Path:
Bericht zum Konzeptgebiet Wilhelmstadt

Full text: Bericht zum Konzeptgebiet Wilhelmstadt

Bericht zum Konzeptgebiet Wilhelmstadt

Lärmminderungsplanung für Berlin Materialien zum Aktionsplan
Mai 2008

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Lärmminderungsplanung für Berlin Bericht zum Konzeptgebiet Wilhelmstadt Planungsgruppe Nord Gesellschaft für Stadt- und Verkehrsplanung Dörnbergstraße 12 34119 Kassel Telefon: 05 61 / 8 07 58-0 Telefax: 05 61 / 8 07 58-58 Email: pgn@pgn-kassel.de Internet: www.pgn-kassel.de Büro Berlin Sophienstraße 18 10178 Berlin Tel.: 030 / 284972-29 Email: berlin@pgn-kassel.de Bearbeitung: Dipl.-Ing. Michael Volpert Dipl.-Ing. Antje Janßen Dipl. Ing. Dirk Bänfer Dipl. Ing. Jörg Mandler Sandra Kambach CS Planungs- und Ingenieurgesellschaft Köpenicker Straße 145 10997 Berlin Telefon: 030 / 61 20 95 - 0 Telefax: 030 / 61 20 95 - 79 Email: info@cs-plan.de Internet: www.cs-plan.de

Materialien zum Aktionsplan

Bearbeitung: Dipl. Ing. Lars Bison Dipl. Ing. Ralf Lindner Guido Schröder

Unterauftragnehmer: Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs, Hamburg / Berlin

Kassel / Berlin im Mai 2008

Gesellschafter der Planungsgruppe Nord - PGN: Dipl.-Ing. Volker Mohr ■ Dipl.-Ing. Wolfgang Nickel ■ Dipl.-Ing. Andreas Schmitz ■ Dipl.-Ing. Michael Volpert

Gesellschafter der CS Planungs- und Ingenieurgesellschaft mbH: Dipl.-Ing. Lars Bison ■ Dipl.-Ing. Dirk Moldrickx

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

Inhalt

1 2 3

Einleitung / Bearbeitungsrahmen Konzeptgebiet Wilhelmstadt Verkehrliche Grundlagen und Lärmbelastung 3.1 Verkehrliche Grundlagen 3.2 Lärmbelastungs- und Betroffenheitssituation 3.3 Qualitäts-Indikatoren-System Bereits vorhandene Planungen Lärmminderungsplanung im Konzeptgebiet Wilhelmstadt 5.1 Maßnahmen zur Verkehrsvermeidung 5.1.1 Förderung von ÖPNV, Rad- und Fußverkehr 5.1.2 Parkraummanagement 5.2 Maßnahmen zur Verkehrslenkung und Verkehrsorganisation 5.2.1 Verlagerung und Bündelung von Durchgangsverkehr 5.2.2 Schwerverkehr 5.2.3 Geschwindigkeiten und Verkehrsfluss 5.3 Straßenräumliche Maßnahmen 5.3.1 Pichelsdorfer Straße 5.3.2 Knoten Wilhelmstraße / Pichelsdorfer Straße 5.3.3 Adamstraße 5.3.4 Weißenburger Straße 5.3.5 Klosterstraße 5.3.6 Fahrbahnbeläge 5.4 Passiver Schallschutz 5.5 Umsetzungskonzept 5.6 Wirkungsanalysen 5.6.1 Verkehrliche Wirkungen 5.6.2 Lärmwirkungen 5.6.3 Qualitäts-Indikatoren-System Zusammenfassung

1 3 4 4 6 9 10 12 13 13 16 18 19 20 21 23 25 28 28 30 31 31 31 32 35 35 36 38 39

4 5

6

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

Abbildungen

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23

Untersuchungsnetz im Konzeptgebiet Wilhelmstadt 3 Konzeptgebiet Wilhelmstadt – Verkehrsmengen (DTV) 5 Konzeptgebiet Wilhelmstadt – Ausrichtung des Durchgangsverkehrs 6 Konzeptgebiet Wilhelmstadt – Immissionspegel 7 Konzeptgebiet Wilhelmstadt – Bewertung der Lärmsituation nachts (LKZ 55) 8 Bewertung nach dem Qualitäts-Indikatoren-System, Analyse 10 Konzeptgebiet Wilhelmstadt – Bewertung nach QualitätsIndikatoren-System 11 Konzeptgebiet Wilhelmstadt - Vorhandene Radverkehrsanlagen 14 Konzeptgebiet Wilhelmstadt - Empfehlenswerte Fahrradabstellanlagen 15 Pichelsdorfer Straße - Radfahrer und querende Fußgänger 15 Veränderung der Auslastung von Stellplätzen durch Einführung von Parkraumbewirtschaftung 16 Pichelsdorfer Straße - Parkhöchstdauer 2 Stunden 18 Hauptachsen des Durchgangsverkehrs - Bestand und Ziel 20 Pichelsdorfer Straße 22 Vom Durchgangsverkehr belasteter Abschnitt der Adamstraße, westl. Pichelsdorfer Straße 23 Pichelsdorfer Straße 26 Mögliche Gestaltung einer Geschäftsstraße (Quelle: RASt 06) 26 Querschnitt Pichelsdorfer Straße, nördlich Metzer Platz (Bestand) 27 Querschnitt Pichelsdorfer Straße, nördlich Metzer Platz (Planung) 27 Querschnitte der Pichelsdorfer Straße (Quelle: Bezirk Spandau von Berlin) 28 Querschnitt Adamstraße, östlich Földerichstraße, Blickrichtung Osten (Bestand) 29 30 Querschnitt Adamstraße, östlich Földerichstraße (Planung) Querschnitt Klosterstraße zwischen Altonaer Straße und Sedanstraße (Bestand) 31

Tabellen

1 2 3

Umsetzungskonzept - kurzfristige Maßnahmenvorschläge (Stufe 1) Umsetzungskonzept - mittel- bis langfristige Maßnahmenoptionen (Stufe 2) Maßnahmen in HotSpot-Abschnitten und Minderungspotential

33 34 37

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

Karten

1
2

Konzeptgebiet Wilhelmstadt - Verkehrsorganisatorisches Konzept und Geschwindigkeitsregelungen Konzeptgebiet Wilhelmstadt - Straßenräumliches Konzept

23 24

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

1
1 Einleitung / Bearbeitungsrahmen

Bestandteil der gesamtstädtischen Lärmaktionsplanung für Berlin ist die Erarbeitung geeigneter Maßnahmen zur Lärmminderung in Konzeptgebieten und für Konzeptstrecken. Auf der Grundlage der Analysen zur Lärmsituation wurden insgesamt 12 Konzeptgebiete und 8 Konzeptstrecken in Bereichen ausgewählt, in denen eine hohe Lärmbelastung und Lärmbetroffenheit besteht. Der vorliegende Bericht dokumentiert den Bearbeitungsstand für das Konzeptgebiet Wilhelmstadt. Die nachfolgenden Darstellungen beinhalten: eine Zusammenfassung der durchgeführten Analysen zur Verkehrssituation, der Lärmbelastungssituation und den weitergehenden Bewertungen nach dem Qualitäts-Indikatoren-System, einen Überblick über laufende Planungen und zu erwartende Entwicklungen im Prognose-Nullfall LMP, Strategien und Maßnahmenvorschläge zur Lärmminderung im Konzeptgebiet Wilhelmstadt, ein gestuftes Umsetzungskonzept mit der Unterscheidung in kurzfristig umsetzbare Maßnahmen und mittel- bis langfristige Maßnahmeoptionen sowie Wirkungsanalysen zu den Maßnahmeempfehlungen. Die dargestellten Maßnahmenvorschläge wurden in Abstimmung mit dem Bezirk Spandau und den Senatsverwaltungen für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz sowie Stadtentwicklung erarbeitet. Hierzu erfolgte: 1. Schriftliche Kontaktaufnahme mit dem Bezirk mit dem Versand der vorliegenden Unterlagen und ggf. ergänzender Fragestellungen 2. Zuarbeit ggf. weitergehender Informationen durch den Bezirk 3. Termin mit dem Bezirk zur Diskussion erster Ideen / Planungsansätze und der Abfrage weiterer bezirklicher Anforderungen an die Planung am 4. Juli 2007 4. Abstimmung des Planungsentwurfs im Rahmen der erweiterten Kerngruppe mit den Senatsverwaltungen am 26. September 2007 5. Workshop mit dem Bezirk und den Senatsverwaltungen zu dem Planungsentwurf am 5. Dezember 2007 6. Überarbeitung des Berichtsentwurfs unter Berücksichtigung der Ergebnisse des Workshops und weiterer Stellungnahmen bzw. ergänzend eingegangener Materialien im März 2008.

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

2
Die protokollierten Diskussionsbeiträge aus dem Workshopverfahren sowie die ergänzenden eingegangenen Stellungnahmen sind Grundlage des vorliegenden Berichts und des dargestellten Maßnahmenprogramms. Die in den nachfolgenden Kapiteln dargestellten, generell sinnvollen Maßnahmen zur Lärmminderung sind nach kurzfristig umsetzbaren Maßnahmen (Stufe 1) und mittel- bis langfristigen Maßnahmenoptionen (Stufe 2) zu differenzieren. Die Umsetzung der Maßnahmen der Stufe 1 wurde bereits in unterschiedlichen Verfahren begonnen. Die Realisierung aller kurzfristigen Maßnahmen sollte im Zeitraum 2008 – 2012 angestrebt werden. Hierzu ist die Weiterführung der Planungs- und Abstimmungsverfahren und die Sicherstellung der Finanzierung notwendig. Bei den mittel- bis langfristigen Maßnahmeoptionen der Stufe 2 sind noch umfangreiche Prüfbedarfe vorhanden, die im Rahmen der Lärmaktionsplanung nicht abschließend geklärt werden konnten. Weiterhin sind Teile dieser Maßnahmeoptionen auch vor dem Hintergrund noch ausstehender Erfahrungen erneut einer grundsätzlichen Prüfung zu unterziehen. Soweit erkennbar, wird der notwendige Untersuchungsbedarf in den nachfolgenden Ausführungen konkretisiert. Zur Erprobung geeigneter Verfahrensschritte zur Konkretisierung der straßenräumlichen Maßnahmenvorschläge wurden im Rahmen der Lärmaktionsplanung vertiefende Planungen für 4 Beispielstrecken durchgeführt, die im Rahmen des kurzfristigen Maßnahmenprogramms realisiert werden sollen. Die verkehrliche und lärmmindernde Wirkung der vorgeschlagenen Maßnahmen soll durch umfangreiche Begleituntersuchungen ermittelt werden. Die bisher durchgeführten Bearbeitungsschritte und die Ergebnisse der Begleituntersuchungen stehen den Bezirken dann ebenfalls bei der Planung und Umsetzung weiterer straßenräumlicher Maßnahmen zur Verfügung. Die konkrete Vorgehensweise zur Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen bzw. zu einer begleitenden Öffentlichkeitsarbeit müsste dann in weiteren Terminen mit den jeweils zu beteiligenden Stellen abgestimmt werden.

