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Volume Nr. 18

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung vereinigt mit Zeitschrift für Bauwesen (Public Domain) Issue 1931 (Public Domain)

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Naturschutz“ und Dr, Werner Lin du er, Berlin: „Reklame in 
der Landschaft“. Schwenkei schilderte die verschiedenen 
Stufen in der Entwicklung von der Urlandschaft zur Kultur 
landschaft, wie sie sich aus der fortschreitenden Nutzung des 
Bodens ergeben haben. Auch die frühesten Stufen sind in 
Deutschland in gewissen Teilgebieten noch unverändert sicht 
bar geblieben. Für ihre dauernde Erhaltung zu sorgen, ist eine 
der wichtigsten Aufgaben des Naturschutzes. Die Möglich 
keiten, diese Forderungen bei der Landesplanung praktisch 
durchzuführen, erläuterte Schürmann an verschiedenen Bei 
spielen. (Den für die Tagung bestimmten Vortrag von 
Dr. Prager über das gleiche Thema werden wir demnächst aus 
führlich veröffentlichen.) Dr. Lindner wies auf die bedauer 
lichen Auswüchse der Reklame in der Landschaft hin und 
forderte, da alle anderen Mittel sich als unzureichend erwiesen 
hätten, ein allgemeines Verbot der Landschaftsreklame nach 
dem Vorbild des Hamburger Baupflegegesetzes vom 15. März 
1929. Die Versammlung nahm dem Inhalt der Vorträge ent 
sprechende Entschließungen an. 
Im Anschluß an die Vorträge des zweiten Tages fand die 
25-Jahr-Feier der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalschutz in 
Preußen statt. Staatssekretär Dr. Weismann als Vertreter 
des Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung über 
brachte der Staatlichen Stelle die Glückwünsche der preu 
ßischen' Staatsregierung und ihren Dank für die bisher ge 
leistete erfolgreiche Arbeit. Der Leiter der Staatlichen Stelle, 
Professor Dr. Schoenichen, gab einen Überblick über ihre 
Tätigkeit. Erste Aufgabe der Staatlichen Stelle war es, eine 
über das ganze Staatsgebiet verteilte Kerntruppe von ehren 
amtlich tätigen Mitarbeitern zu gewinnen. In den Provinzen 
wurden Ausschüsse unter dem Vorsitz der Oberpräsidenten ge 
gründet; dazu kamen besondere Stellen für die Regierungs 
bezirke, für einzelne Landschaftsgebiete und für einzelne 
Kreise. Die Aufnahme des Bestandes ist in einer Reihe von Be 
zirken schon weit fortgeschritten. Leider fehlen vielfach die 
Mittel dazu, die Ergebnisse in würdiger Form zu veröffentlichen. 
Von den gesetzlichen Handhaben zur Sicherung des Bestandes 
der Naturdenkmäler ist die wichtigste der § 30 des preußischen 
Feld- und Forstgesetzes vom Jahre 1920, der den zuständigen 
Ministern und den nachgeordneten Polizeibehörden die Er 
mächtigung zuerkennt, Anordnungen zum Schutze von Tier 
arten, von Pflanzen und von Naturschutzgebieten zu erlassen. 
Hiervon ist in umfassendem Maße Gebrauch gemacht worden. 
So gibt es in Preußen neben zahlreichen geschützten Naturdenk 
mälern (Bäumen u. dergl.) zur Zeit schon rund 300 Naturschutz 
gebiete; das ausgedehnteste ist mit 370 qkm Flächeninhalt die 
Schorfheide in der Uckermark; es folgen mit 270 qkm der 
Naturschutzpark Lüneburger Heide, das Siebengebirge usw. 
