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Periodical volume

Full text: Jahresbericht Issue 2010/2011

Den Nutzen entfalten...
Jahresbericht 2010/2011

Inhalt

	 	 	

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Liebe Leserinnen und Leser 	 Prof.	Dr.	Dr.	hc.	Wolfgang	Huber Den Nutzen entfalten… Vorwort	Pfarrer	Martin	von	Essen Den Nutzen entfalten… 	 „Ich	arbeite	im	Evangelischen	Johannesstift…“ Den Nutzen entfalten… Gemeinsames	Engagement	für	Menschen Den Nutzen entfalten… Den	Reichtum	der	Kulturen	ins	Gespräch	bringen 	

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Den Nutzen entfalten… Kann	Technik	dazu	einen	Beitrag	leisten? Den Nutzen entfalten… Gesundheit	und	Frohsinn	sei	auch	mit	dabei	– Gesundheitsmanagement	im	Evangelischen	Johannesstift	 Den Nutzen entfalten… 	Leben	inklusive	auf	dem	Stiftungsgelände Das war 2010/2011	 Ein	Jahresrückblick

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Danke, dass Sie uns vertrauen. Danke, dass Sie uns begleiten.	

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Liebe Leserinnen, liebe Leser, liebe Freunde und Förderer des Evangelischen Johannesstifts,
vielleicht haben Sie ein wenig gestutzt, als Sie einen ersten Blick auf diesen Jahresbericht des Evangelischen Johannesstifts warfen. Ein Baum ziert den Titel, ein nicht gerade typisches Bild für den Jahresbericht einer diakonischen Einrichtung. Eher verbindet man eine Umweltorganisation mit einem solchen Motiv. Doch der Baum ist für den Menschen seit Urzeiten ein wichtiges Symbol. Wir kennen aus der Paradiesesgeschichte den Baum des Lebens sowie den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Der erste Psalm vergleicht den, der sich an Gottes Gebot hält, mit einem „Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht“. Auch Jesus verwendet das Gleichnis von dem Baum, der gute Früchte hervorbringen soll. Der Baum ist mehr als ein Baum. Kulturgeschichte und Litaratur sind voll von Aussagen, die sich mit der Fülle eines Baumes verbinden. Der Baum steht für Fruchtbarkeit, für Leben und Wachstum. Er steht für Hoffnung, Verantworung und Zukunft. Ein Baum verbindet Erde und Himmel. Der Baum spendet Schatten und Trost. Wir wissen: Wenn es den Bäumen schlecht geht, dann steht es auch schlecht um die Menschen. Das Evangelische Johannesstift hat nun in diesem Jahr einen Baum als Titelbild seines Jahresberichts gewählt. Er soll das Leitwort des Berichts „Den Nutzen entfalten“ veranschaulichen. Das kommt nicht von ungefähr. Denn hinter dem Motto steht immer wieder das Bemühen, nach dem Sinn unserer diakonischen Arbeit zu fragen: „Wofür sind wir da? Wie können wir heute und in Zukunft im Dienst der Menschen etwas Wirksames leisten?“ Der Titel ist die Antwort auf solche Fragen, die auf vielen Ebenen des Evangelisches Johannesstifts gestellt und erörtert werden. Zu jeder Zeit müssen wir uns vergewissern, was unsere Aufgabe ist. Dies ist besonders in Zeiten von großer gesellschaft-

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licher Dynamik ein wichtiges Gebot. Die Antwort, die das Evangelische Johannesstift gibt, heißt „Nutzen zu entfalten“. Der diakonische Auftrag zeigt sich im konkreten Bemühen darum, dass Menschen leben können. Leben verstehen wir dabei in einem umfassenden Sinn: Leib, Seele und Geist sind damit gemeint, die persönliche Existenz wie das Miteinander in der Gemeinschaft. „Auch wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Dieses Zitat wird Martin Luther zugeschrieben. Es stammt wohl nicht von ihm; denn er hätte nicht vom Untergang der Welt, sondern von der Wiederkunft Christi gesprochen. Es ist gleichwohl ein starkes Wort; deshalb wird es auch in diesem Bericht aufgenommen. Dieser Satz setzt allen Bedenken und allem Kleinglauben Gottvertrauen und Hoffnung entgegen. Christen wissen Gott an der Seite dieser Welt und gehen deshalb mit Zuversicht auf Neues zu. Das Luther zugeschriebene Wort sagt das mit dem Bild eines Baumes. Wenn wir heute – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn – Bäume pflanzen, stellen wir uns der Zukunft; wir nehmen Verantwortung für unsere Kinder und Enkel wahr. So entfaltet sich unser Tun zum Nutzen der Menschen und der Welt, in die wir gestellt sind. Von Herzen danke ich allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Evangelischen Johannesstifts, die auf ihre Weise Bäume pflanzen und Nutzen entfalten. Ich bin dankbar für viele neue Initiativen, aber auch für die verlässliche Arbeit an jedem Tag. Durch beides entfaltet das Evangelische Johannesstift einen großen Nutzen für Menschen, die in ihrem Leben auf Begleitung angewiesen sind. Allen Leserinnen und Lesern dieses Jahresberichts danke ich dafür, dass sie diese Arbeit so wirksam unterstützen. Mit herzlichen Segenswünschen bin ich Ihr

Prof.	Dr.	Wolfgang	Huber

Prof. Dr. Dr. hc. Wolfgang Huber Vorsitzender des Kuratoriums

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Den Nutzen entfalten ...
Unter diesem Thema steht der Jahresbericht für das Geschäftsjahr 2010/11. Die drei Worte beschreiben komprimiert die Vielfalt unserer Anstrengungen des letzen Jahres. Wir wollen konkret und individuell nützen und anderen ein Nutzen sein. Die Vielfalt der Menschen, für die wir uns engagieren, gibt uns den Rahmen vor, den wir gestalten wollen und in dem wir den Nutzen entfalten. Unser von Johann Hinrich Wichern gestellter Auftrag treibt uns dazu an. Wir wollen, dass sich durch unser Tun Nutzen entfaltet: Nutzen für die Menschen, die von uns begleitet werden, Nutzen für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Nutzen für unsere Partner und nicht zuletzt Nutzen für die Gesellschaft. Diesen hohen Anspruch haben wir uns gesetzt, wissend dass dessen vollständige Umsetzung außerhalb unserer Möglichkeiten liegt. An der Richtung aber, die damit gesetzt ist, an der halten wir fest. Was ist Nutzen überhaupt bzw. was nützt? Die Antwort auf diese Fragen wird für jeden einzelnen Menschen, für jeden gesellschaftlichen Bereich anders ausfallen. „Nutzen entfalten“ schließt alles in sich ein, was Menschen nützt. Wir wollen ihn so auffächern, dass die Bedürfnisse eines jeden Einzelnen ihr angemessenes Recht bekommen und in dem einen Begriff des Nutzens ihren Platz finden. Die Möglichkeit eines älteren Menschen, selbstbestimmt und solange er möchte, in der Morgensonne sitzen zu können, ist aus dieser Perspektive genauso wichtig wie der Bau eines ganzen Gemeindepflegehauses oder die Umsetzung des Gesundheitsmanagements für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Evangelischen Johannesstifts. In dem einen Nutzen ist all das aufgehoben, was wir an Wünschen und Sehnsüchten, an Bedürfnissen und Notwendigkeiten haben, und alles ist gleichermaßen in den Blick zu nehmen. Darum werden Sie in unserem Jahresbericht nicht nur über die großen Entwicklungen und Zahlen, die den Nutzen begrifflich einzufangen versuchen, lesen können, sondern auch von kleinen Ereignissen, von alltäglichen Begebenheiten, die im Letzten die Umsetzung all dessen sind, wofür das Evangelische Johannesstift steht und sich nützlich entfalten will. „Den Nutzen entfalten“ findet im Kleinen wie auch im ganz Großen statt, und beides ist unverzichtbar. Im christlichen Glauben gibt es für Nutzen und dessen Entfaltung ein schönes Bild. Die Bibel spricht vom Reich Gottes, wenn sie den Ort benennt, der allen nützt, an dem jeder seinen

Pfarrer	Martin	von	Essen

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Bedürfnissen entsprechend zu Hause ist und seine Erfüllung findet. Das Reich Gottes aber ist nicht mit einem jenseitigen Schlaraffenland zu verwechseln, das irgendwann am Ende der Zeit erscheint, sondern das Reich Gottes ist wie ein Same, der zur Frucht reifen will. Jesus hat das im Gleichnis vom Senfkorn für uns beschrieben: Das Reich Gottes „gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und in seinen Garten säte; und es wuchs und wurde ein Baum, und die Vögel des Himmels wohnten in seinen Zweigen.“ (Lukas 13,18 f.) In diesem Sinne will das Evangelische Johannesstift seinen „Nutzen entfalten“. Wie ein Senfkorn soll er aufgehen, wachsen und Frucht bringen. Aber unser Senfkorn soll noch mehr. Der offensichtliche Nutzen, den ein Senfbaum hat, wird in diesem Gleichnis erweitert. Die Vögel des Himmels sollen in seinen Zweigen wohnen. So ganzheitlich begreift die Bibel den Nutzen, den das Reich Gottes bringt. Die Senfpflanze ist nicht nur dazu da, Senfkörner zu schaffen, sondern sie soll anderen Schatten spenden, den Vögeln Wohnung sein, ihre Blüten sollen die Menschen erfreuen und ihr Duft soll die Bienen anlocken. So sinnlich und so groß im Kleinen ist der Nutzen Gottes für sein Reich. Wir begreifen uns als Teil dieses Reiches, als Teil des Baumes, und unsere Arbeit soll ein Teil des Nutzens sein, der sich so vielfältig entfaltet. Wir alle wirken daran mit. Vieles, wodurch wir anderen nützen, ist nicht unser Verdienst. Wir bekommen es geschenkt, um es weiterzugeben, um es anderen nützlich sein zu lassen. So wie der Senfbaum den Regen und die Sonne abhält und durch beide wächst und nützt, so ist auch unser Nutzen ein Ergebnis eigener Arbeit und geschenkter Unterstützung. „Tu das Deine, Gott das Seine“, so sagt es der Volksmund. Dass wir „den Nutzen entfalten“ können, ist das Verdienst vieler einzelner Menschen, die ihre Arbeit im Evangelischen Johannesstift täglich leisten, die uns mit Spenden, Ideen und Gebeten beschenken und uns begleiten. Ihnen allen gilt unser Dank und die Versicherung, dass ihr Engagement behutsam und verantwortlich eingesetzt und entfaltet wird, zum Nutzen für viele. Dafür möchte ich von Herzen danken. Ihr

Pfarrer Martin von Essen Stiftsvorsteher

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„Ich	arbeite	im	Evangelischen	Johannesstift…“
Das Evangelische Johannesstift: für viele Menschen Heimat, Anlaufstelle für Hilfen, Assistenz, Seelsorge, Beratung und Förderung. Hier leben ältere Menschen, Menschen mit Behinderung, Kinder und Jugendliche. Das Evangelische Johannesstift ist dabei Arbeitsplatz für die Menschen, die all dies ermöglichen. Was bewegt diese etwa 3.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter? Was denken sie über ihre diakonische Arbeit und was wünschen sie sich? Drei Mitarbeiterinnen des Johannesstifts berichten über ihren Arbeitsalltag und über das, was sie unter nicht immer einfachen Bedingungen leisten. Sie sprechen dabei nicht nur für sich, sondern für all die, die sich Tag für Tag engagieren.

