Path:
Volume Nr. 45/46

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung vereinigt mit Zeitschrift für Bauwesen (Public Domain) Issue 1931 (Public Domain)

663 
Abb. 10. Gewölbereihesperre der Kraftanlage Rio de Pedras 
(Brasilien). Entnahmeturm mit Rechenreinigungsmaschine. 
Freistrahlturbinen, zur Verminderung der Gebäude- und Kran 
kosten \md zur Erzielung möglichst hoher Umdrehungszahlen 
die Neigung zum vermehrten Einbau mit senkrechter Welle. 
Die uns hauptsächlich von skandinavischen Anlagen bekannte 
unterirdische Turbinenaufstellung (Kavernen-Werke) finden 
wir jetzt auch in Frankreich (Abb. 9) und Italien. Das Kraft 
werk Brommat der Societö des Forces Motrices de la Truyere 
hat eine Leistung von 150 000 kW mit 300 Millionen kWh 
Jahresarbeitsmöglichkeit. Abb. 8 zeigt eine interessante 
norwegische Anlage mit einem neuerdings gelegentlich auch bei 
uns vorkommenden Unterwasserstollen (FriedIngen, Parten 
stein), der naturgemäß mit einem Unterwasserschwallraum 
ausgestattet ist. 
Eine besondere Stellung nehmen Pumpspeicheranlagen ein. 
Die hydraulische Akkumulierung in der Form des Hoch- 
pumpens von Wasser durch Ueberschußkraft und Wieder 
ausnutzen bei Kraftmangcl ist schon früher verwirklicht 
worden. Aber erst das letzte Jahrzehnt hat hier Großaus- 
fiihrungen gebracht. Der in den letzten Jahren entbrannte 
Kampf zwischen Wasserspeicherung und Spitzendeckung durch 
Wärmeanlagen hat in jüngster Zeit insofern eine Wendung 
zugunsten der Pumpspeicherung erfahren, als drei große 
deutsche, bisher vorwiegend auf Dampfkraft eingestellte 
Kraftwerke: die Energieversorgung Groß-Dresden A. G., die 
Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerke Essen und die 
Preußische Elektrizitäts-A. G. sich im Pumpspeicherwerk 
Niederwartha bzw\ Herdecke und Bringhausen dieser neuen 
Spitzendeckungsart bedienen. Die Abb. 11 und 12 kennzeich 
nen die wirtschaftlichen Eigenschaften der im allgemeinen in 
Frage kommenden beiden Speicherbeckenformen: Nieder 
wartha, das Talsperrenbecken mit einer langen, mit Wasser 
schlössern auszustattenden Druckrohrleitung und unvoll 
ständig ausgenutztem Beckenraum — Herdecke, das künstlich 
auszuhebende Speicherbecken mit 5 bis 30 m hohen Um 
fassungsmauern aus Beton, jedoch mit einer kurzen Druck- 
rohrleitung und daher kürzeren Oeffnungs- und Schließzeiten. 
Bei den heutigen Maschinensätzen trachtet man, Turbine, 
Generator und Pumpe miteinander zu kuppeln, wobei der 
Generator während der Pumpzeit als Motor läuft (Herdecke). 
11. Entlastung8- und Energieverzehrungsanlagen. 
Eine besondere Bedeutung und eine hohe Entwicklungs 
stufe haben in den letzten Jahren jene Konstruktionen erlangt, 
die bei plötzlichen Betriebstörungen oder -Unterbrechungen 
zur unschädlichen Umleitung des in der Regel geschiebefreien 
Wassers um die Krafthäuser und zur Verzehrung der hierbei 
auftretenden Energie notwendig werden. Sie lassen sich in 
Entnahme-, Ableitungs- und EnergieverzehrungsVorrichtungen 
gliedern, w'obei gelegentlich zw r ei oder alle drei Zwecke von 
einem Bauglied erfüllt werden (z. B. Saugheber). Die älteste 
und einfachste Entlastungsvorrichtung — der freie Ucberfall 
oder das Streichwehr — sind in den letzten Jahren wegen 
ihrer namentlich bei kleiner Ueberfallhöhe bedeutenden Bau 
länge und Kosten mehr und mehr durch selbsttätige Stau 
körper und Saugüberfälle verdrängt worden. Da Entlastungs 
anlagen heute mehr als früher mit mechanischen Bestandteilen 
ausgerüstet sind, so wird man sich bei ihrer Auswahl vor allem 
bewußt sein müssen, daß ihre Herstellung besonders zuver 
lässig sein muß, daß ihr Sicherheitsgrad ein hoher ist und daß 
ihre Zugänglichkeit und Wartungsmöglichkeit stets gewährt 
bleiben. Der Bauingenieur ist von den ihm bei seinen Wasser 
bauten gewohnten Maßstäben her zu leicht geneigt, diese 
mechanischen Einrichtungen schon deswegen als nebensächlich 
zu betrachten, w r eil ihre Anschaffungskosten meist nur einen 
verschwindend kleinen Teil im Gesamtaufwand für eine Wasser- 
kraftanlage ausmachen. Er übersieht jedoch, daß die Kosten 
dieser mechanischen Ausrüstungen außer jedem Verhältnis zu 
ihrer Wichtigkeit für das zuverlässige Arbeiten der Gesamt 
anlage stehen. Eine im letzten Jahrzehnt sehr weitgehend 
fortentwickelte und empfehlenswerte Form eines selbsttätigen 
Ueberfalles bildet neben einzelnen der zahlreichen Stauklappen 
systeme der Saugheberüberfall 2 ). Das rege Interesse, dem 
dieser in den letzten Jahren begegnet ist, zeigen auch die zahl 
reichen Laboratoriumsversuche, bei welchen die Mittlere 
Isar A.-G. (Miag) w'egw’eisend vorangeschritten ist und denen 
2 ) Vgl. Marquardt: ..Talsperren“. Handbuch ftir Bisenbetonbau, 3. Aufl., Bd. IV., 
S. 329 bis 337. Berlin 1920. W. Ernst u. Sohn. 
Abb. 11. Gesamtanlage des Pumpspeicher 
werks Niederwartha der Energieversor 
gung Groß-Dresden A.-G. 
a oberes Becken, b Sperrdamm, c Einlauf bauwerk, 
d obere Druckrohrleitung, e Wasserschlösser, f untere 
Drurkrohrleitung, g Krafthans, h unteres Speicherbecken.
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.