Publication:
2009
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-opus-77730
Path:
1

Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung

Bildung für Berlin

Gewaltprävention an Berliner Schulen
Schuljahr 2007/2008

Gewaltprävention

Impressum
Herausgeber Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung Beuthstraße 6 - 8 10117 Berlin-Mitte www.berlin.de/sen/bwf Redaktion und Gestaltung Gewaltprävention Ria Uhle Telefon 030 9026 6320 eMail gewaltpraevention@senbwf.berlin.de

INHALT

0.

Vorbemerkung ............................................................................................ 3

1. Gewaltmeldungen der Berliner Schule 2007/08 ...................................... 3 1.1. Entwicklung der Gewaltmeldungen ....................................................................3 1.2. Meldungen nach Schularten...............................................................................3 1.3. Meldungen nach Regionen.................................................................................4 1.4. Gewaltvorfälle im Überblick................................................................................5 1.5. Gewalt gegen Lehrerinnen und Lehrer ..............................................................7 1.6. Gewalt durch Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund ...............8

2.

Gewaltprävention und Interventionsansätze........................................... 8

3.

Ausblick ....................................................................................................... 10

2 0. Vorbemerkung Erstmals ist die Zahl der Gewaltmeldungen von Berliner Schulen im Schuljahr 2007/08 rückläufig und sank im Vergleich zum Vorjahr um knapp 100 gemeldete Fälle; dies entspricht einem Rückgang von rund 6 %. Dies ist eine beachtliche Entwicklung und Folge der gezielten Gewaltprävention an Berliner Schulen. Einzelne gravierende Gewaltvorfälle sollen dabei nicht übersehen lassen, dass an den Berliner Schulen mit großem Engagement und Ideenreichtum eine hervorragende Präventionsarbeit geleistet wird. Die Praxis zeigt, dass in den letzten Jahren die Sensibilität gegenüber Gewalt an Schulen zugenommen hat, parallel dazu die Handlungssicherheit von Schulleitungen und Lehrkräften gestärkt wurde. Das aus Präventionsgründen erforderliche vernetzte Handeln hat sich bewährt und zeigt sich in einer Vielzahl von Initiativen und Maßnahmen zur Gewaltprävention an Schulen und in einer deutlich verbesserten Kooperation der Schulen mit der Schulpsychologie, der Polizei, den Jugendämtern und freien Trägern. Der folgenden Darstellung sind die Entwicklung und Art der Gewaltvorfälle sowie die Präventionsmaßnahmen zu entnehmen:

1. Gewaltmeldungen der Berliner Schulen 2007/08 1.1. Entwicklung der Gewaltmeldungen Wie die Graphik verdeutlicht, ist die Zahl der gemeldeten Gewaltvorfälle an Berliner Schulen im Schuljahr 2007/08 erstmals seit Jahren rückläufig und sank um rund 6 % von 1735 auf 1632 (Abb.1). Auch unter der Berücksichtigung, dass die Schülerzahlen im Berichtszeitraum 2007/08 um 2,5 % zum Vorjahr gesunken sind ist dies ein deutlicher Rückgang.

2000 1800 1600 1400 1200 1000 800 600 400 200 0

1735 1573

1632

894

2004/05

2005/06

2006/07

2007/08

Abb.1: Entwicklung der Gewaltmeldungen von Berliner Schulen seit 2004/05

1.2. Meldungen nach Schularten Wie in den Vorjahren kommen die meisten Meldungen aus den Grundschulen (37,6 %), gefolgt von den Sonderschulen (20,3 %). Die weiterführenden allgemein bildenden Schulen einschließlich der beruflichen Schulen melden zusammen 42,1 % der Fälle (Abb.2).