Anette Kotnik, Gabriele Engl und Brigitta Topp: drei Frauen in den Arbeitsfeldern Fortbildung, Arbeit mit älteren Menschen und mit Menschen mit Behinderung. Anette Kotnik ist Leiterin der Fortbildung und hat lange die Personalentwicklung geprägt. Sie arbeitet seit 27 Jahren im Johannesstift und ist „noch immer fröhlich dabei“. Sie ist durch ihre Tätigkeit mit allen Bereichen vernetzt und erlebt so umfassend das Arbeitsklima im Evangelischen Johannesstift. Gabriele Engl ist Pflegedienstleiterin des Seniorenzentrums Johannastift. Seit Oktober 2010 leitet Frau Engl die Einrichtung. Alles, was im Johannesstift selbstverständlich ist und was sie schätzt, musste an diesem neuen Standort verankert werden. Für

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Engl eine reizvolle, anspruchsvolle und manchmal auch kräftezehrende Herausforderung. Brigitta Topp arbeitet seit elf Jahren in der Wohneinrichtung Nebo auf dem Stiftsgelände. Hier leben erwachsene Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung. Seit sechs Jahren ist sie Teamkoordinatorin. Mit ihrer offenen und kritischen, aber loyalen Art möchte sie im Stift Impulse setzen sowie „eine Lanze für Menschen mit Beeinträchtigungen brechen“.

Entwicklungen

Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir werd und lass mich Wurzel treiben.
Paul	Gerhardt

„Ich bin von Beruf Psychologin“, berichtet Anette Kotnik. Sie begann vor 27 Jahren in der Arbeit mit Jugendlichen, beschloss dann vor elf Jahren Weiterbildungsmanagement zu studieren und machte sich fit für den Bereich Fort- und Weiterbildung. „Ich glaube, ich selbst bin ein ganz gutes Beispiel für die Personalentwicklung im Johannesstift“, so Kotnik. „Meine Erfahrungen in der praktischen diakonischen Tätigkeit helfen mir heute, gut auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingehen zu können. In der Personalentwicklung arbeitete ich an Konzepten, wie man Mitarbeitende ermutigen kann, ihre Tätigkeitsfelder zu wechseln.“ Dabei muss es nicht immer um Karrieresprünge gehen. „Auch horizontale Veränderungen können sinnvoll sein, um

ein guter Baum,

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neue Motivation zu entwickeln.“ Dafür gibt Anette Kotnik zum Beispiel Seminare wie „35 plus – Perspektiven erkennen“. Auch Gabriele Engl schaut auf eine Entwicklung zurück. „Angefangen habe ich hier mit einem Halbtagsjob als Krankenschwester, dann wurde ich Qualitätsbeauftragte, dann Wohnbereichsbeauftragte, bis man mir dann angeboten hat, in dem neuen Seniorenzentrum Johannastift die Stelle der Pflegedienstleiterin zu übernehmen.“ Als Leiterin versucht sie dicht bei den Menschen zu sein. „Man kann sich natürlich den ganzen Tag in sein Büro zurückziehen, denn Arbeit gibt es dort genug. Ich versuche jedoch, nah am Menschen zu bleiben, an den Bewohnerinnen und Bewohnern sowie an den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Es ist mir wichtig, dass mich jede Bewohnerin und jeder Bewohner kennt und weiß, dass sie oder er immer zu mir kommen kann – meine Tür steht jederzeit offen.“ Brigitta Topps Arbeitsfeld hat sich kontinuierlich verändert. „Ich habe über die Jahre als Mitarbeiterin im Gruppendienst in der Betreuung von Menschen mit Behinderung immer mehr Verwaltungstätigkeiten übernommen“, berichtet sie. Der Entschluss, Teamkoordinatorin zu werden – ein logischer Schritt. Heute pendelt sie zwischen Betreuung bzw. Pflege und Koordination. Ein Spagat, der an manchen Tagen durch die Realität des Wohngruppenalltags bis an die Grenzen des Machbaren führt.

Was	mich	antreibt
Für ihre beruflichen Aufgaben muss sich Anette Kotnik oft in neue Themen einarbeiten. „Das macht Spaß und motiviert. Ich lerne dabei auch sehr viel.“ Sie schätzt das Arbeitsklima im

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Johannesstift. Sie weiß aus Rückmeldungen, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich in den Teams gut verstehen und unterstützen. „Das ist eine wichtige Quelle der Motivation.“ „Die Arbeit mit Menschen ist nie eine Einbahnstraße. Es kommt immer etwas zurück“, berichtet Frau Kotnik. „Bei den Bewohnerinnen und Bewohnern sind das Zuwendung, Dankbarkeit oder einfach Freundlichkeit.“ Auch für Gabriele Engl ist die Arbeit mit den Menschen mehr als nur ein Job: „Das Spannende an der Arbeit mit Seniorinnen und Senioren ist, dass diese auf ein reiches Leben zurückblicken und interessante Dinge zu erzählen haben. Ich möchte, dass sich jede und jeder von ihnen hier wertgeschätzt und wohl fühlt. So ist es wunderbar, zu sehen, wenn sie draußen vorm Haus auf den

Der Friede ist ein Baum,
der eines langen Wachstums bedarf.
Antoine	de	Saint-Exupéry

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Bänken in der Sonne sitzen und gemütlich einen Plausch halten oder wenn die Mitarbeitenden sich zu einer Bewohnerin ans Bett setzen und ihr einfach nur ein wenig Zeit schenken.“ Brigitta Topp hat selbst eine leichte Halbseitenlähmung und ist von Kindheit an Mitglied im Spastikerverein. „Menschen mit Behinderung waren mir immer nah“, sagt sie. „Ich möchte eine Lanze brechen für Menschen mit Behinderung. Meine Behinderung hilft mir um Umgang mit Angehörigen.“ Heute gibt sie ihre Erfahrungen weiter. „Inzwischen finde ich es wertvoll, das Wissen, das ich habe, weiterzuvermitteln. Nicht oberlehrerhaft, sondern durch mein Vorleben. Zum Beispiel dadurch, dass ich einfühlsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern umgehe und den richtigen Ton treffe.“

Der	christliche	Glaube
Viele Mitarbeitende schöpfen Kraft aus ihrem christlichen Selbstverständnis. „Ich mache meine Arbeit auch aus meinem Glauben heraus“, sagt Anette Kotnik. „Ich denke, dass wir uns immer wieder unserer diakonischen Identität im Stift vergewissern sollten. Für mich ist das Menschenbild entscheidend, das von Jesus Christus vermittelt wird. Dass man auf andere Menschen zugeht, dass man ihnen auch vergibt, dass man immer offen und hilfsbereit ist. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, und verhalte dich so, wie du eben auch gerne behandelt werden möchtest.“ Gabriele Engl, die oft mit dem Thema Tod konfrontiert wird, hat erfahren, dass der Glaube in Momenten des Leids hilft. „Wenn eine Bewohnerin oder ein Bewohner stirbt, dann ist es uns ein Anliegen, dies würdig und voller Respekt mit einer Aussegnung zu zelebrieren. Für Angehörige und Mitarbeitende

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ist es wichtig, einen Moment innezuhalten und den Abschied zuzulassen.“ Auch für die Teamkoordinatorin in der Behindertenbetreuung bei Nebo, Brigitta Topp, ist ihr Glaube wichtig. Für die Wahl ihres Arbeitsplatzes war das aber nicht ausschlaggebend. „Sicher bin ich christlich geprägt. Wenn ich aber eine andere soziale Einrichtung gefunden hätte, wo die Leute, so wie hier, das Herz am rechten Fleck tragen, dann könnte ich ebenso gut dort arbeiten.“ Nicht alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Stift gehören einer christlichen Kirche an. „Aber es ist schön und wichtig, dass ich meinen Glauben hier leben kann, dass auch die christlichen Feste gewürdigt werden, dass der Raum dafür da ist.“

Was	ich	bewirke
„Ich spüre unmittelbar, was ich bewirke, in erster Linie an den Rückmeldungen der Kolleginnen und Kollegen“, erzählt Anette Kotnik. „Wenn diese aus einem Seminar kommen und sagen: Das hat mir gut getan, ich fühle mich neu motiviert, habe etwas gelernt, dann kann ich sagen: Gut, dass ich dazu beitragen konnte. In Zukunft wird es immer wichtiger werden, unsere Mitarbeitenden fachlich, methodisch und persönlich lebenslang fortzubilden, um konkurrenzfähig zu bleiben, aber auch, um attraktiv für die Mitarbeitenden zu sein. In einer aktuellen Umfrage nennen Mitarbeitende gute Weiterbildungsmöglichkeiten – nach Gehalt und abwechslungsreicher Tätigkeit – als wichtigsten Anreiz.“ Gabriele Engls und Brigitta Topps Wirkungskreis umfasst die Bewohnerinnen und Bewohner sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Ich hoffe, ich kann das Johannastift, einen Standort mitten in Spandau, mit den Werten des Johannesstifts prägen“, so Engl. „Das Reizvolle an dieser Aufgabe ist, dass man eine neue Einrichtung aufbauen und eine Atmosphäre der Menschlichkeit und Wärme schaffen kann. Es gilt, einen Ort mitzugestalten,

einen Baum zu pflanzen, war vor zwanzig Jahren.
	 	 	 	 	

