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Full text: Bekämpfung von häuslicher Gewalt in Berlin Issue 2015

Bekämpfung von
häuslicher Gewalt in
Berlin

Fortschreibung
Datenerhebung und Statistik zu
häuslicher Gewalt in Berlin
2015

Datenerhebung und Statistik zu häuslicher Gewalt in Berlin 2015

Inhalt
1. Polizei ........................................................................................................................................................... 3
2. Amts- und Staatsanwaltschaft Berlin ...................................................................................................... 6
2.1 Staatsanwaltschaft Berlin ................................................................................................................... 6
2.2 Amtsanwaltschaft Berlin ..................................................................................................................... 7
3. Anti-Gewaltprojekte ................................................................................................................................. 10
3.1 Frauenhäuser ...................................................................................................................................... 10
3.2 Zufluchtswohnungen ......................................................................................................................... 11
3.3 Inanspruchnahme der Frauenberatungsstellen ............................................................................. 11
3.4 Anrufe bei der BIG Hotline ................................................................................................................. 12
3.5 Inanspruchnahme Proaktiv ............................................................................................................... 13
4. Berliner Notdienst Kinderschutz ............................................................................................................. 14
4.1 Jugendnotdienst (JND) und Mädchennotdienst (MND) .................................................................. 14
4.2 Kindernotdienst und Hotline-Kinderschutz ..................................................................................... 15
5. Täterorientierte Intervention .................................................................................................................. 16
5.1 Volkssolidarität Landesverband Berlin e.V. ..................................................................................... 16
5.2 Berliner Zentrum für Gewaltprävention (BZfG) .............................................................................. 20
6. Stop-Stalking – Beratung für Stalking-Betroffene ................................................................................ 22

2

Datenerhebung und Statistik zu häuslicher Gewalt in Berlin 2015

1. Polizei
Die Gewinnung detaillierter Erkenntnisse über das Ausmaß häuslicher Gewalt, soweit es zu
polizeilichen Einsätzen in Berlin kommt, erfolgt weiterhin durch die jährliche Auswertung der
polizeilichen Kriminalstatistik. Seit der Einführung des Polizeilichen Landessystems zur Information,
Kommunikation und Sachbearbeitung (POLIKS) am 1.1.2004 werden differenzierte Daten u.a. zu
Opfern und Tätern häuslicher Gewalt ermittelt.
Im Jahr 2015 wurden insgesamt 14.490 Fälle häuslicher Gewalt registriert (Vorjahr 15.254 Fälle,
Rückgang um 764 Fälle oder -5,0%). Trotz des erneuten Fallzahlenrückgangs, bewegen sich die
Zahlen weiterhin auf einem hohen Niveau. Unter den registrierten Delikten wurden zwei vollendete
und zwei versuchte Mordtaten sowie sechs vollendete und sieben versuchte Totschlagtaten erfasst
(im Vorjahr eine vollendete Mordtat sowie eine vollendete und zwei versuchte Totschlagtaten). In
128 Fällen handelte es sich um Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung und damit um 0,9%
der Fälle häuslicher Gewalt (14 Fälle weniger als im Vorjahr). 11.363 Rohheitsdelikte (544 Fälle
weniger als im Vorjahr) wurden aktenkundig. Dies bedeutet einen Anteil von 78,4% aller Taten zu
häuslicher Gewalt. Bei den 8.763 registrierten Fällen von Körperverletzungsdelikten (Abnahme von
261 Fällen oder -2,9%) handelte es sich mehrheitlich um vorsätzliche leichte Körperverletzung
(7.282 Fälle). Der Anteil an Fällen von häuslicher Gewalt in diesem Deliktsbereich lag damit bei
50,3% (Vorjahr 59,2%).
Der überwiegende Teil aller Tatverdächtigen (10.208) war männlich (7.727 oder 75,7%), 2.481
waren weiblich (Vorjahr: 10.612 TV, davon 7.979 männlich und 2.633 weiblich). 3.547
Tatverdächtige bzw. 34,7 % hatten eine nichtdeutsche Staatsangehörigkeit. Davon waren wiederum
79,1% (Vorjahr: 78,5%) männlich. Bei den nichtdeutschen Staatsangehörigkeiten am stärksten
vertreten war die Türkei mit 24,7% an allen nichtdeutschen Tatverdächtigen, gefolgt von Polen mit
9,6% und Serbien mit 6,3%.
Zu den 14.490 Fällen der in der PKS erfassten Opferdelikte bei häuslicher Gewalt wurden insgesamt
12.143 Personen erfasst; 9.067 (74,7%) weibliche und 3.076 (25,3%) männliche Personen wurden
Opfer dieser Straftaten. Die Opferangaben der PKS beziehen sich nach bundeseinheitlicher
Definition auf sogenannte „Opferdelikte“, d.h. auf Straftaten, die sich unmittelbar gegen die Freiheit
und körperliche Unversehrtheit einer Person richten. Betroffene von nicht unmittelbar gegen die
Person gerichteten Straftaten, wie z. B. Sachbeschädigungen oder Eigentumsdelikten, werden in der
PKS nicht abgebildet. Da sowohl „Opferdelikte“ als auch nicht unmittelbar gegen die Person
gerichtete Delikte als Straftaten der häuslichen Gewalt bewertet und erfasst werden können,
kommt es zu Abweichungen zwischen der Gesamtzahl der Opfer und der Gesamtzahl der Fälle von
häuslicher Gewalt.
Im Jahr 2015 wurden stadtweit 1.372 Wegweisungen (Vorjahr 1.346), 370 Betretungsverbote
(Vorjahr 301) und 339 Kontaktverbote (Vorjahr 390) (mehrere Maßnahmen pro Einsatz möglich)
gemäß § 29 a ASOG nach Einsätzen im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt erfasst.
Der Anteil an leichten Körperverletzungsdelikten bei häuslicher Gewalt im Verhältnis zur Gesamtzahl der (leichten) Körperverletzungsdelikte bleibt mit 25,7% (26,5% im Vorjahr) relativ hoch. Es
handelt sich hier um gut ein Viertel der insgesamt 28.321 bekannt gewordenen Fälle leichter
Körperverletzung in Berlin insgesamt. Der Anteil von gefährlicher und schwerer Körperverletzung
lag bei 13,7% von insgesamt 10.029 Fällen (Vorjahr: 14,0% von 9.946 Fällen).

