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Centralblatt der Bauverwaltung.
29. Decentar 1888.
benannten Zahlen rechnen. Zu der hier vorgeschlageneu bequemeren
Schreibweise ist inan z. B. in der Zinsrechnung schon gelangt: 5Pro-5
cent schreibt man in Rechnungsansätzen warum also nicht 5 kg
kff
pro qcm = 5—Der Einwurf, die Bezeichnung at (Atmosphäre)
für „kg pro qcin“ sei besser, wird dadurch entkräftet, dafs dieselbe
für Rechnungen (vergl. oben) weniger bequem und aufserdem unrichtig
ist (1 at ist nicht = 1 kg f. d. qcm, sondern = 1,0336 kg f. cl, qcm).
Schiller, K. R.-Bfhr.
Der Vorschlag, welcher hier unsern Lesern gemacht wird, ist auch
von anderen Seiten bereits an uns gerichtet worden. Trotz der offenliegenden
Gründe, welche zu Gunsten der befürworteten — übrigens
keineswegs neuen — llezeichnungsweise sprechen, haben wir geglaubt,
eine unvermittelte Aenderung des Gebrauches vermeiden und das
etwaige Vorgehen in dieser Richtung unseren Mitarbeitern überlassen
zu sollen, da wir die Befürchtung hegen dafs die ausschliefsliche
Anwendung der neuen Schreibweise einem grofsen Thoile unserer
Leser, welcher den mathematischen Wissenschaften minder nahe steht,
fremdartig berühren und manchem vielleicht das Verstündni fs der
betreffenden Zahlenangabeu erschweren würde. Nebenbei bemerkt,
stehen der Neuerung auch einige andere — wenngleich untergeordnete
— Bedenken entgegen. Erstens läfst es der Vorschlag unentschieden,
wie das Geschriebene gelesen und gesprochen werden
soll. Zweitens fehlt der neuen Schreibweise die für den Druck wünsehenswerthe
Einzeiligkeit; sie erfordert daher eine bei häufigem Vorkommen
im fortlaufenden Satze unschöne Unterbrechung des regelmäfsigen
Zeilenabstandes, w r ie die obigen Beispiele zeigen, oder die
Verwendung kleinerer und deshalb weniger gut lesbarer Lettern,
z. B. $ = 700 falls man nicht etwa den weniger gebräuchlichen
schrägen Bruchstrich auwenden und a = 7(JO kg/qem oder 700 äsr/,,,.,,,
schreiben will. D. Red.
Nonienartige Ablesung auf dem liechenstabe. Bekanntlich
sind die Logarithmen der Zahlen als Längen auf dom Rechenstabe
aufgetragen. Es haben demgemäß bei derselben Schieberstcllung
sämtliche Zahlenabständc, welche auf Schieber und Lineal
mit gleicher Länge nebeneinander liegen, das gleiche Zahlcnverhäitnifs,
nämlich dasjenige von 1 zu der neben der 1 des Schiebers
befindlichen Zahl des Lineals. Befindet sich das linke Schieberende
z. B. neben der 1,25 des Lineals, so besteht «las Verhältnifs von
10:12,5; es haben also auch die nebeneinander liegenden gleichen
Längen z. B. von 4 bis 5 anf dem Schieber und von 5 bis 5.25 auf
dem Lineale das Zahlcnvcrhültnifs von 10:12,5. Mit Hülfe dieses
Umstandes lassen sich zwei weitere Stellen eines Rechnungsevgebnisses
ermitteln. Es sei z. B. die Multiplication 141.37 auszuführen.
Man stelle das auf dem Lineale abzulescnde Ergebnifs zunächst mit
dem Läufer fest, ziehe alsdann den Schieber soweit nach links aus,
bis die Länge auf dem Lineale von 510 (nicht 520) bis zur Läuferinarke
durch die Länge eines ganzen gleichartigen Scbieberzahlcnabstandes
gedeckt wird. Die Länge von 435 bis 445 auf dem Schieber
(welche indessen nicht abgclcscn zu worden braucht ) ist die gesuchte.