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

3
2 Konzeptgebiet Wilhelmstadt

Das Konzeptgebiet Wilhelmstadt reicht im Norden bis zum Altstädter Ring und im Süden bis zur Heerstraße (jeweils exkl.). In West-Ost-Richtung wird das Gebiet von der Kreuzung Wilhelmstraße / Heerstraße im Westen und von der Havel im Osten begrenzt. Die Fläche beträgt rund 2,3 km2, das Untersuchungsnetz enthält 13,2 km Straßenseite mit rund 3.250 Anwohnern.
Abbildung 1: Untersuchungsnetz im Konzeptgebiet Wilhelmstadt

Das Konzeptgebiet ist gekennzeichnet durch eine hohe Bevölkerungsdichte und enge Straßenräume in innenstadtferner Lage. Das Gebiet wird geprägt durch eine dichte Mischnutzung mit überwiegend geschlossener Blockrandbebauung. Es überwiegen die Funktionen Wohnen, Handel (Stadtteilzentrum Wilhelmstadt, v.a. Klosterstraße und nördliche Pichelsdorfer Straße) und Gewerbe (westl. Wilhelmstraße). Hauptverkehrsachsen sind die parallel verlaufenden Nord-Süd-Straßen Wilhelmstraße / Klosterstraße und Pichelsdorfer Straße sowie der im nördlichen Teil in Ost-West-Richtung verlaufende Straßenzug Brunsbütteler Damm / Ruhlebener Straße. Die Verkehrsbelastung ist geprägt durch Überlagerung von gebietseigenem Verkehr (Handel, Wohnen, Freizeit) und Gebiets-Durchgangsverkehr. Die Problematik und Ausgangslage im Konzeptgebiet Wilhelmstadt ist im wesentlichen gekennzeichnet durch höchste Lärmbetroffenheiten an der Pichelsdorfer Straße zwischen Wilhelmstraße und Adamstraße, an der Klosterstraße sowie an Adamstraße, Weißenburger Straße und Seeburger Straße dichte Wohnnutzung und Funktion als Nahversorgungszentrum

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

4
Gefahr der sozialen Entmischung durch Fortzug der Besserverdienenden und der Familien mit Kindern. Die Ansätze der Lärmminderungsplanung konzentrieren sich auf folgende Aspekte: höhere Aufenthaltsqualität im Wohnumfeld und bessere Rahmenbedingungen für die Entwicklung des Handels Senkung der Lärmbelastung und Schaffung von Spielräumen für die Straßenraumgestaltung durch Verlagerung der Durchgangsverkehre auf weniger sensible Routen Dämpfung der Eigenverkehre durch Parkraummanagement und Förderung des Umweltverbunds.

3

Verkehrliche Grundlagen und Lärmbelastung

3.1

Verkehrliche Grundlagen

Das Untersuchungsnetz des Konzeptgebietes ist folgendermaßen nach StEP Verkehr eingestuft: Stufe II (übergeordnete Straßenverbindung): Klosterstraße, Wilhelmstraße, Gatower Straße, Brunsbütteler Damm, Ruhlebener Straße Stufe III (örtliche Straßenverbindung): Seeburger Straße, SchmidtKnobelsdorf-Straße, Adamstraße, Weißenburger Straße, Pichelsdorfer Straße (zwischen Weißenburger Straße und Adamstraße), Wilhelmstraße (zwischen Heerstraße und Gatower Straße) Ergänzungsstraße (Straße von besonderer Bedeutung): Pichelsdorfer Straße. Verkehrsbelastungen Die höchsten Verkehrsbelastungen haben die Klosterstraße mit bis zu 59.000 Kfz / 24 h und die Ruhlebener Straße mit 40.000 Kfz / 24 h (DTV aus Verkehrszählung 2005). Südlich der Ruhlebener Straße ist die Klosterstraße mit 37.000 Kfz / 24 h belastet. Diese Belegung teilt sich weiter südlich auf in Wilhelmstraße (19.000 - 23.000 Kfz / 24 h) und Pichelsdorfer Straße (11.000 13.000 Kfz / 24 h). Verkehrsströme Rund 60 % der gesamten Verkehrsbelastungen sind Gebiets-Durchgangsverkehre durch die Wilhelmstadt, die das Gebiet sowohl in nord-südlicher Richtung (von / zum Zentrum Spandau) als auch in ost-westlicher Richtung

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

5
Hohe Durchgangsverkehrsanteile von rund 40 % bis 80 % an der streckenbezogenen Belastung treten an folgenden Abschnitten auf (in alphabetischer Reihenfolge): Adamstraße, Klosterstraße, Pichelsdorfer Straße, Schmidt-Knobelsdorf-Straße, Weißenburger Straße und Wilhelmstraße. Die Verkehrsbelastungen im Gebiet resultieren zu rund 40 % aus Eigenverkehren, d.h. aus Binnenverkehren sowie Quell- und Zielverkehren in das Gebiet und aus dem Gebiet. Die Quell- und Zielverkehre sind nach Norden (Zentrum Spandau) und Osten (Richtung Kernstadt Berlin) ausgerichtet.
Abbildung 2: Konzeptgebiet Wilhelmstadt – Verkehrsmengen (DTV)

durchqueren. 1

1

Hierbei nicht berücksichtigt sind die Verkehrsströme der nördlich das Gebiet tangierenden Achse Ruhlebener Straße / Brunsbütteler Damm.

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

6
Abbildung 3: Konzeptgebiet Wilhelmstadt – Ausrichtung des Durchgangsverkehrs

3.2

Lärmbelastungs- und Betroffenheitssituation

Lärm- und Betroffenenanalysen Im Konzeptgebiet Wilhelmstadt treten am Tag Lärmbelastungen bis zu rund 75 dB(A) auf, die Nachtwerte erreichen bis zu 69 dB(A). Hauptverursacher der Lärmbelastungen im Konzeptgebiet ist der Straßenverkehr. Außerdem verkehren die Fernbahn, die Regionalbahn und die S-Bahn-Linien S 5 und S 75 am Bahnhof Spandau. Für Fern-, Regionalund S-Bahn werden gesonderte Aktionspläne erarbeitet. Straßenbahnen und oberirdische U-Bahnen befinden sich nicht im Gebiet. Als Schwellenwerte für die Dringlichkeit von Maßnahmenprüfungen im Lärmminderungsplan Berlin werden zwei Stufen definiert: 1. Stufe: 70 dB(A) tags und 60 dB(A) nachts - bei Überschreitung dieser Werte sollen möglichst kurzfristig Maßnahmen zur Verringerung der Gesundheitsgefährdung ergriffen werden

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

7
2. Stufe: 65 dB(A) tags und 55 dB(A) nachts - diese Werte wurden von der Lärmwirkungsforschung als gesundheitsrelevante Schwellenwerte ermittelt und dienen im Rahmen der Vorsorge als Zielwerte für die Lärmminderungsplanung. Neben den Lärmpegeln wurde auch die Anzahl der vom Straßenverkehrslärm betroffenen Anwohner auf Grundlage der in der Straßenverkehrslärmkarte angegebenen Anwohnerzahlen abgeschätzt. Der Schwellenwert der ersten Stufe von 70 dB(A) am Tag wird an 5,1 km bebauten Abschnittsseiten überschritten (dies entspricht 39 % der untersuchten Abschnittslängen). Hiervon sind 1.630 Anwohner betroffen (50 %). Der Schwellenwert der zweiten Stufe von 65 dB(A) am Tag wird an 10,2 km bebauten Abschnittsseiten überschritten (77 %). Hiervon sind 2.915 Anwohner betroffen (89 %). Nachts wird der Schwellenwert der ersten Stufe von 60 dB(A) an 9,8 km bebauten Abschnittsseiten überschritten (74 %). Hiervon sind 2.760 Anwohner (85 %) betroffen. Der Schwellenwert der zweiten Stufe von 55 dB(A) in der Nacht wird an 12,0 km bebauten Abschnittsseiten überschritten (91 %). Hiervon sind 3.170 Anwohner betroffen (97 %). Die höchsten Lärmbelastungen treten auf an Klosterstraße: Seeburger Straße. 75 dB(A) tags / 69 dB(A) nachts 72 dB(A) tags / 66 dB(A) nachts. Pichelsdorfer Straße: 73 dB(A) tags / 67 dB(A) nachts

Abbildung 4: Konzeptgebiet Wilhelmstadt – Immissionspegel

Tag

Nacht

Lärmkennziffer (LKZ) Die Lärmkennziffer ist eine geeignete Kenngröße zur Beschreibung von Lärmbetroffenheiten, weil sie die oben beschriebenen Parameter Mittelungspegel und Betroffenenpotentiale zusammenführt. Sie wird mit folgender Formel berechnet:
LKZ = Betroffene * (Mittelungspegel - Schwellenwert) / 100 m Straßenlänge.

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

8
Hohe Lärmkennziffern treten also vor allem dort auf, wo hohe Einwohnerdichten und hohe Lärmpegel zusammentreffen. Bezogen auf die Schwellenwerte der Stufe 2 (65 / 55 dB(A)) erreichen die Lärmkennziffern im Konzeptgebiet Werte bis zu 939 am Tag und 1.345 in der Nacht. Die höchsten Lärmbetroffenheiten treten an der Klosterstraße, an der Pichelsdorfer Straße zwischen Wilhelmstraße und Adamstraße sowie an Adamstraße und Weißenburger Straße auf. Betroffenheiten von Schulen Der Schwellenwert der Stufe 2 von 65 dB(A) am Tag wird an folgenden Schulen überschritten: Bertolt-Brecht-Oberschule, Wilhelmstraße Paul-Moor-Schule, Adamstraße Gottfried-Kinkel-Oberschule, Seeburger Straße / Seecktstraße.
Abbildung 5: Konzeptgebiet Wilhelmstadt – Bewertung der Lärmsituation nachts (LKZ 55)

