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Ergebnisse für die Gebiete

Full text: Ergebnisse für die Gebiete

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Wirtschaftsforschung und Beratung GmbH Kurfürstendamm 234 10719 Berlin Tel.: 030 / 884 795-0 Fax: 030 / 884 795-17

Evaluation des Berliner Quartiersmanagements in der Pilotphase 1999-2002

Band 2: Ergebnisse für die Gebiete

Im Auftrag der
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Berlin; Abteilungen I und IV Koordination: Heidrun Nagel

Bearbeitung:
Stefan Geiss, Marie-Therese Krings-Heckemeier, Ulrich Pfeiffer, Darja Reuschke, Annamaria Schwedt Projektnummer: 20090 Berlin, Mai 2003

Inhaltsverzeichnis

IV

BEWERTUNG DER VERFAHREN UND ERGEBNISSE IN DEN EINZELNEN QM-GEBIETEN 0. 1. Vorbemerkung Beusselstraße 1.1 1.2 1.3 1.4 2. Ausgangssituation im QM-Gebiet Verfahren des Quartiersmanagements Handlungsbedarfe und Maßnahmen Beurteilung der Ziele und des Verfahrens

1 1 2 2 5 9 14 15 15 15 17 18 19 19 19 20 24 24 27 32 35 37 37 40 40 43 46 53

Magdeburger Platz 2.1 2.2 2.3 2.4 Abgrenzung Zentrale Stärken und Schwächen Charakteristik Handlungskonzept und Ziele

3.

Soldiner-, Wollankstraße 3.1 3.2 3.3 Ausgangssituation im QM-Gebiet Abgrenzung Zentrale Stärken und Schwächen

4.

Sparrplatz 4.1 4.2 4.3 4.4 Ausgangssituation im QM-Gebiet Verfahren des Quartiersmanagements Handlungsbedarfe und Maßnahmen Beurteilung der Ziele und des Verfahrens

5.

Falkplatz 5.1 Ausgangssituation im QM-Gebiet

6.

Helmholtzplatz 6.1 6.2 6.3 6.4 Ausgangssituation im QM-Gebiet Verfahren des Quartiersmanagements Handlungsbedarfe und Maßnahmen Beurteilung der Ziele und des Verfahrens

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7.

Boxhagener Platz 7.1 7.2 7.3 7.4 Ausgangssituation im QM-Gebiet Verfahren des Quartiersmanagements Handlungsbedarfe und Maßnahmen Beurteilung der Ziele und des Verfahrens

54 54 58 62 69 71 71 74 78 84 86 86 92 92 95 98 106 107 107 110 113 117 118 118 121 121 125 125

8.

Zentrum Kreuzberg/ Wassertorplatz 8.1 8.2 8.3 8.4 Ausgangssituation im QM-Gebiet Verfahren des Quartiersmanagements Handlungsbedarfe und Maßnahmen Beurteilung der Ziele und des Verfahrens

9.

Wrangelkiez 9.1 Ausgangssituation im QM-Gebiet

10.

Bülowstraße/ Wohnen am Kleistpark 10.1 Ausgangssituation im QM-Gebiet 10.2 Verfahren des Quartiersmanagement 10.3 Handlungsbedarfe und Maßnahmen 10.4 Beurteilung der Ziele und des Verfahrens

11.

Rollbergsiedlung 11.1 Ausgangssituation im QM-Gebiet 11.2 Verfahren des Quartiersmanagements 11.3 Handlungsbedarfe und Maßnahmen 11.4 Beurteilung der Ziele und des Verfahrens

12.

Schillerpromenade 12.1 Ausgangssituation im QM-Gebiet

13.

Sonnenallee/ High-Deck-Siedlung 13.1 Ausgangssituation im QM-Gebiet

14.

Oberschöneweide 14.1 Ausgangssituation im QM-Gebiet

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15.

Marzahn-Nord 15.1 Ausgangssituation im QM-Gebiet 15.2 Verfahren des Quartiersmanagement 15.3 Handlungsbedarfe und Maßnahmen 15.4 Beurteilung der Ziele und des Verfahrens

129 129 132 134 138 139 139 141 142 142 144 144 146 147 147

16.

Reinickendorfer-/ Pankstraße 16.1 Ausgangssituation im QM-Gebiet 16.2 Struktur des QM-Teams 16.3 Einbindung der Bewohner 16.4 Ziele und Handlungskonzept

17.

Reuterplatz 17.1 Ausgangssituation im QM-Gebiet 17.2 Struktur des QM-Teams 17.3 Einbindung der Bewohner 17.4 Ziele und Handlungskonzept

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IV

BEWERTUNG DER VERFAHREN UND ERGEBNISSE IN DEN EINZELNEN QM-GEBIETEN

0.

Vorbemerkung

In diesem Band werden die Ausgangsituationen und die spezifischen Problemkonstellationen für die 17 Quartiersmanagement Gebiete dargestellt und in unterschiedlicher Tiefe die spezifischen Ansätze der jeweiligen Quartiersmanagement-Teams dargestellt und bewertet. Dabei ist zu berücksichtigen, dass das Anliegen der Evaluation in erster Linie war, Hinweise und Empfehlungen für das Gesamtverfahren zu ermitteln und zu formulieren. Methodisch wurde dabei – sofern die Evaluation auf Erfahrungen in den Gebieten zurückgreift – der Schwerpunkt auf sechs Gebiete gelegt. Hintergründe dazu sind in Abschnitt II im Band 1 des Evaluationsverfahrens dargelegt. Darüber hinaus wurden einige Gebiete intensiver analysiert, weil dort beispielhaft verschiedene Aspekte der Evaluation aufgegriffen wurden; diese unterschiedliche Analysetiefe schlägt sich in einer zwischen den Gebieten unterschiedlichen darstellungstiefe nieder, die in keinem Zusammenhang mit der Qualität der Arbeit in den einzelnen Gebieten steht. Da sich die Evaluation über einen Zeitraum von fast drei Jahren erstreckte, sind teilweise auch Informationen in die Darstellungen eingeflossen, die eher den Beginn des Programms Quartiersmanagement charakterisieren. Soweit möglich, wurden jedoch alle Darstellungen im Frühjahr 2003 zusammen mit den QM-Teams aktualisiert. Bei der Darstellung der Gebietscharakteristika greift der Evaluator zum Teil auf Datenanalysen zurück, die im Überblick für alle QM-Gebiete vorgenommen wurden. Die Methodik und die Ergebnisse dieser Analysen sind für alle QM-Gebiete im Kapitel II im Band 1 des Evaluationsberichtes dargestellt. Die Reihenfolge der QM-Gebiete folgt der im Gesamtverfahren üblichen Logik, dass heißt, dass die Ergebnisse nicht alphabetisch, sondern nach Bezirken geordnet dargestellt sind.

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1.

Beusselstraße

1.1

Ausgangssituation im QM-Gebiet

1.1.1 Abgrenzung Abbildung 1: Abgrenzung des QM-Gebietes Beusselstraße

Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

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1.1.2 Zentrale Stärken und Schwächen Das QM-Gebiet Beusselstraße ist ein im Vergleich zu anderen innerstädtischen Altbauquartieren unattraktives Wohngebiet. Die Defizite bedingen sich zum Teil gegenseitig und sind im Wesentlichen auf eine stadträumlich schwierige Lage (starker Mischgebietscharakter durch die Nähe zu Industrie/Gewerbeflächen), auf eine sehr einfache Bausubstanz, auf eine – zumindest bis zur Schließung des SBahn-Rings und gemessen an der zentrale Lage – schlechte ÖPNV-Verbindung und auf ein großteils
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unattraktives, mit Grünflächen und Freizeitangeboten unterversorgtes Gebiet und z.T. verwahrlostes Wohnumfeld zurückzuführen. Die geringe Attraktivität hat im Laufe der Jahre zu einer starken Segregation geführt. In dem Gebiet leben neben Migrantenhaushalten, die auf dem Wohnungsmarkt weniger Wahlmöglichkeiten haben, vor allem jüngere Erwachsenenhaushalte, die preiswerten Wohnraum suchen. Viele dieser Bewohner ziehen nach einer Übergangszeit wieder aus dem Gebiet weg. Aufgrund der Rahmenbedingungen (Nähe zu Industrie-/Gewerbeflächen, Verkehrsschneise

Beusselstraße, ÖPNV-Anbindung), bestehen nur eingeschränkte Aufwertungspotentiale. Im Vergleich zu anderen innerstädtischen Wohnstandorten wird das QM-Gebiet voraussichtlich auf Dauer ein einfacheres Wohngebiet bleiben, in dem mit einem relativ hohen Anteil von Haushalten mit wirtschaftlichen und sozialen (z.B. Integration in den Arbeitsalltag) Defiziten zu rechnen ist. Zwar werden seitens des Bezirks Anstrengungen unternommen, einen weitreichenden Umstrukturierungsprozess für den Industrie-/Gewerbestandort zu unterstützen (u.a. integriertes Standortmanagement durch S.T.E.R.N. im Auftrag der Senatsverwaltung für Wirtschaft bis Ende 2001), es ist jedoch offen, inwieweit solche mittel- bis langfristigen Prozesse nennenswerte Ausstrahlungseffekte auf die umgebenden Wohngebiete haben werden.

Ladenleerstand infolge des Rückzugs des kleinteiligen Einzelhandels und haushaltsorientierter Dienstleistungen aus dem Quartier

Sanierungsbedürftige Bausubstanz und Aufenthaltsqualität des öffentlichen Raums

geringe

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1.1.3 Charakteristik
Gebietstyp Stadträumliche Situation/Baustruktur Typ A: Einfache, Altbau-dominierte Quartiere in der westlichen Innenstadt, ca. 12.550 EW – Sehr einfaches gründerzeitliches Wohngebiet mit eingestreuten Gebäuden der 60/70er Jahre, großes Industriegebiet ohne lokalen Bezug im zentralen Bereich. – Hohe Verkehrsbelastung durch stark frequentierte Durchgangsstraßen (Beusselstraße, Kaiserin-Augusta-Allee), schlechte Anbindung an das öffentliche Nahverkehrssystem (große Entfernung zur U-Bahn); Nähe zur City-West (ca. 3km), stadträumlich isolierte Lage durch Spree, Verbindungskanal und S-Bahn-Trasse. – Starke innere Gliederung in unterschiedliche Teilbereiche: Beusselkiez östlich und westlich der Rostocker Str.; etwas konsolidierteres Wohngebiet östlich der Beusselstraße, Huttenkiez westlich des Industriegebietes. Teilbereiche weitgehend ohne gemeinsame Identität und mit geringen funktionalen Beziehungen. – Geringe Qualität des öffentlichen Raumes, Sanierungsgebiet, ursprünglich geringe Investitionen in öffentlichen Raum und Bausubstanz in der Vergangenheit, in den letzten Jahren deutlich steigender Ausstattungsgrad der Wohnungen. – Wohngebäude fast ausschließlich in Privatbesitz. – Überproportional viele kleine Wohnungen, vergleichsweise hohes Mietniveau (durchschnittl. Nettokaltmiete ca. 4,47 €/m², Bruttokaltmiete ca. 5,37 €/m²), da Wohnungen zu relativ hohen Preisen an ausländische Haushalte vermietet werden können. – Teile des Gebietes unterliegen dem Sanierungsrecht, für Teile (Huttenkiez) gelten Erhaltungsrechtsverordnungen. – Im Vergleich zu Bezirkswerten höherer Anteil jüngerer Bewohner (18 bis 35 Jahre 32 %), insbesondere von 18- bis 25-Jährigen, wenig ältere Bewohner (9,4 % über 65 Jahre) – höherer Ausländeranteil (35,5 %), überdurchschnittlicher Anteil Jugoslawen und arabischer Bewohner. – Überproportionaler Anteil an Einpersonenhaushalten. – Stark ansteigende Fluktuation in den letzten fünf Jahren. – Im Vergleich zu anderen QM-Gebieten durchschnittliche Kaufkraft, erheblicher Aufholprozess des Pro-Kopf-Einkommens in den letzten Jahren. Trotzdem ist ein prozentualer Anstieg der untersten Einkommensgruppen zu verzeichnen. – Höherer Erwerbslosenanteil als im Bezirk (14,2 % aller 18-65-Jährigen) im Vergleich zu den QM-Gebiete im Westteil leicht unterdurchschnittlicher Anteil Langzeitarbeitsloser (33,4 %) und unterdurchschnittliche Jugend- und Altersarbeitslosigkeit. Hoher Anteil von Sozialhilfeempfängern. – Hohe Anzahl an Arbeitsplätzen im Gebiet innerhalb des großen Industriegebiets sowie am direkt nördlich angrenzenden Berliner Großmarkt/Westhafen, aber nur geringe Einbindung lokaler Arbeitskräfte, nur ca. 10% der Bewohner arbeiten im Kiez. Zahlreiche Familienbetriebe im Einzelhandel, zunehmend im unteren Preissegment – hoher Leerstand und zahlreiche Ladenschließungen, hoher Anteil ausländischer Gewerbetreibender unterschiedlicher Nationalitäten (u.a. Türken, Araber, Vietnamesen, Inder). – Eine Grundschule und Realschule im Gebiet, hoher Anteil Schüler nicht deutscher Herkunftssprache (69%). Die Schule wird mit Ende des Schuljahres 2002/2003 geschlossen.
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Wohnungsmarkt

Bewohnerstruktur

Kaufkraft

Beschäftigung/ Qualifizierung Wirtschaftsförderung/ Stadtteilökonomie

Schule und Bildung

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Gesundheit, sonstige soziale und kulturelle Infrastruktur Alltagsversorgung

–

Aufbau eines neuen Stadtteilzentrums in der Rostocker Straße

–

Gute Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs, sonstiger Einzelhandel einfach und wenig diversifiziert. Weiterreichende Angebote und Dienstleistungen (u.a. Kaufhäuser, ehem. Bezirksamt Rathaus Tiergarten) konzentrieren sich östlich des Gebietes im Stadtteilzentrum entlang der Turmstraße.

Quelle: empirica, eigene Zusammenstellung

1.2

Verfahren des Quartiersmanagements

1.2.1 Struktur und Verankerung des QM-Teams/Kooperation mit der Verwaltung Für das QM-Gebiet Beusselstraße wurde ein Träger beauftragt, der über langjährige Erfahrung im Stadterneuerungsprozess des Bezirks verfügt; er ist gleichzeitig Sanierungsbeauftragter im Sanierungsgebiet Beusselstraße, das Teil des QM-Gebietes ist und arbeitete bis Ende 2001 im Auftrag der Senatsverwaltung für Wirtschaft im Bereich Wirtschaftsansiedlungsund umstrukturierungspolitik. Die S.T.E.R.N. GmbH als Sanierungs- und Quartiersmanagement-Beauftragter ist für alle Bereiche des QM zuständig. Das Team besteht aus fünf Mitarbeitern, die entsprechend ihrer sektoralen Qualifikationen Teilaufgaben übernehmen. Vier der fünf Mitarbeiter sind Stadtplaner, die Betreuung des Vor-Ort-Büros, Bürgeraktivierung und Öffentlichkeitsarbeit werden von einer Politologin wahrgenommen. Die Abstimmung des QM mit der Bezirksverwaltung erfolgte bis zum 31.12.2000 neben projektbezogenen Einzelkontakten unter Regie des Bezirksbürgermeisters in der monatlich tagenden Lenkungsgruppe. Die Lenkungsgruppe wurde durch den Beschluss des Bezirksamtes Tiergarten im März 1999 als ressortübergreifende Arbeitsgruppe eingerichtet. In ihr sind leitende und entscheidungsbefugte Mitarbeiter aller Abteilungen vertreten. Neben dem Sanierungsträger agiert ähnlich wie in anderen Erneuerungsgebieten ein Stadtteilverein, der ‚Moabiter Ratschlag‘, der nicht formell in das QM eingebunden ist. Die Bezirksverwaltung fördert jedoch die Kooperation zwischen beiden Institutionen (vgl. Abschnitt: Vernetzung mit zentralen Akteuren).

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1.2.2 Selbstverständnis Quartiersmanagement Das QM-Team definiert sich als ressortübergreifende Planungs- und Koordinierungsinstanz für die Gebietsentwicklung. Dies umfasst alle Tätigkeiten von der Leitbild- und Strategieentwicklung bis hin zur Aufnahme/Erhebung, Bündelung und Unterstützung von Bewohnerinteressen. Entsprechend breit werden Aufgabenschwerpunkte beschrieben:
–

Im Bereich der Wohnumfeldmaßnahmen übernimmt das QM Verwaltungs- und Planungsaufgaben des Bezirkes, beispielsweise die Bauleitung von Maßnahmen und die Akquisition von Fördergeldern.

–

Im Bereich der Verbesserung der sozialen Infrastruktur übernimmt das QM eine Mittlerfunktion zwischen Bewohnern und dem Bezirk; im Rahmen der Tätigkeit werden z.B. Bedarfe erfasst, die als Grundlage für Infrastrukturkonzeptionen des Bezirkes (und die Auswahl geeigneter Kooperationspartner) dienen sollen.

–

Im Bereich der direkten Bewohneraktivierung sieht sich das QM-Team im Wesentlichen als Dienstleister und Berater für Initiativen, die aus der Bewohnerschaft heraus entstehen. Ziel ist die Unterstützung der AnwohnerInnnen bei der Formulierung ihrer Anliegen, um zur Übernahme der Verantwortung für die Verbesserung des Stadtteils zu motivieren. (Empowerment). Die Einbindung von Bewohnern in die Arbeit vollzieht sich dabei in der Regel über eine Kooperation bei konkreten Projekten. Über die Kontakte im Vor-Ort-Büro fließen Bewohnerinteressen und -meinungen in die Arbeit ein.

–

Die Öffentlichkeitsarbeit wird als wichtiger Bestandteil der Arbeit verstanden; sie dient sowohl zur Verbesserung des Images insgesamt sowie zur Aktivierung der Bevölkerung im Speziellen.

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Verwaltung (Koordinator des Bezirks) Teile der Bezirksverwaltung Tiergarten haben sich für eine weitgehende Integration der QM-Arbeit in die Strategien des Bezirks zur Entwicklung von Moabit-West eingesetzt. Die Bezirksverwaltung arbeitet in Grundsatzfragen und bei der Strategieentwicklung eng mit dem QM zusammen. Das QMTeam und der Bezirkskoordinator übernehmen dabei z.B. die Aufgabe, Anregungen und Analysen für den Bezirk zu erstellen, wirken auf eine gemeinsame Umsetzung der Strategien mit der Bezirksverwaltung hin.

1.2.3 Vernetzung mit Akteuren In Moabit sind zahlreiche Einrichtungen, Initiativen und Träger aktiv, die S.T.E.R.N. aus der bisherigen Arbeit als Sanierungsbeauftragter bekannt sind. Die Akteure sind nicht institutionell in die QM-Arbeit eingebunden, es bestehen jedoch enge Netze und Kooperationen zwischen QM-Team und lokalen Akteuren. Mit dem Moabiter Ratschlag e.V., dem Dachverband Moabiter Bürgerinitiativen und Betroffenenvertretungen, wurde die seit Jahren betriebene Zusammenarbeit im Bereich der Bürgeraktivierung und -beteiligung intensiviert, wobei sich der Schwerpunkt auf die projektbezogene Zusammenarbeit verlagert hat. So wird beispielsweise das vom ‚Moabiter Ratschlag‘ herausgegebene Bürgermagazin auch vom QM für die Öffentlichkeitsarbeit genutzt. Mittlerweile wird das Stadtteilmagazin vom Bezirksamt herausgegeben, die QM-Inhalte stellen jedoch nach wie vor einen wichtigen Bestandteil dar. Seit 2001 existiert auch das Kiezportal Maobit_West.de, durch das AnwohnerInnnen sich per Netz über Neuigkeiten im Stadtteil informieren können bzw. eigene Informationen ins Netz stellen können. Eine Zusammenarbeit mir Vereinen und Religionsgemeinschaften verschiedener Nationalität wurde aufgebaut. Enge Kooperationen wurden mit der BSR und der Polizei vollzogen. Mit den Mitarbeitern der zuständigen Polizeidirektion wurde bereits im Rahmen des ‚Diskursiven Verfahrens zur Entwicklung neuer Lösungsansätze im ‚Beusselkiez‘ im Jahr 1998 eine Vertrauensbasis hergestellt, die sich besonders bei Detailfragen als arbeitserleichternd erweist. Kooperationen mit der zuständigen Servicegesellschaft wurden angestrebt, erweisen sich jedoch als schwierig.

1.2.4 Einbindung der Bewohner Kontakte finden über Besuche einzelner Bewohner im QM-Büro und über Unterstützungen bei Bewohnerprojekten statt. Die Besuche sind vielfach durch den Wunsch nach Kontakt motiviert,
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seltener werden gezielt Hilfeleistungen nachgefragt. Im Laufe der Arbeit nahmen jedoch Bewohnerkontakte, deren Hintergrund die Beseitigung von Missständen oder die Initiierung von eigenen (d.h. von den Bewohnern getragenen Projekten) zu. Bewohnerprojekte sind zum Beispiel eine Elterninitiative zur Organisation einer Spielplatzbetreuung oder ein von einzelnen Gewerbetreibenden initiierter Weihnachtsmarkt. Das QM leistet organisatorische Unterstützung (Vermittlung von Knowhow, Vermittlung von Kontakten in die Bezirksverwaltung u.Ä.). Das QM sammelt die Adressen von Bewohnern, die sich für die Quartiersentwicklung engagieren und pflegt regelmäßigen Kontakt zu ihnen. Zu Einzelthemen wurden bislang in monatlichem Rhythmus Informationsabende durchgeführt. Eine wichtige Rolle spielen die sogenannten „Kiezspaziergänge“, an denen neben dem QM-Team auch Mitglieder der Verwaltung und Politiker teilnehmen. Im Rahmen dieser regelmäßig stattfindenden und gut angenommenen Begehungen machen Bewohner auf Probleme aufmerksam und diskutieren mit den Mitarbeitern des QM über umgesetzte und geplante Maßnahmen. Seit Herbst 2001 findet monatlich ein Stadtteilplenum statt, das inhaltlich und organisatorisch vom Moabiter ratschlag und der S.T.E.R.N. betreut wird. Dieses bietet AnwohnerInnen, EigentümerInnen und Gewerbetreibenden aus dem Gebiet, sowie Vertretern aus Verwaltung, Institutionen und Polizei die Möglichkeit zum Austausch von Informationen und zur Arbeit an verschiedenen Themen. Wie in anderen QM-Gebieten auch, wurden positive Erfahrungen mit der Arbeit des Vergabebeirats zum Aktionsfonds und Quartiersfonds gemacht. Die Mitglieder des Vergabebeirates fühlen sich in hohem Maße sowohl für das zur Verfügung stehende Geld als auch für die sinnvolle Auswahl von Projekte verantwortlich. Nach Angaben des QM gestaltet sich die Einbeziehung von Migranten in die Vor-Ort-Arbeit schwierig. Sie suchen das Büro eher selten auf und zeigen wenig Interesse an einer kontinuierlichen Zusammenarbeit mit dem QM-Team. Selbst persönliche Einladungen zu Veranstaltungen werden mündlich angenommen, meistens wird die Teilnahme auch zugesagt, zur Veranstaltung erscheinen die Eingeladenen dann jedoch nicht. Vertreter der ausländischen Bevölkerung erklären dies laut QMDarstellung damit, dass der Arbeitsansatz, Probleme zu diskutieren und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, für diese Gruppen zu abstrakt sei. Migranten erschienen nur zu Veranstaltungen, aus denen sie einen unmittelbaren Nutzen ziehen können, wie z.B. Cafés, Nähkurse, Beratungen etc..1

1

Quelle: Auswertung der Arbeit im Vor-Ort-Büro durch die S.T.E.R.N., Seite 5.

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1.3

Handlungsbedarfe und Maßnahmen

1.3.1 Handlungskonzept und Ziele Das QM-Beusselstraße orientiert sich wie die anderen QM-Teams im Handlungskonzept und bei der Zieldefinition an dem vom Senat vorgegebenen Gliederungsraster. Dementsprechend werden Leitbilder und Kernziele oberhalb der Handlungsfelder nicht explizit formuliert. Diese im Verfahren angelegten Defizite sind vom Team jedoch bereits im ersten Zwischenbericht angesprochen worden: "[...] Aus unserer Sicht wird in dieser Gliederung [...] deutlich, dass beim Thema Quartiersmanagement die Maßnahmen, Projekte und Aktionen im Vordergrund stehen. Unsere Erfahrungen und die bisherige Arbeit haben jedoch gezeigt, dass Leitbilder und diesbezügliche Entwicklungskonzepte [...] die Grundlage für eine zielgerichtete Arbeit des Quartiersmanagements darstellen. [...]“2. Aus den dargestellten Einzelzielen und Strategien lassen sich folgende übergreifende Ziele ableiten: Durch die Beseitigung der Defizite im Wohnumfeld und bei der Versorgung soll die Attraktivität des Wohngebietes erhöht werden, so dass sich die Wohndauer und Wohnzufriedenheit der Bewohner erhöht und in stärkerem Maße wirtschaftlich und sozial stabile Haushalte für das Gebiet gewonnen werden können. Bestandteil dieses Ansatzes sind Strategien zur Verbesserung des Nachbarschaftsgefüges, die dazu führen sollen, dass sich die Bindung an das Gebiet erhöht. Der zweite wichtige Zielkomplex ist die Beseitigung der Chancenungleichheiten bei den (jugendlichen) Ausländerhaushalten, die über Bildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen besser in Arbeitsmarkt und Gesellschaft integriert werden sollen. Der dritte Zielkomplex ist auf die wirtschaftliche Entwicklung des Standortes insgesamt ausgerichtet. Im Gegensatz zu allen anderen QM-Gebieten umfasst das QM-Beusselstraße einen innerstädtischen Industrie-/Gewerbebereich, der starke Ausstrahlungseffekte auf die umgebenden Wohngebiete hat. Die QM-Arbeit profitiert dabei von einem Vertragsprojekt der S.T.E.R.N. mit der Senatsverwaltung für Wirtschaft zur Standortentwicklung. Empowerment durch kontinuierliche Bürgeraktivierung und Verstärkung der Mitwirkungs- und Mitbestimmungsmöglichkeiten.

2

Quartiersmanagement Beusselstraße, 1. Zwischenbericht, Einleitung

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1.3.2 Wohnen, Wohnumfeld und öffentlicher Raum

1.3.2.1 Wohnen und Wohngebäude Strategien zur Veränderung von Zusammensetzung und Zustand der Wohngebäude sind nicht explizit Bestandteile des QM-Ansatzes, gehören jedoch traditionell zu den Aufgaben des Sanierungsbeauftragten. In den Problemanalysen wurde auf Diskrepanzen zwischen vereinzelten Leerständen – vor allem in unsanierten Altbauten – und dem nach wie vor hohen Mietniveau hingewiesen. Nach Einschätzung des QM ist das nach wie vor hohe Niveau auf die vergleichsweise hohe Attraktivität des Wohngebietes für ausländische Mieter zurückzuführen (gute Infrastruktur, ethnische Netzwerke). Daneben ziehen Haushalte vorübergehend in das Gebiet, die einen vergleichsweise preiswerten und verkehrsgünstigen Innenstadtstandort suchen. Vereinzelt interessieren sich auch jüngere Zwei- und Mehrpersonenhaushalte für die Wohnungen, die einen Aufwertungsprozess im östlichen Teil des Gebietes (Sanierungsgebiet) erwarten. Maßnahmen zur Verbesserung der Wohnsituation konzentrieren sich stark auf die Verbesserung des Wohnumfeldes und auf Stärkungen der Nachbarschaftsnetze (vgl. folgende Abschnitte). Es bestehen enge Kontakte zur Mieterberatung, eine kontinuierliche Kooperation mit den Eigentümern gestaltet sich schwierig.

1.3.2.2 Wohnumfeld und öffentlicher Raum Der unattraktive Zustand von Wohnumfeld und öffentlichem Raum wird als ein Kernproblem des Gebietes gesehen. Defizite bestehen vor allem in folgenden Bereichen: Verschmutzung: Straßenraum, öffentliche und private Freiflächen (Müll, Hundekot, abgestellte Einkaufswagen etc.), Ungepflegte und nicht bedarfsgerecht ausgestattete Spielplätze, Konflikte zwischen

Nutzergruppen, Ungestaltete Höfe, Wenige, unattraktive, ungepflegte und ungenutzte öffentliche Grün- und Freiflächen; z.T. nicht zugängliche öffentliche Freiflächen, Fehlende öffentliche Räume für Kinder und Jugendliche, Mangelhafte Aufenthaltsqualität im Straßenraum und auf öffentlichen Flächen; fehlendes Sicherheitsgefühl im Straßenraum, insbesondere in den Abendstunden.

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Maßnahmen zur Kompensation dieser Defizite werden vom QM umgesetzt. Schwerpunkte sind dabei die Verbesserung der Angebote für Kinder und Jugendliche, die Umgestaltung von zentralen Bereichen in den Wohnstraßen und Maßnahmen zu Verbesserung der Sauberkeit. In die Projekte sind Anwohner bzw. Nutzer (z.B. Kinder und Jugendliche bei der Spielplatzgestaltung) einbezogen.

1.3.2.3 Verkehr Strategien und Maßnahmen zur Lösung der Verkehrsprobleme konzentrieren sich auf kleinteilige Verkehrsprojekte, z.B. auf die Durchsetzung einer Verkehrsberuhigung in den Wohngebieten.

1.3.3 Zusammenleben im Quartier/Soziale Integration Schwache Nachbarschaftsnetze, Kommunikationsdefizite und die schwierige Integration ausländischer Bewohner sind nach Einschätzung des QM das größte Problem des Gebietes. Als weitere zentrale Defizite werden beschrieben: Zunehmende Vereinzelung und Vereinsamung, Armut, Kriminalität und Überforderung der Familien. Eine Unterversorgung mit bedarfsgerechten Freizeitangeboten insbesondere für Migranten, Senioren, Familien, Kinder und Jugendliche. Konflikte im bestehenden Kinder- und Jugendhaus aufgrund der räumlichen Nähe nicht kompatibler Altersstufen. Mangelnde Integrationsfähigkeit der Migranten aufgrund fehlender Sprachkenntnisse. Die Lösungsansätze beziehen sich vorwiegend auf die Schaffung zusätzlicher und an den Bedürfnissen ausgerichteter Angebote und Einrichtungen für Gemeinwesenarbeit, soziale und nachbarschaftliche Dienstleistungen, Treffpunkte und Angebote zur Verbesserung der Kommunikation. Die konkreten Maßnahmen reichen von der Unterstützung von Elterninitiativen zur Verbesserung der Spielplätze einschließlich der Organisation einer Spielplatzbetreuung über Planungen für Sprachkurse bis zur Erweiterung eines bestehende Kinder- und Jugendhauses in ein Nachbarschaftshaus mit entsprechenden Angeboten. Im Fall des Nachbarschaftshauses übernahm das QM die bauliche Seite des Vorhabens inklusive der Fördemittelakquisition und Projektsteuerung und erarbeitet gemeinsam mit dem Träger (Moabiter Ratschlag) und der Bezirksverwaltung ein Nutzungsund Betreuungskonzept. Eine besondere Rolle spielt die Integration jüngerer Ausländer über arbeitsmarktpolitische Maßnahmen (vgl. Beschäftigung und Qualifizierung).

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1.3.4 Beschäftigung und Qualifizierung Das QM geht von insgesamt hoher und überproportional hoher Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen, Migranten, Frauen und älteren Arbeitnehmern aus. Diese Einschätzung lässt sich durch die Schätzungen auf der Basis der Arbeitslosenstatistiken bezogen auf Einwohneranteile nicht untermauern, demzufolge die entsprechenden Werte nicht über dem Bezirksdurchschnitt oder den Werten in anderen QM-Gebieten liegen. Gleichwohl spricht die absolute Höhe der Werte in Kombination mit dem überwiegend niedrigen Qualifikationsniveau (Sprachbarrieren) für eine Schwerpunktsetzung in diesem Bereich. Im Rahmen der QM-Strategien wird daher Maßnahmen zu Verbesserung der Qualifizierung und Beschäftigung ein hoher Stellenwert eingeräumt. Bestandteile der Strategie sind: Initiierung von Beschäftigungsprojekten in Abstimmung mit dem Bezirk, dem Arbeitsamt und der Servicegesellschaft, Bestandteile der Ansätze sind zum Beispiel die Erarbeitung von beschäftigungswirksamen Projektvorschlägen, die Bündelung der im Bezirk stattfindenden Maßnahmen und die Abstimmung von bezirklichen Prioritäten für geplante Beschäftigungsmaßnahmen einschließlich einer Schwerpunktsetzung entsprechender Maßnahmen in den QM-Gebieten. Zur Umsetzung bestehen Kooperationen u.a. mit dem Arbeitsamt, dem Sozialamt und mit Beschäftigungsträgern und Verbänden.

1.3.5 Wirtschaftsförderung und Stadtteilökonomie Das QM-Beusselstraße ist hinsichtlich seiner Wirtschaftstruktur durch zwei wesentliche Faktoren geprägt. Es beinhaltet ein Gewerbe-/Industriegebiet, das bis in die 30er Jahre zu Charlottenburg gehörte und in Teilen deswegen immer noch vom Bezirksgeschehen abgehängt ist. Die dort ansässige Industrie (Maschinenbau, Genussmittel u.a.) ist als Folge der globalen Umstrukturierungen und durch Veränderung der Berlin-Förderung einem starken Umstrukturierungsprozess unterworfen. Die lokale Versorgungsökonomie zieht sich wie in vielen gründerzeitlichen Altbaugebieten aus den Wohngebieten zurück und konzentriert sich entlang der Haupteinkaufsstraßen. Strategien zur Stärkung der lokalen Ökonomie sind demzufolge ein zentrales Handlungsfeld des QM. Um Synergieeffekte im Bereich der lokalen Wirtschaft zu erreichen, wurden im Herbst 1999 eine Umfrage und zwei Veranstaltungen mit den ansässigen Kleingewerbetreibenden durchgeführt. Ziel war die Entwicklung gemeinsamer Leitziele und die Initiative zur Einrichtung einer Arbeitsgemeinschaft der Gewerbetreibenden rund um die Beusselstraße und Gotzkowskystraße. Durch diese Maßnahmen soll den Gewerbetreibenden verdeutlicht werden, dass nicht nur eine Konkurrenz zwischen den Gewerbetreibenden besteht, sondern der Standort Beusselstraße und Gotzkowskystraße
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auch in Konkurrenz zu anderen Standorten im Bezirk und der weiteren Umgebung steht, so dass gemeinsame Aktivitäten zur Attraktivitätssteigerung umgesetzt werden können. Zwischenzeitlich hatten die Einzelhändler einen ‚Gewerbestammtisch‘ eingerichtet und führen ihre Veranstaltungen selbstständig durch (z.B. Weihnachtsmarkt, Straßenreinigung, Oster-Kiez-Party). Diese Aktivitäten konnten jedoch die allgemein beobachtete Entwicklung des Einzelhandels in den Wohnstraßen nicht verhindern, sondern allenfalls verzögern. Für die Entwicklung und Profilierung des gesamten Gewerbe- und Industriestandortes Moabit wird die kooperierende Arbeit der S.T.E.R.N. mit verschiedenen Senatsverwaltungen genutzt. Die S.T.E.R.N. ist unabhängig vom QM mit der Durchführung eines integrierten Standortmanagements beauftragt. Primäres Ziel ist, zusätzliche Integrationsmöglichkeiten (Einbau von vor- oder nachgelagerter Produktion oder produktionsnahen Dienstleistungen) und verstärkte Standortprofilierung zu entwickeln.

1.3.6 Soziale und kulturelle Infrastruktur

1.3.6.1 Schule und Bildung Die Verbesserung der Situation in und an den Schulen ist ein zentrales Handlungsfeld des QM. Die Zusammenarbeit mit den Schulen entwickelt sich dabei unterschiedlich und ist stark vom Engagement der jeweiligen Schulleiter abhängig. Zu einer der beiden Schulen im Gebiet konnten gute Kontakte hergestellt werden. Die Kooperationen beinhalten z.B. Vermittlung von Kontakten zur Leiterin eines Modellprojektes zur Schulprofilierung in Berliner Schulen, Unterstützungen bei der Renovierung von Klassenräumen, Unterstützung bei der Einrichtung von SAM-Stellen zur Durchführung z.B. von Computer- und Nähkursen sowie einer Schulstation. Bei der Realschule bemühte sich das QM insbesondere den Aufbau von Unternehmenskooperationen zu unterstützen. Die Zusammenarbeit mit der Realschule kam jedoch nicht zustande, da notwendige Leistungen der Schulleitung bislang nicht erbracht werden konnten. Da die Zusammenarbeit als außerordentlich wichtig angesehen wird, soll im Frühjahr 2003, finanziert über Mittel des QM, eine Existenzgründerwoche mit den Schülerinnen und Schülern durch die Unternehmensberatung mpr durchgeführt werden. Schwierig gestaltet sich aus Sicht des QM zum Teil die Zusammenarbeit mit der

Bezirksschulverwaltung. Aufgrund der Diskrepanzen zwischen der starken Bedeutung und der schwierigen Umsetzung von Maßnahmen im Bereich Schule hat das QM ein Positionspapier zur Bedeutung der Schulprofilierung erstellt, dass auf die Einrichtung von Modellprojekten in diesem Bereich zielt. Dieses Papier richtet sich an die Bezirks- und an die Landesschulverwaltung. Es stieß auf sehr geringe Resonanz. Trotz einer positiven Entwicklung der Anmeldungszahlen bei der
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Grundschule (u.a. wg. Aufbau einer Montessori-Klasse) wird die Schule im Herbst 2003 aufgrund rückläufiger Schülerzahlen im Stadtteil Moabit-West geschlossen. Der Schulstandort soll sich als Realschule mit Europazug profilieren. Geplant ist dort die Fusion zweier Realschulen, von denen eine bisher in der Turmstraße untergebracht ist.

1.3.6.2 Gesundheit Ansätze und Maßnahmen im Bereich Gesundheit können konzentrieren sich auf kleiner Projekte (z.B. der Verbesserung der Ernährung von Grundschülern).

1.3.6.3 Sonstige soziale und kulturelle Infrastruktur Die Verbesserung der sozialen Infrastruktur ist zentrales Anliegen des QM. Die entsprechenden Strategien und Maßnahmen sind im Abschnitt „Zusammenleben im Quartier“ dargestellt. Zur Verbesserung der kulturellen Infrastruktur werden verschiedene Projekte durchgeführt, die u.a. durch den Quartiers- Und Aktionsfonds finanziert werden.

1.4

Beurteilung der Ziele und des Verfahrens

Die dargestellten Einzelziele und Strategien sowie die daraus abgeleiteten Kernziele (Erhöhung der Attraktivität als Wohngebiet, Verbesserung des Nachbarschaftsgefüges, Beseitigung der Chancenungleichheit, wirtschaftliche Entwicklung des Standortes insgesamt, Empowerment der Bewohner) entsprechen der Problemlage im Gebiet. Das QM zeichnet sich durch eine im Vergleich zu anderen QM-Gebieten sehr enge und von engagierten Teilen der Verwaltung getragene Kooperation mit dem Bezirk aus. Es ist weitgehend in die bezirklichen Verwaltungs- und Politikebenen eingebunden, so dass eine im Vergleich zu anderen QM-Gebieten überdurchschnittliche Einbindung in relevante Entscheidungsstrukturen erfolgt ist. Das QM wirkt somit stark auch auf die Gesamtstrategien des Bezirks ein. Hintergrund ist ein in Teilen der Bezirksverwaltung verankertes, stark entwickeltes gemeinsames Problembewusstsein auf Bezirks- und Quartiersebene. Parallel werden gemeinsam mit dem Moabiter Ratschlag systematische Versuche unternommen, Bürger in die Diskussions- und Entscheidungsprozesse einzubinden – zum Beispiel über das mittlerweile regelmäßig tagende Stadtteilplenum.

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2.

Magdeburger Platz

2.1

Abgrenzung Abgrenzung des QM-Gebietes Magdeburger Platz

Abbildung 2:

Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

empirica

2.2

Zentrale Stärken und Schwächen

Das QM-Gebiet Magdeburger Platz ist ein zentrales innerstädtisches Gebiet mit einer starken heterogenen baulichen und städtebaulichen Struktur (Altbau, 70er und 80er Jahre). Es befindet sich im Fusionsbezirk Mitte (ehemals Bezirk Tiergarten) in zentraler stadträumlicher Lage zur City-West und dem Potsdamer Platz/Kulturforum. Zudem verfügt das Quartier infolge der vorhandenen sozialen Infrastruktureinrichtungen mit überregionalem Einzugsgebiet (u.a. Französisches Gymnasium) und zentralen Einzelhandelsangeboten (u.a. Möbelhäuser) über Entwicklungspotentiale.

Evaluation_Quartiersmanagement

- 15 -

empirica

Die städtebauliche Struktur des Gebietes ist sehr heterogen. Während insbesondere im östlichen Bereich aufgrund vorhandener Brachflächen erhebliche städtebauliche Mängel bestehen und der Wohnraum vielfach mit sozial problematischen Gruppen belegt ist, sind in Teilbereichen des Gebietes v.a. entlang des Schöneberger Ufers, am Lützowplatz und in der Lützowstraße attraktive Wohnlagen mit einem hohen Anteil von einkommensstärkeren Haushalten vorhanden. Allerdings wurden und werden viele dieser attraktiven Wohnungen in Büros umgewandelt. Die Kaufkraft im Quartier ist in Teilbereichen – insbesondere im Westteil – überdurchschnittlich hoch und liegt über der Kaufkraftkennziffer Berlins gesamt. Jedoch gibt es auch Bereiche, besonders östlich der Potsdamer Straße, in denen sie deutlich unterschritten wird. Der Rückgang des Kaufkraftpotentials in den letzten Jahren ist zudem alarmierend. Zentrales Hemmnis des Quartiers Magdeburger Platz ist das schlechte Image als Wohn- und Aufenthaltsort, z.T. zurückzuführen auf die im öffentlichen Raum sichtbare Prostitution (v.a. Kurfürstenstraße) und den Drogenmissbrauch (v.a. Magdeburger Platz). Dadurch werden Unsicherheitsgefühle bei den Bewohnern hervorgerufen. Die daraus resultierende Unattraktivität als Wohnquartier für Familien mit Kindern wird durch die geringe Freiflächenausstattung und die hohe verkehrliche Belastung v.a. auf der Potsdamer Straße verstärkt. Hinzu kommen außerdem noch die problematische Mieterstruktur im Sozialen Wohnungsbau und der hohe Migrantenanteil von bis zu 95% an den Schulen.

Evaluation_Quartiersmanagement

- 16 -

empirica

2.3

Charakteristik
Gebietstyp Stadträumliche Situation/ Baustruktur Typ B: Altbau-dominiertes Quartier in der westlichen Innenstadt, ca. 8.750 EW
-

gründerzeitliches Altbaugebiet (tlw. Blockrandbebauung) mit eingestreuten Neubaubeständen aus den 70er und 80er Jahren (IBA) v.a. entlang der Lützow-, Pohl- und Potsdamer Straße, zentrale Lage in Nähe zur City-West und Potsdamer Platz/Kulturforum Kerngebiet (großräumige Handels- und Produktionsstandorte - vor allem Möbel und Medien) zerschnitten durch stark frequentierte Potsdamer Straße, stadträumliche Begrenzung im Norden durch Schöneberger Ufer/Landwehrkanal und Güterbahnhof (Flottwellstraße) im Osten, inhomogene innere Struktur mit attraktiven Wohnlagen v.a. im westlichen Bereich entlang des Schöneberger Ufers und Räumen niedriger Qualität im Osten im Bereich der Flottwellstraße (Brachflächen). Geringe Freiflächenausstattung, starke verkehrliche Belastung durch den Durchgangsverkehr in der Potsdamer Straße, Kurfürstenstraße und Schöneberger Ufer. Hoher Anteil von Wohnungsbeständen im sozialen Wohnungsbau Hoher Ausländeranteil (36,6 % gegenüber 29 % in Tiergarten), insbesondere Anteil von Ausländern in der Altersgruppen 18-35-Jährige mit 44 % sehr hoch, im Bereich östlich der Potsdamer Straße Anteil von 55 %, 22,3 % Ausländer sind türkischer Nationalität. Hohe Fluktuation, annähernd die Hälfte der Bewohner ist im Zeitraum 19941999 neu zugezogen. Kaufkraftpotential der Wohnbevölkerung überdurchschnittlich im Vergleich zu Tiergarten und Berlin, QM-Gebiet mit der insgesamt höchsten Kaufkraft, aber abnehmende Kaufkraft zwischen 1994 und 2000 von 114 % auf 104 % des bundesdeutschen Durchschnitts. Der starke Unterschied zwischen dem Ost- und dem Westteil des Gebiets ist dabei aber nicht berücksichtigt. Anteil der Arbeitslosen an 18-65-Jährigen geringer als in Tiergarten (10,9 % gegenüber 12,3 %), niedrigster Erwerbslosenanteil im Vergleich zu anderen QM-Gebieten. Höhere Altersarbeitslosigkeit (11,2 %) als in Tiergarten zweithöchster Anteil Langzeitarbeitsloser der QM-Gebiete (9,5 %),

-

-

Wohnungsmarkt Bewohnerstruktur

-

-

Kaufkraft

-

Beschäftigung/ Qualifizierung

-

-

Wirtschaftsförderung/ Stadtteilökonomie

-

-

Arbeitsplätze im Gebiet durch ansässiges überregionales Einzelhandels- und Dienstleistungsgewerbe (Möbelhäuser, Zeitschriftenverlag, Varieté „Wintergarten“) Gewerbeleerstand v.a. in der Potsdamer Straße. Hohe Fluktuation und Trading-down-Effekte. Französisches Gymnasium, Fritzlar-Homburg-Grundschule, Grundschule, Berlin-Kolleg im Quartier Grips-

Schule und Bildung

-

-

Hoher Anteil von ausländischen Kindern mit geringen Deutschkenntnissen, An einer Grundschule (FHGS) 95 % Schüler nicht deutscher Herkunftssprache; hohes Aggressionspotential an Schulen Kulturelle Einrichtungen: Varieté „Wintergarten“ Soziale Infrastruktureinrichtungen: Krankenhaus, 2 Grundschulen, 4 Kitas, 1
- 17 empirica

Gesundheit, sonstige soziale und kulturelle Infrastruktur
Evaluation_Quartiersmanagement

-

Stadtteilbibliothek, 1 Lernhaus der VHS, 1 Nachbarschaftstreff für Senioren, 3 Standorte mit Angeboten für Kinder und Jugendliche durch freie Träger Alltagsversorgung
-

Angebote von Gütern des täglichen Bedarfs und sonstiges Einzelhandels- und Dienstleistungsangebot im Bereich der Potsdamer Straße, westlich der Potsdamer Straße sind Waren des täglichen Bedarfs schwer erreichbar, Angebote des episodischen Bedarfs (Möbelhandel) in der Genthiner Straße, hochwertigeres und diversifiziertes Angebot der City-West in relativer Nähe

Quelle: empirica, eigene Zusammenstellung

2.4

Handlungskonzept und Ziele

Das Quartiersmanagement Magdeburger Platz legt einen Schwerpunkt der Arbeit auf Maßnahmen, die der Verbesserung der Chancengleichheit und der Integration sowie einem gepflegten Wohnumfeld dienen. Entsprechend den Vorgaben der Senatsverwaltung erfolgt im Handlungskonzept keine besondere Prioritätensetzung auf der Ebene der strategischen Ziele. Auf der Ebene der operationalen Zielen werden im Handlungskonzept Prioritäten abgeleitet und begründet. Haupthandlungsfelder und wichtigste Projekte sind: Integration: Aufbau eines Integrationszentrums / hoher Migrantenanteil arabischer Herkunft in den Wohnanlagen des Sozialen Wohnungsbaus Am Karlsbad /Bissingzeile und in der Pohlstraße Bildung: Stärkung der lokalen Bildungseinrichtungen im Stadtteil Gründung eines Bildungsnetzwerk "Lokaler Bildungsverbund" bestehend aus den 2 Grundschulen, 4 Kindertagesstätten, der Stadtteilbibliothek und dem „Lernhaus Pohlstraße“ der City-VHS Wohnumfeld/Image: Aufwertung und Stärkung der Potsdamer Straße Verkehrsberuhigung im Kontext von Wohnstandorten und Einrichtungen der sozialen Infrastruktur Bürgerbeteiligung: Gründung und Unterstützung des Stadtteilbeirates, Einrichtung und Pflege von kommunikativen lokalen Netzwerken und Nachbarschaften: Vereine, Interessengruppen, Projekte und Initiativen

Evaluation_Quartiersmanagement

- 18 -

empirica

3.

