Path:
Volume Nr. 45/46

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung vereinigt mit Zeitschrift für Bauwesen (Public Domain) Issue 1931 (Public Domain)

667 
Minister der öffentlichen Arbeiten van Caenegen und sechs 
weitere Vertreter der an dem Kongreß beteiligten fremden 
Staaten. 
II. Ausflüge und festliche Veranstaltungen. Außerhalb der 
Sitzungen fanden noch einige Vorträge statt, die meistens gut 
besucht waren. Hervorgehoben zu werden verdient ein sehr 
interessanter Vortrag des Präsiden der Provinz Mailand, Sileno 
Fabbri, über den Hafen von Mailand und die in der Ausführung 
begriffene Kanalverbindung Mailand—Venedig. Ferner ein Vor 
trag des Führers der französischen Delegation, Generalinspektor 
der Brücken und Wege Watier, über Baggerarbeiten auf der 
Barre vor der Mündung der Gironde. Durch das mit mehreren 
Gelenken versehene Saugrohr des Seebaggers ist es möglich, 
bei Wellen bis zu 4,5 m Höhe die Baggerarbeiten an dieser 
dem Seegang vom Atlantischen Ozean außerordentlich expo 
nierten Stelle durchzuführen. Die vorgelegten Peilungskarten 
ließen den Erfolg der Arbeiten deutlich erkennen. 
Während und nach den Kongreß Verhandlungen fand eine 
Reihe von Ausflügen statt. Alle Teilnehmer an diesen Ausflügen 
waren des Lobes voll über die ihnen in den verschiedenen außer 
halb Venedigs belegenen Städten und Ortschaften erwiesene 
Gastfreundschaft. Am 23. September traten diejenigen Kon 
greßteilnehmer, die sich hierzu gemeldet hatten, die Reise nach 
Genua an zur Besichtigung der dortigen Hafenanlagen. Am 
24. wurde die Reise nach Rom fortgesetzt, wo ein feierlicher 
Empfang bei Mussolini stattfand. — 
In dem am Lido herrlich belegenen Hotel Exzelsior fanden 
während des Kongresses drei Bankette statt, die von der Stadt 
verwaltung Venedigs, von der italienischen Regierung und von 
dem faschistischen National verband für das Transportwesen 
geboten wurden. Die wundervollen Räume, in denen diese Ban 
kette abgehalten wurden, hatten den einen einzigen Nachteil, 
daß die gehaltenen Reden nur von einem ganz engen Kreise 
gehört werden konnten. Außerdem hatte der Oberbürger 
meister der Stadt Venedig zu einem Abendempfang auf dem 
Rathaus eingeladen, bei dem auf einem Ponton in dem festlich 
erleuchteten Canale Grande die städtische Musikkapelle 
konzertierte. Eine den Kongreßteilnehmern gebotene aus 
gezeichnete Aufführung des Barbier von Sevilla im Theater 
La Fenice verdient auch erwähnt zu werden. 
Der XV. Kongreß in Venedig muß als ein würdiger Nach 
folger der vorangegangenen Kongresse angesehen werden. 
Der Erfolg der darin geleisteten Arbeiten liegt in den Berichten 
und in den gefaßten Beschlüssen vor. Es darf allerdings auch 
nicht verschwiegen werden, daß die vier Sprachen, denn zu den 
drei satzungsgemäß zugelassenen Sprachen, deutsch, englisch 
und französisch, kam noch die italienische Sprache hinzu, den 
Gang der Verhandlungen zeitweise recht hemmten. Auch bei 
dieser Gelegenheit machte sich der Mangel an geeigneten 
Dolmetschern geltend; es ergab sich, daß technisch gebildete 
Dolmetscher, deren Arbeitsgebiet aber den behandelten Gegen 
ständen fern lag, große Schwierigkeiten hatten, ihrer Aufgabe 
gerecht zu werden, weil ihnen die technischen Ausdrücke viel 
fach unbekannt waren und sie sich vielfach auch schwer in den 
behandelten Fragen zurechtfinden konnten. — Leider muß 
auch bedauert werden, daß die deutschen Übersetzungen, 
sowohl mancher Berichte als auch mancher General berichte, 
äußerst mangelhaft waren; ähnliche Klagen wurden übrigens 
auch von englischsprechenden Kongreßteilnehmern hinsicht 
lich der englischen Übersetzungen laut. Diesem Übelstande 
kömite nur dadurch wirksam abgeholfen werden, daß von dem 
ständigen Büro in Brüssel künftig Übersetzungen nur unter 
Vermittlung der örtlichen Organisation in den verschiedenen 
Ländern angefertigt würden. Zur besseren Kontrolle der Lei 
stungen der Übersetzer sollten auch die Übersetzungen mit den 
Unterschriften der Dolmetscher versehen sein. 
Der Präsident des Kongresses, Exzellenz Giurati, stellte 
in seiner Schlußansprache als Bilanz der internationalen Zu 
sammenkunft fest, daß 900 Teilnehmer aus 35 Nationen, 
6 internationale Verbände, worunter der Völkerbund, 40 wissen 
schaftliche Verbände, ebenso viele Professoren von Technischen 
Hochschulen und die namhaften Ingenieure der verschiedenen 
Länder an den Verhandlungen teilgenommen hätten. In seiner 
Begrüßungsansprache habe er gesagt, daß Italien und Venedig 
stolz seien, den Kongreß zu beherbergen; am Schlüsse müsse er 
hinzufügen, daß dieser Stolz durch die Bedeutung der geleisteten 
Arbeit erhöht sei. Dieser Kongreß sei weder eine Versammlung 
von Rhetorikern noch eine akademische Veranstaltung, sondern 
eine sehr bedeutende und nützliche Zusammenkunft gewesen, 
deren Ergebnisse in der Geschichte des wissenschaftlichen 
Fortschritts denkwürdig bleiben werden. 