Die beste Zeit,

Die nächstbeste Zeit ist jetzt.
aus	Uganda

	

	

	

	

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an dem die Menschen gerne leben und arbeiten.“ Eins liegt ihr besonders am Herzen: „Ich möchte, dass jede Bewohnerin und jeder Bewohner mit Respekt und Würde behandelt wird. Das ist mir sehr wichtig. Gute Pflege allein genügt nicht. Ältere Menschen können sich oft nicht mehr wehren. Deshalb ist eine Kultur der Achtsamkeit Bestandteil unserer Arbeit.“ „Mein Job in der Behindertenhilfe besteht darin, Alltag zu begleiten in allen Facetten, den Alltag bietet“, sagt Topp. „In Freud und Leid, in Konflikten und in der Liebe. Und das bei so banalen Dingen wie, dass das Essen auf den Tisch kommt, bis hin zum Arztbesuch. Ich bin Sprachrohr, für die, die kaum aktives Sprachvermögen haben, und ich versuche, Impulse zu setzen und den Lebensstrauß der Bewohnerin und Bewohner ein bisschen bunter zu machen.“

Was	ich	mir	wünsche
Wenn die drei Kolleginnen von ihrer Arbeit erzählen, spricht Begeisterung aus ihnen. Nur diese Begeisterung lässt sie den immensen Einsatz aufbringen, der in der Pflege und der Betreuung heutzutage notwendig ist. „Viele Mitarbeitende wünschen sich, dass sie mehr Zeit und Gelegenheit hätten, um für andere da zu sein. Doch man muss auch auf sich selbst achten. Man braucht für diesen Beruf die Balance“, so Kotnik. „Ich finde, da passt dieses Wort aus der Bibel so wunderbar: ‚Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst‘ – ich glaube tatsächlich, dass Selbstsorge und Selbstpflege wichtig sind, wenn man im sozialen Bereich arbeitet und arbeitsfähig bleiben will.“ Dafür hat der Arbeitgeber natürlich auch eine wichtige Verantwortung. „Familienfreundliche und gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen zu erhalten und zu schaffen, ist eine ständige Herausforderung angesichts zunehmen																																																	aus	Russland der Knappheit an Ressourcen“, so Kotnik.

so gedenke auch dessen, der ihn gepflanzt hat.

vom Baum,

Erntest du Früchte

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Wirtschaftliche Notwendigkeiten sind zu vermitteln und gleichzeitig ist zu motivieren. Ein Spagat, in dem viele leitende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in sozialen Berufen stehen. „Der Stellenschlüssel ist eng bemessen – das ist ein politisches Problem, das ich im Alltag schwer lösen kann“, sagt Engl. „Aber ich kann die Kolleginnen und Kollegen beraten und unterstützen. Ich kann 	 	 	 	 sie motivieren, im Alltag nicht den Blick für das Wesentliche zu verlieren.“ Brigitta Topp fühlt sich manchmal hin und her gerissen. „Ich habe das große Bedürfnis, den Menschen gerecht zu werden.“ Oft heißt die Alternative: Verwaltungstätigkeit oder Betreuung. „Der Dienstplan muss fertig werden, aber eine Bewohnerin will sich schon lange eine Zeitschrift im Lebensmittelgeschäft kaufen. Das darf sie aber nur in Begleitung einer Fachkraft, weil es unterwegs passieren kann, dass sie ein Bedarfsmedikament benötigt. Das hört sich kleinlich an, aber wenn sie zum dritten Mal vertröstet wurde und nach drei Tagen immer noch keine Zeitung hat, dann weint sie und sagt ‚Brigitta, Du bist gemein‘. Ich verstehe das. Wenn ich nur mehr Zeit für Menschlichkeit hätte – dann hätte ich meinen Traumjob“, sagt sie. „Es geht mir um die Arbeit mit Menschen und nicht um Verwaltung. Ich bin alleine eine halbe Stunde am Tag nur damit beschäftigt, Kürzel in Formularen zu machen. Doch dabei kommt nicht annähernd zum Ausdruck, mit welcher Qualität dies geschieht. Ich kann aufschreiben, dass ich mit einer Bewohnerin den Schreibtisch aufgeräumt habe, daraus geht dann aber nicht hervor, ob ich das in Ruhe und aufmerksam gemacht habe.“ Brigitta Topps Idealvorstellung: „Ich würde gerne an der praxisnahen Ausbildung von Kolleginnen und Kollegen mitwirken und gleichzeitig an der Basis weiterarbeiten. Ich mag Vielseitigkeit.“ Doch: Brigitta Topp ist zufrieden, trotz aller Schwierigkeiten. „Ich kann für Menschen da sein. Ich versuche das, was mir für die Menschen und für mich wichtig ist, unter den gegebenen Umständen umzusetzen.“ Ein Satz, der für Anette Kotnik und Gabriele Engl gleichermaßen gilt.

Auch ein

ziert einen grossen Garten.
	

kleiner Baum
																																Volksmund	

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Gemeinsames	Engagement	für	Menschen
Engagement von Menschen für Menschen. Das hält unsere Gesellschaft zusammen, überwindet Einsamkeit und schafft Bildungsgerechtigkeit. Was dies konkret bedeutet, zeigt der Einblick in das Angebot LeNa (Lebendige Nachbarschaft).

Eine alte Frau im dritten Stock des Hauses, die bei Eis und Schnee nicht weiß, wie sie ihren Vierbeiner vor die Tür bringen kann. Die Tag für Tag traurig aus dem Fenster lehnende Seniorin, die sich kaum erinnert, wann sie das letzte Mal die Hand oder den Gruß eines anderen empfangen hat. Sie stehen symbolisch für das Spannungsfeld unserer Zeit und den demografischen Wandel: Quirlige Städte mit Angeboten und unendlich scheinenden Zerstreuungsmöglichkeiten für dynamische, mobile, gesunde Leute. Daneben die wachsende Gruppe älterer, manchmal körperlich oder geistig beeinträchtigter und sich einsam fühlender Menschen, die von diesen Angeboten keinen Gebrauch mehr machen können.

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Einsamkeit	im	Alter	–	ein	drängendes	Thema

Heutige Seniorinnen und Senioren möchten – so lange es geht – in ihrer gewohnten häuslichen Umgebung bleiben, was bei allein Lebenden rasch zur Isolation führt. Meist haben die Betagten 																																Khalil	Gibran	 Kinder, Verwandte. Doch die führen ihr Leben, in dem oft zu wenig Zeit und Platz für die Eltern vorgesehen ist. Oft leben sie auch in großer Entfernung, in anderen Städten oder gar Ländern. Der Stadtbezirk Spandau, in dem sich das Stiftsgelände befindet, hat unter den insgesamt etwa 224.000 Einwohnern 50.000 Menschen über 65 Jahre, fast 30 000 von ihnen Frauen*. Wand an Wand wird gelacht, geliebt und auch gewartet und verzweifelt. Jeden Tag des Jahres sind einsame ältere Menschen unsere nächsten Nachbarn, allein mitten unter uns. Diese Tatsache liegt unserem Projekt LeNa – Lebendige Nachbarschaft – zu Grunde. 2009 wurde LeNa mit Spenden aufgebaut. Mit weiterer großzügiger Unterstützung der Werner und Maren Otto Stiftung wurde LeNa 2009 konzipiert und konnte 2010 starten. LeNa versteht sich als Initiator und Mittler. Lebendige Nachbarschaft praktizieren und leben können nur die Menschen im Kiez selbst. Die Sozialpädagogin Julia Heckhausen, die das Projekt mitentwickelte, hält als hauptamtliche Teamleiterin die Fäden in der Hand. Sie baut auf der einen Seite einen Pool von ehrenamtlichen Helfern auf, die Zeit, Lust und die persönlichen Voraussetzungen haben, ihre allein lebenden Nachbarn zu besuchen. Zum anderen findet sie die älteren Menschen mit Kontaktdefiziten. Ein Besuchsdienst, kein Hilfsdienst, soll so entstehen und sich mit der Zeit verstetigen.

die die Erde in den Himmel schreibt.

Bäume sind Gedichte,

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LeNa	–	zuverlässig,	verbindlich,	regelmäßig
Julia Heckhausen erklärt, wie LeNa funktioniert: „Zuverlässig, verbindlich, regelmäßig und kostenfrei ein Mal in der Woche besuchen Ehrenamtliche allein Lebende oder sich einsam Fühlende ab 55 Jahren eine bis zwei Stunden in ihrer Häuslichkeit. Es ist immer dieselbe Ehrenamtliche, die sich nur um diesen einen Nachbarn kümmert. Das sichert ein Höchstmaß an Beziehung, denn der Besuchende eilt nicht von einem ‚Fall‘ zum nächsten.“ Die beiden entwickeln eine Vertrautheit, die Basis für Austausch, Gemeinsamkeit und Mitmenschlichkeit sein kann. Die Konfession spielt dabei keine Rolle. Wie das wöchentliche Zusammensein der beiden konkret abläuft, ist sehr unterschiedlich: In der Praxis gibt es Nachbarn, die sich bei einer Tasse Kaffee unterhalten, spazieren gehen, es wird auch vorgelesen und ein „Paar“ erlernt zum Gehirntraining Gedichte. Praktische Hilfeleistungen werden nur im Ausnahmefall und minimal übernommen, die müssen die Nachbarn im gegenseitigen Einvernehmen beschließen.

Vernetzung	vorantreiben
Eine knifflige Aufgabe der Projektleiterin ist das Zusammenführen der geeigneten Paare. Darum sucht sie die allein Lebenden zunächst selbst auf und stellt deren Situation fest. Anfangs stellte sich die Hälfte, inzwischen nur einer von acht „Hilferufen“, die meist telefonisch eingehen und idealerweise vom Betroffenen selbst geführt werden, als typisches Handlungsfeld von LeNa heraus. Die anderen Anrufer haben meist konkrete Hilfebedarfe, die von medizinischer Betreuung bis zur Haushaltshilfe reichen. Doch auch diese können über Kontakte zu einem umfangreichen sozialen Netzwerk in Spandau vermittelt werden. An dieser Stelle wird deutlich, dass LeNa ein markantes zusätzliches und bereicherndes Angebot im Kiez ist und als Kooperationspartner, nicht in Konkurrenz, zu bereits bestehenden Diensten auftritt. Durch Kooperation mit anderen Diensten, wie Pflegestützpunkten, Mobilitätshilfen oder Sozialstationen kann in vielen Fällen geholfen werden. Kirchengemeinden sind an der Arbeit interessiert und lassen sich durch Julia Heckhausen gerne erzählen, welche Erfahrung sie im Umgang mit älteren einsamen Menschen macht

Glücklich der Mensch,

																														 	

besonders die großen, freien, die wild wachsen an der Stelle, wo die unendliche Kraft sie gepflanzt hat, und die unabhängig geblieben sind von der Fürsorge der Menschen.
	 	 	 Prentice	Mulford	

der Bäume liebt,

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und wie der Besuchsdienst einer Gemeinde sich vielleicht verändern muss. Frau Heckhausen ist mit der Entwicklung zufrieden: „Neue, individuelle Netzwerke entstehen durch Nutzung im Kiez und bringen die Möglichkeiten im Quartier zusammen. Das freut mich sehr.“ Inzwischen haben sich bereits 14 Besuchspaare gebildet. Der Nutzen von LeNa ist auch auf Seiten der 14 Ehrenamtlichen spürbar, wie regelmäßige Reflexionstreffen verdeutlichen. Als aktiver Teil des Projektes erweitern sie ihren Horizont und erklären, dass sie viel von den Besuchten zurückbekommen. Mancher der Ehrenamtlichen wünschte sich selbst vorher neue Kontakte, wollte mehr gefordert werden und hat mit seinem Engagement auch die eigene Lebensqualität erhöht. Die Fortbildung wird als persönliche Förderung empfunden.

