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Volume Nr. 39

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung vereinigt mit Zeitschrift für Bauwesen (Public Domain) Issue 1931 (Public Domain)

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Berechnung der Wassermenge gestatten, soll auf sie hier noch 
besonders eingegangen werden. Die linke Kurve (Abb. 4 für 
Punkt 5 des Querschnitts) stellt die Veränderung der Ge 
schwindigkeiten an dem betr. Punkt der Strombreite bei Ebbe, 
die rechte jene bei Flut dar. 
Die Ebbegeschwindigkeitskurven zeichnen sich durch 
rasches Ansteigen beim Beginn und durch noch rascheres 
Abfallen am Schluß der Strömung aus und haben dazwischen 
einen ziemlich gleichmäßigen, wenig veränderlichen Verlauf. 
Eine unbedeutende Unregelmäßigkeit, die um 10 Uhr herum 
(rd. 3 Std. nach der Stromkenterung) auftrat, ist typisch für 
alle Stellen des Querschnitts; eine weitere Unregelmäßigkeit 
zeigte sich bei einigen Kurven auch noch einmal um 12 Uhr 
herum (rd. 2 Std. vor der nächsten Kenterung). Diese Unregel 
mäßigkeiten sind vermutlich auf den Ablauf der Ebbe in der Elbe 
zurückzuführen, wovon aus früheren Messungen bekannt ist, 
daß Unstetigkeiten im Ablauf durch Watten und durch die 
Ostebank veranlaßt werden. Im ganzen genommen geht der 
Ablauf der Ebbe in der Oste ziemlich ungestört vor sich. 
Die Flutgeschwindigkeitskurven zeichnen sich durchweg 
durch einen sehr steilen Anstieg bei Beginn der Flut aus. Unge 
fähr 1 Stunde nach der Stromkenterung ist bereits die Höchst 
geschwindigkeit erreicht, die sich nur ganz kurz hält und zu 
nächst sehr rasch, dann ziemlich allmählich, zuletzt wieder 
sehr rasch abnimmt. Dieser Verlauf der Flutgeschwindig 
keitskurven erklärt sich daraus, daß oberhalb der Meß 
strecke breite Wattflächen vorhanden sind, über die sich das 
Flutwasser rasch ausbreitet, so daß ein starker Nachschub von 
Flutwasser, d. h. große Geschwindigkeit die Folge ist. 
Vergleicht man die Ebbe* und Flutgeschwindigkeits 
kurven miteinander, so ergibt sich die überraschende Tatsache, 
daß die Strömungsgeschwindigkeiten bei Flut im allgemeinen 
größere Höchstwerte aufweisen als bei Ebbe. Eine Ausnahme 
macht nur Punkt 2 des Querschnitts, 
Zur weiteren Behandlung der sich hier erhebenden Fragen 
sind die Inhalte der Flächen zwischen den Kurven und der 
Abszissenachse ermittelt worden. Ein solcher Inhalt hat die 
Dimension ^ ^ ■ sek = m, ist also eine Länge, und zwar stellt 
diese Länge den Weg dar, den ein Punkt zurücklegen würde, 
wenn er sich von der betr. Stelle aus geradlinig während der 
Tide mit den durch die Kurve gegebenen wechselnden Geschwin 
digkeiten fortbewegt hätte. Diese Wege bezeichne ich, wie in 
einer früheren Abhandlung 6), als ideelle Ebbe- und Flutwege, 
Nachstehende Tafel enthält die ermittelten Werte. 
Tafel 1. Ideelle Ebbe- und Flutwege. 
Strombreiten 
abschnitt Nr.: 
1 
2 
3 
4 
5 
6 
7 
8 
Maßstabfaktor 1 ); 
180 
Inhalt der 
Ebbefläche*) (cm*): 
35.4 
79,6 
83,2 
79,5 
73,8 
64,0 
56.3 
22,3 
Ideeller Ebbeweg (m): 
6 370 
14 330 
14 975 
14 310 
13 285 
11 520 
10 185 
4 015 
Inhalt der 
Flutti&che*) (cm*): 
37,0 
60,0 
72,9 
77,8 
76,7 
75,3 
71,8 
52,6 
Ideeller Flutweg (m): 
6 655 
10 800 
13 120 
14 005 
13 805 
13 555 
12 925 
9 470 
Anmerkungen: 
*) In der Urzelchnung der Kurvenpaare wurden die Maßstäbe 1 Std. — 3600 sek 
2 cm und 1 m/Bek = 10 cm verwendet. Es Ist also 2 cm • 10 cm ~ 8600 sek 
somit 1 cm* — 180 m. 
*) Durch Planimetrierung erhalten. 
Aus den ideellen Ebbe- und Flutwegen und der bekannten 
