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Volume Nr. 38

Full text: Zentralblatt der Bauverwaltung vereinigt mit Zeitschrift für Bauwesen (Public Domain) Issue 1931 (Public Domain)

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NEUBAUTEN AUF DEM BERLINER SCHLACHTHOF, 
Von Magistratsoberbaurat Straßmann, Berlin. 
(Schluß von Seite 529.) 
III. Das neue Binder schiachthaus. 
Die Zunahme der Rinderschlachtungen hatte bereits im 
Jahre 1912 den Bau eines großen Schlachthauses veranlaßt. 
Neben diesem ist 1930 ein weiteres Schlachthaus gebaut 
worden. Während die alten Rinderschlachthäuser des Berliner 
Schlachthofes aus einzelnen Schlachtkammem bestehen, 
sind die beiden neuen Häuser allgemeine Schlachthallen; 
sie sind miteinander durch einen Zwischenbau verbunden, 
der im Erdgeschoß die Kühlhalle aufnimmt und in dem 
gegen die Kühlhalle abgeschützten Obergeschoß Ge 
schäftszimmer für die Großschlächter, Aulenthalträume 
für Beamte des Schlachthofes und der Fleischbeschau 
und Wasch-, Bade- und Umkleideräume für die Gesellen. Durch 
die unmittelbare Verbindung zwischen Schlachthaus, Kühl 
halle und Nebenräumen ist eine für den Verkehr und Betrieb 
gedrängte wirtschaftliche Anlage geschaffen, die sonst nur bei 
Schlachthöfen mittleren Umfanges möglich ist, will man nicht 
wie in Amerika zu mehrgeschossigen Anlagen übergehen. 
Das 1930 gebaute Schlachthaus von 98 m Länge und 
27 m Breite ist ein dreischiffiger, nicht unterkellerter Bau, der 
in seinen drei Teilen den einzelnen Abschnitten des Schlacht 
betriebs entspricht. Der Länge nach ist das Haus in 30 gleiche 
Sehlachtstraßen aufgeteilt, die einzeln oder zu mehreren den 
Großschlächtem entsprechend dem Umfange ihrer Schlach 
tungen überlassen werden. Zurzeit arbeiten in den beiden 
Häusern 60 bis 70 Großschlächter. Da eine Schlachtung durch 
schnittlich eine halbe Stunde beansprucht, können bei acht 
stündigem Betrieb und den 30 Schlachtstraßen in jedem der 
beiden Häuser etwa 500 Rinder am Tage geschlachtet werden 
und an 200 Schlachttagen rund 100 000 im Jahre, in beiden 
Schlachthäusern zusammen 200 000 Rinder. 
Je zwei Schlachtstraßen entspricht eine Tür, durch welche 
die Tiere von den gegenüberliegenden Ställen zu dem Schlacht 
raum getrieben werden. Hier werden sie betäubt, durch Auf 
schneiden der Halsschlagader getötet und nach dem Entbluten 
abgehäutet, ausgebrochen und durchgehauen. Zum Ausbrechen 
und Durchhauen wird das Tier mit den Hinterbeinen unter 
Zwischenschalten eines Drülinghakens an einer Spreize auf 
gehängt, die durch eine elektrische Winde — früner Hand 
winde — dem Arbeitsgange folgend gehoben wird. Um das 
Schlachthaus zur besseren Übersicht und leichteren Rein 
haltung von Einbauten möglichst frei zu halten, sind die 
Winden über dem Schlachtraum in einem hellen Bodenraum 
aufgestellt und werden von unten durch Zugschnüre bedient. 
Bei Störungen in der elektrischen Stromzuführung können die 
Winden auch von Hand mit Kettenzug betätigt werden. Von 
den Spreizen wechseln die in Hälften gehauenen Rinder mit 
den Dnllinghaken auf Laufkatzen mit Jochen über, auf denen 
die ausgeschlachteten Tiere nunmehr durch den weiteren 
Arbeitsfortgang bis zur Abfuhr auf den Fleischgroßmarkt 
hängen bleiben. Hierzu dient eine in 4 m Hohe liegende Gleis 
bahn mit Kurven und Weichen, auf der die Laufkatzen mit 
Handstangen fortbewegt werden. 
In dem erhöhten zweiseitig belichteten Mittelschiff, das 
nütedem Schlachtraum eine zusammenhängende Halle bildet, 
wird das Fleisch von den Tierärzten der städtischen Fleisch 
beschau untersucht und bleibt zum vorläufigen Auskühlen 
hängen. Jeder Schlachtstraße entspricht hierbei ein Haken 
gerüst für die Innenteile der Rinder. Die bei der Untersuchung 
beanstandeten Teile werden, soweit sie sich noch zur mensch 
lichen Nahrung eignen, in besonderen Anlagen von den schäd 
lichen Keimen befreit und auf der Freibank verkauft. Die 
übrigen beanstandeten Teile werden beschlagnahmt und von 
den Beamten, der Fleischbeschau in Kästen geworfen, die in 
Gruben außerhalb an der Vordermauer des Schlacht 
raumes stehen, um wie bei den Winden einen möglichst
	        
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