3

Schulart Grundschule Sonderschule Hauptschule Gesamtschule Gymnasium Realschule Berufliche Schulen Berlin gesamt

Gewaltmeldungen absolut in % 613 331 241 209 85 66 87 1632 37,6 20,3 14,8 12,8 5,2 4,0 5,3 100,0

Abb.2: Meldungen nach Schularten Dabei unterscheiden sich die gemeldeten Fälle in ihrer Schwere und Tragweite in Abhängigkeit vom Alter der Kinder und Jugendlichen. Die Grundschulen melden häufig Fälle, die in ihren Auswirkungen weniger gravierend sind, wobei entwicklungsbedingtes aggressives Verhalten im Kindesalter von Verhaltensstörungen und gezielten Gewalthandlungen unterschieden und dem gemäß entsprechend erzieherisch reagiert werden muss. Bei Gewaltvorfällen an den Sonderschulen sind überwiegend Schüler und Schülerinnen mit kognitiven oder körperlichen Defiziten als auch psychischen Auffälligkeiten involviert. Bei der Opferhilfe, Sanktionierung der Tat und Wiedergutmachung müssen problem- und entwicklungsangemessene Formen gefunden werden, die diesen Aspekt berücksichtigen. Hier greift eine intensive Kooperation zwischen Sonderpädagogik und Schulpsychologie, dem Jugendamt und Gesundheitseinrichtungen unter Einbeziehung der Eltern. Aus den weiterführenden allgemein bildenden Schulen werden überwiegend gravierende Fälle mit strafrechtlicher Relevanz gemeldet. Auch hierbei muss allerdings zwischen alterstypischen entwicklungsbedingten aggressiven Auseinandersetzungen, Beleidigungen, verbalen Drohgebärden und darüber hinausgehenden Verhaltensweisen von strafrechtlicher Bedeutung unterschieden und entsprechend reagiert werden. Beratungs- und Handlungsbedarf besteht auch bei Delinquenz außerhalb der Schule, wenn Schüler oder Schülerinnen in die Täter- oder Opferrolle geraten und die damit verbundenen Konflikte und Folgen in die Schule hineintragen.

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1.3. Meldungen nach Regionen Der folgenden Graphik (Abb.3) ist die Verteilung der Gewaltmeldungen nach Regionen zu entnehmen:

300 250 200

285 260

Meldungen

164 150 100 50 0 147 139 121 107 104 93 87 63 62

MarzahnHellersdorf

TempelhofSchöneberg

Neukölln

FriedrichshainKreuzberg

Reinickendorf

TreptowKöpenick

Lichtenberg

SteglitzZehlendorf

Spandau

Pankow

Mitte

Abb.3: Gewaltmeldungen nach Regionen

Wie bereits im Vorjahr liegen die Bezirke Mitte mit 17,5 % aller Meldungen und Neukölln (15,9 %) vorne. Neben Friedrichshain-Kreuzberg sind es die Bezirke, die nach dem Sozialindex als besonders belastet gelten. Als positiv zu bewerten ist, dass sich das Meldeverhalten von Schulen ändert, wenn diese sich der Gewaltprävention intensiver zuwenden, wenn Lehrkräfte an speziellen Fortbildungsveranstaltungen teilgenommen haben, oder wenn ein schwerer Gewaltvorfall an der Schule auftrat. Insofern ist dies bei der regionalen Verteilung der Gewaltmeldungen zu berücksichtigen.

CharlottenburgWilmersdorf

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1.4. Gewaltvorfälle im Überblick Der folgenden Übersicht sind die Gewaltvorfälle nach Gewaltformen aufgeführt zu entnehmen. Gewaltvorfall absolut in % 831 50,9 Körperverletzung 310 19,0 Bedrohung 229 14,0 Gefährliche Körperverletzung 77 4,7 Beleidigung 38 2,3 Störung des Schullebens 33 2,0 Extremismus 31 1,9 Mobbing 28 1,7 Sexuelle Übergriffe 15 0,9 Erpressung 15 0,9 Sonstiges 13 0,8 Raub 12 0,7 Sachbeschädigung 1632 100,0 Gesamt Abb.4: Gemeldete Gewaltvorfälle