Soldiner-, Wollankstraße

3.1

Ausgangssituation im QM-Gebiet

3.2

Abgrenzung Abgrenzung des QM-Gebietes Soldiner-, Wollankstraße3

Abbildung 3:

Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

empirica

3

Die gestrichelte Linie markiert die erfolgte Gebietserweiterung.

Evaluation_Quartiersmanagement

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empirica

3.3

Zentrale Stärken und Schwächen

Das QM-Gebiet Soldiner-, Wollankstraße in Mitte ist ein am Rande der Innenstadt gelegenes, einfaches Wohn- und Mischgebiet. Der Stadtteil besteht überwiegend aus gründerzeitlicher Blockrandbebauung; eingestreut sind neuere und ältere Bestände des Sozialen Wohnungsbaus, insbesondere in den Bereichen Wollank- und Koloniestraße. In Teilen des Gebietes gilt das Sanierungsrecht. Der von Norden nach Süden verlaufende Grünzug entlang des Pankegrabens mit seinen gut angenommenen Spiel- und Erholungsflächen und die nördlich anschließenden Grün- und Freiflächen verleihen dem Quartier eine besondere Wohnqualität. In dem Quartier leben seit langem und in zunehmendem Maße türkische und arabische Familien. Wie in vielen ähnlichen Stadtteilen, verlief der damit verbundene Anstieg der nichtdeutschen Bevölkerung zunächst über viele Jahre ohne gravierende sichtbare Probleme. In den neunziger Jahren änderte sich dies. Mit der ansteigenden Arbeitslosigkeit in der Stadt, der aufgrund der wachsenden Wahlfreiheit auf dem Wohnungsmarkt zunehmenden Segregation und der sich verändernden Einzelhandelssituation in Berlin begannen sich, soziale und wirtschaftliche Defizite im Quartier zunehmend zu manifestieren. Einem Konzentrationsprozess im Einzelhandel (bspw. Gesundbrunnencenter) einerseits steht die Entstehung ethnisch geteilter Geschäftsstrukturen andererseits gegenüber. Mit steigender Arbeitslosigkeit der Wohnbevölkerung des Quartiers geht eine sinkende Kaufkraft für die Angebote das ortsansässigen Gewerbes einher. Mit schwindender ökonomischer Basis der Zielgruppen- und Teilmärkte müssen alteingesessene Händler und Handwerker ihre Geschäftsbetriebe aufgeben und entsteht Ladenleerstand in den Erdgeschossen. So zeigen sich die Straßen mit Läden (Soldiner und Koloniestraße) mit unterschiedlichem Gesicht: bunte, ethnisch geprägte Läden und Vereinslokale stehen im Wechsel mit Trödelläden oder Leerstand. Auf der zentralen Einkaufsstraße (Prinzenallee) ist es ähnlich, hier entsteht aber durch Initiative des QMs zunehmend eine Galerie- und Kunstszene in den ehemals leeren Geschäftsräumen. Dieser ökonomischen Situation stehen unterschiedliche Erlebniswelten im sozio-kulturellen, religiösen und nachbarschaftlichen Umfeld gegenüber. Der wachsende Anteil von Kindern und Jugendlichen nichtdeutscher Muttersprache wird von Familien mit Kindern im schulpflichtigen Alter ungeachtet ihrer jeweiligen kulturellen Herkunft negativ gewertet. Bildungsbewusste Familien – deutsche wie mittelständisch- und bildungsorientierte Migrantenfamilien – suchen sich zur Einschulung Einrichtungen außerhalb des Soldiner Quartiers oder ziehen vor Einschulung ihrer Kinder aus dem Gebiet fort. Damit wird auch die Verständigung über die Grenzen unterschiedlicher Herkunftskulturen brüchiger und ist von Unsicherheiten und Ängsten begleitet. Die Wertesysteme der jeweiligen

Evaluation_Quartiersmanagement

- 20 -

empirica

Kulturen und Biographien sind in Frage gestellt oder „in fremder Umgebung“ als „wenig bindend“ erachtet. Hinzu kommt die öffentliche Brandmarkung des Quartiers durch Medien (Presse und Fernsehen) mit Fokussierung auf Überfremdung und Kriminalität, die Ängste und Animositäten zwischen den unterschiedlichen Kulturträgern verstärkt. „Papierkörbe, Einkaufswagen, Müll und Hundekot“ auf Straßen, in Höfen und Grünanlagen, in der Panke, werden als Synonyme für auseinanderfallende soziale Bezüge in fast allen Bürgersprechstunden und Erörterungsveranstaltungen benannt.

3.3.1 Charakteristik
Gebietstyp Stadträumliche Situation/ Baustruktur
-

TypA: Altbau-dominiertes Quartier in der westlichen Innenstadt, ca. 16.800 EW Hochverdichtetes gründerzeitliches Quartier mit Blockrandbebauung im nördlichen Wedding, eingestreut Gebäude der 60/70er Jahre (Wollankstraße) des Sozialen Wohnungsbaus Hohe Verkehrsbelastung (Soldiner Straße, Prinzenallee, Wollankstraße) bedingt u.a. Gefahr für Kinder Einfache Wohnlage, Sanierungsgebiet Soldiner Straße innerhalb des QMGebietes, hoher Instandsetzungsbedarf im unsanierten Wohnbestand Wohnungen v.a. im gestreuten Privatbesitz, Wohnungen z.T. auch im Besitz von Wohnungsunternehmen (DeGeWO, GeSoBau, GSW) Junge Wohnbevölkerung, Fluktuation im Vergleich zu Berlin und Wedding nicht auffällig Hoher Ausländeranteil (34,5 %), sehr hoher Anteil von ausländischen Kindern und Jugendlichen zwischen 6 bis 18 Jahren (46,6 %) Kaum Veränderung der Kaufkraft von 1994-2000, Verschlechterung im QM-Gebiete-Vergleich (von Rang 7 auf Rang 9) Zweithöchster Anteil Arbeitsloser an 18-65-Jährigen der QM-Gebiete (23 %), Altersarbeitslosigkeit annähernd wie im Wedding, aber im Vergleich höhere Jugendarbeitslosigkeit (16,6 % gegenüber 13,7 % im Wedding), Anteil Langzeitarbeitsloser an allen Arbeitslosen geringer als im Wedding und Berlin (26 % gegenüber 35 % und 32 %) Kein größeres Gewerbe im Quartier, v.a. Einzelhändler und personenorientierte Dienstleister (v.a. Familienbetriebe) im ethnischen Gewerbe, hohe Fluktuation des Gewerbes, hoher gewerblicher Leerstand Wenig Arbeitsplätze im QM-Gebiet vorhanden Sprachprobleme, Schüler aus bildungsfernen Gesellschaftsschichten und mangelnde Beteiligung der Eltern Dritthöchster Anteil an Schülern nicht deutscher Herkunftssprache (81 %) der QM-Gebiete Hohes und kreatives Engagement der Schul- und KITA-leitungen,
- 21 empirica

-

Wohnungsmarkt

-

-

Bewohnerstruktur

-

-

Kaufkraft Beschäftigung/ Qualifizierung

-

-

Wirtschaftsförderung/ Stadtteilökonomie

-

-

Schule und Bildung

-

-

-

Evaluation_Quartiersmanagement

Pädagoginnen und Pädagogen, Sprach- und Bildungsdefizite der Kinder mit situativ angepassten Förderprogrammen zu überwinden Gesundheit, sonstige soziale und kulturelle Infrastruktur
-

Mittlere Angebotsdichte von ansässigen Trägern, Projekten und Initiativen: Kiez AG, zwei Stadtteilzentren, Stadtteilverbund der Nachbarschafts- und Selbsthilfeeinrichtungen, Betroffenenversammlung des Sanierungsgebietes Soldiner Straße, Kiezläufer, HIPPY Projekt, Putte e.V, Nachbarschaftsverein Soldiner Kiez e. V., mehrere Beratungsstellen (Mädchen, Drogen, Alkohol, Sozialhilfe, Wohnungsprobleme). Gebietseigene Einzelhandels- und Dienstleistungseinrichtungen (Soldiner Straße, Wollankstraße, Prinzenallee) einfach und wenig diversifiziert mit Angeboten des täglichen Bedarfs. Waren des höheren Bedarfes und öffentliche Einrichtungen im Hauptzentrum Müllerstraße und Mittelzentrum Badstraße/Brunnenstraße relativ gut mit ÖPNV erreichbar

Alltagsversorgung

-

Quelle: empirica, eigene Zusammenstellung

3.3.2 Handlungsfelder und Ziele Der integrierten Zielsetzung des Quartiersmanagements entsprechend werden sowohl investive als auch nicht-investive Ziele und Maßnahmen verfolgt. Investive Maßnahmen prägten mit Aufwertung des öffentlichen Raumes den Beginn der Arbeit: Verbesserung der Infrastruktur für Kinder und Jugendliche, zusätzliche Angebote gut ausgestatteter Spielplätze, Grundstückszwischennutzungen, Hofbegrünungen, Verkehrsprojekte. Die Verbesserung der Infrastruktur erfolgte in enger Abstimmung mit Bewohnern, deren Kindern, den Haus- und Grundstückseigentümern sowie den Trägern und Vertretern öffentlicher Belange. Investive Maßnahmen wurden begleitet von Initiativen zur Sauberkeit des öffentlichen Raumes (Greencops / Grünpflege-ABM / Kiezläufer); darüber hinaus enge Zusammenarbeit mit AT-LUX, Grünflächenamt, BSR, für ansprechende Beleuchtung und sauber gepflegte Erscheinung des öffentlichen Raumes. „Umweltsünder“ werden frühzeitig angesprochen und ermahnt, vorhandene Angebote zur Müllbeseitigung anzunehmen und zu nutzen. Der öffentliche Raum ist nach Ansicht von Bewohnern und QM mit diesen Maßnahmen deutlich ansprechender und sauberer geworden. Für den Fortgang der Arbeit verschiebt sich der Fokus und die Gewichtung mehr zu sozial integrativen Projekten, zu Gewerbeberatung und –förderung, Kultur- und Imagekampagnen (Schul- und KITAKooperationen und -aktionswochen, Künstlerprogramm „Kolonie-Wedding“, Soldiner Kiezverein, Stadtführungen, Schulungen zur Konfliktvermittlung, ....) mit besonderem Gewicht auf Hilfe zur Selbsthilfe, Vernetzung und Anregung von Bürger-Eigeninitiative über die Grenzen der eingangs dargelegten sozialen und kulturellen Segregationen hinweg.

Evaluation_Quartiersmanagement

- 22 -

empirica

Die in Initiativen des Quartiers aktiv organisierten Bürger und das Quartiersmanagement haben sich gemeinsam zum Ziel gesetzt, im Gebiet lebende Familien zu halten und jüngere Menschen vor oder im Übergang zur Familienbildung neu für den Zuzug in das Soldiner Quartier zu gewinnen. Dazu muss viel gegen das schlechte Image getan werden, die Betreuungs- und Bildungsangebote müssen verbessert werden. Dazu trägt das Quartiersmanagement in Zusammenarbeit mit Schulen und Kitas und gemeinsam mit zum Teil überregional tätigen Ehrenamts-Initiativen bei. Hier wird die Herausarbeitung pädagogischer Schwerpunkte unterstützt und nach neuen Ansätzen zur Sprachförderung gesucht. Gemeinsam mit Gewerbetreibenden arbeitet das Quartiersmanagement an der Überwindung der ethnischen Segregation der Angebotsmärkte für eine Stärkung der ökonomischen Basis der ortsansässigen Betriebe, Herausarbeitung eines gemeinsamen Gebietsprofils, für einen interkulturell geprägten integrierten Markt für Handel und Handwerk – mit dem Ziel, „Alleinstellungsmerkmale“ und Wettbewerbsbesonderheiten von überregionaler Bedeutung für das Quartier zu identifizieren und image- und beschäftigungswirksam zu vermarkten.

Evaluation_Quartiersmanagement

- 23 -

empirica

4.

Sparrplatz

4.1

Ausgangssituation im QM-Gebiet

4.1.1 Abgrenzung Abbildung 4: Abgrenzung des QM- Gebietes Sparrplatz

Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

empirica

4.1.2 Zentrale Stärken und Schwächen Das QM-Gebiet Sparrplatz gehört seit langem zu den Berliner Innenstadtgebieten, in denen sich aufgrund der einfachen Wohnqualität (im wesentlichen gründerzeitlicher Mietwohnungsbau mit einfacher Ausstattung) Haushalte mit geringen Wahlmöglichkeiten auf dem Wohnungsmarkt bzw. eingeschränkter Mietzahlungsfähigkeit konzentrieren. Im Zuge dessen hat sich das Gebiet in den letzten Jahrzehnten wie auch andere Gebiete im Wedding, in Kreuzberg und Moabit
Evaluation_Quartiersmanagement - 24 empirica

zum Schwerpunktwohngebiet für Migranten entwickelt. Die Segregation hat sich in den letzten Jahren nochmals verstärkt, es ziehen zunehmend wirtschaftlich und sozial schwache Haushalte in das Gebiet. Das durch gründerzeitliche Blockbebauung geprägte Wohngebiet entspricht der städtebaulichen Situation vieler anderer innerstädtischer Gründerzeitquartiere mit teilweisen Instandhaltungsmängeln, einfachem Ausstattungsstandard und strukturellem Freiflächendefizit. Aufgrund des überdurchschnittlich hohen Anteils an Klein- und Kleinstwohnungen herrscht ein struktureller Mange an familiengerechten Wohnungen im Gebiet. Das Sanierungsverfahren in einem Block am Sparrplatz ist abgeschlossen. Zentralität und Erreichbarkeit des Gebietes sind gut. In Teilbereichen – vor allem entlang des Kanals – bestehen trotz der hohen baulichen Dichte attraktive Wohnlagen mit einem relativ hohen Anteil wirtschaftlich stabiler Haushalte. Einzelhandel und Infrastruktur haben sich in den letzten Jahren zunehmend in die unmittelbar angrenzende Müllerstraße verlagert, sind aber vom Gebiet aus noch gut zu erreichen. Das QM-Gebiet Sparrplatz ist zwar stadträumlich durch die umgebenden Nutzungen (Hafen, Verkehrsachsen, TFH, Charité) begrenzt, verfügt jedoch innerhalb des Gebietes über relativ homogene und gewachsene Strukturen. Durch die Nähe zum Hochschulstandort TFH haben sich drei Studentenwohnheime und ein breiter Besatz an Studentenkneipen, Cafés und Copyshops im Gebiet herausgebildet. Diese funktionalen Verflechtungen (Folgebedarf) stellen ein gebietsspezifisches Potential dar. Das Quartier Sparrplatz ist ein überdurchschnittlicher junger Stadtteil, zurückzuführen vor allem auf den hohen Ausländeranteil; in den Altersgruppen bis 35 Jahre hat fast jeder zweite Bewohner nicht die deutsche Staatsbürgerschaft. Es gehört zu den vier QM-Gebieten mit den höchsten Ausländeranteilen (39 % der Bevölkerung). Die ausländischen Bewohner im Gebiet sind dabei zu einem größeren Teil arbeitslos gemeldet und häufiger Transfereinkommensempfänger als deutsche Bewohner. Insgesamt ist die Arbeitslosenquote im Gebiet jedoch nicht höher als im Weddinger Durchschnitt.5 Parallel zu steigender Arbeitslosigkeit und steigender Sozialhilfeabhängigkeit der Bewohner hat sich das Erscheinungsbild des öffentlichen Raumes verschlechtert. Die Bewohner beklagen sich über Verwahrlosungserscheinungen und Müll. Diese Veränderungen, zusammen mit dem spürbar starken „Bevölkerungsaustausch“, dem Rückzug des Einzelhandels und vereinzelten Wohnungsleerständen bewirken eine zunehmende Verunsicherung bei (seit längerem im Gebiet lebenden) Bewohnern.

5

Angaben aus der Dokumentation des Bürgergutachtens Sparrplatz (Planungszelle, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung 2000)

Evaluation_Quartiersmanagement

- 25 -

empirica

Verschmutzung durch Müll

Geringe Aufenthaltsqualität des öffentlichen Raums

4.1.3 Charakteristik
Gebietstyp Stadträumliche Situation/Baustruktur Typ A: Einfache, Altbau-dominierte Quartiere in der westlichen Innenstadt, rd. 14.400 EW Hochverdichtetes Mietskasernenquartier (v.a. Blockrandbebauung) im südlichen Wedding, eingestreut Gebäude der 60/70er Jahre und einzelne Neubauten der neunziger Jahre; einfache Wohnlage; Wohnfunktion mit Wohnfolgeeinrichtungen und einzelnen Kleingewerbeeinheiten.
-

Relativ isolierte Lage zu den umliegenden Wohngebieten durch Schifffahrtskanal, S-Bahn-Trasse und Hauptverkehrsstraßen. Entlang der Hauptverkehrsstraßen zentrale Einrichtungen u.a. zur Versorgung. Wenig Grün- und Freiflächen, Straßenräume in einfacher Qualität ohne besondere Aufenthaltsqualitäten, mit Ausnahme des Sparrplatzes geringe Investitionen in den öffentlichen Raum in der Vergangenheit. Einfache Wohnlage, Sanierungsgrad (teil- oder vollsaniert) geschätzt ein Drittel; Leerstände nur vereinzelt. Wohnungen v.a. in gestreutem Privatbesitz, eine kleine Anzahl (Bereich Sparrplatz) im Besitz der Gesellschaft für sozialen Wohnungsbau (GeSoBau) Hoher Anteil an Klein- und Kleinstwohnungen Mietpreisniveau: ca. 4 bis 5 €/m² nettokalt im (teil-)sanierten Altbau Die Wohnbevölkerung ist jung, der Bevölkerungsaustausch hoch. Eine Gruppe der Zuzügler sind Studenten, die hier v.a. niedrige Mieten suchen (drei Studentenwohnheime im Gebiet) und bei höheren Einkünften oftmals aus dem Gebiet wegziehen. Höherer Anteil Bewohner zwischen 18 und 35 Jahren als in Gesamtberlin (rd. 35 % gegenüber gut 24 %), mehr Bewohner im erwerbsfähigen Alter zwischen 18 und 65 Jahren als in der Gesamtstadt (rd. 76 % gegenüber Berlin mit knapp 69 %). Wenig Rentner (65 Jahre und älter): Gut 7 % (Wedding 13 %, Berlin rd. 14 %). Hoher Ausländeranteil (gut 39 %), davon weniger aus EU-Staaten als im Berliner Durchschnitt (rd. 9 % gegenüber 15,5 % in Berlin). Gut zwei von drei Bewohnern im Alter zwischen 18 bis 35 Jahren (67 %) sind zwischen 1995 und 1999 aus einem anderen Bezirk hinzugezogen. 55 %

-

Wohnungsmarkt

-

Bewohnerstruktur

-

-

-

Evaluation_Quartiersmanagement

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empirica

der Zuzügler insgesamt sind ausländischer Nationalität. Kaufkraft Beschäftigung/ Qualifizierung
-

Mäßig abnehmende Kaufkraft: 1994 Rang 4; 2000 Rang 7 unter den QMGebieten Anteil Erwerbsloser (ca. 29 %) liegt deutlich über den Weddinger Durchschnitt. Für QM-Gebiete durchschnittlicher Anteil Langzeitarbeitsloser (rd. 33,5 %), jugendlicher Arbeitsloser unter 25 Jahren (11 %) und älterer Arbeitsloser zwischen 55 und 65 Jahre (13 %). Wenig Arbeitsplätze im Gebiet vorhanden, v.a. kleinflächiges Gewerbe, überwiegend Einzelhandel und Dienstleistung (v.a. Familienbetriebe) zunehmend im unteren Preissegment sowie zahlreiche gastronomische Einrichtungen. In den letzten Jahren vermehrt Ladenschließungen und Leerstände (zunehmende Bedeutung der zentralen Einrichtungen von Müllerstraße/Leopoldplatz, Ausbau von Einkaufszentren). Flächenpotentiale zur Gewerbeansiedlung nur in geringem Umfang vorhanden. Z.T. großes Engagement, zusätzlich zum Unterricht Projekte zur akuten Problemlinderung durchzuführen bzw. unterstützend tätig zu sein. Raumpotentiale und Bereitschaft für weitere Kooperationen sind vorhanden (drei Grundschulen im Quartier mit unterschiedlichen Profilen). Steigender Anteil von Kindern mit geringen Deutschkenntnissen und/oder Verwahrlosungsanzeichen, hoher Anteil von Schülern nicht deutscher Herkunftssprache 72,5 % Mittlere Angebotsdichte sowohl von freien als auch öffentlichen Trägern v.a. für Kinder und Jugendliche, aber auch im Bereich Nachbarschaftsdienste und sonstige soziale Infrastruktur (v.a. Osterkirche, Nachbarschaftsladen „Aktiv im Kiez“, „Sparrladen“, Jugendladen Tegeler Straße (Julateg), Jugendfreizeitheim (JFH) Lynarstraße, Weddinger Kinderfarm e.V., Abenteuerspielplatz Telux). Weitere ehrenamtliche Zusammenschlüsse und Initiativen bestehen seit einigen Jahren und bilden einen Kern von aktiven Bewohnern und Vertretern von Einrichtungen (z.B. Lokale Partnerschaft, Kiez AG, Elterninitiativen, Foren Lokale Agenda 21). Die gebietseigenen Einzelhandels- und Dienstleistungseinrichtungen (v.a. Torfstraße, Sprengelstraße) bieten die wichtigsten Einrichtungen für den täglichen Bedarf, wenn auch in einfacher und wenig diversifizierter Ausstattung. Weiterreichende Angebote inkl. Dienstleistungen sowie öffentliche Einrichtungen sind v.a. im Bereich des Subzentrums Müllerstraße/Leopoldplatz fußläufig zu erreichen (u.a. Kaufhäuser, Bezirksrathaus Wedding) sowie ein breites Spektrum im Bereich der Gastronomie.

Wirtschaftsförderung/ Stadtteilökonomie

-

Schule und Bildung

-

-

Gesundheit, sonstige soziale und kulturelle Infrastruktur

-

-

Alltagsversorgung

-

Quelle: empirica, eigene Zusammenstellung

4.2

Verfahren des Quartiersmanagements

4.2.1 Struktur und Verankerung des QM-Teams/Kooperation mit der Verwaltung Bereits vor Einrichtung des QM gab es am Sparrplatz Ansätze zur Quartiersentwicklung. Der wichtigste Vorläufer für das QM war die Lokale Partnerschaft - ein seit Ende 1997 bestehender Zusammenschluss von Funktionsträgern im Gebiet (z.B. Akteure von Trägern im Gebiet, Vereinsvorsitzende, Mitglieder von lokalen Initiativen) in Kooperation mit der Bezirksverwaltung
Evaluation_Quartiersmanagement - 27 empirica

Wedding. Ergebnis der Zusammenarbeit war u.a. das »Integrierte gebietsbezogene Handlungskonzept ‚Arbeit und Nachbarschaft‘ - Aufgaben eines Nachbarschaftsladens im Sprengelkiez«. Die im Zuge des Programms eingesetzten Quartiersmanager sind Mitarbeiter der Stiftung SPI und des KFW, ergänzt durch Mitarbeiter der mpr-Unternehmensberatung. Gemeinsam decken sie ein breites Tätigkeitsfeld ab: Die Stiftung Sozialpädagogisches Institut Berlin (SPI) (Geschäftsbereich »Stadtentwicklung, Ausnahme & Regel«). Das SPI hat die Federführung, es hat v.a. Erfahrungen in den Bereichen Qualifizierung (v.a. Sozial- und Gesundheitswesen), Sanierung, Stadtteilarbeit und Selbsthilfe sowie Maßnahmen für besondere soziale Zielgruppen. »Stadtentwicklung, Ausnahme & Regel« ist Treuhänderischer Sanierungsträger des Landes Berlin mit einem Schwerpunkt in der baulichen Selbsthilfe und Bewohnerbeteiligung. Kommunales Forum Wedding e.V. (KFW). Das KFW ist seit rd. zehn Jahren als Verein im Wedding und dem QM-Gebiet tätig und verfügt über weitreichende Kenntnisse über das Gebiet (u.a. Lokale Partnerschaft, integriertes Handlungskonzept für das Gebiet Sparrplatz), sowie über enge Kontakte zu lokalen Akteuren. Das KFW hat umfangreiche Erfahrungen Im Bereich Gemeinwesenarbeit und Gemeinwesenökonomie und initiiert Projekte, die nachhaltig die Infrastruktur verbessern sollen (z.B. Nachbarschaftsladen “Aktiv im Kiez“, Stadtteilgenossenschaft Wedding eG). Die lokalen Arbeitsgruppen setzten sich während des Auswahlverfahrens stark für das KFW als Quartiersmanager ein. Per Werkvertrag ergänzt die mpr-Unternehmensberatung die beiden Partner SPI und KFW. Das Haupttätigkeitsfeld der mpr ist die Beratung kleiner und mittlerer Unternehmen inklusive dem Bereich Existenzgründung. Entsprechend ist die mpr im Rahmen des QM Sparrplatz für die Stärkung des lokalen Gewerbes zuständig. Das Gesamtbudget von 2,3 Personalstellen ist in eine volle und zwei Stellen zu je 2/3 gesplittet. Zu Beginn des QM waren die Kooperationspartner untereinander intern sowie nach außen gleichberechtigt. Da es im Laufe der Tätigkeit vor Ort erforderlich wurde, für Externe einen hauptverantwortlichen Ansprechpartner zu benennen, enthielt die Vertragsverlängerung ab dem Jahr 2000 die Regelung, dass die Stiftung SPI als Hauptverantwortlicher für die Quartiersmanager fungiert. Die Bezirkskoordination für den Sparrplatz und die beiden anderen Weddinger QM-Gebiete Soldiner Straße, Wollankstraße und Pankstraße obliegt der Referentin des Bürgermeisters und einer Mitarbeiterin des Stadtplanungsamtes. Die Einbindung der Koordination sowohl auf „hoher“ Querschnittsebene als auch auf der Fachebene soll eine optimale Kopplung mit der Bezirksverwaltung gewährleisten. Die Bezirkskoordinatorinnen haben bezüglich des QM-Verfahrens nur wenig Vorgaben und Handlungsanweisungen, sie „entwerfen ihre Vorgehensweise für das QM praktisch aus der Praxis heraus“. Je nach Bedarf tagt zur verwaltungsinternen Abstimmung eine ressortübergreifende
Evaluation_Quartiersmanagement - 28 empirica

Steuerungsgruppe (bis 01/2001 insgesamt drei mal). Die beiden QM-Teams (Sparrplatz und Soldiner Straße) nahmen i.d.R. an diesen Sitzungen nicht teil. Mit der Bezirksfusion wurde ab März 2001 eine monatlich tagende “Projektsteuerungsrunde Quartiersmanagement“ eingerichtet. In dieser Runde sind neben den bezirklichen Fachabteilungen alle fünf QMs des Bezirks Mitte vertreten. Sie ist das bezirkliche Forum für alle QM-relevanten Fragen. Die Leitung und Moderation dieser Runde obliegt der Referentin des Bezirksbürgermeisters. In gemeinsamen Sitzungen stimmen sich die Quartiersmanager, die beiden Bezirkskoordinatorinnen sowie der Koordinator von SenStadt einmal monatlich ab. Vertreter weiterer bezirklicher Fachämter (v.a. Naturschutz- und Grünflächenamt, Hochbau, Tiefbau, Jugend, Gesundheit) werden bedarfsweise hinzugezogen. Moderator sind die Quartiersmanager. Die Teilnehmer diskutieren hier Vorhaben und koordinieren die Zusammenarbeit. Die Besprechungen verkürzen Dienstwege, bieten in höherem Maße die Chance, Synergieeffekte zu erkennen und sind nach Ansicht der Beteiligten effizienter als die bisher erforderlichen schriftlichen und telefonischen Einzelabstimmungen. Grundlegende Beschlüsse (z.B. Handlungskonzept) werden zusätzlich von der Bezirksverordnetenversammlung verabschiedet. Das Handlungskonzept für das QM wurde im Juni 2000, nach rd. einjähriger Tätigkeit vor Ort, in Abstimmung mit der Bezirksverwaltung verabschiedet. Es sind Erkenntnisse aus dem Gebiet in Form von Expertengesprächen, Beteiligungsverfahren (sog. „Aktivierende Befragung“, Planungszelle) und Präsentationen im Rahmen von Bürgerforen eingeflossen, so dass auch die Sicht der Bewohner eingeflossen ist. Das Handlungskonzept wird kontinuierlich fortgeschrieben.

4.2.2 Selbstverständnis Quartiersmanager Die Quartiersmanager verstehen sich sowohl als soziale Dienstleister als auch insbesondere als „Netzwerker“ für die Bewohner und für das Gebiet. Nach eigenem Verständnis betrachten sie es als ihre Aufgabe, Bewohner zu aktivieren, Bedarfe zu ermitteln, Projekte zu initiieren, in die Wege zu leiten bis hin zu einer Projektbetreuung/-begleitung/-umsetzung, diesbezügliche Verhandlungen mit der Verwaltung und anderen Beteiligten zu führen, Träger und Räume zu finden sowie Fördermittel zu akquirieren und einzusetzen. Aufgrund der geringen Anzahl an Trägern im Gebiet übernehmen die Trägerschaft für Projekte z.T. die Stiftung SPI (v.a. bauliche Projekte, Geschäftsbereich »Stadtentwicklung, Ausnahme & Regel«) oder das KFW. Die Quartiersmanager sind jedoch gemäß ihres Auftrags bemüht, i.d.R. andere geeignete Träger für die Projektdurchführung zu finden, um die Nachhaltigkeit zu sichern und andererseits die Projekte nicht in die Abhängigkeit der Quartiersmanager zu begeben.

Evaluation_Quartiersmanagement

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empirica

Durch die Bürgernähe im Rahmen ihrer Tätigkeit vor Ort erfahren die Quartiersmanager von lokalen Bedarfen, Interessen und Potenzialen mehr als die Verwaltung. Die Quartiersmanager betrachten sich daher auch als Marktforscher u.a. für die Verwaltung, um mit den gewonnenen Kenntnissen die Ziele des QM zu erreichen und Informationen und auch Aufgaben an die Bezirksverwaltung weiterzuleiten. So tragen nach eigenem Verständnis die Quartiersmanager dazu bei, die Kommunikationslücke zwischen Gebiet und Verwaltung zu füllen. Hierin sehen die Quartiersmanager einen positiven Nebeneffekt, nicht aber die zentrale Aufgabe von Quartiersmanagern. Verwaltung (Koordinatorin des Bezirks) Aus Sicht der Bezirkskoordinatorinnen wird festgestellt, dass sich zwischen dem Bezirk und dem QM eine enge Kooperation zur Ausführung herausgebildet hat. Die seit 2000 eingerichtete bezirkliche ressortübergreifende Projektsteuerungsrunde beim Bezirksbürgermeister sowie die übergreifenden Abstimmungsrunden auf Fachebene der Verwaltung werden dem Quartiersmanagement an Verwaltungsstrukturen zur Verfügung gestellt und von QM-Team grundsatz- und vorhabensbezogen für die Weiterentwicklung des Integrierten Konzepts am Sparrplatz genutzt.

4.2.3 Vernetzung mit Akteuren Die Vernetzung sowohl mit bezirklichen Kooperationspartnern als auch mit Einrichtungen vor Ort ist von Beginn an wesentlicher Bestandteil der Arbeit der Quartiersmanager. Die ersten Monate dienten hinsichtlich der Vernetzung mit zentralen Akteuren hauptsächlich der Kontakt- und Bestandsaufnahme und der Sammlung von möglichen Anknüpfungspunkten für das QM. Mittlerweile zeigen sich Fortschritte beim Auf- bzw. Ausbau von Netzwerken; vielfältige, konkrete Projekte wurden angeschoben und einige bereits realisiert. Als institutionalisierte Form der Vernetzung finden Quartiersforen (drei bis vier pro Jahr) zur Information über Stand der Maßnahmen und Diskussion der grundlegenden Gebietsthemen (inklusive Handlungskonzepte) statt. Darüber hinaus organisieren die Quartiersmanager themenspezifisch Runde Tische und Werkstattgespräche (z.B. Gesundheitsetage, Sprachförderung) und knüpfen an vorhandene Initiativen an (z.B. Treffen der lokalen Partnerschaft, Kiez AG, Lokale Agenda 21). Die Quartiersmanager nehmen an den Veranstaltungen teil.

4.2.4 Einbindung der Bewohner Die Quartiersmanager messen dem Kontakt mit Bewohnern und deren aktive Einbindung in die Quartiersentwicklung einen hohen Stellenwert bei. Ein intensiverer Kontakt zu solchen Bewohnern, die nicht mittels der unten aufgeführten Instrumente erreicht werden (z.B. wie am Boxhagener Platz in Form eines monatlichen Standes auf dem Marktplatz), wird nach Aussage der Quartiersmanager
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angestrebt, ist aber aufgrund der Personalkapazitäten nur schrittweise im Verbund mit den lokalen Akteuren zu realisieren. Eine besondere Rolle nahm neben der “Aktivierenden Befragung“ der Bewohner/-innen das durchgeführte Planungszellenverfahren im Zuge der Bestandsaufnahme und der gemeinsamen Entwicklung von Lösungsansätzen ein. Das Planungszellenverfahren und die daraus resultierenden Ergebnisse sind in einer Veröffentlichung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung dokumentiert. Im Einzelnen gibt es folgende Kontakte zwischen Quartiersmanagern und Bewohnern: Projekt „Aktivierende Befragung“ im Sommer 1999 mit Informationsstand und

Bewohnergesprächen Projekt „Planungszellen“ im Frühjahr Jahr 2000 Regelmäßige öffentliche Bewohnerforen Kontakte zu Funktionsträgern/Schlüsselpersonen im Quartier u.a. im Rahmen der öffentlichen Quartiersforen, die sich als Informations- und Ideenbörse an die breite Quartiersöffentlichkeit wenden Projektbezogene Bewohnerbeteiligungen Initiierung und Begleitung von bewohnergetragenen Projekten Vergabebeirat für den Aktionsfonds Bürgerjury im Rahmen des Quartiersfonds 2001/2002 (17 Sitzungen) Bürozeiten vor Ort: Die Quartiersmanager sind werktags ganztägig im Vor-Ort-Büro ansässig und für Besucher erreichbar. Im Rahmen dieser Bürozeiten kommen i.d.R. täglich einzelne Personen. Einzelgespräche und -beratungen Öffentlichkeitsarbeit über Lokalzeitung „Kiezbote“ (erscheint alle acht Wochen) mit einem Teil über die Umsetzung des QM, die Einladung von Vertretern der Presse alle sechs Wochen. Die Ergebnisse aus der aktivierenden Befragung, den Planungszellen und den regelmäßigen Bürgerforen im Quartier sind in das Handlungskonzept eingeflossen und essentielle Grundlagen für die Entwicklung und Umsetzung konkreter Maßnahmen und Projekte im Quartier. Darüber hinaus werden für alle Einzelmaßnahmen projektbezogene Bürgerbeteiligungen durchgeführt. Wie in fast allen QM-Gebieten gelingt es nach Einschätzung der Quartiersmanager bisher kaum, v.a. erwachsene Bewohner ausländischer Herkunft zu erreichen. Es stellt sich daher die Frage, wie es gelingen kann, Sprach- bzw. kulturelle Barrieren durch andere Methoden der Bewohneraktivierung zu
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kompensieren. Erfolge gibt es im Bereich der lokalen Ökonomie und der Arbeitsfördermaßnahmen. Vor allem bei den Arbeitsförderungsmaßnahmen liegt der Anteil der Teilnehmer nichtdeutscher Herkunft bei ca. 70 %. Erste Fortschritte werden auch im Bereich Gemeinwesenarbeit sichtbar (Treffpunkt für Migrantinnen, Gemeinwesenzentrum mit Gesundheitsförderung). Offen ist, inwiefern Bewohnergruppen zukünftig erreicht werden können, die aufgrund ihrer Lebenssituation wenige bis keine Berührungspunkte mit dem QM haben. Dies können z.B. mobile und beruflich stark eingebundene Personen sein, für die das Quartier in erster Linie Schlafstätte ist oder auch ältere Bewohner, die zurückgezogen leben und nur geringe nachbarschaftliche Kontakte pflegen.

4.3

Handlungsbedarfe und Maßnahmen

4.3.1 Handlungskonzept und Ziele Im Handlungskonzept sind keine übergeordnete Zielen und Perspektiven für die Quartiersentwicklung explizit benannt. Als Ziele werden in der Regel die Umsetzung von Maßnahmen und Strategien definiert, beispielsweise die Verbesserung des Wohnumfeldes oder die Unterstützung von Bewohnergruppen, die sich die Integration von ausländischen Bewohnern zur Aufgabe gemacht haben. Bei genauer Betrachtung kristallisiert sich aber heraus, dass die Quartiersmanager - auch ohne dies klar herauszuheben - darauf zielen, die Zufriedenheit der jetzt im Gebiet lebenden Bevölkerung durch Kompensation der identifizierten Defizite zu erhöhen, um die Fluktuation und den Fortzug von wirtschaftlich und sozial stabilen Haushalten einzudämmen. Das Handlungskonzept greift verschiedene Kernziele aufgrund der Mehrdimensionalität einzelner Handlungsfelder wiederholt auf. Dazu zählen vor allen der Abbau von Benachteiligungen der ausländischen Bewohner, die insbesondere auf die mangelhaften Sprachkenntnisse zurückzuführen sind als auch die Beseitigung von Verwahrlosungserscheinungen im Gebiet. Auch die Quartiersmanager benannten im Gespräch die Themen Bürgerbeteiligung, Schule, Bildung, Beschäftigung, Integration von Migranten und z.T. Wohnumfeldverbesserung als die zentralen Themen für die Quartiersentwicklung im Sparrplatz. Eine Prioritätensetzung zugunsten einzelner Handlungsfelder oder Ziele innerhalb des

Handlungskonzeptes erfolgt bisher teilweise (Beteiligungsverfahren, Schule und Bildung, Integration von Migranten). Die Zuordnung unterschiedlich vieler Einzelmaßnahmen oder die zeitliche Staffelung der Maßnahmen kann nicht als Indiz für eine stärkere inhaltliche Gewichtung des jeweiligen Bereiches gewertet werden, da sie häufig von den „zufällig“ bereits bestehenden Projekten bzw. von der „leichten“ oder „schweren“ Finanzierbarkeit der Projekte abhängt. Zudem neigten sowohl die Quartiersmanager als auch die Verwaltung dazu, zu Beginn des Verfahrens Projekte schnell sichtbare

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Ergebnisse umzusetzen, um die Wirksamkeit des Programms nach außen und gegenüber der Bevölkerung zu demonstrieren.

4.3.2 Wohnen, Wohnumfeld und öffentlicher Raum

4.3.2.1 Wohnen und Wohngebäude Defizite zum Thema Wohngebäude/Wohnungen sind im Handlungskonzept beschrieben (z.B. hohe Dichte, Instandhaltungs- und Modernisierungsdefizite, problematische Mieterzusammensetzung und hohe Fluktuation), konkrete Verbesserungsmaßnahmen beziehen sich bisher auf Wohnhofgestaltungen.

4.3.2.2 Wohnumfeld Konkrete nutzbare Potenziale im Quartier wie auch Ziele und Lösungsstrategien werden im Rahmen des Handlungskonzeptes fast ausschließlich in den Bereichen Verbesserung der Grün- und Freiflächenstruktur bzw. Spielmöglichkeiten identifiziert. Maßnahmen sind v.a. die Gestaltung, neue Nutzung oder Aufwertung von Flächenpotenzialen (z.B. Gewerbefläche Kiautschou-/Sprengelstraße, Nordufer, Sparrplatz, Spielplatz, Schulhof Brüder-Grimm-Schule) sowie die Erschließung von Stadtbrachen.

4.3.2.3 Öffentlicher Raum Das Handlungsfeld ‚Öffentlicher Raum‘ ist im Handlungskonzept mit dem Thema Sicherheit verknüpft. Die zentralen Defizite sind zum Einen ein hoher Vermüllungsgrad und ein Unsicherheitsgefühl von Anwohnern. Zum Anderen werden, analog zum Handlungsfeld ‚Wohnen und Wohngebäude‘ (s.o.), auch nicht ausreichend genutzte Flächen/Gebäudepotenziale als problematisch eingestuft und entsprechende Maßnahmen entwickelt. Entsprechend überschneiden sich die Maßnahmen und Projekte beider Handlungsfelder thematisch. Sie zielen zum Einen auf mehr Sauberkeit und Pflege des öffentlichen Raumes und einer Verbesserung des Erscheinungsbildes (z.B. Straßen, Vorgärten, Entrümpelung), zum Anderen beinhalten sie die Erschließung von Flächenpotentialen (Uferwanderweg am Schifffahrtskanal). Weitere Projekte werden auf Grundlage der Beteiligungsverfahren (v.a. aktivierende Befragung, Planungszelle) entwickelt.

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4.3.3 Zusammenleben im Quartier/Soziale Integration V.a. die soziale und ethnische Integration sowie die Identifikation der Bewohner mit ihrem Wohnstandort sind laut Handlungskonzept die zentralen Motive für Maßnahmen und Projekte im Rahmen des QM. Das Handlungskonzept stützt sich v.a. auf Vorhaben mit mittel- und längerfristigen Wirkungen wie Gemeinwesenzentrum Sprengelstraße, einen Frauentreffpunkt, die Vernetzung neuer und vorhandener Angebote im Bereich Sprachförderung, Einzelprojekte zur Belebung der Stadtteilkultur im Rahmen der Veranstaltungsreihe “Der Sparrplatz“ und “Nachbarschaftstheater“.

4.3.4 Beschäftigung und Qualifizierung Wie in allen QM-Gebieten entsteht laut Handlungskonzept ein zentraler Handlungsbedarf durch hohe Arbeitslosigkeit mit einem wachsenden Anteil junger Arbeitsloser (Jugendliche und junge Erwachsene) sowie durch Ladenleerstand und die Aufgabe von Unternehmen im Gebiet. Die beschriebenen Ziele haben teils den Charakter von Strategien zur Problembehebung und teils von Maßnahmen: Strategien zur Problembehebung zielen auf die Verknüpfung investiver Maßnahmen im Gebiet mit Beschäftigungsförderung, der Entwicklung lokaler Kooperationen (öffentliche Hand, private Wirtschaft, gemeinnützige Einrichtungen) und zusätzlicher Beschäftigungsfelder sowie der Imageverbesserung und Förderung des lokalen Gewerbes. Bereits den Charakter von Maßnahmen haben die Ziele, ein Gewerbeflächen-Nutzungskonzept zu entwickeln (Kiautschoustraße), eine Interessengemeinschaft für Gewerbetreibende zu gründen und einen Stadtteilbetrieb aufzubauen (Die Stadtteilgenossenschaft Wedding hat ihren Betrieb im Oktober 2001 aufgenommen.) Die Projekte knüpfen im Falle der Existenzgründungsberatung und des Aufbaus eines Stadtteilbetriebes auf der individuellen Ebene an, darüber hinaus sind sie mit denen der Förderung der Stadtteilökonomie verknüpft (s.u.).

4.3.5 Wirtschaftsförderung und Stadtteilökonomie Vor allem steigende Konkurrenz, große Einkaufszentren an den Gebietsgrenzen und geringe Kaufkraft führen zu Betriebsaufgaben und Ladenschließungen von Klein- und mittelständischen Unternehmen. Die Maßnahmen sind mit Ausnahme des Aufbaus eines Stadteilbetriebes ganz wesentlich „weiche Maßnahmen“ wie Beratung, Vernetzung, Öffentlichkeitsarbeit z.B. in Form der monatlich stattfindenden Veranstaltungen zur Beratung von Existenzgründungen aus der Arbeitslosigkeit und Sozialhilfe oder die auch in verschiedenen vergleichbaren Gebieten durchgeführte Aktion „Kunst statt Gewerbeleerstand“. Mit weiteren kleinteiligen Maßnahmen, wie z.B. Herausgabe eines Gewerbeführers Sparrplatz und der Veranstaltungsreihe “Musik in den Kiez“ mit Wirten werden Kooperationen der Gewerbetreibenden untereinander gefördert. Akteure sind neben lokalen Gewerbetreibenden auch Arbeitgeber und Bildungsträger der umliegenden Stadtgebiete (z.B. IHK,
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Technische Fachhochschule (TFH), Großbetriebe). Die Quartiersmanager sind v.a. Koordinatoren und beratende Instanz, initiieren und realisieren aber auch konkrete Projekte.

