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Full text: Bekämpfung von häuslicher Gewalt in Berlin (Rights reserved) Ausgabe 2010 (Rights reserved)

Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen Bekämpfung von häuslicher Gewalt in Berlin Fortschreibung Datenerhebung und Statistik 2010 Vorgelegt von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen -2- Inhaltsverzeichnis 1.Polizei…………………………………………………………………............ 3 2. Amts- und Staatsanwaltschaft Berlin……………………………………… 5 2.1. Amtsanwaltschaft Berlin……………………………………………..... 5 2.2. Staatsanwaltschaft Berlin……………………………………………... 6 3. Anti-Gewaltprojekte……………………………………………………….… 8 3.1. Frauenhäuser………………………………………………………..…. 9 3.2. Zufluchtswohnungen………………………………………………..… 10 3.3. Frauenberatungsstellen………………………………………….…… 10 3.4. BIG-Hotline……………………………………………………….……..11 3.5. Proaktiv……………………………………………………………….…12 4. Berliner Notdienst Kinderschutz……………………………………………12 5. Täterorientierte Intervention……………………………………………..…14 5.1. Volkssolidarität LV Berlin e.V…………………………………………14 5.2. Berliner Zentrum für Gewaltprävention (BZfG)………………….…. 16 -3- 1. Polizei Die Gewinnung detaillierter Erkenntnisse über das Ausmaß häuslicher Gewalt, soweit es zu polizeilichen Einsätzen in Berlin kommt, erfolgt weiterhin durch die jährliche Auswertung der polizeilichen Kriminalstatistik. Seit der Einführung des Polizeilichen Landessystems zur Information, Kommunikation und Sachbearbeitung (POLIKS) am 1.1.2004 werden Wegweisungen, Betretungsverbote sowie differenzierte Daten zu Opfern und Tätern häuslicher Gewalt ermittelt. Im Jahr 2010 wurden insgesamt 15.972 Fälle häuslicher Gewalt registriert (Vorjahr 16.285 Fälle, Rückgang um 313 Fälle oder 1,9%. Auch im Vergleich 2008/2009 war schon ein geringer Rückgang von 0,6% zu verzeichnen). Die Zahlen bewegen sich aber weiterhin auf einem hohen Niveau. Unter den registrierten Delikten wurden fünf vollendete Tötungsdelikte und 19 Tötungsversuche erfasst. In 130 Fällen handelte es sich um Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung und damit um 0,8% der Fälle häuslicher Gewalt (sechs Fälle mehr im Vergleich zum Vorjahr). 12.018 Rohheitsdelikte (261 Fälle weniger als im Vorjahr) wurden aktenkundig. Dies bedeutet einen Anteil von 75,2% aller Taten zu häuslicher Gewalt. Bei den 8.712 registrierten Fällen von Körperverletzungsdelikten (Abnahme von 146 Fällen oder 1,6%) handelte es sich mehrheitlich um vorsätzliche leichte Körperverletzung. Der Anteil an Fällen von häuslicher Gewalt in diesem Deliktsbereich lag damit bei 45,2%. Der überwiegende Teil aller Tatverdächtigen (10.381) war männlich (7.910 oder 76,2%), 2.471 waren weiblich (Vorjahr: 10.502 TV, davon 8.049 männlich und 2.453 weiblich). 5.259 Tatverdächtige bzw. 34,8% hatten eine nichtdeutsche Staatsangehörigkeit. Davon waren wiederum 77,2% (Vorjahr:77,9%) männlich. Bei den nichtdeutschen Tatverdächtigen überwog als Nationalität die Türkei mit 28,6%, gefolgt mit 6,6% mit polnischer Nationalität, dem Libanon mit 3,4% und dem ehemaligen Jugoslawien mit 2,5%. Zu den 12.170 Fällen der in der PKS erfassten Opferdelikte bei häuslicher Gewalt wurden insgesamt 12.820 Personen erfasst. Dabei wurden 9.818 (76,6%) weibliche und 3.002 männliche Personen Opfer dieser Straftaten. Der Anteil von weiblichen Opfern im Altersbereich 30 bis unter 40 Jahren lag mit 24,8% am höchsten, ebenfalls bei den männlichen Opfern mit 