Gemeinsames	Engagement	kann	Großes	schaffen
LeNa ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie das Engagement des Evangelischen Johannesstifts nach außen wirkt. Ehrenamtliche, Spenderinnen und Spender, Stiftungen und Unternehmen: Sie alle wirken partnerschaftlich mit dem Evangelischen Johannesstift zusammen, um gemeinsam etwas für die Menschen, für die Gesellschaft zu erreichen, Einsamkeit zu verringern, Lebenssituationen zu verbessern, Perspektiven zu schaffen. Unverzichtbar ist dabei die finanzielle Unterstützung dieser Aktivitäten, sei es durch private Geldgeber, durch die Zuwendungen der Werner und Maren Otto Stiftung, die durch Förderung der professionellen Koordinierung die Entwicklung der LeNa-Aktivitäten gewährleistet, oder die Ehrenamtlichen, die viel ihrer Lebenszeit geben, um Menschen zu helfen. Nur gemeinsam kann viel Gutes geschehen.
*	Quelle:	Statistisches	Jahrbuch	Berlin	2010

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Den	Reichtum	der	Kulturen	ins	Gespräch	bringen
Interkulturelle und interreligiöse Bildung – geflügelte Worte in Deutschland, die oft ausgesprochen und noch immer nicht ausreichend mit Leben gefüllt sind. Die Auseinandersetzung mit verschiedenen Kulturen und Religionen ist in unserem Alltag, der von Menschen mit verschiedenen ethnischen Wurzeln geprägt ist, notwendig und wünschenswert. Kenntnis vom Reichtum anderer Kulturen ist ein gesellschaftlicher und persönlicher Gewinn, er fördert Offenheit und Verständnis sowie Interesse oder Neugier füreinander.

Unser Zusammenleben im Alltag beweist, dass Neugier und Offenheit nicht selbstverständlich, von allein, vorhanden sind: Ängste, Vorurteile, Traditionen müssen dabei auf den Prüfstand, kritisch hinterfragt, vielleicht korrigiert werden. Das trifft von Hamburg bis München, von Köln bis Cottbus zu. Und auf Berlin in ganz besonderem Maße. Was Künstler oder Schöngeist als interessantes multikulturelles Gewimmel erleben und sie für diese Stadt einnimmt, erweist sich in Schulen, bei der Ausbildung, im Betrieb, auf dem Hausflur oder im Strandbad oft genug als schwieriges Zusammenspiel. Auf engem Territorium leben in der Hauptstadt knapp 3,5 Millionen Menschen, von denen 457.000, etwa 13,2 Prozent, Ausländer aus 190 Staaten* sind. Sie prägen die Stadtbezirke unterschiedlich stark mit ihrer Kultur, Sprache, Religion, ihren Gewohnheiten und Traditionen. Nicht immer ist das gewünscht, gewollt, akzeptiert.

Engagement	seit	2003
„Die Wille“ (abgeleitet vom ehemaligen Evangelischen Jugendzentrum in der Wilhelmstraße), eine gemeinnützige Tochtergesellschaft des Evangelischen Johannesstifts sowie des Kirchenkreises Mitte und seit 35 Jahren auf dem Bildungssektor tätig, bietet mit dem Forum für interreligiöse Bildung seit 2003 interkulturelle Bildung in der Stadt an. Dieses Forum ist Kooperationsprojekt der Die Wille gGmbH und des Evangelischen Kirchenkreises Berlin Stadtmitte. Interreligiöse Bildung wird hier als ein interak-

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tiver Prozess verstanden, der die Beschäftigung mit den Werten und Normen anderer Kulturen und Religionen ebenso einschließt wie die Auseinandersetzung mit den kulturellen und religiösen Prägungen der eigenen Identität, der eigenen Werte und Normen. Dazu wurden Angebote für die Zielgruppen Jugendliche, Erwachsene und Multiplikatoren mit unterschiedlichen kulturellen und religiösen Hintergründen erarbeitet und erprobt. Die Bildungsangebote werden im interreligiösen Trainertandem mit ganzheitlichen, interaktiven, kreativen und erfahrungsbezogenen Methoden umgesetzt. Besonderer Wert wird dabei auf ein bedarfsorientiertes Vorgehen sowie auf die Orientierung am Lernkontext der Zielgruppe gelegt. Innerhalb des Modellprojektes „Streitfall Religion – Interreligiöse Kompetenz und Konfliktbearbeitung“, das von 2007 bis 2010 durch das Programm VIELFALT TUT GUT des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wurde, konnten die pädagogischen Grundlagen der interreligiösen Bildungsarbeit des Forums weiterentwickelt und seine Themenfelder ausgebaut werden.

Weitere	Workshops	zum	Thema		 „Ethnisierte	Konflikte“

Durch die erfolgreiche Platzierung eines neuen Projektes zum Thema „Ethnisierte Konflikte“ im Förderprogramm des Europäischen Integrationsfonds (EIF) werden ab Juli 2011 weitere Workshops entwickelt und erprobt. Auch private Spender unterstützen die Mitstreiterinnen und Mitstreiter des Forums in ihrer Arbeit, so dass neue Angebote der interreligiösen Bildung umgesetzt werden können. Fachbereichsleiterin Jacqueline Hennig erläutert, dass interreligiöse Bildung nicht isoliert, sondern als ein wichtiger Bestandteil aller Bildungsangebote der Die Wille gGmbH betrachtet wird. Sie ist deshalb als Querschnittsthema in allen Bildungsangeboten verankert.

manchmal etwas über das Wetter, manchmal über Tiere, manchmal über den Großen Geist. Tatanga	Mani,	Indianerhäuptling 	 	 	 	 	 	

viel von den Bäumen erfahren:

Weißt du, dass die Bäume reden? Ja, sie reden. Sie sprechen miteinander, und sie sprechen zu dir, wenn du zuhörst. Ich selbst habe

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Die Anfang des Jahres 2011 erfolgte Umstrukturierung des Fachbereiches Bildung innerhalb der Die Wille trägt dem Rechnung. Die Bildungsangebote laufen derzeit vor allem in den Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln (mit dem höchsten Berliner Ausländeranteil von über 20 Prozent) sowie Tempelhof-Schöneberg (mit einem Ausländeranteil von 15 bis 20 Prozent**). Der Lernort Schule spielt dabei eine besondere Rolle. Gruppentrainings zum Erwerb sozialer Kompetenzen für Schülerinnen und Schüler, Trainings zur interkulturellen und interreligiösen Sensibilisierung bis hin zu Workshops zur Auseinandersetzung mit kulturell und religiös geprägten Konflikten bilden ein breites Spektrum möglicher Bildungsangebote. Sie alle zielen auf die Kompetenzerweiterung und die aktivierende Unterstützung der Teilnehmenden und sind darauf gerichtet, die Angesprochenen zu befähigen, eigene Ressourcen zu erkennen, zu nutzen und auszubauen.

Etwas,	was	einem	vertraut	ist,	ängstigt	weniger
Ein besonderes Angebot ist das Projekt „Young Migrant Talents“, in dem begabte Schülerinnen und Schüler und deren Familien unterstützt werden, die individuellen Möglichkeiten der Jugendlichen beim Übergang in die weiterführenden Schulen gezielt zu fördern. Workshops wie „Christliches Leben in Berlin“, „Jüdisches Leben in Berlin“ und „Muslimisches Leben in Berlin“ sind

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dem Reichtum der Kulturen auf der Spur. Weitere Angebote befassen sich mit der Geschlechterrolle in den verschiedenen Religionen, mit Sterben und Tod, machen mit Alltag und Festtag in verschiedenen Religionen vertraut. Etwas, was einem vertraut ist, ängstigt weniger, lässt weniger Fragen offen, bietet weniger Potenzial für Auseinandersetzungen. Um die Nachhaltigkeit der Angebote zu gewährleisten – ein entscheidender Aspekt der Arbeit – sollen Erfahrungen und Methoden an Lehrkräfte in Schulen und an andere Multiplikatoren, wie Mitarbeiter oder Leiter von Jugendfreizeiteinrichtungen weitergegeben werden. Dafür wird beispielsweise im Projekt „Job Skills“ ein Curriculum zur Vermittlung sozialer Kompetenzen entwickelt und erprobt, in das die pädagogischen Erfahrungen und methodischen Ansätze aller Bildungsangebote der Die Wille einfließen.

Bäume pflanzt,
wird den Himmel gewinnen.
	 	 	 Konfuzius

Wer

Erfahrung	und	Wissen	weitergeben
Erkenntnisse und Arbeitsergebnisse wollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht für sich behalten, das ist erklärtes Ziel. Das Forum für interreligiöse Bildung hat seine bisher gesammelten Erfahrungen und methodischen Ansätze in verschiedenen Broschüren wie „Streitfall Religion? – Handbuch“ oder „Mekka nicht rum – frag warum“ dokumentiert (als Download und als gedruckte Broschüre zu beziehen). Sie sind eine praktische Handreichung und gute Arbeitsgrundlage für alle, die sich für interreligiöse Bildungsangebote interessieren und diese in die Praxis umsetzen wollen. Die wichtige und durch viele staatliche und kommunale Stellen anerkannte erfolgreiche Arbeit des Forums muss und wird fortgeführt werden. Das ist erklärter Konsens zwischen dem Evangelischen Johannesstift und dem Kirchenkreis Berlin Stadtmitte als Träger des Forums. Denn die Arbeit nützt nicht nur unmittelbar den betroffenen Jugendlichen und Erwachsenen mit Migrationshintergrund. Der Alltag an den Schulen soll längerfristig positiv beeinflusst, Voraussetzungen für besseres gemeinsames Lernen sollen geschaffen, Verständnis und Toleranz gefördert werden. Den Lehrkräften und Multiplikatoren wird Rüstzeug in die Hand gegeben, das in diesem Kontext das gesellschaftliche Klima befruchten soll. Haupt- und ehrenamtliche Mitstreiterinnen und Mitstreiter sowie private und institutionelle Geldgeber können gemeinsam etwas für die Verbesserung der Situation an den Bildungseinrichtungen und die Erhöhung der Chancen gelingender Integration, für ein menschliches Miteinander, beginnend bei Kindern und Jugendlichen, tun. Es ist letztlich ein Beitrag zu einem friedlichen Miteinander in unserer Gesellschaft.