WASSERGENOSSENSCHAFT „WEISSE ELSTER 44 . 
GUTACHTEN IM HOFF-FRIES. 
„HALLE 
MERSEBURG 
Über die starke Verschmutzung der sächsisches, thürin 
gisches und preußisches Gebiet berührenden Weißen Elster 
einschließlich ihrer Nebenflüsse, namentlich der Pleiße, durch 
Abwasser der anliegenden Gemeinden und Gewerbebetriebe 
werden seit Jahrzehnten lebhafte Klagen geführt. Die Be 
kämpfung der Flußverunreinigungen ist im Gesundheits 
interesse dringend geboten. Da 
neben bringen diese Verunreini 
gungen auch für .die Wasser- 
nutzungsberechtigten, die für ihre 
Gewerbebetriebe auf Flußwasser 
angewiesen sind, erhebliche wirt 
schaftliche Nachteile mit sich. 
Nach Ansicht der zuständigen 
Länderregierungen läßt sich die 
Reinhaltung wirksam nur da 
durch erreichen, daß ohne Rück 
sicht auf die Ländergrenzen 
eine einheitliche Wassergenos 
senschaft für das Gebiet ge 
gründet wird. Man stützt sich 
dabei auf die günstigen Erfah 
rungen, die in Preußen mit 
ähnlichen Reinhaltungsgenossen 
schaften, wie z. B. dem Ruhr 
verband, gemacht worden sind. 
Die drei Länder beabsichtigen 
daher, einen Staatsvertrag mitein 
ander abzuschließen, auf Grund 
ASCH 
Übersichtskarte. 
dessen das gesamte Niederschlaggebiet (vgl. die Übersichts 
karte) mit Ausnahme ganz kleiner Flächen im Quellgebiet, die 
zu Bayern und zur Tschechoslowakei gehören, zu einem Ge 
nossenschaftsgebiet zusammengefaßt wird. Über die Bildung 
dieser Genossenschaft ist auf Veranlassung der Länderregie 
rungen von dem Geschäftsführer des Ruhrverbandes Dr.-Ing. 
Imhoff, Essen, in Gemeinschaft mit Oberingenieur Fries ein 
Gutachten erstattet worden, das gleichzeitig die allgemeine 
Begründung zu dem Entwurf des Staatsvertrages bildet und 
hier kurz besprochen werden soll. 
Die Weiße Elster entspringt im böhmischen Teil des Elster 
gebirges in der Nähe von Asch auf etwa + 700 m über NN. 
Die Mündung des Flusses in die Saale oberhalb Halle liegt auf 
+ 78 m über NN, so daß sich für den etwa 250 km langen 
Flußlauf eine Gesamtfallhöhe von 022 m ergibt. Man kann drei 
natürliche Abschnitte unterscheiden; der Oberlauf von der 
Quelle bis Greiz (85 km) ist ein ausgesprochener Gebirgsfluß, 
der Mittellauf bis Zeitz (72 km) hat mehr den Charakter eines 
Hügellandflusses und der Unterlauf bis zur Mündung (93 km) 
durchfließt nur Flachland. Die Weiße Elster hat ein Gesamt 
niederschlaggebiet von 5100 km 2 . Der bedeutendste Nebenfluß 
ist die Pleiße mit einem Niederschlaggebiet von 1431 km 2 und 
93 km Lauflänge. Weitere wasserreiche Nebenflüsse sind der 
Triebbach, die Göltzseh, die Weida und die Parthe. Diese 
Bäche führen der Elster auch mehr oder weniger bedeutende 
Abwassermengen der verschiedensten Herkunft zu. 
Bei Crossen zweigt links aus der Weißen Elster der im 
16. Jahrhundert erbaute sogenannte Floßgraben ab, der unter 
halb der Stadt Leipzig in die Luppe, den zweiten natürlichen 
Mündungsarm der Elster, einmündet. Die Verteilung des Was 
sers auf Luppe und Elster wird durch Wehre geregelt. 
Abgesehen von den geschlossen bebauten Städten, deren 
größte Leipzig mit 687 000 Einwohnern ist, zeigt das Nieder 
schlaggebiet noch vorwiegend landwirtschaftlichen Charakter. 
Vorherrschend ist der Ackerbau mit 63 v H der Gesamtfläche. 
Wiesen nehmen 8 vH ein und bewaldet sind 21,4 vH. Von dem 
Lauf der Weißen Elster liegen 14 km in der Tschechoslowakei, 
108 km in Sachsen, 59 km in Thüringen und 69 km auf 
preußischem Boden. Das Niederschlaggebiet verteilt sich auf 
Sachsen mit 2 618 qkm und 1 423 600 Einwohnern, auf Thü 
ringen mit 1 710 qkm und 387 500 Einwohnern und auf Preußen 
mit 708 qkm und 151600 Einwohnern; der Rest mit 64 qkm 
und 14000 Bewohnern entfällt auf Bayern und Tschechoslowakei.
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.