunftsfähiges Berlin zu kämpfen – denn es geht um unser aller Zukunft! Sebastian Stragies b21magazin@googlemail.com BERLIN 21 BLEIBT! – Statements zur Mittelkürzung (Fortsetzung von Seite 3) Thimm Hoth O‘C., Mitglied des Freien Theaterwerks Gavroche e.V., Musiker: „Schämen sollten sich die, die mit einer Dreistigkeit vor die Kameras treten und von Nachhaltigkeit und Entwicklung sprechen, und dann einem Projekt wie Berlin 21 so ein Bein stellen. Für mich ist eure Arbeit ein Zeichen für wahres Interesse für die Umwelt, die Gesellschaft und eigentlich auch für die Politik.“ Saskia Thomas, Theatercoach & Schauspielerin: „ich verstehe gar nicht, was ihr habt … meint ihr vielleicht im ernst, dass ihr mit euren jugend-zukunfts-projekten in der lokhalle und in der ringbahn und auf dem alex und mit eurer zeitung, in der absurderweise von positivem engagement berichtet wird, irgend etwas bewegt habt? und wenn ja, kann man es messen? in zahlen? wie soll das verbucht werden in dem einnahmen- und ausgabenbuch des senats?“ Andrea Kuserau und Stephan F. Greu­ lich, Konsumhelden: „Wer es ernst meint mit dem nachhaltigen Wandel, der braucht unbestritten einen langen Atem. Gerade in einer Zeit, in der in Berlin einiges in Schwung kommt, wie Konsumhelden meint, ist es völlig unverständlich, dass der Senat finanzelle Ressourcen im Bereich Nachhaltigkeit drastisch kürzt.“ Dipl.-Pol. Anuschka Guttzeit, BI „Bäume am Landwehrkanal“: „Wir brauchen endlich eine ‚Berliner Lokale Agenda 21‘, die die Bürgerbeteiligung an Freiraum - und Stadtentwicklungsprozessen zwingend vorschreibt und deren Ergebnisse für die Politiker/innen verbindlich sind.“ Stefan Gelbhaar, Landesvorsitzender Bündnis 90/Die GRÜNEN Berlin: „Der Senat zeigt kein ernsthaftes Interesse an bürgerschaftlichem Engagement. Dabei geht es insgesamt nicht um viel Geld. Der Senat hat z.B. die ungefähr zehnfache Summe für Rechtsberatung in Bezug auf die A 100 verpulvert.“ Irma Franke-Dressler, Landesvorsit­ zende Bündnis 90/Die GRÜNEN Ber­ lin: „Umweltschutz, bürgerschaftliches und soziales Engagement brauchen Planungssicherheit und keine Sonntagsreden. Klimaschutz ist in Berlin angeblich Chefsache. Die Realität sieht aber anders aus. Wer Nachhaltigkeit nicht als leere Floskel gebraucht, muss das auch durch Taten deutlich machen.“ Milena Riede, Mitbegründerin der Berliner Jour-Fixe der Berliner Nach­ haltigkeitsinitiativen: „Die Idee der Nachhaltigkeit lokal lebbar zu machen, eine Veränderung unseres nichtnachhaltigen Lebensstils hin zu einer zukunftsfähigen Lebensweise, dafür braucht es einen langen Atem, vielfältige Aktivitäten, intensive Information der Menschen, einen breiten Diskussionsprozess über nachhaltige Themen und vor allem eine gute Koordination der vielfältigen Akteure und Aktivitäten. Dafür braucht es den Verein Berlin 21.“ Bürgerforum Lokale Agenda 21 Tem­ pelhof-Schöneberg: „Berlin 21 ist gerade für die bezirklichen Lokalen Agenda 21-Initiativen als Multiplikator und Umsetzungshilfe des Agenda-Prozesses von RIO 1992 ungemein wichtig geworden. Dies trifft insbesondere für die Zeit nach dem finanziellen und organisatorischen Rückzug durch Wegfall der Koordinatorenstellen beim Senat und den Bezirken zu.“ Oliver Schworck, Bezirksstadtrat Tempelhof-Schöneberg: „Ich bedauere diese Entwicklung sehr, da meines Erachtens der Verein Berlin 21 e.V. mit großem Engagement arbeitet und wesentlich dazu beiträgt, die Kommunikation zwischen den Akteuren im Rahmen der Lokalen Agenda 21 in Berlin zu befördern und zu befruchten.“ Dr. Albert Statz, Mitglied des Nach­ haltigkeitsbeirates Brandenburg: „Ohne die Offenheit der Politik gegenüber politischer Partizipation droht zivilgesellschaftliches Engagement ins Leere zu laufen. Es braucht gleichzeitig materielle Unterstützung, um Kontinuität zu wahren, einen organisatorischen Rahmen zu gewährleisten und neue Initiativen zu ergreifen.“ Stefan Ziller, MdA Bündnis 90/Die Grünen: „Beerdigt Junge-Reyer die Berliner lokale Agenda 21? … Die Kürzung der Zuwendung um nahezu die Hälfte, zudem im laufenden Haushaltsjahr, droht dem bürgerschaftlichen Engagement für eine nachhaltige Entwicklung Berlins die Spitze abzubrechen.“ Marion Piek, Dr. Gerold Fierment, Christian Wend, Brandenburg 21 e.V.: „Brandenburg schickt sich gerade an, einen Schritt nach vorn in Sachen Nachhaltigkeitspolitik zu gehen – auch in der Zusammenarbeit mit Berlin in der Metropolenregion, die eine Modellregion für Zukunftsfähigkeit werden könnte und sollte. Es wäre auch für uns Brandenburger nicht gut, wenn die federführende Senatsverwaltung zum Jagen getragen werden müsste.“ Dr. Gerd Lehmann, Geschäftsführer, pro agro-Verband zur Förderung des ländlichen Raumes im Land Branden­ burg e.V.: „So waren und sind die Geschäftstelle und mehrere Mitglieder von Berlin 21 Gründungsväter und Mütter für die Regionalmarke VON HIER. Unter dieser Regionalmarke werden von 22 kleinen Unternehmen in Brandenburg und Berlin regionale Produkte in fast 150 Berliner Supermärkten vermarktet.“ Prime Lee, Dipl.-Ing. (FH) Architekt: „Sie führen Menschen und Ideen zusammen und geben den vielen Menschen, die sich für die Agenda 21 einset- „Ist das Reich der Vorstellungen erst revolutioniert, kann die Wirklichkeit nicht lange standhalten.