4.3.6 Soziale und kulturelle Infrastruktur

4.3.6.1 Schule und Bildung Die prekäre Situation an Schulen infolge einer wachsenden Anzahl an Schülern mit geringen Deutschkenntnissen findet sich im Handlungskonzept als Handlungsbedarf wieder. Das Team kooperiert mit allen drei Grundschulen im Quartier, z.B. bei der Vermittlung von ABM-Kräften für die Schule, der Ausbildung von Konfliktlotsen, der Finanzierung von Schularbeitshilfen, der Förderung eines Zirkustheater-Projektes in der Brüder-Grimm-Schule und verschiedene Maßnahmen zur Unterstützung der Sprachförderung, die ab 2003 noch ausgeweitet werden, aber auch bei dem Projekt Schulhofumgestaltung inklusive der Beteiligung der Schüler. Als zweiten Handlungsbedarf benennen Handlungskonzept wie auch Experten aus dem Gebiet eine zu geringe Nachmittagsbetreuung für Kinder.

4.3.6.2 Gesundheit Die von Experten (z.B. Schule) konstatierte Verwahrlosung insbesondere von Kindern und Jugendlichen greift das Handlungskonzept auf. Hauptbestandteil ist der Aufbau eines interkulturellen Gemeinwesenzentrums mit einer integrierten „Gesundheitsetage“ u.a. mit Beratungsangeboten für Migranten. Das Quartiersmanagement übernahm die Projektentwicklung, die Suche nach einem Träger und begleitete das Vorhaben bis zur Umsetzung. Der neugegründete Trägerverein “Gemeinsam im Stadtteil - GiS e.V.“ konnte im August 2002 die erste Ausbaustufe des Gemeinwesenzentrums fertigstellen und eröffnen. Zusätzlich tragen kleinere Projekte an den Grundschulen zur Verbesserung der Bewegungssituation von Kindern bei. Die fünf QMs aus Berlin-Mitte und ein Träger arbeiten derzeit an einem Konzept zur Verbesserung der Ernährungssituation von Kindern an Schulen, das in 2003 mit allen Beteiligten abgestimmt und schrittweise umgesetzt werden soll.

4.4

Beurteilung der Ziele und des Verfahrens

Ein Leitbild für die Quartiersentwicklung wurde benannt und befindet sich im Rahmen der Fortschreibung des Handlungskonzeptes in der Diskussion. Ziele und Handlungsansätze sind teilweise klar unterschieden. Vielfach dient die Umsetzung eines Handlungsansatzes als Zieldefinition. So deuten Ziele wie „Initiativen und Strukturen entwickeln, die zur dauerhaften Verbesserung beitragen können“ (Handlungsfeld Soziale und ethnische Integration) das Bestreben an, eine Stabilisierung zu
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erreichen, zeigen jedoch nicht ausreichend, welche Strategie im Sinne eines Szenarios für die Entwicklung des Quartiers besteht. In der Regel beziehen sich Ziele und Lösungsansätze auf die Kompensation von in den verschiedenen Verfahren ermittelten Missständen (Müllbeseitigung, Verbesserung der Infrastruktur etc.). Das QM reagiert damit auf die sowohl im Handlungskonzept als auch in der Dokumentation der Planungszelle festgehaltenen Defizitanalysen der Akteure und Bewohner. In Details wird mehrfach deutlich, dass neben den wahrnehmbaren und durch direkte Maßnahmen behebbaren Missständen strukturelle Probleme bestehen, die komplexere und weitreichendere Maßnahmen erfordern. Als solches werden z.B. die mangelhaften Bildungs- und Qualifizierungschancen, vor allem der ausländischen Bewohner benannt. Im jeweiligen Kontext (Schule und Bildung) ist die zentrale Bedeutung entsprechender Maßnahmen („Bildungsoffensive“, „Schule muss aufgrund ihrer hohen sozialen Bedeutung Priorität haben“) erkannt. Dies scheint jedoch noch zu geringe Konsequenzen für die Definition der zentralen Stärken und Schwächen und für die Definition der zentralen Ziele und Arbeitsschritte zu haben. So wird mit Einzelprojekten auf die Problemlage reagiert, die Teile einer Strategie sind.

Evaluation_Quartiersmanagement

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empirica

5.

Falkplatz

5.1

Ausgangssituation im QM-Gebiet

5.1.1 Abgrenzung Abbildung 5: Abgrenzung des QM-Gebietes Falkplatz6

Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

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5.1.2 Zentrale Stärken und Schwächen Das Quartier Falkplatz ist ein hochverdichtetes gründerzeitliches Wohngebiet in innerstädtischer Lage. Verglichen mit anderen innerstädtischen Altbaugebieten ist die Bestandsqualität im QM-Gebiet Falkplatz hinsichtlich des Zustandes städtebaulicher Strukturen (Straßenraum und Freiflächen) sowie

6

Die gestrichelte Linie markiert die erfolgte Gebietserweiterung.

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der Wohngebäude und Wohnungen niedrig. Das Gebiet um den Falkplatz wurde als erstes Gebiet im Prenzlauer Berg im Februar 1997 unter Milieuschutz gestellt (Erhaltungssatzung nach §172 Abs.1 Nr. 2 BauGB). Der Mauerpark auf dem Gelände des ehemaligen Grenzstreifens, eine öffentliche Grünfläche mit großem Einzugsbereich und übergeordneter Bedeutung, ist Bestandteil des QMGebietes. Im Quartier hat sich – im Gegensatz zum angrenzenden QM-Gebiet Helmholzplatz – bislang kein urbanes Flair, wie es allgemein mit dem Prenzlauer Berg assoziiert wird, entwickelt. Die S-Bahn Schneise im Norden stellt eine stadträumliche Barriere dar. Häufig von den Bewohnern genanntes Problem ist die schwierige Verkehrssituation insbesondere bei Großveranstaltungen (Parkplatzsuchverkehr und ruhender Verkehr), die durch ein gut besuchtes Muliplex-Kino und die Veranstaltungen in der Max-Schmeling-Halle hervorgerufen wird. Als weiteres augenfälliges Problem wird die starke Verschmutzung des öffentlichen Raumes durch Hundekot, Abfall, Graffiti und wilde Müllablagerungen auf Brachgrundstücken genannt. In den letzten Jahren hat ein starker Austausch der Wohnbevölkerung stattgefunden, in dessen Verlauf auch Familien mit Kindern weggezogen sind. Bislang ist offen, ob sich im Rahmen der allgemein immer noch stattfindenden Aufwertung des südlichen Prenzlauer Bergs auch das Quartier Falkplatz zu einem attraktiven und stark von urbanen, jungen Haushalten nachgefragten Stadtteil entwickeln wird. Charakteristik
Gebietstyp Stadträumliche Situation/ Baustruktur Typ B: Altbauquartier in der östlichen Innenstadt, ca. 8.600 EW
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Hochverdichtetes, gründerzeitliches Wohngebiet (Blockrandbebauung), stadträumliche Isolierung aufgrund der Lage am ehemaligen Mauerstreifen, Begrenzung durch S-Bahn Ring im Norden, die stark frequentierte Schönhauser Allee im Osten und Eberswalder Straße im Süden. Hohe temporäre Verkehrsbelastung aufgrund des Besuchsaufkommens der Max-Schmeling-Halle, des Jahn-Sportparks sowie des Multiplex-Kinos an der Schönhauser Allee. Nach umfangreicher Restitution der Altbaubestände der Wohnungsbaugesellschaft WIP Wohnungsbestand im gestreuten Privatbesitz. Milieuschutzgebiet, viele kleine 1- und 2-Zimmer-Wohnungen, die ungünstig sind für Familien mit Kindern, Leerstand von Wohnungen, hoher Sanierungsbedarf der Wohngebäude Junges Wohngebiet, Anteil der 18- bis 35-Jährigen (48 %) sehr hoch im Vergleich zum Berliner Durchschnitt (24 %), sehr geringer Anteil von Kindern unter 18 Jahren und Senioren, QM-Gebiet mit dem geringsten Anteil von Kindern unter 6 Jahren (3,6 %). Hoher Bevölkerungsaustausch, Wegzug von Familien mit Kindern Mäßig steigende Kaufkraft im Zeitraum 1994 bis 2000 Erwerbslosenanteil im Vergleich zu anderen QM-Gebieten durchschnittlich (ca. 13,4 %), Jugend- und Langzeitarbeitslosigkeit (9 %) geringer als in Prenzlauer Berg, hohe Altersarbeitslosigkeit (15,8 % gegenüber 12 % in
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-

Wohnungsmarkt

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-

Bewohnerstruktur

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-

Kaufkraft Beschäftigung/ Qualifizierung

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Evaluation_Quartiersmanagement

Prenzlauer Berg und 9 % in Berlin). Wirtschaftsförderung/ Stadtteilökonomie Schule und Bildung
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Geringer Anteil Wohngebäuden), Gewerbeleerstand

an Gewerbeflächen (v.a. Erdgeschossbereiche in v.a. Einzelhandels- und Dienstleistungsgewerbe,

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Eine Grundschule im QM-Gebiet, für östliche QM-Gebiete erhöhter Anteil Schüler nicht deutscher Herkunftssprache (18,5 %) Instandsetzungsbedarf der 11. Grundschule Sanierungsbedürftige Plattenbau-Kita, Mangel an Kita-Plätzen im Quartier Wenig lokale Initiativen: Bürgerverein, Kinderbauernhof, Freundeskreis Mauerpark, Kulturinitiative Falkplatz

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Gesundheit, sonstige soziale und kulturelle Infrastruktur Alltagsversorgung

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Quartierseigener Besatz an Einzelhandels- und Dienstleistungseinrichtungen gering, diversifiziertes Angebot an der Schönhauser Allee fußläufig erreichbar.

Quelle: empirica, eigene Zusammenstellung

5.1.3 Handlungskonzept und Ziele Die Relevanz der strategischen Ziele ergibt sich aus der Wertigkeit der zugeordneten operationalen Ziele. Die Relevanz der operationalen Ziele ist mittels einer Skala schnell erfassbar (niedrig bis sehr hoch). Anhand der quantitativen Gewichtung der Maßnahmen und der Relevanz der Operationalen Ziele lässt sich eine prioritäre Bedeutung der Verbesserung der Qualität des Wohn- und Lebensraums (Z3) ableiten. Die bewohneradäquate soziale Infrastruktur (Z4) hat zweite Priorität. Dritter Schwerpunkt sind Maßnahmen im Bereich Stadtteilkultur (Z5) und Partizipation (Z9). Maßnahmen für mehr Fort- und Weiterbildung (Z2) und ein besseres Gesundheit- und Sicherheitsniveau (Z6 und Z7) haben eine geringe Bedeutung. Insgesamt sind Zielsetzungen und Maßnahmen nachvollziehbar und werden der Stärken-SchwächenAnalysen für das Gebiet gerecht.

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6.

Helmholtzplatz

6.1

Ausgangssituation im QM-Gebiet

6.1.1 Abgrenzung Abbildung 6: Abgrenzung des QM-Gebietes Helmholtzplatz

Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

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6.1.2 Zentrale Stärken und Schwächen Das Quartier Helmholtzplatz im Bezirk Prenzlauer Berg ist ein hochverdichtetes gründerzeitliches Altbaugebiet, das sich durch eine zentrale stadträumliche Lage in Innenstadtnähe auszeichnet. Das
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Image und die Wahrnehmung des Gebietes wurde und wird sehr stark durch die sozialen und Nutzungskonflikte auf und im Umfeld des Helmholtzplatzes bestimmt. Der Bereich des sog. „LSDViertels“ zwischen Lychener- und Dunckerstraße wurde im Sommer 2000 wegen des stark wachsenden Drogenhandels und ansteigender Beschaffungskriminalität zum „gefährlichen Ort“ erklärt. Ein weiteres Konfliktfeld ist die Konzentration von Alkoholikergruppen in diesem Bereich sowie eine Zunahme rechtsmotivierter Übergriffe. In den letzten Jahren hat im Vergleich zu Westberliner Innenstadtgebieten ein extrem hoher Bevölkerungsaustausch (knapp 50 % aus anderen Bezirken zugezogen) stattgefunden. Gründe für die hohe Fluktuation sind: Hohe Abwanderung Anfang der 90er Jahre als Folge des in schlechtem Zustand befindlichen Wohnungsbestandes und der zu diesem Zeitpunkt noch nicht bzw. nur gering erfolgten Sanierung. Nachholbedarf bei der Eigentumsbildung. Wunsch und Möglichkeit, im Grünen zu wohnen (vor allem Abwanderung gut situierter junger Familien mit Kindern ins Umland). Fehlen von größeren familiengerechten Wohnungen. Mangelhaftes Wohnumfeld. Mietsteigerung als Folge der Sanierung. Der hohe Austausch der Bevölkerung erklärt sich auch damit, dass der Helmholtzplatz als innerstädtisches Wohngebiet immer schon ein Gebiet mit einem hohen Anteil transitorischer Bevölkerung war und bis heute geblieben ist. In den letzten Jahren sind v.a. junge Haushalte zugezogen, so dass die Hälfte der Bewohner zu der Gruppe der 18-35-Jährigen zählen (24 % im Berliner Durchschnitt). Im Unterschied zu den westlichen QM-Gebieten ist der Ausländeranteil niedrig, nur jeder Zehnte besitzt nicht die deutsche Staatsbürgerschaft (13 % im Berliner Durchschnitt). Das Quartier Helmholtzplatz hat allerdings im Vergleich zu den Ostberliner QMGebieten den höchsten Anteil an Ausländern. Aufgrund der innenstadtnahen Lage und der z.Zt. noch vorhandenen Mischung der Bevölkerung (sowohl Singles als auch Familien, wirtschaftlich starke und schwächere Haushalte) hat das Quartier Helmholtzplatz ein hohes Aufwertungspotential. Eine gute Ausgangssituation ist auch durch die in Teilen noch vorhandene Grundversorgung mit kleinteilig eingestreuten Läden und die angestrebte Entwicklung der Schönhauser Allee als zentrale Einkaufsstraße gegeben. Das Gebiet hat gute Chancen, seinen Charakter als attraktives städtisches Wohnquartier mit einer gemischten Sozialstruktur wieder zurück zu gewinnen.

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Der hohe Austausch der Bevölkerung birgt Gefahren, aber auch Vorteile. Durch einen relativ großen Bewohneraustausch sind gewachsene Nachbarschaften verfallen. Gleichzeitig können mit den im Rahmen der Sanierung neu entstehenden Wohnangeboten und den durch die Sanierung und das QM begonnenen Verbesserungen des Wohnumfeldes und der sozialen Infrastruktur Bewohner gewonnen werden, die zu einer stabilen sozialen Mischung und damit zur Stabilisierung des Gebietes beitragen.

6.1.3 Charakteristik
Gebietstyp Stadträumliche Situation/ Baustruktur Typ B: Altbauquartiere in der östlichen Innenstadt, ca. 19.000 Einwohner – Hochverdichtetes Gründerzeitgebiet in zentraler Lage im Prenzlauer Berg. Seit 1993 (mit Ausnahme von zwei Blöcken zwischen Prenzlauer Allee, Raumerstraße, Senefelderstraße und Hiddenseer Str. und einem Block zwischen Schönhausener Str., S-Bahn-Graben, Greifenhagener Str. und Wichertstr.) als Sanierungsgebiet festgesetzt. Bausubstanz in extrem unterschiedlichem Zustand: Eine Vielzahl seit der Wende modernisierter Altbauten (knapp 40 %) und viele in Ausstattung und Bausubstanz defizitäre Objekte.
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Wenige Grün- und Freiflächen (Ausnahme Helmholtzplatz und Pappelfriedhof) mit geringer Qualität. Wohnungen überwiegend im gestreuten Privatbesitz (schätzungsweise 500-600 Eigentümer); nur noch wenig kommunale Wohnungsbestände; seit 2000 eine neu gegründete Wohnungsgenossenschaft (vorher im Bestand der kommunalen Wohnungsgesellschaft). In dem als Sanierungsgebiet festgelegten Quartier Mietobergrenzen zwischen 4,37 und 3,75 €/m² nettokalt bei vollsanierten und zwischen 2,91-3,53 €/m² nettokalt, wenn kein Vollstandard hergestellt wurde. Hoher Bevölkerungsaustausch: rund 50 % seit 1995 aus anderen Bezirken zugezogen; jeder siebte der heutigen Bewohner 1999 aus anderen Bezirken zugezogen. Hoher Anteil junger Bewohner: 40,1 % 18-35-Jährige (24 % im Berliner Durchschnitt) Extrem wenige Rentner: über 65-Jährige (10,9 %) im Berliner Durchschnitt 2,5 mal so oft vertreten wie im Quartier Helmholtzplatz. Im gesamtstädtischen Vergleich niedriger Ausländeranteil (10,9 % im Vergleich zu 13,1 % im Berliner Durchschnitt), Europa steht an erster Stelle der Herkunftsländer. Höchster Anteil an Ausländern im Vergleich zu den Ostberliner QM-Gebieten. Ähnliche Kaufkraft wie in anderen QM-Gebieten; Aufholprozess in den letzten sechs Jahren erkennbar. Eher niedriger Anteil an Arbeitslosen (11,9 %) im Vergleich zu anderen QMGebieten. Relativ niedrige Jugendarbeitslosigkeit (8,4%) Anteil der Langzeitarbeitslosen (28 %) ähnlich wie in den östlichen QM-Gebieten und niedriger als in den westlichen Quartieren.

Wohnungsmarkt

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Bewohnerstruktur

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Kaufkraft Beschäftigung/ Qualifizierung

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Wirtschaftsförderung/ Stadtteilökonomie

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Kleinteiliges Gewerbe im Gebiet, hoher Anteil von Gastronomiebetrieben (v.a. am Helmholtzplatz) Schönhauser Allee: Einkaufszentrum) Konzentration von Einzelhandelangeboten (u.a.

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Schule und Bildung Gesundheit, sonstige soziale und kulturelle Infrastruktur

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Rückläufige Schülerzahlen: Schließung und Umfunktionierung einer Schule. Aufgabe von Kindertagesstätten in Erdgeschossen von Wohnungen wegen Geburtenrückgängen und Wegzügen von Familien seit 1990 (aktuell noch rd. 40 % der Kita-Plätze bezogen auf 1990, z.Zt. allerdings geringe Zunahme der Kinderzahlen). Geringster Anteil Schüler nicht deutscher Herkunftssprache der QM-Gebiete (2 %) Alltagsversorgung durch kleinteilige Angebote im Gebiet Einfache Einzelhandels- und Dienstleistungsangebote in Prenzlauer Allee und Stargarder Straße, hochwertigere Angebote in der Schönhauser Allee (Schönhauser Allee Arkaden)

–

Alltagsversorgung

– –

Quelle: empirica, eigene Zusammenstellung

6.2

Verfahren des Quartiersmanagements

6.2.1 Struktur und Verankerung des QM-Teams/Kooperation mit der Verwaltung Für das QM am Helmholtzplatz wurde ein Träger verpflichtet, der über langjährige Erfahrungen im Stadterneuerungsprozess des Bezirkes verfügt. S.T.E.R.N. ist Sanierungsbeauftragter des Landes Berlin für insgesamt fünf Sanierungsgebiete in Prenzlauer Berg. Dazu gehört auch das QM-Gebiet Helmholtzplatz. Die S.T.E.R.N. GmbH als Sanierungs- und Quartiersmanagementbeauftragte ist für alle Bereiche des QM zuständig. Das Team besteht aus drei MitarbeiterInnen und wir zeitweise durch PraktikantInnen ergänzt. Zwei Arbeitsplätze befinden sich im Vorort-Büro, das ganztägig von montags bis freitags geöffnet ist.. Die S.T.E.R.N. GmbH ist sowohl am Helmholtzplatz als auch im benachbarten QM-Gebiet Falkplatz mit der Wahrnehmung des QM beauftragt. Sowohl im alten Bezirk Prenzlauer Berg als auch im neuen Fusionsbezirk Pankow ist für Zusammenarbeit mit den Ämtern und Abteilungen des Bezirksamtes eine ,Leitstelle‘ eingerichtet worden. Neben der direkten Kooperation mit den zuständigen Ämtern bildet sie eine ressortübergreifende Schnittstelle zwischen QM und Verwaltung. Die Leitstelle ist seit Frühjahr 2002 beim Stadtrat für Stadtentwicklung und Verkehr angesiedelt. An den Sitzungen der Leitstelle nehmen außer dem QM, dem regionalen Sachbearbeiter von SenStadt, dem Bezirkskoordinator für das QM und dem Stadtrat selbst Vertreter aller Ressorts (teilweise Amtsleiter, teilweise Sachbearbeiter) teil.

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6.2.2 Selbstverständnis Quartiersmanagement Das QM versteht sich als Initiator und Koordinator, wobei vom Selbstverständnis das Aufgreifen und Initiieren von Aktivitäten sowie die Moderation zwischen den verschiedenen Akteuren im Mittelpunkt steht. Als dritten Aspekt ihrer Rolle sieht das QM die Vermittlungsfunktion zwischen den Bürgern und der Verwaltung. Ziel des QM ist letztendlich die Verselbstständigung des Entwicklungsprozesses, so dass das QM im Idealfall überflüssig wird. Das QM sammelt Informationen zum Handlungsbedarf im Gebiet vor allem durch Kontakte zu Akteuren. Die Informationen bzw. Handlungsbedarfe „aus dem Gebiet“ werden an die Verwaltung herangetragen, wobei das QM sich nicht nur in der Beraterrolle sieht. Es sieht seine Aufgabe darüber hinaus darin, die Art der Umsetzung (unter Beteiligung der Verwaltung) zu beeinflussen und dafür Sorge zu tragen, dass die Bürger, die aktiv an Maßnahmen beteiligt sind, ihre Vorstellungen auch zur Geltung bringen können. Ein wichtiges und schwieriges Aufgabenfeld ist daher die Verhandlung mit der Verwaltung über die (erforderliche) Mitwirkung und Unterstützung bei der Realisierung von Projekten. Entsprechend dem Selbstverständnis hat das QM-Team keine Defizit-Analyse aus eigener Sicht erstellt, sondern wählt Verfahren, wie z.B. das Werkstattverfahren ‚ZukunftSuche‘/‚Kiez-lebendig‘ (bewusst keine Planungszelle), in denen Bewohnern der Rahmen gegeben wird, die Dinge, die „ihnen am Herzen liegen“ einbringen zu können und sich selbst an der Umsetzung zu beteiligen, bzw. dafür auch die Verantwortung zu übernehmen. Da die Teilnehmer selbst überlegen, was der nächste Schritt ist, stehen am Ende einer solchen Werkstatt nicht nur allgemeine Handlungsziele, sondern konkrete Projekte, die sich dann selbst aufrecht erhalten sollen. Verwaltung Der bezirkliche Koordinator für das QM verstand sich ursprünglich als Vermittler zwischen Verwaltung und dem QM: „Meine Aufgabe ist es, die Vorstellungen der Verwaltung mit den Zielen und Ideen des QM in Einklang zu bringen.“7 Unter den Bedingungen im alten Bezirk Prenzlauer Berg bestand die Aufgabe des Koordinators vor allem darin, Blockaden zwischen den Ansätzen des QM und Verwaltungsdenken bzw. –handeln zu beseitigen und parallele Projekte, von Verwaltung und QM initiiert, aufeinander abzustimmen. Die unterstützende und koordinierende Funktion der Leitstelle war aus Sicht des Koordinators vor der Fusion schwach ausgeprägt, weil in Teilen der Bezirksverwaltung der Rückhalt für das Programm QM fehlte, da es als ein vom Senat eingesetztes Verfahren („Quartiersmanagement ist Senatssache“) gesehen wurde.

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Nach der Bezirksfusion wurde die Leitstelle gestärkt und das QM direkt an den Stadtrat für Stadtentwicklung angebunden. Die Verwaltung sieht das QM in erster Linie als Institution, die Projekte zur Verbesserung der Lebensqualität im Gebiet umsetzt.

6.2.3 Vernetzung mit Akteuren Der Kontakt zwischen QM und Akteuren entsteht vor allem im Zuge der Umsetzung von Lösungen für konkrete Probleme. Ziele des QM sind, das Nebeneinander der vielen Akteure und Einrichtungen zu bündeln (Synergieeffekte) und den Konkurrenzdruck (v.a. unter freien Trägern) abzubauen. Das QM versucht, über Diskussionen mit den Trägern und den Fachverwaltungen auch deren Arbeitsweisen zu beeinflussen, wobei ein Ziel ist, die Zusammenarbeit unter den Trägern zu verbessern und gemeinsam zu erreichen, dass sich die Arbeit auf die Bedürfnisse und Probleme im Gebiet konzentriert. Erste Erfolge sind zu verzeichnen: Es wurde eine „Arbeitsgruppe Helmholtzplatz“ eingerichtet, die quasi als Runder Tisch alle Akteure – angefangen von der Polizei über die Sozialprojekte und Drogenberatung bis hin zu Vertretern der Alkoholiker vom Platz – einbindet, Probleme und Konflikte gemeinsam diskutiert und Lösungen anbietet bzw. umsetzt. Das QM ist hier – noch – die treibende Kraft. Ein weiteres Beispiel ist das „Nutzerplenum“ aller Einrichtungen und Angebote im ehemaligen Schulgebäude Senefelderstraße 6. Hier geht es um die gemeinschaftliche Entwicklung eines kiezbezogenen Kinder- und Jugendzentrums bis hin zum Aufbau einer Selbstverwaltung. Arbeitszusammenhänge gibt es darüber hinaus mit der BSR, dem Amt für Umwelt und Natur, dem Tiefbauamt, Sozial- und Jugendamt, der bezirklichen Psychatrie- und Drogenkoordinatorin, mit dem Sozialprojekt Lazarus und dem Gemeinwesenprojekt PlatzHaus und den vier im Gebiet befindlichen Schulen.

6.2.4 Einbindung der Bewohner Gemäß dem Selbstverständnis des QM, als Moderator und Vermittler zu agieren, bietet es eine Anlaufstelle für Bürger und Akteure (Vor-Ort-Büro), organisiert Veranstaltungen und Treffen und moderiert Konflikte (z.B. Lärmbelastungen Helmholtzplatz). Folgende Aktivitäten sind beispielhaft für die Einbindung von Bewohnern: Vor-Ort-Präsenz (Sprechstundenzeiten) in einem Büro (Senefelderstr. 6 im Kinder- und Jugendkulturzentrum „EliasHof“)

7

Expertengespräch

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empirica

Werkstattverfahren ‚ZukunftSuche‘ (‚Kiez-lebendig‘ an drei Tagen im September 2000), Einladung an alle lokalen Träger, Akteure und Bewohner. Teilnehmer selbst geben vor, was aus ihrer Sicht ein Defizit im Gebiet ist, entwickeln Lösungen und setzen um. Beteiligung im Rahmen von Projekten (Freiflächengestaltung Lychener Straße 53, Sanierung Helmholtzplatz, Schulhofumgestaltungen, Grünfläche und Kiezgärten Schliemannstraße 8)) Regelmäßige Berichterstattung in der Zeitschrift ‚Vor-Ort‘, Projektblätter und Plakate und Flyer an alle Haushalte, Initiierung der Kiezzeitung ‚Helm + Holz‘, Kiezportal www.kiez-lebendig.de (inkl. Homepage des QM) Vergabebeiräte Aktionsfonds und Quartiersfonds

6.3

Handlungsbedarfe und Maßnahmen

Die in diesem Kapitel dargestellten Handlungsfelder und ihre Reihenfolge sind aus Gründen der Vergleichbarkeit der QM-Gebiete untereinander einheitlich von empirica gewählt worden und entsprechen nicht immer der Prioritätensetzung der jeweiligen QM-Teams. So hat das QM-Team am Helmholtzplatz im Rahmen des Dritten Zwischenberichts8 folgende Handlungsfelder als zentral bezeichnet, wobei mit der Reihenfolge auch eine Prioritätensetzung verbunden ist: Aufbau und Stärkung von Kommunikationsstrukturen zur Verbesserung der Vernetzungen und des nachbarschaftlichen Zusammenhalts Revitalisierung des Helmholtzplatzes Attraktivierung des öffentlichen Raumes (Straße/Gehwege), Verbesserung der Aufenthaltsqualität Verbesserung der Ausbildungs-, Beschäftigungsund Freizeitmöglichkeiten für

Jugendliche/Kinder Mehr Grün für den Kiez: Spielplätze und Grünanlagen, Hof- und Fassadenbegrünung, selbstverwaltete „Freiräume“ Lokale Beschäftigung/Verbesserung der Bedingungen für den lokalen Einzelhandel

8

Der Zwischenbericht III lag empirica nicht vor und wurde im Fall des QM-Gebiets Helmholtzplatz bei der Diskussion des von empirica

erstellten Textes zum QM-Gebiet von den Quartiersmanagern in die Diskussion eingebracht.

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empirica

6.3.1 Handlungskonzept und Ziele Das Integrierte Handlungskonzept (schriftlich erstellt und im Juni 2000 vom Bezirksamt beschlossen) entstand auf der Basis langjähriger Gebietskenntnis und einem sich über viele Einzelschritte erstreckenden Prozess. (Gutachten zur Sozialstruktur und Gebietsentwicklung, Diskussionen mit Akteuren vor Ort, Politik und Verwaltung). Die Basis sind die Kenntnisse über Probleme, Aktivitäten und Pläne, die im Rahmen problembezogener Arbeitsgruppen recherchiert bzw. in durchgeführten Beteiligungsverfahren, z. B. im Rahmen der Tätigkeit als Sanierungsbeauftragte in den vergangenen Jahren, ermittelt wurden. Hierbei wurden drei Kernziele (Leitbilder) erkennbar: Verbesserung der sozialen Infrastruktur (v.a. für Familien mit Kindern und insbesondere für Jugendliche) Stärkung der örtlichen Potenziale (Motivierung der Bewohner, Einrichtungen und

Gewerbetreibenden, an einer integrierten Quartiersentwicklung teilzunehmen) Förderung des Engagements und der Identifikation mit dem Gebiet Das QM sieht seine Aufgabe darin, vorhandene Ansätze in das gemeinsam erarbeitete Handlungskonzept zu integrieren: „Im Sanierungsgebiet Helmholtzplatz gilt es in erster Linie positive Entwicklungen zur Verbesserung der Lebensqualität und des Zusammenlebens, die die Sanierung bisher nicht leisten konnte, aus dem Gebiet heraus anzuregen und schrittweise zu realisieren.“9 Das QM weist auf den hohen Erwartungsdruck hin, der von Bewohnern, organisierten Akteuren und auch der Politik ausgeht: "Erhofft werden vielfach kurzfristige Erfolge. Hier scheint es dringend erforderlich, den prozesshaften [...] und präventiven Charakter des QM deutlicher herauszustellen."10

6.3.2 Wohnen, Wohnumfeld und öffentlicher Raum

6.3.2.1 Wohnen und Wohngebäude Maßnahmen und Strategien zur Veränderung Zustand und Zuschnitt der Wohnungen im Gebiet sind nicht direkter Bestandteil des QM-Ansatzes, sind jedoch nicht zu ignorieren und außerdem zentraler Aufgabenbereich der Tätigkeit des Sanierungsbeauftragten. Hier gibt es wie auch bei anderen Aufgabenfeldern eine Schnittmenge zwischen Sanierung und QM. Hinzu kommt, dass das Sanierungsgeschehen (Modernisierung und Instandsetzung der Wohnungen) erheblich in die Strukturen des Kiezes eingreift und auch Belastungen und Veränderungen mit sich bringt, die seit

9

Selbstdarstellung in einem Infoblatt "Quartiersmanagement Helmholtzplatz." Vgl. Zwischenbericht

10

Evaluation_Quartiersmanagement

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empirica

Jahren öffentlich thematisiert und diskutiert werden (Mietsteigerungen, „Verdrängung“, Baustellen und Verkehr). Im Rahmen dieses Handlungsfeldes werden folgende Ziele formuliert: Hinwirken auf eine gemischte Bevölkerungsstruktur, v.a. Erhalt bzw. Erhöhung des Anteils an jungen Familien mit Kindern Hinwirken auf eine alten- und behindertengerechte Ausstattung bei der Sanierung Hinwirken auf eine behutsame Privatisierung in Form von Genossenschaften (Seit April 2000 gibt es die Mietergenossenschaft ‚Bremer Höhe‘, mit 500 WE; das QM-Team sieht jetzt seine Aufgabe darin, die Genossenschaft zu stabilisieren, um sie somit als Potenzial für die Gebietsentwicklung einzubeziehen. Maßnahmen zur Verbesserung der Wohnsituation werden an die Sanierungsgremien herangetragen (sog. „§144-Runde“, Sanierungsbeirat) und dort thematisiert. Unabhängig davon liegt ein Schwerpunkt bei der Verbesserung des unmittelbaren Wohnumfeldes (Höfe, Bereich vor dem Haus) und auf der Stärkung der Nachbarschaftskontakte. Mit der Mieterberatung gibt es eine enge Kooperation. Ansprache und Einbindung der Eigentümer dagegen gestalten sich schwierig, da es sich hier fast nur um Verwaltungen und Immobiliengesellschaften mit Sitz außerhalb des Kiezes bzw. Berlins handelt. Trotzdem konnte zu einer Hausverwaltung zwischenzeitlich ein guter Kontakt geknüpft werden.

6.3.2.2 Wohnumfeld Der unattraktive Zustand von Wohnumfeld und öffentlichem Raum wird als ein Kernproblem des Gebietes gesehen. Das betrifft sowohl den baulichen Zustand von Gehwegen, Fahrbahnen, kleinen Grünflächen und Baumscheiben als auch die Vermüllung (Gehwege und Baumscheiben mit Müll und Hundekot, abgestellter Müll in zu kleinen Höfen). Entsprechend dem Ziel, die Identifikation der Bewohner mit dem Wohngebiet zu stärken, liegt ein Schwerpunkt der Maßnahmen auf der Verbesserung des Wohnumfeldes. Die Einzelmaßnahmen sind zum einen aktivierend und unterstützend, zum anderen werden konkrete Verbesserungen realisiert: Gestaltung, Begrünung von Baumscheiben, Patenschaften und Wettbewerbe Gehwegaufweitungen und Querungshilfen im Bereich des Helmholtzplatzes Unterstützung von Bewohnerinitiativen (z. B. Elterninitiative Gethsemanekirchplatz)

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Unterstützung von Mietern bei der Begrünung und Neugestaltung der Höfe Unterstützung von Bewohnerinitiativen bei der Einrichtung von Kiezgärten auf den Grundstücken Schliemannstraße 7 und 8. S.T.E.R.N. ist bei den o.g. Wohnumfeldmaßnahmen z.T. nicht nur als Projektinitiator, sondern auch als Maßnahmenträger im QM-Gebiet tätig.

6.3.2.3 Öffentlicher Raum Die Verbesserung der Nutzbarkeit, des Gebrauchswertes und der Gestaltungsqualität der öffentlichen Spielplätze, Grünanlagen und Freiflächen, die Minderung von Nutzungskonflikten sowie die Schaffung neuer „Freiräume“ ist für die Wohn- und Lebensqualität im Gebiet von entscheidender Bedeutung und damit auch ein Schwerpunkt der Arbeit des QM. Die Problemsituation wird außerdem durch mangelnde Pflege und Unterhaltung der Flächen und ihrer Ausstattung und zunehmende Verwahrlosung verschärft. Die Einzelmaßnahmen konzentrieren sich auf: Initiierung von kleinteiligen Aktionen und Projekten gemeinsam mit der BSR (zusätzliche Papierkörbe, PR-Aktion „Die Straßenkehrer stellen sich vor“, Schülerprojekte) Zusätzliches Pflege- und Reinigungspersonal („Grünhelfer“) als Beschäftigungsmaßnahme für arbeitslose Sozialhilfeempfänger (FKZ) sowie Einrichtung einer Pflege ABM ab Anfang 2003 für beide Pankower QM-Gebiete Sensibilisierung von Bewohnern und Eigentümern, Unterstützung bei der „Aneignung“ von Flächen (Übernahme von Pflegetätigkeiten). „Berliner Modellgebiet gegen den Hundekot“ - eine gemeinsame Aktion und Werbekampagne vom QM und der BSR zur Sensibilisierung von Hundebesitzern Unterstützung von Initiativen und Durchführung von Beteiligungsverfahren zur Verbesserung der Nutzungs- und Gestaltungsqualität von öffentlichen Räumen.
–

Sanierung des Helmholtzplatzes und Entwicklung eines ergänzenden Pflegkonzeptes für den Helmholtzplatz und Einrichtung eines „Platzdienstes“.

–

Schaffung neuer Spielflächen (Pappelallee 74, Dunckerstraße 6, Schliemannstraße 7/8 Lychener Straße 53, Gethsemanespielplatz, Elefantenspielplatz usw.)).

–

Öffnung von Sportanlagen und Schulen (z.B. Schulhof des Heinrich-SchliemannGymnasiums).

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empirica

Für die Bau-Projekte (Spielplätze, Helmholtzplatz) ist das QM bzw. die S.T.E.R.N. GmbH auch als Maßnahmenträger tätig.

6.3.3 Zusammenleben im Quartier/Soziale Integration Der Zerfall gewachsener Hausgemeinschaften, der teilweise Wegfall von kiezinternen

Kommunikations- und Informationsnetzen und erste Anzeichen für eine Polarisierung von Arm und Reich werden als Problem gesehen.11 Zur Verbesserung des "Miteinander im Kiez" wurde vom QM eine ‚ZukunftSuche‘ für das Gebiet initiiert und gemeinsam mit Bewohnern und Einrichtungen aus dem Gebiet vorbereitet und durchgeführt (s. v.). Aus diesem Werkstattverfahren gingen zahlreiche Projekte hervor, für deren Umsetzung sich die Teilnehmer auch selbst verantwortlich fühlen. Noch wichtiger ist jedoch, dass viele neue Bekanntschaften, kleine Netze und Bündnisse daraus hervorgegangen sind und dass ein Teil der 60 Teilnehmer „bei der Stange geblieben sind“. Wesentlich für das Zusammenleben im Quartier ist auch die Minderung der sozialen Konflikte am Helmholtzplatz: Alkoholiker, Drogen, Lärm, Hunde, Schlägereien usw.. Lösungsansätze liegen hier in der Arbeit des Sozialprojektes ‚Integration durch Angebote‘. Es soll versucht werden, den Alkoholikergruppen alternative Orte mit Beschäftigungs- und Freizeitangeboten anzubieten, um die einseitige und nicht mehr verträgliche Konzentration auf den Platz zu mindern. Hinzu kommen als Bausteine das Gemeinwesenprojekte ‚Platzhaus‘, die Etablierung einer kontinuierlichen Jugend- und Kinderarbeit vor Ort sowie eine neutrale Nutzung des zur Zeit im Umbau befindlichen Trafohauses. . Weitere beispielhafte Projekte zur Verbesserung des Zusammenlebens im Quartier sowohl aus ‚KiezLebendig‘ als auch aus anderen Aktivitäten sind: Kiezportal www.kiez-lebendig.de, Literarischer Salon, Förderverein für den Helmholtzplatz, Verleihstation des Vor-Ort-Büros für Gartengeräte, Tische, Bänke und Zelte‚ Kiezpool für Veranstaltungstechnik, KiezWeihnachtsmarkt, Lehmbauaktion, Drachenfliegerfest Sanierung und Nutzung des TrafoHauses

6.3.4 Beschäftigung und Qualifizierung Das QM legt großen Wert auf die Verbesserung der Ausbildungs- Beschäftigungs- und Freizeitmöglichkeiten für junge Erwachsene, Jugendliche und Kinder. Neben der Entwicklung von gezielten Beratungs- und Ausbildungsplatzangeboten werden Baumaßnahmen im Rahmen des QM zur

11

Vgl. „Strategisches Konzept 2000“, Handlungsfeld: Stärkung der Nachbarschaft/ Bewohneraktivierung (5. Juli 2000)

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Qualifizierung und Wiedereingliederung genutzt. Aktionen, die im einzelnen initiiert bzw. unterstützt werden, sind: Job-Kick-Kurse: Motivierung benachteiligter Jugendlicher und junger Erwachsener für Ausbildung, Berufstätigkeit und kommunale Teilhabe. Umbau und Nutzung einer Remise auf dem Schulgelände des OSZ zur EDV Schulung und Qualifizierung von jungen und alten BewohnerInnen Modellvorhaben ‚Projektwerkstatt‘ mit Qualifizierungs- und Ausbildungsmaßnahmen für Jugendliche (Programm ‚Soziale Stadt‘). Gemeinsam mit Jugendlichen wurden Räumlichkeiten in brachliegenden Gewerbegebäuden in der Pappelallee 74/75 zu Werkstätten (z. B. Tischlerei) umgebaut. Unter Betreuung und Anleitung eines Sozialarbeiters und Handwerksmeisters werden den Jugendlichen Grundqualifikationen in Handwerksberufen vermittelt. Jugendwettbewerb ‚move on!‘: Über 50 Jugendliche haben Projektvorschläge im Rahmen einer Kreativ-Werkstatt ausgearbeitet, die aus ihrer Sicht Relevanz für das Gebiet haben. 9 Projekte wurden durch eine Jury prämiert und erhielten ein „Startkapital“ (Kooperationsprojekt von QM/Soziale Stadt mit EU-Pilotvorhaben ‚Micropolis‘) Beschäftigung und Qualifizierung von arbeitslosen Sozialhilfeempfängern bei der Pflege und Reinigung öffentlicher Grünanlagen und Gehwege und im Rahmen der Einrichtung eines Platzdienstes für den Helmholtzplatz

6.3.5 Wirtschaftsförderung und Stadtteilökonomie Hier stehen zwei ganz konkrete Projekte im Vordergrund der Arbeit des QM: Die Unterstützung des lokalen Einzelhandels entlang der Stargarder Straße und die „Wiederbelebung“ der Schönhauser Allee. Info-Treff Wirtschaft und Arbeit: Haus der kurzen Wege mit Bündelung vorhandener Informations- und Beratungsangebote für Auszubildende, Existenzgründer und Unternehmer, Ausrichtung der Beratung an der jeweiligen Problemlage, Verknüpfung mit dem „Lernnetz BerlinBrandenburg“. Träger sind der Regionale Ausbildungsverbund und der Unternehmerkreis BerlinNord. Das Projekt soll auf den Gesamtbezirk übertragen werden. „Werkstart“: leerstehende Läden bzw. Gewerbeflächen werden temporär oder dauerhaft Existenzgründern zur Verfügung gestellt, Aushandlung günstiger Mietkonditionen und Ausschreibung der Flächen

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„Schöner November“ – Einzelhändler, Kunsthandwerker und sonstige Gewerbetreibende präsentieren sich der Öffentlichkeit Interessengemeinschaft der Gewerbetreibenden im Gebiet Helmholtzplatz mit dem Ziel der Stabilisierung und Qualifizierung des bestehenden Gewerbeangebotes Gewerberäumbörse Mit der Stärkung der Schönhauser Allee als Haupteinkaufszentrum im Prenzlauer Berg werden Synergieeffekte auf die gewerbliche Entwicklung im QM-Gebiet erwartet. Bausteine des Prozesses waren bisher ein Workshop zur Profilfindung, die Etablierung eines „Aktionsbündnisses“ aus Verwaltung, Politik, Einzelhandelsverband und Geschäftsleuten und schließlich die (Neu-)Gründung der ‚IG Schönhauser‘.

6.3.6 Soziale und kulturelle Infrastruktur

6.3.6.1 Schule und Bildung Um die Attraktivität des QM-Gebietes als Wohnstandort für Familien mit Kindern zu erhalten bzw. wieder attraktiv zu machen, sieht das QM erhebliche Handlungsbedarfe in der Verbesserung der baulichen Qualität der Schulen und Kitas im Gebiet (Pausenhöfe, Ausstattung, Gestaltung) aber auch in der Initiierung von Schulprojekten gemeinsam mit und durch Eltern, Schüler und Lehrer. Das QM arbeitet daher eng mit den Schulgremien und (wo vorhanden) den Förderkreisen der Schulen/Kitas zusammen. Projektbeispiele sind: Kleinteilige Maßnahmen zur Verbesserung der Schulhöfe: Projekt ‚Grünes Klassenzimmer‘, Entsiegelungs-, Begrünungsmaßnahmen, Bänke und Sitzecken, Spielmöglichkeiten. Unterstützung von Schulprojekten bei der Herrichtung von Räumen (Klangschmiede). Öffnung von Schulhöfen: integrierte Nutzung von Kleinkinderspielplatz und Cafeteria des Oberstufenzentrums-Handel. Umgestaltung des Schulhofes des 4. Gymnasiums unter Mitwirkung von Schülern

6.3.6.2 Gesundheit Zur Zeit kein zentrales Handlungsfeld im QM-Gebiet Helmholtzplatz, jedoch gibt es eine Kooperation mit „Gesundheit Berlin e. V.. Im Rahmen eines EU-geförderten Modellprojektes werden

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empirica

Veranstaltungsreihen durchgeführt.

für

unterschiedliche

Zielgruppen

zum

Thema

Gesundheitsförderung

6.3.6.3 Sonstige soziale und kulturelle Infrastruktur Ein Schwerpunkt der Arbeit des QM ist die Initiierung und Schaffung sozialer und kultureller Angebote und selbstverwalteter Räume für Kinder und Jugendliche im Quartier. Das QM nimmt eine initiierende und unterstützende Rolle war, z. B. bei der Entwicklung von Konzepten, der Betreuung von Spielplätzen, bei kleinteiligen Maßnahmen zur Verbesserung der Freiflächen u.ä. Die Maßnahmen werden aus dem Programm ‘Soziale Stadt’ und aus dem Aktionsfonds finanziert, wobei (in einzelnen Fällen) ergänzend auch private Mittel akquiriert werden. Von besonderer Bedeutung ist die Umnutzung der Gebäude der ehemaligen 10. Grundschule zu einem ‚Kinderund Jugendfreizeitzentrum‘ Ein weiterer Schwerpunkt ist die Erhaltung des Bestandes im Kiez von Jugend- und Kinderprojekten. Vor dem Hintergrund der immer mehr schrumpfenden finanziellen Spielräume des Bezirks zur Förderung der Projekte geht es dem QM um die Erhaltung und die sinnvolle Vernetzung eines breit gefächerten Angebots für Kinder und Jugendliche: PC und Internetraum für Jugendliche als Angebot auch für andere Einrichtungen und Gruppen im Gebiet Lokaler Aktionsplan für Toleranz und Demokratie: Einbindung und Vernetzung von bereits laufenden Projekten und Aktionen, Beteiligung aller Jugendprojekte und –initiativen mit eigenen Beiträgen
-

Kindertheaterprojekt Popelbühne

6.4

Beurteilung der Ziele und des Verfahrens

Vor dem Hintergrund des in Teilen vorhandenen Aufwertungspotentials und der im Vergleich zu anderen QM-Gebieten (noch) weitgehend sozial gemischten Bewohnerschaft, wird das Ziel des QM, die Wohn- und Lebensqualität im Gebiet (v.a. im Wohnumfeld) zu steigern und der Anspruch, den strategischen Handlungsansatz prozesshaft mit den Akteuren zu entwickeln, der Ausgangssituation gerecht. Aus den Zielformulierungen und Handlungen des QM lässt sich ableiten, dass sie ein Schwergewicht darauf legen, dass sich die Bewohner wohl fühlen, sich mit ihrem Quartier identifizieren und für ihr Wohngebiet engagieren. Eine zentrale Rolle spielt dabei nach wie vor der Umgang mit den vielschichtigen Nutzungskonflikten im Bereich des Helmholtzplatzes selber sowie die Vernetzung der vorhandenen und neu hinzu gekommenen Angebote, Strukturen und Akteure.

