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Volume Nr. 19

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung vereinigt mit Zeitschrift für Bauwesen (Public Domain) Issue 1931 (Public Domain)

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mit Aluminiumfarbe gestrichen, die dahinterliegenden 
Wandstreifen aus praktischen Gründen grau. Dadurch 
wird zugleich eine reizvolle Wirkung erzielt. 
Die Inneneinrichtung des alten Gymnasialgebäudes 
war so abgängig, daß bis auf einige wenige Stücke alles neu 
beschafft werden mußte. Als Möbel wurden teils Typen 
der Industrie (Thonet u. a.), teils Ausführungen nach Ent 
würfen der Bauleitung verwendet (siehe Abbildungen und 
Einzelzeichnungen auf den Seiten 282 und 283). 
Beim Direktorwohnhaus konnte eine günstige Lage 
der Wohn- und Schlaf räume zur Sonne erzielt werden. 
Die Wohnräume im Erdgeschoß haben verdoppelte 
Schiebefenster erhalten. 
Die Baukosten betragen: 
für das Schulgebäude rd. 564 000,— RM 
tiefere Fundierung ,, 6 200,— „ 
,, das Direktorwohnhaus „ 58 000,— ,, 
„ die Bauleitungskosten ,, 28 600,— ,, 
„ ,, Außenanlagen ,, 78 800,— „ 
„ „ innere Einrichtung .... ,, 113 000,— ,, 
848 600,— RM 
Der Kubikmeter umbauten Raumes stellt sich auf 
28,80 RM, Die Bauleitung lag in den Händen des Unter 
zeichneten. 
Regierungsbaumeister Düerkop. 
VERKEHRSERSCHÜTTERUNGEN UND IHRE ABWEHR. 
EIN BEITRAG ZUM GESAMTPROBLEM DES GEBÄUDESCHUTZES 1 ), 
Von Oberingenieur Alfons Schroeter, Berlin. 
Nach einer bereits etwas zurückliegenden Mitteilung 
des „Preußischen Pressedienstes“ hat der preußische 
Minister des Innern die Anfrage einer politischen Partei, 
betreffend Maßnahmen gegen Verkehrserschütterungen, 
dahingehend beantwortet, daß aus Verbesserungen am 
Kraftwagen wesentliche Einschränkungen der Erschütte 
rungen nicht zu erwarten, sondern daß entsprechende 
bauliche Maßnahmen am Straßenkörper und am Ge 
bäude ins Auge zu fassen sind. Solche bautechnischen 
Maßnahmen hat der Ausschuß für Verkehrserschütte 
rungen der Studiengesellschaft für Automobilstraßenbau 
(Stufa) in seinen „Vorläufigen Richtlinien über die Maß 
nahmen zur Einschränkung von Verkehrserschütterungen“ 
in allgemeiner Form gegeben 2 ). Einige Berichtigungen 
hierzu sind noch zu erwarten. Ein weiterer Ausschuß 
zur Bewältigung des schwierigen und umfassenden Ge 
samtproblems der Erschütterungsabwehr ist im Ent 
stehen begriffen. Die geschädigten Hausbesitzer selbst 
stehen diesen Ausschüssen zunächst noch fern, was sich 
wohl aus ihrer Rechtsauffassung erklärt. Wirtschaft 
und Verkehr, Hausbesitz und Stadtverwaltung sind die 
Hauptbeteiligten an Ursache, Wirkung und Ausgleich im 
Kampfe gegen den vorzeitigen Häuserverfall und sonstige 
Störungen durch Verkehrserschütterungen. Wesentlich 
hierbei ist die Mitwirkung der Verkehrspolizei. 
Die Beschwerden der geschädigten Anlieger an einer 
Verkehrsstraße sind naturgemäß auf Abstellung oder 
Einschränkung des Verkehrs, Umpflasterung oder Aus 
besserung der Straßen gerichtet. Beschwerden und Scha 
denersatzansprüche werden von den Stadtverwaltungen 
noch uneinheitlich durch Baupolizei oder Tiefbau (Straßen 
bau),- seltener durch Vermessungsstellen behandelt. 
Letzteres erklärt sich zum Teil aus der Art der Beschwerde 
behandlung, die — und hierin besteht Übereinstimmung 
— mit der Feststellung beginnt, ob die gemeldeten Schäden 
überhaupt Verkehrsschäden und in ihrer Auswirkung 
als wirklich schädigend anzusehen sind. Diese Fest 
stellung wiederum beginnt mit der Messung der Er 
schütterungswirkung. 
Je nach der Art des Pflasters, des Verkehrs und der 
Verkehrsmittel, der geologischen Beschaffenheit, der Höhe 
des Grundwasserstandes, der Beschaffenheit der Ge 