“ G. W. Friedrich Hegel Sebastian Stragies, 2009 Sebastian Stragies E s wird wieder gespart! Und so führt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung konsequent die Marschrichtung der Kanzlerin um. Alles, was nicht der eigenen Position und Meinung dient, muss nicht sein und darf nicht sein. Dabei hätte die Senatsverwaltung im Berlin 21 Magazin auch ihre Positionen darlegen können. Es bestand immer die Möglichkeit in einen öffentlichen Dialog einzutreten mit den im Berlin 21 Magazin vertretenen LA 21 Initiativen, Bürgerinitiativen und Projekten. Aber man bleibt wohl doch lieber unter sich, macht PR für die eigene Position und versucht den „Rest“ zu ignorieren. Der „Rest“, das sind die aktiven und auch kritischen Bürger/innen dieser Stadt, die oft unermüdlich gegen die Bevormundung der von ih- nen selbst finanzierten Verwaltung kämpfen müssen und sich dennoch engagiert an der Entwicklung ihrer Stadt beteiligen. Eigentlich sollte sich die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung glücklich schätzen, wenn sich Bürger/innen aktiv an der zukunftsfähigen Entwicklung Berlins beteiligen, auch wenn dies in vielen Fällen Prozesse verlangsamt. Aber eine nachhaltige Stadtentwicklung braucht Zeit und auch kritische Diskussionsprozesse, damit eben keine teuren und den Steuerzahler und zukünftige Generationen belastende Fehlentscheidungen gefällt werden. Der LA 21 Prozess in Berlin ist der Versuch dieser basisdemokratischen Beteiligung, und es ist ein Skandal, dass dieser Prozess auf vielen Ebenen behindert wird. Die Mittelkürzung für Berlin 21 und die damit verbundene Einstellung der Finanzierung des Berlin 21 Magazins ist ein weiterer Schlag gegen eine partizipative, bür- gernahe und zukunftsfähige Stadtentwicklung. Konsequent für die LA 21 In den letzten zwei Jahren wurde auf dem von E. O. Müller (im Mai 2008 verstorben) gesetzten Fundament das Berlin 21 Magazin konsequent weiterentwickelt, die Seitenzahl und damit die inhaltliche Diversität erhöht und das Erscheinungsbild modernisiert. Das Interesse der Berliner Akteur/innen am Magazin vervielfachte sich schnell und dauerhaft. Jede Ausgabe spiegelte einen Schwerpunkt der LA 21 wider und informierte über Umsetzungserfolge und auch -hindernisse in Berlin und darüber hinaus. Die Artikel gehen auf die ehrenamtliche Arbeit Berliner LA 21 Akteur/innen zurück, die das Printmedium als eine Plattform nutzen konnten, um sich der Berliner Öffentlichkeit zu präsentie- 22 23 MAGAZIN zen eine Bühne und ein Gesicht … für ein nachhaltiges Berlin, in dem sich die Bürger wieder finden.“ Karl-Heinz Haase, Autor, Regisseur, Schauspieler: „Gerade als Mittlerin und Vernetzerin von jungen Menschen und Initiativen wird mit Berlin 21 auch ein hoffnungsfrohes und symbolträchtiges Zeichen für die Zukunft dieser Stadt gekappt. Es mag ein kleinerer Ast sein, auf dem ein gut vernetzter und sozial innovativer Teil Berlins sitzt, doch wenn der abgesägt wird, verliert die Stadt weitaus mehr als das, was sie vermeintlich mit den Sparmaßnahmen erhält.“ Uwe Ozminski, Kulturprojekte Ber­ lin, id22: Institut für kreative Nachhal­ tigkeit: „Welcome to THE AGE OF STUPID… Ich schätze Eure Arbeit seit Jahren, insbesondere bin ich der Auffassung, daß sich Euer monatlicher Newsletter zum wichtigsten Veranstaltungskalender der Berliner Nachhaltigkeitsszene etabliert hat. Auch Euer Infomagazin, in dem immer wieder inspirierende Artikel zu finden sind, solltet ihr weiter ausbauen und in einer höheren Auflage verteilen.“ Dr. Klaus Wazlawik, Förderverein Lo­ kale Agenda 21 Treptow-Köpenick e.V.: „Wir waren alle davon überzeugt, dass mit der Umsetzung der Agenda 21 dem Verein Berlin 21 e.V. eine entscheidende Rolle zukommt. Im Jahr 2012 findet in Rio die Nachfolgekonferenz „Rio plus 20“ statt.“ Simone Wiegratz, Geschäftsführerin, ARiC Berlin e.V. Antirassistisch-Inter­ kulturelles Informationszentrum: „Bereits 2004 begannen auch Akteure der Lokale Agenda 21 Berlin die Tage des interkulturellen Dialogs zu nutzen, um die Breite der Akteure zu erweitern. Dialogtische zu Themen wie Umweltgerechtigkeit, Wasser ist leben oder Interkulturelle Gärten erweitern Horizonte u.a. stärken das Engagement von Menschen mit Migrationshintergrund bei der zukünftigen Gestaltung von Berlin.“ Dr. Michael A. LaFond, id22: Institu­ te für kreative Nachhaltigkeit, Berlin, experimentcity: EXPERIMENTDAYS, WOHNPORTAL: „Thanks to Berlin 21 and its network of activists working over many years, the Agenda 21 was finally adopted in 2006 as a guiding, sustainable vision for Berlin’s future development.“ Andrea Haas-Wohlfarth, Elisabeth Hauschildt, Katrin Bastian – planwerk­ statt-Generationengärten: „Berlin 21 ist Sprachrohr, bündelt Aktivitäten, koordiniert, moderiert und unterstützt innovative Initiativen und gesellschaftspolitische Ideen, die so wichtig sind für eine Nachhaltigkeits-Wende in unserer Stadt. Für unser Projekt der Leit- und Beratungsstelle Generationengärten haben wir die Zusammenarbeit mit Berlin 21 als kooperativ und unterstützend erlebt.“ Corinna Vosse, Vorstand Kunst-Stof­ fe-Zentralstelle für wiederverwend­ bare Materialien e.V.: „Unser Projekt ist 2009 in die Leitprojekte-Sammlung aufgenommen worden, die von Berlin 21 moderiert wird, eine Auszeichnung, die wir in unserer Öffentlichkeitsarbeit hervorragend nutzen können.“ Michael Wimmer, Geschäftsführer Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg (FÖL) e.V.: „Neue gesellschaftspolitische Ansätze und Konzepte fallen aber nicht vom Himmel, sondern wollen erarbeitet werden. Das auch vom Senat gern gesehene verantwortliche Verhalten des einfachen Bürgers fällt einem nicht in den Schoß, sondern benötigt einen funktionierenden Resonanzkörper. Berlin 21 ist so ein Resonanzkörper und Kristallisationspunkt für neue Ansätze. Einer der vielen kleinen Leuchttürme, von denen die Metropole Berlin lebt und zehrt. Aber auch Leuchttürme brauchen ein bißchen Strom, sonst geht nicht nur im Turm das Licht aus!