*Stand	Nov.	2010,	Pressemitteilung	des	Amtes	für	Statistik	Berlin-Brandenburg		 Nr.	36,	4.	Februar	2011 **Amt	für	Statistik	Berlin-Brandenburg:	Die	kleine	Berlin-Statistik	2010

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																			Kann	Technik	dazu	einen	Beitrag	leisten?	
Das Evangelische Johannesstift ist gewiss kein Hort von Technikfreaks. Aber: „Technik ist wichtiges Mittel zum Zweck“, weiß Wilfried Wesemann, Geschäftsführer der Altenhilfe. In vielen Bereichen zieht sie erfolgreich und zunehmend rasch ein, besonders von jungen Menschen selbstverständlich im Alltag angenommen. Eine ganz so unkomplizierte und undifferenzierte Herangehensweise an die Produkte menschlichen Forschergeistes ist im mittleren und fortgeschrittenen Alter eher selten vorhanden. Doch wo Technik Entlastung, Hilfe und Verbesserung im Alltag der Menschen bringt, empfinden die meisten sie als gut und hilfreich.

Wilfried Wesemann beschäftigt sich damit schon seit längerer Zeit: „Auf dem Gebiet der Betreuung und Pflege älterer, gebrechlicher, behinderter oder allein lebender betagter Menschen, einem originären Feld der Arbeit des Evangelischen Johannesstifts, kann der verstärkte Einsatz fortschrittlicher Technik sinnvoll sein.“ Die demografische Entwicklung, der Fachkräftemangel, die zunehmenden Verwaltungstätigkeiten der Pflegekräfte, stete Änderungen in der Finanzierung von Betreuung und Pflege durch die Kostenträger führen zu Veränderungen für ältere Menschen.

Viele	Menschen	möchten	in	ihren	eigenen	vier	Wänden		 alt	werden
Der Grad der Individualisierung nimmt in der Gesellschaft zu. Wilfried Wesemann berichtet: „Fast ausnahmslos alle älteren Menschen möchten so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden leben. Das ist mit vielen Gefahren und Unwägbarkeiten verbunden, wenn der Wohnraum so gestaltet und ausgestattet ist, wie wir ihn zurzeit vorfinden, und die Menschen alleine leben.“

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Heute gibt es in der Bundesrepublik 16 Millionen Menschen über 65 Jahre, man rechnet damit, dass es in 30 Jahren 24 Millionen sind, also jede dritte Bürgerin und jeder dritter Bürger. Der Anteil von Menschen mit Demenz, derzeit zwei Millionen, steigt ebenfalls. Menschen mit Behinderung leben dank verbesserter Bedingungen in Medizin und Gesellschaft länger. Für Wesemann geht das geht nur, „wenn sie auch in Sicherheit leben können.“ Diese Sicherheit können ambulante Dienste oder temporär helfende oder pflegende Angehörige einem Betagten in dessen Häuslichkeit nicht rund um die Uhr schaffen.

Technik	kann	zu	Sicherheit	und	Mobilität	beitragen
Technische Systeme in sinnvollem Entwicklungsstadium und in Kombination sind heute in der Lage, mehr Mobilität, Versorgung und Sicherheit für Ältere und Kranke, deren Angehörige sowie für das Pflegepersonal zu geben. Im Herbst 2010 wurde im Evangelischen Johannesstift eine fachübergreifende Projektgruppe gegründet, die sich mit dem Thema „Ambient Assisted Living (AAL)“ befasst. AAL beinhaltet Konzepte, Produkte und Dienstleistungen, die darauf zielen, die Lebensqualität der Menschen in ihren jeweiligen Situationen und Lebensabschnitten zu erhöhen. Wir suchen nach altersgerechten Assistenzsystemen, die die Unabhängigkeit, Mobilität und Gesundheit in einem soweit wie möglich durch den Betroffenen selbst bestimmten Leben gewährleisten können.

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Angesiedelt bei der Altenhilfe und Behindertenhilfe arbeiten zehn Fachleute mit externen Spezialisten zusammen. Das Team soll u. a. die Frage beantworten, welche konkreten Bedürfnisse bestimmte Zielgruppen haben, welche Einrichtungen und Assistenzsysteme für deren Probleme bereits auf dem Markt oder in der Entwicklung sind und ob sie für einen Einsatz in Häusern des Evangelischen Johannesstifts möglich und sinnvoll sind. „Ein 2012 geplanter Neubau auf dem Stiftungsgelände in BerlinSpandau eröffnet uns die großartige Chance, solche fortschrittliche Technik einzubauen, zu erproben und die Besuchergruppen, Multiplikatoren und Interessenten zu zeigen.“

Technik	muss	dem	Menschen	dienen
Diese Wohnung soll mit intelligenter Technik für die Bedürfnisse Älterer auf dem zu dieser Zeit höchsten Niveau ausgestattet und dabei menschlich sein: Nicht alles, was technisch machbar ist, ist in unserem Verständnis gut, sinnvoll und wünschenswert. Persönlichkeitsrechte, Respektierung des Willens und der Vorgaben der Betroffenen oder deren juristischer Entscheider sind bei Themen wie „Ortung demenziell Erkrankter“ oder „Übertragung von Vitaldaten an Sammelpunkte“ wichtige Themen, die große Sensibilität in unserer Betrachtung erfordern. Und es muss nützlich sein. „Technik muss dem Menschen dienen und nicht umgekehrt“, das ist für Wesemann die Maxime. Wie sieht das konkret aus? In der geplanten Musterwohnung kann die Ausrüstung von Betten mit intelligenten Fallschutzmatten kombiniert werden. Nicht nur für Sturzgefährdete würde man die Sicherheit erhöhen, wenn eine vor der Schlafstelle platzierte Matte mit druckempfindlichen Sensoren im Berührungsfall ein Signal gibt. Sensortechnik könnte auch im Bett Bewegungsmuster aufzeichnen und bei Unregelmäßigkeiten Alarm geben. Intelligente Lichtschalter, die nicht mehr fest installiert, sondern mobil von jedem Ort der Wohnung betätigt werden, wären genau so denkbar wie der nachts im Bedarfsfall beleuchtete Weg, der den Suchenden zum WC führt. Eine morgens eingeschaltete Küchenmaschine – Toaster, Mixer oder Kaffeebereiter,

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Planst du ein Jahr, so säe Korn. Planst du ein Jahrtausend,
Kuan	Chung,	chinesischer	Minister		

so pflanze Bäume.

je nach Angewohnheit des Betreffenden – könnte Angehörigen oder Pflegediensten anzeigen, dass die Wohnungsinhaberin oder er -inhaber aufgestanden ist und den Tag begonnen hat. Die Musterwohnung, die unbewohnt sein soll, wird über drei Jahre bestehen. Die gesammelten Erfahrungen werden ausgewertet und sollen uns zeigen, welcher Technikeinsatz dann auch im häuslichen Bereich sinnvoll und machbar ist. Wir müssen stets im Blick behalten, dass der Betroffene diese technischen Neuerungen in seinem Alltag wünscht, annimmt und sie auch bedienen kann. „Komplizierte Technik, wie wir sie an vielen Stellen heute erleben, ist nicht mit dem Anliegen von AAL vereinbar. Das geht an den Interessen und Möglichkeiten vorbei.“ Da ist sich Herr Wesemann ganz sicher. „Immer wieder werden ethische Bedenken vorgetragen und die Vermutung, dass technische Innovationen nicht das richtige Mittel in der Betreuung älterer Menschen sind. Wir nehmen die Bedenken sehr ernst und legen ein besonderes Augenmerk auf die ethischen Fragestellungen. Probleme wie die Entmündigung von Betroffenen, die Einschränkung ihrer Persönlichkeitsrechte oder Interessen erkennen wir selbstverständlich und lehnen diese klar ab.“ Da ist Wilfried Wesemann kompromisslos. Die Soziologin Dr. Sibylle Meyer sieht die Thematik AAL im Evangelischen Johannesstift in guten Händen: Es sei bekannt dafür, dass es im Interesse der Betroffenen agiere. Darum will sie das auch aus ihrer Sicht interessante Projekt begleiten und dokumentieren. Wir sehen uns damit auf dem richtigen Weg, das Bestmögliche in der Betreuung älterer Menschen zu realisieren.

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	 	 Gesundheit	und	Frohsinn	 sei	auch	mit	dabei	–	Gesundheitsmanagement			 	 	 im	Evangelischen	Johannesstift
Im Leitbild des Evangelischen Johannesstifts heißt es: „Verantwortung für die Schöpfung wahrnehmen und nachhaltig handeln. Wir schaffen gesunde Lebensbedingungen für alle, die durch das EJS begleitet, betreut, gefördert und ausgebildet werden sowie in den Einrichtungen leben oder arbeiten“.

Gesundheit wünschen wir uns am Geburtstag. Gesundheit – so sagen wir – ist das Wichtigste. „Hauptsache gesund“, heißt es beim Gespräch zwischendurch. Gesundheit ist vielleicht der Nutzen, den alle für sich wünschen. „Den Nutzen entfalten“ gilt darum auch ganz besonders für die Gesundheit. Gesundheit, gesundes Leben, Gesundheitsförderung sind deshalb zentral im Blick der Arbeit des Evangelischen Johannesstifts, und zwar für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie für Betreute gleichermaßen. Die Umsetzung geschieht durch gezieltes Gesundheitsmanagement in den einzelnen Gesellschaften des Evangelischen Johannesstifts und ist dort unmittelbare und tägliche Praxis. Die Stiftung unterstützt dieses wichtige Anliegen nach Kräften.