22,9%. Auch der Altersbereich von 40 bis unter 50 Jahren weist mit 18,7% bei den Frauen und 22,2% bei den Männern die zweitgrößte Gruppe aus. Eine Erklärung hierfür könnte der anhaltend hohe Anteil der Scheidungen in diesem Altersbereich sein. Im Jahr 2009 wurden Frauen der Altersgruppe der 40- bis 44 jährigen mit einem Anteil von 21,6% am häufigsten geschieden (vgl. Männer: 21,2%) und Frauen der Altersgruppe der 35bis 39jährigen mit einem Anteil von 17,1% (vgl. Männer: 15,7%) Dies kann aber nur als ein mögliches Indiz gewertet werden. Richtig ist, dass in Trennungssituationen Opfer häuslicher Gewalt besonders gefährdet sind. Den größten Anteil der Bewohnerinnen der Frauenhäuser hat die Altersgruppe zwischen 18 und 50 Jahren. Im Jahr 2010 wurden stadtweit 1.321 Wegweisungen, 435 Betretungsverbote und 445 Kontaktverbote (mehrere Maßnahmen pro Einsatz möglich) gemäß § 29 a ASOG nach Einsätzen im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt erfasst. Der Anteil an leichten Körperverletzungsdelikten bei häuslicher Gewalt im Verhältnis zur Gesamtzahl der (leichten) Körperverletzungsdelikte bleibt mit 25,1% relativ hoch. Es handelt sich hier um gut ein Viertel der insgesamt 28.788 bekanntgewordenen -4- Fälle leichter Körperverletzung in Berlin insgesamt. Der Anteil von gefährlicher und schwerer Körperverletzung lag bei 12,9% von insgesamt 10.993 Fällen. Der Anteil an Verstößen gegen das Gewaltschutzgesetz ist gestiegen (685 Fälle, +101 Fälle, +17,3%). Für das Jahr 2010 wurden 2.153 Fälle von Stalking (Vorjahr: 2.231 bzw. 2.163 nach alter Zählweise)) registriert. 805 der Fälle wurden dem Bereich der häuslichen Gewalt zugeordnet. 2003 Fälle von HG/Anzeigen Veränderungen in % gegenüber Vorjahr 2004 12.814 2005 11.659 2006 12.522 2007 13.222 2008 16.382 2009 16.285 2010 15.972 10.371 - +23,6 -9,0 +7,4 +5,6 +23,9 -0,6 -1,9 Verstöße gegen GewSchG Veränderungen in % gegenüber Vorjahr 622 402 844 874 939 622 584 685 - -35,4 +110 +3,6 +7,4 -33,8 -6,1 +17,3 Polizeiliche Wegweisungen 1.036 1.175 1.180 1.369 1.469 1.709 1.641 1.321 Auswertung der polizeilichen Kriminalstatistik 2010 2009 2008 2007 2006 2005 2004 2003 0 2000 4000 6000 8000 10000 12000 14000 16000 18000 Verstöße gegen GewSchG Anzeigen zu HG insgesamt Polizeiliche Wegweisungen -5- 2. Amts- und Staatsanwaltschaft Berlin Im Bereich der Amts- und Staatsanwaltschaft Berlin werden die halbjährlichen Eingangszahlen, Verfahrensabschlüsse sowie offene Ermittlungsverfahren für Fälle häuslicher Gewalt weiterhin gesondert erhoben. Darüber hinaus werden die Fälle häuslicher Gewalt erfasst, bei denen es zu einer Anwendung des Täter-OpferAusgleichs (TOA) kommt. Für das Jahr 2010 ergibt sich für Verfahren wegen häuslicher Gewalt folgendes Zahlenbild: 2.1. Staatsanwaltschaft Berlin: • • Im Jahr 2010 wurden 835 Ermittlungsverfahren eingeleitet. 861 Verfahren (auch Eingänge aus dem Vorjahr) wurden abgeschlossen. 439 Verfahren wurden eingestellt, davon 314 Verfahren gem. § 170 Abs. 2 StPO, davon wiederum 21 Verfahren unter Verweisung auf den Privatklageweg und 94 Verfahren wegen Verfahrenshindernisses. In 42 Fällen wurde das Verfahren nach §§ 153, 153 a StPO eingestellt. In 108 Fällen wurde Anklage zum Amtsgericht erhoben. 3 Fälle gelangten zur Anklage bei dem Landgericht. Es wurde ein Antrag auf Durchführung des Sicherungsverfahrens gestellt. In 41 Fällen wurden Strafbefehle beantragt und in 6 Fällen ein Antrag nach § 76 JGG im vereinfachten Jugendverfahren gestellt. 