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Volume Nr. 48

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung vereinigt mit Zeitschrift für Bauwesen (Public Domain) Issue 1931 (Public Domain)

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Kruppschen Arbeitersiedlungen Gemeinschaftseinrichtungen 
vorhanden, wie Konsumanstalten, Saalbauten, Bäder u. dgl. 
Ledigenheime, die vor dem Kriege von der Industrie mancher 
orts gebaut wurden, haben sich nach dem Kriege in allen 
größeren Städten verbreitet. 
Sammelheizungen beginnen sich vielfach durchzusetzen. 
Für die verschiedenen Beheizungsformen wurden die Kosten 
pro qm Wohnfläche errechnet, wobei sich für Zentralheizungen 
mit Koks ein Preis von 1,7 KM für das Jahr ergab. Die an 
gegebenen Preise für Kachelöfen oder Einzel Warmwasser 
heizungen für jede Wohnung schwanken so stark (1,25 bis 
2,75 RM, je nach System und Güte der Heizeinrichtungen), 
daß ein Vergleich unmöglich ist. Sammelheizungen haben sich 
in großer Zahl eingebürgert. Bedenklich erscheint nach den 
Erfahrungen der Inflation, daß oft keine Reserve vorgesehen 
wird. 
,,Aufschließungs- und Anliegerbeiträge 
Bearbeiter: Professor EhlgÖtz, Berlin, 
und Regierungsbaumeister a. I). Lehweß, Berlin. 
Die frühere Erschließung suchte möglichst gleichwertige 
Grundstücke für sämtliche Eigentümer eines Gebietes herzu 
stellen, um Umlegungen, für welche in vielen Ländern die 
Rechtsgrundlagen fehlten, zu vermeiden. Zu diesem Zwecke 
wurden Vertiefungen zugeschüttet, Erhebungen abgetragen. 
Alle Straßen wurden gleich breit angelegt und in gleicher 
Weise ausgestattet, eine Unterscheidung von Verkehrstraßen 
und Wohnstraßen kannte man vor Einführung der Straßen 
bahn überhaupt nicht. Landschaftliche Schönheiten, wie Bach 
läufe oder Baumbestände, wurden störend empfunden und 
beseitigt. 
Dieses System war nicht billig. Eine derartige Auf- 
schließung eines Geländes für eine Siedlung von 20000 Ein 
wohnern ergibt für eine Frontlänge von 20000 m Kosten pro 
laufenden Meter von 187,50 RM. 
Heute bilden die großen Verkehrstraßen einen Teil des 
Generalplans. Die Erschließung eines Teilgebietes umfaßt nur 
die Anlage der notwendigen Aufschließungs- und Wohn 
straßen. Hinzu kommt aber die Vorsorge für die örtlichen 
Freiflächen und für die notwendigen Bauplätze der öffentlichen 
Gebäude. Als Erholungsflächen werden Bachtäler, Hänge und 
dergleichen von der Bebauung freigehalten, deren Ausbau 
ohnedies höhere Kosten beanspruchen würde. Die Auf- 
schließung des oben genannten Geländes in dieser Weise für 
eine Kleinhaussiedlung von 12000 Einwohnern ergibt 18700 m 
Front zu je 130 RM pro laufenden Meter. Die Auf Schließung 
für Kollektivbebauung (Zeilen) ebenfalls für 12000 Einwohner 
ergibt bei einer Zeilenlänge von 7500 Meter einen Aufwand 
von 240 RM pro laufenden Meter. 
Im zweiten und dritten Falle sind allerdings die Kosten 
einer Hauptvorkehrstraße von 600000 RM nicht einbegriffen, 
die als Teil der Kosten des Generalbebauungsplanes von der 
Allgemeinheit getragen werden. Auf den Kopf der Einwohner 
schaft umgerechnet ergeben sich bei Einrechnung eines Anteils 
an der Verkehrstraße zwar keine Ersparnisse, im Falle des 
Baus von Kleinhäusern sogar eine Verteuerung, aber die Vor 
züge der neuen Bauweise sind zweifellos nicht zu teuer bezahlt. 
,,Die Finanzierung des Wohnungsbaus 
Bearbeiter: Verwaltungsrechtsrat von Grüner, Berlin, 
Mitarbeiter: Regierungsbaumeister a. I). Kohl, Darmstadt, 
Auch für den, der die Nachkriegsfinanzierung kennt, war 
ihre Darstellung überraschend, weil sie sinnfällig zeigte, wie 