Geplant sind als Schutzgebiete die Rominter Heide und das 
Riesengebirge. Die Fläche der im staatlichen Besitz befind 
lichen Schutzgebiete ist fast doppelt so groß wie die aller 
übrigen zusammen. Nach der Art der Schutzgebiete kann 
unterschieden werden zwischen dem Schutz ganzer Land 
schaften, urgeschichtlichen Schutzgebieten (Spuren der Eis 
zeiten, Felsklippen, Bergkuppen usw.), pflanzenkundlichen 
Schutzgebieten (Moor- und Heideflächen, Wald- und Steppen 
pflanzenschongebiete) und rein zoologischen Schutzgebieten 
(Seevogolfreistätten, Elchschonbezirke in Ostpreußen, Wohn 
gebiet des Bibers an der mittleren Elbe). Als Gegenstand 
besonderer Schutzmaßregeln kommen noch gewisse Arten des 
Pflanzen- und Tierreiches in Betracht. Hierbei hat es sich als 
zweckmäßig erwiesen, nur wenige allgemeiner bekannte 
Pflanzen- und Tierarten zu schützen. Die wissenschaftliche 
Durchforschung der Schutzgebiete gehört zu den wichtigsten Ge 
bieten der staatlichen Naturdenkmalpflege. Lehrgänge und 
Studienfahrten sollen zur Heranbildung geschulter Mitarbeiter 
dienen. Wichtig ist auch die Mitarbeit der Schulen. Die Staat 
liche Stelle gründete zu diesem Zwecke eine Studiengemein- 
schaft für wissenschaftliche Heimatkunde, die schon viele Hun 
derte von Heimatlehrern herangebildet hat. 
Die zahlreichen Vertreter aus dem In- und Auslande, die der 
Staatlichen Stelle ihre Glückwünsche darbrachten, betonten 
einmütig und dankbar die Verdienste von HugoConwentz, dem 
verstorbenen Begründer der Staatlichen Stelle und des wissen 
schaftlichen Naturschutzes überhaupt, und die auch für das 
Ausland vorbildliche Tätigkeit der Staatlichen Stelle. 
G. 
Konstruktion und Ausführung. 
Abnutzung von Eisen und Stahl. 
Die Abnutzung von Eisen und Stahl ist nicht einheitlich. 
Brinell hat eine unterscheidende Uebersichtder in der Technik 
vorkommenden Abnutzungsformen zusammengestellt. Diese 
Formen werden durch Probeabnutzungsvorrichtungen fest 
gestellt, von denen eine ganze Reihe besteht; Robin, Brinell, 
Spindel, Amsler, Masuhiro, Suzuki u. a. Der sohwedische 
Professor Johansson faßt das Ergebnis der Abnutzungs 
erprobung dahin zusammen, daß eine einheitliche Lösung durch 
eine gewisse Maschinenform nicht denkbar sei, sondern daß 
die Maschinen je nach der Art der Abnutzung wechseln 
müssen. Im allgemeinen steigt der Abnutzungswideratand des 
Stahls mit zunehmendem Kohlenstoffgehalt. Zeraentit ist hart 
und Ferrit weich. Je größer der Kolenstoffgehalt, desto 
größer die Zementitmenge. Lamellarer Perlit mit blättrigem 
Zementit widersteht besser als körniger, bei dem Ferrit gegen 
über den verteilten Zementitkömem mehr maßgebend ist. 
Ein Stahl mit grobem Gefüge, das entweder auf hohe Schluß- 
walztemperatur oder Uebernormalisierung zurückgeht, scheint 
als Regel bei verschiedenen Prüfungs verfahren einen größeren 
Widerstand gegen Abnützung zu leisten als feinkörniger Stahl. 
Es gilt dies für mittelharte Konstruktionsstähle. Die Ab 
blätterung dürfte bei Stahl mit mehr gesammeltem Ferrit 
geneigt sein, abzunehmen und damit auch die Abnutzung. 