213 Verfahren waren offen. Es wurden 4 Verfahren wegen Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz geführt. • • • Im Jahr 2010 hat die Staatsanwaltschaft Berlin ein Verfahren der häuslichen Gewalt zum Gegenstand eines Täter-Opfer-Ausgleichs gemacht. Die im Jahr 2010 erledigten 3 TOA-Ausgleichsmaßnahmen waren erfolgreich. Staatsanwaltschaft Eingeleitete Ermittlungsverfahren Veränderung in % gegenüber Vorjahr 2004 493 - 2005 477 -3,2 2006 578 +21,2 2007 612 +5,9 2008 871 +42,3 2009 943 +8,3 2010 835 -11,5 Abgeschlossene Ermittlungsverfahren Veränderung in % gegenüber Vorjahr 521 - 492 -5,6 573 +16,5 616 +7,5 870 +41,2 957 +10 861 -10 Eingestellte Verfahren insgesamt davon wg. § 170 Abs. 2 StPO eingestellt hierauf entfallen wg. Privatklageweg hierauf entfallen wg. Verfahrenshindernisses davon wg. §§ 153, 153a StPO eingestellt 243 163 12 53 23 203 138 10 26 20 247 162 5 1 23 274 191 11 50 25 435 315 16 81 34 496 377 24 96 43 439 314 21 94 42 -6- Anklageerhebung zum Amtsgericht Anklageerhebung beim Landgericht Antrag auf Durchführung des Sicherungsverfahrens Beantragte Strafbefehle Antrag nach § 76 JGG – vereinfachtes Jugendverfahren Offene Verfahren Veränderung in % gegenüber Vorjahr Verfahren wegen Verstoßes gegen GewSchG 91 19 2 18 78 9 1 20 100 10 1 39 106 6 2 4 1 116 9 1 43 1 213 +18,3 3 142 1 3 51 2 237 +11,3 5 108 3 1 41 6 213 -10,1 4 118 1 112 -5,1 1 160 +42,9 0 180 +12,5 2 1000 900 800 700 600 500 400 300 200 100 0 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 Eingeleitete EV Eingestellte Verfahren Anklageerhebung Landgericht Abgeschlossene EV Anklageerhebung Amtsgericht Beantragte Strafbefehle 2.2. Amtsanwaltschaft Berlin: • • Im Jahr 2010 wurden 13.553 Ermittlungsverfahren eingeleitet. 13.378 Verfahren (auch Eingänge aus dem Vorjahr) wurden abgeschlossen. 10.295 Verfahren (davon 267 wegen Verstoßes gegen § 4 GewSchG) wurden eingestellt, davon 9.366 Verfahren gem. § 170 Abs. 2 StPO, davon wiederum 388 Verfahren unter Verweisung auf den Privatklageweg und 1.792 Verfahren wegen Verfahrenshindernisses. In 271 Fällen wurde das Verfahren nach §§ 153, 153 a StPO eingestellt. Anklageerhebung bei dem Amtsgericht erfolgte in 587 Fällen (davon 53 Verfahren gem. § 4 GewSchG). In 1.099 Fällen (davon 80 Fälle gem. § 4 • -7- • GewSchG) wurde jeweils ein Strafbefehl beantragt. In 30 Fällen wurde ein beschleunigtes Verfahren nach § 417 StPO durchgeführt. Offene Verfahren: 2.903. Die Amtsanwaltschaft Berlin hat im Jahr 2010 in 34 Verfahren wegen häuslicher Gewalt einen Täter-Opfer-Ausgleich eingeleitet. Von den im Jahr 2010 erledigten 37 TOA-Maßnahmen waren 29 erfolgreich und 8 erfolglos. Amtsanwaltschaft Eingeleitete Ermittlungsverfahren Veränderung in % gegenüber Vorjahr 2004 11.099 - 2005 12.880 +16 2006 15.199 +18 2007 13.715 -9,8 2008 14.529 +5,9 2009 13.958 -3,9 2010 13.553 -2,9 Abgeschlossene Ermittlungsverfahren Veränderung in % gegenüber Vorjahr 11.443 - 13.234 +15,7 15.344 +15,9 13.644 -11,1 14.987 +9,8 13.963 -6,8 13.378 -4,2 Eingestellte Verfahren insgesamt 8.179 8.050 8.388 9.391 10.164 9.927 10.295 davon wg. § 4 GewSchG eingestellt davon wg. § 170 Abs. 2 StPO eingestellt 176 7.223 241 7.248 183 7.692 250 8.425 248 9.286 250 8.809 267 9.366 hierauf entfallen wg. Privatklageweg hierauf entfallen wg. Verfahrenshindernisses davon wg. §§ 153, 153a StPO eingestellt