Evaluation_Quartiersmanagement

- 53 -

empirica

7.

Boxhagener Platz

7.1

Ausgangssituation im QM-Gebiet

7.1.1 Abgrenzung Abbildung 7: Abgrenzung des QM-Gebietes Boxhagener Platz

Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

empirica

Evaluation_Quartiersmanagement

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7.1.2 Zentrale Stärken und Schwächen Das QM-Gebiet Boxhagener Platz ist ein stadträumlich zentral gelegenes und gut durch den ÖPNV erschlossenes Wohngebiet, das sich seit 1990 von einem traditionellen Arbeiterwohnquartier in der östlichen Innenstadt zu einem Wohnquartier für verschiedene Bevölkerungsgruppen entwickelt hat, die in erster Linie auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum in das Gebiet kommen. Im Vergleich zu Westberliner Innenstadtgebieten hat ein extrem hoher Bevölkerungsaustausch stattgefunden; rund. 50 % der heutigen Bewohner sind seit 1995 zugezogen (darunter viele aus den alten Bundesländern stammende jüngere Bewohner). Das Quartier Boxhagener Platz ist ein sehr junges Wohngebiet. Fast die Hälfte der Bewohner gehören zu der Gruppe der 18- bis 35-Jährigen (24 % im Berliner Durchschnitt). Darunter ist ein hoher Anteil von Studenten- und Ausbildungshaushalten. In Teilen des Gebietes haben sich als Folge der veränderten Bewohnerzusammensetzung Straßencafés und Kneipen etabliert, die den jeweiligen Straßen ein „urbanes Flair“ verleihen. Andere Bereiche des Gebietes bleiben von diesen Entwicklungen weitgehend unbeeinflusst, so dass sich auch innerhalb des Gebietes Wohnlagen mit unterschiedlichen Qualitäten ausbilden. Insgesamt ist die Bestandsqualität am Boxhagener Platz – verglichen mit anderen gründerzeitlichen Innenstadtwohngebieten – niedrig, sowohl hinsichtlich der Häuser und Wohnungen als auch hinsichtlich der städtebaulichen Strukturen (Straßenräume, Freiflächenangebote). Unter den momentanen Wohnungsmarktverhältnissen stoßen vor allem unsanierte Wohnungen auf nur mäßige Akzeptanz bei anspruchsvolleren Nachfragern. Auf Grund des einseitigen Angebots an kleinen Wohnungen sind in den letzten Jahren viele Familien mit Kindern weggezogen, z.B. um am Stadtrand oder im Umland Wohneigentum zu bilden. Das gleiche gilt für junge Haushalte, die Familien gründen bzw. erweitern. Auf der anderen Seite ziehen im Zuge des Imagewandels des Gebietes in den letzten Jahren auch wieder Familien zu, darunter vor allem junge Familien mit kleinen Kindern.

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Sanierungsbedürftige Bausubstanz

Daneben kleinräumige Aufwertungsprozesse mit Ansiedlung von „Szenekneipen“

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7.1.3 Charakteristik
Gebietstyp Stadträumliche Situation/ Baustruktur Typ B: Altbauquartiere in der östlichen Innenstadt, ca. 18.490 EW – Hochverdichtetes Gründerzeitgebiet mit eingestreuten Neu- und Plattenbaubeständen in zentraler Lage; einfache Baustruktur, leicht unterdurchschnittlicher Sanierungsgrad, einzelne Gebäude mit deutlichen Verwahrlosungstendenzen. – Geringe Freiflächenausstattung; einfache Straßenräume mit geringer Aufenthaltsqualität; Zustand der Straßen und Gehwege häufig mangelhaft.
–

Geringe Verflechtungen mit umgebenden Stadtbereichen aufgrund städtebaulicher Barrieren (Bahngelände im Süden, Straßen im Norden und Westen). Wohnungen überwiegend im gestreuten Privatbesitz. Ausgeglichener Wohnungsmarkt mit leichten Angebotsüberhängen in Teilsegmenten. Marktmietniveau: etwa 5,10 €/m2 Nettokaltmiete für sanierte, etwa 3 €/m2 für unsanierte Altbauwohnungen; Kaufpreise für sanierte Altbauwohnungen um 1.530 €/m2. Begrenzung der Mietsteigerungsmöglichkeiten nach Sanierung durch Milieuschutzsatzung in Teilgebieten. Hoher Anteil an Kleinwohnungen in Kombination mit im Stadtvergleich – gemessen an der Lage – niedrigem Mietniveau mit der Folge: hoher Anteil von vorübergehend im Quartier lebenden Menschen. Hoher Bevölkerungsaustausch: rund 50 % der heutigen Bewohner seit 1995 zugezogen. Viele aus den alten Bundesländern stammende, jüngere Bewohner. Hoher Anteil junger Bewohner zwischen 18 und 35 Jahren (fast 50 %). Überproportionaler haushalten. Anteil von Alleinerziehenden und Ausbildungs-

Wohnungsmarkt

-

-

-

-

Bewohnerstruktur

-

-

-

Migrantenanteil mit 8,5 % höher als im Durchschnitt der Bezirke im Ostteil Berlins (5,6 %), aber niedriger als in den übrigen innenstadtnahen QMGebieten im Ostteil (Helmholtzplatz 10,9 %, Falkplatz 11,0 %). Im Vergleich zu anderen QM-Gebieten leicht überdurchschnittliche Kaufkraft. Aufholprozess in den letzten sechs Jahren erkennbar. Arbeitslosenanteil insgesamt im Durchschnitt der QM-Gebiete (12,6 %). Im Vergleich zu anderen QM-Gebieten geringerer Anteil von Langzeitarbeitslosen (21,2 %). Im Vergleich zu anderen QM-Gebieten unterdurchschnittliche Jugendarbeitslosigkeit (9,5 %) durch niedrigeren Anteil ausländischer Jugendlicher, überdurchschnittliche Arbeitslosigkeit bei älteren Arbeitnehmern (12,1 %) (Schließung der großen Industriebetriebe im Einzugsbereich). Einzelhandelsbesatz rückläufig (Entwicklung von Einkaufszentren an der Frankfurter Allee), zunehmende Bedeutung von kleinen Dienstleistungs- 57 empirica

Kaufkraft Beschäftigung/ Qualifizierung

-

-

-

Wirtschaftsförderung/ Stadtteilökonomie
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-

unternehmen.
-

Zunahme bei Gastronomiebetrieben. Frankfurter Allee: Zunehmende Bedeutung als Versorgungszentrum; Warschauer Straße: Verlust der Branchenvielfalt und Zunahme einfacher Handelsangebote. Insgesamt Verlust der traditionellen Arbeitsorte nach Schließung der großen Industriebetriebe im Einzugsbereich; kaum Kompensation durch Neuansiedlungen; geringe Potentiale für die gewerbliche Entwicklung. Rückläufige Schülerzahlen: Brachfallende Schulgebäude, (bauliche) Standardverbesserungen (Schulen, Schulhöfe, Sporthallen) wegen knapper Finanzmittel nur schwer umsetzbar. Weniger Angebote außerhalb des Regelunterrichtes (Arbeitsgruppen etc.) durch Kürzungen.* Besondere Anforderungen durch steigende Zahl von Schülern aus schwierigen Familienverhältnissen. Zunehmende Unzufriedenheit von Eltern und Lehrpersonal; möglicherweise erneute Abwanderung von zugewanderten Familien aufgrund der unbefriedigenden Schulsituation.* Mit Vergleich zu QM-Gebieten im westlichen Teil der Stadt geringer Anteil Schüler nicht deutscher Herkunftssprache (10,7%). Kindertagesstätten: Zu geringe Personalausstattung in Kindertagesstätten angesichts zunehmender Kinderzahlen aus „nicht intakten“ Familienverhältnissen. Konzentration von benachteiligten Kindern in öffentlichen Einrichtungen, da Eltern mit höheren Erziehungs- und Bildungsansprüchen Kinder in Einrichtungen freier Träger betreuen lassen.* Selbsthilfekontaktstelle im Gebiet, Zielgruppe: soziale Schwache, Suchtkranke Angebote ausreichend, aber einfach und wenig differenziert. Wochenmarkt auf dem Boxhagener Platz mit traditioneller Bedeutung als lokaler Einkaufsmagnet. Weitere zentrale Angebote in der Frankfurter Allee (Einkaufszentren) sind fußläufig zu erreichen.

-

Schule und Bildung

–

–

–

Gesundheit, sonstige soziale und kulturelle Infrastruktur

–

–

Alltagsversorgung

–

*Quelle: Problemanalysen Handlungskonzept
Quelle: empirica, eigene Zusammenstellung

7.2

Verfahren des Quartiersmanagements

7.2.1 Struktur und Verankerung des QM-Teams/Kooperation mit der Verwaltung Für das Quartier Boxhagener Platz wurde ein QM gewählt, das ein breites Vor-Ort-Wissen hat. Die drei Gesellschaften, die bis 2003 (Kairos bis Januar 2002) Träger des QM waren und das Team personell stellten, haben auf verschiedenen für die QM-Quartiere relevanten Gebieten über längere Zeit Erfahrungen gesammelt (u.a. auch im Gebiet Boxhagener Platz): Das Büro für Wirtschafts- und Projektberatung (BWP) verfügt über Erfahrungen bei der Gewerbeentwicklung, Betreuung von sanierungsbetroffenenen Gewerbebetrieben, Ansiedlungsmanagement, Bestandspflege, Projektentwicklung und Fördermittelberatung. Die Organisationsberatung KAIROS verfügt über
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Erfahrungen bei der Entwicklungskoordination Stralauer Kiez und Oberbaum-City, bei der Konzeption und Umsetzung von aktivierenden Beteiligungsverfahren und Öffentlichkeitsarbeit. Hintergrund der ASUM GmbH sind Sozialplanverfahren, Bürgerbeteiligung und Öffentlichkeitsarbeit in den Sanierungsgebieten sowie Evaluierung von Sanierungsstrategien. Die BIS Stadtteilmanagement GmbH hat im Januar 2003 als Rechtsnachfolgerin die Arge Boxhagener Platz GbR abgelöst. Die BIS Stadtteilmanagement GmbH verbindet die Kernkompetenz der ASUM GmbH - Arbeitsgruppe Sozialplanung und Mieterberatung - und von BWP - Büro für Wirtschafts- und Projektberatung. Die Zusammenarbeit zwischen dem QM und dem Bezirk wurde ursprünglich über eine Koordinatorin geregelt, die gleichzeitig auch Gleichstellungsbeauftragte (angebunden an den Bezirksbürgermeister) war; zusätzlich gab es einen Koordinator, der vor allem für die finanziellen Schnittpunkte sowie die Zusammenarbeit mit der Abteilung Bau- und Wohnungswesen und deren Bezirksstadträtin zuständig war. Seit Anfang 2002 nimmt der Mitarbeiter des Planungsamtes alle koordinierende Aufgaben des QM war, da die ursprüngliche Koordinatorin Aufgaben bei der Senatsverwaltung übernommen hat. Der Stadtrat für Stadtentwicklung und Bauen ist für das QM zuständiger Dezernent im Bezirksamt. Eine Bezirks-Steuerungsrunde, die seitens des Bezirks grundlegende Entscheidungen zum QM und seinen Aufgaben trifft, konnte sich bis heute nicht etablieren. Die Zusammenarbeit zwischen QM und Bezirk war von vornherein so angelegt, dass die Rolle und die Aufgaben des QM von diesem selbst, unter Berücksichtigung der „Bedürfnisse und Interessen aller beteiligten Akteure der Gebietsentwicklung“, festgelegt wurden: Ein erster Entwurf des Handlungskonzeptes, basierend auf dem Vor-Ort-Wissen der drei Gesellschaften, die das QM stellen, wurde bereits im Oktober 1999 vorgelegt und anschließend „allen Fachverwaltungen des Bezirksamts zur Ergänzung, Diskussion und Korrektur vorgelegt, um zu gewährleisten, dass deren Kenntnisse und Erfahrungen einfließen“12. Parallel wurden Stellungnahmen der im Gebiet tätigen Träger und Institutionen eingearbeitet. Das integrierte Handlungskonzept (inklusive Berücksichtigung der Kenntnisse und Erfahrungen der Fachverwaltungen des Bezirksamtes sowie der Bedürfnisse und Interessen aller beteiligten Akteure vor Ort) wurde vom Bezirksamt (März 2000) beschlossen und in den Ausschüssen der BVV beraten. Der Regionale Sachbearbeiter der Senatsverwaltung und der Koordinator des Bezirksamtes nehmen alle 14 Tage an den Steuerungsrunden des QM teil. Zu Beginn des Verfahrens haben Auftaktgespräche mit dem QM und den Verantwortlichen in den jeweiligen Fachabteilungen des Bezirkes stattgefunden. Jetzt laufen die Kontakte zwischen dem QM und der Verwaltung in der Regel

12

Handlungskonzept, I Entstehungsprozess des Handlungskonzeptes, Seite 1

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empirica

direkt über die Mitarbeiter in den zuständigen Fachverwaltungen. Der Koordinator schaltet sich nur dann ein, wenn ein neuer Kontakt hergestellt werden muss, oder wenn es Umsetzungsschwierigkeiten bei einzelnen Projekten gibt.

7.2.2 Selbstverständnis Quartiersmanagement Das QM versteht sich als ein bürgernahes Koordinierungs- und Vermittlungsgremium, das die Arbeit der verschiedenen Akteure im Gebiet koordiniert und unterstützt. Die Mitarbeiter des QM sehen sich, entgegen dem Vorwurf, der ihnen zu Beginn der Arbeit von Seiten einzelner „Basisinitiativen“ gemacht wurde, nicht als „Handlanger des Bezirksamtes“, sondern nehmen in vielen Fällen die Funktion eines Dienstleisters für Bewohner und lokale Akteure ein. Basis der Problemanalyse und der daraus abgeleiteten Zielsetzungen war die frühzeitige Einbindung sowohl der nicht zur Bezirksverwaltung gehörenden Initiativen und Träger als auch die gezielte Erfassung der Bedarfe innerhalb der Bewohnerschaft (aktivierende Befragung, Expertengespräche, enge Kontaktnetze durch lange Erfahrung im Gebiet). Diese breit angelegte Basis bildete den Ausgangspunkt für die Schwerpunktsetzung innerhalb der eigenen Arbeit. Innerhalb der QM-Arbeit werden daher ständig sowohl eigene Vorstellungen als auch Vorstellungen des Bezirkes an den Interessen und Bedürfnissen der lokalen Akteure (Bewohner, Personen, die hier arbeiten oder bereits aktiv sind, Gewerbetreibende und Hauseigentümer) gemessen. Verwaltung (Koordinator des Bezirks) Der Koordinator für das QM versteht sich als Schnittstelle zwischen dem QM und den Fachverwaltungen des Bezirksamtes. Er sieht seine Aufgabe darin, verschiedene Ämter in das QMVerfahren einzubeziehen, wobei nicht alles über seine Person läuft, sondern er nur dann vermittelt, „wenn es klemmt“. Aus Sicht der ehemaligen Koordinatorin ist eine ständige Einrichtung eines QM neben der Verwaltung notwendig. Ein wichtiger Aspekt dabei ist das kleinräumliche Agieren eines nicht ressortspezifischen Gremiums, das die allgemeine Entwicklung des Gebietes im Auge hat. Aus ihrer Sicht ist es die Rolle des QM, Bedarfe und Probleme, die sich auf der kleinräumlichen Quartiersebene ergeben, zu aggregieren, zu koordinieren und, sofern notwendig, in die Verwaltung zu tragen und dort für deren Umsetzung zu sorgen.

7.2.3 Vernetzung mit zentralen Akteuren Das QM kooperiert im Rahmen der zu lösenden Aufgaben mit allen zentralen Akteuren, Gremien und Initiativen. Dabei sucht das QM im Rahmen der zu lösenden Aufgaben aktiv und kontinuierlich den
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Kontakt zu wichtigen Kooperationspartnern und versucht, verschiedene Ansätze und Einzelstrategien unter dem „Label“ ‚Quartiersentwicklung Boxhagener Platz‘ zusammenzufassen. Kooperationen werden dabei sowohl mit etablierten Gremien, wie z.B. der AG Region Südost (für den Handlungsbereich Kinder- und Jugendarbeit), eingegangen als auch neu initiiert (z.B. Kooperationen mit Hochschulen; Einbindung von Projektarbeit in Quartiersentwicklung).

7.2.4 Einbindung der Bewohner Gemäß dem Selbstverständnis des QM, auch als Radarstation und bürgernahes Vermittlungsgremium zu agieren, ist das Handlungskonzept mit dem Anspruch, „Bedürfnisse und Interessen aller beteiligten Akteure der Gebietsentwicklung im QM-Gebiet in die Formulierung des Konzeptes einfließen zu lassen, um zu erwartende Interessen- und Nutzungskonflikte transparent und der Bearbeitung zugänglich zu machen“, aufgestellt worden.13 Um speziell die Bedürfnisse und Interessen der Bewohner zu erfassen, wird laufend das „konkrete Wissen um die Situation vor Ort“ (Kenntnisse und Erfahrungen aus langjähriger Tätigkeit) durch Bewohnerkontakte ergänzt; dazu gehören vor allem: Aufsuchende Beteiligung Befragung im Rahmen eines Standes auf dem Markt am Boxhagener Platz Einzelgespräche mit Bewohnern in den Sprechzeiten des QM und monatliche Quartiersgespräche als informelle Gesprächsrunde im Vor-Ort-Büro Spontane Gespräche mit Bewohnern auf Straßen und Plätzen Diskussion im Rahmen der Sozialraum AG Bürgerversammlungen Zentral gelegenes Quartiersbüro mit Ansprechpartnern. Die Ergebnisse der Bewohnerbefragungen und des durchgeführten Bürgerforums („Open Space“), durch das eine zusätzliche Beteiligungsmöglichkeit geschaffen wurde, flossen in das Handlungskonzept ein, das in der Öffentlichkeit in Form einer Ausstellung (im Quartiersbüro) präsentiert wurde. Sowohl bei Beteiligungsverfahren als auch im Rahmen der Einbindung von Bewohnern in Projekte und bei den kontinuierlichen Bedarfsanalysen versuchen die Mitarbeiter des QM, soweit möglich auf Bewohner „zuzugehen“. Ziel dieses „aufsuchenden“ Ansatzes ist u.a., die Schwelle für Bewohner möglichst niedrig zu halten, so dass auch Interessen und Wahrnehmungen von Bewohnern einfließen, die nicht in irgendeiner Weise „organisiert“ sind.

13

Handlungskonzept, I Entstehungsprozess des Handlungskonzeptes, Seite 1

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Das QM unterstützt verschiedene Arbeitsgruppen, die sich innerhalb der Bewohnerschaft gebildet haben (z.B. AG Hundefreunde), hält den Kontakt zu diesen Gruppen und versucht deren Arbeit zum Beispiel durch Beratungen und Diskussionen zu katalysieren. Wie in anderen Gebieten auch, wurden positive Erfahrungen mit der Arbeit des Vergabebeirats zum Aktionsfonds gemacht. Im Jahr 2000 wurden 31 von 51 Anträgen in Höhe von 100 bis 3.000 DM aus Mitteln des Aktionsfonds bewilligt. Die Mitglieder des Vergabebeirates fühlen sich in hohem Maße sowohl für das zur Verfügung stehende Geld als auch für die „sinnvolle“ Auswahl von Projekte verantwortlich. Über eine im Verhältnis zu anderen Teams überdurchschnittliche Öffentlichkeitsarbeit sollen sowohl die Einbindung von Bewohnern und Akteuren als auch die Identifikation der Bewohner mit der Quartiersentwicklung gestärkt werden. Neben einem monatlich erscheinenden Infoblatt („InfoBox“) und einer ausführlichen Pressearbeit sind Informationen über das QM und laufende/geplante Projekte über das Internet abrufbar. Zusätzlich sind die MitarbeiterInnen des QM einmal im Monat mit einem Stand auf dem Wochenmarkt präsent.

7.3

Handlungsbedarfe und Maßnahmen

7.3.1 Handlungskonzept und Ziele In dem Ende 1999 vom QM erarbeiteten Handlungskonzept wurden entsprechend der von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung formulierten Vorgaben überwiegend sektorale Ziele auf der Basis einer für die jeweiligen Handlungsfelder dargestellten Defizit- und Potenzialanalyse dargestellt. Aus den für die einzelnen Handlungsfelder dargestellten Entwicklungszielen lassen sich folgende übergreifende Ziele für die Quartiersentwicklung für das Gebiet Boxhagener Platz ableiten: Stabilisierung der Bewohnerstruktur (ablesbar z.B. an einer Erhöhung der Wohndauer) Stärkung von Selbsthilfepotenzialen und bürgerschaftlichem Engagement Qualifizierung der Gewerbe- und Beschäftigungsstruktur Vor diesem Hintergrund werden folgende Maßnahmenbereiche als zentral angesehen: Differenzierung des Wohnungsangebotes Maßnahmen zur Verhinderung der Verdrängung der ansässigen Bevölkerung Verbesserung des Wohnumfeldes Erweiterung kultureller Angebote
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Qualifizierung der Einrichtungen für Kinder und Jugendliche/Schulen Gesundheitsförderung Die im Rahmen dieser Zieldefinitionen angelegten Konflikte (Einerseits soll, durch eine Attraktivitätssteigerung des Gebietes als Wohnstandort, die Wohndauer der Alteingesessenen und Zugezogenen erhöht und neue Haushalte, insbesondere Familien, gewonnen werden. Andererseits soll der durch die Attraktivitätssteigerung hervorgerufene Verdrängungsdruck auf alteingesessene und einkommensschwache Haushalte verhindert werden.) sind dem QM bewusst und werden als solche im Handlungskonzept aufgezeigt. In den folgenden Abschnitten werden die zentralen Aussagen und Themen des Handlungskonzeptes wiedergegeben, sowie die Kernstrategien des QM und ausgewählte Maßnahmen beschrieben.

7.3.2 Wohnen, Wohnumfeld und öffentlicher Raum

7.3.2.1 Wohnen und Wohngebäude Im zu Beginn der Quartiersmanagement-Arbeit erstellten Handlungskonzept zur Quartiersentwicklung werden verschiedene Ziele zur Entwicklung des Wohnungsbestandes formuliert: Hinwirken auf eine Erhöhung des Anteils von Drei- und Mehr-Raum-Wohnungen bei der Wiederherstellung der Bewohnbarkeit leerstehender Wohnungen und Gebäudeteile. Hinwirken auf eine altengerechte Ausstattung der Kleinwohnungen bei der Sanierung. Hinwirken auf behutsame Sanierungsmaßnahmen mit einem differenzierten, der

Mietzahlungsfähigkeit entsprechenden Standard. Da das QM selbst über keine Instrumente verfügt, um Veränderungen beim Wohnungsangebot oder in der Wohnungspolitik auszulösen, liegt der Schwerpunkt der Maßnahmen im Bereich der Unterstützung von Mietern und Eigentümern im Umgang mit der Erhaltungsverordnung, bei der QM und Bezirksamt kooperieren. Im Quartiersbüro fand dreimal wöchentlich eine Beratung mit Mitarbeitern des Bezirksamtes statt. Einmal im Monat fand eine Rechtsberatung zu Fragen der Wohnungsmodernisierung statt. Das Qm organisiert eine Wohnraumbörse für Alt- und Neumieter.

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7.3.2.2 Wohnumfeld Der schlechte Zustand des Wohnumfeldes und des öffentlichen Raumes wird an mehreren Stellen als ein zentrales Defizit des Gebietes beschrieben. Dies betrifft Verwahrlosungserscheinungen (wilde Müllkippen auf unbebauten Grundstücken, viele Verunreinigungen durch Hundekot u. ä.) und den Mangel an Grün- und Freiflächen im Gebiet. Aus Sicht des QM sind diese Mängel ein Grund, warum neu zugezogene Mittelschichthaushalte wieder wegziehen bzw. aktuell über einen Fortzug nachdenken. Entwicklungsziel des Handlungsfeldes „Wohnumfeld und Ökologie“ ist demzufolge die „Kompensation des Mangels an Grün- und Freiflächen durch vielfältige kleinteilige Maßnahmen auf privaten Grundstücken.“14 Die Einzelmaßnahmen sind im Wesentlichen aktivierender und unterstützender Art: Aktivierung der Hauseigentümer und Mieter für kleinteilige Wohnumfeldmaßnahmen. Systematische Erfassung der Potenzialflächen für o.g. Projekte im Zuge einer Kartierung. Unterstützung von Nachbarschaftsinitiativen bei Projekten, die Interimsnutzungen bislang ungenutzter Privatflächen zum Ziel haben (Vermeidung der wilden Müllkippen und dem damit verbundenen negativen Image). Wohnhofbegrünungen durch Mieterinitiativen (3 Maßnahmen) wurden im Jahr 2000 aus Mitteln des Aktionsfonds, Maßnahmen von Hauseigentümern (5 Maßnahmen) mit 35 % aus dem Programm ‚Soziale Stadt‘ gefördert.

7.3.2.3 Öffentlicher Raum Ähnlich wie die Wohnumfeldverbesserungen gehörte vor allem zu Beginn des Verfahrens die Aufwertung des öffentlichen Raums zu den zentralen Handlungsfeldern des QM. Hintergrund war und ist der unbefriedigende und zum Teil verwahrloste Zustand vieler öffentlicher Flächen im Gebiet. Ziel der Maßnahmen im Handlungsbereich ‚Öffentlicher Raum‘ war und ist die Erhöhung der Aufenthaltsqualität öffentlicher Plätze und der Sicherheit im Gebiet (vor allem im Sinne von Belästigungen schwächerer Gruppen durch aggressiv auftretende Bewohner). Die Einzelmaßnahmen in diesem Bereich konzentrieren sich auf Sensibilisierung (z.B. BSR und Bewohner), Planungen für zentrale Plätze in Kooperation mit dem Bezirk, Fördermittelakquisition, Unterstützung von Initiativen und Durchführung von Beteiligungsverfahren bei der Neugestaltung von Plätzen und Straßen:

14

Handlungskonzept, II Integriertes Handlungskonzept, 2. Handlungsfelder und Maßnahmen integrierter Stadtteilentwicklung, Seite 3

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Konzeptionelle Projekte, z.B. das Verkehrskonzept Friedrichshain-Ost der AG Kiezentwicklung oder eine Untersuchung über Defizite beim Straßenbaumbesatz (Einbindung von Praktikanten im Rahmen einer Kooperation mit der TU-Berlin). Unterstützung der Bewohnergruppen, die ein Konzept für eine Wochenendnutzung (mit Hundetrainerin) einer Brachfläche im Gebiet erarbeitet haben. (Hundehaltern eine Alternative zur Nutzung der öffentlichen Strassen und Plätze bieten, um Unmut gegen durch Hundekot verschmutzte Straßen und Grünanlagen abzubauen.). Umgestaltungsplanungen und Bewohnerbeteiligungen für die zentralen öffentlichen Plätze:
-

Im Jahre 2000 Umbaumaßnahmen, die der Bestandssicherung des Wochenmarktes dienen und die Aufenthaltsqualität auf dem Platz verbessern.

-

Beteiligung von 30 Anwohner/innen an einer Reinigungs- und Pflanzaktion auf dem Platz; Finanzierung der Pflanzen aus Mitteln des Aktionsfonds.

-

Finanzierung der Restaurierung und Wiederinbetriebnahme der historischen Toilettenanlage auf dem Boxhagener Platz mit Mitteln des Programms Soziale Stadt.

-

Forum Wismarplatz als erfolgreiches Beteiligungsverfahreen zur Neugestaltung des Platzes

Maßnahmen und Aktionen gegen Verschmutzungen und Verwahrlosung: Vom QM gemeinsam mit der Betroffenenvertretung Traveplatz/Ostkreuz organisierte Begehungen mit der BSR; Benennung von Stellen mit unzureichender Reinigung durch Hinweise der Anwohner. Begehungen mit im Kiez lebenden Frauen zur Identifikation von Angst-Räumen in Zusammenarbeit mit der Gleichstellungsbeauftragten des Bezirks.

7.3.2.4 Verkehr Der „Runde Tisch Verkehr“, tagt als bezirkliches Gremium, das sich mit den Verkehrsproblemen in Friedrichshain beschäftigt, in den Räumen des QM. Der Druck eines Verkehrskonzeptes wurde 1999 aus dem Aktionsfonds bezuschusst. Neben Planungen für Radwege gehören verkehrsberuhigende Maßnahmen wie Gehwegvorstreckungen zu den konkret geplanten Maßnahmen. Die Gehwegumgestaltungen wurden aus dem Programm ‚Stadtweite Maßnahmen‘ und durch Mittel der Bundesanstalt für Arbeit finanziert.

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7.3.3 Zusammenleben im Quartier/Soziale Integration Im zu Beginn der Arbeit erstellten Handlungskonzept wird die „Integration aller gesellschaftlicher Gruppen innerhalb des Gebietes“ als Entwicklungsziel formuliert. Verbessert bzw. erreicht werden soll dabei vor allem die gegenseitige Akzeptanz verschiedener Bewohnergruppen sowie eine Stärkung gesellschaftlich schwächerer Gruppen. Eine stärkere Bindung an das Quartier soll z.B. durch Verbesserung der kulturellen Angebote, durch Stärkung von hausbezogenen Bewohnerinitiativen (z.B. Unterstützung von Hofbegrünungen aus dem Aktionsfonds) und durch Verbesserung der sozialen Infrastruktur (Kitas, Schulen) einschließlich einer stärkeren Einbindung von Elterninitiativen erreicht werden. Im Herbst 1999 und 2000 wurden in ganz Friedrichshain die „Wochen des ausländischen Mitbürgers“ veranstaltet. Dazu fand jeweils im September ein Infomarkt auf dem Boxhagener Platz statt. Der Friedrichshainer Migrantenbeirat erhielt dafür Mittel aus dem Aktionsfonds.

7.3.4 Beschäftigung und Qualifizierung Das Handlungskonzept geht davon aus, dass es im Gebiet einen hohen Anteil von Arbeitnehmern in ungesicherten Arbeitsverhältnissen, Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger gibt und dass für diese die Gefahr eines dauerhaften Ausschlusses aus dem Erwerbsleben mit psychosozialen Folgeerscheinungen besteht. Dementsprechend werden als Ziele formuliert: Schaffung von Beschäftigungsund Ausbildungsmöglichkeiten über vorhandene

Ausbildungsverbünde und lokale Arbeitsvermittlungen. Erschließung neuer Beschäftigungsfelder im Quartier. Vernetzung der Angebotsstruktur vor Ort. Verknüpfung von Beschäftigung und Quartiersentwicklung. Das QM unterstützt lokale Bildungs- und Beschäftigungsträger, insbesondere bei der Integration Jugendlicher in den Arbeitsmarkt. Vermittlungen Bestandteile zwischen dieser Trägern Unterstützung und sind Beratungen, sowie Öffentlichkeitsarbeit, Bezirksgremien

Fördermittelakquisitionen. Im Juli 2000 öffnete die „Jobbox“, ein Servicecenter für Ausbildung, Beschäftigung und Existenzgründung. Dort wurde und ein Beratungsnetzwerk zur aktiven Arbeitsmarktpolitik, Träger der Existenzgründerberatung Wirtschaftsförderung installiert. Verschiedene

Jugendberatung koppelten ihr Angebot und bieten jungen Menschen aus dem Kiez (bzw. Bezirk)

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individuelle und kostenlose Beratungen in einer one-stop-agency. Das Projekt wird mit Mitteln des Programms ‚Soziale Stadt‘ und der Bundesanstalt für Arbeit gefördert.

7.3.5 Wirtschaftsförderung und Stadtteilökonomie Gewerbeerhebungen und Stärken-Schwächen-Analysen bilden die Grundlagen für eine qualifizierte Beratung und Unterstützung der Wirtschaft. Hierzu gehört z.B. ein Gewerbemonitoring oder eine Analyse der Gastronomieangebote. Das QM übernimmt im Rahmen seiner Arbeit Aufgaben einer „lokalen Wirtschaftsförderung“, z.B. in Form von Existenzgründerberatungen, Standortmarketing und Ansiedlungsmanagement. Beratungen und „Runde Tische“ sind Foren für eine direkte Unterstützung der Gewerbetreibenden: eine Sprechstunde für Gewerbetreibende findet einmal wöchentlich statt. Auf Initiative des QM treffen sich Anwohner und Gaststätten-/Gewerbebetreiber zur gemeinsamen Erarbeitung von Problemlösungsstrategien. Einzelanfragen aus dem Bereich der Wirtschaft, wie beispielsweise die Bitte um einen Zuschuss zur Weihnachtsbeleuchtung in der Frankfurter Allee (Entscheidung über den Vergabebeirat zum Aktionsfonds) werden als Ausgangspunkt für eine systematische Kooperation mit Gewerbetreibenden genutzt (Anregung/Unterstützung beim Aufbau einer Interessengemeinschaft) Der „1. Ideenund Gründerwettbewerb Friedrichshain-Kreuzberg“, getragen vom Verein

„JugendLok“, wurde durch einen Sonderpreis in Höhe von 1.000 DM vom QM unterstützt und ist mittlerweile fester Bestandteil der bezirklichen Wirtschaftsförderung. Ebenfalls unterstützt wurde der Antrag der Sozialgemeinschaft Friedrichshain zum Programm „InnoRegio“. Eine zentrale Bedeutung wird dem Wochenmarkt auf dem Boxhagener Platz als Identifikations- und Imagefaktor für das Gebiet zugewiesen. Der Wochenmarkt wird durch Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung des Platzes selbst unterstützt, daneben gibt es Einzelprojekte, wie kostenlose „Teststände“, auf denen lokale Anbieter die Akzeptanz ihrer Waren auf dem Markt prüfen können. Diese Stände werden nach Absprache mit dem Betreiber eingerichtet. Das Kulturprojekt „Boxion“ – Kultur in Leerläden verknüpft seit 2001 die Themenfelder Gewerbeleerstand, Existenzgründung und lokale kulturelle Szene erfolgreich miteinander.

7.3.6 Soziale und kulturelle Infrastruktur

7.3.6.1 Schule und Bildung Ausgangsbasis für Ziele und Maßnahmen in diesem Handlungsfeld ist die Einschätzung, dass die Bildungschancen für Kinder und Jugendliche
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im

Gebiet

infolge

milieubedingter
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Entwicklungsstörungen teilweise erheblich eingeschränkt sind. In Kombination aus einseitig zusammengesetzter Schülerschaft und mangelnder (insbesondere personeller) Ausstattung der Schulen werden zentrale Defizite benannt: „Sozialintegrierte Familien, die sich um die Bildungschancen ihrer Kinder sorgen, wandern aus dem Gebiet ab, während sich für die verbleibenden Kinder die Schule zur Quelle sozialer Benachteiligung entwickelt.“ „Insgesamt vermag die Schule aufgrund fehlender personeller und materieller Ressourcen immer weniger ihre Funktion als zentrale gesellschaftliche Integrationsinstanz wahrzunehmen.“15 Dementsprechend gehört die Ergänzung und langfristige Sicherung der Schulinfrastruktur zu den zentralen Zielen des QM. Das Engagement von Lehrern, Sozialarbeitern, Elterninitiativen und Fördervereinen wird hervorgehoben. Schwierigkeiten werden auf Seiten der Senatsschulverwaltung gesehen („Durchsetzungsschwäche von langfristig orientierten Zukunftsinvestitionen gegenüber den Sachzwängen der aktuellen Haushaltskonsolidierungen“). Im Handlungskonzept werden messbare Indikatoren („Entwicklung der Schulabbrecherquote“, „Niveau der erreichten Schulabschlüsse“) als Erfolgsindikatoren benannt. In das Handlungskonzept ist ferner die Verbesserung des vorhandenen Bibliotheksangebotes (Computernutzung) und die Stabilisierung vorhandener Kulturangebote aufgenommen. Unter den umgesetzten Projekten finden sich Maßnahmen, die die Unterstützung Jugendlicher bei der Berufsfindung während der Schulzeit zum Ziel haben (Zukunftswerksatt des Vereins JugendLok, gefördert aus dem Aktionsfonds).

7.3.6.2 Gesundheit Als Defizite werden im Handlungskonzept u.a. schlechte Umweltbedingungen, sowie psychosoziale Folgen von Arbeitslosigkeit und Einkommensarmut (z.B. mangelhafte Ernährung) genannt. Die Etablierung von Maßnahmen zur Vorbeugung gesundheitlicher Schäden, zur Etablierung zielgruppenspezifischer Bewegungsmöglichkeiten ärztlicher ist Angebote als und Ziel zur im Erweiterung der Sportund demzufolge Handlungskonzept festgeschrieben.

Verschiedene Einzelmaßnahmen, insbesondere aus den Bereichen „Verbesserung der Sportangebote“ „Stärkung der Beratungskapazitäten“ und Suchtprophylaxe befinden sich in der Umsetzung oder Vorbereitung.

15

Handlungskonzept, II integriertes Handlungskonzept, 2. Handlungsfelder und Maßnahmen integrierter Stadtentwicklung, S. 15

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7.3.6.3 Sonstige soziale und kulturelle Infrastruktur Unter dem Titel „Kommunales Infrastrukturmanagement“ sind im Handlungskonzept Defizite, Bedarfe und Ziele zur Entwicklung der sozialen und kulturellen Infrastruktur benannt. Probleme werden vor allem als Folge der Finanzknappheit der öffentlichen Haushalte beschrieben. Im Rahmen des Kommunalen Infrastrukturmanagements sollen sowohl Kultur- und Bildungsprojekte (inklusive öffentlicher Einrichtungen wie Bibliotheken) als auch Infrastrukturangebote auf der Ebene von lokalen, häufig zielgruppenspezifischen Initiativen und Projekten unterstützt werden (z.B. Umnutzung einer Friedhofskapelle zu einer Theaterbühne). Eine besondere Rolle nehmen dabei Angebote für Kinder und Jugendliche ein (z.B. Clubräume für Jugendliche, „Winterspielplätze“, Unterstützung von Kinderfreizeiteinrichtungen). Entsprechende Maßnahmen werden zum Teil aus dem Programm ‚Soziale Stadt‘, zum Teil aus dem Aktionsfonds unterstützt.

7.4

Beurteilung der Ziele und des Verfahrens

Das integrierte Handlungskonzept wurde Ende 1999 vom QM erarbeitet und nach einem Abstimmungsprozess mit Fachverwaltungen und lokalen Akteuren im März 2000 formell von der Bezirksverordnetenversammlung als Leitlinie für die Quartiersentwicklung am Boxhagener Platz beschlossen. Entsprechend der von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung formulierten Vorgaben werden überwiegend sektorale Ziele auf der Basis einer für die jeweiligen Handlungsfelder dargestellten Defizit- und Potenzialanalyse dargestellt. Das Handlungskonzept ist auf eine Fortschreibung ausgelegt und spiegelt den Erfahrungs- und Diskussionsstand zu Beginn der Arbeit. Das Handlungskonzept wurde sukzessive fortgeschrieben. Die im Handlungskonzept formulierten Ziele und Lösungsansätzen lassen sich größtenteils vier Handlungsschwerpunkten zuordnen: 1. Über die Attraktivitätssteigerung des Gebietes soll erreicht werden, dass ein möglichst hoher Teil der Bevölkerung (länger) im Gebiet wohnen bleibt (Konsolidierung, Erhalt bzw. Herstellung einer wohngebietsangepassten Durchmischung der Bevölkerung). Schwerpunkte der direkt vom QM initiierten Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung sind Wohnumfeld und öffentlicher Raum, wobei sich die Maßnahmen auf konkrete Missstände beziehen, die zu Unzufriedenheit führen (Verwahrlosung, Müll, Hunde, öffentliche Plätze, Angstzonen). Parallel werden im Gebiet lebende Haushalte zum Beispiel im Umgang mit der Erhaltungsverordnung unterstützt. 2. Die gezielte Verbesserung der Infrastruktur (z.B. Verbesserung der Bedingungen für den Wochenmarkt, Kulturangebote) erfolgt mit dem Ziel, die Standortfaktoren des Wohngebietes zu verbessern. Die Ansätze werden in der Regel so gewählt, dass sowohl Bedürfnisse der
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„verbliebenen“ Bevölkerung als auch Bedürfnisse der „neu Zugezogenen“ berücksichtigt werden (z.B. Konfliktmoderation zur Integration des Kneipenangebotes in der Simon-Dach-Straße). 3. Verbesserung der Situation für Kinder und Jugendliche (Bildung und Schule, Kitas). 4. Verbesserung Wirtschaft). Dem QM ist dabei bewusst, dass zentrale Aufgaben zur Attraktivitätssteigerung und zur Beseitigung von Defiziten in den Bereichen Bildung und Infrastruktur durch Einzelmaßnahmen nur zum Teil kompensiert werden können. In wichtigen Bereichen fehlen Mittel bzw. Instrumente oder können Veränderungen nur gemeinsam mit anderen Institutionen (insbesondere Bezirk und Senatsverwaltungen, Träger öffentlicher Leistungen) erreicht werden. der Voraussetzungen für eine stärkere Integration von Teilen der

Gebietsbevölkerung in den ersten Arbeitmarkt (Qualifizierungsmaßnahmen, Stärkung der lokalen

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8.

Zentrum Kreuzberg/ Wassertorplatz

8.1

Ausgangssituation im QM-Gebiet

8.1.1 Abgrenzung Abbildung 8: Abgrenzung des QM-Gebietes Zentrum Kreuzberg/ Wassertorplatz

Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

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8.1.2 Zentrale Stärken und Schwächen Das QM-Gebiet Zentrum Kreuzberg/Wassertorplatz hat seine heutige Baustruktur durch Neubebauung der 50er Jahre, dem NKZ aus der Mitte der 70er Jahre und der Neubauung der Blöcke 86, 87 und 88 nach der Sanierungsplanung der „Kahlschlagsanierung“ erhalten. Damit ist das Gebiet geprägt durch eine Konzentration von sozialem Wohnungsbau und der daraus resultierenden Bevölkerungsstruktur. Obwohl mit ca. 4.400 Einwohnern das kleinste der Berliner QM-Gebiete, zerfällt es in mehrere
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Bereiche. Das Zentrum Kreuzberg dominiert den nördlichen Bereich, die Mitte wird durch den Hochbahnhof und die Verkehrsstraßen mit großer Mittelinsel geprägt, während der öffentliche Vorraum des Hochhauses im Südwesten die Einmündung zur Kottbusser Straße und zur Admiralstraße mitformt. Ein einheitlicher Platz „Kottbusser Tor“ hat wohl nie bestanden und besteht auch heute nicht. Die Kottbusser Straße hat trotz Sanierung ein Geschäftsstraßenambiente auf niedrigem Niveau behalten. Die anderen Seiten der Blöcke umfassen reine Wohnbebebauung. Das QM-Gebiet ist – verglichen mit anderen innerstädtischen Quartieren, die in der Regel eine gewachsene Substanz und ausgeglichenere Mischung an Wohnen, Einkaufen, Gastronomie und Kultur bieten – weder als Wohnstandort noch als städtisches Zentrum übermäßig attraktiv. Zwar übernimmt es Versorgungsfunktionen für einen Einzugsbereich, der deutlich größer ist, als das Gebiet selbst, dies jedoch vor allem im Zusammenspiel mit umgebenden Lagen. Zentrumsfunktion erhält der Standort durch seine Rolle als Verkehrsknotenpunkt (Straßen und U-Bahn); der Bankenplatz und die Stadtbücherei wirken in das weitere Kreuzberger Umfeld. Der kleine Markt, Imbisse und Einzelhandelsangebote sind Teile des Geschäftsstraßenzuges Kottbusser Damm, Kottbusser Straße, Adalbertstraße, Oranienstraße; wie vielerorts sind die Einzelhandelseinrichtungen durch das sich verändernde Kaufverhalten und sinkende Kaufkraft gefährdet. Nach Auskunfts des Quartiersmanagement gewinnt der Platz selbst jedoch in seiner Exotik zunehmend an Interesse. Die Konzentration von Arztpraxen wirkt zusätzlich als Magnet für andere Angebote am Kottbusser Tor. Der zentrale öffentliche Raum um das Kottbusser Tor hat aus bürgerlicher Sicht eine geringe Aufenthaltsqualität, vor allem Aufgrund von Gestaltungsmängeln und der starken Verkehrsbelastung sowie der unübersichtlichen Zugangssituation zum Hochbahnhof und zur U-Bahn (Untertunnelungen). Die problematischen Straßenüberbauungen des Kreuzberger Zentrums schneiden optisch die Dresdener- und die Adalbertstraße ab. Dies ist und bleibt (ohne einen größeren Eingriff in die Bausubstanz, wie zu IBA-Zeiten erwogen) ein von vielen wahrgenommener städtebaulicher Mangel. Auch durch die Drogenpolitik des Landes Berlin entwickelte sich das Kottbusser Tor zum Aufenthaltsort eines Teils der Berliner Drogenszene. Darüber hinaus zeigt das Gebiet deutliche Spruen mangelnder Pflege, Müll, Verwahrlosung, Graffiti und schlechtes Design breiten sich aus und führen insgesamt zu einer von vielen negativ bewerteten Situation. Besonderheiten gelten auch für die Situation in den Wohngebäuden: die enge Verzahnung von öffentlichem und privatem Raum führt zu Nutzungskonflikten: so suchen Heroinabhängige die Hausflure und Hofbereiche zum Spritzen auf, so dass Bewohner verunsichert sind (insbesondere Familien mit Kindern). Die Situation verschärft sich, weil viele Häuser groß und unübersichtlich sind und es in Eingangsbereichen und Hausfluren „Angstzonen“ gibt, die schwer kontrolliert werden können.