Die äußeren Einflüsse wirken so, daß die Abnutzung mit 
wachsendem Druck steigt. Auch erhöhte Rollgeschwindigkeit 
ruft erhöhte Abnutzung hervor. Damit erklärt eich, daß 
Schienen und Radreifen jetzt bei gleichem Material kräftiger 
verschleißen als früher. Für das Prüfverfahren kommen am 
meisten die Maschinen von Amsler und Spindel in Frage. Es 
empfiehlt sich die Anwendung beider Maschinen neben 
einander, So lange die Kenntnisse von der Abnutzung sich 
nicht weiter entwickeln, muß man sich dabei begnügen, bei ge 
steigerten Anforderungen an den Verschleißwiderstand, wie bei 
Eisenbahnmaterial, mit dem Kohlenstoffgehalt so weit in die 
Höhe zu gehen, wie der Festigkeitsgesiohfcspunkt bezüglich der 
Schlagzähigkeit zuläßt. Proben, die im Surahammerwerk mit 
einer Amslermaschine zum Studium des Radreifenmaterials 
von Eisen- und Straßenbahnen angestellt wurden, haben er 
geben, daß das Widerstandsvermögen gegen Verschleiß eine 
Materialeigenschaft ist und in großem Umfang mit dem Gefüge 
zusammenhängt. Zwei Eigenschaften treten dabei hervor, der 
Abnutzungswiderstand des Materials und die Eigenschaft, ab 
nutzend zu wirken. Die Abnutzung der Prüfscheibe sinkt mit 
steigender Härtezahl. Man hört von Eisenbahnfachleuten oft 
die Ansicht, daß der Radreifen etwas härter sein soll als die 
Schiene. Aber es muß das erst noch bewiesen werden. Es muß 
darauf hingewiesen werden, daß dieses vermutete Gesetz nur 
für Kohlenstoffstahl gelten kann, der nicht besonders wärme 
behandelt oder zähgehärtet wurde. Dr. S. 
Magnetische Prüfung von Schweißnähten. 
Ein kurzgefaßter Bericht von T. O. Watts bei Westinghouses 
Versuchsanstalt gibt Aufklärung über ein dort erfundenes 
neues Verfahren für unmittelbare Untersuchung von Schweiß 
nähten. Das Verfahren läßt die Prüfung von Nähten ohne deren 
Zerstörung zu, ist aber nur für Stumpffugen anwendbar. Die 
Einrichtungen sollen einfach und leicht transportierbar sein. 
Bei der Prüfung überbrückt man die Naht mit einem großen 
Magnet von Hufeisenform, worauf man die magnetische Durch 
dringbarkeit im Prüfungsgegenstand zwischen den Polen mit 
Hilfe unmittelbar ablesbarer Instrumente untersucht. Das Ver 
fahren soll angeblich auf einen älteren französischen Gedanken 
zurückgehen, bei dem indessen das Feld mit Hilfe von Eisenfeil 
spänen untersucht wurde, die über ein auf dem Arbeitsstück 
ausgebreitetes Papier gesiebt wurden. Dabei konnten aber nur 
äußerliche Fehler in der Schweißung nachgewiesen werden, 
während Unregelmäßigkeiten in der Oberfläche auf die Zuver 
lässigkeit des Verfahrens von schädlichem Einfluß waren. Durch 
das neue Verfahren kann man jedoch ein in Ziffern ausge 
drücktes Bild vom Aussehen des Feldes erhalten,, wobei die 
tiefer liegenden Fehler ebenso zuverlässig nachgewiesen werden 
können wie die oberflächlichen. Die Ebenheit der Oberfläche soll 
überhaupt keine so große Rolle spielen. Wenn die Durchdring 
barkeit im Schweißgut selbst ungefähr die gleiche ist wie in 
dem umgebenden Stoff, so soll das beweisen, daß die Schwei 
ßung gut ist, während Ungleichheiten in der Beschaffenheit der 
Schweißfugen entsprechende unmittelbar ablesbare Störungen 
im Felde Hervorrufen (Tekn. Tidskr.). Dr. S. 
Wasserstände. 
Die Wasserstands- und EisverhäUnisse der norddeutschen 
Stromgebiete im März 1931. 
(Nach den an die Landesanstalt für Gewässerkunde und Haupt 
nivellements gelangenden Nachrichten). — Der Monat März 
war verhältnismäßig noch niederschlagärmer als der Februar; 
stellenweise wurde in den Sudeten, im Erzgebirge, im Harz und
	        
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