Anklageerhebung 215 1.344 230 1.608 316 1.639 401 2.019 297 1.701 301 1.588 388 1.792 221 836 260 832 241 756 270 801 262 778 333 738 271 587 davon wg. § 4 GewSchG Beantragte Strafbefehle 77 1.438 110 1.396 86 1.188 75 1.113 94 1.210 75 1.312 53 1.099 davon wg. § 4 GewSchG Beschleunigte Verfahren nach § 417 StPO Offene Verfahren Veränderung in % gegenüber Vorjahr 66 31 2.161 - 84 53 1.931 -10,6 61 53 2.069 +7,1 72 62 2.409 +16,4 70 36 2.324 -3,5 71 52 2.558 +10,1 80 30 2.903 +13,5 -8- 18000 16000 14000 12000 10000 8000 6000 4000 2000 0 2004 eingeleitete EV Anklageerhebung 2005 2006 2007 2008 2009 2010 Abgeschlossene EV Beantragte Strafbefehle Eingestellte EV Bei den eingeleiteten und abgeschlossenen Ermittlungsverfahren zeigt sich sowohl bei der Staatsanwaltschaft als auch bei der Amtsanwaltschaft gleichermaßen eine Abnahme bei den Eingängen und Abschlüssen. Hinsichtlich der eingestellten Verfahren sind unterschiedliche Entwicklungen festzustellen. Bei der Amtsanwaltschaft hat es gegenüber dem Vorjahr insgesamt eine Zunahme der eingestellten Verfahren gegeben (+3,7%), deutlich mehr Verfahren wurden auf den Privatklageweg verwiesen (+28,9%) und auch die Einstellungen wegen Verfahrenshindernisses haben zugenommen (+12,8%). Demgegenüber hat es bei der Staatsanwaltschaft in 2010 insgesamt eine Abnahme bei der Anzahl der eingestellten Verfahren gegenüber 2009 gegeben (-11,5%), die Anzahl der auf den Privatklageweg verwiesenen Verfahren hat deutlich abgenommen (-12,5%) und die Einstellungen wegen Verfahrenshindernisses sind nahezu konstant geblieben (-2,1%). Mit Blick auf die kontinuierlich hohen Zahlen der von der Amtsanwaltschaft Berlin betriebenen Strafverfahren zeigt sich, dass die in häuslicher Gewalt begangenen Vergehen weiterhin mit Nachdruck verfolgt werden. Mehr als 50% der eingeleiteten Verfahren werden jedoch nach wie vor eingestellt. 3. Anti-Gewaltprojekte Entwicklung der Belegungszahlen und Auslastung der Frauenhäuser und Zufluchtswohnungen Zur Wirksamkeit und Zielerreichung der Hilfeangebote werden in den Projekten weiterhin regelmäßig Daten zur Anzahl hilfesuchender Frauen ausgewertet. Die 317 Frauenhausplätze sowie die Plätze für Frauen in den 41 Zufluchtswohnungen (117 Plätze) werden nach wie vor in hohem Maße in Anspruch genommen. In den Jahren 2004 bis 2010 haben jährlich durchschnittlich 1.356 Frauen und 1.315 Kinder die Frauenhäuser aufgesucht (insgesamt 2.671 Personen). Die Belegungszahlen sind seit Jahren relativ konstant geblieben. Für das Jahr 2010 ist ein geringfügiger Rückgang zu verzeichnen. -9- Die Auslastung der Frauenhäuser lag im Jahr 2010 bei 87,33%, ähnlich wie im Vorjahr. Bei 87,4% der Frauen lag die Aufenthaltsdauer zwischen einem Tag und drei Monaten. 12,6% der Frauen haben länger als drei Monate in Frauenhäusern gewohnt. 3.1. Frauenhäuser Belegungszahlen 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 Frauen Kinder Gesamt Auslastung in % 1.313 1.226 2.539 90 1.320 1.250 2.570 94 1.329 1.314 2.643 92,97 1.420 1.379 2.799 88,64 1.429 1.406 2.835 88,57 1.397 1.409 2.806 86,21 1.287 1.222 2.509 87,33 Anzahl der Frauen und Kinder in Frauenhäusern 3.000 2.500 2.000 1.500 1.000 500 0 2004 2005 2006 Frauen 2007 Kinder 2008 Gesamt 2009 2010 Prozentuale Auslastung der Frauenhäuser 2010 86,21 2008 2006 2004 87,33 88,57 88,64 92,97 94 90 Auslastung in % - 10 - 3.2 Zufluchtswohnungen In den Zufluchtswohnungen sind