3

Datenerhebung und Statistik zu häuslicher Gewalt in Berlin 2015

Die Verstöße gegen das Gewaltschutzgesetz sind gesunken (504 Fälle, -22 Fälle, -4,2%). Für das Jahr
2015 wurden 391 Fälle von Stalking dem Bereich der häuslichen Gewalt (Vorjahr: 561 Fälle)
zugeordnet.
Tabelle 1 - PKS häusliche Gewalt
2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

12.522

13.222

16.382

16.285

15.972

16.108

15.797

15.971

15.254

14.490

Veränderungen
in %

7,4

5,6

23,9

-0,6

-1,9

0,9

-1,9

1,1

-4,5

-5,0

Verstöße gegen
GewSchG

874

939

622

584

685

739

645

714

526

504

Veränderungen
in %

3,6

7,4

-28,8

-33,2

-21,6

-15,4

-26,2

-18,3

-39,8

-42,3

Polizeiliche
Wegweisungen

1.369

1.469

1.709

1.641

1.321

1.336

1.312

1.469

1.346

1.372

Fälle von
hG/Anzeigen

4

Datenerhebung und Statistik zu häuslicher Gewalt in Berlin 2015

Tabelle 2 – PKS Tatverdächtige
2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

insgesamt

8.202

8.475

10.077

10.502

10.381

10.532

10.644

10.855

10.612

10.208

davon männlich

6.433

6.591

7.788

8.049

7.910

7.931

8.097

8.271

7.979

7.727

davon weiblich

1.769

1.884

2.289

2.453

2.471

2.601

2.547

2.584

2.633

2.481

Tabelle 3 - PKS Opfer häuslicher Gewalt
2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

insgesamt

7.837

8.075

9.696

13.343

10.381

12.957

12.947

13.166

12.790

12.143

davon männlich

2.052

2.040

2.333

3.092

2.471

3.053

3.143

3.196

3.197

3.076

davon weiblich

5.785

6.035

7.086

10.251

7.910

9.904

9.804

9.970

9.593

9.067

5

Datenerhebung und Statistik zu häuslicher Gewalt in Berlin 2015

2. Amts- und Staatsanwaltschaft Berlin
Für das Jahr 2015 ergibt sich folgendes Zahlenbild:

2.1 Staatsanwaltschaft Berlin
•

Es wurden 752 Ermittlungsverfahren eingeleitet.

•

756 Verfahren (davon 22 wegen Verstoßes gegen §4 GewSchG) wurden abgeschlossen.

•

In 155 Verfahren wurde Anklage erhoben bzw. der Erlass eines Strafbefehls beantragt.
Davon wurde in einem Fall ein Antrag auf Durchführung eines Sicherungsverfahrens
gestellt.

•

491 Ermittlungsverfahren wurden eingestellt, davon 378 gemäß § 170 Abs. 2 StPO.

•

In 27 Fällen wurde das Verfahren gemäß §§ 153, 153a StPO eingestellt.

•

Es wurden drei Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt eingeleitet.

Tabelle 4 - Staatsanwaltschaft Berlin
Staatsanwaltschaft

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

Eingeleitete
Ermittlungsverfahren

578

612

871

943

835

1.023

711

808

852

752

Veränderung in %

21,2

5,9

42,3

8,3

-11,5

22,5

-30,5

13,6

5,4

-11,7

Abgeschlossene
Ermittlungsverfahren

573

616

870

957

861

1.041

756

839

821

756

Veränderung in %

16,5

7,5

41,2

10,0

-10,0

20,9

-27,4

11,0

-2,1

-7,9

Eingestellte Verfahren
insgesamt

247

274

435

496

439

581

495

548

539

491

davon wg. § 170 Abs. 2
StPO eingestellt

162

191

315

377

314

451

387

448

422

378

hierauf entfallen wg.
Privatklageweg

5

11

16

24

21

18

28

29

23

16

hierauf entfallen wg.
Verfahrenshindernisses

1

50

81

96

94

143

138

186

158

140

davon wg. §§ 153, 153a
StPO eingestellt

23

25

34

43

42

39

32

31

35

27

Anklageerhebung zum
Amtsgericht

100

106

116

142

108

111

93

85

98

101

Anklageerhebung beim
Landgericht

10

6

9

1

3

4

2

0

4

2

Antrag auf Durchführung
des Sicherungsverfahrens

1

2

1

3

1

2

3

0

0

1

Beantragte Strafbefehle

39

4

43

51

41

51

34

27

35

38

1

1

2

6

5

7

5

3

3

Antrag nach § 76 JGG –
vereinfachtes
Jugendverfahren
Offene Verfahren

160

180

213

237

213

229

103

89

81

113

Veränderung in %

42,9

12,5

18,3

11,3

-10,1

7,5

-55,0

-13,6

-9,0

39,5

Verfahren wegen
Verstoßes gegen
GewSchG

0

2

3

5

4

2

23

29

39

10

6

Datenerhebung und Statistik zu häuslicher Gewalt in Berlin 2015

2.2 Amtsanwaltschaft Berlin
•

Es sind 11.629 Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. 12.196 Verfahren (auch Eingänge
aus dem Vorjahr) wurden abgeschlossen, davon 531 Verfahren wegen Vergehen nach dem
Gewaltschutzgesetz.

•

10.053 Verfahren (davon 308 wegen Verstoßes gegen § 4 GewSchG) wurden eingestellt,
davon 9.111 Verfahren gem. § 170 Abs. 2 StPO, davon wiederum 121 Verfahren gegen
unbekannte Täter, 1.71O Verfahren wegen Verfahrenshindernisses und 396 Verfahren
unter Verweisung auf den Privatklageweg. In 255 Fällen wurde das Verfahren nach §§ 153,
153a StPO eingestellt. 687 Verfahren wurden nach anderen Vorschriften eingestellt.