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

9
3.3 Qualitäts-Indikatoren-System

An den HotSpot-Abschnitten der Lärmbelastung (Lärmkennziffer der 2. Stufe mit Schwellenwert 65/55 dB(A), LKZ > 250) wird eine weitergehende Konfliktanalyse und Prioritätenbildung für lärmmindernde Maßnahmen erarbeitet. Dies erfolgt mit Hilfe eines Qualitäts-Indikatoren-Systems, in dem verschiedene Zielsysteme zur Bewertung zusammengeführt werden. Für alle Kenngrößen werden Zielerreichungsgrade in % ermittelt, wobei bei 100 % die Zielwerte erreicht werden und bei 0 % die ungünstigste Wertung erfolgt. Im Konzeptgebiet Wilhelmstadt liegt bei einer Bewertung nach dem Qualitäts-Indikatoren-System der Zielerreichungsgrad etwas unter dem Niveau aller HotSpot-Abschnitte der Lärmbelastung im Berliner Hauptverkehrsstraßennetz. 37 % der Abschnitte weisen einen Zielerreichungsgrad unter 60 % auf. Neben dem geringen Zielerreichungsgrad im LärmGesundheitsbereich und bei der Einhaltung nutzungsspezifischer Immissionsgrenzwerte fällt hierbei auch der zum Teil hohe Handlungsbedarf im Straßenraum ins Gewicht. Die Straßen mit den Abschnitten, die die insgesamt geringsten Zielerreichungsgrade aufweisen sind: Klosterstraße (Minimum 38 %) und Pichelsdorfer Straße (Minimum 43 %). Über die Lärmanalyse hinaus ergab die Untersuchung folgende Ergebnisse: Erhöhte Luftschadstoffbelastungen treten im Gebiet an der Klosterstraße auf. Bei der Bewertung der Einhaltung nutzungsspezifischer Immissionsgrenzwerte an Wohnbauflächen schneidet die Pichelsdorfer Straße am ungünstigsten ab. Probleme der direkten Lärmeinwirkung durch einen geringen Abstand der Gebäude zur Fahrbahn sind in der Seeburger Straße, der Adamstraße und der Pichelsdorfer Straße vorhanden. Hochbelastete Straßenabschnitte mit hoher Aufenthaltsfunktion sind Klosterstraße und Pichelsdorfer Straße. In Klosterstraße und Pichelsdorfer Straße ist auch ein sehr ungünstiges Verhältnis von Fahrbahnen zum gesamten Straßenraum zu verzeichnen. Die Ausstattung mit Radverkehrsanlagen ist - soweit erforderlich - in über 50 % der Abschnittslängen nicht gegeben. Betroffen sind Pichelsdorfer Straße, Seeburger Straße und Weißenburger Straße. Die Grünausstattung in der Wilhelmstadt ist insgesamt nicht ausreichend. Eine mangelhafte Grünausstattung ist insbesondere in der Klosterstraße festzustellen. Zur Verkehrssicherheit liegen keine Aussagen zu allen Straßenabschnitten vor. Die untersuchten Straßen in der Wilhelmstadt sind hinsichtlich der

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

10
Verkehrssicherheit kein Schwerpunkt (dieser wird definiert mit über 20 Unfällen im Jahr und hoher Lärmbelastung 2 ).

Abbildung 6: Bewertung nach dem QualitätsIndikatoren-System, Analyse

4

Bereits vorhandene Planungen

Im Konzeptgebiet sind zwei relevante städtebauliche Vorhaben zu berücksichtigen: Klosterstraße 38-42: 2,1 ha Gesamtfläche, voraussichtlich rund 40.000 m² Bruttogeschossfläche für Dienstleistung und Handel, voraussichtliche Realisierung nicht vor 2010, gleichzeitig Wegfall des Post-Verteilzentrums Wilhelmstraße: Baumarkt mit 8.000 m² Verkaufsfläche am ehemaligen Schulstandort. Die Einführung von Tempo 30 nachts ist an folgenden Straßen geplant: Adamstraße zwischen Melanchthonstraße und Pichelsdorfer Straße Pichelsdorfer Straße zwischen Wilhelmstraße und Tharsanderweg Weißenburger Straße zwischen Pichelsdorfer Straße und Götelstraße Wilhelmstraße zwischen Melanchthonstraße und Pichelsdorfer Straße.

2

VMZ Berlin: Minderung der Umweltbelastung und Erhöhung der Verkehrssicherheit durch Reduzierung der zugelassenen Fahrgeschwindigkeiten im Hauptverkehrsstraßennetz der Stadt Berlin - Anlage 1, Berlin August 2005 - die Aussagen beziehen sich auf Unfalldaten aus 2002.

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

11
Weitere relevante Planungen und Vorhaben sind für das Gebiet nicht bekannt. Im Prognose-Nullfall (LMP) werden die vorliegenden infrastrukturellen und verkehrsorganisatorischen Planungen und Maßnahmen im Konzeptgebiet und im übrigen Stadtgebiet abgebildet, deren voraussichtlicher Umsetzungshorizont im Geltungszeitraum des Lärmminderungsplans (bis 2015) liegt. Er beschreibt, welche Entwicklung der Lärmbelastung zu erwarten ist, wenn die bereits vorliegenden Planungen umgesetzt werden. Maßnahmen, die in komplexen Wirkungszusammenhängen auf die Verkehrszusammensetzung und den Modal-Split Einfluss nehmen können (z.B. Parkraumbewirtschaftung, Radverkehrsstrategie, ...) können in diesem Arbeitsschritt nicht quantitativ berücksichtigt werden. Entwicklung der Verkehrs- und Lärmbelastung Wesentliche Veränderungen der Verkehrsbelastungen im Zuge von infrastrukturellen Maßnahmen sind im Konzeptgebiet Wilhelmstadt nicht zu erwarten. Durch die geplante Anordnung von Tempo 30 nachts wird die Lärmbelastung im Prognose-Nullfall gegenüber der Analyse jedoch deutlich abnehmen. Die Lärmbelastung am Tag bleibt gegenüber der Analyse fast unverändert. Qualitäts-Indikatoren-System Im Prognose-Nullfall kann der Gesamt-Zielerreichungsgrad erhöht werden. Dies steht im Zusammenhang mit Lärmminderungen durch Tempo 30 nachts auf mehreren Straßenabschnitten im Konzeptgebiet sowie mit Fahrbahnsanierungsmaßnahmen. Insbesondere die auf den Nachtzeitraum bezogenen Bewertungen fallen positiver aus.
Abbildung 7: Konzeptgebiet Wilhelmstadt – Bewertung nach Qualitäts-Indikatoren-System

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

12
5 Lärmminderungsplanung im Konzeptgebiet Wilhelmstadt

Das Ziel der Lärmminderungsplanung für die Wilhelmstadt ist neben der Senkung der Lärmbelastung die ganzheitliche Aufwertung des Konzeptgebiets, um den erkennbaren Tendenzen einer sozialen Entmischung entgegenzuwirken. Ein zentrales Element ist in diesem Zusammenhang die Stärkung der gebietskennzeichnenden Mischung aus Wohnen und Nahversorgung. Das wesentliche Merkmal für die Attraktivität der Nahversorgungseinrichtungen und damit auch des Konzeptgebietes insgesamt ist zwar die von der Lärmminderungsplanung nicht beeinflussbare - Qualität und Vielfalt des Waren- und Dienstleistungsangebots. Der LMP kann aber dazu beitragen, die Rahmenbedingungen für eine positive Gebietsentwicklung hinsichtlich Aufenthalt und Erreichbarkeit zu verbessern. Die Notwendigkeit dieses Ansatzes bestätigt eine im Oktober 2001 durchgeführte Befragung von rund 500 Passanten und 60 Geschäftsleuten in der Wilhelmstadt: 3 Geschäftsbesucher sind zu einem sehr hohen Anteil Stammkunden (90 %), rund 80 % der Kundschaft wohnen im Untersuchungsgebiet rund 50 % der Passanten bewerten den dortigen Verkehrslärm als „lästig“ 65 % bis 90 % der Kunden in Pichelsdorfer Straße, Adamstraße und Weißenburger Straße kommen zu Fuß oder mit dem Fahrrad es gibt eine Tendenz zur Abwanderung bei „Familien mit Kindern oder älteren, weniger mobilen Menschen“. Die notwendigen Spielräume für eine Erhöhung der Aufenthaltsqualität und für eine bessere Erreichbarkeit zu Fuß und mit dem Rad können vor allem über Maßnahmen zur Verkehrsvermeidung und zur räumlichen Verlagerung von gebietsfremden Durchgangsverkehren gewonnen werden. Die Lärmminderungsplanung für das Konzeptgebiet Wilhelmstadt untersucht im Folgenden Maßnahmen zur Verkehrslärmvermeidung, zur Verkehrslenkung und Verkehrsorganisation sowie straßenräumliche Maßnahmen.

3

vgl. Wartenberger Innovations- und Bildungszentrum gGmbH: Belastungen durch Verkehrslärm Eine Fallstudie am Beispiel der Wilhelmstadt in Berlin-Spandau. März 2002.

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

13
5.1 Maßnahmen zur Verkehrsvermeidung

Ein wesentlicher Ansatz für die Lärmminderungsplanung im Konzeptgebiet Wilhelmstadt liegt in der (Kfz-)Verkehrsvermeidung. Mögliche Maßnahmen betreffen die Förderung von ÖPNV, Rad- und Fußverkehr und das Parkraummanagement.

5.1.1 Förderung von ÖPNV, Rad- und Fußverkehr
Die Förderung des Umweltverbundes ist ein wichtiger Teil der langfristigen Strategie zur Lärmminderung, weil sie dazu beiträgt, Kfz-Verkehrslärm nachhaltig zu vermeiden. ÖPNV Ein attraktiver öffentlicher Nahverkehr ist ein wesentlicher Baustein zur Reduzierung der Pkw-Verkehre. Obwohl die öffentlichen Verkehrsmittel im Einzelfall selbst erhebliche Lärmquellen sein können, tragen sie als Alternative zum motorisierten Individualverkehr zur Lärmminderung bei. Geht man von derselben Zahl von Fahrgästen bzw. Insassen aus, liegen die spezifischen Schallemissionen von Bussen und S-Bahnen deutlich unter denen des Pkw (bezogen auf eine einheitliche Transportkapazität von 1.000 Personen je Stunde). 4 Die ÖPNV-Erschließung des Konzeptgebiets Wilhelmstadt erfolgt durch SBahn, U-Bahn und Bus: Am Bahnhof Spandau / U-Bahnhof Rathaus Spandau verkehren Fernbahn, Regionalbahn, S- und U-Bahn (ICE, RE 6, RB 13, S 75, S 9 U 7 mit Übergang zu den Buslinien X 33, M 32, M 37, M 45, 130, 135, 136, 236, 237, 337, 638, 639, 671, N 7, N 30 und N 34) Die Flächenerschließung des Gebiets erfolgt außerdem über die Buslinien X 34, X 49, M 49 und 131. Obwohl im Rahmen der Lärmminderungsplanung für das Konzeptgebiet Wilhelmstadt keine detaillierte Planung für den öffentlichen Nahverkehr durchgeführt werden kann, sollten grundsätzlich bei allen Planungen folgende Zielstellungen berücksichtigt werden: Sicherstellung einer ausreichenden räumlichen und zeitlichen ÖPNVErschließungsqualität optimierte Verknüpfung der ÖPNV-Träger untereinander (S-Bahn, UBahn, Bus) und mit anderen Verkehrsträgern (v.a. Rad) Beschleunigung des ÖPNV
4 vgl. Bayerisches Landesamt für Umweltschutz: Lärm - Straße und Schiene, Oktober 2003.