die Belegungszahlen ebenfalls relativ konstant. Im Jahr 2010 haben 301 Frauen mit 263 Kindern die Zufluchtswohnungen in Anspruch genommen. Belegungszahlen 2004 333 2005 315 2006 309 2007 301 2008 294 2009 305 2010 301 Frauen Kinder Gesamt 339 672 301 616 325 634 296 597 292 586 284 589 263 564 Anzahl der Frauen und Kinder in Zufluchtswohnungen 800 700 600 500 400 300 200 100 0 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 Frauen Kinder Gesamt 3.3 Inanspruchnahme der Frauenberatungsstellen Die fünf Berliner Frauenberatungsstellen bilden einen zentralen Bestandteil in der Angebotsstruktur der Antigewaltarbeit. Das Beratungsangebot umfasst die telefonische und insbesondere persönliche Beratung von Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind sowie die Beratung von Unterstützern und Unterstützerinnen. Alle Beratungsstellen arbeiten in enger Vernetzung mit der BIG-Hotline und sind an der Umsetzung der Hotlinebereitschaft einschließlich der proaktiven Beratung beteiligt. Für 2009 erfolgte erstmals eine einheitliche und differenzierte Datenerfassung zu den Nutzerinnen bzw. Nutzern der Beratungsangebote. Im Jahr 2010 war ein Anstieg um 755 Beratungen für Frauen zu verzeichnen. Telefonische und email- Beratungen Persönliche Beratungen Gesamtzahl aller Nutzerinnen Frauen 9.600 10.355 Unterstützer/innen 1.582 1.451 Frauen 2009 2010 Unterstützer/innen 1.300 882 Frauen 4.303 3.732 Unterstützer/innen 282 569 5.297 6.623 - 11 - Inanspruchnahme der Frauenberatungsstellen 12.000 10.000 8.000 6.000 4.000 2.000 0 2009 Telefon-/Mailberatungen Frauen Beratungen Frauen gesamt Persönliche Beratungen Unterstützer/innen 2010 Persönliche Beratungen Frauen Telefon-/Mailberatungen Untestützer/innen Beratungen Unterstützer/innen insgesamt 1.300 282 1.582 5.297 4.303 3.732 882 1.451 569 9.600 6.623 10.355 3.4. Anrufe bei der BIG-Hotline Die Inanspruchnahme der telefonischen Beratung bei der BIG-Hotline ist im Jahr 2010 mit 7.043 Anrufen wieder gestiegen. Dies ist sicherlich ein Erfolg der verstärkten Öffentlichkeitsarbeit im Rahmen der Kampagne „Hinter deutschen Wänden“. Die Zahl der täglichen Anrufe bewegte sich im Jahr 2010 bei durchschnittlich 19. 2003 Anzahl der Anrufe 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 6.127 5.983 6.243 7.348 7.244 7.543 6.574 7.043 7800 7500 7200 6900 6600 6300 6000 5700 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 Anzahl der Anrufe - 12 - 3.5. Inanspruchnahme Proaktiv Die pro-aktive Arbeitsweise wird weiterhin sehr gut angenommen und ist durch ihre Niedrigschwelligkeit fester Bestandteil der Unterstützungsangebote. Es werden auch die Meldungen der Polizei, in denen es keinen Platzverweis gab, bearbeitet. Ganzjährige Zahlen lagen erstmals für das Jahr 2006 vor. Die proaktive Arbeit wird seit Beginn aus Mitteln der Senatverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen finanziert. Im Jahr 2010 kam es zu einem Rückgang der eingegangenen Faxe um 12,4% (Vorjahr: 711 Faxe, Rückgang um 88) 2005 Faxe von Polizei 2006 2007 2008 2009 2010 (180) 545 616 681 711 623 800 700 600 500 400 300 200 100 0 2005 2006 2007 2008 2009 2010 Anzahl der Faxe 4. Berliner Notdienst Kinderschutz Der Berliner Notdienst Kinderschutz hat seit vielen Jahren Erfahrungen mit Kindern und Jugendlichen, die häusliche Gewalt gegen einen Elternteil, meist die Mutter, erlebt haben. Seit Beginn des Modellprojektes BIG (Berliner Interventionsprojekt gegen häusliche Gewalt) arbeitet insbesondere der Kindernotdienst in verschiedenen Arbeitsgruppen mit und kooperiert mit den Unterstützungsprojekten für die betroffenen Frauen und Kinder. Im Kinder- und Jugendnotdienst wurden 2010 insgesamt 6.793 Krisenberatungen durchgeführt. 