•

Anklageerhebung

bei dem Amtsgericht Tiergarten erfolgte in 369 Fällen (davon 35

Verfahren gem. § 4 GewSchG). In 861 Fällen (davon 60 Fälle gem. § 4 GewSchG) wurde ein
Strafbefehl beantragt. In 6 Fällen wurde ein beschleunigtes Verfahren nach § 417 StPO
durchgeführt (davon in keinem Fall wegen eines Vergehens nach § 4 GewSchG}.
•

Offene Verfahren (Stand 2. Januar 2016): 701, davon 63 Verfahren wegen Vergehen nach
dem GewSchG.

Im Jahr 2015 hat die Amtsanwaltschaft Berlin drei Verfahren der häuslichen Gewalt zum
Gegenstand eines Täter-Opfer-Ausgleichs gemacht; zwei TOA-Ausgleichsmaßnahmen wurden
erledigt.

7

Datenerhebung und Statistik zu häuslicher Gewalt in Berlin 2015

Tabelle 5 - Amtsanwaltschaft Berlin
Amtsanwaltschaft

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

Eingeleitete
Ermittlungsverfahren

15.199

13.715

14.529

13.958

13.553

12.650

10.572

13.432

13.841

11.629

18,0

-9,8

5,9

-3,9

-2,9

-6,7

-16,4

27,1

3,0

-16,0

15.344

13.644

14.987

13.963

13.378

12.826

10.358

13.702

14.758

12.196

Veränderung in %

15,9

-11,1

9,8

-6,8

-4,2

-4,1

-19,2

32,3

7,7

-17,4

Eingestellte
Verfahren
insgesamt

8.388

9.391

10.164

9.927

10.295

9.827

8.432

11.064

12.159

10.053

183

250

248

250

267

277

194

300

350

308

7.692

8.425

9.286

8.809

9.366

8.905

7.832

10.259

11.151

9.111

316

401

297

301

388

351

272

434

451

396

1.639

2.019

1.701

1.588

1.792

1.612

1.353

2.104

2.181

1.710

241

270

262

333

271

203

169

190

285

255

756

801

778

738

587

532

340

320

434

369

86

75

94

75

53

58

28

28

52

35

1.188

1.113

1.210

1.312

1.099

1.201

734

944

1.082

861

davon wg. § 4
GewSchG

61

72

70

71

80

83

52

55

83

60

Beschleunigte
Verfahren nach §
417 StPO

53

62

36

52

30

17

7

9

7

6

Offene Verfahren

2.069

2.409

2.324

2.558

2.903

2.963

1.978

1.848

1.076

701

Veränderung in %

7,1

16,4

-3,5

10,1

13,5

2,1

-33,2

-6,6

-41,8

-34,9

Veränderung in %
Abgeschlossene
Ermittlungsverfahren

davon wg. § 4
GewSchG eingestellt
davon wg. § 170
Abs. 2 StPO
eingestellt
hierauf entfallen
wg. Privatklageweg
hierauf entfallen
wg. Verfahrenshindernisses
davon wg. §§ 153,
153a StPO
eingestellt
Anklageerhebung
davon wg. § 4
GewSchG
Beantragte
Strafbefehle

8

Datenerhebung und Statistik zu häuslicher Gewalt in Berlin 2015

•

Insgesamt gingen im Berichtszeitraum 12.381 Verfahren ein, davon 552 Verfahren wegen
Vergehen nach dem Gewaltschutzgesetz.

•

12.257 Verfahren sind gegen bekannte Beschuldigte geführt worden und 124 Verfahren
gegen unbekannte Täter.

•

Die Eingangszahlen sowohl in Bekannt-Sachen (Js) als auch in Unbekannt-Sachen (UJs)
sind im Jahr 2015 im Vergleich mit dem Vorjahr leicht zurückgegangen.

•

Insgesamt wurden im Berichtszeitraum 10.809 Verfahren abgeschlossen, davon 330 wegen
Straftaten nach dem GewSchG.

•

Per 02.01.2016 waren insgesamt noch 813 Js-Verfahren offen, davon 73 Verfahren das
GewSchG betreffend.

Sowohl bei der Staatsanwaltschaft als auch bei der Amtsanwaltschaft ist nach den erheblichen
Zuwächsen in den beiden Vorjahren nunmehr eine spürbare Abnahme der Ermittlungsverfahren zu
verzeichnen. Bei beiden Behörden haben daher sowohl die Zahl der Verfahrenseinstellungen als
auch die der Anklageerhebungen abgenommen.

9

Datenerhebung und Statistik zu häuslicher Gewalt in Berlin 2015

3. Anti-Gewaltprojekte
Zur Wirksamkeit und Zielerreichung der verschiedenen Hilfeangebote werden in den Projekten
weiterhin regelmäßig Daten zur Anzahl hilfesuchender Frauen erhoben. Aufgrund der steigenden
Auslastung der Frauenhäuser wurde die Anzahl der Frauenhausplätze bis 2015 um 9 Plätze auf 326
Plätze erhöht. Die Frauenhausplätze sowie die Plätze für Frauen in den 41 Zufluchtswohnungen
(117 Plätzen) werden nach wie vor in hohem Maße in Anspruch genommen.