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

14
Erhöhung von Komfort und Sicherheit (Barrierefreiheit, umwegarme Verbindungen, Sauberkeit, Witterungsschutz, Pünktlichkeit, Information etc.). Radverkehr Die Förderung der unmotorisierten Fortbewegung trägt mittel- und langfristig zur Vermeidung von Kfz-Fahrten und damit zur Lärmminderung bei. Je nach Straßenraumaufteilung kann die Anlage von Radverkehrsanlagen auch zu einem Abrücken der Lärmquelle (Fahrspur) von der Fassade führen und/oder durch eine Einengung der Kfz-Fahrspuren zu homogeneren und langsameren Verkehrsflüssen beitragen. An den in Abbildung 8 dargestellten Straßenabschnitten sind bereits Radverkehrsanlagen vorhanden. In einigen Bereichen (z.B. an der Klosterstraße) entsprechen sie jedoch nicht den Mindestanforderungen. Die Verbindung Klosterstraße - Wilhelmstraße - Gatower Straße ist Teil des Berliner Fahrradroutennebennetzes. An dieser Strecke sind Radverkehrsanlagen vorhanden, die jedoch teilweise unzureichend sind. Verbesserungen sind vor allem an der Klosterstraße hinsichtlich des baulichen Zustands, der Linienführung und der Breite der Anlagen oder des Sicherheitsabstandes sinnvoll. Bei den heutigen Verkehrsstärken und Rahmenbedingungen wären auch an der Pichelsdorfer Straße und an der Weißenburger Straße Radverkehrsanlagen notwendig, sowie an der Adamstraße zu prüfen. Im Zusammenhang mit den in Kapitel 5.2 beschriebenen Maßnahmen zur Verkehrslenkung und Verkehrsorganisation kann hier aber durch die Verdrängung der Durchgangsverkehre voraussichtlich eine Senkung der Verkehrsmengen erreicht werden, die die Führung der Radfahrer im Mischverkehr auf der Fahrbahn erlaubt.
Abbildung 8: Konzeptgebiet Wilhelmstadt - Vorhandene Radverkehrsanlagen

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

15
In den Einzelhandelsbereichen ist die Bereitstellung von Fahrradabstellanlagen sinnvoll. Diese haben unterschiedliche Anforderungen zu erfüllen. Die Wichtigsten sind: Anschließbarkeit von Laufrad und Rahmen Standsicherheit Zugänglichkeit Beleuchtung und Witterungsschutz. Von den gängigen Abstellanlagen erfüllen die sogenannten ‚Anlehnbügel’ diese Anforderungen am besten. Die früher gebräuchlichen Vorderradhalter haben dagegen den Nachteil, dass sie geringe Standsicherheit und weniger Anschließsicherheit bieten.
Abbildung 9: Konzeptgebiet Wilhelmstadt - Empfehlenswerte Fahrradabstellanlagen

Abbildung 10: Pichelsdorfer Straße - Radfahrer und querende Fußgänger

Fußverkehr Die größten Defizite aus Sicht des Fußverkehrs bestehen im Konzeptgebiet in der geringen Aufenthaltsqualität in den Einkaufsbereichen der Klosterstraße und der Pichelsdorfer Straße und der teilweise geringen Querbarkeit von Hauptverkehrsstraßen. Die konkreten Maßnahmenansätze werden in Kapitel 5.3 dargestellt (vgl. Seite 23).

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

16
5.1.2 Parkraummanagement
Ein geeignetes Parkraummanagement kann zu einer Minderung der Lärmbelastung beitragen, indem es den kleinräumigen Parksuchverkehr und den Kfz-Zielverkehr (v.a. im Berufsverkehr) verringert. Außerdem kann der Verkehrsfluss verbessert werden, weil das Halten in zweiter Reihe abnimmt. Die Effekte einer richtig angewandten Parkraumbewirtschaftung sind vielfältig. Untersuchungen im Bezirk Mitte haben ergeben, dass nach Einführung der Parkraumbewirtschaftung die mittlere Stellplatzauslastung deutlich gesenkt werden konnte. Anwohner und Geschäftskunden fanden nach Einführung der Parkraumbewirtschaftung wieder leichter freie Stellplätze. 80 % der Bewohner und 70 % der Gewerbetreibenden sind mit der Parkraumbewirtschaftung zufrieden bzw. überwiegend zufrieden.
Abbildung 11: Veränderung der Auslastung von Stellplätzen durch Einführung von Parkraumbewirtschaftung 5

Die Parkgebührenpflicht hat gegenüber der Parkscheibenregelung den Vorteil, dass eine konsequente Überwachung des ruhenden Verkehrs mit den Gebühreneinnahmen finanziert werden kann. Durch die Senkung des Parkdrucks und die intensive Überwachung kann der Falschparkeranteil deutlich gesenkt werden, was die Bedingungen für Ladeverkehr, Radfahrer und Fußgänger verbessert. Im StEP Verkehr ist die schrittweise Ausdehnung der Parkraumbewirtschaftung auf alle innerstädtischen Zielgebiete des Pkw-Verkehrs mit
5 Planungsgruppe Nord PGN im Auftrag des Bezirksamtes Mitte von Berlin, Straßen- und Grünflächenamt: Bestandserhebung und Nachheruntersuchung zur Parkraumbewirtschaftung im Bezirk Mitte, Kassel, Oktober 2006

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

17
starker Parkraumnachfrage sowie die unmittelbar angrenzenden Wohngebiete und die Erweiterung zu einem Management des innerstädtischen Parkraumes ein wichtiger Teil seiner Gesamtstrategie. Teile des Konzeptgebiets Wilhelmstadt werden dort als „potenzielles Erweiterungsgebiet“ für Parkraumbewirtschaftung ausgewiesen, weil Strukturdatenanalysen im Rahmen eines gesamtstädtischen Screenings ergeben haben, dass im Gebiet hoher Parkdruck und eine Überlagerung verschiedener Nutzergruppen (Bewohner, Beschäftigte, Kunden / Besucher) zusammentreffen. Bisherige Untersuchungen in den Bezirken CharlottenburgWilmersdorf und Mitte zeigen, dass die Strukturdatenanalysen des Senats durch Vor-Ort-Verkehrserhebungen im wesentlichen bestätigt werden. Der StEP Verkehr weist darauf hin, dass die gewünschten Verlagerungseffekte nur dann erreichbar sind, wenn die bewirtschafteten Gebiete so groß sind, dass ein Ausweichen auf benachbarte unbewirtschaftete Gebiete nicht möglich oder nicht sinnvoll ist. Empfehlungen Aus Sicht der Lärmminderungsplanung wird empfohlen, im Konzeptgebiet vertiefende Untersuchungen zum Parkraummanagement durchzuführen. Das Verlagerungspotenzial ist im Konzeptgebiet hoch, weil rund 40 % aller KfzFahrten im Gebiet Eigenverkehre sind (Quell-/Ziel- und Binnenverkehre). Hier ist eine Verlagerung des Binnenverkehrs und des (Berufspendler-) Zielverkehrs auf den ÖPNV und Radverkehr möglich. Im StEP Verkehr ist folgendes Gebiet als potenzielle Erweiterungsfläche ausgewiesen: Nordgrenze: Knoten Wilhelmstraße / Pichelsdorfer Straße Ostgrenze: Havel Südgrenze: Weverstraße Westgrenze: Wilhelmstraße. Teilweise wird dieses Gebiet heute schon bewirtschaftet. Das Gebiet nördlich von Altonaer Straße und Diedenhöfer Straße gehört zur Parkzone 13. Außerhalb dieser Parkzone besteht außerdem an der nördlichen Pichelsdorfer Straße Parkgebührenpflicht, südlich davon eine Parkscheibenregelung mit einer Parkhöchstdauer von 2 Stunden.

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

18
Abbildung 12: Pichelsdorfer Straße - Parkhöchstdauer 2 Stunden

Für die Einführung der Parkraumbewirtschaftung sind die Bezirke verantwortlich. Es wird empfohlen, die Voruntersuchungen der Senatsverwaltung durch geeignete Vor-Ort-Erhebungen zu verifizieren und die zu erwartenden Effekte und die Wirtschaftlichkeit einer Parkraumbewirtschaftung im Konzeptgebiet zu prüfen. 6 Die Einführung der Parkraumbewirtschaftung ist dann sinnvoll, wenn ein hoher Parkdruck besteht und wenn verschiedene Nutzergruppen um die freien Parkplätze konkurrieren. Parallel dazu sind Maßnahmen zur Verbesserung des Angebotes für die Verkehrsarten sinnvoll, auf die Fahrten verlagert werden sollen (z.B. Verbesserung der Radverkehrsinfrastruktur oder die Verbesserung der Zugänglichkeit von ÖPNV-Haltestellen).

5.2

Maßnahmen zur Verkehrslenkung und Verkehrsorganisation

Verkehrslenkende und -organisatorische Maßnahmen betreffen im Konzeptgebiet Wilhelmstadt Ansätze zur Verlagerung und Bündelung von Durchgangsverkehren, zur Führung des Lkw-Verkehrs sowie Regelungen zu den zulässigen Höchstgeschwindigkeiten.

6

vgl. auch den Abschlussbericht zur Plattform Wirtschaftsverkehr und Handel Spandau (2001), in dem mittel- bis langfristig die „Prüfung auf durchgängige Einführung einer Parkraumbewirtschaftung“ empfohlen wird.

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

19
5.2.1 Verlagerung und Bündelung von Durchgangsverkehr
Ein großer Teil aller Kfz-Fahrten im Konzeptgebiet sind GebietsDurchgangsverkehre, die sich innerhalb des Gebiets auf unterschiedlich sensible Straßenräume verteilen. Ein Ziel der Lärmminderungsplanung ist daher die Bündelung auf Hauptachsen und die räumliche Verlagerung des Durchgangsverkehrs in weniger sensible Bereiche. Es fällt auf, dass nicht nur stark befahrene Straßen wie Klosterstraße und Wilhelmstraße hohe Durchgangsverkehrsanteile aufweisen, sondern mit 50 % bis 60 % auch die akustisch hoch belasteten Abschnitte von Adamstraße, Pichelsdorfer Straße und Weißenburger Straße. In der Wilhelmstadt sind aus Sicht der Lärmminderungsplanung daher zwei Vorgehensweisen sinnvoll: die großräumige Verlagerung der Ost-WestDurchgangsverkehre und die kleinräumige Verlagerung der Nord-SüdVerkehre. Prüfung einer großräumigen Verlagerung der Ost-WestDurchgangsverkehre Entlastung der lärmempfindlichen Verbindung Schmidt-Knobelsdorf-Straße / Adamstraße / Pichelsdorfer Straße / Weißenburger Straße durch Bündelung des Durchgangsverkehrs auf den parallel verlaufenden, übergeordneten bzw. großräumigen Verbindungen Brunsbütteler Damm / Ruhlebener Straße im Norden und Heerstraße im Süden. Kleinräumige Verlagerung der Nord-Süd-Durchgangsverkehre Entlastung der höchstbelasteten Pichelsdorfer Straße durch Bündelung des Durchgangsverkehrs auf der übergeordneten Wilhelmstraße, die über ausreichende Kapazitäten verfügt, eine geringere Einwohnerdichte hat und niedrigere Ansprüche an die Aufenthaltsqualität stellt. Vorgehensweise Die Verlagerung und Bündelung von Durchgangsverkehren wird durch verkehrslenkende und verkehrsorganisatorische Maßnahmen angestrebt (vgl. konkrete Maßnahmenvorschläge in den folgenden Kapiteln). In Folge dessen werden die Verkehrs- und Lärmbelastungen gesenkt und die Spielräume zur Straßenraumumgestaltung vergrößert.