Tn dieser Schieberstellung, in welcher also die 435 bezw. 445 des
Schiebers mit der 510 des Lineals bezw. mit der Läufermarke zusammenfällt,
liefert das linke Schieberende die dritte und vierte Ziffer
nämlich 17, sodafs sich als Ergebnifs der .Rechnung die,
Zahl 5217 ergiebt. Ist die erste Zahl eines Rechnungsergebnisses
eine 1, so erhält inan eine fiinfziffrige Zahl.
Es sei noch bemerkt, dafs zum genauen Ablesen oder
Einstellen einer Zahl mit«dem Läufer eine genaue Marke
an letzterem erforderlich ist. Zu dem Zweck liefert ein
quergespanntes (menschliches) Haar vortreffliche Dienste.
Ist dasselbe einmal verletzt, so läfst sich' vermittelst
die angrenzenden Theilstriche, von denen immer der rechtsliegende
durch die Zunge selbst fast ganz verdeckt wird,
ist offenbar nicht möglich. Dieser Mangel war
bei der früher gebräuchlichen schmalen Zunge
mit dreieckigem Querschnitt und aufgeris&enem
Ablesestrich, wie sie der untere Thcil der Abbildung
2 zeigt, vermieden. Noch besser würde
ohne Zweifel eine Haarmarkc den Zweck erfüllen,
vorausgesetzt, dafs sie genau winkelrecht
zur Thciluugsachse und — behufs Vermeidung
von Fehlern bei schiefem Aufblick — (Parallelachse)
— möglichst dicht über der Theilungsebene
angebracht wird. Sollte etwa das gänz-Aufgeben
der Zungen für bedenklich gehalten werden, so
auch wenigstens wUnschcnswerth, dafs seitens der Verfertiger
von Rechenstäben aufser den Zungen noch die zutn Einspannen
eines Haares erforderlichen Löcher in richtiger Lage hergestellt
würden. D. Red.
Abb. ±
liehe
wäre es
Abb. 1.
kleiner Holzpflöckchen leicht wieder ein neues Haar einspannen.
O, Seyffcrt, Reg.-Bauführer.
Obgleich wir im Hinblick auf die Theilungsfehler und die mit
unbewaffnetem Auge nur in roher Weise zu bewirkende Ablesung des
Recheustabes der Ansicht sind, dafs das vorstehend beschriebene Verfahren
einen grofsen Werth für die Anwendung nicht besitzt, haben
wir doch geglaubt, dasselbe seines bemerkenswerthen Grundgedankens
wegen unseren Lesern mittheilen zu sollen. Die in Vorschlag gebrachte
Aenderung des Läufers halten wir dagegen umsomehr für
zweckmäfsig und empfehlenswerth, als die neueren Rechenstäbe in
dieser Hinsicht geradezu einen Rückschritt aufweisen. Die Zungen
der Läufer werden nämlich mit breitem rechteckigen Querschnitt und
meifselartig zugeschärften Enden hergcstellt, wie der obere Theil der
Abbildung 2 zeigt. Ein genaues ^in«8|0tze^^«^Zungenendes zwischen
' \ * >; Schlaf« des Jahrgang« 1888*
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Biiclierschau.
Motive der deutschen Architektur des 1(L, 17. und 18. Jahrhunderts,
in historischer Anordnung hcrausgegeben von A. Lambert
und E. Stahl, mit Text von 11. E. v. Berlepsch. Erste Abtheilung.
Früh- und Hochrenaissance 1500—1(150. Stuttgart. Verlag von J. Engelborn
1888. 18 Lieferungen zu je 2,75 Jt.
Von den angekündigten Lieferungen ist zur Zeit die Hälfte erschienen,
sodafs ein Urthoil über das Werk gefällt werden darf. Der
Text soll beim Abscblnfs der ersten AbtheiUmg gegeben worden und
wird vermuthlieh nur kurze beschreibende Erläuterungen enthalten.