Wie bereits in den Vorjahren, sind körperliche Gewalt (Körperverletzung/gefährliche Körperverletzung) mit 65 % der Meldungen und Bedrohung mit 19 %) die vorrangigen Meldegründe (Abb.4). Zu den Gewaltformen im Einzelnen: • Körperliche Gewalt Es wurden 1060 Fälle gemeldet. Darunter fallen körperliche Auseinandersetzungen mit Verletzungsfolgen, Prügeleien unter Kindern und Jugendlichen bis hin zu gezielten Angriffen Einzelner oder von Gruppen. Es wird geschlagen, getreten, aber auch gewürgt. Bei ca. 40 % der Fälle wurde sofort die Polizei eingeschaltet. Bei ca. 28 % der Fälle erfolgte sogleich ärztliche Hilfe. Auch ohne körperliche Verletzungsfolgen besteht Interventions-, Beratungs- und Unterstützungsbedarf, um psychische Folgen bei den Opfern abzufangen. Gerade bei jüngeren Kindern fordern Eltern zu Recht die Fürsorgepflicht der Schule und eine aktive Unterstützung ein.

•

Bedrohung Bedrohungen reichen von unspezifischen Aussagen wie „Ich mach dich fertig“ über Androhung von Gewalt bis hin zur verbalen Drohung, jemanden umzubringen oder „die Schule in die Luft zu jagen“. Dabei ist zu unterscheiden, ob es sich um sogenanntes „Leaking“, also das Durchsickern von Tatphantasien oder Plänen für Mord- oder Amokhandlungen handelt, oder lediglich um eine verbale Drohung, die z.B. ihre Ursache in einer Konfliktsituation in der Klasse hat.

6 Bei 134 von 310 Bedrohungsfällen, also in rund 43 % der Fälle wurde unmittelbar die Polizei eingeschaltet. •

Beleidigung 67 von 77 gemeldeten Beleidigungen richteten sich gegen Lehrer, 10 gegen Schüler. Dazu gehören insbesondere massiv herabwürdigende und sexistische verbale Angriffe, die von den Betroffenen als gravierend seelisch verletzend erlebt werden. Eine Gewaltmeldung durch die Schulleitung hat hier nicht nur aus Fürsorgepflicht zu erfolgen, sondern sie hilft, Grenzen zu setzen und eine Wiedergutmachung einzuleiten.

•

Extremismus Bei den Meldungen extremistischer Vorfälle ist ein Rückgang von 88 Fällen im Vorjahr auf 33 Fälle verzeichnen. Die wenigen Meldungen kommen aus allen Schularten von der Grundschule bis zum Gymnasium. Mehrheitlich wurden Schmierereien mit Hakenkreuzen und Naziparolen, Provokationen im Unterricht durch Zeigen des Hitlergrußes und fremdenfeindliche bzw. antisemitische Äußerungen gemeldet. Es bleibt allerdings offen, ob daraus auf eine Abnahme extremistischer Delikte zu schließen ist.

•

Mobbing Mobbingfälle machen nur 1,9 % der Gesamtmeldungen aus, obwohl Mobbing immer wieder als grundsätzliches Problem an den Schulen geschildert wird. Dieses Phänomen ist nur schwer zu fassen, da es sich um einen Prozess über einen längeren Zeitraum handelt, der meist nicht sofort offensichtlich ist. Mobbing kann sich hinter Beleidigung, Bedrohung, Körperverletzung verbergen. Mobbingfälle unter Schülerinnen und Schülern tauchen in der schulpsychologischen Beratungspraxis auf. Es melden sich verunsicherte Eltern oder sie werden von Gesundheits- und Jugendeinrichtungen an die Schulpsychologie vermittelt, wenn ihre Kinder wegen psychischer Gewalt oder Ausgrenzungserfahrungen Schulangst oder psychosomatische Beschwerden entwickeln.