2.598 Kinder und Jugendliche wurden gemäß § 42 SGB VIII in Obhut genommen, davon 898 Kinder und 1.700 Jugendliche. Erfassung von Fällen häuslicher Gewalt beim Jugendnotdienst (JND) / Mädchennotdienst (MND) Im Vergleich zum Vorjahr ist im Jahr 2010 ein Anstieg von Beratungen und Inobhutnahmen bezüglich häuslicher Gewalt zu verzeichnen. Von insgesamt 2.429 Interventionsfällen stand bei 143 Jugendlichen das Thema häusliche Gewalt im Vordergrund. - 13 - Interventionen JND/MND Interventionsfälle insgesamt 2004 2005 2007 2008 2009 2010 2.160 28 1,3 2.272 57 2,5 2.374 23 1,0 2.621 93 3,5 2.584 92 3,6 2.429 143 5,9 Intervention aufgrund häuslicher Gewalt / von HG betroffen Anteil in % Interventionen JND / MND 3.000 2.500 2.000 1.500 1.000 500 28 0 2004 2005 2007 2008 2009 2010 57 23 93 92 143 2.160 2.272 2.374 2.621 2.584 2.429 Interventionsfälle insgesamt Intervention aufgrund häuslicher Gewalt / von HG betroffen Erfassung von Fällen häuslicher Gewalt beim Kindernotdienst Seit dem Jahr 2002 erfasst der Kindernotdienst (KND) systematisch die Fälle von häuslicher Gewalt. In der Mehrzahl der Fälle, in denen ein Elternteil, meist die Mutter, durch einen Partner misshandelt wird, haben die Kinder die Tat direkt oder indirekt miterlebt. Viele waren nach der Tat traumatisiert. Im Kindernotdienst wurde 2010 in insgesamt 246 Fällen aufgrund von häuslicher Gewalt interveniert. 41 Kinder von insgesamt 896 Kindern (das entspricht einem Anteil von 4,6%) wurden nach häuslicher Gewalt in Obhut des Kindernotdienstes genommen. Außerdem fanden 7 Mütter nach häuslicher Gewalt eine kurzfristige Notaufnahme im Kindernotdienst, da für sie keine andere Alternative gefunden werden konnte. Bei der "Hotline-Kinderschutz" sind von insgesamt 1.255 Beratungsanrufen 89 Anrufe (das entspricht einem Anteil von 7,1%) eingegangen, bei denen häusliche Gewalt Anlass und Beratungsgrund des Anrufes waren. 2003 HG-Fälle insgesamt 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 155 93 164 87 145 64 146 71 139 71 216 48 162 38 246 41 Aufnahme von Kindern nach hG - 14 - Aufnahme von Müttern (Vätern) nach hG Beratung eines von Gewalt betroffenen Elterteils Hotline 28 22 16 21 (1) 8 16 7 7 31/3 k.A. k.A. 53 65 152 56 50 kA kA 38 61 89 Erfassung von Fällen häuslicher Gewalt beim Kindernotdienst 300 250 200 150 100 50 0 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 HG-Fälle insgesamt Aufnahme von Müttern/Vätern nach hG Hotline Aufnahme von Kindern nach hG Beratung eines von Gewalt betroffenen Elternteils 5. Täterorientierte Intervention 5.1. Volkssolidarität Landesverband Berlin e.V. Die Volkssolidarität Berlin führt mit ihrem Projekt „Beratung für Männer – gegen Gewalt“ soziale Trainingskurse und Anti-Gewalt-Beratungen durch, die speziell für häusliche Gewalttäter konzipiert sind und an denen nur Täter teilnehmen, die Gewalt gegenüber ihrer (ehemaligen) Partnerin verübt haben. Dies ist nicht zuletzt wichtig hinsichtlich der Kursthematik der Auswirkung von Gewalt gegen Frauen auf Kinder und die komplexen Konflikte, die sich nach der Trennung/Scheidung im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Umgangsrechtes ergeben. Die Teilnahme an probatorischen Einzelberatungen (durchschnittlich drei Sitzungen) ist Voraussetzung für die Aufnahme in einen sozialen Trainingskurs. Die Clearinggespräche dienen neben der Einschätzung der Gefährlichkeit und der Motivation auch dazu, Kursabbrüche zu vermeiden. Im Jahr 2010 konnte auf diese Weise die Abbrecherquote gering gehalten werden. Die Kurse werden von einer Dipl.