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Berliner Illustrirte Zeitung.
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Nr. 41
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vährend der ganzen Reise bleiben. Es ist 9 Uhr. Und dann kommt
der große Moment, auf den ich ein Leben lang wartete: die Erde
zu verlassen und darüber hin zu ziehen. Volle Fahrt. Die Fenster
verden geschlossen, bis auf eine kleine Scheibe, hinter der der Luftzug
rast. Man gewöhnt sich allmählig daran, die Welt von oben
herab zu betrachten. Ich ärgere mich darüber, daß ich für die
Bilder, die ich sehe, keine neuen Vergleiche finde. Es sind wirklich
wieder „dir Häuser aus der Spielzeugschachtel“, die Flüsse wie „sil⸗
berne Bänder“, die Mensthen wie „Pünktchen“. — Ruhig segelt der
Koloß, als hätte er Boden unter sich, nur leichtes Schwanken, das
sich in dem Heben und Senken der seitlichen Motorgondeln zeigt,
gibt den Rhythmus der Fahrt. Das Ohr hat den Lärm der Pro—
veller vergessen. Einige Passagiere haben sich auf den Fukbenn
sindrücke von einer Fahrt mit dem Luftschiff „Bodensee“:
In der Halle vor der Abfahrt.
TCoit Unter den Linden vor dem Reisebüro 47 Uhr früh. Ein funkel—
nagelneues Omnibusauto rattert die kleine Gesellschaft mit den mächtigen
Koffern die schnurgerade Heerstraße hinaus nach Staaken. Dort in der Riesen—
halle schwimmt der geblähte graugelbe Leib des Luftschiffs „Bodensee“. Die
Menschen krabbeln unter seinem Bauche herum, den noch Holzgerüste stützen.
Ueber die Holztreppe steigen wir in das geheimnisvolle Innere, die Passagier—
tabine. Rote Polsterstühle längs der Fenster, gewissermaßen Elektrische erster
alasse,teppichgedämpfter Schritt, Messingstangen. Draußen“ rumoren die
Arbeiter an den Tressen und Tauen, wir werden verschoben; aber wir merken
rnicht, was mit uns vorgeht. Man rollt uns durch das weite Tor der Halle. Die
Motoren in den drei hinteren Gondeln werden angeworfen. Der Brummton
nerläßkt uns nicht mehr und soll unseres Luftwalfisches brausender Vulsschlag
Luftkranke“, die zur
„Schöne Aussicht“ — in 700 Meter Höhe über Leipzig!
Minderunag des Schwindelgefühls sich auf den Boden der Kabine geleat haben
Der Zuspäütgekommene:
„He, Sie! Das
Auf- und Ab⸗—
steigen wäh—
rend der Fahrt
It verboten!“
Zeichnungen von Willibald Krain.