Dauer von Ebbe und Flut kann man die mittlere Ebbe- und 
*) „BautechniJc“ 1031, Heft 32, S. 476. 
Flutgeschwindigkeit für die verschiedenen Querschnitts- 
anteile 1 bis 8 errechnen. Diese und die zugehörenden mittleren 
Querschnittsgrößen (s. Abb. 3) ergeben die Wassermengenan 
teile für jeden Querschnittsanteil, und hieraus folgt die gesamte 
Wassermenge der ganzen Tide für Ebbe und Flut, wenn man 
zunächst die Geschwindigkeit in etwa 1 m Wassertiefe als für 
die ganze Lotrechte geltend zugrunde legt. Aus Mangel an 
Raum muß die Einzeldurchführung der Rechnung hier unter 
bleiben ; es soll nur das Endergebnis mitgeteilt werden: 
Wassermenge der Ebbe ... 11 139 400 m 3 1 T 
Wassermenge der Flut .... 12 544 200 m 3 J a ' 
Zur Ermittlung der tatsächlichen Wassermengen ist die 
Kenntnis der mittleren Geschwindigkeiten erforderlich. Zur 
Umrechnung der Geschwindigkeiten in 1 m Tiefe in die der 
mittleren Geschwindigkeiten sind besondere Vergleichsmessun 
gen angestellt worden. Zu diesem Zweck wurde ungefähr in der 
Mitte aes Stroms etwas unterhalb der Meßstrecke (s. Abb. 1) 
von dem Dampfer „Neufeld“ aus mittels des Ottschen 
Sohwimmflügels während der ganzen Dauer der Tide die Ge 
schwindigkeit Vj in 1 m Wassertiefe und unmittelbar anschlie 
ßend durch Integrationsmessung die mittlere Geschwindigkeit 
Y m in der Lotrechten festgestellt. Damit erhielt man unter 
Ausschaltung offensichtlich irrtümlicher Anschreibungen und 
der unbrauchbaren Werte um die Zeit der Stromkenterung 
herum 304 Verhältniszahlen v m : v 1? die als Mittel den Wert 
0 
0,92 ergaben. Nach Engels ist das Verhältnis : v„ — y~0,86, 
worin v 0 die Oberflächengeschwindigkeit bedeutet, mit einem 
Fehler bis zu 10 vH, so daß es also zwischen 0,77 und 0,95 
schwankt. Mit dem gefundenen Wert 0,92 erhält man aus Ia 
die tatsächliche Wassermenge der Ebbe zu 
11 139 400 • 0,92 ~ 10 248 000 cbm 
die tatsächliche Wassermenge der Flut zu 
12 544 200 • 0,92 ~ 11 541 000 cbm 
Für eine eingehendere Berechnung als die vorhergehende, 
mehr überschlägige, benutzt man die 26 Geschwindigkeits- 
kurven. Um die Rechnung nicht unnötig umständlich zu ge 
stalten, wird man nicht die sehr vielen einzelnen Schwimmer 
geschwindigkeiten mit dem Faktor 0,92 versehen, die Kurven 
zeichnen und die Rechnung durchführen, sondern mit den auf 
Grund der Geschwindigkeiten in 1 m Tiefe gezeichneten Ge- 
schwindigkeits- und Wassermengenkurven die Rechnung 
durchführen und die so ermittelten Wassermengen der Ebbe 
und der Flut erst zum Schluß mit dem Faktor 0,92 versehen. 
Die Wassermengenkurven erhält man, indem man an einer An 
zahl von Stellen das Produkt aus Geschwindigkeit und zuge 
hörender Tiefe als Ordinate aufträgt und die Endpunkte durch 
einen Kurvenzug verbindet. Die Fläche zwischen dieser Kurve 
und dem Wasserspiegel stellt dann die sekundliche Wasser 
menge dar, wenn man zunächst die Geschwindigkeit in I m 
Tiefe als Geschwindigkeit in der Lotrechten annimmt. Die 
Berechnung der Gesamtwassermengen ist aus nebenstehender 
Tafel 2 zu ersehen. 
Es ergibt sich damit 
die tatsächliche Wassermenge der Ebbe 
zu 10 885 800 m 8 • 0,92 ~ 10 015 000 m 8 ... 
die tatsächliche Wassermenge der Flut . . . 
zu 12 832 800 m 8 • 0,92 ~ 11 806 000 m 8 ... 
Diese Werte stimmen genügend gut mit den Werten unter 
I b überein. 
Statt die Kurven für 1 m Wassertiefe zu zeichnen, hätte 
man alle Geschwindigkeiten im voraus mit der Verhältniszahl 
0,92 umrechnen und dann die Geschwindigkeits- und Wasser 
mengenkurven zeichnen können, woraus sich die endgültigen
	        
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