-Psychologin und einem Dipl.Psychologen im Team geleitetet. - 15 - Im Jahr 2010 suchten insgesamt 178 Männer die Beratung persönlich auf. Das Alter der Klienten lag zwischen 18 und über 60 Jahren, die Mehrzahl war zwischen 21 und 40 Jahren alt (112 von 178). Die Klienten waren damit jünger als der Bevölkerungsdurchschnitt und viele standen in einer Erziehungsverantwortung zu Kindern. Von den insgesamt 178 Klienten stammten 66 aus 25 Staaten außerhalb Deutschlands. Anfragen per Telefon bzw. E-Mail und Klienten, die einen Termin vereinbarten bzw. die von einer Stelle gewiesen wurden, jedoch nicht erschienen (no show), werden in der Statistik nicht erfasst. Im Berichtszeitraum arbeitete die Beratung für Männer – gegen Gewalt in der Regel in zwei (gelegentlich in drei) parallelen Kursen à 26 Sitzungen mit durchschnittlich sieben Teilnehmern. Im Zeitraum bis zum Beginn der Kurse finden probatorische Beratungen sowie Kontakte mit den weisenden Institutionen, den Kooperationspartnern und der Partnerin/dem Gewaltopfer statt. Für gewalttätige Männer, die aus beruflichen Gründen oder wegen ungenügender Beherrschung der deutschen Sprache nicht kontinuierlich an sozialen Trainingskursen teilnehmen konnten, wurden in Absprache mit den weisenden Stellen an Stelle eines sozialen Trainingskurses ersatzweise strukturierte Einzelberatungen, die sich an den Inhalten der Kurse orientieren, durchgeführt. Perspektivisch ist geplant, im Rahmen der BIG Koordinierung/Täterorientierte Intervention ein Kurzzeitprogramm und ein abgestimmtes Fallmanagement mit Fachberatungs- und Interventionsstellen für Frauen in häuslichen Gewaltsituationen zu implementieren, um die Hilfen für Frauen mit den täterorientierten Interventionen besser zu verknüpfen. Anzahl der Teilnehmer in sozialen Trainingskursen nach Zugangsart / Volkssolidarität 40 35 30 25 20 15 10 5 0 33 26 14 5 4 34 Auflagen Justizvollzugsanstalten 12 5 3 12 3 2 Selbstmelder Andere 2008 2009 2010 Anzahl der Klienten in Clearinggesprächen und Einzelberatungen nach Zugangsart / Volkssolidarität 100 81 80 60 40 20 0 2008 2009 2010 2 5 13 16 3 7 2 53 Auflagen 49 28 16 Justizvollzugsanstalten Selbstmelder Andere - 16 - 5.2. Berliner Zentrum für Gewaltprävention (BZfG) Das BZfG bietet in der Regel gemischte Gruppen an, d.h., dass sowohl häusliche Gewalttäter als auch Gewalttäter aus anderen Zusammenhängen in den Programmen betreut werden. Im Jahr 2010 sind die Anmeldungen zum Informationsabend im Vergleich zum Vorjahr um 36% auf 236 angestiegen, tatsächlich erschienen sind 146 Klienten, was gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg um 18 % bedeutet. Im Rahmen der Informationsabende findet das Auswahlverfahren zur Teilnahme an den Gruppenangeboten statt. Unter Berücksichtigung der begrenzten Gruppenkapazitäten wurde in 2010 dabei stärker als bisher auf die Motivation der Klienten geachtet, mit dem Ergebnis, dass die Quote der Abbrecher um 61% auf 5 reduziert werden konnte. Eine weitere