Unabhängig von der Gewaltform ist festzuhalten, dass • • • • • • • in 1408 Fällen, also rund 86 % aller Gewaltmeldungen, Jungen und junge Männer die Täter sind, aber auch auf der Opferseite mit 70% deutlich häufiger als Mädchen vertreten sind; in ca. 62 % aller Fälle sofortige Hilfen für die Opfer und Täter einschließlich Gesprächen im Sinne des Täter- Opfer-Ausgleichs beabsichtigt bzw. durchgeführt worden sind; in rund 72 % der Fälle die Eltern sofort einbezogen wurden; das Jugendamt bei ca. einem Drittel hinzugezogen wurde; die Präventionsbeauftragten der Polizei in 24 % der Fälle einbezogen wurden; es im Zusammenhang mit Straftaten 616 Sofortmeldungen an die Polizei gab, also bei ca. 38 % aller Meldungen. (Spätere Interventionen bzw. Anzeigen bei der Polizei sind nicht erfasst, da die Meldung innerhalb von 24 Stunden nach dem Vorfall erfolgen soll.); in Mobbingfällen die Schulpsychologinnen und -psychologen auf die Schulen zugehen, bei der Klärung und Auflösung der Mobbingsituation helfen und das Lehrpersonal beraten.

7

1.5. Gewalt gegen Lehrerinnen und Lehrer In etwa jedem 5. aus der Schule gemeldeten Fall (349 Fälle) sind Lehrerinnen und Lehrer oder andere in der Schule tätige Personen Betroffene bzw. Opfer von Gewalt (Abb.5). Auch hierbei ist ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen und die Fallzahlen liegen nach dem Spitzenwert von 2006/07 unter dem Niveau von 2005/06.

10%

2%

21%

Opfer Schüler Opfer Lehrer Opfer Schüler u. Lehrer Sonstiges
67%

Abb. 5: Anteil der Lehrer als Geschädigte Anlässe für die Meldungen waren wie in den letzten drei Jahren • in 5,4 % gefährliche Körperverletzung (Angriffe mit Waffen oder in Gruppen). • in 70 % der Fälle ernste Bedrohungen und körperliche Attacken (Körperverletzung), • in 19,1 % der Fälle Beleidigung. Die Betroffenen erleben diese Angriffe als sehr gravierend, nehmen aber nicht in jedem Fall Angebote zur Opferhilfe wahr. Gewalthandlungen gegen Lehrerkräfte gehen oft mit Kommunikationsproblemen einher oder entstehen aus Konfliktsituationen, z.B. wenn Pädagoginnen oder Pädagogen schlichtend in Schülerkonflikte eingreifen oder Schülerinnen und Schüler auf Anforderungen im Unterricht mit Verweigerung oder Wutausbrüchen reagieren.

1.6. Gewalt durch Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund Überproportional häufig mit einem Anteil von ca. 30 % an der Gesamtschülerzahl werden Schüler und Schülerinnen nichtdeutscher Herkunftssprache (ndH) bei etwa der Hälfte aller Gewaltmeldungen als Täter genannt, insbesondere bei schweren Delikten. So waren sie in 111 Fällen gefährlicher Körperverletzung (mit Waffen oder in Gruppen) beteiligt, während Kinder und Jugendliche deutscher Herkunftssprache 87 Taten verübten.

2. Gewaltprävention und Interventionsansätze Durch Maßnahmen zur Gewaltprävention und gezielte Interventionsansätze können Gewaltvorfälle – wie die Daten belegen – reduziert, ggf. sogar verhindert werden sowie die Gewalterfahrung und deren traumatisierende Folgen abgemildert, ggf. sogar verarbeitet werden.