bäude selbst und nicht zuletzt auch der Eignung der 
benutzten Meßinstrumente erlauben die Messungen mehr 
oder weniger zweckdienliche Schlüsse. Es konnte mit 
Hilfe solcher Messungen in einigen besonders groben 
Fällen einwandfrei festgestellt werden, daß Wand- und 
Deckenrisse, Putz- und Stuckbeschädigungen usw. eine 
ganz andere Ursache als die des Straßenverkehrs hatten. 
In anderen Fällen wiederum wurden Erschütterungen 
aus Straßenverkehr nicht an anliegenden, sondern an 
J ) Aus dem Ergebnis einer Studienreise durch deutsche Verkehrastadte. — Vgl. hier 
zu auch die Veröffentlichungen im Jahrg. 1024d.Bl., S.275; 1926, 8.262; 1927, S.309 
u. 600, und 1930, S. 754. 
*) Vgi, ft. 8- 288 d. Bl. 
Hintergebäuden oder weiter entfernt liegenden Ge 
bäuden fcstgestellt. 
Fast alle größeren Verkehrsstädte sind mit Meß 
instrumenten ausgerüstet. Zum großen Teil haben sich 
die Instrumente als ungeeignet erwiesen; die Auswertung 
ihrer Ergebnisse stößt aber auch bei besseren Instru 
menten auf erhebliche Schwierigkeiten. Das Reichs 
verkehrsministerium hat für die Erschütterungsforschung 
auf Anf ordern Mittel bereitgestellt. Die Technische 
Hochschule Hannover, Prof. Dr. Risch, hat mit diesen 
Mitteln zunächst die auf dem Markt befindlichen, schon 
recht zahlreichen Meßgeräte geprüft und sehr erhebliche 
Qualitätsunterschiede, aber auch einige wenige brauch 
bare Instrumente herausgestellt 3 ). Andere Stellen, darunter 
Forschungsinstitute, begnügen sich mit selbstkonstru 
ierten, z. T. einfachen Meßgeräten oder auch mit Queck 
silberschalen, um das Vorhandensein einer Erschütterungs 
wirkung an sich festzustellen. Neuerdings bevorzugen 
einige Institute sowie die Deutsche Reichsbahn-Gesell 
schaft die mechanische Raumkomponentenmessung. Die 
Ungenauigkeit älterer Meßinstrumente hat zur Folge 
gehabt, daß sie beiseite gestellt wurden, wodurch die 
Behandlung des Erschütterungsproblems bei einigen Stadt 
verwaltungen ins Stocken geraten ist. Teurer Preis (10- bis 
12 000 RM) sowie die schon genannten Schwierigkeiten 
der Auswertung der Meßergebnisse machen sich aber 
auch sonst als erschwerende Umstände bemerkbar. 
Die Anwendung der aus seismischen Berechnungs 
methoden abgeleiteten und sehr vervollkommnten Theo 
rien zur Ermittlung der Erschütterungswirkung auf 
Bauteile hat in der Praxis zu viel zu ungünstigen Resul 
taten geführt. Der theoretische Verfallzustand ist hier 
nach unwahrscheinlich schlecht ausgefallen. So wertvoll 
und erwünscht die weitere Verfeinerung der Messungs- 
und Berechnungsmethoden aber auch ist, letzten Endes 
interessieren weniger Amplitude, Geschwindigkeit, Be 
schleunigung und Frequenz an sich als vielmehr die 
Größe der zerstörenden Kraft, welche mit Hilfe der vor 
handenen dynamischen Erschütterungswirkung an jeder 
gewünschten Stelle eines gefährdeten Bauwerkes an 
schaulich gemacht werden kann und mit Hilfe eines 
noch zu schaffenden Einheitswertes, ähnlich Ohm und 
Ampere usw., begrifflich und praktisch leicht zu be 
stimmen ist. Eine solche mehr empirische Feststellungs 
methode macht die seismischen Einzelwerte entbehrlich 
und schaltet die Auswertungsschwierigkeiten mit ihren 
Fehlerquellen aus. Sie ist bereits im Anfangsstadium vor 
handen und verspricht — soweit es sich um die Feststellung 
der Erschütterungswirkung handelt — die sehr zu wün 
schende Förderung dieses Teiles des Gesamtproblems. 
Ist eine einwandfreie und anschauliche Meßmethode 
gefunden, so hat man also erst das Hilfs- und Kontroll- 
mittel, aber noch nicht das Mittel zur Verhinderung 
der Uebertragung der Erschütterungen vom Straßen- 
») Vgl. auch Zeitschrift für Bauwesen 1980, Heft 7. S. 171.
	        
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