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Unter den Mieterhaushalten dominieren vor allem zwei Gruppen. Zum einen leben am Kottbusser Tor zahlreiche ausländische Haushalte mit vielen Kindern. Trotz der z.T. großen Wohnungen sind diese mitunter überbelegt, bieten jedoch auch Vorteile, weil sie neben der zentralen Lage über große Freiflächen in den Blockinnenbereichen verfügen. Die zweite große Gruppe sind Transfereinkommensempfänger. Zum Teil wurden die Wohnungen am Kottbusser Tor als Umsetzwohnungen genutzt. Charakteristik
Gebietstyp Stadträumliche Situation/ Baustruktur Typ C: Quartier mit hohem Anteil im Sozialwohnungsbau und z.T. größeren, zusammenhängenden Wohnkomplexen, ca. 4.400 EW Hochverdichtetes, innerstädtisches Gebiet in Kreuzberg um den zentralen Knotenpunkt Kottbusser Tor, Geschosswohnungsbau, Bebauung überwiegend aus den 70er Jahren
-

wenig Grün- und Freiflächen im öffentlichen Raum; Straßenräume mit geringer Aufenthaltsqualität Ehemaliges Sanierungsgebiet, überwiegend sozialer Wohnungsbau. Hoher Anteil von Mietern, deren Miete aus Transfereinkommen bezahlt wird. Junge Wohnbevölkerung mit einem hohen Anteil junger ausländischer Familien mit kleinen Kindern, Kinder und Jugendliche in allen Altersgruppen bis 18 Jahren deutlich stärker repräsentiert als im Kreuzberger Durchschnitt (mehr als 3 %). Anteil der Ausländer sehr hoch (ca. 55 %), 22 Prozentpunkte über Bezirksdurchschnitt; einziges QM-Gebiet mit einem Ausländeranteil über 50 %; 67,3 % der Ausländer türkischer Nationalität (15 % über Anteil im Bezirk) Geringere Zuzugsintensität zwischen 1995 und 1999 als im Bezirk Kreuzberg, sehr hoher Anteil an Ausländern unter neu zugezogenen Bewohnern. Mäßig ansteigende Kaufkraft im Zeitraum zwischen 1994-2000, sehr geringes Kaufkraftpotential im Vergleich der QM-Gebiete. Höherer Anteil Erwerbsloser als in Kreuzberg und Berlin (23,9 % gegenüber 18,2 % und 11,6 %), hohe Langzeitarbeitslosigkeit (36 %), Anteil der erwerbslosen älteren Personen (15,3 %) und erwerbslosen Jugendlichen (18,5 %) höher als in Kreuzberg (14,2 % und 15,8 %), höchste Jugendarbeitslosigkeit der QM-Gebiete 164 Gewerbetreibende, 680 Arbeitsplätze im Gebiet bei überwiegend kleinteiligem, ethnischem Gewerbe (v.a. Familienbetriebe), Leerstände im Einzelhandelsbereich. Eine Grundschule im Gebiet, höchster Anteil Schüler nichtdeutscher Herkunftssprache in den QM-Gebieten (90,1%) 2 Kitas, das Stadtteilzentrum Kotti e.V. hat seinen Einzugsbereich im QMGebiet

Wohnungsmarkt Bewohnerstruktur

-

-

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Kaufkraft Beschäftigung/ Qualifizierung

–

–

Wirtschaftsförderung/ Stadtteilökonomie Schule und Bildung Gesundheit, sonstige soziale und kulturelle Infrastruktur

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– – –

Stadtteilbibliothek mit Kinderbuchabteilung wenig wohnortnahe Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche. Hohe Versorgungsdichte mit Ärzten aller Fachrichtungen Gebietseigene Einzelhandels- und Dienstleistungseinrichtungen (v.a. im Zentrum Kreuzberg, Kottbusser Straße, Wochenmarkt am Kottbusser Tor) bieten Güter des täglichen Bedarfs, Konzentration von Banken und Imbissen am Kottbusser Tor. Teil des Einkaufsbereiches Kottbusser Damm, Kottbusser Straße, Oranienstraße.

Alltagsversorgung

–

Quelle: empirica, eigene Zusammenstellung

8.2

Verfahren des Quartiersmanagements

8.2.1 Struktur und Verankerung des QM-Teams/Kooperation mit der Verwaltung Das QM-Gebiet ist seit langem im Fokus verschiedener Stadtentwicklungsprogramme. So wurden beispielsweise zu IBA-Zeiten Mitte der 80er Jahre auf Grund der Zugehörigkeit zur Programmkulisse WUM West auf Senatsseite Planungen für Aufwertungsmaßnahmen im öffentlichen Raum vorbereitet. Die Haupteigentümer der Bestände, die Kommanditgesellschaft Zentrum Kreuzberg und die GSW (südlicher Bereich) koordinieren eigene Maßnahmen zur Aufwertung und Stabilisierung ihrer Bestände zusammen mit dem QM-Team. Das QM-Team besteht aus vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die auf Teilzeitstellen arbeiten. Auftragnehmer für das QM ist die Stiftung SPI (Geschäftsbereich Stadtentwicklung „Ausnahme & Regel“). Sie ist zuständig für die Gesamtkoordination und für die Bereiche Arbeitsbeschaffung, Ausbildungsplatzvermittlung, Wohnumfeldverbesserung, Finanzierung und Maßnahmenbegleitung. Die zwei Quartiersmanagerinnen der Stiftung SPI werden ergänzt durch einen Mitarbeiter der „mpr-Unternehmensberatung“, dessen Schwerpunkt die Stärkung des lokalen Gewerbes ist, und einer Stadtplanerin. Die einzelnen Handlungsfelder werden unter den vier Quartiersmanagerinnen und Managern aufgeteilt. Die Quartiersmanagerinnen haben zu Beginn der Arbeit auf vorhandene Untersuchungen aus den verschiedenen Vorläuferverfahren zurückgegriffen und keine „neue“ Bestandsanalyse vorgenommen. Ihr Ziel ist es jedoch, im Laufe des Verfahrens die Bedarfe der Bewohner und der lokalen Akteure noch stärker als bisher in die Planungen und Entscheidungen einfließen zu lassen. Die Zusammenarbeit zwischen Quartiersmanagern und der Bezirksverwaltung erfolgt über einen Bezirkskoordinator, der über eine langjährige Erfahrung als Planungsbeauftragter der Planungsleitstelle verfügt und dem Bezirksbürgermeister (seit dem 01.01.2001 Baustadtrat) als
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Koordinierungsreferent direkt zugeordnet ist. Der Koordinator war bereits im Vorfeld des QMVerfahrens an den Erarbeitungen der „Strategien für Kreuzberg“ beteiligt und ist mit Akteuren und Projekten im Gebiet eng vertraut. Der Bezirkskoordinator nimmt gemeinsam mit der Koordinatorin auf Senatsebene an den wöchentlichen Sitzungen der Quartiersmanager teil. Der Koordinator informiert und mobilisiert die zuständigen Fachverwaltungen und Mitarbeiter im Bezirk direkt. An der bezirklichen Steuerungsrunde im Ressort für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, die insgesamt dreimal tagte (Stand November 2002), nehmen neben den Quartiersmanagern und den Koordinatoren themenabhängig verschiedene Mitarbeiter aus der Verwaltung, Eigentümer und Bewohnervertreter (Mieterbeirat) teil. Die Zusammenarbeit mit dem Bezirk wird bei vielen Fragen über den Koordinator abgewickelt, wobei auch weiterhin Steuerungsrunden auf Quartiers- und Bezirksebene bestehen. Im Altbezirk Kreuzberg tagte die Bezirks-Steuerungsrunde, an der der Bezirksbürgermeister, die Amtsleiter, Vertreter der Hausbesitzer und Mietervertreter teilnahmen, zu Beginn des Verfahrens vier Mal. Im Fusionsbezirk Friedrichshain Kreuzberg wurde bislang keine entsprechende bezirkliche Steuerungsrunde eingerichtet, der zuständige Bezirksstadtrat (ehemals der Bürgermeister von Kreuzberg) und der Bezirkskoordinator tragen die zur Entscheidung stehenden Themen in das Bezirksamt. Das QM-Team hat bislang zweimal gemeinsam mit dem Bezirksamt über das Handlungskonzept und über Strategien mit dem Bezirksamt diskutiert.

8.2.2 Selbstverständnis Quartiersmanagement Die Quartiersmanagerinnen verstehen sich im Wesentlichen als Institution, die notwendige Maßnahmen initiiert, zwischen den Interessen der verschiedenen Akteure moderiert (und deren Anliegen in das Gesamtverfahren einbindet) und als Institution, die Aufgaben an verschiedene Akteure, die Wohnungseigentümer, die Gewerbetreibenden und die Verwaltungsstellen vergibt. Je nach Problemstellung übernehmen sie dabei eine unterschiedlich ausgeprägte eigene Rolle. Das SPI ist in seiner Funktion als Treuhänder des Landes Berlin Beschäftigungsträger bei Baumaßnahmen und führt die Öffentlichkeitsarbeit durch. Bei den Baumaßnahmen wird dabei vor allem mit Vergabe-ABM gearbeitet. Zur Ermittlung von Handlungsbedarfen wurden vor allem zu Beginn des Verfahrens kulturelle Maßnahmen umgesetzt, über die Kontakte zu den Bewohnern hergestellt wurden. Diese Maßnahmen dienten auch dazu, das QM als neue Einrichtungen in der Bewohnerschaft und bei den Akteuren bekannt zu machen und zu etablieren (z. B. Film über die Situation der Jugendlichen am Kottbusser Tor). Als Schwerpunktaufgabe wird die Unterstützung, Einbindung und Begleitung unterschiedlich vorhandener Projekte gesehen, die von den Eigentümern, sozialen Trägern, lokalen oder überörtlichen Akteuren verfolgt werden. Das QM bindet die einzelnen Aktivitäten in ein
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Gesamtkonzept ein und sorgt dafür, dass die Akteure stärker und besser zusammenarbeiten. In diesen Bereich fallen zum Beispiel die Fördermittelakquisition für einen Spielplatzneubau eines Wohnungseigentümers (Zentrum Kreuzberg) oder die Organisation von Malermaßnahmen über Beschäftigungsprogramme. Daneben ist der Bereich Ausbildung ein wichtiger Schwerpunkt des QMTeams. In Zusammenarbeit mit Kreuzberger Hauptund Gesamtschulen wurden z.B. Ausbildungsberatungen durchführt und in den ersten beiden Jahren über 100 Jugendliche in Ausbildung vermittelt. Im Verlauf des Verfahrens hat sich die Rolle des QMs gewandelt. Zu Beginn stand sehr stark im Mittelpunkt, das QM bekannt zu machen und es als zentrale Institution zu etablieren. Diese Phase ist mittlerweile abgeschlossen, viele Projektakteure kooperieren „automatisch“ mit dem QM, das Netz zwischen den Akteuren ist enger geworden, was sich auch in einer vermehrten Aufgabenteilung äußert. Verwaltung (Koordinator des Bezirks) Aus Sicht der Bezirksverwaltung wirkt das QM ebenfalls auf verschiedenen Ebenen: Es sorgt dafür, dass aus Bundes- und Landesmitteln Fördermittel zur Verbesserung eines für den Bezirk schwierigen Stadtbereiches bereitgestellt werden. Das QM ergänzt die Verwaltung, weil es in engem Kontakt mit Bewohnern, Eigentümern und Gewerbetreibenden Maßnahmen konzipiert und Umsetzt, die ohne QM nicht oder nur schleppend umgesetzt werden könnten. Es wirkt dadurch über die Kompensation von bewohnerseitig artikulierten Defiziten (Müll, Vandalismus, Sicherheit, Infrastruktur) positiv auf die Wohnzufriedenheit. Der verbesserte Umsetzungsgrad wird dabei sowohl auf die zusätzlichen Arbeitskapazitäten als auch auf ein gegenüber der Verwaltung stärker „lösungsorientiertes“ Herangehen zurückgeführt. Es mobilisiert durch die Artikulation und Bündelung von Akteursinteressen (Eigentümer, Mieter, Gewerbetreibende, Initiativen) die Verwaltung und bewegt diese zu stärker lösungsorientiertem Handeln. Aus Sicht des Bezirkskoordinators sind dem Handeln jedoch in allen Bereichen Grenzen gesetzt. Insbesondere bei der Einforderung veränderter öffentlicher Leistungen für das QM-Gebiet kooperieren nicht alle Teile der Verwaltung in gewünschtem Maße mit den Quartiersmanagern.

8.2.3 Vernetzung mit Akteuren Das QM startete im Herbst 1999 eine Gestaltrunde mit den Akteuren vor Ort, in der der Mieterbeirat, die Interessengemeinschaft Kottbusser Tor, diverse Ansprechpartner aus den Verwaltungen, die
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Wohnungseigentümer, freie Träger, Polizei und andere Partner regelmäßig tagen. Aufgrund der ständig wachsenden Teilnehmerzahl hat das QM die Runde erweitert, so dass sie quasi die Funktion eines Quartiersplenums übernimmt, in dem Gestaltfragen im fachlichen Kreis diskutiert und beraten werden. Mittlerweile hat sich der Aufgabenbereich der Gestaltrunde erweitert, so dass auch allgemeine Themen zur Quartiersentwicklung erörtert werden. Aus der Quartiersfonds-Jury haben sich einige Mitglieder in die neue Jury zum Aktionsfonds wählen lassen. Mitglieder aus beiden Jurys sind an der Etablierung und Mitarbeit eines Quartiersforums interessiert, das in Zukunft als neues Entscheidungs- und Diskussionsgremium auf lokaler Ebene agieren soll. Die Gestaltrunde soll sich dann wieder verstärkt ihrer eigentlichen Aufgabe widmen. Das neue Forum soll etwa dreimal jährlich tagen und die generellen Handlungsschwerpunkte mit festlegen. Schwierigkeiten bestehen nach wie vor darin, auch die ausländische Wohnbevölkerung ausreichend in die Diskussionsprozesse einzubeziehen. Eine wichtige Akteursgruppe sind die Wohnungsunternehmen. Sie stehen in regelmäßigem Austausch mit den Quartiersmanagern. Die Wohnungsunternehmen, insbesondere die GSW und das Zentrum Kreuzberg, führen in Absprache mit dem QM Maßnahmen zur Verbesserung des Quartiers in ihren Beständen durch. Dazu gehört zum Beispiel die Einrichtung einer Concierge-Loge im GSW-Bestand in der Admiralstraße 37. Die Quartiersmanager sind in unterschiedlichen Ebenen in den Prozess, z.B. bei aus den Programmen WUM und Stadtweite Maßnahmen finanzierten Maßnahmen, eingebunden. Die Wohnungsunternehmen beantragen die Mittel und setzten die Maßnahmen um.

8.2.4 Einbindung der Bewohner Der direkte Kontakt zu Bewohnern und die Einbindung von Mietern in Maßnahmen, die im direkten Wohnumfeld stattfinden, findet in der Regel über Mieterbeiräte und organisierte Bewohnergruppen statt. Eine wichtige Rolle spielt der direkte Kontakt zu Bewohnern im Rahmen von Beratungen und Projekten. Ein Schwerpunkt bei der direkten Zusammenarbeit mit Bewohnern bilden die Wohnumfeldmaßnahmen. In der WUM Richtlinie 1999 (WUM RL99) ist die Bürgerbeteiligung gesichert. Durch die Ausbildungsplatzvermittlung, das Filmprojekt „Polizistin hat nicht geklappt“ und den „Rapper-Wettbewerb“ sind enge direkte Kontakte zu Jugendlichen entstanden. Solche zielgruppenorientierten Projekte werden als adäquates Mittel angesehen, jenseits klassischer Beteiligungen die Bedürfnisse der Bewohner aufzunehmen und in die Arbeit einfließen zu lassen.

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empirica

8.3

Handlungsbedarfe und Maßnahmen

8.3.1 Handlungskonzept und Ziele Im ersten schriftlich dokumentierten Handlungskonzept werden keine übergeordneten

Leitbilder/Entwicklungsziele oder vordringliche Handlungsfelder benannt, da die Aufgabenstellung für das QM-Team war, Maßnahmen einzuleiten, die schnellstmöglich die Verbesserung vorhandener Strukturen zum Ziel hatte. Deshalb wurden Ziele in der Regel auf der Ebene der beschriebenen Einzelprobleme formuliert. Das QM-Team hat an die Ziele der Stadterneuerung (12 Grundsätze) angeknüpft. Übergeordnete Ziele für das QM-Gebiet konnten nach Aussage des QM-Teams zu diesem Zeitpunkt nicht entwickelt werden, weil in der Beauftragung Handlungsziele vorgegeben wurden. Aus der Analyse der beschriebenen Einzelmaßnahmen ließen sich jedoch Kernziele zur Verbesserung der Situation am Kottbusser Tor ableiten; dazu zählten vor allem: die Stärkung der Funktion des Kottbusser Tors als Quartierszentrum (Attraktivitätssteigerung, Stärkung der lokalen Wirtschaft) die Verbesserung der Integration von Bewohnern unterschiedlicher Nationalitäten, insbesondere von Jugendlichen in den Arbeitsmarkt und in die Gesamtstadt, die Erhöhung der Entwicklungschancen für Kinder und Jugendliche. Diese Ziele sollen und sollten durch eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen erreicht werden. Eine starkes Gewicht in den einzelnen Handlungsfeldern hatten Ansätze zur Verbesserung der Vernetzung der Akteure im Quartier sowie einer stärkeren Einbindung der Bewohner. Da im QM-Gebiet vorher bereits viele Modelle der Bürgerbeteiligung praktiziert wurden, wurde die Zusammenarbeit mit bestehenden Initiativen und Gremien als wesentlich erachtet.16 Um eine verzweigte Netzwerkarbeit im Quartier zu gewährleisten, hatten sich die Quartiersmanager eine verbesserte Information der Quartiersbewohner sowie die Imageaufwertung des Stadtplatzes in allen Handlungsfeldern zum Ziel gesetzt. Öffentlichkeitsarbeit wurde und wird auch hinsichtlich der Aufwertung des Negativimages des Quartiers nach Innen und Außen als wesentlich erachtet. Mittlerweile ist das QM etabliert. Der Schwerpunkt der Arbeit richtet sich im ´Vergleich zu früher stärker auch auf den sozialen Bereich, insbesondere auf die Themen Bildung, Qualifizierung und Integration. Dies wird auch bei der Analyse der Handlungskonzept-Fortschreibung deutlich.

16

1. Zwischenbericht für den Zeitraum vom 1. Januar – 31. August 1999

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8.3.2 Wohnen, Wohnumfeld und öffentlicher Raum

8.3.2.1 Wohnen und Wohngebäude Die Ziele im Bereich Wohnen und Wohngebäude sind schwerpunktmäßig auf bauliche Maßnahmen in Wohngebäuden (Malermaßnahmen u.Ä.) und Sicherheit ausgerichtet. Handlungsbedarf wird hier vor allem in der Wohnanlage Zentrum Kreuzberg und in den Wohngebäuden der GSW gesehen. Angestrebt wird, das von Verwahrlosungserscheinungen betroffene Zentrum Kreuzberg zu einem attraktiven Wohn-, Einkaufs-, und Dienstleistungszentrum aufzuwerten. Die baulichen Maßnahmen umfassen u.a.: die Neugestaltung der Galerie mit neuen Platten und Balustraden, Abriss von Betontreppen und Ersatz durch Metallkonstruktion, Neu- bzw. Umgestaltung des Gewerbevorbaus (Projekt Flaniermeile) Malermaßnahmen in Hausfluren und Umbau der Eingangsbereiche. Bestandteil des Handlungskonzeptes sind weiterhin Maßnahmen der GSW und der Zentrum Kreuzberg GmbH zur Erhöhung der Sicherheit und Kompensation von Missständen in den „Süd- und Nordblöcken“. Im Rahmen dieser Maßnahmen werden zum Beispiel: Concierge-Logen eingerichtet, über die ein zusätzliches Serviceangebot für Mieter bereitgestellt wird Sicherheitsdienst im Zentrum Kreuzberg Hofbereiche geschlossen, so dass Nutzungskonflikte zwischen Bewohnern und Fremden eingedämmt werden Hauseingangsbereiche in der Admiralstraße verändert Quartiersassistenten in einer Beschäftigungsmaßnahme eingestellt, die sich zusätzlich zu den Hausmeistern um die Belange der Mieter kümmern.

8.3.2.2 Wohnumfeld und öffentlicher Raum Der unattraktive Zustand des öffentlichen Raumes am Kottbusser Tor selbst bzw. auf dem zentralen Stadtplatz wird genauso wie Verwahrlosungs- und Übernutzungsspuren an Gebäuden (Wohn- und Gewerbegebäude) sowie Defizite und Nutzungskonflikte im Wohnumfeld als zentrale Handlungsfelder gesehen. Entsprechende Ansätze zielen auf:
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die Funktionsstärkung des Stadtplatzes Neugestaltung und Neuordnung des Marktplatzes die Kompensation von Verwahrlosung und Übernutzung die Verbesserung des Wohnumfeldes. Den ersten beiden Komplexen sind sowohl bauliche Maßnahmen (z.B. Neugestaltung der Blockspitzen, Neugestaltung der Mittelinsel, Neugestaltung der Aufgangsbereiche in die „Galerie“ des Zentrums Kreuzberg) zuzuordnen, als auch Pläne zur besseren Pflege/Instandhaltung der betreffenden Bereiche (z.B. Müllbeseitigung, Beseitigung/Verhinderung von Vandalismus). Ein zentraler Ansatz ist der Abbau des Leerstandes und die Ansiedlung von neuen Dienstleistern. Erreicht wurde bisher die Strukturierung der Marktstände und der Aufbau von Organisationsstrukturen des lokalen Gewerbes. Ziel ist die Vermietung von Läden an spezielle Zielgruppen (Unterstützung von Gründer, Beratung von Gewerbetreibenden). Dem dritten Komplex sind über die beschriebenen Maßnahmen im öffentlichen Raum Ansätze zur Beseitigung von Verwahrlosungen in den hausnahen Bereichen zuzuordnen. Über die oben beschriebenen Ansätze werden z.B. verfolgt: Block 87: Wohnumfeld, Innenbereich (Spielplatz) und Eingänge; Begrünung Mietergärten Bedarfsgerechte Ausstattung der Innenhöfen mit WUM Fördermitteln (u.a. Spielplatzerweiterung) Mietergärten für und mit Bewohnern Neubau eines Spielplatzes im Bereich des Zentrums Kreuzberg zur Verbesserung der Infrastruktur Optische Gestaltung der Müllhäuser bei der GSW Tischtennisraum im Zentrum Kreuzberg (EG Parkhaus).

8.3.2.3 Verkehr Im Bereich Verkehr befinden sich folgende Maßnahmen in Planung bzw. Umsetzung: Behindertengerechte Ausstattung des U-Bahnhofs Kottbusser Tor Rückbau des Verkehrs mit Schließung der Admiralstraße Sicherung des Zugangs der Spielplätze im Zentrum Kreuzberg durch Zebrastreifen.

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8.3.3 Zusammenleben im Quartier/Soziale Integration Hinsichtlich der sozialen Integration und des Zusammenlebens unterschiedlicher

Bevölkerungsgruppen wurden sowohl im Handlungskonzept als auch den Zwischenberichten keine gesonderten Angaben gemacht. Auf die besonderen Aufgaben, die sich aus der Sozialstruktur ergeben, wird jedoch im Handlungsfeld „Wohnen, Wohnumfeld, Öffentlicher Raum“ hingewiesen. Verschiedene Projekte in diesem Bereich haben unter anderem die verstärkte Einbindung der Migrantenhaushalte und der sozial isolierten Haushalte zum Ziel. Das Thema soziale Integration (insbesondere über Bildung und Qualifizierung) ist mittlerweile als Leitaufgabe ein zentrales Anliegen der QM-Arbeit. Umgesetzt wurden und werden zum Beispiel: Informationsveranstaltungen Mieterfeste, interkulturelle Feste Projekt „Idefix“ zur Integration von ehemaligen Drogenabhängigen, die in dem Projekt einfache Aufgaben übernehmen Rapperfest „Geschichte wird gemacht“ Ausstellungsprojekt mit reger Beteiligung von Migranten, an dem etwa 100 Bewohner mitgearbeitet haben.

8.3.4 Beschäftigung und Qualifizierung Die Förderung von Beschäftigung und Qualifizierung im Quartier ist eine zentrale Zielsetzung des QM. Die Ansätze zielen in der Regel darauf ab, Projekte im Quartier (Wohnumfeldverbesserung u.Ä.) mit Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen für Quartiersbewohner zu koppeln, um durch die Verknüpfung von baulich-investiven und arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen Synergieeffekte im Quartier hervorzurufen. Beschäftigungswirksame Projekte sind z.B.: Umgestaltung der Blockspitzen rund um das Kottbusser Tor (Vergabe-ABM, Stadtweite Maßnahmen) Einsatz von Quartiersassistenten (KOM, GSW) Sicherheitsdienst als Beschäftigungsmaßnahme Malermaßnahmen mit ca. 50 Sozialhilfeempfängern (u.a. Renovierung von Eingängen und Fluren im Zentrum Kreuzberg).

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Die

Akquisition

von

Ausbildungsplätzen durch die

wird

durch

Vermittlung gefördert.

und Hierzu

Beratung wurde

von das

Ausbildungsplatzsuchenden

Quartiersmanager

‚AusbildungsplatzKonTor‘ (Ausbildungsplatzvermittlung) im Zentrum Kreuzberg errichtet. Aufgrund des hohen Anteils ausländischer Arbeitsloser sind die Quartiersmanager bestrebt, den Anteil von Ausländern auf dem zweiten und ersten Arbeitsmarkt zu erhöhen. Die Maßnahmen umfassen aufgrund der mangelhaften Sprachkenntnisse und Qualifikationen: Sprachkurse Qualifikationskurse Projekt „Neue Medien“ mit PC und Internet Kursen (ISI e.V.) Ausbildung für Systemgastronomie (ESTA e.V.). Qualifizierungsprojekt für Jugendliche im Bereich Webdesign/Internetauftritte Internetqualifizierung für Bewohner (Agentur Konzeptarbeiter) Hausaufgabenhilfe (Eigeninitiative eines türkischer Bewohner und Gewerbetreibender im Zentrum Kreuzberg; Bereitstellung von Räumen durch den Wohnungseigentümer).

8.3.5 Wirtschaftsförderung und Stadtteilökonomie Die Quartiersmanager verfolgen eine beratende und aktivierende Strategie zur Unterstützung von Gewerbetreibenden und Existenzgründern. Mit öffentlichen Veranstaltungen und Einzelberatungen werden Existenzgründungen und Neuansiedlungen unterstützt. Einzelmaßnahmen zur Gewerbeförderung der Quartiersmanager umfassen z.B.: Gründergalerie Veranstaltung „Existenzgründung aus der Arbeitslosigkeit oder aus Sozialhilfe“ Initiierung einer Interessengemeinschaft ethnischer Gewerbetreibender Unterstützung bei der Ansiedlung von Bildungsträgern (Esta, Initiative selbständiger ImigrantInnen, the message). Mit Einzelmaßnahmen zur Stärkung der lokalen Wirtschaft soll die Sicherung von Investitionen im Quartier erreicht werden. Die Gewerbeförderung der Quartiersmanager soll ebenfalls lokale Netzwerke und Initiativen von Gewerbetreibenden (bspw. IG ethnisches Gewerbe) über Kontakte zu Banken, Industrie- und Handelskammer (IHK) und anderen Verbänden unterstützt werden, da im Quartier keine aktiven Initiativen in diesem Bereich existieren.
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Das QM hat eine strategische Ausrichtung des Standortes mit den Eigentümern diskutiert und einen entsprechenden Vertragsentwurf vorgelegt; mittlerweile zeigt sich, dass – obwohl der Vertrag nie unterschrieben wurde – die darin aufgeführten Ziele nach und nach umgesetzt werden.

8.3.6 Soziale und kulturelle Infrastruktur

8.3.6.1 Schule und Bildung Ziele und Maßnahmen im Handlungsfeld Schule und Bildung sind v.a. auf die Zielgruppen Kinder, Jugendliche, Ausländer und Frauen ausgerichtet; beschriebenes Kernproblem sind vor allem die mangelnden Sprachkenntnisse bei Ausländern. Auch der fehlende Zugang und geringe Umgang mit neuen Medien wird als Benachteiligung beschrieben. Um die sprachliche Qualifikation und den Gebrauch von PCs/Internet im Quartier zu verbessern, werden Sprachkurse (Sprachverband, AWO, freie Träger) und PC-Kurse angeboten. Mit Projekten „Neue Medien am Zentrum Kreuzberg/ KottiCam“ (Message) sollen Grundfertigkeiten im Umgang mir PC/ Internet vermittelt werden, um die Qualifizierung und Weiterbildung der Quartiersbewohner zu fördern (E & C/ KuQ). Im Gebiet haben sich Gruppen zur Hausaufgabenhilfe etabliert, die vom QM unterstützt werden.

8.3.6.2 Gesundheit Der Drogenkonsum und –umsatz ist ein zentrales Thema für das QM-Team, da das Kottbusser Tor seit langem Treffpunkt eines Teiles der Berliner Drogenszene ist. Ziele und Maßnahmen werden in Kooperation mit der Plan- und Leitstelle Gesundheit im Bezirk und der Sucht-AG als Zusammenschluss freier Träger der Drogenhilfe geplant und umgesetzt. Gegenwärtig wird ein „Strategieplan-Gesundheit“ erarbeitet. Einzelmaßnahmen für Drogenabhängige am Kottbusser Tor sind: Gesundheitsvorsorge für Drogenabhängige (Fixpunkt e.V.) Selbsthilfe der Drogenabhängigen (Platzreinigung Block 85) Projekt „Idefix“ als Integrationsprojekt für ehemals Drogenabhängige Essensversorgung der Heilsarmee Einrichtung eines Drogenraums (Initiative Druckräume jetzt) Organisation von Gesundheits- und Familienberatung (BIZIM EV. und Fachleute aus dem Bezirksamt)

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Kinder und Jugendliche sind zwei weitere Zielgruppen in diesem Handlungsfeld. Zur Verbesserung der Ernährungssituation von Kindern wurde im Herbst 2002 ein modulares Gesundheitsangebot angeschoben (z.B. Klasse 2000) .

8.3.6.3 Sonstige soziale und kulturelle Infrastruktur Die Quartiersmanager problematisieren die soziale Infrastruktur für Jugendliche und Kinder im besonderen. Sie bewerten den Mangel von Spiel- und Freizeitangeboten für Kinder und Jugendliche als primäres Defizit in diesem Handlungsfeld. Ziel ist es, den Mangel an Freizeitangeboten für diese Zielgruppe zu verbessern. Folgende Einzelmaßnahmen werden tlw. durch das Programm ‚Soziale Stadt‘ finanziert: Neugestaltung des Innenbereiches Block 87 mit der GSW und der Bürgerbeteiligung durch den Kotti e.V. Projekt „Bambula-Hütte“ im Innenhof Admiral-/Kottbusser Straße (Block 87) Neuanlage eines Spielplatzes am Zentrum Kreuzberg „BIZIM EV“ („Unser Haus“) Nachbarschaftstreff im Zentrum Kreuzberg

8.4

Beurteilung der Ziele und des Verfahrens

Die Quartiersmanager haben den Anspruch, den integrierten Handlungsansatz gemeinsam mit Akteuren und unter stärkerer Einbindung der Bewohner weiterzuentwickeln. Aus den bisherigen Zielformulierungen und den dargestellten Handlungsansätzen lassen sich folgende Kernstrategien ableiten: Durch die o.g. Maßnahmen soll eine Attraktivitätssteigerung des Quartier erreicht werden. Durch Unterstützung von Gewerbetreibenden bzw. die Einbindung neuer Gewerbetreibender (Existenzgründer) soll das Zentrum Kreuzberg zu einem attraktiven Standort entwickelt werden. Parallel werden von den Bewohnern als gravierend empfundene Defizite im Bereich des Wohnumfeldes und bezüglich des Zustandes der Gebäude und der Sicherheit kompensiert. Ein weiterer Maßnahmenkomplex zielt auf die Verbesserung der Lebenssituation für Kinder und Jugendliche ab. Die Ansätze sollen dazu führen, dass die Integration dieser Gruppen in die Gesamtstadt verbessert wird. Aufgrund der im Vertrag vorgegebenen Handlungsfelder war es für das QM in der ersten Phase nicht vorrangig notwendig, Kernziele zu definieren. Ziele werden überwiegend im Sinne einer erfolgreichen Umsetzung der Maßnahmen formuliert.

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Diskussionswürdig erscheint aus gegenwärtiger Sicht das formulierte Ziel einer allgemeinen Attraktivitätssteigerung des Standortes Kottbusser Tor und der dadurch angestrebten Funktionsstärkung als Zentrum. Die starke Verkehrsbelastung und die starke Trennung des Zentralbereiches in einen nördlichen und einen südlichen Teil, werden im Handlungskonzept zwar als Handlungsbereich angedacht, sind möglicherweise jedoch als zu marginal eingestuft. Nichtsdestotrotz ist im Laufe des Verfahrens nicht nur optisch (Zahl der Läden, Zustand der Ladenzeilen und Durchgangsbereiche) eine Verbesserung erreicht worden, sondern die Abwärtsspirale konnte gestoppt werden, neue Interessenten angesprochen und auch angesiedelt werden.

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9.

Wrangelkiez

9.1

Ausgangssituation im QM-Gebiet

9.1.1 Abgrenzung Abbildung 9: Abgrenzung des QM-Gebietes Wrangelkiez

Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

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9.1.2 Zentrale Stärken und Schwächen Das QM-Gebiet Wrangelkiez im Bezirk Friedrichshain- Kreuzberg ist ein hochverdichtetes gründerzeitliches Altbaugebiet in innerstädtischer Lage. Die Bestandsqualität der Wohngebäude und Wohnungen ist infolge umfangreicher Sanierungsmaßnahmen im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) in den 80er Jahren im Vergleich zu anderen gründerzeitlichen Quartieren in Berlin relativ gut. Auch die Straßenräume wurden in den 80er Jahren überwiegend umgestaltet, die
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Straßen z.T. verkehrsberuhigt. Entlang der Schlesischen Straße ist die typische Kreuzberger Nutzungsmischung (Wohngebiet mit Gewerbehöfen) noch erhalten. Für ein innerstädtisches Wohngebiet sind die Grünflächenangebote und Erholungsmöglichkeiten (Spree, Görlitzer Park, Nähe zum Treptower Park) gut. Die Einzelhandelsstruktur im Gebiet – vor allem entlang der Schlesischen Straße und der Wrangelstraße – ist vielfältiger, das Versorgungsangebot besser als in vielen vergleichbaren QM-Gebieten. Die kleinteilige gewerbliche Struktur mit Einzelhandels- und Dienstleistungsgewerbe sowie Gewerbehöfen in der Schlesischen Straße (u.a. Standort der GSG) stellt ein wichtiges Potential zur lokalökonomischen Entwicklung für das Quartier dar. Der Wrangelkiez ist ein überdurchschnittlich junges Wohngebiet und gehört zu den QM-Gebieten mit den höchsten Ausländeranteilen (40 %). Bei den Kindern und Jugendlichen zwischen 6 bis 18 Jahren sind sogar mehr als zwei Drittel nichtdeutscher Herkunft. Der Anteil ausländischer Kinder und Jugendlicher an den Schulen ist entsprechend hoch. Wie in allen QM-Gebieten kann der hohe Migrantenanteil nicht automatisch als Ursache für soziale Probleme gewertet werden. Es gibt jedoch verschiedene Tendenzen, die zeigen, dass Fragen der Integration aufgrund der besonderen Geschichte des Stadtteils und den drastischen Veränderungen, die sich nach der Wende ergeben haben, eines der zentralen Handlungsfelder des QM sein müssen. Im Wrangelkiez lebten bis zur Wende viele Menschen, die bewusst in diesen – damals eher abgelegen Stadtteil – gezogen sind, in dem es sehr ausgeprägte soziale Netze gab und den viele Bewohner als etwas „besonderes“ wahrnahmen. Die Integration der bereits damals zahlreich dort lebenden Migrantinnen und Migranten wurde als gemeinschaftliche Aufgabe empfunden, auf die man stolz war. Viele Projekte, Initiativen und andere Bürgergruppen widmeten sich intensiv der Gemeinwesenarbeit auf Stadtteilebene. Nach der Wende hat sich die stadträumliche Lage des Quartiers stark verändert und das Image wandelte sich, auch weil andere Stadtteile (Prenzlauer Berg, Friedrichshain) in den Augen vieler potentieller Bewohner attraktiv wurden. Das „Besondere“ verschwand, hinzu kamen harte Probleme, wie zum Beispiel die stark wachsende Verkehrsbelastung auf der Skalitzerund der Schlesischen Straße. Als Folge des abnehmenden „Zusammengehörigkeitsgefühls“, als Folge der geringer werden Unterstützung der Gemeinwesenarbeit, als Folge des zunehmenden „Rückzugs“ vieler engagierter Haushalte veränderte sich das soziale Klima im Stadtteil. Hinzu kamen die aufgrund des demographischen Gefüges und des selektiven Wegzugs von Teilen der „alten“ Bevölkerung sich nochmals verschiebende Verhältnisse zwischen deutschen und nichtdeutschen, jungen und alten Bewohnern, Alteingesessenen und Neuzugezogenen.

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Insgesamt hat diese Entwicklung zu verschiedenen Problemen geführt, deren Bekämpfung heute Aufgabe des QM ist: Zentral ist dabei die sich verschlechternde Situation insbesondere bei den jugendlichen Migrantinnen und Migranten. Viele von ihnen fühlen sich ohne Perspektive und tatsächlich sind die Voraussetzungen zur Integration in den Arbeitsmarkt und die deutsche Gesellschaft oft schlecht (Sprachbildung, soziale Netze, Erfahrungshorizont). Der hohe Anteil ausländische Schüler führt dazu, dass z.T im Gebiet lebende deutsche Haushalte wegziehen bzw. ihre Kinder auf Schulen außerhalb des Gebietes anmelden. Die Kaufkraft im Gebiet sinkt, weil auch aufgrund des Imagewandels immer mehr besser verdienende Haushalte wegziehen bzw. nicht mehr (wie früher) in das Gebiet zuziehen. Mehr Haushalte als früher sind von persönlich gravierenden Veränderungen im Leben betroffen (Langzeitarbeitslosigkeit und ihre Folgen). Sie verbringen einen großen Teil ihrer Zeit im öffentlichen Raum und auch, wenn dies für die anderen Bewohner kein „echtes“ Problem darstellt, wirkt es negativ auf das Image und das Selbstwertgefühl der Bewohner. Die Potentiale des Gebietes liegen zum einen in seiner im Vergleich zu anderen QM-Stadtteilen guten Infrastruktur, der vergleichsweise hohen Qualität des öffentlichen Raumes und des Grün- und Freiflächenangebotes sowie in der immer noch vorhandenen und für viele Menschen angenehmen sozialen Mischung verschiedener Bewohnergruppen, die dort zusammenleben.

9.1.3 Charakteristik
Gebietstyp Stadträumliche Situation/ Baustruktur Typ A: Altbau-dominiertes Quartier in der westlichen Innenstadt, ca. 12.390 EW
-

Einfaches, hochverdichtetes innerstädtisches Altbaugebiet (Blockrandbebauung) im Süden Kreuzbergs an der Grenze zum Bezirk Treptow-Köpenick, Begrenzung im Norden durch die Spree (Osthafen), Landwehrkanal im Osten, den Görlitzer Park im Süden und Skalitzer Straße im Westen, stadträumliche Barrierewirkung der Skalitzer Straße. Hohe verkehrliche Belastung der Skalitzer Straße (wichtige Ost-WestTangente von Berlin) und Schlesischer Straße, Einfache Wohnlage, Wohngebäude im gestreuten Privatbesitz Junge Wohnbevölkerung (ca. 49 % jünger als 35 Jahre), hoher Anteil Ausländer (39,8 % gegenüber 32,9 % in Kreuzberg) insbesondere in der Altersgruppe 6-<18 Jährige (69,9 %). 77 % der Ausländer kommt aus Nicht-EU Staaten (58,9 % Berlin) v.a. aus der Türkei (65,2 %). Einwohnerzahl von 1999 bis 2001 abnehmend (1,2%)
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-

-

Wohnungsmarkt Bewohnerstruktur

-

-

-

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Kaufkraft

-

Mäßig abnehmende Kaufkraft, QM-Gebiet Kaufkraftkennziffer im Jahr 2000 (83,6 % Durchschnitts), im Jahr 1994 noch Rang 8.

mit des

der geringsten Bundesdeutschen

Beschäftigung/ Qualifizierung

-

Anteil der Arbeitslosen an allen 18-65-Jährigen im Kreuzberger Durchschnitt (19,3 %) und gering überdurchschnittlich hoch für QM-Gebiete. Alters- und Langzeitarbeitslosigkeit (14,3 % bzw. 33,6 %) annähernd wie in Kreuzberg, höhere Jugendarbeitslosigkeit als in Kreuzberg (17,5 % gegenüber 15,8 %), Leerstände und Fluktuation im Einzelhandels- und Dienstleistungsgewerbe (v.a. ethnisches Gewerbe), internationale gastronomische Einrichtungen, Gewerbehöfe in der Schlesischen Straße Zweithöchster Anteil Schüler nicht deutscher Herkunftssprache der QMGebiete (86%) Zwei Grundschulen, Oberschule mit Haupt- und Realschulzweig mit gut ausgestatteten freie Flächen und Sportflächen. Des Gebiet weist eine Vielzahl von Infrastruktureinrichtung auf. Neben zahlreichen Kitas freier Träger gibt es fünf städtische Kindertagesstätten. Im Quartier und seinen Verflechtungsbereichen mehrere Sportanlagen (Bolzund Fußballplätze, Sporthalle, Schwimmbad). Im Görlitzer Park befinden Kinderbauernhof, CABUWAZI, Verkehrsschule. Vielzahl von Vereinen, die Zielgruppen orientiert zur Verbesserung der Lebenssituation Quartier beitragen. Beispiele aus der Projektlandschaft: Interkulturelle Mädchenarbeit, aufsuchende Jugendarbeit, betreutes Wohnen für psychisch Kranke, Nachbarschaftshilfe, Obdachlosenhilfe, aufsuchende Sozialarbeit. Im Gebiet ist eine Seniorenfreizeitstätte angesiedelt sowie die katholische Kirchengemeinde Sankt Marien-Liebfrauen, die evangelische TaborGemeinde und Religionsgemeinschaft der Faith Moschee, die im Bereich der sozialen Arbeit Angebote machen. Einzelhandels- und Dienstleistungseinrichtungen mit Waren des täglichen Bedarfs mit mäßiger Diversifizierung v.a. in der Wrangel- und Schlesischen Straße.

-

Wirtschaftsförderung/ Stadtteilökonomie Schule und Bildung

-

-

-

Gesundheit, sonstige soziale und kulturelle Infrastruktur

-

Alltagsversorgung

-

Quelle: empirica, eigene Zusammenstellung

9.1.4 Handlungskonzept und Ziele Im Handlungskonzept vom August 2002 werden für alle wichtigen Aufgabenbereiche

Ausgangssituationen, Probleme und Handlungsansätze beschrieben. Zentrales Handlungsfeld ist die Verbesserung der Integrationschancen der im Gebiet lebenden Migrantinnen und Migranten. Hintergründe sind u.a.: Das nebeneinander der verschiedenen Kulturen und Ethnien bezieht sich nicht nur auf das Verhältnis der Einwanderer zur deutschen Gesellschaft, sondern auch auf das Verhältnis der Migrantengruppen untereinander, deren kulturelle und politischen Konflikte sich im Zusammenleben auswirken (Kurden-Türken, Türken-Araber, Osteuropäer-Asiaten). Das führt zu einer Abschottung und zur Polarisierung der verschiedenen sozialen und ethnischen Milieus. Die Abwanderung insbesondere der Bildungsschicht (aller Ethnien) führt dazu, dass in den kommunalen Kitas und Schulen mehrheitlich Kinder aus sozial- und ökonomisch schwierigen Familienverhältnissen vorzufinden sind und damit neue Anforderungen in Bezug auf Pädagogik, Eltern Arbeit schulische
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und außerschulischen Angebote gestellt werden. Die integrationsfördernden Institutionen Arbeitsplatz und Schule haben aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit an Bedeutung verloren. Das Defizit an qualifizierten Migranten in den Bereichen Kita, Schule, Logopädie, Sozialarbeit und Jugendarbeit erschwert den Zugang zu den heranwachsenden Generation im Gebiet, die meist unter Identifikationskonflikten leiden. Auch unter dem Aspekt der Vorbildfunktion hat der Mangel an solchen Fachkräften nachteilige Folgen für die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen. Ziele des Qualitätsmanagements in diesem Bereich sind zum Beispiel: Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements und der Übernahme von Verantwortung im Stadtteil Abbau von gesellschaftlichen Integrationsdefiziten (Erziehung, Bildung, Arbeitsmarkt, Freizeit und Kultur) Abbau der Stigmatisierung des Quartiers als „sozialer Brennpunkt“ Förderung der Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen deutschen und anderen Nationen sowie zwischen den Ethnien Förderung von binationalem Identitätsbewusstsein Verbesserung der Kenntnisse der deutschen Sprache und Kultur bei Bevölkerungsgruppen nichtdeutscher Herkunft und Förderung des Zusammenlebens der verschiedenen Ethnien Förderung von Kenntnissen über die kulturellen Hintergrund und Lebensform der Gebietsbewohner Als Maßnahmen sind in Durchführung bzw. geplant zum Beispiel: bedarfsgerechte Angebote für Beratung und Selbsthilfe Erweiterung von Sprachkursangeboten (Muttersprache und Deutsch) Schaffung von außerschulischen Angeboten im Bildungs- und Freizeitbereich und berufsfördernde Maßnahmen für Jugendliche Förderung von Stadtteil und Hoffesten geschlechtsspezifische Angebote zur Förderung der gesellschaftlichen Integration Förderung der Angebote für Migranten und Migrantinnen im Rentenalter Für weitere Problemfelder werden ebenfalls die Ausgangssituationen treffend beschrieben und Handlungsansätze dargestellt. Insgesamt wird deutlich, dass sich das QM in seiner Arbeit den zentralen Problemen des Quartiers zuwendet, geeignete Projekte initiiert hat und zu einer deutlichen Verbesserungen der Kommunikation
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zwischen den verschiedenen Akteure beigetragen hat. Das Quartiersmanagement übernimmt dabei eine wichtige Moderationsrolle, weil es versucht, möglichst neutral die verschiedenen Einzelinteressen von Trägern und Akteuren der gewachsenen Gemeinwesenstruktur in ein gemeinsames Lösungskonzept einzubinden.

