Path:
Volume Nr. 36, 08.09.1871

Full text : Berliner Wespen / Stettenheim, Julius (Public Domain) Ausgabe 4.1871 (Public Domain)

Berliner  W  espen

Der  Henerat  als  Halte.  ^9
Manteuffel,  ja,  das  ist  ein  Mann!
Nach  seiner  eig'nen  Erzählung
Hat  er  mit  unsrer  Armee  nunmehr
Gefeiert  seine  Vermählung.
Armee,  beklagenswerthe  Frau,
Du  hast  einen  Mann  bekommen,
Uno  wurdest  nicht  mal  von  ihm  gefragt,
Ob  Du  ihn  gerne  genommen.
Armee,  beklagenswerthe  Frau,
Es  muß  Dich  nicht  wenig  fuchsen:
Du  hast  einen  Mann,  der  kommandirt,
Und  Du,  Du  darfst  nicht  mucksen!
Ja,  solch  einen  Gatten  fandest  Du,
Gewaltigste  der  Frauen,
Die  Du  im  vorigen  Jahre  noch
So  viele  Männer  gehauen!
c&Q)  Aus  der  KierbanK-Perspektive.
Zehnter  Brief.
A  Monsieur  Ci-devant  a  Chislehurst.
Avec  beaucoup  de  plaisir  je  saisis  Ja  plume,  pour  vous  ecrire.
Voici  ma  main,  je  ne  veux  pas  §tre  ainsi  et  je  ferme  un  oeil.  Nous
ne  pouvone  donc  pas  toujours  nous  ötre  couchds  dans  les  cheveux,
dit  nouvellcmcnt  la  tadle  de  tronc,  lorsqu’elle  entendit  que  votre  blasen ­
  4  l’hötel  Benedetti  sur  la  place  parisienne  n’a  pas  ete  abattu,
mais  seulement  couvert  d’un  zinc-manteau.  Vous  direz:
„A  quoi  me  sert  le  zinc-manteau  s’il  n'est  pas  rould?“  Mais  sang
tranquille,  Antoine!  Vient  temps,  vient  conseil!  Avec  le  temps  on
raccommode  des  pantalons!  Avec  patience  et  crachat  on  prend  un
moucheron!  Qui  va  dans  un  fiacre  Herlinois  vient  aussi  au  but!
Louis,  vous  ötes  le  vdritable  Jacques  pour  la  grande  nation!
Depuis  que  le  petit  Thiers  est  par-dessus,  nous  voyons  bien  que  c’est
du  vinaigre  avec  lui.  C’est  pourquoi  nous  avons  pendu  sur  votre
blasen  un  zinc-manteau  apres  le  vent,  car  on  ne  peut  savoir,  Comment ­
  liövre  court.
Au  septembre  1870  nous  avons  chantö  d’apres  la  mdlodie  de  la
garde  au  Rhin:
„N’ayant  pas  pu,  pas  pu  mourir
A  la  töte  de  mon  armee,
Je  mets  mon  dpde
Aux  pieds  de  votre  Majestd!“
Dann  gehen  Sie  nach  Wilhelmshöh’
Und  grüßen  Sie  Eugenid!
Mais  maintenant  nous  cfaaotons  la  manteau-chanson,  avec  laquelle
je  suis
votre
IMouquenleh,  terre-orage.
P.  8.  Quaud  vous  verrez  Faidherbe,  faites  mes  compliments
ä  Goeben.
Le  en  haut.
Neuestes
Große  Freude  ruft  die  Nachricht  hervor,  daß  nach  Zahlung  der  dritten
halben  Milliarde  nicht  blos  das  Departement  der  Seine,  sondern  auch  das
der  Pauke  deutscherseits  vollständig  geräumt  werden  soll.
ES  werden  dadurch  wieder  bedeutende  Geruchskräfte  für  edlere  Zwecke
verfügbar.
Die  Frage  „Wann  hat  Heinrich  Heine  seine  Grenadiere  gedichtet?"  findet ­
  sich  in  dem  Leitartikel  der  „Wertheimer  Zeitung"  vom  2.  Septeinber  d.  I.
kurz  und  büudig  also  erledigt:
„Besiegt  und  zerschlagen  daS  große  (!)  Heer  —
Der  Kaiser,  der  Kaiser  gefangen.
So  sang  Heine  am  2.  September  1870."
Heinrich  Heine  muß  diesen  Leitartikel  geahnt  haben,  als  er  sang:
„In  diesem  uralten  Naturkreislauf
Wird  ewig  die  Welt  sich  drehen,
Und  ewig  unwandelbar,  wie  die  Natur,
Wird  auch  der  Esel  besteheu."