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Prävention
Nicht erst dann handeln, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Gesundheit beginnt vor der Krankheit, durch die Motivation zu einem positiven Gesundheitsbewusstsein. Damit wird auf gesundheitliche Beeinträchtigungen nicht nur reagiert, sondern bereits im Vorfeld die Voraussetzung geschaffen, Erkrankungen abzuwehren. In dieser Prophylaxe und Wahrnehmung eigener Verantwortung unterstützt das Evangelische Johannesstift seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Beispielgebend dafür war unser Gesundheitstag im Februar. Aufklärung und Information bilden die Voraussetzung für die Möglichkeit zu einem individuellen wie auch betrieblichen Gesundheitsmanagement, das den ganzen Menschen wahrnimmt. Ganzheitliche Gesundheit heißt für uns die Gesundheit von Körper, Geist und Seele. Darum zielen unsere Angebote und Unterstützungen bewusst auf diese drei Dimensionen, wobei unser spezifisches diakonisches Profil einen ganz entscheidenden Beitrag leistet. Auch in anderer Hinsicht kann das Evangelische Johannesstift bei der Entwicklung seines Gesundheitsmanagements auf eine lange Tradition zurückgreifen.

Ernährung
Bereits vor einhundert Jahren achteten die Leiter und Diakone darauf, dass die Lebensmittel für die Begleiteten des Stifts frisch, vollwertig und ausgewogen waren. Dazu bauten die Mitarbeitenden des Stifts Obst und Gemüse selbst an, um die Qualität der Nahrungsmittel sicherzustellen. So ist es in den alten Jahresberichten nachzulesen. Heute achten wir darauf, dass diesem Ziel entsprechend die verwendeten Lebensmittel weitgehend frei von Ersatz- und Konservierungsstoffen sowie Geschmacksverstärkern sind. Dazu komplettieren kreative vegetarische Gerichte das Angebot. Dies weiter auszubauen ist eine Aufgabe, die wir uns für die nächsten

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Jahre vorgenommen haben. Der eigene Anbau von Obst und Gemüse, wie er früher im Evangelischen Johannesstift üblich war, kann dabei eine Form gesunder Versorgung sein.

Bewegung
Bisher gibt es bereits viele Sport- und Bewegungsangebote für die Begleiteten und Mitarbeitenden des Evangelischen Johannesstifts. Die Stiftung möchte auch dabei fördern und für Menschen mit und ohne Behinderungen Möglichkeiten schaffen, sportlich aktiv sein zu können. Ein ganz besonderes Beispiel dafür ist unser „Run of Spirit“, den wir bereits zum dritten Mal am Pfingstmontag liefen. In unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden können ältere und jüngere Menschen, Menschen ohne und mit Behinderungen um die ersten Plätze wetteifern. Besonders freuen wir uns, dass auch Läuferinnen und Läufer mit Behinderungen jedes Jahr aus Polen anreisen, um gemeinsam mit uns zu laufen. Zu unserem Gesundheitsmanagement gehört aber vor allem die Vorbereitung auf diesen Lauf. Bereits Wochen zuvor bieten wir unseren Begleiteten und Mitarbeitenden ein professionell begleitetes Training an, um sie zu motivieren. Darin sind wir nicht allein. Sponsoren wie die Firma Contag in BerlinSpandau unterstützen dieses Engagement, besonders im Bereich des Sports für Menschen mit Behinderung. Um diese Form des selbstbestimmten und gemeinsamen Sports weiterzuentwickeln, prüfen wir derzeit den Bau eines barrierefreien Sport- und Gesundheitszentrums auf dem Stiftsgelände.

	

	

ein Apfelbäumchen pflanzen.
	 	 Martin	Luther	zugeschrieben

Auch wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch

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Spiritualität
Neben dem Körper soll aber auch der Nutzen für den Geist und die Seele entfaltet werden. Gemeinsames Singen, Feiern, Beten und die individuelle Seelsorge sind Möglichkeiten des individuellen Gesundheitsmanagements, die das Evangelische Johannesstift anbietet. Nicht nur allen Bewohnern und Betreuten, sondern auch allen Mitarbeitenden stehen die Seelsorgerinnen und Seelsorger des Evangelischen Johannesstifts für private oder berufliche Probleme in speziellen Lebenssituationen zur Verfügung. Darüber hinaus leben wir unsere Spiritualität bewusst, in Gemeinschaft und für jeden offen und unterstützen damit die eigene Pflege von Geist und Seele. Basierend auf einem solch weitreichenden Gesundheitsbegriff, ist das Evangelische Johannesstift in der Lage, eine Vielzahl von gesundheitsfördernden Maßnahmen anzubieten. Diese haben jedoch alle Angebotscharakter. Sie können jedem Einzelnen helfen, für seine eigene Gesundheit besser vorzusorgen und ihren Nutzen für sich zu entfalten.

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														Leben	inklusive	auf	dem	Stiftungsgelände	
Das Stiftungsgelände hat eine besondere Ausstrahlung: Das Miteinander, die christliche Anmutung durch die zentrale Lage der Stiftskirche, die Tradition und Geschichte prägen das Gelände. Seit 2008 gibt es die Möglichkeit, die Angebote auf dem Gelände deutlich zu erweitern. Darüber hinaus steht es vor der Herausforderung, die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen aufzunehmen. Dies hat den Vorstand bewogen, das Projekt SW 26+ in Auftrag zugeben. SW 26+ heißt dabei: Perspektiven für das Stiftsgelände Schönwalder Allee 26. Ziel des Projektes ist es, den Nutzen und die Zukunftsfähigkeit des Standortes Schönwalder Allee 26 zu beschreiben. Könnte ein Tag auf dem Gelände in 20 Jahren folgendermaßen aussehen?

Ein Stadtteil am Rande von Berlin. Größere Siedlungshäuser, ein Bereich mit Einfamilien- und Mehrgenerationenhäusern und ausgedehnte Grünflächen prägen das Areal. Ganz unterschiedliche Menschen leben hier: Singles, Alleinerziehende, Familien, Menschen mit den verschiedensten Berufen und unterschiedlicher Herkunft, Menschen mit und ohne Arbeit, Seniorinnen und Senioren. Im Zentrum des Stadtteils gibt es eine Kirche, drum

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herum hat sich eine lebendige Infrastruktur angesiedelt. Es gibt alles, was des Bürgers und der Bürgerin Herz begehrt: Einen Supermarkt, ein Café, eine Kneipe, einen Buchladen, eine kleine Ladenzeile mit Lebensmittel-, Blumen-, Bio- und Second-HandGeschäften, sogar eine Eisdiele ist vorhanden. Natürlich gibt es auch eine Kindertagesstätte und eine Integrative Schule, die in Verbindung mit dem großen barrierefreien Sport- und Gesundheitszentrum weit über die Grenzen von Berlin hinaus bekannt ist. Nicht nur das Sportzentrum, auch das barrierefreie Hotel mit seinem angegliederten Tagungszentrum locken so manchen „Nichtansässigen“ in den Stadtteil. Also, alles in allem ein ganz normaler Stadtteil? Na, da schauen wir uns mal 24 Stunden Echtzeit im Jahre 2030 an:

6	Uhr

Um 6 Uhr beginnt die Produktion in der Sandwichambulanz der Macherei, einem dynamischen Unternehmen der Behindertenhilfe. Es herrscht hektische Betriebsamkeit, gilt es doch, mehrere Großaufträge gleichzeitig zu bearbeiten: Die Lieferung für die wöchentliche Sitzung des Gemeinwesenbeirats ist noch die leichteste Aufgabe, die es zu bewältigen gibt. Der bestellt immer nach dem Motto: „Ihr macht das schon. Aber denkt dran, bitte kein Schweinefleisch und auch was für Vegetarier.“ Frau Paschulke aus der Waldsiedlung wird 70 Jahre alt und hat andere Vorlieben. Ihr Leben lang hat sie ihren Sommerurlaub in der Toskana verbracht; nun sollen es zum 70. Geburtstag auch „Canapees à la toskana“ sein. Und zur Preisverleihung für den fahrradfreundlichsten Arbeitgeber 2030 hat sich die Stiftvorsteherin etwas ganz Beson-

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Trost der Bäume.
	 	 Günter	Eich	

Wer möchte schon leben ohne den

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deres gewünscht. „Wir bekommen diesen Preis zum dritten Mal hinter-einander und dürfen darum den damit verbundenen Pokal behalten. Deshalb habe ich mir Fisch-Sandwiches aus dem Mutterland des Fahrradweges gewünscht – aus den Niederlanden.“ „Gott sei Dank haben die bei der Hitze in der Eintopfwerkstatt unserer Macherei gerade Flaute und können uns unter die Arme greifen, sonst könnten wir das alles gar nicht schmieren und belegen“, so Susanne, die trotz ihrer mehrfachen Behinderung in der Sandwichambulanz ihrer Beschäftigung nachgeht.

8	Uhr	
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Um 8 Uhr bricht an der Evangelischen Integrativen Schule Spandau ein Verkehrschaos aus. „Das ist ja wie in den wilden Zeiten um 2010, wo noch jedes Kind von seinen Eltern bis in die Klassenräume kutschiert wurde.“ Mittlerweile ist das Johannesstift aber so gut wie autofrei, und das Chaos wird durch die Ankunft von Kalle verursacht. Kalle ist gerade, dekoriert mit einer Goldmedaille, von den Paralympics zurückgekehrt und versperrt mit einem offenen Wind- und Solar Cadillac, mit dem er vor die Schule gefahren wurde, die ganze Straße. Er geht hier in die Integrative Schule, seine Eltern sind extra aufgrund der hervorragenden Trainingsbedingungen für gehandicapte Leistungssportler ins Johannesstift gezogen. „Wo gibt es schon eine Schule in Verbindung mit solch einem Sportzentrum. Diese Goldmedaille im Boccia hätte es ohne diese Kombination zwischen Bundesleistungszentrum und Bildungseinrichtung nicht gegeben.“

10	Uhr
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Die Gruppe „Die Fröhlichen Wandersleut“ aus Berlin-Marzahn steht geschlossen vor dem Büro des Leiters des „Centro Netzwerk“, um sich zu beschweren. Sie sind mindestens einmal im Monat hier und beenden bei einem Eis mit Sahne in der Eisdiele „SW26“ ihre Wanderungen durch den Spandauer Forst. „Seit einige Wanderwege quer durch das Johannesstift gehen, sind wir hier regelmäßig anzutreffen. Das machen wir seit gut zwei Jahren.