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10.

Bülowstraße/ Wohnen am Kleistpark

10.1

Ausgangssituation im QM-Gebiet

10.1.1 Abgrenzung Abbildung 10: Abgrenzung des QM-Gebietes Bülowstraße/ Wohnen am Kleistpark

Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

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10.1.2 Zentrale Stärken und Schwächen Das Quartier Bülowstraße/Wohnen am Kleistpark im Bezirk Tempelhof-Schöneberg ist ein Wohngebiet mit heterogener Baustruktur (überwiegend gründerzeitliche Altbausubstanz und Neubebauung aus den 60er und 70er Jahren), in zentraler stadträumlicher Lage. Die stark frequentierte Potsdamer-, Bülow-, Pallas- und Goebenstraße prägen den Stadtteil und zerschneiden ihn in mehrere kleinere Quartiere. Das negative Image des Gebietes wurde in der Vergangenheit v.a. von den
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Missständen der Großwohnanlage „Wohnen am Kleistpark“ („Pallasseum“) bestimmt, in der sich eine hohe Anzahl von Sozialhilfeempfängern und Ausländern konzentriert. In Teilbereichen des Gebietes traten deutliche Übernutzungserscheinungen auf (Müll, Verwahrlosung, Graffiti etc.). Drogenmissbrauch, Beschaffungskriminalität und Prostitution führten zu Belästigungen und Angstgefühlen bei den Bewohnern. Zwar sind noch lange nicht alle diese Missstände vollständig behoben, doch das Image hat sich mittlerweile sowohl in den Medien als auch in der Innenwahrnehmung spürbar verbessert. Demgegenüber verfügen andere Teilbereiche, v.a. im so genannten Frobenkiez im Westen des QMGebietes zwischen Winterfeldtstraße, Potsdamer Straße, Kurfürstenstraße und Nollendorfplatz, z.T. auch über attraktive urbane Räume mit sanierter Altbausubstanz und gastronomischen Einrichtungen (neben einfachen Imbissen auch einzelne höherwertige Cafés und Restaurants). Zudem bestehen insgesamt durch die Nähe zu zentralen Versorgungseinrichtungen (City-West) und durch z.T. gute sozialräumliche Verflechtungen mit angrenzenden Stadtteilen im Vergleich zu vielen anderen QMGebieten gute Entwicklungsvoraussetzungen. Das Nahversorgungszentrum an der Potsdamer Straße bietet überwiegend einfache Angebote im unteren Preissegment (Einzelanbieter sowie Filialisten). Trotz der ausschließlich lokalen Funktion ist dieses Nahversorgungszentrum für das QM-Gebiet von größter Bedeutung. Es deckt den Bedarf nach preiswerten Waren des täglichen und z.T. mittelfristigen Bedarf. Dabei erweitern einzelne diversifizierte Anbieter das Angebotsspektrum und die vorhandene kleinteilige gewerbliche Struktur (Einzelhandels- und Dienstleistungseinrichtungen, vereinzelt Gewerbehöfe) vermitteln einen städtischen Charakter.

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10.1.3 Charakteristik
Gebietstyp Stadträumliche Situation/ Baustruktur Typ C: Quartier mit hohem Anteil im Sozialwohnungsbau und z.T. größeren, zusammenhängenden Wohnkomplexen, ca. 17.290 EW
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Einfaches Wohngebiet in zentraler innerstädtischer Lage, heterogene Bebauungsstruktur (Neubebauung aus den 70er Jahren, gründerzeitliche Altbausubstanz). QM-Gebiet umfasst ehemaliges Sanierungsgebiet Bülowstraße, im ehem. Sanierungsgebiet Bülowstr. 2.489 WE im sozialem Wohnungsbau, Großwohnanlage Pallasseum mit 514 WE (Sozialwohnungen). Städtebauliche Barriere im Osten aufgrund des ehemaligen Potsdamer Güterbahnhofs, starke verkehrliche Belastung der Bülowstraße, Potsdamer Straße, Goeben-/Yorckstraße. Aufhebung der Fehlbelegungsabgabe und Belegungsbindung im Pallasseum 1999. Größere Wohnungsbaugesellschaften: WIR, Pallasseum Wohnbauten KG, DeGeWo. Junge Wohnbevölkerung; fast die Hälfte ist jünger als 35 Jahre. Durchschnittliche Bewohnerfluktuation für Schöneberg und QM-Gebiete. Mehr als dreimal so hoher Anteil Ausländer als in Berlin gesamt (44 % gegenüber 13,1 %) und fast doppelt so hoch wie in Schöneberg (22,7 %), Ausländeranteil in den Altersgruppen 6-<12 (53 %) und 27-<35 (53 %) sehr hoch, 70,6 % der Ausländer kommen aus Nicht-EU Staaten (Berlin 58,9 %) v.a. aus der Türkei (45,2 % gegenüber 28,9 % in Berlin), dem ehemaligen Jugoslawien (11 %) und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion (9,8 %). Mäßig abnehmende Kaufkraft zwischen 1994 und 2000, überdurchschnittliches Kaufkraftpotential der Wohnbevölkerung im Vergleich zu anderen QM-Gebieten (Rang 3. im Jahr 2000).33 Der Anteil der Arbeitslosen (14,3 %), Jugend- und Altersarbeitslosigkeit (12,6 % bzw. 13 %) im Durchschnitt der QM-Gebiete, höchste Langzeitarbeitslosigkeit (40,6 %) im Vergleich zu anderen QM-Gebieten34. Konzentration des Gewerbes entlang der Potsdamer Straße und Bülowstraße, Gewerbeleerstand v.a. im Kulmerkiez, hohe gewerbliche Fluktuation, hoher Anteil ethnisches Gewerbe. Einzelhandel und konsumnahe Dienstleistungen dominieren Branchenstruktur des Gewerbes, zwei Gewerbehöfe im Bülowbogen. Schlechte Reputation von Grundschulen aufgrund des hohen Anteils ausländischer Kinder, Anteil Schüler nicht deutscher Herkunftssprache 70-90%, defizitäre sprachliche Förderung in ausländischen Familien.* Allerdings auch Sophie-Scholl Gesamtschule mit hoher Attraktivität (Wartelisten) und zahlreichen Kreativangeboten.

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-

Wohnungsmarkt

-

-

Bewohnerstruktur

-

-

Kaufkraft

-

Beschäftigung/ Qualifizierung

-

Wirtschaftsförderung/ Stadtteilökonomie Schule und Bildung -

33 34

Quelle: GFK-Kaufkraftkennziffern auf PLZ-Ebene, umgerechnet auf die Gebietskulisse des Quartiersmanagements Quelle: eigene Berechnungen nach Daten des Statistischen Landesamtes

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Gesundheit

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Die Kinder und Jugendlichen des Gebietes sind vielen Belastungen ausgesetzt. Armut, mangelnde Förderung in der Erziehung, Gewalterfahrung in der Familie und auf der Straße prägen sie und verhindern oftmals eine gesunde Entwicklung. Trotz Verbesserung gegenüber dem Beginn der QM-Arbeit noch defizitäre Ausstattung mit Einrichtungen für Lückekinder und Jugendliche (u.a. Spiel- und Sportplätze); soziale Treffpunkte für die Bewohnerschaft (Cafés, Nachbarschaftstreffs) fehlten zu Beginn in einigen Teilbereichen (v.a. rund um das Pallasseum) völlig, mittlerweile auch dort einzelne Angebote vorhanden.* Stadtteilzentrum des Stadtteil-VHS im Gebiet (PallasT), Familientreffpunkt der KiezOase in der Kurmärkischen Straße vorhanden. Waren des täglichen Bedarfs mit geringer Diversifizierung entlang der Potsdamer Straße und Bülowstraße. Rückzug des versorgungsorientierten Gewerbes aus den Altbaukiezen (v.a. Kulmerkiez). Hochwertigeres, diversifizierteres Angebot (periodischer, episodischer Bedarf) in der City-West mit dem ÖPNV gut erreichbar.

Sonstige soziale und kulturelle Infrastruktur

-

Alltagsversorgung -

-

* Strategisches Handlungskonzept
Quelle: empirica, eigene Zusammenstellung

10.2

Verfahren des Quartiersmanagement

10.2.1 Struktur und Verankerung des QM-Teams/ Kooperation mit der Verwaltung Mit dem QM wurden die Stiftung Sozialpädagogisches Institut Berlin (SPI) und die Arbeitsgemeinschaft für Sozialplanung und angewandte Stadtforschung (AG SPAS) beauftragt. Das SPI ist für die Initiierung von Arbeitsplätzen in Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen in Verbindung mit investiven Fördermitteln und seit 2002 auch für die Gesamtkoordination für das QM zuständig. Das Arbeitsfeld »Stärkung der lokalen Wirtschaft« wurde per Unterauftrag an die Unternehmensberatung mpr vergeben. Die AG SPAS ist mit der Bewohnerbeteiligung betraut. Das QM konnte an eine bereits bestehende sozialräumlich orientierte Struktur in der Bezirksverwaltung anknüpfen, was eine Verankerung des QM im Bezirk begünstigt hat. Im Mai 1997 ersuchte die BVV Schöneberg angesichts zunehmender Konfliktpotentiale im Schöneberger Norden (Gewalttaten, Kriminalität und Drogenhandel) das Bezirksamt um eine Einrichtung eines ortsteilbezogenen Sicherheitsforums, woraufhin die damalige Bezirksbürgermeisterin und jetzige Stadträtin den „Präventionsrat Schöneberger Norden“ im Januar 1998 ins Leben rief und auch die Federführung des Gremiums übernahm. Die Treffen fanden anfänglich im vierteljährigen Rhythmus, mittlerweile fünf bis sechs mal pro Jahr unter Teilnahme von Vertretern des Bezirksamtes, Polizei, Schulen, Vertretern von freien Trägern und Initiativen und Bewohnern statt. Zu den auf der Gründungsveranstaltung vorgebrachten vordringlichsten Themen im Quartier wurden Arbeitsgruppen
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gegründet (u.a. AG Gewerbe), die Probleme im Stadtteil themenspezifisch erörtern. Der Präventionsrat wird von der für das QM zuständigen Fachabteilung (jetzt: Gesundheit, Stadtentwicklung und QM) organisiert und geleitet. Das QM-Team unterstützt den Präventionsrat. Er ist mittlerweile zu einem Forum des Quartiersmanagements geworden, auf dem das QM-Team seine Arbeit präsentiert, rückkoppelt und diskutiert und Anregungen erhält. Als Bezirkskoordinatorin wurde eine Mitarbeiterin des Amtes für Frauen beschäftigt, die als Leiterin der AG Gewalt bereits in die Arbeit des Präventionsrates aktiv eingebunden war. Die Bezirkskoordinatorin ist seit Anfang 2000 mit einer vollen Stelle für das QM zuständig. Hinsichtlich der Organisationsstruktur ist hervorzuheben, dass die Bezirkskoordinatorin nicht nur mit der Koordination des QM-Verfahrens in der Bezirksverwaltung, sondern auch mit der Koordination des QM-Teams beauftragt wurde. Anfang 2002 wurde allerdings die Struktur des QM-Verfahrens geändert. Die Bezirkskoordinatoren ist seitdem nur noch für die Koordination des QM im Bezirk und die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Teamrunden finden i.d.R. wöchentlich im Vor-Ort-Büro statt. Neben „kleinen“ bezirklichen Steuerungsrunden mit der zuständigen Stadträtin werden gelegentlich „größere“ BezirksSteuerungsrunden mit weiteren Stadträten organisiert. Projektbezogene Zusammenarbeit findet in themenspezifischen, Ressort übergreifenden Projektgruppen, an denen verschiedene Bezirksamtsvertreter und das QM-Team beteiligt sind, statt [z.B. Projektgruppe Bau; Projektgruppe Potsdamer Straße; Projektgruppe Jugend, Gesundheit, Nachbarschaft und QM; Arbeitsgruppe Kunst; AG Zoff (ehemals „AG Gewalt gegen Jugendliche“)].

10.2.2 Selbstverständnis Quartiersmanagement Das QM-Team sieht sich in einer initiierenden und vermittelnden Funktion im Stadtteil. Wesentlich für die Stadtteilarbeit und Vernetzung ist nach Ansicht des QM, Anstöße zu geben und Prozesse zu steuern, anhand derer Menschen zusammenkommen (Nutzen von Synergieeffekten) und Entwicklungen vorangetrieben werden. Verwaltung (Koordinatorin des Bezirks) Die Bezirkskoordinatorin ist infolge der formellen Struktur des QM-Verfahrens im Bezirk von Anfang an eng in das QM-Team vor Ort eingebunden, arbeitet an der Projektentwicklung und –umsetzung mit und leistet aktive Vor-Ort-Arbeit. Die Schnittstellenfunktion der Bezirkskoordinatorin ist deshalb wesentlich stärker ausgeprägt als in den anderen Bezirken. Das hat zur Folge, dass auch der Informationsfluss zwischen dem QM und der Verwaltung intensiver ist als in anderen QM-Gebieten.

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Die Bezirkskoordinatorin versteht sich selbst als Quartiersmanagerin. Die damalige Bezirksbürgermeisterin und jetzige zuständige Stadträtin für das QM versteht sich als „oberste Quartiersmanagerin“, was im Zuschnitt der für das QM zuständigen Abteilung im Bezirk „Gesundheit, Stadtentwicklung und Quartiersmanagement“ zum Ausdruck kommt. Das starke Engagement für den Präventionsrat und das QM wirken sich förderlich auf die Akzeptanz des QM in der Bezirksverwaltung und die Bündelung von bezirklichen Ressourcen im QM-Gebiet aus.

10.2.3 Vernetzung mit Akteuren Das QM-Team konnte auf die vorhandene Arbeitsstruktur des Präventionsrates (s.o.) aufbauen. Auf den Sitzungen des Präventionsrates mit seinem relativ breit gestreuten Publikum können Probleme und Projektideen direkt vor Ort diskutiert werden. Weitere Kontakte bis hin zu weit reichenden Kooperationen bestehen darüber hinaus mit freien Trägern, Einrichtungen, Initiativen, den Kirchengemeinden und Wohnungsunternehmen im Stadtteil. Mit den Wohnungsunternehmen WIR und Pallasseum Wohnbauten KG werden z.B. zusammen Aktionen initiiert wie z.B. die Namensgebung „Pallasseum“ oder Defizite behoben wie die Beseitigung des Kakerlakenproblems. Kontakte zum gebietsansässigen Gewerbe werden über formelle Beteiligungsformen wie ein Hearing zum Thema Verkehr, Gesprächsrunden (Bankenrunde) und die Wiederbelebung der Interessengemeinschaft Potsdamer Straße aufgebaut. Die IG Potsdamer Straße verzeichnet seitdem einen permanenten Mitgliederzulauf. Sie ist wesentliche Schnittstelle zwischen dem lokalem Gewerbe und dem QM-Team (z.B. gemeinsame Initiierung von Projekten), weiterhin ist die Wirtschaftsförderung stets anwesend und arbeitet eng mit dem Vorstand der Interessengemeinschaft zusammen. Zur Unterstützung von Netzwerken und lokalen Kooperationen im Bereich der Jugendarbeit besteht seit 2002 die Projektgruppe Jugend, Gesundheit, Nachbarschaft und QM. In dieser Arbeitsgruppe, die an der Schnittstelle zwischen Verwaltung, Akteuren und QM arbeitet, sind das QM, die Jugendhilfeplanung, die Ortsteilmanagerin des Jugendamtes, das Stadtteilzentrum (Stadtteil-VHS) und die KiezOase beteiligt.

10.2.4 Einbindung der Bewohner Eine wichtige Rolle hinsichtlich der Bewohnerbeteiligung spielt der Präventionsrat (s.o.). Bewohner können sich auf den Sitzungen direkt mit ihren Problemen und Ideen an die Bezirksverwaltung und z.B. die Polizei wenden und sich über Projekte im Stadtteil informieren. Gezielt werden Bewohner über Mieterbeiräte und Mieterversammlungen in die Quartiersentwicklung eingebunden. Das QM regt Mieterinitiativen an und unterstützt bestehende Mieterbeiräte (u.a.
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Bülowstraße 94-95). Es organisiert zudem regelmäßig Gebietsbegehungen, an denen das QM-Team, Bewohner sowie Vertreter der Verwaltung und Politik teilnehmen. Weiterhin werden zielgruppenspezifische und mehrstufige, weit über formelle Beteiligungsverfahren hinaus gehende Bürgerbeteiligungs- und Aktivierungsverfahren zur Wohnumfeld-, Brachflächen- und Spielplatzgestaltung (u.a. Grünfläche Gleditschstraße 11-13) veranstaltet (z.B. Frauengruppe, Balkonwettbewerb, „Kakerlakenaktion“, Bewohnertreffs). Diese Beteiligungsformen beinhalten auch sehr niedrigschwellige Angebote. Diese zielen, oftmals erfolgreich, auch auf die Einbindung von nicht bürgerlichem Klientel. Wie in anderen QM-Gebieten auch, wird die Arbeit der Vergabejury des Aktionsfonds und die Quartiersjury zum Quartiersfonds als sehr positiv beurteilt.

10.3

Handlungsbedarfe und Maßnahmen

10.3.1 Handlungskonzept und Ziele Das Handlungskonzept 2000/2001 war auf eine Fortschreibung in enger Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren angelegt. Das QM-Team orientierte sich im Handlungskonzept an dem vom Senat empfohlenen Gliederungsraster der Handlungsfelder. Dementsprechend wurden keine übergeordneten Kernziele und Perspektiven der Quartiersentwicklung oberhalb der Handlungsfelder festgelegt. Die Handlungsfelder wurden nicht explizit mit Schwerpunkten versehen, die Projekte wurden jedoch hinsichtlich ihrer Priorität (sofortig, mittelfristig und langfristig) gewichtet. Zur Bearbeitung des Handlungskonzeptes wurden eine Vielzahl von lokalen Akteuren (Präventionsrat, IG Potsdamer Straße, BBJ, Mieterbeiräte, AGs etc.) eingebunden. Die Entwicklung eines Leitbildes wurde vom QMTeam zum damaligen Zeitpunkt nicht als Bestandteil ihrer Arbeit aufgefasst.35 Die Arbeit des QM-Teams fokussiert sich heute sowohl bei der Fortführung begonnener Projekte als auch bei der Entscheidung für neue Projekte in dem Willen, nachhaltige Strukturen zu schaffen, und zwar
-

durch

die

Stärkung

von

Nachbarschaften

und

Identifikationen

(Unterstützen

von

identifikationsfördernden Projekten/Objekten und Erfahrungen)
-

und die Förderung von Arbeit und Gesundheit.

Das heißt für die einzelnen Schwerpunkte konkret:
-

Nachbarschaften stärken bedeutet, bereits bestehende Bewohnertreffs und Mieterbeiräte weiter zu unterstützen, damit sie selbstständig agieren können.

35

Erster Zwischenbericht, September 1999, S.18

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-

Identifikationen befördern heißt beispielsweise i.w.S. wohnumfeldverbessernde Maßnahmen zu initiieren, entweder in der Freifläche oder im Bereich der sozialen Infrastruktur.

-

Für die Einrichtung und Vermittlung von Arbeitsplätzen muss neben den klassischen Arbeitsfördermaßnahmen, das Potenzial entsprechend der „Hartz-Kommission“ genutzt werden.

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Im Handlungsfeld Gesundheitsförderung wird in Kooperation mit der AOK ein Sportprojekt auf öffentlichen Freiflächen initiiert.

Um diese vier inhaltlichen Arbeitsschwerpunkte zu befördern, ist es aus Sicht des QM erforderlich, die Kooperationen und Vernetzungen der lokalen Akteure zu unterstützen und die Innen- und Außenwahrnehmungen des gesamten Verfahrens durch eine gezielte, intensive Öffentlichkeitsarbeit im Bewusstsein der (Gesamtstadt-) Bewohnerinnen und Bewohner zu verankern. Beispielgebend für eine positive Vernetzungs- und Kooperationsarbeit ist das auf die Quartiersentwicklung bezogene ressortübergreifende Handeln im Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg.

10.3.2 Wohnen, Wohnumfeld und öffentlicher Raum

10.3.2.1Wohnen und Wohngebäude Das QM-Gebiet umfasst das ehemalige Sanierungsgebiet Bülowstraße. Der dortige Zustand der Wohngebäude und Wohnungen ist daher relativ gut. Umfangreiche bauliche und nachbarschaftliche Probleme bestanden insbesondere in der Großwohnanlage „Wohnen am Kleistpark“ (Pallasseum). Hier konzentrieren sich Sozialhilfeempfänger und Ausländer, im Haus herrscht Anonymität, lange, verschmutzte Hausflure dominierten zu Beginn der QM-Arbeit das Innere. Einzelmaßnahmen zur Verbesserung der Wohnsituation richteten sich schwerpunktmäßig auf die Wohnanlage „Wohnen am Kleistpark“ und beinhalteten baulich-investive Maßnahmen, Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit und Sauberkeit, belegungspolitische Maßnahmen und Beratungen zur Senkung der Betriebskosten, z.B.:
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Wachschutz im „Wohnen am Kleistpark“, Sondermietkonditionen für Studenten im Pallasseum und Initiierung einer Belegungskommission, Bauliche Maßnahmen im Pallasseum: Umbau der Eingangsbereiche in den Flachbauten, Umgestaltung der Aufgänge und Flure, Teilung der Flure im Hochhaus, Concierge-Service, Erneuerung der Aufzüge, Pflanz- und Säuberungsaktionen mit den Mietern, Neugestaltung der Höfe und des Parkdecks, Bau eines Bewohnertreffpunkts,

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Bewohneraktionen im Pallasseum (Namensgebungsaktion, Bewohnertreff, Pflanzaktionen auf Promenadendeck, Balkonwettbewerb etc.).

Einen weiteren Schwerpunkt der Tätigkeit stellten die Häuser der DEGEWO in der Pallasstraße dar, in denen nun nach Abschluss der Maßnahme (umfassende Sanierung) eine vergleichsweise kaufkräftige Klientel eingezogen ist. Die Häuser waren ursprünglich zum Abriss vorgesehen (geplante Erweiterung der Pallasstraße) und wurden nach den Anregungen der AG SPAS schließlich in die Sanierung einbezogen. Das Vorhaben erfolgte anschließend in enger Abstimmung mit dem QM (Initiierung Mieterbeirat, Bauzeitenplanung u.v.m.). Projekte werden vom QM, dem Bezirk und den Wohnungsbaugesellschaften Pallasseum Wohnbauten KG, DEGEWO und WIR initiiert und v.a. durch die Wohnungsbaugesellschaften umgesetzt. Bestehende Mieterbeiräte werden vom QM unterstützt bzw. die Konstituierung neuer Mieterinitiativen angeregt.

10.3.2.2Wohnumfeld Die qualitative und quantitative Ausstattung des Quartiers mit Freiflächen und Spielplätzen war in der Ausgangssituation sehr mangelhaft. Die wenigen vorhandenen Freiflächen waren von geringer Aufenthaltsqualität (Vandalismus, Verwahrlosung Belästigung durch Drogenabhängige und Dealer, Müll), Spielplätze unzureichend ausgestattet und verschmutzt. Lösungsstrategien beinhalteten einerseits die Pflege und Aufwertung vorhandener Grün- und Freiflächen sowie die Schaffung zusätzlicher Freiräume, wie z.B.:
-

Umbau des Parkplatzes neben dem Pallasseum zum PallasPark inklusive einem langfristigen Pflegekonzept und Neugestaltung des Platzes und der Mittelinsel vor dem Pallasseum (Stadtweite Maßnahmen),

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Umgestaltung der Freifläche zwischen der Sophie-Scholl-Schule und dem Pallasseum (Soziale Stadt, EFRE, ABM, SAM),

-

Bau

eines

Erlebnisspielplatzes

mit

Kletterfelsen

inklusive

Kletterbetreuung

an

der

Alvenslebenstraße durch die WIR (u.a. ABM),
-

Ökologischorientierte Umgestaltung von Grundstücken in der Gleditschstraße in einen Park (Soziale Stadt, Bezirk, AA),

-

Neugestaltung und Umbau des Dennewitzplatzes (Stadtweite Maßnahmen),

Die Freiflächen- und Spielplatzsituation im Gebiet hat sich bis heute verbessert. Weitere Aktivitäten im Bereich Wohnumfeld dienen auch dazu, Übernutzungserscheinungen entgegenzuwirken. Wohnumfeldmaßnahmen setzt z.T. die Stiftung SPI, die als Treuhänder des Landes Berlin über
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entsprechende Strukturen und Personal zur Übernahme der Bauherrenrolle verfügt, als Träger der Maßnahme in enger Abstimmung mit dem Bezirk um. Der Bezirk bringt z.T. finanzielle Mittel ein und/oder führt die technische Bauleitung durch. Bürgerbeteiligungsverfahren, Workshops und Arbeitsgruppen werden zu den jeweiligen Bauvorhaben vom QM initiiert.

10.3.2.3 Öffentlicher Raum Durch verschiedenen Maßnahmen wird versucht, den öffentlichen Raum für Bewohner besser nutzbar zu machen. Vor allem in anbetracht des generell geringen Freiflächenangebotes in dem innerstädtischen Quartier wird dabei sowohl versucht, vorhandene Flächen aufzuwerten als auch neue Flächen zu schaffen.
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Möblierung der Steinmetzstraße (u.a. Bänke, Spielgeräte) im Bereich der Neumark-Grundschule , Konzept Potsdamer Straße zur städtebaulichen und gewerblichen Aufwertung (siehe Handlungsfeld „Wirtschaftsförderung und Stadtteilökonomie“),

-

Projekt „KiezService“ mit Begleitservice für Bewohner sowie Straßen- und Parkwacht. Neuanlage des Pallasparks Neugestaltung des Vorplatzes Pallasseum (Parkplatz Pallasstraße)

Die Projekte werden u.a. vom QM initiiert und von verschiedenen öffentlichen und privaten Trägern umgesetzt.

10.3.2.4 Sicherheit Das Handlungsfeld „Leben im öffentlichen Raum“ ist auf das Engste mit der Thematik Sicherheit (s.u.) verbunden. Vandalismus und Kriminalität sowie Drogenhandel und Prostitution in Teilbereichen des Quartiers (v.a. Kurfürsten- und Frobenstraße) verursachen subjektive Unsicherheitsgefühle bei den Bewohnern. Das QM begegnet diesem Problem durch zwei Strategien: dort, wo wiederholt auf

Unsicherheitsgefühle hingewiesen wird, versucht man, „Angstzonen“ zu entschärfen oder mit den vermeintlichen Auslösern der Störung in Kontakt zu treten; die Bewohner sollen das Gefühl haben, dass ihre Ängste ernst genommen werden und sich „jemand darum kümmert“. Zum zweiten wird dort, wo solche Probleme geäußert werden, stets genau nachgeforscht, welche eigenen Erfahrungen von Bewohnern zugrunde liegen. Ziel ist es, in vielen Veranstaltungen und persönlichen Gesprächen klar zu machen, dass das Unsicherheitsgefühl auch bei den Bewohnern teilweise auf ein negatives

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Außenimage zurückzuführen ist, ohne das tatsächliche (mehr) kriminelle Vorfälle beobachtet werden können.

10.3.2.5Verkehr Die hohe verkehrliche Belastung des Quartiers angesichts der stark frequentierten Potsdamer- und Bülowstraße verursacht Lärmbelästigungen und Sicherheitsgefahren v.a. für Kinder. Die Verkehrssituation beschäftigt immer wieder das Plenum des Präventionsrates und es wird versucht, nach den Möglichkeiten des QM z.B. auf Ampelschaltungen Einfluss zu nehmen.

10.3.3 Zusammenleben im Quartier/Soziale Integration Die geringe Integration ausländischer Bewohner, schwache Nachbarschafts- und Selbsthilfenetze sowie fehlende Kommunikationsmöglichkeiten (Nachbarschaftstreffs, Cafés u.Ä.) sind nach Einschätzung des QM-Teams Kernprobleme des Quartiers. Ausländische Bewohner beteiligen sich nach Einschätzung des QM nur in geringem Maße an Stadtteilentwicklungsprozessen. Als Gründe werden u.a. mangelnde Sprachkenntnisse, Misstrauen gegenüber Behörden und Unkenntnis von Verwaltungsstrukturen genannt. Strategien zur Stärkung der interkulturellen Kommunikation und Nachbarschaftshilfe im Quartier beziehen sich neben Sprachförderungen und z.B. dem Trödelmarkt im Pallasseum vorwiegend auf die Förderung multikultureller Kontakte und nachbarschaftlicher Netze durch die Schaffung zusätzlicher sozial orientierter Angebote und Einrichtungen und das Stärken vorhandener Strukturen, z.B.:
-

Bau des PallasParkCafés (Soziale Stadt) und des Bewohnertreffs, Initiierung von Frauengruppen des islamischen und christlichen Kulturkreises und Gründung des Vereins „KaffeeKlatsch“

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Ausbau und Neugestaltung des Treff 62 (Jugendförderung), des Familientreffpunktes Kurmärkische Straße 1 und des Nachbarschaftstreffs im Pallasseum (WUM),

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Nachbarschaftliche Aktionen und Feste wie Putz- und Pflanzaktionen, Trödelmarkt, Kinderfeste im Pallasseum, Hoffeste, Straßenfeste (Eigentümer, Sponsoren, bezirkliche Mittel),

-

Interkulturelle Familienarbeit mit verschiedenen Angeboten für Frauen und Mütter mit Kinderbetreuung.

-

Sportangebote (z.B. für Frauen, Kinder und Jugendliche) Nachbarschaftsmediation/Streitkultur

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empirica

Das QM fördert insgesamt ein positiveres Selbstverständnis der Bewohner durch eine verbesserte Darstellung und Wahrnehmung des Gebietes in der Öffentlichkeit (z.B. auch Stadtteilzeitschrift Schöneberger Morgen mit vierteljährlicher Erscheinungsweise) und eine höhere Präsenz von wichtigen Funktionsträgern im Gebiet (z.B. deutlich gestiegene Anwesenheit von Bezirksvertretern auf Festen u.Ä.).

10.3.4 Beschäftigung und Qualifizierung Die Jugend- und Langzeitarbeitslosigkeit sowie der hohe Anteil von Sozialhilfeempfängern und Ausländern werden vom QM-Team als zentrale Probleme im Quartier beschrieben. Nach Einschätzung des QM liegen die Ursachen im wesentlichen in der fehlenden schulischen und beruflichen Qualifikation sowie den mangelnden Sprachkenntnissen von Ausländern. Fördermittel des Arbeitsamtes werden von Gewerbetreibenden nicht ausreichend genutzt, was u.a. auf fehlende Informationen und schlechte Erfahrungen von Gewerbetreibenden zurückzuführen ist. Lösungsstrategien zielen einerseits auf die Schaffung von Beschäftigungsmöglichkeiten für Quartiersbewohner durch die Verknüpfung von investiven Strukturmaßnahmen mit arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen und die Unterstützung von kleineren gemeinnützigen Vereinen zur Schaffung von Arbeitsplätzen im zweiten Arbeitsmarkt. Andererseits werden Beratungs- und Vermittlungsdienste für Gewerbetreibende angeboten. Einzelmaßnahmen sind u.a.:
-

Vergabe-ABM bei Baumaßnahmen am Vorplatz Pallasstraße, Dennewitzplatz, PallasPark Schulhofneugestaltung etc.,

-

ABM-Projekt ZAG der AG SPAS (Fahrradwerkstatt, mobile Haushaltshilfen für ältere Mieter, Neugestaltung von Höfen etc.),

-

Qualifizierungskurse über das Projekt „Neue Medien“ (IdA, bezirkliche Mittel), PC-Infos im Bewohner-Café (Soziale Stadt, AA), Beratung von Gewerbetreibenden über Arbeitshilfen und Beschäftigung von Arbeitslosen.

Das QM setzt geförderte Arbeitsplätze im Rahmen von investiven Maßnahmen in Zusammenarbeit mit freien Trägern selbst um und berät gelegentlich Vereine bei Bedarf bei Förderanträgen (SAM, ABM, BSHG). Zusätzlich fließen als Wiedereingliederungshilfe QM-Mittel an Menschen im Rahmen des Methadon-Programmes, da diese keiner der Förderbedingungen anderer Programme entsprechen.

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10.3.5 Wirtschaftsförderung und Stadtteilökonomie Die Potsdamer Straße bildet als Einkaufsstraße das gewerbliche Zentrum des Gebietes. Die Gewerbestruktur des Gebietes bietet Einzelhandel und konsumnahe Dienstleistungen im mittleren und unteren Preissegment und geringer Diversifikation. Es gibt eine relevante Anzahl von kommerziellen Dienstleistern. Die Aufenthaltsqualität der Potsdamer Straße als Nahversorgungszentrum des Quartiers ist durch schadhafte Qualität des öffentlichen Raumes und Verschmutzung mangelhaft. Die Gründe für die hohe gewerbliche Fluktuation sind in der rückläufigen Kaufkraft im Gebiet und der Umstrukturierung des Einzelhandels zu suchen. Darüber hinaus konnte vom QM-Team z. T. mangelndes betriebswirtschaftliches Wissen bei den UnternehmerInnen v.a. bei ethnischen Inhabern festgestellt werden. Strategien sind ausgerichtet auf eine Erhöhung der Attraktivität der Potsdamer Straße als Versorgungszentrum QM. Die Maßnahmen werden von öffentlichen und freien Trägern sowie dem QM-Team umgesetzt. Die Projekte in der Potsdamer Straße werden eng mit dem QM-Magdeburger Platz abgestimmt. Einzelmaßnahmen sind: Wiederbelebung der IG Potsdamer Straße durch das QM Straßenmarketing Potsdamer Straße: Imagebroschüre, Bärenrummel, Terakottagefäße Verbesserung des öffentlichen Raumes: Aktionsplan Potsdamer Straße, Gutachten Potsdamer Straße (TOPOS) Veranstaltungen für verschiedene Zielgruppen: Existenzgründungsberatung für Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger, ausländische Frauen, ausländische Jugendliche Einzel- und Krisenberatung für Gewerbetreibende mit gebietsübergreifender Ausstrahlung durch die Aktivierung der Gewerbetreibenden, sowie Beratungsangebote für Existenzgründer und Gewerbetreibende durch das

10.3.6 Soziale und kulturelle Infrastruktur Für Kinder und Jugendliche fehlen im Quartier soziale und kulturelle Einrichtungen und betreute Freizeitangebote (z.B. Spielplatzbetreuung). Eine Erweiterung des Angebotes wird vom QM an den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen ausgerichtet. Insbesondere werden vom QM Maßnahmen für Mädchen gefördert (im Bewohnertreff und PallasT). Einzelmaßnahmen werden von öffentlichen und freien Trägern sowie dem QM umgesetzt:

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-

Betreute Sport- und Freizeitangebote (Klettertraining auf dem Spielplatz Alvensleben, Baskettball- und Fußballtraining),

-

Theater- und Kulturprojekt für Kinder und Lehrer an den Schulen im Gebiet (Soziale Stadt, bezirkliche Mittel),

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Verbesserung des Angebotes im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit.

Schule Im schulischen Bereich werden neben baulichen Maßnahmen – z.B. zur Schulhofumgestaltung – sozialpädagogische und künstlerisch-kreative Projekte durch das QM gefördert. Diese zielen im Wesentlichen auf die Stärkung der Schule als wichtigem Ort für die Kinder und Nachbarschaft, auch außerhalb von Unterricht. Freizeitangebote, Schularbeiten und theaterpädagogische Antigewaltprojekte unterstützen die Schule im sozialen Brennpunkt bei der Entwicklung zielgruppengerechter Lern- und Vermittlungsformen. Die Aktivitäten des QM sind ein wichtiger Beitrag für die Profilierung der Schulen im Rahmen der Umsetzung von Schulentwicklungskonzepten. Gesundheit Durch zu wenig Förderung in der Familie, durch eingeschränkte Bewegung und mangelnde Erfahrungen im Freien sind viele Kinder in ihrer gesamten körperlichen und psychischen Entwicklung reduziert, ihre Lernfähigkeit ist teilweise eingeschränkt. Eine angemessene sprachliche Förderung ist sowohl in großen Teilen der migrantischen Familien, wie aber auch in sozial schwachen deutschen Familien nicht gegeben. Gewalterfahrungen in der Familie und auf der Straße verhindern des weiteren eine gesunde Entwicklung. Durch gezielte Bewegungs- und Sportangebote, vor allem in den Ferien, soll die Entwicklung von Kindern gefördert werden. Es ist gelungen, in Zusammenarbeit mit der AOK Berlin in den Osterferien 2003 gezielt Sport- und Bewegungsspiele auf den neuen Spielplätzen des Gebietes anzubieten. Eine kontinuierliche Weiterführung des Angebotes ist geplant, die Umsetzung findet in Zusammenarbeit mit der bezirklichen Jugendförderung statt. Eine intensive Zusammenarbeit mit Müttern zum Thema Zahngesundheit ist in Vorbereitung. In verschiedenen theaterpädagogischen Projekten (Jugendmuseum des Bezirkes) und bei einem künstlerischen Projekt „Kiezplakat-Keine Angst in Schöneberg“ setzten sich die Mädchen und Jungen in den Schulen des Gebietes mit Themen wie Respekt, Toleranz, Gewalt, Angst und Fremdheit auseinander und präsentierten der Öffentlichkeit, den Eltern und Geschwistern ihre Ergebnisse. In Frauengruppen konnte gelegentlich das Thema Gewalt in der Familie thematisiert werden.

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empirica

Sprachkurse für Mütter, die in der Schulzeit der Kinder stattfinden, haben großen Zulauf und sind dringend erforderlich. Für Frauen wurde, finanziert durch die AOK- Berlin, ein Gymnastikkurs am Vormittag eingerichtet, den ebenfalls, überwiegend Frauen türkischer Herkunft, stark nutzen.

10.4

Beurteilung der Ziele und des Verfahrens

Das Ziel des QM-Teams, die Wohn- und Lebenssituation zu verbessern, wird der Ausgangssituation im Quartier gerecht. Ein Schwerpunkt des QM sind bauliche Maßnahmen zur Wohnumfeldverbesserung (Spielplatzgestaltung, PallasPark). Zur Koordination der Baumaßnahmen sind in Form der Projektgruppe Bau dementsprechende bezirkliche ämterübergreifende Strukturen entstanden. Zur Vernetzung und Stärkung der Beteiligung von Bewohnern und Gewerbetreibenden werden vom QM-Team formelle Beteiligungsformen wie Mieterbeiräte und Vereine initiiert und begleitet. Der Aufbau formeller und weit darüber hinaus gehender Strukturen und die weitere Unterstützung u.a. im Umgang mit Behörden tragen wesentlich zum „Empowerment“ der Akteure im Stadtteil bei. Das QM ist eng in die Bezirksverwaltung eingebunden. Die Bedeutung des QM im Bezirk kommt u.a. in der Bezeichnung des zuständigen Dezernats – Stadtentwicklung, Gesundheit und Quartiersmanagement- zum Ausdruck. Die personelle Verschränkung von Bezirkskoordination und Quartiersmanagement ist nach Aussage des QM-Teams sehr fruchtbar.

Evaluation_Quartiersmanagement

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empirica

11.

Rollbergsiedlung

11.1

Ausgangssituation im QM-Gebiet

11.1.1 Abgrenzung Abbildung 11: Abgrenzung des QM-Gebietes Rollbergsiedlung

Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

empirica

Evaluation_Quartiersmanagement

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empirica

11.1.2 Zentrale Stärken und Schwächen Die Rollbergsiedlung trägt seit ihrer Fertigstellung in den Jahren 1967 bis 1982 wesentlich zu der sozialen Wohnraumversorgung in Neukölln bei. Sie bietet im Vergleich zu vielen anderen Großwohnsiedlungen in Berlin eine zentrale Lage, eine gute Erreichbarkeit (v.a. U-Bahnanbindung), Nähe zu zentralen Versorgungseinrichtungen und eine vergleichsweise gute Integration in das Umfeld. Das Zentrum von Neukölln (Bereich Rathaus Neukölln/ Karl-Marx-Straße) mit Rathaus, Kaufhäusern und Dienstleistern u. Ä. liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zu der Siedlung und vermittelt zusätzlich zu den Versorgungsmöglichkeiten eine gewisse Urbanität. Auch zu dem übrigen Umfeld der Siedlung mit seinem hohen Anteil an Altbausubstanz und heterogenen Nutzungen bestehen sozialräumliche Nutzungsverflechtungen. In dem Quartier selbst hat die Eigentümerin Stadt und Land GmbH u.a. mittels Fördergelder des Programms Soziale Stadt in den letzten ca. fünf Jahren bereits umfangreiche Aufwertungsmaßnahmen durchgeführt. Hierzu zählen z.B. die Untergliederung der Ringhäuser und die Gestaltung eines Spielplatzes. Trotz (dieser) Stärken ist die Siedlung für potentielle Bewohner mit verschiedenen Wahlmöglichkeiten auf dem Wohnungsmarkt nur eingeschränkt attraktiv. Es handelt sich zum weit überwiegenden Teil um mietpreisgebundene Sozialwohnungen mit ausstattungsbedingt hohen Betriebskosten. Unabhängig von der Akzeptanz der Siedlung muss unterstellt werden, dass mittlerweile ein großer Teil der Bewohner über vergleichsweise schlechte Chancen verfügt, sich in Gesellschaft und Arbeitsmarkt zu integrieren. Dies gilt vor allem für die in der Siedlung heranwachsenden Kinder und Jugendlichen. Die zentralen Defizite sind im Handlungskonzept zum Quartiersmanagement (Juni 2002) treffend wie folgt beschrieben: An erster Stelle werden mangelnde deutsche Sprachkenntnisse bei Kindern und Jugendlichen angeführt, gefolgt von einer allgemein unübersichtlichen und in ihrer Qualität unzureichenden Jugendarbeit; als drittes zentrales Defizit wird die Miethöhe genannt, die im Zusammenhang mit der relativen Qualität der Wohnungen auf dem mittlerweile entspannten Wohnungsmarkt zu Akzeptanzschwierigkeiten führt.

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empirica

11.1.3 Charakteristik
Gebietstyp Stadträumliche Situation/Baustruktur Typ C: Gebiet mit hohen Anteilen im Sozialwohnungsbau und z. T. größeren, zusammenhängenden Wohnkomplexen, ca. 5.300 EW Innerstädtische Großsiedlung im Sozialen Wohnungsbau der siebziger und achtziger Jahre im Norden Neuköllns, angrenzend u.a. an das Subzentrum von Neukölln sowie an gründerzeitliche Wohnquartiere.
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Vier- bis sechsstöckige „Ringhäuser“ im Zentrum der Anlage, darüber hinaus bis zu neunstöckige „Mäanderhäuser“; im Zentrum kleiner Platz mit Aufenthalts- und Spielmöglichkeiten. Zufahrtsstraßen münden in eine Sackgasse, daher Verkehrsaufkommen v.a. Anwohner und Besucher. Aufwertungsmaßnahmen in Innenhöfen (u.a. Mietergärten) und im Wohnumfeld (z.B. Spielplatz), dadurch z.T. gute Akzeptanz des öffentlichen Raumes seitens der Bewohner. Rd. 2.360 Wohneinheiten, davon 2.014 öffentlich gefördert (1. Förderweg) im Besitz der Stadt und Land Wohnbauten-Gesellschaft mbH, ca. 350 Wohnungen im Privatbesitz Aussetzen der Fehlbelegungsabgabe und der Belegungsbindung seit 1998. Steigerung der Fluktuation auf 13-14 % im Jahr 1999, seitdem Absinken auf ca. 10%. rd. 80 leer stehende Wohnungen in der Siedlung, ab 2001 „sensible Belegungspolitik“ (Beibehaltung z.B. des aktuellen Anteils Selbstzahler, Vermeidung von „Problemmietern“). (Stand Mitte 2002) Mietpreise zwischen rd. Möglichkeiten zum Kauf. 7-7,40 €/m² inklusive Nebenkosten, keine

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Wohnungsmarkt

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In den Ringhäusern einerseits viele große Wohnungen, andererseits kleine Wohnungen; in den Mäanderhäusern überwiegend kleine Wohnungen (1und 2-Personenhaushalte). Ausländeranteil auf mit anderen QM-Gebieten vergleichbarem Niveau (rd. 37 %); höherer Anteil Bewohner bis 35 Jahren (49 %), niedrigerer Anteil Personen im erwerbsfähigen Alter und Rentner. Besonders in den Ringhäusern (Wohnungsschlüssel mit vielen großen und vielen kleinen Wohnungen) unterschiedliche Haushaltstypen dicht beieinander (z.B. (Groß-)Familien, Alleinstehende, Junge und Alte). Hier vermehrt Nutzungskonflikte und eine hohe Fluktuation. In den Mäanderhäusern häufig noch Erstmieter (allein stehende Rentner oder ältere Paare), aber auch hier Zuzug jüngerer Haushalte. Im Vergleich zu anderen QM-Gebieten durchschnittliche Kaufkraft der Wohnbevölkerung; in den letzten Jahren wie in den meisten QM-Gebieten absolut gestiegen, im Vergleich zum Berliner Durchschnitt aber nahezu gleich bleibend.36 Anteil der Arbeitslosen an den 18 bis 65-Jährigen (Deutsche und Ausländer) im Vergleich zu anderen „Problemnachbarschaften“ hoch (19,6 %), insbesondere unter Ausländern (20,5 ) und Jugendlichen (15,8 %).