Veränderung gab es bei den Zugangsdelikten. Betrug der Anteil der Teilnehmer, die wegen häuslicher Gewalt kamen in 2009 noch 36%, ist er in 2010 auf 45% angestiegen. Im Vergleich dazu ist der prozentuale Anteil der Klienten, die wegen Körperverletzung zum BZfG kamen, konstant geblieben. Durch diese Veränderung konnten im Berichtsjahr zwei Gruppen durchgeführt werden, an denen ausschließlich häusliche Gewalttäter teilgenommen haben. Für 2011 zeichnet sich eine Fortsetzung dieses Trends ab. Auch hinsichtlich der Motivation hat sich das Verhältnis verschoben. So stieg der Anteil derer, die mit einer Auflage zum Infoabend kamen, von 41% auf 47%. Der Anteil der Selbstmelder stieg von 35% auf 39%. Der Anteil der Teilnehmer aus der JVA verringerte sich hingegen von 9% um ein Drittel auf 6%. Die insgesamt gestiegene Nachfrage und der Anstieg der Teilnehmer mit häuslicher Gewalt machen deutlich, dass sich die Bemühungen des Aktionsplans gegen häusliche Gewalt auch hier auswirken. Anzahl der Teilnehmer in sozialen Trainingskursen nach Zugangsart / BZfG 80 70 60 50 40 30 20 10 0 2008 2009 2010 13 48 28 18 11 11 9 12 51 43 68 57 Auflagen Justizvollzugsanstalten Selbstmelder Andere Teilnehmer in sozialen Trainingskursen (Täterprogramm) Zugang über Volkssolidarität 2008 2009 2010 2008 BZfG 2009 2010 Auflagen insgesamt davon Auflage gem. § 153 a Abs. 1 StPO (Amts-/ Staatsanwaltschaft Auflage gemäß § 153a Abs. 2 StPO (Amtsgericht Tiergarten) Verwarnung mit Strafvorbehalt (§ 59a StGB) Verhängung einer Bewährungsstrafe (§ 56c StGB) Gewaltschutzgesetz Jugendgerichtshilfe und Bewährungshilfe für Jugendliche und Heranwachsende Soziale Dienste der Justiz Familiengerichte Täter-Opfer-Ausgleich Justizvollzugsanstalten 34 5 39 11 39 9 48 - 51 - 68 - 4 4 2 5 6 3 5 2 14 4 2 5 1 4 4 15 4 2 5 3 21 27 13 19 32 11 kA kA 9 Andere insgesamt davon: Gesundheits- und Sozialbereich Jugendämter und Einrichtungen des Kinderschutzes Polizei Keine Angabe 9 2 4 3 - 9 2 6 1 - 7 3 4 - 11 11 18 18 12 12 Selbstmelder Teilnahme am Infoabend gesamt Nationalität deutsch Nationalität andere davon: wegen häuslicher Gewalt wegen häuslicher Gewalt & Körperverletzung wegen Körperverletzung Keine Angaben 3 - 4 - 2 - 28 100 48 43 123 69 54 44 8 58 13 57 146 86 60 66 12 68 - - - - 52 - Teilnahme am Täterprogramm gesamt Nationalität deutsch Nationalität andere 46 28 18 56 37 19 51 33 18 44 47 48 Teilnahme gebrochen am Täterprogramm ab- 7 6 2 11 13 5 - 18 - Klienten nur in Clearinggesprächen und Einzelberatungen der Volkssolidarität Zugang über Auflagen insgesamt davon Auflage gem. § 153 a Abs. 1 StPO (Amts-/ Staatsanwaltschaft Auflage gemäß § 153a Abs. 2 StPO (Amtsgericht Tiergarten) Verwarnung mit Strafvorbehalt (§ 59a StGB) Verhängung einer Bewährungsstrafe (§ 56c StGB) Gewaltschutzgesetz Jugendgerichtshilfe und Bewährungshilfe für Jugendliche und Heranwachsende Soziale Dienste der Justiz Familiengerichte Täter-Opfer-Ausgleich Justizvollzugsanstalten 2 3 3 1 6 1 5 5 1 5 5 13 3 2 12 1 2008 10 2009 25 2010 43 5 50 15 11 24 - 3 43 6 21 16 - 2 68 17 29 22 - Andere insgesamt davon: Gesundheits- und Sozialbereich Jugendämter und Einrichtungen des Kinderschutzes Polizei Keine Angabe Selbstmelder Teilnahme am Täterprogramm gesamt Nationalität deutsch Nationalität andere 13 73 kA kA 7 75 48 27 16 127 79 48 Teilnahme am Täterprogramm abgebrochen kA - -
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