3.1 Frauenhäuser
Die in den Vorjahren rückläufigen Belegungszahlen in den Frauenhäusern sind im Jahr 2015
erstmalig wieder angestiegen. Im Jahr 2015 haben insgesamt 923 Frauen und 919 Kinder in den
Berliner Frauenhäusern gewohnt. Das sind 14 Frauen und 47 Kinder mehr als im Jahr zuvor.
Gleichzeitig ist die hohe Auslastung geringfügig gesunken, was vor dem Hintergrund der Erhöhung
der Platzkapazität zu sehen ist. Angestrebt ist eine Aufenthaltsdauer in den Frauenhäusern von bis
zu drei Monaten. Allerdings ist der Anteil der Frauen, die deutlich länger als drei Monate im
Frauenhaus verblieben, seit 2010 gestiegen. Dies ist u.a. der schwierigen Lage auf dem Berliner
Wohnungsmarkt sowie den zunehmenden Multiproblemlagen der Zielgruppe geschuldet.
Tabelle 6 - Belegungszahlen Berliner Frauenhäuser
Belegungszahlen

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

Frauen

1.329

1.420

1.429

1.397

1.287

1.202

1.033

970

909

923

Kinder

1.314

1.379

1.406

1.409

1.222

1.161

975

953

872

919

Gesamt

2.643

2.799

2.835

2.806

2.509

2.363

2.008

1.923

1.781

1.842

Auslastung in %

92,97

88,64

88,57

86,21

87,33

88,49

92,16

91,3

91,75

89,02

10

Datenerhebung und Statistik zu häuslicher Gewalt in Berlin 2015

3.2 Zufluchtswohnungen
Im Jahr 2015 haben 253 Frauen mit 197 Kindern, insgesamt 450 Personen, die Zufluchtswohnungen
in Anspruch genommen. Gegenüber dem Vorjahr ist die Inanspruchnahme erneut gesunken.
Tabelle 7 - Belegungszahlen Berliner Zufluchtswohnungen
Belegungszahlen

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

Frauen

309

301

294

305

301

309

292

283

287

253

Kinder

325

296

292

284

263

252

212

225

209

197

Gesamt

634

597

586

589

564

561

504

508

496

450

3.3 Inanspruchnahme der Frauenberatungsstellen
Die fünf Berliner Frauenberatungsstellen bilden einen zentralen Bestandteil in der Angebotsstruktur
der Antigewaltarbeit. Das Beratungsangebot umfasst die telefonische und insbesondere persönliche
Beratung von Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind sowie die Beratung von
Unterstützerinnen und Unterstützern. Alle Beratungsstellen arbeiten in enger Vernetzung mit der
BIG-Hotline und sind an der Umsetzung der Hotlinebereitschaft einschließlich der proaktiven
Beratung beteiligt. 2015 ist ein leichter Anstieg der Beratungszahlen zu verzeichnen. Im Jahr 2015
haben 2.977 Frauen und 367 Unterstützerinnen und Unterstützer eine Vor-Ort Beratung in
Anspruch genommen.

11

Datenerhebung und Statistik zu häuslicher Gewalt in Berlin 2015

Tabelle 8 - Frauenberatungsstellen
Vor-Ort Beratungen

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

Frauen

4.303

3.732

3.938

3.776

3.193

2.794

2.977

282

569

451

295

442

356

367

Unterstützer/innen

3.4 Anrufe bei der BIG Hotline
Die Inanspruchnahme der telefonischen Beratung bei der BIG-Hotline ist im Jahr 2015 erneut leicht
angestiegen und hat mit 9.611 Anrufen den höchsten Stand seit Bestehen erreicht. Die Anzahl der
täglichen Anrufe lag bei durchschnittlich 26 Anrufen.
Tabelle 9 - BIG-Hotline

Anzahl der
Anrufe
Veränderungen
in %

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

7.348

7.244

7.543

6.574

7.043

7613

8.270

9.217

9.434

9.611

-

-1,4

4,1

-12,8

7,1

8,1

8,6

11,5

2,4

1,9

12

Datenerhebung und Statistik zu häuslicher Gewalt in Berlin 2015

3.5 Inanspruchnahme Proaktiv
Die Anzahl der Meldungen durch die Polizei ist seit 2011 rückläufig (-19% gegenüber 2014).
Tabelle 10 - Inanspruchnahme Proaktiv

Faxe von der
Polizei
Veränderungen
in %

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

545

616

681

711

623

702

579

491

452

366

-

13,0

10,6

4,4

-12,4

12,7

-17,5

-15,2

-7,9

-19,0

13

Datenerhebung und Statistik zu häuslicher Gewalt in Berlin 2015

4. Berliner Notdienst Kinderschutz
Der Berliner Notdienst Kinderschutz (BNK) erfasst systematisch Fälle von häuslicher Gewalt. Hierbei
wird das direkte oder indirekte Miterleben häuslicher Gewalt erfasst sowie Beratungsanfragen bzw.
Vorfälle häuslicher Gewalt als Grund zur Inobhutnahme. Der Berliner Notdienst Kinderschutz
kooperiert mit BIG e.V. und verschiedenen Unterstützungsprojekten für betroffene Frauen und
arbeitet mit Projekten für Gewalt ausübende Partner bzw. Partnerinnen zusammen.
Im Kinder- und Jugendnotdienst wurden 2015 insgesamt 7.170 Krisenberatungen durchgeführt.
3.000 Kinder und Jugendliche wurden gemäß § 42 SGB VIII in Obhut genommen, davon 713 Kinder
(0 bis 13 Jahre) und 2.287 Jugendliche (14 bis 18 Jahre).
Tabelle 11 - Krisenberatungen BNK
2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

Krisenberatungen insgesamt

6.418

6.793

6.405

7.069

7.077

7.476

7.170

Inobhutnahmen insgesamt

2.735

2.598

2.360

2.546

2.399

2.464

3.000

davon Kinder 0 – 13 Jahre

841

898

664

757

708

733

713

1.894

1.700

1.696

1.789

1.691

1.731

2.287

davon Jugendliche 14 – 18 Jahre

4.1 Jugendnotdienst (JND) und Mädchennotdienst (MND)
Von insgesamt 2.956 Interventionsfällen (einschl. telefonischer Beratung 4.430) wurde 2015 bei 122
Jugendlichen häusliche Gewalt als ein Thema für die Intervention benannt. 49 Jungen und Mädchen
wurden aus diesem Grund in Obhut genommen. Hierzu zählen sowohl gewalttätige
Auseinandersetzung zwischen den Eltern/Stiefeltern als auch die eigenen Partnerkonflikte mit
gewalttätigen Auseinandersetzungen.
Tabelle 12 - Interventionen JND und MND
2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