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

20
Abbildung 13: Hauptachsen des Durchgangsverkehrs - Bestand und Ziel

5.2.2 Schwerverkehr
Der Anteil des Lkw-Verkehrs an der gesamten Verkehrsmenge beträgt in der Pichelsdorfer Straße rund 3 % (370 Lkw / 24 h) und in der Weißenburger Straße 5 % (500 Lkw / 24 h). Diese Verkehrsstärken lassen darauf schließen, dass es sich hier nicht nur um Ver- und Entsorgungsverkehre des Gebietes, sondern ebenfalls um verlagerbare Durchgangsverkehre handelt. Es wird daher empfohlen, in der Weißenburger Straße ein nächtliches LkwVerbot (22-6 Uhr) anzuordnen und eine entsprechende Wegweisung einzurichten. 7 Vorläufigen Berechnungen zufolge sind so nächtliche Pegelminderungen bis zu 2,5 dB(A) möglich. Außerdem wird empfohlen, im Zuge der Maßnahmen an der Pichelsdorfer Straße als akustisch am stärksten belasteten Bereich ebenfalls Maßnahmen zur Verdrängung des gebietsfremden Lkw-Verkehrs zu untersuchen.

7

Die Empfehlungen zu Lkw-Verboten wurden in den begleitenden Gesprächen kontrovers diskutiert und sind daher ggf. in der weiteren Planung zu überarbeiten.

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

21
5.2.3 Geschwindigkeiten und Verkehrsfluss
Die Senkung der Fahrgeschwindigkeiten hat großen Einfluss auf die Lärmbelastung. Mögliche Ansatzpunkte zur Lärmminderung sind die Senkung der zulässigen Höchstgeschwindigkeiten und/oder Maßnahmen zur Einhaltung der bestehenden zulässigen Höchstgeschwindigkeiten. Neben den Geschwindigkeiten wirkt sich auch die Anzahl der Beschleunigungs- und Verzögerungsvorgänge auf die Lärmentwicklung aus. Die Lärmminderungsplanung strebt daher einen möglichst homogenen Verkehrsfluss an. Umsetzung von Tempo 30 Regelungen nachts Im Rahmen der gesamtstädtischen Konzeption zur Einführung von Tempo 30 nachts 8 wurden Streckenabschnitte identifiziert, in denen die definierten Kriterien zur Einrichtung von Tempo 30 nachts erfüllt sind. Die Umsetzung dieser Maßnahmen ist beschlossen und erfolgt sukzessive: Adamstraße zwischen Melanchthonstraße und Pichelsdorfer Straße Pichelsdorfer Straße zwischen Wilhelmstraße und Tharsanderweg Weißenburger Straße zwischen Pichelsdorfer Straße und Götelstraße Wilhelmstraße zwischen Melanchthonstraße und Pichelsdorfer Straße. Die Wirksamkeit der einzurichtenden Tempo 30-Regelungen soll durch den Einsatz technischer Mittel (Displays) und/oder einer intensiveren Überwachung der Geschwindigkeitsbeschränkung unterstützt werden. Weiterhin soll die Wirksamkeit der Tempo 30 nachts - Regelungen durch Wirkungsuntersuchungen überprüft werden. Pichelsdorfer Straße Um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen und die gebietsfremden Durchgangsverkehre zu verdrängen, wird eine Verkehrsberuhigung des Nahversorgungszentrums um die nördliche Pichelsdorfer Straße vorgeschlagen. Die nördliche Pichelsdorfer Straße ist wesentlicher Bestandteil des Stadtteilzentrums Wilhelmstadt-Spandau nach StEP Zentren. Für diese Funktion ist neben der Qualität und Vielfalt des Waren- und Dienstleistungsangebots auch die Aufenthaltsqualität im Gebiet entscheidend. Die heutigen Mängel sind unverträglich hohe Kfz-Verkehrsmengen (11.-13.000 Kfz / 24 h, davon rund 50 % Gebiets-Durchgangsverkehr) mangelhafte Aufenthaltsqualität durch sehr hohe Lärmpegel (bis zu 73 dB(A) am Tag)

8

VMZ Berlin Betreibergesellschaft mbH im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin: Einführung von Tempo 30 nachts im Berliner Hauptverkehrsstraßennetz – Dokumentation der Vorgehensweise und Abstimmungsergebnisse des Arbeitskreises, Berlin, Januar 2008

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

22
eingeschränkte Querbarkeit der Straße für Fußgänger (durch hohe Verkehrsmengen und Fahrbahnbreiten von rund 12 m) eingeschränkte Erreichbarkeit für Radfahrer. Aus Sicht der Lärmminderungsplanung wäre eine wirksame Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h zwischen Wilhelmstraße und Adamstraße sinnvoll. Diese Maßnahme würde den Durchfahrungs-Widerstand für den Durchgangsverkehr erhöhen, die Lärmpegel wahrnehmbar senken und die Verhältnisse für Fuß- und Radverkehr verbessern. Wegen des Linienbusverkehrs sollte die Pichelsdorfer Straße vorfahrtberechtigt bleiben.
Abbildung 14: Pichelsdorfer Straße

Prüfung weiterer Tempo 30 Regelungen Im Rahmen der Konzeptentwicklung wird über die bereits beschlossenen Regelungen hinaus für weitere Straßen, die Lärmbelastungen oberhalb der Schwellenwerte der 1. Stufe aufweisen (> 70 dB(A) am Tag und/oder 60 dB(A) nachts) und in denen weitere Aspekte für die Einrichtung von Tempo 30 sprechen, empfohlen, die Einrichtung von Tempo 30 zu prüfen. Im Vorfeld sollten für die eingerichteten Tempo 30 Strecken Wirkungskontrollen durchgeführt und eine positive Wirkung ermittelt werden. Vor der Umsetzung der empfohlenen Tempo 30 Regelung sind im Rahmen des erforderlichen Prüfverfahrens die straßenverkehrsrechtlichen Voraussetzungen (Überschreitung der Grenzwerte) anhand aktuell zu erhebender Daten zur Verkehrsbelastung zu überprüfen. Weiterhin ist zu prüfen, ob Belange des ÖPNV betroffen sind und die geplante Regelung mit bestehenden bzw. einzurichtenden LSA-Schaltungen kompatibel ist. Abgeleitet aus der sehr hohen Lärmbelastung und Betroffenheit sowie aus der angestrebten Verdrängung des gebietsfremden Durchgangsverkehrs werden für folgende Straßen Prüfaufträge zur Einrichtung von Tempo 30 formuliert (als Alternative zu aufwändigen Straßenumbaumaßnahmen): Pichelsdorfer Straße zwischen Wilhelmstraße und Adamstraße Adamstraße zwischen Földerichstraße und Pichelsdorfer Straße Weißenburger Straße zwischen Pichelsdorfer Straße und Wörther Straße.

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

23
Auch an Adamstraße und Weißenburger Straße liegen die Immissionspegel tags über 70 dB(A) und nachts über 65 dB(A). Die Voraussetzungen der Lärmschutz-Richtlinien-StV für straßenverkehrsrechtliche Lärmschutzmaßnahmen in Wohngebieten sind damit erfüllt. Die Maßnahmen stehen außerdem im Zusammenhang mit der Empfehlung zur Verkehrsberuhigung in der Pichelsdorfer Straße und ergänzen diese. Die Einhaltung der geltenden Geschwindigkeitsregeln soll durch polizeiliche Kontrollen und durch mobile Anzeigen unterstützt werden.
Abbildung 15: Vom Durchgangsverkehr belasteter Abschnitt der Adamstraße, westl. Pichelsdorfer Straße

Verstetigung des Verkehrsflusses Die Lichtsignalanlagen an Klosterstraße / Wilhelmstraße und Pichelsdorfer Straße sind nach Auskunft der VLB bereits koordiniert. Eine weitergehende Optimierung erscheint unter den gegebenen Rahmenbedingungen nicht möglich. Bei Einführung der oben empfohlenen Geschwindigkeitsregelungen ist jedoch die Anpassung der Lichtsignalprogramme an die geringeren Progressionsgeschwindigkeiten zu notwendig.

Karte 1: Konzeptgebiet Wilhelmstadt - Verkehrsorganisatorisches Konzept und Geschwindigkeitsregelungen

5.3

Straßenräumliche Maßnahmen

Im Rahmen des straßenräumlichen Konzeptes werden folgende Maßnahmen empfohlen: Straßenraumumgestaltung mit einem durchgehenden gepflasterten Mittelstreifen, Verringerung der Fahrspurbreiten und Aufwertung der Seitenbereiche in der Pichelsdorfer Straße.

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

24
Verbesserung der vorhandenen und Neuanlage von Radverkehrsanlagen in Klosterstraße, Schmidt-Knobelsdorf-Straße und Seeburger Straße. Reduzierung von überbreiten Fahrbahnen durch eine geänderte Stellplatzanordnung in Adamstraße und Weißenburger Straße. Prüfung und ggf. Erweiterung der vorhandenen Querungsmöglichkeiten für Fußgänger. Ergänzung der Baumpflanzungen in ausgewählten Straßenabschnitten.