Bewohnerstruktur

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Kaufkraft

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Beschäftigung/ Qualifizierung

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36

Quelle: GFK-Kaufkraftkennziffern

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Seit 1998 Territorialer Beschäftigungspakt Neukölln mit zunächst sechs „Aktionen“ zur Förderung der Neukölllner Wirtschaft, im Quartier Rollberg insbesondere die Aktion 1 zur Vermittlung Arbeitsloser und Auszubildender (Aktion 3), Unterstützung junger Unternehmen (Aktion 2), Kooperation mit Trägern und dem Arbeitsamt-Süd (Träger: Verein „Wirtschaft und Arbeit in Neukölln“, Service-Gesellschaft gsub ist Koordinator; hauptsächlich zwei Beschäftigungsträger: Bequit v. a. ABM, SAM und Arbeitsvermittlung in den ersten Arbeitsmarkt sowie Kebab v. a. Vergabe-ABM in Betrieben, ABM, SAM). Lokales Gewerbe nur vereinzelt (Werbellin/Hermannstraße) vorhanden. Sonstige Arbeitsplätze lediglich in der Wohnungswirtschaft und den Bildungs- bzw. sozialen Einrichtungen. Ladenschließungen bzw. Einzug von Billiganbietern im Bereich Hermannstraße v. a. in Folge des hohen Konkurrenzdruckes im Bereich Rathaus Neukölln. Steigender Anteil von Kindern mit geringen Deutschkenntnissen an Schulen im gesamten Bezirk (nicht nur Rollbergsiedlung), Anteil Schüler nicht deutscher Herkunftssprache 57 %. Häufig Rückzug von Familien mit schulpflichtigen Kindern in Gebiete mit besseren Bildungsmöglichkeiten. Unter den drei Schulen z.B. kunstorientierte »Regenbogenschule« mit besonderem Schwerpunkt kreativer kunstorientierter Lerninhalte und Kooperationen mit dem QM-Team. Ein Kern von rd. 20 bis 25 engagierten Bewohnern, u.a. sechs Mieterbeiräte, sowie ein aktives Netz von Akteuren im Kinder- und Jugendbereich. Einfache, aber ausreichende Grundversorgung entlang der Hermannstraße (v.a. kleinteiliger Einzelhandel, teils Supermärkte, einfache Gastronomie), weitreichendes Angebot inklusive Kaufhäuser, Filialisten, diverse Dienstleistungsbranchen sowie öffentliche Einrichtungen (z.B. Rathaus) im Bereich Rathaus Neukölln.

Wirtschaftsförderung/ Stadtteilökonomie

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Schule und Bildung

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Gesundheit, sonstige soziale und kulturelle Infrastruktur Alltagsversorgung

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Quelle: empirica, eigene Zusammenstellung

11.2

Verfahren des Quartiersmanagements

11.2.1 Struktur und Verankerung des QM-Teams/Kooperation mit der Verwaltung In den Neuköllner QM-Gebieten Rollbergsiedlung und High-Deck-Siedlung hatte die Firma Weeber & Partner im Auftrag des Wohnungseigentümers Stadt und Land Wohnbauten GmbH in Kooperation mit dem Senat bereits vor dem Start des offiziellen Programms ein so genanntes Quartiersmanagement mit einem Vorortbüro eingerichtet. In der Rollbergsiedlung war das Sozialplanungsbüro Weeber & Partner seit Oktober 1998 tätig, seit Juli 2000 im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung im Rahmen des Programms Quartiersmanagement.

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Seit Januar 2002 ist der Humanistische Verband mit der QM-Trägerschaft beauftragt, der ein neues Handlungskonzept (Juni 2002) sowie eine in Teilen veränderte Schwerpunktsetzung erarbeitet hat. Die vier Neuköllner QM-Teams stehen im engen Erfahrungsaustausch miteinander. Ursprünglich gab es eine zentrale bezirkliche Steuerungsrunde, in der grundsätzliche Fragen zur Kooperation zwischen den Teams und der Bezirksverwaltung erörtert und die Handlungskonzepte abgestimmt wurden. Diese tagt seit Anfang des Jahres 2002 allerdings nicht mehr. Alle Fragen, die die Kooperation zwischen Bezirk und Teams betreffen, werden zwischen Mitarbeitern der Teams und Mitarbeitern der Verwaltung direkt erörtert, bzw. durch die Bezirkskoordinatorin, die an den monatlichen Steuerungsrunden der einzelnen Teams teilnimmt, bearbeitet. Aus Sicht des QM-Teams erfolgt der Austausch unbürokratisch, zügig und sehr zufriedenstellend. Nur bedarfsgemäß werden in unregelmäßigen Abständen größere Runden mit z.B. Vertretern aus Politik einberufen.

11.2.2 Selbstverständnis Quartiersmanager Die Quartiersmanager sehen ihre Aufgabe vor allem darin, vorhandene Initiativen und Lösungsansätze zu unterstützen und miteinander zu vernetzen (Verbesserung der Kommunikation verschiedener Akteure) sowie gemeinsam mit den bestehenden Akteuren und Bewohnern neue Projekte und Lösungsansätze zu initiieren. Parallel dazu tritt das Quartiersmanagement mit dem Anspruch auf, die Kommunikation, das Verständnis und die Toleranz innerhalb der Bewohnerschaft zu fördern, so dass die spürbaren Konflikte zwischen verschiedenen Bewohnergruppen und Ethnien abgebaut werden. Das Quartiersmanagement unterstützt zudem die von der Wohnungsbaugesellschaft ins Leben gerufenen Selbstorganisationsgremien der Mieterschaft und bemüht sich nach Kräften um eine Verbesserung der Kommunikation zwischen den Mietern und mit den Wohnungseigentümern. Im Handlungskonzept wird sehr klar auf die hohe Relevanz der sozialen Probleme und die Bedarfe bestimmter Bewohnergruppen zur Verbesserung der Integrationschancen hingewiesen. Entsprechend versucht das neue Team, Lösungsansätze zu initiieren, die Erfolge in diesen Bereichen erwarten lassen. Das QM-Team versucht, auf verschiedene Themen auch über den Projektansatz hinaus Einfluss auszuüben, indem es Diskussionsansätze bietet und Forderungen an Politik und Wohnungswirtschaft formuliert. Verwaltung (Koordinator des Bezirks) Die Bezirkskoordination sieht in dem QM eine Einrichtung zusätzlich zur Verwaltung, die - im Gegensatz zu ihnen selbst - näher an den Bedarfen und Potentialen vor Ort ist und direkter, schneller und effektiver Lösungen erarbeiten kann. Die Bezirkskoordination ist bemüht, diesen Prozess des QM
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bestmöglich zu begleiten und zu unterstützen. Hierzu zählt die Koordinierung innerhalb der Verwaltung, so dass für die Quartiersmanager keine unnötigen Hürden bestehen. Eine weitere wichtige Bedeutung des QM ist aus Sicht der Bezirkskoordination eine Initialwirkung für ressortübergreifende Ansätze. Es besteht die Hoffnung, dass das Vorgehen des QM-Teams ein Umdenken innerhalb der Verwaltung und der politischen Entscheidungsträger zu mehr ressortübergreifender Kommunikation und gemeinsamer Strategieentwicklung fördert. Diese Initialwirkung sehen sie, „weil das Quartiersmanagement erstmals die Chance bietet, nicht nur isoliert in einem Aktionsfeld zu handeln, sondern Querschnittsaufgaben anzugehen.“ Sie schätzen das QM in seiner heutigen Organisation und „der inneren Logik“ als einen guten Beginn ein, jedoch als zu wenig durchgreifend, da es auf politischer Ebene „keine Hebel besitzt, um etwas zu verändern“ und auf der Siedlungsebene „nicht die Probleme aus 20 Jahren sozialem Wohnungsbau wettmachen kann“. Die Bezirksverwaltung insgesamt sieht das QM als Instrument zur Umsetzung einzelner Projekte und vor allem (in Verbindung mit dem Programm Soziale Stadt) als zusätzliche Finanzierungsquelle vor dem Hintergrund des stark überlasteten Bezirkshaushaltes.

11.2.3 Vernetzung mit Akteuren Im Gegensatz zu vielen anderen QM-Teams findet sich im Handlungskonzept des QM Rollberg eine qualitative Beschreibung der Funktion und der Arbeitsinhalte verschiedener wichtiger Projektträger im Gebiet. Demzufolge wird wichtigen Trägern auch in den Lösungsansätzen und Maßnahmenbeschreibungen eine konkret beschriebene Rolle zuteil. Das Team arbeitet mit ausgewählten Trägern im Rahmen verschiedener Projekte eng zusammen. Enge Kontakte bestehen mittlerweile zu Schulleitern innerhalb und außerhalb des Gebietes (viele Kinder besuchen Schulen, die sich außerhalb des QM-Gebietes befinden) sowie zur Polizei und zur Wohnungsgesellschaft.

11.2.4 Einbindung der Bewohner Es wird deutlich, dass das QM-Team vielfach aktiv auf Bewohner zugeht, um Stimmungen, Meinungen, Probleme und Sorgen der Bewohner aufzunehmen. Über Veranstaltungen und Feste bemüht man sich (anhand der Teilnehmerzahlen erfolgreich) den Dialog der Bewohner untereinander und mit dem QM-Team zu verbessern. Schwierig aber bleibt wie in allen QM-Gebieten die Einbindung der nicht-deutschen Bewohner. Die Einbindung erfolgt über eine enge Zusammenarbeit und die Unterstützung des bestehenden Arabischen Kulturinstitutes (AKI e.V.) und einen auf Initiative des QMs gegründeten Türkischen Kulturverein. Über die türkische Mitarbeiterin des QM-Teams gelingt eine Ansprache und Einbeziehung vieler Bewohner türkischer Herkunft. Die Einbindung in deutsch-dominierte Gremien, wie den Mieterbeirat, gestaltet sich als schwierig, aber über die stark vertretenen weltliche alevitische Minderheit im Gebiet als nicht unmöglich. Schwieriger gestaltet sich,
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trotz der Existenz des Arabischen Kulturinstituts die Einzeihung der vielschichtigen arabischen Bewohner; hier sind als Hürden die jahrelange Ausgrenzung aufgrund des Status als Flüchtlinge bzw. Asylantragsteller zu nennen aber auch die unüberbrückbaren Differenzen der unterschiedlichen arabischen Ethnien (unterschiedliche Kulturen der Libanesen [hier Palästinenser und Kurden] und Iraker, Iraner, etc.) untereinander. Derzeit ist die Gründung eines Vereins zur Förderung des Gemeinschaftshauses in der Umsetzung. Zahlreiche Veranstaltungen haben bereits statt gefunden haben (u.a. wöchentliche Veranstaltungsreihe „Der Rollberg tafelt – Mieter kochen für Mieter“). Über das Programm Soziale Stadt erfolgt z.B. die weitere Ausstattung des Hauses, die STADT UND LAND wird voraussichtlich den Ausbau der Küche übernehmen und das Haus gegen die Entrichtung der Betriebskosten dem Verein zur Verfügung stellen. Das Konzept sieht vor, dass sich das Gemeinschaftshaus langfristig ohne Fördergelder selbst tragen kann.

11.3

Handlungsbedarfe und Maßnahmen

11.3.1 Handlungskonzept und Ziele Im Handlungskonzept für die Rollbergsiedlung werden im Gegensatz zu vielen anderen Handlungskonzepten klare Kernziele benannt und für die einzelnen strategischen Ziele des Zielbaums gebietsspezifische Einschätzungen zur Relevanz vorgenommen. Kernziele sind die Verbesserung der Integrationschancen für Kinder und Jugendliche, der Abbau von Konflikten innerhalb der Bewohnerschaft und (mit Einschränkung) die Verbesserung der Akzeptanzchancen der Wohnungen (zum Beispiel über den Preis). Im Gegensatz zum ersten QM-Team, das deutlich das Leitbild einer „sozial gemischten“ Wohnsiedlung formuliert hat, scheint das neue QM sich stärker auf die Kompensation der Folgen einer allgemein unzureichenden Sozial-, Bildungs- und Integrationspolitik zu konzentrieren. Konflikte innerhalb der Bewohnerschaft sollen vor allem über einen verstärkten Dialog abgebaut werden.

11.3.2 Wohnen, Wohnumfeld und öffentlicher Raum

11.3.2.1Wohnen und Wohngebäude Maßnahmen in den Bereichen Wohnen und Wohngebäude fallen vielfach noch in die Zeit des ersten QM-Teams. Sie hatten zum Ziel, durch bauliche Aufwertung eine Steigerung der Wohnzufriedenheit und eine ausgewogene Bewohnerzusammensetzung (v.a. Einkommenssituation) zu erreichen. Entsprechend standen investive Maßnahmen an den Gebäuden (v.a. „Ringhäuser“ mit insgesamt
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mehreren hundert Wohnungen), und steht auch weiterhin, die Belegungspolitik im Mittelpunkt dieses Handlungsfeldes. Maßnahmen sind v.a. Instandhaltung und Instandsetzung der Wohnungen und Häuser (u.a. zügige Mängelbeseitigungen, Schönheitsreparaturen, Küchenerneuerung) sowie die so genannte „sensible Belegung“. Diese Vermietungsstrategie zielte darauf, selbst bei längeren Vermarktungszeiten den derzeitigen Anteil selbst zahlender sowie deutscher Mieter zu halten bzw. zu steigern und den Zuzug einer Minderheit von für die Nachbarschaft extrem problematischen Mietern zu beschränken. Wohnumfeld und öffentlicher Raum Das Handlungskonzept behandelt Maßnahmen zum Wohnumfeld und dem öffentlichen Raum gemeinsam. Defizite wie Verwahrlosung, ungepflegte Wandflächen und Außenanlagen mit geringer Aufenthaltsqualität trugen zu einem negativen Image bei. Veränderungen wurden durch Maßnahmen an Wohngebäuden und Außenanlagen erreicht. Im Unterschied zu den Maßnahmen unmittelbar an den Wohngebäuden dienten die Maßnahmen im Wohnumfeld zusätzlich z. T. auch dazu, die Außenwirkung der Siedlung und das Image insgesamt zu verbessern (z.B. Neugestaltung des Siedlungseingangs an der Hermannstraße und Werbellinstraße sowie der Außenanlagen von mindestens fünf Blöcken). Daneben sollen und sollten diese Maßnahmen auch z.B. zu einem höheren Umweltbewusstsein unter den Bewohnern beitragen, zu verstärktem Engagement der Bewohner führen und sinnvolle Tätigkeiten für Jugendliche sein. Eine verbesserte Mülltrennung (Müllhäuser) sollte helfen, die Mietnebenkosten zu senken. In einigen Fällen waren die Wohnumfeldmaßnahmen auch mit Beschäftigungsmaßnahmen verknüpft. Die Maßnahmen liegen überwiegend im Zuständigkeitsbereich der STADT UND LAND GmbH. Die Quartiersmanager unterstützen diese, in dem sie die Umsetzungsprozesse begleiten.

11.3.2.2 Verkehr Die Verkehrsbelastung ist in der Rollbergsiedlung so gering (Sackgassen, Anliegerstraßen), dass in diesem Bereich kein besonderer Handlungsbedarf besteht. Eine Initiative von Bewohnern und Kitas im Wohngebiet bewirkten jedoch die Anlage eines Fahrradstreifens auf der viel befahrenen Werbellinstraße am Rande des Wohngebiets. Gemeinsam mit der STADT UND LAND und der Polizei wird außerdem das verbotene Mofa-Fahren auf der Mittelpromenade erfolgreich bekämpft.

11.3.3 Zusammenleben im Quartier/Soziale Integration Nachbarschaftskonflikte unter den Bewohnern, geringe Kommunikation, geringe interkulturelle Toleranz und Integration von Ausländern sowie ein negatives Außenimage der Rollbergsiedlung tragen nach Einschätzung der Quartiersmanager zu einer angespannten Stimmung in vielen Teilen der Siedlung bei. Die Konflikte treten sowohl zwischen verschiedenen Kulturen (v. a. in und zwischen türkischen, arabischen und deutschen Familien; dagegen praktisch keine Konflikte mit Aussiedlern)
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als auch Generationen übergreifend auf – auch in Folge von Alkoholmissbrauch im Bereich öffentlicher Aufenthaltsflächen und in den Ringhäusern. Mit Ausnahme der Alkoholthematik greifen das alte und das neue Handlungskonzept die Probleme auf. Hierzu zählten bis zum Wechsel des QMTeams Maßnahmen in den Handlungsfeldern „Häuser und Nachbarschaften“ sowie „Soziales und kulturelles Leben – Integration“. Die Maßnahmen zu „Häuser und Nachbarschaften“ entsprachen den oben beschriebenen Maßnahmen an Gebäuden und setzen v. a. bei baulichen Aufwertungsmaßnahmen in den Ringhäusern und bei einer sensiblen Belegung an (siehe „Wohnen und Wohngebäude“). Der Bereich „Soziales und kulturelles Leben - Integration“ stützte sich mit seinen Zielen stärker auf die Förderung von Nachbarschaftsbeziehungen, die Förderung eines gegenseitigen Verständnisses der Kulturen untereinander und der Integration sowie Bewohneraktivierung. Der Schwerpunkt der Maßnahmen war das Zusammenleben der Kulturen untereinander und die Stärkung sozialer und kultureller Netzwerke. In der Fortschreibung des Handlungskonzeptes von 2003 sind unter dem strategischen Ziel „ Mehr Akzeptanz und unterstützende Sozialgefüge“ ebenfalls eine Reihe von Maßnahmen in der Umsetzung. Dazu zählt neben dem o.g. Gemeinschaftshaus z.B. der o.g. wöchentliche Mittagstisch („Der Rollberg tafelt“) mit einer Anschubfinanzierung aus dem Aktionsfonds, diverse Feste und kulturelle Veranstaltungen oder türkisches Frauenfrühstück mit referierenden Gästen.

11.3.4 Beschäftigung und Qualifizierung Als einziges Handlungsfeld sind alle Maßnahmen zum Thema „Arbeit und Beschäftigung“ im Handlungskonzept mit erster Priorität versehen. Besondere Zielgruppen sind Sozialhilfeempfänger, ausländische Bewohner (insbesondere Frauen) und junge arbeitslose Erwachsene. Die Quartiersmanager konnten zur Förderung von Beschäftigung und Qualifizierung an die Arbeit der Servicegesellschaft gsub und der Beschäftigungsträger BEQUIT und KEBAB (Aktion 1, Territorialer Beschäftigungspakt Berlin-Neukölln, Verein „Wirtschaft und Arbeit in Neukölln“)37 anknüpfen. Entsprechend dem QM-Ziel „Bewohner aus dem Quartier arbeiten für das Quartier“ tragen viele Projekte zur Gestaltung der Rollbergsiedlung selbst bei (z.B. Beschäftigungsmaßnahmen für Jugendliche zur Graffitibeseitigung und künstlerischen Gestaltung von Außenfassaden). Die Quartiersmanager bereiten die Maßnahmen mit vor und unterstützen ihre Umsetzung, in dem sie z.B. den Bedarf oder Einsatzmöglichkeiten für die Projekte klären, Verfahren koordinieren oder die Ausführung der Arbeiten betreuen.

37

Besteht seit Ende 1997, unterstützt z.B. junge Unternehmensgründer, wirbt betriebliche und überbetriebliche Ausbildungsstellen an und organisiert Ausbildungsverbünde.

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11.3.5 Wirtschaftsförderung und Stadtteilökonomie Das Quartier verfügt nur über eine geringe Anzahl an Arbeitsplätzen im ersten Arbeitsmarkt, dies v. a. in der Wohnungswirtschaft und in Einrichtungen wie Schulen, Kindertagesstätten und Jugendeinrichtungen. Potentiale zur Gewerbeentwicklung sind - wenn überhaupt – nur kleinflächig vorhanden.

11.3.6 Soziale und kulturelle Infrastruktur

11.3.6.1 Schule und Bildung Wie auch in zahlreichen anderen QM-Gebieten und Bereichen von Neukölln ist der steigende Anteil von Kindern mit geringen Deutschkenntnissen und einem geringen Bildungsniveau an den Schulen im Gebiet problematisch. Der erbärmliche Zustand mancher Schulen im Gebiet, Verschmutzung und Lärm belasten die Situation an den Schulen der Siedlung zusätzlich. Wie bereits das ehemalige QMTeam, greift auch das Folgeteam diese Handlungsbedarfe auf. Maßnahmen hierzu finden sich unter dem strategischen Ziel „Mehr Fort- und Weiterbildung“. Darunter z.B. der Aufbau eines Netzwerks „Schülerhilfe“ zur kostenlosen Hausaufgabenunterstützung überwiegend für Grundschüler, die Sprachförderung von Kindern ohne Kitaplatz oder das Freiwilligenprojekt „Pusteblume“ mit Patenschaften von deutschen Muttersprachlern für Bewohner ausländischer Herkunft. Kooperationen mit Schulen gibt es zusätzlich bei Projekten in den Bereichen Gewaltprävention und Freizeitangebote für Jungendliche (z.B. geplantes Kunstprojekt in der Kielhorn-Zuckmayer Schule).

11.3.6.2 Gesundheit Nach Einschätzung der Quartiersmanager sind der Alkohol- und Drogenkonsum in der Siedlung hoch. Konflikte in Folge dessen verbleiben nicht nur auf der individuellen Ebene, sondern äußern sich auch in Form von z.B. Lärmbelästigungen und Pöbelei sowie Vernachlässigung von Kindern. Im Handlungskonzept des ersten QM-Teams wurde das Thema Gesundheit inklusive der Drogenproblematik nicht weiter verfolgt. Mittlerweile bildet „Drogenbekämpfung und Beratung“ einen Schwerpunkt der QM-Arbeit. Dies hat bereits in 2002 zu ersten Maßnahmen geführt (Information zum Thema Tilidin-Schmerzmittelmissbrauch von Jugendlichen in der Stadtteilzeitschrift Rollberg-Info, Überprüfung eines einschlägig bekannten Arztes durch die Kriminalpolizei). In 2003 folgen weitere Maßnahmen.

Evaluation_Quartiersmanagement

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empirica

11.4

Beurteilung der Ziele und des Verfahrens

Das erste QM-Team in der Rollbergsiedlung formulierte als ein Ziel, den derzeitigen Anteil an erwerbstätigen Mietern und an deutschen Mietern beizubehalten bzw. zu steigern (bei gleichzeitigem Erhalt der „multikulturellen Zusammensetzung ausländischer Haushalte“). Demgegenüber konzentriert sich das neue Team stark auch auf die Kompensation von Defiziten, die aus den Besonderheiten der Bewohnerschaft und den sich daraus ergebenden Hemmnissen für eine Integration in den Arbeitsmarkt und in die Gesellschaft insgesamt ergeben. Dort, wo Probleme nicht allein über einzelne Projekte gelöst werden können, wird auf die Verantwortung von Politik, Verwaltung und Wohnungswirtschaft hingewiesen und es wird versucht, diese Partner in einen gemeinsamen Quartiersentwicklungsprozess einzubinden. Die zentralen Ziele spiegeln die zentralen Defizite in der Siedlung wider. Die initiierten Projekte und Herangehensweisen scheinen geeignet, im Rahmen der Möglichkeiten des QM die Situation für die Bewohner und für die Siedlung insgesamt zu verbessern.

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empirica

12.

Schillerpromenade Ausgangssituation im QM-Gebiet

12.1.1 Abgrenzung Abbildung 12: Abgrenzung des QM-Gebietes Schillerpromenade

Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

empirica

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12.1.2 Stärken und Schwächen Das QM-Gebiet ist im Norden des Bezirks Neukölln gelegen und verfügt über eine weitgehend homogene gründerzeitliche Bebauung im nördlichen und etwas jüngere Wohnbebauung im südlichen Bereich. Das QM-Gebiet ist durch den Flughafen Tempelhof im Westen, dem S-Bahn Ring im Süden und der stark frequentierten Hermann- und Flughafenstraße im Osten und Norden klar stadträumlich begrenzt. Im Vergleich zur angrenzenden Hermannstraße und im Vergleich zu den östlich davon gelegenen Wohngebieten bietet der Stadtteil eine einfache, aber ruhige und insbesondere entlang der Schillerpromenade nicht unattraktive Wohnqualität. Positiv wirken auch die Nähe zur Hasenheide sowie die sehr gut ÖPNV_Anbindung. Der hohe Bevölkerungsaustausch zwischen 1994 und 2000 bei gleichzeitig extrem gesunkener Kaufkraftkennziffer von 93,1 % auf 85,6 % des Bundesdurchschnitts lässt auf einen Fortzug von einkommensstärkeren Haushalten und einen Zuzug von wirtschaftlich und sozial schwachen Haushalten schließen.

12.1.3 Charakteristik
Gebietstyp Stadträumliche Situation/ Baustruktur Typ A: Altbau-dominierte Quartiere in der westlichen Innenstadt, ca. 19.640 EW
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Hochverdichtetes Wohngebiet im Nord-Westen Neuköllns an der südlichen Peripherie des wilhelminischen Gründerzeitgürtels. Einheitliche gründerzeitliche Bebauung (Blockrandbebauung) mit Ausnahme von 4 Blöcken im westlichen Bereich des Quartiers zwischen Herrfurthstraße, Leinestraße und Lichtenrader Straße, der südliche Teil des Quartiers wird räumlich durch die Friedhofsanlagen vom nördlichen Bereich abgetrennt. Das angrenzende Flughafengelände im Westen, die Flughafenstraße im Norden und der S-Bahn Ring im Süden sind stadträumliche Barrieren Wohnungen zu 80% im gestreuten Privatbesitz und 20% im Besitz größerer städtischer und privater Wohnungsgesellschaften und –genossenschaften. Kein überdurchschnittlicher Wohnungsleerstand Einfache Wohnlage, hoher Modernisierungs- und Instandsetzungsgrad. Hoher Anteil junger Familien, hoher Bevölkerungsaustausch; nach Angaben des QM jedoch etwa 30%iger Anteil einer langjährig ansässigen Stammbevölkerung. Anteil von Ausländern (34,7 %) hoch, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahre (Anteil bei 6-18-Jährigen 46,9 %), 40,3 % der Ausländer sind türkischer Herkunft. Von den Neuzugezogenen (1995-1999) sind 51 % Ausländer. Anteil der Altersgruppe 18 bis 35 Jahre deutlich über Durchschnitt im Bezirk und Berlin gesamt (31 % gegenüber 23 % und 24 %) Stark abnehmende Kaufkraft zwischen 1994 und 2000, Kaufkraftpotential ist
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Wohnungsmarkt

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Bewohnerstruktur

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Kaufkraft
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auch im Vergleich zu anderen QM-Gebieten erheblich gesunken (vom 4. auf den 13. Rang). Beschäftigung/ Qualifizierung Wirtschaftsförderung/ Stadtteilökonomie
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Hoher Anteil von Arbeitslosen an 18-65-Jährigen (18 %), Langzeitarbeitslosigkeit annähernd wie im Bezirk (31,3 %), hohe Jugendarbeitslosigkeit (15,6 %). Vereinzelt kleinteilige gewerbliche Einrichtungen (Gewerbehöfe, Einzelhandel- und Dienstleistungsgewerbe), Im Zuge der Etablierung des größerflächigen Einzelhandels in Berlin durchschnittlicher Leerstand von Einzelhandelsflächen in Wohngebäuden. Steigender Anteil von Kindern mit geringen Deutschkenntnissen , hoher Anteil von Schülern nicht deutscher Herkunftssprache (78 %) Stadtteilengagement und Öffnung der Karl-Weise-Grundschule zum Stadtteil, Beteiligung der Schulen in der Kiez AG (Beteiligungsgremium, in dem fast alle lokal tätigen gemeinnützig tätigen bzw. der sozialen Infrastruktur zuzurechnenden Einrichtungen und Bewohner zusammenarbeiten). Mittlere Angebotsdichte an lokalen Initiativen und Trägern: ausländische Vereine: z.B. Al-Huleh e.V. und Ugrak; Kiez-AG, KIK; schillerpalais, Initiative der Haus- und Wohneigentümer Nur wenig quartierseigene Versorgungseinrichtungen des täglichen Bedarfs mit geringer Qualität, angrenzende Hermannstraße hat Funktion als Versorgungszentrum mit diversifiziertem Angebot, höherwertiges Angebot (u.a. Kaufhaus) am Hermannplatz gut erreichbar.

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Schule und Bildung

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Gesundheit, sonstige soziale und kulturelle Infrastruktur Alltagsversorgung

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Quelle: empirica, eigene Zusammenstellung

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13.

Sonnenallee/ High-Deck-Siedlung

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Ausgangssituation im QM-Gebiet

13.1.1 Abgrenzung Abbildung 13: Abgrenzung des QM-Gebietes Sonnenallee/ High-Deck-Siedlung

Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

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13.1.2 Stärken und Schwächen Die High-Deck-Siedlung, ein Neubaugebiet aus den 70er Jahren liegt außerhalb der Innenstadt an der Grenze des Bezirks Neukölln zum Bezirk Treptow-Köpenick. Das zu seiner Zeit innovative städtebauliche Konzept einer funktionalen Trennung von Fußgänger- und Autoverkehrbereichen, das die städtebaulichen Leitbilder einer autogerechten und funktionalen Stadt verkörpert, wird heute von den Bewohnern nur noch eingeschränkt als ihren Vorstellungen vom Wohnen entsprechend bewertet. Insbesondere Nutzungskonflikte im öffentlichen Raum schmälern die Akzeptanz des Standortes. Die
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monotonen und fast vollständig versiegelten Straßenebenen sind von Autostellplätzen dominiert und hemmen die nachbarschaftliche Kontaktaufnahme und Kommunikation. Die High-Decks sind begrünt und mit Spiel- und Bolzplätzen versehen, verursachen jedoch aufgrund des mangelnden Schallschutzes Nutzungskonflikte in der Nachbarschaft. Das relativ kleine Sonnencenter ist der einzige Standort von Einzelhandelsund

Dienstleistungseinrichtungen im Quartier. Der Siedlung fehlen folglich wichtige städtische Zentrumsstrukturen, die den Einzugsbereich des Quartiers gebietsübergreifend erweitern würden. Im Gegensatz zur Rollbergsiedlung, einem weiteren QM-Gebiet mit 60-80er Jahre Bebauung in Neukölln, sind Erreichbarkeit, Nähe zu zentralen Versorgungseinrichtungen, städtebauliche Integration und sozialräumliche Nutzungsverflechtung mit angrenzenden Stadträumen mangelhaft, wodurch ein insularer Charakter des Gebietes verursacht wird. Darüber hinaus ist das Wohngebiet in sich von der stark frequentierten Sonnenallee in einen nördlichen und südlichen Bereich zerschnitten. Die Barrierewirkung der Sonnenallee wird durch fehlende Fußgängerüberwege zusätzlich verstärkt. Die Bewohnerstruktur ist im Vergleich zu anderen QM-Gebieten relativ stabil. Die Fluktuation ist im Vergleich zu Berlin gesamt, Neukölln und anderen QM-Gebieten unterdurchschnittlich. Der Ausländeranteil ist deutlich geringer als in QM-Gebieten der westlichen Innenstadt.

13.1.3 Charakteristik
Gebietstyp Stadträumliche Situation/ Baustruktur Typ C: Quartier mit hohem Anteil im Sozialwohnungsbau und z.T. größeren, zusammenhängenden Wohnkomplexen, ca. 5.410 EW
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Großwohnsiedlung der 70er Jahre im Südosten Neuköllns an TreptowKöpenick angrenzend, sozialer Wohnungsbau überwiegend vier- bis sechsgeschossige Häuser, funktionale Trennung von Fußgänger- und Autoverkehr, zehn High-Decks im oberen Bereich und Stellplätze auf Straßenebene. Quartier wird durch stark frequentierte Sonnenallee in einen südlichen und nördlichen Teil zerschnitten, Mangel an Übergangsbereichen (Fußgängerüberwege, Ampel) insgesamt 2.462 Wohnungen im sozialen Wohnungsbau, Fehlbelegungsabgabe und Belegungsbindungen 1999 aufgehoben, Wohnungsbestand zu 92 % im Besitz der Stadt und Land WohnbautenGesellschaft mbH (2.278 WE), 184 WE gehören der Wohnungsgenossenschaft Erbbauvereins Moabit (EVM) Einfache Wohnqualität, vergleichsweise hohes Mietniveau (durchschnittliche Nettokaltmiete ca. 4,28 €/m²), hohe Nebenkosten Fluktuation der Bevölkerung etwas geringer als in Neukölln und Berlin gesamt. Im Vergleich zu anderen QM-Gebieten in der westlichen Innenstadt unterdurchschnittlicher Ausländeranteil (24,7 %), Anstieg gegenüber 1999 über 1%, 77, 1% der Ausländer kommt aus nicht EU-Staaten (Berlin 58,9 %),
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Wohnungsmarkt

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Bewohnerstruktur

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größte Ausländergruppe sind Türken (61,5 % gegenüber 28,9 % in Berlin gesamt), das entspricht einem Anteil von 15,2 % an der Quartiersbevölkerung. Kaufkraft
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Mäßig sinkende Kaufkraftentwicklung bei überdurchschnittlich hohem Kaufkraftpotential im Vergleich zu anderen QM-Gebieten (Rang 2. im Jahr 2000). Doppelt so hoher Anteil Arbeitsloser an erwerbsfähiger Bevölkerung als in Berlin gesamt (22,2 %), dritthöchste Erwerbslosenquote der QM-Gebiete, Arbeitslosigkeit unter erwerbsfähigen Ausländern mit 20 % deutlich höher als in Berlin (13,7 %). Hohe Jugendarbeitslosigkeit (16 %), vergleichsweise durchschnittliche Alters- (12 %) und Langzeitarbeitslosigkeit (33 %) zu anderen QM-Gebieten. Quartierseigene Arbeits- und Ausbildungsplätze sind kaum vorhanden. Mit Ausnahme des Einzelhandelszentrums quartierseigenes Gewerbe. „Sonnencenter“ kein

Beschäftigung/ Qualifizierung

-

-

-

Wirtschaftsförderung/ Stadtteilökonomie Schule Gesundheit, sonstige soziale und kulturelle Infrastruktur

-

-

Hoher Anteil von Kindern nicht deutscher Herkunftssprache (66%), z.T. mit mangelnden Deutschkenntnissen. quartierseigene soziale Infrastruktureinrichtungen: zwei Kitas, eine Grundschule, Jugendtreff „The corner“m Nachbarschaftstreff „mittendrin“, Kindertreff „Waschküche“, Computertreff 40plus Trägerstrukturen: u.a. Trias gGmbH, BEQUIT, KEBAB, BBJ Service gGmbH, Tabeakirchengemeinde, Ev. Kirchenkreis, Verein Türkischer Minderheit e.V., Wohltätigkeitsverein Al Huleh e.V. Sonnencenter als Nahversorgungszentrum mit zwei Supermärkten, einem Bäcker, Friseur, Drogerie, Apotheke, Optiker, Physiotherapie, Imbis und Restaurants.

-

-

Alltagsversorgung

-

Quelle: empirica, eigene Zusammenstellung

Evaluation_Quartiersmanagement

- 123 -

empirica

13.1.4 Handlungskonzept und Ziele Eine umfassende Leitbilddiskussion wurde bisher nicht geführt. Übergeordnetes Ziel des QM ist es, die High-Deck-Siedlung zu einem nachgefragten, innenstadtnahen Familienwohngebiet für alle Generationen und verschiedene Kulturen zu entwickeln. Bei der Fortschreibung des Handlungskonzeptes werden die im Rahmen des Verfahrens definierten strategischen und operationalen Ziele eigenen Handlungsfeldern zugeordnet. Die Relevanz der operationalen Ziele wird anhand einer Skala (sehr hoch-hoch-nicht relevant) bewertet. Die bei weitem meisten Maßnahmen werden zur Verbesserung der Qualität des Wohn- und Lebensraums umgesetzt (Z3). Zweiter Schwerpunkt sind soziale Infrastrukturmaßnahmen (Z4). Maßnahmen zur Förderung von Chancen auf dem Arbeitsmarkt (Z1) bilden einen dritten Schwerpunkt. Langfristige und kurzfristige Wirkungen werden beschrieben (z.B. schrittweise Anhebung des Qualifikationsniveaus und Verbesserung der Vermittlungschancen auf dem 1. Arbeitsmarkt durch bessere Qualifikation). Sinn und Nutzen der Maßnahmen im Hinblick auf die Ziele sind dadurch gut nachvollziehbar. Fast jeder Maßnahme wird systematisch mindestens ein Indikator zugewiesen. Entsprechend wird der Zielerreichungsgrad bestimmt. (z.B. 1. Indikator: Anzahl der Projekte zur Sprachförderung und zur kulturellen Förderung, Zielerreichungsgrad: jährlich 2-3 Kurse für verschiedene Zielgruppen, 2. Indikator: Anzahl der Teilnehmer nach Zielgruppen, Zielerreichungsgrad: Kurse jährlich mit je 12-18 Teilnehmern, überwiegend Frauen/ Mütter, 3. Indikator: Abbrecher/ Abschlüsse, Zielerreichungsgrad: zurzeit nicht ermittelbar. Insgesamt sind die Dargestellten Schwerpunkte, Projektinhalte und Wirkungen nachvollziehbar.

Evaluation_Quartiersmanagement

- 124 -

empirica

14.

Oberschöneweide

14.1

Ausgangssituation im QM-Gebiet

14.1.1 Abgrenzung Abbildung 14: Abgrenzung des QM-Gebietes Oberschöneweide

Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

empirica

14.1.2 Stärken und Schwächen Oberschöneweide hat eine lange Tradition als Industriestandort und befindet sich in einem für altindustrielle Stadtquartiere in den neuen Bundesländern typischen Strukturumbruch. Die besondere Problemsituation Oberschöneweides resultiert aus der engen räumlichen Verflechtung der Funktionen Wohnen und Arbeiten sowie dem Ausmaß des Strukturwandels, der sich in drastischen Arbeitsplatzverlusten und zunächst hohen Bevölkerungsrückgängen niederschlägt. Das QM-Gebiet umfasst Teile des Industriegürtels sowie ein Altbauwohnquartier (Anfang 20. Jhdt. errichtet), das erhebliche städtebauliche Missstände aufweist und gemäß der 11. Rechtsverordnung im
Evaluation_Quartiersmanagement - 125 empirica

November 1995 als Sanierungsgebiet förmlich festgelegt wurde. Aus dem Sanierungsgebiet, das geringfügig kleiner als das QM-Gebiet ist, sind zwischen 1994 und 1997 1/5 der Bewohner weggezogen.38 Privatisierungsversuche der Großbetriebe sind weitgehend gescheitert. Nur zwei Großbetriebe setzen die Produktion in weitaus geringerem Umfang fort. Im Zuge des Strukturverfalls sind von ca. 25.000 Arbeitsplätzen 1989 nur noch ungefähr 1/7, d.h. 3.500 Arbeitsplätze, erhalten geblieben.39 Das kleinteilige Gewerbe im Wohngebiet auf der nördlichen Seite der Wilhelminenhofstraße sowie im Bereich der Edisonstraße stellte vor der politischen Wende ein intaktes Versorgungszentrum dar. Heute stehen viele Ladenflächen leer. Vor dem Hintergrund der funktionellen Schwächen, für die die industriellen Brachen an der Spree und der hohe Gewerbeleerstand evidenter Ausdruck sind, werden von der politisch abschließend noch nicht entschiedenen Ansiedlung der Fachhochschule für Wirtschaft und Technik (FHTW) starke Entwicklungsimpulse für Oberschöneweide als Wirtschaftsstandort erwartet. Erschwerend für die Gebietsentwicklung – insbesondere für gewerbliche Neuansiedlungen – sind die stadträumlich isolierte Lage, fehlende Brücken und unzureichende überörtliche Verkehrsanbindungen, daraus resultierend die hohe verkehrliche Belastung infolge des Durchgangsverkehrs in der Wilhelminenhof-, Edison- und Siemensstraße, die die Wohn- und Freiraumqualitäten erheblich beeinträchtigen. Zwar besitzt das Quartier aufgrund seiner Lage zur Spree ein wichtiges städteräumliches Potential, eine Verbindung zwischen dem Wohngebiet und der Spree ist jedoch nur über wenige Zugänge über Privatgrundstücke möglich. Die genannten funktionalen und städtebaulichen Faktoren bedingen das schlechte Image Oberschöneweides als Wohnstandort. Als Stärken können die Nähe zu großflächigen Freiflächen (Wuhlheide, Plänterwald, Königsheide), preisgünstiger sanierter Wohnungsbestand und wenig verdichtete Wohnbebauung mit großen begrünten Höfen/Freiflächen sowie ein diversifiziertes, allerdings zunehmend prekäres Angebot an Kinder-/ Jugend- und Sozialprojekten herausgestellt werden, die gute Standortbedingungen für Familien mit Kindern bieten. Im Umfeld der historisch wertvollen Industriebauten haben sich in den letzten Jahren verstärkt Kunst- und Kulturprojekte in Oberschöneweide angesiedelt. In den Reinbeckhallen finden u.a. Veranstaltungen und Ausstellungen statt; im Kultur- und Technologiezentrum Rathenau arbeiten Stipendiaten der Karl-Hofer-Gesellschaft, im Haus 79 sollen Künstlerateliers sowie ein sozio-kulturelles Servicezentrum für den Stadtteil eingerichtet werden.

38

Senatsverwaltung für Bauen, Wohnen und Verkehr (1999): Oberschöneweide im Wandel. Neuordnungskonzept und Zwischenbilanz., S.7 ebd. S.22

39

Evaluation_Quartiersmanagement

- 126 -

empirica

14.1.3 Charakteristik
Gebietstyp Stadträumliche Situation/ Baustruktur Typ D: Quartier mit überdurchschnittlicher Leerstandsbelastung in der Ostberliner Peripherie, ca. 5.340 EW
-

Im Nordwesten Köpenicks an der Spree gelegen, Sanierungsgebiet Oberschöneweide im QM-Gebiet, im südlichen Bereich Industrie- und Gewerbeflächen (tlw. brachliegend), Wilhelminenhofstraße grenzt Wohngebiet gegenüber Industrie- und Gewerbeflächen ab, kaum Zugänge zum Spreeufer, Blockrandbebauung aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Oberschöneweide vor 1989 industrielles Zentrum Ostberlins, nach 1990 Wegfall der ökonomischen Basis und Brachfallen von Fabrikhallen hoher Leerstand im Wohnungsbau Eigentümerstruktur: Wohnungsgesellschaften und private Eigentümer hoher Instandsetzungsbedarf Junge Wohnbevölkerung (58 % unter 35 Jahre), wenig Ältere über 55 Jahre (12 %) Mehr als doppelt so hoher Ausländeranteil (7,6 %) wie in Köpenick insgesamt, damit jedoch deutlich unter Berliner Durchschnitt. hohe Fluktuation: ca. die Hälfte der Bewohner in den letzten 5 Jahren ausgetauscht, erheblich höher als in Köpenick, höchste Fluktuation in den QM-Gebieten Überdurchschnittliche Kaufkraftsteigerung zwischen 1994 und 2000, vom Rang 13 (1994) auf Rang 4 (2000) im QM-Gebietsvergleich. Anteil Arbeitsloser an 18-65-Jährigen über Durchschnitt Berlin und Köpenick (14,8 % gegenüber 11,6 % und 11 %), Altersarbeitslosigkeit mit 20,8 % mehr als doppelt so hoch als in Berlin gesamt und Köpenick, höchster Wert in QM-Gebieten, Langzeitarbeitslosigkeit (22,8 %) unter Durchschnitt der QM-Gebiete Anteil der Arbeitsplätze im Gebiet sank nach 1990 rapide, hoher Leerstand und Fluktuation im kleinteiligen, eingestreuten Gewerbe im Wohngebiet, Vermarktungsschwierigkeiten der Industrieflächen, hoher Leerstand im Handwerker- und Gewerbezentrum „Wilhelminenhof“

-

-

Wohnungsmarkt

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Bewohnerstruktur

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-

-

Kaufkraft Beschäftigung/ Qualifizierung

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-

Wirtschaftsförderung/ Stadtteilökonomie

-

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Berliner Landesentwicklungsgesellschaft mbH (BLEG), die im Auftrag
des Landes Berlin ca. 30 ha gewerbliche Fläche in Oberschöneweide entwickelte und vermarktete, und der ausstehenden Entscheidung zur Ansiedlung der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW)

Hindernisse der gewerblichen Standortentwicklung durch Insolvenz der

-

Technologie- und Gründerzentrum Spreeknie (TGS) grenzt an QM-Gebiet Zwei Grundschulen, eine Realschule und ein Gymnasium im QM-Gebiet, Kooperation mit Schulen im Stadtteil: projektbezogen und Formalisierung durch AG Schulen Angebotsdefizite im Kinder-, Jugend- und Seniorenbereich, insbesondere Jugendfreizeiteinrichtungen, bauliche Mängel der vorhandenen sozialen Infrastruktureinrichtungen (Schulen, Kitas)
- 127 -

Schule und Bildung

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Gesundheit, sonstige soziale und kulturelle Infrastruktur

-

-

Evaluation_Quartiersmanagement

empirica

Alltagsversorgung

-

Einfaches, gering diversifiziertes Versorgungs- und Dienstleistungsangebot. Hoher Ladenleerstand in der Edisonstraße und im südlichen Bereich der Wilhelminenhofstraße. Höherwertige Angebote im Zentrum Köpenick (Einkaufszentrum) mit dem ÖPNV erreichbar.

Quelle: empirica, eigene Zusammenstellung

14.1.4 Handlungskonzept und Ziele Als zentrale Schwächen werden im Handlungskonzept ohne Rangfolge genannt: Arbeitslosigkeit/Strukturwandel; Schwindende Kaufkraft; schlechte Kaufkraftbindung Image; zunehmende „ökonomische Destablisierung“ Gewerbeleerstand/Brachflächen/Baulücken z.T. Verwahrlosung des öffentlichen Raums Unterversorgung mit Grün- und Freiflächen Wohnungsleerstand Zustand und Ausstattung von Schulen Schlechte/fehlende Infrastruktur für Kinder u. Jugendliche Kaum Kommunikationsangebote/brachliegendes kulturelles Leben

Im Handlungskonzept für Oberschöneweide erfolgt eine Prioritätensetzung auf der Ebene der im Verfahren definierten operationalen Ziele in Form einer jeweils vorangestellten Begründung zur Relevanz operationaler Ziele. Eine tatsächliche Prioritätensetzung erfolgt für einige der operationalen Ziele und ist auf der Basis der Stärken-Schwächen-Analyse nachvollziehbar. Auch die zentrale Projekte decken sich im wesentlichen mit den als überdurchschnittlich relevant beschriebenen Zielen. Insgesamt ist der Ansatz des QM somit nachvollziehbar und entspricht der spezifischen Problemkonstellation im Gebiet.

Evaluation_Quartiersmanagement

- 128 -

empirica

15.