Die ...Motive der deutschen Architektur“ gehen zunächst eine Sammlung
der verschiedenartigsten, dem Zeitabschnitte der Renaissance in
Deutschland angehörigen Architektnrtheile. Vornehmlich dargestellt
finden sich Erker, Fenster, Pforteu, Giebel, 'Kreppen und sonstige
Einzelheiten von Gebaudegatt.ungen aller Art; aber auch ganze Architekturen,
Häuserfronten, Ilöfe n. dgl. sind vertreten, wenngleich in
geringerer Zahl. Das Mitgotheilte stammt vorwiegend aus den süddeutschen
Ländern, zumeist aus Bayern und Württemberg, doch haben
auch das Elsaß, die Schweiz und Oesterreich mannigfachen Stoff geliefert.
Weniger stark vertreten sind Mittel- und Nord deutschem d.
Der Grund dafür dürfte darin zu finden sein, dafs die Verfasser bestrebt
sind, tlranlichst Neues, noch nicht Veröffentlichtes zu bringen.
Sie haben in dieser Beziehung insofern keinen leichten Stand, als der
größte Theil der werthvolleren Baureste jener Zeit bereits, und zwar
tbeilweise mehrfach, veröffentlicht ist. Es wird sich mancher bei der
Ankündigung des Unternehmens gefragt haben, wie dessen erfolgreiche
Durchführung überhaupt möglich sei bei dem Vorhandensein von
Sammelwerken, wie A. Ortweins Deutsche Renaissance u. a., und wir
gestehen, dafs auch wir uns ähnlicher Zweifel nicht haben entsehlagen
können. Als eine Bürgschaft für den Erfolg erschien allerdings von
vornherein die Vortrefflichkeit der Darstellungen, welche die
Blätter zum unmittelbaren Studium und zur praktischen Verwerthung
ohne Zweifel brauchbarer macht, als die zum Theil leider flüchtigen
und wenig treuen Abbildungen des angezogenen Werkes. Die
Motive liefern aber von neuem den Beweis des überaus grofsen Reichthums
an Baudenkmälern aus den Zeiten der Wende des Mittelalters
und des darauf folgenden Jahrhunderts, den Deutschland und die
Nachbarländer deutschen Stammes besitzen.
Was den Werth des ausgewählten Stoffes betrifft, so wechselt.Vortreffliches
mit Minderwerthigem, weniger Vorbildlichem. Das Bessere
gehört zumeist der frischen und ursprünglichen, vorwiegend an das
deutsche Mittelalter auschliefsenden Richtung an, und cs ist zu bedauern,
dafs die weitgesteckten Zeitgrenzen des Werkes es zu verbieten
scheinen, diesen Stoff vorherrschen zu lassen vor den ausgesprochener
unter welschem Einflufs stehenden Schöpfungen, dienach
Gesainterfindung sowohl wie in ihren Einzelheiten weniger geeignet
sind, unserer eklektischen Zeit gesunde Anknüpfungspunkte zu bieten.
Wir geben gleichwohl der Hoffnung Raum, dafs in den weiteren, noch
zu erwartenden Lieferungen (die einzelnen Blätter derselben erscheinen
nicht in geschichtlicher Reihenfolge) die Auswahl des Stoffes thunlichst
in diesem Sinne erfolgt. Das Werk wird dann vielleicht dazu
beitragen, dem Modewesen Einhalt zu thun, in welches die Architektur
immer gedrängt werden wird, wenn sie ihre Vorbilder in hochentwickelten
oder schon in Verfall und Entartung befindlichen Stilrichtungen
sucht, anstatt da anzuschliefsen, wo die betreffende
Kunstepoche noch jugendlich und geeignet ist, gesunde Keime für
die Weiterentwicklung abzugeben. Hd.
Verlag von Ernst & Korn Berlin, jjir dl» Redactlon des nichtamtlichen Theiles verantwortlich: O. Sarrazin, Berlin. Drnck von J. Kerskes, Berlin.