8 Zu den erfolgreichen Maßnahmen zur Gewaltprävention gehören im Schuljahr 2007/08 : • • • • • • • das Buddy-Programm, in dessen Rahmen an 90 % aller Grundschulen 800 Lehrerinnen und Lehrer für Projekte zum sozialen Lernen qualifiziert wurden, die Angebote der qualifizierten ca. 120 Mediatorinnen und Mediatoren sowie 60 Standpunktepädagoginnen und -pädagogen, die an 18 Schulen durchgeführten demokratiepädagogischen Projekte wie "Hands across the campus" und "Hands for kids", ein Fortbildungsprogramm für 400 Lehrkräfte zum Erwerb von Grundlagen und Methoden im Umgang mit aggressiv-verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen im Rahmen des Projekts „Denkzeit“ für delinquenzgefährdete Jugendliche, die Qualifikation von erstmals 64 Lehrkräften an beruflichen Schulen, die als Beratungslehrkräfte eingesetzt werden, u.a. mit dem Ziel, die Schuldistanz- und Ausbildungsabbrecherquote zu reduzieren, regelmäßige bedarfsorientierte Angebote der Regionalen Fortbildung, die vielfältigen Angebote der in jeder Region und für die beruflichen Schulen seit 2003 tätigen 15 Schulpsychologinnen und Schulpsychologen für Gewaltprävention und Krisenintervention (G/K-Schulpsychologinnen und –psychologen), die in enger Kooperation mit den sonstigen Schulpsychologinnen und –psychologen, Schul- und Einzelfallberatung durchführen sowie zusammen mit u.a. der Polizei und den Jugendämtern in über 340 Fortbildungsveranstaltungen mit Schwerpunkten u.a. wie Umsetzung der Notfallpläne und Krisenmanagement; Notfallpsychologie für Schulleitungen/für Referendare; Kooperation SchuleJugendamt bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung; Umgang mit Gewalt in der Schule; Mobbing unter Schülern etc. Lehrkräfte und Schulen für eine effiziente Gewaltprävention qualifizieren. Einschlägige Handreichungen und Veröffentlichungen wie z.B. die laufend aktualisierten „Notfallpläne für die Berliner Schulen“, ergänzt u.a. durch Handlungsempfehlungen zu den Themen „Verdacht auf Kindeswohlgefährdung“ sowie „Medien und Öffentlichkeit; Pressearbeit“, die ebenfalls aktualisierte „Anti-Mobbing-Fibel“, sowie die in der Schriftenreihe zur Sonderpädagogischen Förderung in den Berliner Schulen als Teil 4 erschienene Broschüre „Förderung im Bereich der emotionalen und sozialen Entwicklung“ wurden herausgegeben.

•

Eine große Bedeutung kommt der Kooperation der Schulen mit außerschulischen Partnern, dem Ausbau von Netzwerken und der Kooperation mit den Elternhäusern zu. Dazu gehören • die weitere Ausstattung, insbesondere der Haupt- und Sonderschulen mit Schulsozialarbeitern und –sozialarbeiterinnen, • die enge Kooperation mit der Schulpsychologie, den Jugendämtern, der Polizei sowie Ehrenamtlichen und Vereinen, • die intensivierte Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe z.B. durch Teilnahme von Vertreterinnen der Jugendämter und freier Träger an Schulhilfekonferenzen, • die Arbeit der Präventionsbeauftragten der Berliner Polizei, die in den 5. und 6. Klassen der Grundschulen und z.T. in den 7. und 8. Klassen regelmäßig Antigewaltveranstaltungen durchführen. Immerhin 145 Kooperationsverträge wurden bis Juni 2008 zwischen Schulen und der Polizei abgeschlossen, • in den Bezirken Mitte, Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg mit einem hohen Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund die Kooperation mit der AGIM (Arbeitsgebiet Integration und Migration der Polizei) ebenso wie die Zusammenarbeit mit Migrantenund Moscheevereinen, die als Brückenbauer und Vermittler fungieren und beim Abbau wechselseitiger Vorurteile und bei der Überwindung sprachlicher und kultureller Hürden helfen, • die sofortige Einbeziehung von Eltern in die Aufarbeitung eines Gewaltvorfalles (erfolgte in 75 % der Fälle) und das zunehmende Bemühen der Schulen um Zugang zu den Familien.