Karte 2: Konzeptgebiet Wilhelmstadt - Straßenräumliches Konzept

Mit den dargestellten straßenräumlichen Maßnahmen werden folgende Lärmminderungsansätze verfolgt: Unterstützung von verkehrslenkenden Maßnahmen (z.B. Kapazitätsbegrenzungen für den Kfz-Verkehr durch Umverteilung von Verkehrsflächen) Unterstützung eines angepassten Geschwindigkeitsniveaus und eines stetigen Verkehrsablaufes durch entsprechende Straßenraumgestaltung (u.a. Verringerung der Breite der Fahrspuren, Verhinderung von Überholmanövern) Förderung der unmotorisierten Verkehrsmittel z.B. durch • • • Anlage / Verbesserung von Radverkehrsanlagen Verbreiterung von Gehwegbereichen Verbesserung der Überquerbarkeit von Straßen

Vergrößerung des Abstandes von den Fahrspuren zur Bebauung z.B. durch Umorganisation von Parkstreifen. Verbesserung der Straßenraumgestaltung bzw. der Grünausstattung im Straßenraum. Konkretisierung und Umsetzung straßenräumlicher Maßnahmen Mit dem straßenräumlichen Konzept werden grundsätzlich geeignete Maßnahmen zur Verminderung der Lärmbelastungen in den Straßenräumen aufgezeigt, die z.T. einfache Maßnahmen ohne großen baulichen Aufwand, z.T. umfangreichere Umbaumaßnahmen mit Synergieeffekten für weitere Bereiche beinhalten. In den nachfolgenden Kapiteln sind für ausgewählte Streckenabschnitte beispielhaft die vorgeschlagenen straßenräumlichen Maßnahmen beschrieben und für einzelne ausgewählte Straßenquerschnitte zeichnerisch dargestellt. Die vorgeschlagenen Maßnahmen zur Verminderung der Lärmbelastungen stellen einen Planungsvorschlag dar und sind nicht abschließend. Vor einer Maßnahmenumsetzung sind detaillierte weitere Untersuchungen notwendig.

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

25
Die weitere Prüfung und Umsetzung dieser Maßnahmen wird im mittel- bis langfristigen Handlungskonzept empfohlen. Die dargestellten Vorschläge müssen hierzu auf Realisierbarkeit im gesamten Streckenverlauf überprüft und konkretisiert werden. Insbesondere für die Knotenpunkte sind Detailplanungen unter Berücksichtigung der Sicherstellung der Leistungsfähigkeit noch zu erarbeiten. Die geeignete Vorgehensweise zur Konkretisierung der Planungsvorschläge wurde im Rahmen der Lärmaktionsplanung für 4 Beispielstrecken aufgezeigt und ist bei der Umsetzungsplanung zu berücksichtigen.

5.3.1 Pichelsdorfer Straße
Die Pichelsdorfer Straße ist neben der Klosterstraße die Haupteinkaufsstraße der Wilhelmstadt. Die heutige Straßenraumgestaltung wird dieser Funktion nur bedingt gerecht. Die Fahrbahnbreite beträgt rund 12 m, davon stehen dem fließenden Kfz-Verkehr 8 m zur Verfügung. Bei den gegebenen Verkehrsmengen von 11.-13.000 Kfz / 24 Stunden ist dies überdimensioniert. Es wird empfohlen, die Fahrspurbreiten auf jeweils 3,25 m zu verringern. Die gewonnenen Flächen sollten als gepflasterter, im Notfall überfahrbarer Mittelstreifen ausgebildet werden (vgl. Abbildung 17 und Abbildung 19). Dies hat den Vorteil, dass die Fahrgeschwindigkeiten im Kfz-Verkehr sinken und die Fußgänger-Querungsbedürfnisse einer Geschäftsstraße befriedigt werden. Da der Mittelstreifen zum Queren durch Rollstuhlfahrer, Radfahrer oder Fußgänger mit Kinderwagen zu schmal ist, ist in der weiteren Planung punktuell die Einrichtung von Mittelinseln zu prüfen. Im Seitenbereich oder als Ersatz für einzelne Pkw-Stellplätze wird die Einrichtung von Fahrrad-Anlehnbügeln empfohlen. Ggf. ist das Parkraummanagement anzupassen (vgl. Kapitel 5.1.2). Die Aufenthaltsqualität sollte außerdem durch eine verdichtete Begrünung und durch zusätzliche Sitzbänke in den durch Einzelhandel geprägten Bereichen erhöht werden. Durch die Verdrängung des Durchgangsverkehrs und die Herabsetzung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit sind keine Radverkehrsanlagen notwendig. Die Umsetzung der straßenräumlichen Maßnahmen und die Senkung des Geschwindigkeitsniveaus verringern die Verkehrsmengen und erhöhen die Aufenthaltsqualität, ohne dass die Erreichbarkeit der Geschäftsstraße für Pkw-Kunden in Frage gestellt wird. Die Bedürfnisse des Lieferverkehrs können berücksichtigt werden, indem Lieferzonen in Absprache mit den Gewerbetreibenden eingerichtet werden. Die Umsetzung der Empfehlungen sollte zeitlich möglichst mit weiteren Bemühungen zur Aufwertung des Quartiers kombiniert werden (Einzelhandel, Bestrebungen zur Einrichtung eines Quartiersmanagements oder Sanierungsgebiets).

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

26
Die empfohlenen Maßnahmen ermöglichen in Verbindung mit der empfohlenen Tempo-30-Regelung eine Pegelminderung durch Verkehrsverstetigung um 4 - 5 dB(A). 9 Die angestrebte Verdrängung von gebietsfremden LkwVerkehren hat ein Minderungspotenzial von bis zu weiteren 1,5 dB(A).
Abbildung 16: Pichelsdorfer Straße

Abbildung 17: Mögliche Gestaltung einer Geschäftsstraße (Quelle: RASt 06)

9

ohne Berücksichtigung eventueller Verkehrsmengenänderungen infolge der Maßnahmen.

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

27
Abbildung 18: Querschnitt Pichelsdorfer Straße, nördlich Metzer Platz (Bestand)

Abbildung 19: Querschnitt Pichelsdorfer Straße, nördlich Metzer Platz (Planung)

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

28
Bei der weiteren Untersuchung zur Umgestaltung der Pichelsdorfer Straße sollen nach Angaben des Bezirks bereits vorhandene Gehwegvorstreckungen / Fahrbahnverengungen und die wechselnden Straßenbreiten gemäß nachfolgender Tabelle berücksichtigt werden.
Abbildung 20: Querschnitte der Pichelsdorfer Straße (Quelle: Bezirk Spandau von Berlin)

Pichelsdorfer Straße von Heerstraße bis Tharsanderweg Tharsanderweg bis Griemnitzseestraße Griemnitzseestraße bis Jordanstraße Jordanstraße bis Weverstraße Weverstraße bis Adamstraße Adamstraße bis Weißenburger Straße Weißenburger Straße bis Metzer Straße Metzer Straße bis Spandauer Burgwall Spandauer Burgwall bis Wilhelmstraße

Gehweg [m] 4,5 5,0 4,5 4,5 4,5 4,5 4,5 5,0 5,0

Fahrbahn [m] 12,0 11,0 11,0;12,0;11,5 11,5 11,5 12,0 12,0 12,0 11,0

Gehweg [m] 4,5 5,0 4,5 5,0 5,0 4,5 4,5 4,0 5,0

5.3.2 Knoten Wilhelmstraße / Pichelsdorfer Straße
Es wird empfohlen, die Knotenpunktgestaltung mit der Umsetzung der o.g. Maßnahmen an der Pichelsdorfer Straße den Erfordernissen anzupassen. Vor allem im nordöstlichen Knotenpunktbereich können so voraussichtlich weitere Flächen in den Seitenbereichen für Aufenthalt, Geschäftsauslagen usw. gewonnen werden.

5.3.3 Adamstraße
Die Adamstraße ist überwiegend durch Wohnen geprägt. Zwischen Földerichstraße und Pichelsdorfer Straße hat sie außerdem dichteren Einzelhandelsbesatz. Die Fahrbahnbreite beträgt 10 m, davon stehen dem fließenden Verkehr 8 m zur Verfügung. Bei einer Verkehrsbelegung von 8.000 Kfz / 24 h ist dies nicht notwendig. Es wird vorgeschlagen, die Fahrbahnbreite zu reduzieren und Querungshilfen für Fußgänger einzurichten. Das Ganzbordparken auf der südlichen Seite sollte auf die Fahrbahn verlagert werden. 10 Dadurch werden die Fahrspur10 Nach der RASt 06 kann in Fällen mit geringer Fahrzeugfolge, untergeordneter Rolle des ÖPNV, geringer Begegnungshäufigkeit und Ausweichmöglichkeiten das Maß der Fahrbahnbreite, mit eingeschränkten Bewegungsspielräumen und unter Verzicht auf den Sicherheitsraum, auf 6 m reduziert werden. Im Fall der Adamstraße sollte dies im weiteren Planungsverlauf mit der BVG

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

29
breiten reduziert, die Flächen für Fußgänger und Geschäftsauslagen vergrößert und der akustisch relevante Abstand zwischen Fahrspur und Fassade vergrößert. Vor allem auf der südlichen Straßenseite sollte der Baumbestand verdichtet bzw. neu angepflanzt werden. Die empfohlenen Maßnahmen ermöglichen eine Pegelminderung durch Verkehrsverstetigung und Abstandsvergrößerung um rund1,5 dB(A) auf der südlichen Straßenseite. Mit Einrichtung der zur Prüfung empfohlenen Tempo30-Regelung wären Entlastungen bis zu 5,5 dB(A) möglich.
Abbildung 21: Querschnitt Adamstraße, östlich Földerichstraße, Blickrichtung Osten (Bestand)

abgestimmt werden. Es verbleibt auch die Möglichkeit, auf der südlichen Seite Halbbordparken einzuführen.

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

30
Abbildung 22: Querschnitt Adamstraße, östlich Földerichstraße (Planung)

5.3.4 Weißenburger Straße
In der Weißenburger Straße überwiegt Wohnnutzung mit stellenweise Handel und Gastronomie östlich von der Pichelsdorfer Straße. Bei 11.000 Kfz / 24 h beträgt die Fahrbahnbreite 10 m. Auf der nördlichen Fahrbahnseite ist Fahrbahnparken eingerichtet, auf der südlichen Seite wird halbbord geparkt. Es wird empfohlen, das Halbbordparken auf die Fahrbahn zu verlagern. 11 Der Baumbestand kann stellenweise verdichtet werden. Die empfohlenen Maßnahmen ermöglichen eine Pegelminderung durch Verkehrsverstetigung und Abstandsvergrößerung um rund 1,5 dB(A). In Verbindung mit der zur Prüfung empfohlenen Tempo-30-Regelung wären es 5,5 dB(A). Weitere 2,5 dB(A) Minderung würde das empfohlene Lkw-Verbot nachts bewirken.

11 Wie in der Adamstraße sollte die verbleibende Fahrgassenbreite in der Weißenburger Straße im weiteren Planungsverlauf mit der BVG abgestimmt werden.