2.272

2.374

2.621

2.584

2.429

2.481

2.577

2.352

2.574

2.956

Intervention aufgrund
häuslicher Gewalt/von
hG betroffen

57

23

93

92

143

163

168

117

125

122

Anteil in %

2,5

1

3,5

3,6

5,9

6,6

6,5

5

4,9

4,1

Interventionsfälle
insgesamt

14

Datenerhebung und Statistik zu häuslicher Gewalt in Berlin 2015

4.2 Kindernotdienst und Hotline-Kinderschutz
Im Kindernotdienst wurde 2015 in insgesamt 322 Fällen aufgrund von häuslicher Gewalt
interveniert. 38 Kinder von insgesamt 713 Kindern (das entspricht einem Anteil von 5,3%) wurden
nach häuslicher Gewalt vom Kindernotdienst in Obhut genommen. Bei der "Hotline-Kinderschutz"
sind von insgesamt 2.216 Beratungsanrufen 122 Anrufe eingegangen, bei denen häusliche Gewalt
Anlass oder Beratungsthema des Anrufes waren. Dies entspricht einem Anteil von 5,5 %.
Tabelle 13 - Kindernotdienst und Hotline Kinderschutz
2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

HG-Fälle insgesamt

146

139

216

162

246

223

227

255

259

322

Aufnahme von
Kindern nach hG

71

71

48

38

41

40

39

40

36

38

Beratung eines von
Gewalt betroffenen
Elternteils

53

65

152

56

50

60

69

95

132

162

-

-

38

61

89

83

119

120

91

122

Hotline

15

Datenerhebung und Statistik zu häuslicher Gewalt in Berlin 2015

5. Täterorientierte Intervention
5.1 Volkssolidarität Landesverband Berlin e.V.
Seit 1999 führt die Berliner Volkssolidarität mit dem Projekt „Beratung für Männer – gegen Gewalt“
Soziale Trainingskurse und Anti-Gewalt-Beratungen für Täter, die in ihrer Partnerschaft Gewalt
ausüben oder ausgeübt haben, durch. Die Arbeit umfasst (probatorische) Beratungen und Kurse für
Täter, Kontakte zu deren (ehemaligen) Partnerinnen sowie eine kontinuierliche Kooperation mit
Stellen, die Auflagen bzw. Weisungen beschließen bzw. im Bereich häuslicher Gewalt tätig sind.
Die Beratung für Männer – gegen Gewalt führt ein enges Fallmanagement mit der Fachberatungsund Interventionsstelle für Frauen in häuslichen Gewaltsituationen „Frauentreffpunkt“ durch. Die
Aufnahme der Probanden in das Täterprogramm wird in einem gemeinsamen Prozedere
durchgeführt, u.a. mittels einer Gefährlichkeitseinschätzung mit Hilfe von standardisierten
Fragebögen. Auf der Grundlage des novellierten Standards der Bundesarbeitsgemeinschaft
Täterarbeit Häusliche Gewalt e.V. werden seit 2015 gemeinsame Gespräche des Täterprogramms
und der Frauenunterstützung mit der von Gewalt betroffenen Frau durchgeführt. Die Kontakte zur
Frauenberaterin wurden intensiviert, um von deren Seite ein kontinuierliches Feedback über die
Veränderungen des Verhaltens des gewalttätigen Mannes und damit ein besseres Controlling der
Täterarbeit zu erhalten.
Im Jahr 2015 suchten insgesamt 155 Männer im Alter zwischen 18 und 61 Jahren die
Beratungsstelle persönlich auf. Direkten persönlichen Kontakt gab es mit 19 (ehemaligen)
Partnerinnen, deren Partner sich um einen Platz in einem Kurs bewarben bzw. sich bereits in
Beratungen oder einem Kurs befanden. Zwei Soziale Trainingskurse für häusliche Gewalttäter pro
Woche

wurden

Clearinggespräche,

parallel

durchgeführt.

psychologische

Tests

Zwischen
sowie

Erstgespräch
Kontakte

mit

und

Kursbeginn

weisenden

finden

Institutionen,

Kooperationspartnern, Frauenunterstützungseinrichtungen und/oder (ehemaligen) Partnerinnen
statt. Die Teilnahme an mindestens drei Clearinggesprächen ist Voraussetzung für die Aufnahme in
einen Kurs. „Motivational Training“ fördert eine tragfähige Veränderungsbereitschaft und erhöht
die Wirksamkeit der Arbeit mit gewiesenen Klienten. Für Klienten, die aus beruflichen Gründen nicht
kontinuierlich die Kurstermine wahrnehmen können, unzureichende Deutschkenntnisse aufweisen
oder für die Einzelberatungen indiziert sind, führt die Beratungsstelle in Absprache mit den
weisenden Institutionen ersatzweise eine vereinbarte Anzahl von Einzelberatungen (ggf. in Englisch,
Russisch oder Litauisch) durch, die sich an den Inhalten des Curriculums orientieren. Bei zahlreichen
Männern, die in die Beratung kamen, war eine Weitervermittlung in andere Einrichtungen indiziert,
z.B.

bei

Persönlichkeitsstörungen

oder

Suchterkrankungen,

die

in

der

medizinischen

Regelversorgung behandelt werden müssen. Nach Abschluss des Kurses bietet die Beratungsstelle
Nachsorgegespräche an.
Die Sozialen Trainingskurse umfassen jeweils 25 Sitzungen à 2 Zeitstunden. Insgesamt nahmen im
Berichtszeitraum 41 Männer an den Kursen teil.
100 der insgesamt 155 männlichen Klienten (65%) standen in einer Erziehungsverantwortung zu
Kindern. Empfehlungen

bzw. Auflagen

von

Jugendämtern

sind

häufig

Grundlage

der

Kontaktaufnahme von Klienten. Auch bei Auflagen bzw. Weisungen von Seiten justizieller Stellen
bestanden Kooperationskontakte zu Jugendämtern. Auf Grund der großen Relevanz der
Auswirkungen von häuslicher Gewalt auf Kinder arbeitet die Beratung für Männer – gegen Gewalt
von Beginn an mit dem von der Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz seit Januar
2015 geförderten Projekt „Kind im Blick“ und schloss eine Kooperationsvereinbarung ab. Mit diesem