hohe Beträge der Hauszinssteuer für allgemeine Zwecke, und 
zwar in immer steigendem Maße verwandt worden sind. 
Bei Beurteilung der Nachkriegsfinanzierung darf man nicht 
vergessen, daß sie den Wohnungsbau und Wohnungsbetrieb 
von der schweren Sorge der zweiten Hypothek befreit hat. 
Dadurch, daß die niedrig verzinsliche Hauszinssteuerhypothek 
als nachstellige Hypothek gegeben wurde, ist der Realkredit 
wiederhergestellt worden, der vor dem Kriege nur sehr schwer 
zu beschaffen war. Die Vorzüge der Finanzierung der Nach 
kriegszeit bestehen in normal verzinslichen ersten Hypotheken 
und niedrig verzinslichen zweiten Hypotheken, die Finanzierung 
der Vorkriegszeit, ebenso aber auch die derzeitige Finanzierung 
aller der Länder, die keine zweitstelligen Hypotheken aus öffent 
lichen Mitteln haben, ist charakterisiert durch die große Zins 
höhe der zweiten Hypotheken (in Amerika mit Provisionen 
bis 12 vH). 
Wer die Folgen der letzten Art der Verzinsung kennt, das 
teure Baukapital gegenüber billigem Kapital für Boden 
spekulation, die zahlreichen Zwangsversteigerungen und die 
Verluste des Handwerks, wird schon aus diesem Grunde die 
Hergabe der zweiten Hypothek aus öffentlichen Mitteln als 
eine segensreiche Tat betrachten. 
Rund 1850000 Wohnungen wurden vom Ende der Inflation 
bis zum Jahre 1930 in Deutschland erstellt. Fast 50 v H des 
hierbei investierten Kapitals, das auf 18 Milliarden geschätzt 
wird, stammen aus öffentlichen Mitteln. Von den verbleibenden 
50 v H sind etwa 15 v H als Eigenkapital der Bauherren auf 
gebracht worden, der Rest von 35 v H ist von verschiedenen 
Geldgebern im wesentlichen als erste Hypothek gegeben worden. 
,,Die Träger des Wohnungsbaus “ 
Bearbeiter: Bürgermeister a. D. Schwan, Berlin. 
* Als Träger des Wohnungsbaus der Nachkriegszeit kommen 
im wesentlichen in Betracht: die öffentlichen Körperschaften, 
gemeinnützige Bau Vereinigungen und Private. 
Die Entwicklung der letzten Jahre seit 1927 zeigt ein 
starkes Absinken der Tätigkeit der öffentlichen Körperschaften, 
die sich im wesentlichen auf gleichem Niveau haltende Arbeit 
des privaten Wohnungsbaus, dagegen eine erhebliche Zunahme 
der Betätigung der gemeinnützigen Bau Vereinigungen. Ihre 
Haupttätigkeit haben die öffentlichen Körperschaften in Klein- 
und Mittelstädten entfaltet, während sie auf dem platten Lande 
und in den Großstädten prozentual zurücktreten. Bei den 
gemeinnützigen Vereinigungen zeigt sich ein Wachsen der 
Tätigkeit mit steigender Ortsgröße, während im privaten Bau 
wesen das entgegengesetzte Verhältnis besteht. (Abb. 34 u. 35). 
Die Baugenossenschaften haben in den Jahren 1919 bis 
1930 in den Gemeinden bis zu 10000 Einwohnern im wesent 
lichen nur ein- bis zweigeschossig gebaut, in den Gemeinden 
bis zu 50000 Einwohnern in der Hauptsache sogenannte Mittel- 
häuser bis zu drei Geschossen, in den Gemeinden bis zu 
100000 Einwohnern viergeschossig und in den Großstädten 
von 100000 und mehr Einwohnern bis zu fünf Geschossen. 
Leider muß festgestellt werden, daß der hohe Anteil der Klein- 
häuser an der Zahl der erstellten Wohngebäude in den ersten 
Jahren nach dem Kriege inzwischen sehr gesunken ist, wenn 
er auch die Ziffer der Vorkriegszeit immer noch wesentlich 
überschritt. Der Bau von Kleinwohnungen hat im Jahre 1929 
noch nicht die Vorkriegsziffer erreicht, während in diesem 
Jahre immer noch mehr Großwohnungen gebaut wurden, als 
im Jahre 1913 erstellt werden konnten. 
HHMUMjMN 
* 
* 300'0 
> 10JM21 
- 173W 
Abb. 34. Neu erstellte Wohnungen 1927. 
Abb. 35. Neu erstellte Wohnungen 1929,
	        
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