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Vision	2030:	Wege,	die	das	Gelände	durchkreuzen,	wird	 von	vielen	Menschen,	die	auf	dem	Stiftsgelände	wohnen,	 gewünscht.	Es	wäre	ein	großer	Schritt	hin	zu	einem	Kiez.

Aber erst jetzt erfahre ich von meiner Enkelin, die hier in der Jugendakademie ihren Jugendleiterschein gemacht hat, von diesem diakoniegeschichtlichen Lehrpfad quer durch diesen Stadtteil. Ja, warum wird denn das nicht öffentlich beworben?“

12	Uhr

Um 12 Uhr betritt die Verwaltungsmitarbeiterin Sonja Walter zum ersten Mal das Gelände des Evangelischen Johannesstifts, obwohl sie seit sieben Monaten in der Personalabteilung arbeitet, die ihren Sitz in Berlin-Hennigsdorf hat. „Ich freue mich riesig, endlich das Stammgelände unseres Unternehmens kennen zu lernen. Ich habe schon so viel davon gehört, aber die Kolleginnen hatten Recht: Das muss man mit eigenen Augen gesehen haben. Früher soll ja die gesamte Verwaltung hier im Stadtteil ansässig gewesen sein. Das kann ich mir gar nicht vorstellen. Ab heute besuche ich erst einmal die Einführungstage für neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Für den Spätherbst hat mich meine Leitung zum ‚Grundkurs Diakonie‘ angemeldet. Dann werde ich sogar öfter hier sein.“

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14	Uhr

Ein Dutzend dänischer Radfahrerinnen und Radfahrer erreicht das Hotel Christophorus als Endpunkt seiner Radtour von Kopenhagen nach Berlin. Durch die wiederholte Würdigung als „Fahrradfreundlichster Betrieb Berlin-Brandenburgs“ und dessen Erwähnung in verschiedenen Fahrradfachzeitschriften sind viele Touristen auf das Hotel Christophorus als Endpunkt für ihre Radtour von Kopenhagen nach Berlin aufmerksam geworden.

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16	Uhr
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Auf dem Erlebnisspielplatz neben der Eisdiele bricht zwischen dem achtjährigen Karl und der siebenjährigen Erna ein erbitterter Streit aus. Erna hat mit ihrem Rollstuhl seit mehr als 15 Minuten den begehrten Platz an der großen Wasserspritze in der Wasserlandschaft besetzt, und Karl ist fest entschlossen, dies nun zu ändern. Das Ehepaar Schumann greift schlichtend ein. Beide gehören zu der Aktionsgruppe „Jeder Spielplatz braucht seine Paten“. „Eigentlich haben wir nur eine Wohnung gesucht, in der wir gemeinsam und selbstständig alt werden können – barrierefrei, AAL und so, Sie verstehen. Aber dieses Konzept ‚Wohnen inklusive‘ hat uns gereizt. Wir sind ja klassische Best Ager und können unsere Zeit ja nicht nur hier im Fitnessstudio verbringen“, so Herr Schumann. Kurz danach werden die beiden von einer jungen Mutter abgelöst, die das Notwendige (ihre kleine Tochter will draußen spielen) mit dem Sinnvollen (auch sie ist Spielplatzpatin) verbindet. Familie Schumann eilt daraufhin noch schnell zum Hochbeetgarten, um den Salat für das Mittagessen zu ernten. Sie sind Mitglied im Verein „Garten inklusive“.

18	Uhr
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Die Glocken laden ein zur Abendlese in der Stiftskirche. Diesmal wird die Abendlese von vier jungen Leuten gestaltet, zwei Diakonenschülern und zwei Menschen mit erworbenem Schädelhirntrauma. Sie wohnen zusammen im „Haus Navis“, und zur Hauskultur gehört die regelmäßige Durchführung der Abendlese. „Die außergewöhnliche Vielfalt, die die Menschen verkörpern, die diese liturgische Feier gestalten, hat für mich eine besondere Strahlkraft. Da freue ich mich richtig drauf “, so Herr Prietz aus Schönwalde, der regelmäßig zur Abendlese geradelt kommt.

20	Uhr
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Jubel im Gemeinwesentreffpunkt im „Centro Netzwerk“. Hertha BSC ist zum ersten Mal nach 1931 wieder Deutscher Meister geworden. Gebannt haben über 100 Personen aus Nah und Fern auf der Großleinwand dieses sportlich historische Ereignis verfolgt. „Normalerweise sind wir bei den Sportevents noch mehr. Aber der gesamte Fanclub ,Rollisfürhertha‘ ist mit Begleitpersonen live im Stadion.“

22	Uhr
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Gerade als das Pub „Kastanien“ schließen will, fallen die Mitglieder des Fanclubs „Rollisfürhertha“ laut singend in das Lokal ein. „Mann, der Weg war lang, aber was macht man nicht alles für ein leckeres kühles Bier.“ Herzhaftes Gelächter der restlichen Gäste, Stöhnen beim Wirt. „Die Jungs vom Fanclub haben Sitzfleisch, das wird wieder spät heute Abend.“

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24	Uhr

Das Pub schließt. Die letzten Gäste begegnen einer Horde Wildschweine, die an ihnen vorbeirast. „Was hat uns die Öffnung des Zaunes im Jahr 2013 gebracht?“, fragt einer, der schon lange im Johannesstift wohnt. „Die Wildschweine“, lautet die nicht ganz ernst gemeinte Antwort. Norbert Hauser, Bewohner in einer Senioren-WG, hat wohl ein Bier zu viel getrunken und lernt die Vorzüge einer taktilen Wegeführung schätzen.

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2	Uhr

Es ist Ruhe eingekehrt. Nur einige Studierende der verschiedenen Fakultäten, die im Stadtteil beheimatet sind, kommen mit dem Elektro-Nachtbus nach Hause. „Unglaublich, 2 Uhr, und hier im Dorf hat kein Laden mehr auf. Na, ist eben nicht Dallgow-City.“

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4	Uhr

Die ersten gehen zur oder kommen von der Arbeit. Der Stadtteil erwacht.

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6	Uhr

Die Produktion in der Sandwichambulanz der Macherei beginnt. Heute ist Hektik angesagt, gilt es doch, mehrere Großaufträge gleichzeitig zu bewältigen. Hier ist halt jeden Tag Leben inklusive!

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Vision	2030:	Mitten	auf	dem	Stiftsgelände	ist	der	Kastaniengarten	zum	 Treffpunkt	von	Bewohnerinnen	und	Bewohnern	sowie	Gästen	weiter	zu	 	 entwickeln	und	könnte	auch	ein	gastronomisches	Zentrum	bilden.

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																							Das	war			
													
Zehn	Jahre	Sunpark	Neukölln
Juni 2010

2010/2011

2010 war das zehnjährige Bestehen des Sunparks. Es wurde mit einem Tag der offenen Tür im Juni und mit einem Hoffest begangen.

St.	Martinshof	in	Hannover	 feiert	Jubiläum	50+1
September 2010

Gemeinwesencafé	auf	dem	Stiftsgelände	eröffnet
September 2010

Treffpunkt für alle Bewohnerinnen und Bewohner soll das Café JoCa sein (wie sich das Café nennt). Was kaum zu glauben ist, aber dennoch wahr: Bisher gab es solch einen offenen Treffpunkt nicht. So gesehen ein kleines geschichtliches Ereignis und ein Meilenstein auf dem Weg zum selbstverständlichen Miteinander von Menschen mit und ohne Hilfebedarf.

Da im Jahr 2009 keine Zeit zum Feiern war, wurde dies im September 2010 nachgeholt. Im Rahmen einer Festwoche wurde der 51. Geburtstag des Martinshofes in Hannover gefeiert. Die Einrichtung gehört zu den Christlichen Seniorendiensten Hannover, die 2009 vom Evangelischen Johannesstift übernommen worden war. Eine ganze Woche mit zahlreichen Veranstaltungen wurde mit vielen Gästen gefeiert.

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Bildungskampagne	„Kinder	beflügeln“	startete	am	14.	September	in	der	Berlinischen	Galerie	ins	 neue	Schuljahr
September 2010

Ready for take off. Das war das Motto der Veranstaltung vom 14.9. in der Berlinischen Galerie. Mit dabei waren rund 160 Kinder, Lehrer, Mitarbeiter, Unterstützer und Interessierte, die im vergangenen Schuljahr an verschiedenen Bildungsprogrammen teilnahmen oder sie ermöglichten. Das Evangelische Johannesstift stellte an diesem Nachmittag eine Auswahl an Projekten der Bildungskampagne Kinder beflügeln vor, informierte über die Arbeit und warb um weitere Unterstützung.

Jubiläum:	Das	Evangelisches	Johannesstift	100	Jahre	in	 Spandau
September 2010

Das Stiftsgelände konnte im September seinen 100. Geburtstag begehen, einen wahrhaft runden Geburtstag. Auch wenn die Stiftung schon älter ist und auf ein 153-jähriges Bestehen zurückblicken kann. Vor dem heutigen Standort im Spandauer Forst, war das Johannesstift zuerst in Moabit und später in Berlin-Plötzensee beheimatet.

Erntedankfest

September 2010

Das Johannesstift feierte am 26. September sein traditionelles Erntedankfest. „Viel Glück. Viel Segen“ war das Motto. Es zeigt: Glück und Segen brauchen wir zum Leben. Beides kommt von Gott. Daran denken wir beim Erntedankfest.

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Neues	Seniorenzentrum	Johannastift	in	Spandau	wurde		 eröffnet
November 2010

Ende November wurde das neue Seniorenzentrum auf dem Gelände des Johannastifts eingeweiht. Die ersten Bewohnerinnen und Bewohner waren bereits am 1. Oktober eingezogen. Mit dem neuen Seniorenzentrum erweitert die Altenhilfe des Evangelischen Johannesstifts ihre Pflege- und Wohnangebote für ältere Menschen in Spandau. Die ARD-Fernsehlotterie „Ein Platz an der Sonne“ fördert das Seniorenzentrum mit 131.000 € für Mobiliar.

Weihnachtstradition:	Der	besondere	Weihnachtsmarkt	mit	viel	Atmosphäre	im		 Evangelischen	Johannesstift
November 2010

Am 1. Advent lud das Evangelische Johannesstift zu seinem traditionellen Weihnachtsmarkt ein. Der Weihnachtsmarkt hat viel von seiner ursprünglichen Atmosphäre bewahrt. Bläsergruppen und besinnliche Veranstaltungen stimmen die Besucher auf die Vorweihnachtszeit ein. Eine besondere Attraktion und ein Beitrag zur christlichen Weihnachtskultur war die Ausstellung von Weihnachtstraditionen auf dem Kirchenvorplatz.