16

Datenerhebung und Statistik zu häuslicher Gewalt in Berlin 2015

neuen Projekt, das den Opferschutz für Kinder bei häuslicher Gewalt fokussiert, wurde der Bereich
des Kinderschutzes qualitativ ausgebaut und die Kooperation mit Familiengerichten und
Jugendämtern verstärkt.
Von den insgesamt 155 männlichen Klienten besaßen 44 (28%) eine nichtdeutsche
Staatsangehörigkeit. Hierbei darf nicht übersehen werden, dass Klienten zwar häufig einen
deutschen Pass besaßen, jedoch migrationsrelevante und interkulturelle Themen auch bei ihnen auf
Grund ihres Migrationshintergrunds bzw.

ihrer (Ex-)Partnerin behandelt wurden. 10 Klienten

sprachen unzureichend Deutsch, sodass Beratungen in Englisch bzw. Russisch geführt werden
mussten.
Die

Beratungsstelle

engagiert

sich

hinsichtlich

der

Umsetzung

des

Standards

der

Bundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit Häusliche Gewalt e.V. sowie der Guidelines des European
Network for the Work with Perpetrators of Domestic Violence. Der gestiegene Qualitätsstandard
sowohl im Bereich der direkten Arbeit mit den Klienten als auch hinsichtlich der Kooperation nahm
mehr Ressourcen in Anspruch. Trotzdem behandelte die Beratungsstelle eine gestiegene Anzahl
(155, Vorjahr: 141) männlicher Klienten in Beratungen und Kursen. Die Gründe lagen in dem
zusätzlichen

Beratungsangebot

in

Russisch,

dem

engen

Fallmanagement

mit

dem

„Frauentreffpunkt“, der inhaltlichen und organisatorischen Verknüpfung mit dem neuen Projekt
„Kind im Blick“ und einer verstärkten Öffentlichkeitsarbeit. Die vorliegende Datenerfassung
beschreibt die direkte persönliche Arbeit mit den männlichen Klienten. Sie berücksichtigt nicht die
aufwendigen Kontakte zu Interessenten und Kooperationspartnern sowie die persönliche Beratung
von 19 gewaltbetroffenen Frauen.

17

Datenerhebung und Statistik zu häuslicher Gewalt in Berlin 2015

Teilnehmer in sozialen Trainingskursen (Täterprogramm gegen häusliche Gewalt) bei der
Volkssolidarität:
Tabelle 14 - Täterprogramm Volkssolidarität
Zugang über

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

Auflagen und Weisungen im Rahmen eines
Strafverfahrens insgesamt, davon

26

33

34

30

17

24

23

22

Auflage gem. § 153 a Abs. 1 StPO (Amts-/
Staatsanwaltschaft

5

11

9

4

6

14

12

7

Auflage gem. § 153a Abs. 2 StPO (AG
Tiergarten)

4

2

4

5

1

3

2

6

Verwarnung mit Strafvorbehalt (§ 59a
StGB)

-

-

-

-

-

-

-

-

Verhängung einer Bewährungsstrafe (§
56c StGB)

4

14

15

9

7

5

5

5

Gewaltschutzgesetz

2

-

-

-

-

-

-

-

Jugendgerichtshilfe und Bewährungshilfe
für Jugendliche und Heranwachsende

5

4

4

6

3

2

2

3

Soziale Dienste der Justiz

6

2

2

6

-

-

2

1

Justizvollzugsanstalten

5

4

3

4

1

1

3

-

Selbstmelder

3

4

2

2

8

11

6

5

Andere Maßnahmen insgesamt, davon

12

15

12

16

6

20

15

14

Familiengerichte bei
Kindeswohlgefährdung

3

5

5

8

2

2

6

9

Gesundheits- und Sozialbereich

2

2

-

1

-

1

-

-

Jugendämter und Einrichtungen des
Kinderschutzes

4

6

3

5

3

16

9

5

Polizei

3

1

4

2

1

1

-

-

Täter-Opfer-Ausgleich

-

1

-

-

-

-

-

-

Keine Angabe

-

-

-

-

-

-

-

-

Teilnahme am Infoabend gesamt

-

-

-

-

-

-

-

-

Nationalität deutsch

-

-

-

-

-

-

-

-

Nationalität andere, davon

-

-

-

-

-

-

-

-

wegen häuslicher Gewalt

-

-

-

-

-

-

-

-

wegen häuslicher Gewalt &
Körperverletzung

-

-

-

-

-

-

-

-

wegen Körperverletzung

-

-

-

-

-

-

-

-

Keine Angaben

-

-

-

-

-

-

-

-

Teilnahme am Täterprogramm gesamt

46

56

51

52

32

56

47

41

Nationalität deutsch

28

37

33

kA

25

kA

27

25

Nationalität andere

18

19

18

kA

7

kA

20

16

Teilnahme am Täterprogramm
abgebrochen bzw. ausgeschlossen

7

6

2

kA

6

17

5

3

18

Datenerhebung und Statistik zu häuslicher Gewalt in Berlin 2015

Klienten nur in Clearinggesprächen und Einzelberatungen gegen häusliche Gewalt bei der
Volkssolidarität:
Tabelle 15 – Clearinggespräche und Einzelberatungen Volkssolidarität
Zugang über
Auflagen und Weisungen im Rahmen
eines Strafverfahrens insgesamt, davon