^6^  Das  ßl'end  in  Aertin.  r ^T°
Nach  den  Berliner  Correspondenzen  in  der  Pariser  Vdrite.
Von  dem  in  Berlin  herrschenden  Elend  kann  man  sich  keinen  Begriff
machen,  wenn  man  nicht,  wie  ich,  Correspondent  der  Vdrite  ist.
Der  Bettel  wird  ganz  offen  betrieben.  Sämmtliche  Mitglieder  des  Vereins ­
  gegen  Verarmung  und  Bettelei  haben  ihren  Austritt  aus  dem  Verein
angezeigt,  weil  er  nichts  mehr  nützen  kann.  Man  steht  ganze  Reihen  von  Equipagen ­
  vor  eleganten  Häusern  halten,  —  es  sind  Bettler,  welche  in  das  HauS
gingen,  um  ein  Stückchen  Brod  zu  erbitten.  „Weshalb,"  wird  man  fiagen,
„verkaufen  diese  Schnorrer  ihre  Equipagen  nicht?"  Wer,  antworte  ich,  soll
sie  kaufen,  da  Berlin  jetzt  an  den  Rand  des  Bettelstabs  gebracht  ist?
Ganz  natürlich!  Alles  baare  Geld  ist  für  den  Krieg  ausgegeben,  ms
die  großen  Cassenscheine,  mit  welchen  Frankreich  die  Contribution  bezahlt,
können  nicht  gewechselt  werden.
So  hat  denn  Niemand  Geld.  Ein  einst  ganz  wohlhabender  Bürger  hat
mir  mitgetheilt,  daß  ein  einziger  seiner  Nachbarn,  der  ihn  täglich  mit  den
bekannten  Worten  „Das  nächste  Mal  doppelt!"  abfertigte,  ihm  solchergestalt
2000  Thaler  schuldig  geworden  ist,  nachdem  er  das  erste  Mal  einen  einzige«
Thaler  verlangt  und  nicht  erhalten  hatte.  „Es  läppert  sich  zusammen!"  sagte
er  traurig.
Am  schrecklichsten  ist  das  Elend  unter  den  Soldaten.  Sie  gehen  von
Haus  zu  Haus  und  bitten  um  einen  Kreuzer,  um  einige  Centimes,  um  ein
Paar  Bajocchi.  Aber  ach,  was  kann  der  sonst  so  Wohlhabende  geben?  Mit
Dunkelwerden  bettelt  er  selber!
Verschämte  frühere  Bankiers  sieht  man  in  den  Restaurationen,  in  welchen
sie  früher  schwelgten,  einzelne  Thaler  gegen  eine  kleine  Vergütung  herumzeigen, ­
  und  mit  Bestimmtheit  wird  versichert,  daß  der  Mann,  welcher  neulich
in  dem  Ballet  „Fantaska"  nicht  mehr  fiir  fünf  Silbergroschen  in  dem  Drachen
stecken,  sondern  zehn  haben  wollte,  Niemand  anders  war  als  der  frühere  Finanzminister. ­

Neulich  gab  Bleichröder,  jener  Nabob  also,  der  einst  nach  Versailles
berufen  wurde,  einen  Ball.  AIs  sich  die  Gäste  entfernten,  stand  ein  maskirter
  Diener  an  der  Thür  und  nahm  die  Trinkgelder  in  Empfang.  Es  war
Bleichröder  selbst!
Brauche  ich  noch  mehr  zu  sagen?  Hier  sehen  wir  einmal  das  traurige
Schicksal  einer  Stadt,  deren  Bewohner  während  eines  ganzen  Jahres  faullenzten, ­
  um  nur  zu  illuminiren,  Siegesbowlen  zu  trinken,  zu  flaggen,  die
Wacht  am  Rhein  zu  singen  und  auf  das  Denkmal  des  alten  Fritz  zu  klettern!
3  Lulenburg's  rektistcirte  Sonntagsheiligung.  -3
„Was  geht's  nur  dem  Eulenburg  so  nah,
Womit  wir  am  Sonntag  sünd'gen?
Dazu  ist  doch  Freund  Mähler  da,
Uns  so  ein  Gesetz  zu  verkünd’gen!"
Du  irrst.  Ich  fand  es  recht  würdevoll,
Daß  Jener  das  Wort  genommen:
'  Die  echte  Sonntagsfeier  soll
Doch  stets  aus  dem  Innern  kommen!

Qjz?  Soyons  amis!

Kleine  Geschenke  erhalten  die  Freundschaft!
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.