“ Ayla Yilmaz, Vorstandsvorsitzende AKARSU e.V.: „Die Vernetzung nachhaltiger Projekte, Aktionen und Initiativen ist in unseren Augen in seiner bisherigen Form nur unter einem handlungsfähigen Dach von Berlin 21 möglich.“ Frauke Godat, Zukunft geht zur Schule, The Hub Berlin: „Nachhaltigkeit ist ein globales Thema, was Netzwerke braucht, um es lokal umzusetzen. Berlin 21 ist das lokale Netzwerk in Berlin, was eine zentrale Rolle in der lokalen Nachhaltigkeits-Netzwerkarbeit leistet.“ Dr. Edgar Göll, IZT – Institut für Zu­ kunftsstudien und Technologiebewer­ tung: „Die lokale Nachhaltigkeitsarbeit hat Vieles bewegt, doch die Resultate reichen lange nicht hin – auch Berlin ist noch weit von einer nachhaltigen urbanen Region entfernt. Alle Erfahrung zeigt, dass Nachhaltigkeitspolitik starke AKTEURE benötigt.“ Matthias Schnauss, Büro für Nach­ haltige Entwicklung: „Ich bin sehr betroffen über die mangelnde Kooperation im Senat und entsetzt über die Mittelkürzung und die angewandte erpresserische Methode.“ Jonathan Lys, Student aus Frank­ reich: „In Frankreich habe ich nie einen Verein oder eine Organisation wie Berlin 21 gesehen, die sich für eine nachhaltige Zukunft engagiert hat. Will die Senatsverwaltung die Arbeit der Bürger auslöschen?“ Doris Müller, Berliner Kinderzeitung KIEK MAL: „Berlin 21 vermittelt Werte an die jüngste Generation! Da ging es um das Wissen über die Endlichkeit der Ressourcen unseres Planeten, um ein gesundes Bewusstsein für die Natur und Erkenntnisse zur lebenswerten Alltagsbewältigung jenseits von CO2 Emissionen. Solche Themen liegen uns für unsere Kinder besonders am Herzen.“ Frank Möller, CARambolagen: „Dies ist eine weitere Bankrotterklärung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung … sehen wir das letzte Aufgebot einer verantwortungslosen, arroganten, ideologisierten und somit geistig erstarrten Technokratie, die schon lange nicht mehr in der Lage ist, die richtigen Entscheidungen für das Berlin des 21. Jahrhunderts zu treffen.“ Till N. P. Schneider und Dipl.-Ing. (FH) Christoph Hahn, Schneider & Hahn Grafik und Motion Design: „Initiativen im Geist der Nachhaltigkeit sind im Kontext der gesellschaftlichen und politischen Entwicklung Deutschlands unserer Ansicht nach mindestens genauso bedeutend wie die Studentenbewegung Ende der 60er Jahre oder die Umweltschutz- und Anti-Atomkraftbewegung seit den 70er Jahren. Wir glauben, sie können ganz genauso ein kollektives Umdenken und politischen Fortschritt bewirken.“ Dr. Elisabeth Meyer-Renschhausen, freie Journalistin und Privatdozentin am Institut für Soziologie der Freien Universität Berlin: „Ein ernstzunehmender Klimaschutz kann nur noch und muß daher aber auch von unten kommen. Ein rot-roter Senat sollte daher Bürgerengagement würdigen und finanziell so ausstatten, daß ehrenamtliches Bürgerengagement und der Klimaschutz in Berlin und weltweit eine ernsthafte Chance erhält.“ Hans-Hermann Hirschelmann, Fu­ ture-on-Wings e.V.: „Das ist ja entsetzlich! Der rot-rote Senat bettelt darum, abgewählt zu werden!“ Ingmar Mundt, Stellv. Vorsitzender Gesellschaft für Nachhaltigkeit e.V.: „Das sind natürlich keine guten Nachrichten. Auf die Arbeit von B21 für ein zukunftsfähiges und nachhaltiges Berlin mit einer hohen Lebensqualität kann nicht verzichtet werden.“ Katrin Fleischer, Geschäftsführerin Berlin 21 e.V. Greifswalder Straße 4, 10405 Berlin Tel.: 030—420 82 363 Fax: 030—420 82 380 info@berlin21.net www.berlin21.net Ausgabe 2/10 · Juli 2010 Klimawandel bei der Bildung für nachhaltige Entwicklung in Berlin? Hilla Metzner J a – es könnte natürlich noch viel viel bessere Bedingungen, Strukturen und Unterstützung für eine Bildung für nachhaltige Entwicklung in Berlin geben. Wir hätten ja so viele Visionen und Ideen – zum Beispiel: •  Berlin wird die Hauptstadt der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). •  Auf der Landesebene gibt es einen verbindlichen Aktionsplan und Ansprechpartner für alle Senatsverwaltungen zur Umsetzung der Ziele der UN-Dekade: Bildung für nachhaltige Entwicklung bis 2014. •  In jedem Bezirk ist eine Multiplikatorin oder ein Multiplikator für die Lehrerfortbildung verantwortlich. •  In jeder Schule kümmert sich ein Beauftragter um nachhaltige Entwicklung. Er schaut zum Beispiel, ob Energieeffizienz nicht nur in den neuen Konjunkturmaßnahmen enthalten sind, sondern auch im Kollegium und in den Köpfen der Schülerinnen und Schüler. Er koordiniert die vielen schönen Wettbewerbe zu Themen der nachhaltigen Entwicklung, gibt sie an Schulleitung und Kollegium weiter. •  Ein Fachreferent koordiniert mit ganzer Stelle in der Senatsverwaltung für Bildung die vielfältigen Aktivitäten zu BNE. •  50% der Schulen führen Unterrichtsund Schulprojekte zu BNE durch. Die Realität sieht nicht ganz so rosig aus, aber es gibt einige Meilensteine, auf die Berlin auch stolz sein könnte. Allen Unkenrufen zum Trotz: Immer mehr Menschen verstehen den Handlungsbezug, die inhaltlichen Dimensionen des – zugegebenermaßen – ziemlich komplexen Konzeptes: Bildung für nachhaltige Entwicklung. Viele stöhnen: Das ist doch nie zu erreichen, dass alle Dimensionen berücksichtigt werden. Andere schimpfen, dass viele Unternehmen, wie BP, sich zwar als umweltfreundlich