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

31
5.3.5 Klosterstraße
Die Klosterstraße gehört zu den am stärksten belasteten Streckenabschnitten im Konzeptgebiet. Gleichzeitig sind die Spielräume zur straßenräumlichen Gestaltung wegen der vorhandenen baulichen Gegebenheiten nur bei Einschränkung der jetzigen Leistungsfähigkeit (schmalere Fahrstreifen) bzw. der ÖPNV-Bevorzugung (Wegfall Busspur) möglich. Unter Abwägung dieser Ansprüche wird keine grundlegende Umgestaltung empfohlen.
Abbildung 23: Querschnitt Klosterstraße zwischen Altonaer Straße und Sedanstraße (Bestand)

5.3.6 Fahrbahnbeläge
Pflasterbeläge und schadhafte Asphaltbeläge können die Lärmbelastung deutlich erhöhen. Im Konzeptgebiet sind die Fahrbahnbeläge von überwiegend guter Qualität, nur stellenweise sind schadhafte Asphaltbeläge vorhanden. An der Schmidt-Knobelsdorf-Straße befindet sich außerhalb des Konzeptgebiets Pflasterbelag auf Höhe der Haltestelle Kolonie Hasenheide.

5.4

Passiver Schallschutz

Die lärmabschirmende Wirkung von Maßnahmen des passiven Schallschutzes, wie speziell gedämmte Fassaden und Dächer oder Schallschutzfenster, ist sehr

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

32
hoch. Lärmschutzfenster helfen jedoch nur, wenn sich die Betroffenen im Haus aufhalten und die Fenster geschlossen halten. Zudem sind die Kosten für passiven Schallschutz vergleichsweise hoch. In der Lärmminderungsplanung werden daher an der Quelle ansetzende Maßnahmen bevorzugt. Dennoch ist absehbar, dass auch nach Umsetzung der o.g. Empfehlungen Straßenabschnitte verbleiben werden, in denen die Lärmbelastungen die Schwellenwerte der Aktionsplanung überschreiten. Diese Abschnitte werden nach den erfolgten Wirkungsanalysen im Rahmen einer gesamtstädtischen Untersuchung auf die Notwendigkeit passiver Schallschutzmaßnahmen untersucht. Im Konzeptgebiet Wilhelmstadt könnte dies die Klosterstraße betreffen.

5.5

Umsetzungskonzept

Die in den vorangegangenen Kapiteln dargestellten, generell sinnvollen Maßnahmen zur Lärmminderung sind nach kurzfristig umsetzbaren Maßnahmen (Stufe 1) und mittel- bis langfristigen Maßnahmenoptionen (Stufe 2) zu differenzieren. Die Umsetzung der kurzfristigen Maßnahmen der Stufe 1 wurde bereits in unterschiedlichen Verfahren begonnen. Die Realisierung aller kurzfristigen Maßnahmen sollte im Zeitraum 2008 – 2012 angestrebt werden. Hierzu ist die Weiterführung der Planungs- und Abstimmungsverfahren und die Sicherstellung der Finanzierung notwendig. Die kurzfristigen Maßnahmen der Stufe 1 werden in das Maßnahmenprogramm zum Lärmaktionsplan übernommen. Bei den mittel- bis langfristigen Maßnahmeoptionen sind noch umfangreiche Prüfbedarfe vorhanden, die im Rahmen der Lärmaktionsplanung nicht abschließend geklärt werden konnten. Weiterhin sind einige dieser Maßnahmeoptionen auch vor dem Hintergrund noch ausstehender Erfahrungen erneut einer grundsätzlichen Prüfung und Konkretisierung zu unterziehen: Maßnahmen zur Verkehrsmeidung sind eng mit Fragestellungen der gesamtstädtischen und teilräumlichen Stadt- und Verkehrsentwicklung verbunden und betreffen oftmals komplexe Wirkungszusammenhänge, die nicht abschließend in den Konzepten zur gesamtstädtischen und auf Konzeptsgebiete bezogenen Lärmminderungsplanung behandelt werden können. Deren Konkretisierung muss daher im Rahmen der gesamtstädtischen und teilräumlichen Planungen weiterverfolgt werden – insbesondere im Rahmen der Fortschreibung des StEP Verkehr und in teilräumlichen Verkehrs- und Flächennutzungskonzepten.

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

33
Die Einrichtung von Tempo 30 Anordnungen stellt einen höchst wirksamen und effizienten Beitrag zur Reduzierung der Lärmbelastung dar, gleichwohl führt diese Regelung aber auch zu einer Veränderung der Qualität für den Kfz-Verkehr. Mit der beschlossenen und derzeit in Umsetzung befindlichen Einrichtung umfangreicher Tempo 30 nachts Regelungen kann an diesen Straßen ein deutlicher Beitrag zur Reduzierung der Lärmbelastung nachts geleistet werden. Die für die Konzeptgebiete dargestellten weiteren Prüfaufträge zur Einrichtung von Tempo 30 sind daher als mittel- bis langfristige Maßnahmenoption formuliert. Diese sollen weiterverfolgt werden, wenn für die einzurichtenden Tempo 30 Strecken im Rahmen der vorgesehenen Begleituntersuchungen eine positive Wirkung ermittelt wurde. Vor der Umsetzung der empfohlenen Tempo 30 Regelung sind im Rahmen des erforderlichen Prüfverfahrens die straßenverkehrsrechtlichen Voraussetzungen (Überschreitung der Richtwerte) anhand aktuell zu erhebender Daten zur Verkehrsbelastung zu überprüfen. Weiterhin ist zu prüfen, ob Belange des ÖPNV betroffen sind und die geplante Regelung mit bestehenden bzw. einzurichtenden LSA-Schaltungen kompatibel ist. Vor einer Detaillierung und Umsetzungsvorbereitung der vorgeschlagenen straßenräumlichen Maßnahmen sollen mögliche Bearbeitungsschritte zur Umsetzung straßenräumlicher Maßnahmen zur Lärmminderung an 4 Beispielstrecken erarbeitet und eine übertragbare Vorgehensweise aufgezeigt werden. Diese wird den Bezirken zur weiteren Maßnahmendetaillierung zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus sollen mit der Umsetzung beispielhafter Maßnahmen Erfahrungen zu den verkehrlichen Effekten und den Lärmwirkungen gesammelt werden. Für das Konzeptgebiet Wilhelmstadt werden folgende kurzfristige Maßnahmen empfohlen:
Tabelle 1: Umsetzungskonzept - kurzfristige Maßnahmenvorschläge (Stufe 1)

Verkehrsorganisatorische Maßnahmen Adamstraße zwischen Melanchthonstraße und Pichelsdorfer Straße Pichelsdorfer Straße zwischen Wilhelmstraße und Tharsanderweg Weißenburger Straße zwischen Pichelsdorfer Straße und Götelstraße Wilhelmstraße zwischen Melanchthonstraße und Pichelsdorfer Straße Weißenburger Straße Lkw-Verbot nachts (22-6 Uhr) Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h nachts (in Planung / in Umsetzung)

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

34
Weiterhin wird empfohlen, folgende Maßnahmen zu konkretisieren, weiter abzustimmen und mittel- bzw. langfristig umzusetzen:
Tabelle 2: Umsetzungskonzept - mittel- bis langfristige Maßnahmenoptionen (Stufe 2)

Verkehrsvermeidung Prüfung Parkraumbewirtschaftung Verkehrsorganisatorische Maßnahmen Pichelsdorfer Straße zwischen Wilhelmstraße und Adamstraße Adamstraße zwischen Földerichstraße und Pichelsdorfer Straße Weißenburger Straße zwischen Pichelsdorfer Straße und Wörther Straße Pichelsdorfer Straße zwischen Wilhelmstraße und Heerstraße Straßenräumliche Maßnahmen Pichelsdorfer Straße zwischen Wilhelmstraße und Adamstraße Klosterstraße Seeburger Straße Schmidt-Knobelsdorf-Straße Adamstraße zwischen Földerichstraße und Pichelsdorfer Straße Pichelsdorfer Straße zwischen Wilhelmstraße und Adamstraße Adamstraße zwischen Földerichstraße und Pichelsdorfer Straße Weißenburger Straße zwischen Pichelsdorfer Straße und Krowelstraße Einrichtung von weiteren Überquerungsmöglichkeiten (Mittelinseln und Gehwegvorstreckungen) Verbesserung / Neuanlage von Radverkehrsanlagen Straßenraumumgestaltung Prüfung Abgrenzung, Wirtschaftlichkeit / Konzeptentwicklung

Prüfung der Einrichtung von Tempo 30 ganztags wegen hoher Lärmbelastung und zur Unterstützung von Verlagerungen

Prüfung von Maßnahmen zur Verlagerung von gebietsfremden Lkw-Verkehren

Reduzierung der Fahrbahnbreiten und Verbreiterung der Seitenbereiche durch Änderung der Stellplatzanordnung

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

35
5.6 Wirkungsanalysen

Im Rahmen der gesamtstädtischen Lärmminderungsplanung erfolgt eine Wirkungsanalyse der Maßnahmenvorschläge, die sowohl die verkehrlichen Effekte wie auch die Veränderungen der Lärmbelastungen und -betroffenheiten und die Bewertungen nach dem Qualitäts-Indikatoren-System beinhaltet. Diese Bewertung soll nach Abstimmung der teilräumlichen Maßnahmenkonzepte und Zusammenführung der Maßnahmen durchgeführt werden. Durch die gesamtstädtische Betrachtung werden auch die Wechselwirkungen zwischen den Konzeptgebieten und die weiträumigeren verkehrlichen Wirkungszusammenhänge dargestellt. In den nachfolgenden Ausführungen werden für das Konzeptgebiet Wilhelmstadt qualitative Aussagen zu den Wirkungsfeldern Verkehr, Lärm und Betroffenheit sowie der Bewertung nach dem Qualitäts-IndikatorenSystem getroffen, wobei zwischen der Wirkung der kurzfristigen Maßnahmen (Stufe 1) und der Wirkung mittel- bzw. langfristiger Maßnahmen (Stufe 2) unterschieden wird.

5.6.1 Verkehrliche Wirkungen
Verkehrliche Wirkungen werden aufgrund der kurzfristig umzusetzenden Maßnahmen der Stufe 1 im Konzeptgebiet Wilhelmstadt nicht erwartet. Für die mittel- bis langfristigen Maßnahmen der Stufe 2 werden Veränderungen der Verkehrsbelastungen in geringem Maße erwartet. Hier ist im Rahmen der gesamtstädtischen Wirkungsanalyse insbesondere noch die verkehrliche Wirkung der vorgeschlagenen straßenräumlichen Maßnahmen und der zu prüfenden Tempo 30 Regelungen zu untersuchen. Erste annähernde Verkehrsmodellberechnungen haben gezeigt, dass die vorgesehenen kapazitätsreduzierenden und geschwindigkeitsdämpfenden Maßnahmen im Gebiet voraussichtlich zu einer begrenzten Verkehrsverlagerung führen werden. Die Veränderungen der Verkehrsbelastungen erreichen keine Größenordnung, die Auswirkung auf die Lärmbelastungen hat 12 .

