brachte, war allmählich zu fein geworden, die Hausarbeit
zu tun. Sie wollte eine weiße, weiche Hand auf
die Schultern ihrer Tänzer legen. Und so nahm sie
froh Mutters Hilfe an und überließ ihr die Treppen
am Sonnabend. Wir hatten nur ein Vorderhaus. Wir
wohnten da, wo Berg- und Gartenstraße in spitzem
Winkel sich schneiden und es kaum ein Höfchen
hinter dem Vorderhaus gibt, Und wir waren die Ärmsten
im Hause. Die andern waren Handwerker, Fabrikarbeiter,
Beamte vom Bahnhof. Unten war ein Kohlenladen
und ein Gemüsegeschäft. Und die Stube hinter
dem Kohlenladen hatten Portiers. Dort roch es nach
Parfums, wenn man vorbeiging, und nach gebratenen
Zwiebeln und Fleisch. Dort hing eine Gans im
Küchenfenster oder ein Hase. O, wie oft standen
Henny und Markus da und starrten diese sagenhaften
Tiere an.
„Die macht Fettlebe,‘“ sagten die Leute im Haus.
„Det is drin wie draußen. Allent wird veraast. Im
Oktober ne Jans, Da schlag eener lang hin.“
„Wenn er noch so kleen is!‘ rief ein Humorist.
Für diese flotte Person scheuerte Mutter die Treppen
am Nachmittag. Zwei Mark gab ihr die Schlump
dafür und eine Tasse guten Kaffee, und wenn sie für
den Abend ganz was Großes vorhatte, einen Knochen
von der Gans, einen Lauf vom Hasen. Das brachte
Mutter uns Kindern mit.
75