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

2

16

28

26

15

15

4

14

3

5

1

8

5

2

1

Auflage gem. § 153 a Abs. 1 StPO (Amts/ Staatsanwaltschaft
Auflage gemäß § 153a Abs. 2 StPO (AG
Tiergarten)

-

1

5

4

-

-

-

2

Verwarnung mit Strafvorbehalt (§ 59a
StGB)

-

-

-

-

-

-

-

-

Verhängung einer Bewährungsstrafe (§
56c StGB)

-

6

13

8

1

4

-

5

Gewaltschutzgesetz

-

-

-

-

-

-

-

-

Jugendgerichtshilfe und
Bewährungshilfe für Jugendliche und
Heranwachsende

-

1

3

6

1

1

1

2

Soziale Dienste der Justiz

2

5

2

7

5

5

1

4

Justizvollzugsanstalten

5

3

2

4

1

6

2

-

Selbstmelder

13

7

16

22

41

30

32

48

Andere Maßnahmen insgesamt, davon

53

49

81

66

55

51

56

52

-

5

12

10

10

11

6

3

Gesundheits- und Sozialbereich

15

6

17

6

4

8

12

9

Jugendämter und Einrichtungen des
Kinderschutzes

11

21

29

25

28

25

25

28

Polizei

24

16

22

25

13

7

12

12

Täter-Opfer-Ausgleich

3

1

1

-

-

-

1

-

Keine Angabe

-

-

-

-

-

-

-

-

Teilnahme am Täterprogramm gesamt

73

75

127

118

112

102

94

114

Nationalität deutsch

kA

48

79

kA

72

66

61

86

Nationalität andere

kA

27

48

kA

40

36

33

28

Teilnahme am Täterprogramm
abgebrochen

kA

6

2

-

6

kA

kA

3

Familiengerichte bei
Kindeswohlgefährdung

19

Datenerhebung und Statistik zu häuslicher Gewalt in Berlin 2015

5.2 Berliner Zentrum für Gewaltprävention (BZfG)
Das Berliner Zentrum für Gewaltprävention (BZfG) e.V. bietet seit 2000 Gruppenprogramme für
gewalttätige Menschen an. Die Gruppen werden sowohl ambulant im BZfG als auch in den
Justizvollzugsanstalten angeboten. Die ambulanten Gruppen unterscheiden dabei folgende
Zielgruppen:
•

Gruppen für Männer, die Körperverletzungsdelikte begangen haben,

•

Gruppen für Männer, die im häuslichen Bereich Gewalt ausüben,

•

Gruppen für gewalttätige Frauen.

Im Berichtszeitraum haben folgende Gruppen stattgefunden resp. begonnen:
•

4 KV-Gruppen,

•

3 HG-Gruppen,

•

1 abgeschlossene Frauengruppe und eine Frauengruppe, die Anfang 2016 abgeschlossen
wurde.

Insgesamt haben im Jahr 2015 247 Männer und Frauen ihr Interesse an einer Teilnahme bekundet.
Gegenüber dem Vorjahr stellt das eine leichte Steigerung dar. Bei den 247 Interessenten handelte es
sich um 227 Männer und 20 Frauen.
Von den 227 männlichen Interessenten waren insgesamt 71 häusliche Gewalttäter, von denen 36
zum Informationsabend gekommen sind und insgesamt 32 an einer Gruppe teilgenommen haben.
Von den 156 Männern, die sich für eine KV-Gruppe interessiert haben, sind 84 Kandidaten zum
Informationsabend gekommen. Aufgrund begrenzter finanzieller Mittel konnten nicht alle Männer
und Frauen in das Gruppenprogramm aufgenommen werden. Demzufolge kann auch nur eine
begrenzte Anzahl von Informationsveranstaltungen zur Vorbereitung und Auswahl der Teilnehmer
für die Gruppenprogramme angeboten werden. Die hierdurch entstehenden Wartezeiten führen
dazu,

dass

eine

relativ

hohe

Zahl

der

Interessent/innen

dann

nicht

mehr

die

Informationsveranstaltungen wahrnehmen, da in der Zwischenzeit ein entsprechender zeitlicher
Abstand zum Gewaltvorfall entstanden ist.
Die Tabelle weist ausschließlich männliche Klienten aus, die sich für das Täterprogramm gegen
häusliche Gewalt interessiert bzw. entschieden haben.

20

Datenerhebung und Statistik zu häuslicher Gewalt in Berlin 2015

Teilnehmer in sozialen Trainingskursen (Täterprogramm gegen häusliche Gewalt) beim BZfG:
Tabelle 16 - Täterprogramm BZfG
Zugang über

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

48

51

68

72

34

31

20

20

Auflage gem. § 153 a Abs. 1
StPO (Amts-/
Staatsanwaltschaft

-

-

-

-

-

-

-

20

Auflage gem. § 153a Abs. 2
StPO (AG Tiergarten)

-

-

-

-

-

-

-

-

Verwarnung mit Strafvorbehalt
(§ 59a StGB)

-

-

-

-

-

-

-

-

Verhängung einer
Bewährungsstrafe (§ 56c StGB)