präsentieren, aber nicht nachhaltig handeln. Und doch gibt es immer mehr Konsens darüber, dass nachhaltige Entwicklung Wissen und einen Mentalitätswandel braucht,  Sebastian Stragies, 2009 der bereits spielerisch in der Kindertagesstätte beginnen kann und unbedingt in jede Berufsausbildung aufgenommen werden muss. Im Unterricht und in den Rahmenlehrplänen – allerdings noch nicht in vielen Prüfungen – beziehen sich Aufgabenstellungen inzwischen zum Beipsiel in den natur- und gesellschaftswissenschaftlichen Fächern, in Wahlpflichtkursen und in vielen Schulformen auch auf Fragen nach der Zukunft unserer Konsum- und Lebensweisen, auf die Frage der Begrenzung der Ressourcen, auf Zusammenhänge zwischen globaler und lokaler ökologischer und sozialer Gerechtigkeit, auf Handlungsoptionen. Die täglichen Nachrichten machen vor der Schule, vor dem Unterricht nicht Halt: z.B. der Hunger nach Öl, die Ölkatastrophe, die Folgen der Finanzkrise für die Jugendlichen morgen, die Überschwemmungen in Bangladesh und an Oder und Weichsel. spektrum entwickelt und dokumentiert (www.bne-portal.de und/oder www. programmwerkstatt.de). Das Projekt bietet Schulen und Kooperationspartnern Unterstützung an. Es gibt außerdem die jährliche Auszeichnung „Internationale Agenda21Schule“ (www.umwelterziehung.de) mit ca. 13 Schulen pro Jahr und die „Berliner Klima Schulen“, von denen 12 am 2. Juli 2010 ausgezeichnet wurden. Auch in einigen Bezirken gibt es Umweltbildungspreise. Globales Lernen bieten u.a. das DEDSchulprogramm (www.ded.de) und das EPIZ (www.epiz-berlin.de) an. Auch die vielen gut eingerichteten Umweltbildungseinrichtungen, die Gartenarbeitsschulen und Waldschulen haben gute Angebote, kämpfen aber auch gegen Einsparungen. In einigen Bezirken gibt es Multiplikator/innen für BNE für Beratungen und Fortbildungen. Auch hier sind die Verfügungsstunden in den letzten Jahren immer mehr gekürzt worden wie auch im beruflichen Bereich. Auf der anderen Seite haben sich die Bildungsangebote einmal durch neue Kooperationspartner, auch aus der Zivilgesellschaft, von Ehrenamtlichen, von NGOs aber auch durch Wettbewerbe aus der Industrie vervielfacht. Zukunftsaussichten? Einiges hat sich getan. Jetzt dürfen wir nicht auf halbem Wege stehen bleiben. Sonst vertrocknet das zarte Pflänzchen BNE, bevor es aus eigener Kraft einen kräftigen Stamm und viele Zweige und Blätter entwickeln kann. Noch lange haben in Berlin nicht – wie 2006 gefordert – alle Schulabgänger einen Mittleren Schulabschluss, eine Voraussetzung für eine gute Grundbildung, für demokratische Partizipation und Beteiligung an der Gesellschaft für eine nachhaltige Entwicklung. Bildung für nachhaltige Entwicklung braucht verlässliche Strukturen durch Verwaltungen, es braucht eine starke glaubwürdige Unterstützung aus der Politik, aber es braucht auch viel Engagement, Phantasie und Durchhaltevermögen von unten. Schülerinnen und Schüler warten auf dieses Engagement und machen gerne mit. Hilla Metzner hilmetzner@aol.com Verlässliche Strukturen für BNE in Berlin? Es gibt noch bis 2011 ein kleines Modellvorhaben bei der Senatsverwaltung für Bildung: „Zukunft gestaltet Bildung“. Über 120 Schulen sind in einem BNE-Netzwerk. Einige dieser Schulen haben eigene interessante Materialien und Projekte zu dem breiten Themen- 24 25 MAGAZIN Ausgabe 2/10 · Juli 2010 Der Jour Fixe der Berliner Nachhaltigkeitsinitiativen Susanna Hölscher lle zwei Monate trifft sich in der Siebdruckwerkstatt Neukölln in der Pflügerstraße eine Truppe engagierter, nachhaltig aktiver und kreativer Menschen, um neues und fortgeschrittenes aus der Berliner Nachhaltigkeitsszene zu erfahren und auszutauschen. Es ist immer wieder spannend zu sehen, welche Ideen und Projekte in der Stadt auf die Beine gestellt werden, was die Leute bewegt, anregt und in Bewegung bringt. Viele spannende Dinge kommen dabei zu Stande. TIPPS Die 8. Berliner Tage des Interkulturellen Dialogs Umdenken fordern – Partizipation fördern Jan Fehse Die Veranstaltungsreihe ist eine gemeinsame Initiative des Antirassistisch-Interkulturellen Informationszentrums ARiC Berlin e. V. und eines breiten Netzwerks von Organisationen und Institutionen. Wie in den vergangenen Jahren rufen wir Vereine, Bildungseinrichtungen, Nachbarschaftszentren, Institutionen, Verwaltungen, Unternehmen, Selbstorganisationen von Migrant/innen, Quartiersmanagementbüros und Privatpersonen dazu auf, die „Berliner Tage des Interkulturellen Dialogs“ mitzugestalten. Was dafür benötigt wird? Ein Raum, ein Tisch, einige Stühle und die Bereitschaft, acht bis zwölf Menschen, die sonst nicht ohne weiteres miteinander ins Gespräch kämen, als Dialogpartner/innen zu gewinnen. Dialogtische vom 01. bis 26. November 2010 Das diesjährige Thema der Berliner Tage des Interkulturellen Dialogs lautet: „Umdenken fordern – Partizipation fördern“. Damit verbinden wir Fragen nach den derzeitigen Beteiligungsmöglichkeiten und danach, was sich in unserer Stadt ändern muss. Partizipation kann als Teilhabe, Teilnahme, Mitwirkung und Mitbestimmung verstanden werden. Für unterschiedliche Gruppen der Berliner Bevölkerung – zum Beispiel junge Menschen, Senior/innen, Bewohner/innen einer bestimmten Nachbarschaft, Lesben und Schwule, Eltern, Menschen mit verschiedenen ethnischen und religiösen Hintergründen und unterschiedlichem Aufenthaltsstatus – kann Partizipation jeweils eine ganz eigene Bedeutung haben. Die Gesprächsrunden sind grundsätzlich offen für alle und bieten Gelegenheit, sowohl das eigene Selbstverständnis zu überprüfen als auch gemeinsames Handeln zu vereinbaren sowie aktives bürgerschaftliches Engagement zu verstärken. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie sich für die Idee des Dialogs begeistern und sich durch Ihre Mitorganisation bei den Dialogrunden im Zeitraum zwischen 01. und 26. November 2010 beteiligen. Wir bitten Sie herzlich, sich bis zum 30. Juni 2010 per E-Mail, Fax oder Telefon bei uns zu melden. Jan Fehse ARiC Berlin e.V. Tel.: 030—308 799-22 aric@aric.de www.tage-des-interkultu­ rellen-dialogs.de www.aric.de A Nachhaltige Verbindung Der Jour Fixe der Berliner Nachhaltgkeitsinitiativen informiert, regt an, verbündet und verbindet. Auch im Mai war es wieder soweit. Dieses Mal stellten sich die Körnerkomplizen (www.koernerkomplizen. de) vor, die sich zum Ziel gesetzt haben, den Neuköllner Körnerkiez attraktiver zu machen. Dazu veranstalteten sie beispielsweise das Körnerschnitzel, das am 29.05.10 bereits zum zweiten Mal stattfand. Auch der Macher von LeiLa Berlin (www.leila-berlin.de) war da und lud nach der Vorstellung seiner Leihladen-Idee alle zur Eröffnung im Prenzlauer Berg ein, die dann am 22. Mai stattfand. Mit dabei war auch der ClubE der Berliner Energieagentur (www.clube.info). Dieses energie- und klimaschutzpolitisches Forum bietet regelmäßig Veranstaltungen, die allesamt das Ziel verfolgen, junge Menschen mit Unternehmer/innen, Politiker/ innen und Wissenschaftler/innen zusammen zu bringen, um auf diesem Weg berufliche Perspektiven für die Teilnehmenden zu eröffnen. Und weil die meisten Projektideen nicht allein mit persönlichem Engagement auf die Beine gestellt werden können, werden beim Jour Fixe auch Möglichkeiten und Hinweise für die Finanzierung ausgetauscht. Aktuell gibt es die ÜberLebenskunstAusschreibung der Kulturstiftung des Bundes in Kooperation mit dem Haus der Kulturen der Welt, die sich an jene wendet, die „in und für Ber- Drei der vier Koordinatoren vom Jour Fixe: Susanna Hölscher, Julia Werner und Milena Riede  Milena Riede, 2010 lin denken“ (www.ueber-lebenskunst. com). Gesucht werden lokale Ideen und Projekte, die „das Unmögliche möglich machen“ und globale Kompetenzen generieren. Nachhaltiger Austausch Die Netzwerkveranstaltung verschafft nicht nur laufenden und geplanten Projekten Gehör, regelmäßig wird auch von erfolgreich abgeschlossenen Aktionen und vergangenen Veranstaltungen berichtet. Und auch weniger erfreuliche Nachrichten finden hier den Raum, um die Chance zu ergreifen, das Potenzial, die Kompetenzen und Ideen in der Siebdruckwerkstatt zu nutzen, eine Lösung oder einen neuen Weg zu finden, zumindest aber an die Solidarität und Unterstützung der Anwesenden zu appellieren. Die konstruktive Bündelung der massenhaft vorhandenen Energie hat schon der einen oder dem anderen Luft zum durchatmen, durchhalten oder gar Neustarten gegeben. Der Platz hier reicht bei weitem nicht aus, um all die Aktivitäten, Projektzusammenschlüsse und neuen Netzwerke aufzuführen. Stellvertretend soll darum noch der Jour Fixe Spezial im Februar dieses Jahres er- wähnt werden. Die Veranstaltung stand unter dem Motto „100.000 für die Nachhaltigkeit in Berlin“. Ziel war es hier, durch die (selbst-)kritische Auseinandersetzung mit alltäglichen Situationen den Blick aus der eigenen Szene-Suppe zu heben und den Fokus zu weiten, um Strategien zu entwickeln und noch mehr Menschen für das uns so wichtige Thema Nachhaltigkeit, nachhaltiges Leben und Mitein­ nder zu begeistern und zu a aktivieren. Heraus kamen dabei zahlreiche Ideen und spontane Bündnisse wie die CO2-Nanny. Das Sendeformat basiert auf der Idee der Supernanny und das entsprechende Konzept wurde bereits bei zwei Sendern eingereicht. Jetzt heißt es abwarten, was die davon halten! Alle News und Informationen dazu und zu vielen, vielen anderen Initiativen in der Stadt wird es beim nächsten Jour Fixe der Berliner Nachhaltigkeitsinitiativen geben: 8.  Juli, 19:30-22:00 Uhr in der Neuköllner Siebdruckwerkstatt, Pflügerstr. 11. Susanna Hölscher Berlin 21 e. V. Mit-Koordinatorin des Jour Fixe der Berliner Nachhaltigkeitsinitiativen www.nachhaltigesberlin.de Selbst sicher mobil schon mit den kleinsten Füßen „Zu Fuss zum Kindergarten - SelbstSicherMobil“ Franziska Kupsch & Thorsten Haas Mobilitätserziehung von Anfang an. Das ist das Motto des neuen Projekts „Aktionstage Mobilitätserziehung – selbst sicher mobil in den Kindergarten“ des Arbeitskreises Mobilitätserziehung Berlin. Ab sofort können sich Kitas zur Teilnahme anmelden. Ziel ist es, die Mobilitätserziehung schon frühzeitig zu fördern. Bereits kleine Kinder sollen angeregt werden, sich selbständig und sicher zu bewegen, ihre Umgebung dabei aktiv kennenzulernen und sich gut in ihrem Umfeld zu orientieren. Durch das Projekt sollen Kinder Stück für Stück befähigt werden, eigenständig und selbstsicher ihre Wege zurücklegen zu können. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur Mobilitätsbildung geleistet. Kitas für Projekttage gesucht Unterstützt von der Verkehrslenkung Berlin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung stellt der Arbeitskreis Mobilitätserziehung Berlin teilnehmenden Kitas eine Material- und Aktionskiste zur Verfügung. In dieser befinden sich viele Hintergrundinformationen sowie erprobte und bewährte Spiel- und Projektideen und Aktionsmaterialien, wie zum Beispiel Plakate, Fußstempel oder Straßenmalkreide. Erzieher/innen werden so in ihrer täglichen Arbeit angeregt und können damit Projekt- oder Aktionstage organisieren und durchführen. Bei Bedarf steht der Arbeitskreis den teilnehmenden Kitas gern mit Rat und Tat zum Thema Mobilitätserziehung zur Seite. Zudem können auch Kontakte zu Kooperationspartnern vermitteln werden. Interessierte Kindergärten können sich gern informieren oder direkt anmelden. Thorsten Haas Tel.: 030—446 36 64 kita@mobilitaetserziehung-berlin.de www.mobilitaetserziehung-berlin.de 26 27 MAGAZIN Ausgabe 2/10 · Juli 2010 TIPPS Mit den Schmetterlingen tanzen Aljoscha Bukowski Was haben ein Orkan, ein Uhu und ein Säbelzahntiger gemeinsam? Sie alle sind Teil eines Ortes, an dem Kinderlärm innere Ruhe verspricht, an dem friedliche Ausgelassenheit jede noch so von Hektik getriebene, rastlose Seele aufs sanfteste zwingt einmal durchzuatmen. Die Rede ist von einer grünen Idylle mitten in Kreuzberg, mitten im Kiez einer Weltmetropole, denn hier treffen sich die „Gartenpiraten“. Hier (in der Ratiborstraße 14a) finden sich Kinder unterschiedlicher Kulturen zusammen, lernen mit und von der Natur: Was brauchen Blumen und Gemüse, um im eigenen Beet zu gedeihen? Wie entsteht ein Schmetterling? Wovor muss er sich in Acht nehmen? Geistreiche Antworten auf die neugierigen Fragen der Kinder gestalten sich vielseitig. So auch als sie sich wunderten wie Schmetterlinge ihre Partner finden; die Antwort fanden sie in einem Spiel: Auf der gesamten Gartenfläche sind Kunststoffexemplare verteilt, einige von ihnen parfümiert – symbolisch für die Duftstoffe, anhand derer die Tiere einander erkennen und finden. Ziel ist es, ähnlich oder gleich duftende Falter zusammenzubringen, ohne dabei von den herumfliegenden Vögeln (Robin, Betreuer und Freiwilligendienstler) gefangen zu werden. So wird den Großstadtkindern spielerisch ein vielfältiger Kontakt mit der Umwelt ermöglicht. Dieser positive Bezug ist zugleich Grundstein für respektvollen und verantwortlichen Umgang mit ihr. Ulrike Willerding (Naturpädagogin und Biologin) leitet das Projekt seit dessen Gründung im Jahr 2008 und strahlt Zufriedenheit und Frohsinn bei ihrer Arbeit aus, wie er zwischen Wirtschaftskrise, Altagstrott und grauen Bürogebäuden viel zu selten geworden ist in dieser Stadt. Die Initiative wurde vor zwei Jahren vom Vorstandsvorsitzenden der Kreuzberger Kinderstiftung, Peter Ackermann, angestoßen und seitdem auch finanziell getragen. Wie es dazu kam? „Kinder hier aus dem Kiez haben ein Bedürfnis an der Natur und dem Umgang mit ihr“, sagte er in einem Interview mit Berlin 21. Nach dem Grundsatz „Eigentum verpflichtet“ gründete Peter R. Ackermann 2004 die Kreuzberger Kinderstiftung mit einem Grundkapital von 3,2 Mio. €. Von ihm könnte wohl auch sein Namensvetter noch einiges lernen. Viel zu kurz war unser Ausflug jedoch in diese Welt – die der Kleinen, die unsere Welt noch mit anderen Augen sehen. Doch wir planen schon eine Rückkehr! Dann auch mit tierischem Piratennamen, denn den muss man sich hier zu legen: Ulrike ist der Uhu, das weise Oberhaupt ihrer treuen Rasselbande von Sekou Säbelzahn bis Oskar Orkan. Kreuzberger Kinderstiftung www.kreuzberger-kinderstiftung.de Ulrike Willerding Tel.: 0162—8044 746 gartenpiraten@kreuzberger-kinderstiftung.de TIPPS Hartz IV Design Designermöbel für alle – der Haken: Man muss sie selber bauen Prime Lee Aus einem Brett: Der 24 Euro Sessel ist ein Selbstbau-Möbel, das 24 Euro kostet und in 24 Stunden gebaut werden kann. Die Idee: Vielen Menschen Zugang zu zeitloser und hochwertiger Gestaltung ermöglichen. Der Sessel ist Teil der Hartz IV Möbelserie. Kaufen kann man diese nicht, da der Prozess des Selbstbauens entscheidend ist. Inspiriert durch die Klassiker der Moderne hat ihn Architekt Le Van Bo (33) – ein ehemaliger Hartz IV Empfänger – in der Volkshochschule entworfen. Die VHS bietet mittlerweile 24 Euro Sessel Baukurse an. Den Bauplan gibt‘s gratis. Infos zum nächsten Volkshochschulkurs: www.hartzIVmoebel.de Nächste Ausfahrt Wedding Tourist sein in der eigenen Stadt Tanja Kapp Seit 2007 organisiert das Stadtführungsprojekt Nächste Ausfahrt Wedding außergewöhnliche Entdeckungsreisen in den gleichnamigen Bezirk. Neugierige Berliner können den Wedding jenseits aller Vorurteile entdecken. Nun verirren sich auch Steglitzer und Spandauer in den fernen Bezirk an der Panke. Ob ein Besuch beim afrikanischen Schneider, im Atelier eines Künstlers oder im buddhistischen Tempel: unsere Touren bieten die Möglichkeit, den unterschiedlichsten Menschen und Kulturen zu begegnen. Die Touren kosten 5 Euro, ermäßigt 3 Euro. Nächste Ausfahrt Wedding Tanja Kapp und Lothar Gröschel Gleimstr. 56 10437 Berlin Tel.: 030—44 8 22 66 topkappi@ausfahrtwedding.de www.ausfahrtwedding.de Termine •  10. Juli, 13:00 Uhr ExRotaprint-Immobilienentwicklung als Möglichkeitsraum Treff: Gottschedstraße 4 (am Eingang), zu Fuß •  17. Juli, 13:00 Uhr — Der Wedding kulinarisch Treff: S-Bhf. Wedding (Ausgang Müllerstr.), zu Fuß •  31. Juli — Die Bier-Tour Zeit und Treff siehe Homepage, Radtour •  14. August, 13:00 Uhr — Der Wedding kulinarisch, s.o. •  14. August, 14:00 Uhr Das Brunnenviertel und die Plumpe Das Tor zum Wedding! Treff: Schwedter Straße/Gleimstraße, am Gleimtunnel, Radtour •  14. August, 16:00 Uhr Das Phänomen Kleingartenkolonie Treff: U-Bhf. Osloer Str. (vor dem Finanzamt), Radtour •  21. August, 13:00 Uhr — Der Wedding kulinarisch, s.o. •  28. August — Die Bier-Tour Zeit und Treff siehe Homepage •  28. August, 12:00 Uhr Arab Girls on Tour – Eine Tour von route 65 Treff: Reinickendorfer Straße/Schulzendorfer Straße, vor der Sparkasse, zu Fuß Neues Internetportal „Nachhaltig in Brandenburg“ Gerold Fierment & Marion Piek Im Mai ist das neue Internetportal www.nachhaltig-in-brandenburg.de online gegangen. Es informiert über Aktivitäten aus dem Land Brandenburg bei der Umsetzung der Agenda 21 für eine nachhaltige, umweltgerechte Entwicklung und soll den brandenburgweiten Erfahrungsaustausch sowie die Vernetzung von Akteur/innen unterstützen. Auf dem Portal sind zu finden: •  aktuelle Nachrichten und Veranstaltungshinweise •  Dokumentationen, wissenschaftlichen Arbeiten und Publikationen •  nach Handlungsfeldern geordnete und kommentierte Links zu Webseiten aus ganz Deutschland und dem Ausland •  Informationen über Projekte und Initiativen zu Themen einer nachhaltigen Entwicklung. Auch kann ein monatlich erscheinender Newsletter bestellt werden, der aktuelle Nachrichten und Veranstaltungsankündigungen aus dem Portal liefert. Die Rubrik „Projekte“ enthält eine Datenbank mit derzeit über 100 Projekten aus dem Umfeld der Lokalen Agenda 21 im Land Brandenburg. In der Hauptsache sind derzeit Projekte dokumentiert, die in der Aktion „Nachhaltige Entwicklung – Lokale Agenda 21 im Land Brandenburg“ durch das Umweltministerium aus Lottomitteln gefördert wurden. Projekte mit Zielstellungen für eine nachhaltige Entwicklung sind eingeladen, ihre Arbeitsergebnisse unter www.nachhaltig-in-brandenburg.de vorzustellen. Für die Eingabe neuer Projekte steht eine leicht zu bedienende Maske bereit. Das Portal wird von Brandenburg 21 in Kooperation mit dem Förderverein für Regionale Entwicklung in Potsdam und der ANU Brandenburg betrieben. Die Redaktion liegt in Händen von Mitgliedern von Brandenburg 21. Veranstaltungshinweise, Nachrichten, Projektbeschreibungen oder auch Anregungen zu Inhalten des Portals nimmt unser Redaktionsteam gern entgegen. Brandenburg 21 – Verein zur nachhaltigen Lokal- und Regionalentwicklung im Land Brandenburg e.V. Marion Piek Dr. Gerold Fierment Haus der Natur Lindenstr. 34 14467 Potsdam redaktion@nachhaltig-in-brandenburg.de 28 Quelle: Cem Guenes, 2010 29 MAGAZIN Ausgabe 2/10 · Juli 2010 TIPPS Tag der Regionen 2010 „Wer weiter denkt – kauft näher ein“ Aktionsbündnis Tag der Regionen lität in der eigenen Region im Mittelpunkt. Bundesweit können wieder Aktionen angemeldet werden! Alle Veranstaltungen und Aktionen die im Zeitraum vom 24. September bis 10. Oktober 2010 stattfinden und die Vorteile regionaler Produkte und Dienstleistungen thematisieren bzw. die Stärkung und Erhaltung regionaler Strukturen fördern, können zum Tag der Regionen angemeldet werden. Die Themenbereiche, in denen Aktionen angemeldet werden können, sind vielseitig: •  Präsentation der Vorteile regionaler landwirtschaftlicher Produkte vor allem im Hinblick auf die Klimabilanz. Regionale Produkte sind Kurzstreckenprodukte, die auf kurzen Wegen frisch zum Verbraucher kommen. •  Begegnung mit Erneuerbaren Energien: Erneuerbare Energien sind regionale Energien. Die Dezentralisierung der Energieversorgung bietet Chancen - und nicht zuletzt Arbeitsplätze - in der Region. •  Bewerbung des regionalen Handwerks, denn Handwerk ist vor Ort, dient den Menschen und ihren Bedürfnissen, schafft sozialen Zusammenhalt, trägt zur Sicherung des natürlichen Erbes bei und bewahrt kulturelles Erbe und Identität. •  Werbung für die Erhaltung bzw. die Wiederbelebung kurzer Wege in unseren Lebensbereichen (Erholung, Freizeit, Einkauf, Wohnen, Schule und Arbeitsplatz). Kurze Wege sind ein Stück Lebensqualität. Kurze Wege sind oft Bleibekriterien in vielen ländlichen Regionen. Jede registrierte Aktion stärkt mit der Teilnahme das bundesweite Projekt und damit langfristig auch den Stellwert regionaler Erzeugnisse und Dienstleistungen. Erstmalig in diesem Jahr werden im Rahmen eines bundesweiten Wettbewerbs die besonders überzeugenden Veranstaltungen prämiert, mit Geldpreisen belohnt und in einer feierlichen Preisverleihung geehrt. Die Wettbewerbsunterlagen können bei den Bundesgeschäftsstellen des Aktionstages angefordert werden. Aktionsanmeldungen werden dort entgegen genommen. Anmeldungen ab sofort auch online unter: www.tag-der-regionen.de Koordinationsbüro Süd Gisela Endt Museumstraße 1 91555 Feuchtwangen Tel.: 0 98 52—13 81 bund-sued@tag-der-regionen.de Koordinationsbüro Nord Brigitte Hilcher Zur Specke 4 34434 Borgentreich Tel.: 0 56 43—94 85 37 bund-nord@tag-der-regionen.de TIPPS Kreatives Recycling im Natur-Park Schöneberger Südgelände Ursula Maria Pfund & GrünBerlin REZENSION Hervorragende Einführung in Kommunalpolitik Edgar Göll Der Rezensent begann skeptisch mit der Lektüre des schma­en Bandes über Kommunalpolitik, weil er trockene l Bleiwüsten erwartete – und war umso positiver überrascht über die gut lesbare, ja interessante Darstellung, die Fülle an interessanten Informationen und dem gelungenen Überblick über die komplexe Thematik. Das Taschenbuch ist in fünf Kapitel gegliedert: (1) „Kommunalpolitik als Teil des Ganzen“, wo der Kontext und die verschiedenen administrativen Ebenen beschrieben werden; (2) „Kommunalpolitische Handlungsfelder“ gibt einen Einblick in einige zentrale Herausforderungen des gesellschaftlichen Wandels und der politischen Situation und fokussiert exemplarisch auf Sozialpolitik vor Ort, Hartz IV, Rekommunalisierung, Bildungspolitik; (3) In „Überwindung der formalen Hürden“ werden die formalen Handlungsbedingungen als Mandatsträgerin beschrieben (Regelungen, Gremien, Umgang