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Ein	Jahr	LeNa	–	Ein	Jahr	Dienst	für	vereinsamte		 ältere	Menschen
Dezember 2010

LeNa (Lebendige Nachbarschaft) ist ein ehrenamtlicher Besuchsdienst der Altenhilfe des Evangelischen Johannesstifts für Berlin-Spandau. Ältere Menschen, die sich allein oder einsam fühlen, die sich Gleichgesinnte als Gesprächspartner wünschen oder denen ihr Kiez in den letzten Jahren fremd geworden ist, finden bei LeNa tatkräftige Unterstützung. LeNa wird von der Werner und Maren Otto Stiftung sowie von vielen Menschen aus dem Freundeskreis des Evangelischen Johannesstifts unterstützt.

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Evangelisches	Johannesstift	legt	Ergebnisse	der	Studie	zur	 Heimerziehung	zwischen	1945	und	1970	vor
Januar 2011

Das Evangelische Johannesstift in Berlin-Spandau legte die Ergebnisse der Studie „Heimerziehung in den Jahren 1945–1970 im Evangelischen Johannesstift“ vor. Die Studie beschreibt zum einen die Situation der Heime sowie die pädagogische Praxis im Untersuchungszeitraum. Insbesondere ging es um die Frage, in welcher Weise und in welchem Umfang „körperliche Züchtigung“ die Erziehung in den Heimen bestimmt hat. Weiter wurde danach gefragt, unter welchen Verhältnissen die Heimbewohner in Betrieben des Johannesstifts gearbeitet haben. „Mit großer Betroffenheit und aufrichtigem Bedauern stellen wir fest, dass auch in unseren Heimen in den 50er und 60er Jahren Unrecht geschehen ist“, erklärt Stiftsvorsteher Pfarrer Martin von Essen. „Schläge oder Ohrfeigen waren in den 50er und 60er Jahren Teil eines von Strafen und Gehorsam bestimmten Erziehungssystems, das auf Unterordnung und nicht hinterfragten Gehorsam zielte. Wir wissen heute, dass wir dem Anspruch unserer christlichen Verpflichtung und dem Wohle der uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen nicht bei jedem der Kinder und Jugendlichen gerecht geworden sind.“ Das Evangelische Johannesstift bittet die ehemaligen Heimkinder für erlittene und leidvolle Erfahrungen um Verzeihung.

Ein	ganzer	Tag	voller		 Gesundheit
Februar 2011

Am 17. Februar öffnete der Festsaal im Evangelischen Johannesstift seine Türen. Allerdings nicht wie gewohnt für Konferenzen oder Vorträge, sondern für den Gesundheitstag. Ein Tag voller Gesundheit für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Evangelischen Johannesstifts. Der Gesundheitstag ist ein Zeichen an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der verschiedenen Arbeitsbereiche, dass das Johannesstift als Arbeitgeber Verantwortung für seine Mitarbeitenden übernimmt.

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	„Drum	Attack“	hat	seine	dritte	CD	herausgebracht	
April 2011

Der Name der dritten CD von „Drum Attack“ ist Programm. Für die Jugendlichen, die in die Suchthilfeeinrichtung des Johannesstifts nach Zootzen kommen, ist es „Fünf vor 12“. Drogenmissbrauch, Schulverweigerung, massive psychische Probleme und vieles andere haben die 14- bis 18-Jährigen hinter sich und versuchen nun einen Neustart. Deshalb trägt das Projekt auch diesen Namen. Keiner der Jugendlichen, die bei „Drum Attack“ trommeln, hat vorher ein Instrument in der Hand gehabt. Für Maik Bzdziuch ist das kein Nachteil, denn „Rhythmus hat jeder Mensch“. Neben dem musikalischen Erlebnis geht es bei „Drum Attack“ um noch viel mehr: um das Entwickeln von Selbstwertgefühl, Konzentration, Motorik, Respekt und Geduld gegenüber den Mitspielern. Alles Eigenschaften, die bei Neuankömmlingen in der Jugendeinrichtung kaum vorhanden sind, die aber wichtig sind, wenn sie ihre Chance auf einen wirklichen Neustart nutzen wollen.

Perfekt	abgehoben	und	auf	den	Punkt	gelandet:	Am	20.	Mai	 2011	fand	die	Abschlussveranstaltung	der	KulturPiloten	statt.
Mai 2011

Die KulturPiloten, das sind 80 neugierige Kinder, die im Rahmen der Kampagne „Kinder beflügeln“ des Evangelischen Johannesstifts hautnah die Kulturlandschaft von Berlin erkunden. Am 20. Mai präsentierten die Kinder der diesjährigen KulturPiloten-Staffeln im Festsaal des Evangelischen Johannesstifts ihre Entdeckungen auf der großen Abschlussveranstaltung.

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Über	800	Menschen	rollten,	liefen,	walkten	beim	3.	Run	of	Spirit	am	Pfingsmontag	–		 Neuauflage	eines	Festes	der	Lebensfreude
Juni 2011

Zum dritten Mal war der Run of Spirit ein großes Familien- und Volksfest, unkonventioneller Beweis, dass Jung und Alt, Berlinerinnen und Berliner, in- und ausländische Gäste, an Körper und Geist mobile und weniger mobile Menschen einander harmonisch und mit Freude begegnen können. Nicht um Zeiten und Platzierungen ging es. Teilnahme und Freude waren entscheidend.

Wohnverbund	Annagarten	in	Oranienburg	feierte	85-jähriges	Bestehen
Juni 2011

Am 19. Juni feierte der Wohnverbund Annagarten sein 85-jähriges Bestehen. Der Wohnverbund Annagarten hat diverse Standorte in Oranienburg. 1993 wurde er vom Evangelischen Johannesstift übernommen. Viele Spenderinnen und Spender haben seitdem die gute Entwicklung und die Modernisierung des Annagartens ermöglicht.

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Das	Evangelische	Johannesstift	auf	der	Berliner	 Stiftungswoche	2011	 15.	bis	25.	Juni	2011
Juni 2011

Vom 15. bis 25. Juni präsentierten Stiftungen in Berlin mit zahlreichen Veranstaltungen die Vielseitigkeit ihrer Arbeit. Von Ausbildung bis Zivilgesellschaft, von Bürgerengagement bis Wissenschaft, von Kultur bis Umweltschutz – alle Themen, denen sich Stiftungen widmen, waren auch Themen für die Berliner Stiftungswoche. Das Evangelische Johannesstift war mit verschiedenen Veranstaltungen auf ihr vertreten und hat auf die Notwendigkeit von zivilgesellschaftlichem Engagement aufmerksam gemacht.

Planungen	für	die	erste	Bauphase	auf	dem	 Neubaugelände	des	Stiftsgeländes	abgeschlossen	
Juni 2011

Vor der Sommerpause konnte die Bauplanung für die erste Bauphase auf dem Neubaugelände abgeschlossen werden. Im Frühjahr ist auf dem Stiftsgelände Grundsteinlegung für weitere Angebote für ältere HAUS D Menschen und für VERWALTUNG Menschen mit Behin- WOHNEN derung. Die Angebo- NAVIS STUDENTENWOHNEN te sind integriert in HAUS C Wohnungen für MenALTENHILFE schen ohne Behinderung WOHNEN und Wohngemeinschaften für Studierende des WichernKollegs, die sich neben dem Studium dort in der Begleitung der Menschen mit Hilfebedarf engagieren.

HAUS E WOHNEN
HAUS B NEBO WOHNEN HAUS A WOHNEN NEBO BISTRO

46 |	Den	Nutzen	entfalten	...

Danke,	dass	Sie	uns	vertrauen.	 																																																	Danke,	dass	Sie	uns	begleiten.
Wir möchten uns an dieser Stelle im Namen der Kinder und Jugendlichen, der älteren Menschen, der Menschen mit Behinderung, der Schüler und Auszubildenden und aller, die durch Sie Unterstützung bekommen, herzlich bedanken. Durch Ihre Gebete, Ihr ehrenamtliches sowie Ihr finanzielles Engagement können wir Menschen begleiten, helfen und heilen. Wir sind sehr dankbar für die wachsende Gemeinschaft in unserer Stiftung mit all ihren Geschäftsbereichen und Gesellschaften. Wir danken allen haupt- wie ehrenamtlichen Mitarbeitenden für ihre hohe Einsatzbereitschaft, ihre Kreativität und ihr persönliches Engagement, ohne die unser Wirken im Evangelischen Johannesstift nicht möglich wäre. Wir danken den Spenderinnen und Spendern, den Stifterinnen und Stiftern sowie den Menschen, die uns zum Erben einsetzen.

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Wir danken den Ämtern und Partnern aus Wirtschaft, Kultur und Kirche für eine gute Verbundenheit. Wir danken dem Kuratorium, das unsere Arbeit und Entscheidungen begleitet sowie wichtige Anregungen gibt. All dies bildet eine unverzichtbare Basis für die neuen Herausforderungen, denen wir uns getrost mit Gottes Beistand und allen, die uns verbunden sind, stellen können. Wir danken für das Vertrauen, das dabei zum Ausdruck kommt. Dies ist uns eine große und ernste Verpflichtung für den Dienst für und mit Menschen. Wir danken Gott, dass er uns mit seinem Segen und seiner Liebe begleitet, ermutigt und stärkt. Ihr

Pfarrer Martin von Essen Stiftsvorsteher

wächst ein großer Baum.

Aus einem kleinen Samen
Volksmund

Impressum
Herausgegeben vom Vorstand des Evangelischen Johannesstifts, im Juli 2011 Fotos: Diana Richter, Tobias Kley, Raimund Müller, Karin Baumann, Wolfgang Kern, Andreas Krause, Werner Krüper, Thomas Sommerfeld, Andrea Göpfert, fotolia.de Texte: Marco Dames (Seite 10), Andrea von Fournier (Seite 16, 20, 24), Tobias Kirchhof (Seite 28), Ingo Moy (Seite 32) Redaktion: Wolfgang Kern Layout und Satz: verbum GmbH Druck: Eppler und Buntdruck Stand der Information: Juli 2011 Evangelisches Johannesstift SbR Schönwalder Allee 26 13587 Berlin Tel. 030 · 336 09 - 0 info@evangelisches-johannesstift.de www.evangelisches-johannesstift.de
        
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