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Volume Nr. 48

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung vereinigt mit Zeitschrift für Bauwesen (Public Domain) Issue 1931 (Public Domain)

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Abb. 1. Freiflächen - Diagramm eTycm^ Unwin und ihre Anwen 
dung auf London. 
Abb. 2. Durchbruch des Kingsway in London. 
gut versorgt, wenigstens solange die bauliche Ausnutzung in 
dem heutigen Rahmen gehalten wird. Londoner Wohngebiete 
umfassen höchstens 0,3 Millionen Kubikfuß pro Acre, während 
für Geschäfts- und Industriegebiete 1,5 Millionen Kubikfuß pro 
Acre für zulässig erachtet werden. 
Unwins Freiflächendiagramme zeigen links die übliche An 
ordnung ringförmiger und radialer Grünverbindungen im be 
bauten Gebiet, stellen rechts diesem Schema als Ideal eine andero 
Lösung gegenüber, welche nicht Freiflächen in Baugebiete, 
sondern einzelne Baugebiete in das Freiflächengelände ein 
gliedert (Abb. 1). 
Die Auflockerung der Bebauung hat nach dem Kriege auch 
in England sehr stark Platz gegriffen. Sie äußert sich natur 
gemäß im Lande des Einfamilienhauses nicht in einer Herab- 
zonung der Geschosse, sondern in der Beschränkung der Zahl 
der Häuser auf die Flächeneinheit. An Stelle der Höchstaus 
nutzung der Vorkriegszeit von 56 Häusern auf einen Acre ist 
heute nur eine Ausnutzung von 20 Häusern gestattet. 
Leeds, die Stadt der Großindustrie, ist gegenüber den 
Städten der Textilindustrie und der Kleineisenindustrie (Bir 
mingham) in der glücklichen Lage, daß eine ausgesprochene 
Trennung von Wohngebieten und Industriegebieten besteht, 
die sich dadurch herausgebildet hat, daß die Großindustrie 
Eisenbahnanschluß braucht. Leeds hat seit 1900 große An 
strengungen gemacht, um sein Freiflächensystem auszubauen. 
Als Freiflächenmaß für London hat Raimond Unwin 1 / 10 des 
Bruttogeländes vorgeschlagen, wozu noch 7 Acre auf je 1000 Per 
sonen für Spielplätze kommen. Das Maß von 7 Acre auf je 
1000 Personen ergibt 2,8 qm Spielfläche auf den Kopf, also an 
nähernd das gleiche Maß (3,0 qm), das in Deutschland in An 
wendung ist. 
Birmingham, die Stadt der Kleineisenindustrie, welche 
ähnlich wie die Industrie Solingens und Remscheids bis vor 
kurzem noch stark hausindustriellen Charakter hatte, zeigt 
naturgemäß nicht die klare Trennung von Industrie- und Wohn 
gebieten, welche die Städte der Großindustrie aufweisen. 
Birmingham war die erste Stadt Englands, die einen Stadtplan 
aufstellte, und sie besitzt daher zum Teil für englische Verhält 
nisse bemerkenswerte Breiten der Verkehrstraßen auch in der 
Innenstadt. Die gegenseitige Lage der Industrie- und Wohn 
gebiete ist aber so verworren, daß eine Sanierung außerordent 
lichen Schwierigkeiten begegnet. 
Etwa 100 ha Slums sind bisher in London saniert worden, 
und die Sanierung wird dauernd fortgesetzt. Hierbei hat Lon 
don den Vorzug, daß durch Übergang vom Einfamilienhaus 
zum Hochbau mit 4 und 5 Geschossen sehr große Freiflächen 
erzielt werden können, obwohl die gleiche Zahl von Einwoh 
nern im sanierten Gebiet wieder untergebracht wird. In Berlin 
oder Paris würden derartige Sanierungen eine weit schlechtere 
Bilanz ergeben. 
Für den Verkehrsdurchbruch des Kingsway in London, der 
eine Umsiedlung von 7000 werktätigen Personen erforderlich 
machte, liegt eine Rentabilitätsberechnung vor, die mit dem 
31. März 1930 abschließt (Abb. 2). Die Gesamtkosten betrugen 
100 Milhonen Mark. Das Bauland, das zum Teil bereits ver 
kauft ist, ist mit 80 Millionen Mark bewertet, so daß ein Zu 
schuß von 20 MilUonen Mark notwendig wird. Die Zinsenlast 
bis zum 31. März 1930 war aber auf 70 Millionen Mark auf 
gelaufen, denenMieteinnahmen von nur 30 Millionen Mark gegen 
überstehen. Der Zuschuß für die Verzinsung betrug also bisher 
40 Millionen Mark und ist bereits doppelt so hoch als der Zu 
schuß an Kapital. Man ersieht hieraus, wie stark die Möglich 
keit, Durchbrüche herzustellen, bestimmt ist durch das Tempo 
der Entwicklung. 
Seit dem Kriege sind 939 000 Häuser mit Staatshilfe erbaut 
worden und 537 600 ohne Staatsbeihilfe. 10 Millionen Menschen 
sind an Baugenossenschaften angeschlossen. Die Tilgungs 
hypotheken der englischen Bausparvereine sind auf 75 v. H. des 
durch diese Vereine selbst festgestellten Schätzungswertes aus 
gedehnt. Darüber hinaus aber kann nach dem Wohnungs 
gesetz von 1923 mit Bürgschaft der Lokalbehörden die Be 
leihung auf 90 v.H. erhöht werden. England hat also das Problem 
der zweiten Hypothek für Kleinwohnungen durch Bürgschaft 
der Gemeinden für diese Hypothek gelöst. 
Die bekannte Oartenstadt Letchworth, die 1903 begonnen 
wurde, zählt heute 15 000 Einwohner in 3662 Häusern. Ferner 
befinden sich 111 Fabriken hier. Welwyn, das 1919 begonnen 
wurde, zählt heute 10 000 Einwohner in 2371 Häusern. Ferner 
besitzt es 32 Fabriken. Trotz der zahlreichen Fabriken sind 
diese beiden Gartenstädte wirtschaftlich nicht völlig selb 
ständig, sondern stark mit dem Londoner Arbeitsmarkt ver 
bunden. Die Zahlen der von hier nach auswärts zur Arbeit 
Fahrenden und von auswärts zur Arbeit Kommenden sind 
erheblich.
	        
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