mit Verwaltung, Finanzen) und hilfreiche Tipps gegeben; (4) „Das kommunale Mandat“ skizziert die politische Arbeit als Mandatsträgerin – also Fraktionsbildung, Rechte und Pflichten, Gestaltungsmöglichkeiten; (5) werden schließlich „Linke Alternativen“ formuliert, wobei es vor allem um Prinzipien der Partizipation, Offenheit und Transparenz geht – also Qualitäten, die auch für Nachhaltigkeit und Lokale Agenda 21 notwendige Prinzipien darstellen. Das Buch von Felicitas Weck ist eine hervorragende und sehr empfehlenswerte Einführung in Kommunalpolitik aus einer progressiven, emanzipatorischen Perspektive. So werden nicht nur rechtliche und formale Bedingungen dargestellt sondern auch praktische Einschätzungen formuliert, die auf einer Fülle an Erfahrung beruhen. Alles wird aus der Perspektive einer handelnden Person beschrieben und ist daher sehr nachvollziehbar. Die Lektüre lohnt sich nicht nur für Kandidat/innen und Mandatsträger/innen, sondern auch für im lokalen Bereich engagierte Bürger/innen, denn sie erfahren hier von den Handlungsbedingungen und -möglichkeiten der Kommunalpolitik. Besonders anregend sind hier die zahlreichen knappen Positivbeispiele, die zu vielen der wesentlichen Aspekte der Kommunalpolitik dargestellt sind. Sehr nützlich sind darüber hinaus die Literaturtipps und die Linksammlung für ein vertiefende Beschäftigung mit der Thematik. Felicitas Weck: Linke Kommunalpolitik. Eine Einführung. 96 Seiten; 2009; € 7,50 ISBN 978-3-89965-340-3 Dr. Edgar Göll IZT- Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewer­ tung gGmbH Schopenhauerstr. 26 14129 Berlin-Zehlendorf Tel.: 030—803088 -44 Mobil: 01578-2421146 e.goell@izt.de www.izt.de Holger Koppatsch, 2009 Der Natur-Park Südgelände, ein ehemaliges Bahngelände, wird durch eine faszinierende Verbindung von Natur, Bahnrelikten und zeitgenössischer Kunst geprägt. Stege, Tunnel und Aussichtspunkte der Bildhauergruppe ODIOUS erschließen das Natur- und Landschaftsschutzgebiet und führen zu einer unverwechselbaren Synthese von Natur und Kunst. Wie eine Arche Noah beherbergt der 18 Hektar große Natur-Park eine Vielzahl seltener und vom Aussterben bedrohter Pflanzen und Tiere. Die grüne Stadtoase lädt dazu ein, unberührte Natur zu erleben und kulturelle Veranstaltungen, darunter Musik, Tanz, Theater oder Ausstellungen zu genießen. Am Wochenende ist auch das Café PaReSüd geöffnet. Seit Anfang des Jahres bereichert die Recycling-Künstlerin Ursula Maria Pfund mit ihrem Öko-Atelier „Pfund-Stücke“ das Angebot durch Ökollagen-Kurse für Jung und Alt. Aus Restwert-Materialien entstehen farbschöne Ökollagen, phantasievolle Kunstwerke, Kostüme, Masken und Gebrauchsgegenstände. Ein Kurs (3 Stunden) kostet 150 Euro, bei 30 Teilnehmern sind das nur 5,00 Euro pro Person. Kursbuchungen: Ursula Maria Pfund Tel.: 030—7680 6383, ulla_pfund@yahoo.de www.ursula-maria-pfund.de I mmer mehr Menschen legen wert auf regionale Produkte und möchten wissen, wie diese erzeugt wurden bzw. wo sie herkommen. Häufig steckt dahinter die Sorge um die eigene Gesundheit und die Orientierung nach gesunden, qualitativ hochwertigen Nahrungsmitteln. Viele Menschen möchten aber auch zusätzlich mit ihrem Einkauf und ihrem Handeln ihr Geld sinnvoll ausgeben. Sie wollen Strukturen unterstützen, die neben der Gewinn­ ri­ o entierung auch soziale und ökologische Aspekte berücksichtigen – sprich Arbeitsplätze erhalten, ein faires Miteinander schaffen und das Klima sowie die Umwelt schützen. Wer nämlich weiter denkt als nur bis zum Ende der eigenen Generation, schickt sein Geld ungern auf eine Reise ohne Wiederkehr. Vielmehr kauft er näher ein und hält somit das Geld in der Region, wo es mehrfach immer wieder ausgegeben werden kann und somit zum Strukturerhalt beiträgt. Mit dem diesjährigen Motto „Wer weiter denkt – kauft näher ein“ zum Tag der Regionen, am 3. Oktober 2010, steht Verantwortungsbewusstsein und die zukünftige Lebensqua- BUCHEMPFEHLUNGEN Carsten Herzberg: Von der Bürger- zur Solidarkommune. Lokale Demokratie in Zeiten der Globalisierung. 248 Seiten; 2009; € 17,80 ISBN 978-3-89965-372-4 Eva Kimminich (Hrsg.): Utopien, Jugendkulturen und Lebenswirklichkeiten. Ästhetische Praxis als politisches Handeln. 252 Seiten; 2009; € 49,80 ISBN 978-3-631-59938-9 AG SPAK Bücher: E. Voß, NETZ f. Selbstverwaltung u. Selbstorganisation: Wegweiser Solidarische Ökonomie: Anders wirtschaften ist möglich! 92 Seiten; 2010; € 9,00 ISBN 978-3-930830-50-3 30 31 QUERDENKER GESUCHT BERLIN BRAUCHT STADTERNEUERER. WERDEN SIE MITGLIED BEI BERLIN 21! Neue Denkanstöße und Anregungen für neue Projekte und tatkräftige Unterstützung sind gefragt. Setzen Sie Ihre Lust und Phantasie, Ihre Kenntnisse und Ihre Erfahrungen ein, um unsere Stadt zum Staunen zu bringen. Besuchen Sie unsere Website www.berlin21.net, oder rufen Sie uns an unter 030—420 82 363 und werden Sie noch heute Mitglied bei Berlin 21! BILDUNG Hilla Metzner, 030–393 16 48 EINE WELT Hans-Hermann Hirschelmann, 030–89 20 14 58 GESCHLECHTERGERECHTIGKEIT Ute Waschkowitz, 030–902 95 2633 INFORMATIONSGESELLSCHAFT Lars Vogelsang, 030–612 808 71 KLIMAWANDEL UND ENERGIE Hartwig Berger, 030–318 00 406 MOBILITÄT Christian Kölling, 030–681 65 68 PARTIZIPATION Berlin 21 e. V. , 030–420 82 363 STADTÖKOLOGIE/BERLIN IN DER MÄRKISCHEN LANDSCHAFT Herbert Lohner, 030–787 900 24 ZUKUNFT DER ARBEIT Frauke Hehl, 0151–15 35 24 90 SOZIALE STADTENTWICKLUNG Norbert Rheinlaender, 030–7 88 33 96
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