Marzahn-Nord

15.1

Ausgangssituation im QM-Gebiet

15.1.1 Abgrenzung Abbildung 15: Abgrenzung des QM-Gebietes Marzahn-Nord

Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

empirica

15.1.2 Zentrale Stärken und Schwächen Das QM-Gebiet Marzahn-Nord hat sich in den letzten Jahren zunehmend zu einem Wohngebiet entwickelt, dass von vielen der ehemaligen Bewohner verlassen wurde, das einen hohen Wohnungsleerstand aufweist und in das vermehrt Bevölkerungsgruppen zuziehen, die wenig Wahlfreiheit auf dem Wohnungsmarkt haben. Hinzu kommen die starken Zuzüge von Aussiedlern und Spätaussiedlern in diesen Bereich und der steigende Anteil von Bewohnern, denen es im Zuge von
Evaluation_Quartiersmanagement - 129 empirica

Arbeitslosigkeit oder beruflicher Unsicherheit zunehmend wirtschaftlich schlechter geht. Dies hat vor allem im Außenimage zu einem negativen Image geführt, auch wenn die tatsächlichen Belastungen der Bewohner dazu in keinem Verhältnis stehen. Das Quartier Marzahn-Nord ist ein junges Wohngebiet. Über die Hälfte der Bewohner ist jünger als 35 Jahre; der Anteil von Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis 18 Jahren ist (noch) hoch. Im Unterschied zu den westlichen QM-Gebieten ist der Ausländeranteil mit 3,9 % sehr gering und liegt damit weit unter dem Berliner Durchschnitt von 13,1 %. Diesen Daten steht eine hohe Anzahl von Aussiedlerfamilien entgegen, deren Integration in das gesellschaftliche Gefüge im Quartier und auf dem Arbeitsmarkt problematisch ist. Das verbreitete Negativimage des Stadtteils verursacht die Gefahr, das der seit Jahren anhaltende Bevölkerungsrückgang weiter verstärkt wird. Neben der normalen Entwicklung, dass bei der hier vorliegenden sehr homogenen

Bevölkerungsaltersstruktur „demografische Wellen“ über das Herauswachsen von jungen Erwachsenen (Haushaltsgründungen eher am Ort des Arbeits- oder Ausbildungsplatzes) birgt das verbreitete Negativimage des Stadtteils die Gefahr, dass der seit Jahren anhaltende Bevölkerungsrückgang weiter verstärkt wird. Aufgrund der städtebaulichen Ausrichtung der sozialen Infrastruktur und Freizeitfazilitäten auf die Kleinkinder, mangelt es im Quartier an Angeboten im Freizeit- und Kulturbereich für Jugendliche und Erwachsene. Zwar gibt es im Stadtteil noch Freizeitangebote für Jugendliche und einige Erwachsene, das Problem der dennoch vorhandenen Unterversorgung wird jedoch dadurch verstärkt, dass auf Grund der Haushaltssituation derzeit etliche Träger ihre Angebote nicht aufrecht erhalten können. Flächenpotentiale für wohnungsnahe Freizeitmöglichkeiten (Sportfazilitäten u.Ä.) bestehen an den Siedlungsrändern im Norden und Nordosten, siedlungsinternen Freiflächen und brachliegenden Infrastruktureinrichtungen.

Elfgeschossige sanierte und unsanierte Plattenbauten

Neugestaltetes Wohnumfeld

Evaluation_Quartiersmanagement

- 130 -

empirica

15.1.3 Charakteristik
Gebietstyp Stadträumliche Situation/ Baustruktur Typ D: Quartier mit überdurchschnittlicher Leerstandsbelastung in der Ostberliner Peripherie, ca. 25.700 EW
-

Lage direkt am Stadtrand zum Landschaftsraum Barnim Stadträumliche Teilung des Gebietes durch die Nordsüdtangente Märkische Allee und S-Bahntrasse in die Quartiere Marzahn-West und Marzahn-Nord. Mietwohnungsbau in Plattenbauweise, jüngster Bauabschnitt der Großwohnsiedlung Marzahn, Quartier-Nord: 6 und 11 geschossige Plattenbauten, Quartier-West: nur 6 geschossige Gebäude. Monostrukturelle Wohnfunktion, nachträgliche Nutzungsmischung im Wohnungsbestand ist problematisch. Mangel an städtischen Räumen mit Aufenthaltsqualität. Erstes Gebiet für Stadtumbau in Berlin Marktmietniveau: etwa 3,22 €/m² Nettokaltmiete für unsanierte Wohnungen. Wohnungsbestand u.a. im Eigentum der Wohnungsbaugesellschaft Marzahn (WBG), Berlin-Brandenburgischen Wohnungsbaugenossenschaft (BBWG), MEGA AG, Nordlicht Wohnungsbaugenossenschaft sowie drei Privateigentümer Disperser Wohnungsleerstand beträgt 15 - 20 %. Junge Bevölkerung, die Hälfte der Bewohner sind jünger als 35 Jahre, aber der Anteil von unter 18 Jährigen zwischen 1999 und 2001 um 2,8 % gesunken. Abnahme der Bevölkerung zwischen 1992-2001 von 23 %, seit Festlegung als QM-Gebiet Verlust von 7,2 % (1999-2001).

-

-

-

Wohnungsmarkt

-

-

Bewohnerstruktur

-

Der Anteil der ausländischen Bewohner mit 3,7 % sehr gering (5,7 % in OstBerlin), aber hoher Anteil an Aussiedlerfamilien. Außerbezirkliche Zuwanderung zwischen 1995-1999 unterdurchschnittlich im Vergleich zum Berliner Durchschnitt, Marzahn und anderen QMGebieten Kaufkraftanstieg zwischen 1994-2000: 1994 war die Kaufkraft extrem unterdurchschnittlich im Vergleich zu Berlin, Marzahn und den anderen QMGebieten (15. Rang). Im Jahr 2000 verringerten sich die Abstände (Rang 11.), aber die Kaufkraftbindung im Quartier ist gering. Mangel an Ausbildungs- und Arbeitsplätzen im Quartier auf Grund des geringen Gewerbebesatzes. Hoher Anteil Arbeitsloser an erwerbsfähiger Bevölkerung (17 % gegenüber 13 % in Marzahn und 11,6 % in Berlin), höchste Jugendarbeitslosigkeit der östlichen QM-Gebiete (15,3%), geringere Langzeitarbeitslosigkeit (27,7 %) als in Marzahn (28,5 %) und Berlin (32,2 %). Geringer Gewerbebesatz aufgrund der Funktion als reines Wohngebiet, geringe Diversifikation. Gewerbebetriebe sind auf den Einzelhandels- und personenorientierten Dienstleistungsbereich beschränkt. Hoher Gewerbeleerstand in den Einzelhandelszentren (Havemann-Center, Zu den Eichen, Ahrensfelder Passagen).

-

Kaufkraft

-

Beschäftigung/ Qualifizierung

-

-

Wirtschaftsförderung/ Stadtteilökonomie

-

-

Evaluation_Quartiersmanagement

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empirica

Schule und Bildung

-

5 Grundschulen, je eine Haupt- und Realschule im QM-Gebiet, kein Gymnasium im Stadtteil, aber direkt am westlichen Stadtrand, 2 Sonderschulen Steigende Zahl Jugendlicher ohne Schulabschluss.1 rückläufige Schülerzahlen aufgrund der demographischen Entwicklung Brachfallen von sozialen Infrastruktureinrichtungen (Kitas, Grundschulen). Mangel an bedarfsgerechter sozialer und kultureller Infrastruktur für Kinder und Jugendliche (6-18 Jahre) sowie Erwachsene. Fehlende Einrichtungen für Jugendliche. Verschärfung des Defizits durch Schließung von Angeboten aufgrund fehlender Personalstellen. 2 sowie Haushaltskürzungen im Bezirk Einrichtung eines Stadtteilzentrums. (Stadtteilzentrum Marzahn Nord – Träger Kiek in e.V. Berlin – vorhanden) Umfangreiches einfaches gastronomischen Angebotes. Einzelhandelsangebot, Defizite des

-

Gesundheit, sonstige soziale und kulturelle Infrastruktur

-

Alltagsversorgung

-

1 2

Vierter Zwischenbericht/Fortschreibung des Integrierten Handlungskonzepts Strategisches Handlungskonzept

Quelle: empirica, eigene Zusammenstellung

15.2

Verfahren des Quartiersmanagement

15.2.1 Struktur und Verankerung des QM-Teams/ Kooperation mit der Verwaltung Für das QM-Verfahren wurde im Bezirk keine Steuerungsrunde eingerichtet, da es nur ein QM-Gebiet in Marzahn-Hellersdorf gibt und die QM-Steuerungsrunde die Funktion eines auch in die Verwaltung wirkenden Abstimmungsgremiums erfüllt. Formal wurde der Stadtrat für ökologische Stadtentwicklung als Bezirkskoordinator benannt. In den einzelnen Fachämtern wurde jeweils ein Mitarbeiter mit dem QM betraut. Mit dem Jugendamt, Naturschutz- und Grünflächenamt, Stadtplanungsamt, dem Tiefbauamt sowie dem Hochbauamt, der Wirtschaftsförderung und der Migrantenbeauftragten besteht seitens des QM-Teams eine gute Zusammenarbeit. QM-Steuerungsrunden finden alle zwei Monate im Vor-Ort-Büro statt, an denen der zuständige Stadtrat für ökologische Stadtentwicklung und themenspezifisch weitere Bezirksamtsvertreter teilnehmen.

15.2.2 Vernetzung mit Akteuren Kontakte mit den Wohnungsunternehmen bestehen über die QM-Steuerungsrunde, an der die Wohnungsgesellschaft Marzahn GmbH (WBG)
- 132 -

und

die

Berlin-Brandenburgische
empirica

Evaluation_Quartiersmanagement

Wohnungsbaugenossenschaft eG teilnehmen. Darüber hinaus besteht eine projektbezogene Zusammenarbeit mit anderen Wohnungsunternehmen z.B. im Rahmen der Wohnumfeldverbesserung. Der Kontakt mit Schulen wurde durch Gesprächsrunden mit den Schulleitern, die halbjährlich stattfinden, und der Teilnahme zweier Vertreter der Schulleitung an den QM-Steuerungsrunden formalisiert. Um die Kooperation mit dem Stadtteilzentrum Kiek in e.V. zu verbessern, wird derzeit eine Kooperationsvereinbarung verhandelt, in der Schnittpunkte erfasst werden und darauf aufbauend die Kooperation ausgestaltet werden kann. Zur Kooperation mit weiteren freien Trägern der Kinder- und Jugendarbeit nimmt das QM an Vernetzungsrunden, die z.T: bereits bestanden, teil. Das QM arbeitet mit der Lokalen Agenda 21 in der QM-Steuerungsrunde und den Quartiersstammtischen zusammen. Kontakte zu Aussiedlern im Stadtteil wurden über einen interkulturellen Vermittler beim QM-Team aufgebaut. Mit Unterstützung des QM-Teams wurde das „Freie Forum der Spätaussiedler“ gegründet, aus dem sich der ‚Vision e.V.’ als Interessenvertretung der Aussiedler konstituierte.

15.2.3 Einbindung der Bewohner Zur Einbindung der Bewohner unterstützt das QM-Team die Gründung von formellen Beteiligungsformen. Ein Bewohnerbeirat zur Förderung des nachbarschaftlichen Zusammenlebens und ein Verein der Aussiedler (Vision e.V.) wurden im Jahr 2000 gegründet. Quartiersstammtische zu bestimmten Themen (u.a. Vandalismus, Seelgraben-Park, Situation des Einzelhandels im Stadtteil ), thematische Arbeitsgruppen (u.a. AG Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum) und Beteiligungsverfahren (u.a. Gestaltung des Eichparks) werden als weitere formelle Beteiligungsformen eingesetzt. Bewohneraktivierung erfolgt durch Beteiligungsverfahren (u.a. Gestaltung des Stadtplatzes, Jugendbeteiligung durch Verfügungsfonds, Schulhofsanierung, Parkgestaltung), Jugendaktionstag, Stadtteilfeste (z.B. Interkulturelles Frühlingsfest) und eine aktivierende Bewohnerbefragung in Zusammenarbeit mit der HUB. Zusätzlich wurden in 2001/2002 sowohl das Modell der „Million in Bürgerhand“, sowie des Aktionsfonds und eines Jugendaktionsfonds umgesetzt.

Evaluation_Quartiersmanagement

- 133 -

empirica

15.3

Handlungsbedarfe und Maßnahmen

15.3.1 Handlungskonzept und Ziele Grundlage der Zielformulierungen im Strategischen Konzept des QM-Teams sind die folgenden Entwicklungsziele des Bezirkes Marzahn: Stabilisierung der Bevölkerungsstruktur, Verbesserung der Wohn- und Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen, Integration der Aussiedlerhaushalte, Entwicklung einer kleinräumigen Nutzungsmischung, Aufwertung der Einzelhandelszentren und Ausbau zu Kiezzentren, Städtebauliche Weiterentwicklung des Stadtteils. In der Leitbildkonzeption des QM-Teams wird das übergeordnete Ziel, Marzahn-Nord zu einem attraktiven Wohnstandort insbesondere für Familien zu entwickeln, herausgestellt. Besondere Bedeutung kommt dabei dem Ausbau der sozialen Infrastruktur für Familien und die Bindung junger Menschen an den Stadtteil zu. Aussiedlerhaushalte sind in den einzelnen Handlungsfeldern eine wichtige Zielgruppe.

15.3.2 Wohnen, Wohngebäude und Wohnumfeld Im Handlungskonzept werden Handlungsbedarfe benannt, die sich auf die Wohnbedingungen, städtebauliche Situation und das Wohnumfeld beziehen (z.B. geringe Aufenthaltsqualität von Freiflächen, Sanierungsbedarf von 50 % des Wohnungsbestandes, struktureller Wohnungsleerstand). Als zentrales Defizit wird der hohe Leerstand im Wohnungsbau u.a. im Erdgeschossbereich benannt, der sich darüber hinaus negativ auf das Wohnumfeld auswirkt. Bauliche Maßnahmen sind im Handlungskonzept vorgesehen bzw. werden in den Zwischenberichten als Option diskutiert: Umbau von Wohneinheiten für eine gemeinschaftliche Nutzung von Mietern, Umnutzung von Erdgeschosswohnungen, Potenziale im Stadtteil sowie Ziele und Strategien im Rahmen des Handlungskonzeptes werden primär bei der Verbesserung vorhandener Freiflächen und der Nutzung brachliegender sozialer Infrastruktureinrichtungen für Freizeitfazilitäten identifiziert. Mit der erhöhten Nutzung von Freiflächen ist eine Steigerung der Identifikation der Bewohner mit ihrem Wohnumfeld angestrebt- ein
Evaluation_Quartiersmanagement - 134 empirica

wichtiges Anliegen des QM-Teams. Um Freiraumflächen für Freizeitangebote zu nutzen, sollen v.a. der Seelgraben als siedlungsinternes Naherholungsgebiet sowie der nördliche und östliche Siedlungsrand als attraktiver Naherholungsraum entwickelt werden. Mit kleinräumigen Wohnumfeldmaßnahmen wird versucht der Unternutzung von Freiflächen entgegenzuwirken: Baumpflanzungen, Begrünung der Straßenbereiche nördlich der Havemannstraße, Aufstellen von Bänken, Entwickeln von Mietergärten.

15.3.3 Öffentlicher Raum Als Problem wird die rudimentäre Nutzung von öffentlichen Räumen im Stadtteil benannt. Die Gründe hierfür werden vom QM-Team in der geringer Aufenthaltsqualität gesehen. Zielformulierungen und Strategien sind darüber hinaus eng mit dem Handlungsfeld soziale Integration verknüpft. Sicherheitsprobleme werden im Handlungsfeld öffentlicher Raum nur peripher angesprochen. Kleinräumige Einzelmaßnahmen sind auf die Entwicklung von öffentlichen Räumen der Begegnung und Kommunikation gerichtet. Primärer Handlungsbedarf wird in der Aufwertung des Barnimplatzes und des Bereichs um den S-Bahnhof Ahrensfelde gesehen. Maßnahmen sind v.a. die Organisation von Stadtteilfeste und Nutzbarmachung des Barnimplatzes für Jugendliche.

15.3.4 Zusammenleben im Quartier/Soziale Integration Maßnahmen zur Integration von Bewohnergruppen mit unterschiedlichem kulturellen Background werden vom QM-Team als dringend erforderlich erachtet. Die geringe Integration der Aussiedler im Quartier wird vom QM-Team zurückgeführt auf mangelnde Sprachkenntnisse sowie Kenntnisse der gesellschaftlichen Strukturen und geringe Vermittelbarkeit in den Arbeitsmarkt. Die Kommunikation zwischen den Bewohnergruppen wird durch folgende Veranstaltungen und Initiativen gefördert: interkultureller Jugendaktionstag unter Beteiligung junger Aussiedler, interkultureller Abend von Aussiedlern und Vietnamesen, Interkulturelles Fest, Freies Forum der Spätaussiedler, Verein Vision e.V.

Evaluation_Quartiersmanagement

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empirica

AG Aussiedler in Marzahn NordWest.

15.3.5 Beschäftigung und Qualifizierung Die Jugendarbeitslosigkeit wird als herausragendes Problem vom QM-Team beschrieben. Jugendliche sind daher die primäre Zielgruppe der Beschäftigungs- und Qualifizierungsförderung im Quartier. Folgende Einzelmaßnahmen zum Abbau der Arbeitslosigkeit wurden umgesetzt: Initiierung von Beschäftigungsprojekten (insgesamt 300 geschaffene Stellen) Projekt „Bezirkliches Beschäftigungsbündnis Marzahn/Hellersdorf“. Eine weitere wichtige Zielgruppe in diesem Handlungsfeld sind jugendliche und erwachsene Spätaussiedler. Die Maßnahmen zielen vornehmlich auf Arbeits- und Qualifizierungsberatung, Spracherwerb sowie Vermittlung von Aussiedlern. Barrieren beim Berufseinstieg für Aussiedler sollen u.a. durch Qualifizierungs- und Beschäftigungsprojekte gemindert werden. Mit dem Projekt „ABC-Integration“ wird den Aussiedlern Hilfestellung bei der Arbeitssuche und Bewerbung angeboten. Mit dem Sozialen Trainingsjahr können Aussiedler eine bessere Berufsorientierung gewinnen. AoA (Aussiedler orientieren Aussiedler) berät und vermittelt Aussiedler an entsprechende Institutionen. Sprachkurse verbessern den Zugang zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt

15.3.6 Wirtschaftsförderung und Stadtteilökonomie Als Problem wird die defizitäre Gewerbestruktur aufgrund geringer Differenzierung beschrieben. Der Umfang der Projekte in diesem Handlungsfeld ist allerdings im Vergleich zu anderen Handlungsfeldern gering. Darüber hinaus wurden die Projekte überwiegend mit zweiter und dritter Priorität eingestuft. Geplante Projekte sind darauf ausgerichtet, Unternehmensgründungen zu unterstützen und die Kaufkraftbindung zu stärken: Gründung der IG Kleingewerbe, Einrichtung eines Kundenbindungssystems, Umstrukturierung der Einkaufszentren zu Kiezzentren, Gründer(innen)zentrum,

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empirica

Betriebsberatung durch Gründerpaten, Entwicklung eines gemischtwirtschaftlichen Jugendzentrums.

15.3.7 Soziale und kulturelle Infrastruktur Schule und Bildung Im Handlungskonzept wird eine wachsende Anzahl Jugendlicher ohne bzw. mit ungenügendem Schulabschluss vom QM-Team als Problem beschrieben. Projekte, die auf die Zielgruppe Schüler ausgerichtet sind bzw. Maßnahmen, die in Kooperation mit Schulen durchgeführt werden, beinhalten weniger die Thematik schulische Bildung an sich, sondern zielen eher auf die Freizeitgestaltung von Kindern und Jugendlichen und ihre Einbeziehung in die Quartiersentwicklung: Bekanntmachen von Freizeitangeboten an Schulen durch Verbesserung der Information zwischen Schulen und freien Trägern der Kinder- und Jugendarbeit, Veranstaltung zur Ideensammlung für die Entwicklung des Gebietes mit den Schülervertretern aller Schulen in Marzahn Nord-West. Malwettbewerb „Wie sehe ich den Stadtteil. Projekte im Bereich Bildung sind schwerpunktmäßig auf die Bewohnergruppe Aussiedler angelegt. Mit Arbeits- und Bildungsberatungen für Aussiedler ist eine stärkere Beteilung der Zielgruppe an Qualifizierungs- und Bildungsangeboten beabsichtigt. Gesundheit Die Zunahme von Entwicklungs- und Gesundheitsschäden von Kindern wird als Problem benannt. Ein hoher Gesundheitsstatus insbesondere von Kindern wird vom QM-Team angestrebt. Eltern und Kinder sollen durch Aktionstage in Kitas, Einkaufszentren etc. über eine gesundheitsfördernde Ernährung aufgeklärt werden. Sonstige soziale und kulturelle Infrastruktur Aufgrund der Verschiebung der Nachfrage nach sozialen Infrastruktureinrichtungen (demographische Welle) mangelt es im Quartier an sozialer und kultureller Infrastruktur für Jugendliche und Erwachsene. Ein wesentliches Ziel des QM-Teams ist es daher, die Angebotspalette im Bereich Freizeit und Kultur für diese Zielgruppe auszubauen. In diesem Zusammenhang wird eine Entwicklung der Einkaufszentren, die z.T. erhebliche Leerstände aufweisen, zu Kiezzentren mit sozialen und kulturellen Freizeitangeboten vom QM-Team angestrebt:

Evaluation_Quartiersmanagement

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empirica

Erschließen von Raumpotenzialen für kommerzielle und kulturelle Angebote mit Mitteln aus den Förderprogrammen EFRE, ESF und Soziale Stadt,
-

Nutzung eines leerstehenden Gewerberaums im Einkaufszentrum „Zu den Eichen“ zur Ausstellung von Spielplatzmodellen und einer Bildergalerie

-

Internetcafé Umnutzung brachgefallener Schulsporthallen, Umnutzung eines mobilen Unterrichtsgebäudes in eine Kinder- und Jugendfreizeitstätte, Umnutzung ehemaliger Kitas für soziokulturelle Angebote.

15.4

Beurteilung der Ziele und des Verfahrens Probleme des Quartiers sind der Bevölkerungsverlust und dadurch bedingte

Zentrale

Wohnungsleerstände (ca. 15 %), brachgefallene Schulen und Kitas („vernagelte Einrichtungen“), die das Wohnumfeld im Stadtteil weiter abwerten und somit zum Fortzug von Haushalten beitragen, das Defizit an Kinder- und Jugendeinrichtungen und die fehlende Integration von Aussiedlern, deren Konzentration in bestimmten Häusern im Gebiet deutlich von den Bewohnern wahrgenommen wird. Die soziale Mischung im Stadtteil hat sich durch den Wegzug von Besserverdienenden und Familien mit Kindern bei gleichzeitigem Zuzug von sozial bzw. materiell Benachteiligten deutlich verringert. Vor dem Hintergrund der spezifischen Problematik des Stadtteils werden die Ziele des QM, die schwerpunktmäßig auf eine Stabilisierung der Bevölkerungsstruktur ausgerichtet sind, der Ausgangssituation gerecht.

Evaluation_Quartiersmanagement

- 138 -

empirica

16.

Reinickendorfer-/ Pankstraße

16.1

Ausgangssituation im QM-Gebiet

16.1.1 Abgrenzung Abbildung 16: Abgrenzung des QM-Gebietes Reinickendorfer-/Pankstraße

Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

empirica

16.1.2 Zentrale Stärken und Schwächen Das Quartiersmanagementgebiet Reinickendorfer Straße/Pankstraße wurde erst ab Beginn des Jahres 2002 eingerichtet. Das 55 ha große Gebiet liegt im Bezirk Mitte (Ortsteil Wedding) westlich des Humboldthains. Das Gebiet ist durch mehrere, zum Teil stark befahrene Verkehrsachsen durchschnitten bzw. begrenzt; weitere prägende Strukturelemente sind die Panke sowie die öffentlichen Plätze/Räume Leopaldplatz und Nettelbeckplatz. Die Baustruktur im Quartier ist sehr heterogen. Während man im östlichen Teil des Gebietes neben den überkommenen Altbaustrukturen unterschiedlicher Bautypologien gestreute Wohnlagen im sozialen Wohnungsbau findet, ist der westliche Teil ein kompakter Gründerzeitlicher Altbaubereich.

Evaluation_Quartiersmanagement

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empirica

Das Gebiet ist insgesamt sehr dicht bebaut und bietet in weiten Bereiche auch im Vergleich zu anderen innerstädtischen Altbauquartieren eine einfache Wohnqualität. Die Arbeitslosigkeit ist hoch und viele der Einwohner sind auf Sozialhilfe angewiesen. Hinzu kommt eine ausgeprägte soziale Entmischung, da viele Bewohner mit besserem Einkommen fortziehen. Von den ca. 14.300 Menschen, die in dem Quartier leben, sind ca. 6.000 (42 %) ausländischer Nationalität. Die Schwächen des QM-Gebietes sind v.a. die hohe Verschmutzung und Verwahrlosung des öffentlichen Raumes und der Spielplätze. Insbesondere Alkoholiker oder Schlägereien verursachen Unsicherheitsgefühle bei Erwachsenen, Kindern und Senioren. Insgesamt ist der Drogenkonsum auf Spielplätzen für Kinder ein ernstzunehmendes Problem. So empfinden Kinder auf den Spielplätzen in der Maxstraße und am Max-Josef-Metzger-Platz Hundekot und Dreck als unangenehm. Das Gebiet ist unterversorgt mit speziellen Angeboten für Jugendliche, insbesondere für Mädchen. Die Potentiale des Gebietes liegen neben seiner zentralen Lage und er sehr guten Verkehrsanbindung vor allem in den kurzen Wegen und den vielerorts noch erhaltenen Nachbarschaftsnetzen. Zudem gibt es im Gebiet eine Reihen von Inititaiven, die sich aktiv für die Probleme der Bevölkerung einsetzen. Die bestehenden Kommunikationsprobleme sollen durch die Förderung besserer

Nachbarschaftsbeziehungen gelöst werden. Die Erhaltung und Pflege der vorhandenen Grünflächen und Spielplätze soll zu einer Verbesserung der Aufenthaltsqualität beitragen. Für die Anwohner wurden neue Kommunikationsräume geschaffen und durch Bildungseinrichtungen und soziale Träger sollen Jugendliche und Erwachsene langfristig eine Perspektive erhalten.

16.1.3 Charakteristik
Gebietstyp Stadträumliche Situation/Baustruktur Typ A: Einfache, Altbau-dominierte Quartiere in der westlichen Innenstadt, 15.300 EW – Sehr einfaches Wohngebiet mit gründerzeitlicher Bausubstanz und eingestreut mit Wohngebäuden der 60/70er Jahre im ehemaligen Bezirk Wedding. – Gute Anbindung an den ÖPNV, angrenzend an das QM-Gebiet sind die UBahnhöfe Leopoldplatz, Nauener Platz und Wedding sowie die S-Bahnhöfe Humboldthain und Wedding. – Starke innere Gliederung u.a. durch zwei S-Bahn-Schneisen und frequentierte Straßen. – wenig Grün- und Freiflächen entlang der Panke und am Leopoldplatz, starke Verschmutzung der Spielplätze und Grünanlagen – Wohngebäude im gestreuten Privatbesitz – Einfache Wohnlage – QM-Gebiet mit dem drittgrößten Anteil von Ausländern (40%), der Ausländeranteil ist um 8 Prozentpunkte höher als im Wedding. Der Ausländeranteil bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren ist höher: 47%. – 50% der Ausländer ist türkischer Nationalität, das entspricht 1/ 5 der Bewohner
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Wohnungsmarkt Bewohnerstruktur

Evaluation_Quartiersmanagement

Beschäftigung/ Qualifizierung Wirtschaftsförderung/ Stadtteilökonomie Schule und Bildung

– – – –

Die Arbeitslosenquote liegt bei ca. 22%. Jugend- und Langzeitarbeitslosigkeit sind annähernd wie im Wedding (14% und 36%). Hoher Anteil ausländischer Gewerbetreibender (v.a. Familienbetriebe) mit Angeboten im unteren Preissegment. Fünf Grundschulen, drei Oberschulen, zwei Sonder- bzw. Sprachheilschulen, eine VHS im QM-Gebiet 75% der Schüler sind nichtdeutscher Herkunftssprache Sieben städtische Kindertagesstätten und elf freie Träger im Gebiet Vielzahl von sozialengagierten Initiativen und sozialen Einrichtungen für verschiedene Zielgruppen im Gebiet: u.a. Schülerläden, Frauenladen, Jugendfreizeiteinrichtungen „Haus der Jugend“, Kinder und Jugendbüro, Mädchenladen, Jerusalemer Jugendbibliothek, Frauensuchthilfe, AWO Frauenladen, Paula e.V. im Bereich Jobvermittlung und Ausbildung, Tagesstätte für Alkoholkranke Drogen- und Alkoholprobleme bei Erwachsenen und Jugendlichen Gute Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs im Gebiet, die Einzelhandelsangebote sind einfach und gering diversifiziert. Weiterreichende Angebote und öffentliche Dienstleistungen konzentrieren sich im nahen Zentrum Müllerstraße (u.a. Kaufhaus, Rathaus Wedding)

Gesundheit, sonstige soziale und kulturelle Infrastruktur

– –

–

Alltagsversorgung

–

Quelle: empirica, eigene Zusammenstellung

16.2

Struktur des QM-Teams

Mit dem QM wurde der treuhänderische Sanierungsträger L.I.S.T. GmbH Anfang des Jahres 2002 beauftragt. Das QM-Team setzt sich aus fünf Mitarbeiterinnen zusammen, die unterschiedliche berufliche Ausbildungen haben: Sozialwissenschaftlerin, Bauingenieurin, Juristin, Architektin. Aufgrund der vielen im Quartier befindlichen Schulen wird der Bereich Schule zwischen vier Mitarbeiterinnen aufgeteilt. Eine Mitarbeiterin türkischer Herkunft beschäftigt sich mit der interkulturellen Kommunikation und der Integration ausländischer Bewohner. Eine Mitarbeiterin war ausschließlich für den Quartiersfonds zuständig. Die anderen drei Quartiersmanagerinnen haben ihren inhaltlichen Schwerpunkt in folgenden Bereichen: Aktionsfonds, Wohnumfeldmaßnahmen und Projektmanagement Gesundheit und Kultur, Bürgerbeteiligung, Öffentlichkeitsarbeit Gewerbe, Beschäftigung, Kiezzeitung und Internetportal. QM-Steuerungsrunden finden 14-tägig im Vor-Ort-Büro statt. An den Abstimmungsrunden nehmen das QM-Team, die beiden Bezirkskoordinatorinnen und der Regionale Sachbearbeiter von SenStadt teil.

Evaluation_Quartiersmanagement

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empirica

16.3

Einbindung der Bewohner

Das QM-Team hat im Frühjahr 2002 eine aktivierende Bewohnerbefragung im Quartier durchgeführt. Insgesamt wurden 668 Bewohner, darunter Kinder und Jugendliche zu ihrer Lebenssituation im Quartier befragt. Die aktivierende Befragung stellte die Grundlage der Erarbeitung des Strategischen Handlungskonzeptes dar. Im Rahmen des Quartiersfonds werden Bewohner 2002 und 2003 in der Quartiersfondsjury beteiligt. Die Bewohner werden darüber hinaus regelmäßig durch folgende Beteiligungsund

Aktivierungstechniken in die Quartiersentwicklung eingebunden: Bewohnerversammlungen Informationsveranstaltungen und zielgruppenspezifische Veranstaltungen Arbeitskreise (Kiez AG’s) Aktionsfonds Zielgruppenspezifische Beteiligungsprojekte (Umgestaltung des Utrechter Platzes gemeinsamt mit Kiezgruppe) Aktivierung von Multiplikatoren Informelle Gespräche (Straßenstände des QM) Haus-, Hof- und Straßenfeste. Vereinzelt werden Gebietsbegehungen und beteiligungsorientierte Projekte (z.B. Gestaltung des Pankegrünzugs) durchgeführt.

16.4

Ziele und Handlungskonzept

Das Strategische Handlungskonzept wurde im August 2002 vom QM-Team schriftlich erstellt. Die Ergebnisse der Bewohnerbefragung sind in das Handlungskonzept eingegangen. Ein formelles Verfahren zur Beteiligung der Bewohner an der Erstellung des Handlungskonzeptes gab es nicht. Die Fortschreibung des Handlungskonzeptes im Jahr 2003 soll auf einer Bürgerversammlung erörtert werden. Über die bezirkliche Steuerungsrunde wurden die Fachämter (Umlaufverfahren und direkter Kontakt) an der Erstellung des Handlungskonzeptes beteiligt. Das Handlungskonzept wurde mit den Bezirkskoordinatorinnen abgestimmt. Die Hauptschwerpunkte des Handlungskonzeptes liegen im ersten Programmjahr 2002 in der Wohnumfeldverbesserung und dem Handlungsfeld Schule und Bildung. Obwohl angesichts der
Evaluation_Quartiersmanagement - 142 empirica

heterogenen Struktur des Gebietes in den einzelnen Teilbereichen spezifische Schwerpunkte gesetzt werden, ist die Aufwertung des Wohnumfeldes in Anlehnung an die Bewohnerbefragung in allen Teilbereichen des Gebietes zentral für das QM. Drei Projekte werden vom QM-Team im Handlungsfeld Wohnen, Wohnumfeld und Umwelt hervorgehoben: Kiezläufer (Berlin macht mit e.V.), die tägliche Rundgänge im Quartier machen und eng mit der BSR und dem Straßen und Grünflächenamt zusammenarbeiten Einrichtung einer Pflege-ABM (8 Teilnehmer) zur Verbesserung der Unterhaltung vorhandener Spielplätze und Grünanlagen (Bildungsmarkt e.V.). Umgestaltung des Panke-Grünzuges: in der Grünverbindung entlang der Panke wird die bisherige Lücke an der Ringbahn geschlossen und eine attraktive durchgängige Grünanlage geschaffen. Sowohl in der Planung als auch in der Bauausführung wird dieses Projekt in dt.-franz. Kooperation durchgeführt Die im QM-Gebiet liegenden Schulen sind zentrale Akteure für das QM-Team. Insbesondere in den Programmjahren 2002 und 2003 wird das Handlungsfeld Bildung und Schule schwerpunktmäßig vom QM bearbeitet. Zur Förderung der Kooperation mit den Schulen und der Vernetzung der Schulen untereinander werden regelmäßige „Vernetzungstreffen“ vom QM organisiert. Zur Verbesserung der Schulprofile, der Schulfreiflächen und Sportangebote werden bauliche und gestalterische Maßnahmen geplant und umgesetzt (WUM). Neben den genannten Hauptschwerpunkten sind „Öffentlichkeitsarbeit und Imageverbesserung“ und „Bewohneraktivierung“ zentrale Handlungsfelder des QM. Öffentlichkeitsarbeit wird vom QM-Team insbesondere in der Phase des Programmbeginns als wesentlich erachtet, um das QM im Quartier bekannt zu machen und sich als Institution im QM-Gebiet zu etablieren. Zentrales Projekt ist in diesem Handlungsfeld die Entwicklung und Herausgabe einer Stadtteilzeitung (WUM). Bewohneraktivierung wird vom QM-Team als wichtige Querschnittsaufgabe gesehen. Wichtiges Projekt zur Aktivierung der Bewohnerschaft ist die aktivierende Befragung (WUM) im Frühjahr 2002. Die Aktivierung der ausländischen Bevölkerungsgruppen hat Priorität; in diesem Zusammenhang wird die Zusammenarbeit u.a. mit Moscheen-Vereinen im Gebiet angestrebt.

Evaluation_Quartiersmanagement

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17.

Reuterplatz

17.1

Ausgangssituation im QM-Gebiet

17.1.1 Abgrenzung Abbildung 17: Abgrenzung des QM-Gebietes Reuterplatz

Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

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17.1.2 Zentrale Stärken und Schwächen Das Quartiersmanagementgebiet Reuterplatz wurde im Jahr 2001 neu eingerichtet und liegt im Bezirk Neukölln. Es wird begrenzt durch den Kottbusser Damm im Westen, das Maybachufer am Landwehrkanal im Norden, die Weichselstraße im Osten und die Sonnenallee im Süden. Das Gebiet ist durch dichte Bebauung und wenig Grünflächen gekennzeichnet; es dominiert gründerzeitliche Altbaubebauung. Das Quartier ist ein typisches Gründerzeit-Wohngebiet mit hohen Baudichten (Vorderhaus und Hofbebauungen), vielen kleinen und mittelgroßen Wohnungen, wenig repräsentativen Straßenräumen und vor allem in den (verbreitet anzutreffenden) Erdgeschosswohnungen schlechten Lichtverhältnissen. Im Quartier zunehmend sichtbar sind die Verschmutzung und Verwahrlosung
Evaluation_Quartiersmanagement - 144 empirica

(Müll, Graffiti) des öffentlichen Raums. Das Quartier ist mit Spielplätzen, Grün- und Freiflächen unterversorgt, dementsprechend mangelt es an Angeboten für Kinder und Jugendliche. Andererseits bietet das Quartier die Vorteile einer dichten gründerzeitlichen Bebauung, zum Beispiel kurze Wege sowie ein im Quartier noch funktionierendes enges Nebeneinander von Wohnen, Handel und vereinzeltem Gewerbe. In dem Gebiet ist diese typische Mischung verschiedener Funktionen imk Vergleich zu anderen QM-Gebietn noch funktionsfähig, auch hier verlassen jedoch zunehmend Gewerbetreibende und Händler das Gebiet, ohne das sich entsprechende Nachnutzungen finden. Teile des Gebietes sind Sanierungsgebiet. Ursprünglich aufgrund über lange Jahre geringer Investitionen in den Baubestand ein Gebiet mit insgesamt hohem Modernisierungs- und Instandsetzungsbedarf, ist der Zustand der Häuser und Wohnungen heute sehr heterogen. In den letzten Jahren sind im Zuge der zunehmenden Wahlfreiheit auf dem Wohnungsmarkt und der Veränderungen auf dem Berliner Arbeitsmarkt vermehrt besser verdienende Haushalte aus dem Gebiet abgewandert, so dass sich Haushalte mit wenig Freiheit auf dem Wohnungsmarkt im Gebiet konzentrieren. Der Anteil an Arbeitslosen beträgt derzeit 16,4%. Der Ausländeranteil liegt über 31 % (ca. 6.200 Menschen) (Angaben Stand 2001). Im nordwestlichen Teil des Gebietes ist die Sozialstruktur gemischter (Studentenhaushalte) als im südlichen Teilbereich an der Sonnenallee und am Hermannplatz. Die Nähe zu Kreuzberg, die gute ÖPNV-Anbindung (U-Bahn Hermannplatz und Schönleinstraße), die Uferlagen am Landwehrkanal und günstigen Mieten in gründerzeitlichen Altbauten stellen Potentiale dar, das Quartier als Wohngebiet für junge Bevölkerungsgruppen aufzuwerten.

17.1.3 Charakteristik
Gebietstyp Stadträumliche Situation/Baustruktur Typ A: Einfache, Altbau-dominierte Quartiere in der westlichen Innenstadt, 19.500 EW – Hochverdichtetes gründerzeitliches Wohngebiet im Norden Neuköllns, gute Anbindung an das öffentliche Nahverkehrssystem. – Geringe Qualität des öffentlichen Raums, z.T. geringe Investitionen in die Bausubstanz und den öffentlichen Raum in der Vergangenheit, Unterausstattung mit Grün- und Freiflächen – Potentiale durch Uferlage und Reuterplatz in Teilbereichen – Überwiegend einfache Wohnlage mit vergleichsweise niedrigem Mietniveau – Wohngebäude im gestreuten Privatbesitz – Der Ausländeranteil ist deutlich höher als der Neuköllner Durchschnitt (32% gegenüber 21%). – 54% der Bewohner sind zwischen 25 und 55 Jahre – Die Arbeitslosenquote liegt bei ca. 22%
– –

Wohnungsmarkt Bewohnerstruktur

Beschäftigung/ Qualifizierung Schule und Bildung

Eine Grundschule, eine Hauptschule und eine Realschule im QM-Gebiet In den Vorklassen der Franz-Schubert-Grundschule betrug der Anteil von
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Evaluation_Quartiersmanagement

Kindern nichtdeutscher Herkunftssprache im September 2002 94,1 %, in den Klassen 1-6 68,7 %. Gesundheit, sonstige soziale und kulturelle Infrastruktur
– – – – – – –

Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung „Manege“, Mädchenstadtteilladen Kiosk Reuterplatz Kobald-Theater Theater im Keller „Wandel“-Theaterschule Freie Träger im Quartier: Outreach e.V., Fusion e.V. Kiez AG (Zusammenschluss von Vertretern Jugendeinrichtungen) der Kinderund

Alltagsversorgung

– –

Zahlreiche Eltern-Initiativ-Kitas; Dennoch werden Defizite bei der Infrastruktur-Ausstattung insbesondere für Kinder und Jugendliche konstatiert. Weitere Kitas waren ursprünglich geplant, sind aber nicht in Betrieb genommen worden. Dabei nimmt im Altstadtbereich von Neukölln (auch im Reuterkiez) die Anzahl der Kinder nach Angaben des bezirklichen Kinder- und Jugendberichtes in den nächsten Jahren noch zu. Im Gebiet existieren noch Einzelhandels- und Dienstleistungseinrichtungen, meist mit einfachen Angeboten. Weiterreichende Angebote gibt es in den Zentren Hermannplatz und entlang des Kottbusser Damms und der Sonnenallee, die an das QM-Gebiet im Norden bzw. Süden angrenzen.

Quelle: empirica, eigene Zusammenstellung

17.2

Struktur des QM-Teams

Mit dem QM im Reuterkiez wurde im März 2002 der Humanistische Verband Deutschland beauftragt. Das QM-Team setzte sich aus fünf Mitarbeitern, die sich drei Vollzeitstellen teilen, zusammen. Eine Mitarbeiterin (Stadtplanerin) war inhaltlich schwerpunktmäßig mit dem Aufgabenbereich öffentlicher Raum und technische und soziale Infrastruktur befasst. Seit Februar 2003 ist die BSG Brandenburgische Stadterneuerungsgesellschaft mbH, die seit mehreren Jahren auch Träger des Quartiersmanagements Schillerpromenade ist, mit der QM arbeit betraut. Das Team besteht im Kern aus zwei Mitarbeiterinnen, von denen eine seit neuneinhalb Jahren im Vorortbüro Schillerpromenade gearbeitet hat. Schwerpunkte ihrer Arbeit waren dort die Durchführung vorbereitender Untersuchungen zur Sanierung, Vorbereitung und Umsetzung der Erhaltungssatzung zum Milieuschutz, Fördermittelberatung und in den letzten Jahren die Umsetzung des Quartiersmanagements. Die zweite Mitarbeiterin hat viereinhalb Jahre im Sanierungsgebiet Wederstraße in Neukölln gearbeitet. Dort hat sie Erfahrungen in der Eigentümerberatung, der Beratung von Gewerbetreibenden und im Aufbau sozialer Infrastruktureinrichtungen gesammelt. Als Anwohnerin des Reuter-Kiezes möchte sie sich nun vermehrt im eigenen Kiez engagieren.

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17.3

Einbindung der Bewohner

Einmal monatlich finden informelle Treffen engagierter Bürger zusammen mit dem QM-Team statt. Das alte QM-Team (HVD) traf regelmäßig mit einzelnen Personen zusammen und führte informelle Bewohnergespräche (Stand Ende 2002). Vereinzelt wurden Arbeitskreise, Planungswerkstätten und Stadtteilfeste als Instrumente zur Aktivierung und Beteiligung der Bewohner vom QM-Team eingesetzt. Mit Ausnahme der individuellen Arbeit erreichten die angewendeten Aktivierung- und Beteiligungstechniken nach Einschätzung des (alten) QM-Teams eine gute Resonanz bei den Bewohnern. Das neue Team verfolgt in diesen Bereichen ähnliche Ansätze, wobei das große Kontingent an Beteiligungswilligen Bürgern hervorgehoben wird. Das Quartiersbüro ist zentrale Anlaufstelle für die Bewohner im Quartier. Überwiegend wird das VorOrt-Büro von deutschen Bewohnern aufgesucht. Der stärkeren Einbindung der ausländischen Bewohner in den Entwicklungsprozess gilt demzufolge wie in fast allen innerstädtischen QMGebieten im Westteil der Stadt stellt ein besonderes Augenmerk.

17.4

Ziele und Handlungskonzept

Im Handlungskonzept des ehemaligen Trägers des QM sind folgende Handlungsfelder als zentral beschreiben: Bewohneraktivierung Lokales Gewerbe Wohnen, Wohngebäude und Öffentlicher Raum Beschäftigung und Qualifizierung Verkehr Soziale Infrastruktur. Zentrales Ziel zur Stärkung der lokalen Wirtschaft war dabei die Wiederbelebung der leerstehenden Ladenflächen. Eine enge Zusammenarbeit mit der bezirklichen Wirtschaftsförderung, Hauseigentümern und Gewerbetreibenden wurde vom QM-Team angestrebt. Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung des öffentlichen Raums sollten sich räumlich auf den südöstlichen Bereich des Quartiers konzentrieren, da in diesem Teilraum die Aufenthaltsqualität in besonderem Maße abgewertet ist.

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Zentrale Zielgruppe von Maßnahmen im Bereich Beschäftigung und Qualifizierung waren männliche Jugendliche, weil diese Bewohnergruppe insbesondere von Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit betroffen ist. Aufgrund der hohen Frequentierung der Straßen, der unsicheren Schulwege für Kinder, des schlechten Zustandes der Gehwege und der fehlenden Radwege im Wohngebiet wurden Handlungsbedarfe zur Verbesserung der Verkehrssituation vom QM-Team formuliert. Ziel war die Erhöhung der Attraktivität des Gebietes für Fußgänger und Fahrradfahrer (u.a. sichere Übergänge, Fahrradwege). Zentraler Akteur im Handlungsfeld soziale Infrastruktur sind die Schulen im Quartier. In Kooperation mit den Schulen und Eltern war es Ziel des QM, dem Wegzug von deutschen Familien und der steigenden sozialen Entmischung im Quartier entgegenzuwirken. Zentrales Ziel war die Öffnung und Entwicklung der Quartiersschulen zu zentralen Bildungs- und Kommunikationsorten im Quartier. In den Strategischen Zielen „Mehr Fort- und Weiterbildung“ und „Besseres Gesundheitsniveau“ sind waren noch keine Projekte geplant. (Stand Ende 2002) Das neue QM-Team setzt die Arbeit inhaltlich fort und verfolgt die zentralen Ziele weiter. Der Schwerpunkt der Arbeit verlagert sich dabei zunehmend auf den Bereich Bildung und Integration. Auch die Bereiche „Förderung der lokalen Ökonomie“ (Erhalt der noch halbwegs intakten Mischung verschiedener Funktionen mit Vorteilen für die Bevölkerung) ist weiterhin zentrales Anliegen des QM. Maßnahmen zur Verbesserung der physischen Gestalt des Gebietes (Baumaßnahmen im öffentlichen Raum etc.) werden weiter durchgeführt, haben jedoch in der Arbeit mehr und mehr „Routine-Charakter“, zum einen weil bereits Verbesserungen erreicht wurden, zum anderen, weil diese Maßnahmen mittlerweile ohne größeren Aufwand durchgeführt werden können.

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