9 Neben der Prävention kommt der Intervention eine erhebliche Bedeutung zu. Dazu gehören • die Opferhilfe durch zeitnahes professionelles Handeln zur Linderung der Folgen von Gewalt für die Opfer durch Unterstützung durch die G/K-Schulpsychologinnen und -psychologen: Dazu gehören erste orientierende Gespräche, Aufklärung über wahrgenommene Reaktionen, Vermitteln externer Unterstützungsmöglichkeiten, falls die Krisenintervention nicht ausreicht, aber auch Hilfemaßnahmen der Schule selbst; bei extremen Gewaltereignissen außerhalb von Schule wie z.B. Opfererfahrungen oder gewaltsame Todesfälle von Schulangehörigen notfallpsychologische Hilfe und Unterstützung beim Krisenmanagement;

•

aber auch • Täterbezogene Maßnahmen. In ca. 53 % der Fälle leitete die Schule sofort Klassen- bzw. Schulhilfekonferenzen ein, folgten täterbezogene Sanktionen wie Suspendierung, Tadel, Verweis, Umsetzung in die Parallelklasse oder Schulwechsel. Wichtig ist es, zeitnah Grenzen zu setzen, aber auch gleichzeitig Hilfen anzubieten, um problematischen Persönlichkeitsund Delinquenzentwicklungen entgegenzuwirken. Sozialpädagogische Angebote im Rahmen der Schulsozialarbeit und der Schulstationen bieten ebenso wie der entwicklungstherapeutische Unterricht (ETEP- Programm) als sonderpädagogisches Angebot bei emotionalen und sozialen Schwierigkeiten Kindern und Jugendlichen Möglichkeiten, an ihren Verhaltensproblemen zu arbeiten und ihr grenzverletzendes Verhalten zu bedenken.

sowie die Sicherheit an Schulen z.B. durch den Einsatz von Wachschutz an 13 Neuköllner Schulen, der u.a. den Auftrag hat, Schulfremden den Zutritt zur Schule zu erschweren bzw. zu verwehren, also präventiv Gewalt von außen nicht in die Schule zu lassen. Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass, wie die Daten belegen, i.d.R. innerschulische Konfliktlagen und Gewalteskalationen mit 87 % der Meldungen auf eine schulinterne Täterschaft verweisen. Insofern hat der Wachschutz für die Schulen zwar eine wichtige präventive Funktion und wirkt in das Schulumfeld. Dennoch ist er als Ergänzungsmaßnahme zu schulischen Gewaltpräventionskonzepten und Sicherheitspartnerschaften mit der Polizei zu verstehen, die weiter gefördert werden.

3. Ausblick Auch wenn die statistischen Aussagen positive Rückschlüsse zulassen, die präventiven Angebote greifen, ist das Thema Gewalt an den Schulen präsent und sehr ernst zu nehmen. Jeder gewalttätige Vorfall ist einer zu viel und bedarf einer intensiven Auswertung, die insbesondere durch die Agierenden, insbesondere des gesamten Lehrkörpers vor Ort vorgenommen werden muss und aus der entsprechende Konsequenzen für die Täter und Opfer gezogen werden müssen. Lehrkräfte müssen daher weiter bei der Verbesserung ihrer Handlungskompetenz im Umgang mit Konflikten unterstützt werden. Zugleich müssen verstärkte Anstrengungen unternommen werden für ein Schulklima, das zur Gewaltfreiheit beiträgt. Zur Prävention gehört der „Arbeitsplatz Schule“ ebenso wie Beiträge zur Lehrergesundheit, Stressbewältigung und Burn-out-Prophylaxe.
                            
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