12 Für eine Reduzierung des Lärmpegels um 1 dB(A) ist eine Reduzierung der Verkehrsbelastung größer 20 % erforderlich.

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

36
5.6.2 Lärmwirkungen
Die Lärmbelastungen im Untersuchungsgebiet Wilhelmstadt gehen bei Umsetzung der kurzfristigen Maßnahmen nachts deutlich zurück: Durch die in Umsetzung befindliche Anordnung von Tempo 30 nachts (in der Adamstraße, Pichelsdorfer Straße, Weißenburger Straße und Wilhelmstraße) kann dort die Belastung im Nachtzeitraum um 2-3 dB(A) gesenkt werden. Durch das vorgeschlagene Lkw-Verbot (22-6 Uhr) in der Weißenburger Straße würden die nächtlichen Mittelungspegel um rund 2,5 dB(A) gesenkt. Durch die Umsetzung der mittel- bis langfristig empfohlenen Maßnahmen können weitere Lärmentlastungen erreicht werden: Zu prüfende Geschwindigkeitsreduzierungen auf Tempo 30 (ganztags) in Teilen der Pichelsdorfer Straße, Adamstraße und Weißenburger Straße würden in den betreffenden Abschnitten eine Reduzierung des Pegels um 2 - 3 dB(A) ermöglichen. Mit den punktuellen Maßnahmen zur Querungshilfe (Gehwegvorstreckungen, Mittelinseln) in der Adamstraße und Pichelsdorfer Straße wird neben den Verbesserungen für die unmotorisierten Verkehrsteilnehmer des Umweltverbundes und für die Verkehrssicherheit angestrebt, das Geschwindigkeitsniveau zu dämpfen und den Verkehrsfluss zu verstetigen; die Verstetigung des Verkehrsflusses weist ein Minderungspotential von bis zu 2 dB(A) bei Tempo 30 auf; bei Tempo 50 kann durch Verstetigung des Verkehrsflusses etwa 1 dB(A) Pegelminderung erreicht werden 13 . Durch die mit der Verkehrsverstetigung verbundene Verringerung von Brems- und Beschleunigungsvorgängen wird auch eine Verringerung der Spitzenpegel erreicht. Mit den empfohlenen linearen straßenräumlichen Maßnahmen (u.a. in der Adamstraße, Pichelsdorfer Straße und Weißenburger Straße), insbesondere der Reduzierung von Fahrspurbreiten durch die Neuorganisation der Stellplätze, wird ebenfalls angestrebt, das Geschwindigkeitsniveau zu dämpfen und den Verkehrsfluss zu verstetigen. Zusätzlich können durch die linearen straßenräumlichen Maßnahmen in unterschiedlichem Maße direkte akustische Wirkungen erreicht werden. In einigen Straßenräumen kann mit Abstandsvergrößerungen Fahrbahn Gebäude eine Entlastung bis zu 1 dB(A) erreicht werden. In Verbindung mit der Verkehrsverstetigung sind mit diesen Maßnahmen Pegelminderungen zwischen 2 und 3 dB(A), je nach Geschwindigkeitsniveau möglich.

13 die Verstetigung des Verkehrsflusses geht nicht in die rechnerische Ermittlung der Lärmpegel (nach VBUS) ein; unabhängig davon ist der Einfluss des Fahrverlaufes auf den Lärmpegel in verschiedenen Untersuchungen nachgewiesen (vgl. u.a. Umweltbundesamt, Handbuch Lärmminderungspläne, Berlin 1994) und wird bei den nachfolgenden Darstellungen mitberücksichtigt

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

37
In der nachfolgenden Tabelle werden für die HotSpot-Abschnitte der Lärmbelastung die empfohlenen verkehrsorganisatorischen und straßenräumlichen Maßnahmen sowie die damit verbundene Lärmminderungswirkung in ihrer Stufigkeit der Maßnahmenumsetzung dargestellt. Vorgeschlagene gebietsbezogene Maßnahmen z.B. zur Dämpfung der Quellund Zielverkehre durch Parkraumbewirtschaftung sind mit ihrer möglichen Wirkung in der Tabelle nicht enthalten. Auch die langfristig anzustrebenden Lärmminderungseffekte durch Verlagerung von Kfz-Verkehren auf den Umweltverbund mit den empfohlenen straßenräumlichen Maßnahmen sind in der nachfolgenden Tabelle nicht berücksichtigt. Mit den erreichbaren Lärmminderungen geht auch die Lärmbetroffenheit zurück.
Tabelle 3: Maßnahmen in HotSpot-Abschnitten und Minderungspotential

lineare straßenräumliche Maßnahmen (Fahrbahnreduzierung, Stellplatzanordnung)

Adamstraße

Melanchthonstraße Földerichstraße Földerichstraße Pichelsdorfer Straße

Lkw-Verbot nachts

Tempo 30 nachts

Straße

Abschnitt

u u u u u u ml ml k k k u k: kurzfristig umzusetzen (Stufe 1) ml ml ml ml ml ml ml ml ml

70/64 71/65 72/66 71/65 72/65 72/65 62/56 70/64

0 / -3 0 / -3 0 / -3 0 / -3 0/ -5,5 0/ -5,5 0/ -2,5 0 / -3

-5,5 / 5,5 -5 / -6,5 0 / -5 -5,5 / -8 -1,5 / -8 0/ -2,5 0 / -3

Pichelsdorfer Straße

Wilhelmstraße Adamstraße Adamstraße Tharsanderweg

Weißenburger Straße

Pichelsdorfer Straße Wörther Straße Wörther Straße Krowelstraße Krowelstraße Schulenburgstraße

Wilhelmstraße

Melanchthonstraße Pichelsdorfer Straße

u: bereits umgesetzt / In Umsetzung

ml: mittel bis langfristig umzusetzen (Stufe 2)

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

mittel- bis langfristiges Minderungspotential in dB(A) tags / nachts 0 / -3
Planungsgruppe Nord

kurzfristiges Minderungspotential in dB(A) tags / nachts

punktuelle straßenräumliche Maßnahmen (u.a. Mittelinseln)

max. Mittelungspegel 2005 in dB(A) tags / nachts

Tempo-30-Zone ganztags

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

38
5.6.3 Qualitäts-Indikatoren-System
Die Synergieeffekte der straßenräumlichen Maßnahmen sowie der weiteren empfohlenen Maßnahmen zur Lärmminderung werden mit dem QualitätsIndikatoren-System im Zuge der gesamtstädtischen Wirkungsanalysen quantifiziert. Im nachfolgenden werden die Synergieeffekte und die damit verbundenen Verbesserungen in den benachbarten Zielfeldern des Qualitäts-IndikatorenSystems qualitativ beschrieben: Eine Erhöhung des Abstandes der Straße zur Bebauung, die neben den akustischen Effekten auch positiv auf die subjektive Lärmwahrnehmung wirkt, kann durch die Verlegung von Stellplätzen auf die Fahrbahn in der Adamstraße und in der Weißenburger Straße erreicht werden. Die Verbesserung der Aufenthaltsqualitäten kann durch die empfohlene Straßenraumumgestaltung in Pichelsdorfer Straße erreicht werden, die aufgrund der Geschäftsnutzungen erhöhte Ansprüche an die Straßenraumqualität aufweist. Die angestrebte Verstetigung von Verkehrsabläufen durch lineare und punktuelle Maßnahmen im Straßenraum führt zur Verringerung von Anfahr- und Bremsvorgängen und wirkt zudem geschwindigkeitsdämpfend, bzw. trägt zur Einhaltung der vorgeschriebenen Geschwindigkeit bei - hierdurch bestehen positive Synergieeffekte zur Luftschadstoffbelastung und auch zur Verkehrssicherheit Die empfohlenen Querungshilfen (Gehwegvorstreckungen und ergänzende Mittelinseln), z.B. in der Adamstraße und Pichelsdorfer Straße, dienen auch der Verbesserung der Verkehrssicherheit für den Fußverkehr. Dies ist insbesondere im Bereich hoher Einzelhandelskonzentration, in der Nähe von Schulen, aber auch zur Erreichbarkeit von Haltestellen von Bedeutung. Mit der Verbesserung der Ausstattung mit Radverkehrsanlagen in der Klosterstraße, Seeburger Straße und Schmidt-Knobelsdorf-Straße erhöht sich auch die Verkehrssicherheit für den Radverkehr. Die Verbesserung der Straßenraumbegrünung, v.a. an der Klosterstraße, erhöht die Straßenraum- und Aufenthaltsqualität in diesen Straßenabschnitten. Mit den Maßnahmen zur Erhöhung der Straßenraumqualität kann auch die subjektive Lärmwahrnehmung verbessert werden. Der Zielerreichungsgrad vieler Kriterien des Qualitäts-Indikatoren-Systems kann verbessert werden.

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord

Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Berlin: Lärmminderungsplanung für Berlin - Aktionsplan

39
6 Zusammenfassung

Das Konzeptgebiet Wilhelmstadt steht exemplarisch für enge Straßenräume in innenstadtferner Lage mit einer hohen Bevölkerungsdichte. Das Gebiet wird geprägt durch eine dichte Mischnutzung mit überwiegend geschlossener Blockrandbebauung. Es überwiegen die Funktionen Wohnen, Handel und Gewerbe. Die Ansätze der Lärmminderungsplanung konzentrieren sich auf die Schaffung einer höheren Aufenthaltsqualität im Wohnumfeld und besserer Rahmenbedingungen für die Entwicklung des Handels. Dies geschieht auch vor dem Hintergrund der Gefahr einer sozialen Entmischung durch Fortzug der Besserverdienenden und der Familien mit Kindern. Die Maßnahmen sollen die Lärmbelastung senken und Spielräume für die Straßenraumgestaltung durch Verlagerung der Durchgangsverkehre auf weniger sensible Routen schaffen. Vor diesem Hintergrund wurden auf der Basis einer umfangreichen Analyse der Lärmbelastungssituation und unter Einbeziehung bestehender Planungen konkrete Maßnahmeempfehlungen zur Lärmminderung für das Konzeptgebiet erarbeitet. Im Vordergrund stehen Maßnahmen zur Verbesserung der straßenräumlichen Situationen und zur verträglicheren Verkehrsabwicklung. Ergänzend wird für ausgewählte Straßen neben den vorgesehenen Tempo 30-Regelungen für den Nachtzeitraum empfohlen, langfristig unter Einbeziehung der Erfahrungen mit den bereits umgesetzten Tempo 30-Regelungen eine Reduktion der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h ganztags zu prüfen. Mit den entwickelten Maßnahmen können z.T. deutliche Minderungen der Lärmbelastungen erreicht werden. Durch langfristige wirkende Maßnahmen zur Dämpfung des Verkehrsaufkommens sind weitere Lärmminderungen möglich. Auch bei Umsetzung aller Maßnahmen und unter Berücksichtigung langfristiger Minderungspotentiale werden weiterhin in Teilbereichen des Konzeptgebietes hohe Lärmbelastungen verbleiben. Für diese sollen Maßnahmen des passiven Schallschutzes geprüft werden.

mit Dr.-Ing. Eckhart Heinrichs

Planungsgruppe Nord
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.