21

19

-

23

34

31

-

-

Gewaltschutzgesetz

-

-

-

2

-

-

-

-

Jugendgerichtshilfe und
Bewährungshilfe für
Jugendliche und
Heranwachsende

-

-

-

-

-

-

-

-

Soziale Dienste der Justiz

27

32

-

-

-

-

-

-

Justizvollzugsanstalten

13

11

9

8

6

7

2

-

Selbstmelder

28

43

57

69

14

31

68

16

Andere Maßnahmen insgesamt,
davon

11

18

12

4

1

4

20

-

Familiengerichte bei
Kindeswohlgefährdung

-

-

-

-

-

3

12

-

Gesundheits- und Sozialbereich

-

-

-

-

-

-

-

-

Jugendämter und
Einrichtungen des
Kinderschutzes

-

-

-

-

-

-

8

-

Polizei

-

-

-

-

-

-

-

-

Täter-Opfer-Ausgleich

-

-

-

-

1

-

-

-

Keine Angabe

11

18

12

4

-

1

-

-

Teilnahme am Infoabend
gesamt

100

123

146

153

123

114

45

36

Nationalität deutsch

48

69

86

92

71

68

30

27

Nationalität andere, davon

52

54

60

61

52

46

15

9

wegen häuslicher Gewalt

-

44

66

71

37

36

44

33

wegen häuslicher Gewalt &
Körperverletzung

-

8

12

15

23

4

-

3

wegen Körperverletzung

-

58

68

67

63

74

-

-

Keine Angaben

-

13

-

0

0

0

1

-

Teilnahme am Täterprogramm
hG gesamt

44

47

48

54

56

73

18

32

Nationalität deutsch

kA

kA

kA

31

38

58

13

25

Nationalität andere

kA

kA

kA

23

18

15

5

7

Teilnahme am Täterprogramm
abgebrochen bzw.
ausgeschlossen

11

13

5

10

11

17

4

12

Auflagen und Weisungen im
Rahmen eines Strafverfahrens
insgesamt, davon

21

Datenerhebung und Statistik zu häuslicher Gewalt in Berlin 2015

6. Stop-Stalking – Beratung für StalkingBetroffene
Stalking ist eine besondere Form von psychischer und in schweren Fällen auch physischer Gewalt
und hat gravierende Folgen für die Betroffenen. Aus den Stalking-Studien geht hervor, dass bei
vielen Betroffenen, die vom Ex-Partner gestalkt wurden, häusliche Gewalt in der Beziehung
vorhanden war. 76% der Intimizide (Tötungen von Intimpartner*innen) gehen Stalking-Handlungen
voraus, was die Prädiktorfunktion des Stalking für eine Tötung verdeutlicht. Im Jahr 2008 ist StopStalking als eine Antwort auf das Inkrafttreten des Nachstellungsparagraphen (§ 238 StGB) als
Beratungsstelle für Stalking-Täter*innen entstanden. Seit 2008 wurden insgesamt 869
Stalker*innen in 4.732 Beratungskontakten beraten.
Tabelle 17 – Täter*innen-Beratung
Beratene Täter*innen

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

Weiblich

27

37

53

31

42

53

63

47

Männlich

56

59

60

54

68

74

57

69

Transgender

0

0

0

0

0

0

1

1

Keine Angaben

0

0

0

9

0

2

0

6

Gesamt

83

96

113

94

110

129

121

123

Anzahl der
Beratungen

393

444

530

663

759

729

595

619

22

Datenerhebung und Statistik zu häuslicher Gewalt in Berlin 2015

Seit Januar 2014 wurde mit der Finanzierung durch die Berliner Senatsverwaltung für Justiz und
Verbraucherschutz das Angebot der Beratungsstelle um die Beratung für Stalking-Betroffene und
integrierte Täter-Opfer-Beratung erweitert, so dass die Arbeit von Stop-Stalking nunmehr folgende
Schwerpunkte umfasst:
•

Beratung für Stalking-Betroffene und Angehörige

•

Beratung für Stalker*innen

•

Integrierte Täter-Opfer-Beratung (iTOB) – getrennte Beratung für Stalker*innen und
Betroffene in einem Fall

•

Beratung und Schulungen für Fachkräfte im Netzwerk

•

Beratung und Schulungen für allgemeine Fachöffentlichkeit

Die Leitmethode, die in der Arbeit der Beratungsstelle mit den Klient*innen eingesetzt wird, ist
individuelle psychologische Beratung. Die Beratung findet persönlich, telefonisch und online über
eine geschützte Beratungsplattform statt. Darüber hinaus ist ein fallbezogenes Management ein
notwendiger Bestandteil der Beratungsarbeit. Fallmanagement umfasst eine ausführliche
Risikoanalyse, die Erstellung eines Sicherheitskonzeptes und fallbezogene Netzwerkarbeit.
Das Team ist multiprofessionell und multikulturell und umfasst drei Männer und zwei Frauen mit
englischen, russischen, polnischen, türkischen und spanischen Kultur- und Sprachkenntnissen.
Tabelle 18 - Stalking-Betroffene
Stalking-Betroffene

2014

2015

Weiblich

358

439

Männlich

78

98

Transgender

1

1

Keine Angaben

0

8

Gesamt

437

546

Anzahl der Beratungen

919

997

2014

2015

Polizei

52

189

Amts-und Staatsanwaltschaft

8

1

Jugendamt

3

8

Psychosoziales Hilfesystem

15

15

Frauenberatungsstellen

19

14

Migrantinnenorganisationen

4

2

Opferhilfeorganisationen

4

11

Rechtsanwälte

8

4

Familiengericht

1

1

Justizvollzugsanstalten

1

0

Internet

267

200

Sonstige

55

27

Keine Angaben

0

74

437

546

Tabelle 19 - Zugangswege
Zugangswege

insgesamt

23

Datenerhebung und Statistik zu häuslicher Gewalt in Berlin 2015

Tabelle 20 - Problemfelder
Problemfelder
(Mehrfachnennungen möglich)

2014

2015

Anhängiges Strafverfahren
/strafrechtliche Sanktionen

59

38

Zivilverfahren (Schutzanordnung nach
dem Gewaltschutzgesetz)

23

136

Sicherung des Lebensunterhalts

95

91

Schulden

30

12

Familienproblematik

26

111

Psychosoziale Stabilität

18

53

Suchtproblematik

31

16

Gewaltbereitschaft

4

97

Gewalterfahrung

58

40

Soziale Kontakte

38

34

Ausländerspezifische Probleme

14

21

Besondere Gefährdungs- oder
Bedrohungssituation

18

105

Traumatisierung/psychische
Instabilität

64

62

Krankheit/Gebrechlichkeit

47

78

Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen
Abt. Frauen und Gleichstellung
Oranienstraße 106
10969 Berlin
Tel (030) 9028 21 02
Fax (030) 9028 20 66
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