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Volume Nr. 48

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung vereinigt mit Zeitschrift für Bauwesen (Public Domain) Issue 1931 (Public Domain)

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Die Landesplanung für Südböhmen soll ein Gebiet, aus dem 
früher eine starke Auswanderung nach Wien ging (heute nach 
Prag), wirtschaftlich heben, um die Bevölkerung seßhaft zu 
machen. Die Moldaukanalisation soll den Verkehr fördern 
und zugleich billige Elektrizität liefern, um die Industrie zur 
Ansiedlung zu veranlassen. 
Der Wohnungsbau zeigt eine zweckmäßige Mischung von 
Hochbau und Flachbau. Letzterer wird vor allem in den Berg 
baugebieten und sonstigen Industriebezirken verwandt. Die 
Grundrisse der Hochbauten für die größeren Städte sind nicht 
durchweg glücklich. Hier taucht eine Anlage wieder auf, die 
bereits zu Ende des 19. Jahrhunderts in Sachsen erprobt und 
wieder aufgegeben wurde. Die Wiederbelegung dieses Typs, 
der versucht, Treppenhäuser und Nebenräume der Klein 
wohnungen um Lichthöfe zu gruppieren, erscheint nicht zweck 
mäßig. 
Der Einfluß der Geländeform auf die Siedlung kommt 
natürlich in einem Berglande wie der Schweiz auch äußerlich 
klar zum Ausdruck. Es war daher ein glücklicher Gedanke, 
die Beziehungen zwischen Geländerelief, Bebauung und Ver 
kehr für die wichtigeren Städte der Schweiz einheitlich zur 
Darstellung zu bringen. Zweckmäßig wäre es gewesen, dabei 
auch den ältesten Kern der Siedlungen anzudeuten, weil die 
Entwicklung nicht zu allen Zeiten den naturgemäßen Weg 
eingeschlagen hat (Abb. 17). 
In Zürich ist beispielweise die Altstadt nicht nach dem 
See, sondern nach der Limmat orientiert. Der Stadtteil des 
rechten Ufers mit dem Rathaus und der des linken Ufers mit 
der ehemaligen Kaiserpfalz konnten als wirtschaftlich gleich 
wertig betrachtet werden, bis die Anlage des Bahnhofs das 
Übergewicht des linksufrigen Stadtteils entschied, der bessere 
Ausdehnungsmöglichkeiten besaß. Die verkehrsgeographische 
Lage von Zürich, die zu eigenartigen Vorschlägen für den 
Ausbau des Hauptbahnhofs geführt hat, trat in der Dar 
stellung klar hervor. 
Basel an der Kreuzung der beiden Rheintalstrecken mit 
der Westostlinie Paris-Wien besitzt am Oberrhein eine ähn 
liche Stellung wie Köln am Niederrhein. Lokal ist seine Lage 
weniger günstig; der Hauptbahnhof komite keine organische 
Beziehung zur Stadt erhalten. 
Genf ähnelt in seiner Lage am Ausfluß der Rhone aus dem 
See der Situation von Zürich. Infolge der Geländeform war 
aber nur auf der Nordseite des Sees eine Straßen- und Eisen 
bahnverbindung mit der Zentralschweiz möglich. Die örtliche 
Lage erscheint gegenüber Zürich einfacher und bietet weniger 
schwierige Probleme. 
Weitere Vergleichdarstellungen der Schweizer Städte über 
öffentlichen und privaten Grundbesitz, über Freiflächen und 
bebaute Gebiete zeigten, daß die Bedeutung der Privatgärten 
in den Städten sehr groß ist, was auf zweckmäßige Gestaltung 
der Grundsteuer schließen läßt. 
Pläne von Züricher Wohngebieten sind in ihrem Straßennetz 
geschickt den Höhenverhältnissen angepaßt, soweit schwieriges 
Gelände in Betracht kommt. In weniger stark bewegtem Ge 
lände tritt die Rücksicht auf die Sonnenlage mehr hervor. 
Diese geht soweit, daß Nordsüdbebauung auch dort angewandt 
wird, wo eine verhältnismäßig starke Neigung die Abtreppung 
der Zeilen erfordert. 
Auf diesem Gebiet zeigt sich noch ein starkes Suchen. Es 
wird noch einige Zeit dauern, bis sichere Ergebnisse vorliegen. 
Gegenüber dem sachlich betonten Wohnungswesen von Zürich 
sticht der stark auf den architektonischen Effekt hin arbeitende 
Wohnungsbau von Genf erheblich ab. 
Die Zusammensetzung der Bevölkerung Wiens in Ver 
gangenheit und Gegenwart läßt erkennen, wie die alte Ver- 
waltungs- und Konsumentenstadt mit konsumorientierten 
Gewerben und höfischer Luxusindustrie sich unter dem Ein 
fluß der Verkehrsentwicklung zum Handels- und Industrie 
zentrum der mittleren Donau entwickelt hat. Um 1700 bestand 
die Bevölkerung zur Hälfte aus Angehörigen des Adels und 
bürgerlichen Patriziats, Beamten und Militärpersonen, An 
gehörigen geistiger Berufe und Klerikern, zur anderen Hälfte 
bestand sie aus Handwerksmeistern und Gesellen, Händlern 
und Handlungsgehilfen, Weinbauern, Kleinbauern und Ge 
legenheitsarbeitern. In der Berufszählung von 1930 dagegen 
treten die Angehörigen geistiger Berufe und die Beamten 
.<466.17. 
Top ographische 
Lage, Besied 
lungen und Ver 
kehrslinien von 
Genf, Zürich und 
Bern.
	        
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